Trinkwassernotstand naht - was bedeutet das!

101 Antworten · 27,9k Aufrufe · gestartet 31. Mai 2016 von travelNAMIBIA
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Themenstarter33,1k Beiträge · seit 200631. Mai 2016 · #1
Hallo zusammen,

es wird damit gerechnet, dass im Laufe des Juni der Minister für Wasserwirtschaft den Trinkwassernotstand für Zentralnamibia ausruft. Einen offiziellen Antrag hat der Wasserversorger Namwater bereits gestellt. Leider waren die bisherigen Wassersparmaßnahmen nicht so erfolgreich wie gehofft (Einsparungen von 20% - gewünscht waren mind. 30 %). Die Stauseen die Windhoek mit Wasser versorgen werden ab Ende Juni leer laufen und bis maximal August Wasser bereitstellen. Die Bohrlöcher und kleine Zuleitungen aus dem Norden werden etwa 15 % des aktuellen Bedarfs decken können.

Was bedeutet das nun für alle, die sich in den zentralen städtischen Gebieten aufhalten (Windhoek, Okahandja, Karibib): Es muss damit gerechnet werden, dass der "Drought Emergency Plan" angepasst wird, d.h. über die höchste Warnstufe (in der wir uns aktuell befinden) hinaus. Es ist dann mit massiver Wasserrationierung (so wie es z.B. gerade auch schon in Durban in Südafrika der Fall ist) zu rechnen, d.h. Abschaltung der gesamten Wasserzufuhr für viele Stunden am Tag. Dadurch werden dann natürlich auch Touristen in z.B. Hotels in Windhoek betroffen sein.

Viele Grüße aus dem kühlen Windhoek
Christian
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463 Beiträge · seit 201531. Mai 2016 · #2
Hallo Christian,

Vielen Dank für deine hilfreichen Threads.

Wie wird es mit den anderen Regionen sein? Sesriem, Swakopmund? Damaraland? Etosha? Und alles was nördlicher ist?

Liebe Grüße
Carmen
2016, Namibia, Botswana, Victoria Falls 2017, Uganda und Ruanda 2017, Kapstadt und Namibia 2018, Namibia und etwas Südafrika (Richtersveld, Augrabies, KTP)
Themenstarter33,1k Beiträge · seit 200631. Mai 2016 · #3
Hi Tidou,

da wird es sicher keine Probleme geben, da dort nirgends 300.000 Menschen ihr Trinkwasser aus einigen wenigen Stauseen beziehen. Außerhalb von Städten (auf Farmen etc) ist ja eh Bohrlochwasser und da gibt es keine Probleme.

Viele Grüße aus dem winterlichen Windhoek
Christian
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831 Beiträge · seit 200931. Mai 2016 · #4
Bei unserer letzten Reise sahen wir am Waterberg die historisch interessanten Wassergräben, die einst gegraben wurden, um Wasser nach Windhoek zu transportieren. Sie wurden irgendwann nicht mehr gepflegt, weil man ja oh so viele Stauseen um die Hauptstadt gebaut hatte... Jetzt gammeln sie vor sich hin und sind nur noch dazu da, dass ab und zu ein Kudu drin ersäuft. Schade
Marga
Themenstarter33,1k Beiträge · seit 200607. Juni 2016 · #5
Hi zusammen,

nun ist es soweit...

Viele Grüße aus Windhoek
Christian

"Namibia wird noch in dieser Woche den Notstand ausrufen. Dies gab Staatspräsident Hage Geingob am Nachmittag bekannt. Hintergrund ist die anhaltende Dürre und der Mangel an Trinkwasser für die zentralen Landesbereiche, darunter Windhoek. Es stünden aktuell 17,3 Millionen Kubikmeter Trinkwasser zur Verfügung; benötigt werden 33 Millionen um die Wasserversorgung bis zum nächsten möglichen Zufluss in die Stauseen zu garantieren. Es würde nun mehr Trinkwasser aus dem Norden nach Windhoek gepumpt werden. Kurzfristig kostet dieses 44 Millionen Namibia Dollar für neue Pumpenanlagen. Der Bau einer Pipeline vom Okavango an der Grenze nach Angola sei geplant und werde bereits von Experten analysiert." (Eilmeldung von Hitradio Namibia)
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1'737 Beiträge · seit 201007. Juni 2016 · #6
Der Bau einer Pipeline vom Okavango an der Grenze nach Angola sei geplant und werde bereits von Experten analysiert.
Hallo Christian

Was bedeutet diese Wasserentnahme für das Okavango Delta. Ich glaube mich zu erinnern, dass es da schon vor vielen Jahren eine lange kontroverse Diskussion zwischen den betroffenen Staaten gab.

LG
Christa
www.botswanadreams.de "Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach." Ernest Hemingway
Themenstarter33,1k Beiträge · seit 200607. Juni 2016 · #7
Hi Christa,

ich kann es Dir nicht sagen. Aber in den Prozess der Machbarkeitsstudie sind auch internationale Experten involviert und es wird sich an internationale Gesetzgebungen gehalten (d.h. u.a. Einbeziehung der Einzugsländer des Okavango etc). Ich habe auch keine Ahnung wie viel Wasser den Okavango herunterfließt und ob eine Entnahme (es wäre ja nur für den Notfall wie aktuell; übrigens das erste Mal in der Geschichte) großen Einfluss haben wird...

Viele Grüße aus dem Regen (!!!) Windhoek
Christian
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Themenstarter33,1k Beiträge · seit 200606. März 2017 · #8
Hi zusammen,

der Regen hat etwas Entspannung für Windhoek gebracht. Dennoch gelten die Wassersparmaßnahmen vorerst weiter.

Viele Grüße
Christian


Stand der Stauseen am 6.3.2017 (Veränderung zu 27.2.2017):
Swakoppoort: 31,7 % (12,2 %)
Von Bach: 54,4 % (42,8 %)
Omatako: 59,9 % (53,3 %)
Friedenau: 36,9 % (33,7 %)
Goreangab: 101,3 %
Otjivero: 27,7 % (27,2 %)
Tilda Viljoen: 31,4 % (33,2 %)
Daan Viljoen: 33,1 % (31,9 %)
Hardap: 72,1 % (72,6 %) - Schleusen waren geöffnet
Naute: 101 % (94 %)
Oanob: 91 % (75,3 %)
Dreihuk: 29,3 % (28,4 %)
Bondels: 18 % (15,1 %)
Olushandja: 38,1 % (29,1 %)
Omdel: 4,2 % (0,0 %)

Quelle: Namibia Water Corporation
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Themenstarter33,1k Beiträge · seit 200610. Jan. 2019 · #10
"In Gobabis wird ab Freitag das Wasser rationiert. Das habe die Ortsverwaltung gestern bestätigt, meldet die Presseagentur NAMPA. Demnach werden die Hähne der Versorgungsleitungen nachts um 22.00 Uhr zugedreht und erst um 4.00 Uhr wieder geöffnet. Grund sei der fast leere Otjivero-Stausee, der aufgrund geringer Regenfälle im Auffanggebiet kaum Zulauf erhalten habe. Zudem könne man 16 der 28 Bohrlöcher zurzeit nicht nutzen, weil sie gewartet werden müssten. Ende Februar sollen die Arbeiten laut Ortsverwaltung abgeschlossen sein. Dann werde man die Wasser-Rationierung beenden." (Hitradio Namibia, 10. Januar 2019)

Viele Grüße
Christian
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Themenstarter33,1k Beiträge · seit 200611. Jan. 2019 · #11
Als Ergänzung zu meinem Post von gestern:
dams.jpg

(einzig der für die Windhoeker Wasserversorgung so wichtige Von-Bach-Damm hatte deutlichen Zufluss zum Jahreswechsel erhalten)

Viele Grüße
Christian
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2'530 Beiträge · seit 201111. Jan. 2019 · #12
Windhoek steht weit schlechter da als auf dem Papier. Goreangab Dam ist so verseucht das das Wasser nicht zu gebrauchen ist.
Best Regards Adolf Conservation is our passion! Trustee, Sponsor & SA Contact for 'Desert Lion Conservation'! Sponsor of Desert Elephant Conservation. Hobby: Land Cruiser Touring Vehicles. Member of the LCCSA. Slogan: Tread lightly, leave nothing but your foot prints!
517 Beiträge · seit 201811. Jan. 2019 · #13
Hallo Christian,
der avis dam wird gar nicht mehr erfasst? Warum das, der ist doch auch ziemlich groß oder ist das nur mein optischer Eindruck.
VG
Themenstarter33,1k Beiträge · seit 200611. Jan. 2019 · #14
Hi Focus,

es geht nur um Stauseen die (theoretisch) zur Wasserversorgung genutzt werden. Der Avis-Damm, abgesehen davon, dass er eh nur zu vielleicht 1% voll ist, gehört nicht Namwater. Ebenso z.B. auch nicht der neue Neckartal-Damm. Für Windhoek sind nur die unter "Central" genannten für die Trinkwasserversorgung wichtig, Für weitere Infos dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Staudämme_und_Stauseen_in_Namibia

Viele Grüße
Christian
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zuletzt bearbeitet 11. Jan. 2019
517 Beiträge · seit 201811. Jan. 2019 · #15
Hallo Christian,
Danke für die Info. Wusste nicht, dass die Erfassung von der Nutzung abhängt.
VG
221 Beiträge · seit 201807. Mai 2019 · #17
Hallo zusammen

Das mit dem Wasser scheint mir ein ziemlich ernstes problem zu sein... Gab es den wirklich so wenig Regen?
Ist das Okawango Delta auch zu trocken?

