Dorf in Namibia testet Grundeinkommen

30 Antworten · 7'564 Aufrufe · gestartet 23. Jan. 2013 von easytrack
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Themenstarter63 Beiträge · seit 201123. Jan. 2013 · #1
Sehr interessanter Bericht über ein Damara Dorf, welches ein kleines Grundeinkommen für alle getestet hat. Finde ich sehr interessant, die Autoren sind der Meinung, dass sich Namibia (im Gegensatz zu Deutschland) ein solches landesweites Grundeinkommen sogar leisten könnte.

Aber llest selbst im Hochschulanzeiger.
www.dcloew-photography.com
zuletzt bearbeitet 23. Jan. 2013
174 Beiträge · seit 200623. Jan. 2013 · #2
In der GEO 10/2012 war auch ein sehr guter und recht ausführlicher Artikel zu diesem Thema.

LG
Carmen
33,1k Beiträge · seit 200623. Jan. 2013 · #3
Hi zusammen,

ist ja seit Jahren ein sehr heikles Thema hier in Namibia. Einzelheiten: http://de.m.wikipedia.org/wiki/Basic_Income_Grant

Sonnige Grüße aus Windhoek
Christian

P.S. Hat aber nix mit einem "Damaradorf zu tun!
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
983 Beiträge · seit 201123. Jan. 2013 · #4
Fairer Handel, Dienstleistungen (z. B. Tourismus) konsumieren, finanzielles Investment in Namibias Wirtschaft - auf Augenhöhe - das ist von offizieller Seite in Namibia gewünscht - aber keine europäischen Oberlehrer, die ihre Gesellschaftsmodelle an ein paar Armen ausprobieren wollen ...

P.S. Komme gerade aus Brasilien/Amazonien. Namibia ist vieeel schöner! 🙂
Beste Grüße rhh64
zuletzt bearbeitet 23. Jan. 2013
2'397 Beiträge · seit 201123. Jan. 2013 · #5
Hallo,

kurze Anmerkung zu dem Artikel:
Zitat "Götz Werner, der Gründer der Drogeriemarktkette dm und prominenter Befürworter der Idee, plädiert für ein Grundeinkommen von 1.000 Euro. Das würde uns jährlich über 900 Milliarden kosten. 900 Milliarden! Das halte ich nicht für realistisch." Zitat Ende.
Hat Deutschland jetzt 900 Millionen Einwohner? Oder muss man als Ethnologin nicht rechnen können? 😈 Und als Journalistin scheint's auch nicht! 😣
Der Sozialetat beträgt 2012 etwa 120 Milliarden Euro. Da scheinen mir ca. 90 Milliarden nicht so utopisch zu sein.

LG aus Hamburg von

Karsten,
der sich noch keine abschließende Meinung zum bedingungslosen Grundeinkommen gemacht hat.
[size =3] Infos NordTZ 22 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/301813-infos-nordtansania-juni-juli-22.html?start=0 RB Kenia 2020 https://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/299653-kurzer-rb-kenia-sept-2020.html?start=0 Reisebericht Südtanzania 2013 http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282710-tanzanias-sueden-daumendruecken-hilft-nicht-immer.html Kurzbericht 7 Wochen Nam-Bots 2012 http://www.namibia-forum.ch/forum/16-unterkuenfte/254072-kurzbericht-7-wochen-nam-bots.html Bericht Zimbabwe 1995: ... 30 Tage Gefängnis http://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/241529--30-tage-gefaengnis.html Reisebericht 2008: 18 Nights in the Bush - ha-ha-ha http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/263931-18-nights-in-the-bush-ha-ha-ha.html Nordtansania Feb. 2015 - Kein RB http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285690-tansania-februar-2015-kein-reisebericht.html?limitstart=0&start=12] Walking Safari Zimbabwe 97 https://www.namibia-forum.ch/forum/148-diverses/287052-walking-safari.html?limitstart=0
Gast24. Jan. 2013 · #6
Hallo,
KarstenB schrieb:Hat Deutschland jetzt 900 Millionen Einwohner? Oder muss man als Ethnologin nicht rechnen können? 😈 Und als Journalistin scheint's auch nicht! 😣
Der Sozialetat beträgt 2012 etwa 120 Milliarden Euro. Da scheinen mir ca. 90 Milliarden nicht so utopisch zu sein.
Du solltest Deinen Taschenrechner mal mit dem Vorschlaghammer feinjustieren. 😎
82.000.000 Einwohner x 1.000 EUR x 12 Monate = 984.000.000.000 EUR.
Ich kenne die Details nicht, aber wenn man für kleine Kinder einen verminderten Betrag ansetzt, kommt man vermutlich auf etwa 900 Mrd. Wie auch immer: 1.000 EUR bedingungsloses Grundeinkommen wäre auch für deutsche Verhältnisse sehr hoch. Das entspräche etwa einem Drittel vom BIP.

