BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200910. Nov. 2017 · #21
Hallo, da es draußen regnet und mir das Grau schon auf die Nerven geht, kann ich gleich weiter fahren in namibischer Oktobersonne. 😉 🙂 Diese Zeit verbringen wir auf der Auob Country Lodge. An der Lodge fahren sicher viele vorbei, die in den KTP wollen. Sie ist beim Vorbeifahren eigentlich nicht zu übersehen. Sie eignet sich gut als Zwischenübernachtung und scheint bei Reiseveranstaltern schon zum Geheimtipp geworden zu sein.
Wir haben hier fünf Tage verbracht und das gesamte Angebotsspektrum erlebt. Man wohnt in geräumigen Zimmern, die zweckmäßig eingerichtet sind - man hat natürlich inzwischen auch überall Wlan und die sich dreiseitig um einen großen sauberen Pool gruppieren. Der Pool ist groß und sauber und wird mehrmals am Tag gereinigt.
Einige Zimmer liegen davon abseits und sind etwas dunkel, dafür ruhiger. Wir haben hier einen perfekten Service erlebt, das Managerpaar gibt sich alle erdenkliche Mühe alle Problemchen zu lösen. Mir haben sie bei meiner Arbeit sehr geholfen. Das Essen ist ausgezeichnet und sehr abwechslungsreich. Wir haben in den fünf Tagen nicht einmal ein gleiches Essen serviert bekommen. Es werden drei Varianten des Abendessens angeboten: 1. Bei wenigen Gästen wird das Menü am Abend im Restaurant serviert. 2. Bei einer größeren Reisegruppe findet das Essen in der Lappa als Büfett statt; nach dem Essen bietet der Lodgechor noch einige Lieder und Tänze (sehr nett!) Lappa und Innenhof und Pool sind mit vielen Lichtern illuminiert.
3. Auf Wunsch wird bei einer größeren Reisegruppe das Abendessen in den Dünen (1. u. 3. Gang werden serviert, Hauptgang als Büfett) serviert. Man wird bei Dunkelheit mit dem Wagen in die Halbwüste gefahren, wo man durch einen Laternenkorridor zu festlich gedeckten Tischen auf eine Düne geht. Die Tische sind mit Kerzen illuminiert, über allem stahlt der afrikanische Sternenhimmel. Eine tolle einmalige Atmosphäre! Dieses „Event“ muss aber vorher bestellt werden. Ganz ehrlich: Es war ein einmaliges Erlebnis!
Die anwesende Gruppe hätte ruhig etwas kleiner sein dürfen und ich wäre gerne noch ein wenig länger draußen auf der Düne mit einem schönen Weinchen geblieben. 😗 😗
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200910. Nov. 2017 · #22
An Aktivitäten werden ein Gamedrive und eine Sundownertour angeboten. Beide sehr schön. Wie schon erwähnt, bietet auch hier der Gamedrive unerwartete Attraktionen: Giraffen, Wasserböcke, Springböcke, Gnus, Zebras, Oryx, Eland, Klippschliefer, Impala, Springböcke, Blessböcke und schließlich auch drei Kolonien von Erdmännchen. Da muss ich schon mal schnell zwei Bildchen einfügen.
Neben den geführten Touren kann man aber auch sehr gut auf dem Lodge-Gelände wandern. Mehrere Wandertouren sind ausgewiesen. Man sollte aber unbedingt ausreichend Wasser mitnehmen, denn die Wanderung im heißen roten Dünensand ist nicht zu unterschätzen. So kann man auch mal ohne Auto einen „Gamewalk“ ohne Guide machen und sehen, an welches Wild man sich heranpirschen kann. Andererseits ist es eine tolle Erfahrung, wie die Leute vor 100 Jahren sich gefühlt haben müssen, als sie hier in der Gegend monatelang Krieg geführt haben. Ganz nebenbei ergeben sich bei Morgen- oder Abendlicht tolle Möglichkeiten für Landschaftsfotos.
Und gerade bei Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergang sind die Wanderungen am schönsten, denn dann ist das Licht für Fotos toll und die Temperaturen sind besser erträglich.
Die Palmenallee vor der Lodge bei Sonnenaufgang. Die neblige Atmosphäre ist durch ein vorbeifahrendes Auto entstanden.
