Olufuko - präkoloniale Kultur oder Kinderheirat

14 Antworten · 1'838 Aufrufe · gestartet 07. Juli 2023 von jaw
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Themenstarter2'048 Beiträge · seit 200707. Juli 2023 · #1
Liebe Fomis,
traditionelle Feste wie in Swasiland oder eben auch des Olufuko der Ovambo ziehen jedes Jahr Touristen an, sind aber auch stark in der Kritik. In Namibia wird es von der lutherischen Kirche (ELCIN) als heidnischer Brauch gebrandmarkt und viele feministische und politische Stimmen im Land sehen einen Mißbrauch der Mädchen und einen Verstoß gegen die Verfassung in der Durchführung. Politisch brisant macht die Diskussion dass der "Vater der Nation" und Gründungspräsident Sam Nujoma die Wiedereinführung nach 80 Jahren Pause 2012 aktiv betrieben und bis heute jährlich Schirmherr der Feierlichkeiten ist.
Ich war zwar schon oft im August in Namibia, aber es hat nie wirklich in meine Planung gepasst. Dieses Jahr überlege ich, das Olufuko in Outapi zu besuchen.

Andererseits widerstrebt mir die Verheiratung 12-14jähriger Mädchen zutiefst. Zumal die Schul-Abbruchraten der Mädchen durch die Schulschließungen wegen Corona nochmal stark in die Höhe gestiegen sind. Hauptgrund für den Schulabruch ist weiterhin die minderjährige Schwangerschaft, die 2022 massiv gegenüber den Vorjahren angestiegen ist.
Wie haltet ihr das mit solchen Festen? Olufuko wird auch in Südafrika, Kenya und Ghana gefeiert, bekannter ist das uMhlanga ((Red Dance Festival) in Swasiland (Eswatini), wo sicht traditionell der König auch eine neue Frau unter den jungen und jungfräulichen Tänzerinnen aussucht.
Wie seht ihr das?

viele Grüße
JAW
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
4'129 Beiträge · seit 200807. Juli 2023 · #2
Hallo, jaw,
Klare Sache: Alles was du schreibst ist schon GRUND GENUG nicht daran Teil zu nehmen.

Diese archaischen Traditionen sind ein weites Feld und wir haben in 40 Reisejahren (und insgesamt bummelich 6 Jahren dortigen Aufenthalt) durch fast das gesamte Afrika viele intensive Kontakte zu Familien unterschiedlichster Ethnien und auch Hebammen und Frauenärzten (Geburtsklinik) gehabt: Ein nicht enden wollendes Elend, was die tapferen afrikanischen Frauen erleiden, seit vielen Generationen. Mehrfach hatten wir Gelegenheit/Einladungen zu derartigen Festen und haben nie und werden nie an so etwas teilnehmen. Das hat noch nicht einmal mit Feminismus zu tun, diese z.T. perversen Traditionen sind ganz einfach menschenverachtend und auch die Namibischen Ethnien wünschen sich für ihren Alltag menschenfreundliche Moderne und sind überwiegend stolz auf das, was Namibia mittlerweile ausmacht.
Es gibt vor Ort ein sehr einfaches Argument solchen Einladungen zu entgehen: Es ist gegen den eigenen Glauben. Damit wahrt man immer sein Gesicht und es gibt keine Diskussion.

Nicht ungeschickt angelegt, das Ganze:
Unter dem Mäntelchen von „Kulturhistorischem Brauchtum“ werden die unkritischen Touristen, gierig nach „ursprünglichem" Buntem und auch Kritiker eingeladen, das zu beklatschen was weltweit und auch nach Landesrecht justiziabel ist. Feiert man mit ihnen, macht man sich mitschuldig und fördert den Missbrauch von Mädchen zum Erhalt überkommener Machtstrukturen zur Freude der alten Männer.

Ganz anders ist es, wenn man solche Feste/alte Traditionen „museal“ vorführt, so wie man das historische Leben in den namibischen Living Museums (z.B. LCFN) für sich selbst als Erleben/Nachvollziehen der eigenen kulturellen Wurzeln und als Einnahmequelle für die Touristen nachspielt.

