Reisebericht

1 Monat "Hakuna Matata" – Namibia & Botswana

von Leo-Löwe · begonnen 28. Jan. 2017 · 19 Teile

Teil 128. Jan. 2017
Jambo! 🙂

Ich möchte sehr gerne in den nächsten Wochen unsere wunderschönen Erlebnisse unserer ersten Afrika-Reise mit euch teilen teilen, die wir während unserer einmonatigen Roof Top Camper Tour letzten September/ Oktober in Namibia und Botswana (mit einem kurzen Abstecher nach Sambia und Simbabwe) machen durften. Einerseits möchte ich so selbst nochmals alles Revue passieren lassen, andererseits würde ich mich natürlich sehr freuen, wenn euch meine Fotos und Videos gefallen. 😊

Unsere vielleicht etwas ambitioniert klingende Route, die sich aber für uns Reiseerprobte wie erhofft vor Ort als völlig problemlos und für uns "perfekt" entpuppte, ging wie folgt:

Windhuk -> Red Dunes -> Mesosaurus-> Fish River Canyon -> Lüderitz -> Sossusvlei -> Swakopmund -> Ameib -> Spitzkoppe -> Etosha NP -> Rundu -> Kasane -> Victoria Falls -> Chobe NP -> Moremi NP -> Maun.



Wer es genau wissen will: In diesem Monat waren wir 5.526 km in 120 h Fahrzeit unterwegs und verbrauchten 610 Liter Diesel 😛

Da sich diese Kilometer und Stunden zu einem schönen Teil auf Pirschfahrten und ansonsten überwiegend auf wunderbar abwechslungsreichen größtenteils sehr gut befahrbare Pisten mit zahllosen Straßenrand-Tiersichtungen abspielten, gab es eigentlich keinen Moment der Eintönigkeit. 🤪

Wir waren zu viert in einem Double Roof Top Camper von AVIS unterwegs und haben bis auf wenige Ausnahmen in den Städten die größtenteils hervorragenden Campingplätze genossen. Alles war separat selbst organisiert. Erstaunlicherweise gab es keine größeren oder unlösbaren Schwierigkeiten, alles hat im Prinzip super funktioniert. Bei der Routenplanung war dieses Forum eine wirklich unschätzbare Hilfe. Vielen Dank und weiter so!!! 🙂

Hier ist ein "Trailer" unserer Reise. 😎
https://youtu.be/mjUPjyv_UCg

Hier gibt es den Reisebericht ohne Zwischen-Kommentare:
http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/291594-1-monat-hakuna-matata-namibia-botswana.html?rb=1&template=simple

Ganz liebe Grüße und wir lesen uns! 😁
Leo
Teil 231. Jan. 2017
Tag 1: Windhuk

„Oh Du, mein Windhuk:
Trotz Hauptstadt hast Du für uns
Nicht viel zu bieten.“


Gibt es etwas Schöneres, als an „Tag 0“ mit einem großen Rucksack voller Klamotten, Survival-Tools und Safari-Ausrüstung in die Arbeit zu gehen, in der Gewissheit, nach Feierabend zum Flughafen zu fahren und einen unvergleichlich tollen Urlaub vor sich zu haben, die neidischen Kollegenblicke genießend?

Alles läuft nach Plan: Um 21 Uhr hebt unsere doch komfortabler als erwartete South-African-Maschine ab, nach dem typisch unruhigen kurzen Flugzeugschlaf und absolut turbulenzfreiem Flug landet sie morgens sanft in Johannesburg und nur wenige Stunden später werden wir wenig erholt um 12 Uhr in Windhuk abgesetzt.



Nach einer bangen halben Stunde am Gepäckband und langwierigem Einreiseprozedere werden wir perfekt organisiert von unserer AVIS-Mitarbeiterin in Empfang genommen und durch die herrlich warme trockene namibische Landschaft vorbei an einigen Pavianen und Antilopen am Straßenrand zur etwas außerhalb liegenden AVIS-Station gefahren.



Anderthalb Stunden Einweisung durch vier sehr nette und sympathische Namibier später nehmen wir mit einem guten Gefühl unseren Ford Ranger Double Cab entgegeben, in der stillen Hoffnung, in den nächsten Wochen alle im Post-Flugzeug-Delirium erhaltenen Instruktionen auch in die Praxis umsetzen zu können bzw. diverse Notfallausrüstung möglichst nicht zu benötigen. Was wir nicht alles haben und wie durchdacht das doch alles eingebaut ist: Geschirr, Töpfe, Besteck, klappbarer Schneidetisch, Klapptisch, Klappstühle, Klappzelte, Bettwäsche, Vordach, Reifen-Kompressor, Wagenheber, Ballon-Wagenheber, 80l-Wassertank mit –hahn, Dusche, Reperaturkit, Kühlschrank, Abschleppvorrichtung, zwei 80l-Dieseltanks, zwei Autobatterien undundund... Ein Meisterwerk des Offroad-Campings!

Dank vorheriger Geländewagen- und Linksverkehr-Erfahrungen kommen wir um 16 Uhr wohlbehalten an unserer Pension an. Nach einem ersten Rock Shandy und kurzer Regeneration spazieren wir ein wenig im Stadtzentrum herum, da aber offenbar alle Bordsteine schon hochgeklappt sind, gehen wir nach kurzer Besichtigung von Christuskirche und Alter Feste direkt lecker essen und fallen in stiller Vorfreude auf die kommenden abenteuerlichen Tage todmüde um 21 Uhr ins Bett.

Teil 301. Feb. 2017
Tag 2: Windhuk -> Red Dune Camp, 412 km

„Dornstrauchsavanne.
Endlos weit nur Totes Land.
Doch dort: ein Zebra.“


Nach langem, schwerem, traumlosen Schlaf stehen wir um 8 Uhr auf, frühstücken ausführlich und beladen konzentriert unseren Camper. Gut, dass wir alle nur eine kleine Tasche dabeihaben, und gut, dass wir als ehemalige Tetris- und Tangram-Fans unsere Ausrüstung platzausnutzend zu verstauen wissen. Viel Platz nehmen jedoch die Säcke mit Bettdecken und Kopfkissen weg, wir haben allerdings die Hoffnung, diese nach der ersten Zeltnacht im Zelt mit einklappen zu können. Nachdem wir in einem nahegelegenen Supermarkt ausführlich die ersten Vorräte eingekauft haben, starten wir um 11 Uhr endlich in die Natur.

Da wir doch etwas später als gedacht loskommen und die ersten Kilometer durch die Kalahari lieber gemütlich einfahren und uns an das noch ungewohnte Auto gewöhnen wollen, fahren wir bis Mariental über den geteerten „Highway“, der sich als überraschend schön herausstellt: Begraste und bestrauchte Dünen, viele idyllische Rastplätze mit Akazienschatten und Bank, hin und wieder vereinzelte riesige Webervogelnester und ein krasser Kontrast zwischen moderner Teerstraße und öder Dornstrauchsavanne lassen keine Langeweile aufkommen. Dabei kreuzen wir zum ersten Mal den Wendekreis des Steinbocks.



Ab Mariental fahren wir abseits des „Touri-Highways“ über Kies- und Staubpisten, was sich auch im Verkehr widerspiegelt: einheimisch aussehende Lieferwägen, auf der Ladefläche mit Menschen besetzte Pick-Ups und Eselkarren. Hin und wiederlockert eine mit windbetriebenen Wasserpumpen ausgestattete Farm den Straßenrand auf.



Vorbei an vielen Schaf-, Ziegen- und Riderherden, gigantischen Siedelwebernestern an Bäumen, Strom- und Telefonmasten und –kabeln und einigen scheuen Böckchen und Klippschliefern entdecken wir plötzlich während der Bewunderung eines riesigen Siedelwebernests vor einem Gedenkstein hunderte Meter entfernt ganz oben auf einem weit entfernten Berg ein wachsames Hartmann-Bergzebra – ein seltener Anblick, unglaublich, unerwartet und wunderschön!



Überwältigt von der einzigartigen Natur kommen wir um 17 Uhr an der „Rezeption“ des Red Dune Camp an, unterhalten uns kurz sehr einseitig mit einer „Hello“ krächzenden 25jährigen blauen Ara-Dame und wundern uns etwas über die fehlenden versprochenen namensgebenden Roten Dünen. Die Vorreservierung hat geklappt und die nette Besitzerin schickt uns mit der gut gemeinten Warnung „Don’t get stuck or we have to take you out!“ mit auf 1.5 Bar reduziertem Reifendruck im 4H-Modus eine 3 km lange Tiefsandpiste bergauf. Fraser-Island-erfahren meistern wir diese erste Offroad-Prüfung problemlos und wir fahren zu unserem Camp, mitten in den erwähnten Dünen, durch ein halb im Sand vergrabenes Schild und diverse Holz-Aufbauten unschwer zu erkennen.



Das Camp ist menschenleer und die exponierte Lage einmalig: An einer Kante inmitten schwach bewachsener Sanddünen, rot wie im Bilderbuch, mit traumhafter Aussicht über die Talebene zeigt sich, wie die Kalahari von der einstigen Sandwüste über Jahrhunderte durch Akazien, Sträucher und Gräser fixiert und bewachsen zur heutigen Dornstrauchsavanne wurde.



Ohne größere Probleme bauen wir innerhalb weniger Minuten die beiden Dachzelte auf und müssen hier bereits erstmals unser Improvisationsgeschick unter Beweis stellen: Ein Reißverschlussreiter löst sich durch eine geplatzte Naht von seinem Reißverschluss, welcher sich aber durch Fingerspitzengefühl wieder auffädeln und durch eine Sicherheitsnadel für die Zukunft fixieren lässt. Bei angenehmer Restwärme genießen wir einen tollen Sonnenuntergang, machen im Dämmerlicht Feuer und grillen bei zunehmender Dunkelheit an der beinahe luxuriös ausgestatteten Feuerstelle.



Warm eingepackt genießen wir kurz einen atemberaubenden Sternenhimmel, bevor der frühe Mondaufgang die Szenerie in ein gespenstig-blaues Licht taucht.

