OshivamboThemenstarter1'159 Beiträge · seit 200726. Okt. 2009 · #1
Hallo zusammen,
immer wieder lese ich in diesem Forum, dass Touristen "Gastgeschenke" mitnehmen um diese wahllos an am Straßenrand Stehende zu verteilen. Gerade las ich in einem Thread, dass der "Kühlschrank geplündert wurde" um den Inhalt am Fragende zu verteilen.
Ich frage dieses Forum, ob dies denn der "richtige" Weg sein kann?
Keine Frage, die Armut in diesem Land ist immens groß und ein paar N$ für ein Toastbrot oder Wasser tun einem wirklich nicht weh - aber es einfach so verteilen?
Was mag in den Köpfen der Empfänger vorgehen? Vielleicht: "Ich sitze da, spreche jemanden an und bekomme etwas." Das wird immer mehr zur "Normalität" für einige.
Im Norden kommt es immer mehr vor, dass Autos die nicht anhalten mit Steinen beworfen werden (uns selbst geschehen) oder Ziegenherden gezielt auf die Strasse getrieben werden um die Fahrzeuge zum halten zu zwingen.
Ich meine, dass hierfür nicht die bettelnden (meist) Kinder verantwortlich gemacht werden können sondern ausschließlich die "Weihnachtsmänner" die zu jeder Jahreszeit Gaben verteilen mal überlegen sollten wie sinnvoll dieses Gießkannenprinzip ist!
Ja, jeder der etwas für mich macht (Auto bewachen, waschen, Trolly zurückbringen etc.) bekommt von mir selbstverständlich etwas aber ich habe noch nie grundlos angehalten und Dinge verschenkt und werde dies bestimmt auch nicht machen!
Und nun bin ich auf meine "Steinigung" gespannt...
Sonnige Grüße aus Swakopmund
Oshivambo
Enda nawa
Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen. (Karl Valentin)
Wenn jemand etwas leistet hat er eine Bezahlung in Form von Geld oder auch meinetwegen Gegenständen verdient. Keine Frage! Ich persönlich ziehe Geld vor... damit die "armen" z.B. Ovahimba aber keinen Alkohol von dem Geld kaufen, geben viele - ja es wird sogar empfohlen (warum?) - ihnen Süßigkeiten, Zucker oder ähnliches. Meiner Meinung nach wird da die Selbstbestimmung von erwachsenen Menschen etwas übergangen. Auch diese sind für sich selber verantwortlich und sollten dementsprechend behandelt werden und entscheiden dürfen was sie mit dem verdienten machen. Auch hier gebe ich immer und ausschließlich nur Geld als Bezahlung für deren Leistungen.
Sonnige Grüße Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
Ja, jeder der etwas für mich macht (Auto bewachen, waschen, Trolly zurückbringen etc.) bekommt von mir selbstverständlich etwas aber ich habe noch nie grundlos angehalten und Dinge verschenkt und werde dies bestimmt auch nicht machen!
Das haben wir genauso gemacht. Nachdem hier im Forum schonmal diese Frage aufkam und geschrieben wurde , für die Kinder und die Schule was zu machen , haben wir Schreibmaterial verteilt , dort wo viel Schulschilder an der Straße waren . Aber auch nur gegen eine kleine "Gegenleistung" der Kinder.Manchmal sogar, nachdem wir ein Foto machen durften.
Lieben Gruß Cécile 🙂
"I never knew of a morning in africa when I woke up and was not happy". Ernest Hemingway
Reisebericht:2010 "Nach 4 Anläufen als Selbstfahrer in Namibia"
http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/140297-nach-4-anlaeufen-als-selbstfahrer-in-namibia.html
Reisebericht 2011 Eine neue Erfahrung....
http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/187663- eine-neue-erfahrung.html
2007 ,2008 ,2009 2mal ,2010,2011 Namibia Botswana.