Ganz egal ob man ein bedingungsloses Grundeinkommen befürwortet oder nicht: Der Versuch in Namibia hatte irgendwie sehr eigenartige Standards.

Beste Grüße

Guido
2'397 Beiträge · seit 201124. Jan. 2013 · #7
Hallo Guido,

schau bitte mal auf die Uhrzeit dieses Beitrags: 5:50 MEZ. Es hat mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen, weil mein Unterbewusstsein gemerkt hat, dass ich da wohl Blödsinn gebaut habe. 😊 Die 12 Monate, die bei uns ein Jahr ja immer noch hat, hatte ich leider vergessen. 😊 😊 😊
In der Hoffnung, dass noch keiner was gemerkt hat, wollte ich meinen Beitrag löschen. Nun bleibt er im Netz als fortwährende Mahnung an mich, doch lieber 2x nachzudenken, bevor man in die Tasten greift!

Beschämte Grüße,

Karsten
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1'309 Beiträge · seit 200924. Jan. 2013 · #8
Es gibt sogar Menschen, die das Modell in Deutschland für tragbar halten.
Infos gibt es z.B. hier:
http://www.buergerinitiative-grundeinkommen.de/
Ich habe vor längerer Zeit einen Film über das Modell gesehen, wo unter anderem der Leiter der DM-Kette interviewt wurde.
Das Thema war sehr spannend und das Modell hat mich überzeugt.
Viele Grüße,
Nenette
Il n'y a pas un atome de cette poussière que je n'aime infiniment. Es gibt kein Atom in diesem Staub, das ich nicht unendlich liebe. (Elizabeth Riollet über Voi/Tsavo) Botswana 2010: http://nenette-f.over-blog.de/categorie-11610665.html Mein anderes Hobby: http://lauter-schoene-saetze.over-blog.com/
2'664 Beiträge · seit 201224. Jan. 2013 · #9
Wenn es nach den Piraten ginge, wäre es für deren arbeitsunwillige Kategorie längst eingeführt.
Aber Spaß beiseite: Man macht Menschen ganz einfach abhängig und arbeitsunwillig. Das sieht man nach jeder Hungerhilfeaktion, daß die Nutznießer hinterher nichts mehr anpflanzen in der Hoffnung, daß die gebratenen Tauben weiterhin allein angeflogen kommen.
143 Beiträge · seit 200925. Jan. 2013 · #10
Hallo zusammen,

über ein arbeitsunabhängiges Grundeinkommen (aus Steueraufkommen?) ist bereits auch in Deutschland nachgedacht worden, die Idee ist mithin nicht neu, deren probeweise Verwirklichung in Namibia ja auch teilweise bekannt (gewesen). Wir hatten uns dieses Projekt gleichfalls vor Ort angeschaut.

Ein arbeitsunabhängiges Grundeinkommen wäre durch Staaatseinnahmen gegenzufinanzieren oder aber im Staatshaushalt als Einsparung an anderer Stelle zu berücksichtigen. Dies gilt in Namibia genauso wie beispielsweise in Europa.

Bei knappen Kassen von Gemeinden, Landkreisen, Bundesländern und Bund/Staat sicherlich eine Option, wenn man dadurch alle anderen Sozialausgaben quasi auf "0" setzen könnte.

Insofern birgt ein solches Grundeinkommen auch die Gefahr, dass sich der Staat somit von vielen Verpflichtungen gegenüber seinen Bürgern freikaufen könnte. Gleichsam "unsicher" bleibt der Geldwert, denn unter dem Strich entscheidet die tatsächliche Kaufkraft über "Grundeinkommen, Sozialhilfe oder hinfälliges Allmosen".

