Dorf in Namibia testet Grundeinkommen

30 Antworten · 7'564 Aufrufe · gestartet 23. Jan. 2013 von easytrack
Antworten
199 Beiträge · seit 201111. Feb. 2013 · #21
jo, habs auch gelesen, sovoel zum laut schreien, schad isses 🙁
98 Beiträge · seit 200612. Feb. 2013 · #22
konno schrieb:

Weil die, die in Namibia leben glauben, sie haben die Weisheit mit Löffeln gefuttert.



Aber höhere Löhne können in so einem harschen Umfeld wie der namibischen Landwirtschaft nicht bezahlt werden, immerhin kostet das DHPS Schuljahr für die Farmerstochter ein halbes Vermögen...
Oder vielleicht doch, weil sie die Realität vor Ort und die Mentalität der Mitmenschen besser einzuschätzen wissen, als ein Heer von europäischen Theoretikern, die immer noch Rezepte westlichen Ursprungs einer anderen Welt aufzwängen wollen?

Man liest viel von (vor allem links gerichteten) Theoretikern, die bereits seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts versuchen, mit gut gemeinten Entwicklungshilfemaßnahmen Verbesserungen herbeizuführen. Indes sind nahezu alle Versuche, abgesehen von kleineren lokalen Erfolgen, gründlich gescheitert. Ebenfalls ist es nicht gelungen, auf der Grundlage einer realistischen Lagebeurteilung die nötigen Konsequenzen zu ziehen.

Denn an der Entwicklungshilfe hängen inzwischen viel zu viele Interessen - vor allem aber die derjenigen, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen. So hat sich die Entwicklungshilfe fast schon zu einem kleinen Industriezweig entwickelt, von dem die "Helfer" in größerem Umfang profitieren, als die "Geholfenen". Klar, dass von dieser Seite der Sinn der Entwicklungshilfe selbst vor dem Hintergrund des entstandenen Trümmerhaufens nicht in Frage gestellt, sondern vehement verteidigt wird. Dabei wird selbst außer Acht gelassen, dass auch angesehene Afrikaner inzwischen die Folgen der Entwicklungshilfe auf Moral, Innovation und heimische Wirtschaft offen beim Namen nennen und ein Umdenken fordern.

Einen (wenn auch kleinen) Schritt in die richtige Richtung hat wenigstens der derzeitige Entwicklungshilfeminister gemacht, in dem er das Moloch von verschiedenen Entwicklungshilfeorganisationen ein wenig gestrafft hat. Ganz durchsetzen konnte er sich gegen den Druck der Entwicklungsprofiteure aber offenbar nicht, wenn man bedenkt, dass er ursprünglich mal die Abschaffung dieses Ministeriums gefordert hat. Dies ist sicherlich auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass er nun inzwischen seinen eigenen Stuhl nicht absägen möchte.


Schöne Grüße!
199 Beiträge · seit 201112. Feb. 2013 · #23
...ein sehr polarisierendes thema....entwicklungshilfe pro und kontra...aber auch viel vielschichtiger, als in 3 worten zu erklären...nur mal angedeutet: welche humanitäre katastrophe würde sich abspielen, im falle einer abschaffung von entwicklungshilfe....klar bereichern sich andere auch daran...aber wie aus der spirale rauskommen, leichter gesagt als getan...zum anderen muss man sich die organisationen , die man unterstützt auch genau ansehen...aber, wie gesagt, ein heißes eisen...
1'457 Beiträge · seit 200617. Feb. 2013 · #24
Jamiroquai schrieb:
konno schrieb:

Weil die, die in Namibia leben glauben, sie haben die Weisheit mit Löffeln gefuttert.



Aber höhere Löhne können in so einem harschen Umfeld wie der namibischen Landwirtschaft nicht bezahlt werden, immerhin kostet das DHPS Schuljahr für die Farmerstochter ein halbes Vermögen...
[...]

