Sambia + Malawi: nicht nur gesehen, sondern erlebt

66 Antworten · 27,4k Aufrufe · gestartet 01. Nov. 2011 von girwal
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273 Beiträge · seit 200911. Nov. 2011 · #21
Dies tue ich gern freiwillig gegenüber Leuten die nicht einmal betteln.
Ganz anders verhalte ich mich gegenüber aggressiven Bettlern, welche nur Almosen erwarten ohne etwas dafür zu leisten.
Wie blöd kann man eigentlich sein? Ist dir eigentlich nicht klar, dass du aus den Menschen der ersten Kategorie mit deinen unbedachten "Geschenken" Menschen der zweiten Kategorie machst?

Ich hoffe, ihr wart am Livingstone Memorial oder in den Bangweulus, beides kann man nicht besuchen ohne von Massen Leuten belagert zu werden, die Gimme Gimme oder Kindern die Sweets Sweets schreien.

Ich werde diesen Berciht jetzt nicht weitere lesen.
Reisen können, ist eine der schwierigsten Künste. Eigentlich müßte man es im Hauptberuf betreiben.
4'129 Beiträge · seit 200811. Nov. 2011 · #22
Hallo, girwal!

Vielen Dank für deinen interessanten und informativen Reisbericht! Auch wir nehmen ihn als weitere Anregung für eine Sambiareise.

Zu deinen Feuersteinen:
Auch wir halten es für verkehrt, so zu verfahren, wie du es beschreibst.
„ für ein "Anschleppen von Feuerholz" gerne auf ein geldloses Dankeschön mit Feuersteinen ausweiche, um nicht jede Diesnstleistung gleich mit Geld abzugelten.“
Es kann aber auch nicht darum gehen, erbrachte Leistungen mit Almosen abzugelten. Aber ich glaub, so meinst du das auch gar nicht!

Wir machen es übrigens umgekehrt:
Für jede erbrachte Arbeitsleistung und Dienstleistung einen Lohn! Es sei denn er wird abgelehnt oder ist eine beiläufige Gefälligkeit. Grundsätzlich gilt: Für nix – gibt’s nix (Ausnahmen bestätigen die Regel). Alles andere ist verdrehte Welt.

Anders sieht es mit angebotener Hilfe aus. Die kann man getrost annehmen und sich nach Sympathie und Umfang entscheiden, ob man etwas schenkt. Oft genug haben wir erlebt, dass ein Geschenk abgelehnt wurde (ein minderwertiges erst recht!), man hat schließlich seinen Stolz. Das kann dann auch mal sehr peinlich werden. - Und da sollte man sogar aufpassen, mit der Verteilung von Almosen. Nicht jeder „abgerissen“ herumlaufende alte Viehhirte ist ein armer Mann! In manchen Begegnungen stellte sich im Laufe der Situation heraus, dass wir einem ziemlich wohlhabenden stolzen Mann gegenüberstanden.
Just my 2cents...

ABER:
Sich hier über girwals Verhalten derart zu echauffieren und persönlich zu werden, ist völlig überzogen und an der Sache vorbei. Es gibt reichlich Fomis, die schon Ähnliches geschrieben haben, keiner hat sie derart angepisst, wie DummiYummi.

Bonbons sind kein Politikum.

Freuen uns auf die Fortsetzung deines Tagebuchs!
Gruß lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 11. Nov. 2011
273 Beiträge · seit 200911. Nov. 2011 · #23
Es gibt reichlich Fomis, die schon Ähnliches geschrieben haben, keiner hat sie derart angepisst, wie DummiYummi.
Ja? Dann frag doch mal die Erika?

ich werd mich jedenfalls in Zukunft von diesem ach so tollen Forum fernhalten damit ihr euch weiterhin selbst beweihräuchern könnt.
Reisen können, ist eine der schwierigsten Künste. Eigentlich müßte man es im Hauptberuf betreiben.
46 Beiträge · seit 200911. Nov. 2011 · #24
Wie blöd kann man eigentlich sein? Ist dir eigentlich nicht klar, dass du aus den Menschen der ersten Kategorie mit deinen unbedachten "Geschenken" Menschen der zweiten Kategorie machst?
Man kann ja durchaus anderer Meinung sein, aber daraus einen persönlichen Angriff zu starten wäre nicht notwendig gewesen. In meinen Augen stiftet das mehr Unfrieden als ein paar Bonbons.

@girwal,
danke für Deinen lesenswerten Bericht, ich freue mich auf mehr!
1'287 Beiträge · seit 200811. Nov. 2011 · #25
girwal schrieb:
Eine Landkarte zur Nachverfolgung unserer Reiseroute werde ich - sobald ich eine für mich beherrschbare Methode sehe - auch einstellen.
Als Tipp erlaube ich mir mal auf Google Maps zu verweisen. Hier kannst Du alle interessanten Punkt unter einer "eigenen" Karte speichern und diese dann per link anderen zeigen.

Sieht dann zum Beispiel so aus.

Viel Spaß und Gruß
Carl
Madam und Boss Unterwegs (2014/15) "Bacon and Eggs - A day's work for a chicken; A lifetime commitment for a pig." (Anon) "I will go anywhere, provided it be forward" (David Livingston)
zuletzt bearbeitet 11. Nov. 2011
Themenstarter88 Beiträge · seit 200711. Nov. 2011 · #26
Montag, 26.09.2011

Eigentlich war ich vorgewarnt durch das Namibia-Forum, dass die Nächte frisch werden auf höheren Lagen. Und ganz offen gestanden: ich wollte nicht frieren, auch nicht im Dachzelt. Trotz Schlafsack habe ich mir prophylaktisch gleich auch noch Schlafsocken montiert. Als es in der Nacht dann wirklich frischer wurde, haben wir alle Dachzeltfenster geschlossen. Und gegen Morgen habe ich über das Pyjama noch meine Faserpelzjacke gestülpt. So habe ich die Nacht moderat frierend überlebt und wahrlich nicht schlecht gestaunt, als am Morgen ein Rauhreif auf der Sumpfwiese vor unserem Campingplatz lag.
Mit Tageslicht und aufgehender Sonne ist der nächtliche Schlotterspuk jedoch bald wieder vergessen. Und den Rest der Aufwärmung besorgt der Morgenkaffee (diesmal aber nur halbgemütlich und in der Faserpelzmontur genossen).



Kaum habe ich die beiden älteren, sehr reservierten Südafrika-Paare (sie dürften noch einige Jahre mehr auf dem Buckel haben als wir) angesprochen, erwärmen sich auch diese am Gespräch. Es stellt sich bald heraus, dass sie fast genau das gleiche Reiseprogramm wie wir im Sinne haben. Nur, als ich darauf deren Automanöver miterlebt habe, habe ich mich leise gefragt, wie sie die berüchtigte Escarpment vor dem South Luangwa NP schaffen wollen. Wir haben uns dann verabschiedet und ein ehrlich gemeintes „Have a nice and safe trip!“ gewünscht.

