Corona und flexibles Reisen

562 Antworten · 97,1k Aufrufe · gestartet 26. März 2020 von Maputo
Bilder klein
Antworten
Themenstarter828 Beiträge · seit 201626. März 2020 · #1
So schnell wird die Menschheit COVID-19 nicht mehr los, dies behaupten jedenfalls viele Virologen und wissenschaftliche Publikationen. 

Das Virus wird in Wellen immer wieder kommen, auch wenn in den nächsten 2-3 Monate die Kurve mit den Ansteckungen in Europa abflachen sollte. Sobald die momentanen Einschränkungen gelockert werden,  fängt alles wieder von vorne an. Da sich das Virus global und zeitverzögert ausbreitet, wird es immer Länder mit Einreisesperre / Lockdown geben, oder Länder in denen die Situation völlig ausser Kontrolle gerät. Südafrika ist so ein Kandidat...

Bis kein wirksamer Impfstoff oder Medikamente vorhanden ist/ sind, wird dieser Zustand anhalten.

Buchungsfanatiker  werden in dieser Zeit einen schweren Stand haben und wahrscheinlich viel Frust und finanziellen Verlust erleben. 
"Back to normal" kommt nicht so schnell zurück, das müssen sich alle klar sein, die jetzt schon voller Hoffnung für 2021 buchen.

Bis auf weiteres ist eher kurzfristiges flexibles Reisen angesagt....macht auch Spass und kostet weniger vorbereitende Energie.

lg Maputo
zuletzt bearbeitet 26. März 2020
Gast26. März 2020 · #2
Sehe ich auch so, Maputo
und verschiebe meine Zuschrift von "CORONA" nach hierher
Lt. vielen Zuschriften in den diversen Themen zum Thema Nr. 1 gibt es schon Pläne für die Zeit „nach den Einschränkungen“, die jetzt ein Mal in den meisten Ländern bis nach Ostern oder Anfangs Mai befristet wurden.
Das ist mM eine arge Fehleinschätzung.
Erstens kann keine Behörde der Welt eine (bisher exponentielle) Ausbreitung durch Verordnung einer Ablauffrist außer Kraft setzen, das Virus lässt sich nicht sagen: Ab 14. April oder 1. Mai bist du aber jetzt weg!
Diktaturen mal ausgenommen, wenn sie die richtigen Maßnahmen setzen.
Und zweitens hat es ja nicht ein Mal bei uns erst richtig angefangen, wir sind trotz all der (z. B. in Österreich früh erlassenen und seeehr weitreichenden) Einschränkungen noch in einer rasanten Ausbreitungsphase. Das (ambitionierte) Ziel dabei ist nur, ein paar Wochen Vorlauf zu kriegen, um das Gesundheitssystem darauf vorzubereiten, Behandlungs- und Isolierungsmöglichkeiten für weniger gravierende Verläufe zu schaffen, etc., um so die stationäre und ambulanten Behandlung ALLER ANDEREN Kranken zu gewährleisten. Fachleute und Politiker kommunizieren uns das täglich, es wird aber offensichtlich von der Öffentlichkeit verdrängt. Man kann nämlich nicht nur an Corona-Lungenentzündung sterben, sondern auch an unzureichender Behandlung wegen zu vieler Corona-Intensivpatienten*), welche die Behandlungskapazitäten für alle anderen schweren Krankheiten blockieren (können, wenn man ihnen Vorrang gibt). Wo man diese Toten dann statistisch zuordnet, ist ein eigenes Thema. Letztlich wird man das erst aus langfristigen und saisonalen Vergleichen der Sterbefälle insgesamt ableiten können; dafür ist es noch viel zu früh.
Es ist mE daher vollkommen illusionär zu glauben, dass es im nächsten halben Jahr oder so, jedenfalls noch 2020, noch einen FERNreiseverkehr für „Vergnügungszwecke“ geben wird. Das wird es nicht ein Mal in Europa geben. Würde das zu früh zugelassen werden, hätten alle Einschränkungen bei uns und Abschottungen von besonders gefährdeten Staaten der zweiten und dritten Welt keinen Sinn gehabt. Man hätte sich das gleich sparen können. Aber auch wenn es ginge, gäbe es noch viele andere Gründe gegen eine Einreise aus Quellländern am Höhepunkt des Ausbruches, der erst bevorsteht. Die Verantwortungslosigkeit gegenüber den viel verwundbareren Gastländern wurde schon genannt. Die mittlerweile bekannten Zusammenhänge zwischen Einschleppung/Verbreitung und Fernreiseverkehr sind doch evident, sie sprechen für sich.
Und wie die Flugpläne und –frequenzen der gegebenenfalls noch bestehenden Fluggesellschaften aussehen werden, wenn nur „unbedingt notwendiger“ Verkehr erlaubt ist, steht sowieso in den Sternen.
ES IST ME. VIEL ZU FRÜH FÜR REISEPLÄNE, WEIL DAS ALLES NICHT EIN MAL RICHTIG ANGEFANGEN HAT.
*) Bei nur 0,5 % Intensivpatienten von 100.000 Coviderkrankten sind das 500, und das u. U. für WOCHEN (!)
7'296 Beiträge · seit 200626. März 2020 · #3
Maputo schrieb:So schnell wird die Menschheit COVID-19 nicht mehr los, dies behaupten jedenfalls viele Virologen und wissenschaftliche Publikationen. 