Man liest viel von (vor allem links gerichteten) Theoretikern, die bereits seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts versuchen, mit gut gemeinten Entwicklungshilfemaßnahmen Verbesserungen herbeizuführen. Indes sind nahezu alle Versuche, abgesehen von kleineren lokalen Erfolgen, gründlich gescheitert. Ebenfalls ist es nicht gelungen, auf der Grundlage einer realistischen Lagebeurteilung die nötigen Konsequenzen zu ziehen.

[...]

Einen (wenn auch kleinen) Schritt in die richtige Richtung hat wenigstens der derzeitige Entwicklungshilfeminister gemacht, in dem er das Moloch von verschiedenen Entwicklungshilfeorganisationen ein wenig gestrafft hat. Ganz durchsetzen konnte er sich gegen den Druck der Entwicklungsprofiteure aber offenbar nicht, wenn man bedenkt, dass er ursprünglich mal die Abschaffung dieses Ministeriums gefordert hat. Dies ist sicherlich auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass er nun inzwischen seinen eigenen Stuhl nicht absägen möchte.


Schöne Grüße!
Und so hat jeder seine Meinung 😉 Dass die wenigsten Weißen in Namibia linksgerichtet sind, da stimme ich dir zu.

Doch Vorsicht: Herrn Niebel aber in irgendeiner Weiße, beziehungsweise überhaupt für Maßnahmen in seinem Ressort zu loben, eine Disqualifikation des eigenen Standpunktes! 🤩

aber um die deutsche EZ geht es hier ja zum Glück wahrlich nicht
zuletzt bearbeitet 17. Feb. 2013
2'664 Beiträge · seit 201217. Feb. 2013 · #25
Konno,
wenn alles so schlecht ist in Namibia, warum verabschiedest Du Dich nicht einfach? Die Freiheit hast Du doch!
H.
zuletzt bearbeitet 17. Feb. 2013
33,1k Beiträge · seit 200617. Feb. 2013 · #26
Hallo Konno,
Weil die, die in Namibia leben glauben, sie haben die Weisheit mit Löffeln gefuttert.
ganz im Gegensatz zu den Weltretter-Touristen natürlich 😉

Und seien wir doch mal ehrlich. Warst Du mal in dem Dorf, in dem das BIG getestet wurde? Ich war vor Einführung der Initiative und vor knapp einem Jahr dort. Was hat sich verändert? Keiner hat mehr Interesse sich einen Job zu suchen oder mal anzupacken (Faulheit, denn es geht mir ja jetzt gut bzw. noch besser als zuvor; ist ja nicht so, dass die Leute dort vorher reihenweise verhungert sind, sie haben auf einem sehr niedrigen Niveau "gut" gelebt.)... dafür ist nun in jedem zweiten "Haus" ein Shebeen eingerichtet. Kurbelt natürlich die lokale Wirtschaft enorm an, wenn jeder 100 Dollar im Monat in Suff stecken kann. Wäre dann einfacher, wenn man den - fleißigen - Sheeben-Besitzern dann gleich 5000 Dollar pro Monat gibt und den anderen 49 nichts. Dann ist die Verteilung des Geldes die Gleiche, nur es gibt weniger Alkoholiker, weniger Männer die ihre Frauen und Kinder im Suff verprügeln, weniger Straftaten...

Klingt wie ein Klischee der BIG-Gegner, ist aber meine ganz konkrete Erfahrung aus dem BIG-Test-Dorf.

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
zuletzt bearbeitet 17. Feb. 2013
1'457 Beiträge · seit 200618. Feb. 2013 · #27
@ Swakop: Wer sagt denn, das ich in Namibia alles schlecht finde? Im Gegenteil!

