Tag 3 – 11. Juli 2019Auch heute war der Morgen wieder sehr kalt, doch diesmal mussten wir nicht so früh unser Chalet verlassen, denn vor uns lag nur die relativ kurze Fahrstrecke zur Cape Cross Lodge. Also ließen wir den Tag gemütlicher angehen. Wir packten unsere Sachen zusammen und machten uns gegen neun Uhr auf den Weg zum Restaurant, um dort ein köstliches Frühstück einzunehmen. Für mich ist es inzwischen zur Gewohnheit geworden, meinen schweren Fotorucksack überall hin mitzuschleppen. Dafür werde ich zwar gelegentlich belächelt, denn es ist oft gar nicht so leicht, dafür einen geeigneten Abstellplatz zu finden…
Diesmal erwies sich die Schlepperei als Glücksfall, denn an einem dürren Baumstamm nahe der Rezeption der Lodge turnte eine Höhlenweihe akrobatisch auf und ab. Also rasch Rucksack auf den Boden, Kamera raus und los geht’s.
Für mich war es eine Premieren-Sichtung, aus derartig geringer Distanz habe ich diesen stattlichen Vogel bisher noch nie betrachten dürfen. Wir beobachteten den Greifvogel eine ganze Weile, er ließ sich durch uns nicht stören und bohrte mit dem Schnabel im Holz herum. Ein Grünschwanz-Glanzstar war ebenso interessierter Beobachter, was umso bemerkenswerter ist, als sein übliches Verbreitungsgebiet etwas nördlicher liegt…
Irgendwann konnten wir uns dennoch losreißen und marschierten zum Chalet zurück, um uns reisefertig zu machen. Etwas wehmütig verließen wir das Gelände der Lodge, nicht ohne uns vorher einzugestehen, dass dies nicht der letzte Besuch hier gewesen war.
Auf dem Weg zurück zur Pad D1918, der wir Richtung Henties Bay folgen wollten, konnten wir erkennen, dass es heute wesentlich dunstiger war als in den vergangenen Tagen. Zudem hing eine Bank des Küstennebels hartnäckig rund um einige der Inselberge, die die Spitzkoppe umgeben. Auch auf diesem Bild kann man erkennen, wie ausgedörrt sich die Landschaft in diesem Jahr präsentiert, kaum ein Grashalm ist zwischen den wenigen Bäumen und Büschen auszumachen.
Während der Weiterfahrt Richtung Küste lichtete sich der Nebel immer mehr, sodass wir einen Gelbschnabel-Toko, der sich auf einem dürren Ast niedergelassen hatte, beobachten konnten. Immer wieder erhob er sich kurz, flog eine kleine Runde und ließ sich schließlich genau am gleichen Ast wieder nieder. Im Gegensatz zu einigen seiner Artgenossen, denen ich teilweise ein großes Stück hinterherlaufen musste um ein einigermaßen brauchbares Foto zu schießen, kannte dieses Tier wenig Scheu.
In Henties Bay beschlossen wir spontan einen kurzen Abstecher nach Süden zu unternehmen, um dem Schiffswrack der Zeila einen Besuch abzustatten. Ich hatte auf diese Reise extra ND-Filter mitgenommen, weil ich der Meinung war, dass ich sie entlang der Skelettküste sinnvoll einsetzen könnte. Im Nachhinein weiß ich, dass das nur beschränkt möglich war, beziehungsweise, dass der Effekt nicht unbedingt meinen Vorstellungen entsprach. Hier dennoch ein Bild der Zeila, aufgenommen mit dem einem ND-1000 Filter – darunter eine Aufnahme ohne Filter.


Etwas genervt durch die Mineralien-Verkauf-Gang, die sich bei der Zeila eingenistet hat und offenbar das Wort „Nein“ in keiner Sprache im Wortschatz aufweist, fuhren wir zurück nach Henties Bay, wo wir uns einen Cafe gönnten und den Wagen volltankten. Da ich nicht sicher war, ob die Tankstelle in Terrace Bay Diesel haben würde – dieser Zweifel war übrigens völlig unbegründet – und wieviel Treibstoff wir nach Möve Bay benötigen würden, war mir der Stopp hier einfach sehr wichtig.
Von Henties Bay gelangten wir auf der gut ausgebauten Küstenstraße C34 rasch zu unserem heutigen Etappenziel, der Cape Cross Lodge, die sich unmittelbar nördlich der bekannten Robbenkolonie direkt am Atlantik ausbreitet. Wir stoppten am Weg dorthin an einem der zahlreichen Becken, an denen Salzwasser abgepumpt wird. Immer wieder ist es faszinierend zu sehen, wie rasch entlang der Ränder der künstlich geschaffenen Seen Salzkristalle entstehen. Auf einem der Schläuche, mit denen das Salzwasser in Tankwägen gepumpt wird, hatten es sich ein Dreibandregenpfeifer und kurz darauf ein Fahlregenpfeifer bequem gemacht.
Wir fuhren zunächst zur Lodge, um unser Zimmer zu beziehen. Nach einer kurzen Pause besuchten wir auch diesmal die Robbenkolonie, die ich als Namibias herausragendsten Luftkurort bezeichne. Es ist immer wieder spannend, was hier auf engstem Raum los ist. An diesem späteren Nachmittag erstrahlt der historische Ort in schönstem Sonnenlicht, die Nebelbank, die hier zum Spielverderber werden kann, ist weit draußen am Atlantik auszumachen. Dennoch weht eine kühle Brise als wir aus dem Auto neben den beiden Padraos aussteigen, die an Diego Cao und seine Entdeckungsfahrt erinnern.

Der Gestank der nahen Robbenkolonie ist anfangs besonders gewöhnungsbedürftig. Laut tönen die Rufe der tausenden Ohrenrobben zu uns herüber. Es ist teilweise schon schwierig, sich den Weg durch die Tiere auf die in die Jahre gekommene Aussichtsplattform zu bahnen. Von hier weg sieht man das Ausmaß dieser Robbenkolonie. Die Südafrikanischen Seebären, so werden die Tiere eigentlich korrekt bezeichnet, nehmen das gesamte Kap ein und tummeln sich im kalten Meer. Irgendwie erinnert mich dieses Bild etwas an die aus diversen Medien bekannten Aufnahmen aus chinesischen Schwimmbädern...
Wohin man hier schaut, alles ist voller Robben. Es ist sehr interessant die Tiere aus nächster Nähe zu beobachten, ihr Sozialverhalten zu studieren. Um diese Jahreszeit sind überwiegend nur Weibchen und Jungtiere in der Kolonie anzutreffen. Hier poste ich einige Portraits, wobei es mir offenbar sichtlich schwer fällt, eine Auswahl zu treffen…
In dieser Kolonie sieht man aber nicht nur Robben, immer wieder tauchen auch Schabrackenschakale auf, um nach leichter Beute Ausschau zu halten. Die Schakale haben es überwiegend auf Jungtiere abgesehen, die alleine in der Kolonie zurückbleiben, während die Muttertiere im Atlantik nach Nahrung tauchen. Auch diesmal sehen wir wieder einen Schakal, der im Schatten eines großen Steins Fleischstücke aus seinem Opfer reißt.
Die Reste, die die Schakale übriglassen, werden schließlich von den Dominikanermöwen verzehrt. Dadurch ist gewährleistet, dass von den toten Robben innerhalb kürzester Zeit nur noch einige Knochen herumliegen.
Wir bleiben mehr als eine Stunde vor Ort und beobachten die Tiere aus nächster Nähe, die Zeit vergeht wie im Flug. Anschließend fahren wir die kurze Strecke zur Cape Cross Lodge zurück, die inzwischen von der Abendsonne schön angestrahlt wird.
Unmittelbar vor der Lodge unternehmen wir noch einen Spaziergang entlang des Strandes, der Wind hat deutlich nachgelassen. Nur noch selten gibt es eine größere Welle, die sich an den wenigen größeren Steinen dieses Strandabschnitts bricht. Eine Dominikanermöwe blickt auf das Meer hinaus und erhebt sich, nachdem wir offensichtlich die Fluchtdistanz unterschritten hatten.
Hier im südlichen Afrika dauert die Dämmerung nicht allzu lang, relativ rasch verschwindet die Sonne am Horizont und taucht das Meer und die umgebende Küste in ein magisches Licht. Am Rückweg zur Lodge treffen wir auch noch auf einen einheimischen Fischer, der hoffentlich nicht für das heutige Abendessen verantwortlich zeichnet.
Zurück in der Lodge machen wir uns frisch, ehe wir in das Restaurant gehen, in dem bereits ein Feuer im offenen Kamin entfacht wurde. Wieder durften wir einen herrlichen Tag mit vielen tollen Sichtungen erleben. Zum Abendessen gibt es heute Rollmops, eine gut gewürzte Bohnensuppe und als Haupttisch ein leckeres, perfekt gegrilltes Oryx-Steak. Das Dessert, eine Vanille-Creme, wird von mir wieder verschmäht, ich trinke dafür wieder ein zweites Glas Rotwein…
Morgen müssen wir früh aus den Federn, denn um 11:00 Uhr müssen wir in Möve Bay sein, um den Transfer zur Shipwreck Lodge nicht zu versäumen – gute Nacht!