Das denke ich auch.
Meines Wissens wurde außer den Pocken noch nie eine Viruserkrankung ausgerottet.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
1'675 Beiträge · seit 200726. März 2020 · #4
loser schrieb:Es ist mE daher vollkommen illusionär zu glauben, dass es im nächsten halben Jahr oder so, jedenfalls noch 2020, noch einen FERNreiseverkehr für „Vergnügungszwecke“ geben wird. Das wird es nicht ein Mal in Europa geben. )
Das mag so kommen, die Frage ist allerdings, welche Fluggesellschaften es dann noch geben wird.
Unabhängig davon wird sich überall die Frage stellen, wie lange ein Lockdown ohne schlimmste wirtschaftliche Folgen möglich ist. Wer da von einem halben Jahr redet ist m.E. völlig naiv. Dann bräuchte man über zukünftige Vergnügungsreisen überhaupt nicht mehr zu reden. Die Regierungen werden bald Farbe bekennen müssen.
Südliches Afrika seit 1992: 49 Reisen, 1.369 Tage, 174.380 km, 493 Vogelarten
Gast26. März 2020 · #5
pollux schrieb: Die Regierungen werden bald Farbe bekennen müssen.
Sehe ich genauso, aber bei obig meine ich: WIR, d. h. unsere GESELLSCHAFTEN werden Farbe bekennen müssen.
Unsere Volkswirte sollten schleunigst studieren wie unsere Elterngenerationen sowas bewältigt haben. Ohne "Fettabschöpfung" und "Solidarität" ging das nie und wird es auch jetzt nicht gehen, wenn wir den Staat funktionsfähig halten wollen. Es ist sicher nur ein paar Wochen aus, bis nach den nur pauschal möglichen Notmaßnahmen, besser strukturierte und maßgeschneiderte Möglichkeiten zu wirtschaftlicher Tätigkeit kommen werden.
Aber der FERNtourismus wird mE (!) auf lange Zeit nicht das sein, was er war. Was aber nicht heißen muss, das der Tourismus generell tot ist, er kann ja auch kleinräumiger und regional sein, wie der TE Maputo meinte.
"Unser" Geld*) ist ja nach wie vor vorhanden und im Augenblick wird es für Manche (nicht alle!) sogar mehr, weil sie es nicht ausgeben können. Man muss Wege suchen, dieses, zumindest das jetzt "Zwangsgesparte", an die "richtigen" Stellen zu bringen, ohne dass es Trittbrettfahrer und Krisenprofiteure gibt, eine Mammutaufgabe. Solche Sachen laufen ja schon....aber das gehört jetzt eigentlich in das (mittlerweile auch zweckentfremdete) Solidaritätsthema.
Grüße
*) Das FINANZvermögen der Österreicher z. B. beträgt ca. das 1,7 bis 1,8 -fache des BIPs und die Ösis sind bekannt dafür, fast nicht in Aktien zu investieren. Wir können unsere Staatsschulden zwei mal tilgen. Damit meine ich nicht, dass Private das jetzt machen sollten, es geht nur um die Perspektive und Größenordnung
zuletzt bearbeitet 26. März 2020
545 Beiträge · seit 200626. März 2020 · #6
Wenn es tatsächlich so schlimm werden sollte, also sehr lange dauert, bzw. mehrer Infektionswellen geben wird, wird es das von vielen erwartete Wirtschaftsdesaster geben.
Folgen werden sein, das Durschnittsalter der Weltbevölkerung wird deutlich sinken, die Rentenkassen werden deutlich entlastet!
Wenn es so schlimm werden sollte (was ich nicht hoffe, eigentlich auch nicht glaube) werden sich einen Urlaub in exotische Fernreiseziele sowieso nur ganz wenige elitäre Menschen noch leisten können.
Grüße
Themenstarter828 Beiträge · seit 201626. März 2020 · #7
Eintracht schrieb:Wenn es tatsächlich so schlimm werden sollte, also sehr lange dauert, bzw. mehrer Infektionswellen geben wird, wird es das von vielen erwartete Wirtschaftsdesaster geben.
Folgen werden sein, das Durschnittsalter der Weltbevölkerung wird deutlich sinken, die Rentenkassen werden deutlich entlastet!