Am Lagerfeuer genießen wir die Einsamkeit, lassen unseren ersten tollen Afrika-Tag mit durchaus solidem einheimischem Bier ausklingen und ziehen uns schließlich um 22 Uhr in unsere Zelte zurück. Mit warmer Ski-Unterwäsche schlafen wir in der nächtlichen Wüstenkälte unter der Doppel-Bettdecke bei umgebender Totenstille und Temperaturn um den Gefrierpunkt etwas unruhig aber erholsam – das Zelt ist wirklich groß und komfortabel, einzig die Füße der Partnerin dürften etwas wärmer sein...

Teil 408. Feb. 2017
Tage 3 bis 8: Red Dune Camp -> Sossusvlei

Bevor ich in Kürze die nächsten Tage detailliert schildern werde, erhaltet ihr hier schonmal vorab einen Eindruck über unsere nächsten anderthalb Wochen: Wir fahren vom Red Dune Camp zum Köcherbaumwald am Mesosaurus Camp und weiter zum Hobas Camp am Fish River Canyon. Nach einer weiteren Nacht bei den heißen Quellen von Ai-Ais fahren wir einen langen Tag „untenrum“ teilweise entlang des idyllischen Orange River nahe der Grenze nach Südafrika bis nach Lüderitz. Einen schönen Abend in diesem alten deutschen Städtchen am Atlantik später fahren wir mit kurzem Stopp in der sehr sehenswerten Geisterstadt Kolmanskuppe wiederum einen langen Tag bis zum Camp bei Sossusvlei. Dank zweier Nächte dort verbringen wir einen kompletten wunderschönen Tag von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang bei den malerischen schönen Dünen der Namib-Wüste.

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Teil 510. Feb. 2017
Tag 3: Red Dune Camp -> Mesosaurus Camp, 228 km

“Armer Köcherbaum,
Dein Name tut Dir Unrecht:
Edle Aloe.“


Die einsetzende Morgendämmerung weckt uns sanft um 6 Uhr pünktlich zum tollen Sonnenaufgang über den endlosen Weiten der Kalahari. Nach ausgiebigem Frühstück in der angenehm wärmenden Sonne packen wir zusammen: Zu unserer Freude lässt sich nach etwas Bastelei das Zelt mit darin zusammengelegter Bettwäsche zusammenklappen, wodurch wir nun deutlich mehr Platz im Auto haben.

Obwohl wir uns zugegeben noch etwas ungeschickt beim Auf- und Abbau angestellt haben, möchte ich auch als Rückgriff auf Tag 2 unsere ersten Klappzelt-Erfahrungen mit euch teilen:

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(Am Ende des Urlaubs ging der Aufbau zu zweit in 3 und der Abbau in 7 Minuten.)

Ein paar Stichpunkte zum Red Dune Camp: nur erreichbar über eine kilometerlange berganführende Tiefsandpiste, ein bis drei Stellplätze in tiefem Sand mit einigen Holzplattformen für Bodenzelte; ein großer runder Holztisch mit 8-10 Sitz-Stämmen; eine Feuerstelle; eine Holz-Kapelle; ein zur Seite Richtung Kalahari am Abhang komplett offenes Klo mit Wasserspülung zur Selbstfüllung, die allerdings ein paar Meter unterhalb durch ein aufhörendes Rohr ihre Funktion nur bedingt erfüllt; eine ordentlich aussehende wasserlose Dusche mit Bastmatten; eine Baustelle mit schwerem Gerät, die wohl einmal neue Facilities mit Steinplatten und weiterem in dieser Gegend kaum erwartbaren Luxus bringen wird; ein bei uns offenbar leerer Wasserturm – und das alles auf einem großen Areal anscheinend nur zugehörig zu unserem Camp. Absolut empfehlenswert!



Um 8:30 Uhr verabschieden wir uns von diesem einzigartigen Ort, fahren die rote Piste herunter und testen unseren Reifenkompressor in der sicheren Umgebung der Einfahrt der Camp-Besitzerin. Nachdem wir uns von der Funktionsfähigkeit überzeugt haben, nehmen wir doch gerne ihren großen Kompressor in Anspruch – über die Autobatterie und unseren Mini-Kompressor wären wir gut und gerne eine Stunde beschäftigt gewesen. Während ein netter Mann unsere Reifen zurück auf 2.5 Bar aufpumpt, entdecke ich „Jammy“, einen Baby-Suritaken, dessen Mutter überfahren wurde und der deshalb von der Besitzerin adoptiert wurde. Jammy quietscht sich nach meinen Fingern schnappend, herumflitzend und nach Erdmännchenart Männchen-machend seinen Weg in mein Herz als das süßeste Fellknäuel, das ich jemals knuddeln durfte. Sooo niedlich!



Um 10 Uhr reiße ich mich schweren Herzens von Jammy los und wir verlassen die Mariental-Gochas-Gegend auf zu neuen Abenteuern Richtung Keetmanshop. Die landschaftlich äußerst reizvolle Fahrt durch die Kalahari führt uns von anfangs durch die von gestern bekannte Strauchvegetation über unzählige bewachsene rote Dünenberge und –täler bis zum Ende hin stellenweise dolorithgesteinhaltige Savanne. Die Flora begeistert durch die einzigartigen Köcherbäume, die Fauna dagegen ist bis auf die obligatorischen Siedelweber, etwas Nutzvieh, einige Geier und wenige leise blökende Steinböckchen unspektakulär.

Um 14 Uhr kommen wir als Déjà-vu zu gestern erneut an der „Rezeption“ an und müssen über eine 3 km lange 4x4-Strecke über relativ harten Sand, Stock und Stein bei normalem Reifendruck zum eigentlichen Camp fahren. Wie erwartet und erhofft liegt das Mesosaurus Camp inmitten eines „Waldes“ aus Köcherbäumen (die entgegen ihres Namens keine Bäume sondern Aloen sind), welche sich mit den umgebenden wollsackverwittert-aufgetürmten Dolorithgestein zu einer einmaligen wie aus einer anderen Welt wirkenden surreal-bizarren Landschaft verbinden.



Nach verdienter Brotzeitpause unter unserer tollen Markise und einer kleinen Erkundungstour mit Kudu-Weibchen- und Klippschliefersichtungen fahren wir um 16 Uhr zurück zur Rezeption und nehmen an einer vom alten lustig-egozentrischen holländisch-stämmigen Besitzer dieser „Spitskoppe“ genannten Farm persönlich geführten Besichtigungstour seines Geländes teil. Die Rundfahrt führt uns zu Schutztruppengräbern, zu namensgebenden Mesosaurus-Fossilien und schließlich zu einer einzigartigen Dolorithgestein-Formation, bei der die Klangsteine ihrem Namen alle Ehre machen – das StarWars-Imperial-Theme klingt nirgends so eindringlich, wie in solch einer außerirdisch wirkenden Gegend. Hinter allen Landschaften stecken unzählige interessante Geschichten und es ist wunderschön, wenn sie einem derart enthusiastisch und mitreißend erzählt werden, wie von diesem stolzen Farmbesitzer.



Zurück am Camp genießen wir einen atemberaubenden Köcherbaum-Sonnenuntergang mit irrwitzigen Silhouetten und einem farbenfrohen Himmel. Glücklicherweise ist das Camp sehr großzügig angelegt, sodass wir einen angenehmen Abstand zu den anderen Campern wahren können und diese nur über entfernte Feuerscheine wahrnehmen.



Eine hervorragende am Lagerfeuer gekochte Kartoffel-Kürbis-Pfanne später bewundern wir erneut den herrlichen Sternenhimmel, genießen Lagerfeuer-Romantik und gehen bei gefühlt etwas angenehmerer Außentemperatur um 22 Uhr ins Zelt und freuen uns tief und fest schlafend auf den nächsten Morgen.

Teil 603. März 2017
Tag 4: Mesosaurus -> Hobas, 224 km

„Starke Aloe,
Heimat der Siedelweber.
Bewacht vom Spießbock.“


Nach einer durchgeschlummerten Nacht weckt uns wie gewohnt die Morgendämmerung um 6:30 Uhr. Wir genießen einen traumhaften Köcherbaum-Dolorithgestein-Sonnenaufgang und verlassen nach einem lecker-stärkenden Frühstück um 8:30 Uhr das wirklich absolut besuchenswerte Camp.



Nach nötigen Stopps zum Tanken und Lebensmittelkaufen in einer ordentlichen Mall in Keetmanshop fahren wir weiter Richtung Süden. Nach wenigen Minuten besichtigen wir noch kurz den „Giant’s Playground“ und den Köcherbaumwald bei Keetmanshop, welche aber nicht mit der Landschaft am Mesosaurus Camp mithalten können. Über teilweise ekelhafte Wellblech- und Schotterpisten kämpfen wir uns weiter nach Süden und überstehen auch unbeschadet die gefährliche Überquerung eines unbeschrankten Bahnübergangs.



Gut durchgeschüttelt erreichen wir um 15 Uhr das Hobas Camp am Fish River Canyon. Die Strecke zieht sich auch deshalb zeitlich in die Länge, weil wir unzählige Foto- und Beobachtungs-Stopps für Strauße, Springböcke und Spießböcke einlegen „müssen“. Eine wunderschöne Natur am Straßenrand! Mein persönliches Highlight: Ein großer Köcherbaum, der einer Siedelweberkolonie Heimat und einem Oryx Schatten spendet.



Am gut besuchten riesigen Campingplatz mit großen und sehr guten Sanitäranlagen trübt allgegenwärtiger Baustellenlärm ein wenig die Naturerfahrung. Dennoch entspannen wir uns nach der langen Fahrt bestmöglich bei einer stärkenden Brotzeit und beobachten die Paviane, die sich an den schlecht gesicherten Mülltonnen vergreifen. Nach einer dringend nötigen Dusche fahren wir um 17:30 Uhr über eine 10 km lange gute Schotterstraße zum Hobas Point.

