Pressefreiheit?

5 Antworten · 1'285 Aufrufe · gestartet 11. März 2009 von Sensbacher
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Themenstarter9 Beiträge · seit 200811. März 2009 · #1
Guten Morgen,

mit einiger Sorge lese ich den Artkel über eine Pressekonferenz der SWAPO in der online-Ausgabe der AZ:

http://www.az.com.na/politik/verbale-angriffe-gegen-medienvertreter.81786.php

Nun sollte man sicherlich nicht versuchen, in 60 Jahren mühsam erworbene deutsche Standards in Sachen Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit gleich auf die ganze Welt übertragen zu wollen, aber dieser Artikel macht mich schon besorgt. Namibia galt (und gilt noch!) als eines der freiheitlichsten Länder im ganzen Afrika, aber auch einen solchen Ruf kann man verlieren.

Und wenn eine Regierungspartei anfängt, kritische Medienberichte zu unterdrücken und Medienvertreter anzugreifen, dann begibt sie sich in ein ziemlich gefährliches Fahrwasser - am Ende können dann Verhältnisse wie in Myanmar (Burma) oder Zimbabwe stehen - um nur einmal zwei ehemals attraktive touristische Ziele zu nennen.

Ich hoffe, die AZ schaut weiter genau und kritisch hin - und wird daran auch nicht gehindert!

Grüße, Sensbacher
3'175 Beiträge · seit 200611. März 2009 · #2
Lieber Sensbacher!

schoen dass Du es siehst was passiert.

Dies ist nur ein weiteres Teil in dem Puzzle: "Wir bauen Zimbabwe 2"

Deswegen ist die Wahl heuer am 06.12.2009 die entscheidenste Wahl in Namibias Geschichte.

Was kann passieren???

1.Sam Nujoma wird gewaehlt, dann bekommen wir
Zimbabwe 2 im Schnellverfahren.

2.Sam Nujoma's Sohn wird Praesident, dann wird's
genau wie bei seinem Vater

3.Pohamba wird wieder gewaehlt und tritt nach ein
paar Monaten aus Kranheitsgruenden zurueck und
Hage Geingob versieht die Charge bis 2014.
Das waere fast schon ein Traum der in Erfuellung
ginge

Aber die wichtigste Frage ist eine ganz ANDERE!!

Wieviel Prozent bekommt RDP???

Sollte sie was nicht ausser Reichweite ist, aber doch wohl eher unwahrscheinlich. Die Mehrheit der SWAPO auf unter 50% zusammnstutzen. Dann koennten wir ein Problem groesserer Art bekommen.

Naemlich aus einem absoluten Mahrheitsverlust, wuerde dann die Frage erwachsen: Laesst SWAPO sich das gefallen, oder schickt amn Polizei und/oder Armee??? und dann gleich die naechste Frage: Was werden die MenschenPolizisten und MenschenSoldaten machen??
Sie ahben das Papier in der Hand auf dem steht, dass es nicht erlaubt ist auf EIGENE Leute zu schiessen!!!

was werden sie tun???

es wird heuer sicherlich nicht langweilig in Namibia,

STILL THE LAST PARADIS OF AFRICA
Gruss Joerg Es gibt NIX, das es nedd gibt
5'538 Beiträge · seit 200811. März 2009 · #3
Hallo Joerg, hallo Sensbacher,

die Vermutung, dass Sam oder seine Familie zurückkommen, ist zwar nicht von der Hand zu weisen, aber doch eher nicht soo wahrscheinlich. Zumindest scheint mir der jetzige Präsident Pohamba als Kandidat für die Wahlen wahrscheinlicher. Das werden wir aber spätestens auf dem Nominierungs-parteitag der Swapo im Mai erfahren.

Ich bin gar nicht so dafür, dass die Swapo ihhre absolute Mehrheit verliert. Dann könnte es tatsächlich zu Randale durch die Swapo-Jugend oder auch zu mehr kommen. Ich wäre schon zufrieden, wenn die RDP es schafft, die Zweidrittelmehrheit der Swapo zu brechen, die diese seit Jahren im Parlament hat. Denn damit könnte sie die Verfassung ändern und das wird natürlich umso wahrscheinlicher, je länger die Swapo diese verfassungsändernde Mehrheit hat. Mich wundert es so wie so, dass das all die Jahre nicht passiert ist - zumindestens nicht in gravierenden Punkten.