Die nächsten 4 ½ h auf dem Weg nach Mutinondo sind ins Thema „Leben auf und entlang der Strasse“ einzuordnen. Aufgrund der angetroffenen Strassenbenützer müsste man verbal-statistisch feststellen „die Strasse ist vor allem zum Marschieren da“, gefolgt von „die meisten Räder sind Veloräder“ bis zu „Touristenautos sind schlicht keine zu vermelden“. Die meisten Begegnungen sind wegen unserer hohen Geschwindigkeit sehr flüchtig. Einzig die holztragende Frau mit Kind auf dem Rücken und begleitet vom zweiten – ebenfalls holztragenden und in bessere Lumpen gekleideten – Kind, lässt sich visuell nicht sofort verdrängen. Dieses Bild bewegt uns und wir fahren zurück, schenken den Holzträgerinnen eine gefütterte Jeansjacke und eine Handvoll Feuersteine. Ein Feuerstein fällt dabei zu Boden. Das kleine Mädchen hebt ihn auf und gibt ihn auch der Mutter. Der fast ungläubige Dankesblick der Mutter wirkt nachhaltig und lässt uns schon fast die nächste Sambia-Reise mit noch mehr nützlichen Mitbringseln planen.





Nach langer Fahrt durch den bereits bunten Wald erreichen wir am frühen Nachmittag Mutinondo Wilderness und sind an unserem Stellplatz wieder so richtig allein. Wir haben genug Zeit um uns einzurichten. Mit Steinen unter den Pneus schaffen wir sogar ebene Betten im Dachzelt.



Nach dem bald standardisierten Kaffee+Guetzli+Papaya ist wieder einmal Kleiderwäsche angesagt. Trotz reichlich flüssiger Seife kriegen weder Rosmarie noch ich unsere Klamotten sauber. Aber wir erreichen wenigstens einen vergleichmässigten, und deshalb weniger auffallenden Verschmutzungsgrad von Hemden und Hosen. Dabei hat sogar ein wenig Hightech unsere Wäscherei unterstützt: das Wasser wird mit einer Pumpe, angetrieben durch eine einfache Photovoltaikanlage, vom Bach zur Campsite hochgepumpt. Die Montage dieser Anlage entspricht nicht ganz zentraleuropäischen Vorstellungen (dürfte aber auch deutlich günstiger sein als unsere PV-Anlage zu Hause).



Ein kurzer Spaziergang zum nahen Bach tut gut. Hier oben auf zirka 1400 m ist es angenehm warm. Es scheint bereits geregnet zu haben, denn die Baumblätter spriessen in leuchtenden Farben und erinnern an den Herbstwald zu Hause. Aber nicht minder eindrucksvoll sind die verschiedenen Früchte an den teilweise noch blätterlosen Bäumen.







Rechtzeitig vor der Dämmerung brutzeln unsere letzten Fleischstücke in der Pfanne. Ist es das Henkersmahl vor der ab morgen zwangsweise beginnenden Vegetarier-Askese? Nach dem Schluss unseres Besteckgeklappers wird es fast totenstill um uns herum. Und bald bricht eine stockdunkle Nacht herein und es beginnt aufzufrischen. Jetzt sind wir aber genug erfahren und es gibt nur noch eine Wahl: ab in den Schlafsack! Und dies sage und schreibe um 19 Uhr. Zum Schnarchen ist es aber eindeutig noch zu früh. Lieber betrachten wir noch ein Weilchen unser Lagerfeuer von oben aus der ungewohnten Dachzelt-Perspektive.

Mutinondo Wilderness Camping
Tagesdistanz: 222 km
zuletzt bearbeitet 12. Nov. 2011
Themenstarter88 Beiträge · seit 200712. Nov. 2011 · #27
Dienstag, 27.09.2011

Nie mehr werde ich den Fehler machen und vor 20 Uhr ins Bett gehen, Rosmarie hin oder her. Bereits vor Mitternacht erwache ich wieder und ab 3 Uhr bin ich völlig wach und warte nur noch auf den Morgen. Somit habe ich gar kein Problem vor 6 Uhr auf Vogelpirsch an den Bach zu gehen. Die Vogel-Ausbeute erstaunt uns gewaltig: Null Komma Null; kein einziges Vögelein lässt sich blicken. Fürchterlich enttäuscht schwenken wir auf den Plan B um: das Rühreier-Frühstück unter der warmen Sonne entpuppt sich als gut gewählte Alternative.
Aber um 9 Uhr gilt wieder Plan A. Die Wanderschuhe sind bereits montiert zur Besteigung des Mayense Berges. Der Anmarsch entlang dem Bach ist malerisch mit verschieden farbigen Seerosen, anderen leuchtenden Blumen und einer abenteuerlich anmutenden Bengelbrücke.





Der Anstieg zum Gipfel bringt uns ganz hübsch ins Schwitzen und der Wind trocknet zusätzlich aus. Und dennoch fühle ich mich sehr viel wohler als letztes Jahr auf dem bitter kalten Kilimandscharo. Vom Gipfel des Mayense ergibt sich eine kaiserliche Rundsicht auf die kleineren umliegenden Hügel und auf die leuchtend gelb-grün-roten Wälder in den Ebenen. Und wir fühlen uns wie der Kaiser, denn weit und breit ist auch kein König und nicht einmal eine profane Menschenseele zu sehen oder zu hören.



Auch der Abstieg und Rückweg zeigen weitere Beispiele, wie die Natur sofort auf die Regenfälle reagiert und zu spriessen und blühen beginnt.







Nach gut 3 h und strammem Endspurt zur Campsite sind wir rechtschaffen müde. Ein kühles Schweppes bzw. ein Bier aus dem Autokühlschrank sind im Moment wichtiger als der spätere, dafür doppelte Kaffee.
In die folgende „Entdreckungskur“ schliessen wir Geschirr, Kleider, Haar und Füsse in lockerer Reihenfolge ein. Einen zweiten Waschgang brauchen dabei lediglich die Füsse, um wenigstens von vollschwarz auf irdenfarbig zu wechseln.
Aus dem geplanten Kanu-Trip auf dem Bach wird leider nichts, das Kanu ist verschwunden. Scheinbar gibt es trotz leerem Campingplatz doch noch andere Touristen auf Mutinondo. Eine vollwertige Entschädigung dafür ist Rosmarie’s Reis-Peperoni-Eintopf. Ich schöpfe mir gleich drei Mal und schwupps! … ist auch die für morgen geplante Portion weg.
Ironie des Tages: beim Nachtessen fliegen uns gleich mehrere wunderschöne gelbe und grüne Vögel vor unseren Augen von Baum zu Baum, als wollten sie sich lustig machen über unsere krampfhafte Vogelpirsch heute Morgen.

Mutinondo Wilderness Campsite: 60000 Kwacha pppn ( = 12 ½ USD)
Fahrdistanz: 0 m (das Auto ist auf Steinen eben aufgebockt)
Fussdistanz: einige km
Themenstarter88 Beiträge · seit 200712. Nov. 2011 · #28
Hallo liebe Tagebuchleser

Hier die Antworten auf eure netten Kommentare:

@Dummi Yummi
Ich verkehre gerne mit Leuten, welche die Wörter Anstand und Toleranz kennen und leben. Darum bin ich dir nicht böse, wenn du dich in diesem Thread nicht mehr meldest.

@Lillytrotter
Erst mal Gratulation zu deinem 800. Beitrag in diesem Forum.
Dein Beitrag hat schon fast etwas Pastorales: er schielt mit lieben Worten, grenzt sich gegen die Bösen ab, bringt die eigene wertvorstellung ein, sucht den Konsens und das richtige Verständnis beim Adressaten und schliesst mit einem Lob oder einer Aufmunterung.
Ja, auf diese Weise vorgebracht, ist Kritik sogar aufbauend.

