DAS waren wir ! Unser 2. Geburtstag am 08.10.2010

51 Antworten · 30,3k Aufrufe · gestartet 04. Jan. 2011 von Magnum
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Themenstarter15 Beiträge · seit 200704. Jan. 2011 · #1
„Berserk elephant attacks tourists in tent
By Wame Tshimololo

KAZUNGULA - An elephant has attacked a tent in which two German tourists were sleeping at Senyanti campsite near Kazungula.

A woman was injured and flown to Johannesburg for urgent medical attention after first being taken to Kasane hospital.

The incident happened on the night of October 8 said Assistant Superintendent Chakalisa Nkoni, of Kazungula police. The elephant first tore off the roof of the tent as it forced its way in, probably in search of food.

The couple was awoken by the noise of the elephant's attack. Their screams for help were heard by other campers who chased the elephant away by hitting tins and pots together. The woman had serious wounds to the lower chest as well as other injuries. It is believed that an attack on a tent is very rare. „

Quelle: Ngami Times vom 15. Oktober 2010



Seit vielen Jahren fahre ich durch das südliche Afrika und einer der Höhepunkte für mich war immer Botswana mit dem Okavango Delta und der Chobe-Front. Für meine Freundin Olga war es der 3. Urlaub in Afrika und nachdem unser letzter Trip im April/Mai 2010 durch den vielen Regen, den Wasserdurchfahrten, den verschlammten Wegen und dem ewigen Steckenbleiben ziemlich ins „Wasser gefallen“ war, entschlossen wir uns, dieselbe Tour noch mal im September/Oktober zu unternehmen.

Waren es Anfang des Jahres das Wasser, so haben uns jetzt die ausgetrockneten, steinharten Wege, der Staub und die fast unerträgliche Hitze zu schaffen gemacht. Wir waren froh nach 8 Tagen im Delta in Kasane/Kazungula anzukommen, um auf „unserem“ im Mai entdeckten Campingplatz „Senyanti Camp“ ein paar Tage auszuspannen, den Wagen wieder herzurichten und morgens oder abens die gewaltigen Elefantenherden am Chobe zu bewundern.

Das wunderschön und richtig ruhig gelegene Camp bei Kazungula kannten wir aus dem letzten Urlaub: eigene Sanitärhäuschen, ein liebevoller, knorriger Eigentümer und eine hölzerne Aussichtsterrasse (mit Bar) mit Blick auf das eigene Wasserloch. Nach der Ankunft bauten wir unser Zelt auf, spülten den Staub und die Strapazen der vergangenen Tage mit einer heissen Dusche und einem kaltem Bier fort, machten unser Abendessen im Potjie und waren überglücklich, angekommen zu sein. Sowohl am Wasserloch als auch in der näheren Umgebung wimmelte es von Elefanten. Da die letzten Tage sehr „tierarm“ waren, freuten wir uns über diese Gesellschaft. An diesem Abend machten wir in diesem Urlaub unser letztes Foto:




Nach ein paar Stunden auf der Terrasse und den Blick auf das endlose Treiben der Dickhäuter krabbelten wir total erschöpft und richtig zufrieden ins Zelt. Die Nacht war ziemlich unruhig, da der Campingplatz in den ganzen Nachtstunden Besuch von vereinzelten Dickhäutern bekam. Aber genau das wollten wir ja !!!

Was dann am frühen morgen geschah (es war noch dunkel) lässt sich schwer erklären und aufschreiben. Zusätzlich weichen unsere Erinnerungen ein bisschen voneinander ab. Aber der Horror bleibt gleich:

Wir wurden zeitgleich geweckt, als die Zeltwand nur wenige Zentimeter von unseren Köpfen von einem riesigen „etwas“ eingedrückt wurde. Wir schreckten hoch und schrien. Dann fing ein Elefant an, das Zelt mit einer Urgewalt einzudrücken und niederzutrampeln. In völliger Dunkelheit mussten wir uns von rechts nach links rollen, um den den gewaltigen Tritten des Tieres in dem kleinen Zelt auszuweichen. Es ging alles so schnell und wir konnten den Elefanten, der nur durch den Zeltstoff von uns getrennt war, richtig spüren. Das wir trotz einiger schmerzhafter Stösse und dem Rumwirbeln nicht von den gewaltigen Füssen des Tieres zerquetscht wurden, grenzt für mich immer noch an ein Wunder. Kurze Augenblicke nachdem das Zelt zusammenbrach und wir im Dunkeln zwischen unseren Schlafsäcken und dem Zeltstoff gefangen waren, stiess der Elefant mit den Stosszähnen in den „Zeltklumpen“. Ich spürte, wie mich der Zahn direkt an meiner linken Seite zwischen Brustkorb und Arm streifte, umfasste den armdicken, mit längsrillen übersäten Stosszahn und wollte ihn in meiner totalen Hilflosigkeit wegdrücken....was natürlich quatsch war. Urplötzlich wurden wir blitzschnell hoch gerissen... 2 - 3 Meter in die Luft ....und fielen dann mit der gleichen Geschwindigkeit runter und schlugen auf dem Boden auf. Ausser unseren Schreien, das Geräusch der niederdrückenden und aufreissenden Zeltplane lief alles ohne Geräusche ab; der Elefant machte keinen Laut. Von den im Zeitungsartikel beschriebenen Rettern mit Kochtöpfen war kein Spur ....

Ich war wohl kurz bewusstlos, weil Oga später sagte, dass der graue Riese noch einige Sekunden über uns im zerfetzten Zelt stand und auf uns blickte, dann aber verschwand.

Meine ersten Erinnerungen waren die Schmerzen an meinem ganzen Körper. Olga lag direkt neben mir, atmete hektisch und stöhnte leise vor sich hin. Ich wollte aus dem Zelt kriechen, um zu helfen, konnte mich aber aus den zerrissenen Zeltbahnen und dem zerknäulten Gestänge nicht befreien.Olga stöhnte bei meiner „Rettungsaktion“ laut auf.Voller Angst tastete ich meine Freundin ab und spürte die grossen, warmen Blutflecke vorne und hinten an ihrem Schlaf-Shirt. Unter dem nassen Kleidungsstück an den Verletzungen spürte ich 2 immer grösser werdende "Beulen", die irgendwie aus ihrem körper herausquollen. Panisch drückte ich meine Hände „vorsichtig“ darauf und schrie und schrie und schrie um Hilfe...... in die Dunkelheit.

Nach einiger Zeit ,gefühlten endlosen Minuten, kamen der Eigentümer Louw und andere Gäste mit Taschenlampen, um uns zu helfen... es war noch immer Nacht. Wir wurden aus den Zeltrümmern herausgeschnitten und Olga wurde trotz ihrer immer grösser werdenden Schmerzen auf unsere Iso-Matte gelegt. Alle waren panisch. Jeder wusste, wir mussten sofort ins nächste hospital. Olga wurde auf den in Liegeposition gebrachten Beifahrersitz gelegt, ich ziternd dahinter um meine Hände weiterhin auf ihre Wunden zu drücken und der Eigentümer Louw fuhr los.

Während Olga sich an diese Fahrt nur noch wenig erinnern kann, hat sich diese wohl für immer in meinen Kopf eingebrannt. Olga stöhnte vor Schmerzen und rief die ganze Zeit leise nach ihrer Mutter, die seit vielen, vielen Jahren tot war. Ihr Körper kämpfte die ganze Zeit und manchmal stockte ihr Atem. Ich schrie „rede mit mir, bleib bei mir, bitte, bitte, bitte“ und sie blickte mich mit müden, so traurigen Augen an. Jedes Mal brach ich in Tränen aus und leise versuchte sie (!!!) mich zu beruhigen. Die Fahrt ging in der Dunkelheit über Stock und Stein und bei jeder Unebenheit auf der sandigen Piste konnte ich die Schmerzen in Olgas Gesicht sehen. Wie wir gefahren sind, weiß ich nicht mehr. Irgendwann erreichten wir die Teerstrasse (nach 20 minuten ?) und ich konnte in der Dämerung bekannte Gebäude und Strassen erkennen. Ich redete die ganze Zeit auf Olga ein, dass wir bald da sind. Trotzdem dauerte es noch ewig, bis wir das Hospital in Kasane erreichten.

Ich war überglücklich und Olga wurde von mir und Louw unter Schmerzen auf eine rumstehende Bahre gelegt. Das erste mal sah ich das ganze Blut an ihrem kleinen Körper und mein Herz wäre fast zersprungen. Sie hatte solche Schmerzen, solche Angst und hat trotzdem nicht gejammert. Ich stand völlig neben mir und habe nur funktioniert. Trotzdem rechnete ich jede Sekunde damit, dass ich gleich umkippe. Der Schock kam, als wir hörten, dass der Arzt der Nachtschicht, es war mittlerweile gegen 6 uhr morgens, noch unterwegs sei, um bei einem Autounfall zu helfen. Dies hörten wir von der einzigen Person (eine Krankenschwester ?) im Krankenhaus, die da war. Ich verzweifelte immer mehr. Olgas Fragen „wieso kommt keiner“, „wo ist der Arzt“, „wieso gibt mir keine Schmerzmittel“ und“ was passiert jetzt“ konnte ich nicht beantworten. Ich fühlte mich so hilflos.

