casimodoThemenstarter4'528 Beiträge · seit 200731. März 2012 · #1
5100 KM Katzen und Mäuse unfenced
Reisebericht unserer Südafrikatour vom 23.02. bis zum 19.03.2012
Route
Flug Frankfurt Capetown mit Lufthansa 1 Nacht Tulbagh Tulbagh Country Manor 3 Nächte Tankwa Karoo NP Elandsberg 1 Nacht Upington Le Must River Manor 2 Nächte Kgalagadi NP Kalahari Tented Camp / Honeymoon Tend 1 Nacht Kgalagadi NP Gharagab 1 Nacht Kgalagadi NP Bitterpan 2 Nächte Kgalagadi NP Urikaruus 2 Nächte Kgalagadi NP Killie Krankie 1 Nacht Kuruman Red Sands Country Lodge 1 Nacht Rustenburg Terra Casa B&B 3 Nächte Marakele NP Tlopi Tented Camp 3 Nächte Leshiba Wilderness Venda Village Camp 2 Nächte Kapama Private Game Reserve Kapama Buffalo Flug Johannesburg Frankfurt mit Lufthansa
Das Hauptziel unserer achten Reise ins südliche Afrika sollte der Kgalagadi Transfrontier Park sein. In 2009 waren wir nur 2 Nächte in diesem wunderschönen Park, was natürlich viel zu kurz war. Da es ausschließlich in Wilderness Camps gehen sollte, haben wir mit der Planung der Reise weit über ein Jahr vor unserer Abreise begonnen. Die Entscheidung für die restliche Route fiel uns dann wirklich schwer. Da es auch zu uns bisher unbekannten Zielen gehen sollte, haben wir uns zu dieser etwas ungewöhnlichen Reise entschlossen und es nicht bereut.
Vorab schon einmal. Bis auf eine letztendlich unbedeutende kleine Schwierigkeit mit der Buchung im Moonriver Guesthouse in Upington hatten wir eine wunderbare Reise mit tollen Naturerlebnissen, 14 Nächten Selbstversorgung, tollen Unterkünften und Begegnungen mit netten und witzigen Menschen, die wie wir naturverbunden sind. Unsere bisher eher spärlichen Offroaderfahrungen wurden im KTP und auf dem Leuberg 4x4 Trail wieder etwas ausgebaut. Die reinen Fahrtage von Tankwa nach Upington, vom KTP nach Kuruman, von Kuruman nach Rustenburg und von Kapama nach JoBurg waren letztlich kein Problem. Die Wilderness Camps im KTP sind alle wunderschön. An allen Campwasserlöchern hatten wir Löwen oder Leoparden. Endlich haben wir ohne Ranger Cheetahs in freier Wildbahn sehen dürfen.
Der Mietwagen von KEA war entgegen aller Bedenken OK und funktionierte bis auf einen Wackler am Kühlschrank einwandfrei. Er musste einiges aushalten und leistete uns treue Dienste. Allerdings blieben einige Schrauben des Frontbumpers auf den teilweise üblen Wellblechpisten im wahrsten Sinne des Wortes „auf der Strecke“.
