Namibia und Botswana

Reisebericht 224 Antworten · 33,6k Aufrufe · gestartet 04. Sept. 2019 von Luigi15
Themenstarter411 Beiträge · seit 201904. Sept. 2019 · #1
Namibia und Botswana - Sommer 2019

PROLOG
Bisher war ich interessierter Leser und passiver Konsument dieses Forums. Viele Namen von den Verfassern der unzähligen Reiseberichte sind mir längst geläufig. Ich habe mehr als nur hilfreiche Informationen aus diesem Forum ab- und aufgesaugt, meine Reiserouten durch das Südliche Afrika wurden enorm durch den aufwändigen Input anderer aufgewertet und verbessert. Wir als Familie – oder teilweise auch nur ich als „Einzelreisender“ (wenn die anderen der Ansicht waren, dass eine Afrika-Pause nötig ist) haben inzwischen zahllose Reisen durch das Südliche Afrika unternommen, vor allem Südafrika ist so zu einer „zweiten Heimat“ geworden…
Meine erste Reise durch Namibia unternahm ich 1994 – damals noch in einem Toyota Corolla – und ziemlich unvorbereitet… Dieses Unternehmen gipfelte darin, dass das Auto im Sand steckte und wir von einem hilfsbereiten Straßenarbeiter, der in einem kleinen Zelt neben seinem Greder nächtigte, herausgezogen werden mussten. Auf dieser ersten Reise vernichtete ich im Köcherbaumwald zudem ein 300mm Teleobjektiv, das mir aus der Hand glitt, als plötzlich eine Kobra neben mir stand. Da passte auch noch dazu, dass ein Koffer verspätet sein Ziel erreichte und dann nicht geöffnet werden konnte, weil ich den Schlüssel zu Hause vergessen hatte…
Erstaunlich ist, wir haben das Südliche Afrika trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb ?!) so sehr ins Herz geschlossen, dass wir heuer im Sommer unsere 25. Reise in eben diese Gegend angetreten haben. Nachdem wir im Vorjahr in Südafrika unterwegs waren, stand sehr bald fest, dass im Sommer 2019 wieder Namibia und Teile Botswanas bereist werden würden. Zudem muss natürlich bei jeder Reise einerseits bekanntes, andererseits aber auch neues Territorium betreten werden – trotz fortgeschrittenem Alter gibt es ja immer noch so etwas wie „Pioniergeist“…
Da meine spärliche Freizeit als Lehrer miteinbezogen werden muss, kommen überwiegend unsere Sommermonate als Reisezeit in Betracht – nicht unbedingt die schlechtesten Voraussetzungen für Reisen in den südlichen Teil Afrikas. Da wir in den letzten Jahren fast ausschließlich Touren auf Campingbasis im Dachzelt unternommen hatten, wollten wir heuer bewusst wieder einmal den Komfort in Lodges genießen – es war ja schließlich auch so etwas wie eine kleine „Jubiläumsreise“. Zudem war relativ bald klar, dass uns unsere Töchter heuer nicht begleiten würden, eine zumindest in budgetärer Hinsicht erfreuliche Tatsache.
Das waren also die Rahmenbedingungen – einer Detail-Planung stand damit nichts mehr im Weg. Als Reisezeitraum legten wir den 7. bis 29. Juli 2019 fest, drei Wochen würden ausreichen, um die ambitionierte Runde nicht zu stressig werden zu lassen – Zeit für die Fotografie spielt zumindest bei mir eine nicht unwesentliche Rolle. Als fahrbarer Untersatz wurde diesmal wieder ein Toyota Hilux Double Cab 4x4 gewählt, den wir im Internet über AVIS buchten.
Folgende Reiseroute legten wir fest:

  • 10. Juli 2019: Windhoek - Casa Piccolo
  • 11. Juli 2019: Spitzkoppe - Spitzkoppen Lodge
  • 12. Juli 2019: Spitzkoppe - Spitzkoppen Lodge
  • 13. Juli 2019: Cape Cross - Cape Cross Lodge
    14. Juli 2019: Skelettküste - Shipwreck Lodge
    15. Juli 2019: Skelettküste - Shipwreck Lodge
    16. Juli 2019: Palmwag - Grootberg Lodge
    17. Juli 2019: Etosha NP - Okaukuejo
    18. Juli 2019: Etosha NP - Halali
    19. Juli 2019: Etosha NP - Namutoni
    20. Juli 2019: Etosha NP - Namutoni
    21. Juli 2019: Rundu - Hakusembe River Lodge
    22. Juli 2019: Shakawe - Drotzky's Cabins
    23. Juli 2019: Shakawe - Drotzky's Cabins
    24. Juli 2019: Shakawe - Drotzky's Cabins
    25. Juli 2019: Shaleshanto - Mogothlo Safari Lodge
    26. Juli 2019: Shaleshanto - Mogothlo Safari Lodge
    27. Juli 2019: Maun - Queness Inn
    28. Juli 2019: Buitepos - Kalahari Bush Breaks