In Deutschland erübrigt sich derzeit der Gedanke dies aus Steuergeldern zu finanzieren, da grundsätzlich bei der Vergabe von Steuergeldern eine "Bedürftigkeit" - hier bei jedem Bundesbürger - vorliegen müsste; dies dürfte schwierig sein, aber nicht unmöglich - siehe Bezug von Kindergeld.

Ein Einkommen ohne Arbeit(sleistung) schafft zeitliche Freiräume, wir würden dann mit dem Geld einmal öfter ins Südliche Afrika fahren... 🙂


Sicherlich werden wir dazu noch mehr lesen können, vielleicht auch ein paar positive Meinungen.

Viele Grüße steenbok
2'664 Beiträge · seit 201225. Jan. 2013 · #11
Eine positive Meinung hörst Du vermutlich nur von jenen, die nicht arbeiten möchten oder können, nicht von jenen, die sich übersteuert fühlen. Der Staat macht Menschen damit abhängig und zerstört die eigene Volkswirtschaft. Außerdem ist ein solches System mit der Denkweise und Machart des Menschen nicht kompatibel. Es wird immer jene geben, die ganz oben sind, aber auch jene die ganz unten bleiben, sei es wegen fehlender Intelligenz oder fehlendem Einfallsreichtum, oder ganz einfach wegen Versagens. Eine großangelegte Umverteilung der Have´s an die Have not´s hat noch nie funktioniert, und wird auch nie funktionieren. Das haben Länder wie Rußland und China mit ihrer Kommunismustheorie gezeigt, denen dann auch erst der Systemwechsel den Aufschwung brachten. Wer schwer Arbeitet ist nicht bereit, mit Faulenzern und Nichtsnutzen zu teilen, höchstens mal in Not Geratenen zu helfen. Das ist nun einmal die Mentalität von uns Menschen. 10% der Bevölkerung als Steuerzahler können 90% nicht durchfüttern.

