Hallo Zusammen,
danke an Jamiroquai für den Hinweis, dass der Befehl von Trothas grundsätzlich nur hälftig wiedergegeben wird. Hier der vollständige Befehl im Wortlaut:
Aufruf an das Volk der Herero
Ich der große General der deutschen Soldaten sende diesen Brief an das Volk der Hereros. Die Hereros sind nicht mehr deutsche Untertanen. Sie haben gemordet und gestohlen, haben verwundeten Soldaten Ohren und Nasen und andere Körperteile abgeschnitten, und wollen jetzt aus Feigheit nicht mehr kämpfen. Ich sage dem Volk: Jede der einen der Kapitäne an eine meiner Stationen als Gefangenen abliefert, erhält 1000 Mark, wer Samuel Maharero erhält 5000 Mark. Das Volk der Herero muss jedoch das Land verlassen. Wenn das Volk es nicht tut, so werde ich mit dem Groot Rohr es zwingen. Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero mit und ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volk zurück oder lasse auf sie schießen. Das sind meine Worte an das Volk der Hereros.
Der große General des mächtigen deutschen Kaisers.
Dieser Erlass ist bei den Appells den Truppen mitzuteilen mit dem Hinzufügen, dass auch der Truppe, die einen der Kapitänen fängt, die entsprechende Belohnung zuteil wird und das Schießen auf Weiber und Kinder so zu verstehen ist, dass über sie hinweg geschossen wird, um sie zum Laufen zu zwingen. Ich nehme mit Bestimmtheit an, dass dieser Erlass auch dazu führen wird, keine männlichen Gefangenen mehr zu machen, aber nicht zu Grausamkeiten gegen Weiber und Kinder ausartet. Diese werden schon fortlaufen, wenn zweimal über sie hinweg geschossen wird.
Die Trupp wird sich des guten Rufs des Deutschen Soldaten bewusst bleiben.
Der Kommandeur
gez. v. Trotha, Generalleutnant
Jetzt noch einige Zahlen aus dem Meyers Lexikon von 1908, das ich von meiner Großmutter geerbt habe.
Namibia hatte seinerzeit 177.000 Einwohner, die sich auf zwei Hauptstämme verteilten: Die Bantu und die Hottentotten. Zu den Bantu zählten die Ovambo (60.000) und Herero (65.000). Denen standen rund 3.800 weiße Bewohner gegenüber, davon 2.595 Deutsche. Von der deutschen Bevölkerung waren 267 Farmer und 857 Beamte und Soldaten. Eine Anzahl, die nicht ausreichte, die ständigen Überfälle der Nama ins Hereroland zu verhindern.
1897 kam es dann als Folge einer landesweiten Rinderpest zu einem Aufstand der Zwartbooi-Hottentotten, denen sich einige Hereros anschlossen. Interessant ist, dass der spätere Führer der Hereros Maharero und der Führer der Nama als Kapitäne dem deutschen Heer Soldaten zur Verfügung stellten, um diesen Aufstand niederzuwerfen.
1904 gab es dann im ganzen Land zu einem - wie das Lexikon sagt - gut vorbereiteten Aufstand der einheimischen Bevölkerung mit einer Reihe von Schlachten, bei denen jedoch keine Seite einen entscheidenden Sieg erringen konnte. Von Überfällen der Schwarzen auf Farmer habe ich übrigens nichts finden können. Bei der Schlacht am Waterberg kam es auch nicht zur Entscheidungsschlacht, weil die Hereros nicht eingekesselt werden konnten und so in die Omaheke entflohen. Diese Omaheke wird übrigens an anderer Stelle im Lexikon (Beschreibung der Geografie des Landes) als wegen seiner weiten Grasflächen als besonders geeignet zur Schafzucht beschrieben. Dass es ein wünstenähnliches Trockengebiet ist, war - so interpretiere ich diese Aussage - möglicherweise noch gar nicht richtig bekannt.
Das einfach mal als Hinweise. Wie gesagt, ich habe noch 1.000 Fragen, die mir keiner aus heutiger Sicht beantworten kann. Denn wir beurteilen das alles aufgrund unserer heutigen Kenntnisse und Moralvorstellungen, die sich in den letzten 100 Jahren zumindest hier in Europa erheblich weiter entwickelt haben.
So, ich wünsche Euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße
Gerd
danke an Jamiroquai für den Hinweis, dass der Befehl von Trothas grundsätzlich nur hälftig wiedergegeben wird. Hier der vollständige Befehl im Wortlaut:
Aufruf an das Volk der Herero
Ich der große General der deutschen Soldaten sende diesen Brief an das Volk der Hereros. Die Hereros sind nicht mehr deutsche Untertanen. Sie haben gemordet und gestohlen, haben verwundeten Soldaten Ohren und Nasen und andere Körperteile abgeschnitten, und wollen jetzt aus Feigheit nicht mehr kämpfen. Ich sage dem Volk: Jede der einen der Kapitäne an eine meiner Stationen als Gefangenen abliefert, erhält 1000 Mark, wer Samuel Maharero erhält 5000 Mark. Das Volk der Herero muss jedoch das Land verlassen. Wenn das Volk es nicht tut, so werde ich mit dem Groot Rohr es zwingen. Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero mit und ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volk zurück oder lasse auf sie schießen. Das sind meine Worte an das Volk der Hereros.
Der große General des mächtigen deutschen Kaisers.
Dieser Erlass ist bei den Appells den Truppen mitzuteilen mit dem Hinzufügen, dass auch der Truppe, die einen der Kapitänen fängt, die entsprechende Belohnung zuteil wird und das Schießen auf Weiber und Kinder so zu verstehen ist, dass über sie hinweg geschossen wird, um sie zum Laufen zu zwingen. Ich nehme mit Bestimmtheit an, dass dieser Erlass auch dazu führen wird, keine männlichen Gefangenen mehr zu machen, aber nicht zu Grausamkeiten gegen Weiber und Kinder ausartet. Diese werden schon fortlaufen, wenn zweimal über sie hinweg geschossen wird.
Die Trupp wird sich des guten Rufs des Deutschen Soldaten bewusst bleiben.
Der Kommandeur
gez. v. Trotha, Generalleutnant
Jetzt noch einige Zahlen aus dem Meyers Lexikon von 1908, das ich von meiner Großmutter geerbt habe.
Namibia hatte seinerzeit 177.000 Einwohner, die sich auf zwei Hauptstämme verteilten: Die Bantu und die Hottentotten. Zu den Bantu zählten die Ovambo (60.000) und Herero (65.000). Denen standen rund 3.800 weiße Bewohner gegenüber, davon 2.595 Deutsche. Von der deutschen Bevölkerung waren 267 Farmer und 857 Beamte und Soldaten. Eine Anzahl, die nicht ausreichte, die ständigen Überfälle der Nama ins Hereroland zu verhindern.
1897 kam es dann als Folge einer landesweiten Rinderpest zu einem Aufstand der Zwartbooi-Hottentotten, denen sich einige Hereros anschlossen. Interessant ist, dass der spätere Führer der Hereros Maharero und der Führer der Nama als Kapitäne dem deutschen Heer Soldaten zur Verfügung stellten, um diesen Aufstand niederzuwerfen.
1904 gab es dann im ganzen Land zu einem - wie das Lexikon sagt - gut vorbereiteten Aufstand der einheimischen Bevölkerung mit einer Reihe von Schlachten, bei denen jedoch keine Seite einen entscheidenden Sieg erringen konnte. Von Überfällen der Schwarzen auf Farmer habe ich übrigens nichts finden können. Bei der Schlacht am Waterberg kam es auch nicht zur Entscheidungsschlacht, weil die Hereros nicht eingekesselt werden konnten und so in die Omaheke entflohen. Diese Omaheke wird übrigens an anderer Stelle im Lexikon (Beschreibung der Geografie des Landes) als wegen seiner weiten Grasflächen als besonders geeignet zur Schafzucht beschrieben. Dass es ein wünstenähnliches Trockengebiet ist, war - so interpretiere ich diese Aussage - möglicherweise noch gar nicht richtig bekannt.
Das einfach mal als Hinweise. Wie gesagt, ich habe noch 1.000 Fragen, die mir keiner aus heutiger Sicht beantworten kann. Denn wir beurteilen das alles aufgrund unserer heutigen Kenntnisse und Moralvorstellungen, die sich in den letzten 100 Jahren zumindest hier in Europa erheblich weiter entwickelt haben.
So, ich wünsche Euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße
Gerd