(Meist) im Zelt durch Saudi Arabien!

Reisebericht 82 Antworten · 9'611 Aufrufe · gestartet 27. Dez. 2024 von KTM
Themenstarter184 Beiträge · seit 201027. Dez. 2024 · #1
Liebe Fomis,

weil Ihr in diesen Tagen vielleicht Ruhe zum Lesen habt und weil vor allem wir ruhigere Tage zum Tippen unseres Reisetagebuchs haben, wollen wir Euch teilhaben lassen an unserer diesjährigen Reise nach Saudi Arabien (24. Okt. – 17. Nov. 2024).

Nach vielen Camping-Reisen in verschiedene Länder von Afrika waren wir gleich nach der Corona Pandemie auf einer sehr ausführlichen Selbstfahrer Camping-Rundreise im Oman. Das hat unseren Fokus auf Saudi Arabien gebracht. Es gab für uns zwei Beweggründe, nach Saudi zu reisen:
Erstens weil der Tourismus in Saudi Arabien erst langsam in die Gänge kommt und wir das Land noch möglichst vom Tourismus, wie er den Saudis vorschwebt, unberührt erleben wollten, und zweitens haben uns die Wüsten-, Gebirgs- und Felslandschaften Saudi Arabiens interessiert. Nachdem man überall im Land wild campieren darf, war es ein Traum von uns, diese Landschaften hautnah auf diese Weise zu erleben, und dieser Traum ging zum Glück auch voll auf.

Der komplexen politischen und gesellschaftlichen Situation Saudi Arabiens sind wir gewahr. Nichts davon machen wir hier zum Thema, sondern wollen Euch einfach nur an Auszügen unseres persönlichen Reisetagebuchs teilhaben lassen. Wir haben bewusst versucht, uns wertfrei auf dieses Land einzulassen und anzunehmen, was da kommt.

Um Enttäuschungen vorzubeugen, ein Hinweis: Im Gegensatz zu vielen anderen Fomis, die wir bewundern und teilweise beneiden, sind wir absolut keine Fotografen und machen relativ wenige, dafür schlechte Schnappschüsse und Erinnerungsbilder mit unseren alten Handys. Insbesondere ein Hauptinteresse unserer Reise, nämlich die immens schönen und überwältigend riesigen Landschaften des Landes, lassen sich nicht annähernd durch diese Fotos wiedergeben. Trotzdem werden wir zur Illustration einige einfügen.

Meine Frau und ich freuen uns, wenn uns einige von Euch nach Saudi Arabien begleiten mögen, und wünschen Euch viel Freude beim Mitlesen und -reisen!

Liebe Grüße,
Dietmar
zuletzt bearbeitet 27. Dez. 2024
Themenstarter184 Beiträge · seit 201027. Dez. 2024 · #2
24. Oktober:

Was für ein Stress!!! Vor all unseren Abreisen war viel los und viel zu tun, aber so extrem wie dieses Mal war es noch nie. Beruflich, privat, gesundheitlich, enorme Hektik, viele Aktivitäten, auch viele schöne Erlebnisse wollen verarbeitet werden, verschiedene Themen, keine Zeit – es ist extrem dicht.

Trotzdem arbeiten wir beide bis zur Abreise, ich kümmere mich noch um den Garten, rufe zwischendurch alle lieben Leute an, mit denen ich vor der Abreise noch sprechen möchte. Unangekündigt kommt heute noch jemand, um den Stromzähler zu tauschen. Auch egal, das Haus ist eh gerade leergeräumt, weil wir unserem vertrauenswürdigen Maler die Schlüssel gegeben haben, damit er während unserer Abwesenheit das Haus ausmalt.

Heute wird noch der Flügel in weiche Bettdecken gepackt, letzte Bilder, Vasen, Körbe und anderes Zeug auf den Dachboden verfrachtet, wir versorgen verderbliche Lebensmittel, gehen ganz schnell noch duschen und düsen wirklich in letzter Minute zum S-Bahnhof. Dietmar bringt das Auto zurück nach Hause, eilt zu Fuß zum Bahnhof und schon geht’s los!

Ja, das war wirklich ein enormer Stress! Wir brauchen ca. 9 Stunden bis zum Flughafen in Istanbul, um ein wenig runterzukommen und um zu realisieren, dass wir auf Reisen sind. Beim Warten auf unserem Weiterflug beobachten wir die ersten, ankommenden Großfamilien aus Saudi Arabien, außerdem sind wir erstaunt über Männergruppen, die in weiße Frottee-Tücher gehüllt sind. Wir vermuten zuerst, es wären Ausflügler eines Sauna-Vereins 😊, erst später auf der Reise werden wir lernen, dass es sich hierbei um das offizielle Pilgergewand der Mekka-Pilger handelt.

Und vorbereitet sind wir auch nicht auf diese Reise – NULL!!! Wir haben keine Ahnung, was uns erwartet. Außer dem Bradt-Guide gibt es keinen Reiseführer, über ein kleines Reisebüro haben wir vor Monaten die Turkish-Flüge organisiert, es ist selbigem seit Monaten aber nicht gelungen, den gewünschten Geländewagen für uns zu organisieren oder wenigstens zu reservieren.
Auch Dietmar versuchte dieses vergeblich, die arabischen und europäischen Buchungsplattformen sind einfach nicht kompatibel, deutsche Kreditkarten werden nicht akzeptiert. Seit Wochen und Monaten liegt uns diese offene Autofrage im Magen, umso größer unser Erstaunen, als wir gestern völlig überraschend von Richard, dem Freund eines Freundes, der in Katar lebt, eine mail erhalten:
Darin abgebildet ein 4x4 Pickup. Der angeblich am 25. 10. am Flughafen in Riad auf uns wartet. Wir möchten uns doch an Herrn Sultan halten... Mehr wissen wir nicht, schöpfen aber Mut und Hoffnung, dass uns der Sultan von Arabien mit einem Geländewagen erwartet. 😊

Nur leider zum Packen hatten wir nun wirklich keine Zeit mehr. Wir werfen panisch alles, was irgendwie passen könnte, in den Koffer, völlig undurchdacht und eigentlich total irre. Schon im Flug nach Istanbul fällt mir ein, dass ich meine aktuellen Linsen vergessen habe, und zwar das Nackenstützkissen, nicht aber den Bezug dafür mitgenommen habe. Mit meiner in Berlin-Neukölln erstandenen schwarzen Abaya und dem genialen Duschzelt, das als Sperrgepäck aufgegeben werden muss, fühle ich mich eh top ausgestattet. Die Reiseapotheke ist so dünn wie nie zuvor, wir hatten einfach keine Zeit, uns zu kümmern, außerdem steht gefühlt jedes Medikament unter Drogenverdacht. Nein, so möchte ich wirklich nie mehr in eine Reise starten!

