Virus afrikanus - Eine Studie

27 Antworten · 6'978 Aufrufe · gestartet 31. Juli 2007 von Riedfrosch
Antworten
95 Beiträge · seit 200601. Aug. 2007 · #21
Hi,

puh, endlich weiß ich genauer Bescheid und vor allem: Ich bin nicht allein !
Lange Zeit habe ich versucht, meine Krankheit geheimzuhalten, denn es ist zuweilen ja auch peinlich, wenn man in Gegenwart anderer völlig aus dem Zusammenhang gerissen plötzlich "Etosha", "Okavango" oder "Sambesi" stammelt - man stößt doch auf Unverständnis und erntet seltsame Blicke. Wenn mich mal wieder ein Schub entsetzlicher Entzugserscheinungen überfiel, habe ich mich bewusst zuhause eingeschlossen, um die Schmerzen ganz allein mit Pinotage, Bildbänden und Fotos zu lindern. Wie Ihr wißt, hält der Erfolg solcher Maßnahmen ja nicht lange vor.

In der ersten Zeit, nachdem ich die Infektion mit dem C-Typus entdeckte, hielt ich Konfrontationstherapie für das Mittel der Wahl - aber ich habe alles nur noch schlimmer gemacht damit und mir zusätzlich auch noch Typ A und B aufgesackt ! Ich versuchte dann einen kalten Entzug, in der Hoffnung, daß es einen Virus americanus und Virus asiaticus nicht gibt. Ich stellte fest, daß es diese Virenstämme ebenfalls gibt, ich jedoch immun dagegen bin - Gott sei Dank ! Der Suchtdruck nahm jedoch nach dem kalten Entzug so extrem zu, daß ich mich zwar nicht dem eigentlichen Infektionsgebiet aussetzen wollte, jedoch zumindest in die Nähe mußte, um die inzwischen unerträglichen Krankheitssymptome zu lindern. Mir war klar, daß dies nur ein Herumdoktern an den Symptomen sein konnte, jedoch keine wirkliche Heilung bedeuten würde. Die Quittung dieses stümperhaften Versuches war eine weitere Verschlimmerung des Zustands: In Erweiterung des Typus C (südafrikanicus) gibt es den nicht minder hochvirulenten Typ O, Virus ostafrikanicus. Mittlerweile bin ich überzeugt, daß der gesamte Kontinent verseucht ist.

Ich habe es aufgegeben, auf Heilung zu hoffen und versuche jetzt, so gut wie möglich mit der Krankheit zu leben. Es ist ein täglicher Kampf, das Virus nicht die Oberhand über den Alltag gewinnen zu lassen, aber ich habe eben auch eingesehen, daß es meine eigene Schuld war, sich diese tückische Krankheit überhaupt einzufangen. Ich war eben leichtsinnig und schlecht informiert - ich wußte nicht, was ich tat, als ich zum 1. Mal nach Johannesburg flog.

Lange Zeit mochte ich mich selbst meinem Hausarzt nicht anvertrauen, viele Ärzte haben ja leider überhaupt keine Erfahrung mit dieser Art von Erkrankung. Mittlerweile habe ich es getan und schon viele lange Therapiegespräche mit ihm geführt. Er ist nämlich selbst infiziert !

Pernille
130 Beiträge · seit 200701. Aug. 2007 · #22
Haha, intressante Aussage und Erklärung! Nach inzwischen mehreren Keniareisen sind wir auch Afrikasüchtig geworden und können deine Schilderung ein wenig nachvollziehen - und im Dezember geht es dann zum ersten Mal nach Namibia&Südafrika und die Sehnsucht ist schon riesengross!