Wieder einmal hat uns das Forum bei der Planung unserer Reise toll unterstützt. Gerade bei den Fragen zur Route, dem Weinkaufen, dem Seednet und dem Braiien haben wir wertvolle Hilfe erhalten. Dafür noch einmal allen ein „herzliches Danke“
Ich fange jetzt doch schon am heutigen Samstag mit dem Bericht an, um bei einem bestimmten Forumsmitglied keine Langweile ab Sonntag 17:00 Uhr zu bescheren ;-))
Die weiteren Teile dauern sicher eine Weile. Auch deswegen, weil die meisten Bilder bisher noch im RAW-Format auf der Festplatte schlummern :
Hallo Carsten, na dann will ich mich mal in Geduld üben, denn der KTP steht noch auf meiner to-do-Liste und im Marakele war ich 2010, Abo ist aktiviert. Freu ich schon, mit euch zu reisen Lieber Gruß
Ute
Fleur de Cap1'409 Beiträge · seit 201031. März 2012 · #3
Hallo Carsten,
das nenn ich mal einen super Service. Kaum ist der Reisebericht von cfm fertig, geht es mit Deinem weiter...lass Dir nicht zu viel Zeit, ich fliege am Dienstag und brauche noch Lesestoff 😗
casimodoThemenstarter4'528 Beiträge · seit 200731. März 2012 · #4
Flug Frankfurt Capetown und erste Nacht im Tulbagh Country Manor
Nach 2 Jahren warten geht es heute endlich los ! Da wir nicht weit vom Airport entfernt wohnen, spare ich einen Urlaubstag und gehe noch arbeiten, während Kerstin frei hat. Mein Vater fährt uns zum Flughafen, wo wir Ruckzuck mit dem Checkin fertig sind. Die Sitze sind Gott sei Dank vorreserviert, denn die 747 ist bis auf den letzten Platz voll besetzt. Der Abflug ist pünktlich, in unserer Dreierreihe sitzt ein sehr netter südafrikanischer Helikopterpilot. Kerstin unterhält sich 2-3 Stunden prächtig, dann können wir auf dem ruhigen Flug einige Stunden Schlaf finden. Obwohl es in der Bretterklasse kein eigenes Boardentertainmentsystem gibt, ist der Service bei Lufthansa diesmal erstklassig, das Personal sympathisch.
Als ich ca. 2 Stunden vor der Ankunft wach werde und das Rollo hochziehe, sehe ich die endlosen Dünenmeere in Namibia. Wieder stehen mir die Tränen in den Augen. Es ist schwer zu erklären, aber an diesem Punkt werde ich jedesmal sentimental.
Im Anflug auf Kapstadt ist der Tafelberg schön zu sehen. Bei blauem Himmel landen wir kurz nach zehn Uhr relativ gut ausgeruht zum vierten Mal in Kapstadt. Da wir 2 Kilo Vollkornbrot und einige Lebensmittel im Gepäck haben, sind wir froh, daß die 8 Beamten gerade andere Koffer durchsuchen und wir ungeschoren durch die Kontrollen kommen. Sofort versorgen wir uns am ATM mit ausreichend Bargeld und versuchen den KEA-Schalter zu finden. Da es keinen gibt und auch kein Abholer da war, rufen wir an. Bei Thrifty sollen wir warten, wo uns kurze Zeit später ein netter Kea-Mann abholt. Nach kurzer Fahrt erhalten wir mit einem sehr netten und detaillierten Checkin einen gut in Schuss wirkenden Nissan-Doublecab der gerade neu Inspektion hatte mit nagelneuen Offroadreifen, einem optisch ordentlichen Zustand und wie vereinbart mit Kühlschrank, Kompressor und zweitem Ersatzrad.
Um halb zwölf fahren wir auf vertrauten Wegen und unter Leitung unseres mit Tracks 4 Africa bestückten Nüvis in Richtung Paarl. Da wir in Sachen Wein immer verwöhnter werden, wollen wir uns gleich am ersten Tag mit Wein versorgen und haben uns drei Weingüter rausgesucht.
Das erste Weingut Anura ist nach knapp einer halben Stunde Fahrt erreicht.
Im Restaurant ist außer uns niemand. In traumhafter Umgebung und mit sehr leckerem Sauvignon Blanc und Chardonnay essen wir einen gourmetwürdigen Lunch.
Der Nachtisch ist sogar unglaublich gut. Den Wineshop verlassen wir kurze Zeit später und bestens gelaunt mit 6 Flaschen Wein. Das ist doch mal ein phantastischer Reisebeginn. Wir sind richtig euphorisch 😄 Afrigaaaaah, wir kooooomeeeen ......
Kurze Zeit später biegen wir in die Zufahrt des Weingutes Glen Carlou ein.
Die Weine kennen wir gut aus Deutschland. Das Restaurant und der Shop liegen auf einem Hügel mit herrlichem Blick auf die Berge bei Paarl.
Wir verzichten schweren Herzens auf eine Weinprobe, da wir noch einige Kilometer bis Tulbagh vor uns haben und verlassen auch diesen Shop mit 4 Flaschen Wein.
Diemersfontain ist das dritte Weingut. Unser netter Flugzeugnachbar hatte es uns empfohlen. Auch dort wechseln 4 Flaschen Wein den Besitzer.
Die restliche Strecke nach Tulbagh ist kein Problem.