Parallel kann man das an der gesamten Entwicklungshilfe in Afrika beobachten. Solange die Entwicklungshelfer da sind, und bis zu einem Zeitraum von 5 Jahren danach, funktionieren die Projekte. Danach verfällt alles zurück in den ursprünglichen Zustand. Am besten ist dieses sichtbar in Ländern wie Zambia, wenn man mit offenen Augen durch das Land fährt, und erkennt was alles mal da war und was alles kaputt und verfallen ist, auch die Entwicklungshilfeprojekte der vergangenen 50 Jahre. Man kann das gut erkennen, weil Zambia keine Kriege hatte. Den landwirtschaftlichen und allgemein wirtschaftlichen Aufschwung in Zambia der vergangenen Jahre haben die Südafrikaner, Rhodesier und Chinesen gebracht. Partizipieren können die Einheimischen nur, wenn sie bereit sind, ihre Arbeitskraft einzubringen. Von nichts kommt nichts.
89 Beiträge · seit 200925. Jan. 2013 · #12
Hallo,
den beiden Beiträgen von SWAKOP 1952 kann ich nur zustimmen. Wenn es was kostenfrei gibt ist es nichts wert und wird missbraucht. Wenn es hier im Rehoboth-District mal 10kg Maismehl pro Kopf gibt (irgend so eine Aktion), dann sind in 3 Tagen alle besoffen weil sie sich sowas wie Tombo gebraut haben. Arbeiten geht dann keiner, viele verlieren ihren Job, Kinder und Frauen werden mishandelt, die Männer schlagen sich, Messerstechereien etc. Umliegende Lodges habe dann eine Woche ein Problem. Außer Ärger und Zerstörung des Marktes vor Ort bringt sowas nichts. In der DDR gab es verbilligt Brot, es wurde dann an Schweine verfüttert. Es liegt also nicht an Afrikas Menschen und deren Mentalität. Ich habe da noch zig Beispiele. Ich bin selber bereit für mich und meine Familie zu arbeiten und erwarte es auch von anderen. Ein Sozial-Staat sollte eingreifen bei Rentner, Behinderten, Kindern etc. Alles Andere wird nicht lange funktionieren.
Dann noch frohes Schaffen
Gruß Karsten
2'664 Beiträge · seit 201225. Jan. 2013 · #13
Hallo Karsten,
meine Familie war mal ansässig im Bezirk und in Rehoboth, und wir mußten das Gebiet damals verlassen aufgrund fehlender Pigmentierung. Du sprichst ein wahres Wort, anders kenne ich Rehoboth nicht, aber diese Mentalität beginnt in Rehoboth, und sie zieht sich hinunter bis Keetmanshoop. Es ist das sog. Karrie-Bier, das sie brauen, ein Gemisch aus Maismehl, braunem Zucker, Hirse und möglichst Erbsen dazu. Angemischt meistens in Metalleimern, weil das Gemisch bei der Gärung kochend heiß wird und Kunststoffeimer zu labil sind. Hat einen säuerlichen Geschmack wie Batteriesäure, die dann schon mal dazu gekippt wird, wenn sie sich gegenseitig umzubringen versuchen.
H.
1'309 Beiträge · seit 200925. Jan. 2013 · #14
Hallo,
Swakop1952 schrieb:Eine positive Meinung hörst Du vermutlich nur von jenen, die nicht arbeiten möchten oder können, nicht von jenen, die sich übersteuert fühlen.
Genau, wie zum Beispiel von dem DM-Markt-Gründer, das ist mal ein Reicher, der sich nicht übersteuert fühlt und auch noch was abgeben will. Unglaublich!
Am besten ist dieses sichtbar in Ländern wie Zambia, wenn man mit offenen Augen durch das Land fährt, und erkennt was alles mal da war und was alles kaputt und verfallen ist, auch die Entwicklungshilfeprojekte der vergangenen 50 Jahre.
1989 war in Zambia sehr wenig von dem zu sehen, was mal da war. Da waren auf dem Land unterernährte Kinder. Das ist mir aufgefallen, ansonsten ???
Man kann das gut erkennen, weil Zambia keine Kriege hatte.
Zambia hatte ja "nur" eine Diktatur, die ja bekanntlich den Reichtum und den Arbeitswillen der Bevölkerung maßgeblich positiv beeinflussen.
Den landwirtschaftlichen und allgemein wirtschaftlichen Aufschwung in Zambia der vergangenen Jahre haben die Südafrikaner, Rhodesier und Chinesen gebracht.
Mal ganz ehrlich, ich glaube ja viel (z.B. dass das Grundeinkommen funktionieren kann), aber dass Chinesen am wirtschaftlichen Aufschwung eines fremden Landes interessiert sind und diesen fördern, das kann ich beim besten Willen nicht glauben.
Partizipieren können die Einheimischen nur, wenn sie bereit sind, ihre Arbeitskraft einzubringen. Von nichts kommt nichts.
Das hieß in früheren Zeiten Kolonialismus.

Viele Grüße,
Ne-so arbeitsscheue, dass ich mich in Afrika richtig wohl fühle-nette 🤢
Il n'y a pas un atome de cette poussière que je n'aime infiniment. Es gibt kein Atom in diesem Staub, das ich nicht unendlich liebe. (Elizabeth Riollet über Voi/Tsavo) Botswana 2010: http://nenette-f.over-blog.de/categorie-11610665.html Mein anderes Hobby: http://lauter-schoene-saetze.over-blog.com/
zuletzt bearbeitet 25. Jan. 2013
2'664 Beiträge · seit 201225. Jan. 2013 · #15
In Zambia ist auch im Jahre 2012 sehr viel zu sehen was mal da war, wenn man seine Augen offen hält.

Der Mitteleuropäer sieht nichts oder wenig, weil er den alten Baustil nicht kennt und sich auf seine Urlaubsziele versteift und von Glückshormonen getragen ist.

Ich kann Dir 10.000e Ruinen zeigen. Fahre mal in die Dörfer und identifiziere mal die Häuser, die mal intakt und sauber waren. Die Sanitärarmaturen und Waschbecken siehst Du auf der Müllkippe in der Dorfmitte wo mal der Dorfplatz war, von fließend Wasser und Elektrizitätsanschlüssen ist so gut wie nichts mehr vorhanden. Angestrichene Häuser sind meistens rot oder gelb in den Farben der (bezahlenden) Handy-Provider.