Ich realisierte das erste mal, dass ich nur in Boxershort bekleidet (das T-Shirt hatte ich zum Drücken auf die Wunden verwendet), barfuss und total blutverschmiert war. Während ich Olgas Hand hielt und auf sie einredete, dass alles gut wird, schaute ich zitternd an mir runter, ob ich nicht auch irgendwelche Verwundungen davon getragen habe. Aber ausser grossen Schürfwunden, hatte ich keine Verletzungen. Es war alles Olgas Blut !!!!! Ich hätte am liebsten angefangen zu weinen.


Ende 1. Teil.

1.) sorry, dass der 1.Teil so lang war. Die folgenden Berichte werden kürzer.
2. Wir haben nichts falsch gemacht im Zelt: kein Obst oder Gemüse. Kein Licht oder Geräusche als der Elefant neben dem Zelt stand ... wir haben geschlafen !!!
3. Louw (der Eigentümer) war trotz seiner Verzweiflung DER grosse Retter.



Liebe Grüße, alles wird gut

Olga und Frank
1'920 Beiträge · seit 200805. Jan. 2011 · #2
Hallo Frank

Mir blieb beim lesen kurzzeitig der Atem stocken, 😮
zum Glück ist alles nochmal GUT gegangen !!!!!!

Ich war selber Ende September 10 im Senyanti Safari Camp und kenne die Gegebenheiten nur allzugut und weiss auch,dass du die Tiere hautnahe siehst und wie in eurem Fall hautnahe erlebst.
(und genau das ist es ja, was den Reiz und die Schönheit Afrikas ausmacht)/zumindestens für mich

Ich hoffe nur dass EURE HORRORGESCHICHTE ein Einzelfall bleibt und keine nachhaltige Konsequenzen für das traumhafte S.S.Camp nach sich zieht.


Gute Besserung an OLGA, und lasst euch durch den Zwischenfall nicht entmutigen !!!!!!!!!!!!!!!!

KLUGSCHEISSER würe euch jetzt raten das nächste mal in nem Dachzelt zu nächtigen 🙁 , aber wenn was passieren soll dann passiert es eben ,und alles hat seine Bestimmung !!!!!

LG Bloke
zuletzt bearbeitet 05. Jan. 2011
2'610 Beiträge · seit 200705. Jan. 2011 · #3
Hi,

mir erging es wie Bloke- der Atem stockte, während ich deinen Bericht gelesen habe. Vor ein paar Tagen haben mein Mann und ich schon spekuliert, was da bei euch schiefgelaufen sein könnte.

Ihr habt,wie du schon schreibst nichts falsch gemacht - wir können und nur vorstellen, dass der Elefant sich erschreckt hat oder, dass er einfach ein "Menschenhasser" war. Vermutungen helfen da wohl nicht weiter, aber man versucht halt eine Erklärung zu finden, dass es einem nicht selbst passiert.

Ich hoffe, dass die Verletzungen komplett verheilen (nicht nur die körperlichen) und ihr trotzdem wieder nach Afrika fahren könnt.

Grüße
Jambotessy
Nur im Vorwärtsgehen gelangt man ans Ende der Reise. (Sprichwort der Ovambo) 1x Togo + Benin (mit TUI), 1x Ruanda + Zaire ( mit Explorer Reisen), 3x Kenia (in Eigenregie mit dem Bodenzelt), 23 x südl. Afrika (in Eigenregie Namibia, Botswana, Zimbabwe, Sambia, Südafrika/ 17x mit dem Dachzelt und 6x ohne Dachzelt)
3'766 Beiträge · seit 200605. Jan. 2011 · #4
Hallo Olga und Frank,

ich freue mich für Euch das ihr das überlebt habt, ein jeder weiss das dies auch hätte anders ausgehen können.

Ich versuche wenn möglich immer das Gute zu sehen nach so einem Vorfall.