Und ansonsten sind wir das Geschimpfe der Swapo auf die Presse doch gewohnt. Leider!

Nachdenkliche Grüße
Gerd
Gast11. März 2009 · #4
Hallo Joerg,
Joerg schrieb:
1.Sam Nujoma wird gewaehlt, dann bekommen wir
Zimbabwe 2 im Schnellverfahren.
Weißt Du da mehr? Um Sam Nujoma ist es zumindest in den Medien sehr ruhig geworden?
Naemlich aus einem absoluten Mahrheitsverlust, wuerde dann die Frage erwachsen: Laesst SWAPO sich das gefallen
Die Problematik sehe ich auch ein bisschen - zumal es schon zu einigen gewaltsamen Zusammenstößen zwischen RDP- und SWAPO-Anhängern kam. Exakt die gleiche Konstellation gibt es ja auch in Südafrika, wo auch in diesem Jahr Wahlen anstehen und der ANC mit seiner Abspaltung COPE kämpft.

In beiden Ländern gibt es aber auch viele mäßigende Faktoren. Es dürfte immer noch deutlich wahrscheinlicher sein, dass alles halbwegs gut geht, als dass es nach den Wahlen richtig kracht.

Beste Grüße

Guido
2'048 Beiträge · seit 200711. März 2009 · #5
Hallo!
gglink schrieb:
Denn damit könnte sie die Verfassung ändern und das wird natürlich umso wahrscheinlicher, je länger die Swapo diese verfassungsändernde Mehrheit hat. Mich wundert es so wie so, dass das all die Jahre nicht passiert ist
Ihr solltet mal die Erklärungen der Swapo genau lesen. Dort wird zuletzt mehrfach die eigene Satzung mit der Verfassung gleichgesetzt. Wozu also die Verfassung ändern, solange die Parteiordnung darüber steht....

Und wenn das Stadträte, Medienfritzen oder Richter das nicht kopieren, dann werden sie halt ausgetauscht. Immerhin bisher in Nam (noch?) nicht eingesperrt... Und Nam bekennt sich weiterhin zum Mehrparteiensystem, die solange auch SWAPO-verträglich sind, wie sie keine eigene (abweichende) Meinung äußern. Daher ist die RDP keine normale andere Partei sondern eine Provokation, gegen die eine Fortsetzung des Freiheitskampfes legitim ist.

Demokratie ist westliche Ideologie und doch eigentlich in vielen Ländern oft nur eine Spielwiese der ohnehin mächtigen. Afrika ist an die Führerschaft einmal bestimmter "Kaptäne / Chiefs" durchaus gewohnt und die Denkmechanismen im Freiheitskampf teilweise auch durch Gedanken der brüderlichen sozialistischen Einheitsparteien geformt worden. Also ist ja doch vieles irgendwie logisch und solange die (gewählten) Führer einigermaßen funktionieren für viele nur ein Schönheitsfehler, mit dem man halt in Afrika leben muss.

Viele Grüße
jaw
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
1'723 Beiträge · seit 200917. März 2009 · #6
Ich verfolge seit einige Zeit taeglich die Bereichterstattung der AZ... Die Entwicklung in Namibia in dem diesjaehrigen Wahljahr ist beunruhigend und im tiefsten Sinne traurig...
Namibia galt und gilt vielleicht als die grosse Ausnahme Afrikas, ein Land welches relativ sicher zu sein scheint und wo ein minimum an Grundrechten bisher gegolten hat.. Mit der Beschneidung der Pressefreiheit ist die Einhaltung der Grundrechte doch sehr ins ruetteln gekommen. Was ich bei all dem so entsetzlich finde, ist das diese Art von Politik nachhaltig doch nur zu Schaden in der Gesamtbeoelkerung fuehrt. Wenn die Touristen aus Sicherheitsgruenden wegbleiben, wenn auslaendische Investissoren wegbleiben, wem ist dann letztlich geholfen..??
Alleine das Tohouwoboh um die Einreise ist schon ein Grund gewesen der viele Touristen veraergert und vor allem verunsichet hat... Solche gezielten oder ungezielten Aktionen sollten besser nicht vorkommen..
Aber in einem Punkt bin ich einig : dieses Jahr wird es spannend bleiben in Namibia ...
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss