BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201628. März 2016 · #1
Hallo zusammen,
nach jahrelanger stiller Lektüre haben wir - 47 und 50 aus Hamburg - erstmals beschlossen, einen Reisebericht ins Forum zu stellen. Vielleicht hilft es anderen bei Entscheidungen. Wir sind mit den Ratschlägen, von denen man hier dankenswerterweise profitiert, immer gut gefahren.
Wir haben uns 2010 hoffnungslos in Afrika verliebt. Seinerzeit haben wir im Oktober den Norden Tansanias bereist (Klassiker mit Arusha, Lake Manyara, Serengeti, Ngorongoro, Tarangire, Sansibar), seither waren wir (mit tatkräftiger Unterstützung der Tipps aus dem Forum) zweimal in Namibia, einmal in Botswana, in Südafrika (Garden Route) und in Madagaskar.
Diesmal sollte es wieder Tansania sein - andere Jahreszeit, anderes Wetter, andere Sichtungsmöglichkeiten. Um es vorwegzunehmen: Es war toll! Und nass (zum Glück sind wir nicht selbst gefahren)! Und bestimmt nicht das letzte Mal.
Reisezeit und Route:
31. Januar - 13. Februar 2016 1 Nacht Arusha (Ankunft) 3 Nächte Ndutu Region (Ndutu Safari Lodge) 3 Nächte Ndutu Region (Kati Kati Ndutu Camp) 3 Nächte zentrale Serengeti (Kati Kati Seronera) 2 Nächte Ngorongoro (Sopa Lodge)
Ich habe zu meiner Freude festgestellt, dass gerade einige Tansania-Reiseberichte eingestellt werden - teilweise ist man sich vielleicht sogar unbewusst begegnet... Ich hoffe dennoch auf reges Interesse und viele Mitreisende.
Schon bald geht's los. Bis dahin noch Frohe Rest-Ostern!
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201628. März 2016 · #2
Vom Hamburger Regen in den ... Regen
Afrika! Wir reisen gern und möglichst viel, haben aber unseren Sehnsuchts-Kontinent eindeutig gefunden. Am 31. Januar geht es also wieder dorthin - mit viel Fotogepäck und großen Erwartungen. Viel hatten wir über die Migration gelesen, gesehen und gehört, jetzt wollen wir live dabei sein.
Die Anreise von Hamburg via Amsterdam zum Kilimanjaro Airport bleibt (glücklicherweise) unspektakulär, am späten Abend kommen wir am Flughafen an und werden von unserem Guide Abraham in Empfang genommen. Er wird uns die nächsten Tage begleiten und leiten, hat hinreichend Erfahrung mit Safari- und Fotoverrückten und soll sich im Laufe der nächsten 13 Tage als goldener Griff entpuppen. Zunächst aber bringt er uns nach Arusha, wo wir die erste Nacht verbringen, bevor es am nächsten Morgen so richtig losgeht. Ein letzter Check des Weltgeschehens, bevor wir für die nächsten Tage teils freiwillig, teils mangels Internet-Verbindung Nachrichten Nachrichten sein lassen. Aha, Deutschland ist Handball-Europameister, gedankliche Gratulation, dann schlafen wir erschöpft ein.
Nach einer kurzen Nacht starten wir unausgeschlafen, aber voller Vorfreude in unser Abenteuer. Abraham fragt vorsorglich, ob wir in Arusha noch etwas besorgen müssen. Ausreichend Speicherkarten dabei?? Na klar, was für eine Frage. Ich werde noch daran denken müssen...
Der erste echte Stopp führt uns wie schon 2010 an den Rand des Ngorongoro-Kraters. Doch wie anders diesmal alles aussieht!
Oktober 2010
Februar 2016
Abraham drückt ein bisschen aufs Tempo, kurz darauf wissen wir, warum. In der Ndutu-Region fahren wir an vielen Zebras und Gnus vorbei, vor allem aber durch einen Starkregen, da ist Hamburger Schietwetter nichts dagegen. Wir schlittern und schlingern, fahren vor, zurück und wieder vor. Der Weg ist eindeutig keiner mehr, gleicht eher einem Flussbett, und die Ndutu Safari Lodge will und will nicht kommen.