Schaue mal die Dämme in den Wetlands, alle Durchflüsse kaputt und nichts repariert (bei Namwala). Schaue mal viele Schotterstraßen, wo schwarze Flecken früherer Asphaltstraßen herausschauen (Straße 411). Schaue mal die Eisenbahnstrecke, die Du von Mulobezi Richtung Süd-Kafue kreuzt. Brücken verfallen und nicht repariert. Eben mal stillgelegt. Weggespülte Brücken nie repariert. So könnte ich Dir tausende solcher Dinge zeigen. Das ist nicht wahres Afrika, wie von vielen als solches angehimmelt, sondern tatsächlich Ruinenland.

Zambia hatte auch keine richtige Diktatur, sondern eine Pseudodemokratie unter Kenneth Kaunda. Das Unternehmertum war zu keinem Zeitpunkt unterdrückt oder behindert. Hier muß man sich mal mit der Geschichte des Subkontinents auseinander setzen.

Also, wenn man die Schaffung von Arbeitsplätzen Kolonialismus nennt, dann wären ausländische Investoren in Deutschland Kolonialisten, und deutsche Unternehmen mit Niederlassungen in China auch Kolonialisten?

H.
2'612 Beiträge · seit 200726. Jan. 2013 · #16
Nenette schrieb:Es gibt sogar Menschen, die das Modell in Deutschland für tragbar halten.
Infos gibt es z.B. hier:
http://www.buergerinitiative-grundeinkommen.de/
Ich habe vor längerer Zeit einen Film über das Modell gesehen, wo unter anderem der Leiter der DM-Kette interviewt wurde.
Das Thema war sehr spannend und das Modell hat mich überzeugt.
Viele Grüße,
Nenette
Und es gibt mittlerweile (seit dem 14.1.2013) eine Europäische Bürgerinitiative:

http://ec.europa.eu/citizens-initiative/public/initiatives/ongoing/details/2013/000001
Bye bye Forum
1'309 Beiträge · seit 200926. Jan. 2013 · #17
Hallo,
Swakop1952 schrieb:Der Mitteleuropäer sieht nichts oder wenig, weil er den alten Baustil nicht kennt und sich auf seine Urlaubsziele versteift und von Glückshormonen getragen ist.
Davon bin ich als Westeuropäerin ja zum Glück verschont geblieben. 🤪
Ich kann Dir 10.000e Ruinen zeigen. Fahre mal in die Dörfer und identifiziere mal die Häuser, die mal intakt und sauber waren. Die Sanitärarmaturen und Waschbecken siehst Du auf der Müllkippe in der Dorfmitte wo mal der Dorfplatz war, von fließend Wasser und Elektrizitätsanschlüssen ist so gut wie nichts mehr vorhanden. Angestrichene Häuser sind meistens rot oder gelb in den Farben der (bezahlenden) Handy-Provider.

Schaue mal die Dämme in den Wetlands, alle Durchflüsse kaputt und nichts repariert (bei Namwala). Schaue mal viele Schotterstraßen, wo schwarze Flecken früherer Asphaltstraßen herausschauen (Straße 411). Schaue mal die Eisenbahnstrecke, die Du von Mulobezi Richtung Süd-Kafue kreuzt. Brücken verfallen und nicht repariert. Eben mal stillgelegt. Weggespülte Brücken nie repariert. So könnte ich Dir tausende solcher Dinge zeigen. Das ist nicht wahres Afrika, wie von vielen als solches angehimmelt, sondern tatsächlich Ruinenland.
Ich will gern glauben, dass das ein Ruinenland ist. Aber wie soll denn der Wiederaufbau bezahlt werden? Wer sollte über die letzten 50 Jahre die Instandhaltungskosten zahlen, während die finanzielle Lage des Landes vom Kupferpreis auf dem Weltmarkt abhängig war und noch immer ist?
Zambia hatte auch keine richtige Diktatur, sondern eine Pseudodemokratie unter Kenneth Kaunda. Das Unternehmertum war zu keinem Zeitpunkt unterdrückt oder behindert. Hier muß man sich mal mit der Geschichte des Subkontinents auseinander setzen.
... eine Pseudodemokratie, die es unter Kaunda immerhin in den Folterbericht von Amnesty International geschafft hat, und ein Unternehmertum, das durch Verstaatlichung und fünf-Jahrespläne nach einem kurzen Aufschwung den Bach runtergegangen ist.
Aber man muss Kaunda zumindest den Verdienst lassen, dass er nach einer verlorenen Wahl abgetreten ist. Diesen Schritt machen nicht viele Pseudodemokraten.
Also, wenn man die Schaffung von Arbeitsplätzen Kolonialismus nennt, dann wären ausländische Investoren in Deutschland Kolonialisten, und deutsche Unternehmen mit Niederlassungen in China auch Kolonialisten?
Es geht nicht um die Schaffung von Arbeitsplätzen. Es geht darum, dass China in Zambia (und woanders) nur die eigenen Interessen vertritt. Der Straßenbau wird nicht so vorangetrieben, wie er für die allgemeine Infrastruktur des Landes notwendig wäre, sondern um Rohstoffe transportieren zu können. Und es geht nicht darum, das Leben der Menschen (und ihre Arbeitsplätze) nachhaltig zu fördern, sondern so lange zu nutzen, bis man woanders billiger an die Rohstoffe kommt. Und dann wandern sie wieder weiter!

