Reisebericht

Auf alten Pfaden durch Südwest!

von Burschi · begonnen 08. Nov. 2017 · 19 Teile

Teil 108. Nov. 2017
Hallo Fomis,
da bin ich dann doch wieder mit einem kleinen Reisebericht. 😉 😉
Da werden dann gleich einige sagen: "Ich habe es doch gewusst! Da verkündet er im Februar großspurig seinen Abschied von Namibia und im Oktober ist er schion wieder da!" Ja, ihr habt ja recht, aber dieses Mal hatte es andere Gründe. Meine Reise war jetzt ohne Etoscha, ohne KTP, ohne Sossusvlei und andere Touristenzentren. An meiner Meinung über den Massentourismus und seine Auswirkungen hat sich nichts geändert und meine Ansichten haben sich nur wieder bestätigt. Aber es sind eben inzwischen Verbindungen und Freundschaften gewachsen, die ich doch nicht missen möchte. Zum einen unterstütze ich seit 15 Jahren einige Sozialprojekte in Namibia und da kann man nicht einfach aufhören und sagen, "So jetzt reicht´s!", zum anderen habe ich liebe Freunde gewonnen und schließlich beschäftigt mich das Land auch als Historiker. Ich schreibe seit zwei jahren an einem Buch , zu dem ich noch einige Recherchen im Nationalarchiv benötigte und einige Bilder, die ich auf der Reise noch machen wollte. Beides ist gelungen.
Also, wer mit auf diese Reise gehen will, der wird weder Löwe noch Elefant oder sonst irgendwelche spektakulären Tierfotos - ein paar Vögel füge ich schon ein! 😉 😉 - sehen, aber ein paar Dinge am Wegesrand finden, an denen er bisher vielleicht achtlos vorbeigefahren ist. Es gibt auch keine Kloodeckelaufnahmen zu bestaunen, trotzdem ein paar Übernachtungs- und Aktivitäten-Tipps.
Nun kann also jeder entscheiden, ob er mitfahren will oder nicht.
Am Anfang muss ich aber ein besonderes "Anreiseerlebnis" schildern:
1. Tag:
Die Anreise, eine absolute Katastrophe!
Anreise mit dem ICE von Nürnberg nach Frankfurt. Zum ersten Mal wird der Zug in Würzburg geteilt. Natürlich sitzen wir im Zugteil nach Kassel. Also in Würzburg schnell raus und nach vorne! Klappt!
In Frankfurt am Flughafen müssen wir von Terminal 1 zu Terminal 2. Wir fahren mit dem Shuttle-Bus. Plötzlich ein Ruck und ein lauter Knall! Der Bus ist auf ein vorausfahrendes Fahrzeug aufgefahren. Also aussteigen und zu Fuß mit Gepäck zum Terminal 2!
16.00 Uhr: Noch eine Stunde Warten bis zum Checkin. Neben uns am Niki-Schalter eine lange Schlange, die sich nicht bewegt. Was ist los? Fluglotsenstreik in Frankreich, der Flug nach Malle ist gecancelt, ab ins Hotel! Die Armen!
17.00 Uhr Checkin beim Air Namibia-Schalter verläuft problemlos. Beim Security-Check piepts wie wild! Der Beamte findet aber nichts, obwohl er mich gefühlte 20mal abgetastet hat. 19.20 Uhr: Pünktliches Boarding!
21.20 Uhr: Abflug? Nein, der Flieger bleibt stehen.
22.00 Uhr; Der Flieger wartet auf die Starterlaubnis aus Brüssel. Es ist ein Fluglotsenstreik in Frankreich! ??? Wir fliegen doch nicht über Frankreich!? Doch! Wir fliegen über Korsika und das gehört zum Luftraum von Frankreich! Komisch, die von Niki wussten das schon am Nachmittag!
22,30 Uhr: Wir müssen bald starten, denn der Flughafen schließt um 23.00 Uhr. Also bekommen wir schon mal die Sicherheitseinweisung in zwei Sprachen vorgeführt. Welch ein Luxus!
23.00 Uhr: Der Flughafen wird geschlossen, noch immer keine Flugfreigabe.
24.00 Uhr: Wir bekommen an Bord ein Essen serviert. Mahlzeit!

2. Tag:
0.30 Uhr: Wir verlassen den Flieger und wandern durch den ganzen Flughafen von Terminal 2 bis zum Ende von Terminal 1. Dort sind neben der automatischen Rollbahn für die Fußgänger Feldbetten für uns aufgestellt.

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Neuer Abflugtermin 4.45 Uhr.
1.30 Uhr Die Feldbetten sind aufgeschlagen, wir dürfen länger schlafen, denn Abflug ist erst um 8.00 Uhr!
5.30 Uhr Wecken! Wir bekommen 20 € Gutschein für ein Frühstück. Wir sind die ersten Gäste in einem Bistro und stopfen das Frühstück in uns rein.
7.00 Uhr wieder Security-Check und Warten bis zum Boarding um 7.30 Uhr. Denkste!
8.00 Uhr Abflug? Nein! Warten, es ist noch kein Catering an Bord und die Mannschaft muss ausgetauscht werden!

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Andere Flugzeuge sind schon längst unterwegs!
8.30 Uhr Boarding und 9.00 Uhr endlich Abflug!
18.30 Uhr Landung in Windhoek; draußen ist es schon stockfinster!,
18.45 Uhr: Wir standen in der Schlange für Einreisende und werden herübergewunken, weil der Schalter für Residents keine Wartenden mehr hat. Schön! Nett, dass es jetzt schneller geht, doch als die „Dame“ mit unendlicher Langsamkeit eine Familie abgefertigt hat, schließt sie den Schalter wieder und bearbeitet erst mal einen Stoß Diplomatenpässe und lässt uns fast 45 Minuten stehen. In der anderen Schlange wären wir längst durch gewesen! Als wir endlich um 19.45 Uhr unser Gepäck haben, ist es draußen stockdunkel. Natürlich bekommen wir um diese Zeit kein Auto mehr. Ein Shuttle bringt uns zum Hotel und um 21.30 Uhr kann ich endlich 2 Tafel Lager in die raue Kehle schütten. Ich habe einen ganzen Tag verloren!
Morgen startet dann die eigentliche Reise.
Viele Grüße:
Burschi
Teil 208. Nov. 2017
Oh, so viel Interesse! 🤩 🤩 🤩
Das freut mich und vielleicht ist ja der eine oder andere kleine Tipp für euch dabei.
Also, dann weiter zum
3. Tag:
Die erste Nacht haben wir – wie auch zwei weitere Übernachtungen in Hotel Pension Uhland verbracht. Kurz: Saubere Zimmer, netter Service, gutes Frühstück und Vorteil für mich: Nur 200 Meter vom Nationalarchiv entfernt, sowie Innenstadt zu Fuß zu erreichen.
Nun muss ich erst einmal den verlorenen Tag hereinholen, d.h. schnellstens das Auto besorgen. Ich hatte ½ Jahr vorher fast 14 Tage gebraucht, um in Namibia noch einen Hilux 4x4 zu finden. Auch mein Stamm-Vermieter war vollkommen ausgebucht. Gelandet bin ich dann bei Aloe Car Hire, einer kleinen Autovermietung in Olympia. Da stand dann mein „Wunschfahrzeug“. Leider schon auf den ersten Blick kein geschlossenes Canopy. Ich mag es nicht, wenn man hineinschauen kann, wie viele Koffer dort liegen. Auch kein Doppeltank! Die Übergabe war sehr freundlich und auf Deutsch, aber: Einen Reifen habe ich sofort abgelehnt, der hatte schon auffällig viele kleine Risse. Den habe ich umgehend wechseln lassen, wobei ich gleich einen Kurzlehrgang in Sachen Reifenwechsel machen konnte. Die Radmuttern habe ich alle selbst nochmals nachgezogen, die waren nicht gerade zu fest. Auch sonst war die Bereifung nicht der Hit. Wäre Regenzeit gewesen und hätten Wasserquerungen angestanden, hätte ich das Fahrzeug nicht genommen. Dann noch die Versicherungsbedingung: Auf Gravelroad höchstens 60 km/h, sonst Konventionalstrafe und kein Versicherungsschutz! Ich bin beileibe kein Raser, aber nur 60 km/h z.B. auf einer guten Gravelroad, das ist dann schon gefährlich! Da besteht die Gefahr des Einschlafens am Steuer! Aber ich musste die Kröte schlucken und habe unterschrieben.
Dann habe ich das Auto mit ¾ vollem Tank übernommen und sollte es auch so wieder abgeben. Vorweg: ich bin nicht schneller als …… km/h gefahren, hatte keinen Platten und habe das Auto mit Ausnahme einer kleinen Delle in einer Felge gut wieder zurück gebracht. Und der ¾ volle Tank? Sag mal einem Tankwart: „Mach bitte ¾ voll!“ Der würde vielleicht blöd schauen! Die Tankanzeige zeigte bei Abgabe etwa 1mm weniger als ¾. Also habe ich 100 N$ als Zuzahlung angeboten, der Chef wollte 150, die Chefin war dann mit 100 zufrieden. Den Grund für die kleinlichen Versicherungsbedingungen sah ich dann auf dem Hof stehen. Ein Totalschaden-Hilux 4x4, daneben vier nicht gerade gut gelaunte junge Männer. Die Chefin: „Ihr könnt von Glück sagen, dass ihr noch am Leben seid!“

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O.k., dann verstehe ich auch wieder die 60 km/h.
Wir fahren los, tanken und kaufen in einem kleinen Supermarkt in Olympia ein und machen uns schnellstens auf den Weg nach Süden.
Schon mehrfach daran vorbeigefahren, doch dieses Mal stand es auf der Agenda: Die Besichtigung des „Heldenackers“ an der B1 nach Rehoboth. 100 N$ Eintritt für 2 Personen und einem Auto. Wir sind völlig allein auf dem Gelände. Ein monströser Sam Nujoma in beeindruckender (???) Kulisse in wohl bester nordkoreanischer Machart. Was hätte Adolf daran für eine Freude gehabt!

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Ob der gute Sam wohl seine Handgranate auf Windhoek wirft? 😉
Nun ja, Namibia besteht nicht nur aus Landschaft und Tieren und die Selbstdarstellung seiner Bewohner - oder besser wohl seiner machthabenden Swapo-Elite - gehört eben auch zum Land. Und im Moment gibt es eben viele, die zwar gerne das Geld von Deutschland nehmen, denen aber Staaten wie China und Nordkorea anscheinend freundschaftlicher verbunden sind.
Wir fahren nach Toilettenbesuch weiter nach Rehoboth. Ich bin ja auf der Suche nach historischen Spuren der deutschen Kolonialvergangenheit hier. Ich finde auch die Pauluskirche. Sie wurde 1908 gebaut und ist heute noch in gutem Zustand und rings umher noch einige kleinere Gebäude in typisch deutschem Kolonialstil.

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Am Ortsrand von Rehoboth ist im Norden ein neues Einkaufszentrum entstanden, das keine Wünsche offenlässt. Wer Windhoek schnell entfliehen möchte bekommt hier alles, was er braucht. Ansonsten gibt eine langsame Fahrt durch die Straßen von Rehoboth nichts mehr her, also begeben wir uns zum Lake Oanob Resort, um hier zwei Tage etwas auszuspannen.
Davon morgen dann mehr!
Gruß:
Burschi
Teil 309. Nov. 2017
Hallo, da bin ich wieder.
Lake Oanob war das Stichwort. Eigentich dachte ich, hier im Forum waren die meisten schon da, doch beim letzten Rätsel von mir hat es lange gedauert, bis die "Wasserdreiräder" identifiziert waren, mit denen man dort auf dem See fahren kann.

Das Lake Oanob Resort ist eine weitläufige Anlage am Stausee.

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Man kann in Chalets übernachten, von denen jeweils vier zusammengebaut sind und die in der Nähe des Seeufers liegen. Die Chalets sind geräumig und zweckmäßig eingerichtet. „Zweckmäßig“ heißt bei mir: Kleiner Schreibtisch zum Schreiben und in gleicher Höhe eine Möglichkeit zum Laden div. Geräte sowie ein Kühlschrank und eine Kofferablage, auf der man den Koffer offen lassen kann. Bei meiner Frau heißt „zweckmäßig“, dass ein Wasserkocher zum Kaffeekochen, Tassen und Kaffee vorhanden sind. 😄

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Der saubere Pool war leider beim Restaurant, zu dem man etwa einen Kilometer fahren musste. Im Restaurant waren die Speisen sehr gut, besonders die mit „traditioneller Kost“ (Potjie)

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Also alles bestens? Nicht ganz, Lake Oanob ist ein recht idyllischer Ort, aber am Wochenende ist es das Freizeitgebiet der Windhoeker. Dann rasen ohne Unterbrechung Schnellboote über den See und Pool und Restaurant sind oftmals Partymeile. Also ich empfehle die Unterkunft von Montag bis Freitag. Aber wer kann es den Windhoekern verdenken, es ist die nächste Möglichkeit mal an ein größeres Gewässer zu fahren. Das nächste wäre der Hardap Dam.
Aber unter der Woche ist es eher ruhig und man kann auch wandern oder an einem Gamedrive teilnehmen oder eben auch eine Bootsfahrt unternehmen.
Teil 409. Nov. 2017
Stichwort: Gamedrive:
Überrascht hat mich der Gamedrive, den wir unternommen haben. Es gab erstaunlich viel zu sehen: Eland, Nyala, Springböcke, Black und Blue Wildebeest (Gnu), Oryx, Impala, Blessböcke (darunter ein Albino), Warzenschweine und Rote Zebras! 🤩 🤩

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Wieder eine neue Unterart? 🤩 Beileibe nicht! Die Zebras haben nur in einer Staubbadewanne gebadet und dabei mit etrwas Puder den Teint aufpoliert. 😄 😄
Da wir allein mit dem Guide unterwegs waren, war es ein sehr angenehmer und entspannter halber Tag. Schon hier ist mir aufgefallen, dass die „Game Lodges“ zueinander wohl stark in Konkurrenz treten und versuchen durch Zukauf möglichst interessanter Wildarten – mögen sie nun je mal heimisch gewesen sein oder nicht – möglichst viel Interessantes bieten wollen, um die Attraktivität zu erhöhen. Dadurch mag manchmal ein zooartiger Eindruck entstehen. Andererseits verstehe ich natürlich, dass man heute, wenn man nur die heimischen Arten wie Kudu, Oryx, Springbock und Kudu vorzuweisen hat, nur wenig neue Interessenten anlockt.
Mir genügen oft schon die ganz kleinen Tierattraktivitäten:

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Bergschmützer

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Weißrückenmausvögel beim Frühstück

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juveniler Elfenastrild im Morgenlicht

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Das letzte ist wohl ein Ölkäfer - genaue Art weiß ich nicht - aber mit der Blume zusammen bietet er ein schönes Farbenspiel.
So, nun könnt ihr euch vorstellen, dass da noch viel mehr dtin iost, z.B. Dreibandregenpfeifer, Flussuferläufer, Weißbrustkormoran, Pelikan, Graureiher usw. usw. ich möchte nicht alle Bilder hier einstellen.
Am Lake Oanob waren wir zwei Nächte.
Morgen geht es dann weiter.
gruß:
Burschi
Teil 510. Nov. 2017
Guten Morgen,
dann wollen wir mal weiter fahren. Ich starte gerne am frühen Morgen, sodass ich um die Mittagszeit schon am Ziel bin.
Wir verlassen den Lake Oanob und fahren bei Rehoboth auf die Gravelroad C25. Ein kleiner Schlenker über die D1223 führt uns zum „Hindenburgturm“. Manchmal wird er auch „Bismarckturm“ genannt, doch hat er mit den Verehrungstürmen, die vor oder nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland entstanden sind, nichts zu tun. Er ist das letzte koloniale Bauwerk der Deutschen in Namibia und wurde 1915 als Verteidigungsturm gegen die Rehobother Baster, von denen die Farmer annahmen, dass sie zu den Südafrikanern überlaufen würden, errichtet. Da er etwas abseits der Route in den KTP liegt, fährt kaum jemand an ihm vorbei.

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In Uhlenhorst wechseln wir dann auf die C15, die nun im Auobtal entlang führt. Es ist für mich eine der reizvollsten und abwechslungsreichsten Strecken in Namibia. Erster Stopp ist in Hoachanas. Hier suche ich nach der Kirche und finde sie auch etwas abseits der Straße. Es ist eine sehr alte Kirche, die schon 1857, also vor der deutschen Kolonialzeit, von der Rheinischen Mission erbaut wurde. Sie wurde 1901 und 1989 renoviert, doch trotzdem finden heute hier keine Gottesdienste mehr statt, sondern in einem kleinen Bau daneben, der ebenfalls noch aus der Kolonialzeit stammen dürfte. Ein netter Mann von nebenan öffnet uns die Kirche, die im Innern bis auf die zusammengeschobenen Kirchenbänke und einer hölzernen Kanzel völlig leer ist. 1905 waren hier die Verwundeten des bekannten Gefechtes von Groß Nabas (Abteilung Meister gegen die Witboois) untergebracht.

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Nach Hoachanas geht es weiter nach Stampriet, hier tanke ich sicherheitshalber mal nach, und am Ortsende strahlt von einem Hügel eine auffallend weiße Kirche. Ich halte wieder. Meine Frau, die sonst in Europa in jede Kirche rein muss, fragt jetzt schon: „Seit wann interessierst du dich für Kirchen?“ Nun, sie gehören eben auch zur Kultur Namibias wie die Tierwelt auch. Diese Kirche ist architektonisch nicht uninteressant und wurde erst 1972 von einem südafrikanischen Architekten errichtet.
Vor der Kirche liegt auf dem Boden eine große Sonnenuhr, die gerade 5 vor 12 Uhr anzeigt. Nun, zu spät ist es für uns nicht, wir haben für die weiteren Reiseabschnitte ausreichend viel Zeit, denn die nächsten fünf Tage werden wir auf der Auob Country Lodge verbringen, die kurz vor Gochas im Auobtal liegt.

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Doch vorher halte ich noch einmal für eine weitere Kirche. Es ist die Römisch Katholische Kirche in Witkrans, die ebenfalls neueren Datums ist. Auf dem Gelände befindet sich auch eine größere Schule, in welche die meisten Kinder des Auobtales gehen.

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So, keine Angst, das wird jetzt nicht "kirchenlastig". Aber bei vielen Reiseveranstaltern in Europa muss oft auch noch der Letzte kirchliche Rokokoschnörksel besichtigt werden und hier in Namibia fährt man völlig achtlos daran vorbei. Ich möchte einfach mal dazu anregen, von dem schönen Land mehr zu erfassen als nur die Dünen und die Big Five.
Gruß:
Burschi
Teil 610. Nov. 2017
Hallo,
da es draußen regnet und mir das Grau schon auf die Nerven geht, kann ich gleich weiter fahren in namibischer Oktobersonne. 😉 🙂
Diese Zeit verbringen wir auf der Auob Country Lodge. An der Lodge fahren sicher viele vorbei, die in den KTP wollen. Sie ist beim Vorbeifahren eigentlich nicht zu übersehen. Sie eignet sich gut als Zwischenübernachtung und scheint bei Reiseveranstaltern schon zum Geheimtipp geworden zu sein.

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Wir haben hier fünf Tage verbracht und das gesamte Angebotsspektrum erlebt.
Man wohnt in geräumigen Zimmern, die zweckmäßig eingerichtet sind - man hat natürlich inzwischen auch überall Wlan und die sich dreiseitig um einen großen sauberen Pool gruppieren. Der Pool ist groß und sauber und wird mehrmals am Tag gereinigt.

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Einige Zimmer liegen davon abseits und sind etwas dunkel, dafür ruhiger. Wir haben hier einen perfekten Service erlebt, das Managerpaar gibt sich alle erdenkliche Mühe alle Problemchen zu lösen. Mir haben sie bei meiner Arbeit sehr geholfen.
Das Essen ist ausgezeichnet und sehr abwechslungsreich. Wir haben in den fünf Tagen nicht einmal ein gleiches Essen serviert bekommen.
Es werden drei Varianten des Abendessens angeboten:
1. Bei wenigen Gästen wird das Menü am Abend im Restaurant serviert.
2. Bei einer größeren Reisegruppe findet das Essen in der Lappa als Büfett statt; nach dem Essen bietet der Lodgechor noch einige Lieder und Tänze (sehr nett!) Lappa und Innenhof und Pool sind mit vielen Lichtern illuminiert.

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3. Auf Wunsch wird bei einer größeren Reisegruppe das Abendessen in den Dünen (1. u. 3. Gang werden serviert, Hauptgang als Büfett) serviert. Man wird bei Dunkelheit mit dem Wagen in die Halbwüste gefahren, wo man durch einen Laternenkorridor zu festlich gedeckten Tischen auf eine Düne geht. Die Tische sind mit Kerzen illuminiert, über allem stahlt der afrikanische Sternenhimmel. Eine tolle einmalige Atmosphäre! Dieses „Event“ muss aber vorher bestellt werden. Ganz ehrlich: Es war ein einmaliges Erlebnis!

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Die anwesende Gruppe hätte ruhig etwas kleiner sein dürfen und ich wäre gerne noch ein wenig länger draußen auf der Düne mit einem schönen Weinchen geblieben. 😗 😗
Teil 710. Nov. 2017
An Aktivitäten werden ein Gamedrive und eine Sundownertour angeboten. Beide sehr schön. Wie schon erwähnt, bietet auch hier der Gamedrive unerwartete Attraktionen: Giraffen, Wasserböcke, Springböcke, Gnus, Zebras, Oryx, Eland, Klippschliefer, Impala, Springböcke, Blessböcke und schließlich auch drei Kolonien von Erdmännchen. Da muss ich schon mal schnell zwei Bildchen einfügen.

