der Beginn Deines Berichtes liest sich fast wie ein Buch.......; das Beste daran: Euch ist nichts nennenswertes passiert - ihr hattet sicher mehrere Schutzengel und einige hilfsbereite Menschen um Euch, herzlichen Glückwunsch!
Ein weiteres 'Hallo' richtet sich eigentlich hier an alle und natürlich auch an Dich (ich weiß ja nicht, wie Dein Bericht weitergeht - vielleicht hast Du es ja inzwischen schon gebucht 😉 ?!)
Ich empfehle allen, auch den sog. "alten Hasen", ein Fahrtraining vom ADAC und zwar zweckmäßigerweise direkt in Namibia auf der Farm Ababis. Uwe Schulze Neuhoff führt es auf der Farm durch. Für detaillierte Infos darüber schreibt ihn mal direkt an, er schickt Euch einen Flyer, was beim Training alles absolviert wird, was es kostet usw. Der Link dazu: http://www.offroad-experience.com/ Oder direkt auf der Gästefarm Ababis anfragen.
SASASOWEWI3'080 Beiträge · seit 200924. Juli 2012 · #42
@ Elch,
ich habe beide Teile des Fahrertrainings von Landrover in Deutschland absolviert, da kam leider nichts davon vor wie man das Auto behandelt wenn es sich aufschaukelt, vielleicht ist das in Namibia anders aufgebaut, in D liegt der Schwerpunkt eindeutig auf richtigem Verhalten im Gelände und nicht bei Überlandfahrten...
Ich will mal abschweifen und zunächst meine große Anerkennung ausprechen das nichts passiert ist, Landy hats geschrieben, er hat Glück gehabt.
In Ausnahmesituationen das richtige zu tun muss trainiert werden, da reicht ein einmaliges Fahrertraining definitiv nicht aus. Ich spreche da aus Erfahrung, ich bin über mehr als 10 Jahre jedes Jahr mehrmals auf Ausnahmesituationen trainiert worden, nur so lernst du im Notfall tatsächlich das zu machen was dir hilft, ich bin glücklicherweise nur einmal ansatzweise in die Nähe davon gekommen das ich es anwenden musste, aber man ist in einer solchen Situation hinterher überrascht das man automatisch auf das zurückfällt was man jahrelang geübt hat.
auch wir haben in D bei Landrover das Fahrtraining auf dem Defender gemacht und seine Vorzüge im Gelände kennen- und schätzengelernt.
Ebenfalls in D absolviere ich jedesmal bei einen Fahrzeug-Neukauf das "normale Schleudertraining" beim ADAC um den Wagen kennenzulernen.
Beides zusammen bringt aber nur dann Sicherheit auf der Straße und im Gelände, wenn mann eben die selbe nicht aufs Spiel setzt. Was ich sagen will: Fuß vom Gas auf Teer, Schotter und Fels.
von mir auch herzliche Gratulation, dass es so vergleichsweise glimpflich abgelaufen ist. Ein spannender Bericht, und ich bin gespannt, ob es jetzt weniger dramatisch weiter geht.
Herzliche Grüße Martin
Susi651'127 Beiträge · seit 201125. Juli 2012 · #45
Hallo L4ndRov3r,
bin gerade eben auf Deinen Reisebericht gestoßen, der mich doch sehr gefesselt hat. Ich kann mich nur den Meinungen vieler andere Forumsmitglieder anschließen und finde es sehr gut, dass Du hier so offen über Euren Unfall postest. Auch ich bin der Meinung, dass solche Schilderungen einen selbst wieder dafür sensibilisieren, was auch auf vermeintlich harmlosen Streckenabschnitten passieren kann. So fahre ich z.B. auf Offroadstrecken immer hochkonzentriert und bestimmt eher ein bisschen zu langsam und vorsichtig. Als ich dann irgendwann wieder auf Asphalt gefahren bin, also auf einer vermeintlich entspannteren Strecke, hat meine Konzentration dann merklich nachgelassen und auch mir ist es passiert, dass ich zu weit nach links rübergekommen bin und der Wagen durch das Gegenlenken ins Schaukeln gekommen ist. Das war natürlich lange nicht so stark wie bei Euch und ich konnte den Wagen auch problemlos wieder abfangen, aber nach dem kurzten Adrenalinschub war meine Konzentration dann wieder voll da.
Schön ist wirklich, dass Euch beiden bei dem Unfall nichts weiter passiert ist, ihr so viele aufmerksame Helfer hattet und Ihr Eure Reise fortsetzen konnten. Von daher bin ich jetzt auf einen hoffentlich weniger aufregenden Reisebericht gespannt.
L4ndRov3rThemenstarter19 Beiträge · seit 201225. Juli 2012 · #46
Wir sind schon kurz vor Sonnenaufgang wach und lassen die uns umgebende Szenerie, die von den ersten Strahlen der Morgensonne illuminiert wird, auf uns wirken. Einfach grandios. Wir beeilen uns mit dem Anziehen und machen einen ausgedehnten Spaziergang durch die Umgebung. Hier sehen wir auch zum ersten Mal einen der berühmten Köcherbäume. Nachdem uns ja aus bekannten Gründen der Anblick des Köcherbaumwalds auf der Mesosaurus Farm verwehrt geblieben ist, hat selbst dieses abgestorbene Exemplar für uns etwas Besonders. Wir beobachten noch 2 Wildpferde bei Ihrem Trott durch die genauso schöne, wie trockene Landschaft und machen uns dann auf den Weg um zu Frühstücken. Unser eigentlicher Plan sah vor, von Keetmanshoop kommend zuerst den Fish River Canyon zu besuchen und dann die Canon Lodge anzusteuern um dann am nächsten Tag die längere Route, die ein Stück an der Grenze zu Südafrika entlang führt, nach Aus in Angriff zu nehmen. Hier müssen wir jetzt natürlich entsprechend umdisponieren. Daher heißt es nach dem Frühstück schon wieder fertigmachen für die Fahrt zum Fish River Canyon, von wo es dann über die wesentlich kürzere Route direkt nach Aus weitergehen soll.