Akazie mit einem riesigen Siedelwebernest kurz vor Sonnenuntergang. Bei solchen Wanderungen kann man Namibia ganz entschleunigt genießen und man glaubt gar nicht, was man so alles an Kleinigkeiten entdecken kann. Man kann sich auch mal im Spurenlesen üben, denn überall stößt man auf solche im Sand.
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200911. Nov. 2017 · #23
Auf den Wanderungen, aber auch direkt in der Lodge gibt es natürlich auch Möglichkeiten Vögel zu beobachten:
Die Kapstelzen fand ich besonders putzig, denn zum einen hatten sie ihr Nest direkt über unserer Wohnung gebaut und zum anderen haben sie sich auf eine neue Art der Ernährung spezialisiert. Sie fischen aus dem Pool die toten Insekten, die darin ertrunken sind. Vielleicht wurden sie ja auch extra angestellt, um ihn sauber zu halten? 😄
Und noch eine angestellte Vogelart: Die Felsenschwalben sind für die Feuerlöscher zuständig! 😄 😄
Die Streifenschwalben fliegen gerne über den Pool und nehmen dabei mit dem Schnabel Wasser auf.
Weißbauchnektarvögel suchen die Blüten der Büsche nach Nektar ab.
Der Kurzzehenrötel spaziert gerne im Garten herum.
Der Gelbbauchgirlitz ist häufig im Gras oder auch an einer Vogeltränke zu finden.
Der Rotschwanzschmätzer ist schon mal den Ornithologen ins Netz gegangen und wurde beringt. So, das war nun für die Vogelfreunde, von denen es ja auch einige im Forum gibt, in der nächsten Abteilung sind dann die historisch Interessierten dran. Ach ja, es wird ja endlich auch mal Zeit, dass sich der Burschi mit seiner Frau vorstellt. Daher ein aktuelles Bild von uns beiden bei einer Abendwanderung in den Dünen. 😉 😛 😛 😄
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200911. Nov. 2017 · #25
Hallo, da es draußen so Saugrau und eklig ist, mache ich lieber mit dem Reisebreicht weiter. Noch ein Wort zu den Gästen der Auob Lodge. Die Lodge wird wie erwähnt gerne von größeren Reiseveranstaltern als zweite Übernachtung nach Windhoek gebucht auf dem Weg zum Fishriver oder auch auf dem Rückweg. Wir hatten während unseres Aufenthaltes vier größere Gruppen (je etwa 25 bis 30 Teilnehmer) zu Gast. 1. Franzosen mittleren Alters: sehr ruhig und angenehme Zeitgenossen, von denen man nur wenig mitbekommen hat. 2. Eine ältere deutsche Reisegruppe: Sie waren nach langer Busfahrt ziemlich erschöpft, schon etwas lauter als die Franzosen, aber noch akzeptabel. 3. Eine junge deutsche Reisegruppe für die die wichtigste Einrichtung das Wlan war und die wohl auf Partyfahrt waren. Einen tollen atmosphärischen Sonnenuntergang auf einer roten Düne in der Kalahari haben sie zur Partymeile umfunktioniert und mit viel Hallo und Helau und Bierbüchsen in den Händen massenhaft Selfies gemacht. Nur ein einzelnes Mädchen, saß abseits mit Blick auf die untergehende Sonne im warmen Wüstensand und versuchte die Atmosphäre einzusaugen. 4. Eine mittelalterliche deutsche Reisegruppe, die einen Höllentrip als Pauschalreise hinter sich hatten. Sie belegten nach guter deutscher Mallorca -Manier erst einmal alle Liegestühle um den Pool mit Handtüchern. Sie versuchten auch in keinster Weise ihre Dialekte zu verbergen, sondern schrien sie geradezu in die Welt hinaus. (Mehr sag ich nicht!). Sie haben uns viel Negatives von ihrer Pauschal- Tortour erzählt, das ich im Detail gar nicht wiedergeben will. Es war ihr vorletzter Abend der Tour und der Veranstalter (gebucht bei Meiers, durchgeführt von „Sense of Africa“) hat sie für die Mängel der Fahrt dazu eingeladen, dass sie an diesem Abend auf Kosten des Veranstalters in der Bar trinken dürfen so viel sie wollen. Dazu muss ich dann wohl nichts mehr schreiben, wie das abgelaufen ist. Kölner Karneval in der Kalahari! „Heidewitzka Herr Kapitän“ in der