2011 Shanghai, 2012 Florida Virgin islands Karibik.
2012 Namibia und KTP
2013 Das erste Mal Südafrika Kruger NP
2014 Kapstadt und Kruger NP
2015 Kruger National Park
2016 kruger National Park
2017 Kruger National Park
2 KLICKS auf die "SONNE" und man liest den Reisebericht OHNE Kommentare !!!!!
Miss Ellie1'723 Beiträge · seit 200926. Okt. 2009 · #4
neee nix steinigung sondern totale und vollstaendige zustimmung.
ich selbst wittere schon seit jahren gegen solche gebraeuche, auch wenn sie noch so gut gemeint sind, und egal ob wir ueber namibia, asien oder madagaskar sprechen.
Dieses, wie du so schoen schreibst, weihnachtsmannverhalten, dient in erster linie dazu, jeglichen ansatz von erziehung zu vernichten, kinder mehr dazu anzutreiben sich an die versen von touristen zu haengen anstatt zur schule zu gehen und wenn dann mal der hahn zu gedreht wird kommt es schnell zu ausschreitungen.
ich gehe sogar noch einen schritt weiter : ich finde es haeufig sogar fast menschenverachtend. was passiert haeufig : da gibt es touris die sammeln um sich herum jeden mist zusammen den in deutschland wirklich kein mensch mehr braucht und bringen den als "geschenke" in 3t laender.. was will das eigentlich heissen ? das heisst doch, den muell den wir nicht brauchen koennen wir denen ja geben, die sind ja nicht mehr wert ??? okay, das ist etwas provokativ aber haeufig auch ein bisschen wahr.
kleine story aus mada .. auf unserer rundreise haben wir irgentwann an einem shop gehalten um was zu trinken zu kaufen.. ich hab damals ne rolle menthos gekauft.. vor dem laden ein maedchen was mich schon ziehmlich frech nach nem bonbon gefragt hat. auf grund der dringens meiner mitreisenden will ich der kleenen also ein bonbon geben (ich selber haette es nciht getan weil die mir eindeutig zu frech war !) .. und was macht dieses biest ? die reist mir gleich die ganze rolle aus der hand.. jaja, so endet das dann mit den gutgemeinten geschenken.
Genauso sieht es leider auch mit total ueberzogenen trinkgeldern und einladungen aus.
Vietnam : wir sind mit nem kumpel gereist, der in jedem resto gleich freund mit der ganzen familie wurde und weil die ja ach so arm sind, dann immer mit der gieskanne trinkgeld ausgeschuettet hat... ende vom lied : jedes jahr wurden die preise drastisch hochgesetzt... so auch geschehen in thailand... weil was denkt der restobesitzer : wenn mein preis heute 3 dollar ist und die geben mir 5 kann es morgen auch 5 kosten ohne das die meckern... ganz einfach!! und dann beschweren wir uns irgentwann das die reisen doppelt so teuer werden obwohl die lebensbedingungen im land nicht unbedingt veraendert sind.
Das alles soll aber nicht heissen, das wir nicht, wenn es drauf ankommt helfen sollen und vor allem einen dienst auch bezahlen sollen.. Wenn vor der beachlodge zum beispiel jeden morgen mein auto sauber gemacht wird und auf nachfrage sogar von innen, bin ich gern bereit dafuer zu bezahlen.