Nun sitzen wir um 1 Uhr nachts in der letzten Reihe des Turkish Flugs von Istanbul nach Riad und sind wirklich gespannt, was uns erwartet. Im Flieger sitzen mehr Männer als Frauen, die arabischen Frauen alle in meist schwarzen Abayas und Kopftüchern in verschieden strenger Ausprägung. Kinder scheinen verwöhnt und reich zu sein...
Vor dem Abflug wird allgemein, offiziell und über Lautsprecher gebetet, Allah möge unsere Reise beschützen.

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Kaum je waren wir auf eine Reise so schlecht vorbereitet und Zeit für die Vorfreude blieb eigentlich auch nicht. Wir lassen uns einfach überraschen – auf nach Saudi Arabien!
zuletzt bearbeitet 28. Dez. 2024
Themenstarter184 Beiträge · seit 201028. Dez. 2024 · #3
25. Oktober

Nach der mittelmäßig schmeckenden Pasta und noch bevor die Tabletts wieder abgeholt werden, bin ich eingeschlafen und büsel nun in unangenehmen Sitzhaltungen bis kurz vor Riad.

Als die Pilotin von Turkish durch eine Gewitterwolke düst, werde ich kurz wach, sehe unten die absurde Straßenbeleuchtung, die sich wie bedrohlich leuchtende Tentakel durch das nachtfinstere Land ziehen, weit entfernt von dazugehörigen Orten, und schlafe dann weiter bis zur Landung in Riad. Bei dieser haben Dietmar und ich einen guten Blick auf diese riesige Stadt, gerade ist Morgendämmerung.

Unser Gepäck kommt spät, das Duschzelt erst gar nicht, später dürfen wir es vom Schalter für Extra- oder Sperrgepäck abholen. Dass Dietmars Koffer von der deutschen Polizei geöffnet und kontrolliert wurde, entdecken wir erst spät am Abend, als uns drei hineingelegte Infozettel über diese Überprüfung informieren. Zelt, Schlafsack und Technik-Equipment, Ferngläser, Batterien und Nachtkamera haben vermutlich verdächtig gewirkt. Es gab aber nichts zu beanstanden.

Obwohl Dietmar und ich also lange mit dem Gepäck brauchen und obwohl wir danach sehr lange und weit durch ein riesiges Parkhaus zu unserer Autovermietung „Key Car“ wandern, ist Herr Sultan um 7 Uhr früh noch nicht vor Ort. Ja, wir müssen ihn über WhatsApp erst einmal aufwecken, weil die beiden Kollegen vor Ort zwar hilfsbereit sind, aber rein gar nichts von uns und unserem Auto wissen. Erst nach einem recht langen Telefonat von Herrn Sultan mit seinen Gehilfen kommt Bewegung in die Sache.

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Es dauert bestimmt mehr als eine Stunde, aber am Ende bekommen wir unseren Pickup 4x4, sogar zum sensationell günstigen Preis von 6324 saudischen Rial als Monatsmiete + 1000 für die Versicherung. Wir wissen nicht, wie es zugegangen ist, aber Richard in Katar sei Dank! Unser Fahrzeug ist eine alte, klapprige, sehr dreckige und staubige Karre ohne alles, aber mit 4x4 und Pickup-Fläche! Es gibt keine Zentralverriegelung, keine Extras wie z.B. einen Spiegel über dem Beifahrersitz, aber dafür lassen sich die Fenster durch Kurbeln öffnen. Wir wollen uns nicht beklagen, es hat auf magische Weise funktioniert – es gibt ein Auto und wir freuen uns!

Unheimlich motiviert gehen wir zum Flughafen zurück, kaufen eine Sim-Card für 4 Wochen und Dietmar holt Bargeld vom ATM. Jetzt kann es losgehen!

Erst noch etwas vorsichtig steuert Dietmar unseren klapprigen Isuzu in Richtung Riad. Der Himmel wirkt vom vielen Staub fast nebelig, es ist angenehm warm. Obwohl ich neugierig bin und alles Neue anschauen möchte, werde ich auf dieser kurzen Fahrt unendlich müde. Ich falle immer wieder in einen Sekundenschlaf und kann mich bald gar nicht mehr wach halten.

Flott erreichen wir unser Hotel. So früh am Morgen ist unser Zimmer natürlich noch nicht bezugsbereit. Wir laden aber unser Gepäck aus, in der Lobby gibt es neben elektrischen Massagestühlen auch einen riesigen Screen, auf dem eine Webcam ununterbrochen die Kaaba von Mekka und die dazugehörigen Pilger zeigt – dieses „Mekka TV“ werden wir auf unserer Reise immer wieder sehen. Als wir gleich darauf zum Auto zurückkehren, falle ich dort für ca. 2 Stunden in einen tiefen Schlaf. Dietmar tut es mir gleich und so beginnen wir unsere Reise durch Saudi Arabien mit einem äußerst wichtigen Schönheitsschlaf auf dem Hotelparkplatz!

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Etwas erfrischt, inzwischen ist es noch ein wenig wärmer geworden, fahren wir das kurze Stück zum LuLu Hypermarket (seit der Omanreise genannt „Hyper-LuLu“ 🙂 ). Wie schon im Oman sind wir auch hier und heute vom Warenangebot überwältigt. Wir nehmen die dort herrschende Einkaufsstimmung in uns auf, machen viele Fotos von den üppig gefüllten Regalen und versuchen, nicht zu viel zu kaufen. Ich gewöhne mich an meine Abaya und wir beobachten die Einheimischen. Es tut uns so gut, heute einmal keine Eile und keinen Stress zu haben. So wirkt das Shoppen auf uns recht erholsam.

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Mittags kaufen wir uns ein ziemlich scharfes Chicken Biryani, das wir an den netten Tischen vor der Mall verzehren. Die ebenfalls gekaufte und recht modern verpackte Kokosnuss schaffen wir leider nicht zu öffnen. Dietmar tauscht sie um, der Öffnungsmechanismus funktioniert wieder nicht, Dietmar wird sie später im Hotel aufstechen. Trinken können wir sie aber auch dann leider nicht, weil sie innen faulig ist.

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Nach unserer kleinen Mittagspause kaufen wir noch einige Dinge, die wir zuvor vergessen haben. Nein, wir haben diesmal keine durchdachten Einkaufslisten...