Kalahari! Die negativen Seiten des derzeitigen Massentourismus in Namibia sind leider alle zutage getreten. Wir haben sie nicht mit Zorn ertragen, sondern uns eher darüber amüsiert, weil wir meist entweder auf Wanderungen unterwegs waren oder auf historischen Spuren, denn das war der eigentliche Zweck meiner Wahl dieser Lodge. Dazu mit nur wenigen Worten den Hintergrund, denn die meisten werden wohl nicht so mit der Kolonialgeschichte bewandert sein: Ganz kurz den historischen Hintergrund. Im Januar 1904 brach der Hereroaufstand im Norden aus, im August ist das entscheidende Gefecht am Waterberg, nach dem die Herero in Massen in die Omaheke fliehen. Hendrik Witbooi, der in dieser Auseinandersetzung der Deutschen unterstützt hatte, sagt sich von diesen los. Daraufhin wird im Süden der Bezirkshauptmann von Gibeon v. Burgsdorff ermordet, was der Beginn des Krieges gegen die Nama im Süden ist. Auch hier werden zu Beginn Farmen überfallen und die männlichen Besitzer ermordet. Daraufhin schickt die Schutztruppe mehrere Abteilungen in den Süden. Die Gesamtleitung hat oberst Deimling. Dieser teilt die Truppen in drei Einheiten auf und möchte die Nama einkreisen und somit mit einem Schlag den Krieg beenden. Dieses Unternehmen spielt sich grob gesagt in der Gegend des Auobtales zwischen Hoachanas, Gibeon und Gochas ab. Es gelingt den Deutschen nicht, die Nama zu umfassen und zu vernichten, diese verstreuen sich und führen bis ins Jahr 1907 einen Guerillakrieg, an dessen Ende der Feldzug des Hauptmann Erckert in die Kalahari steht. Erckert fällt dabei und der letzte Gegner Simon Kopper, der aus dem Auobtal stammt, erhält in British Betchuanaland (heute Botswana) Asyl und von der deutschen Reichsregierung eine „Leibrente“ unter der Bedingung, dass er nicht mehr nach Südwest zurückkehrt. Die Deutschen hätten womöglich den Kampf gegen die Nama verloren, hätten sie nicht zwei entscheidende Waffen gehabt, die sie letztlich in Vorteil brachten: Kanonen und Maschinengewehre. Gerade hier am Auob hat der Einsatz von nur zwei Kanonen mehrere Gefechte zugunsten der Deutschen entschieden. Was sieht man heute noch davon? 1. Der alte Friedhof in Gochas beherbergt neben einem Denkstein in der Mitte eine große Anzahl von Gefallenen der Gefechte in dieser Gegend. Darunter fand auch Hauptmann Friedrich von Erckert hier seine letzte Ruhestätte. Der Friedhof liegt am Ortsrand von Gochas.
2. An der Straße C15 steht beim Eingang der Farm der Denkstein zum Gefecht bei Groß-Nabas. Hier lag die Abteilung Meister unter dem Beschuss der Nama drei Tage lang an einer Wasserstelle ohne an diese heranzukommen. Ein Sturmangriff am dritten Tag in letzter Verzweiflung ließ einige Soldaten überleben, viele Gefallene liegen auf dem Friedhof in Gochas.
3. Ebenfalls an der C15 ein paar Kilometer weiter steht ein weiterer Denkstein, der an die Gefallenen der Patrouillengefechte erinnerte. Den Kompanien wurden zur Erkundung meist Patrouillen vorausgeschickt. Die Nama, gut gedeckt hinter Felsen, ließen diese bis auf wenige Meter herankommen und schossen sie dann ab. Solche Patrouillen waren die reinsten Himmelfahrtskommandos. Der Denkstein stammt aus neuerer Zeit. Der alte, mit nicht mehr lesbarer Schrift liegt am Straßenrand daneben.
Der meue Stein und der alte daneben:
4. Wenige Kilometer nach Gochas liegt auf der rechten Straßenseite ein weiterer Denkstein, der an das Gefecht bei Gochas erinnert.
5. Kurz danach steht auf der linken Seite unter einem Kameldornbaum mit einem riesigen Siedelwebernest ein weißer Denkstein, der an das Gefecht bei Haruchas erinnert. In diesen beiden Gefechten war der Einsatz von zwei Kanonen der Halbbatterie unter Olt. Stuhlmann entscheidend für den Ausgang.