    In der Hoffnung, dass diese Reiseroute auch bei anderen Afrikafreunden und -freundinnen auf Interesse stößt, werde ich in den kommenden Wochen einige unserer Eindrücke mit - hoffentlich vielen - Mitreisenden teilen
    Beste Grüße
    Peter
    zuletzt bearbeitet 18. Sept. 2019
    6'152 Beiträge · seit 200604. Sept. 2019 · #2
    hallo Peter,
    eeeeerste die zusteigt , ich freue mich auf die Reise und was es zu berichten gibt, für mich dabei Bekanntes und Unbekanntes.
    Sonnige Grüsse
    Hanne
    8 x Südafrika,1x Zimbabwe, 22x Namibia, 4x Botswana, 1x Lesotho, 1 x Swasiland
    zuletzt bearbeitet 04. Sept. 2019
    4'382 Beiträge · seit 201504. Sept. 2019 · #3
    Hallo Peter, schließe mich Hanne vorbehaltlos an! Rutsch ein Stückchen, liebe Hanne!
    Freue mich auf Bekanntes und Unbekanntes!
    Gruß von
    Friederike
    https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/305239-2-froestelnde-senioren-cufs-in-botswana-august-24.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299590-namibia-2008-cufscher-verbindungsstresstest.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/285307-cuf-in-botswana-2013.html https://www.namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/285473-cuf-im-ktp-und-moremi-juli-august-2014.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/287481-cuf-maeandern-durch-den-norden-namibias-v-o-nach.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/294392-cufs-8woechige-antiviruskur-erfolgreich-oder-nicht.html https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/300961-cufs-6-wo-haengemattenauszeit-v-covid19-in-bots-nam.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/298077-kurz-trocken-skelettenkueste-suedwaerts-april-mai-19.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/303543-62-tage-auf-der-entschleunigungsspur-nam-bots-nam.html
    6'152 Beiträge · seit 200604. Sept. 2019 · #4
    CuF schrieb:Hallo Peter, schließe mich Hanne vorbehaltlos an! Rutsch ein Stückchen, liebe Hanne!
    Freue mich auf Bekanntes und Unbekanntes!
    Gruß von
    Friederike
    liebe Friederike, schön, dass Du neben mir sitzt - na da trinken wir doch gleich mal einen GT und machen es uns gemütlich.
    Herzlichste Grüsse Hanne
    8 x Südafrika,1x Zimbabwe, 22x Namibia, 4x Botswana, 1x Lesotho, 1 x Swasiland
    Themenstarter411 Beiträge · seit 201904. Sept. 2019 · #5
    Hallo Friederike, hallo Hanne - ich weiß dass der Fahrer nicht trinken soll... aber bei einem GT kann ich in diesem Fall nicht widerstehen, schön dass ihr dabei seid
    LG Peter
    zuletzt bearbeitet 04. Sept. 2019
    8'672 Beiträge · seit 201004. Sept. 2019 · #6
    Hallo Peter,

    also erstens hast du mich mit deiner braunen Hyäne im Test-Thread bereits erwischt 🤩 , zweitens kenne ich einige Stationen auf deiner Route und andere interessieren mich - und drittens haben die süddeutschen Pädagogen noch Ferien 🙂 , so dass ich etwas mehr Zeit als sonst fürs Lesen übrig habe.

    Ich freu mich schon auf vermutlich sehr schöne Fotos - und klar, bei einem GT sag ich nie nein 😄 !

    LG Bele
    Meine Reiseberichte im Namibia-Forum von 2011 bis heute
    zuletzt bearbeitet 04. Sept. 2019
    1'712 Beiträge · seit 201604. Sept. 2019 · #7
    Hallo Peter,

    ich bin auch sehr gerne dabei, denn wir fahren Mitte Oktober eine in weiten Teilen identische Strecke (ebenfalls als Lodgehopper). Das dürfte die perfekte Einstimmung werden 😁

    Viele Grüße,
    Bettina
    Alle Reiseberichte von Betti und Thomas im Überblick
    1'822 Beiträge · seit 201604. Sept. 2019 · #9
    Hallo Peter,
    da bin ich auch gern dabei. Deine braune Hyäne hat mir auch sehr gut gefallen - ich hoffe auf weitere gelungene Tieraufnahmen. 😉
    Wir waren zu einem ganz ähnlichen Zeitpunkt in der Region unterwegs. Bin daher gespannt, wie du die Dürre erlebt hast.