Intressant ist, dass es solche "Reisevirus" auch in anderen Regionen der Welt gibt. Viele Leute, die zum Beispiel schon mal auf den Malediven waren reden dann hinterher auch vom "Maledivenvirus" und wollen immer wieder hin wegen der Schönheit, dem Paradies-feeling etc. (und uns hat es wohl auch ein bissl auf unserer ersten Maledivenreise erwischt - wenn auch nicht ganz so stark wie das Afrikavirus, aber trotzdem....)
😛
Annika&Peter
Bisher 4x Kenya, 1x Tanzania, 1x Namibia, 1x Südafrika
Themenstarter1'335 Beiträge · seit 200602. Aug. 2007 · #23
Noch immer bin ich betroffen und beeindruckt über die schonungslosen Schilderungen der vielen Schwerst-Erkrankten hier.
Die Offenheit, mit der die Betroffenen ihren Leidensweg charakterisieren, hat mich emotional tief berührt.

Schon nach einem kurzen Überblick über die Leidensbiographien wird deutlich, dass große Teile der Studie korrigiert werden müssen.
Dass so zahlreich auszuwertende Material wird nun von mit überarbeitet. Ich bitte um Geduld.

Was aber jetzt schon konstatiert werden kann ist, dass sicherlich politische Forderungen aus der Studie hervorgehen werden.
Eine Reformierung des Gesund- und Reisewesens ist unumgänglich!

Vielleicht ist der ein oder andere auch in politische Netzwerke verstrickt und kann bereits hinterrücks mittels Vettern infiltrativ Einfluss nehmen.

Cora
0
655 Beiträge · seit 200604. Aug. 2007 · #24
hallo, Ist es möglich, dass es auch eine genetische variante gibt, die so in der art eines slow virus wirkt? Hinweise aus der anamnese der betroffenen dazu: mutter in keetmannshoop geboren, deren vater unheilbar vom virus africanus befallen (typ namibiense und dem noch nicht erwähnten v. tansaniae). Mütterliche linie mit so extremer ausprägung, dass ein leben in europa nicht möglich ist.- slow virus deshalb, weil bis zum 48.lebensjahr kein ausbruch, jedoch dann die einzige frage eines dort verbliebenen familienangehörigen: „wann kommt ihr denn mal endlich?“ hektische reisevorbereitungen hervorruft mit erstem kontakt lebender südafrikanusviren und teils abgeschwächten, teils extrem virulenten namibienseviren. oder handelt es sich um eine hyperinfektion? Innerhalb von 1 ½ jahren ist es dann zu einer extremen infizierung des nächsten angehörigen gekommen, was fast jährliche heilungsversuche vor ort erforderlich macht. Was zu denken geben sollte: egal was der infizierte tut, linderung vor ort suchen oder die sucht unterdrücken, führen sowohl diese heilversuche als auch entzug des suchtmittels zu verstärkter abhängigkeit. Offenbar ist es in dieser klassischen double-bind–situation also egal, was man tut, daher wählen wir die rezeptur: nix wie hin, sooft es geht (das nächste mal am 26.11.07). allen betroffenen von herzen viel genuss beim heilen vor ort und linderung der quälenden symptome im heimischen umfeld. Lb gruß von helga
0
126 Beiträge · seit 200604. Aug. 2007 · #25
Hallo Cora,
Eine herrlich witzige und intelligente Studie!
Ich nehme fast an, dass du aus dem Ärzte -oder Biologenmilieu kommen mußt!!
Ja, ja - politische Konsequenzen sind dringend nötig. Für mich würde ich dringend wünschen, dass die Fluglinien aus deiner Studie lernen und die Preise kleiner aber die Sitzabstände größer machen!!!

Gruß Ursula<br><br>Post geändert von: Ursula, am: 04/08/2007 13:56
104 Beiträge · seit 200710. Aug. 2007 · #26
Ach, hätte ich diese Studie bloss früher zu Gesicht bekommen, dann hätte ich mich rechtzeitig vom Infektions-Gebiet fernhalten können 😈 .