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Neben den geführten Touren kann man aber auch sehr gut auf dem Lodge-Gelände wandern. Mehrere Wandertouren sind ausgewiesen. Man sollte aber unbedingt ausreichend Wasser mitnehmen, denn die Wanderung im heißen roten Dünensand ist nicht zu unterschätzen. So kann man auch mal ohne Auto einen „Gamewalk“ ohne Guide machen und sehen, an welches Wild man sich heranpirschen kann. Andererseits ist es eine tolle Erfahrung, wie die Leute vor 100 Jahren sich gefühlt haben müssen, als sie hier in der Gegend monatelang Krieg geführt haben. Ganz nebenbei ergeben sich bei Morgen- oder Abendlicht tolle Möglichkeiten für Landschaftsfotos.

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Und gerade bei Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergang sind die Wanderungen am schönsten, denn dann ist das Licht für Fotos toll und die Temperaturen sind besser erträglich.

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Die Palmenallee vor der Lodge bei Sonnenaufgang. Die neblige Atmosphäre ist durch ein vorbeifahrendes Auto entstanden.

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Akazie mit einem riesigen Siedelwebernest kurz vor Sonnenuntergang.
Bei solchen Wanderungen kann man Namibia ganz entschleunigt genießen und man glaubt gar nicht, was man so alles an Kleinigkeiten entdecken kann. Man kann sich auch mal im Spurenlesen üben, denn überall stößt man auf solche im Sand.
Teil 811. Nov. 2017
Auf den Wanderungen, aber auch direkt in der Lodge gibt es natürlich auch Möglichkeiten Vögel zu beobachten:

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Die Kapstelzen fand ich besonders putzig, denn zum einen hatten sie ihr Nest direkt über unserer Wohnung gebaut und zum anderen haben sie sich auf eine neue Art der Ernährung spezialisiert. Sie fischen aus dem Pool die toten Insekten, die darin ertrunken sind. Vielleicht wurden sie ja auch extra angestellt, um ihn sauber zu halten? 😄

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Und noch eine angestellte Vogelart: Die Felsenschwalben sind für die Feuerlöscher zuständig! 😄 😄

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Die Streifenschwalben fliegen gerne über den Pool und nehmen dabei mit dem Schnabel Wasser auf.

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Weißbauchnektarvögel suchen die Blüten der Büsche nach Nektar ab.

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Der Kurzzehenrötel spaziert gerne im Garten herum.

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Der Gelbbauchgirlitz ist häufig im Gras oder auch an einer Vogeltränke zu finden.

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Der Rotschwanzschmätzer ist schon mal den Ornithologen ins Netz gegangen und wurde beringt.
So, das war nun für die Vogelfreunde, von denen es ja auch einige im Forum gibt, in der nächsten Abteilung sind dann die historisch Interessierten dran.
Ach ja, es wird ja endlich auch mal Zeit, dass sich der Burschi mit seiner Frau vorstellt. Daher ein aktuelles Bild von uns beiden bei einer Abendwanderung in den Dünen. 😉 😛 😛 😄

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Viele Grüße:
Burschi
Teil 911. Nov. 2017
Hallo,
da es draußen so Saugrau und eklig ist, mache ich lieber mit dem Reisebreicht weiter.
Noch ein Wort zu den Gästen der Auob Lodge. Die Lodge wird wie erwähnt gerne von größeren Reiseveranstaltern als zweite Übernachtung nach Windhoek gebucht auf dem Weg zum Fishriver oder auch auf dem Rückweg. Wir hatten während unseres Aufenthaltes vier größere Gruppen (je etwa 25 bis 30 Teilnehmer) zu Gast. 1. Franzosen mittleren Alters: sehr ruhig und angenehme Zeitgenossen, von denen man nur wenig mitbekommen hat. 2. Eine ältere deutsche Reisegruppe: Sie waren nach langer Busfahrt ziemlich erschöpft, schon etwas lauter als die Franzosen, aber noch akzeptabel. 3. Eine junge deutsche Reisegruppe für die die wichtigste Einrichtung das Wlan war und die wohl auf Partyfahrt waren. Einen tollen atmosphärischen Sonnenuntergang auf einer roten Düne in der Kalahari haben sie zur Partymeile umfunktioniert und mit viel Hallo und Helau und Bierbüchsen in den Händen massenhaft Selfies gemacht. Nur ein einzelnes Mädchen, saß abseits mit Blick auf die untergehende Sonne im warmen Wüstensand und versuchte die Atmosphäre einzusaugen. 4. Eine mittelalterliche deutsche Reisegruppe, die einen Höllentrip als Pauschalreise hinter sich hatten. Sie belegten nach guter deutscher Mallorca -Manier erst einmal alle Liegestühle um den Pool mit Handtüchern. Sie versuchten auch in keinster Weise ihre Dialekte zu verbergen, sondern schrien sie geradezu in die Welt hinaus. (Mehr sag ich nicht!). Sie haben uns viel Negatives von ihrer Pauschal- Tortour erzählt, das ich im Detail gar nicht wiedergeben will. Es war ihr vorletzter Abend der Tour und der Veranstalter (gebucht bei Meiers, durchgeführt von „Sense of Africa“) hat sie für die Mängel der Fahrt dazu eingeladen, dass sie an diesem Abend auf Kosten des Veranstalters in der Bar trinken dürfen so viel sie wollen. Dazu muss ich dann wohl nichts mehr schreiben, wie das abgelaufen ist. Kölner Karneval in der Kalahari! „Heidewitzka Herr Kapitän“ in der Kalahari!
Die negativen Seiten des derzeitigen Massentourismus in Namibia sind leider alle zutage getreten.
Wir haben sie nicht mit Zorn ertragen, sondern uns eher darüber amüsiert, weil wir meist entweder auf Wanderungen unterwegs waren oder auf historischen Spuren, denn das war der eigentliche Zweck meiner Wahl dieser Lodge.
Dazu mit nur wenigen Worten den Hintergrund, denn die meisten werden wohl nicht so mit der Kolonialgeschichte bewandert sein:
Ganz kurz den historischen Hintergrund. Im Januar 1904 brach der Hereroaufstand im Norden aus, im August ist das entscheidende Gefecht am Waterberg, nach dem die Herero in Massen in die Omaheke fliehen. Hendrik Witbooi, der in dieser Auseinandersetzung der Deutschen unterstützt hatte, sagt sich von diesen los. Daraufhin wird im Süden der Bezirkshauptmann von Gibeon v. Burgsdorff ermordet, was der Beginn des Krieges gegen die Nama im Süden ist. Auch hier werden zu Beginn Farmen überfallen und die männlichen Besitzer ermordet. Daraufhin schickt die Schutztruppe mehrere Abteilungen in den Süden. Die Gesamtleitung hat oberst Deimling. Dieser teilt die Truppen in drei Einheiten auf und möchte die Nama einkreisen und somit mit einem Schlag den Krieg beenden. Dieses Unternehmen spielt sich grob gesagt in der Gegend des Auobtales zwischen Hoachanas, Gibeon und Gochas ab. Es gelingt den Deutschen nicht, die Nama zu umfassen und zu vernichten, diese verstreuen sich und führen bis ins Jahr 1907 einen Guerillakrieg, an dessen Ende der Feldzug des Hauptmann Erckert in die Kalahari steht. Erckert fällt dabei und der letzte Gegner Simon Kopper, der aus dem Auobtal stammt, erhält in British Betchuanaland (heute Botswana) Asyl und von der deutschen Reichsregierung eine „Leibrente“ unter der Bedingung, dass er nicht mehr nach Südwest zurückkehrt. Die Deutschen hätten womöglich den Kampf gegen die Nama verloren, hätten sie nicht zwei entscheidende Waffen gehabt, die sie letztlich in Vorteil brachten: Kanonen und Maschinengewehre. Gerade hier am Auob hat der Einsatz von nur zwei Kanonen mehrere Gefechte zugunsten der Deutschen entschieden.
Was sieht man heute noch davon?
1. Der alte Friedhof in Gochas beherbergt neben einem Denkstein in der Mitte eine große Anzahl von Gefallenen der Gefechte in dieser Gegend. Darunter fand auch Hauptmann Friedrich von Erckert hier seine letzte Ruhestätte. Der Friedhof liegt am Ortsrand von Gochas.