Trotzdem freuen wir uns, als wir vor der Tür des schönen kapholländischen Hauses des Tulbagh Country Manor stehen.
Wir bekommen ein nettes und relativ großes Zimmer und beschließen, vor dem Dinner noch etwas zu ruhen.
Gut ausgeruht besuchen wir das Paddagang Restaurant schräg gegenüber. Im weinbelaubten Innenhof essen wir zwei ordentliche Steaks. Der weiße Hauswein aus dem eigenen Weingut schmeckt durchschnittlich, macht aber nix ! Satt und schon wieder müde geht’s zur afrikatypisch frühen Zeit schon wieder ins große, gemütliche Bett.
Nach einer gut durchschlafenen Nacht gibt’s ein gutes Frühstück an der großen Tafel im komplett historisch eingerichteten Manor House.
Wir wollen uns nicht zu lange aufhalten, denn heute ist der erste Großeinkauf geplant.Ein kurzer Blick noch in den Garten :
Im Sparmarkt ist die absolute Hölle los, denn Samstags gehen alle Farmarbeiter einkaufen. Das Obst- und Gemüseangebot ist reichhaltig. Es dauert doch einige Zeit, bis wir alle Gebrauchsartikel und Lebensmittel im Einkaufswagen haben. Wir sind mit die einzigen Weißen und stehen schließlich an einer unglaublich langen Schlange an der Kasse an. Irgendwie bekommen wir alles in Plastiktüten ins Auto geschleppt. Gegen 11.00 Uhr geht’s los in Richtung Tankwa Karoo NP. Endlich in die Einsamkeit.......
AfricaDirect1'271 Beiträge · seit 200731. März 2012 · #6
Hallo Carsten,
ein sehr viel versprechender Anfang Deines Reiseberichts. Du bist ja wirklich schnell mit dem Schreiben und sogar die Fotos sind schon bearbeitet. Respekt!!! Das habe ich nicht so schnell hinbekommen. Und hänge immer noch stark hinterher.
Ich freue mich, wie wahrscheinlich jeder hier, auf einen wunderschönen Reisebericht aus meiner "Ex-Heimat" Südafrika.
Liebe Kerstin , lieber Carsten, wie cool ist das denn 🤩 Dein Reisebericht fängt schonmal gut an.:) Bin ja so gespannt auf Urikaruus und Kiekiekrankie, was ihr da erlebt habt. 😄
Ganz liebe Grüße Mike und Cécile 🙂
"I never knew of a morning in africa when I woke up and was not happy". Ernest Hemingway
Reisebericht:2010 "Nach 4 Anläufen als Selbstfahrer in Namibia"
http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/140297-nach-4-anlaeufen-als-selbstfahrer-in-namibia.html
Reisebericht 2011 Eine neue Erfahrung....
http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/187663- eine-neue-erfahrung.html
2007 ,2008 ,2009 2mal ,2010,2011 Namibia Botswana.
2011 Shanghai, 2012 Florida Virgin islands Karibik.
2012 Namibia und KTP
2013 Das erste Mal Südafrika Kruger NP
2014 Kapstadt und Kruger NP
2015 Kruger National Park
2016 kruger National Park
2017 Kruger National Park
2 KLICKS auf die "SONNE" und man liest den Reisebericht OHNE Kommentare !!!!!
SASASOWEWI3'080 Beiträge · seit 200901. Apr. 2012 · #8
Hallo Kerstin, Hallo Carsten,
na das war ja ein toller Einstieg, Anura ist eine gute Wahl, da bin ich auch schon zweimal gewesen. Tulbagh kenne ich nur von einem Tagesausflug.
Blöd das ich jetzt den Rest erstmal verpasse, aber ich werde dann im Anschluß berichten wie es im KTP war, dauert nicht mehr lange und es geht los.
@ Carsten, wir kommen ziemlich knapp in Frankfurt an, da bleibt leider keine Zeit für ein kurzes Treffen, schlage vor das holen wir nach wenn ich wieder da bin, vielleicht besuchen wir ja zusammen die heimischen Löwen, wir bieten da gern eine Führung an.
dein Reisebericht fängt ja vielversprechend an ...