Trump fährt eine eigene Strategie, bewusst oder aus Ignoranz. Die Wirtschaft muss so schnell wie möglich wieder brummen, ab Ostern soll wieder Normalbetrieb herrschen.  Damit nimmt er  in Kauf -wie von dir beschrieben-,  dass es bei der älteren Generation eine Art Kollateralschaden geben wird. Auf der anderen Seite, drohen Massenarbeitslosigkeit und soziale Unruhen.

Mit diesen unangenehmen Fragen,  müssen sich alle Regierungen über kurz oder lang befassen...

lg Maputo
zuletzt bearbeitet 26. März 2020
545 Beiträge · seit 200626. März 2020 · #8
Hi,
ich gehe auch mal ganz stark davon aus, falls die Todesfälle in D weiterhin so niedrig sein werden prozentual zu den Infektionen,
das man in Deutschland spätestens nach Ostern wieder Volldampf fährt!

Grüße
158 Beiträge · seit 201626. März 2020 · #9
Bin ebenfalls der Meinung von Maputo.

Bezüglich flexibles Reisen, wenn es in nicht absehbarer Zeit wieder möglich sein sollte, dass südliche Afrika zu bereisen, werden wohl auch die - soweit dann noch vorhanden - Direktflüge stärker nachgefragt sein.

Wir sind vor kurzem aus Südafrika vorzeitig zurückgekehrt; wir haben über das Namibia Forum vor Ort am SA, 14.3. in der Früh erfahren, dass die von uns gebuchte Turkish Airlines (Rückflug geplant am 17.3.) nicht mehr nach ua nach Österreich fliegt. Der Flug CPT-IST hätte am 17.3. noch normal stattgefunden, wir wären dann wohl eventuell bis 17.4. in Istanbul gestrandet. Daher haben wir noch für den SA, 14.3. einen Direktflug CPT nach Wien gebucht und die letzten Plätze ergattert. Turkish hat die Information mit der Absage übrigens erst wenige Stunden vor dem ursprünglich geplanten Flug per E-Mail ausgeschickt - da waren wir zum Glück schon längst wieder zu Hause.