Wenn mir einer aus der matsche hilft, dann biete ich gern eine gegenleistung an..
aber wir muessen auch die erziehnungsmassnahmen der kinder im auge behalten. Alles was vom himmel faellt nimmt den ansporn selststaendig zu agieren und zum verantwortlichen menschen zu werden.. gibts leider auf anderem niveau auch in Deutschland und Frankreich.
also meine zustimmung hast du und wir koennen nur immer wieder an andere appelieren sich ueber ihr tun und dessen konsequenzen im klaren zu sein.
viele gruesse
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss
da Du ja anscheinend mich mit dem "Kühlschrankplündern" meinst, will ich Dir gerne erklären warum ichs getan habe:
ich habe bei einer jungen Herero-Frau mit Stand am Strassenrand ein paar Ketten für mich gekauft. Als ich sie im Anschluss höflich fragte, ob ich ein paar Fotos machen dürfe, fragte sie ob ich nicht ein bisschen was zu essen hätte. Da weder sie noch ihre drei Kinder normalgewichtig aussahen, kam ich ihrem Wunsch nach und drückte ihr ein paar Kartoffeln, etwas Käse, Wasser und ein zwei Eier in die Hand, sowie eine dünne Decke, die wir aufgrund der warmen Temperaturen nicht mehr brauchten. Es war nicht viel, aber sie freute sich sehr.
An unseren letzten Tagen im Land haben wir unsere restlichen Lebensmittel an die Zimmermädchen verteilt.
Wenn ich Kinder fotografieren wollte, hatte ich immer eine kleine "Bezahlung" in Form von Buntstiften und kleinen Blöcken dabei.
Ich gehe absolut konform mit Deiner Meinung, dass wahlloses Verschenken von Lebensmitteln, Geld oder Gegenständen mehr schadet als es nutzt. Wird jedoch eine Leistung erbracht, bin ich gerne bereit etwas zu geben, natürlich im Verhältnis. Und bevor ich Lebensmittel wegwerfe, lege ich sie gerne noch obendrauf.
Miss Ellie1'723 Beiträge · seit 200926. Okt. 2009 · #6
bevor wir uns hier falsch verstehen :
vor abreise geben wir die lebensmittel auch immer irgentwem; weil wegwerfen ist wohl auch keine loesung.. entweder lassen wir sie einfach im letzten hotelzimmer, und lassen die zimmermaedchen damit machen was sie wollen oder wir geben sie jemandem..
aber : das hat nix mit den geschenken zu tun, die vorsaetzlich im land verteilt werden... davon halte ich gar nix, ausser vielleicht direkt an schulen oder kindergaerten, aber nicht auf der strasse einzelnen.
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss
Topobär5'479 Beiträge · seit 200926. Okt. 2009 · #7
Miss Ellie schrieb:
Wenn mir einer aus der matsche hilft, dann biete ich gern eine gegenleistung an..
In diesem Punkt bin ich ganz klar anderer Meinung. Hilfeleistung muss auf jeden Fall ohne Erwartungshaltung auf Gegenleistung erfolgen.
Ich hab jedenfalls nie mehr als ein Dankeschön erwartet, wenn ich mal wieder jemanden frei geschleppt hatte.
swisschees1'715 Beiträge · seit 200626. Okt. 2009 · #8
Ware oder Geld für eine Gegenleistung ist ok, aber was machen. wenn der Händler meine Makalani-Nüsse-Sammlung noch vergrössern will. Ein Ablehnung meinerseits aber mit dem Argument der hungrigen Kinder begegent wird? Also habe ich mir im Supermarkt einen Sack Sorgummehl besorgt und die ganze Reise für die nächsten hungrigen Mäuler im Wagen mitgeschleppt. Dummerweise kam aber keiner mehr, und ich habe das Mehl dem Kübelleerer im Etosha-Camp geschenkt. 🙁
Tigermamba463 Beiträge · seit 200726. Okt. 2009 · #9
Hallo,
ich finde, dies ist ein sehr schwieriges und komplexes Thema, womit jeder natürlich auf seine eigene Art und Weise umgeht.
Wir sitzen hier warm und mit satten Bäuchen.... wir werden durch unser Verhalten, wie auch immer, nicht die Politik und deren Auswirkungen in Namibia beeinflussen können.