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Zurück im Hotel ist nun auch unser recht großes Zimmer bezugsfertig. Viele und schwere Möbel stehen drinnen, es tut ein wenig amerikanisch. In den Details wirkt es etwas – naja: abgewohnt wäre zuviel gesagt. Manche Gewerke wie Fliesenleger hatten wohl bei der Errichtung schon eine etwas rustikale Herangehensweise. "Arabisch" halt, vermutlich. Zur Grundausstattung gehört ein Gebetsteppich, der Koran und eine Markierung, die die Gebetsrichtung gen Mekka anzeigt.

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Das Bett zieht uns magisch an, sind wir doch hundemüde. Wir freuen uns auf eine Tasse Kaffee, es stellt sich aber heraus, dass wir leider Filterkaffee statt des löslichen gekauft haben. Davon dann aber gleich zwei große Packungen. Dietmar fährt liebenswürdigerweise zurück zum Hyper-Lulu, mit der Frau vom customer-Service ist er ja schon von der zurückgegebenen Kokosnuss bekannt. Er kann zumindest die noch verschlossene Dose umtauschen und wir kommen nun doch noch zu einem Nachmittags-Kaffee.

Wenn wir jetzt der Anziehungskraft des Bettes nachgeben, schlafen wir hier am Nachmittag weg, und so überwinden wir unsere Müdigkeit und brechen noch einmal auf. Camping Equipment wollen wir kaufen. Dietmar trotzt dem argen und aggressiven Autoverkehr Riads und bringt uns unfallfrei zu einem wohl recht berühmten Campingausstatter „Rimaya“. Dort sind wir aber auf allen Ebenen enttäuscht. Das Geschäft wirkt staubig, klein, teuer und schlecht sortiert. Und so gurkt Dietmar fröhlich und mutig 16 km weiter zum riesengroßen „Al Sanidi“. Das ist eine andere Nummer! Das Shoppen macht hier Freude und das Geschäft ist beeindruckend. Wir finden eine passende Matratze für das Zelt, die auch als Sitzunterlage herhalten muss, und einen kleinen Gaskocher mit Kartuschen. Für mehr fehlt uns heute einfach die Energie.

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Wir suchen uns auf der verkehrstechnisch abenteuerlichen und anstrengenden Rückfahrt noch etwas zum Essen. Zum Glück entdeckt Dietmar ein sehr, sehr freundliches und leckeres türkisches Restaurant. Während wir uns die gemischte Vorspeisenplatte schmecken lassen, beobachten wir die anderen Gäste und besprechen die Unterschiede zum Oman, an den uns heute so vieles erinnert. Und doch auch wieder nicht, weil es sehr anders ist hier, zumindest nach den ersten Eindrücken.

Dietmar und ich sind beide froh, dass wir unser „Hosta“ Hotel gut erreichen und freuen uns nach der Dusche einfach nur mehr aufs Schlafen!

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128 Beiträge · seit 202428. Dez. 2024 · #4
KTM schrieb:es ist selbigem seit Monaten aber nicht gelungen, den gewünschten Geländewagen für uns zu organisieren oder wenigstens zu reservieren.
Auch Dietmar versuchte dieses vergeblich, die arabischen und europäischen Buchungsplattformen sind einfach nicht kompatibel, deutsche Kreditkarten werden nicht akzeptiert. Seit Wochen und Monaten liegt uns diese offene Autofrage im Magen
So ganz kann ich das Problem nicht nachvollziehen. Alle großen internationalen Vermieter-Ketten sind in Saudi-Arabien. Man kann über deren Websites buchen. Auch der deutsche Vermieter Sixt hat in Riad Partner vor Ort und vermietet u.a. Fortuner und Land Cruiser. Generell sind Miet-4x4 halt recht teuer in Saudi-Arabien und fast immer haben die Mietwagen nur 200 oder 250 km am Tag inklusive. Mehr Kilometer kosten extra. Weil das Land so riesig ist und alles weit auseinander liegt, reichen die Inklusiv-Kilometer meist vorn und hinten nicht, was die Anmietung dann effektiv noch teurer macht. Habt Ihr das Auto jetzt von Key bekommen oder hatte das Foto nichts mit der Anmietung zu tun?

Viele Grüße
zuletzt bearbeitet 28. Dez. 2024
Themenstarter184 Beiträge · seit 201028. Dez. 2024 · #5
Hallo ewbabmiz,

was Du schreibst, ist richtig: Es gibt alle diese Autos bei den großen Anbietern und sie sind einfach zu buchen. Sie kosten allerdings mindestens das zwei- bis dreifache. Und so waren wir froh, dass die Anmietung bei Key Car vor Ort dann doch funktioniert hat, offenbar weil Richard aus Katar des Arabischen mächtig war und lange nachgeforscht hat. Eine Buchung oder Reservierung hat aber weder über deren Website oder App, noch telefonisch oder über Booking oder andere Plattformen funktioniert.

Danke für Dein Interesse und dass Du mitliest! 🙂

Liebe Grüße,
Dietmar
zuletzt bearbeitet 28. Dez. 2024
2'462 Beiträge · seit 200628. Dez. 2024 · #6
Hallo Dietmar,

im Leben wäre ich nicht auf die Idee gekommen, in Saudi-Arabien zu campen. Klingt nach echtem Abenteuer. 😄 Hoffentlich ist auf der Ladefläche noch Platz - Regen muss ich ja nicht fürchten. Ich freue mich auf die Reise.

Liebe Grüße
Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
Themenstarter184 Beiträge · seit 201028. Dez. 2024 · #7
Liebe Sanne,

schön, dass Du dabei bist! Steig gerne mit bei uns ein, es könnte ab und zu ein wenig rumpelig werden, aber meistens wunderschön! 😄

Liebe Grüße,
Dietmar
211 Beiträge · seit 201328. Dez. 2024 · #8
Ich bin auch gern mit dabei und extrem neugierig, wie die Pläne Saudi-Arabiens zur Öffnung des Tourismus in der Realität von Euch wahrgenommen wurden 🤩
Wie kann man Namibia nicht lieben?
zuletzt bearbeitet 28. Dez. 2024
Themenstarter184 Beiträge · seit 201028. Dez. 2024 · #9
Vielen Dank, liebe frau_shrimp, für die interessierte Reisebegleitung! Willkommen an Bord!
Zum Organisieren unseres Camping-Equipments können wir jede Hilfe gebrauchen 😄 und es motiviert uns auch, morgen weiter zu tippen. 😎

Liebe Grüße,
Dietmar
2'534 Beiträge · seit 200728. Dez. 2024 · #10
Hi,
du bist der dritte innerhalb von wenigen Wochen, der mir über Saudi Arabien erzählt. Ich hab das auf meiner Bucket List und bin sehr gespannt, wie es euch ergangen ist. Vor allem eventuell im Vergleich zum Oman, den ich bereits ähnlich wie ihr jetzt mit Zelt, Kühlbox und restlichen vor Ort (Carrefour!) gekauften Camping Equipment samt 4*4 bereist habe. Vier Wochen sind überhaupt sehr sehr toll!
LG Wolfgang
Mit Peanut und Glück auf Namibia-Tour - RB 2015 Öfter Mal was Neues - Kaokoveld Februar 2026
zuletzt bearbeitet 28. Dez. 2024
Themenstarter184 Beiträge · seit 201029. Dez. 2024 · #11
Hallo Wolfgang,

danke auch Dir für Dein Interesse und viel Freude beim Mitlesen! 🙂
Es ist uns sehr gut ergangen, campen ist ähnlich unproblematisch wie im Oman. Der Vergleich Saudi Arabien mit dem Oman ist recht vielschichtig, kommt aber in unserem Tagebuch kaum vor, wir schicken Dir darum gerne eine pm dazu.

Schönen Sonntag und liebe Grüße,
Dietmar
391 Beiträge · seit 200829. Dez. 2024 · #12
Hallo,

bin sehr interessiert an Eurer Reise. Im Oman waren wir 2018 und dort hat es uns super gefallen aber Saudi Arabien - trotz der wundervollen Landschaft - schreckt uns politisch und kulturell doch ziemlich ab. Deshalb warte ich gespannt auf weitere Berichte.
Camperreise in die tasmanische Wildnis https://www.namibia-forum.ch/forum/weiterelaender/306857-camperreise-in-die-tasmanische-wildnis.html?start=0 Mora, Mora unterwegs auf Madagaskar https://www.namibia-forum.ch/forum/164-diverses/306553-mora-mora-langsam-langsam-auf-nord-madagaskar.html
zuletzt bearbeitet 29. Dez. 2024
Themenstarter184 Beiträge · seit 201029. Dez. 2024 · #13
26. Oktober:

Und wie wir schlafen: 11 Stunden praktisch wie betäubt! Beim Einschlafen hat Dietmar richtig Schüttelfrost, Kopfweh und eine laufende Nase vor Erschöpfung. Heute in der Früh ist er zum Glück wieder ganz gesund und ich bin rundum weich und wie neu geboren! Wir genießen es, keinen Zeitdruck zu haben und schlendern erst um 10.30 Uhr gemütlich aus dem Hosta-Hotel.

Wir machen uns nun in Ruhe auf die Suche nach unserer restlichen Camping-Ausstattung. Auf diese Weise lernen wir Riad kennen und nehmen ein wenig am Alltag der Leute hier teil, treffen freundliche und hilfsbereite Menschen und tun uns sehr schwer mit dem fürchterlich aggressiven Autoverkehr – wie froh bin ich, dass ich hier nicht fahren muss! Dietmar hat trotz dichten Verkehrs die Ruhe weg. Er wechselt virtuos von der U-Turn Spur über 6 Spuren hinweg auf die nächste Ausfahrt zu, wildes Gehupe und Aufblenden prallen an ihm ab, machen ihn eher noch ruhiger. Wie können so freundliche, sanfte und ruhige Menschen im Auto eine so gigantische Aggression verbreiten? Später auf der Reise lernen wir, dass sie wirklich nicht besser Autofahren können und ihr Fahrverhalten von uns fälschlicherweise als aggressiv interpretiert wird.

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Die Stadt selbst scheint eine riesige Ansammlung an Shoppingmalls zu sein. Derer verbrauchen wir heute zahlreiche und staunen z.B. über noch größere Campingausstatter („Al Sanidi 2“) als gestern. In großen Geschirr-Läden erhalten wir Einblick in die Tisch-, Ess- und Küchenkultur und deren Moden der Saudis und erleben über den Tag so dies und das.

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Ein unglaublich hilfsbereiter Inder macht es sich z.B. zu seiner persönlichen Aufgabe, eine passende Abdeckplane für unseren Isuzu-Pickup zu finden und hilft Dietmar dann auch noch sehr, sehr nett mit der passenden Befestigung.

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Als wir anderswo einen für uns unpassenden, aber zuvor gekauften Topf nach einigen Stunden wieder zurückgeben wollen, ist das überhaupt kein Problem. Anstandslos erhalten wir unser Geld wieder!
Die Suche nach Dieselkanistern gestaltet sich schwierig, selbst auf Tankstellen kann man sie nicht kaufen. Hilfsbereite Mitarbeiter einer Werkstatt bringen uns aber einen großen, blauen, sehr geeigneten Kanister. Wir dürfen ihn für drei Wochen unentgeltlich ausleihen, und jetzt möchten wir bitte dringend verschwinden, der Chef kommt jeden Moment.

Auf einer anderen Tankstelle dürfen wir für einen US-Dollar einen leeren, großen Trinkwasserkanister von einer Spenderstation als Brauchwasserkanister mitnehmen. Dietmar befüllt ihn an der Wasserleitung, an der die Männer ihre Hand-, Fuß- und Gesichtswaschungen vor der Moschee durchführen. Nebenbei wird auch noch ein schwaches, krankes Kätzchen von den Männern mit Wasser versorgt und liebevoll betreut.

Zu Mittag freuen wir uns, dass wir ein richtig arabisches Restaurant finden. Für die Männer gibt es einen eigenen Speiseraum, wo sie genüsslich auf dem Boden herumlungern können. Da die Speisekarte leider nur auf arabisch ist, bestellen wir einfach Chicken und Reis und beantworten jede weitere Frage mit „Ja“. Wir bekommen ein köstliches Mahl bestehend aus einer Art Grießsuppe, einen Gurken-Tomatensalat und einen köstlichen Rosinenreis mit einem halben Hendl. Dazu verlockende Zucchini, Kürbis und einen kleinen Paprika. Als ich in diesen beherzt hinein beiße, verätze ich mir fast Mund- und Rachenbereich, weil er so scharf ist! Dietmar probiert ganz vorsichtig nur stecknadelgroß davon. Das reicht ihm an Schärfe für heute.
Nach diesem super Essen bedienen wir uns noch am bereit gestellten süßen Tee und Kaffee mit Kardamom.

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Im Auto warten süße Feigen auf uns. Zu spät realisiere ich, dass sie voller kleiner weißer Würmer sind. Ich spucke sofort aus, aber eine kleine Portion landet doch im Magen. Diesen kulinarischen Alptraum müssen wir wiedergutmachen, und so bringt uns Dietmar noch zwei köstliche Pudding- bzw. Panna Cotta Desserts aus unserem Restaurant.

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Gegen Abend wollen wir uns noch den berühmten Flaschenöffner-Tower und das umliegende Viertel näher anschauen. Wir sehen den Wolkenkratzer im guten Abendlicht, haben einen Eindruck von den umliegenden Luxushotels, den Schmuckmalls und besichtigen eine Abaya-Mall. Die vielen Stoffläden und Abaya-Boutiquen sind alle sehr gut besucht, es gibt aber auch schöne Abendkleider und sogar Dessous-Geschäfte.

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Irgendwann wird das Autofahren hier einfach zu beschwerlich und anstrengend, und so fährt Dietmar sehr defensiv und vorsichtig zurück zum Hotel. Auf dem Weg speisen wir noch einmal beim türkischen Restaurant von gestern Abend, wieder schmeckt es super, und die Belegschaft freut sich, dass wir wieder hier sind.

Gut dass wir so ein großes Hotelzimmer und sogar eine eigene Wohnküche haben, denn so können wir all unsere Habe gut ausbreiten, das neue Geschirr waschen und alles gut und schön für unsere Wüstenfahrten sortieren. Außer der Abdeckplane fürs Auto haben wir heute noch zwei typisch orientalische Bodensitze gekauft, sowie einen sehr hübschen Teekessel, einen äußerst hübsch verzierten Topf, Feuerzeuge, zwei Storage-Kisten, einen Kissenbezug für mein Nackenstützkissen, Besteck, Schüsseln und Plastikteller.
Bevor es in die Wüste geht, sollen auch die Haare noch einmal gründlich gewaschen werden, leider gibt es heute nur kaltes Duschwasser. Na da hätten wir draußen in der Natur auch nicht mehr gefroren.

Es dauert, bis alles für morgen bereit ist und Dietmar unseren Pickup beladen hat. Aber schließlich sind wir fertig! Zufrieden mit unserem Riad-Tag fallen wir in die Betten. Wo werden wir morgen schlafen?

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Themenstarter184 Beiträge · seit 201029. Dez. 2024 · #14
Hallo fahrinurlaub,

herzlich willkommen im Klub der Mitreisenden! Wir haben gleich die heutige Tagesdosis für Dich online gestellt. 😎
Viel Freude beim Lesen und
Liebe Grüße,
Dietmar
1'068 Beiträge · seit 201329. Dez. 2024 · #15
Hei, das nenn ich mal abenteuerlich.
Saudi-Arabien find ich ja megaspannend, wirklich tolle Landschaften, aber man (ich) weiss so garnichts darüber.
Ich hätte wahrscheinlich permanent Sorge irgendwas falsch zu machen...
Konntet ihr im Restaurant z.B. gemeinsam Essen?

Ich reise gerne mit euch!

Viele Grüße
Mabe
zuletzt bearbeitet 29. Dez. 2024
Themenstarter184 Beiträge · seit 201029. Dez. 2024 · #16
Hallo Mabe,

vielen Dank fürs Mitreisen und sei ebenfalls herzlich willkommen!
Wir freuen uns über Dein Interesse und geben zu, dass wir über Saudi Arabien vor unserer Reise auch praktisch nichts gewußt haben.

In so fremden Kulturen besteht natürlich immer die Gefahr, etwas "falsch" zu machen, aber erstens sind die Saudis wirklich extrem gastfreundlich und zweitens kann man durch Beobachtung, Zurückhaltung und defensives, höfliches Verhalten herausfinden, was gesellschaftlich akzeptiert ist.

Das Skurrile an Saudi Arabien ist, dass rein rechtlich mehr erlaubt ist, als in der Realität - zumindest außerhalb der Städte - gelebt wird. Meine Frau wäre z.B. als westliche Touristin gar nicht verpflichtet gewesen, eine Abaya zu tragen. Sie hatte sie ursrpünglich nur für den "Notfall" gekauft, hat sie dann aber viel und gern getragen, weil sie sich außerhalb der Touristenhotspots (Old Diriyah, Al Ula, Teile von Dschidda) passender gekleidet gefühlt hat bzw. das somit kein Thema war.

Auch das Verhalten in Restaurants ist im Wandel begriffen. In den großen Städten und noblen Restaurants sind Frauen als Gäste gang und gäbe. In den einfachen Kaschemmen in ländlichen Gegenden, in die wir so gerne gehen, sind ausschließlich Männer. Bis auf wenige Ausnahmen sind wir aber nicht in die Family-Kabinen verbannt worden, wobei wir uns im öffentlichen Gastraum unter Männern sehr zurückhaltend verhalten haben. Dort war es fast wichtiger, nicht mit der linken Hand zu essen und seinen Fuss nicht in Richtung eines anderen Gastes zu strecken, als die Tatsache, meine Frau dabei zu haben.

Tatsächlich haben auch wir Dinge "falsch" gemacht, die uns nicht bewußt waren, z.B. haben wir erst dort erfahren, dass Goldschmuck an Männern (mein Ehering) als Zeichen der Homosexualität gilt (diese zu leben ist strikt verboten) und Goldschmuck nur Frauen vorbehalten ist. Oder dass das Mitführen von Ferngläsern verboten ist, weil sie als militärisches Gerät gelten könnten.

Selbstverständlich haben wir aber auch ein paar Regeln bedacht:
Wir haben darauf verzichtet, öffentlich Intimitäten auszutauschen oder auch nur Händchen zu halten.
Unser Duschzelt war an unseren abgelegenen Schlafplätzen meist eine etwas überflüssige Vorsichtsmaßnahme, wir haben uns aber für den Fall der Fälle wohler damit gefühlt. In Afrika hingegen wären wir nie auf die Idee gekommen, ein Duschzelt zu verwenden.
Wir haben auch keine christlichen Symbole verwendet und nicht schlecht über den Islam gesprochen.
Ich habe keine Frau von mir aus angesprochen und auch als Mann immer Arme und Beine bedeckt gehabt.
Wir hatten eine vom Arzt beglaubigte Medikamentenliste, damit uns keine Drogen unterstellt werden.

Die Mutawa (Sittenpolizei) hat kaum noch relevante Befugnisse, schon gar nicht uns Touristen gegenüber, sodass man jedenfalls angstfrei reisen kann. Man darf auch nicht vergessen, dass wir als offensichtliche Ausländer einen Touristenbonus haben und unser Verhalten nicht so streng gewertet wird.

Anlaß zur Sorge besteht also nicht, aber Akzeptanz und ein Gespür für die Eigenheiten der Kultur sind schon nötig. Saudi Arabien will seinen Tourismus enorm ausbauen und hat die Regeln deutlich gelockert, aber weite Teile der Bevölkerung scheinen einfach noch sehr in ihren Traditionen verhaftet zu sein.