Ich hätte künftig keine Lust, nur aus Kostengründen irgendwo auf der arabischen Halbinsel oder in Addis Abeba für mehrere Wochen zu stranden, weil eventuell der Weiterflug nach Westeuropa nicht stattfinden kann. Ich denke also schon, dass es künftig wichtiger sein wird, einen Direktflug - soweit im nächsten Jahr überhaupt grundsätzlich noch relevant und verfügbar - nach Deutschland, Österreich oder die Schweiz anzuvisieren.

Schöne Grüße, Oliver
Reisebericht Südafrika 2020: https://www.namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/299486-kwazulu-natal-und-kapregion-suedafrika-2020.html 2020 Südafrika / 2016 Namibia + Botswana / 2015 Tansania + Sansibar / 2014 Namibia + Südafrika / 2012 Südafrika / 2010 Südafrika / 2008 Südafrika / 2006 Namibia, Botswana + Zimbabwe / 2003 Kenia / 2002 Namibia + Südafrika / 2000 Südafrika + Mauritius
607 Beiträge · seit 201026. März 2020 · #10
Ich habe zu einigen Äußerungen eine andere Meinung, allerdings denke ich sehr positiv. Vor allem für flexible Reisen, also die Personen die wirklich zeitlich flexibel sind.
Meine Meinung habe ich mir gebildet(da schon dreimal so erlebt und schamlos ausgenutzt), da ich einen anderen Ansatz sehe.
Mein Ansatz ist, je länger ein LockDown dauert, desto mehr zählt die Wirtschaft und nicht das einzelne Leben. Was könnte sich daraus ergeben:
Lockdown in Europa und in Südafrika im August beendet.
Bis dahin ist der Wettlauf an schnellen, genauen Geräten zum Testen beendet. Bosch bringt in 2 Wochen sein Testgerät an den Start (Labor ! Test innerhalb 2,5 Std), wenn dieser noch beschleunigt wird sehe ich dieses Szenario: In die Urlaubskosten wird der Test mit einberechnet, vor Abflug oder nach Landung wird getestet. Dokumentiert und man darf Reisen also einreisen.
Von den Fluggesellschaften, ist ein Land wieder geöffnet, wird es einen Flugplan geben. Die Preise sind die ersten paar Tage hoch, nach einer Woche ist das vorbei. Die Linienflieger werden allein durch die Geschäftsleute nicht voll. Also gibt es wieder günstige Angebote, für die die zeitlich flexibel sind, genutzt werden. Pauschalreisen kommen viel später aber die sind hier im Forum kaum.
Und dann kommt der „Angst-Faktor“ ähnlich wie Kriminalität, ist das da sicher?, stimmen die Infektionszahlen in dem Urlaubsland? usw. Die Urlaubsländer werben um Kunden, Flugkapazitäten werden erhöht, aber die Touristen können oder wollen noch nicht. Also noch keine Preiserhöhungen.
Deshalb plane ich schon für Okt., wenn es die Gesundheit meiner Frau zulässt, und die Grenzen offen sind. Und ich glaube nicht, dass es teurer wird, auch die Flüge. Auch wenn die Flüge teurer werden, würde ich trotzdem reisen, da die NP sicherlich weniger besucht sind.
Woraus ziehe ich diese Vermutungen:
Tschernobyl 1986 (am 1. 5 sind wir nach Israel gestartet, für 4 Wochen mit Motorrad über Griechenland. Gigantischer Urlaub, kaum Touristen weder Athen noch in Jerusalem oder Golan) , war eigentlich ein Jahr später geplant.

USA 2001 Kurzurlaub ungeplant. 1 Woche nachdem der Flugbetrieb wieder begann sind mein Kumpel und ich am 19.9. zu einer Motorrad-Tour nach Utah-Colorado aufgebrochen. 10 Tage unvergesslich, am Parkplatz an der Kante am Grand-Canyon waren wir allein. Das ganze zum Schnäppchenpreis 50% auf Motorradmiete. Flugpreis etwas günstiger aber nicht billig. Flugzeug aber halb leer.