Auf der Fahrt zum Canyon merken wir erst richtig wie sich die Landschaft im Gegensatz zu gestern verändert hat. In der Dunkelheit haben wir das gar nicht bemerkt. Erstaunlich welche Schönheit und Faszination auch noch von der kärgsten Landschaft ausgehen kann. Auch der Canyon selbst beeindruckt uns sehr. Speziell in den Momenten, wenn man die in der Entfernung winzig wirkenden Autos an den anderen Aussichtspunkten sieht und man so eine gewisse Relation zur gewaltigen Größe des Canyons bekommt. Unbeschreiblich. So fantastisch der Anblick allerdings auch ist, muss man sagen, das man den „Punkt“ Fish River Canyon - gemessen an seiner Größe - erschreckend schnell abhandeln kann. Wirklich erschließen wird sich seine wahre Größe und Schönheit wahrscheinlich erst mit einer dieser geführten, mehrtägigen Wanderungen durch den Canyon selbst.
Die Fahrt nach Aus gestaltet sich sehr relaxed und da wir ja am Vorabend notgedrungen im Dunkeln fahren mussten, merken wir gar nicht, dass wir auf einem relativ großen Teil der Strecke gestern schon unterwegs waren. Hier bekommen wir zum ersten Mal auch einige Oryx bei Tageslicht zu Gesicht. Am meisten beeindruckt uns allerdings der erneute landschaftliche Wechsel hin zur Savanne. Wer einmal gesehen hat wie sich das Licht der Sonne bis hin zum Horizont in Millionen und Abermillionen Ähren von Grashalmen bricht wird das nicht vergessen. Um kurz vor 17 Uhr erreichen wir Klein-Aus Vista und stehen gleich vor einer schwerwiegenden Entscheidung. Entweder wir warten noch ca. 20 Minuten auf unsere Braai-Pakete, oder wir fahren zuerst zu unserer Campsite, bauen das Zelt auf und kommen dann zurück um das Essen zu holen. Da es ja das erste Mal ist, dass wir unser Dachzelt nutzen und ich dies daher gern noch im Hellen aufbauen will, entscheiden wir uns dafür das Essen später abzuholen. Vielleicht hätte ich zumindest ein wenig stutzig werden sollen, als uns die Dame an der Rezeption eine eigene Karte aushändigte, mittels der wir unsere Campsite finden sollten. Da der reguläre Campingplatz zum Zeitpunkt unserer Reservierung schon ausgebucht war, war für uns die „overflow-campsite“ reserviert. Was uns auch, im Gegensatz zu den daraus resultierenden Distanzen, durchaus bewusst war. Als wir unsere Campsite, die vollkommen abgeschieden noch um Einiges hinter dem eigentlichen Campingplatz lag, erreichten, waren wir sehr angetan. Es kam ein richtiges „Allein-in-der-Wildniss-Feeling“ auf und wir kamen uns ein wenig wie „echte“ Abenteurer vor. Der Zeltaufbau gestaltete sich mehr als unkompliziert und war in wenigen Minuten erledigt. Nun galt es nur noch die Braai-Pakete zu holen. Da das Zelt ja schon aufgebaut war, mussten wir dies jetzt natürlich zu Fuß bewerkstelligen. Als wir kurz hinter dem eigentlichen Campingplatz waren versank die Sonne schon hinter dem Horizont und mich überkamen erste Zweifel, ob es während unseres Urlaubs überhaupt noch etwas mit dem Sundowner werden würde. 😉 Der Fußweg den wir anhand der Karte als Abkürzung identifizierten verlor sich schon nach kurzer Zeit in einem ausgetrockneten Flussbett. Dies war aber kein Problem, da die Richtung stimmte und wir auch die Lichter des Hauptgebäudes – wenn auch in einiger Entfernung – ausmachen konnten. Unser Essen wartete schon auf uns und wir machten uns zusätzlich bepackt mit Feuerholz und einigen Getränken auf den Rückweg. Nun gab es allerdings keine Lichter mehr, an denen wir uns hätten orientieren können und das Flussbett war mittlerweile auch so breit, dass wir nicht einmal mehr die Strecke fanden, auf der wir gekommen waren. Wir hatten zwar meine leistungsstarke Taschenlampe dabei, aber den Weg auszuleuchten und dabei noch einen Topf (!!!) mit Essen und zusätzlich 10 Kilo Feuerholz in einem Sack ohne Tragegriff zu schleppen war alles andere als leicht. Letztlich schafften wir es dennoch ohne große Umwege wieder unsere Campsite und noch wichtiger, unseren Grill zu erreichen. Nach diesem „Abenteuer“ schmeckte auch das Fleisch dementsprechend gut und schon bald danach begaben wir uns müde und satt in unser Zelt, um mit nur einer dünnen Plane zwischen uns und den Millionen von Sternen zufrieden einzuschlafen. Am nächsten Morgen unternahm ich noch eine kleine Wanderung durch die nahe Umgebung, bevor wir zum Hauptgebäude zurückfuhren um dort zu Frühstücken. Auf dem Weg dorthin holte uns plötzlich der erlebte Unfall mit einer nicht geahnten Vehemenz ein. An einer Stelle wiesen die beiden Fahrspuren des Weges einen nicht unerheblichen, aber letztlich harmlosen Niveauunterschied auf. Als sich nun unser Wagen beim Überfahren dieser Passage ein wenig zu Seite neigte, war das Erlebte wieder schlagartig präsent und unsere Körper quetschten alle verfügbaren Adrenalindrüsen bis auf den letzten Tropfen aus. Die Fahrt durch die scheinbar endlosen Graslandschaften, eingerahmt in die rauen Felsformationen des sich ankündigenden Gebirgszugs zählt im Nachhinein sicherlich zu den schönsten Etappen unserer Reise. Als sich dann auch die Nähe zur Namib an der Farbe der Straße ablesen ließ und wir mitunter relativ große Herden Oryx nicht weit von der Straße erspähen konnten, wurden wir vollkommen in den Bann der Natur gezogen. Auch die Campsite von Koiimasis und das Areal auf dem sie liegt raubten uns schier den Atem. Im Grunde muss man es selbst gesehen haben…
Wir hatten noch reichlich Zeit die Gegend zu erkunden und nutzten auch gleich die Gelegenheit um eine Vorrat an Fleisch für die nächsten Tage einzukaufen. Am Abend konnten wir nun endlich auch unseren ersten Sundowner auf einem unserer Campsite vorgelagerten Felsen genießen. Herrlich!