Und hey, ich beneide Leute die nach einem 11-12 stündigen Flug so fit sind wie du und deine Kerstin. Wie Annick so schön geschrieben hat : euer erster Urlaubstag war ja wirklich ein richtiges "Mise en bouche". Besser kann der Urlaub nicht beginnen.
Champagner8'672 Beiträge · seit 201001. Apr. 2012 · #10
Guten Morgen Carsten (und natürlich auch Kerstin)!
Für einen Versicherungskaufmann machst du echt interessante Reisen... 😛 *duck*
Nee, Spaß beiseite, ich hab nämlich mal ne ganz indiskrete Frage: du hast schon in Kronau von euch als jungem Ehepaar gesprochen und nun lese ich in deiner Unterkuntsliste was von "Honeymoon Tend". War das war? Hab ich was nicht mitbekommen? Klär mich doch mal bitte auf 😉 !
Und dann schreib bitte schnell weiter! Wenn ich mal groß bin (bzw. die richtigen Mitreisenden dazu finde 😁 ) will ich nämlich auch mal in den KTP! Ich verschlinge gerade jeden diesbezüglichen Reisebericht! Und wenn man den Berichtschreiber persönlich vom Bankschalter her kennt 😗 dann machts doch noch viel mehr Spaß!
casimodoThemenstarter4'528 Beiträge · seit 200701. Apr. 2012 · #12
Hallo Bele,
im Honeymoon Tent im KTC haben schon Fomis genächtigt, gegen die Kerstin und ich (in2000) gerade Mal erst geheiratet haben Es ist das Zelt Nr. 1, in dem schon einiges an Forumsprominenz gewohnt hat.
Sanne2'462 Beiträge · seit 200601. Apr. 2012 · #13
Hallo Carsten,
danke für den sehr schönen Einstieg in Eure Reise. Ich hoffe, bei Euch ist nicht so schönes Wetter wie hier in Berlin und Du bist motiviert, heute mit der Bildbearbeitung weiter zu machen 😉 Freu mich schon sehr auf die Fortsetzung.
Viele Grüße an Euch zwei, Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
casimodoThemenstarter4'528 Beiträge · seit 200701. Apr. 2012 · #15
Hallo Conny, Hallo Schorsch,
haben wir es etwa schon 17:00 Uhr ??? Aber in Bayern gehen die Uhren ja bekannterweise anders ! 😉 😛
Die 14 Flaschen Wein waren genau eine Punktlandung. Wir wollten ja gut auf das Treffen mit Cecile und Mike vorbereitet sein, die wohnen ja auch in Bayern.... Und Weißbier war da nicht zu bekommen 🙁
Hallo Kerstin und Carsten, wusste ich´s doch, dass ich ein Abo brauche! Was für ein Einstieg... Gratulation. Nun grübel ich schon, ob ich nicht doch mal wieder afrikanisch fremd gehen muss und nach Jahren (...shame) mal wieder Richtung Südafrika fliege. Nicht nur der Wein, auch der prima Bericht ist schuld - also bitte unbedingt weiter damit, bin gaaaaaanz gespannt.
...so ist das, kaum gibt man Tipps, wo es leckeren Wein zu kaufen gibt, schon wird einem jeder Schluck in den Mund gezählt.. 😉
Schön, dass es jetzt losgeht, abonniere Deinen Bericht und bin auf die Reise gespannt, vor Allem auf Marakele, wo wir bald auch 3 Nächte verbringen werden. 🤩
LG, BriZA
casimodoThemenstarter4'528 Beiträge · seit 200701. Apr. 2012 · #18
casimodoThemenstarter4'528 Beiträge · seit 200701. Apr. 2012 · #19
Tankwa Karoo NP / Elandsberg Cottage
Distanz 225 KM
Wir sind schon gespannt, was uns Heute erwartet. Der erste Teil der Strecke führt uns durch bergige Landschaft in Richtung Ceres, Diese Strecke sind wir schon mehrfach gefahren. In Ceres finden wir einen netten Drankwinkel, in dem wir uns mit Windhoek, Sparkling Water und dem so geliebten Savannah versorgen. Auch hier ist jetzt am Samstag die Hölle los. Erleichtert stellen wir auf der Weiterfahrt fest, daß es mit jedem KM immer einsamer und auch dürrer wird. Bald erreichen wir die erste Pad in diesem Urlaub. Die Landschaft wird weitläufiger und immer wüstenähnlicher. Irgendwie vergessen wir Fotos zu machen.
Und dann nach bestimmt 50 KM NICHTS auf einmal ein Padstal. Das gibt’s doch nicht ! Hier fährt doch fast kein Auto !?! Wer um Himmels Willen eröffnet hier einen Padstal ?
Die Eigentümer sind übrig gebliebene Hippies, die uns sehr freundlich empfangen. Er sieht aus wie ein totaler Freak (Der Blonde Mann hinter der Theke).
Begeistert über neue Kundschaft ruft er in den heißen Gastraum „An icecold beer ?“ Als wir wegen der irren Hitze ablehnen und nach Kaffee fragen, ist er irgendwie enttäuscht.
Auf der Veranda sitzt eine farbige Familie mit einem kleinen, total süssen Mädel. Ansonsten ist es total still.
Wir setzen uns draußen hin und finden es irgendwie supercool hier in the middle of nowhere bei der Familie Freak Instant-Kaffe zu trinken und wie die blöden zu schwitzen.
Doch was ist jetzt ? Plötzlich kommt ein Motorrad nach dem anderen an. Die Gang trainiert gerade für eine Charity Tour von Kairo nach Kapstadt. Die machen dem Cheffreak eine Freude und trinken das eiskalte Bier in Massen. So langsam wird es skurril, die Rocker kaufen Hippie-Schlapphüte und sind hier in der Wüste richtig gut drauf.
Nach ca. 1 Stunde fahren wir weiter über die einsame Pad. So langsam tauchen am Horizont imposante Berge auf.
Im Office am Parkeingang checken wir bei der freundlichen aber wortkargen Dame ein. Sie gibt uns den Schlüssel für die Family Unit und einen DIN A4 Plan des Parks und verabschiedet uns. Hier gibt es übrigens keinen Shop, nur Feuerholz ist verfügbar.
Bisher war die Pad eigentlich ganz gut, im Park ändert sich das schlagartig. Über heftiges Wellblech geht es die letzten KM immer parallel zur Gebirgskette bis nach Elandsberg.
Erst im letzten Moment kann man bei der Anfahrt erkennen, welch einen schönen Blick man in den nächsten drei Tagen haben wird.
casimodoThemenstarter4'528 Beiträge · seit 200701. Apr. 2012 · #20
Fortsetzung Tankwa Karoo / Elandsberg
Das Cottage ist riesig und wunderschön eingerichtet.
Es gibt einen kleinen Plunge Pool eine überdachte und somit schattige Grill- und Sitzecke, eine große Wohnküche, einen Kamin, zwei Schlafzimmer und ein großes Bad mit einer Dusche, aus der man einen Blick ins Freie hat.
Das Klo lädt zum Verweilen ein 😣 Gelle Annick, Gelle Conny !
Strom ist nicht vorhanden, Petroleum-Lampen gibt es genug. Das Wasser schmeckt auch abgekocht brackig, man muss genügend Trinkwasser mitnehmen. Zum Zähneputzen und Waschen ist es OK.
Wir sind sehr angetan, hier können wir erst einmal ausspannen und runterkommen. Wir räumen unsere Sachen aus dem Auto und installieren uns. Auf der Folie des abgedeckten Pools hat sich etwas Wasser angesammelt, das eine Reihe von Vögeln anzieht.
Der Bokmakirie ist wunderschön
Die Mäuse krabbeln geschickt im trockenen Gras rum
Wir genießen die Ruhe und den wunderschönen Ausblick und bereiten gegen Abend das erste Braii vor. Es gibt Boerewors, Lammsteak mit selbstgemachter Knobibutter, Tomate Mozarella und Gemsquash.
Zusätzlich muss natürlich die erste Flasche Wein, ein wunderbarer Anura Shiraz dran glauben. Nachdem die Sonne den wolkenlosen Himmel verlassen und die Berge rot gefärbt hat, tauchen langsam die ersten Sterne auf. Da kein Mond da ist , dürfen wir einen Hammer-Sternenhimmel erleben. Wer findet auf dem Bild das Kreuz des Südens ? 😉
Es ist einfach wunderschön und wir erinnern uns wieder, warum wir Afrika so lieben ! Die Temperatur sinkt nur ganz langsam, bei weit geöffneten Fenstern schlafen wir gute 10 Stunden, bis die Vögel mich kurz nach Sonnenaufgang wecken.