Just my 2cents


Gibt es nicht mittlerweile auch einen Zusammenschluss von Namibiern, die sich gegen dieses unsägliche sog. Brauchtum stark machen und dagegen klagen wollen? Das wäre dann sehr unterstützenswert.
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 07. Juli 2023
1'127 Beiträge · seit 202207. Juli 2023 · #3
@die geschwängerten Minderjährigen und Teenager.

Ich habe jetzt Nujomas Stellungnahme im „Namibian“ gelesen, was dieses Ritual darstellen soll(te). Wenn man nicht die Länder-, Sach- und Kulturkenntnisse wie Jaw, lilytrotter und die paar anderen „alten Hasen“ (ungegendert 😊 ) hier hat, kann man die „Praxis“ dieser traditionell/kulturellen „Narrative“ nicht beurteilen.

Ich kann es sicher nicht, aber es reicht schon der ganz normale Wahnsinn des Lebens unter desolat/verrohten Bedingungen, eine kulturelle Unterfütterung braucht es nicht mehr.....
Man muss kein Anthropologe sein um zu bemerken, dass mit der „Sexualmoral“ jetziger afrikanischer Gesellschaften i. A. und deren Herren der Schöpfung im Besonderen einiges im Argen liegt. Die (viel zu) frühen Schwangerschaften werden zum Massenphänomen und zwar nicht bloß von der gleichaltrigen Jugendliebe sondern auch von viel älteren Männern. Vom vor der Schule wartenden sugar daddy bis zum Lehrer oder Vorgesetzten, die alle Gefälligkeiten, vom Handy bis zur positiven Note, vergeben …. bis zu Vergewaltigungen in desolaten Lebensumständen, was nicht nur materiell gemeint ist. Vor ein paar Jahren wurde das in RSA noch vehement und offensiv thematisiert, jetzt scheint man sich damit abgefunden zu haben. Vor ein paar Jahren habe ich eine Studie über Botswana gelesen wonach viele Schulklassen wegen zu vieler schwangerer Schülerinnen komplett geschlossen wurden. Dazu noch der ganz normale traditionelle Wahnsinn von Polygamie, ständiges Fremdgehen. .....„Segen des Kinderreichtums“ .

Ca. 2/3 des weltweiten Bevölkerungswachstums in den nächsten 30 Jahren wird in Afrika stattfinden. Davon werden -zig Millionen unterversorgt sein, und bei diesem Trend, auch Millionen UNversorgt. Und dann noch oben drauf, HIV
Grüße
Arrangierte Ehen sollten verboten sein, Eltern bestraft werden….. mM.
zuletzt bearbeitet 07. Juli 2023
2'779 Beiträge · seit 200727. Aug. 2023 · #5
Ein uns seit Jahren bekannter Angestellter unseres Autovermieters in Johannesburg erzählte uns erst voriges Jahr warum er vor einigen Jahren aus Maputo, Mosambik nach Südafrika emigrierte.

Er will für seine Tochter eine bessere und vorallem sicherere Zukunft. Seine Schwester wurde von ihrem Lehrer geschwängert. Das Mädchen musste mit 14 Jahren ein Jahr von der Schule auferlegt Lizenz wegen Krankheit nehmen. Die Schulleitung wusste und verdeckte diese Schwangerschaften. In der besagten Sekundarschule gab/gibt es mehr als nur einen Lehrer welche solche strafbare Beziehungen pflegen. Der Druck auf die betroffenen Schülerinnen ist derart groß dass juristische Wege von Anfang an aussichtslos scheinen. Der junge Familienvater sah nur eine Lösung: auswandern.
Gruss Leona
197 Beiträge · seit 201014. Sept. 2023 · #6
Hi,

ICH, deutscher, seit fast 20 Jahren in Namibia, bin mit einer OSHIWAMBO-Frau (glücklich) verheiratet.

Wir haben auch 2 Töchter, welcher noch minderjährig sind.

Ich war 2012 auch in OUtapi bei OLUFUKO.