Bei dieser Geschichte ist das Gute das wir alle hier im Forum, ob Neulinge oder alte Hasen wieder einmal vor Augen geführt bekommen wo wir unseren Urlaub verbringen. Ich selbst neige dazu mit den Jahren etwas abzustumpfen gegenüber den Gefahren die real jederzeit vorhanden sind.

In diesem Sinne danke ich euch für den Bericht und wünsche Euch in Zukunft keine solche Erlebnise zu haben.

Gruss Kurt
www.Kurt-und-Heidi.ch Reiseberichte - Bilder und noch mehr wir freuen uns über jeden Besuch
zuletzt bearbeitet 05. Jan. 2011
6'152 Beiträge · seit 200605. Jan. 2011 · #5
Hallo Olga und Frank,

hatte Gänsehaut bekommen beim Lesen. Furchtbar so ein Urlaubs-
erlebnis. Denke Ihr habt keine ernsthaften Verletzungen
erlitten, aber vergessen werdet Ihr den Vorfall nie.
Lieben Gruss
Hanne
8 x Südafrika,1x Zimbabwe, 22x Namibia, 4x Botswana, 1x Lesotho, 1 x Swasiland
8'054 Beiträge · seit 200805. Jan. 2011 · #6
Hallo Olga und Frank,

Mich hat euer Abenteuer auch sehr mitgenommen!

Wie schnell kann ein toller Urlaub zum Horror werden...

Ich hoffe dass Olga keine Dauerschäden behalten wird.

Ich finde es gut dass Du uns alles ganz genau geschildert hast.

Liebe Grüsse
Annick
Südafrika 2014 http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/281763-miam-miam-und-mamamia.html Namibia 2014 [http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/283810/-die-frenchies-in-namibia.html] Tansania 2015 [http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285247-tansania-auf-jeden-fall-wieder.html] Uganda/Ruanda 2015 {http://namibia-forum.ch/forum/160-diverses/286948-uga,html} Tanzania 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/288428-rei,html} Südafrika/Simbabwe 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/290185.html} Südafrika Garden Road 2018 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/295032-the-garden-road-ein-bisschen-anders.html Malawi 2018{http://namibia-forum.ch/forum/154-diverses/296097-reisebericht-malawi-august-2018.html}
499 Beiträge · seit 200605. Jan. 2011 · #7
Hallo Olga und Frank,

gottseidank habt ihr das überlebt. Die Geschichte hat ja offensichtlich zwei unschöne Seiten: 1. die Attacke vom elefanten und 2. die miserablen medizinischen Versorgungsmöglichkeiten.
Da habt ihr echt Glück gehabt...
Nachdenkliche Grüsse
Tobias
630 Beiträge · seit 200805. Jan. 2011 · #8
Hallo Olga, hallo Frank,

vielen Dank für Eure packende Schilderung. Ich habe mir seit der Veröffentlichung des Vorfalls in der Ngami Times schon öfter Gedanken über die Hintergründe dieses Angriffs gemacht. Manches passiert aber einfach so. Shit happens.

Viele Grüße

Klaus
Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet. (Hans Magnus Enzensberger)
zuletzt bearbeitet 05. Jan. 2011
1'247 Beiträge · seit 200905. Jan. 2011 · #9
Magnum schrieb:
(...) Zusätzlich weichen unsere Erinnerungen ein bisschen voneinander ab (...) alles wird gut (...)
Hallo Frank und Olga

Die beiden obigen Zitate lassen mich hoffen, dass es Olga inzwischen wieder den Umständen entsprechend gut geht. Wie ihr mit dem Geschehenen fertig werdet, ist wohl eine andere Geschichte; ich hoffe aber, eure Liebe zu Afrika, seinen Tieren und insbesondere den Elefanten wird dadurch nicht auf Dauer beeinträchtigt.

Meinen Respekt und Dank habt ihr für den Mut, eure Erinnerungen hier noch einmal zu thematisieren. Aber vielleicht hilft ja genau das bei der Bewältigung - zu hoffen wäre es.