Morgen geht es mit unserem Tagebuch weiter!
Bis dahin liebe Grüße,
Dietmar
zuletzt bearbeitet 29. Dez. 2024
Themenstarter184 Beiträge · seit 201030. Dez. 2024 · #17
27. Oktober:

Dietmar hat den Wecker auf 6.40 Uhr gestellt, damit wir uns langsam auf Outdoor-Zeiten umstellen. Weil Dietmar gestern noch alles so schön gepackt hat, kommen wir heute auch zügig los. Heraus aus dieser merkwürdigen Stadt, meist zehnspurig, ist klar! Und dann auch entlang der neuen Prestige-Megabaustelle „Mukaab“ („Würfel“). Gigantisch und unvorstellbar soll das werden, nie dagewesen! Saudi Arabien im Selbstfindungsprozess.

Außerhalb der Stadt finden wir eine Tankstelle, die auch Diesel verkauft, innerhalb der City ist das eher selten. Aber hier draußen tanken derart viele LKW und Betonmischer, Baustellenfahrzeuge und Großtransporter, dass sich so eine Dieselstation lohnt. Der Diesel kostet kaum ein Viertel im Vergleich zu Deutschland, die Atmosphäre hat etwas Rohes, Wildes hier draußen. Alles wirkt schwarz, dunkel und schmierig, es gibt nur Männer, aber aus aller Herren Ländern. Keiner spricht Englisch, alle sind Ausländer. Das angegliederte Restaurant dieses Truckstop ist ein richtig grindiges Loch, wie alles hier.
Auf der Weiterfahrt wird der Verkehr langsam weniger, aber immer noch unberechenbar. Wir fahren durch schon geplante Vorstädte, man sieht hier viele Rohbauten riesiger Einfamilienhäuser. Dazwischen werden große Institutionen errichtet, eine Militärakademie z.B. ist schon fertig.

Kurz fahren wir durch karge Wüstenlandschaften, dann kommt aber auch schon der nächste Ort Huraymila. Wir durchfahren ihn auf der Suche nach einem Mittagessen, das wir uns mitnehmen können. Ich sehe in dieser ganzen kleinen Stadt keine einzige Frau. In der kleinen schmuddeligen Imbissbude, in der wir landen, natürlich erst recht nicht.

10-12 Männer warten auf Falafelschiffchen, gegrillte Sandwiches, Pommes mit Putenschnitzel und anderes Food to go. Wir lassen uns von einem sehr freundlichen Saudi-Gast beraten. Er zeigt uns die Zutaten, die hinterm Tresen zur Verfügung stehen. Und weil alle hier willig sind, bekommen wir am Ende genau das, was wir wollen, obwohl wir alle keine gemeinsame Sprache haben. Wir lassen uns unser leckeres Mittagessen einpacken.

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Gleich hinter dem Ort finden wir die unscheinbare, unbeschilderte Abzweigung zum „Edge of the World“. Wie gut, dass wir die „Pistenkuh“-App haben (https://pistenkuh.de/shop/gps-offroad-tourenbuch-saudi-arabien-oman/) und nun nur der Route folgen müssen. Es wird nämlich schnell klar, dass es viele Abzweigungen gibt und dass die Strecke viel anspruchsvoller zu fahren ist, als wir das erwartet haben. Niemals kämen wir hier mit einem gewöhnlichen PKW durch. Dietmar fährt im Allrad, bald sogar mit low. Wir treffen kein einziges Auto auf der Strecke, dabei soll diese Sehenswürdigkeit doch so viel besucht sein. Und ca. 3 km vor der berühmten Abbruchkante, zu der wir wollen, kommen wir gar nicht mehr weiter.

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Eine mögliche Detour ist uns auch zu gefährlich, wir müssten über Geröll sehr steil einen Hang hinunterrutschen. Also suchen wir eine deutlich längere Umleitung, verfahren uns zwei-, dreimal und schwitzen ob der Schwierigkeiten, die fahrtechnisch zu bewältigen sind. Wahnsinn eigentlich.

Irgendwann sind wir da. Den letzten halben Kilometer müssen wir zu Fuß gehen, weil ein irrer Saudi kürzlich mit dem Auto die Abbruchkante hinabgestürzt ist. Die Polizei ist vor Ort und überwacht und kontrolliert, dass man nicht mit dem Auto weiterfährt.

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Die teilweise steile Wanderung in der Abaya und vor allem in der Nachmittagshitze fällt mir überraschend schwer. Gemeinsam mit uns hat ein netter, gesprächiger Saudi Edge of the World erreicht. Er ist IT-ler für Erdölchemie, arbeitet für Chevron, spricht entsprechend gut Englisch und unterhält sich lange mit Dietmar. Er kommt aus Dammam und hat heute Morgen seine Frau nach Riad gebracht, damit sie ihre Schwester im Krankenhaus besuchen kann. Er selbst wollte nicht in Riad warten und ist darum mal kurz die zwei Stunden hier heraus in die Natur gefahren. Jetzt holt er seine Frau in Riad ab, und nach einem Mittagessen (um 4 Uhr nachmittags??) fahren sie wieder zurück nach Dammam. Sind ja nur 400 Kilometer. Die Saudis scheinen in anderen Streckendimensionen zu denken als wir.

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Von diesem freundlichen Mann erfahren wir auch, dass es hierher auch eine deutlich bequemere und einfachere Zufahrt gibt (auch ohne 4x4 möglich), und er bespricht für uns mit der hier stationierten Polizei unser Campingvorhaben für heute Nacht. Niemand hat etwas dagegen, wir dürfen nur nicht zu nahe an die Abbruchkante heran, uns aber in dem unendlich riesigen Gebiet ansonsten hinstellen, wo immer wir möchten.

Die Landschaft ist sehr eindrucksvoll und auf der Rückfahrt finden wir etwas abseits der viel unbeschwerlicheren Hauptpiste einen geeigneten Platz für die Nacht. Ursprünglich haben wir überlegt, heute noch viel weiter zu fahren, aber das wäre zu stressig geworden. Wir haben heute für alles länger gebraucht als gedacht, und für unsere erste saudische Zeltnacht sind wir ja auch noch nicht so routiniert. Alles braucht seine Zeit. Das neue Zelt soll aufgebaut werden, das neue Duschzelt wird fröhlich erprobt (etwas instabil, aber ein toller Schutz vor dem Wind). Am Gaskocher gibt es das erste Instant-Süppchen der Reise und zuallererst halte ich ein Nickerchen auf unserer saudischen Teppich-Matratze.

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Der Abend vergeht mit Routenplanung und Tagebuch schreiben. Wir testen die landestypischen Sitzgelegenheiten und ärgern uns über die Zuhause vergessenen guten Stirnlampen. Tja, es war halt echt stressig vor der Abreise. Meine neue UV-Taschenlampe entdeckt heute keinen Skorpion, das macht nichts. Nach Einbruch der Dunkelheit sehen wir in der Ferne das Licht einer großen Stadt – kann man Riad so weit sehen? Ansonsten sind wir hier weit und breit alleine. Leider windet es ziemlich, wir hoffen, gut schlafen zu können, als wir diesen Tag schon um 20.15 Uhr beenden.

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zuletzt bearbeitet 24. Jan. 2025
608 Beiträge · seit 202031. Dez. 2024 · #18
Wow, eine Reise durch Saudi-Arabien! Davon träume ich auch! Daher verfolge ich voll Neugier und Bewunderung euren Bericht! Danke für die vielen Eindrücke und Infos!

LG Birgit
Themenstarter184 Beiträge · seit 201031. Dez. 2024 · #19
Hallo Birgit,

vielen Dank für Deine begeisterte Rückmeldung! Es freut uns wirklich sehr, dass unser Bericht Dein Interesse weckt, und wir hoffen, dass Dein Traum dadurch weiter gedeihen kann! 🙂


Liebe Fomis,
Eure begeisterten und interessierten Kommentare spornen uns an, auch heute am Altjahrstag eine weitere Etappe einzustellen. Äußerst motivierend sind übrigens auch die lieben Danke-button Drücker, zusammen einem herzlichen Dankeschön dafür 😁 wünschen wir Euch allen und auch den möglicherweise stummen Mitlesern einen fröhlichen Rutsch ins neue Jahr! Möge Euch das neue Jahr Glück und Gesundheit bringen, möglichst viele Eurer Reiseträume erfüllen und die bucket Listen schrumpfen lassen! 😄

Liebe Grüße,
Dietmar
Themenstarter184 Beiträge · seit 201031. Dez. 2024 · #20
28. Oktober:

Heute stehen wir schon bei Sonnenaufgang um 5.40 Uhr nach einem verhältnismäßig guten Schlaf auf. Der Platz war ruhig, aber in der Früh tut uns halt alles weh, weil wir auf dem felsigen und steinigen Boden doch sehr hart liegen.

Wir lassen den Tag gemütlich angehen, der gute Kaffee aus der Herzerl-Tasse erquickt mich. Es ist unglaublich windstill und es hat angenehme Temperaturen. Als alles verstaut und gepackt ist, brechen wir auf. Zuerst die restliche Hauptzufahrtsstrasse von „Edge of the World“ hinaus bis nach Sadus und dann wieder ein Stück zurück nach Huraymila. Dort fahren wir heute geradeaus 150 km weiter bis Ushaiqir mit seinem berühmten Museumsdorf. Die Strecke bis dorthin ist eher langweilig und eintönig, sehr stark befahren und etwas reizlos. Die Landschaft ist wüstenartig, teilweise reichen die roten Dünen sogar bis an die Orte und Straßen heran. Das ganze Land wirkt aber industriell oder landwirtschaftlich genutzt: Kamelfarmen, in den Oasen Monokulturen, Rinderfarmen, riesige Bauvorhaben, Steinbrüche, Ölindustrie, hässliche Tankstellen und opulente Kreisverkehre an den Ortsein- und -ausfahrten.

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Eine typische Kreisverkehrsgestaltung


Es sind unheimlich viele Betonmischer und andere Baufahrzeuge unterwegs und ich nutze diese Autofahrt, um wenigstens eines unserer drei Handys am Zigarettenanzünder zu laden. Leider gelingt es mir nicht, genauso wenig funktioniert es am USB des Autoradios. Außer dem Motor funktioniert an diesem Auto wirklich rein gar nichts. Dass es keine Zentralverriegelung, keine Mittelkonsole, keine verstellbare Lüftung, nur kleinste Seitenfächer, keine Getränkehalter, keinen Kurz-Blinker und auch sonst nichts gibt, ist mühsam, damit können wir uns aber irgendwie arrangieren. Dass wir aber keine Lademöglichkeit für die Handys haben, ist echt ein Problem. Wie sollen wir denn künftig z.B. fotografieren? Und die Overlander oder andere Apps verwenden? Vom Navi ganz zu schweigen.

Wir versuchen an einer Tankstelle, mit Werkstatthilfe eine Lösung zu finden, lassen das aber bald wieder sein, da hier keiner ein Wort Englisch spricht und man in erster Linie nur LKW-Reifen wechselt. Die Lösung für den Rest der Reise wird also so aussehen, dass wir künftig überall, wo wir hinkommen, unsere Handys – wenn auch nur kurz – laden lassen. Das üben wir gleich einmal in diesem Museumsdorf – kein Problem! Man hilft uns gerne, sogar auf Englisch. Man versichert uns, den ganzen Tag und selbstverständlich auch nach unserer Dorfbesichtigung noch hier zu sein.

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Dietmar und ich besichtigen also gemütlich dieses in großen Teilen renovierte historische Dorf. Es besticht vor allem durch seine Größe von ca. 400 Häusern und 25 Moscheen. Wir finden die Renovierung allerdings eher lieblos und schleißig (zu deutsch: unsorgfältig) gemacht, recht brachial, oft auch gar nicht und bestimmt nicht denkmalschutzgerecht. Obwohl das Dorf ziemlich berühmt ist, merkt man, wie sehr der Tourismus und auch das Bewusstsein für Historisches hier noch in den Kinderschuhen steckt.
Während unseres Spaziergangs durch die Anlage erinnern wir uns oft an viel, viel besser aufbereitete Sehenswürdigkeiten und Bauwerke im Oman.

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Gleichzeitig mit uns ist auch eine Gruppe Europäer hier. Ich unterhalte mich nett mit einer Touristin aus Radolfszell, vielleicht sehen wir uns ja in Al Ula wieder? Die geführte Gruppe ist mit 14 Personen acht Tage in Saudi Arabien unterwegs.

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Als wir nach eineinhalb Stunden Besichtigung schließlich weiterreisen möchten und Dietmar noch Brauchwasser getankt hat, möchten wir nun unsere Handys wieder einsammeln. Leider ist jetzt an der Office aber kein Mensch mehr da und das kleine Museum geschlossen. Gebetszeit! Da müssen wir eben solange warten.

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Für uns heißt das, dass wir unsere Reise künftig nicht nur nach Handy-Lademöglichkeiten, sondern auch nach den Gebetszeiten organisieren müssen – na toll. Während wir also warten, lernen wir, wie Araber ihre eigenen Sehenswürdigkeiten besichtigen: Ein SUV prescht mit überhöhter Geschwindigkeit auf den kleinen Dorfplatz, alle halten ihre Handys aus dem Fenster, er wendet mit quietschenden Reifen und schon war man da und hat alles gesehen.

Als wir unsere Handys endlich wieder zurück haben, fahren wir weiter nach Buraida. Wir umfahren das Stadtzentrum und hoffen, entlang der Umfahrung etwas zu essen zu finden. Aufs Geratewohl nimmt Dietmar die Ausfahrt „Cattle City“ und wir wählen das erstbeste Restaurant. Ein etwas großer Begriff für die Kaschemme, bei deren Betreten ich mich am liebsten in Luft auflösen möchte. Denn der Laden ist gut gefüllt mit ca. 20 Männern, die mich alle anglotzen, als wäre ich gerade vom Himmel gefallen, und das obwohl ich meine Abaya trage! Manche Männer fangen auch zu kudern (zu deutsch: kichern) an oder winken mir in einer Art zu, als wäre es peinlich, dass ich hier bin. Ich fühle mich äußerst unwohl in diesem ansonsten sehr landestypischen Restaurant. Frauen gehen hier wohl nie herein.

Zum Glück ist der Inhaber, ein Afghane aus Masar-e Sharif, recht nett, macht kein Getue ob meines Geschlechts und lässt uns bereitwillig unsere Handys laden. Schließlich weist er uns eine Kabine zu, denn zu den Männern im öffentlichen Bereich kann man mich unmöglich platzieren – Tisch und Stühle gibt es hier sowieso nicht – und serviert uns eine köstliche, typische Reisplatte mit Hendl, Sauce und etwas Salat. Wir sind es nicht gewohnt, am Boden sitzend zu essen, lassen uns die Mahlzeit aber gut schmecken.

Jetzt haben wir wieder Energie, die Handys etwas mehr Saft und trotzdem schaffen wir es heute nicht mehr bis Hail. Wir bemerken erst jetzt, wie riesig dieses Land eigentlich ist (6 x so groß wie Deutschland). Wir müssen uns rechtzeitig einen Platz für die Nacht suchen, denn die Sonne geht schon kurz nach 17 Uhr unter. Wir versuchen unser Glück in irgendeinem Ort entlang der Autobahn.

Leider gestaltet sich die Schlafplatzsuche schwieriger als erwartet und bleibt auch nicht unbemerkt. Irgendjemand fährt plötzlich hinter uns her, er möchte uns helfen, versteht aber nicht, was wir wollen. Beschreibt uns aber dafür äußerst nett den Weg zurück zur Autobahn!

Und so bleiben wir schließlich etwas unkonventionell auf dem Kinderspielplatz am Rande einer Neubausiedlung. Es windet sehr stark, der ganze große Platz wird von grellem Flutlicht bestrahlt, vor der Toilette liegen Glassplitter, in der Toilette sind Motten und Ameisen. Dafür bietet dieser Platz einen grünen Rasen, der eine weiche Schlafstätte verspricht.

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Wir tun das ganz Arge und bestimmt äußerst Verbotene: Wir duschen uns in der öffentlichen Toilette gegenseitig ab! Immer auf der Hut, dass keiner kommt. Es ist aber ohnehin kein Mensch hier.

Am Abend tönt lange und von allen Seiten der Ruf des Muezzin. Na, ich bin gespannt, wie gut wir hier schlafen werden. Am Klo gibt es allerdings auch Steckdosen und so haben wenigstens unsere Handys eine gute Nacht.

Noch ist dieser Abend nicht zu Ende: Gerade als wir uns um 21 Uhr aufs Ohr legen wollen und uns darüber freuen, dass wir heute tatsächlich auf weichem, saftigem, grünem Rasen ruhen werden (etwas worüber wir mit unserem verspannten Rücken den ganzen Tag gescherzt und was in dieser harten, trockenen, felsigen Wüstenlandschaft niemals für möglich gehalten haben), erhalten wir Besuch von einem schicken Landcruiser. Ein Mann steigt aus und entschuldigt sich per Google Translate, dass er sich jetzt erst so spät um uns kümmert. Bis jetzt hatte er zu tun. Gerne dürften wir hier auf dem Spielplatz übernachten, aber wir sollten doch besser mit ihm mitkommen. In einem Kilometer Entfernung wäre ein Platz, wo wir ungestört und ohne Menschen übernachten könnten. Unser jetziger Platz wäre zwar sicher, aber nachts kämen hier wilde Hunde...

Dietmar lehnt sein Angebot freundlich ab. Mit mir spricht der Mann nicht eine Silbe, er tut so, als wäre ich gar nicht existent. Das kenne ich schon aus dem Oman, wo ich auch ab und zu das Gefühl hatte, ich wäre nur ein Haustier. Es hat nichts mit Frauenverachtung zu tun, sondern ist im Gegenteil die übliche Respektbezeugung. Für uns halt ungewohnt.

Der Mann will noch wissen, wohin wir morgen reisen wollen, und nach einigen ausgetauschten Freundlichkeiten verschwindet er wieder. Als er weg ist, bedaure ich etwas, dass Dietmar sein Angebot nicht angenommen hat. Die Geschichte mit den wilden Hunden und wir mit unserem Bodenzelt beunruhigt mich etwas. Wir reden noch eine Weile über den freundlichen Besucher und wollen uns nun endlich schlafen legen, als plötzlich ein anderer Geländewagen auftaucht.

Unser Besucher ist zurück, diesmal in der Familienkutsche. Die natürlich voll verschleierte Frau und den ca. 11 Jahren alten Sohn hat er auch mitgebracht. Der Sohn überreicht Dietmar eine schöne Outdoor-Tasche, darin zwei große Kannen mit Kaffee und Tee, Pappbecher und in einer sehr schönen Kristallschale köstliche Datteln. In einem kurzen Versuch bietet uns der Mann noch an, uns in ein Hotel zu bringen. Die Tasche sollen wir morgen einfach stehen lassen. Dann verschwindet die Familie wieder in die Nacht.

Dietmar und ich sind gerührt ob dieser Gastfreundschaft, probieren einige Datteln und sparen uns den köstlichen und sehr heißen Kaffee fürs Frühstück auf. Trotz des sehr hellen Flutlichts, das unser Zelt erleuchtet, gelingt es uns gleich einzuschlafen.
zuletzt bearbeitet 24. Jan. 2025