Mit einer Tasse Kaffe schaue zu, wie die Sonne über den Bergen erscheint. Kerstin schläft noch bis halb neun. Bis dahin habe ich abgewaschen, mit dem aus Deutschland mitgebrachten Kaffe und Reisefilter eine Thermoskanne Kaffee gebraut und die ersten Mäuseschäden festgestellt. Selbst daran Schuld, wenn man das Toastbrot und die Tomaten auf der Spüle liegen läßt. Die Maus hat ein schön symetrisches Loch in eine Tomate gefressen, es sieht fast schön aus. In der Toastpackung ist das Plastik angefressen und ein für eine Maus gigantisches Loch klafft Mitten im Brot. Dick und hässlich sollen sie werde, die elende Diebe ! Wir sehen aber von Strafverfolgungsmassnahmen ab und verhängen kein Todesurteil ! Die Mausefalle auf dem Fensterbrett bleibt unbenutzt. Mit dem Foto erwischen wir sie mit den Resten unseres O-Saftes :
Den Rest des Tages verbringen wir im Schatten, es hat sicher Ende 30 Grad. Zwischen unseren Beinen hüpft die ganze Zeit ein schneidiger, kleiner Vogel herum, der mit großem Erfolg Fliegen fängt. Er hat Null Angst vor uns und wir schließen ihn sofort ins Herz.
Um halb vier brechen wir zum Gannaga Pass auf.
Über Wellblech, einsame Landschaft und vorbei an meist verlassenen Farmhäusern geht es genau in das eine Tal, in das wir von unserem Haus aus sehen können. Langsam wird die enge Pad steiler und Kerstin immer stiller.
Sie sitzt auf der Talseite und fühlt sich sichtlich unwohl. Der Ausblick in die Ebene und ins Tal wird immer spektakulärer, die kleine Pad windet sich in Serpentinen den Berg hoch.
Wir erreichen ein Hochplateau und drehen an der verlassen wirkenden Gannaga Lodge um. An einem schönen Aussichtspunkt genießen wir bei völliger Stille die gigantische Aussicht, ein kühles Getränk und lecker Kekse.
Auf der Abfahrt steht ein kleiner Steenbok neben dem Auto am Berg, Kerstin ist jetzt auch etwas entspannter.
Im Tal angekommen, sitzt ein Southern Pale Chanting Goshawk direkt neben dem Weg auf einem Zaunpfosten. Stück für Stück pirschen wir uns mit dem Auto näher heran. Er bleibt tatsächlich sitzen, sogar als das Auto nur noch 5-10 Meter entfernt ist.
Da entdecken wir so in 50 Meter Entfernung einen Schakal. Er hat den Vogel fest im Blick. Das wäre sein perfektes Dinner ! Er pirscht sich gaaaanz langsam heran, hat aber keine Chance. Nach ca. 20 Minuten fahren wir weiter und sehen noch einen Oryx und einige Springböcke.
Die Temperatur wird langsam erträglicher und so vergeht der Abend mit Vogel- und Mäusebeobachtung am Pool. Inzwischen sind auch einige der angekündigten Bienen da, wir wussten bei der Buchung von der Problematik, die bisher keine war.
Relaxt wird während des Sonneunterganges das Essen vorbereitet, das Feuer angezündet und die ersten Schlücke eines leckeren Cuvees von Diemersfontain rinnen unsere Kehlen herunter.
Bei wieder gigantischem Sternenhimmel gibt’s Butternut, Speckwürste und Steaks. Gegen 22.00 Uhr siegt die Müdigkeit.
Vielleicht einmal eine Anmerkung zwischendurch:
Wir haben während des gesamten Urlaubes keine einzige Seite eines Buches gelesen. Früher hätten wir nie im Leben geglaubt, das es niemals langweilig wird, über Stunden gar nichts zu tun und nur die Stille und die Weite der Landschaft und die Kleintierwelt genießen zu dürfen. In Deutschland würde es uns nach wenigen Minuten langweilig, in Afrika nicht.