@ Andreas: Ich vertraue da lieber auf fundierte Analysen und kenne die Argumente die du aufzeigst (und bin mir dessen bewusst). Doch selbst bei Wikipedia kann man anderes lesen.... Es ist und bleibt halt ein Streitthema 😄

bei meinem Standpunkt in Sachen Rassismuss und Lohnniveau bleibe ich aber mit Nachdruck
zuletzt bearbeitet 18. Feb. 2013
2'664 Beiträge · seit 201218. Feb. 2013 · #28
Konno, ich hoffe Du bist dann auch so konsequent und meidest alle diese bösen Menschen, alle Geschäfte, Beherbergungs- und Gastronomieeinrichtungen, die diesen Bösen gehören, pflegst auch keinen Umgang mit solchen Leuten, läßt Dich nicht einladen, und bewegst Dich nur in den Kreisen die Deiner Ausrichtung genehm sind, und kaufst auch dort keine Lebensmittel, und läßt Dein Auto auch nicht dort reparieren.
Im übrigen kann man der Stellungnahme von Christian nur zu 100% beipflichten, oder wäre das auch gleich Rassismus?
Beste Grüße
H.
23 Beiträge · seit 201318. Feb. 2013 · #29
Leute, Leute,

nu kommt mal alle wieder 'runter! - Das war ne STUDIE.

Studien dienen dazu, eine Hypothese zu bestätigen oder zu entkräften. Nichts mehr und nichts weniger. Und Studien sind per se zeitlich begrentz.

Mich würden da ein paar andere Punkte interessieren.
Warum wurde das nicht in Deutschland gemacht?
In wieweit werden die Ergebnisse aus einer Damara-Gemeinschaft auf andere Volksgruppen übertragen? Kann man das überhaupt?
Sollen die Ergebnisse der Studie auch auf andere Volksgruppen außerhalb Afrikas übertragen werden? Welcher 'Schlüssel' wird dafür verwendet?
Welche Volksgruppen dienen als 'Kontrollgruppe'?

Komplett nutzlos, diese Studie, in meinen Augen.

Mit anderen Worten: da wurde eine (wenn auch ärmliche) funktionierende Dorfgemeinschaft korrumpiert und plötzlich sind die so-genannten Wissenschaftler wieder weg.
Es bleiben übrig: ein paar Shebeens, Alkoholiker, und garantiert kein Lernerfolg.
Außer: irgendwann kommt wieder eine verrückte deutsche Forschergruppe und schmeißt wieder mit Geld um sich. Wir brauchen nur zu warten.

Meiner Ansicht nach hätten die lieber auf die Studie verzichten sollen, das Geld in ein Stipendium für einen Namibier stecken (ja, Universitäten / Studentenwohnheime / Bücher / usw. kosten viel Geld, nicht nur die HPS für die Farmerstöchter) und damit hätten sie auf lange Sicht nicht nur diesem Einen und seiner Familie, sondern auch einer ganzen Dorfgemeinschaft gezeigt: mit Ausbildung bekommt man einen Job mit Kohle, kann die Familie unterstützen, UND - ist nicht nach Ablauf einer Studie plötzlich wieder weg!

In diesem Sinne - ich finde dass aus humanitären Gründen diese Studie nicht in Namibia hätte durchgeführt werden sollen.

Beste Grüße, Andrea
16,9k Beiträge · seit 201219. Apr. 2021 · #30
Geingob lehnt bedingungsloses Grundeinkommen ab - Kritik kommt von der Kampagne für das Grundeinkommen
https://www.az.com.na/nachrichten/geingob-lehnt-bedingungsloses-grundeinkommen-ab2021-04-19/

In seiner Rede an die Nation hat sich Präsident Hage Geingob gegen die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens in Namibia ausgesprochen. Er bezeichnete die Idee als fehl am Platz. Stattdessen solle das Programm von Essensausgaben erweitert werden, bei dem es klare Kriterien gebe, wer berechtigt sei, Hilfen zu erhalten....

LG
Logi
16,9k Beiträge · seit 201223. Apr. 2021 · #31
Wissenschaftler sprechen sich für BIG aus: BIG sei der Schlüssel zu Gerechtigkeit und Wachstum https://www.az.com.na/nachrichten/wissenschaftler-sprechen-sich-fr-big-aus2021-04-23/

Namhafte Politikwissenschaftler haben sich hinter die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens, genannt BIG, gestellt. Der Forschungsdirektor des wirtschaftspolitischen Instituts in Kapstadt, Michael Samson, bezeichnete es als die wirksamste Maßnahme, um das Regierungsziel der Beendigung von Armut zu erreichen....

LG
Logi