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2. An der Straße C15 steht beim Eingang der Farm der Denkstein zum Gefecht bei Groß-Nabas. Hier lag die Abteilung Meister unter dem Beschuss der Nama drei Tage lang an einer Wasserstelle ohne an diese heranzukommen. Ein Sturmangriff am dritten Tag in letzter Verzweiflung ließ einige Soldaten überleben, viele Gefallene liegen auf dem Friedhof in Gochas.

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3. Ebenfalls an der C15 ein paar Kilometer weiter steht ein weiterer Denkstein, der an die Gefallenen der Patrouillengefechte erinnerte. Den Kompanien wurden zur Erkundung meist Patrouillen vorausgeschickt. Die Nama, gut gedeckt hinter Felsen, ließen diese bis auf wenige Meter herankommen und schossen sie dann ab. Solche Patrouillen waren die reinsten Himmelfahrtskommandos. Der Denkstein stammt aus neuerer Zeit. Der alte, mit nicht mehr lesbarer Schrift liegt am Straßenrand daneben.

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Der meue Stein und der alte daneben:

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4. Wenige Kilometer nach Gochas liegt auf der rechten Straßenseite ein weiterer Denkstein, der an das Gefecht bei Gochas erinnert.

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5. Kurz danach steht auf der linken Seite unter einem Kameldornbaum mit einem riesigen Siedelwebernest ein weißer Denkstein, der an das Gefecht bei Haruchas erinnert. In diesen beiden Gefechten war der Einsatz von zwei Kanonen der Halbbatterie unter Olt. Stuhlmann entscheidend für den Ausgang.

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6. Erwähnung sollte vielleicht noch ein Grabstein finden, der auf dem ältesten Grab dieser Gegend steht. Hier wurde der Siedler Heinrich Rust begraben, der im Alter von nur 44 Jahren im Jahr 1894 in Gochas verstarb. Der Grabstein, der direkt neben der Kreuzung der C15 mit der C18 steht ist wohl etwas neuer.

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Viele Touristen fahren wohl die C15 auf der Fahrt in den KTP entlang, ohne sich darüber bewusst zu sein, dass sie durch eine historische Region fahren, die bis heute ihre Schatten in die Politik wirft (Reparationsansprüche der Herero und Nama mit Klage vor US-Gerichten).
So, das war jetzt die Abteilung für diejenigen, dioe sich auch ein wenig für die Geschichte des Landes interessieren.
Resümee für die Aub Country Lodge: Wir haben uns hier wohl gefühlt, haben nette Leute kennen gelernt, haben auf den Wanderungen ein ganz anderes Gefühl für die Landschaft bekommen und konnten nebenbei uns auch vom üblichen Stress des Alltags gut erholen.
Liebe Grüße:
Burschi
Teil 1012. Nov. 2017
Nach Fünf Tagen auf der Auob Country Lodge verlassen wir diese wieder.
Wir verlassen auch das Auobtal und fahren auf der C18 Richtung Gibeon. Auf der ersten Hälfte der Strecke muss man ständig die roten von Nord nach Süd verlaufenden Dünen queren. Welch anstrengende Tour muss es vor 100 Jahren gewesen sein, als man mit Ochsenkarren mit 24 Ochsen bespannt den Weg durch die Sanddünen unternehmen musste!
In Gibeon befindet sich direkt an der B1 ein weiterer Soldatenfriedhof. Hier sind zum einen Gedenksteine und Gräber für die Gefallenen im Namafeldzug Anfang des 20. Jahrhunderts, aber auch Soldaten der deutschen Schutztruppe und der Südafrikaner, die hier im Ersten Weltkrieg fielen, haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden.

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Die vordere Gräberreihe ist für die Gefallenen des Namakrieges. Hinten links sind die deutschen Gräber aus dem Ersten Weltkrieg und rechts die einheitlich grauen für die gefallenen Südafrikaner.
Dieser Soldatenfriedhof ist an der B1 ausgeschildert und liegt jenseits der Bahnstrecke gleich gegenüber dem kleinen Bahnhof, der ebenfalls noch aus der deutschen Kolonialzeit stammt und der als Station an der Bahnlinie von Windhuk nach Keetmannshoop 1911 eingeweiht wurde.
Auf der B1 fahren wir nach Norden bis Marienthal und biegen dann nach Westen auf die C19 nach Maltahöhe ab. Der Ort hat nicht allzuviel zu bieten, eignet sich eigentlich nur für eine kurze Kaffeepause mit Blick auf die beiden Kirchen. Die ältere ist aus dem Jahr 1929, die neue in moderner Bauweise steht genau gegenüber.

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Hier fahren wir auf der C14 nach Nordwesten zu unserer nächsten Station nach Büllsport.
„Büllsport“ ist eine Rinderfarm mit Gästebetrieb und einem vielfältigen Angebot auch für einen längeren Aufenthalt. Die Chalets sind in zwei Reihen innerhalb der Farm um das Hauptgebäude mit Pool und Terrasse gruppiert. Die Zimmer sind sauber und auch wieder zweckmäßig eingerichtet. Wlan gibt es im Restaurant, bzw. Aufenthaltsraum.

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Gegessen wird am Abend zusammen mit den deutschsprachigen Gastgebern auf der Terrasse im Freien. Abendessen und Frühstück sind sehr gut.
Die Lodge liegt am Eingang zur Naukluft und war früher die Pforte für den Durchgang für das Vieh durch das Gebirge. (Bulls Port = Bullenpforte). Auf dem Lodgegelände wurde ein Netz von Wanderwegen angelegt, die man selbst zu Fuß oder mit dem Bike (Leih-Mountainbikes sind vorhanden) erkunden kann.