Kenia Febr. 2017 ohne Vorbuchungen (Lodge-Tour) da Tourismus am Boden(Anschläge 2016). Flugangebote waren genügend vorhanden, obwohl Flugplan reduziert war.
Ich würde den Flexiblen vorschlagen, Gebuchtes zu verschieben und dann wenn die Öffnung stattfinden, die Flüge täglich checken. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass im August noch keine Flüge nach JNB gehen.
Kopf hoch, positiv denken, das wird schon wieder.
Worüber ich mir Sorgen mache bez. Südafrika: sind wir noch willkommen? Werden wir als die „Verursacher“ angesehen? Ich meine nicht in den Restcamps, sondern in der Stadt beim Einkaufen oder Tanken.
Viele Grüße Wolfgang
1'115 Beiträge · seit 201026. März 2020 · #11
Wann der LockDown beendet wird ist eigentlich irrelevant für mich.
Solange ich den Virus selber nicht 'durchgestanden' habe (und somit immun) bleibe ich gefährdet ob heute oder in 12 Monaten.
Es sei denn
a) Medikamente sind verfügbar, die ich selber als Reisender mitnehmen kann (wie präventiv mit Malariamitteln) oder
b) eine Impfung ist verfügbar.

Lassen wir uns nichts vormachen wegen den aufgelisteten Fällen pro Land. Das wiederspiegelt nicht den eigentlichen Befall der Bevölkerung, sondern nur wer getestet wurde. Getestet pro Kopf der Bevölkerung ist aber sehr, sehr weit auseinander. An der Spitze steht die VAE, und zwar mit weitem Abstand. Italien (Chef des Zivilschutzes) geht davon aus, dass die gelisteten erkannten Fälle einer 10 x Dunkelziffer gegenüberstehen (also im Moment +600000 infizierte).
Ich gehe davon aus, dass z.B. die Zahlen von SA Infizierten einen Faktor 20 - 30 (oder mehr) in der Realität entsprechen. Für andere Länder in Afrika möglicherweise noch massiv höher.

Gruss Rajang
82 Beiträge · seit 202026. März 2020 · #12
Sicherlich muss man verhindern, dass durch eine zu frühe Lockerung von Maßnahmen gleich die nächste große Infektionswelle rüber schwappt und man den nächsten "Lockdown" ausrufen muss. Ich sehe es aber mit Sorge, dass Reisen auch von Volkswirtschaftlern gerade nur unter dem Aspekt "entbehrlicher Luxus" abgetan wird. Die Wirtschaft besteht auch hierzulande nicht nur aus Volkswagen, Bayer und der Deutschen Bank. Genauer betrachtet ist der Kauf des nächsten SUV für den Konsumenten genau so "entbehrlicher Luxus" wie die nächste Reise. Warum wird dann immer nur auf die Autoindustrie geschaut? Auch hierzulande ist Tourismus eine wichtige, arbeitsplatzintensive Branche - laut Bundesregierung 290 Mrd. Euro Umsatz pro Jahr schwer. Auch in Afrika geht es beim Tourismus um 200 Mrd. US-Dollar im Jahr. Wenn das weg fällt, wird der Westen das nicht durch freiwillige Spenden ersetzen. Afrika droht da der schwerste Entwicklungsrückschlag seit Jahrzehnten.

Nennt mich naiv oder dumm, aber ich hoffe, dass bis zum Herbst der größte Teil des Tourismusgeschäftes wieder funktioniert - zum Teil eben mit neuen Gegebenheiten, so wie das Reisen nach 9/11 eben auch etwas anders aussah als zuvor. Ich bin auch nicht sicher, ob Deutschland am Ende überhaupt eigene Entscheidung treffen kann oder ob uns von außen durch geschaffene Fakten etwas aufgezwungen wird? Die Maßnahmen, die die USA ergriffen haben, sind bislang in den meisten Bundesstaaten lachhaft. Der Inlandsflugverkehr läuft ohne große Einschränkungen (Blick auf Flightradar genügt). Das bisschen an Maßnahmen will man aber möglichst nach Ostern schon wieder einstellen. Die USA werden dadurch eventuell auch ein Kandidat für das Modell Durchseuchung/Herdenimmunität. Wie würden wir dann damit umgehen? Deutschland als exportabhängigstes Land der Welt kann sich schwerlich 1-2 Jahre von den USA abschotten, zumal dann wahrscheinlich andere Länder dem "Modell USA" folgen (Indien, Brasilien).

