Nachdem wir nun schon zum zweiten Mal intensiv das Forum zur Vorbereitung für einen Namibia-Urlaub genutzt haben, wollen wir auch ein klein wenig etwas in Form eines Reiseberichts zurückgeben. Da wir größtenteils wieder der klassischen Ersttäterroute gefolgt sind (der Sohnemann war 2015 auf Grund von Nicht-existenz leider nicht dabei), will ich mich aber kurz halten und einen Eintrag pro "Station" posten statt auf jeden Tag einzeln einzugehen 🙂
In jedem Fall: Vielen Dank an euch alle! Es war ein wunderbarer Urlaub und ohne euch und dieses Forum wäre er wahrscheinlich maximal halb so wunderbar gewesen.
Dann wollen wir mal!
Planung & Route
Reisende: Meine Frau und ich (Ende 30) + Sohn (8 Jahre)
Grundlage für unsere Planung waren die folgenden Maßgaben: • Zeitraum: Sommerschulferien • Klassische Erstäterrunde • Möglichst mehr als eine Übernachtung; wo das nicht gewollt / möglich war: kurze Transferzeiten • Keine Transferfahrten von über 4h (womit dann die Kalahari raus war) • Dieses Mal (noch) keine Malariaprophylaxe (womit dann für uns der Caprivi raus war)
Stopp
Lodge
Übernachtungen
Windhoek
River Crossing Lodge
1
Spreetshoogte Pass
Namibgrens
1
Sesriem
Desert Camp
2
Nördlich von Solitaire
Bushman's Desert Camp
1
Swakopmund
Secret Garden Guesthouse
3
Erongo
Hohenstein Lodge
3
Twyfelfontein
Twyfelfontein Adventure Camp
3
Outjo
Sophienhof Lodge
2
Etosha
Etosha Safari Camp
3
Nördlich von Windhuk
Omatozu
2
Total
21
Ihr seht: Wir haben uns vieeeel Zeit gelassen - und würden es genauso wieder machen 🙂
In diesem Sinne: Ab auf die Pad!
VG, Dennis
Teil 212. Dez. 2024
Tag 1: Flug & River Crossing Lodge
Endlich ist es so weit. Der Nachtflug direkt von Frankfurt nach WDH hat zwar eine knappe Stunde Verspätung, aber zum einen ergattern wir eine 4er Reihe für uns 3 alleine und zum anderen holt die Maschine die Stunde im Flug wieder rein. Wir haben halbwegs gut geschlafen und kommen relativ ausgeruht in Windhoek an. Nach den üblichen Erledigungen am Flughafen selbst (insb. SIM Karte und Bargeld) holen wir unser Auto von Europcar ab.
Der Fortuner leistet uns über die nächsten 3 Wochen treue Dienste und ist im besten Sinne unauffällig, wenn auch im Fahrersitz nicht sonderlich bequem. Wir hatten nicht lokal gebucht, da wir keine Lust hatten mit Kind ggf. total übermüdet zu einem lokalen Vermieter zu fahren, um von dort wieder zurück in die River Crossing Lodge zu jetten, um dann nach kurzem Ausruhen abermals nach Windhoek zum Einkaufen zu fahren. "Du machst das komplizierter als es ist" sagt ihr, und ja, ihr habt recht. Würde ich wahrscheinlich beim nächsten Mal anders machen und bei einigermaßen verträglichen Preisen doch lokal buchen. Nichtsdestotrotz: Im zweiten Urlaub wieder keinen Platten und auch sonst keine Auto-Probleme - was will man mehr?
Jetzt erst mal ab in die River Crossing Lodge. Ich werde die einzelnen Lodges jeweils mit Kurz-Bewertung und vorstellen und dann ggf. im Anschluss noch etwas mehr Prosa und Bilder hinterherschieben 🙂
River Crossing Lodge (4/5)
Allgemeine Bewertung Gute Alternative für die erste Nacht in Windhoek mit netter Aussicht.
Hotel und Zimmer Die Anlage ist nicht mehr hochmodern, aber immer noch schön und die Zimmer sind geräumig. Das Personal war professionell freundlich - nicht mehr und nicht weniger.
Essen Sehr gute Küche. Wir hatten Chicken Wings, Oryx Steaks, Suppen und vieles mehr; alles war mit Liebe und Können zubereitet und hat entsprechend gut geschmeckt.
Location Echte Alternative zu den Guesthouses in der Stadt, mit schöner Aussicht. Bis zum Superspar in der Maerua Mall ist es trotzdem nicht weit (ca. 15-20 min).
Aktivitäten Es gibt wohl Wanderwege auf dem Gelände, wir wollten uns allerdings primär vom Flug erholen und haben diese daher nicht genutzt.
Anderes Die Ausschilderung der Zufahrt zur Lodge könnte besser sein, insb. weil eine größere Baustelle am Fuße des Hügels die Sache zusätzlich verkompliziert. Zur Erheiterung der Bauarbeiter haben wir uns natürlich auch prompt für die falsche Abzweigung entschieden 😄
Wir konnten mit Windhoek beim letzten Urlaub nicht besonders viel anfangen und haben uns bewusst für eine Unterkunft außerhalb der Stadt entschieden. Dafür war die River Crossing Lodge eigentlich ideal; 2015 waren wir im Maison Ambre, wo es natürlich deutlich familiärer zuging. Das hatte aber eben auch nicht diesen Ausblick:
Dazu gab es allerhand Vögel. Hier exemplarisch zwei rosy-faced lovebirds.
Unser Sohn fand es ebenfalls sehr nett, insbesondere wegen des weiten Blicks und den ersten Tiersichtungen (eine Herde Kudus war in weiterer Entfernung auch zu sichten).
Aber natürlich war das alles nur ein erster Vorgeschmack auf die weiteren 3 Wochen.
Dennis
Teil 312. Dez. 2024
2. Halt: Namibgrens
Nach einem ordentlichen Frühstück geht es los mit unserem ersten "richtigen" Reisetag. Noch schnell das Lunchpack ausgepackt, Google Maps / Tracks4Africa auf dem Handy eingestellt und ab Richtung Spreetshoogte Pass. Gefühlt ist die asphaltierte Strecke nach dem Verlassen der Stadtgrenzen Windhoeks seit 2015 beträchtlich länger geworden, aber irgendwann lassen wir die geteerten Straßen endlich hinter uns und das Namibia-Gefühl macht sich im Auto breit.
Nach kurzer Eingewöhnung findet auch der Nachwuchs Spaß am leichten (später auch schwerem) Holpern. Hörspiele und sonstiger Zeitvertreib sind in Anbetracht des Nature-Dokumentarfilms der an den Fenstern vorbeizieht unnötig und das wird auch bis zu ein paar sehr langen Tagen im Etosha auch so bleiben. Dazu muss man sagen, dass ich meinem Sohn ca. 1 Jahr vor der Reise meine "alte" Kamera überlassen habe und er seitdem zu einem eifrigen und ausdauerndem Wildlife-Fotografen geworden ist. Die erste Gabelracke des Urlaubs geht z.B. auf sein Konto:
Während die Straße zunehmend schlechter wird, sehen wir in einiger Entfernung Strauße, Paviane, Rinderherden und Kudus. Zu mehr als Beweisfotos - die ich euch hier erspare - reicht es aber leider nicht.
Schlussendlich kommen wir in Namibgrens an. Die wenigen Einträge im Forum, die ich zu der Farm/den Villas gefunden habe sind ja grundsätzlich positiv, die Bilder im Netz schön, aber beides wird der Realität unserer Meinung nach nicht gerecht. Mein Sohn schwärmt auch heute noch vom Gelände und den schönen Villas. Ein frühes, leider zu kurzes Highlight! Für Kinder mehr als Top: Viel Platz, tolle Wanderungen, extrem Nettes Farm-Management.
Namibgrens Guestfarm (5/5)
Allgemeine Bewertung Grandiose Guestfarm zwischen Windhoek und Sesriem. Wir würden einen Umweg in Kauf nehmen, um nochmal hier sein zu können. 1 Nacht ist eigentlich zu wenig. Herrvorragendes Preis/Leistungsverhältnis.
Hotel und Zimmer Unfassbar schöne, geräumige und zweckmäßige Villas. Die Bilder sind schön, die Realität viel schöner! Die beiden Manager Kalf und Sandra waren sehr nett und herzlich.
Essen Richtet sich primär an Selbstversorger, man kann aber Fruehstueck/Abendessen auch im Farmgebäude selbst einnehmen oder sich ein Braai Pack bringen lassen. Wirklich gute Qualität.