6. Erwähnung sollte vielleicht noch ein Grabstein finden, der auf dem ältesten Grab dieser Gegend steht. Hier wurde der Siedler Heinrich Rust begraben, der im Alter von nur 44 Jahren im Jahr 1894 in Gochas verstarb. Der Grabstein, der direkt neben der Kreuzung der C15 mit der C18 steht ist wohl etwas neuer.
Viele Touristen fahren wohl die C15 auf der Fahrt in den KTP entlang, ohne sich darüber bewusst zu sein, dass sie durch eine historische Region fahren, die bis heute ihre Schatten in die Politik wirft (Reparationsansprüche der Herero und Nama mit Klage vor US-Gerichten). So, das war jetzt die Abteilung für diejenigen, dioe sich auch ein wenig für die Geschichte des Landes interessieren. Resümee für die Aub Country Lodge: Wir haben uns hier wohl gefühlt, haben nette Leute kennen gelernt, haben auf den Wanderungen ein ganz anderes Gefühl für die Landschaft bekommen und konnten nebenbei uns auch vom üblichen Stress des Alltags gut erholen. Liebe Grüße: Burschi
TITicktack352 Beiträge · seit 201611. Nov. 2017 · #26
Sehr interessanter Bericht...! Deine Meinung über den Massentourismus teile ich gerne, man kann es aber nunmal nicht ändern. Teilweise kann man dem ganzen Treiben sogar noch was witziges abgewinnen. Ab und an trifft man ja mal auf Rotel Tours oder ähnliches. Ich nehme mir dann gerne einen Stuhl, ein Fernglas und ein Bier und schaue dem Treiben bei der Ankunft gerne zu. Ist schon so eine Art Busch TV.... 😄
sandra1903385 Beiträge · seit 201511. Nov. 2017 · #27
Hochinteressant! Vielen Dank!
Wir treffen bei Gochas auf die C15, von der C18 kommend.
Punkt 1 und 6 sind klar, wo sie zu finden sind. Sind die anderen Punkte südlich oder nördlich von Gochas zu finden?
Schöne Grüße
Sandra
Graskop960 Beiträge · seit 201311. Nov. 2017 · #28
Hallo Burschi, vielen Dank für diesen Bericht. sehr interessant, mal was über die Geschichte des Landes in einem Reisebericht zu erfahren. Nächstes Jahr werden wir uns längere Zeit in diesem Land einfach treiben lassen. Kannst du Literatur empfehlen in dem diese Zeit des Landes möglichst ehrlich und neutral dargelegt werden? Gruß Silvio
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200912. Nov. 2017 · #29
Hallo, ich freue mich, dass es doch einige gibt, deren Interesse für das Land etwas tiefer geht. @ Sandra: 2 (Groß Nabas) und 3 (Patropuillengefechte der 8. Komp.) finden sich nödlich der von dir angesprochenen Kreuzung 4 und 5 (Gochas und Hoachanas) liegen südlich davon und sind gar nicht weit von der Kreutung entfernt. Der Denkstein von Gochas liegt etwas höher, aber sichtbar von der Straße aus auf der linken Seite, genau unterhalb der Stelle, wo das Geschütz oben auf der Düne stand. @Silvio. Literatur gibt es eine Menge. Leider ist auch viel Geschriebenes dabei, von Leuten, die nie vor Ort waren und im Rahmen irgendwelcher Arbeiten lediglich ihre Nase mal in Quellen gesteckt haben und dabei wieder abgechrieben haben. Für viele ist dabei der Kommunist Drexler aus der DDR so eine Art Bibel geworden. Ich habe gerade ein Buch abgeschlossen, das einen Zeitzeugen zu Wort kommen lässt, habe es kommentiert und illustriert. es wird demnächst auf den Markt kommen. Bitte Entschuldigung für die Eigenwerbung. 😗 😗 Eine Liste anderer Bücher lasse ich dir gerne als PN zukommen. Ich möchte hier nicht im Reisebericht eine Diskussion auf kommen lassen, die möglicherweise in die Unsachlichkeit führt und den Rahmen sprengt. Viele Grüße: Burschi
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200912. Nov. 2017 · #30
Nach Fünf Tagen auf der Auob Country Lodge verlassen wir diese wieder. Wir verlassen auch das Auobtal und fahren auf der C18 Richtung Gibeon. Auf der ersten Hälfte der Strecke muss man ständig die roten von Nord nach Süd verlaufenden Dünen queren. Welch anstrengende Tour muss es vor 100 Jahren gewesen sein, als man mit Ochsenkarren mit 24 Ochsen bespannt den Weg durch die Sanddünen unternehmen musste! In Gibeon befindet sich direkt an der B1 ein weiterer Soldatenfriedhof. Hier sind zum einen Gedenksteine und Gräber für die Gefallenen im Namafeldzug Anfang des 20. Jahrhunderts, aber auch Soldaten der deutschen Schutztruppe und der Südafrikaner, die hier im Ersten Weltkrieg fielen, haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden.