Da viele riesige Busse mit lärmenden Touristen die gleiche Idee hatten, fahren wir noch einige Minuten an der Canyon-Kante auf schwer sichtbarer 4x4-Piste weiter und genießen abseits vom Trubel einen ziemlich schönen Sonnenuntergang – leider geht die Sonne „auf der falschen Seite“ unter, was uns aber umso mehr auf ein tolles Morgenlicht am nächsten Tag hoffen lässt. Dieser zweitgrößte Canyon der Welt hat anders als der Waimea Canyon auf Hawai’i oder der Colca-Canyon in Peru eine frappierende Ähnlichkeit zum Grand Canyon in Arizona, zumal der auf einmal sichtbare Bereich nur unwesentlich kleiner ist. Der Aussichtspunkt erinnert etwas an den Horseshoe Bend. Der Fish River, der sich hier durch den Canyon schlängelt, ist bei uns am Ende der Trockenzeit weniger Fluss als unzusammenhängende übrig gebliebene Wassertümpel. Wirklich ein unerwartetes Naturwunder, das gar nicht nach „Afrika“ aussieht.



Nach einem leckeren am Lagerfeuer gekochten Chili con Carne grillen wir Marshmallows und genießen den Sternenhimmel. Alles ist hier auf diesem NWR-Campingplatz deutlich „kommerzieller“ und voller als bei den beiden vorherigen naturnahen Nächten – insbesondere die lärmenden Reisebusse lassen uns sehnsuchtsvoll an die Stille und Einsamkeit der vergangenen Nächte zurückdenken. Bei sehr angenehmer Temperatur ziehen wir uns um 22 Uhr ins Zelt zurück, schauen uns ein wenig die aufs Handy gesicherten Fotos an und lassen die letzten wunderschönen Tage gedanklich Revue passieren.
Teil 707. März 2017
Tag 5: Hobas -> Ai-Ais, 91 km

„Fish River Canyon,
Zweitgrößter deiner Art. Und:
Wellness-Oase.“


Nach einer angenehm warmen Nacht stehen wir um 7 Uhr auf, packen gemütlich unsere Sachen zusammen und fahren erneut zum Hobas Point. Bei traumhaftem Licht der noch tief hinter uns stehenden Sonne und tollem Canyonblick frühstücken wir ausführlich auf dem idyllischen Picknick-Platz und genießen den wunderschönen Ausblick und die mit steigender Sonne kürzer werdenden Canyon-Schatten. Wie erwartet ist der Fish River Canyon am Hobas Point ein lohnendes „Morgenziel“. Ein wenig störend sind die zahllosen voll besetzten Tourbusse, die etappenweise ihre lärmende Fracht um uns herum verteilen. Wie froh sind wir, individuell zu reisen!



Um noch etwas Ruhe zu finden unternehmen wir eine kleine Wanderung zu Fuß entlang des Canyon-Rims zum Hiker’s Point, bei dem in der kälteren Jahreszeit die lange Canyon-Durchquerung beginnt. Bei allmählich einsetzender Hitze bestaunen wir den hier deutlich erkennbaren einzigartigen „Canyon im Canyon“.



Um 12 Uhr treten wir schließlich die nur 70 km lange Fahrt zum zweiten NWR-Camp am Fish River Canyon, Ai-Ais, an. Wir benötigen hierfür gute zwei Stunden, da diese wahnsinnig abwechslungsreiche Landschaft mit ihren Köcherbäumen, Bergen, Dünen, Sträuchern und Gräsern im ständigen Wechsel mit Straußen, Springböcken, Steinböckchen und Spießböcken zahlreiche Foto-Stopps verlangt. In Ai-Ais angekommen entspannen wir bei 34°C im Schatten und kochen uns ein leckeres Omelett.



Ai-Ais ist eine unerwartete sehenswerte Oase mitten in der Ödnis: Bei diesem Kleinst-Dorf handelt es sich eigentlich um wenig mehr als einen Campingplatz mit Lodges, Rezeption, Bar, Restaurant, Mini-Shop und Stellplätzen. Die Lage jedoch ist einzigartig: luxuriös am Fish River Canyon zwischen massiven Bergen und den berühmten heißen Quellen. Nachdem die Außemtemperaturen etwas auf ein etwas erträglicheres Maß gesunken sind, genießen wir das Highlight – sehr schön hergerichtet lädt ein großer tropisch wirkender ovaler-gefließter Pool umgeben von Bergen und Palmen zum Relaxen an. Wer hätte gedacht, dass in dieser unwirtlich wirkenden Gegend eine „Wellness-Oase“ steht, deren aus der Erde natürlich entspringendes heißes Quellwasser auf ca. 45°C abgekühlt wird, bevor es in den Pool geleitet wird? Der tropische Eindruck wird durch einige ertrunken herumtreibende fast handtellergroße Taranteln verstärkt, die wir dann doch vor dem entspannenden Bad aus dem Wasser bugsieren.



Nach einem leckeren Amarula an der Restaurant-Bar kochen wir uns eine Kartoffel-Kürbis-Pfanne und verabschieden uns mit einem romantischen Abendschwumm bei mittlerweile kühler Temperatur im heißen Wasser gebührend vom Fish River Canyon.
Teil 812. Mai 2017
Tag 6: Ai-Ais -> Lüderitzbucht, 447 km

Als Streifen Leben
Durchzieht der Orange River
Die tote Wüste.


Wir stehen wieder um 7 Uhr auf, packen zusammen und starten um 7:30 Uhr zurück Richtung Norden. Nach einer kurzen Strecke auf dem gleichen Weg zurück biegen wir schnell Richtung Orange River ab, um „unten rum“ nahe der Grenze zu Südafrika nach Lüderitzbucht zu fahren. Um 8:30 Uhr frühstücken wir an einem unverschämt idyllischen Wüstenplatz und genießen die herrliche Aussicht.



Auf der Weiterfahrt zum Orange River offenbart sich ein unglaubliches Bild: Trotz unserer Reisezeit am Ende der Trockenzeit führt der Fluss viel Wasser. Inmitten tot wirkender grauer Wüste schlängelt sich ein schmales Band aus blauem Fluss und angrenzendem grünen Uferstreifen. Im Fluss schwimmen Fische und Enten, am Fluss finden wir Kormorane, Schreiseeadler, Raubkatzenspuren und viele Paviane. Dieser kleine Garten Eden bildet einen irren Kontrast aus scheinbar toter Wüste und einem schmalen Streifen Leben.





Nach einer relativ langen aber sehr abwechslungs- und überraschenderweise antilopenreichen Fahrt auf größtenteils hervorragender Schotterpiste kommen wir bereits um 14:30 Uhr auf den Highway, der uns die letzten Kilometer durch wunderschön surreal wirkende Landschaften geteert zu unserem Tagesziel führt.



Unerwarteter Weise wird es jäh sehr windig, wodurch die Dünen links und rechts der Straße für permanente Sandstürmchen sorgen, die ihre quarzhaltige Fracht über den Asphalt peitschen. Hier möchte der durchreisende Tourist einfach nur schnell und heil mit geschlossenem Auto sein Ziel erreichen. Auch wenn wir uns gerne Kolmannskuppe angesehen hätten, die Devise heißt „bloß nicht aussteigen“. Oder Zugfahren: Wanderdünen am parallel zum Highway verlaufenden Gleis sorgen für wochenlange Verspätungen und eine sisyphusartige Arbeit der wenigen sporadisch in ihren Baggern sitzenden und sich an ihren Schaufeln festhaltenden Gleisfreiräumer. Oder Fliegen: Die vereinzelten winzigen Flughäfchen mit ihren sandumstürmten Start- und Landebahnen erwecken wenig Lust auf Luft-Abenteuer.



Lüderitzbucht zeigt sich uns leider nicht von seiner freundlichsten Seite: Die atlantiktypische kalte und windige Witterung fährt durch Mark und Bein und gibt diesem Städtchen eine äußerst ungemütliche Note. Da mir irgendwie das Gen fehlt, mich für Städte-Charme und –Flair begeistern zu können, habe ich diesen Abstecher eher enttäuschend in Erinnerung: wenig zu sehen, alle Läden geschlossen, nichts los. Nach einem leckeren Abendessen im Ritzi’s gehen wir um 21 Uhr bei Dunkelheit zurück und fühlen uns dabei sehr sicher. So ungemütlich und schroff es draußen ist, so warm und gemütlich ist es im Inneren.

Teil 917. Mai 2017
Tag 7: Lüderitzbucht -> Sesriem, 460 km

Verwüstete Stadt,
jahrzehntelang verlassen.
Kolmanskop im Sand.


Wir stehen um 7 Uhr auf, frühstücken in unserer Unterkunft, kaufen für die bevorstehenden Wüstenabenteuer groß ein, tanken und kehren voller Vorfreude auf wüstiges Schwitzen der windig-kalten Lüderitzbucht den Rücken. Da der Wind sich bei Kolmanskuppe zumindest ein klein wenig zurückgezogen hat, legen wir eine einstündige Besichtigungspause ein.



Gerade mit dem sandsturmartigen Klima zeigt uns diese Geisterstadt tiefe Einblicke in ihre Geschichte: Wie sie vor acht Jahrzehnten als reichste Stadt Namibias „indoor“ allen erdenklichen Luxus wie Schwimmbad und Kegelbahn bot, während die widerstandsfähigen Männer „outdoor“ durch ausdauerndes Diamantgraben in der lebensfeindlichen Wüste diesen Wohlstand finanzierten. Die vielen sandgefüllten größtenteils gut erhaltenen Häuser bilden ein einzigartiges eindrucksvolles Freiluftmuseum.



Ausreichend „sandbestrahlt“ fahren wir um 11 Uhr die Teerstraße zurück, als sich plötzlich der Wind legt und der Himmel aufklart. Endlich können wir einen näheren Blick auf die sandbewehten Schienen werfen.



