Reisebericht

Erlebtes im Hereroland - Reisewarnungen

von arche-foto · begonnen 13. März 2015 · 7 Teile

Teil 113. März 2015
Liebe Namibia-Freunde,

ich bin jetzt zum dritten Mal im Lande und wieder - wie letztes Jahr - mit dem Fahrrad unterwegs. Diesmal ganze 7 Wochen, bin etwas herumgekommen und ich habe viel Schönes erlebt, viele liebe Menschen kennen gelernt bzw. wieder getroffen. Allein zwei Wochen verbrachte ich in Otjimbingwe (frühere Landeshauptstadt) wo mein Zelt auf dem Gelände des Friedenheim-Hostel stand und ich mit 7 Erwachsenen und 84 Kindern zusammen lebte.
Einen großen Reisebericht schreibe ich diesmal aber erst hinterher (dann hier zu finden: http://arche-foto.com/leseproben.html).

Leider bleiben dieses Mal auch unangenehme Erfahrungen nicht aus. Diese mitzuteilen soll anderen helfen möglichst ähnliches zu vermeiden. Hier mein erstes negatives Erlebnis (von 3):

1.:
Am 24. Februar war ich auf dem Campingplatz im von der Regierung betriebenen Waterberg Plateau Park erst allein mit meinem Zelt, später kam noch ein deutsches Päärchen dazu. Früh gegen 2.oo Uhr
werde ich wach und merke wie jemand von außen das Zelt durchwühlt. Ich schreie den Mann an worauf er flüchtet. Weggegommen ist offensichtlich nichts, allerdings ist bei dem Diebstahlversuch das Zelt mächtig zerschnitten worden: Außenzelt, Innenzelt sowie der Boden.

Nächsten Morgen an der Rezeption hat das allerdings niemanden interessiert. Einer der vielen Sicherheitsleute meinte noch die Spuren würden zur Hauptstrasse führen...

Schon eigenartig daß ausgerechnet dort sowas passiert: dieser Park ist nicht gerade preiswert (die verlangen schon 80 NamDollar Eintritt und man fragt sich wofür?), wird mir einem sehr großen Personalaufwand betrieben, das Angebot des kleinen Ladens ist äußerst bescheiden, und der Campingplatz ist etwas heruntergekommen (Sanitäreinrichtungen aber OK). Allerdings macht dann der obere Teil mit Restaurant und lodges einen besseren Eindruck - soweit ich das im Vorbeigehen gesehen habe.

Reisenden empfehle ich daher eher die von Joachim Rust privat betriebene Einrichtung 8 km weiter östlich, ebenfalls direkt am Waterberg: Waterberg Plateau Lodge
Auch hier gibt es neben den lodges einen guten Campground, hier fühlt man sich sicher und die Athmosphäre ist nicht so unpersönlich wie in Plateau-Park. Und preiswerter ist das ganze auch noch. Bin deshalb statt einer gleich zwei Nächte geblieben.

Abgesehen davon gibt esjetzt interessante Lehrpfade mit Infotafeln zum Geschehen vor 111 Jahren (wenn auch die Infos manchmal recht ungenau sind).

bis zum 2. Teil dieser Serie -

beste Grüße - von Burkhart
Teil 214. März 2015
Hier folgt also der 2. Teil:

Nachdem in Okakakara ein Herero erfährt daß ich Deutscher bin bekomme ich eine ganze Menge Streß. Die Geschichte geht so:

Am 26. Februar fahre ich vom Waterberg nach Okakarara wo ich am frühen Abend eintreffe. Nach Einkauf einiger Lebensmittel – ich will mich gar nicht lange aufhalten sondern den Abend noch weiter - setze ich mich zu einigen Leuten vor den Laden. In der friedlichen Abendstimmung mache ich mit dem Handy ein paar Ton- und Filmaufnahmen. Nicht lange darauf werde ich von einem Herero angesprochen und gefragt ob ich Afrikaans spreche. Als ich erwidere: „nur ein wenig“ und die Frage nach meiner Herkunft mit „Deutscher“ beantworte wird der Mann umgehend aggressiv, wirft mir lautstark vor daß wir 80.000 Herero umgebracht und ihnen ihr Land gestohlen hätten! Kaum komme ich dazu etwas zu erwidern, erwähne nur ruhig daß niemand genaue Zahlen weiß und bekannt sei daß Samuel Maharero sowie die Söhne vom alten Kambazembi Land verkauft hätten, und er nicht alle Lügen glauben solle. Der Mann ist jedoch bereits stark erregt und schreit schnell eine Menschenmenge zusammen. Als ich einfach sitzen bleibe, er nichts weiter ausrichtet steigt er in seinen Wagen und kommt nach kurzer Zeit mit zwei Polizisten zurück die mich samt Fahrrad, begleitet von der erregten Menge, zur Polizeistation eskortieren. Beim Eintritt in die Wache prügelt der Mann auf mich ein! Anschließend sitze ich bei den Beamten hinter der Absperrung, während der Herero und die anderen davor bleiben müssen. Der Mann läßt sich nicht beruhigen, brüllt mehrfach daß er mich killen will! Später erscheinen zwei Officers die versuchen den Mann zu beruhigen, doch auch im Büro der Beamten schreit er und sein Anhang nur herum. Nach Stunden schickt man die Leute nach Hause und mir wird angeboten die Nacht in der Wache unter Polizeischutz zu verbringen.

Zum Schlafen komme ich allerdings nicht da nach Schichtwechsel die neuen Polizisten anscheinend nicht informiert sind, ständig in die mir zugewiesene Kammer poltern. Ich habe genug Zeit mir über das Erlebte Gedanken zu machen und daß es kein großer Unterschied ist vor oder hinter der Zellentür zu hocken, sende meinem Schwager eine SMS damit man zu Hause weiß was mir hier passiert...
In den frühen Morgenstunden kommt es in der Wache noch einmal zu einer lauten Auseinandersetzung aus der ich schon wieder Morddrohungen heraus höre!

Zwei höhere Polizeioffiziere erscheinen 8.oo Uhr. Mit Inspektor M. Amakali und Detective Warrant Mbango von der Criminal Investigation Unit geht es in ein Büro und ich komme endlich auch dazu meine Erlebnisse vom Vorabend zu schildern. Mir wird angeboten daß man mich nach Windhoek zurück bringt, doch ich möchte der Polizei hier Arbeit und Kosten ersparen. Man könne auch den Herero solange inhaftieren bis ich sicher aus der Stadt sei. Zuletzt einigen wir uns darauf daß ich unter Polizeischutz den Ort verlasse und eine Strecke weit gefahren werde, jedoch niemanden über mein Reiseziel informieren soll.
Nun fragt man ob ich etwas dagegen hätte daß man den Herero vorlädt und der Mann erscheint nach kurzer Zeit. Die Beamten sind sehr korrekt und professionell, lassen sich auch von der Gegenseite die Angelegenheit erläutern und versuchen die Sache zu entspannen. Der Herero streitet natürlich unter anderem ab auf mich eingeprügelt zu haben, doch bestätigt das der als Zeuge gerufene Polizisten zweifelsfrei. Man fragt ob ich Anzeige gegen den Mann erstatten möchte, doch darin sehe ich keinen Sinn – das kostet nur weitere Zeit, Nerven und Geld. Mir reicht wenn die ganze Angelegenheit aktenkundig ist. Am Ende der Vernehmung wirkt der Mann ganz kleinlaut, die Beamten schlagen vor daß wir einander die Hand geben. Kategorisch lehne ich ab, so leicht lasse ich die Angelegenheit dann doch nicht beilegen, zumal ich noch genug Aggression (um nicht zu sagen Haß) in den Augen des Mannes sehe, ihm nie den Rücken zudrehen möchte!