Gleich auf meiner ersten Reise ins kontaminierte Gebiet vor 7 Jahren habe ich mich mit Typus A und B angesteckt, und zwar in einer derartigen Heftigkeit, dass bisher sämtliche Therapie-Versuche kläglich gescheitert sind. Es ist wohl hoffnungslos 🙄

Mehrere nachfolgende Besuche vor Ort hatten nicht den gewünschten Effekt der Linderung, sondern verschärften den Fortschritt der Infektion nur noch mehr.
Die therapeutische Konsumation entsprechenden Bild- und Film-Materiales vermag nur noch sehr kurzfristig Linderung zu verschaffen.

Ich dachte erst, das sei ein Problem des schlechten Bild-Materials (vollautomatische Pocket-Digi-Knipsen mit xyz-fach Digital-Zoom sind hilflos überfordert mit den Distanzen, Geschwindigkeiten und Lichtverhältnissen vor Ort), weshalb unverzüglich brauchbares Spiegel-Reflex-Material samt umfangreichem Zubehör angeschafft werden musste.
Doch obwohl das Bild-Material damit massiv besser wurde, lässt sich das Virus nur noch Stunden-weise unterdrücken.
Hoffentlich nimmt das nicht noch komatöse Formen an.

Interessanterweise bin ich jedoch scheinbar gegen Typus C immun, denn trotz etlicher Besuche im betroffenen Gebiet zeigen sich bisher lediglich geringfügige Ansteckungs-Sympthome aufgetreten.
Das muss wohl irgendwie mit der fortgeschrittenen Zivilisationitis im betreffenden Gebiet zusammenhängen.

Als Konsequenz meines bedenklichen Zustandes rate ich nun mehr allen Verwandten, Bekannten und Freunden eindringlichst von einem Besuch im hoch-infektiösen und hochgradig verseuchten Gebiet ab.

Ach, hätte ich diese Studie bloss früher zu Gesicht bekommen...

Gute Besserung an alle Leidens-Genossen (wir sind NICHT alleine)!
Mike
Das Universum antwortet auf die menschliche Suche nach Sinn und Glück mit Stille
78 Beiträge · seit 200711. Aug. 2007 · #27
herzlichen Dank für die tolle Studie. Du hast meinem Mann in seinen Forschungen viel weiter gebracht.

Bis vor kurzem dachten wir, dass ich mich vor 8 Jahren infiziert hätte, als ich meinen Mann während seines ersten Arbeitsaufenthalts in Südafrika besucht habe. Jetzt hat mein Mann herausgefunden, dass der Virus wohl schon seit meinem 12. Lebensjahr in mir geschlummert hat, als ich in einem Zoo ein Löwenbaby im Arm hatte (die Fotos sind gerade wieder aufgetaucht). Wir sind übrigens der Meinung, dass es für uns beide keine Rettung gibt. Die Krankheit äußert sich in wöchtenlichen Telefongesprächen nach Südafrika, Kauf von allen neuen Büchern über Afrika und einem fast unüberwindlichen Drang im Juni einen Tag vor der Heimreise aus Namibia die Rückflugtickets wegzuschmeissen. Wir konnten diesen Drang gerade noch überwinden. Haben jedoch gleich nach Ankunft neue Tickets für Dezember nach Südafrika gebucht und sind auch schon wieder dabei, die nächste Namibia/Botswana-Tour zu planen.
Komisch nur, dass wir gar nicht traurig über die Krankheit sind und hoffen, dass wir niemals geheilt werden.

Kerstin
6 Beiträge · seit 200711. Sept. 2007 · #28
Hallo, ich muß Euch mitteilen, dass es da noch eine Unterart gibt, nämlich den Virus Africanus Kenianus. Er kommt zwar mehr in den östlichen Gebieten vor, ich hoffe aber, ich darf mich trotzdem zu Euech gesellen! 😉
<a href="http://www.TickerFactory.com/">; <img border="0" src="http://tickers.TickerFactory.com/ezt/d/4;10722;443/st/20110907/e/Arizona+here+we+come/dt/10/k/ad26/event.png"></a>;