Tag 3: Red Dune Camp -> Mesosaurus Camp, 228 km“Armer Köcherbaum,
Dein Name tut Dir Unrecht:
Edle Aloe.“Die einsetzende Morgendämmerung weckt uns sanft um 6 Uhr pünktlich zum tollen Sonnenaufgang über den endlosen Weiten der Kalahari. Nach ausgiebigem Frühstück in der angenehm wärmenden Sonne packen wir zusammen: Zu unserer Freude lässt sich nach etwas Bastelei das Zelt mit darin zusammengelegter Bettwäsche zusammenklappen, wodurch wir nun deutlich mehr Platz im Auto haben.
Obwohl wir uns zugegeben noch etwas ungeschickt beim Auf- und Abbau angestellt haben, möchte ich auch als Rückgriff auf Tag 2 unsere ersten Klappzelt-Erfahrungen mit euch teilen:
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(Am Ende des Urlaubs ging der Aufbau zu zweit in 3 und der Abbau in 7 Minuten.)
Ein paar Stichpunkte zum Red Dune Camp: nur erreichbar über eine kilometerlange berganführende Tiefsandpiste, ein bis drei Stellplätze in tiefem Sand mit einigen Holzplattformen für Bodenzelte; ein großer runder Holztisch mit 8-10 Sitz-Stämmen; eine Feuerstelle; eine Holz-Kapelle; ein zur Seite Richtung Kalahari am Abhang komplett offenes Klo mit Wasserspülung zur Selbstfüllung, die allerdings ein paar Meter unterhalb durch ein aufhörendes Rohr ihre Funktion nur bedingt erfüllt; eine ordentlich aussehende wasserlose Dusche mit Bastmatten; eine Baustelle mit schwerem Gerät, die wohl einmal neue Facilities mit Steinplatten und weiterem in dieser Gegend kaum erwartbaren Luxus bringen wird; ein bei uns offenbar leerer Wasserturm – und das alles auf einem großen Areal anscheinend nur zugehörig zu unserem Camp. Absolut empfehlenswert!

Um 8:30 Uhr verabschieden wir uns von diesem einzigartigen Ort, fahren die rote Piste herunter und testen unseren Reifenkompressor in der sicheren Umgebung der Einfahrt der Camp-Besitzerin. Nachdem wir uns von der Funktionsfähigkeit überzeugt haben, nehmen wir doch gerne ihren großen Kompressor in Anspruch – über die Autobatterie und unseren Mini-Kompressor wären wir gut und gerne eine Stunde beschäftigt gewesen. Während ein netter Mann unsere Reifen zurück auf 2.5 Bar aufpumpt, entdecke ich „Jammy“, einen Baby-Suritaken, dessen Mutter überfahren wurde und der deshalb von der Besitzerin adoptiert wurde. Jammy quietscht sich nach meinen Fingern schnappend, herumflitzend und nach Erdmännchenart Männchen-machend seinen Weg in mein Herz als das süßeste Fellknäuel, das ich jemals knuddeln durfte. Sooo niedlich!

Um 10 Uhr reiße ich mich schweren Herzens von Jammy los und wir verlassen die Mariental-Gochas-Gegend auf zu neuen Abenteuern Richtung Keetmanshop. Die landschaftlich äußerst reizvolle Fahrt durch die Kalahari führt uns von anfangs durch die von gestern bekannte Strauchvegetation über unzählige bewachsene rote Dünenberge und –täler bis zum Ende hin stellenweise dolorithgesteinhaltige Savanne. Die Flora begeistert durch die einzigartigen Köcherbäume, die Fauna dagegen ist bis auf die obligatorischen Siedelweber, etwas Nutzvieh, einige Geier und wenige leise blökende Steinböckchen unspektakulär.
Um 14 Uhr kommen wir als Déjà-vu zu gestern erneut an der „Rezeption“ an und müssen über eine 3 km lange 4x4-Strecke über relativ harten Sand, Stock und Stein bei normalem Reifendruck zum eigentlichen Camp fahren. Wie erwartet und erhofft liegt das Mesosaurus Camp inmitten eines „Waldes“ aus Köcherbäumen (die entgegen ihres Namens keine Bäume sondern Aloen sind), welche sich mit den umgebenden wollsackverwittert-aufgetürmten Dolorithgestein zu einer einmaligen wie aus einer anderen Welt wirkenden surreal-bizarren Landschaft verbinden.

Nach verdienter Brotzeitpause unter unserer tollen Markise und einer kleinen Erkundungstour mit Kudu-Weibchen- und Klippschliefersichtungen fahren wir um 16 Uhr zurück zur Rezeption und nehmen an einer vom alten lustig-egozentrischen holländisch-stämmigen Besitzer dieser „Spitskoppe“ genannten Farm persönlich geführten Besichtigungstour seines Geländes teil. Die Rundfahrt führt uns zu Schutztruppengräbern, zu namensgebenden Mesosaurus-Fossilien und schließlich zu einer einzigartigen Dolorithgestein-Formation, bei der die Klangsteine ihrem Namen alle Ehre machen – das StarWars-Imperial-Theme klingt nirgends so eindringlich, wie in solch einer außerirdisch wirkenden Gegend. Hinter allen Landschaften stecken unzählige interessante Geschichten und es ist wunderschön, wenn sie einem derart enthusiastisch und mitreißend erzählt werden, wie von diesem stolzen Farmbesitzer.

Zurück am Camp genießen wir einen atemberaubenden Köcherbaum-Sonnenuntergang mit irrwitzigen Silhouetten und einem farbenfrohen Himmel. Glücklicherweise ist das Camp sehr großzügig angelegt, sodass wir einen angenehmen Abstand zu den anderen Campern wahren können und diese nur über entfernte Feuerscheine wahrnehmen.

Eine hervorragende am Lagerfeuer gekochte Kartoffel-Kürbis-Pfanne später bewundern wir erneut den herrlichen Sternenhimmel, genießen Lagerfeuer-Romantik und gehen bei gefühlt etwas angenehmerer Außentemperatur um 22 Uhr ins Zelt und freuen uns tief und fest schlafend auf den nächsten Morgen.