Auch unsere nächste Etappe war wunderschön und wir kamen schon kurz nach 12 Uhr in der Little Sossus Lodge, bzw. Campsite an. Die jeweiligen Campsites bestehen hier aus relativ großen, zu einer Seite hin offenen Hütten. In diesen kann man windgeschützt sein Zelt aufschlagen und hat auch gleich eine eigene Toilette mit Dusche und eine Küche dabei. Zu den Besonderheiten hier zählt sicherlich der Ausblick über die weite, sich vor einem ausbreitende Ebene die sich bis zur Bergkette am fernen Horizont erstreckt. Wir fragten den jungen Typen, der uns unsere Campsite zugewiesen hatte, wann wir ungefähr am nächsten Morgen losfahren sollten, um pünktlich zur Öffnung des Parks am Tor zu stehen. Daraufhin riet er uns es lieber so einzurichten, dass wir zwischen 10 und 11 Uhr dort wären um dann in der Mittagshitze zuerst den kühlen Canyon zu besichtigen. Er führe selbst als Guide Touristen durch den Park und ginge mit seinen Gruppen nie vor 11 Uhr in den Nationalpark – ‚otherwise you don´t get that desert feeling. The dunes are full of tourists - Italians everywhere‘. Da uns dies durchaus einleuchtete beschlossen wir seinem Rat zu folgen und den Nachmittag zum Relaxen zu nutzen. Auf dem Weg zurück zu unserer Campsite kamen wir noch an dem kleinen Pool vorbei, an dem zwei kleine Mädchen aufgeregt mit großen Stangen hantierten. Neugierig geworden und da ich sowieso die Wassertemperatur überprüfen wollte, näherten wir uns dem (zu)kühlen Nass. Der Grund für die Aufregung war eine ins Wasser gefallene Fledermaus, die sich in Todesangst und vollkommen unterkühlt an den Schlauch des Poolstaubsaugers klammerte. Nach einigen Mühen, da sich die Fledermaus nicht im Mindesten kooperativ zeigte, gelang es uns schließlich sie aus dem Wasser zu fischen und aus Ermangelung einer passenden Alternative auf meine Hut zu bugsieren. Dabei zeigte sich zu unserem Erstaunen, dass Fledermäuse durchaus gute Schwimmer sind. Sie benutzen Ihre Flügel dabei geschickt zum Paddeln und es sieht aus, als würden sie durchs Wasser fliegen. Der Hut wurde dann samt Fledermaus zum Trocknen in ein dornenbewehrtes Gebüsch gehängt, damit ihn die herumstreunende Katze auch ja nicht erreichen konnte. Der Rest war Ausruhen und der Fledermaus beim Trocknen zuschauen…
In der Nacht werden wir von merkwürdigen Geräuschen geweckt und meine Freundin meint gleich „Schritte“ zu hören. Als dann die zurückgeschlagene Abdeckung des Dachzelts geräuschvoll bewegt wird, ist mir dann auch ein wenig mulmig zumute. Dann springt irgendetwas direkt über mir auf unser Zeltdach und nach dem ersten Schrecken bin ich regelrecht erleichtert, da es sich dabei im Grunde nur um die schon erwähnte Katze handeln kann. Ich stupse (etwas fester war es dann doch 😉 ) von unten gegen die, sich durch das Gewicht auf dem Zeltdach, abzeichnende Mulde. Die „Katze“ springt vom Dach und landet mit einem erstaunlich lauten und dumpfen Geräusch auf dem Boden. Meine Freundin meint darauf hin, dass dies aber eine große Katze war. Das ich ihr da durchaus zustimme und das Geräusch auch für mich nicht wirklich mit der uns bekannten Katze in Einklang zu bringen ist verschweige ich … aber was soll es sonst schon gewesen sein! (?)
Wir starten den nächsten Tag mit einem ausgiebigen Frühstück in der gegenüberliegenden Little Sossus Lodge und machen uns danach auf den Weg in den Nationalpark. Am Eingang ist jetzt natürlich keine Schlange mehr und die Ausstellung der Permit geht, abgesehen von der übertriebenen Sorgfalt, die der Herr hinter dem Schalter beim Einlegen des Blaupapiers und dem akkuraten Aufbringen der Stempel an den Tag legt, relativ schnell. Während der Aussteller noch seiner Arbeit nachgeht, lasse ich meinen Blick durch den Raum schweifen und begutachte die angebotenen Souvenirs. Danach nehme ich die Permit entgegen und stecke Sie umgehend und ungelesen in unsere Reisemappe. Dies sollte sich im Nachhinein als der erste Fehler des Tages erweisen. Wir besichtigen wie empfohlen zuerst den Canyon und genießen die angenehme Kühle an dessen Grund. Danach geht es, ohne an der berühmten Düne 45 zu halten, direkt weiter bis zum Ende der für „normale“ Fahrzeuge zugelassenen Strecke. Jetzt heißt es noch wie so oft den Reifendruck an die Gegebenheiten anpassen und los geht es nach Sossusvlei. Gerade nach unserem Erlebnis bin ich voll konzentriert und mich beschleicht immer wieder die Sorge, dass die Vorderräder bei entsprechendem Lenkradeinschlag auf einmal doch auf harten Untergrund stoßen. Diese Sorge ist zum Glück unbegründet und die Fahrt durch den Sand wird zu einem tollen Erlebnis. Wie auch der Besuch von Sossusvlei. Kaum am Ende der befahrbaren Strecke angekommen, treffen wir wieder auf den Typen von unserer Lodge, der ein anderes Pärchen, welches wir schon beim Frühstück gesehen haben, durch den Park führt. Ich frage Ihn, wann wir hier spätestens losfahren sollten, um noch genügend Zeit zu haben um eine Düne zu besteigen und noch zum Deadvlei zu kommen. Er meint, wenn wir um 16 Uhr hier losfahren würden hätten wir noch genügend Zeit. Ich schaue auf meine Uhr und freue mich über unser großes Zeitpolster. Das war Fehler Nummer 2. Da wir das Glück haben Sossusvlei voller Wasser zu sehen, ist der Anblick ebenso traumhaft wie surreal.
Ein See ist nun mal nicht das, was man unbedingt mitten in der Wüste erwartet. Nach einem Abstecher zum Ufer machen wir uns daran die große Düne hinter dem Vlei zu erklimmen. Wahnsinn. Wir haben die Düne ganz für uns alleine und nur auf dem Parkplatz sind einige wenige Menschen zu sehen. Nachdem wir die Aussicht noch ein wenig genossen haben machen wir uns wieder an den Abstieg – natürlich der Falllinie des Hangs folgend. Hierbei ist absolut faszinierend zu sehen, wie sich der Sand unter unseren Füßen verhält, als er wie Wasser zu „fließen“ beginnt. Wieder am Defender angekommen treffen wir auf ein weiteres Pärchen aus Deutschland, die gerade am Vlei ankommen. Die Zeitangaben des Guides im Kopf, raten wir ihnen sich ein wenig zu beeilen, wenn sie noch auf eine der Dünen wollen, denn mittlerweile ist es schon 15 Uhr. Da das Tor aber nach ihrem Bekunden erst um 18:30 Uhr schließe, sei das kein Problem. Ich denke mir noch: „18:30 Uhr – Alles klar!“ Das würde sich dann auch mit der Angabe des Guides decken, da es ja locker eine Stunde Fahrt bis zum Ausgang ist. Fehler Nummer 3. Wir machen uns also wieder auf den Weg zurück zum Parkplatz am Deadvlei und genießen die Eindrücke, die die Wüste uns bietet. Deadvlei ist für uns der absolute Höhepunkt des Tages, zumal wir dort ganz alleine sind. Das Licht, die Farben, die Kontraste einfach einmalig. Wir schießen gefühlte 10.000 Fotos mit allen uns zur Verfügung stehenden Kamerasystemen und machen uns dann auf den Weg zurück.
Wir liegen gut in der Zeit und uns ist auch nicht Bange, da wir noch einige andere Fahrzeuge sehen. Die Düne 45 ist bei unserer Ankunft dort – es dämmert schon – belagert von einer Busladung Japaner, die auch unseren Defender auf ihren Urlaubsfotos verewigen. (Er sieht eben auf Fotos auch einfach besser aus 😉 ) Wir machen nur noch kurz ein paar Fotos vom Parkplatz aus und sind auch schon wieder unterwegs. Langsam wird es dunkel und ich bin froh, dass wir uns an den Rücklichtern des Autos vor uns ein wenig orientieren können. Allerdings biegt das Fahrzeug dann irgendwann noch vor dem Tor rechts ab. Als wir am Tor ankommen ist die Schranke geschlossen und niemand ist zu sehen. Es ist 18:07 Uhr. Das einzige Lebenszeichen kommt aus einer der in einiger Entfernung stehenden Hütten, aus deren Fenstern Licht dringt. Also machen wir uns auf dem Weg dorthin und lunsen durch die geöffnete Tür. Drinnen sitzt mit dem Rücken zu uns der selbe Mann, der auch die Permit ausgefüllt hat. Er hat natürlich unser Auto kommen gehört und erlebt diese Situation offensichtlich nicht zum ersten Mal. Ohne sich zu uns umzudrehen macht er seinem (sicher auch berechtigten) Unmut Luft, dass die Touristen nie die angegebenen Zeiten einhalten können. Ich frage ihn, wann das Tor den geschlossen worden sei – Antwort: ‚um 18:00 Uhr‘. Da sich die Dame an der Schranke, die uns bei Einfahrt in den Park kontrolliert und sich sowohl Fahrzeugtyp und Nummernschild notiert hat, ja eigentlich wissen müsste, dass sich noch Personen im Park befinden, bin ich ein wenig verwundert über das derart konsequente und strikte Einhalten der Öffnungszeiten. Aber was soll´s, letztlich hat der Mann ja vollkommen recht und es war unser Fehler (und der gleich 3mal) – nur ändern kann ich es jetzt auch nicht mehr. Was die Lage aber eigentlich verschärft, ist das besagte Dame auch den Schlüssel zur Schranke mitgenommen hat. Natürlich weiß auch niemand wo sie hingegangen ist, bzw. wo sie wohnt. Mittlerweile ist geteiltes Leid auch halbes Leid, denn wir sind nicht mehr die Einzigen, die vor der verschlossenen Schranke stehen. Ein Südafrikaner mit seiner Freundin und das deutsche Pärchen vom Parkplatz bei Sossusvlei sind mittlerweile auch hier angekommen. Der Typ meint auch gleich, dass er sich verlesen hätte, auf seiner Permit stehe 17:30 Uhr und nicht 18:30 Uhr. Ich werfe zum ersten Mal einen richtigen Blick auf unsere eigene Permit, dort steht 17:00 Uhr. Na toll, das hätte ich echt vorher mal lesen sollen. Hier geht es auf jeden Fall nicht weiter… Da fallen mir zwei Dinge ein. Zum einen der Wagen dem wir vorhin ein ganzes Stück hinterher gefahren sind und der dann nach rechts abgebogen ist. Zum anderen ein Schild in der Nähe des Parkplatzes am Canyon. Auf diesem stand, dass die Weiterfahrt nur für Besucher der Lodge erlaubt sei. Auf der Karte in meinem Kopf fügt sich das eine mit dem anderen zusammen. Die Besucher der Lodge dürfen ja schon früher in den Park, daher müssen Sie auch einen separaten Eingang haben. Ich teile meine Vermutung den anderen beiden Parteien mit und im Konvoi fahren wir bis zu der Stelle an der der Wagen vorhin abgebogen ist. Am Fuße eines Hügels können wir auch schon Lichter von Bungalows ausmachen. Die Richtung stimmt, meine Vermutung auch. Wir kommen am Canyon raus und stehen schließlich vor dem Haupttor. Leicht konsterniert fragen wir den Wächter ob wir noch hinaus können. Mit einem überraschten Lächeln erwidert er: ‚Sure‘ – und öffnet uns die Schranke.
Mit entsprechend langsamer Geschwindigkeit geht es zurück zu unserem Campingplatz und nach einem saftigen Stück Oryx auch recht schnell ins Bett, bzw. in den Schlafsack… dabei ist es gerade mal 20:00 Uhr.