@Habumi
Du musst keine Angst haben: eine einzelne negative Kritik haut mich nicht um. Ich werde demnach meine Tagesberichte wie versprochen fortsetzen. Und Fragen oder gar Anregungen für noch besseres Reisen, Verhalten oder Berichtschreiben nehme ich weiterhin gerne an.

@Carl
Vielen Dank für deinen Verweis auf Google Map und dein einleuchtendes Beispiel. Ich gehe davon aus, dass die Beispielpunkte Orte sind, welche du besucht hast. Weil einige davon mit unseren Orten übereinstimmen oder noch Wunschorte (z.B. Mosambik) sind, hier meine Frage: gibt es zu dieser Reise von dir einen Reisebericht?

Gruss von Girwal
Themenstarter88 Beiträge · seit 200713. Nov. 2011 · #29
Mittwoch, 28.09.2011

„Beginne den Tag früh und einfach; dann kannst du dich lange steigern bis am Abend“.
Getreu diesem Motto sind wir sogar vor Sonnenaufgang aufgestanden und haben schnell und einfach gefrühstückt (wobei Rosmarie bereits den Kunstaroma-Konfitüren-Koller hat). Start ist vor 7 Uhr, denn heute steht die vermeintlich schwierigste Fahretappe an: die berühmte Escarpment runter Richtung South Luangwa. Exakt um 8 Uhr zweigen wir von der geteerten Great North Road ab Richtung South Luangwa, nur noch 178 km Ungewissheit. Gemäss Reiseführer Hupe und gemäss Berichten im Namibia-Forum dürfen wir jetzt ein x-stündiges Fahrabenteuer erwarten. Ich freue mich fast bübisch darauf.



Und die Realität? Die Anfahrt bis zur Escarpment ist streckenweise ruppig, aber erfordert kein 4x4. Von Nervenkitzel ist noch wenig zu spüren. Am Checkpoint oberhalb des steilsten Abschnittes kommt wenigstens für uns und für die Dorfbewohner ein wenig Abwechslung hinzu. Nach langer einsamer Fahrt sicher unvermutet und fast unglaublich: ein Verkehrskontrollpunkt mit Schranke in diesem weit abgelegenen Dörflein. Die Hütten sind armselig, die Hanglage erlaubt kaum einen grösseren Gemüse-Garten, von Dorfinfrastruktur ist nichts zu sehen, nicht einmal ein Velo ist brauchbar bei diesen Stock-und-Stein Strassen, ein Schulhaus oder eine Kirche ist nicht erkennbar, möglicherweise ist der Gatekeeper die einzige bezahlte Beschäftigung; aber die Leute scheinen fröhlich zu sein und die Kinder sogar sauber gekleidet. Wo nur gehen diese Kinder zur Schule? Da erstaunt es nicht, dass die Freude an den verteilten Kugelschreibern und Schreibheftlein gross ist. Und natürlich fliegen mir alle Hände (der Kleinen und der Erwachsenen) entgegen, als es oben drauf noch einige Feuersteine absetzt. Dann ist das Tagesereignis für die Einheimischen wahrscheinlich vorbei, denn pro Tag fahren hier nur zwischen 0 und 2 Fahrzeuge durch (gemäss ausgiebigem Blick in das Verkehrskontrollbuch). Eigentlich bin ich ja wegen der Escarpment hier, aber das Faszinierendste sind doch die Menschen.







Jetzt folgt gemäss (hypermoderner oder gut improvisierter) Signalisation das steilste Stück, die eigentliche Escarpment, welche in wenigen km von 1200 m auf 700 m abfällt.



Nur allzu schnell ist für mich diese Stock-und-Stein Abfahrt zu Ende. Sicher hat sie einiges an Fahrgefühl und Lagebeurteilung gefordert. Ich habe aber keine einzige Stelle als kritisch beurteilt. Steil war es, aber nirgendwo furchterregend. Somit hat bei mir eindeutig der Fahrspass überwogen; nur Rosmarie hatte einige Male das Gefühl, dass wir seitlich umkippen würden. Aber bald sinkt auch bei ihr der Adrenalinspiegel wieder ab, denn kaum im Talboden angekommen, beginnt wieder der fahrerische Alltag im Mopanewald.
Im Nu – das bedeutet hier in weniger als einer Stunde - sind wir beim Chifungwe Gate, dem Nordeingang zum South Luangwa Nationalpark. Auch hier wartet ein Gatekeeper den ganzen Tag auf die durchschnittlich ein bis zwei Fahrzeuge. Dafür darf er dann das Zollhaus aufschliessen und die Eintritte – hier sogar nicht nur mit einfachen, sondern mit mehrfachen Kohlepapierdurchschlägen – verbuchen. So ganz billig ist der Parkeintritt nicht mit 30 USD pro Person und Tag und weiteren 15300 Kwacha pro Fahrzeug und Tag (30 USD entsprechen fast einem Monatseinkommen eines Lehrers).
Anschliessend gilt unsere Aufmerksamkeit aber wieder der Strasse und den Tieren; wir sind ja jetzt innerhalb des geschützten Parkes und haben bezüglich Tiersichtung einige Entzugserscheinungen eingehandelt in den letzten Tagen. Kommt jetzt der erste Elefant gleich hinter dem nächsten Baum oder gar ein hungriger Löwe? Vorerst ist jedoch nur die Strasse interessant. Und diese ist noch sehr, sehr lange bis auf die andere Seite des Nationalparkes, wo wir hin wollen.Imposant ist bald einmal die Querung des breiten wasserführenden Mupamadzi. Dies ist jedoch fahrerisch dank der Sandsack-Furt relativ einfach. Oder habe ich gar schon fast jeglichen Respekt vor trockenen und nassen Flussbetten verloren?



Neh neh! Die fahrerische Steigerung kommt heute schon noch: eine klar grössere Herausforderung folgt zirka 2 h später mit der Querung des breiten tiefsandigen Mushilashi Flusses. Hier sind die Fähigkeiten des 2-Rad-Antriebes trotz der breiten Pneus deutlich überschritten. Mit 4-Rad-Antrieb, mit Ästen unterlegen, und mit zweimal Vor-und-Zurück kommt heute doch noch eine Prise Nervenkitzel auf.



Der grösste Teil der Strecke vom Chifungwe Gate Richtung Mfuwe ist knochentrocken, dürr oder abgebrannt und völlig tierlos. Erst zirka 30 km vor Mfuwe treffen wir auf erste Tiere (ausser Moskitos): einige jüngere und ältere Kudus. Und erst wenige km vor dem Luangwa Fluss beginnt dann der Zoo: Impalas, Kudus, Buschböcke, Pukus, endlich mal Zebras, und kurz vor der Brücke sogar noch Giraffen.
Was fehlt da für die Steigerung noch? Die eigene Abendpirsch liefert gleich auch noch Hippos à gogo im sogenannten Hippo Pool im Luangwa, Wasserböcke und ein grasendes Hippo auf keine 20 m Distanz. Rosmarie flippt fast durch (sie weiss aber noch nichts vom ungeplanten abendlichen Höhepunkt).