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Man kann aber auch geführte Halb- und Ganztagestouren buchen. Es besteht auch die Möglichkeit die Gegend mit dem Pferd als Reiter zu erleben. Fachkundige Hilfe und Pferde sind vorhanden. Camper finden auf der Campsite etwas abseits des Hauses eine Campsite. Die Gästefarm / Lodge hat also einiges zu bieten und es ist eigentlich schade, dass sie von vielen nur als Zwischenübernachtung auf dem Weg nach Sossusvlei genutzt wird.
Teil 1112. Nov. 2017
Wir haben den ganzen Tag nach der ersten Übernachtung im Gebirge zugebracht. Zuerst unternahmen wir im Geländewagen eine Fahrt bis auf einen der ersten Gipfel in der Naukluft.
Eine sehr interessante Fahrt im Morgenlicht, bei der wir neben einer beeindruckenden Landschaft auch etliche Tiere gesehen haben, Kudus, Paviane, Klippspringer und Bergzebras.

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Von einem Aussichtspunkt haben wir einen tollen Ausblick auf die Gebirgslandschaft genossen.
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Jonathan, ein junger Farmer, fährt uns und erzählt sehr viel über Landschaft und Pflanzenwelt und das Farmen in der Naukluft. Wir fahren auch an einer Schaftränke vorbei, wo Vergangenheit und Moderne nebeneinander liegen. Früher wurde das Wasser mittels Windrad in einen großen offenen Steinbehälter gepumpt. Heute geschieht dies mit Solarpumpe in Plastikbehälter aus denen kein Wasser verdunsten kann.

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Gegen Mittag fahren wir dann noch in die Köcherbaumschlucht zum Wandern. Wir stoßen auf viele verschiedene Vegetations- und Gesteinsformationen.

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Mit zunehmendem Weg werden die Wasserstellen immer häufiger und die Vegetation immer interessanter.

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Nach der Rückkehr zur Lodge besuche ich noch die Campsite der Lodge, die etwas außerhalb liegt. Hier finden sich noch einige Ruinen aus der deutschen Kolonialzeit und zwei Gräber von Schutztrupplern aus den Jahren 1894 und 1915.

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Der erste Tote war hier also bereits vor dem hereroaufstand zu verzeichnen, als es im Süden der Kolonie bereits Widerstand gegen die Deutschen gab. Die Schutztruppe bestand damals nur aus wenigen Mann. Der letzte Gefallene starb hier wohl durch Einheimische, denn direkte Kampfhandlungen zwischen Südafrikanern und Deutschen fanden hier nicht statt.

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Was sagt uns der Schatten?
Bei all den Wanderungen sollte man aber unbedingt darauf achten, genügend Wasser mitzunehmen und in der Köcherbaumschlucht sind auf jeden Fall auch lange Hosenbeine ratsam, denn der Weg führt manchmal an kleinen Wasserstellen vorbei, die dicht bewachsen sind und man nicht immer sieht, wohin man tritt.
Das Abendessen nehmen wir wieder gemeinsam im Garten der Lodge ein. Das Zebrasteak war lecker!
Ganz ehrlich: Ich hätte eigentlich lieber Rind oder Schaf gegessen und nicht die netten Bergzebras, die ich am Morgen gesehen habe. 🤨 🤨
Die Unterkunft „Büllsport“ bietet so viele Möglichkeiten, dass nur eine Übernachtung auf dem Weg nach Sossusvlei eigentlich zu wenig ist. Drei Tage könnte man hier schon locker zubringen. Und ein paar Vögel lassen sich auch beobachten. 🙂 🙂 Als Beispiel nur einen der vielen Graulärmvögel, die hier unterwegs sind.

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So, das war der Aufenthalt in der Naukluft. Sesriem und Sossusvlei haben wir bewusst links liegen lassen.
Viele Grüße:
Burschi
Teil 1213. Nov. 2017
Wir verlassen am nächsten Tag Büllsport leider zu früh, denn ich habe Termine in Swakopmund, und wir fahren auf der C14 über Solitaire – kurzer Tankstopp - den Gaub-Pass und den Kuiseb-Pass nach Walvis Bay und gleich weiter nach Swakopmund. Die Straße ist hier in unterschiedlichem Zustand, mal supergut, weil frisch gehobelt, mal grottenschlecht. In Swakopmund stehen in erster Linie Treffen mit Bekannten an. Swakopmund will ich nicht näher beschreiben, denn darüber kann man im Forum mehr als genug lesen. Wir übernachten wie in letzter Zeit immer im Prinzessin-Rupprecht-Hotel.

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Das Hotel wurde 1902 als Lazarett gebaut, später als Rot-Kreuz-Heim von Schwestern weiter geführt und heute ist es Hotel und Altersheim im jinteren Teil. Im Hintergrund links hinter den Palmen ist die ehemalige Kaserne der Eisenbahnbaukompanie, heute Jugendherberge.
Zum einen gefällt mir die Tatsache, dass ich mit der Übernachtung im Hotel ein Altersheim unterstütze, zum anderen sind die Zimmer groß, sauber, zweckmäßig eingerichtet, bei Kälte auch heizbar und um das Gebäude herum gibt es einen wundervollen mit Liebe gepflegten Garten mit vielen Blumen und einigen Wasserstellen, an denen sich Vögel tummeln.

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Wellenastrile beim Baden
Außerdem ist die Unterkunft sehr günstig in Nähe des Strandes gelegen.
Swakopmund hat eine große Zahl an historischen Gebäuden, wer sich dafür interessiert, kann an einer speziellen Stadtführung teilnehmen (Anmeldung in einer kleinen Hütte zwischen Post und Cafe Anton) oder das Büchlein von Conny von Dewitz „Swakopmund der kleine Stadtführer“ zur Hand nehmen.
Der Weg am Strand entlang war zu dieser Zeit in ein Meer von Farben getaucht. Hier hat es sich die Stadt wohl einiges kosten lassen, ein solches Blütenmeer anzupflanzen.

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Oktober ist eben auch Frühlingszeit in Namibia und was bei uns die Krokusse und Tulpen sind, sind im südlichen Afrika eben die Mittagsblumen. Die Farben sind schon nahezu außerirdisch!
Teil 1313. Nov. 2017
Gegessen haben wir dieses Mal im TUG, im Farmhaus Deli (an der Mole im Strandhotel), im Bit n´ Pizza und im Europahof. In letzterem haben wir eigentlich immer gut und gerne gegessen, doch zurzeit sind dort immer mehrere Busse, wobei es dann im Restaurant am Abend derart laut ist, dass man sich kaum mehr vernünftig unterhalten kann. Alle anderen Restaurants können wir empfehlen.
Das TUG:
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Bei einem Stadtspaziergang wurde mir dann auch klar, warum der bekannte Holzmarkt umziehen musste. Auf dem Platz standen an Stelle der Holzverkäufer-Stände insgesant 7 Busse. Das erinnert mich sehr an ....

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Von meinen Treffen mit Bekannten will ich mit einer Ausnahme nicht berichten. Die im Forum bestens bekannten „African Vocals“ hatten am Samstag einen nationalen Wettbewerb in Windhoek gewonnen. Wir haben mit ihnen dann am Sonntag im Bit n´Pizza gefeiert. Sie haben spontan auch wieder einige Lieder zum Besten gegeben und im Nu war das Lokal gefüllt und es entwickelte sich eine tolle Feier.

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Am nächsten Tag hatten wir das Kontrastprogramm in Mondesa DRC, dem Township von Swakopmund, wo wir eine Frauenselbsthilfegruppe mit Kindergarten unterstützen. Eine „Tour“ ohne Begleitung würde ich in diesen Stadtteil nicht empfehlen, aber es ist auch gut, mal solche Bilder zu sehen, damit man Namibia nicht nur mit glänzenden Augen betrachtet.