Die vordere Gräberreihe ist für die Gefallenen des Namakrieges. Hinten links sind die deutschen Gräber aus dem Ersten Weltkrieg und rechts die einheitlich grauen für die gefallenen Südafrikaner. Dieser Soldatenfriedhof ist an der B1 ausgeschildert und liegt jenseits der Bahnstrecke gleich gegenüber dem kleinen Bahnhof, der ebenfalls noch aus der deutschen Kolonialzeit stammt und der als Station an der Bahnlinie von Windhuk nach Keetmannshoop 1911 eingeweiht wurde. Auf der B1 fahren wir nach Norden bis Marienthal und biegen dann nach Westen auf die C19 nach Maltahöhe ab. Der Ort hat nicht allzuviel zu bieten, eignet sich eigentlich nur für eine kurze Kaffeepause mit Blick auf die beiden Kirchen. Die ältere ist aus dem Jahr 1929, die neue in moderner Bauweise steht genau gegenüber.
Hier fahren wir auf der C14 nach Nordwesten zu unserer nächsten Station nach Büllsport. „Büllsport“ ist eine Rinderfarm mit Gästebetrieb und einem vielfältigen Angebot auch für einen längeren Aufenthalt. Die Chalets sind in zwei Reihen innerhalb der Farm um das Hauptgebäude mit Pool und Terrasse gruppiert. Die Zimmer sind sauber und auch wieder zweckmäßig eingerichtet. Wlan gibt es im Restaurant, bzw. Aufenthaltsraum.
Gegessen wird am Abend zusammen mit den deutschsprachigen Gastgebern auf der Terrasse im Freien. Abendessen und Frühstück sind sehr gut. Die Lodge liegt am Eingang zur Naukluft und war früher die Pforte für den Durchgang für das Vieh durch das Gebirge. (Bulls Port = Bullenpforte). Auf dem Lodgegelände wurde ein Netz von Wanderwegen angelegt, die man selbst zu Fuß oder mit dem Bike (Leih-Mountainbikes sind vorhanden) erkunden kann.
Man kann aber auch geführte Halb- und Ganztagestouren buchen. Es besteht auch die Möglichkeit die Gegend mit dem Pferd als Reiter zu erleben. Fachkundige Hilfe und Pferde sind vorhanden. Camper finden auf der Campsite etwas abseits des Hauses eine Campsite. Die Gästefarm / Lodge hat also einiges zu bieten und es ist eigentlich schade, dass sie von vielen nur als Zwischenübernachtung auf dem Weg nach Sossusvlei genutzt wird.
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200912. Nov. 2017 · #31
Wir haben den ganzen Tag nach der ersten Übernachtung im Gebirge zugebracht. Zuerst unternahmen wir im Geländewagen eine Fahrt bis auf einen der ersten Gipfel in der Naukluft. Eine sehr interessante Fahrt im Morgenlicht, bei der wir neben einer beeindruckenden Landschaft auch etliche Tiere gesehen haben, Kudus, Paviane, Klippspringer und Bergzebras.
Von einem Aussichtspunkt haben wir einen tollen Ausblick auf die Gebirgslandschaft genossen. Jonathan, ein junger Farmer, fährt uns und erzählt sehr viel über Landschaft und Pflanzenwelt und das Farmen in der Naukluft. Wir fahren auch an einer Schaftränke vorbei, wo Vergangenheit und Moderne nebeneinander liegen. Früher wurde das Wasser mittels Windrad in einen großen offenen Steinbehälter gepumpt. Heute geschieht dies mit Solarpumpe in Plastikbehälter aus denen kein Wasser verdunsten kann.
Gegen Mittag fahren wir dann noch in die Köcherbaumschlucht zum Wandern. Wir stoßen auf viele verschiedene Vegetations- und Gesteinsformationen.