Gute Besserung und Gruss
Thomas
Für mich ist Denkmal ein lebenslanger Imperativ, der aus zwei Wörtern besteht (Fritz Grünbaum) Reisebericht: 50 Tage NamBots (PDF ganz am Ende)
298 Beiträge · seit 201005. Jan. 2011 · #10
Hallo Olga und Frank,
auch mich hat euer Bericht tief getroffen und und ich hoffe, dass es euch, insbesondere Olga, inzwischen wieder besser geht. Das Erlebte niederzuschreiben hilft euch hoffentlich auch es zu verarbeiten, wenn es auch bestimmt noch eine Zeit dauern wird...
Ich wünsche Euch alles erdenklich Gute
liebe Grüße Kiwi
Reisebericht: Afrika- Ein Traum wird wahr !!!http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/175448-afrika-ein-traum-wird-wahr--1212-01012011.html Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was berichten.... Matthias Claudius
78 Beiträge · seit 200705. Jan. 2011 · #11
Hallo Olga und Frank,
habe gestern Abend nach der Spätschicht euren Artikel gelesen.
Es war ja der reinste Horror was ihr da erlebt habt.Es ist kaum vorstellbar. Wir hoffen nur, daß es Olga wieder gut geht und das ohne große bleibende Schäden. Die Verarbeitung dieses nicht schönen Erlebnisses wird aber wohl noch eine Weile andauern.
Ich glaub man vergißt es sein Leben lang nicht.
Wir wünschen euch jedenfalls noch alles Gute für das neue Jahr.
VG kul
1'309 Beiträge · seit 200905. Jan. 2011 · #12
Hallo Olga und Frank,

mir graust es immer noch, wenn ich an euer Erlebnis denken muss.
Ich wünsche Euch, dass Ihr die körperlichen und seelischen Schäden dieser Nacht wieder heilen konntet!
Gleichfalls wünsche ich euch, dass Ihr erneut unbefangen und erwartungsfroh in Urlaub fahren könnt, egal wohin!

Liebe Grüße,
Nenette
Il n'y a pas un atome de cette poussière que je n'aime infiniment. Es gibt kein Atom in diesem Staub, das ich nicht unendlich liebe. (Elizabeth Riollet über Voi/Tsavo) Botswana 2010: http://nenette-f.over-blog.de/categorie-11610665.html Mein anderes Hobby: http://lauter-schoene-saetze.over-blog.com/
Themenstarter15 Beiträge · seit 200705. Jan. 2011 · #13
Hallo Leute,

vielen Dank für Eure lieben Worte und sorry, dass ich das wichtigste noch gar nicht geschrieben habe: Olga lebt und es geht ihr gut. Sie ist immer noch krankgeschrieben, aber ausser den Narben werden keine bleibenden Schäden verbleiben (obwohl alle Organe verletzt waren). Psychisch haben wir es bis jetzt auch gut verarbeitet und der Unfall bestimmt NICHT unser Leben. Im Gegenteil, ich galueb, wir geniessen es ein klein bißchen mehr.

In Johannesburg (dorthin wurden wir in eine Spezialklinik geflogen) las ich später, dass die letzten Monate viele Attacken von Elefanten, aber auch von Löwen im nordöstlichen Botswana und Nord-Zimbabwe zu verzeichnen waren. Als ein Grund wurde die zunehmende Wilderei und die damit verbundene Traumatisierung der Tiere angegeben.

Und trotz allem; unser nächster Afrika-Urlaub (Namibia) ist für März gebucht !!!!!!!

LG an alle
Frank

P.s.: Ich hoffe, es nervt nicht, aber hier kommt der 2. Teil:



Durch die leeren Gänge des Hospitals schoben wir Olga in ein kleines Behandlungszimmer. Meine Bitte, Olga endlich irgendwelche Schmerzmittel zu geben, wurde zurückgewiesen, da nur der Arzt dies entscheiden und verabreichen durfte. Wir warteten, warteten und warteten. Ich habe heute noch den kalten Boden unter meinen Füssen, das schwere Atmen von Olga und die in Zeitlupentempo verstreichende Zeit in Erinnerung. Sie hielt sich trotz ihrer Schmerzen (die vor allem im Rücken waren) so tapfer, während ich langsam anfing zu verzweifeln und meinte, kurz vor dem Zusammenbruch zu sein. Aber ich durfte ja nicht ….

Nach fast einer halben Stunde kam der Arzt. Ich erzählte ihm kurz, was passiert ist und er fing an, vorsichtig Olgas T-Shirt hoch zu schieben. Da ich mithelfen musste/sollte, sah ich ihre Wunden …… und mir stockte der Atem und mir wurde fast schwindelig. Knapp unter ihrem Herzen war eine riesige Fleischwunde, aus der „irgendetwas“ blasenartig herausquoll. Weiterhin war im Rücken eine kleinere, dafür aber „zerfetztere“ Verletzung zu sehen. Die Diagnose vom Arzt war schnelle klar: Olga wurde von dem Stosszahn durchbohrt !!!