Die aktuell getroffenen Maßnahmen finde ich sinnvoll. Deutschland hat vergleichsweise große finanzielle Spielräume, Leben retten muss Priorität haben und wir müssen vor allem Zeit gewinnen. Aber wir müssen die Zeit auch nutzen, um eine Exit-Strategie bzw. alternative Strategien für die nächste Zeit zu entwerfen. Auch das Geld für Ärzte, Schwestern, Krankenhausbetten, Beatmungsgeräte, Labortests, womit wir Leben retten wollen, fällt am Ende nicht vom Himmel bzw. ist nicht endlos durch Kredite finanzierbar. Eine funktionierende Wirtschaft generiert das Geld dafür und eröffnet uns überhaupt erst Handlungsoptionen. Wenn der aktuelle Zustand noch Monate anhält, wird die Wirtschaft sonst zwangsweise in eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale kommen und es droht hier schlicht der Zusammenbruch der Gesellschaft.

Wenn der Tourismus bis Jahresende nicht anläuft und selbst 2021 noch großen Einschränkungen unterliegt, dann stehen neben unzähligen Ländern außerhalb Europas auch Italien, Spanien, Frankreich und Griechenland vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Die sind dann auch nicht mehr durch den ESM zu retten. Wenn so viele Euro-Länder gleichzeitig in die Krise geraten, dann ist auch ein "whatever it takes" der EZB nichts mehr wert, weil die glaubhafte wirtschaftliche Unterfütterung fehlt. Kein Verständnis habe ich für den Bundesgesundheitsminister, wenn der heute sagt, das das aktuell die "Ruhe vor dem Sturm" ist, es also bald sehr viel schlimmer kommt. Alle Statistiken zeigen aktuell ein Abflachen der Wachstumdynamik bei den Fallzahlen. Das expontentielle Wachstum mit einer Verdopplung der Fallzahlen alle 2,7 Tage ist durchbrochen. Das ist kein Grund, schon den Sieg über Corona auszurufen, aber eine Faktenbasis, um eine baldige Verschlimmerung der Lage in Aussicht zu stellen, gibt es erst recht nicht.

Wie der "Hippie" ziehe ich auch etwas Hoffnung aus der Historie. Nach 9/11 und nach Lehmann gab es auch jede Menge apokalyptische Prognosen. Es kam alles viel weniger schlimm.
7'296 Beiträge · seit 200626. März 2020 · #13
A7456 schrieb:Kein Verständnis habe ich für den Bundesgesundheitsminister, wenn der heute sagt, das das aktuell die "Ruhe vor dem Sturm" ist, es also bald sehr viel schlimmer kommt. Alle Statistiken zeigen aktuell ein Abflachen der Wachstumdynamik bei den Fallzahlen. Das expontentielle Wachstum mit einer Verdopplung der Fallzahlen alle 2,7 Tage ist durchbrochen. Das ist kein Grund, schon den Sieg über Corona auszurufen, aber eine Faktenbasis, um eine baldige Verschlimmerung der Lage in Aussicht zu stellen, gibt es erst recht nicht.

… nun, da kann man auch anderer Meinung sein. Zum einen steigen die Fallzahlen immer noch so, dass die Zahl der täglichen Neuerkrankungen höher ist als die des jeweiligen Vortages (wir bewegen uns also noch auf den Berg zu) und zum anderen kommt hinzu, dass die kritische Phase bei der Erkrankung erst nach einiger Zeit eintritt. Bei den kritischen Verläufen mit tödlichem Ende tritt der Tod im Durchschnitt erst nach 18 Tagen ein. Das bedeutet, dass bei der derzeitigen Zunahme der Fälle auch bald die Zahl der Intensivpatienten sehr stark ansteigen wird und damit auch die Zahl der Todesfälle.