(Ich möchte hier betonen, dass unser Verlassen des Parks auf keinen Fall Nachahmer finden sollte. Es bleibt einem – einmal in dieser Situation – zwar kaum einen andere Möglichkeit, aber man kann im Grunde alles dafür tun erst gar nicht in diese Situation zu kommen. Das fängt beim Lesen der Permit an… Wenn es im Vergleich zu anderen Parkbesuchern voneinander abweichende Zeitangaben geben sollte, sollte man sich stets an „seine“ Zeit halten)
… to be continued
L4ndRov3rThemenstarter19 Beiträge · seit 201225. Juli 2012 · #47
Leider hat die GEMA etwas gegen unsere musikalische Untermalung, aber mit dem Firefox Add-On Proxtube ( https://addons.mozilla.org/en-us/firefox/addon/proxtube/ ) oder ähnlichen Add-ons für andere Browser klappt´s dann doch.
Miss Ellie1'723 Beiträge · seit 200925. Juli 2012 · #48
Hallo nur kurz per telefon : dein bericht ist toll und man fuehlt beim lesen eure Begeisterung fuer dieses tolle land trotz des dramatischen Anfangs Gruesse von reunion
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss
Okaukuejo203 Beiträge · seit 200625. Juli 2012 · #49
Sicherlich ist es richtig, dass man sein Permit lesen und sich an die Zeiten halten soll (aber es kann auch sein, man hält sich daran, und die Schranke ist trotzdem zu, da ist man nie sicher), aber andererseits ist dieses Verhalten mit der Schranke auch wieder einmal beispielhaft für die hier in Namibia oft fehlende Servicekultur. Dass niemand sich darum kümmert, dass der Schlüssel irgendwo in der Nähe der abgeschlossenen Schranke ist, obwohl noch Touristen im Park sind (egal aus welchem Grund), ist irgendwo typisch. Über so etwas denken die Leute hier einfach oft nicht nach. Obwohl das ja nun ganz bestimmt keine Ausnahme war, das passiert vielleicht sogar jeden Tag. Trotzdem wird die Routine nicht geändert bzw. keine Alternativlösung geplant, um die Touristen rauszulassen. Dann sollen die Touristen halt sehen, wie sie das hinkriegen. So etwas stört mich oft an der Haltung der Leute hier, denn leider ist nicht nur "die Dame von der Schranke" so. Solche Gleichgültigkeit anderen Menschen gegenüber (nicht nur Touristen gegenüber) kommt hier leider sehr oft vor.
Deshalb ist es wirklich empfehlenswert, seine Reise so zu planen, dass solche Überraschungen einen nicht aus der Bahn werfen. Aber da ihr das Aus-der-Bahn-werfen ja schon am Anfang der Reise hattet, hat Euch eine solche Kleinigkeit wie diese geschlossene Schranke sichtlich nicht erschüttert. Man braucht eben einfach nur Nerven. 😎
L4ndRov3r schrieb: Leider hat die GEMA etwas gegen unsere musikalische Untermalung, aber mit dem Firefox Add-On Proxtube ( https://addons.mozilla.org/en-us/firefox/addon/proxtube/ ) oder ähnlichen Add-ons für andere Browser klappt´s dann doch.
Hallo L4ndRov3r,
vielen Dank für diesen ehrlichen, spannenden und sehr gut geschriebenen Bericht. Freut mich sehr zu lesen, dass Ihr viel Glück hattet und die Reise dennoch geniessen konntet.
Achso der eigentliche Grund meines Posts war ja:
Unter diesem Link kann man das Video auch ohne Add-Ons ansehen.
Gruß Carl
Madam und Boss Unterwegs (2014/15)
"Bacon and Eggs - A day's work for a chicken; A lifetime commitment for a pig." (Anon)
"I will go anywhere, provided it be forward" (David Livingston)
natürlich weiß ich, dass man nach einem Fahrtraining nicht "perfekt" sein kann, aber das wollte ich auch mit meiner Empfehlung gar nicht sagen. Ich meinte lediglich, es könnte vielleicht helfen, ein kleines bisschen "feeling" für die Gegebenheiten in Verbindung mit dem Fahrzeug (es wird nämlich auch dein eigenes Mietfahrzeug beim Training verwendet) zu bekommen, was sicherlich nicht schadet, sondern eher nützlich ist. Sorry, wenn ich mich da nicht klar ausgedrückt hatte.
Meiner Erfahrung nach fährt sich ein Allradfahrzeug/Geländefahrzeug grundsätzlich anders als ein 'normaler' PKW. Vielleicht sind viele auch einfach nur unbedarft, speziell bei einem Mietwagen? Das kann ich nicht beurteilen. Und wie hier im Forum schon öfter erwähnt wurde - die Straßenverhältnisse sind eben in Afrika anders als in Europa......
SASASOWEWI3'080 Beiträge · seit 200926. Juli 2012 · #54
Hallo L4ndRov3r,
danke für den Link mit dem Video, ich hatte es schon auf der Seite des Vermieters gefunden, wusste aber nicht das es von euch ist. Wir überlegen auch gerade für die nächste Tour dort zu mieten...
lg sasowewi
@Elch:
Du hattest dich schon klar ausgedrückt, ich wollte das auch nicht kritisieren, ich denke wir sind da einer Meinung, und es müssen auch nicht immer die Strassenverhältnisse sein, bei uns hat auf einer der Touren schon ein Esel gereicht um fast einen Unfall zu verursachen, war auch mit einem Landy, wer ahnt auch schon das der Blödmann zwar erst auf die Strasse läuft und anstatt mit gleichem Tempo weiterzutraben irgendwann einfach stehenbleibt um sich den Landy anzuschauen, den hat er dann auch aus ganz kurzer Entfernung gesehen, da passte nur knapp noch eine Zeitung dazwischen, aber die Wochenendausgabe hätte nicht mehr gepasst....
Noch was zu den Nachtfahrten, richtig, immer vermeiden, wenns doch mal sein muss immer schön in der Mitte der Strasse fahren, dann hat man notfalls in beide Richtungen Platz zum Ausweichen...
L4ndRov3rThemenstarter19 Beiträge · seit 201226. Juli 2012 · #55
...