Im Halbdunkel richten wir uns im Croc Valley Camp ein und kochen selbst, zirka 20 m neben dem Kochunterstand eines Overland-Busses. Trügt mich jetzt mein müdes Fahrerauge? Da steht doch ein ausgewachsener Elefantenbulle in deren Kochunterstand. Die Leute versuchen ihn mit Pfannendeckellärm und Lichtstrahlen zu vertreiben. Mit Erfolg für sie, aber mit steigendem Adrenalinspiegel für uns. Der grosse Kerl kommt direkt auf uns zu. Rosmarie flüchtet voller Panik weg vom Kochtopf ins Auto. Ich versuche noch den Eli mit der Taschenlampe von uns und unserem Abendessen fern zu halten. Resultat: der Eli kommt raschen Schrittes auf mich zu, sodass auch ich ins Auto springe. Puuuhhh! Keine 5m neben uns und unserem Futter geht der Koloss vorbei und verschwindet hinter dem Toilettengebäude. Dabei sollte ich doch jetzt dort mein Angstbrünneli los werden! Fazit: Rosmarie und das Nachtessen sind gerettet. Aber ich muss mir noch vorwurfsvolle Worte von Rosmarie anhören, dass ich so lange draussen blieb. Dabei wollte ich doch nur unser Essen retten! Neben derartigen Dicksäcken, welche bis zu 200 kg pro Tag fressen, will ich selbst nicht verhungern. Und ich bin ja so froh, dass ich mir gestern bereits auch die heutige Portion einverleibt habe. Jetzt werde ich dies (in weiser Voraussicht?) heute gleich wieder so handhaben!

Mfuwe, Croc Valley Camp: 7,5 USD pppn
Tagesdistanz : 243 km
Themenstarter88 Beiträge · seit 200714. Nov. 2011 · #30
Donnerstag, 29.09.2011

Juhui! Jetzt sind sogar die ganzen Ferien gerettet! Mindestens für Rosmarie und mindestens bezüglich Tiersichtung. Rosmarie hat heute endlich „ihre“ Löwen gesehen. Und dies gleich am Anfang unserer Morgenpirsch und auch gleich in Neun-Zahl. Und auch der bärtige imposante Löwenmann fehlt nicht dabei (das bärtige Menschenmännchen hat sie ja auf Dauer und fast immer in ihrer Nähe). Und obendrein liegen die Löwen gleich neben dem Weg auf nur gut 5m Distanz zum nächsten Auto. Logisch, dass wir dort lange Zeit fasziniert beobachten, obwohl die meisten Löwinnen und der Herr Löwe die meiste Zeit schlafen und nur sporadisch die Augen öffnen oder seltenerweise sogar den Kopf kurz anheben. Sie scheinen sich keinen Deut um die Autos und die Menschen zu kümmern. Ob wohl alle Sambiatouristen von den Löwen als zu wenig fett eingeschätzt werden?







Aber plötzlich springt die wachende Löwin auf und springt in Riesensätzen über das offene Feld. Erst jetzt sehen wir das arme Warzenschwein vor ihr. Dieses sprintet einige Meter vor ihr in unglaublichem Schweinetempo ab Richtung Dickicht. Und siehe da, das Warzenschwein hat Schwein gehabt und gewinnt den Sprint um to-be-or-not-to-be (und erhält deshalb als Lieblingstier von mir noch einige weitere Lieblingsbonuspunkte).
Als wir uns endlich von den Löwen trennen brauchen wir keine 500 m zu fahren bis eine völlig andere Umgebung uns auch völlig andere Tiere und anderes Verhalten zeigt: ein grosser grüner Tümpel. Erst fallen nur die leuchtenden und friedlich grasenden Vögel auf, aber beim genaueren Betrachten faszinieren dann eher die schlammfarbenen Krododile. Reglos im Sonnenbad meinen wir, bis es dann nur so zischt und spritzt, als ein Konkurrent zu nahe kommt. Der Kampf ist schnell vorbei und das - höchst aufmerksame - Sonnenbad geht weiter .... bis zur nächsten Attacke.







Nachdem wir an diesem Morgen fast das ganze verfügbare Tierspektrum gesucht, gefunden, bestaunt und fotografiert haben, brauchen wir selbst ein coffee recharging ebenso wie der Fotoapparat ein battery recharging. Und wir brauchen ob dem Gesehenen auch eine längere Nachlese. Nachlese ist hier auch wörtlich zu verstehen: im Reiseführer und in speziellen Tierbüchern versuchen wir die gesehenen Tiere eindeutig zu identifizieren und auch mehr über ihre Lebensweise nachzulesen. Zeit zur Lektüre haben wir für einmal nach Belieben.

Am späteren Nachmittag lassen wir uns auf einem Evening-Game-Drive chauffieren wie einige andere Croc Valley Camp Touristen auch. Dabei hören wir im Originalton von den Ängsten von drei österreichischen Studentinnen, welche gestern Abend im Bodenzelt ausharren mussten, als der Elefant haarscharf an ihrem Zelt vorbei stapfte. Da fühle ich mich auch im Nachgang beruhigt: vergleichsweise war ich gestern ja meilenweit (sprich meterweit) vom Mehrtönner weg und erst noch über dessen direkten Stapfhöhe. So flach und schutzlos im Bodenzelt wäre es mir wahrscheinlich auch gar nicht mehr wohl gewesen. Nun, bei der heutigen Abendpirsch bleiben die Elefanten auf mindestens 100 m Distanz und wir alle auf dem hohen Fahrzeug. Wir fühlen uns alle sicher.

Die Pirsch bestätigt die phänomenale Tierdichte im Radius von zirka 10 km um das Mfuwe Gate. Neben Hunderten von Antilopen und Affen kommen für uns als neue Sichtungen hinzu: die Zibetkatze und die Eule. Dennoch ist nur der Tag-Teil dieser Abendpirsch ertragsreich und stimmungsvoll. Der Nacht-Teil ist - abgesehen von weidenden Impalas und Pukus, welche kaum noch angeleuchtet werden vom Scheinwerferschwenker - wenig ergiebig. Die erhofften reflektierenden Katzenaugen gibt es heute Abend nicht zu sehen.

Und bei der Rückkehr zu fast ungewohnt später Stunde um 20:30 Uhr sind auch unsere Äuglein müde und funkeln auch nicht mehr unwiderstehlich. Wie doch Ferien müde machen! Wir haben nur noch ein einziges Ziel: lange und tief zu schlafen.

Tagesdistanz: selbst gefahren 25 km, chauffiert ca. 20 km
233 Beiträge · seit 201015. Nov. 2011 · #31
Hallo Girwal

Wie immer top deine Berichte mit den schönen Bildern. Lese sehr gerne eure Abenteuer mit.
Kannst du mir noch verraten, wie du das mit den Bildern einfügen machst, dass die so klein im Bericht erscheinen? Mein Reisebericht ist auch fertig und ich möchte die Bilder auch so einfügen.

Danke und auf weitere tolle Tagesberichte!
Sven
Reisebericht: Staubig, Trocken, Heiss – Botswana/Namibia 2011 Reisebericht: 2x Big-Five in Kenia und Tansania 2013 Reisebericht: Spuren im Sand - Sambia 2014 - Vom Rand des Höllenlochs ins Inselparadies - Tansania 2016
Themenstarter88 Beiträge · seit 200715. Nov. 2011 · #32
Hallo Sven

Ich schlage dir einen der beiden folgenden Wege vor:

A) wenn du dich selbst inormieren willst, was andere Fomis raten:
dann gehe auf der Startseite rechts oben auf "Suchen" und gib dort den Suchbegriff "Fotos hochladen" ein und suche dabei im Wählknop "nach Titeln suchen". Wenn du dies anklickst, kommen verschiedene Ratschläge und Erfahrungen.

