MariechenThemenstarter93 Beiträge · seit 200917. Aug. 2011 · #1
Hallo zusammen,
ich habe lange gegrübelt, wie ich etwas nettes zu dieser unfassbar tollen Community beitragen kann - sowohl die Hilfestellung als auch die Reiseberichte verblüffen mich immer wieder aufs neue.
Ursprünglich wollte ich (mehrfach angekündigt 😗 ) einen Bericht zu unserer Namibia-Selbstfahrertour vom letzten September schreiben. Aber es gibt schon soooo viele tolle Berichte über ähnliche Routen und ähnliche Unterkünfte, dass ich nie die Motivation gefunden habe.
Deshalb gehe ich die Sache jetzt anders an: 2007 war ich alleine in SA und Namibia unterwegs, erst auf einer Overlander Tour, dann mit einer namibischen Freundin. Insbesondere Ersteres ist ja in diesem Forum bislang etwas zu kurz gekommen, aus gutem Grund. Aber vielleicht kann ich ja das ein oder andere Klischee widerlegen. :O
oh, das ist toll. Overlander-Touren gibts hier als Berichte ja sehr selten - freu mich drauf!
Viele Grüße Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
MariechenThemenstarter93 Beiträge · seit 200917. Aug. 2011 · #3
13. Mai 2007 – Hannover/Frankfurt
Ich bin 19 Jahre alt und habe vor genau 7 Tagen halbwegs glamurös meine schulische Karriere beendet – mündliches Abitur in Politik. Während meine Schulfreunde und Nichtfreunde zum grandiosen Besäufnis in den Center Park nach Holland fahren rolle ich im ICE von Hannover nach Frankfurt und von dort aus weiter nach Südafrika - vielen Nachmittagen als Aushilfe im Copyshop und vom Auto überfahren werden (Schmerzensgeld!) sei Dank. Ich bin alleine, mein damaliger Freund (inzwischen Verlobter, Namibiareisepartner und Seelenverwandter) muss Zuhause Diplomarbeit schreiben.
Die Reise soll DAS Ding für mich werden, das Highlights meines jungen Lebens und auch der nächsten Jahre. Meine Eltern lassen mich zu meinen großen Erstaunen fahren und schlucken ihre Bedenken ziemlich kommentarlos herunter. Dass sie in Wahrheit Todesängste ausgestanden haben, kommt erst sehr viel später heraus. Gebucht sind 18 Tage Südafrika Explorer mit Drifters via Iwanowski in rustikalen, aber festen Unterkünften. Eine der berüchtigen Overlander Touren, um genau zu sein. 😉 Das ist damals aber noch ein Fremdwort für mich, ich hatte eigentlich gar keine so genau Vorstellung, was ich da eigentlich gebucht hatte. Danach soll ich meine langjährige Ovambo-Brieffreundin Vicky in Stellenbosch treffen, wo sie zur dieser Zeit studiert. Gemeinsam soll die Reise dann weiter zu ihrer Familie nach Namibia gehen. Einen genauen Plan für diesen Abschnitt der Fahrt gibt es zur Abreise noch nicht, da ungeklärt ist, ob sie Anfang Juni noch Prüfungen schreiben muss.
Nach herzzerreißenden ( 😉 ) Abschiedsszenen am Mittag am Hannoveraner Bahnhof verläuft die Zugfahrt so, wie die meisten Zugfahrten verlaufen: Unspektakulär. Ich versuche zu lesen, bin aber eigentlich viel zu aufgeregt und kann nicht fassen, dass es endlich losgehen soll. Das geheime große Ziel: Meine Lieblinge, die Geparde, endlich in freier Wildbahn sehen. Dass mir dies tatsächlich erst 3 1/2 Jahre später auf meiner nächsten Tour gelingen wird, sei an dieser Stelle schon einmal verraten. Aber ich war jung und naiv und hoffnungsvoll (eigentlich immer noch, um genau zu sein).