Am nächsten Tag steht eine unserer kürzesten Etappen an. Keine 100 Kilometer sind es bis zur Solitaire Guest Farm, unserem ausgelobten Tagesziel. Wir brechen nach einem reichhaltigen Frühstück recht zeitig auf und erreichen nach einer gemächlichen Fahrt vollkommen entspannt unser Ziel. Kurz nach dem wir das Tor zum Farmgelände passiert haben, halten uns zwei kleine Jungs an und bitten um eine Mitfahrgelegenheit zur Farm, wo ihre Eltern arbeiten. Da es noch über 6 Kilometer bis zur Guest Farm sind, schaffen wir natürlich sofort den nötigen Platz auf unserer Rückbank und setzen dann zu viert unsere Reise fort. Die Guest Farm gefällt uns mit ihren mehr als großzügig angelegten Campsites und den toll gestalteten Aufenthalts- und Essensräumen sehr gut. Besonders gefallen uns die gepflegten und nach oben hin offenen sanitären Einrichtungen unserer Campsite. Direkt unter einem Baum mit zahlreichen Nestern von Webervögeln gelegen, kann man, wenn man selbst dem Ruf der Natur folgt, diesen bei ihrem Treiben zuschauen, oder zu späterer Stunde auch unter dem Sternenhimmel duschen. Auch die sich von unserem Dachzelt bietende Aussicht über die sich bis zum Horizont erstreckende Ebene ist wieder einmal phantastisch. Auf unserem obligatorischen Erkundungsspaziergang stoßen wir zu unserer großen Freude auf einige Erdmännchen, die sich scheinbar genau wie wir auf einem Streifzug durchs Gelände befinden. Während wir uns wie kleine Kinder freuen, begegnen uns die Erdmännchen allerdings mit einer ausgesprochenen Gelassenheit. Selbst wenn wir uns Ihnen auf einen halben Meter nähern, lassen Sie sich nicht bei ihrer jeweiligen Beschäftigung stören. Wobei es sich in der Regel um Käferfressen, Buddeln oder Possierlich-Gucken handelt.
Wir genießen das Laissez-Fair unter der afrikanischen Sonne und machen uns am späten Nachmittag mit ein paar Getränken auf den Weg zu einer, der Guest Farm vorgelagerten, Felsformation, die uns als hervorragender Sundowner-Platz empfohlen wurde. Der Platz auf den Felsen ist wirklich wunderschön und als ich mich gerade daran versuche die Schönheit der Natur mit meiner Kamera einzufangen ruft meine Freundin: ‚Eine Schlange!‘ Auf meine erschreckte Nachfrage nach dem ‚Wo‘, folgt ein, in puncto Präzision der Ortsangabe, etwas unscharfes ‚Da!‘. Mein suchender Blick ist auf den Boden gerichtet und ich kann auch keine, eventuell von meiner Freundin ausgeführte Geste ausmachen, die einen Hinweis auf den Aufenthaltsort der Schlange liefern würde. Auch mein etwas nervöseres ‚Wo denn?‘ wird mit einem ‚Da!!!‘ beantwortet, dem jegliche Genauigkeit fehlt. Schließlich nehme ich eine Bewegung zu meinen Füßen wahr und sehe gerade noch, wie ihr Schwanz (gibt es sowas bei Schlangen überhaupt?) keine 50 cm von meinem Bein entfernt unter einem flachen Strauch verschwindet. Anhand eines - gerade noch vor ihrem völligen Verschwinden geschossenen - Fotos konnten wir sie später als Hornviper identifizieren. Zwar eher ein kleines Exemplar, aber Größe ist bei Giftschlangen ja nicht unbedingt ein entscheidender Faktor. Das ich beinahe über eine Schlange gestolpert wäre, erstaunte und erschreckte mich schon wenig, zumal ich mich mit festen Schritten auf dem felsigen Areal bewegt hatte. Sicher hatte ich damit gerechnet eventuell in Namibia auf Schlangen zu stoßen (daher auch die festen Schritte), aber einer Viper derart nahe zu kommen stand definitiv nicht auf dem Programm. Den anschließenden Sonnenuntergang genossen wir natürlich trotzdem, bevor wir uns auf den Weg zurück machten um unseren Hunger zu stillen. Wir aßen im dortigen Restaurant zu Abend und ich erlebte den – zumindest für mich - kulinarischen Höhepunkt der Reise: Zebra.
Am nächsten Morgen machen wir die am Tag zuvor gebuchte Tour ins „Namib Carnivore Conservation Centre“, dessen Areal ebenfalls auf dem Farmgelände liegt. Wir werden vor dem Hauptgebäude abgeholt und fahren in einem uralten Toyota zu dem 5 Quadratkilometer großem Gelände, auf dem im Moment 6 Geparden leben, die wieder an ein Leben in der Wildnis herangeführt werden sollen. Nach einer kurzen Suche mittels Richtantenne ist der ungefähre Ort lokalisiert an dem sich der Gepard befindet, dessen Signal wir am deutlichsten vernehmen konnten. Wir kommen uns vor wie im Tierfilm und schon nach wenigen Minuten zeichnet sich die Silhouette eines Gepards auf dem Weg vor uns ab. Wie sich herausstellt sind es sogar zwei, die sich auch sofort nachdem unser Wagen zum Stehen gekommen ist in unsere Richtung in Bewegung setzten. Unsere Führerin schüttelt den Kopf, denn genau dieses Verhalten sollen Sie gerade nicht an den Tag legen. Wir können das natürlich durchaus nachvollziehen, finden es aber aus vollkommen eigennützigen Gründen trotzdem toll. In nur wenigen Metern Entfernung suchen sie sich unter einem Busch ein schattiges Plätzchen und beobachten uns. Wir sind inzwischen sogar ausgestiegen und unsere Führerin erzählt uns, während wir die Geparden aus nächster Nähe beobachten, die Geschichte der beiden. Nachdem wir im Wagen sitzen und die Fahrt wieder aufnehmen, bekommen wir noch einmal anschaulich demonstriert, warum die beiden Geparden vollkommen zu Recht noch ein Dasein hinter einem Zaun fristen müssen. Sie lassen es sich nämlich nicht nehmen den Wagen noch mehrere hundert Meter zu verfolgen und ihm mitunter doch sehr nahe zu kommen.