Als es endlich vollbracht ist, erwarte ich eigentlich einen Bootsanleger. Immerhin, der Regen hat aufgehört, die Sonne kommt raus - wir sind da!
franzicke2'085 Beiträge · seit 201229. März 2016 · #3
Hallo Beatnick, das ist ja echt der Knaller! Und ich bin fast sicher, dass wir uns tatsächlich über den Weg gelaufen sind. Ich hab jetzt noch mal unsere Daten rausgefischt - wir waren vom 08.02. - 11.02. in der Ndutu Safari Lodge, dann vom 11.02. -13.02. im Kati Kati Central Serengeti und dann für 1 Nacht in der Ngorongoro Sopa Lodge. Im Kati Kati mit einer sehr! lauten Chinesin 😉 Ich bin also seeehr gespannt auf deinen Bericht! Viele Grüße Ingrid
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201629. März 2016 · #4
Hallo Ingrid,
ha, ich wusste es 🙂 Allerdings passen die Daten haarscharf nicht aufeinander. Die Ndutu Safari Lodge haben wir vier Tage vor euch wieder verlassen, im Kati Kati Central haben wir uns um einen Tag verpasst. Schade...
Ich denke, die Ereignisse und Erfahrungen werden dennoch große Parallelen aufweisen, ich lese bei dir auch fleißig mit und vieles kommt mir bekannt vor. Das Thema Verkehrsaufkommen hat jedenfalls auch bei uns eine Rolle gespielt. Mit einer sehr lauten Chinesin kann ich nicht dienen, wohl aber mit lauten Japanern 😉
Heute Abend geht's weiter, jetzt gibt's erstmal Büro Büro. Einen schönen Tag, Bettina
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201629. März 2016 · #5
1. Februar, nachmittags: Die ersten Löwen
Die Lodge gefällt uns atmosphärisch gut, die Wildtiere kommen fast bis ins Zimmer.
Dikdik
Vor allem aber die Lage ganz in der Nähe des Ndutu Lakes ist sensationell. Bevor uns der erste echte Gamedrive dieser Reise schließlich an dessen Ufer führt, cruisen wir kreuz und quer durch das Gelände oberhalb des Sees, was hier offenbar erlaubt ist (dazu später mehr). Ob wir wohl nach etwas Konkretem Ausschau halten sollten? "This is Lion's Country", meint Abraham. Statt Löwen sichten wir aber zunächst einmal Vögel - auch schön!
Bee-eater
African Harrier-Hawk
Plötzlich geht nichts mehr. Der Boden ist tief und schlammig - wir stecken fest. Abraham sammelt Äste und Steine, legt sie unter die durchdrehenden Hinterräder. Leider ohne Erfolg. Nutzt nix, wir müssen aussteigen. "This is Lion's Country" bekommt eine ganz neue Bedeutung. Echte Angst? Nein. Ein mulmiges Gefühl? Ja. Ein bisschen weniger Gewicht im Wagen, ein wenig schieben, Ruckzuck sind wir raus aus dem Schlamassel.
Unten am Ufer liegt ein totes Gnu, Herr Marabu und seine Genossen Geier sind schon bei der Arbeit.
Ein ganzes Stück weiter finden wir sie schließlich - Löwen! Die ersten dieser Reise, jedes Mal wieder ein ganz besonderer Moment. Wir registrieren zunächst nur einen, der auf der offenen, weiten Fläche herumstromert. Der andere schält sich direkt vor unserer Nase aus dem tropfnassen Gebüsch, ...
... findet uns offensichtlich kolossal langweilig ...
... und macht sich in aller Seelenruhe vom Hof.
Begrüßung unter Brüdern.
Der Wagenkolonne, die sich den beiden an die Fersen heftet, folgen wir nicht mehr. Zuviel Alarm für unseren Geschmack. Wir sind happy für heute - und werden das Brüderpaar auch bald schon wiedersehen...
Der Auftakt, finden wir, kann sich wirklich sehen lassen. Zum Abschluss des Tages statten die Genets, von denen wir schon gehört haben, der Lodge einen ihrer regelmäßigen Besuche ab und sorgen für ordentlich Aufruhr im offenen Speiseraum. Fix und fertig, aber glücklich, schlüpfen wir unters Moskitonetz. Gute Nacht!