Am Flughafen brauche ich ziemlich ewig, bis endlich der South African Airways-Schalter gefunden ist. Mein erster Interkontinentalflug, übrigens. Oh Schreck: Am Schalter nur Menschen jenseits der 60. Von denen wird doch hoffentlich keiner in meiner Gruppe sein? (Ältere Mitleser mögen einem Teenager diesen Gedanken verzeihen). Gefühlt endlose Zeit später genieße ich im Flieger die Annehmlichkeiten von SSA (eigener Fernseher, okayes Essen, toller Service, Zahnbürste!). All die Dinge, die ich beim nächsten Trip mit Air Namibia vermissen werde... Mein Sitznachbar ist ein Mittfünfziger Geschäftsmann, der mir erst einmal Schauermärchen von überfallenen Reisenbussen in Südafrika erzählt und berichtet, er würde niemals in dieses böse Land fahren. Na, das sind ja tolle Aussichten.
P.S. Die Vorteile eines Fensterplatzes werden zunichte gemacht wenn man eine typische Mädchenblase hat und der Sitznachbar durchschläft, während man selbst die ganze Nacht wach ist. ABER dieser Sonnenaufgang!
In jungen Jahren... Südafrika/Namibia 2007 Reisebericht (in the making)
Goldmull795 Beiträge · seit 200717. Aug. 2011 · #4
Hallo Mariechen (passt denn ein solcher Name zu dir???),
schön geschrieben und mal was anderes! Ich freue mich schon auf die Fortsetzung! Mach weiter so!
LG, Goldmull
MariechenThemenstarter93 Beiträge · seit 200917. Aug. 2011 · #5
14. Mai 2007 – Johannesburg
Pünktlich um sieben Uhr morgens verlasse ich – todmüde und ziemlich zerknautscht, aber völlig überdreht – das Flugzeug. Gepäck einsammeln und ab damit auf den Wagen. Mein Transferservice zum Drifters Joburg Inn soll erst um zehn gehen. Drei Stunden Wartezeit und ich habe keine Ahnung, wie ich sie verbringen soll. Ich bin alleine und muss mein Gepäck bewachen. In der Wartehalle sitze ich ziemlich verloren auf meinem Wagen herum und beobachte, wie die 60 Jährigen das Gebäude verlassen. Glück gehabt. 😉 Ein attraktiver junger Mann fällt mir ins Auge. Allerdings ist er wohl keiner der Mitreisenden, denn er hat eine Gitarre bei sich. Er bemerkt meinen Blick, bietet mit seinen Platz an und wir kommen ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass er südafrikanischer Popmusiker ist. Ich bekomme eine CD geschenkt und erfahre, dass er auf dem Weg zu Konzerten in Australien ist. Meiner Frage, ob er berühmt sei, weicht er aus. Auf dem Rückflug vier Wochen später erfahre ich, wie berühmt er in SA ist: Die südafrikanische Cosmopolitan – als seichte Reiselektüre gekauft – kürt den netten Herren auf Platz 24 der Sexiest Men Alive. 🙂
Nachdem er mich verlassen hat, lerne ich schließlich einen Teil meiner Mitreisenden kennen: Angeline und Adam aus Vancouver und den deutschen Peter. Erstere Mitte 20, letzterer geschätzte 35. Obwohl wir die beiden einzigen Deutschen auf der Tour bleiben sollen, ist er der einzige aus der Gruppe, dem ich in den nächsten Wochen nicht näher komme, was wohl hauptsächlich an meiner ablehnenden Haltung liegt. Er spricht kaum Englisch - warum er eine rein englischsprachige Tour gebucht hat, erschließt sich mir bis heute nicht. Das kanadische Pärchen ist mir hingegen von Anfang an sympathisch. Die Sorte Leute, bei denen man nach fünf Minuten das Gefühl hat, man würde sie schon ewig kennen.
Schließlich werden wir eingesammelt und zur Unterkunft gebracht, einem riesigen, wunderschönen, grünen Anwesen im Stadtteil Northcliff. Zu meinem Erstaunen bekomme ich ein Einzelzimmer zugewiesen – ich war vorab von Iwanowski informiert werden, dass mehrere Einzelreisende eventuell in einem Zimmer untergebracht werden. Nach einer ausgiebigen Dusche könnte ich den Tag für Erholung am Pool nutzen, bin aber noch viel zu aufgedreht und buche stattdessen die kombinierte Soweto/City-Tour.
