grosses Kompliment für deinen wunderschönen und sehr unterhaltsamen Bericht. Deine Bilder vom Okavango-Delta sind traumhaft (von unten wie von oben) 😁.
Schade dass du bei der Leoparden-Sichtigung auf der falschen Seite gesessen hast; bei den Löwen scheint es aber die richtige gewesen zu sein 🙂 🙂 .
Was deine Erfahrung mit den Französinen angeht; ich glaube ich hätte den Damen spätestens beim Mokoro Taxi Service den Kopf abgerissen ...😠 😠 😠 .
Und dann bei Tiersichtigungen nichts weiter zu tun als sich gegenseitig einen Schwank aus seinem Leben zu erzählen ... 😠.
Bei Beles Reisebericht habe ich mich auch köstlich amüsiert; aber ich glaube so eine Gruppenreise wäre definitiv nichts für mich.
Freue mich auf jeden Fall riesig auf die Fortsetzung.
lilytrotter4'129 Beiträge · seit 200803. Dez. 2011 · #22
Hallo, Seven!
Super Erlebnisse und nette Guides. Außergewöhnliche Beobachtungen und schöne Fotos. Eigentlich doch ein gelungene Sache, deine Gruppenreise. ... abgesehen von ein paar Blitzlicht-Idioten, Schwätzern und peinlichem Prinzessinnen-Gehabe, - man kann eben nicht nur Glück haben... Nein, im Ernst, solch ignorantes und dummes Verhalten würde uns auf die Palme bringen! In solchen Momenten kann man einfach nur leiden. Aber tröste dich, sowas erlebt man ebenfalls als Individualreisender, man trifft ja diese Spezies leider überall, egal welcher Couleur.
Vielen Dank für deinen sehr interessanten Reisebericht!
Gruß lilytrotter
Gruß lilytrotter
Always look on the bright side of life... :-)
Walvisbay boomt
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201003. Dez. 2011 · #23
Hallo Lil und Lillytrotter
Danke für's Kompliment. Hoffe, dass ich das Niveau des Berichts halten kann... 😉.
@Lil: bei den Löwen war ich auch auf der falschen Seite. Aber dank meines Zooms konnte ich die doch recht nahe holen. Beim Leo war das Problem, dass der dann in Richtung hinter den Wagen lief und da ich zuhinterst sass, konnte ich ihn dann nicht mehr sehen. Aber so wi mir der Deutsche gesagt hat, der auf der richtigen Seite sass, war seine Ausbeute auch nicht so toll. Aber wer weiss, vielleicht sehe ich ja im weiteren Tourverlauf nochmals einen Leo... 😗 ?
Tja, und was die Sache mit der Gruppenreise angeht: bei der Buchung hatte ich Hummeldumm und Bele's Bericht noch nicht gelesen 🤨 , je mehr ich gelesen habe, desto häufiger waren meine Stossgebete zum Himmel 😄 . Bei der Reise habe ich mich dann wirklich manchmal geärgert (und nicht nur ich), jetzt aus der Distanz betrachtet kann ich schon ein bisschen gelassener darauf zurückblicken (bis auf eine Sache, die noch passiert, aber ich will da nicht vorgreifen 😮 ). Aber ich denke, auch eine Gruppenreise ist eine Erfahrung wert und ich habe mit den Australiern immer noch E-Mail-Kontakt (Foto-Austausch), also von daher will und kann ich nicht alle in denselben Topf werfen. Schlussendlich haben ja alle aus dem Grund eine geführte Tour gebucht, Tiere zu sehen und sich nicht um das Organisatorische zu kümmern (nehme ich jetzt mal an). Das Blöde war halt nur, dass die 12er-Gruppe nicht richtig durchmischt war, mit 5 Galliern, die sich dann noch untereinander kennen, war es dann eine Gruppe innerhalb der Gruppe.
Mal schauen, ob ich heute noch dazukomme, einen weiteren Tag zu veröffentlichen. Viele Grüsse und ein schönes Weekend Sven
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201004. Dez. 2011 · #24
18. September – Moremi NP > Savuti Um 5:00 Uhr weckt Lazarus die Gruppe und schnell werden die Zelte abgebaut, die Koffer gepackt und das Material verladen. Erst als praktisch alles verstaut ist, gibt es Frühstück. Um 6:30 Uhr fahren wir ab. Die Strasse ist holprig und 2 Mal durch Wasser unterbrochen. Doch Fahrer Jimmy meistert auch diese Situation souverän und wir kommen jedes Mal trocken am anderen Ufer an, obwohl ich mehr Angst um die Fotoausrüstung als um mich hatte, von einem Kroko geschnappt zu werden. Die Fahrt durch die Ebene ist nicht sonderlich spektakulär, Tiere sehen wir praktisch keine, weil die Temperaturen doch schon recht hoch und Schattenplätze unter Büschen begehrt sind. Daher bin ich auch froh, dass wir immer fahren, so kommt wenigstens ein bisschen „Abkühlung“ entgegen. Ich stelle mir jetzt vor, wie die “Weicheier“ (Lodge-Tour) in ihrem Gefängnistruck vor sich hin schwitzen. Eine unangenehme Vorstellung.
Trotz tiefsandigem und teils schwierigen Passagen kommen wir am Mittag im Savuti Camp an. Bevor wir aber die Zelte aufstellen können, gibt es noch Diskussionen mit den Camp-Verantwortlichen. Lazarus ist der Meinung, dass, wenn wir schon mit 9 Zelten auftauchen, wir auch einen Platz am Fluss verdient hätten, da wir ja genügend Geld bringen. Irgendwie scheint mir die Diskussion paradox, denn die Campingtour wird ja nicht zum ersten Mal durchgeführt und ebenso wenig wird hier übernachtet. Also müssten doch die Camp-Verantwortlichen wissen, dass jeden Sonntag eine Gruppe eintrifft und könnte den Platz reservieren. Die Verantwortlichen reden noch mit den Campern am Fluss, aber die wollen dort bleiben (ich hätte mich auch so entschieden). Wir bleiben also an unserem Platz (glaube #9 oder #10), der sehr wenig Schatten zu bieten hat, entsprechend beginnt der Kampf um die besten Plätze. Ich ergattere mir gleich die Stelle unter dem Baum, passt! So nahe beieinander haben wir die Zelte noch nie aufgestellt, wie Sardinen in der Büchse, nur die Australier finden noch eine kleine Stelle im Gebüsch ein wenig abseits von uns.
Ein bisschen überrascht bin ich von der Dusch- und Toiletteneinrichtung. Die ist ja feste ummauert und mit einer schweren Eisentür geschlossen als wär’s ein Knast. Die Erklärung folgt vom Guide: früher (ohne Mauern) waren die Elefanten auf Suche nach Wasser immer wieder in die Gebäude eingedrungen oder haben auch mal Leitungen zerstört. Na, das war ja sicher lustig, wenn man am duschen war und plötzlich hatte man nicht mehr die Duschbrausche, sondern einen Rüssel in der Hand…
Wir haben noch Zeit zum ruhen. Ein Fluss wäre ja gleich in der Nähe und eine Erfrischung täte gut, aber es wird uns dringend abgeraten, darin zu baden. Mist, die Badehose hatte ich schon an. Also machen wir ein wenig Sport: lauf dem Schatten nach.