😎 wenn du es gleich machen willst wie ich:

dann musst du erst deine Fotos hochladen (Schritt 1) und dann kannst du in deinem Bericht diese Fotos elegant mit der zugeteilten Referenznummer einbauen (Schritt 2)

Schritt 1:
Gehe im Hauptmenu auf "Bilder". Klicke dort dann "Neues Album erstellen" an und lade die für den Bericht benötigten Bilder hoch. Jedes Bild erhält dabei automatisch eine Referenznummer, zum Beispiel "[foto:_35444!". (Hinweis: Die Referenznummer erscheint ohne die " " Zeichen.) Diesen Schritt des Foto Hochladens kannst du beliebig oft wiederholen und auch in späteren Berichten ergänzen.

Schritt 2:
Schreibe deinen Bericht und füge die Referenznummer (das _-Zeichen soll einen Leerschlag darstellen)dort in deinen Bericht ein, wo du die entsprechende Foto haben willst. Beim Versenden deines Beitrages wird dann automatisch an Stelle der Referenznummer die Foto im Kleinformat eingefügt.

Gruss von Girwal
zuletzt bearbeitet 15. Nov. 2011
Themenstarter88 Beiträge · seit 200715. Nov. 2011 · #33
Freitag, 30.09.2011

Noch vor dem Einschlafen haben wir abgemacht: Ausschlafen nach Belieben. Und fast so kam es auch, aber nur fast. Zuerst war das nackte und ruhige Liegen wegen der nachwirkenden Tageshitze recht befreiend und beruhigend und die einzige Hoffnung auf baldigen Schlaf. Aber kaum hatte ich – endlich nicht mehr stark schwitzend – die Augen zu, da stupfte mich Rosmarie und flüsterte mir aufgeregt etwas zu. Dies verstand ich wegen meiner Schwerhörigkeit zwar nicht, wusste es aber doch recht gut zu deuten: ein Riesenelefant gleich vor unserem Dachzelt! Ketzerische Frage: wie fühlt man sich, wenn man vom Kopfkissen aus mit dem Elefanten auf gleicher Augenhöhe ist? Ehrlich gesagt: auch ich nur wie ein kleines Würmlein, denn Reichweite und Schlagkraft meiner beiden Arme wären wohl sehr schnell auf verlorenem Posten gegenüber seinen beiden knallharten Stössern und dem flinken Mehrzweckrüssel. Wir beiden Würmlein bleiben also ganz schön ruhig und klein und still. Einzige Aktivität: angespanntes Hingucken. Nach einigen Versuchen gelingt es dem einheimischen Campwächter mit seiner Taschenlampe den Eli auf das Nachbargelände zu vertreiben.
Jetzt endlich: entspannen und beruhigt schlafen ...... bis zum nächsten Wachrütteln: diesmal zwei Elefanten am gleichen Ort. Aber auch dies geht irgendwann glimpflich vorbei. Schlaf endlich Rosmarie, schlaf! Und keine halbe Stunde später das nächste „See-the-big-five-from-your-bed“: dieses Mal ein Hippo, welches scheinbar auch Freude hat am Rasen des Croc Valley Campsite. Und all dieser Spektakel vor Mitternacht. Wie nur werden sich die Stunden der Nachmitternacht präsentieren? Resultat in Kürze: ganz einfach kühler, ruhiger, schläfriger. Endlich! (aber bereits beim Tagebuch schreiben finden wir diese Art von Dachzelterlebnissen schlicht genial und hoffen insgeheim auf Wiederholung).
Wegen den nächtlichen Aufregungen haben wir heute einen Erholungstag verdient. Erst nach 10 Uhr brechen wir auf zu ganz anderer Thematik. Die Batikfabrik Tribal Textiles bringt echte Abwechslung.



Sie bringt die Gedanken wieder zurück zu den Menschen, seien es die dort beschäftigten Handwerker und Künstler oder aber die eigenen Kinder und Enkel. Woran hätten die wohl Freude? Hier könnten wir doch unsere Mitbringsel-Tasche wieder füllen für die Heimreise. Im Moment hat aber die Shopping-Mentalität keine Blütezeit bei uns. Wir beschränken uns auf schöne und brauchbare Souvenirs: Malschürzen und Küchenschürzen für unsere Enkel,logischerweise mit Big-Five-Motiven. Uns selbst beeindruckt die technische Herstellung der Gemälde mit Stärkeleim und Farben und mit anschliessenden Einbrenn- und Waschgängen. Farbenfrohe Fotomotive sind in Hülle und Fülle da.









Aber auch in den umgebenden Dörfern wird Kunsthandwerk betrieben: Am besten zeigt sich dies an den vielen Auslagen von Flechtwaren entlang der Strasse und an den vielen Rohstoff-Transporten mit dem Velo. Schade, dass wir jetzt keine Körbe mehr (für mehr Ordnung im Auto) oder Matten (fürs Bodenzelt) brauchen.





Zurück in Mfuwe suchen wir Flaschenwasser, Gemüse und Fleisch. Im Mayana-Laden gibt es sogar tiefgefrorene Pouletschenkel und Würste. Nach unserer hypergesunden Ernährung der letzten Tage kann ich bei beiden nicht widerstehen. Beides müssen wir aber am Nachmittag gleich braten, denn unser Kühlschrank bleibt ohne regen Fahrbetrieb nicht lange kühl. Und trotz Vorurteilen (beim Einkauf ganz unverblümt vorgetragen) staunt Rosmarie später beim Essen: gut gebraten sind die Würste sogar bekömmlich. Immerhin isst sie davon mehr als 1 1/2. Der hier nicht quantifizierte Rest findet bei mir gute Aufnahme. Ob da wohl der doppelte kleine Schluck leicht gekühlter Merlot dem „Gutdünken“ noch ein bisschen nachgeholfen hat?
Und auch von allen Restaktivitäten heute genügt je ein wenig: ein wenig duschen, ein wenig das Leben am Luangwa beobachten,



ein wenig plaudern mit einem anderen CH-Ehepaar und ein wenig überrascht werden: vor lauter „Schnorrida“ verlieren wir unseren Kaffee und Guetzli aus den Augen. Dafür dürfen wir dann von unten zusehen, wie die Blauhoden-Affen das ganze Paket Guetzli in aller Gemütsruhe drei Meter über uns im Leberwurstbaum geniessen.