Wie sich heraus stellt, bin ich an diesem Tag die einzige Teilnehmerin. Mein Guide, der mich im weißen Bus durch die Stadt kutschiert, mutiert innerhalb von fünf Minuten zu meinem großen, schwarzen Beschützer und klärt mich über die vorhandenen und übertriebenen Gefahren von Joburg auf. Wir absolvieren das volle Touriprogramm: Fahrt durch Soweto, Besuch im Apartheitsmuseum (großartig!), Regina Mundi Church, Nelson-Mandelas-Geburtshaus, Mittagessen im Shebeen und Besuch einer Wellblechhüttensiedlung. Hier übernimmt ein lokaler Guide die Führung. Ich werde in eine Hütte geführt, deren Bewohner zuhause sind. Ein einziger Raum, de Wände sind mit Zeitungen tapeziert, der Mann nur in Unterhose auf dem Bett liegend. Die Frau blickt mich emotionslos an. Mir wird gesagt, ich könne Fotos machen, aber ich wünsche mich nur ganz weit weg. Wieder im Freien ermuntert mich der Guide sehr eindringlich, zu spenden. Armutstourismus: Once and never again. Auf der anderen Seite hat mich die Tour begeistert, Soweto und seine Geschichte fasziniert.
Anschließend machen wir noch eine Tour durch die Innenstadt und einem kleinen Abstecher nach Hillbrow („You shouldn't get out here“). Das Museum Africa hat an diesem Tag leider geschlossen. Sollte es mich irgendwann (zum Beispiel nächstes Jahr zur Hochzeitsreise :)) wieder nach Johannesburg verschlagen, möchte ich mir mehr Zeit nehmen, diese sehr extreme Stadt kennenzulernen.
Zurück im Drifters Inn treffe ich beim Abendessen (lecker Salat mit Hähnchen) auf eine weitere Mitreisende. Karen, ebenfalls Kanadierin. Ich halte sie für Mitte Zwanzig, es stellt sich jedoch heraus, dass sie bereits Mitte 30 ist, im hohen Management gearbeitet und schließlich alles hingeschmissen hat, um auf Weltreise zu gehen und ihr Leben neu zu gestalten.. Sie wirkt etwas unzugänglich und ich weiß nicht recht, ob sie nur müde ist oder mich unangenehm findet. Später wird unsere Reisegruppe zu einer ersten Besprechung einberufen. Wir sind acht Leute: Adam und Angeline, das junge kanadische Pärchen, Karen, Peter, der Deutsche, Dean und Deirdre, Australier Mitte fünfzig und ich, das Küken. Unser Guide heißt Erasmus und ist ein bäriger Bure, der einen etwas strengen Eindruck macht. Morgen geht es Richtung Krüger, wir sollen brav beginnen, unsere Prophylaxe zu nehmen. Ich habe Doxycilin dabei und werde im Laufe der nächsten Tage noch viel Freude damit haben.
In jungen Jahren... Südafrika/Namibia 2007 Reisebericht (in the making)
Topobär5'479 Beiträge · seit 200918. Aug. 2011 · #6
Mal wieder eine neue Perspektive (jung im Overlander). Dazu noch sehr kurzweilig geschrieben - was will man mehr? Ich freue mich schon auf die Fortsetzungen.
MariechenThemenstarter93 Beiträge · seit 200921. Aug. 2011 · #7
Hallo ihr beiden,
danke für die netten Kommentare - das motiviert sehr! 🙂
Es geht weiter. Nur mich kurz zu fassen muss ich noch lernen... Viel Spaß!