Nach unserer Rückkehr auf der Guest Farm brechen wir auch gleich in Richtung Swakopmund auf. Hierbei entscheiden wir uns für die Route über Walvis Bay, da die Dame an der Rezeption meint, dass man für die etwas nördlich verlaufende Strecke eine Genehmigung bräuchte. Diese hätte man sich scheinbar schon in Sesriem besorgen müssen. Naja - schön, dass wir das auch schon erfahren. Die Strecke nach Walvis Bay hat ihren ganz eigenen Charme. Zum einen erfordert sie eine, im Vergleich zur durchschnittlichen namibischen Straße, wesentlich höhere Zahl an Lenkbewegungen pro Kilometer. Zum anderen zeichnet sie sich durch ein – den unzähligen Hügeln und der korrespondierenden Anzahl an Tälern geschuldetes - ständiges Auf und Ab aus. Zumindest als wir auf dieser Strecke unterwegs waren, bestand zudem noch die obere Schicht der Straße fast ausschließlich aus kleinen Hügeln und Tälern – sprich Wellblech. Ein Highlight war aber sicherlich der am Wegesrand liegende „Vogelfederberg“. Eine sich plötzlich aus einer vollkommen flachen Ebene erhebende Felsformation, die man auch mit dem Auto befahren kann. Zu diesem Zeitpunkt unserer Reise war uns zwar noch nicht nach derartigen „Abenteuern“, aber mittlerweile finde ich es schon schade nicht doch nach oben gefahren zu sein. In Swakopmund erwartete uns neben unserem Zimmer in der Villa Wiese auch der sich an der Küste bildende, lebensspendende Nebel. Abends gingen wir noch im „The Tug“ essen, bevor wir uns - wie eigentlich jeden Abend - recht früh zu Bett begaben. Am nächsten Morgen bummelten wir noch ein wenig durch Swakopmund, frischten unsere Vorräte auf und kauften uns bei „Peter´s Antiques“ noch ein paar kleine Souvenirs. Dann ging es an der Küste entlang in Richtung Spitzkoppe. Irgendwann nutzten wir die Gelegenheit um einen Abstecher zum Strand zu machen und ein wenig am Meer entlang zu spazieren. Natürlich wussten wir wie die Skelettküste zu ihrem Namen gekommen ist, aber ich rechnete nicht damit, dass sie ihrem Namen auch alle Ehre machen würde. (Siehe Bild)
Ich bin zwar sicherlich kein Experte, aber für mich sieht das nach einem menschlichen Oberschenkelknochen aus.
Die weitere Fahrt zur Spitzkoppe war von einer landschaftlichen „Leere“ gekennzeichnet, die uns nicht minder beeindruckte, wie die Mondlandschaft vom Vortag. Keine Erhebung, kein Baum, nicht mal ein größerer Strauch, einfach nur eine gigantische, ungastliche Ebene - aber trotzdem auf eine bestimmte Art und Weise schön und faszinierend. Schließlich begann sich dann doch am Horizont eine einzelne Gruppe Berge abzuzeichnen – unser Tagesziel, die Spitzkoppe.
Als wir dort ankamen und ich die Gebühr für unsere Campsite entrichtete, war auch gleich ein netter Guide zur Stelle, der mich über die möglichen Aktivitäten aufklärte. Auch die Spitzkoppe kann mit einigen uralten Felszeichnungen aufwarten, welche wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollen. Da man diese aber nur mit einem Guide besichtigen kann, fragte ich mein Gegenüber, wann denn ein guter Zeitpunkt dafür wäre. ‚15 Uhr‘. Ich schaue auf die Uhr – 14:25 Uhr. Zu wenig Zeit um sich eine Campsite auszusuchen und zurückzukommen. Wir beschließen daher den Guide gleich mitzunehmen. Er will uns allerdings zuerst zu seiner Lieblingscampsite führen, damit wir diese durch das Aufstellen von Tisch und Stühlen schon mal in reservieren können. Die Landschaft ist unglaublich und es fällt teilweise wirklich schwer sich von ihrem Anblick loszureißen und wieder auf den Weg zu konzentrieren. Ich folge seinen Richtungsanweisungen, wobei ich ab einem bestimmten Moment dann doch etwas skeptisch werde – hier soll es lang gehen? ‚Yes.‘ kommt stets die Antwort von der Rückbank. Und natürlich hat er Recht. Irgendwann, wir sind gerade durch eine Stelle gefahren die eigentlich keinen Weg erahnen ließ, sind wir da. Wahnsinn. Der Hammer. Müssen wir hier wirklich nochmal weg?
In einer Einbuchtung des Felsmassivs vor uns, die an deren Eingang gerade genug Platz bietet um mit dem Wagen hineinzufahren liegt unsere Campsite. Umgeben von gut 30 Meter hohen, steil aufragenden Felswänden. Ein Platz wie aus dem Bilderbuch.
Nachdem wir die Campsite in Beschlag genommen haben, führt uns unser Guide zuerst zu einer berühmten Felsformation in Form einer steinernen Brücke und dann zum „Small Bushman Paradise“, einem Felsüberhang an dem noch zahlreiche Felszeichnungen zu sehen sind. Wir sind nicht nur von der Szenerie und den Felszeichnungen begeistert, sondern auch von unserem Guide, der uns viele, viele Hintergrundinformationen liefert und sogar ein Lied in der Klicksprache der Buschmänner vorsingt. Wobei er gleich einschränkt, dass die früheren Buschmänner dieses heute nicht mehr verstehen würden (irgendwas mit Klicklauten am Anfang statt am Ende eines Wortes). Wir fühlen uns bestens informiert und setzen den Guide schließlich wieder am Eingang ab. Wir erkunden ausgiebig die nähere Umgebung, klettern auf den Felsen herum und machen hunderte von Fotos. Den Sundowner genießen wir dann wieder an der steinernen Brücke. Ein phantastischer Ort, dessen Schönheit wir bis zum letzten Sonnenstrahl in uns aufsaugen.
