Hallo Jenny,
ich bin ähnlich besorgt wie du, werde aber in 2 Wochen meine erste Reise nach SA unternehmen.
Sowohl die in Medien und beim Auswärtigen Amt berichteten Kriminalitätsrisiken als auch die grotesken Verharmlosungen mancher Fans (
„SA/Namibia ist auch nicht gefährlicher als Frankfurt, Bangkok oder Tokio“) haben mich lange davon abgehalten. (sic!)
Nachdem ich in einem allgemeinen Reiseforum darüber „gestolpert“ bin, dass es viele Reisewiederholer gibt, habe ich nun aber spontan beschlossen mir bzw. SA „eine Chance zu geben“. Hierfür habe ich Kapstadt, die offenbar mit Abstand attraktivste Stadt Südafrikas, sowie Gartenroute/Kleine Karoo ausgesucht. Wenn das funktioniert, komme ich wieder, denn die inzwischen angeschafften Reiseführer zeigen ein immens attraktives Land. Wenn es nicht funktioniert, werde ich daraus Konsequenzen ziehen. Die Welt ist voller attraktiver Reiseziele ...
Nun ist es jedenfalls so weit. Ich will es wissen. 😛 Und ich tue alles, was ich in dieser Situation tun kann:
1. sammle ich Sicherheitstipps des Auswärtigen Amtes, verständiger Forumsuser (ausdrücklichen Dank an @swakop) sowie weitere Infos, die ich im Netz gefunden habe:
http://www.sueddeutsche.de/reise/urlaub-im-fussball-wm-land-sicher-durch-suedafrika-1.57123( Ich brauche diese Tipps tatsächlich. Sie sind für mich alles andere als selbstverständlich, da ich bisher noch nie in relativ gefährlichen Zielen allein bzw. zu zweit unterwegs war. Reiseziele wie Brasilien und Jamaika habe ich bisher gemieden, und – egal, was Afrika-Fans behaupten mögen – die Risiken in Thailand, Japan, Kuba mit denen in Ländern wie SA zu vergleichen, ist schlichtweg lächerlich.
Eine mehrmonatige Afrikadurchquerung, die ich vor vielen Jahren mal gemacht habe – Marokko, Algerien, Mali, Elfenbeinküste, über Zaire und Zentralafrikanische Republik, bis Tansania und Kenia – fand im Schutz einer Gruppe statt, ist also mit einer Individualreise nicht vergleichbar.)
2. ich überlege mir gut, was ich mitnehme.
Keine Safari-Klamotten. Muss es die neue Kamera sein oder tut es auch die alte? (muss ich noch überlegen, denn die neue ist erheblich lichtstärker und schneller). Fernglas kommt mit. (Wenn es für ein solches Land nicht mitkäme, könnte ich es genauso gut gleich wegwerfen.) Das neue Notebook bleibt daheim, stattdessen kommt ein altes mit, das sonst nur noch Testzwecken diente. Mobiltelefon muss ich klären: wenn, dann eventuell prepaid. Kann man meines Wissens schon am Flughafen erledigen.
3. Nach Anraten meiner Bank habe ich die Kartenlimite halbiert.
4. Telefonnummern für Kartensperrung sowie Kopien der Reisepässe werden an mehrere Stellen im Reisegepäck verteilt. Für den Fall, dass wir komplett abgezogen werden, schicke ich sie mir außerdem per eMail zu.
5. Anders als überall sonst, wo wir bisher waren, werden wir diesmal keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, vom HopOn-HopOff-Bus in Kapstadt abgesehen. Vernünftiger Mietwagen (also untere Mittelklasse, kein Protz, kein Kleinwagen mit Minikofferraum), ohne Selbstbeteiligung, mit voller Deckung auch im Diebstahlsfall.
6. Ansonsten schreiben wir uns hinter sämtliche Ohren:
kein Widerstand im Fall des Falles. Materielle Dinge sind ersetzbar.
Vielleicht erscheint das eine oder andere übertrieben, aber so fühle ich mich einfach besser. So sind die Risiken schon sehr gut eingrenzbar. Alles, was trotzdem passiert, ist tatsächlich allgemeines Lebensrisiko und vermutlich weitaus weniger wahrscheinlich als ein Autounfall.
Ach übrigens:
meine mehrmonatige Afrika-Durchquerung in einer Gruppe …
Es gab genau eine lebensbedrohliche Situation in 5 Monaten, nämlich als ich in Nairobi über die Straße ging und automatisch zuerst links und dann erst rechts geschaut habe. Der Fahrer des Geländewagens, den ich dementsprechend, d.h. wegen des Linksverkehrs, nicht gleich gesehen habe, hat nicht einmal den Versuch gemacht zu bremsen. Nur blitzschnelle Reaktion hat mir das Leben gerettet.
Was ich sagen will?
Grundsätzlich neigt der Mensch dazu Gefahren, die er halbwegs gewöhnt ist (als Großstadt-Europäer z.B. den Autoverkehr) tendenziell als eher niedrig einzuschätzen. Die Gefahren im Straßenverkehr werden dann selbst in Ländern mit chaotischem Straßenverkehr und technisch unzulänglichen Fahrzeugen gefühlsmäßig unterschätzt. Gefahren, die man nicht gewöhnt ist (Krokodile, Schlangen etc. in Australien, Raubüberfälle in Afrika) werden hingegen gefühlsmäßig als zu hoch eingeschätzt.
Das ist nun mal so. Also gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder unbekannte Risiken und somit bestmmte Reiseziele konsequent meiden oder ein vorhandenes aber möglicherweise überbewertetes(?) Risiko in entsprechende Sicherheitsvorkehrungen ummünzen. Mit der Zeit und mit entsprechender Erfahrung kann dann alles ein wenig anders aussehen. Eventuell. 😉 Hoffentlich. 😉
Wenn nicht, dann bleibt immer noch die Möglichkeit zu sagen:
es war eine Erfahrung, aber keine, die ich wiederholen möchte. Bis man sich selber ein ganz eigenes Bild gemacht hat, bleibt nur: Sicherheitstipps annehmen und umsetzen, Risiken minimieren, Augen offen halten, dabei aber nach Möglichkeit keinen ängstlichen Eindruck erwecken.
Und auf die Reise freuen. Denn die allermeisten Leute kommen doch heil und glücklich wieder zurück.