15. Mai 2007 – Johannesburg – Balule
In typischer Overlander-Manier ist der Startschuss für unsere eigentliche Tour am nächsten Morgen um 6.30. Ich habe in meinem geräumigen Zweibett-Zimmer mit eigenem Bad und Blick auf den herrlichen Garten hervorragend geschlafen. Nichtsdestotrotz gähne ich ebenso wie der Rest meiner Truppe als wir in den Truck krabbeln. Jawohl, der Truck. Ein abscheuliches Gerät, wenn es einem als unabhängigem Reisenden mal wieder den Blick aufs Wasserloch versperrt, aber ganz wunderbar, um sich selbst darin herumkutschieren zu lassen. Da unsere Gruppe sehr klein ist, bekommt jeder eine eigene Sitzreihe. Die Fenster reichen bis zum Boden und lassen sich individuell zur Hälfte öffnen. Im hinteren Bereich befinden sich Fächer für Gepäck sowie ein Kühlfach für unsere – übrigens selbst zu erwerbenden – Getränke. Außerdem beherbergt unser Monster eine komplette Küche sowieso Tische und Sitzgelegenheiten. Zu Erasmus Fahrerkabine sind wir mit einem großen Durchlass verbunden. Im Laufe der Reise passiert es einigen Teilnehmern (hauptsächlich mir... 😗) den Truck gelegentlich als „Bus“ zu bezeichnen – eine Panne, auf die unser Guide immer außerordentlich verschnupft reagiert. Aber tatsächlich: Mit einem normalen Reisebus hat der grün-weiße Drifters-Truck nicht so viel zu tun.
Wir starten also Richtung Krüger, genauer gesagt Richtung Balule Private Game Reserve, das auch das Drifters Bush Camp beherbergt. Im Randgebiet von Johannesburg kommen uns entlang der Straße Menschenmassen entgegen, die zu Fuß oder per Anhalter auf dem Weg zur Arbeit (?) sind. Ich habe meine Kopfhörer im Ohr, höre meine persönlichen Reisesoundtrack und bin völlig entspannt und zufrieden. Draußen wird die Landschaft ländlicher und immer interessanter und ich vertreibe mir die Zeit damit, meine neue Kamera (Geschenk meiner Eltern zum Abitur) zu entdecken. Tatsächlich sind in den paar Stunden Fahrt ungefähr 100 verwackelte Landschaftsbilder entstanden. 🙂
Zum Mittagessen steigen wir in Pilgrim's Rest ab. Es gibt unspektakulären Toast in einem Café und zum ersten Mal hat unsere Gruppe Gelegenheiten, sich in Ruhe zu unterhalten. Erasmus weist allen unterschiedliche Aufgaben zu. Ich werde zum Master of Administration ernannt – was auch immer das bedeutet. Im Laufe der Reise habe ich nämlich herzlich wenig zu tun. Die Stimmung ist außerordentlich fröhlich. Sowohl unsere beiden Australier als auch Karen haben einen außerordentlich feinen und herrlich zynischen Humor. Pilgrim's Rest selber empfinde ich als furchtbar touristisch und uninteressant. Was allerdings vielleicht auch ein Overlander-Problem ist: Insgesamt halten wir uns vielleicht eine Stunde dort auf – für tiefergehende Betrachtungen bleibt keine Zeit.
Ebenso rasch werden die anderen Ziele der Panorama-Route abgehakt: Ein halbes Stündchen Bourke's Luck Potholes, eine Viertelstunde Aussicht auf den wunderbaren Blyde River (den ich übrigens viel spannender finde als den Fish River, wenn man das überhaupt vergleichen kann). Zwischendurch sitze ich vorne bei Eramus. Der Plan ist, innerhalb der Gruppe damit zu rotieren (später sitzt allerdings nur noch Dean vorne – Gründe folgen in späteren Kapiteln). Neben privatem Geplauder muss ich unseren Guide natürlich auch fragen, wie unsere Chancen stehen, Geparden im Krüger zu sehen. „Very low.“, antwortet er. Ich bin leicht geknickt.
Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichen wir das Balule Camp. Es besteht aus einer Lapa und auf Stelzen gebauten Safarizelten mit angeschlossenem Bad (ja, dies ist eine Camping-freie Overlander-Tour!), die auf einem Hang gelegen sind. Von dort aus überblickt man eine dichte Buschlandschaft und ein Wasserloch. Ich bekomme wieder ein Einzelzelt. 🙂 Im Badezimmer haben es sich mehrere dicke Wallspider gemütlich gemacht. Na gut, so lange sie nicht ins Zelt kommen...
Zum Abendessen gibt es Braai. Während das Fleisch brät löst ein einzelnes Warzenschwein, das ans Wasserloch kommt, erste große Euphorie in der Gruppe aus. Ja, wir sind in Afrika! Das Essen selbst ist überaus fleischlastig: Für Erasmus ist eine Mahlzeit ohne mindestens 500g Fleisch keine Mahlzeit. Interessanterweise weigert er sich aber später, Game-Fleisch zu essen. Kudus und Co. seien seine Freunde, sagt er. Ja, das ist männliche Logik!