Viele Grüße,
Nenette
Il n'y a pas un atome de cette poussière que je n'aime infiniment. Es gibt kein Atom in diesem Staub, das ich nicht unendlich liebe. (Elizabeth Riollet über Voi/Tsavo) Botswana 2010: http://nenette-f.over-blog.de/categorie-11610665.html Mein anderes Hobby: http://lauter-schoene-saetze.over-blog.com/
zuletzt bearbeitet 26. Jan. 2013
78 Beiträge · seit 200826. Jan. 2013 · #18
Hallo,

mal was zum nachdenken: Warum teilen sich hier im Forum, wie auch bei den Leserbriefen in der AZ, wie auch in privaten Diskussionen die Lager immer in Hälften:
Nämlich in die derjenigen, die Afrika "nur" besuchen, und in die andere Hälfte, die in Afrika leben?
Auffallend dabei finde ich, das alle Afrika "Bewohner" die annähernd gleiche Meinung vertreten. Jeder Polizist würde vor Freude Luftsprünge machen, wären sich z.B. bei einem Verkehrsunfall unterschiedliche Zeugen so einig. Zufall?
Warum gibt es mehr gescheiterte Entwicklungshilfe Projekte als funktionierende?

Um mit dem Autor Bartholomäus Grill zu reden: Ist es nicht vielleicht doch so, daß ein Volk, daß zielsicher beim Einkauf den repräsentativsten Geländewagen, das hippeste Handy und die bass-trächtigste Home-Entertainment-Anlage findet, auch zielführend einen Staat, IHREN Staat, bereichert mit Bodenschätzen, Reisezielen und hunderttausenden arbeitswilliger, in den Startlöchern wartender Mitbewohner, ins 21. Jahrhundert führen könnte?

liebe Grüße aus Namibia,
Jens
Autofahren wird da interessant, wo es zu Fuß nicht mehr weiter geht...
1'457 Beiträge · seit 200629. Jan. 2013 · #19
namiblandy schrieb:Hallo,

mal was zum nachdenken: Warum teilen sich hier im Forum, wie auch bei den Leserbriefen in der AZ, wie auch in privaten Diskussionen die Lager immer in Hälften:
Nämlich in die derjenigen, die Afrika "nur" besuchen, und in die andere Hälfte, die in Afrika leben?
Weil die, die in Namibia leben glauben, sie haben die Weisheit mit Löffeln gefuttert.

Die, die am lautesten Schreien, ein bedingungsloses Grundeinkommen lasse die Schwarzen Arbeiter faul werden sind doch genau die in der Region, die andere für sich arbeiten lassen. Der (Farm)arbeiter schuftet, der Chef wird als erfolgrecher Unternehmer gefeiert. Abgesehen von diesem tief sitzenden Rassismus oder einfach nur Gefälle der Chancen, ist die Problematik doch auf der Hand liegend:

Wenn ich meinen Arbeitern, meiner Putzfrau oder Angestellten einen Hungerlohn bezahlen würde, dann würde mir der Hintern auch warm werden, wenn diese nun die Hälfte dessen als Grundsicherung bekommen würden.

Aber höhere Löhne können in so einem harschen Umfeld wie der namibischen Landwirtschaft nicht bezahlt werden, immerhin kostet das DHPS Schuljahr für die Farmerstochter ein halbes Vermögen...
zuletzt bearbeitet 29. Jan. 2013