Was den Bundesspahnminister angeht, habe ich auch kein Verständnis. Vor wenigen Wochen sagte er noch, das Risiko in Deutschland sei extrem gering, dann nur noch gering, mäßig, auf einmal hoch bis regional sehr hoch.
Und inzwischen liegt Deutschland mit der bis vor kurzem extrem geringen Ansteckungsgefahr weltweit an Platz vier der Länder mit akuten Krankheitsfällen.
Deutschland sei gut aufgestellt, hieß es. Bereits jetzt mangelt es an Schutzkleidung und an Krankenhauspersonal seit Jahren ja schon im Normalbetrieb.
Die Versorgung sei sichergestellt. Hamsterkäufe seien nicht nötig. Neulich bei Kölle Zoo gabs auch tatsächlich noch genügend Hamster, Meerschweinchen auch.
Aber seit Wochen gibt's kein Klopapier, Reis, Nudeln usw. mehr.

Das dauert meiner Meinung nach alles noch ein bisschen länger als bis Ostern ,,,

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
1'115 Beiträge · seit 201026. März 2020 · #14
Wenn's dann über Ostern dauern soll, ja was dann?

Darf ich nun die Ostereier suchen gehen, oder unterliegt dies bereits Einschränkungen?

Gruss Rajang
82 Beiträge · seit 202026. März 2020 · #15
BikeAfrica schrieb:
… nun, da kann man auch anderer Meinung sein. Zum einen steigen die Fallzahlen immer noch so, dass die Zahl der täglichen Neuerkrankungen höher ist als die des jeweiligen Vortages (wir bewegen uns also noch auf den Berg zu)
Ich weiß nicht, auf welche Statistik Du schaust. In der Deutschland herrscht ein Tohuwabo bei der Datenerhebung, weshalb viele Statistiken und Diagramme zu Fehlinterpretationen verleiten. Hier ist die offizielle Statistikseite des RKI. Täglich neue Höchststände lassen sich da nicht mehr erkennen (Diagramm unten rechts) .
https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4
Wie gesagt: Zu früh für Siegesgeheul, aber exponentielles Wachstum ist seit 5 Tagen nicht mehr da. Das erscheint mir auch logisch, weil vor etwa 10 Tagen die ersten Maßnahmen wie Schulschließungen eingeleitet wurden. Und beim exponentiellen Wachstum ist es eben so, dass die ersten 10% weniger soziale Kontakte mehr bringen als die letzten 10%. Zur Verdeutlichung noch mal folgende bekannte Grafik:

index.jpeg


Wir haben also um die 4.000 erfasste Neuinfektionen pro Tag. Die Statistik besagt, das ca. 5% der Fälle auf der Intensivstation landen und da für ca. 14 Tage bleiben. Dann brauchen wir ca. 2.800 Betten auf Intensivstationen. Wir hatten laut offiziellen Aussagen schon vor Corona 28.000 Betten auf Intensivstationen in Deutschland. Auf dieser Datenbasis ist mir mathematisch nicht klar, wo bald der "Sturm" und die Überlastung des Gesundheitswesens herkommen soll?

Laut Prof. Drosten haben wir eine sehr hohe Testquote respektive eine vergleichsweise niedrige Dunkelziffer (wofür auch unsere bislang vergleichsweise niedrige Mortalitätsrate spricht). Das wir also das 10fache an Dunkelziffern haben und das demnächst zu einer Schwemme an Fällen führt, ist auch ausgeschlossen.