Um 16:00 Uhr heisst es: alles aufsteigen zur Pirschfahrt. Aber von Pirschen kann ja bei uns schon lange nicht mehr die Rede sein [gem. Duden heisst Pirsch: Art der Jagd, bei der versucht wird, durch möglichst lautloses Durchstreifen eines Jagdreviers Wild aufzuspüren und sich ihm auf Schussweite zu nähern]. Ok, wir sind hier nicht auf der Jagd und keiner hat eine Flinte auf sich (nehme ich jetzt mal an…🤔 ), aber lautlos hätte für mich schon Gültigkeit. Daher nenne ich es ab sofort Kaffeefahrt, denn so kommt es mir langsam vor. Da wird die frankreicherische Kommunikation ohne Rücksicht auf Verluste oder Mitreisende vorgetragen und wenn wir mal ein Tier sehen, ging das Getröte erst recht los: „Là, l’éléphant!“, „Où?“, „Là bas, à trois heures“, „Ahh, ouiii“, „No, il y a deux!“, „Ouii“, „Ooohhh“, „Aahhhhh“ (die Oui’s, Oohh’s und Aahh’s aus 3-4 Münder gesprochen), „Magnifique!“, „Psssst, silence“, „Oui, schschschsch…“. Aber das mit dem schschschsch dauert dann nicht lange.😠
Gleich nach dem Camp fahren wir dem Fluss entlang und sehen einen Elefanten weiden. Die Warnung, man sollte hier nicht baden, hat wohl schon seine Richtigkeit.
Einen weiteren Elefanten sehen wir bei einem Baum. Der Arme, er hat sich darin mit seinem Stosszahn verfangen. Ähhm, Moment mal, der schläft nur, bzw. hat geschlafen, denn Napoleon’s Klatschtanten wecken ihn nun (vielleicht war’s ja auch der Dieselmotor unseres Fahrzeugs…).
Wir sehen heute wieder viele Pflanzenfresser, aber keine Raubkatze oder andere Fleischfresser. Seit dem 1. Game Drive vermissen wir nun diese und ein bisschen Enttäuschung macht sich breit. Impalas, Kudus, Elefanten, Giraffen, alles schöne Tiere, aber irgendwie fehlt doch die Abwechslung.
Eine Premiere bietet sich doch noch: zum ersten Mal sehen wir eine Büffelherde. Aber irgendwie sympathisiere ich nicht so mit diesen Tieren, sehen ziemlich humorlos aus und haben wohl zum Morgenessen ein paar Dutzend Zitronen gefressen, so wie die dreinschauen.
Aber wegen den Kätzchen: da können unsere Guides natürlich nichts dafür, sie zeigen, was sie finden und sehen. Beim Kreuzen der entgegenkommenden Autos spricht Jimmy immer wieder mit dem anderen Fahrer, vielleicht haben die anderen ja mehr gesehen. Ironisch meine ich, dass die sich gegenseitig nur Kochrezepte austauschen und fragen, wie es der Frau zu Hause geht.
Wir machen einen kurzen Stopp bei einem Affenbrotbaum…
… ehe wir zum Sonnenuntergang in eine graslose Ebene fahren, so können wir wiederum aussteigen und bei einem Bier zugucken, wie der feuerrote Ball hinter dem Hügel verschwindet. Ein einzelner Elefant läuft ca. 50m an uns vorbei, weiter hinten bei den Bäumen ist eine grosse Herde davon.
Küchengott Mwabe hat bei der Rückkehr das Abendessen schon bereit, diesmal Menu mediterrane, Spaghetti Bolognaise. Für das, dass die Afrikaner keine Italiener sind, ist die Kohlenhydratbombe ziemlich gut. Wir sitzen noch ein bisschen am Lagerfeuer. Stef und ich versuchen uns in der Sternenfotografie. Bei der Dunkelheit und der freien Sicht nach oben fasziniert der Himmel. Noch nie habe ich die Milchstrasse so gut und die Sterne so deutlich gesehen.
In der Nacht hören wir noch Rufe der Elefanten, welche wohl im nahem Fluss sind sowie von einem Leoparden (der soll sich mal am Tag zeigen…!).
Der gigantische Sternenhimmel mit seiner Milchstrasse in Afrika fasziniert mich auch immer wieder aufs neue. Man kann sich fast nicht davon losreissen 🤩 🤩 🤩 .
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201015. Dez. 2011 · #26
Taataaa, da bin ich wieder. Nach 10(!) Tagen Forumsverweigerung durch die Swisscom 😠 komme ich nun wieder meinem Bericht nach. Sorry für die Verzögerung. Also, daher will ich euch nicht länger aufhalten mit der Tagebuch.
19. September – Savuti
Um 6:00 Uhr ertönt ein herzhaftes „Good morning“ von Lazarus, das Zeichen zum Aufstehen. Nach einem kurzen Frühstück verabschieden wir uns vom Camp und Mwabe. Bei ihm ist die Abschiedsprozedur immer gleich: meist sitzend auf einem Stuhl, mit einem breiten Lachen, heftigem Winken und zum Schluss Daumen hoch – das können wir brauchen nach den letzten „erfolglosen“ Pirsch-… ähh Kaffeefahrten. Zu Beginn sehen wir wieder die üblichen Verdächtigen: Giraffe, Elefant, Impala, usw.
Danach aber plötzlich mal was neues: eine Zebramanguste, welche im Boden scharrt und sich das Frühstück aus dem Loch holt. Nach dem Appetithäppchen verschwindet sie in den Büschen. Na, immerhin, mal etwas anderes.
Aber mit Löwe & Co. klappt es immer noch nicht. Wir fahren ein Stück weiter in eine andere Ebene. Jimmy bespricht sich wieder mal mit einem entgegenkommenden Fahrer (wohl wieder ein Kochrezept) und plötzlich heisst es: „let’s check something“. Huii, doch kein Rezept, sondern ein heisser Tip. Es dürfte sich nicht um eine Gruppe Impala handeln, sondern musste sehr wichtig sein, denn so schnell war Jimmy noch nie eine Strecke gefahren. Die Fahrt ist holprig, der Wagen hüpft durch die Gegend und wir müssen unser Hab und Gut festhalten. Was nicht gehalten wurde, fällt herunter (wie unser Brennholz, welches wir vor drei Tagen auf dem Dach deponiert hatten). Am offenbar besprochenen Standort pirschen (jaaa, wir pirschen, es war totenstill im Jeep!) wir ca. 15 Minuten umher, die Kameras schuss- und das Fernglas griffbereit – ohne Erfolg! Verd…😠 , nun, eigentlich wissen wir ja nicht mal, was wir suchen. Es geht wieder zurück auf die vorherige Strecke. Und plötzlich wendet sich das Blatt: ein Leopard kommt gemütlich vom Busch der Strasse entgegen, in unsere Richtung! Und wie bestellt setzt er sich ein paar Meter neben unserem Jeep am Strassenrand hin und beobachtet die Umgebung. Die Kameras feuern aus allen Rohren. Nach ca. einer Minute hat der Leo die Lage geprüft, läuft über die Strasse in den Busch.
Das Schicksal meint es gut mit uns und belohnt uns noch weiter. Keinen Kilometer später ist eine Karawane von Autos ersichtlich, die sich vor einem unscheinbaren Baum versammelt. Und der hat es in sich: auf einem Ast liegt ein totes Impala. Klar, wieder Leoparden. Diese ruhen nach einer erfolgreichen Nachtjagd unter dem Baum im Schatten. Durch das hohe Gras ist aber nur ab und zu der Rücken zu erkennen. Wir bleiben ebenfalls stehen und beobachten ein wenig; die ganze Zeit passiert aber nichts Aufregendes.