Später sitzen wir noch lange am Feuer. Adam, der Kanadier, ist einer der klügsten Menschen, die ich in meinem Leben kennengelernt habe, und er, Erasmus und ich diskutieren hochspannende politische Themen – vom Dritten Reich bis zur Apartheit - bis uns schließlich ein scharfer Wind von unserem Sitzplatz vertreibt. Zurück im Zelt erlebe ich (ja, ich bin ein Mädchen!) einen fiesen Schock: Beim Verlassen des Zeltes hatte ich wohl vergessen, die Badezimmer-Tür zu schließen und eine besonders fette Spinne sitzt mitten im Raum. Bevor ich mich auch nur rühren kann, ist sie prompt unter mein Bett gekrabbelt und einfach nicht mehr auffindbar. Na dann, gute Nacht!
In jungen Jahren... Südafrika/Namibia 2007 Reisebericht (in the making)
DUDummiYummi273 Beiträge · seit 200921. Aug. 2011 · #8
Nur mich kurz zu fassen muss ich noch lernen...
Bloss nicht 🤩 🤩 🤩 🤩
Reisen können, ist eine der schwierigsten Künste.
Eigentlich müßte man es im Hauptberuf betreiben.
Hallo Mariechen, ein unterhaltsam und spannend geschriebener Bericht. Du scheinst Talent für sowas zu haben. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung ! herzlichst günter
casimodo4'528 Beiträge · seit 200722. Aug. 2011 · #12
Hi Mariechen,
ich freue mich auf die Fortsetzung Deines Berichtes. Ich bin schon gespannt, wie es bei den "Overlanders" so zugegangen ist.
Ich ärgere mich manchmal, daß ich nicht wie Du auch schon mit 19 auf solche Reisen gegangen bin. Das ist bestimmt superspannend 😎 Und dann gleich die Begegnung mit dem Musiker....
MariechenThemenstarter93 Beiträge · seit 200928. Aug. 2011 · #13
Hallo ihr Lieben,
tut mir leid, dass ihr so lange warten musstest. Die Woche war leider völlig voll gestopft. Dafür gehts die nächsten Tage hoffentlich umso schneller weiter.
Noch eine kurze Anmerkung zu meinen Fotos: Die sind natürlich qualitativ nicht immer berauschend. In diesem Fall hab ich sie aber auch nicht mit dem Anspruch ausgewählt, euch die schönsten Motive zu zeigen sondern Fotos, die die Stimmung der Reise am besten einfangen. 🙂
Liebe Grüße und einen schönen Restsonntag Marie
16. Mai 2007 – Balule
Meine erste und einzige Aufgabe als Master Of Administration ist der Weckdienst am nächsten Morgen für alle Teilnehmer. Auf dem Programm steht ein Morning Bushwalk und es ist verflucht früh. (Wie früh, verrät mir meine Erinnerung leider gerade nicht mehr. Es dämmert auf jeden Fall.) Beim Verlassen des Spinnen-verseuchten Zeltes stellt sich heraus, dass meine Dienste überflüssig sind – alle anderen sind vor mir aufgestanden. Ups! Also schnell zwei Tassen Kaffee schütten und ein bisschen Zwieback knabbern, dann geht’s los. „Schnell“ ist sowieso das Stichwort unserer Reise: Erasmus hat das Talent immer ein wenig Hektik zu verbreiten, selbst dann, wenn es gar nicht nötig ist.
Das Balule Game Reserve
Zu Fuß steigen wir mit ihm und unserem lokalen Guide (dessen Name mir leider auch entfallen ist. Mein Gedächtnis wird alt.) hinab ins Flußbett. Große Tiere sehen wir zwar nicht, dafür lernen wir eine Menge über poo von verschiedenen Tieren – Hyänenkot ist weiß – und sehen Spinnen in Erdlöchern und beeindruckend großen Netzen. Außerhalb meines eigenen Wohnbereichs mag ich sie eindeutig lieber.