KarstenB2'397 Beiträge · seit 201129. März 2016 · #6
Hallo Bettina,
das ist ja toll: ich kann sozusagen Stereo in Ndutu sein - mit Dir und mit Ingrid. Danke für diesen RB. Wir waren ja ziemlich genau ein Jahr vor Euch da - diese Wassermassen hatten wir glücklicherweise nicht. Aber das Fahren auf feuchtem Black Cotton Soil war auch so schon schwierig genug. Als Selbstfahrer konnten wir die Wagenburgen und -kolonnen natürlich meiden, dafür hat man dann auch nicht so viele spektakuläre Katzensichtungen. LG aus Puerto de la Cruz in die HHer Heimat,
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201629. März 2016 · #7
Hallo Karsten,
viele Grüße aus der Heimat zurück. Noch will der Hamburger Winter nicht aufgeben, leider ...
Ja, witzig mit Ingrids und meinem Bericht, es wird interessant sein zu sehen, wie sich unsere Blickwinkel entwickeln. Wir dürften sehr ähnliche Erlebnisse gehabt haben. Danke für deinen Dank. Sehr, sehr gerne! Ganz ehrlich: Ich bin überrascht, wie viel Freude ich daran habe. Hätte ich das geahnt, hätte ich schon viel früher damit angefangen 😉 Man ist hier sozusagen unter Gleichgesinnten. Ich glaube, das ist der springende Punkt.
Die Wassermassen waren echt der Hammer und sind offenbar auch absolut ungewöhnlich für die Jahreszeit. Klimawandel?! In Namibia zum Beispiel fahren wir selbst, ist ja meistenteils auch nicht so schwierig. Tansania haben wir uns allein nicht zugetraut. Nicht nur fahrerisch. Wir hätten uns auch permanent verirrt. Zu den Wagenkolonnen komme ich noch - und zu den spektakulären Katzensichtungen...
Holger_W383 Beiträge · seit 201329. März 2016 · #8
Hallo Bettina, gern reise ich mit Euch nochmal nach Tansania. War ja auch schon zweimal dort. Fotos gefallen mir ausgesprochen gut, schöne Schärfe. Kannst Du etwas über die Kamera und eventuell Objektive mitteilen. Ich wäre interessiert daran.
Holger
2019 Südafrika Klaserie - Timbavati - Sabi Sands
2018 Brasilien Rio de Janeiro - Foz do Iguacu - Pantanal - südliches Amazonasgebiet
2017 Kanada BC
2016 Sambia & Malawi
2015 Süden Tansanias
Reisebericht: Mit der Cessna durch den wilden Süden Tansanias
2014 Kenia & Norden Tansanias
2013 Uganda/Ruanda
2012 Botswana
Natürlich bin ich auch dabei!!! 😁 Bisher schon ein sehr schöner Bericht mit tollen Fotos!
Was die Wagenburgen und -kolonnen angeht: Die kann man auch mit Driver-Guide meiden ohne auf spektakuläre Raubtier-Sichtungen zu verzichten! Raubtiere hats in der Serengeti ja wirklich genug... 😉
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201630. März 2016 · #14
2. Februar, vormittags: Der frühe Vogel...
Es wird mir immer ein Rätsel bleiben, warum es uns in Afrika problemlos gelingt, um 5 Uhr aus dem Bett zu steigen, zuhause aber ganz andere Mächte am Werke sind. Spät rein, spät raus ist da schon eher die Devise.
An unserem ersten Morgen in der Ndutu Safari Lodge sind wir natürlich beileibe nicht die ersten, die sich vor dem Aufbruch in der Lobby über Tee und Kaffee hermachen. Deutsche, Holländer, Schweizer, Japaner, fasziniert beobachten wir eine Gruppe älterer Damen aus den USA, wohl keine unter 75, die offenbar eine Fotoreise unternimmt. Überhaupt das Foto-Equipment, das hier so an einem vorbeigetragen wird - Thomas kriegt beinahe Schnappatmung. Es sind nicht nur Profis unterwegs, aber die Lodge-Gäste wissen, was sie hier tun und zu erwarten haben. Afrika-Kenner, Foto-Kenner - Spezialisten eben.
Punkt sechs machen wir uns auf die Socken. In der Nacht hatten wir "a little bit of rain", meint Abraham. Eine maßlose Untertreibung, es hat gegossen.
Etwas mühsam kämpft sich die Sonne durch.
Die Vogelwelt bemüht sich um ein trockenes Gefieder.
Schopfadler
Steppenadler
Graubrustfrankolin (Danke Elvira!)