Ich handele aus dem Bauch heraus: Dazu fällt mit eine Szene aus dem Caprivi ein. Wir waren einkaufen in einem kleinen Shop, luden die Einkäufe in's Auto. Einige Kinder näherten sich uns vorsichtig, sie lachten uns an, waren unaufdringlich. Sie sahen hundserbärmlich aus, hatten nur Fetzen am Körper, entzündete Augen.
Wir gaben Ihnen Äpfel, Brot, Kekse und ein paar Lutscher. Sie zogen sich sofort gemeinsam unter einen Baum zurück und aßen. Sie waren richtig hungrig!
Was wäre die Alternative? Sie um ein Foto zu bitten als Gegenleistung? Was können diese Kinder sonst tun, um satt zu werden? Sie haben keine Möglichkeit, sich eine kleine Arbeit zu suchen etc. Die Perspektiven sind gleich null.
Heike
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Jambotessy2'610 Beiträge · seit 200726. Okt. 2009 · #10
Hallo,
ich schließe mich allen an, die gegen "verschenken" ohne Grund sind.
Natürlich sollte man auch vor Ort nicht nur schwarz oder weiß sehen. Man muss meiner Meinung nach, auch mit "Bauch" entscheiden.
Wenn ich Geld oder sonstiges einfach so am Wegesrand verteile, wie soll ein Kind dann noch dazu angehalten werden, zur Schule zu gehen, zu lernen. Es ist doch einfacher an der Straße zu sitzen und zu warten, etwas geschenkt zu bekommen. Oder: derVater/die Mutter hat einen kleinen Job und verdient - wenn auch sehr wenig - aber doch etwas Geld. Da kommt der kleine Sohn/die Tochter nach Hause und zeigt, was er/sie einfach so geschenkt bekommen hat, nämlich so viel, wie ein Elternteil in 1 Woche verdient. Wie fühlen die Eltern dann wohl? Schicken sie nicht vielleicht all ihre Kinder an die Straße?
Ich für mich versuche halt, irgendeine kleine Gegenleistung zu bekommen. Vielleicht kommen sich die Leute dann auch nicht, wie Bettler vor. Wenn mir im Supermakrt der Einkauf ans Auto gebracht wird, beim tanken der Tanbkwart und auch der, der die Scheiben wischt. Es gibt schon viele Möglichkeiten und wenn es sonst nichts gibt, frage ich auch nach, ob ich Fotos vom Hund oder Haus 🙂 machen darf, weil er/es sooo schön ist.
Aber im Grunde muss es jeder für sich entscheiden.
Grüße Jambotessy
Nur im Vorwärtsgehen gelangt man ans Ende der Reise.
(Sprichwort der Ovambo)
1x Togo + Benin (mit TUI), 1x Ruanda + Zaire ( mit Explorer Reisen), 3x Kenia (in Eigenregie mit dem Bodenzelt), 23 x südl. Afrika (in Eigenregie Namibia, Botswana, Zimbabwe, Sambia, Südafrika/ 17x mit dem Dachzelt und 6x ohne Dachzelt)
nikidiki39 Beiträge · seit 200804. Nov. 2009 · #11
Also ich frage mich, warum man nicht versucht, die "Geschenke" jemandem zu geben,der sie dann sinnvoll verteilt???
Aus verschiedensten Gesprächen während unserer Reise mit den Farmbesitzern weiss ich, dass sie immer die ganze Familie eines Arbeiters auf der Farm wohnen haben und auch mit versorgen müssen (teils mit Lebensmitteln, teils mit anderen Dingen).
Wir haben (wie auch die zweimal davor in Südafrika) bewusst ältere Kleidung mitgenommen, die wir zu Hause eher aussortiert hätten bzw. zur Arbeitskleidung gegeben hätten. Oder auch für die Kinder eben Kleidung,die nur mehr so gerade passt. Dann haben wir die Sachen,die wir hergeben wollten, den Farmbesitzern gegeben, damit diese sie weiter verteilen. Jedes Mal war die Resonanz äußerst positiv,wenn wir auch nie die Leute selber beschenkt haben. Ich habe dann auch noch ein paar Kleinigkeiten für Kinder dazu gepackt (Stifte, Puzzles, Stempel usw.) und darauf vertraut,dass die Farminhaber es gerecht verteilen.
