Hallo,
Mac73 schrieb:Grundsätzlich sind Monitore auf das Internet surfen und schreiben von Texten eingestellt, dass bedeutet etwas bläulich.
Das ist nicht richtig, wenn sie das wären, dann würden sie z.B. werksseitig mit deutlich reduzierter Helligkeit ausgeliefert, was aber nicht der Fall ist. Die billigen Monitore sind in Ihren technischen Möglichkeiten einfach sehr beschränkt. Sie werden dann werksseitig mit viel zu hoher Helligkeit, hohem Kontrast und häufig einem Weißpunkt mit zu hoher Farbtemperatur ("bläulich") ausgeliefert, damit zumindest der weniger versierte Konsument denkt, er hätte einen tollen Monitor mit knackiger Darstellung.
Mit einem Colorimeter ("Kalibrierungsgerät") kann man ein paar Dinge am Monitor verbessern, aber eine Kalibrierung und Profilierung mit einem Colorimeter macht aus einem miesen Monitor keinen High-End-Monitor. Sie holt nur aus dem miesen Monitor noch das bestmögliche heraus. Auch bei den Colorimetern gibt es Unterschiede. Der Amateuren recht beliebte Spyder 3 verschlimmert z.B. viele Dinge noch.
Mal ein paar typische Punkte:
Helligkeit:Werksseitig werden viele Consumermonitore mit Helligkeiten um die 300 cd/m² ausgeliefert, weil so ein helles Bild fälschlicherweise meist mit "Qualität" assoziiert wird. Wenn man dann mal Fotoabzüge oder Fotobücher bestellt, findet man die Bilder da häufig zu dunkel. Sie sind aber auf Papier nicht zu dunkel, sondern am eigenen Monitor absurd hell. Das Papier hat eben keine eingebaute Beleuchtung. In der Druckvorstufe wird am Monitor mit Helligkeiten von 80-120 cd/m² gearbeitet. 120 cd/m² sind auch für den privaten Gebrauch ein guter, augenfreundlicher Richtwert. Die Helligkeit kann man mit einem Colorimeter messen und dann einstellen.
WeißpunktAn vielen Monitoren ist der Weißpunkt werksseitig falsch eingestellt. Häufig zu "kalt", d.h. das Bild hat einen leichten Blaustich. Kann man mit einem Colorimeter messen und einstellen, wobei billige Monitore häufig Probleme haben, den eingestellten Weißpunkt konstant zu halten.
Kontrast/helligkeitsverteilung/GammaWeiterhin haben billige Monitore und Displays meistens "Kontrastprobleme", die sich u.a. in verschluckten Tonwerten kurz vor weiß und kurz vor schwarz äußern. Das lässt sich auch ohne Colorimeter leicht testen. Ruft die nachfolgende Grafik auf. Wenn Euer Monitor gut ist, könnt Ihr links und rechts auch jeweils die 1 erkennen. Wenn nicht "verschluckt auch Euer Monitor Bildinformationen, was schlecht ist. Innerhalb der Hardware-Grenzen des Monitors lässt sich das durch Kalibrierung/Profilierung mit Colorimeter verbessern,.
http://www.deltae-ic.de/Downloads/Einser.jpgFarbraumBillige Monitore und insbesondere Notebook-Displays haben sehr häufig nur einen beschränken Farbraum. Mit der LED-Hintergrundbeleuchtung hat sich die Situation in letzter Zeit eher noch verschlechtert. Da werden teilweise nur 50% des sRGB-Farbraums abgedeckt - und dieser Farbraum ist ohnehin schon klein. Was bedeutet das? Der Monitor kann die Hälfte der im sRGB-Farbraum definierten Farben überhaupt nicht darstellen - ganz egal was ihr daran macht und einstellt. Auf Eurem Monitor habt Ihr dann vielleicht ein natürlich aussehendes Türkis bei dem schönen Meeresfoto. Wenn Ihr den Abzug in Händen haltet, dann ist vielleicht ein kitschiges, absurd gesättigtes Türkis zu sehen. Das habt Ihr Rahmen der Nachbearbeitung so in dem Foto definiert. Euer Monitor war nur nicht in der Lage, das so intensiv anzuzeigen und deshalb sah es dort anders und für Euch gut aus. Schuld ist dann immer der Druckdienstleister 😉 Colorimeter, Kalibrierung und Profilierung helfen beim Farbraum null.
Wenn man Wert darauf legt, dass die Leute an ihren Monitoren die Bilder so mit den Farben sehen, wie man sich das gedacht hat, dann hat man verloren. Die meisten sitzen an billigen und furchtbar eingestellten Monitoren. Das ist einfach die Realität. Zudem unterstützen diverse Browser Farb-Management gar nicht oder nur unvollständig. Schnelltest für einen Teilaspekt hier:
http://www.deltae-ic.de/Downloads/ColorSpin.jpg (Da wo das Wort Rot steht, sollte es auch rot sein und nicht blau).
Wenn man Wert auf die richtige Farbwiedergabe bei Abzügen Fotobüchern usw legt, dann braucht man:
- einen hochwertigen kalibrierten und profilierten Monitor. Kostet Geld. Empfehlungen z.B. hier:
http://www.prad.de/new/monitore/kaufberatung/kaufberatung-teil7.html- Software, die Farbmanagement unterstützt und die richtige ICC-Profile für das gewünschte Endprodukt.
- einen Dienstleister für Drucke/Abzüge, der wirklich ein funktionierenden Farb-Management hat. Das ist eher selten und deshalb auch eher teuer.
Eine gute Einführung zu dem Thema gibt es hier:
http://fotovideotec.de/farbmanagement/index.html(Man wird dann feststellen, dass das alles noch viel komplexer und fehleranfälliger ist, weil z.B. immer in einem CMYK-Farbraum gedruckt wird).
Für Hobbyfotografen ist meines Erachtens die Hardware vom Colormunki Display in Verbindung mit der Open-Source-Software DispcalGUI im Preisbereich von rund 100 EUR die hochwertigste Lösung für Monitor-Kalibrierung und Profilierung.
http://www.amazon.de/dp/B0055MBQOMhttp://dispcalgui.hoech.net/Beste Grüße
Guido