Kanzler schrieb:Was tut man in dem äußerst unwahrscheinlichen Fall, von einer giftigen Schlange in der Wildnis gebissen worden zu sein? Gibt es wirksame Ersthilfe?
Vielen Dank schon vorab für alle Tipps.
Viele Grüße, Kanzler<br><br>Post geändert von: Kanzler, am: 04/07/2007 21:21
Erste Hilfe bei Schlangenbissen
Allgemeines
Ein Schlangenbiss ist immer ein potenziell ernster Unfall, der einer raschest möglichen, medizinischen Begutachtung bedarf. Das heisst bei jedem Schlangenbiss: So rasch als möglich in ärztliche Behandlung aufsuchen. Viele Giftschlangenbisse verlaufen glimpflich, weil die Schlangen in der Verteidigung oft wenig bis gar kein Gift abgeben (30 – 70 % der Bisse je nach Schlange). Nach einem Biss soll man sich jedoch so verhalten, wie wenn eine Giftabgabe statt gefunden hat.
Allgemeine Erste Hilfe-Massnahmen
1. Ruhe bewahren und PatientIn beruhigen.
2. PatientIn im Schatten lagern und gebissene Gliedmasse in jedem Fall ruhig stellen (wie bei einem Knochenbruch)
3. Transport organisieren und Patientin so rasch als möglich schonend in ärztliche Behandlung transportieren. Jede körperliche Anstrengung der betroffenen Person vermeiden.
4. Bei Bewusstlosigkeit: Transport in Schocklagerung.
5. Bei Atemstillstand: Künstliche Beatmung. Auch auf langen Transporten fortsetzten. Bei Nervengiften mit Atemstillstand können PatientInnen bis zur Verabreichung von Antivenin (s. unten) durch künstliche Beatmung gerettet werden.
Kompressionsbinde ja oder nein?
Eine sofort angelegte Kompressionsbinde (sattes Einbinden der betroffenen Gliedmasse mit elastischer Binde) kann durch Stauung des venösen Blutstroms (Blutstrom von den Aussenbezirken des Körpers zum Herz) und des Lymphstroms unter der Haut eine rasche Ausbreitung des Giftes im ganzen Körper erheblich verlangsamen, was vor allem bei Nervengiften und starken Blutgiften und bei langen Transportwegen lebensrettend sein kann. Andererseits wird durch die Stauung das Gift in der betroffenen Gliedmasse eingeschlossen und eine starke Schwellung begünstigt, was den Verlust der Gliedmasse bedeuten kann. Aufgrund der geographischen Verbreitung verschiedener Schlangenarten und der Wirkung ihrer Gifte gibt es regional verschiedene Empfehlungen zur Verwendung einer Kompressionsbinde.
Afrika
Bei Bissen durch grosse, dicke und kurze Schlangen, die laut zischen (Vipern): Kompressionsbinde äusserst zurückhaltend in Erwägung ziehen – nur bei extrem langen Transportwegen anwenden. Hohe Gefahr des Verlustes der Gliedmasse (Schwellung und Gewebegifte).
Bei langen, flinken und wendigen Schlangen (Kobras und Mambas): Rasches Anlegen der Kompressionsbinde empfohlen (Nervengifte).
Wenn eine Speikobra Gift in die Augen spitzt: Sofortiges und langes Auswaschen der Augen mit viel Wasser.
DANKE MATTHIAS! war auch für mich sehr interessant!
grüessle anette