Ich versuchte Olga zu beruhigen, dass alles nicht so schlimm aussieht, erklärte ihr, dass sie erst später Schmerzmittel bekommen kann und spielte wie ein Schauspieler die Rolle eines Mannes, der alles im Griff hat. Aber nur sehr schwer konnte ich meine Tränen unterdrücken.
Als ich merkte, dass ich noch halbnackt war, zog ich mein blutiges T-Shirt wieder an.

Der Arzt und die Krankenschwester bereiteten Spritzen, Verbandsmaterial und Tücher vor….endlich passierte was. Ich wurde dann vom Arzt gefragt, ob ich mithelfen kann, Olgas Wunden zusammenzudrücken, da wohl 6 Hände benötigt wurden, die Verletzungen zu versorgen und zu vernähen. Wie ich das geschafft habe, weiß ich bis heute nicht. Ich empfand kein Ekelgefühl dabei, nur unvorstellbares Mitleid mit Olga. Trotz örtlicher Betäubungen hatte sie, wie sie mir später sagte, unvorstellbar große Schmerzen im Rücken bzw. an der Wirbelsäule.

Ich dachte, das schlimmste hätten wir überstanden, aber auf meine Fragen, ob jetzt alles o.k. sei und Olga überleben würde, zuckte der Arzt mit traurigem Gesicht nur mit den Schultern. Ich bekam einen Schauer und der Boden bebte unter meinen Füßen.

Anschließend verschwanden sowohl die Krankenschwester als auch der Arzt und Olga und ich waren alleine. Ich redete mit ihr, versprach ihr, dass alles gut gehen wird, dass wir bald hier rauskommen usw ……………… vielleicht versuchte ich auch, mir selber damit Mut zu machen.

Langsam startete der Tag. Die Sonne schien durch die Fenster, das Stimmengewirr auf dem Flur wurde lauter und Wagen und Betten wurden hin- und hergeschoben. Olga lag noch immer zusammengekrümmt auf dem Bett. Weil die Schmerzen im Rücken immer doller wurden, lag sie auf der Seite. Eine Frau betrat den Raum und erklärte uns, dass Olga nun geröntgt werden soll. Angst machte sich bei mir breit, ob nicht die Wirbelsäule verletzt sein könnte.

Nach vielem hin und her, einigen „verschossenen“ Röntgenplatten wurde Olga in einen Raum geschoben, der als Gemeinschafts-Krankenzimmer diente: total überfüllt, staubig und Bett an Bett. Sowohl von den Patienten als auch von den Besuchern wurden wir als die einzigen Weißen mit großen Augen beobachtet. Unser Arzt war verschwunden, die Krankenschwestern konnten meine Frage, was jetzt passieren wird, nicht beantworten. Ich wusste, ich musste was unternehmen. Ich musste unsere Auslandsreise-Versicherung anrufen, damit wir hier rauskommen.

Nachdem wir morgens im Hospital eingetroffen waren, hatte ich Louw gesagt, dass er nicht warten und zurückfahren könnte. Ich würde ihn dann anrufen. Den Zettel mit seiner Telefonnummer, den er mir noch gegeben hatte, habe ich die ganze Zeit in meiner Hand gehalten, dementsprechend zerknittert und blutverschmiert sah er aus. Ich fragte eine Schwester, wo ich telefonieren könnte, aber sie erklärte mir, dass seit gestern Abend das Telefonnetz nicht funktionieren würde. Auch mit dem Handy einiger Patienten hatte ich keinen Erfolg.

Meine Idee war, irgendwelche Touristen anzuhalten, die mich zum Camp bringen könnten. Ich verabschiedete mich also von Olga, die immer noch zusammengekrümmt auf der Seite lag und versprach ihr, so schnell wie möglich zurückzukommen. Ich wollte nur unser Handy und die Telefonnummer unserer Reiseversicherung aus dem Auto holen. In unserer Hektik am frühen morgen hatte ich ja nichts mitgenommen. Barfuss, nur in Boxershorts und dem blutverschmierten T-Shirt rannte ich also aus dem Hospital auf die Hauptstrasse von Kasane. Wie häufig bin ich hier schon durchgefahren, wie viele schöne Urlaube habe ich hier verbracht. Jetzt war alles anders.