Als wir nach etwa zwei Stunden soweit fertig sind lasse ich mir noch Aktenzeichen sowie den Namen des Mannes geben der inzwischen entlassen ist: Ripanga Meroro. Bald wird der Polizeiwagen der mich aus der Stadt bringen soll bereitgestellt und gewaschen, doch dann passiert lange nichts. Da ich bald 30 Stunden nichts gegessen habe erkundige ich mich nach einem Supermarkt, laufe die Hauptstraße zum anderen Ende der Stadt. Als ich zur Polizeistation zurück komme bedeutet man mir ich könne nun losfahren. Sieht so der versprochene Polizeischutz aus? Es kann nun jeder sehen in welche Richtung ich die Stadt verlasse. Erst am Ortsausgang hält neben mit der Polizeiwagen, das Fahrrad wird hinten eingeladen wo schon zwei Frauen sitzen, ich steige dazu und werde 24 Kilometer Richtung Okondjatu gefahren, ursprünglich wollte ich in den Norden.
In Okondjatu teile ich dann wie abgesprochen Inspektor Amakali telefonisch mit daß ich sicher angekommen bin.

Bild 1: der Herero Ripanga Meroro vor dem Laden wo alles begann
Bild 2: Okakarara, "Schutzhaft" in der Polizeistation
Bild 3: am nächsten Morgen zwischen Inspektor M. Amakali (re.) und Herrn Morenga (sein Groß-Großvater war der bekannte Führer der "Morenga-Bande")
Teil 315. März 2015
Hallo Christian,

ja - damit war ich gemeint. Das ist dann aber erst Teil 3 meines Posts hier und ich will nicht vorgreifen. Kommt in Kürze - man darf gespannt sein!!!

beste Grüße - von Burkhart

War natürlich klar daß selbsternannte Gutmenschen behaupten werden ich hätte den Mann provoziert. Dazu sage ich: es ist jedoch nicht jedermanns Sache "den Schwanz einzuziehen" und "das Maul zu halten"...


"Es gibt Leute die ihre permanente Betroffenheit wie eine Fahne vor sich hertragen..."

Wie ich schon schrob: ich habe dort gesessen und mich mit ein paar Leuten ganz friedlich unterhalten. Dann kam dieser Herero und hat sofort nachdem er meine Herkunft erfuhr auf mich eingebrüllt. Ich kam kaum dazu überhaupt etwas zu erwidern während seiner Tiraden, geschweige denn mich vorab für irgendwas zu entschuldigen bzw. Bedauern auszudrücken!
Teil 415. März 2015
Hallo liebe Leute,

ich hoffe wir vertragen uns alle einigermaßen weiterhin - auch wenn wir nicht alle die gleichen Ansichten u. Erfahrungen haben.

Ich will auch noch einmal betonen daß ich in den letzten 7 Wochen wieder mehr als genug schöne Erlebnisse hatte welche die 3 negativen (wobei das zerschnittene Zelt ja kein Beinbruch ist) in den Hintergrund treten lassen. So komme ich auch wieder gerne nach Namibia - eben weil ich hier viele gute, liebe Menschen kenne. So bezeichnet mich ein sehr guter Freund in Otjimbingwe inzwischen als "seinen weißen Sohn"...

Hier also der versprochene dritte Teil. Dies ist keine Reisewarnung sondern nichts weiter als das dritte schlechte Erlebnis meiner Tour. Sicher gibt es wieder welche die auch hier wieder alles gegen mich auslegen.

Ich sage gleich vorab: alles was ich in Teil 1 + 2 geschrieben habe (von Okakarara eigentlich nur eine Kurzfassung) kann ich nahezu lückenlos mittels Dokumenten, Video- und Tonaufnahmen belegen!!!