Mit zunehmendem Weg werden die Wasserstellen immer häufiger und die Vegetation immer interessanter.
Nach der Rückkehr zur Lodge besuche ich noch die Campsite der Lodge, die etwas außerhalb liegt. Hier finden sich noch einige Ruinen aus der deutschen Kolonialzeit und zwei Gräber von Schutztrupplern aus den Jahren 1894 und 1915.
Der erste Tote war hier also bereits vor dem hereroaufstand zu verzeichnen, als es im Süden der Kolonie bereits Widerstand gegen die Deutschen gab. Die Schutztruppe bestand damals nur aus wenigen Mann. Der letzte Gefallene starb hier wohl durch Einheimische, denn direkte Kampfhandlungen zwischen Südafrikanern und Deutschen fanden hier nicht statt.
Was sagt uns der Schatten? Bei all den Wanderungen sollte man aber unbedingt darauf achten, genügend Wasser mitzunehmen und in der Köcherbaumschlucht sind auf jeden Fall auch lange Hosenbeine ratsam, denn der Weg führt manchmal an kleinen Wasserstellen vorbei, die dicht bewachsen sind und man nicht immer sieht, wohin man tritt. Das Abendessen nehmen wir wieder gemeinsam im Garten der Lodge ein. Das Zebrasteak war lecker! Ganz ehrlich: Ich hätte eigentlich lieber Rind oder Schaf gegessen und nicht die netten Bergzebras, die ich am Morgen gesehen habe. 🤨 🤨 Die Unterkunft „Büllsport“ bietet so viele Möglichkeiten, dass nur eine Übernachtung auf dem Weg nach Sossusvlei eigentlich zu wenig ist. Drei Tage könnte man hier schon locker zubringen. Und ein paar Vögel lassen sich auch beobachten. 🙂 🙂 Als Beispiel nur einen der vielen Graulärmvögel, die hier unterwegs sind.
So, das war der Aufenthalt in der Naukluft. Sesriem und Sossusvlei haben wir bewusst links liegen lassen. Viele Grüße: Burschi
Hallo Burschi, ich sauge deinen Reisebericht förmlich auf ich habe etliche Reisen nach deinem Muster in den letzten Jahren gemacht. Ich bin gespannt ob du noch in den tiefen Süden kommst ( Karasburg,Warmbad, Sandfontein,Ramansadrift etc.)
Gruß Albrecht
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200912. Nov. 2017 · #33
Hallo Albrecht, freue mich, dass mein Bericht dein Interesse gefunden hat. ich muss dich aber leider enttäuschen, denn es geht jetzt nicht weiter in den tiefen Süden, sondern wieder nach Norden. Warmbad habe ich schon mal in einem anderen Reisebericht erwähnt. Ich hoffe, du findest trotzdem noch was Interessantes. Viele Grüße: Burschi
mit großen Interesse lese auch die geschichtlichen Seiten Namibia´s in deinen Beiträgen. Nächstes Jahr werde ich zum ersten Mal das Land selbst bereisen dürfen, und freue mich schon sehr darauf. Wir werden auf unserer Rundtour von Windhoek aus, zuerst Richtung Süden, über Gochas fahren, ich hoffe dass wir dann, die eine oder andere schöne Kirche / mahnende Gedenksteine sehen werden.
Danke nochmals für deinen Bericht!
Lg Thomas
Berg-Eule2'060 Beiträge · seit 201312. Nov. 2017 · #35
Hallo Burschi,
nochmals vielen Dank für die interessanten Einblicke in die Historie. Leider nimmt man sich auf einer "normalen touristischen" Reise meist nicht die Zeit, die Denkmäler zu besichtigen. Dennoch haben wir im Auobtal auch die Gendenksteine für Gefechte und Gefallene gesehen.
Kennst du südlich des Naute Dams die Gräber an der alten Eisenbahnbrücke über den Holoog?
Liebe Grüße von Gabriele
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Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)
TITicktack352 Beiträge · seit 201612. Nov. 2017 · #36
Ich finde deinen Reisebericht mehr als gut, aber woher eigentlich nimmst du die Informationen, wo du denn hinfahren mußt für diese wirklich spannende Route. Respekt Burschi...!!!