Wir folgen schließlich den Schotterpisten gen Norden. Da diese in teilweise miserablem Zustand sind, wodurch wir relativ langsam fahren müssen, entscheiden wir uns für den kürzesten Weg, leider zu Ungunsten der vielgeprießenen D 707: Wir müssen immerhin an unserem NWR-Camp in Sesriem innerhalb des Parks ankommen, bevor die Schranke schließt. Ohne größere Stopps durchqueren wir landschaftlich wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaften: Sandwüste, Strauchsavanne, Berge.



Als wir uns sicher sind, rechtzeitig anzukommen, vertrödeln wir die verbleibende Zeit mit vielen eindrucksvollen Fotostopps. Wieder einmal hat uns die namibische Fauna unerwartet positiv überrascht: Ich hätte nicht zu hoffen gewagt, tatsächlich die berühmten Oryx-Antilopen in freier Wildbahn abseits vom Etosha-Park zu sehen, und hier, direkt vor dem sossusvleibedingten Trubel, säumen dutzende die letzten Kilometer bis zum Parkeingang – direkt neben der Straße und überhaupt nicht scheu. Wir können uns überhaupt nicht sattsehen.





Pünktlich um 17:45 Uhr kommen wir im Camp an und erledigen die gewohnte NWR-Bürokratie. Wir suchen uns einen wunderschönen Camp Site aus, den ein rundes Mäuerchen umgibt und der mit einer pompösen Akazie bewachsen ist. Den gewohnt phänomenalen Sternenhimmel nehmen wir beinahe schon als selbstverständlich zur Kenntnis, während wir uns unser nach diesem langen Fahrtag verdienten Abendessen grillen. Durch das morgen nötige sehr frühe Aufstehen gehen wir um 22 Uhr ins Zelt und genießen eine warme Nacht voller Vorfreude und Hoffnung auf tolle morgige Wüstenerlebnisse.
Teil 1026. Mai 2017
Tag 8: Sesriem, 127 km

Glühende Dünen
Von göttlicher Schönheit, doch:
Bei Sandsturm ein Graus.


Müde stehen wir um 5:15 Uhr auf, frühstücken wenig und kurz, packen unsere Zelte zusammen (der größte Nachteil eines Dachzeltcampers!) und brechen super pünktlich um 5:55 Uhr auf – da wir auf dem NWR-Camp innerhalb des Parks übernachtet haben, dürfen wir lange vor Sonnenaufgang und den externen Besuchern losfahren. Bei Dunkelheit kommen wir zügig über die geteerte Straße zum Parkplatz der Düne 45 und beginnen um 6:45 Uhr kurz vor Sonnenaufgang inmitten einer Touristen-Karawane den Aufstieg. Was wir für ein Glück haben, dass es fast windstill ist, werden wir erst später schmerzhaft erkennen...



Trotz vieler menschlicher Hindernisse, die im Schneckentempo den Berg hinaufkriechend sich so breit wie möglich machend das Überholen für uns konditionell trainierte Bergerfahrene erschweren, erreichen wir nach nur einer guten aber sehr anstrengenden Viertelstunde als die allerersten exakt zum Sonnenaufgang den Gipfel. Was für ein Anblick! Während wir das einmalige 360-Grad-Wüstenpanorama genießen, kommen wir wieder zu Atem. Rechts eine scharfe und unberührte Dünenkante, ringsum ein scheinbar unendliches Dünenmeer und vorne die über die Sandberge am Horizont blinzelnde Sonne, die die gesamte Szenerie in ein unwirkliches Licht-Schattenspiel hüllt und in ein leuchtend-glühendes Rot taucht. Unbeschreiblich!



Nach ausführlichem Genuss rutschen wir, mit einer kurzen Fotopause, in Minuten ab.



Als wieder zurück am Dünenfuß allmählich die Autoschlangen der externen Besucher, die leider diesen magischen Morgenmoment auf der Düne verpassen mussten, den Parkplatz füllen, fahren wir bei rot glühenden Dünen und strahlend blau leuchtendem Himmel zum Ende der Teerstraße. Wir reduzieren den Reifendruck wie empfohlen auf 1,6 Bar und freuen uns unbändig, als wir in einiger Entfernung eine Oryx-Antilope grasen sehen. Auch wenn sie bei Weitem nicht in Kamerareichweite ist, durch das Fernglas sind sie wunderschöner majestätischer Anblick.

Über die für uns sehr einfach zu fahrende nicht besonders tiefe Sandpiste fahren wir bis zum Deadvlei-Parkplatz. Wir bereiten uns gerade auf ein verdientes Frühstück vor, als uns ein jäh aufziehender Sandsturm die Launigkeit der Wüste vor Augen führt: Urplötzlich ist die ganze Luft voller Sand, so dass der vorher noch strahlend blaue Himmel ein trübes dunkelgrau zeigt und die vorher noch sichtbaren Dünen am Horizont verschwunden sind. Wir hoffen, den Sandsturm auszusitzen und nehmen, bestmöglich durch das Auto und Sarongs geschützt, ein ungemütliches quarzhaltiges Frühstück ein. Rückblickend spüre ich immer noch den stechenden Sand auf der Haut und die Ungemütlichkeit, aber irgendwie war es auch ein einmaliges Erlebnis.

Um 11 Uhr, nachwievor keine Besserung in Sicht, beschließen wir, den Tag immerhin sportlich weiterzuführen und fahren zum namengebenden Sossusvlei, in der stillen Hoffnung, bei unserer Rückkehr zum Deadvlei doch noch einen schönen Blick auf die toten Akazien erhaschen zu dürfen... Bei Hitze, peitschendem Sandsturm und trüber Aussicht erklimmen wir bewaffnet mit Sarong, Hut und Wasser bei glühender Hitze eisern die Düne Big Mama – als Erster im permanent nach rechts und links nachgebenden Dünenkamm mühevoll einen Fuß vor den anderen zu setzen, während von der Seite der Wind das Gesicht sandbestrahlt und vorne der Gipfel nicht näher zu kommen scheint und sich die Schuhe mit glühend heißem Sand füllen, erfordert ein Höchstmaß an Disziplin und Ehrgeiz. Zwei Schritte vor, einer zurück. Nach 45 Minuten schweißtreibenden Aufstiegs mit brennenden Oberschenkeln (sprichwörtlich) und brennenden Füßen (fast wörtlich), belohnt uns die bezwungene Big Mama tatsächlich durch ein Abflauen des Windes und somit etwas Aussicht ins Sossusvlei. Die Wüstengötter hatten ein Einsehen mit uns! Trotz, oder beinahe wegen, der garstigen Bedingungen ein absolut unvergleichliches Erlebnis!



Wir genießen den lustigen minutenkurzen Abstieg und legen im Schatten eine lange Mittagspause ein. Mittlerweile hat sich der Wind komplett gelegt – aus sanddurchsetzten gräulich-trüben Himmel wurde wieder ein sattes Blau, aus trübbraunen Dünen wurde ein okkerroter Kontrast. Wirklich unglaublich, wie sich innerhalb weniger Minuten das Szenario um 180 Grad ändern kann. Was für ein Glück!

Kurz darauf erleben wir das Highlight des Tages: In der Ferne, am Fuß der Big Mama, entdecken wir Oryx-Antilopen. Wir nähern uns vorsichtig und sehen, wie sie sich faul vor Big Mama im kühlenden Akazienschatten entspannen.



Einen respektablen Sicherheitsabstand einhaltend beobachten wir fasziniert die schönen Geschöpfe, bis sie von einer unvorsichtig nahe vorbeigehenden Touristengruppe aufgescheucht werden und fotogen tiefer in die Wüste laufen.



Auf dem Rückweg entdecken wir einen weiteren Oryx, ebenfalls im Akazienschatten stehend.



Nach einigem Gutzureden, dass er doch bitte Richtung Dünen trotten und so für ein perfektes Fotomotiv sorgen möge, tut er mir tatsächlich den Gefallen und begibt sich netterweise in ideale Position.



In tiefer Dankbarkeit dem Oryx, dem Wetter und der Natur gegenüber fahren wir um 15 Uhr zurück zum Deadvlei und wandern bei Windstillheit sehr anstrengend halb auf die Düne Big Daddy, von wo aus wir einige Strauße sehen.





Wir rutschen ins wahnsinnig fotogene Deadvlei ab und können uns gar nicht an den fotogenen Postkartenmotiven sattsehen. Bemerkenswert ist insbesondere, dass wir auch hier absolut alleine sind. Wir genießen stundenlang diese einzigartige Landschaft im Abendlicht.





Rechtzeitig fahren wir die Sandpiste zurück und pumpen die Reifen mit unserem Autobatteriekompressor notdürftig wieder auf. Auch hier sehen wir wieder einige Oryx-Antilopen, die an einem kleinen Leck in der Wasserleitung beim Wasserturm ihre ureigenen Wassertanks auffüllen.



Den Sonnenuntergang bewundern wir wiederum an der Düne 45, kommen anschließend pünktlich um 19:30 Uhr wieder am Camp an und grillen uns ein leckeres Barbecue.



Alles in allem war es ein wahnsinnig aufregender Tag voller langer Höhen und kurzer sandsturmbedingter Tiefen. Insgesamt hatten wir sicher großes Wetterglück, und ohne die wenigen Sandsturmstunden hätte irgendwie auch etwas gefehlt. Erst durch solche Erlebnisse fühlt man sich klein genug, um die großartige Schönheit der Natur nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sondern in vollen Zügen genießen zu können. Einfach nur überwältigt und glücklich gehen wir früh ins Zelt und freuen uns über die unvergleichlichen Erlebnisse des heutigen Tages...
Teil 1102. Juni 2017
Tag 9: Sesriem -> Swakopmund, 361 km

Im Sonnenaufgang
Wecken Springbock und Oryx
Den müden Camper.


Um 6:30 wecken uns die hunderten Bewohner des in der Akazie auf unserem Camp Site hängenden Siedelwebernests durch fröhliches Gezwitscher. Unser erster Blick aus dem fällt auf einen friedlich grasenden Springbock direkt am Fuß unserer Zeltleiter – so wacht man gerne auf.