Zurück im Camp gibt es erst einmal Frühstück, obwohl es in diesem Fall eher Brunch ist. Bis zum Nachmittag, an dem unser heiß ersehnter erster Gamedrive stattfinden soll, haben wir frei. Ich erwäge kurz mich noch eine Runde schlafen zu legen, ziehe dann aber doch die Gesellschaft meiner Mitreisenden der meiner achtbeinigen Mitbewohner vor. Wir verbringen den Mittag damit, das Wasserloch zu beobachten und (nicht-alkoholische!) Kaltgetränke zu konsumieren. Die Tierausbeute ist abgesehen von einem Impala, Warzenschweinen und ein paar Vervet Monkeys eher gering. Die Stimmung innerhalb der Gruppe ist hingegen ganz hervorragend, tatsächlich ist Erasmus' Prognose „in a few days you'll be family“ ziemlich genau eingetroffen.
Trotzdem versucht unser Guide die Dynamik unter den Teilnehmern mit ein paar Ratespielchen weiter anzutreiben. Beispiel: Wir müssen fragen „Can I go to Paris/USA/Timbuktu (=beliebige Stadt oder Land)?“ und er antwortet mit Yes oder No. Ziel des Ganzen ist es, herauszufinden, wann er sich für ja und wann für nein entscheidet. Im Endeffekt ist die Lösung sehr trivial: Sagt man „Can I go to ääähm Paris?“ lautet die Antwort Ja. Entscheidend ist also nicht der Zielort selbst, sondern der seltsame Laut den man macht, während man überlegt. Klingt simpel und doof, lässt aber einige von uns (hauptsächlich mich und Adam) ziemlich verzweifeln und die Zeit im Fluge vergehen.
Am frühen Nachmittag geht es dann im offenen Safarifahrzeug endlich auf Tour. Alle sind hibbelig und Grinsen still in sich hinein. Offensichtlich bin ich nicht die Einzige, für die Tierbeobachtungen der Hauptreisegrunde waren. Balule liegt im Gebiet des Greater Kruger und ist hochoffiziell Big Five Gebiet. Allerdings ist das Gebiet dort stark verbuscht und die Tiere relativ scheu. Aber als Overlander-Reisender hat man ja nicht so hohe Ansprüche. 😉 Das Fahrzeug ruckelt auf kaum vorhandenen Wegen durchs Gelände und als erstes kommt uns eine Giraffe – wenn auch gut versteht hinterm Gebüsch – vor die Linse. „That's like Jurassic Park“ sagt Karen und tatsächlich trifft es das Gefühl, wenn man das erste Mal Auge in Auge mit dem Giganten ist, ziemlich gut.
Kurz darauf treffen wir auf eine Gruppe von drei Büffeln. Die majestätischen Tiere sind sehr nah und im Wagen macht sich ehrfurchtsvolles Schweigen breit. Die großen Jungs werfen uns allerdings nur einen kurzen, desinteressierten Blick zu. Kurz darauf wird es dunkel. Zeit für einen Sundowner, obwohl von der Sonne hinter Büschen und Wolken nicht viel zu sehen ist. Luxuriöse Cocktails gibt es hier übrigens nicht – wir begnügen uns mit Cola und Bier. Vom restlichen Drive gibt es leider keine Bilder mehr. Erasmus gelingt es aber noch, kurz bevor wir umkehren müssen, eine Elefantenkuh mit ihrem halb erwachsenen Kälbchen aufzuspüren. Und bei der Heimfahrt entdecken wir in der Nähe des Camps noch eine African Civet – das ist zwar kein Gepard, macht mich aber trotzdem ziemlich glücklich. Später können wir sogar noch vom Camp aus beobachten, wie sie im Gebüsch auf Jagd ist.