Unsere Töchter werden auch durch OLUFUKO "gehen".


Es ist KEIN HOCHZEITSMARKT, ES WIRD NIEMAND DORT VERHEIRATET!
Es ist praktisch wie eine oder 2 "Schulstunden" welche das/die MÄDCHEN LEHREN was ihre Aufgaben, vor allem im HAUSHALT,NACH einer Hochzeit sind!
Vor allem sind dort auch "MÄDCHEN" im Alter von über 20 Jahren anzutreffen!

ES werden dort auch keine Mädchen zu SCHAU gestellt!

In Angola gibt es so ziemlich das gleiche RITUAL, bei welchem aber ein Mann ein kleines Band am das Handgelenk seiner ZUKÜNFTIGEN binden kann.
Wenn die Frau/das Mädchen aber nun nicht den Mann mag, kann SIE das Band abnehmen und ist "FREI".

Auch meine Frau ging durch OLUFUKO und heiratete den PRINZ CHARMING welchen SIE sich ausgesucht hat(te).


In westlichen Augen und mit westlichen Denken sieht meist vieles schlimmer und unverständlicher aus als es in Wirklichkeit ist.

Also,
COOL BANANAS!.
Zum WELT VERBESSERN vielleicht besser in/zur ARABISCHEN WELT, bzw ASIEN schauen/gehen!
*TIPPGEB*
4'129 Beiträge · seit 200814. Sept. 2023 · #7
Liebes phantom,

wir sind weit entfernt davon, Irgendjemandem in sein Leben pfuschen zu wollen. Schon garnicht in einem Land, in dem wir zu Gast sind.
Und, - natürlich haben wir eine eigene Meinung zu gewissen tradierten Dummheiten und äußern diese auch mal,
ob hier oder da oder in Amerika… 🤪
Aber, als Tourist auf einem öffentlich zugänglich Traditionellen Fest Angelegenheiten zu beklatschen, die wir ablehnen, ginge uns dann doch ein bisschen zu weit.

Und natürlich ist uns bekannt, dass auch islamisch geprägte Kulturen ebensolche Dummheiten in ihren Traditionen aufweisen sowie einige vorchristlich/christlich geprägte (und es gibt noch vieles mehr)
Die Historie ist voller Berichte und Nachweise der widerlichsten Gruseligkeiten als „Traditionen“. Die Grenzen zu „gewöhnlichen“ Unterdrückungsmechanismen sind dabei leider fließend.
Jeder kann machen was er will, wenn er niemandem anderen damit schadet.
Freue dich, dass ihr eine glückliche Familie seid und deine Töchter freiwillig diese Tradition leben wollen. Toleranz und Freiheit ist eine wesentliche Grundlage dafür.

