Kolonialverbrechen in Deutsch-Südwestafrika

22 Antworten · 5'408 Aufrufe · gestartet 16. März 2012 von Afrika Sonne
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5'538 Beiträge · seit 200818. März 2012 · #21
Hallo Zusammen,

danke an Jamiroquai für den Hinweis, dass der Befehl von Trothas grundsätzlich nur hälftig wiedergegeben wird. Hier der vollständige Befehl im Wortlaut:

Aufruf an das Volk der Herero

Ich der große General der deutschen Soldaten sende diesen Brief an das Volk der Hereros. Die Hereros sind nicht mehr deutsche Untertanen. Sie haben gemordet und gestohlen, haben verwundeten Soldaten Ohren und Nasen und andere Körperteile abgeschnitten, und wollen jetzt aus Feigheit nicht mehr kämpfen. Ich sage dem Volk: Jede der einen der Kapitäne an eine meiner Stationen als Gefangenen abliefert, erhält 1000 Mark, wer Samuel Maharero erhält 5000 Mark. Das Volk der Herero muss jedoch das Land verlassen. Wenn das Volk es nicht tut, so werde ich mit dem Groot Rohr es zwingen. Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero mit und ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volk zurück oder lasse auf sie schießen. Das sind meine Worte an das Volk der Hereros.

Der große General des mächtigen deutschen Kaisers.

Dieser Erlass ist bei den Appells den Truppen mitzuteilen mit dem Hinzufügen, dass auch der Truppe, die einen der Kapitänen fängt, die entsprechende Belohnung zuteil wird und das Schießen auf Weiber und Kinder so zu verstehen ist, dass über sie hinweg geschossen wird, um sie zum Laufen zu zwingen. Ich nehme mit Bestimmtheit an, dass dieser Erlass auch dazu führen wird, keine männlichen Gefangenen mehr zu machen, aber nicht zu Grausamkeiten gegen Weiber und Kinder ausartet. Diese werden schon fortlaufen, wenn zweimal über sie hinweg geschossen wird.
Die Trupp wird sich des guten Rufs des Deutschen Soldaten bewusst bleiben.

Der Kommandeur
gez. v. Trotha, Generalleutnant


Jetzt noch einige Zahlen aus dem Meyers Lexikon von 1908, das ich von meiner Großmutter geerbt habe.
Namibia hatte seinerzeit 177.000 Einwohner, die sich auf zwei Hauptstämme verteilten: Die Bantu und die Hottentotten. Zu den Bantu zählten die Ovambo (60.000) und Herero (65.000). Denen standen rund 3.800 weiße Bewohner gegenüber, davon 2.595 Deutsche. Von der deutschen Bevölkerung waren 267 Farmer und 857 Beamte und Soldaten. Eine Anzahl, die nicht ausreichte, die ständigen Überfälle der Nama ins Hereroland zu verhindern.

1897 kam es dann als Folge einer landesweiten Rinderpest zu einem Aufstand der Zwartbooi-Hottentotten, denen sich einige Hereros anschlossen. Interessant ist, dass der spätere Führer der Hereros Maharero und der Führer der Nama als Kapitäne dem deutschen Heer Soldaten zur Verfügung stellten, um diesen Aufstand niederzuwerfen.

1904 gab es dann im ganzen Land zu einem - wie das Lexikon sagt - gut vorbereiteten Aufstand der einheimischen Bevölkerung mit einer Reihe von Schlachten, bei denen jedoch keine Seite einen entscheidenden Sieg erringen konnte. Von Überfällen der Schwarzen auf Farmer habe ich übrigens nichts finden können. Bei der Schlacht am Waterberg kam es auch nicht zur Entscheidungsschlacht, weil die Hereros nicht eingekesselt werden konnten und so in die Omaheke entflohen. Diese Omaheke wird übrigens an anderer Stelle im Lexikon (Beschreibung der Geografie des Landes) als wegen seiner weiten Grasflächen als besonders geeignet zur Schafzucht beschrieben. Dass es ein wünstenähnliches Trockengebiet ist, war - so interpretiere ich diese Aussage - möglicherweise noch gar nicht richtig bekannt.

Das einfach mal als Hinweise. Wie gesagt, ich habe noch 1.000 Fragen, die mir keiner aus heutiger Sicht beantworten kann. Denn wir beurteilen das alles aufgrund unserer heutigen Kenntnisse und Moralvorstellungen, die sich in den letzten 100 Jahren zumindest hier in Europa erheblich weiter entwickelt haben.

So, ich wünsche Euch noch einen schönen Abend.

Liebe Grüße
Gerd
126 Beiträge · seit 200918. März 2012 · #22
Ein Faksimile des Trotha-Befehls kann auf der Seite des Bundesarchivs der Bundesregierung angeschaut werden, da ist auch der Zusatz enthalten.

Den Hinweis habe ich übrigens von diesem ziemlich ausführlichen (aber eben nicht wissenschaftlichen) Wikipedia-Artikel bekommen.

MfG Juergen
zuletzt bearbeitet 18. März 2012
4'140 Beiträge · seit 200918. März 2012 · #23
Hallo Jamiroquai und Gerd
für eure sachlichen und korrekten Beiträge. Ich habe wie spinstone auch schon mal auf den gesamten Text des Trotha-Befehls im Bundesarchiv hingewiesen. Aber es ist eben immer bequem, nur die erste Seite zu lesen. Ich möchte auch nur zu gerne wissen, wie viele der Artikel-Schreiber und der Linken im Bundestag, die diesen Antrag gestellt haben, schon mal am Waterberg war, sich dann die Mühe gemacht hat, von dort in die Omaheke zu gelangen und dies mit Mitteln des Jahres 1904. Dieses Thema immer wieder emotional hochzukochen macht meiner Meinung nach absolut keinen Sinn. Es gibt Hunderte von Deutschen, die sich sozial in Namibia mit viel Aufwand engagieren und viel Gutes tun und darum auch wenig Aufsehen machen. Dieses Engagement ist meiner Meinung nach ein guter Ausgleich für die Vergangenheit. Geld an einzelne Herero-Chiefs zu spenden hat in der Realität nur Vorteile für BMW und Mercedes, denn dahin werden die Gelder zurück fließen, damit sich die Herren endlich die gewünschten Nobelkarossen leisten können. Oder hat irgendjemand im Forum schon einmal gehört, dass sich reiche Hereros (und die gibt es!) für die San oder in Katutura oder für Aids-Waisen oder sonst irgendwelche benachteiligeten Gruppen in herausragender Weise engegiert hätten?
Nochmals: Es war nicht richtig, was in der Kolonialzeit abgelaufen ist und im Rahmen von Entwicklungshilfe und sozialem Beistand helfen wir gerne einem Staat mit sinnvoll eingesetztem Geld in Afrika. Nicht aber einer schwarzen Adelskaste, die das Geld nur zu eigenem Vorteil einsetzt.
Gruß:
Burschi
21x Namibia, 6x Botswana, 6x Südafrika, 4x Simbabwe, 2x Sambia, 1x Tansania, 2x Kenia, 1x Mauritius, 1x Sansibar