Die Sonne war schon aufgegangen, hatte aber noch nicht diese Kraft, und die Einheimischen waren auf dem Weg zur Arbeit; schick angezogen und heiter. Von allen wurde ich angeglotzt, aber keiner sprach mich an. Leider fuhren nur vereinzelt Autos, von Touristen keine Spur. Ich war so hilflos und total erschöpft. Was jetzt ? Lodge oder Polizei ? Ich glaubte, die Polizei sei näher am Hospital als die nächste Lodge, und rannte daher durch den Staub, Dreck und Sand zur Polizei. Dort wurde ich zwar genauso angestarrt wie auf der Strasse, aber sofort kümmerte man sich um mich. Ich erzählte, was passiert war, daß meine Freundin im Hospital liegt und ich unbedingt so schnell wie möglich zur Campsite musste.

Nach einiger Zeit kam ein Officer und teilte mir mit, dass ich ins Polizeiauto steigen sollte. Wir fuhren los. Gott sei dank. An der letzten Kreuzung bogen wir aber nicht auf die Strassen Richtung Nata ab, wo das Camp liegt, sondern Richtung Zimbabwe-Grenze. Auf meine Frage, was das sollte, antwortete mir der Officer, dass hier ein anderer District sei und die Kazungula-Polizei für mich zuständig ist
4'451 Beiträge · seit 200805. Jan. 2011 · #14
Liebe Olga, lieber Frank,
was für ein Glück, das es Euch verhältnismäßig wieder gut geht!! Danke, das Du uns dieses erzählst, weil so werden wir alle wieder sensibilisiert. Obwohl Ihr ja geschlafen habt und sonst keinen Fehler gemacht habt, ist dieses doch passiert.Ich wünsche Euch für Euere nächste Reise nach Namibia alles Gute.
Lieben Gruß
Cécile 🙂
"I never knew of a morning in africa when I woke up and was not happy". Ernest Hemingway Reisebericht:2010 "Nach 4 Anläufen als Selbstfahrer in Namibia" http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/140297-nach-4-anlaeufen-als-selbstfahrer-in-namibia.html Reisebericht 2011 Eine neue Erfahrung.... http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/187663- eine-neue-erfahrung.html 2007 ,2008 ,2009 2mal ,2010,2011 Namibia Botswana. 2011 Shanghai, 2012 Florida Virgin islands Karibik. 2012 Namibia und KTP 2013 Das erste Mal Südafrika Kruger NP 2014 Kapstadt und Kruger NP 2015 Kruger National Park 2016 kruger National Park 2017 Kruger National Park 2 KLICKS auf die "SONNE" und man liest den Reisebericht OHNE Kommentare !!!!!
zuletzt bearbeitet 06. Jan. 2011
667 Beiträge · seit 200605. Jan. 2011 · #15
Liebe Olga, lieber Frank!
Wie gut, dass Ihr das überstanden habt. Bitte schreib auch noch den Rest ins Forum.
Als erfahrene NAM-Reisende habt Ihr alles richtig gemacht.

Aber trotzdem frage ich mich, was hat den Elefanten motiviert, Euer Zelt auseinander zu nehmen? Man kann ja nur zulernen.
Ein Angriff scheidet m.E. aus, das wäre eher schnell, lautstark und "gründlicher" gewesen.
Also hat er was gesucht, etwas gerochen. Früchte hattet Ihr nicht im Zelt. Essen vom Potjie? Eigentlich will ich noch auf etwas anderes hinaus: Citronella?! Hattet Ihr Zeltspray oder Lotion (enthält Citronella), wenn ja, welches? Ganz weit hergeholt wäre auch: citrus-fruchtiges Parfum? Irgendwo da suche ich nach dem Motiv.
Bin am 24. Januar selbst wieder in dem Camp.
Herzlichen Gruss, Helmar
3'766 Beiträge · seit 200605. Jan. 2011 · #16
Hallo,

ich würde nicht zu weit suchen 🙂

Elefanten sind neugierige Wesen, ich vermute das er sich einfach nur mit dem "Stoffding" beschäftigte wie mit einem Strohballen. Da diese Tier relativ viel Mukis haben ist das Anheben des Zeltes wohl nicht mal ne Fingerübung und 2 oder 3 Meter Höhe schafft er ja schon beinahe mit einer Nickbewegung. In wie fern das "Schreien" im Zelt Einfluss nahm ist spekulation aber könnte auch ein Grund sein (wer weiss das schon)

What ever you do, don't run, and maybe, "don't cry"

Ich denke das es einfach eine tragische Verkettung war die für uns Menschen ins Auge gehen können alleine desswegen weil da 80Kg gegen 5000Kg nicht ausrichten können.

Zum Glück scheint es so das niemand nachhaltig Schaden genommen hat und das ist super.