Alles Gute lilytrotter





PS: Was mich mittlerweile etwas wundert, - dass jaw, der ja die Diskussion angestoßen hat und durchaus ein Kenner der Gegebenheiten ist, hier bisher keine eigene Meinung zum Besten gegeben hat…
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 14. Sept. 2023
Themenstarter2'048 Beiträge · seit 200715. Sept. 2023 · #8
Lilytroter schrieb:
PS: Was mich mittlerweile etwas wundert, - dass jaw, der ja die Diskussion angestoßen hat und durchaus ein Kenner der Gegebenheiten ist, hier bisher keine eigene Meinung zum Besten gegeben hat…
das liegt einfach daran, dass ich keine eigene Meinung dazu habe. Ich habe schon an einigen privaten und öffentlichen traditionellen Feiern/Festen teilgenommen und mache da auch einiges mit (zuletzt der im Poitje stundenlang gekochte Ziegenkopf). Dazu kann ich mich possitionieren und meine Meinung äußern. Ggf. ändere ich meine Vorurteile auch nach einem Versuch, aber nicht immer.
Aber hier fehlt mir wirklich "die eigene Meinung". Ich kenne Forschungsergebnisse, die systematisch die Familien und das Aufwachsen von Kindern in den verschiedenen Ethnitäten in Namibia untersucht haben. Da fallen die Ovambo in vielerlei Hinsrich auf, bis hin dass traditionell Eltern ihr Kinder (besonders die Söhne) nicht selbst erziehen sollten, weil sie dann verweichlicht würden. Daher werden die Kinder zu Verwandten gegeben, wo sie aufwachsen. Auch dabei enthalte ich mich einer Meinung.
Aber eigentlich lehne ich Kinderehen grundsätzlich ab, sehe hier aber die massiv seit Corona nochmal gestiegenen Zahlen minderjähriger Mütter. Und dann ist mir nicht klar, ob die Heirat wirklich die schlechte Lösung ist, auch angesichts von Mißbrauchs- und Vergewaltigungsgefahren im sozialen Nahraum.
Ich hatte eine Einladung dort hinzufahren, weil die kleine Schwester einer Bekannten dort Teilnehmerin war. Ich habe mich dagegen entschieden. Meine Bekannte war nicht erfreut. Aber ich hatte das Gefühl, dass ich mich dabei nicht wohl fühlen würde. Auch wurde ich mit vielen Worten beruhigt, aber ich wollte doch nicht Teilnehmer sein. Aber ich bin auch nicht dabei, sowas zu verbieten.
Aber eine fundierte Meinung habe ich nicht, nur Bauchgefühle.
Viele Grüße
jaw
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
zuletzt bearbeitet 15. Sept. 2023
4'129 Beiträge · seit 200816. Sept. 2023 · #9
Vielen Dank für deine Antwort!
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
1'127 Beiträge · seit 202216. Sept. 2023 · #10
jaw schrieb:
Aber eigentlich lehne ich Kinderehen grundsätzlich ab, sehe hier aber die massiv seit Corona nochmal gestiegenen Zahlen minderjähriger Mütter. Und dann ist mir nicht klar, ob die Heirat wirklich die schlechte Lösung ist, auch angesichts von Mißbrauchs- und Vergewaltigungsgefahren im sozialen Nahraum.
Dieses (Schutz)Argument (falls so gemeint?) gibt es auch in anderen Kulturkreisen, wo solche Unsitten (noch) bestehen, aber es ist mE nicht stichhaltig. Denn das junge Mädchen/die junge Frau verliert auf alle Fälle, kommt bloß vom Regen in die Traufe, ist wie Pest oder Cholera, weil: keine selbstbestimmte Partnerwahl, keine Ausbildung, keine Perspektive auf eigenständige Entwicklung ….