Natürlich starte ich sofort eine Schlafanzug-Fuß-Foto-Safari quer über das weitläufige Camp, wobei ich noch viele weitere Springböcke entdecke, die neugierig die Plätze erkunden, deren Bewohner schon aufgebrochen sind oder noch schlafen. Ich darf sogar einige kurze Prunksprünge miterleben, ein magischer Moment.



Ausführlich frühstücken wir in den ersten wärmenden Sonnenstrahlen und beobachten dabei weitere Springböcke und sogar Oryxe: Am leeren Nachbarplatz wenige Meter neben unserem Tisch weidet ein stattlicher Spießbock eine Stunde lang genüsslich und gründlich unter einer Akazie den Boden ab und lässt sich dabei absolut nicht stören.



Wir verlassen das Camp um 8 Uhr, tanken und lassen unseren linken Vorderreifen, der einen sehr kleinen „Chip“ hat, checken. Da sich der Eingang zum Sesriem Canyon innerhalb des Camp Sites befindet, wie wir erst hier erfahren, fahren wir nochmals zurück, müssen erneut die Ein- und Ausreise-Formalitäten erledigen und erkunden den sehr sehenswerten Canyon. Besonders gefällt er uns von oben, wie er sich slot-artig durch die Landschaft zieht, während im Hintergrund die roten Dünen leuchten.



Pünktlich um 11 Uhr verlassen wir voller toller Sossusvlei-Eindrücke diesen einzigartigen Ort. Die gute Straße führt uns auf der ersten Hälfte abwechslungsreich über Bergstraßen und Baumsavannen. Neben vielen kleineren Antilopen und Oryxen sehen wir wilde Bergzebras und durch Termiten erzeugte Feenkreise.





Erneut queren wir den Wendekreis des Steinbocks, bevor uns die letzte Hälfte uns äußerst monoton durch abwechslungs- und scheinbar leblose Mondlandschaft führt.

Um 16 Uhr erreichen wir an Walvis Bay erneut das Meer, das uns durch tausende zartrosane Flamingos begeistert, die, während sie lustig schlürfend Krebstierchen aus dem seichten Meerwasser filtern, an Paso Doble erinnern.



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Ansonsten ist an der Waterfront absolut tote Hose, weshalb wir schnell das letzte kurze Stück nach Swakopmund weiterfahren. Der geteerte Küstenhighway gibt uns bereits einen tollen Eindruck der einzigartigen Lage: links das lebenspendende Meer, rechts die wasserlose Küstenwüste Namib mit ihren gelben Dünen und mittendrin Swakopmund.



Um 17:30 Uhr kommen wir an und beziehen nach einigen Problemen beim Rangieren unseres parkplatzunfreundlichen Campers im engen Innenhof unsere gemütlichen Appartements direkt am Meer. Wir suchen uns ein schönes Restaurant in der Stadt, essen an die letzten Tage zurückdenkend Oryx-Steak und genießen den Luxus eines Zimmers mit eigenem Bad.
Teil 1214. Juni 2017
Tag 10: Swakopmund

Auf Souvenirjagd
Wird um jeden Preis gefeilscht
Und Beute gemacht.


Ausgeruht stehen wir um 7 Uhr auf, frühstücken ausführlich auf unserer Sonnenterrasse und erledigen einige organisatorische Dinge über das Appartment-WLAN wie Touranfragen und –buchungen für Devil’s Pools, Chobe River Cruise und Mokoro Tour. Etwas einfacher wäre es gewesen, das alles noch daheim vor der Reise zu erledigen, aber bei den unzähligen sonstigen Vorbereitungen ging es irgendwie unter.

Um 10 Uhr ziehen wir bei angenehmen Temperaturen los, um uns die Stadt näher anzusehen. Wir durchstreifen zahllose Souvenirläden, unterhalten uns mit deutschstämmigen Einheimischen und genießen eine lange Mittagspause im Café Anton bei Käsetorte, Brotkorb, Mandelhörnchen und einer najapasstschonaberimmerhin Schwarzwälder Kirschtorte. Die ganze Stadt macht einen durch und durch „Deutschen“ Eindruck und kann und will ihre Kolonialgeschichte nicht verleugnen. Die ausgiebige Lektüre der „Allgemeinen Zeitung“ trägt ebenfalls dazu bei.



Anschließend wagen wir uns zum Touri-Markt, wo zahllose Namibier den Touristen ihre Waren feilbieten. Einerseits ist für uns Westeuropäer sehr nervig durch extrem extrovertierte Händler und ständiges Feilschen, andererseits lässt sich die einzigartige energiegeladene Atmosphäre nicht leugnen. Selbstverständlich können auch wir nicht mit leeren Händen gehen und leisten uns zwei sehr schöne Erinnerungsstücke.



Auf dem Rückweg gönnen wir uns noch ein wenig Sightseeing am Amtsgericht, altem Bahnhof, Kristallmuseum etc., produzieren mit unserem abenteuerlichen Appartment-Toaster zwei Mal einen Stromausfall im gesamten Häuserblock, waschen unsere Wäsche, packen unsere Taschen um, essen gut, organisieren noch ein wenig im Internet, genießen einen entspannten Abend und gehen um 23 Uhr ins Bett. Voller kontrastärer Impressionen der letzten Tage und Vorfreude auf die nächsten Natur-Tage dauert es bis lange nach Mitternacht, bis ich im ungewohnt weichem Bett endlich einschlafe.

Swakopmund, was wörtlich „Mündung der Anus-Exkremente“ bedeutet, ist eine wahrlich einzigartige Stadt (eine wunderschön bildliche Interpretation des alle Jubeljahre schlammführenden Flusses Swakop): Eingeklemmt zwischen durchweg maximal 15 °C kaltem Atlantik und lebensfeindlicher Namib-Wüste leben hier viele Deutsche bzw. Einheimische mit Deutschen Wurzeln, was zu einigen interessanten Unterhaltungen geführt hat. Fast jeder versteht und spricht ein wenig Deutsch, und das inmitten von Afrika. Irgendwie freuen wir uns schon wieder sehr auf die Einsamkeit und Weite der afrikanischen Steppe, die bereits morgen wieder vor uns liegt...
Teil 1321. Juni 2017
Tag 11: Swakopmund -> Ameib, 173 km

Der Wüstengecko,
Die Gi... Die Gi... Die Gigi...
So muss Safari!


Wir stehen um 7:30 Uhr auf, frühstücken, packen tangramspielend wieder alle unsere Habseligkeiten in unsere Reisetaschen und werden um 8:40 Uhr bei bedecktem Wetter fast pünktlich zu unserer Living Dunes Tour abgeholt, die wir etwas kurzfristig gerade noch so vor einigen Tagen buchen konnten.

Wir vier sind zusammen mit zwei seltsamen älteren schwarzen Touristen im Minivan: Sie sehr adipös und ist zu keiner Stelle aus dem Bus gestiegen, Er meist bei ihr geblieben. Warum die beiden sich wohl für diese Tour entschieden haben..?

Um es vorweg zu nehmen: Unser Tourguide Nick war sensationell – super nett, sehr redselig und äußerst kompetent. Es sollte eine einzigartig tolle Tour werden!

Über Sandstraßen fahren wir wenige Minuten aus der Stadt direkt zu einem anderen Guide, der eine Sidewinding Adder (Zwergpuffotter) gefunden hatte. Bis auf die Augen und einen winzigen Teil des Kopfes ist nichts von der 30 cm langen Schlange zu sehen: Absolut unmöglich, sie selbst im Sand zu entdecken! Als der fremde Tourguide die Schlange etwas unsanft aus dem Sand befördert, schlängelt sie sich in der typischen seitlichen Weise durch den Sand und vergräbt sich einige Meter entfernt innerhalb weniger Sekunden durch rhythmisches Körperschaukeln in den Sand, bis erneut nur die Augen zu sehen sind. Absolut faszinierend!





Auf ausgefahrenen Sanddünenspuren fahren wir weiter durch die Namib und erfahren währenddessen allerlei Interessantes über die Geschichte dieser Region, über erschossene Pferde und über antike Eisenbahnschienen. Einige Male lässt uns Nick alleine, um zu Fuß nach Spuren zu suchen und von Mal zu Mal frustrierter zurückzukommen. Man merkt ihm richtig an, wie gerne er uns weiteres Leben in dieser scheinbar toten Wüste zeigen möchte... Wir hoffen so sehr, dass er Erfolg hat!

Nach dem fünften Stopp kommt er aufgeregt und freudestrahlend zurück und führt uns zu einer kaum sichtbaren 1 cm großen Verfärbung im Sand mit feinsten Spuren drumherum: „There was Activity last Night!“ sagt er, und beschreibt farbenfroh, wie hier letzte Nacht ein Kampf zwischen einer Spinne und ihrer Beute stattgefunden hat. Die Verfärbung entpuppt sich als aus Spinnenfäden gewebter Abdeckung einer sehr tiefen mit Spinnenfäden ausgekleideten Höhle, die er nach und nach mit bloßen Händen freilegt. Währenddessen erzählt er uns, wie wichtig für seinen Job „Digging Skills“ sind. In ca. einem halben Meter Tiefe legt er schließlich einen kleinen weißen Ball frei, der sich überraschend entfaltet und als Dancing White Lady / Golden Cartwheeling Spider (Goldene Radspinne) mit 5 cm Beinspannweite zu erkennen gibt. Sie „tanzt“ sehr aggressiv, vor allem, wenn sie von Nick mit Sand berieselt wird. Kein Wunder, nachdem sie mitten im Schlaf ausgegraben wurde... Als er uns erzählt, wie sich diese Spinnenart bei Gefahr zu einem Ball zusammen- und die Düne herunterrollt, erinnere ich mich, wie ich bei unserer einsamen Sossusvlei-Wanderung einen kleinen, rollenden, dunklen Ball gesehen habe – möglicherweise eine ähnliche Spinne? Ein beeindruckendes Tier und für uns der endgültige Beweis, wie viel dieser einzigartigen Fauna doch für unsere ungeübten Augen unsichtbar ist.