Wie schon einmal erwähnt vergessen wir Menschen manchmal wie hilflos wir sind wenn wir und in der "wilden" Natur bewegen - und manchmal passierts ohne das wir Einfluss nehmen können.

Grüsse Kurt
www.Kurt-und-Heidi.ch Reiseberichte - Bilder und noch mehr wir freuen uns über jeden Besuch
zuletzt bearbeitet 05. Jan. 2011
1'242 Beiträge · seit 200905. Jan. 2011 · #17
Liebe Olga, lieber Frank,

euch ist wirklich schreckliches passiert.

Du erzählst alles so genau und detailliert; ich habe während des Lesens richtig mitgelitten.
Aber ihr müsst froh sein; ihr hattet Glück im Unglück. Es hätte auch schlimmer enden können.

Ich wünsche euch beiden auf jeden Fall dass ihr so schnell wie möglich wieder zum Alltag übergehen könnt, und dass die Olga wieder ganz gesund wird.

Alles Liebe und viel Courage euch zweien

Lil

PS : ich finde es toll dass ihr schon wieder eine Afrika-Reise plant
Namibia das 1. Mal http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/163129-namibia-das-1-mal-reisebericht.html Endlich Hippos - SA 2013 http://www.namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/280235-endlich-hippos-sa-2013.html ZIM - BOT 2014 Träume werden wahr http://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/283689-zim-bot-2014-traeume-werden-wahr.html
1'115 Beiträge · seit 201005. Jan. 2011 · #18
Liebe Olga, Lieber Frank,
Ich Eure Geschichte verschlungen - nein es ist kein Thriller - sondern ein Tatsachenbericht!
Frank, ein wenig kann ich Dir nachfühlen, Du hast in diesen Stunden Dinge geleistet, die Du nicht für möglich gehalten hättest! Und dass alles so glimpflich ein Ende findet war nach den ersten Sätzen kaum zu erwarten.
Auch ich vergesse, dass nach einem Unfall in Afrika das eigentliche "Erwachen" kommt: Dann wenn wir realisieren, was punkto medizinischer Versorgung eigentlich in unmittelbarer Nähe existiert - und was wir in dieser Hinsicht eigentlich "zu Hause" zur Verfügung haben.
Weiterhin gute Besserung und vielen Dank für diese detaillierte Schilderung eines Unglücks, das vielen von uns in Afrika auch passieren könnte - wenn nicht mit einem Elefanten, dann vielleicht mit einem Auto..........

Gruss Rajang
1'933 Beiträge · seit 200905. Jan. 2011 · #19
Hallo liebe Olga, ich wünsche dir gute Besserung!
Lieber Frank, auch dir alles Gute!
Und viel Glück zur Verarbeitung dieses „Erlebnisses“.

Mir fehlen einfach die Worte, deinen Bericht zu kommentieren!
Liebe Grüße Lotusblume Reiseberichte(klick):2022-Sep/Okt Südafrika "Genuss-Reise ums Westkap"//2021-Nov "3670 km durch Namibias Nov.-Hitze"//2018-Okt Namibia "Von der Wüste zu den Wasserwelten"//2015-Aug/Sep Südafrika "Unser Wiedersehen mit Südafrika"//2013-Nov Namibia "Unsere Silberhochzeit bei Vollmond"//2010-Apr Namibia "Unsere Unterkünfte"
137 Beiträge · seit 201005. Jan. 2011 · #20
Hallo Olga, Hallo Frank,

Wäre euer Bericht der Text eines Abenteuerschriftstellers, hätte ich ihn sicher in einem Bruchteil meiner Lesezeit verarbeiten können. Aber so...immer wieder tief Luft holen...sich die Situation real vorstellen....Gänsehaut bekommen...sich schütteln....weiter lesen....
Das ist auch für Hartgesottene keine Gutenachtlektüre.
Auf jeden Fall bin ich euch sehr dankbar, dass ihr trotz eures ungeheuren Leids diese Geschichte aufgeschrieben und hier eingestellt habt.
Gründe dafür gibt es genug und einige wurden hier schon genannt.
Ich wünsche euch, dass all eure Wunden verheilen.
Narben werden bleiben, aber insgesamt habe ich nach nochmaligem Lesen eures Textes auch das Gefühl, dass ihr insgesamt als sehr gestärkte Menschen aus diesem Erlebnis geht. Und das sei euch von ganzem Herzen gegönnt.

Herzliche Grüsse
Manfred