    Lieber Gruß
    Sascha
    Website: www.picturesgonewild.de SA, Namibia, Mauritius 2016 / Kruger NP 2016, 2018, 2021, 2023, 2025 / Namibia 2017 / Sri Lanka 2018 / Namibia und Botswana 2019 / Costa Rica 2022 / Namibia 2022 / Norwegen 2024 / Indien 2025 Alle Reiseberichte unter: https://www.namibia-forum.ch/forum/linksammlungen-signaturen/304512-h-badger-reiseberichte.html
    766 Beiträge · seit 200704. Sept. 2019 · #10
    Hallo Peter,

    bei dieser illustren Begleitung, der Aussicht auf einen GT und Deiner anstehenden Jubiläumstour- Berichterstattung quetsch ich mich auch noch in den Toyota rein...
    🤪 🤩 🤪
    Außerdem hat mir Dein Testbild super gefallen und macht neugierig auf weitere schöne Aufnahmen.

    Viele Grüße
    Simone 😎
    Historie meiner 16 bisherigen Reisen ins südliche/östliche Afrika => 11/2001: NAM die Erste * 12/2003 - 01/2004: NAMIBIA Südtour * 03/2005: NAMIBIA ein runder Geburtstag in Windhoek/Tour mit Witti + Landy * 12/2007 -01/2008: NAMIBIA Südtour zum 2. mit Familie * 10-11/2008: Kurztrip nach NAM/wieder ein runder Geburtstag * 03/2011: NAMIBIA ~ Hochzeit der Schwägerin in Windhoek und kleine Tour * 09-10/2013: TANZANIA ~ 4 Wochen Familienbesuch * 12/2014 - 01/2015: NAM zum ersten Mal mit Dachzelt unterwegs * 07-08/2016: SÜDAFRIKA ~ 4 Wochen Kap und Gardenroute/Familienbesuch * 05/2018: KTP und mal wieder der Süden von NAMIBIA * 01-02/2020: NAMIBIAS Norden, Caprivi und ein bißchen BOTSWANA * 08-09/2021: BOTSWANA ~ Private Campingtour mit Bushways * 09/2O22: 3 Wochen SÜDAFRIKA mit Fokus auf Familie und Drakensbergen * 08-09/2023: BOTSWANA ~ 2. Private Campingtour mit Bushways * 02-03/2024: NAMIBIA ~ KTP und Südtour * 01-02/2026: 3. Private Campingtour mit Bushways
    zuletzt bearbeitet 04. Sept. 2019
    193 Beiträge · seit 201304. Sept. 2019 · #11
    Hallo Peter
    Gerne reise ich auch mit und bin sehr gespannt aus deinen Bericht. Einige Ststionen kenne ich von meiner Reise im letzten Jahr. Besonders deine Eindrücke von der Mogotlho Lodge interessieren mich sehr, für mich war das eine der schönsten Stationen.
    Viele Grüsse Tessi
    Themenstarter411 Beiträge · seit 201905. Sept. 2019 · #12
    Guten Morgen!
    Inzwischen ist ja eine ganze Schar zugestiegen - wir sind also bald startklar! Ich habe nach den bisher erhaltenen Posts ein Bild im Auge: Im Fond unseres Hilux sitzen illustre Gäste jeweils mit einem GT in der Hand... das wird sicher eine stürmische Ausfahrt!
    Schön, dass Ihr alle dabei seid... Ich habe mir inzwischen natürlich auch die Mühe gemacht und nachgesehen, wer mich begleitet - ich muss sagen, die Latte hinsichtlich der von euch in euren Reiseberichten bzw. auf den Homepages geposteten Bilder liegt hoch, da entsteht doch etwas Lampenfieber.
    Freue mich jedenfalls auf eine schöne gemeinsame Bilderreise.
    LG Peter
    1'425 Beiträge · seit 201305. Sept. 2019 · #13
    Hi Peter,
    ich würde mich auch noch irgendwo dazwischenquetschen und bei eurer Jubiläumstour mitfahren, habe ich doch dieses Jahr einen, im wahrsten Sinn des Wortes, "kalten Entzug" von Afrika gemacht. Ich würde auch die Eiswürfel für den GT mitbringen 🤩
    LG
    Claudia
    Unsere Reisen findet man unter: http://clamat.de/
    Themenstarter411 Beiträge · seit 201905. Sept. 2019 · #14
    Tag 0 – 7. Juli 2019