Wie immer stehen wir am nächsten Morgen früh auf, zumal heute ein Highlight anderer Natur winkt. Heute steht die Fahrt zur Erongo Wilderness Lodge, der luxuriösesten Station unserer Reise, auf dem Programm. Ironischer Weise liegen so die beiden unterschiedlichsten Stationen unser Tour durch Namibia in direkter Abfolge hintereinander. Auf der einen Seite die „spartanische“ Spitzkoppe, deren Campsites lediglich mit einem Plumpsklo als einzige zivilisatorische Errungenschaft aufwarten können, auf der anderen Seite die jeglichen Komfort bietende Wilderness Lodge. Wir sind gespannt, können uns aber trotzdem nur schwer von der atemberaubenden Umgebung der Spitzkoppe trennen. Kaum haben wir unsere Campsite verlassen, steht ein alter, nahezu zahnloser Mann mit eingefallenem Gesicht neben dem Weg und hält einige gebastelte Souvenirs in die Höhe. Nach einigen Metern bringe ich den Wagen zum stehen und schon allein die Art, wie er sich Abmüht so schnell wie möglich zu unserem Wagen aufzuschließen erregt mein tiefstes Mitleid. Ich kaufe zwar keines seiner Souvenirstücke, gebe ihm aber 20 Na$. Meine Freundin reicht mir noch einen Apfel, den ich ihm ebenfalls entgegenhalte. Die tiefe Dankbarkeit in seinem Blick versetzt uns in eine sowohl traurige als auch nachdenkliche Stimmung, die uns noch ein ganzes Stück auf unserem Weg begleitet.
Als wir bei der Erongo Wilderness Lodge ankommen, wissen wir erst mal nicht weiter. Wir stehen auf einem Parkplatz, aber der Weg führt über ein extrem felsiges und steiles Stück weiter den Berg hinauf. Auf einem Schild steht, das es bis zur Lodge noch 800 Meter seien. Darf man hier jetzt weiterfahren, oder nicht? Unschlüssig steigen wir aus und gehen ein Stück weiter den Weg entlang. Just in diesem Moment kommt uns ein, mit Angestellten der Lodge, vollbesetzter Land Rover entgegen. Die Frage ob wir weiterfahren können wird mit der Gegenfrage nach unserem Wagen beantwortet. ‚Land Rover Defender‘ sage ich. ‚Ah, no problem‘ kommt es als Antwort. 😉 Wir bewältigen besagte Stelle ohne Probleme und kommen schließlich auf dem zweiten Parkplatz unterhalb der Lodges an. Auch hier ist die Szenerie einfach traumhaft, wobei die Hauptattraktion die Lodges, bzw. die Luxuszelte selbst sind. Die Aussicht von unserem Balkon ist atemberaubend und wir verbringen den Nachmittag mit süßem Müßiggang. Am Abend beteiligen wir uns noch an einer kurzen Wanderung auf einen der größeren Felsen der Umgebung um dort den Sundowner zu genießen. Danach folgt das Abendessen im schön gestalteten Restaurant, bevor wir uns wieder auf den Weg zu unserem „Zelt“ machen.
Am nächsten Morgen gestatten wir uns den Luxus mal etwas länger im Bett zu bleiben, bevor wir uns wieder ins Restaurant zum Frühstücken begeben. Zum Abschluss unseres Aufenthalts unternehmen wir noch eine Wanderung auf den „Gipfel“ der zweiten, die Szenerie bestimmenden, Felsformation. Obwohl auch hier der Ausblick wunderschön ist, verblasst alles ein wenig gegenüber den noch frischen Eindrücken von Spitzkoppe. Unser nächstes Ziel ist im Grunde eine reine Zwischenstation auf dem Weg zum Etosha Nationalpark und die Vorfreude bald dort zu sein wächst mit jedem Kilometer den wir zurücklegen. Allerdings nur so lange bis wir die ersten Warzenschweine sehen. Zuerst sichten wir einzelne Tiere, dann vereinzelt kleinere Familienverbände und schließlich tauchen derart viele Exemplare am Straßenrand auf, dass wir das Zählen ganz einstellen. Einfach toll! Auf dem Weg zur Farm auf der wir für heute unsere Campsite reserviert haben, wechselt sogar noch eine kleine Herde Kudus direkt vor uns in das Dickicht auf der anderen Wegseite. Die Campsites auf Wesrand 19 sind auch wieder sehr schön und da wir die einzigen Gäste sind haben wir die freie Auswahl. Man merkt allerdings, dass hier der Tourismus ein reiner Nebenerwerb ist und das Farmgeschäft im Vordergrund steht. Der Farmbesitzer erfüllt, zumindest was sein Aussehen angeht, sämtliche unserer Klischees die wir von weißen Farmern im südlichen Afrika haben. Vor allem sieht man ihm an, dass er einen Großteil seines Lebens unter der Sonne Afrikas im Freien verbracht hat. Hier erfahren wir z. B. auch, dass man aufgrund des Wassermangels und der Kargheit des Landes in Namibia für ein Rind ca. 12 Hektar Land benötigt. Wenn man dies weiß, erscheint die für deutsche Verhältnisse schier unglaubliche Größe mancher Farmen in einem anderen Licht. Natürlich kann auch dieser Campingplatz auch mit einer Besonderheit aufwarten. Das „Blue Bath“. Dabei handelt es sich um eine ein kleines Häuschen mit einer blauen Badewanne, das zu einer Seite hin offen ist, sodass man beim Baden einen herrlichen Ausblick über das weite Farmgelände hat. Diese Gelegenheit lassen wir uns natürlich nicht entgehen und schauen ein wenig später, mit einem Sundowner in der Hand, der Sonne über den Badewannenrand hinweg beim Untergehen zu.
Hallo L4ndRov3r Du hast wirklich eine tolle Art zu schreiben. Ohne viel Unnützes drumrum aber alles was wichtig ist. Spannend und interessant erzählt, ohne dass Langeweile aufkommt. Man ist richtig dabei. Vielen Dank dafür, bin schon gespannt auf morgen.
Champagner8'672 Beiträge · seit 201026. Juli 2012 · #57
L4ndRov3r schrieb:...
Dieses Bild ist ja wirklich der Knüller!! Und deinen Bericht finde ich auch ganz toll - ich freue mich schon auf die Fortsetzung 🙂
Hallo L4ndRov3r, wirklich super nett geschrieben. Wir sind gleich wieder mit dir dort und haben auch immer dieselbe Begeisterung gespürt. Danke für den tollen Bericht. Liebe Grüße Andrea
uschisiggi160 Beiträge · seit 200927. Juli 2012 · #60
Hallo L4ndRov3r, ich lese auch mit Begeistung Deinen Reisebericht, dem man den einen oder anderen wertvollen Tipp auch als Mehrfachtäter Namibia noch entnehmen kann. Bitte schnell weiterschreiben und so schöne Fotos wie die vom Erdmännchen 😘 einstellen.
Gruß uschisiggi
Mein Motto: Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen. (Hermann Hesse)