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Da ist der kleine Kindergarten (derzeit etwa 80 Kinder) ja geradezu eine Oase. Hier werden die Kinder in drei Altersgruppen auf den Schulbesuch vorbereitet und erhalten Mahlzeiten.

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Natürlich könnte man noch viel über Swakopmund berichten, doch ich will das nicht zu sehr ausdehnen. Es gibt sehr viel zu sehen und zu erleben. Ob man eine Township-Tour machen sollte, lasse ich mal dahingestellt, denn diese führt auch oft nur an bestimmte Vorzeigepunkte. Aber die oft diskutuerte drei Tage Swakopmund kann man auf jeden Fall gut füllen.
Viele Grüße für heute:
Burschi
Teil 1414. Nov. 2017
So sind drei Tage in Swakopmund schnell vorbei und es geht zurück nach Windhoek. Zurück, weil ich ja am Anfang einen Tag verloren habe und an diesem ein Treffen mit den Lehrern der Fidel Castro Ruz Schule geplant hatte und außerdem noch zu Recherchen ins Nationalarchiv wollte. So musste ich also umplanen und statt über den Bosua-Pass auf B2 und B1 nach Windhoek fahren. Dafür wollte ich aber Karibib und Usakos nicht links liegen lassen. In Usakos verfolgte ich ein paar historische Spuren, fuhr mal abseits der Hauptstraße und konnte auch wieder was Neues entdecken.

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Die Stadtverwaltung ist heute im ehemaligen Hotel Roesemann untergebracht, welches 1908 gebaut wurde.

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Als Knotenpunkt der alten Otavi-Bahnlinie von Swakopmund nach Tsumeb war Usakos schon früh ein kleines Wirtschaftszentrum, in dem sich etliche Handwerker und Kaufleute niederließen.

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Eine alte Schlepptender-Lokomotive von Henschel und Sohn aus dem Jahr 1912 steht heute noch am Bahnhof.
Am Ortsende steht übrigens die Kirche einer weiteren Glaubensgemeinshaft, der Niederländisch Reformierten Kirche.

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In Karibib suchte ich gezielt die Christuskirche auf, die ebenso wie die Christuskirche in Windhoek vom bekannten Baumeister Gottlieb Redeker 1910 gebaut wurde.

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Das war die letzte Kirche in diesem Bericht! 😉 😄
Auch beim Durchfahren durch den Ort findet man weitere deutsche Spuren. Direkt an der Hauptstraße am einstigen Marktplatz stand das große Hotel Roesemann (ein früherer Großunternehmer, der einige Hotels besaß), das heute eine Filiale der FN-Bank ist.

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Und schließlich noch ein weiteres kleines Haus im Kolonialstil, das heute in ganz anderer Farbe erstrahlt und direkt an der Hauptstraße steht, wo es nicht zu übersehen ist.

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In Windhoek übernachteten wir dann wieder im Hotel Uhland, das in Gehentfernung zum Nationalarchiv und der Stadt ist. Für die Küche der Fidel Castro Ruz Schule in Katutura, für die wir in den vergangenen Jahren eine Küche gebaut haben, habe ich Nahrungsmittel eingekauft und dann abgegeben.

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Es ist immer wieder eine Freude zu sehen, dass eine Schule mit über 1200 Schülern perfekt funktioniert. Vor kurzem erst besuchte sie der Präsident und zeichnete sie aus.
Demnächst folgt die letzte Etappe der Reise.
Viele Grüße:
Burschi
Teil 1515. Nov. 2017
Hallo,
ich werde versuchen, heute mal zum Schluss zu kommen.
Nach einem Tag Zwischenaufenthalt in Windhoek geht es nach Norden an den Waterberg. Hier hatte ich mir für die letzten drei Tage die Wabi-Lodge als Standort ausgesucht. Diese Lodge liegt am östlichen Rand des Waterbergs, war ehemals eine Jagdfarm und wird nun als Game-Farm geführt. Schlechtere Kommentare in Bewertungsportalen haben mich an der Wahl zweifeln lassen, doch wir wurden sehr angenehm überrascht. Die Lodge liegt umgeben von einem grünen Garten, in dem sich bei Vogeltränken viele Vögel tummeln, sehr ruhig. Die Zimmer sind groß und sauber und jedes hat zusätzlich eine Terrasse mit Blick auf ein unterhalb des Hauses liegendes Wasserloch, wo fast immer etwas zu sehen ist. Der Pool ist sauber, das Essen sehr gut, es wird dabei sehr auf Unverträglichkeiten und Allergien Rücksicht genommen. Das Personal und die Chefin sind nett und freundlich und sehr hilfsbereit. Es gibt kein Wlan! Für mich kein Grund, eine Lodge nicht zu wählen, im Gegenteil, da komme ich nicht in Versuchung mit dem Wischkäszla zu spielen. SMS nach Hause kann man aber schicken. Das reicht.
Zwei ungewöhnliche Hobbys der Besitzuer haben mich etwas überrascht:
1. Überall im Garten laufen Pfaue herum. Dabei ein Dominator, der ununterbrochen die Weibchen beeindrucken muss.

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Irgendwann wird der vor lauter Angeberei tot umfallen, aber die Kronprinzen warten schon. 😄
Und dann ist da eine kleine Herde Büffel in einem Gehege nahe des Farmhauses.

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Aber Moment mal, das stimmt doch was nicht!? Die sehen irgendwie anders aus! Richtig, es sind keine afrikanischen Kaffernbüffel, sondern Wasserbüffel.
Die Farm hieß übrigens früher „Otjahewita“, was soviel wie „Letzter Kampfplatz“ bedeutet. Danach soll für die Herero nur die Flucht in die Omaheke möglich gewesen sein. Auf der Farm sind aber keine historischen Reste mehr auffindbar.
An einem Tag begab ich mich wieder auf historische Spurensuche. Natürlich stand als Erstes der bekannte Friedhof am Waterberg im Naturreservat auf dem Programm. Hier war ich schon vor etlichen Jahren schon zweimal gewesen, doch die Fotos hatten damals noch nicht die heute gewünschte Qualität.

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Es ist wohl der bekannteste Soldatenfriedhof in Namibia. Hier gibt es auch einen Denkstein zu einem Gefecht außerhalb des friedhofes. Im Innern sind verschiedenste Gräber, dabei auch liege viele Tote, die an Typhus gestorben sind.
Danach besuchte ich die Farm Hamakari, eine Jagd- und Gästefarm, die etwa 100 km von Wabi entfernt ist. Leider konnte ich mit den Eigentümern wenig sprechen, denn die waren gerade mit der Polizei wegen Wilderei beschäftigt. Leider ein inzwischen alltägliches Problem in Namibia. Doch mit Hilfe eines Angestellten konnte ich auf der Nachbarfarm Klein Hamakari einen Denkstein und einige Gräber dazu besuchen. Hier bei Hamakari fochten die Abteilungen v. Mühlenfels und v.d. Heyde und mussten empfindliche Rückschläge einstecken. Mit konsequentem Nachsetzen hätten die Herero hier den Krieg vielleicht anders gestalten können. Mitten im Busch befinden sich dazu zwei Denksteine und einige Gräber.