Gruesse aus der Schweiz
Bereiste Länder: Namibia 3x, Botswana 2x, Zimbabwe 1x, Uganda1x, Kenia 2x, Südafrika 1x, Costa Rica 2x, Panama, Peru, Kolumbien, Chile, Bolivien, Argentinien, Paraguay, Uruguay, Brasilien 6x, Kanada, USA, Thailand 13x, Australien, Malaysien, Singapore, Israel 2x, Libanon, Iceland, Färö Inseln, Sri Lanka, Mexiko
94 Beiträge · seit 201907. Mai 2019 · #18
Der Farmer vom Sachsenheim (Etosha) hat mir gesagt, in der Regenzeit sind nur 100mm Regen gefallen und er muss seinen rinderbestand verkleinern
4'129 Beiträge · seit 200807. Mai 2019 · #19
el-commandante schrieb:Der Farmer vom Sachsenheim (Etosha) hat mir gesagt, in der Regenzeit sind nur 100mm Regen gefallen und er muss seinen rinderbestand verkleinern
Jeder kluge Farmer reduziert seit Monaten seine Bestände, so wie es die Verbände und das Ministerium schon vor 2 Monaten empfohlen hat.
In der Region Khorixas/Anabeb haben wir große Viehherden und Kleinviehherden wie nie zuvor gesehen... man kann niemanden zwingen...
Auf der Kleinen Serengeti und der Beesvlakte ist nur noch Bull-Dust, enorme staubgefülte Windhosen ziehen permanent über die Flächen, ein Elend, den Rindern stehen die Rippen raus...
Nördlich vom Waterberg trafen wir auf einen Treck von 90 Rindern, er war seit Wochen unterwegs, aus der Kamanjab-Region weit nach Osten, weil ihm dort Weidemöglichkeit zugesagt war... Den Kälbern ging es schlecht, die Schwächsten hatte er schon auf dem Hänger...


LucatheTraveler schrieb:
Gab es den wirklich so wenig Regen?
Ist das Okawango Delta auch zu trocken?
Es wäre ein kleines Wunder, wenn es dort nicht auch viel zu trocken wäre, zumindest vom Waterlevel des Okavango her (zu den aktuellen Niederschlagsmengen in Ngamiland weiß ich nichts).
Das Delta wird ja von weit her gespeist - und eben diese Region ist insgesamt von der Dürre betroffen.

So war bis Mitte März in Ruacana das Wehr (Kunene) noch nicht ein Mal geöffnet worden, weil der Stausee noch lange nicht voll war.
Der Okavango bei Rundu hatte Ende März mind. 2 Meter unter üblichem Pegel.
Der Zambezi bei Katima Mulilo mind. 2 Meter unter normal. Die Victoria Fälle sehen aus, wie Ende Oktober...
Der Kwando am Horseshoe mind. 1 Meter unter dem Level, den man sonst im Juli vorfindet...

Regen fehlt nicht nur in Namibia, er fehlt bis hin zum Hochland von Bié, in Angola, wo alle 3 Flüsse (außer dem Zambezi) entspringen. Sie haben auch im Süden Angolas eine ernste Dürreperiode (und offensichtlich auch im Westen Sambias).
Das bisschen Regen, das kommt, reicht nicht, um den Flüssen genug Wasser zuzuführen, - und wenn, dann füllen sie erst einmal die Stauseen in Angola bevor das Wasser die Flussläufe der Nachbarländer versorgt...
Sieht ganz schlecht aus...
🙁
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 07. Mai 2019
2'391 Beiträge · seit 201607. Mai 2019 · #20
Danke, Lillytrotter für den ausführlichen Beitrag. Da war mal ein Jahr etwas mehr Regen und schon geht das Bangen wieder los.
Ja, der Kampf ums Wasser, wird die größte Krise der Zukunft werden. Darüber werden zukünftig Kriege ausbrechen und Nestlé und Konsorten reiben sich die Hände.

Viele Grüße
Sasa
Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo seine Faust die Nase eines anderen trifft. 3 Generationen zum ersten Mal auf Pad, Namibia 2016: http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/291659-3-generationen-auf-grosser-namibia-erstlingstour.html