Wir fahren weiter in Richtung Savuti Marsh, wo Gnus, Büffel, Impalas und Elefanten friedlich grasen – noch, denn hinter einem Busch im Schatten liegen zwei Löwen und halten Siesta. Da es jetzt heiss geworden ist, werden die wohl auf eine Jagd verzichten, daher kommen wir am Abend wieder vorbei. Bei der Rückfahrt fahren wir wieder am Impala-Baum vorbei, aber die Szene hat sich nicht verändert. Daher werden wir wohl nicht viel verpassen, wenn wir jetzt ins Camp zurückgehen. Es war ein absolut erfolgreicher Game Drive, wir alle freuen uns auf den Abend.
Mwabe überrascht uns zum Lunch mit Omelette und selbstgebackenen Brot. Der hat es echt drauf, sehr gut, wie immer. Die hohe Temperatur setzt allen Beteiligten zu. Eine Dusche bringt nur kurze Abkühlung, kaum draussen drückt die Hitze schon wieder. Eine Gallierin hält es im Camp nicht mehr aus und verbringt den Nachmittag in der kühleren Dusch-/Toilettenanlage. Eigentlich sehr clever.
Um 16:30 Uhr geht es auf die abendliche Kaffeefahrt, natürlich ohne vorher die Gallierin direkt vor der Anlage abzuholen. Die Route führt zuerst an einer Elefantenherde vorbei, wobei die Tiere sehr nahe an den Jeep herankommen. Als wir weiterfahren, trompetet ein Elefant, weil wir ihm offenbar den Vortritt genommen haben. 🤩 Weiter zum Impala-Baum, mal schauen, ob sich da was tut. Aber den Leo’s ist es immer noch zu heiss, sie liegen im Gras. Also ab in den Savuti Marsh, vielleicht bewegen sich die Löwen ein bisschen. Diese haben tatsächlich den Standort gewechselt, ein halbe Runde um den Busch… Aber irgendwas anderes war da noch im Gras, man sieht nur ab und zu Bewegungen, ein kleiner Schwanz, der in die Höhe schwingt und auch mal ein Kopf. Welch Glück wir haben: ein Junges huscht durch’s Gebüsch! Nebenan ist noch eines, also zwei Löwenbabys. Mit meinem 500er-Tele habe ich jetzt den Joker in der Hand, aber die Distanz ist immer noch zu gross für gute Fotos.
So langsam kommt Bewegung auf bei den Löwen; und zu unserem Glück laufen sie direkt auf uns zu. Dabei merken wir, dass noch ein erwachsenes und ein junges Tier im Busch sind, also drei Löwenmütter mit drei Löwenjungen. Neben uns hat es zwei weitere Wagen, welche die Löwen beobachten, es ist zu meinem Erstaunen mucksmäuschenstill (auch keine französische Konversation war zu hören, na also, geht doch!). So faul am Tag herumliegen machte durstig; die Löwen kommen an eine Wasserrinne, welche ein bisschen in einer Mulde ist und trinken. Ca. 15-20 Meter neben uns sitzt jetzt die ganze Familie und nach dem Trinken legen sie sich hin, während die Jungen herumtollen. Dem Spieltrieb zuzuschauen ist lustig; ab und zu bekommt auch ein Erwachsener eine Tatze auf die Nase gehauen.
Leider ist die Zeit weit fortgeschritten und wir müssen zurück ins Camp. Aber wir fahren nochmals am Impala-Baum vorbei. Nun sind wir die einzigen vor Ort und sehen einen Leopard auf dem Baum, der das Diner zu sich nimmt. Die Sonne ist schon lange hinter dem Horizont verschwunden, die Gegend düster, aber trotzdem kann man die Konturen des Tieres erkennen.
Weil wir im Tiefsand stecken geblieben sind 😗, kommen wir 15 Minuten nach "Ladenschluss" aus dem Park im Camp an. Die Ranger, welche wir unterwegs getroffen haben, waren gnädig mit uns. Was soll ich zu den heutigen Game Drives sagen? Einfach phantastisch, sensationell; Mwabe’s Daumen hoch hat also heute gewirkt. Ich muss auch sagen, dass Jimmy ein sehr guter Fahrer ist und immer wieder versucht, für uns den bestmöglichsten Platz herauszuholen. Aber die 24 Stunden sind ja noch nicht um…
Nach dem Nachtessen (Gockel mit Reis und Bohnen) versuche ich mich nochmals in der Sternenfotografie, die anderen sitzen am Lagerfeuer.
Als es Zeit für Nachtruhe wird und wir zu den Zelten laufen, sehen die Australier im Scheinwerferlicht ihrer Stirnlampen zwei Elefanten, welche lautlos in unser Camp gekommen sind. Offenbar überrascht vom Licht bleiben sie stehen und schauen uns an. Jimmy zündet zusätzlich die Autoscheinwerfer an und so nach einer Minute laufen sie dann weiter. In der Nacht wache ich auf. Da ist doch was draussen, denke ich. Tatsächlich, ein Schnüffeln. Mir scheint, das Tier schnüffelt schon einige Zeit um mein Zelt herum. Ich versuche, lautlos aus meinem Schlafsack zu steigen um wenigstens was zu sehen. Aber ich bin zu spät mit meiner Idee. Das Tier ist schon weiter gelaufen. Vielleicht finde ich ja morgen Hinweise auf meinem nächtlichen Besuch.
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201018. Dez. 2011 · #27
20. September – Savuti > Chobe NP Um 5:00 Uhr stehen wir auf und packen, wir müssen uns von Savuti verabschieden; Chobe wartet. Vorher inspiziert Lazarus und Jimmy noch den Boden bei meinem Zelt und finden Leopardenspuren. Was für eine Nacht 😮 . Schade, hatte ich den Leo nicht erspähen können.
Vor dem Morgenessen (und nach dem Zeltabbau) habe ich noch Zeit für eine Dusche. Es haben sich in den letzten Tagen gewisse Vorgänge eingependelt: ich war derjenige, welcher mit dem Zeltabbau immer zuerst fertig war; und die Engländer sind diejenigen, die immer als letzter in den Wagen springen. Das ziehen wir bis zum Schluss so durch. Um 6:30 Uhr verlassen wir das Camp. Die Fahrt zum Chobe NP wird auch als Kaffeefahrt genutzt, unterwegs zeigen sich immer wieder Tiere und wir halten an für kurze Fotostops.
Wir fahren durch das Ngoma Gate in den Park und schon kurz darauf öffnet sich die grosse Ebene vor uns. Der Anblick ist wirklich atemberaubend, überall sind Tiere verschiedener Gattungen zu sehen, die auf den Flächen weiden oder am Ufer trinken. So stelle ich mir das Paradies vor, fehlen nur noch der Swimmingpool und ein schattiges Plätzchen.
Mmmhh, also doch nicht das Paradies 🙁 , unsere Campsite ist heute leicht erhöht über der Chobe-Ebene, Wasser Fehlanzeige und Schatten minim vorhanden. Die Zelte werden wieder wie im Savuti wie Sardinen in der Büchse eng aneinander platziert, der Kampf um jeden Millimeter Schatten beginnt.
Der Nachmittag ist sehr heiss, nun merkt man eindrücklich die Hitze, wenn kein Wind weht. Die Schattenplätze sind schnell belegt, einige lesen oder schrieben, ich versuche auf einem dicken Ast ein wenig zu schlafen, aber sogar das strengt an. Es ist still in unserem Camp, auch die Gallier schlafen. Aber sobald sie in ihren Zelten erwachen, geht‘s wieder los. Auch Sharon, der Australierin, war das Geplapper aufgefallen: „Aahh, they awake!“ und macht mit der Hand (Daumen und Zeigefinger zusammenfahrend) das Plapper-Zeichen.
16:30 Uhr, die abendliche Kaffeefahrt beginnt. Wir fahren runter zur Ebene und parallel zu uns nebenan, laufen Paviane aus den schattigen Wäldern in Richtung Fluss.
Beim Wasser haben sich viele Tiere versammelt; meist Huftiere und Vögel, aber keine Raubkatzen. Viele Bienenfresser fliegen in der Luft herum und ganze Bäume sind von ihnen besetzt. Mit ihrem Federkleid bringen sie ein wenig Farbtupfer in die sonst dürre und trockene Ebene, die oberhalb des Flusses liegt.
Die Sonne geht langsam unter und wir finden einen schönen Platz, wo wir wieder aussteigen können/dürfen für den Sundowner-Drink. Dann die böse Überraschung: kein Bier für alle! 😮 Ich frage mich ob ich mich verzählt habe oder ob David Copperfield nachts im Camp aufgetaucht war und die Biere weggezaubert hat. Aber nicht nur ich beginne mit dem Kopfrechnen, auch Uli + Stef fehlen ein paar Flaschen in ihrer Rechnung. Wir drei versuchen zu rekapitulieren: vier Tage waren wir schon in der Wildnis, pro Tag gab es ein Getränk für den Sundowner und das Abendessen, machte acht. Ich hatte zwei Sixpacks eingekauft, also fehlen vier Biere (bei mir, bei Uli und Stef in etwa auch). Bei uns herrscht Ratlosigkeit, wir unterhalten uns mit den Australiern und Engländern. Bei den Engländern fehlt nichts, da sie eine andere Biermarke gekauft und somit immer ihr eigenes dabei hatten (taktisch/strategisch sehr clever). Bei den Australiern fehlen auch noch etwa zwei Lager. Neben uns beschweren sich die Gallier bei Lazarus, weshalb sie nicht alle Bier bekommen und so langsam dämmert es uns, bzw. wir vermuten es: die meinten wohl, die Sundowner Drinks wären gratis, stattdessen bereichern sie sich auf unsere Kosten. 😠 Da wir aber nichts beweisen können, bleiben wir ruhig. Lazarus ist der Umstand auch ungemütlich, entschuldigt sich und verspricht, auf seine Kosten morgen in Kasane Bier für den Rest der Tour einzukaufen. Das gibt’s doch nicht, jetzt muss der arme Kerl gerade stehen für das Vergehen dieser fünf 😠 #*&!#! 😠 , obwohl es nicht seine Schuld ist. Dabei hatte er ja vor vier Tagen noch explizit beim Einkauf darauf hingewiesen! (s. Beitrag vom 15. September).
Obwohl wir wiederum einen schönen Sonnenuntergang erleben, bin ich ziemlich sauer ab den Umständen und kann ihn gar nicht richtig geniessen, vor allem weil die Gallier hinter mir immer noch einen auf Otto machen, diskutieren und maulen 😠 . Ich schaue zur Sonne und atme tief durch (ok, das ist jetzt etwas kitschig formuliert…), denke an Frankreich und plötzlich sehe ich im weit entfernen Paris fünf Männer, welche die Abwesenheit ihrer Frauen mit einer Party bei Champagner und Käseplatte feiern und wir Dödels dürfen uns mitten in der Pampa mit ihnen rumschlagen 😵 . Von der Pariser Partyszene in den botswanischen Busch zurückgeholt werde ich mit einem „we go back to the camp!“ von Jimmy.
Die Rückfahrt war, naja, sagen wir’s mal so, sonderbar still, weil sich einige ein bisschen angepisst fühlen, einerseits weil sie kein Sundowner-Drink bekamen, andererseits weil einem die Drinks weggesoffen wurden. In meiner Aufregung weiss ich gar nicht mehr, was es zum Abendessen gibt. Doch: ein Glas Wasser mit einem zartschmelzenden Malarone…
Champagner8'684 Beiträge · seit 201018. Dez. 2011 · #28
Sven, deine Fotos sind mal wieder umwerfend - am besten gefällt mir das der trinkenden Löwen, bei dem das Schwänzchen des Kleinen in die Luft steht 😄 Oder sind doch die vom Leo die schönsten? Ich kann mich nicht entscheiden...😐
Es tut mir ja immer in der Seele weh, dass die Franzosen sich so daneben benehmen (habe selber ein paar Tropfen französisches Blut in mir) - hoffentlich sind das die Ausnahmen (bin nächstes Jahr mit zwei, die ich allerdings seit Jahrzehnten kenne, in Botswana unterwegs).
Trotzdem hattest du ja tolle Erlebnisse - und die Sache mit dem Bier ist zwar mega ärgerlich, aber es wird immerhin eine gute Geschichte draus!!
Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung - hatte heute dank dir was Schönes zum Kaffee zu lesen!
vielen Dank für diesen tollen Reisebericht. Auch wenn in mir 50% französisches Blut vorzufinden sind, leide ich mit Dir. Ein Sundowner im Busch und dann kein Bier oder Wein...geht ja gar nicht 🤩
Freue mich auf die Fortsetzung Schönen 4. Advent Fleur
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201019. Dez. 2011 · #30
Hallo Fleur & Bele
Danke für eure Anteilnahme... 😉
Vor Ort war das wirklich ärgerlich, denn ich finde, es gehört sich nicht, sich einfach auf andere Kosten zu bereichern (ob jetzt Getränke oder Snacks sind ist ja egal) 😠 . Vielleicht war der Umstand auch ein bisschen unglücklich, dass unsere eingekauften Lebensmittel mit denjenigen des Organisator "vermischt" wurden und daher der Eindruck entstand, dass die Sundowner-Drinks vom Organisator gespendet wurden 😐 .
Naja, Schwamm drüber, heute kann ich auch schmunzeln darüber, ist ja im Endeffekt ein Ferienerlebnis der besonderen Art (und zu Schaden bin ich ja auch nicht gekommen, es gibt schlimmere Ereignisse in den Ferien). 🙂
Viele Grüsse und guten Start in die Weihnachtswoche Sven
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201022. Dez. 2011 · #31
21. September – Chobe NP > Kasane Aufstehen ist heute wieder um 5:00 Uhr. Dies war die letzte Nacht in der Wildnis, leider stattete kein Tier uns einen Besuch ab in den letzten Nächten. Nach dem Frühstück geht’s auf unsere Weiter- und Kaffeefahrt, entlang des Chobe Rivers Richtung Kasane. Von weitem sehen wir einen Schakal, nett, ein weiteres neues Tier auf der Liste. Auf der anderen Seite des Wagens (ausser Sichtweite von mir) läuft ein Honigdachs seines Weges. Läck, die Liste wird ja immer länger… Jimmy unterhält sich wieder mal mit einem entgegenkommenden Fahrer und fährt bald die Strasse zum Fluss runter. Im Schleichtempo fahren wir ein wenig dem Ufer entlang und sehen dann unter einem Busch gut getarnt im Schatten zwei Löwen. Das Brummen unseres Jeeps nehmen sie desinteressiert auf und dösen weiter. Für tierische Aktivitäten ist es schon zu heiss. Wir fahren am Ufer weiter und sehen ein paar Meter weiter eine weitere Löwengruppe. Diesmal sind es vier an der Zahl und von der Grösse her würde ich mal sagen, im Teenager-Alter. Aber auch sie haben keinen Bock auf Bewegung. Ab und zu steht mal einer auf und sucht sich eine neue Liegestelle, aber raus aus dem Gebüsch kommen sie nicht. Schade, denn ich hätte mir eine Jagdrunde in der Chobe-Ebene gut vorstellen können.
Somit war das Morgenhighlight erreicht. Wir danken Jimmy und Lazarus, dass sie sich die Zeit für die Löwen genommen haben. Die Fahrt nach Kasane geht relativ flott über die Sandpiste; vereinzelt sind Elefanten, Büffel oder Giraffen am Wegesrand, aber wir halten nicht mehr wegen jedem Tier, sondern fahren durch. Mit der Zeit stellt sich eine gewisse Sättigung ein, vor allem bei diesen Tieren. Wären Katzen, Schakale oder Hyänen in Sicht, sähe es wahrscheinlich anders aus.
Wir sind wieder auf Asphalt und damit in der Zivilisation. Irgendwie, so nach fünf Tagen Abstinenz, ein komisches Gefühl. Am liebsten will ich wieder in die Wildnis zurück. Aber gut, passen wir uns halt wieder den Gegebenheiten an. Nach einem kurzen Luncheinkauf erreichen wir unser heutiges Camp und quel surprise: Mwabe, der vorausgefahren ist, hat alle Zelte aufgestellt. Grande applausi di Mwabe! Nach dem Lunch kommt der lang erhoffte Augenblick: der Sprung in den Pool. Herrlich. Zu Hause bin ich ja keine Wasserratte, im Sommer praktisch nie in der Badeanstalt anzutreffen, aber hier lerne ich die Abkühlung richtig schätzen. Mit der Zeit tauchen auch die anderen Gruppengenossen und -genossinnen auf und wir nehmen den Pool nur für uns in Beschlag.
Nach einer Dusche geht’s jetzt auf die letzte Kaffeefahrt dieser Tour. Diesmal nicht auf der Strasse, sondern auf dem Chobe River in einem Boot. Als wir am Bootssteg ankommen herrscht schon grosses Gedränge. Wir bekommen ein kleineres Schiff nur für uns allein. Noch schnell unsere Kühlbox mit den Sundowner Drinks aufladen und los geht’s. Unser Captain stellt sich als Jack vor (leider, oder zum Glück nicht Sparrow…). Nach einem kurzem Stop an einem Kabhäuschen (wahrscheinlich Permit lösen) fahren wir gegen Strom flussaufwärts in den Park rein. Die Tiervielfalt in diesem Gebiet ist wirklich atemberaubend. Man kann hinblicken wo man will, es ist nirgends langweilig. Und unsere Tierliste wird heute Abend richtig lang. Sehr viele (neue) Vogelarten sehen wir, Capt. Jack weiss zu jeder Tierart immer was Interessantes zu berichten. Zudem kommen wir ganz nahe an Hippos, Elefanten und Krokos ran. Für mich ist es erstaunlich, wie Mensch und Tier so nah und eng miteinander leben können. Da fahren wir an einer Horde Kinder vorbei, die den Fluss als Pool nutzen und keine 100 Meter davon entfernt dösen oder schwimmen Krokos oder andere Beisserchen.
Die vielen Schiffe auf dem Fluss verteilen sich meiner Meinung nach weitläufig im Gebiet; man kann auch Fotos schiessen ohne das jeweils ein Boot im Hintergrund stört.
Es wird Zeit für einen Sundowner-Drink. Nach dem gestrigen Ärgernis haben wir wieder vorgesorgt und ein paar Bierchen eingekauft. Ian, der Engländer, geht nach vorne zur Kühlbox, öffnet den Deckel und seinen Blick werde ich wohl nie mehr vergessen. Völlig verdutzt schaut er rein und sagt, dass da gar kein Bier drin ist. Will der uns verarschen? Tatsächlich, er hebt Tomaten und Kopfsalat in die Höhe! Das gibt’s doch nicht, jetzt haben die Guides uns die falsche Kiste mitgegeben. Nach diesem Szenario muss sich Sharon wieder einkriegen; sie kriegt kaum noch Luft vor Lachen. Auch wir finden es lustig und von den Galliern kam diesmal kein „organisation catastrophe“. Zweimal hintereinander beim Sundowner kein Drink, gestern war es ärgerlich, heute amüsant. Aber dass es jetzt Trinkens- bzw. Essenszeit ist, bemerkt nicht nur mein Magen, sondern auch die zwei Warane, welche sich ihre Beute schmecken lassen (gemäss Capt. Jack handelt es sich beim Diner um einen Katzenfisch, aber einen Fisch kann ich da auch bei grösster Fantasie nicht erkennen…).
Wir sehen aber auch die tragische, traurige Seite der Natur: ein junges Elefantenbaby treibt tot auf der Wasseroberfläche. Wir fahren bei Sonnenuntergang langsam zurück zur Station. Unsere drei Guides warten schon an Land – mit der anderen Kühlbox und einem breiten Lächeln im Gesicht! Das Malheur mit der Kiste ist ihnen kurz nach unserer Abfahrt aufgefallen. So gibt es vor dem Abendessen zum Apero unser verdienter Drink an Land.
Für das Abendessen gehen wir heute in die Chobe Safari Lodge. Der Hintergedanke ist wohl, dass wir nach fünf Tagen absoluter Wildnis uns diese Exklusivität verdient hätten. Die Buffets mit den Vorspeisen, Hauptgängen und Dessert bieten eine sehr grosse Auswahl und das Essen ist wirklich sehr gut. Wir treffen nach fünf Tagen auch wieder die Weicheier-Gruppe. Ein Teilnehmer lobt unseren Survival-Trip: „so schlimm seht ihr ja gar nicht aus.“ Danke für’s Kompliment, wie hat der denn erwartet, wie wir daherkommen? Halb verhungert, mit zerfetzten Hosen, aufgerissenen Augen, womöglich noch eine tote Ratte in den Haaren? Obwohl, wenn ich mir die anderen Gäste in der Lodge ansehe, muss ich schon sagen, dass wir schon ein bisschen „heruntergekommen“ aussehen in unserer Kleidung. Wir kommen direkt vom Bootstrip und hatten keine Zeit für Dusche oder Erfrischung.
Nach dem Abendessen fahren wir zurück in unser Camp. Aber schlafen wollen oder können einige noch nicht, weil es von einer anderen Gruppe her laut ist und so genehmigen wir noch einen Schlummerbecher im kleinen Kreis. Heute war es der letzte offizielle Tag mit Gamedrives und es war ein Tag mit sehr vielen Tiersichtungen. Schade, verlassen wir morgen Botswana mit seinem Naturreichtum, gerne wäre ich noch länger hier geblieben.
KarstenB2'397 Beiträge · seit 201122. Dez. 2011 · #32
Hallo Seven, vielen Dank für die schönen Fotos und Deinen anschaulichen Bericht. Jetzt weiß ich wieder, warum Gruppenreisen für mich nicht in Frage kommen 😉 . Den Ärger mit den Französinnen kann ich gut nachvollziehen - ich bin mit einer verheiratet! (Hiermit möchte ich den anderen Ganz-, Halb-, Viertel- und sonstigen Französinnen hier im Forum keinesfalls zu nahe treten.) 🤩 Spaß beiseite: meine Frau wäre wohl die erste gewesen, die den 5en wegen der Ruhestörung den Hals umgedreht hätte - rein verbal natürlich. 😈 Das mit dem gemopsten Sundowner hätte dann mich zum Tier werden lassen 😠 , meine Frau weniger. (Was anderes wäre es, hätte man sich an ihrem Essen vergriffen, da ist sie sogar einem Elefanten furchtlos entgegengetreten: Sie hatte allerdings gedacht, es sei eine Horde Affen, die in der Dunkelheit aus dem Gebüsch auf uns zu kommt. 😮 ) LG aus dem immer noch sonnigen und warmen LG, Karsten
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201026. Dez. 2011 · #33
22. September – Kasane > Livingstone Um 6:00 Uhr stehen wir auf und machen uns bereit für die letzte Etappe unserer Tour, die Fahrt nach Livingstone. Schon manch abenteuerliche Räubergeschichten hatte ich im Vorfeld gehört von dieser Etappe: die Fähre, der Grenzübergang mit dem Visum für Sambia, etc. Kann schnell vorwärts gehen, aber man kann auch bis zu vier Stunden warten. Also lassen wir uns überraschen.
Nach unserem Ausreisestempel im Pass sagen wir auf Wiedersehen Botswana und warten am Ufer des Flusses, bis uns eine Fähre mit rüber nimmt. Ein alter Kahn hat angelegt, aber der ist für die Lastwagen reserviert. Umso besser, denke ich, lieber schwimme ich rüber als auf dieser Rostbüchse zu fahren. Die nächste Fähre ist für uns reserviert; auch eine Gruppe mit Gefängnistruck fährt mit.
Jetzt geht‘s zum Visum. Lazarus macht es clever, sammelt alle Pässe und die 50$ für das Visum ein und verschwindet im Kabhäuschen. Hoffentlich sehe ich meinen Pass wieder. Wir setzen uns wieder in den Jeep und warten. Lange sind wir nicht alleine, denn plötzlich schwirren drei Verkäufer um unser Auto herum, welche sich nicht abwimmeln lassen. Bei einem Verkäufer staune ich allerdings: zuerst hatte er ein paar Ketten zum Verkauf, dann Holzschalen und plötzlich stand der mit einer grossen Holzgiraffe vor dem Auto. Wo zum Teufel hat er all das Zeugs versteckt gehalten? Aber von uns will keiner was und wir hoffen, dass Lazarus mit unseren Pässen bald erscheinen möge, damit wir hier weiterkommen. Tatsächlich taucht er gut 15 Minuten später mit unseren Pässen wieder auf und wir fahren in Sambia ein. Die Fahrt nach Livingstone geht auf Asphalt schnell voran. Nach 3h erreichen wir unser Camp, so früh am Tag haben wir unsere Zelte noch nie aufgestellt.
Die Zeit reicht gerade noch für den Besuch der Viktoriafälle auf Seite von Sambia. Leider ist der Wasserstand nicht hoch, es gibt nur einige kleine Fälle zu bestaunen. Das Positive daran: man wird nicht nass. Eindrücklich ist der Graben aber dennoch, in der sich die Fluten hinunterstürzen.
Der Nachmittag steht zur freien Verfügung. Ich entscheide mich für einen Heli-Rundflug über die Viktoriafälle, um das ganze aus einer anderen Perspektive anzuschauen.
Der Rundflug dauert 30 Min. und beginnt zuerst mit ein paar Kreisen über den Fällen. Beim Weiterflug zum Canyon spricht der Pilot zu uns, aber durch den Helikopterlärm und über Funk habe ich ihn nicht verstanden. Ich weiss nicht, ob’s bei den anderen Gästen auch so ist. Jedenfalls fragt er am Schluss noch was und alle quittieren mit Ja. Sekunden später wusste ich, was die Frage war. Von oben geht‘s praktisch im freien Fall in den Canyon hinein und knapp über der Wasseroberfläche zieht der Pilot die Maschine wieder in die Horizontale. Im Canyon drin schlenzt er von Wand zu Wand, holt bei jeder Kurve weit aus und schlussendlich fliegt er den Heli wieder hoch hinaus aus dem Canyon. Mein Magen hielt den Belastungen stand, beide Daumen hoch für den Piloten und die Show; dies kann der Gast in der Mitte nicht tun, er greift zur Tüte… Wir fliegen weiter über das Land von Sambia und sehen von oben noch Elefanten und Giraffen. Zum Fotografieren ist der Heli nicht ideal. Kleines Fenster, eng und wenn man Pech hat, sitzt man in der Mitte. Aber die Aussicht von oben auf die Fälle ist schon sehenswert.
Das ist die allerletzte Aktivität meiner Botswana-Tour. Morgen heisst es für mich Abschied nehmen von der Gruppe, um meine Reise in Namibia fortzusetzen. Obwohl es im Voucher steht, dass ich die Gruppe einen Tag früher verlasse, frage ich Lazarus nochmals wegen dem Transfer zum Flughafen. Offenbar habe ich ihn damit überrascht. Er fragte mich noch, an welchen Flughafen ich gehe müsse. Gibt’s denn mehrere hier in diesem Kaff? Ich muss zum Airport Victoria Falls und der liegt auf Seite von Zimbabwe. Na toll, wieder ein Grenzübertritt und damit ein Visum. Aber er regelt das, kein Problem. Ich vertraue ihm.
Vor dem Abendessen geht‘s noch an den Pool für eine Abkühlung, danach gehe ich mit Uli und Stef ins campeigene Restaurant eine Kleinigkeit essen. Das Restaurant ist sehr gut besucht und mir scheint, dass hier viele Gruppenreisende anwesend sind.
Hannobaer248 Beiträge · seit 200926. Dez. 2011 · #34
Hallo Sven,
liest sich wunderbar, tolle Fotos. Eine Frage zu dem Bild vom Nachthimmel: Welche Einstellung, wie lange belichtet? Fotografiere selbst auch, aber Sternenhimmel habe ich noch nie ausprobiert und will es unbedingt 2012 nachholen. LG, Hannobaer
Mit den Wolken ziehen
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201027. Dez. 2011 · #35
Hallo Karsten
Ich möchte also nicht mit meinem Bericht Vorurteile gegen Franzosen und Französinnen schaffen. Ich habe festgestellt, dass hier im Forum einige mit französichem Blut sind und will da keinen Ärger machen 😉 . Natürlich gab es auch die angenehmere Seite mit ihnen, keine Frage, und wie schon geschrieben, war eine auch ganz sympatisch. Aber eben, halt im entscheidenden Moment ein bisschen mehr Rücksicht auf die anderen hätte nicht geschadet.
Deine Frau muss wohl zu den ganz Mutigen gehören, sich gegenüber einen Elefanten zu stellen 😉 .
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201027. Dez. 2011 · #36
Hallo Hannobaer
Danke für das Kompliment. Mache gerne so weiter.
Zu deiner Frage: auch ich habe den Sternenhimmel zum ersten Mal so fotografiert. Ich habe folgende Einstellung verwendet: Manueller Fokus auf unendlich, Blende offen (4.5), Zeiteinstellung auf "Bulb" und niedrige ISO wegen Rauschen (hier ISO 100). Dazu noch ein stabiles Stativ und Kabelauslöser (und natürlich hoffen auf Windstille 😉 ).
Hier noch zwei Vergleiche:
Das Foto ist mit 1078 Sekunden belichtet (ca. 18 Minuten)
Das Foto hier ist mit 4619 Sekunden belichtet (ca. 77 Minuten)
Beim unteren Foto war im Hintergrund ein kleines Lagerfeuer, daher ist der Boden so hell belichtet. Im rechten Bereich hat dann mal jemand in der Zwischenzeit mit der Taschenlampe herumgefuchtelt. Also wenn du solche Sternenbilder machen willst, achte auf eine dunkle Umgebung und dass niemand den Fotobereich stört.
Übrigens von Vorteil sind lichtstarke Objektive, meines hatte nur 4.5. Wünsche dir gutes Gelingen und viel Erfolg bei der Nachtfotografie.
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201029. Dez. 2011 · #37
23. September – Livingstone > Windhoek Es ist Zeit zum Ausschlafen. Aber um 6:45 Uhr ist schon so viel Betrieb im Camp, dass es auch mich aus dem Schlafsack zieht. Vor dem Morgenessen habe ich das Zelt grob gereinigt und abgeräumt, zudem muss ich nach zwei Wochen wieder mal Ordnung im Koffer schaffen. Nach dem Morgenessen schreibe ich ein paar Postkarten. Später taucht auch Lazarus auf und teilt freudig mit, dass der Transfer zum Flughafen klappt. Er musste alle Hebel in Bewegung setzen, aber es sollte funktionieren, 10:00 Uhr an der Rezeption. Na, dann bin mal gespannt. Nach kurzem Adressaustausch verabschieden sich die Engländer und Australier von mir; sie gehen wieder zu den Fällen, diesmal auf Seite Zimbabwes. Uli und Stef sehe ich heute Morgen nicht, sie haben eine Tour in einem Naturschutzpark gebucht und mussten zeitig weg. Bald heisst es auch für mich Abschied nehmen von der Crew. Ich danke Lazarus, Jimmy und Mwabe für die zwei tollen Wochen und die super Organisation. An der Rezeption, wo ich abgeholt werden soll, merke ich mir: wenn 10:00 Uhr gesagt wird, muss es nicht unbedingt um10:00 Uhr sein. Aber das ist gut so, denn Uli + Stef kommen gerade von ihrer Tour zurück und so können wir uns noch verabschieden. Auch von zwei Französinnen, welche des Weges gelaufen kommen, gibt‘s ein au revoir (das au revoir muss aber nicht unbedingt auf einer Safari sein… 😉 ). Der Fahrer taucht dann schliesslich auf und so fahre ich mit ihm zur Grenze. Er hilft mir beim Visum und dem Einreiseformular und nach der Grenze, auf Seite Zimbabwe, wechselt der Chauffeur. Wir holen noch ein zwei Personen von einem Hotel ab und los geht es zum Airport. Ich weiss nicht mehr, wie ich mir einen internationalen Flughafen vorgestellt habe, aber sicher nicht ein Häuschen mit zwei Schalteranlagen (und Standwaage!) und drei Geschäften. Aber gut, so oft wird der Flughafen nicht angeflogen. Der Zöllner vor der Sicherheitskontrolle hat heute Morgen wohl eine Schüssel Zitronen gegessen, anders kann ich mir seine Laune nicht erklären. Auch ein lächelndes „Hello“ meinerseits wird nicht goutiert, den Pass knallt er nach der Kontrolle auf den Tisch, als hätte er einen fetten Moskito erschlagen wollen. Danke, komme gerne wieder mal nach Zimbabwe…
Im Warteraum gehe ich in das Restaurant für ein Bier, das habe ich mir jetzt verdient. Offenbar ist der Flieger schon abflugbereit, denn plötzlich eilt eine Dame vom Bodenpersonal ins Restaurant und schickt mich nach draussen, das Flugzeug sei ready. Aber von einer Air Namibia sehe ich nichts, da steht nur eine grosse Maschine von einer anderen Fluggesellschaft. Ich solle einfach über’s Rollfeld laufen, meint sie. Ahaa, mein kleiner Vogel steht gleich dahinter. Eingestiegen stellt sich die nächste Herausforderung: ich suche meinen Platz, 15F, die Sitzreihen gehen aber nur bis 14. Was jetzt? Besenkammer? Ich nehme einfach einen freien Sitz in Beschlag, es reklamiert niemand. Der Flug dauert nicht sehr lange und wir sind ca. eine halbe Stunde vor offizieller Landung in Windhoek. Die Pass- und Zollkontrolle geht schnell und da ich zu früh angekommen bin, warte ich auf meinen Abholdienst. Chris, der Chef der Autovermietung Namvic, holt mich persönlich ab und wir fahren nach Windhoek.
Unterwegs erzähle ich ihm von meiner Reise durch Botswana und dass ich quasi in den drei Wochen fünf Länder im südlichen Afrika besucht haben werde. Er holt mich von meinem Stolz herunter, als er sagt, dass das die Asiaten in einer Woche machen… Da es schon spät ist, wurde im Voraus abgemacht, das Auto erst am nächsten Tag zu übernehmen. Chris bringt mich zu meinem Hotel, das Elegant Guesthouse und holt mich morgen um 9:00 Uhr ab. Nach dem Einchecken gehe ich eine Kleinigkeit kaufen und mache mir es draussen vor meinem Zimmer gemütlich. Zum Abendessen gibt’s selbstgemachte Sandwiches. Die Nacht verbringe ich nach zwei Wochen wieder mal in einem Bett.
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201002. Jan. 2012 · #38
24. September – Windhoek > Camp Gecko Morgens um 8:00 Uhr ist die Welt noch in Ordnung. Aufstehen, frühstücken, packen, bereit machen zur Abholung. Überpünktlich kommt Chris an; hier heisst es wohl: wenn 9:00 gemeint ist kann es auch vor 9:00 Uhr sein. Wir fahren zur Vermietestation, diese liegt mitten im Wohnquartier und fällt von aussen gar nicht auf. Garage und Reparaturwerkstätte sind integriert und ich frage mich, wo dass die ihre Vermieteautos hinstellen. Dexter, der Labrador-Haushund, begrüsst uns schon am Eingangstor. Die Einführung und der Papierkram ist recht schnell erledigt, ich krieg einen 1-jährigen Nissan mit 60‘000 km und vier neuen Reifen drauf. Für ein einjähriges Vehikel hat der Wagen aber schon manches abbekommen, aber Motorraum und Innenleben sehen sehr sauber aus, der Service wurde vor einer Woche gemacht. Chris nimmt sich Zeit für mich und lässt noch letzte Kleinigkeiten durch’s Personal erledigen (Auffüllen des 50l-Wasserkanisters und Camping-Equipment). Um 10:00 Uhr bin ich das erste Mal alleine unterwegs. Nach einem kurzen Einkaufstop fahre ich nach Süden Richtung Gamsberg. Das Fahren auf der linken Seite bereitet keine grossen Schwierigkeiten, aber statt bei einer Kreuzung zu blinken läuft manchmal der Scheibenwischer. Noch mein iPod ans Bordunterhaltungssystem angeschlossen und nun kann es richtig los gehen.
Die Strasse wechselt bald in eine Schotterpiste. Das Fahren auf dem Gravel ist nicht sonderlich schwer, aber wie auch schon hier im Forum erwähnt kann man die Geschwindigkeit überschätzen. So passiert es, dass ich mich zweimal mit zu hohem Tempo einer grossen Welle nähere und die vorderen Stossdämpfer dadurch arg in Mitleidenschaft gezogen werden. Aber das Auto überlebt hüpfend meine „fahrerischen Künste“. Mir kommen auf dieser Strecke ziemlich viele Mountain-Biker entgegen. Einige sehen aber ziemlich fit aus, andere verteufeln wahrscheinlich jetzt ihren Ferienplan und träumen wohl von einem Pool. Die Gegend wirkt trocken und staubig, wie in Botswana, hat aber dank den Gebirgen und vielen grünen Bäumen ein gewisses Extra gegenüber dem Nachbarland. Ich geniesse die Fahrt und halte auch mal an für Fotostopps.
Da ich mich aber voll auf die Strasse konzentrieren muss, kann es schon passieren, dass mir ein Tier durch die Lappen geht. Auf einer kleinen Anhöhe kann ich aber ein paar Tiere nicht verpassen. Geier steigen vom Feld gleich neben der Strasse hoch und kreisen über mir. Ob ich ein gefundenes Fressen bin für die? Sehe ich schon sooo halbtot aus für diese Aasfresser? Immer mehr und mehr von der Sorte fliegen nun am Himmel, knapp über mir.
So ganz fasziniert von der Landschaft, verpasse ich die Abbiegung zur Strasse D1275 und damit zum Spreegshoote Pass. Auch mein GPS motzte nicht oder ich hörte es nicht. Dadurch verliere ich ca. 20 Minuten Zeit. Also kehren und diesmal die richtige Abbiegung erwischen. Die Fahrt über den Spreetshoogte Pass ist recht abenteuerlich, immer wieder sind Furten zu durchqueren und ich hoffe jedesmal, dass da nicht gerade ein Nagelbrett versenkt wurde. Mir scheint, die Strasse hat auch nicht mehr die gleiche Qualität wie zu Beginn. Steil geht’s auf der einen Seite aufwärts und auf der anderen abwärts. Aber die Aussicht zuoberst ist fantastisch.
Um 15:00 Uhr erreiche ich Camp Gecko und nehme den Hilltop-Platz. Da die Campsite zuoberst liegt, kommt ziemlich Wind auf und ich muss die Leiter für das Dachzelt mit Steinen beschweren, damit das Zelt nicht wieder zusammenklappt. Aber für den erstmaligen Aufbau des Zeltes bin ich recht zufrieden, habe mir wieder ein Schulterklopf verdient.
Nach der Arbeit ist vor dem Vergnügen, denke ich und freue mich auf meine letzte Woche. Glücklich, die erste Etappe heil überstanden und den Campingplatz gefunden zu haben, nehme ich noch einen Schluck Wasser aus der Flasche und da musste ich sagen: Nachmittags um 16:00 Uhr war die Welt nicht mehr in Ordnung. Schon als das Wasser im Magen ankommt, merke ich, dass etwas nicht stimmt und sich innen was zusammenkrampft. Ich habe seit Beginn der Fahrt nichts mehr getrunken und denke, das kommt wahrscheinlich daher und mit Kombination der Hitze (Sonnenstich?). An irgendeine Aktivität ist jetzt nicht mehr zu denken. Ziemlich lustlos lasse ich den Nachmittag vorbeigehen. Der Sonnenuntergang ist sehr schön anzuschauen; die Fotos mache ich aber ohne besonderen Aufwand oder Standortwechsel.
Das Abendessen fällt aus, mit Appetitlosigkeit würge ich knapp einen Apfel hinunter und lege mich dann ziemlich früh hin. Ich merke, dass mein Kopf glüht und hoffe einfach, mit ein bisschen Schlaf gehen die Magenschmerzen vorüber. In der Nacht hat der starke Wind nachgelassen, es schläft sich sehr angenehm im Dachzelt und die Matratze ist bequemer als sie aussieht.
SevenThemenstarter233 Beiträge · seit 201004. Jan. 2012 · #40
25. September – Camp Gecko Ausgeschlafen wache ich auf, fühle mich aber nicht wirklich besser. Daher ist heute mal ein Ruhetag eingeplant. Ich habe mich sowieso für zwei Nächte im Camp angemeldet, nur hätte ich heute die Gegend ein bisschen erkundet, aber das fällt jetzt aus. Draussen ist es ruhig und nach Sonnenaufgang schon angenehm warm. Ein Stück Brot sowie unverdünnter Saft bringe ich zum Frühstück runter, es soll den ganzen Tag über bis zum Abend meine einzige Mahlzeit bleiben. Ein paar Kleidungsstücke werden noch gewaschen und im Unterstand aufgehängt. Und so langsam kommt auch der Wind wieder auf, ich hoffe, meine Konstruktion der Wäscheleine hält den Belastungen stand.
Kurz vor Mittag laufe ich von meiner Campsite hinunter zum Pool. Dieser ist bisher der Grösste, den ich den letzten zwei Wochen angetroffen habe, aber das Wasser ist trübe. Dies daher, weil es ein Naturpool ist, entsprechend tummeln sich auch kleinere Tiere darin rum; gegenseitig nehmen wir respektablen Abstand voneinander. Ich überlege, einen kräftigen Schluck zu nehmen, damit die Viecher im Pool meine Biester im Magen an den Kragen gehen, aber lasse es bleiben. Man weiss ja nicht, wie der Kleinkrieg enden würde, am Schluss würden die sich noch verbrudern und dann hätte ich den schwarzen Peter überreicht bekommen. Am Rand setzen sich viele Libellen nieder und bei der Wasserquelle kommen ab und zu Vögel auf einen Drink vorbei.
Abwechselnd schwimme ich ein paar Runden oder mache es mir im Liegestuhl gemütlich. Ich bin der einzige Gast am Pool, etwa zweimal fahren Gäste die Rezeption an und auch Einheimische (Arbeiter?) kommen vorbei. Sonst ist es ziemlich ruhig hier. Später am Nachmittag besucht mich noch ein Stubentiger und will ein paar Streicheleinheiten. Im Laufe des Nachmittags hat auch der Wind wieder aufgefrischt.
Bei der Rückkehr an meinen Platz sehe ich schon von weitem, dass mein Zelt nicht so da steht wie es sollte. Der Aufbau liegt ungewöhnlich platt auf dem Dach. Und tatsächlich: der Wind hatte es geschafft, das Zelt zusammenzuklappen, trotz Beschwerung mit Steinen an der Leiter. Er hätte dies lieber morgen früh vor meiner Abfahrt gemacht… Die Leiter wird jetzt mit doppelt so vielen Steinen beschwert.
Nach einer Dusche mache ich mich bereit für einen ganz kurzen Aufstieg zum Hügel für den Sonnenuntergang. Durch die Schleierwolken ist dieser heute besonders schön anzuschauen.
Zum Abendessen reicht wieder ein Apfel, mehr kriege ich nicht runter. Auch heute Nacht bleibt es relativ ruhig. Der Wind bläst zweimal kräftig, aber jeweils nur von kurzer Dauer. Die Steine halten, ich werde nicht mit dem Zelt zusammengeklappt.