Solche (Männer)Gesellschaften müssen ihre Verfasstheit grundsätzlich hinterfragen, die es „nötig“ machen würde, dass die jungen Frauen durch Frühverheiratung (oder PS 12:55: Frühverlobung) vor der „Männerwelt geschützt“ werden müsste. Daran führt kein Weg vorbei, auch wenn es noch lange dauern wird, mM
zuletzt bearbeitet 16. Sept. 2023
Themenstarter2'048 Beiträge · seit 200716. Sept. 2023 · #11
Tacitus schrieb
Solche (Männer)Gesellschaften müssen ihre Verfasstheit grundsätzlich hinterfragen, die es „nötig“ machen würde, dass die jungen Frauen durch Frühverheiratung (oder PS 12:55: Frühverlobung) vor der „Männerwelt geschützt“ werden müsste.
schöne Theorie aber weit weg von lokaler Realität. Eine vergebene Frau ist mehr geschützt weil der Ehemann (auch zukünftige) hätte das Recht den Vergewaltiger zu strafen. Möglich wäre auch die Tötung, aber meist muss er sich freikaufen. Ein lediges Mädchen ist verfügbar und weitgehend ungeschützt.
Liebesheirat mit freier Partner suche wie bei uns gibt es meist nicht. Zwar können die jungen Menschen Partner wählen, aber dann muss er die Frau mit dem obligatorischen Brautpreis kaufen. In vielen Ethnitäten ist es völlig akzeptiert, dass die Mädchen vor der Ehe sexuell aktiv sind. Bei den Himba z.B. steigt der Brautpreis wenn das Mädchen schon ein oder mehrere Kinder hat, da sie ja bewiesen hat fruchtbar zu sein.
Leben ist kein Wunschkonzert und von uns Weißen paternalistisch unser Vorstellungen den verschiedenen Kulturen vorzuschreiben funktioniert seit Ende des Kolonialsystems nicht mehr wirklich und damals auch nicht so wirklich, weil unter der Fassade alte Kulturen immer weiter gepflegt wurden.
Ich beobachte vieles, registriere die Unterschiede zu meinem Leben, meiner Denkweise. Aber gerade Namibia leistet sich ein Parallelsystem zwischen weltlicher Gerichtsbarkeit gemäß Verfassung etc. und der traditionellen Gerichtsbarkeit. In vielen Fällen ist entscheidend, wer zuerst an welchem Gericht Appeliert. Das ist dann abschließend zuständig. Und da werden bei den Ovambo z.B. Frauen und Kinder mit vererbt, werden dann weitere Ehefrau im Hof des ältesten männlichen Verwandten des Verstorbenen Familienvaters. Wenn sie das nicht wollen, dann kommt die Verwandtschaft und holt alles männliche Eigentum (Land, Vieh etc.) ab und es bleiben nur Kochgeschirre und und die Hütte übrig, wo die Witwe mit den Kindern bleiben kann. Früher durfte sie nicht mal Anträge bei Behörden selbst stellen (Waisenrenten z.B.) dafür waren männliche Verwandte nötig.
Frauenrechte sind anders als bei uns, auch wenn vieles im urbanen Windhoek so fortschrittlich aussieht.
Viele Grüße
jaw
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
25 Beiträge · seit 202217. Sept. 2023 · #12
.... jedes Jahr kommt diese Diskussion wieder auf und fast niemand war wirklich mal dort. Olufuko in Outapi ist vor allem eine Trade Fair, wie sie inzwischen sehr viele Städte im Norden Namibias veranstalten (angefangen mit der erfolgreichen Ongwediva Trade Fair). Die traditionelle Olufuko-Feier ist nur ein kleiner Teil davon, aber natürlich der medienwirksamste. Wer sich an der jährlichen Feier stört, sollte vielleicht eher einen grundsätzlichen Diskurs zu traditionellen Normen suchen. Was jährlich in Outapi öffentlich gefeiert wird, spiegelt wieder, was in ländlich geprägten Gegenden in unterschiedlichen Formen noch praktiziert wird. Wichtiger als die Fragen, ob Mädchen vereinzelt jung verheiratet werden, finde ich die Stellung von Mädchen in der Gesellschaft generell, Machtgefüge, Toleranz von Missbrauch, Chancengleichheit etc. Man kann das Olufuko-Fest in Outapi boykottieren, erreicht damit aber vermutlich wenig.
1'127 Beiträge · seit 202217. Sept. 2023 · #13
Guten Tag Jaw, ausdrücklichen Dank für die sachkundigen Situationsbeschreibungen. Ich kenne dieses Forum lange genug um diese Antwort erwartet zu haben und klar ist vorweg, dass ich im Vergleich zu deinem Sachwissen gerade Mal über den Zaun schnupper(t)e. Auf alle Fälle weiß ich auch, dass es dort überall Parallelgesellschaften gibt. Diese sind von den Staaten auch durchaus dort gewollt und toleriert, wo rechtstaatliche Institutionen nicht etabliert wurden oder werden konnten und ich habe das auch gar nicht kritisiert. Dass die Schnittstellen zu traditionellen Rechtsordnungen auch bei bestem Willen echt kompliziert sind, ist auch klar und kommt auch bei uns vor. Eine Erbschaft oder Scheidung eines in einem nordafrikanischen Staat islamisch und bei uns standesamtlich getrauten, bei uns legal ansässigen oder eingebürgerten Paares, mit einem dort und einem hier geborenen Kind, ist auch hier eine Herausforderung, bei der wohl mehr islamisches Recht umgesetzt wird, als man an die große Glocken hängen will. Auch bei uns gab (und gibt es wieder mehr) Parallelgesellschaften, die „keinen Richter brauchen“, weil der Clanchef das regelt.