Dies scheint mir ein goldener Mittelweg zu sein: ich erziehe niemanden bewußt zum Betteln, kann aber doch meinen Überfluss sinnvoll weitergeben.
Natürlich wird mir jetzt wieder der Eine oder Andere entgegnen,dass ich damit die Textilindustrie in Namibia untergrabe, aber ganz ehrlich, das ist mir ziemlich Banane. Da sind mir die teilweise wirklich armen Familien näher als die lokale Wirtschaft.
Ute
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eggitom1'247 Beiträge · seit 200905. Nov. 2009 · #12
Hallo ihr alle
Wir haben:
-> versucht, Trinkgelder in vernünftigem Mass zu geben -> drei Schweizer Taschenmesser mitgenommen und sie Leuten verteilt, die wirklich Ausserordentliches für uns getan haben (haben sich alle unmässig gefreut) -> bei einem Pannenfahrzeug eine Flasche Wasser und ein paar Aepfel zurückgelassen (keine Gegenleistung) -> einige Buntstifte mitgenommen und - zumeist via Eltern - an Kinder verschenkt -> Kleider, die wir nicht mehr nach Hause nehmen wollten und den restlichen Proviant beim Botswanischen Roten Kreuz in Gaborone abgegeben, damit sie es verteilen (Tipp vom Ranger in Mokolodi; sie haben sich gefreut) -> in Inhambane einem Strandjungen ein paar alte, defekte Schlappen geschenkt (keine Gegenleistung; hat sie aber sogleich angezogen und ist davonstolziert)
"Alte" Kleider und Schuhe sind ja meist in einem Zustand, in welchem sie eine Kleidersammlung in Europa nicht mehr annehmen würde. Ich hatte da bei unseren alten T-Shirts und meinen Schlappen auch ein komisches Gefühl, aber die Sachen waren mehr als willkommen, sind sie doch immer noch in einem besseren Zustand als vieles, das die Leute dort anziehen. Und wegschmeissen können sie es immer noch..
Was wir nicht gemacht haben: auf Betteleien reagiert.
ich kann die vorherigen Posts nur unterstützen, möchte aber noch eine eigene Erfahrung dazugeben. Ich habe vor Jahren auf einer Farm dem älteren Farmehepaar bei dem ich zu Gast war bei der Farmjagd geholfen, weil der Farmer am Tag vor meiner Ankunft beinahe von einer Oryxkuh aufgespießt worden war. Dabei wurde meine Kleidung sehr beschmutzt, aber sie war mir zu schade zum wegwerfen. Die Haushaltshilfe (Nama) widmete sich dem Problem und brachte die Flecken tatsächlich raus. Ich gab ihr ein "Trinkgeld" in Form meiner Mehl,Zucker, Öl und sonst. Lebensmittelvorräte. Der Farmstopp war nicht so lang geplant und am nächsten Tag ging unser Flieger. Die Farmersfrau kritisierte mich dafür heftig. Das sei viel zu viel usw. Nachher erfuhr ich, dass die Haushaltshilfe fast 2 Wochen nicht zur Arbeit kam, denn wozu soll man arbeiten, wenn man ja genug zum Leben hat.