    Es ist früher Nachmittag, die Koffer stehen seit gestern zu Hause bereit – Afrika ist schon sehr nahe, praktisch in Griffweite. Während des Jahres schmökere ich gerne in den Reiseberichten dieses Forums, sehe mir die schönen Bilder an, schwelge in Erinnerungen oder plane eigene, neue Routen. Seelenhygiene… Die letzten Wochen mit Schulschluss waren stressig genug, es tut gut, endlich den Alltag hinter sich lassen zu können. Afrika ruft, ich höre den Ruf und folge.
    Es ist überhaupt das erste Mal, dass ich zuhause unsere Koffer fotografiere – im Nachhinein betrachtet mache ich mir durchaus Gedanken darüber… Dazu aber später mehr.
    Unsere Tochter, seit wenigen Wochen stolze Besitzerin einer Fahrerlaubnis, bringt uns zum Flughafen Wien-Schwechat, von wo es mit Austrian zunächst nach München und von dort mit South African über Johannesburg nach Windhoek gehen soll. Diese Route ist zwar vielleicht etwas umständlich, aber meine bisherigen Erfahrungen mit Air Namibia waren nicht die besten und aus Österreich gibt es ohnehin keine direkte Verbindung nach Namibia.
    Am Flughafen bringen wir rasch den Check-in und die Sicherheitskontrolle hinter uns, wobei diesmal meine gesamte Fotoausrüstung einem Sprengstofftest unterzogen wird – Sicherheit über den Wolken ist ein hohes Gut, deshalb lasse ich die aufwändige Prozedur still über mich ergehen. Leidtragende ist da eher meine Frau, weil sie auf mich warten muss, während ich meine Objektive wieder in die dafür vorgesehenen Fächer des Fotorucksacks schlichte.
    Anschließend lassen wir uns gemütlich in der Lounge nieder, essen eine Kleinigkeit und trinken ein erstes Glas Rotwein – Afrika wir kommen.
    Unser Flug wird zum Boarding aufgerufen, wir marschieren zum vermeintlichen Abfluggate, wo bereits hektische Betriebsamkeit herrscht. Die Uhr tickt – keine Durchsagen, keine Hinweise, dass eine Flugverspätung möglich sein könnte. Das (ein?) Flugzeug steht angedockt an der Brücke, keine Reaktion seitens des Personals. Die Passagiere haben sich inzwischen pflichtbewusst wie Lemminge hintereinander aufgestellt und halten Boardkarten und Reisepässe in der Hand – allzeit bereit…
    Die beiden Angestellten auf der anderen Seite des Tresens beginnen zu telefonieren und tuscheln miteinander – sehr eigenartiges Verhalten, denn Kundeninformation sieht anders aus. Da wir in München einen Aufenthalt von etwas mehr als zwei Stunden haben, mache ich mir noch keine Gedanken, dass etwas nicht funktionieren könnte.
    Die Uhr tickt weiter – inzwischen sollten wir bereits etwa zwanzig Minuten in der Luft sein, immer noch keine Informationen. Mir reicht es – ich fordere Infos ein, die anderen Passagiere sind da offenbar geduldiger, wiewohl der Lärmpegel inzwischen angewachsen ist. Mir wird mitgeteilt, dass zeitnah eine allgemeine Information folgen wird – Geduld ist angesagt. Es vergehen weitere Minuten bis sich endlich jemand zu einer Durchsage durchringt: „Aufgrund eines Gewitters ist der Luftraum über München derzeit geschlossen, es werden keine Flüge dorthin abgefertigt“.
    Aha – was ist der Plan? Da ich immer noch fast direkt vor dem Tresen stehe, frage ich nach einer Alternative. Der Angestellt der AUA erklärt mir höflich, dass er uns auf den Folgeflug, der Wien in zwei Stunden verlassen wird, umbuchen kann. Ich versuche ihm zu erklären, dass diese Alternative nicht wirklich hilfreich ist, denn dann wäre unser Anschlussflug Richtung Johannesburg zumindest schon über den Alpen… Da es aber dazwischen ohnehin keine Möglichkeit gibt, aus Wien wegzukommen, nehmen wir zähneknirschend den nächsten AUA Flug nach München, wo sich dann das dortige Bodenpersonal um den Weiterflug kümmern wird – Afrika, wir kommen – etwas später.
    Wir schlendern die schmalen, endlosen Gänge von Terminal 3 auf und ab und schlagen die Zeit tot. Inzwischen habe ich auch schon eine Mail an Claudia von Casa Piccolo geschrieben, dass die Übernachtung in Windhoek storniert werden kann. Eigentlich eine Zumutung, denke ich mir, aber was soll ich tun?
    Der Flug mit der folgenden Maschine nach München, der selbstredend ausgebucht ist, wird von einer (!!) Person abgefertigt, was zur Folge hat, dass er sich um weitere dreißig Minuten verzögert. Der Pilot entschuldigt sich kurz vor Abflug für diesen Lapsus – Personalmangel wird als Grund angeführt. Nicht aufregen – wir sind im Urlaubsmodus… Austrian – the charming way to fly!... Inzwischen hatte ich auch die Wetter app hinsichtlich Flugwetter über München bemüht – es erschien ein Sonnensymbol…
    Um 20:28 bewegt sich die Fluggastbrücke vom Airbus weg, in zwei Minuten startet das Boarding in München. Das wird knapp…

    Als wir um 21:25 Uhr in München landen, ist der Flughafen bereits ziemlich leer. Das Service-Center im Terminal K ist bereits geschlossen, wir fahren, mit zahlreichen anderen „Gestrandeten“, zu Terminal G weiter, wo uns eine lange Menschenschlange erwartet. Es geht dennoch recht schnell, wir warten nicht allzu lange, obwohl Warten inzwischen ein Spezialgebiet von uns ist. Die freundliche Dame im Lufthansa-Outfit nimmt unsere Dokumente entgegen und lächelt uns an. Wir wären nicht die einzigen – was für eine Wohltat… Sie schlägt uns als Alternative den Direktflug mit Air Namibia von Frankfurt aus vor, das würde die ehestmögliche Flugverbindung darstellen. Nach unserer Einwilligung – zum Diskutieren war ich ohnehin schon zu müde – werden rasch Gutscheine für die Fahrt mit einem Taxi zum Hotel und morgen wieder retour zum Flughafen gedruckt, außerdem ein Übernachtungsvoucher für das Best Western Hotel in Erding inklusive Abendessen und Frühstück. Ohne Gepäck, denn dieses wird durchgecheckt, geht es die wenigen Kilometer zum Hotel, wo wir knapp vor Mitternacht eintreffen.
    Nach etwas mehr als 11 Stunden Anreise ab unserer Haustüre sind wir glücklich in München/Erding eingetroffen – wenn wir den Schnitt unserer Reisegeschwindigkeit nicht schleunigst heben, dauert es noch etwas, ehe wir unser geliebtes Afrika erreichen.
    Gute Nacht – bis morgen!
    zuletzt bearbeitet 10. Sept. 2019
    4'382 Beiträge · seit 201505. Sept. 2019 · #15
    Na, das fängt ja schon mal gut an 😉 , hoffentlich geht es nicht so weiter 😗
    Gruß
    Friederike
    https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/305239-2-froestelnde-senioren-cufs-in-botswana-august-24.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299590-namibia-2008-cufscher-verbindungsstresstest.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/285307-cuf-in-botswana-2013.html https://www.namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/285473-cuf-im-ktp-und-moremi-juli-august-2014.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/287481-cuf-maeandern-durch-den-norden-namibias-v-o-nach.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/294392-cufs-8woechige-antiviruskur-erfolgreich-oder-nicht.html https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/300961-cufs-6-wo-haengemattenauszeit-v-covid19-in-bots-nam.html https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/298077-kurz-trocken-skelettenkueste-suedwaerts-april-mai-19.html?start=0 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/303543-62-tage-auf-der-entschleunigungsspur-nam-bots-nam.html
    Themenstarter411 Beiträge · seit 201906. Sept. 2019 · #16
    Tag 0 – Fortsetzung

    Den 8. Juli 2019 verbrachten wir also wieder mit Warten – nach dem Aufstehen gings zunächst zum nahen Lidl, wo wir uns mit den nötigsten Hygieneartikeln eindeckten, denn im Hotel war nicht einmal eine Zahnbürste zu ergattern. Anschließend machten wir einen ausgedehnten Spaziergang durch die Maisfelder rund um Erding, vorbei an der riesigen Therme. Diesen Spaziergang könnten wir – bei etwas gutem Willen – schon als Gamewalk durchgehen lassen, denn neben einigen Hasen lief auch ein Reh (Springbock – Made in Bayern) über den Weg, verschwand aber sofort im Mais. Gegen Mittag ging es wieder zurück zum Flughafen, schließlich mussten wir ja von München nach Frankfurt fliegen, von wo abends der Flieger nach Windhoek starten sollte.

    Ich will hier niemanden langweilen, daher in aller Kürze: Alles ging glatt, wir erreichten Frankfurt und auch der Flug mit Air Namibia von Frankfurt nach Windhoek verlief ohne Zwischenfälle. Es ist richtig, dass inzwischen ein Teil des Unterhaltungsprogrammes in den in die Jahre gekommenen Maschinen den Dienst quittiert hat, dazu wurden aber Router im Flugzeug verteilt, um über WLAN zumindest die eigenen Smartphones oder Tabletts betreiben zu können. Da ich gewöhnlich nach einem Glas Wein mit einer Schlaftablette etwas nachhelfe, ist mir das Unterhaltungsprogramm in Flugzeugen aber ohnehin nicht wirklich wichtig.

    Überpünktlich landeten wir um 06:20 in der namibischen Hauptstadt – der Morgen dämmerte, als wir bei rund 4 Grad über das Flugfeld zum Terminal liefen. Wir konnten es überhaupt nicht fassen, wir hatten es endlich nach Namibia geschafft. Nun konnte eine grandiose Reise beginnen, die so viele überragende Sichtungen für uns bereithalten würde.
    zuletzt bearbeitet 10. Sept. 2019
    257 Beiträge · seit 201606. Sept. 2019 · #17
    Hallo Luigi,

    ich begleite eure Reise auch gerne. Dein Schreibstil und der Humor, auch in schwierigen und sicher nervigen Situationen sind vielversprechend und machen mich neugierig.

    Viele Grüße
    Simon
    zuletzt bearbeitet 06. Sept. 2019
    2'085 Beiträge · seit 201206. Sept. 2019 · #18
    Hallo Peter,
    ich bin ja gerne mal ein bisschen hinterher 😗 Durch eure verspätete Anreise erwische ich euch aber doch noch vor Abfahrt.
    Jetzt freu ich mich auf Bilder und damit hast du die Erwartungen nicht wirklich runtergeschraubt 😛 🤪 😎
    ... eine grandiose Reise beginnen, die so viele überragende Sichtungen für uns bereithalten würde.
    Gespannte Grüße
    Ingrid
    reisebericht tansania 2016 repeat in mashatu, premiere im kruger 2017 kaokoveld&etosha herbst 2017
    Themenstarter411 Beiträge · seit 201908. Sept. 2019 · #20
    Tag 1 – 9. Juli 2019

    Die Einreise verlief überraschend zügig – die in dicke Mäntel gehüllten Damen hinter den Tresen schienen noch zu schlafen, denn mechanisch wurde der Einreisestempel in den Pass gedrückt, eine Kontrolle, ob alle Felder am Einreiseformular ausgefüllt waren, wie ich sie zuvor schon so oft erlebt hatte, entfiel diesmal. Innerhalb kürzester Zeit standen wir vor dem Gepäcksband, das sich einfach nicht in Bewegung setzen wollte. Langsam füllte sich der Platz rundum, wir hätten uns wirklich nicht beeilen müssen, denn der Vorsprung, den wir uns ergattert hatten, schmolz mehr und mehr dahin. Fazit: Es ist nicht nötig, die Strecke zwischen Flugzeug und Ankunftshallte im Stechschritt zurückzulegen, spätestens am Gepäckband trifft man alle Mitreisenden wieder…
    In unserem Fall kam erschwerend hinzu, dass sich die Zeit vor dem Band, das sich inzwischen zu drehen begonnen hatte, als schier endlos herausstellen würde. Während die übrigen Passagiere nach und nach ihre Koffer vom Förderband hoben, hatte es bei uns nur ein Gepäckstück nach Namibia geschafft. Dass nur zwei weitere Passagiere ihre Koffer nicht ausgeliefert bekamen, hatte den Vorteil, dass die Prozedur beim Lost & Found relativ rasch abgewickelt werden konnte. Anhand der Tag-Nummer des Gepäcks konnte uns die Dame im Büro auch gleich mitteilen, dass sich unser Koffer noch in München befinden würde.
    Um den weiteren Verlauf des Reiseberichtes nicht mit unnötigen Verweisen zum werten Befinden unseres Koffers zu stören, an dieser Stelle: Ja, wir erhielten unser Gepäck nach drei Tagen und vielen Telefonaten mitten in der Nacht in die Cape Cross Lodge zugestellt – unbeschädigt und voll mit diversen Tags…
    Nun ging es für uns weiter zum AVIS Counter, wo wir zügig die Formalitäten für die Automiete abwickelten. Schnell noch Geld aus dem ATM gezogen und schon verließen wir das inzwischen nahezu leere Terminal. Am Parkplatz die freudige Überraschung: Uns erwartete ein völlig neuer Toyota Hilux mit exakt 13 km am Tacho. Das Auto roch noch ganz neu, der Beifahrersitz war noch in Plastikfolie gewickelt. Auch die Reifen waren, wie der Ersatzreifen, absolut neuwertig. Der Schlüssel wird übergeben, einige Worte hinsichtlich Zuschaltung des 4WD gewechselt, denn es war dies für mich der erste Wagen mit Allrad-Automatikbetriebe.
    Der große Nachteil unserer Flug-Odyssee war, dass wir heute, am Ankunftstag in Namibia, noch bis zur Spitzkoppen Lodge weiterfahren mussten. Wir hatten ja unfreiwillig die Casa Piccolo in Klein-Windhoek gegen das Best Western Hotel in München-Erding getauscht (ganz abgesehen davon, dass die Reservierung im „The Stellenbosch“ verfallen musste). Ich schätze es überhaupt nicht, nach einem Langstreckenflug gleich ins Auto zu steigen, aber diesmal blieb keine Wahl, schließlich wollten wir unsere vorgebuchte Reiseroute möglichst rasch wieder einhalten.
    Aus diesem Grund fuhren wir vom Flughafen direkt zur Maerua Mall, wo wir uns mit Getränken und Obst eindeckten. Anschließend ging es weiter über den Western Bypass nach Okahandja. Wir hatten ohnedies nicht vor, uns länger in der Stadt aufzuhalten, sodass die Verzögerung während der Anreise diesbezüglich keine Auswirkungen auf unsere Reise hatte.
    Gegen Mittag erreichten wir Okahandja, wo wir uns neben der Shell-Tankstelle (gegenüber der Verkaufsstände der Holzschnitzer) immer mit Biltong eindecken. Ich finde die Qualität des hier angebotenen Trockenfleisches sehr ansprechend. Direkt daneben befindet sich zudem ein kleines Cafe, in dem wir uns einen Espresso und ein Stück Schoko-Kuchen kauften. Dieses Kuchenstück führte uns auch wieder vor Augen, dass wir in Namibia angekommen waren – es schmeckte ausgezeichnet und war für zumindest drei Personen bemessen.
    Diese kurze Pause war eine Wohltat – jetzt waren wir wirklich angekommen. Über die B2 fuhren wir weiter nach Karibib. Immer wieder stellten wir fassungslos fest, was wir bisher nur aus den Medien wussten: Dieses Land ist ausgedörrt – auf vielen Weiden tummeln sich Rinder, wir können uns nicht erklären, was die dort fressen sollten. Gelegentlich sehen wir Transporter mit Heuballen, dennoch ist es schwer vorstellbar, dass die Tiere so die lange Zeit bis zum nächsten Regen (wenn er denn fällt) überdauern können. Wir sind wirklich sprachlos und können uns nicht vorstellen, dass es Landesteile geben kann, in denen die Situation noch dramatischer ist…
    In Karibib beschließen wir spontan, uns den Marmorbergbau etwas näher anzusehen. Schon bisher war ich fasziniert von den riesigen weißen Blöcken, die hier aus dem Berg geschnitten werden. Ein freundlicher Mann am Gate zum Abbaugebiet lässt uns passieren, über eine schmale Schotterpiste rumpeln wir den Berghang hinauf. Oben angekommen, erklärt uns ein anwesender Arbeiter, in welchem Bereich wir uns bewegen könnten. Es war absolut interessant, zwischen den Marmorblöcken zu stehen und den schönen Stein aus nächster Nähe zu begutachten.

    Namibia_Karibib_05.jpg


    Über Usakos führte uns die Fahrt schließlich weiter zu unserem ersten Ziel, der Spitzkoppe. Kurz hinter der Stadt, die wirklich interessante Gebäude im Zentrum aufweist, die mir bei dieser Reise erstmals aufgefallen sind, biegen wir auf die Pad D1918 ab, die sich in einem ausgezeichneten Zustand präsentiert.

    Namibia_Usakos_01.jpg


    Schon von weitem erblickt man die grandiose Felsformation von Namibias zweithöchstem Berg, wie sie abrupt aus der Landschaft aufsteigt.

    Namibia_Spitzkoppe_210.jpg


    Irgendwie eigenartig und befremdlich mutet das Wirrwarr aus Verkaufsständen an, das sich unmittelbar am Eingang zum Spitzkoppen-Camp immer mehr ausbreitet. Vor allem auch die Zahl der bettelnden Kinder ist meiner Meinung nach stark im Steigen begriffen. Einige der Hütten sind zumindest sehr originell erbaut.

    Namibia_Spitzkoppe_208.jpg


    Wir fahren diesmal nicht zum Camp, sondern direkt weiter zur Spitzkoppenlodge. Dazu ist es notwendig, dass man das gesamte Areal praktisch umfährt, da die Zufahrt nur aus nördlicher Richtung möglich ist. Endlich haben wir unsere erste Unterkunft in Namibia erreicht, nach dem langen Flug doch eine einigermaßen strapaziöse Angelegenheit.

    Namibia_Spitzkoppe_002.jpg


    Wir nehmen zunächst im Restaurant einen Cafe zu uns, den haben wir uns redlich verdient. Die Architekten dieser Lodge haben wirklich Großartiges geleistet, das umliegende Gelände wurde perfekt genutzt, die Gebäude, die überwiegend in Zeltform gestaltet sind, gliedern sich meiner Meinung nach perfekt in die umliegenden Felsformationen ein. Wir erhalten Zelt Nr. 13 – an schlechtes Omen denke ich nach der holprigen Anreise überhaupt nicht.

    Namibia_Spitzkoppe_009.jpg


    Namibia_Spitzkoppe_012.jpg


    Namibia_Spitzkoppe_019.jpg


    Namibia_Spitzkoppe_023.jpg


    Namibia_Spitzkoppe_057.jpg


    Namibia_Spitzkoppe_053.jpg


    Namibia_Spitzkoppe_084.jpg


    Nach einer kurzen Pause beschließen wir, die Umgebung der Lodge etwas zu erkunden. Die grandiose Landschaft, die sich um uns ausbreitet, vertreibt die Müdigkeit aus den Knochen.
    Von unserem Zimmer gehen wir in einem weiten Bogen durch das Gelände der Lodge und bestaunen die bizarren Felsformationen. Sogar einen kleinen Felsbogen gibt es zu bestaunen. Im Hintergrund ragt immer wieder der Gipfel der Spitzkoppe auf - einfach atemberaubend schön... Die Zeit vergeht wie im Flug.

    Namibia_Spitzkoppe_027.jpg


    Namibia_Spitzkoppe_029.jpg


    Namibia_Spitzkoppe_041.jpg


    Namibia_Spitzkoppe_044.jpg


    Namibia_Spitzkoppe_045.jpg


    Wenn man in der Spitzkoppen-Lodge nächtigt, erhält man den Schlüssel für ein Gate, um vom Lodgegelände direkt weiter zur Spitzkoppe fahren zu können. Wir entschieden uns dazu noch kurz einen Abstecher zur Bridge zu unternehmen. Der spätere Nachmittag eignet sich hervorragend, um dort etwas herumzustreifen.

    Namibia_Spitzkoppe_061.jpg


    Namibia_Spitzkoppe_065.jpg


    Namibia_Spitzkoppe_066.jpg


    Namibia_Spitzkoppe_068.jpg


    Ich spielte dort etwas mit dem 15 mm -30 mm Objektiv herum, das sich für Fotografien unter dem Felsbogen mMn sehr gut eignet. Den Abend wollten wir jedoch heute im Bereich der Lodge genießen, denn dort sind die Sonnenuntergänge besonders schön... Dazu setzen wir uns auf eine der Liegen am kleinen Pool und beobachten, wie sich die Granitfelsen der Spitzkoppe langsam verfärbten.

    Namibia_Spitzkoppe_082.jpg


    Namibia_Spitzkoppe_088.jpg


    Namibia_Spitzkoppe_089.jpg


    Namibia_Spitzkoppe_094.jpg

    Unseren ersten wirklichen Reisetag ließen wir schließlich bei marinierten Hühnerflügeln auf Glasnudeln, Springbockschenkel und einem mit Granola verfeinerten Cheesecake ausklingen - dazu gab es ein gutes Glas Wein. Die Küche der Spitzkoppen-Lodge ist ausgezeichnet und lässt wirklich keine Wünsche offen - wie überhaupt der Service in dieser Lodge außerordentlich zuvorkommend ist!
    zuletzt bearbeitet 10. Sept. 2019