Kreuz und quer achterbahnähnlich über Dünensand fahrend kommen wir nach einer Viertelstunde an einer minimal sichtbaren Sandvertiefung vorbei. Einige Meter weiter bleibt Nick stehen, fährt zurück und fängt erneut an, zu graben, hüllt sich aber in Schweigen, was er auszugraben hofft. Nach einigen Minuten gräbt er tatsächlich einen unendlich süßen Desert Gecko (Namib-Wüstengecko / Schwimmfußgecko / Palmatogecko) aus. Mit seinen großen Kulleraugen und wunderschön pastellfarbig gemustert bleibt er sogar fotogen auf meiner Hand sitzen. Die halbtransparente Haut schimmert wie Edelsteine und als er sich mit seiner großen Zunge über seine Augen leckt, ist es um mich geschehen: Mein Haustier in Deutschland, ein sehr hübsches Bartagemenweibchen, darf das natürlich nie erfahren, aber dieser Gecko ist definitiv das süßeste Reptil der Welt! Als er schließlich wieder vor seine Höhle gesetzt wird, gräbt er sich schnell wieder hinein und wir sagen ihm schweren Herzens Adieu. Wer sich an meine Begegnung mit dem Erdmännchen Jammy erinnert: Ich bin in beide gleichermaßen verliebt. <3





Überglücklich über dieses einmalige Erlebnis haben wir gar keine Zeit zum Durchschnaufen, denn bereits wenige hundert Meter weiter wirft Nick plötzlich aus dem fahrenden Auto ohne Vorwarnung seinen Haken etwa fünf Meter weit auf eine Sanddüne: Mitten im Vorbeifahren hat er auf einer Düne einen Shovel-snouted Sand-diving Lizard (Düneneidechse) entdeckt. Diese Reptilienart ist sehr scheu und schnell und kann aus dem Stand uneinholbar auf 20 km/h beschleunigen. Deshalb hat Nick ihn mit seinem Wurf so erschreckt, dass er sich eingrub statt wegzulaufen – Pech gehabt. Nick springt aus dem Auto, gräbt die Echse aus und zeigt sie uns, während sie in seiner Hand zappelt. Vorsichtig setzt er sie zurück auf den Boden, woraufhin sie blitzschnell zu den Dünen zurückrennt und sich eingräbt: Wenige schnelle Schwanzbewegungen und Körperdrehungen reichen, dass sich der Sand unter ihr in Treibsand verwandelt und sie unsichtbar verschluckt. Sehr faszinierend.



Ein paar Minuten Dünenachterbahn später, während der die Wolkendecke aufreißt und die Sonne die Namib in ein goldenes Licht taucht, zeigen sich zwei große Namaqua-Chamäleons direkt am Pistenrand auf bzw. unter Büschen sitzend. Möglicherweise wurden sie kurz zuvor erschreckt oder geärgert, denn pechschwarz zeigen sie ihre Anspannung und bewegen nichts als ihre Augen. Selbst einen angebotenen Mehlwurm verschmähen sie, so dass wir sie schnell wieder in Ruhe lassen.



Mit Sidewinding Adder, Dancing White Lady, Desert Gecko, Shovel-snouted Sand-diving Lizard und Namaqua-Chamäleon haben wir tatsächlich die “Little 5” gesehen und unser Guide möchte uns eigentlich nur noch ein wenig über schöne Dünenstrecken zurückfahren, als er von einem anderen Guide einen Tipp bekommt: So kann er uns noch eine Horned Adder (Gehörnte Puffotter) zeigen – zwar etwas kleiner als die Zwergpuffotter aber durch ihre Hörnchen wunderschön und beinahe diabolisch. Nick erklärt uns, dass sich Sidewinding Adder zur Horned Adder verhält wie der Leopard zum Gepard: Die gehörnte Puffotter ist flinker aber schwächer. Ein tolles Reptil!





Nach dieser wahnsinnig erfolgreichen Safari geht es mit tollen Ausblicken querwüstenein zurück zu unserer Unterkunft. Was für ein wahnsinniges Glück, dass wir a) diese Tour noch bekommen haben, b) am Ende noch durch strahlenden Sonnenschein die Wüste in ihrer ganzen Pracht erleben konnten und c) alle diese beeindruckenden Tiere sehen durften. Natürlich bleibt ein kleines schlechtes Gewissen, dass die Reptilien in ihrem natürlichen Leben gestört werden, aber letztlich kommen diese Touren auch ihnen entgegen: Durch diese kommerziellen Touren erhält die Namib in der Umgebung von Swakopmund einen besonderen Schutz und die Touristen werden sensibilisiert für die Schönheit und Vielfältigkeit der scheinbar toten Dünenlandschaft.



Hier sind noch ein paar Bewegtbilder zum Thema „Die Wüste lebt“.

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Kaum zu glauben, dass dieser highlightreiche Vormittag noch von einem adäquaten Nachmittag gefolgt werden sollte!

Nach einem kurzen Besuch des Swakopmunder Stadtstrandes in der Sonne fahren wir um 13 Uhr aus Swakopmund los und kommen nach kurzer, reizvoller Fahrt um 15:30 Uhr an der Ameib Ranch an. Um 16 Uhr wandern wir, erfolglos nach Giraffen, die es in dieser Gegend geben soll, Ausschau haltend, eine Stunde lang über einen idyllischen Pfad über rote wollsackverwitterte Granitfelsen mit tollen Akazien, Euphorbien, Vögeln und weiblichen Siedleragamen hinauf zur Phillip’s Cave. Die Höhle selbst ist ein kleiner Überhang am Fels, unter dem ein weißer Elefant, Menschen, Antilopen und ein Strauß an die Wand gemalt sind, vermutlich von den San vor 2.000 bis 4.000 Jahren. Ein spannendes Stück Geschichte.







Nach kurzer Rast wandern wir eine gute halbe Stunde weiter zu Bull’s Party, einem Plateau, auf dem ähnlich der uns bereits bekannten Devil’s Marbles im australischen Outback roter Fels zu Kugeln erodiert ist. Wir erkunden ein wenig die Gegend und genießen wunderschöne Weitblicke über die Savanne. Wir sehen zwar leider keine Giraffen, aber dafür eine große Pavianfamilie, die auf den schützenden Steinbergen lärmend ihr Nachtlager aufschlägt. Im Abendlicht sieht Bull’s Party mit etwas Fantasie und zusammengekniffenen Augen durchaus ein wenig so aus, als wären die rot erleuchteten Felsen versteinerte Bullenköpfe, die eine Ratssitzung abhalten.







Bei Sonnenuntergang wandern wir im letzten Zwielicht die Sandstraße zurück zum Camp. Wir schätzen den Rückweg auf eine knappe Dreiviertelstunde, wodurch wir ziemlich knapp vor der Dunkelheit ankämen, weshalb uns durch unsere Einsamkeit, das schwindende Licht, „unheimlichen“ Geräuschen und gelegentlich aus dem Gebüsch rennenden Impalas, Böckchen und Warzenschweinen (glücklicherweise ohne hinterherjagende Leoparden oder Hyänen) zugegeben ein klein wenig mulmig zumute ist.

Das echte Highlight jedoch ist die Gi... die Gi... die Gigi... die Giraffe!!!, die urplötzlich wenige Meter vor uns gegen den fast untergegangenen sehr tief stehenden Feuerball ihren Hals und Kopf hoch erhoben als Silhouette präsentiert und kurz darauf nahe an uns im Gebüsch vorbeizieht – unsere erste Giraffe sehen wir im Rahmen einer Fußsafari, irre!!! Der reine Wahnsinn, wie groß diese Tiere wirken, wenn man zu Fuß wenige Meter daneben steht.



Von Leoparden und Hyänen unbehelligt kommen wir natürlich wohlbehalten am Camp an, grillen und genießen nach den letzten Stadttagen endlich wieder einen wunderschönen Sternenhimmel. Wieder im Dachzelt brauche ich lange, um einzuschlafen – man merkt richtig, wie all diese einzigartigen Erlebnisse des heutigen Tags etwas Zeit brauchen, um bewertet, sortiert, verarbeitet und abgelegt zu werden.
Teil 1423. Juni 2017
Als Rückblick auf Ameib und Vorschau auf Spitzkoppe habe ich hier einen kleinen Bewegtbild-Zusammenschnitt.

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Teil 1526. Juni 2017
Tag 12: Ameib -> Spitzkoppe, 125 km

Auf dem Felsentor
Im goldenen Abendlicht
Wacht der Klippschliefer.


Nachdem bis lange nach Mitternacht auf dem engen kommerziellen Ameib-Campingplatz deutsche Touristen am kleinen Swimmingpool gelacht, gegrölt und gelärmt haben, sind wir sehr erleichtert, dass diese um 7 Uhr morgens noch schlafen und wir somit bei etwas frösteligen 9 °C in Ruhe frühstücken können. Wir fahren ein paar Minuten innerhalb der Ranch zum Elephant Head und kommen dabei auf Hin- und Rückweg an vielen Springböcken, mehreren Warzenschweinen und einem Dutzend großer und kleiner Giraffen vorbei, die nahe der Straße frühstücken. Auch aus dem Auto heraus ein beeindruckendes Erlebnis, aber natürlich wird nichts wird die gestrige Fußsafari toppen.







Nach langer Tierbeobachtung reißen wir uns um 10 Uhr los und fahren über gute Teer- und Staubstraßen mit kurzen Einkaufs- und Tankstopps vorbei an kleinen Farmen und teilweise abenteuerlich platzierten Siedelwebervogelnestern, zum Spitzkoppe Rest Camp.



Bereits auf der Anfahrt sieht man die charakteristische Form des „Matterhorns Namibias“, das sich je nach Winkel entweder als sanfte halbrunde Kuppel oder spitzes Dreieck präsentiert.



Um 12:30 Uhr kommen wir an, checken ein und buchen uns eine Guided Tour für den Nachmittag. Da fast alle Camp Sites frei sind und wir die freie Wahl haben, suchen wir uns den schönsten aus: nahe des beeindruckenden Felsenbogens und vis-à-vis zur Spitzkoppe.



Nach einem gemütlichen Mittagessen erkunden wir ein wenig diese einzigartige Gegend: Das Spitzkoppe Rest Camp liegt ohne jeglichen Comfort malerisch einsam und idyllisch um das Massiv der großen Spitzkoppe herum verteilt. Nicht nur durch die vielen roten Granitfelsen und –kugeln wirkt alles ziemlich „australisch“ – wahnsinn, mit welchem landschaftlichen Abwechslungsreichtum Namibia uns bereits jetzt überrascht hat! Besonders tun es uns die Dutzenden großen und kleinen Klippschliefer an, die offenbar an „unserem“ Felsenbogen Gefallen finden, so dass wir diesen liebevoll „Klippschlieferbrücke“ nennen.







Neben vielen weiteren Spezialfähigkeiten, kann der einzigartige Klippschliefer seine Pupillen derart verkleinern, dass er stundenland direkt in die grelle Sonne sehen kann. Das führt zu fotogenen Spiegelungen in den tiefschwarzen Klippschlieferaugen – es sieht nach Photoshop aus, aber die Reflexion der Klippschlieferbrücke ist komplett real.



Die sehr interessante Führung wurde von einem Guide um die 20 geleitet, der im Spitzkoppegebiet aufgewachsen ist und daher jeden einzelnen Stein zu kennen scheint. Über Schleichwege, durch enge Felsenschlitze und über einige der kleineren Berge führt er uns rundherum um die große Spitzkoppe zu Felsmalereien und Aussichtspunkten, während weit unter uns in der Ebene einige Zebras grasen.





Er erzählt uns allerlei interessante Hintergrundinformationen zu den Bushmen der Damara und San sowie der Klicksprache und deutet uns einige der Felszeichnungen. Außerdem erheitert er uns mit einigen Anekdoten aus seiner Jugend. Trotz der Hitze ist es ein außergewöhnlich klarer Tag, so dass man bis weit hinter das Brandbergmassiv sehen kann.





Zurück am Camp machen wir es uns zum Sonnenuntergang an der Klippschlieferbrücke gemütlich. Wir genießen einen wunderschönen Sonnenuntergang an diesem fotogenen Ort, beobachten kleine und große Echsen, Vögel und natürlich Klippschliefer und lassen bei einer sensationellen Aussicht auf kleine Spitzkoppe, große Spitzkoppe und Pontok-Berge einfach nur die Seele baumeln und „sammeln“ den Moment.









Nach einem leckeren Essen spazieren wir noch ein wenig, vom besten Sternenhimmel unseres gesamten Urlaubs überdacht, über die roten Felsen, machen Bekanntschaft mit riesigen Käfern und kleinen Geckos und ziehen uns um 23 Uhr ins relativ kalte Zelt zurück.



Bei der Reiseplanung hatte ich lange überlegt, wie wir unsere Nächte aufteilen und habe mich schließlich für diese beiden „verschwendeten“ Nächte in Ameib und Spitzkoppe entschieden, um in dieser wunderschönen Gegend mit wenig Fahrerei zwei relativ entspannte „Wandertage“ einzubauen. Rückblickend muss ich sagen: Wir hätten es nicht besser machen können, beide Stopps haben sich mehr als gelohnt. Jedem, der von Swakopmund nach Okaukuejo fahren möchte, seien Ameib und Spitzkoppe wärmstens ans Herz gelegt.
Teil 1630. Juni 2017
Tag 13: Spitzkoppe -> Okaukuejo (Etosha-NP), 442 km

Nachts am Wasserloch
Trinken Zebra, Giraffe,
Nashorn, Elefant.


Ich habe noch gar nicht erwähnt, dass wir bei all unseren Camps darauf achten, unseren Camper so aufzustellen, dass wir den nächsten Tag mit der aufgehenden Sonne oder einem tollen Blick aus unserem Zelt beginnen: Kurz nach Sonnenaufgang aufwachend begrüßt uns eine atemberaubende Aussicht auf die Spitzkoppe.



Wir genießen die ruhige und friedliche Stimmung am Felsenbogen im Morgenlicht und die leichte temperaturbedingte Gänsehaut, wohlwissend, dass wir vermutlich in diesem Urlaub keinen Tag mehr unter 30 °C haben werden.



Unser obligatorisches ausgiebiges Frühstück verbringen wir mit Blick auf die große Spitzkoppe.





Allzuweit kommen wir nicht, da wir bereits nach wenigen Minuten Fahrzeit an Craft-Ständen der einheimischen Bevölkerung anhalten und neben üblichem Schmuck und tollen in dieser Gegend gefundenen Halbedelsteinen wunderschöne liebevoll aus Naturmaterialien und zerschnittenen Getränkedosen gebastelte Mobiles als Andenken erstehen. Wohlwissend, dass sie dafür Bonbons oder Kekse geschenkt bekommen, drängen sich die anwesenden Kinder ungefragt vor die Kamera, sobald sie eine sehen. Sehr, sehr süß!





Ohne weitere große Pausen fahren wir vorbei am Brandbergmassiv, leider ohne Wüstenelefantsichtungen, relativ monoton nach Outju.



Wir tanken, füllen unsere Gasflasche auf, kaufen groß für die nächsten Tage ein, und kommen schließlich nach einem langen Fahrtag pünktlich um 18 Uhr am Etosha-Gate an. Nach immenser Bürokratie checken wir am Okaukuejo Camp ein.

Das Camp ist so, wie wir es uns vorgestellt haben: Es ist natürlich das mit Abstand bisher engstes und vollstes Camp, dafür hat es eine perfekte Lage direkt am Parkeingang. Für Nicht-Camper bietet es natürlich allen erdenklichen Luxus bis hin zum Premium Waterhole Chalet mit Balkonblick direkt auf das nachts beleuchtete Wasserloch. Diese Kosten kann man sich aber getrost sparen, denn auch als Camper hat man nur wenige Meter dorthin. Das Wasserloch, ca. 30 x 30 Meter groß und wenige Meter tief, ist durch einen niedrigen Zaun und einen Wall vom ca. 30 Meter entfernten halbkreisförmigen Beobachtungsareal mit Bänken und einer Tribüne entfernt.



Wir gehen natürlich als erstes zum Wasserloch, in der Hoffnung, bereits heute große Tiere sehen zu können. Leider werden wir anfangs enttäuscht: Bis auf einige Vögel, wenigen Böcken und einem Schakal ist jenseits der Absperrung nichts los. Daher genießen wir einfach die Stimmung und freuen uns auf einen schönen, wenn auch tierarmen, Sonnenuntergang.

Kaum haben wir es uns bequem gemacht, zeigen sich erste Giraffenhälse am Horizont und dann machen wir urplötzlich gegen die tiefstehende untergehende Sonne einen Elefanten aus! Wir sind absolut überwältigt von diesem beinahe magischen Moment. Majestätisch und gemächlich schreitet der Elefant eine Viertelstunde lang zum Wasserloch, während ein zweiter am Horizont auftaucht, und trinkt genüsslich, aus sicherer Entfernung von den Giraffen beobachtet.





Drei mutige Zebras gesellen sich dazu, nachdem die Elefanten einen friedlichen Eindruck machen. Als die Elefanten eine halbe Stunde später, als wollten sie ihre friedlichen Absichten beteuern, Platz am Wasserloch machen, trauen sich auch die ängstlichen Giraffen, umständlich und unfreiwillig komisch aussehend, ihren Durst zu stillen.





Nach langer, langer Beobachtungszeit gehen wir zurück zum Camp, kochen, essen und gehen um 21 Uhr wieder zurück zum Wasserloch. Die Zebras waren verschwunden, die Elefanten und Giraffen teilten sich das Wasserloch.



Konnte man vorher noch bis zum Horizont blicken, war ist Sichtfeld nun durch die Dunkelheit auf wenige hundert Meter beschränkt, so dass wir erst unseren Augen nicht trauen, als wir uns einbilden, im Schatten zwei sich bewegende mittelgroße Felsen zu sehen. Nachdem die Elefanten endgültig im Dunkel verschwunden sind und daraufhin die Felsen in den Lichtkegel treten, erkennen wir zwei hornlose Nashörner, die erst die Giraffen vertreiben und im Anschluss trinken und baden, während die Giraffen vorsichtig zurückkehren – wow! Wir sind erst seit wenigen Stunden im Etosha-Park und haben bereits zwei der Big 5 gesehen.



Besonders beeindruckt mich die Lautlosigkeit und Langsamkeit, mit der alles vor sich geht: Jeder Schritt, jede Bewegung wird vorab tausendfach in Gedanken simuliert und ist von einer minutenlangen aufmerksamen Stille gefolgt. Alles geht ganz ganz behutsam und ruhig vor sich und die permanente Anspannung der Tiere ist spürbar. Rückblickend kommt es einem etwas langweilig vor, eine Stunde lang dazusitzen, während zwei Nashörner fast bewegungslos im Wasser stehen, aber während man dort sitzt, ist man von diesem Anblick derart gefesselt, dass man Zeit und Raum um sich vergisst und diese Momente einfach nur aufsaugt.

Um 22:30 Uhr, als die Giraffen und Nashörner in der Dunkelheit verschwunden sind, ziehen auch wir uns zurück, genießen den Komfort des Duschhauses und versuchen, bestmöglich die Gespräche und lauten Geräusche der umliegenden etwas rücksichtslosen Camper zu ignorieren.
Teil 1704. Juli 2017
Um die Wartezeit zu verkürzen, bis es Ende der Woche weitergeht, habe ich schon einmal das erste meiner drei Etosha-Videos für euch. Der Schwerpunkt liegt auf Antilopen, Zebras, Giraffen und dem putzigen Halali-Honigdachs. 😄

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Viel Spaß! 🙂
Teil 1807. Juli 2017
Tag 14: Okaukuejo (Etosha-NP), 259 km

In stillem Friedende
Laben sich am Wasserloch
Böcke und Löwen.


Um 6:30 stehen wir zu einem tollen klischeehaften roten Feuerball-Sonnenaufgang auf und frühstücken, nachdem am camp-eigenen Wasserloch alle Tiere durch Abwesenheit glänzen. Um 8 Uhr brechen wir zu unserer ersten großen Ganztages-Pirschfahrt auf, die uns in den westlichen Teil des Etosha-Parks führen wird – es sollte ein Tag voller Highlights werden!

Über die beiden verlassenen, nahezu ausgetrockneten Wasserlöcher Wolfsnes und Okondeka fahren wir immer weiter nach Westen. Wir sind fast überall ganz alleine und begegnen nur sehr vereinzelt anderen Autos: Entweder wissen alle anderen etwas, was wir nicht wissen, oder sie haben keine zwei Nächte in Okaukuejo, weshalb sie sich direkt nach Osten aufgemacht haben.

Auch wenn die wenigen natürlichen Wasserlöcher tierleer und staubtrocken sind, so sind Flora und Fauna auf dem weiteren Weg spannend und abwechslungsreich: Die anfängliche Baumsavanne verwandelt sich bei Sprokieswoud in abgestorbene, geisterhafte Bäume, gefolgt von einer unendlich wirkenden Grassavanne mit vereinzelten Akazien und schließlich einem Trockenwald.



Wir begegnen mittelgroßen Springbock-, Oryx- und Gnuherden, Zebragruppen und alleine umherziehenden Giraffen, Straußen und Schakalen.









Immer wieder sehen wir am Horizont Elefanten.



Um 11 Uhr erreichen wir das erste Highlight des Tages: das Wasserloch mit dem eingängigen Namen Ozonjuitji m’Bari. Eigentlich handelt es sich hierbei um wenig mehr als eine ziemlich kleine, künstlich gespeiste Pfütze in einem Zement-Becken. Dennoch haben sich drumherum mit einigen Metern Abstand hunderte, ja, wirklich hunderte, Springböcke, Zebras, Gnus, Oryxe und einige Impalas, Elenantilopen, Kuhantilopen, Strauße, Schakale und Warzenschweine versammelt. Es ist absolut faszinierend, diese Vielzahl und ständige Bewegung zu beobachten: Sauber nach Tierart gruppiert bleiben die einzelnen Herden an der gleichen Stelle, allerdings wechseln die Individuen innerhalb ihrer Gruppe ständig ihre Plätze. Ein permanentes, scheinbar zufälliges Gewusel, doch alles scheint einem vorgegebenen Muster zu folgen. Was für ein Glück, und das bei 37 °C!



Wie beeindruckt und fasziniert wir von diesem Erlebnis sind, lässt sich am besten dadurch erkennen, dass wir ungelogen erst nach Minuten ungläubigen Staunens den Grund für den „Sicherheitsabstand“ in Form des zweiten Highlights des Tages bemerken: Am betonierten Rand des kleinen Wasserlochs liegen drei Löwen! Richtig, Löwen! Zwei Weibchen und ein jung aussehendes Männchen – wow! Umringt von den zahllosen potentiellen Beutetieren!



Daher stammt also die allgegenwärtige Bewegung, Anspannung und Beobachtung. Offensichtlich wissen die Antilopen, dass sie im Falle eines Angriffs ausreichend Sicherheitsabstand haben, um leicht entkommen zu können. Und offensichtlich wissen die Löwen, dass sie mit einem offenen Angriff keine Aussicht auf Erfolg haben und sich ihre Kräfte daher sparen können. Ich hätte nie gedacht, einmal Raubtier und Beute so scheinbar „friedlich“ nebeneinander zu sehen.



Als die Löwen sich eine halbe Stunde später gemächlich entfernen, misstrauisch beäugt von den anderen Tieren, und außer Sichtweite sind, trauen sich diese in einer auffälligen Reihenfolge nach und nach ebenfalls ans erfrischende Nass: Den Anfang machen die großen Antilopen wie Elens und Oryxe, gefolgt von den Zebras. Zuletzt kommen die Springböcke, Impalas und restlichen Kleinsäuger. Eindeutig: Auch innerhalb der Beutetiere gibt es eindeutige Hierarchien.





Wahnsinn: Wir sind noch keine 24 Stunden im Etosha-Park und haben bereits 3 der Big 5 gesehen.



Schließlich fahren wir weiter ans kaum besuchte Wasserloch Sonderkop und zum gleichnamigen eingezäunten „Camp“, bestehend aus Schattenbänken und Toilette, wo wir bei 38 °C Gluthitze Mittagspause machen und um 14:30 Uhr schließlich erneut aufbrechen.

Just for fun fahren wir weitere 10 Kilometer nach Westen, bevor wir ohne weitere Tiersichtungen auf der engen Straße stehen bleiben und umständlich in fünf Zügen unseren großen Camper wenden. Während ich konzentriert den Camper quer gestellt habe, sieht meine Beifahrerin auf einmal etwa 20 Meter vor uns das dritte Highlight des Tages: ein großes Nashorn mit sehr stattlichen Hörnern, im Schatten unter einem Baum stehend. Das hätten wir im Vorbeifahren niemals gesehen, was für ein Zufall, dass wir genau an dieser Stelle gewendet haben! Und beruhigend, dass wir niemals erfahren werden, an welchen Tieren wir schon unbemerkt vorbeigefahren sind. 😉



Auf dem Rückweg verbringen wir noch etwas Zeit an den bekannten Wasserlöchern – doch so verwöhnt, wie wir schon sind, hauen uns einige Zebras und Antilopen nicht mehr vom Hocker. Auch Ozonjuitji m’Bari ist mittlerweile nahezu leer. Verrückt, wie innerhalb weniger Stunden offenbar alle Herden beschließen, weiterzuziehen.

Einzig das vormals leere Wasserloch Sonderkop beschert uns elefantöse Erlebnisse: 4 sehr große Elefanten nutzen das wenige verschlammte Wasser für ein ausführliches Schlammbad inklusive Schlammduschen, mit etwas Fantasie ein wenig pikiert beobachtet von einigen respektvoll Abstand haltenden Zebras, Antilopen, Straußen und Giraffen, die das Wasser später noch trinken wollten. Ein toller Anblick!



Nach einiger Zeit löste sich einer der Dickhäuter und marschierte zu einem Wassertank ein paar Meter weiter, wo er durch ein kleines Loch mit seinem Rüssel genussvoll Wasser schöpfte und trank: Das Schlammwasser wird zum Baden benutzt, getrunken wird das für andere Tiere unerreichbare klare Wasser aus dem Tank. Ganz schön raffiniert!



Nur wenige Minuten vor Okaukuejo werden wir Zeuge des vierten Highlights des Tages: Unmittelbar neben uns taucht eine große Elefantenherde mit einigen sehr kleinen Babyelefanten auf. Ich habe natürlich sofort den Motor ausgestellt, hoffend, dass wir nicht als Bedrohung wahrgenommen werden. Die Herde überquert, von uns absolut unbeeindruckt, unmittelbar vor und hinter uns die Straße – wir stehen unabsichtlich mitten im Weg... Ein unbeschreibliches und vermutlich leider einmaliges Erlebnis. Besonders fasziniert uns die Lautlosigkeit, mit der sich diese sanften Riesen fortbewegen. So schnell sie neben uns auftauchten, so schnell sind sie leider auch schon wieder verschwunden.





Anderthalb Stunden vor Sonnenuntergang kommen wir zurück ans Camp und gehen natürlich gleich wieder zum Wasserloch, an dem sich 10 Giraffen abwechselnd im Spagat zum Trinken beugen.



Faszinierend: Da man am Wasserloch kilometerweit sehen kann, lassen sich eintreffende Tiere schon lange vorher auf ihrem gemächlichen Marsch beobachten. So zeigen sich zwei stattliche Nashörner, diesmal mit Horn, am Horizont, ehe sie lange Zeit später geräuschlos die Giraffen vertreiben, einige Minuten still am Ufer stehen, trinken und danach das Wasserloch als Badewanne missbrauchen.





Das alles in völliger, beinahe magischer Geräuschlosigkeit und in einer aufreizenden Seelenruhe. Allmählich trauen sich auch die Giraffen vorsichtig wieder ans Wasser.



Eine halbe Stunde später tauchen als fünftes Highlight des Tages geradeaus am Horizont zwei Elefanten auf, die ihrerseits gegen die untergehende Sonne majestätisch zum Wasserloch schreiten. Als sie die halbe Strecke zurückgelegt haben, erscheinen von links fünf Elefanten, die sich sichtlich beeilen, die ersten beiden Elefanten zu überholen.



Trompetend und plantschend stürzen sie sich, gefolgt von den anderen beiden Elefanten, geräuschvoll ins Nass, welches die Nashörner eilig verlassen. Man sieht richtig, wie sich die zweite Gruppe freut, die erste noch überholt zu haben. Eine halbe Stunde lang erleben wir das reinste Spektakel: Die Elefanten toben im Wasser, tauchen und schnorcheln, sprühen Wasser herum, trompeten und haben deutlich sichtbar ihre helle Freude daran.



Nach anschließenden Staubbädern ziehen sich die Elefanten zurück zum Horizont, diesmal beide Gruppen vereint nach links. Die in der Nähe gebliebenen Rowdy-Nashörner, die vielleicht ihre Lektion gelernt haben, teilen sich daraufhin mit den Giraffen friedlich das verbliebene, aufgewühlte Wasser.



Schließlich können wir uns losreißen, kochen und essen und gehen mit unvergleichlichen Eindrücken dieses unglaublich highlightreichen Tages um 23 Uhr ins Zelt – natürlich nicht, ohne einen letzten Blick auf das mittlerweile leere Wasserloch geworfen zu haben.
Teil 1911. Juli 2017
Bis es in Kürze weitergeht, habe ich wieder ein Etosha-Video für euch. Im Fokus stehen die Wasserlöcher.

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