In jungen Jahren... Südafrika/Namibia 2007 Reisebericht (in the making)
MariechenThemenstarter93 Beiträge · seit 200929. Aug. 2011 · #14
17. Mai 2007 – Balule – Hazyview
Willkommen zur Fahrt nach Hazyview oder auch: Tag 1 meines Doxycilin-Dilemmas. Im Gegensatz zu Malarone ist das Doxy ein Antibiotikum mit den entsprechenden Nebenwirkungen. Zur Vorbereitung auf die Reise war ich lediglich bei meinem Hausarzt, nicht beim Tropenmediziner. Ich glaube, er wusste nicht mal, dass es Malarone gibt. Wieauchimmer: Ich nehme das Zeug also seit drei Tagen, bislang ohne größere Probleme. Abgesehen davon, dass mein Gesicht die Farbe eines gekochten Hummers hat – was zum Teil des erhöhten Sonnenempfindlichkeit durch das Antibiotikum, zum Teil meiner Nicole-Kidman-Haut geschuldet ist, wie Deirdre es sehr nett formuliert. Ich würde es eher als Maden-weiß bezeichnen. An diesem Morgen nehme ich das Zeug wie gewohnt zum Frühstück (zwei Tabletten pro Tag). Und prompt ist mir höllisch schlecht.
So passiert es, dass ich mich nach dem Packen meiner Sachen auf dem Weg zum Bus, pardon, Truck prompt ins Gebüsch erleichtern muss. Byebye, Frühstück! Immerhin: Danach fühle ich mich ad hoc besser und vergesse das Dilemma erst einmal. Wir starten zu unserer nächsten Unterkunft und sehen beim Verlassen von Balule glatt noch eine Giraffenmama mit ihrem recht jungen Nachwuchs. Einstimmige “Sweeeet“-Seufzer unter den Reisenden.
Unterwegs freuen wir uns über zahlreiche Achtung-Elefanten-Schilder und schicken schon einmal sehnsüchtige Blicke Richtung Krüger, zu dem wir quasi parallel fahren. Ich werde besonders wehmütig, als wir am Hoedspruit Cheetah Center vorbei fahren – davon hatte mir nämlich der schöne Musiker erzählt. Aber das steht leider nicht im Drifters Programm und so verschiebe ich es gedanklich auf eine spätere Reise. In Hazyview angekommen besuchen wir kurz eine lokale Mall. Erasmus muss unsere Vorräte aufstocken, ich brauche Bargeld und Duschgel. Dean bewacht mich, während ich am Automaten stehe. Sowieso werden er und Deirdre im Laufe der Reise so etwas wie meine Ersatzeltern – Ersatzeltern, mit denen ich rauchen und Wein trinken kann. 😉
Der zahme Strauß der Lodge. Ich habe allerdings nicht getestet, wie zahm...
Die Drifters Hazyview Lodge ist zauberhaft inmitten des subtropischen Regenwaldes am Ufer das Sabie Flußes gelegen. Völlig faszinierend, wie in Südafrika die Landschaft innerhalb weniger Kilometer so völlig anders aussehen kann. Wir haben kurz Mittagspause und ich nutze die Zeit meine Tasche aufzuräumen, die inzwischen so chaotisch wie mein Zimmer Zuhause aussieht. Danach geht es hinunter auf einen Spaziergang zum Fluß. Die Gegend ist wunderschön Grün und lebendig, der Fußmarsch endet allerdings in einem Matschpfützenhürdenlauf, der mir braune Natur-Strümpfe verpasst. Dann baden wir im Fluß, oder besser gesagt: Wir rutschen auf unserem Hintern über Stromschnellen den Fluß hinunter. Ein ziemlich wilder Spaß, auf den nicht alle Lust haben, der aber wunderbar erfrischend ist. Wie gut, dass wir das „Beware of Hippos and Crocodiles“-Schild erst auf dem Rückweg sehen.
Am Abend machen wir zum ersten und einzigen Mal der Reise das, was man von Overlandern erwartet: Wir trinken an der Bushbar des Camps Cocktails und lassen uns von Erasmus südafrikanische Trinkspiele beibringen. Männer, schon mal jemand ein Schnapsglas an der Brust hängen gehabt? 😉 (nein, die Fotos dieser Aktivitäten stelle ich lieber nicht online 😉 ) Mein Magen hat sich zum Glück seit meinem Erlebnis am Morgen nicht mehr gemeldet.
In jungen Jahren... Südafrika/Namibia 2007 Reisebericht (in the making)
casimodo4'528 Beiträge · seit 200716. Okt. 2011 · #15
Hallo Marie,
schreibst Du Deinen Bericht weiter ? Ich würde mich freuen 😉