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200913. Nov. 2017 · #37
Hallo, @ Gabriele. Vielen Dank für das Foto! Die beiden Gräber kannte ich noch nicht, aber es gibt sicher noch etliche, welche die eine oder andere Überraschung bringen. Vor zwei Jahren habe ich z.B. deutsche Soldatengräber in Südafrika entdeckt, da hatte ich auch nicht damit gerechnet, aber zu Hause nachgeforscht habe ich die Lösung gefunden. @ Thomas und Ticktack: Ich beschäftige mich mit Namibia ja schon seit vielen Jahren und habe zu Hause wohl ca 300 Bücher über Südwestafrika im Regal stehen, aber man kann immer wieder Neues entdecken. Man muss nur neugierig bleiben. 😄 😄 Siehe dazu auch mal meinen Thread über die "Schwarzen Zebras"! Ich bin übrigens kein Kirchenfetischist, aber ich habe bei der letzten Fahrt so nebenbei auch bemerkt, welch große Konkurrenz unter den europäischen Glaubensrichtungen in Namibia herrscht und wie viele verschiedene Kirchen und Glaubensrichtungen es hier gibt. Das drückt sich zum Teil auch im Baustil aus. Vielleicht bringe ich den Bericht angesichts des augenblicklichen Wetters bei uns in dieser Woche zu Ende. Wünsche schöne Woche! Burschi
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200913. Nov. 2017 · #38
Wir verlassen am nächsten Tag Büllsport leider zu früh, denn ich habe Termine in Swakopmund, und wir fahren auf der C14 über Solitaire – kurzer Tankstopp - den Gaub-Pass und den Kuiseb-Pass nach Walvis Bay und gleich weiter nach Swakopmund. Die Straße ist hier in unterschiedlichem Zustand, mal supergut, weil frisch gehobelt, mal grottenschlecht. In Swakopmund stehen in erster Linie Treffen mit Bekannten an. Swakopmund will ich nicht näher beschreiben, denn darüber kann man im Forum mehr als genug lesen. Wir übernachten wie in letzter Zeit immer im Prinzessin-Rupprecht-Hotel.
Das Hotel wurde 1902 als Lazarett gebaut, später als Rot-Kreuz-Heim von Schwestern weiter geführt und heute ist es Hotel und Altersheim im jinteren Teil. Im Hintergrund links hinter den Palmen ist die ehemalige Kaserne der Eisenbahnbaukompanie, heute Jugendherberge. Zum einen gefällt mir die Tatsache, dass ich mit der Übernachtung im Hotel ein Altersheim unterstütze, zum anderen sind die Zimmer groß, sauber, zweckmäßig eingerichtet, bei Kälte auch heizbar und um das Gebäude herum gibt es einen wundervollen mit Liebe gepflegten Garten mit vielen Blumen und einigen Wasserstellen, an denen sich Vögel tummeln.
Wellenastrile beim Baden Außerdem ist die Unterkunft sehr günstig in Nähe des Strandes gelegen. Swakopmund hat eine große Zahl an historischen Gebäuden, wer sich dafür interessiert, kann an einer speziellen Stadtführung teilnehmen (Anmeldung in einer kleinen Hütte zwischen Post und Cafe Anton) oder das Büchlein von Conny von Dewitz „Swakopmund der kleine Stadtführer“ zur Hand nehmen. Der Weg am Strand entlang war zu dieser Zeit in ein Meer von Farben getaucht. Hier hat es sich die Stadt wohl einiges kosten lassen, ein solches Blütenmeer anzupflanzen.
Oktober ist eben auch Frühlingszeit in Namibia und was bei uns die Krokusse und Tulpen sind, sind im südlichen Afrika eben die Mittagsblumen. Die Farben sind schon nahezu außerirdisch!
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200913. Nov. 2017 · #39
Gegessen haben wir dieses Mal im TUG, im Farmhaus Deli (an der Mole im Strandhotel), im Bit n´ Pizza und im Europahof. In letzterem haben wir eigentlich immer gut und gerne gegessen, doch zurzeit sind dort immer mehrere Busse, wobei es dann im Restaurant am Abend derart laut ist, dass man sich kaum mehr vernünftig unterhalten kann. Alle anderen Restaurants können wir empfehlen. Das TUG: Bei einem Stadtspaziergang wurde mir dann auch klar, warum der bekannte Holzmarkt umziehen musste. Auf dem Platz standen an Stelle der Holzverkäufer-Stände insgesant 7 Busse. Das erinnert mich sehr an ....