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Die beiden Gräberfelder sind nichtöffentlich zugänglich, stehen aber Gästen der Hamakari-Farm zur Besichtigung zur Verfügung. Hamakari ist eine Gäste- und Jagdfarm. Wer hier übernachtet, sollte dann mal zu Fuß zu den "Gefechtsfeldern" durch den Busch laufe. Dann bekommt man ein ganz leines Gespür dafür, was es hieß damals hier Krieg zu führen.
Das Entscheidenste waren die Wasserstellen am Waterberg, von denen wir einige wenige beim Gamedrive auf Wabi aufgesucht haben.

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Es sind meist kleine "Pfützen". Und dann stelle man sich mal vor, dass auf eine solche Wasserstelle Tausende von Hereros mit Zigtausenden von Rindern darauf zumarschieren. Und hinterher rücken die Soldaten der Schutztruppe vor. Wie sah dann wohl ein heute so idyllisches Fleckchen, wo man Webervögel und Hammerkopf beobachten kann, aus?
Nun, damit ist der "historische Teil" abgeschlossen. Es kommen keine Gräber und Denksteine mehr. Ich denke halt, dass auch heute noch die Denksteine Denkanstöße liefern können.
Teil 1615. Nov. 2017
Zurück auf der Farm, haben wir uns dann in aller Ruhe einem anderen Hobby gewidmet, dem Beobachten von Vögeln. Da immer irgendwo Wasser zu finden ist, so sind auch stets den Ganzen Tag Vögel zu beobachten. Hier für die Vogelfreunde, von denen es ja einige im Forum gibt, eine kleine Auswahl:

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Rotschnabelfrankoline, die "Wecker" Namibias 🤩 sind allgegenwärtig und vertragen sich mit den Pfauen gut.

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Riesenglanzstare suchen auf dem Rasen nach Insekten.

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Maskenweber haben eine Kolonie von Nestern direkt im Garten. Das Balzen und Werben der Männchen ist zu drollig, Besonders, wenn dann ein Weibchen das Nest inspiziert und ihm dann die kalte Schulter zeigt. Dieser hier hatte extra ein dakoratives Blatt mit eingeflochten. Es hat wenig genützt. 😄

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Nochmal Maskenweber? Nein, ein Cabanisweber!

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Schwalbenschwanzbienenfresser, einer meiner Lieblinge! 🤩

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Putzige Rotschnabelenten!

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Kardinalspecht
So, das war´s dann auch schon für die Vogelfreunde. Die Liste der beobachteten Vögel wäre noch lang und enthält unter anderem auch Pelikan, Schlangenadler, Weißbrustkormoran, Afrikanischer Löffler, Rotbauchwürger, Elsterdrossling, usw. usw.
Teil 1715. Nov. 2017
Doch zum Schluss möchte ich noch einmal auf den Gamedrive zu sprechen kommen, den wir als „Sundowner-Gamedrive“ zweimal gemacht haben, weil er uns beim ersten Mal so begeistert hat. Wir haben unglaublich viele Tiere gesehen und der Guide hatte auch ein gutes Auge und wusste uns auch wie schon erwähnt (Milchuhu habe ich vergessen!) mit einigen Vogelarten zu überraschen. In der Konkurrenz zu anderen „Game-Lodges“ kann Wabi gut mithalten: Giraffen, Lechwe-Antilopen, Wasserböcke, Weißschwanz- und Streifengnu, Roan-Antilope, Duiker, Oryx, Kudu, Springbock, Impala, Blessböcke, Hippos in einem großen Damm-Gelände, diverse Kleinsäuger.

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Die jungen Giraffen waren neugierig und zu putzig!

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Lechwe-Antilopen, eigentlich hier nicht heimisch, aber ich will hier keine Diskussion führen, ob Tiere in ihren nicht angestammten Lebensräumen sinnvoll sind. Aber auf jeden Fall noch wesentlich besser als in den Zoos dieser Welt.

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Wasserbock

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Blessbock

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Selten zu fotografieren, da sehr scheu, der Duiker.

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Hippos am großen Damm.

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Weißschwanzgnus (Black Wildebeest)
Teil 1815. Nov. 2017
Das waren nur einige der Säugetierarten auf dem Gamedrive. Doch es gab noch wesentlich mehr zu sehen und für mich persönlich sind die kleinen Überraschungen oft viel interessanter.

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Die erste Schildkröte wanderte mit recht großer Geschwindigkeit an uns vorbei. Man glaubt gar nicht, wie schnell die sein können.

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Kurz darauf noch eine zweite, reklativ große Schildkröte.
Und dann stoppt der Guide plätzlich und deutet nach links:

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Häh? Auf den ersten Blick ist nichts zu sehen ... der ist aber auch zu gut getarnt, der Ast!
Aber auf den zwiten Blick zeigt sich ein etzwa 2 1/2 Meter langer Python.

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Es war der erste große Python, den ich bei den vielen Afrika-Reisen gesehen habe! Welch eine Überraschung!
Und zum Schluss des Gamedrives, beim Sundowner gab es noch eine besondere Überraschung: Eine größere Tierart, deren Namen wir auf Bitte der Farmeigentümerin im Internet nicht nennen sollen. (Zu Recht!). Das Schattenbild vom Burschi und seiner Frau zeigt, wie nah wir den Tieren waren. Und das mit einem Glas Weißwein in der Hand! 🤩 🤩

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So, und ganz zum Schluss möchte ich noch die Blumen vom Gamedrive verteilen.

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Für uns ging es dann nach Windhoek zurück und ohne Probleme mit dem Flieger - leider - wieder heim. Für mich wird die Reise abseits der üblichen Touristenrouten (ohne Etoscha, KTP und Sossusvlei) unvergesslich bleiben. Ich bin kein Kirchenfanatiker und auch kein Denkmalfetischist, aber auf dieser Reise habe ich wieder Blickwinkel erkundet, für die ich vorher kein Auge hatte. Meinen schon angekündigten Entschluss "Nie wieder Namibia!" habe ich damit revidiert. Aber wenn ich dieses Land wieder besuchen werde, dann immer mit größter Entschleunigung und viel Aufmerksamkeit für die Kleinigkeiten am Rande. Natürlich stehen für den Erstbesucher andere Dinge im Vordergrund, aber ich kann nur jedem raten: Nimm dir Zeit! (und eine gesunde Neugierde!) und du wirst Erstaunliches entdecken. Weniger ist oft mehr und in manch Kleinem steckt gelegentlich das wahre Große.
Vielen Dank an alle, die mit Geduld den Reisebericht verfolgt haben,
liebe Grüße:
Burschi

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Teil 1921. Nov. 2017
Hallo,
ich muss nun als Schlusswort doch noch einmal auf den Anfang der Reise zurück kommen. Sie begann ja in Frankfurt katastrophal und ich habe durch die Flugverschiebung einen ganzen Tag verloren und konnte die Reise in Namibia erst einen Tag später beginnen, hatte also auch einen Tag die Automiete umsonst bezahlt.
Nach Rückkehr habe ich mich bei Air Namibia in Frankfurt beschwert. Sie haben schnell geantwortet und zur Ehrenrettung der Airline muss ich sagen, dass sie auch rasch reagiert haben und mir als Compensation 2/3 des Flugpreises zurück erstattet haben.
Danke Air Namibia!
Viele Grüße:
Burschi

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