Tagesdistanz: 40 km
Themenstarter88 Beiträge · seit 200716. Nov. 2011 · #34
Samstag, 01.10.2011

Scheissnacht! Nein, nicht im wörtlichen Sinn (wie am ehesten von mir selbst erwartet), sondern wegen der Hitze. Dabei war es doch gestern gegen Abend bewölkt und vermeintlich nicht mehr so heiss. Aber es wollte am Abend einfach nicht abkühlen. Noch um 22 Uhr wälze ich mich alle paar Minuten um 90°, so dass die neu verschwitzte Liegeseite meines Körpers nach oben kommt in der Hoffnung auf Verdunstungskühlung. Aber zur Unterstützung dieses Kühlungseffektes will sich nicht das leiseste Lüftchen einstellen. Nach zirka 1080° Drehungen halte ich es endgültig nicht mehr aus im Dachzelt und steige – Eli oder Hippo hin oder her – aus dem Dachzelt runter.
Ich gehe zig Mal 5m neben dem Auto auf und ab und denke dabei an die armen Nachtwächter, welche dies die volle Nacht durch tun (sollten). Als ich arg müde bin, setze ich mich in Sprungweite zur eventuell rettenden Dachzeltleiter auf den Campingstuhl. Schwitztechnisch fühle ich mich hier deutlich wohler. Aber mein Kopf pendelt dauernd von links nach rechts und zurück auf der Suche nach dunklen Kolossen auf vier kräftigen Beinen. Lustig ist diese Halb-Ruhe-halb-Unruhe auf Dauer aber auch nicht. Nach 23 Uhr breche ich diese Überlebensübung ab und rede mir eine spürbare Abkühlung ein. Dies hilft. In der Folge erlebe ich eine ruhige Restnacht ohne Angst vor Ungemach seitens meiner Frau oder anderer Störefriede.
Bei unserer Morgenpirschfahrt stellt sich dann etwas ein, was irgendwo zwischen Unstimmigkeit und Ehekrach einzuordnen ist. Ich will ganz einfach die noch nicht besuchte westlich-südliche Parkhälfte bepirschen, aber Rosmarie ist mit jeder Wegewahl nicht einverstanden. Es gelingt mir auch beim besten Willen nicht, auch nur einen einzigen „richtigen“ Weg zu wählen. In dieser nicht ganz gemütlichen Situation sind mir neue Tiersichtungen - wie Tüpfelhyäne, Scharlachspint, Zwergadler, Weissstirnspint und Hippos im dicken Schlamm - wenigstens teilweise behilflich, die autointerne Stimmung über dem Gefrierpunkt zu halten.









Mit Nicht-hinhören und Kommentare-schnell-verdauen und auch mit intensivierter Fokussierung auf den neuen Tiersichtungen halte ich es zirka drei Stunden aus. Dann wird mir – angesprochen aber nicht bis zum fundamentalen Problem ausdiskutiert - plötzlich klar: Rosmarie will ja gar keine neuen Tiersichtungen und sie will auch nicht nochmals die nördlich-östliche Parkhälfte besuchen, sie will doch ganz einfach nur nochmals die Löwen sehen. Mit dieser Erkenntnis ist meinerseits eine Verhaltensänderung nötig und die Rettungsidee schnell geboren: obwohl eigentlich ein magen- und seelenberuhigendes Frühstück seit Stunden überfällig ist, offeriere ich in dieser Notlage Rosmarie eine open-end-Suche nach Löwen gemäss Wünschen und Stehvermögen von Rosmarie selbst. Und nach ihrem Einverständnis gelingt mir mit dem nächsten Wegeentscheid ein lucky punch. Keine 500 m weiter und just an der Lagune der Mfuwe Lodge liegen 9 Löwinnen gleich neben der Strasse und weitere 200 m daneben gleich auch noch Herr Löwe mit seiner momentan Geliebten.



Und mit diesem "Löwenblick" hat ein kriselnder Hitze-und-Hunger-Morgen schlagartig eine Wende zum Guten genommen. Und dabei blieb es dann auch, abgesehen von einigen lieb-bösartigen Bemerkungen beim Debriefing beim sehr späten Frühstück. Fazit: Löwe gut, alles gut.

Bei der folgenden Siesta über Mittag weiche ich meine „Dreckpfoten“ (Zitat von Rosmarie von heute Morgen)ein. Nach 2 h sind meine Füsse wieder deutlich heller und bereits wieder ein schwarz-weiss Gegensatz zu den kleinen kohlrabenschwarzen Holzhippos, welche uns ein Kunsthandwerker verkaufen will. Nach längerem Handeln löst er dafür 8 USD und ist damit glücklich.

Die Abendpirschfahrt ist dann nur noch Zugabe. Die von mir sehnlichst erhoffte Sichtung von Büffeln stellt sich nicht ein, dafür reichlich Elefanten, Giraffen und Kudus. Deutlich vor 18 Uhr wird es wegen gewittriger Bewölkung dunkel, es beginnt zu tropfen und zu donnern. Wollen etwa deshalb die Impalas mitten auf der Strasse Autostop machen? Oder treibt das Gewitter den Einheimischen im Einbaum so nahe zu den Hippos hin? Mensch, der ist wohl lebensmüde! (Nein er ist Fischer und kennt die besten Fischgründe ganz nahe beim Hippodung.)







Es bleibt zum Glück alles ohne weitere menschliche Zwischenfälle, sowohl innerhalb als auch ausserhalb unseres Autos. Es bleibt auch bei einigen wenigen Regentropfen und das Fastgewitter ist nach 2 h wieder vorbei. Geblieben aber ist die schwüle Hitze. Was erwartet mich wohl diese Nacht?

Tagesdistanz: 83 km Pirschfahrten
461 Beiträge · seit 200817. Nov. 2011 · #35
Hallo Girwal

Herzlichen Dank für die Mühe und den Aufwand den du auf dich nimmt und den tollen Reisebericht mit den Fotos.
Da ich die meisten Orte kenne war ich "hautnah" dabei und habe es genossen.

Gruss
Tom

PS: Feuersteine ... Wer hat's erfunden 😄
zuletzt bearbeitet 17. Nov. 2011
Themenstarter88 Beiträge · seit 200717. Nov. 2011 · #36
Sonntag, 02.10.2011

Die drei Haupteindrücke des heutigen Tages:

Erstens von Rosmarie: Früh am Morgen hatte Rosmarie einen Kampf mit einem Pavian (Baboon). In gegenseitiger Überraschung treffen sich die beiden im Auto drin. Der Kampf ist schnell entschieden: Rosmarie ist die moralische und territoriale Siegerin; der Pavian ist der materielle Sieger. Es gelingt ihm noch das gefundene Maccaroni-Paket aufzureissen, schnell den Mund voll zu stopfen und mit zusätzlich einer vollen Pfote ungekochter Maccaroni auf den Baum zu flüchten. Das Paket fällt auf den Boden und wir dürfen den grossen Rest zusammenlesen. Rosmarie’s Reaktion: kurzer Schrei, gefolgt von einem Kraftausdruck, dann aber langes schallendes Lachen zu zweit.

Zweitens von mir (ein wenig geschafft von den vergangenen Stunden): im klimatisierten Fahrzeug zu fahren ist angenehmer als in der Nachthitze (nicht) zu schlafen, selbst wenn beides je gut 9 h dauert.

Drittens von der Umgebung: die Einsamkeit auf wenig bis wenigst befahrenen Wegen ist beeindruckend, aber bezüglich gesehenem Alltagsleben der Sambier eindrucksvoll, sei es die Veloreparatur unter gleissender Sonne im Fast-Niemandsland oder seien es die Haushaltarbeiten wie Wasser holen oder Mais mahlen mit dem Mörser.



Andere Eindrücke gibt es auf einer derart langen Etappe natürlich zu Hauf. Aber, wie viele Flussufer wir überwunden haben, weiss sogar ich als Fahrer bereits am Abend nicht mehr. Es waren einfach viele. Und als fahrerische Abwechslung oder Leckerbissen waren auch einige nicht ganz einfache Tiefsandpassagen mit dabei oder auch mal ein noch brennender Baum über dem Fahrweg. Alles kein Problem: wir und das Auto sind ja offroad-tauglich.



Bei der Durchfahrt des Nsefu Sectors (gehört zum South Luangwa) wählen wir den Umweg über die Salt Pan und werden dafür auch belohnt mit einer beeindruckenden Vogelschar und Vielfalt. Schön wie immer die Kronenkraniche - speziell wenn sie gleich zu Dutzenden auf engem Raum futtern - und eher schaurig-schön der Aasgeier mit seinem kahlen Kopf. und später einmal noch schöner der junge Sattelstorch.





Als Tagesziel war ursprünglich der Luambe Nationalpark gedacht, um Rosmarie gesichert eine ganze Schar von ihren (mittlerweile ehemaligen) Feinden in sicherer Distanz zeigen zu können. Aber durch die Vielzahl von gegenseitigen Annäherungsversuchen, angefangen im Kafue NP und stark intensiviert im South Luangwa, hat sich dieses Feindbild zwischen Rosmarie und Hippo derart verschoben, dass wir die gefundene Freundschaft nicht mehr aufs Spiel setzen wollen. Wir entschliessen uns deshalb spontan zur Weiterfahrt, wenn möglich bis zum North Luangwa.

Hübsches Detail: Als ein Gatekeeper unsere Kamera auf dem Vordersitz sieht, bittet er uns Fotos zu machen, erstens von sich, zweitens von sich und seinem Sohn, drittens von sich und zwei verwandten Frauen, viertens von sich und den vielen Kindern, welche inzwischen von den nahegelegenen Hütten her gerannt sind. Und dann soll ich diese Fotos nicht nur zur allgemeinen Belustigung auf dem kleinen Monitor zeigen, sondern nach den Ferien ihm auch noch als Papierkopien zusenden. Ist dies jetzt bereits Bettelei? Nein, sage ich. Es ist immer noch gegenseitige Freude. Und den gewünschten Aufwand werde ich gerne treiben für diese Leute im Fast-Niemandsland.





Aber danach streckt sich die Fahrt unheimlich; es ist deutlich mehr als nur eine Sonntagnachmittagsfährtlein über Land. Ein Auto ist uns in der Zwischenzeit schon seit Stunden nicht mehr begegnet. Fahrspuren gibt es höchstens noch von Velos. Bei den vielen Richtungsänderungen und dem fast senkrechten Sonnenstand verlassen wir uns fast zwangsweise wieder auf das Navigationsgerät, welches hier zu unserem Erstaunen immer noch eine Meinung abgibt. Aber zweimal ist unser Misstrauen gegenüber dem Navi zu gross. Und beide Male fragen wir bei den nächsten Hütten nach dem Weg. Mit Englisch ist hier aber nicht mehr viel auszurichten. Schweizer Dialekt wäre als Verständigung wohl ebenbürtig. Besser ist nur noch die Gestik und das einzige Wort, welches verstanden wird: Chifunda, der Name des gesuchten Ortes. Erst wenige km vor dem Ziel taucht dann mitten im Wald ein Wegweiser auf. Wie wild wird es wohl in diesem Bush Camp sein?



Den ersten beruhigenden Eindruck vermittelt uns ein junges Puku kurz vor dem Camp: angstfrei, ungestört und sehr gesittet (wer von uns sitzt schon immer so artig da?)



Chifunda Bush Camp (beim North Luangwa): 12 USD pppn
Tagesdistanz: 224 km
Themenstarter88 Beiträge · seit 200718. Nov. 2011 · #37
Montag, 03.10.2011
Unser Campsite (Chifunda Bush Camp) ist noch eine deutliche Spur idyllischer als das Croc Valley Camp in Mfuwe. Du fühlst dich wie im Theater: du sitzest im Logensessel, hast den Theatergucker im Anschlag und das Bistro (Getränk aus Kühlschrank und Snack aus der Klapperkistenküche) gleich daneben. Und das Ganze steht im Baumschatten einige Meter erhöht direkt am Uferabfall zum Luangwa Flussbett. Und am und im Fluss spielen sich nicht nur ganz verschiedene Stummszenen (z.B. Wasser holende Frauen oder Elefant durchquert den Fluss) ab, sondern periodisch haben wir von der nahe wohnenden Hippofamilie ein Konzert in ganz unterschiedlichen Tonlagen. Dies allein wäre schon ein „Konzertbesuch“ im Chifunda Bush Camp wert.





Das Chifunda Bush Camp wird (im Gegensatz zu anderen Campsites und Lodges, welche fast immer von einem weissen Südafrikaner oder einem Europäer geleitet werden) von Einheimischen mit viel Charme betrieben. Aber afrikanische Organisation unter dem Motto „Beschäftigung für viele ist mehr wert als Effizienz von wenigen“ dringt auch hier durch: der Manager empfängt und zieht das Geld ein, eine andere Person (sie ist auch immer präsent) kassiert die Parkeintrittsgebühren, ein Dritter stellt sich als Störkoch vor und ein Vierter als Barman (leider haben beide nichts zu tun bei nur 3 sich selbst versorgenden Touristenpaaren), ein Fünfter setzt am Morgen die Photovoltaikpumpe in Betrieb und am Abend ausser Betrieb. Und von eventuell weiteren Angestellten weiss ich zum Glück nichts. Schon fast wie ein Gegensatz zu diesem „jede Tätigkeit = ein anderer Fachmann“ wirkt unser Führer für den Morning-Game-Drive, denn er befasst sich stundenlang mit uns, mit Tieren, Pflanzen, Landschaften und was er und die Gäste alles wissen wollen. Weil das Camp keine eigenen Fahrzeuge besitzt, erfolgt die Pirsch mit unserem Auto. Eigene Pirschfahrten sind nicht erlaubt und auch nicht empfehlenswert, denn Wegsignalisationen gibt es nicht eine einzige.
Die Höhepunkte sind heute gleich am Anfang. Just vor der Abfahrt hört unser Guide lautes Geschrei der Affen und er kann uns dann auch den Leoparden lokalisieren, welcher auf der anderen Flussseite vorbei schleicht. Zweiter Höhepunkt: die Flussdurchquerung mit dem Auto unweit der Hippofamilie. Was, wenn ausgerechnet jetzt das Auto stecken bliebe? Aber lassen wir doch diesen blöden Gedanken in dieser so Rosmarie-freundlichen Umgebung.



Erste Tiersichtungen im Park drin sind dann Vögel (Ohrengeier, Kappenadler, Schlangenadler, Hornraabe, Rosenpapagei, etc.). Auf fast unendlichen Wegen geht es Richtung Mwaleshi River. Mehrere Male habe ich als Fahrer grösste Mühe einen Pfad am Boden oder zwischen den Bäumen halbwegs eindeutig zu erkennen. Die „Standard-Tiere“ sind alle mehrfach da, ausser der Giraffe und ausser den erhofften Büffeln. (Hoffentlich falle ich nicht bald in einen analogen Büffel-Entzugs-Koller wie Rosmarie vor einigen Tagen mit ihren Löwen!).