Mein von dir zitierter (Ab)Satz ist aber doch klar im Konjunktiv gefasst und in die Zukunft gerichtet. Dass ich das weniger resignativ sehe als du, hat, mit Verlaub, mit weißem Paternalismus überhaupt nichts zu tun, ich halte bloß gesellschaftlichen Fortschritt (auch in Afrika) für grundsätzlich möglich und wünschenswert. Auch steht klar da, dass die Veränderung aus der Gesellschaft selber heraus kommen muss.

In unserer Kindheit gab es in Regionen Europas Blutfehden zwischen Clans, im Kosovo war das ein strafmindernder Tatbestand bei vorsätzlichem Mord. Die Frau zu verdreschen war höchstens ein Kavaliersdelikt. Am Balkan und in mediterranen Ländern waren Frauen weitgehend, bei uns (bis in die 70/80er) teilweise rechtlos und bevormundet. Schau dir die Situation heute an. Nicht alles ist weg, aber die Situation von Frauen am (beispielsweise) Balkan ist heute um Lichtjahre besser als vor 50 Jahren und bei uns ist rechtliche Gleichstellung längst erreicht. Fortschritt ist möglich!! Er geht mit Urbanisierung, Schulbildung und Bildung einer Mittelschicht einher und wurde durch den Informationsfluss durch die neuen Medien befördert und beschleunigt.

Das südliche Afrika ist mE diesbezüglich keine Ausnahme. Nach meinem Beobachtungen über die Jahrzehnte in SA (und Namibia wird nicht anders sein) lief und läuft der gleiche Prozess dort auch. Er hat bloß später begonnen als bei uns und es wird auch länger dauern, weil es dort unvergleichlich schwieriger ist. Aber es wird mE weiter gehen, und zwar nicht, weil ihnen das post/neo-koloniale Weltverbesserer und Besserwisser aufoktroyieren, sondern weil Teile der Gesellschaft (also noch nicht alle) das selber wollen.

Wenn ich in RSA den Umgang vieler schwarzer Paare miteinander und mit ihren Kindern beobachte, sehe ich schon eine positive Veränderung zu vor 30 Jahren. Dass das nicht immer und überall so ist, ist eh klar, aber es tut/tat sich schon was, ist „work in progress“……………..

Die eigentlichen Probleme dabei sind die brutalen und brutalisierenden Lebensbedingungen in materiellen Dauernotlagen.
zuletzt bearbeitet 17. Sept. 2023
132 Beiträge · seit 201117. Sept. 2023 · #14
...ich mache das bei meinen Reisen durch die Länder dieser Weil so:
- Ich habe eine eigene Meinung, behalte die für mich
- Halte mich vor Ort "aus allem raus" (Ausnahmen: Grobe Gewalt, Notfälle, pp.)
- Sehe es als deren Kultur, respektiere die (zumindest öffentlich)

Wenn viele "Ausländer" das bei uns auch so machen würde: Wäre einiges besser

Dieser Brauch da ist kulturell und auch sehr stark religiös geprägt
Auch die (teilweise als arme bezeichneten) Freuen unterstützen das mehrheitlich

Was sollen wir uns da einmischen?
Wer gibt uns das Recht?
Und weiteren "Trouble" auf uns laden?
(Man könnte einen fast einen Vergleich zu der alten Schutztruppe herstellen, wo es viele - mit dem damaligen Zeitgeist, damaligen Denken und damaligen Methoden - auch "gut meinten". Und auch" nur helfen wollten"...)
12 Beiträge · seit 202317. Juli 2024 · #15
https://www.namibia-forum.ch/know-how/focus/371-olufuko-ein-fest-namibischer-traditionen.html

Ich kann aus eigener Erfahrung - befreundet mit einer Village-Family im Outapi-Gebiet - bestätigen: Das Olufuko Festival wird jährlich in Outapi aus Tradition gefeiert unter dem Motto "Our Heritage Our Pride" (siehe Link). Ein Prozedere des Verheiratens junger Mädchen dort gehört in den Bereich der Mythologie.
zuletzt bearbeitet 17. Juli 2024