Ich habe daraus gelernt, dass es Mentalitätsunterschiede gibt, die wir einfach beachten sollten, um nicht unnötigen Schaden durch unseren Tourismus anzurichten. Empfehlen kann ich daher sehr die Methode, Geschenke zur Verteilung einheimischen Personen mir hervorgehobener Stellung zu überlassen, mir der Auflage sie zu verteilen. In Farmen oder Lodges gebe ich immer das Trinkgeld für alle, zumeist gibt es dafür eine Spardose o.ä.. Ich verhindere, dass nur die Mitarbeiter in den Genuss kommen, die mir zufällig begegnen. Der Gärtner und der Pfleger des Fuhrparkes tragen aber genauso zu meinem Wohlbefinden bei, auch wenn ich sie evtl. gar nicht sehe. Ich selbst komme aber weiterhin nicht mit leeren Händen, bringe z.B. vorzugsweise kleine Geschenke mit. Gute Erfahrung habe ich mit stabilen Lederfußbällen für Farm- oder Dorfkinder gemacht. Grundsätzlich schenke ich keinen Alkohol her. Bei Mehl und Zucker kann es leider passieren, dass dies zu Alkohol verarbeitet wird. Deshalb bevorzuge ich inzwischen Öl als Geschenk. Aber ich achte sehr auf den Rahmen, d.h. ich bedanke mich dann auch besonders herzlich, wenn eine Gegenleistung weder eingefordert noch erwartet wurde.
Viele Grüße
jaw
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
mirabilis85 Beiträge · seit 200821. Dez. 2009 · #14
Touristen = Weihnachtsmänner
Liebe Fomis !
Ich möchte das o.g. Thema noch mal aufgreifen. Mit vielen, hier gemachten Antworten, kann ich mich nicht identifizieren. Es ist immer wieder die Rede von „Keine Leistung ohne Gegenleistung“. Das mag ja hier bei uns im Berufsleben durchaus die normale Praxis sein. Aber, leben wir denn nur noch ausschließlich egoistisch und materiell???
Nicht nur wegen der bevorstehenden Festtagszeit hat für mich „Schenken“ eine andere Bedeutung.
Als ich in diesem Jahr mal wieder (mit 3 Kollegen) in Namibia war, hatte ich vorab hier in Deutschland bei einem großen Discounter einige Din A 4-Malblocks, Holzbuntstifte sowie Anspitzer besorgt. Die haben wir dann unterwegs an zufällig anwesende Kinder verteilt. Das Strahlen in den Augen der Kinder war für uns „Lohn“ genug.
Also, Schenken = Freude bereiten , daran sollte man nicht nur zur Weihnachtszeit denken.
Besinnliche Festtage mirabilis alias Hans Joachim Wallek
Liebe Grüsse von mirabilis
alias Hans Joachim Wallek
Die Europaeer haben die Uhr;
die Afrikaner haben die Zeit.
Crazy Zebra3'766 Beiträge · seit 200621. Dez. 2009 · #15
mirabilis schrieb:
„Keine Leistung ohne Gegenleistung“. Das mag ja hier bei uns im Berufsleben durchaus die normale Praxis sein. Aber, leben wir denn nur noch ausschließlich egoistisch und materiell???
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Besinnliche Festtage mirabilis alias Hans Joachim Wallek
Hallo Hans,
Das Schenken so gut wie es gemeint ist hat auch seine Tücken, was ist falsch daran einem Erwachsenem etwas für eine Leistung zu geben?
Kann es nicht sein das gerade weil eine Leistung erbracht wurde das Selbstwertgefühl dieses Menschen steigt, gebraucht zu werden und für seine Arbeit Lohn zu bekommen, anstelle von Almosen?
Bei Kindern wird es dann sofort schwieriger, wenn Kinder für Arbeit etwas bekommen kann das durchaus fatale und falsche Signale senden.
Kindern ein Malbuch, Stifte, Spielsachenn oder ähnliches zu geben da habe ich keine Mühe, jedoch wie auch schon erwähnt Lebensmittel oder Geld kann dazu führen das Eltern sehr schnell zum Schluss kommen das ihre Kinder antatt zur Schule zu gehen "einträglicher" sind wenn sie betteln 🙁
Manchmal ist es besser wenn man Spenden den grossen Organisationen übergibt auch wenn man sich des Gefühls nicht erwehren kann das nicht alles ankommt, jedoch können Organisationen wie zB das örtliche Rotekreuz gezielter die Sachen verteilen als der gewöhnliche Tourist das sie auch dort operieren wo die Not am grössten ist.