* * *

Das dritte schlechte Erlebnis dieser Reise habe ich nur wenige Tage später als Freunde mich auf einen facebook-Beitrag aufmerksam machen. Mein Schwager hatte als Warnung für andere Reisende eine kurze Meldung über meine Erlebnisse in Okakarara gepostet – daraufhin startete am 1. März ein Sven-Erik Stender von Hitradio Namibia eine üble Hetz- und Verleumdungskampagne auf facebook! Nach angeblichen „Recherchen“ schreibt der eine völlig reißerische, verzerrte, unwahre Darstellung der beiden Geschehnisse, so erdichtet er u.a. eine Messerstecherei am Waterberg (bei Hitradio behauptet er wenige Tage zuvor noch es hätte einen "Überfall mit Prügelei" gegeben), nicht einmal die Datumsangaben stimmten. Behauptet frech in der Polizeistation Okakarara wisse man nichts von dem Vorfall!
Als Krönung folgt noch die Drohung: falls ich meine Erlebnisse publiziere wird er weiter auf facebook gegen mich vorgehen…


* * *

Da ich keinen facebook-Zugang habe u. das internet hier absolut langsam ist kenne ich den aktuellen Stand dort nicht. Jedenfalls ist dem Stender bei seinem Beitrag offensichtlich die Phantasie durchgegangen. Alle seine Behauptungen kann ich widerlegen, seine "Informanten" würde ich gerne einmal kennen lernen.
Man lese sich mal die Leserkommentare durch - dieser Mensch hat eindeutig Stimmung gegen mich gemacht.

Da hat man solche wie in Teil 2 geschilderten Erlebnisse und dann versucht noch so eine "Journaille" einen fertig zu machen...
Teil 516. März 2015
.
Teil 616. März 2015
never ending story....

Wie ich gerade erfuhr hat die AZ heute auf Seite 1 einen Beitrag über mich gebracht.

Ursprünglich hatte ich dem Blatt über den Chefredakteur Stefan Fischer einen Artikel incl. Fotos mit meiner Geschichte angeboten. Der rief mich dann paar Tage später an, nahm mir die Sache aus den Händen u. wollte lieber selber eine story schreiben, entsprechend nachrecherchieren und auch den Stender nochmal befragen.
Wir hatten vereinbart daß ich den Artikel zum Gegenlesen vorab bekomme - damit nicht wieder Falsches an die Öffentlichkeit gelangt. Das ist leider nicht geschehen und so sind in dem Beitrag zwei Fehler:

Auf die Frage zu meinem Alter gab ich an 66er Baujahr zu sein - nun macht man mich in der AZ zu einem 66jährigen...
Die Nacht dort "in Todesangst" verbracht zu haben ist ein wenig übertrieben. Ansonsten folgt der Artikel meinen Darstellungen und ist insoweit korrekt.

Weitere Einzelheiten bzw. dann mein gesamter Reisebericht demnächst auf meiner homepage.

beste Grüße an alle - von Burkhart

PS: eine Leserin störte sich in meinem 2012er Reisebericht (auf meiner homepage) über die Verwendung des Wortes "Blaumann", glaubt daraus auf "meine Einstellung" (welche auch immer) schließen zu können. Gerade als aus dem Osten stammend müßte sie doch wissen daß auch in der DDR solche blauen Latzhosen oder Arbeitsanzüge usus waren. Ich jedenfalls habe in sowas meine erste Lehre gemacht und fand daran nichts anstößiges...
Teil 716. März 2015
Im AZ-Artikel fehlen die Bildunterschriften:

Bild 1: Burkhart Rüchel zwischen Inspektor Amakali (li.) und Herrn Morenga, einem Nachkommen von Jakob Morenga, Polizeistation Okakarara am 27.02.

Bild 2: Burkhart Rüchel "in Schutzhaft", Polizeistation Okakarara in der Nacht zum 27.02.

Bild 3: Ripanga Meroro am Abend des 26.02.

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