Sekretär
Mitten auf dem Weg finden wir unsere Löwenbrüder vom Vorabend wieder. Sie sind nun in familiärer Gesellschaft und im Laufe der Nacht fast zehn Kilometer gewandert, um zu ihrer Verwandtschaft aufzuschließen. Eine ungewöhnlich lange Strecke, meint Abraham.
Ein Löwenkind hat einen dicken Hals, turnt aber fröhlich durch die Gegend.
Einfach mal abhängen...
Knick statt Knopf im Ohr.
Abraham hat von einem Geparden gehört, der möglicherweise jagen wird. Unterwegs sehen wir noch diese Löffelhund-Familie:
Dann sputen wir uns aber. Eine jagende Cheetah haben wir noch nie gesehen.
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201630. März 2016 · #16
Hallo Bele,
vielen Dank für das Kompliment! Ich kämpfe noch ein bisschen mit dem Einstellen der Bilder, klappt aber immer besser 🙂 Die Fortsetzung folgt bald, versprochen!
Holger_W383 Beiträge · seit 201330. März 2016 · #17
Klasse Beginn, tolle Sichtungen! Löffelhunde habe ich noch keine gesichtet, genau wie Wildhunde. Ein Grund immer wieder nach Afrika zu reisen. Freue mich auf Fortsetzung mit weiteren tollen Bildern.
Holger
2019 Südafrika Klaserie - Timbavati - Sabi Sands
2018 Brasilien Rio de Janeiro - Foz do Iguacu - Pantanal - südliches Amazonasgebiet
2017 Kanada BC
2016 Sambia & Malawi
2015 Süden Tansanias
Reisebericht: Mit der Cessna durch den wilden Süden Tansanias
2014 Kenia & Norden Tansanias
2013 Uganda/Ruanda
2012 Botswana
Sadie1'835 Beiträge · seit 201531. März 2016 · #18
Bei unserer selbst Fahrer Reise im August war meistens alles braun und staubig aber wir hatten tolle Sichtungen. Wie schön nun die gleiche Gegend grün und saftig nass zu sehen. Ich geniesse eure Photographie sehr. Die Löffelhunde sind köstlich und die Lion Brothers sehen so kuschelig aus, wohl weil sie nass sind? Auch das frühe morgen Landachaftsbild ist fantastisch. Freue mich auf mehr und es nimmt mich wunder ob man Safari auch im Regen und Schlamm geniessen kann. Ja, na, im Dachzelt wäre das natürlich recht unangenehm.
BeatnickThemenstarter1'712 Beiträge · seit 201631. März 2016 · #19
Vielen Dank für die bisherigen Reaktionen, wir freuen uns sehr!
@Holger: Löffelhunde haben wir in der Ndutu-Region sehr viele gesehen, "very common", sagte unser Guide. Für Wildhunde können wir Khwai in Botswana empfehlen. Wir haben dort sehr viele in allen Lebenslagen gesehen, sehr nah und in aller Seelenruhe. Nach Afrika werden auch wir immer wieder fahren, gute Gründe finden sich immer 😉
@Sadie: Danke für deine Komplimente und fürs Mitreisen. Wir waren 2010 auch schon mal im Oktober in Tansania und hatten damals ebenfalls tolle Sichtungen. Ich will nicht sagen, dass es diesmal (noch) besser war, aber auf jeden Fall anders. In der Summe viel mehr Tiere und sie sind am Tag aktiver als in der heißen Trockenzeit. Ich dachte bislang auch immer, Afrika muss braun, trocken und heiß sein. Diese Reise hat uns eines Besseren belehrt. Im Dachzelt hätten wir unter diesen Umständen aber auch nicht sein wollen. 😉 Wobei man sagen muss, dass zwar Green Season war, mit diesen ergiebigen Regengüssen im Februar aber auch eigentlich nicht mehr zu rechnen ist...
Heute Abend geht die Reise weiter... Bis dahin einen schönen Tag, Bettina
franzicke2'085 Beiträge · seit 201231. März 2016 · #20
Hallo Bettina, das ist echt sehr speziell, mit euch fast parallel in der gleichen Ecke unterwegs zu sein - eure Löwenbrüder mit Anhang haben wir auch gesehen und auch die langen Wanderstrecken bemerkt. Einer davon hat sich dann mit seiner Auserwählten sehr intensiv damit beschäftigt, die Löwenpopulation in der Region zu sichern 😗 Ich freu mich total auf Fortsetzung bei dir und hau jetzt gleich selbst in die Tasten. Viele Grüße Ingrid