Von meinen Treffen mit Bekannten will ich mit einer Ausnahme nicht berichten. Die im Forum bestens bekannten „African Vocals“ hatten am Samstag einen nationalen Wettbewerb in Windhoek gewonnen. Wir haben mit ihnen dann am Sonntag im Bit n´Pizza gefeiert. Sie haben spontan auch wieder einige Lieder zum Besten gegeben und im Nu war das Lokal gefüllt und es entwickelte sich eine tolle Feier.
Am nächsten Tag hatten wir das Kontrastprogramm in Mondesa DRC, dem Township von Swakopmund, wo wir eine Frauenselbsthilfegruppe mit Kindergarten unterstützen. Eine „Tour“ ohne Begleitung würde ich in diesen Stadtteil nicht empfehlen, aber es ist auch gut, mal solche Bilder zu sehen, damit man Namibia nicht nur mit glänzenden Augen betrachtet.
Da ist der kleine Kindergarten (derzeit etwa 80 Kinder) ja geradezu eine Oase. Hier werden die Kinder in drei Altersgruppen auf den Schulbesuch vorbereitet und erhalten Mahlzeiten.
Natürlich könnte man noch viel über Swakopmund berichten, doch ich will das nicht zu sehr ausdehnen. Es gibt sehr viel zu sehen und zu erleben. Ob man eine Township-Tour machen sollte, lasse ich mal dahingestellt, denn diese führt auch oft nur an bestimmte Vorzeigepunkte. Aber die oft diskutuerte drei Tage Swakopmund kann man auf jeden Fall gut füllen. Viele Grüße für heute: Burschi
BurschiThemenstarter4'140 Beiträge · seit 200914. Nov. 2017 · #40
So sind drei Tage in Swakopmund schnell vorbei und es geht zurück nach Windhoek. Zurück, weil ich ja am Anfang einen Tag verloren habe und an diesem ein Treffen mit den Lehrern der Fidel Castro Ruz Schule geplant hatte und außerdem noch zu Recherchen ins Nationalarchiv wollte. So musste ich also umplanen und statt über den Bosua-Pass auf B2 und B1 nach Windhoek fahren. Dafür wollte ich aber Karibib und Usakos nicht links liegen lassen. In Usakos verfolgte ich ein paar historische Spuren, fuhr mal abseits der Hauptstraße und konnte auch wieder was Neues entdecken.
Die Stadtverwaltung ist heute im ehemaligen Hotel Roesemann untergebracht, welches 1908 gebaut wurde.
Als Knotenpunkt der alten Otavi-Bahnlinie von Swakopmund nach Tsumeb war Usakos schon früh ein kleines Wirtschaftszentrum, in dem sich etliche Handwerker und Kaufleute niederließen.
Eine alte Schlepptender-Lokomotive von Henschel und Sohn aus dem Jahr 1912 steht heute noch am Bahnhof. Am Ortsende steht übrigens die Kirche einer weiteren Glaubensgemeinshaft, der Niederländisch Reformierten Kirche.
In Karibib suchte ich gezielt die Christuskirche auf, die ebenso wie die Christuskirche in Windhoek vom bekannten Baumeister Gottlieb Redeker 1910 gebaut wurde.
Das war die letzte Kirche in diesem Bericht! 😉 😄 Auch beim Durchfahren durch den Ort findet man weitere deutsche Spuren. Direkt an der Hauptstraße am einstigen Marktplatz stand das große Hotel Roesemann (ein früherer Großunternehmer, der einige Hotels besaß), das heute eine Filiale der FN-Bank ist.
Und schließlich noch ein weiteres kleines Haus im Kolonialstil, das heute in ganz anderer Farbe erstrahlt und direkt an der Hauptstraße steht, wo es nicht zu übersehen ist.
In Windhoek übernachteten wir dann wieder im Hotel Uhland, das in Gehentfernung zum Nationalarchiv und der Stadt ist. Für die Küche der Fidel Castro Ruz Schule in Katutura, für die wir in den vergangenen Jahren eine Küche gebaut haben, habe ich Nahrungsmittel eingekauft und dann abgegeben.
Es ist immer wieder eine Freude zu sehen, dass eine Schule mit über 1200 Schülern perfekt funktioniert. Vor kurzem erst besuchte sie der Präsident und zeichnete sie aus. Demnächst folgt die letzte Etappe der Reise. Viele Grüße: Burschi