Der Guide erzählt uns noch, dass er hier pro Monat 200‘000 Kwacha verdient (= 40 CHF) und damit seine Frau und zwei Kleinkinder ernährt und auch noch die Familie seiner Mutter unterstützt. Er erwähnt auch, dass er in der nahe gelegenen Delia-Lodge 2.7 Mio Kwacha (über 500 CHF) verdienen könnte, wenn dort eine Stelle frei wäre. Unsere nicht gestellte Frage: bringt da der Edeltourismus nicht auch ein Problem in die sambische Gesellschaft?
Am Nachmittag besuchen uns zwei deutsche Nicht-ganz-Standard-Touristen. Beide sind langjährige Alphirten im Surselva Gebiet. Sie suchen jetzt eine Mitfahrgelegenheit, denn sie wollten ursprünglich zu Fuss mit einem Geländetrolley entlang dem Luangwa wandern. Scheinbar war alles bestens vorbereitet. Nur eines war nicht bedacht: bereits am ersten Tag hatten die Trolleys sechs Mal Plattfuss wegen Dornen im sandigen Weg. Dies war das Aus. Jetzt zelten sie ausserhalb der Campsite und der eine geht in nicht allzu grosser Distanz zu den Hippos splitternackt baden. Unsere Folgerung: es gibt noch grössere Expeditionisten als wir.
Dann noch ein längeres Gespräch mit Franzosen, welche eben via Ponton über den Luangwa gekommen sind, weil sie die Furt nicht gefunden haben. Der Ponton wird eigentlich nur gebraucht bei höherem Wasserstand.



Und zum Tagesschluss noch ein kulinarischer Schock: Rosmarie weigert sich Süssmais-Crème aus der Büchse zu essen. (Eigentlich wollten wir Maiskernen und nicht Maiscrème kaufen). Also kriegt sie nur Resten von gestern und Bohnen-Tomaten-Salat. Und das Erstaunliche: sie ist voll zufrieden damit. Und auch ich verordne mir nach einer wacker geschluckten halben Büchse eine Maiscrème-Pause von noch unbekannter Dauer.

Tagesdistanz: 64 km
Themenstarter88 Beiträge · seit 200719. Nov. 2011 · #38
Liebe Fomis

Es wurde gewünscht, dass ich den Streckenverlauf unserer Reise deutlich mache.
In folgendem Link sind die Aufenthaltsorte aufgelistet, wobei Startpunkt A und Endpunkt je in Lusaka waren.

http://g.co/maps/82cw2

Gruss von Girwal
761 Beiträge · seit 201019. Nov. 2011 · #39
Hallo, Girwal,

toller Reisebericht! Und danke für die Karte, da kann man sich doch schneller vorstellen, wo Ihr unterwegs wart.
Wir waren letztes Jahr auch in Sambia , kennen das Croc Valley Camp gut ( 3 Nächte), standen weit weg von den Overlanders ganz hinten am Fluss, waren aber nicht im Chifunda Bush Camp. Unsere Route führte uns vom South Luangwa zum Kafue, weiter nach Mongu und dann über Tiefsandpisten Richtung Katima Mulilo.

Aber der Nordteil vom Luangwa und weiter nach Malawi - machen wir bestimmt noch mal! Bin gespannt auf Dein weites Tagebuch!:)

Gruß Doro
~ Africa is a feeling ~
Themenstarter88 Beiträge · seit 200719. Nov. 2011 · #40
Dienstag, 04.10.2011

Ein Höllenritt war dies!
Wir haben unseren Guide von gestern heute früh im Auto nach Chifunda zurück zu seiner Familie gefahren, sonst hätte der arme Kerl drei Stunden zu Fuss gehen müssen. Er hat uns dann von dort den direkteren Weg nach Lundazi gezeigt und gemeint diese Strasse sei deutlich besser als die anderen Wege. Und als was stellte sich dieser bessere Weg heraus? Für zirka 40 km und die dafür benötigten drei Stunden ein wahrer Höllenritt. Oder aus meiner eigenen Optik: ein Cross-Country-Leckerbissen bis zur Sättigung. Da ist nun wirklich die Escarpment ein kleiner Pappenstiel dagegen. Der Blick neben die Strasse ist für mich hier selten und an den Blick durch den Fotoapparat denke ich schon gar nicht mehr. Immerhin gelingt es mir, nur ein einziges Mal einen dumpfen Aufsetzer auf einen allzu vorwitzigen Stein hören zu müssen. Zum Glück sind die folgenden Stunden deutlich besser. Aber die Einsamkeit als Tourist und auch die Begegnung mit dem einfachsten Leben in den Dörflein oder bei den verstreuten Hütten könnten kaum imposanter sein.
Unter diesen allerärmsten Bedingungen ......

[ab hier blende ich einen Teil des Textes aus, denn ich möchte nicht Erika und ihren Thread "Über Sinn und Unsinn des Schenkens" konkurrenzieren]

Hier habe ich dann auch wieder Zeit Menschen, Häuser (unten ist ein Maiskolbenspeicher zu sehen) und Landschaften zu bestaunen und zu fotografieren. Und das Schöne daran: sowohl die Tsetse als auch Rosmarie lassen mich gewähren.









Deutlich anders dann die Situation später an einem Gate (wozu dieses Gate überhaupt auf einer Strecke, wo nicht einmal ein Auto pro Tag vorbei kommt?).

[ab hier blende ich einen Teil des Textes aus, denn ich möchte nicht Erika und ihren Thread "Über Sinn und Unsinn des Schenkens" konkurrenzieren]

.... bei einfachen Marktfrauen am Strassenrand vor dem Städtlein Lundazi. Rosmarie kauft dort zuerst Tomaten für 2000 Kwacha (40 Rp) mit Hilfe eines einheimischen Englisch-Dolmetschers. Während ich die Marktauslage am Boden fotografiere geht die Freude und dann auch die Aktivitäten so richtig los. Die Tomatenverkäuferin will auch fotografiert werden. Natürlich wollen sofort auch die Kinder auf die Foto.





Inzwischen tanzt die Tomatenverkäuferin schon, und ich bin eingeladen von ihrem Maisbrei (Nshima) und gedörrten, aufgewärmten Fischlein (mit Eingeweiden) zu degustieren. Und es schmeckt: zwar ist der Maisbrei ziemlich fade, dafür aber haben die Fischlein herzhaften Charakter.



[ab hier blende ich einen Teil des Textes aus, denn ich möchte nicht Erika und ihren Thread "Über Sinn und Unsinn des Schenkens" konkurrenzieren]

Aber der Tiefschlag des Tages wartet dann nicht lange auf uns. Mit einem fast völlig leeren Tank kommen wir zur BP-Tankstelle in Lundazi (immerhin ist der Reservetank noch voll). Dort heisst es dann nur „Sorry, no diesel. But it will arrive still this afternoon before 3 o’clock“. Vorsichtigerweise fahren wir erst um 16 Uhr zurück zur Tankstelle. Aber erstaunlicherweise findet sich dort keine Warteschlange von Einheimischen an der Zapfsäule und auch kein Tanklastwagen weit und breit. Der neue Statusreport lautet dann schon weniger zuversichtlich: „may be tonight, surely tomorrow“.
Diese afrikanische Formulierung müssen wir jetzt europäisch interpretieren und zielgruppenspezifisch (d.h. nur auf uns bezogen) Entscheide fällen: mit echten 2 zu 0 Stimmen entscheiden wir uns hier zu übernachten (es könnte ja tatsächlich sein ???) und gleichzeitig einen Plan B zu entwerfen (was, wenn morgen die Diesel-Situation noch ungelöst ist?).
Beim Lundazi Castle finden wir eine Camping-Gelegenheit ganz in der Nähe.

Lundazi Castle, 70‘000 Kwacha (= 14 USD)
Tagesdistanz: 147 km