Noch ein Nachtrag: Ich will das Corona-Virus weiß Gott nicht verharmlosen. Aber Dramatisierung oder Panik braucht es in dieser Situation auch nicht.
zuletzt bearbeitet 26. März 2020
607 Beiträge · seit 201026. März 2020 · #16
kommt drauf an wie alt du bist 😉 😗
ich meinte wegen Ostereier suchen. Raus dürfen vermutlich nur die jüngeren
zuletzt bearbeitet 26. März 2020
390 Beiträge · seit 201726. März 2020 · #17
Rajang schrieb:Wann der LockDown beendet wird ist eigentlich irrelevant für mich.
Solange ich den Virus selber nicht 'durchgestanden' habe (und somit immun) bleibe ich gefährdet ob heute oder in 12 Monaten.


Gruss Rajang
Das Problem daran ist, dass du nicht weisst, ob du die Infektion bereits durchgemacht hast, da bei weitem nicht Jeder, der entsprechende Syptome hat, getestet wird. Und bei Vielen wenig bis keine Symptome vorhanden sind.

Daher sind m.E. auch die Fallzahlen völlig uninteressant. Deutschland steht dabei auf dem 4. Platz. Vielleicht testen aber andere Länder noch viel weniger?
Aussagekräftig sind die Zahlen der Toten. Und da liegt Deutschland noch sehr gut.

Ich habe für Oktober eine Reise in die USA geplant und hoffe noch, dass wir fliegen werden.
Meine Meinung ist, wenn das nicht möglich ist, werden wir auf sehr lange Zeit nicht fliegen, weil es dann weder Fluggesellschaften noch Unterkünfte geben wird. Niemand kann das 6 Monate durchstehen, auch nicht mit der besten staatlichen Unterstützung.
1'794 Beiträge · seit 201326. März 2020 · #18
Hallo ihr Lieben, ich bin fest davon überzeugt, dass Reisen- zumindestens außerhalb Deutschlands, für lange Zeit, also mindestens bis weit ins nächste Jahr obsolet sein wird. Daher wird der Gutschein eher also Ersatz für Klop...dienen. und das Geld könnte dann doch weg sein
Aber es geht ja hier nicht ums Geld sondern um die Gesundheit und daher wird auch keiner reisen wollen,selbst wenn's erlaubt würde, denn wer will in Corona verseuchte Länder wie SA, USA,Indien, Bdasilien freiwillig reisen.
Meine Meinung!

LG NOGRILA
1'115 Beiträge · seit 201026. März 2020 · #19
Das Problem daran ist, dass du nicht weisst, ob du die Infektion bereits durchgemacht hast, da bei weitem nicht Jeder, der entsprechende Syptome hat, getestet wird. Und bei Vielen wenig bis keine Symptome vorhanden sind.
Das kann durch einen Test verifiziert werden, ob Du bereits die Infektion hinter Dir hast. Diese Leute sind dann im Gesundheitswesen sehr gefragt! Aber natürlich muss der Test erst mal für Otto Normalverbraucher auch zugänglich sein.

Gruss Rajang
Themenstarter828 Beiträge · seit 201626. März 2020 · #20
Viele Argumente und Szenarien....

Fast alle Länder haben das Ganze bisher unterschätzt und keiner hat vom anderen gelernt. 

Wenn man Details kennt,  was in Norditalien in den Spitäler abgeht ist dies der blanke Horror.  Auf der anderen Seite kann man nicht Menschen einfach monatelang wegsperren und die Wirtschaft an die Wand fahren. Es braucht eine Balance, einen Mittelweg.

Mittlerweilen kenne ich 2 aus meinem Bekanntenkreis die das Virus hatten, beide unter 50, der Eine, gesund und sportlich war 7 Tage auf der Intensivstation mit Beatmung. Das Virus hat er im Tirol aufgelesen.

Wenn man bedenkt, dass 15% der Fälle mit starken Symptomen verlaufen und man je nach Verlauf auf Intensivpflege angewiesen ist, bleibt kein gutes Gefühl. Schon gar nicht, wenn man in ein Land wie Südafrika reisen will,   wo es gerade einmal 1500 Betten für Intensivpflege gibt wie mir ein befreundeter Arzt gesagt hat...


lg Maputo 
zuletzt bearbeitet 26. März 2020