Vieles war schon gut gemeint und hat Schaden angerichtet.
Und wenn man am ende der Reise seine Lebensmittel verschenkt ist das nichts Ungutes aber es müssen ja nicht alle Vorräte an eine oder wenige Verteilt werden sondern auf so viele wie möglich.
Und zu deinem Satz
Aber, leben wir denn nur noch ausschließlich egoistisch und materiell???
Ja, so ist es, "Geiz ist Geil" sparen auf Kosten von Anderen ist ein gutes Beispiel dafür.
Um so schöner wenn jemand spendet und verschenkt auch wenn es schwirig ist dieses richtig zu machen, das bleibt immer eine Gratwanderung.
Gruss Kurt
www.Kurt-und-Heidi.ch Reiseberichte - Bilder und noch mehr wir freuen uns über jeden Besuch
Burschi4'140 Beiträge · seit 200921. Dez. 2009 · #16
Hallo, das ist ein sehr schwieriges und komplexes Thema und im Prinzip hat jeder irgendwo ein bisschen Recht. Ich selbst habe mich auch schon in den verschiedenen Situationen unterschiedlich verhalten. Nur noch eine kleine Geschichte, wie sich die Zeiten ändern: Seit einigen Jahren besuche ich im Kaoko immer denselben Himba-Clan. Natürlich habe ich auch immer dort Fotos gemacht und dafür entsprechend auch Gastgeschenke in Form von Maismehl, Brot, etwas Zucker und Tabak mitgebracht. Da ich die Fotos auch verwerte, d.h. die Himba z.B. auch auf einem Kalender erscheinen, bringe ich auch immer wieder die gemachten Bilder mit und alle freuen sich sehr, denn sie sehen, dass ich ihnen mit Respekt begegene und ich auch nicht nur Fotos mache, sondern eine Weile mich dort aufhalte und für das Leben der Leute Interesse zeige. Die "Geschenke" bekam immer die älteste Frau des Clanchefs, die sie dann verteilt hat (oder auch nicht?). Beim letzten Mal in diesem Jahr wurde ich nach dem letzten Foto von einer jungen Frau um 10 N$ gebeten. "Wozu?", fragte ich. "Ich muss den Akku für mein Handy aufladen lassen!", war die Antwort. Sollte ich der jungen Frau jetzt den umgerechnet 1 Euro nicht geben? Ich grüble heute immer noch darüber nach. Bekommen hat sie ihn natürlich. Ähnlich halte ich es auch bei einem San-Clan, den ich immer wieder besuche. Hier bringe ich grundsätzlich nur Sachen für die Schule mit, die ich bei der Lehrerin abgebe. Geld gibt es nur für Dinge, die ich dann dort ab und zu kaufe (Schmuck etc.) Früher habe ich nicht gehandelt, weil die Preise extrem niedrig waren und in Windhoek für diesselbe Ware das Zehnfache verlangt wird. Inzwischen sind die Preise in die Höhe geschnellt, die Qualität ist schlechter geworden und ich handle nun auch. Die Zeiten ändern sich! Viele Grüße: Burschi
Sollte ich der jungen Frau jetzt den umgerechnet 1 Euro nicht geben?
Ich persönlich würde ihn nicht geben. Das nächste Mal fragt sie dann nach N$ 20, dann... und irgendwann sind wir da, wo einige in Deutschland schon sind, wenn sie fragen: "Hast Du mal 5 Euro".
Aber wie Du sagst, ein schwieriges Thema! Aber grundsätzlich versauen leider Touristen häufig die "Preise", auch bei Geschenken.
Sonnige Grüße Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!