Location Liegt direkt vorm Spreetshogte-Pass und ist somit ein perfekter Zwischenstopp zwischen Windhoek und Sesriem.
Aktivitäten Es gibt mehrere sehr schöne Wanderwege auf dem Gelände, welches mit wunderbaren Steinformationen übersäht ist. Ansonsten einfach die Stille und den Sternenhimmel genießen, und die Klippschliefer und Paviane beobachten.
Anderes Zur Farm gehören auch mehrere süße Hunde.
Hier noch ein paar weitere Impressionen 🙂
Pavian denkt über sein Leben nach
Graulärmvogel
Klippschliefer
Teil 412. Dez. 2024
3. Halt: Desert Camp (Sesriem)
Nach einem wunderbaren Frühstück und ausgiebigen Streicheleinheiten für die Farmhunde fahren wir weiter. Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: Wir würden jederzeit einen Umweg machen, um hier nochmal ein paar Tage zu verbringen. Zunächst wartet allerdings der Spreetshoogte Pass. Die Fahrt den Pass hinauf dauert ca. 20 min und ist völlig problemlos. Die Aussicht vom Pass ist genauso überwältigend wie wir sie in Erinnerung haben. Unser Sohn ist auch ganz hin und weg!
Wer zum Geier wohnt hier?
Auf dem weiteren Weg nach Sesriem sehen wir zahlreiche Tiere und die Landschaft verändert sich merklich, bleibt aber wunderschön. Entweder sind wir besser im "spotten" geworden, oder es sind einfach mehr Viecher unterwegs als vor knapp 10 Jahren.
Löffelhunde
Die erste Giraffe
Hörnchen???
Nach dem obligatorischen Stopp in Solitaire (Kuchen war gut, alles andere muss man nicht zwingend probieren) kommen wir am frühen Nachmittag im Desert Camp an. Der Nachwuchs geht (TIPP: mit Neoprenanzug) in den eiskalten Pool, der Rest der Familie ruht sich erst mal aus.
Euch allen brauche ich das ja nicht erzählen, aber es ist hat hätte das Licht in Namibia eine andere Qualität, golden und zäh wie Honig.
Frühstück / Abendessen nehmen wir in der Sossusvlei Lodge ein. Nach der exzellenten, hausgemachten Küche im Namibgrens sicher ein Schritt zurück, aber dafür gibt es eine Menge Auswahl. Würden wir das wieder so halten? Beim Frühstück mit Sicherheit ja, für das Abendessen würden wir uns beim nächsten Mal lieber Grillpakete bestellen. Wir waren in dem Moment aber einfach zu faul zum Kochen 😄 Es ist auf jeden Fall nett die Wahl zu haben.
Am nächsten Morgen geht es dann - natürlich - ab in die Dünen. Wir fahren selbst nach langem Hadern nur bis zum 2x4 Parkplatz und nehmen dann das Shuttle (welches auf dem Rückweg prompt selber stecken bleibt :D). Nur für die anderen Dummies, die das so wie wir vielleicht noch nicht verstanden haben: Morgens kann man OHNE zu zahlen einfach am Checkpoint vorbeifahren. Gezahlt wird dann rauswärts. Am 4x4 Parkplatz angekommen spulen wir das übliche Programm ab: Hoch auf Big Daddy, durch das Dead Vlei zurück zum Shuttle und erschöpft nach Hause. Beim obligatorischen Dünen-Hüpfen von Big Daddy ins Vlei kugelt sich mein Sohn beinahe den Arm aus, hat dafür aber immerhin die Bedeutung des Satzes "Nicht so schnell!!!" verinnerlicht. Wir hatten uns schon im Krankenhaus gesehen. Auf dem Weg zum Shuttle entdeckt meine Frau noch einen sand diver Gecko. Gute 80% der Sichtungen werden auf dieser Reise auf ihr Konto gehen, was verwunderlich ist, da sie als Einzige in der Familie eine Brille hat und braucht. Kann kein Straßenschild auf mehr als 50m erkennen, aber Geckos von 3km Entfernung: Make it make sense 😄 TIPP: Kämen wir nochmal ins Sossusvlei, würden wir wohl vom 2x4 Parkplatz ins Dead Vlei laufen und die Kraxelei auf Big Daddy auslassen. Die Landschaft hat uns sehr gut gefallen und es waren auch zahlreiche Antilopen (vor allem Oryxe) unterwegs. Für Ersttäter ist aber natürlich auch die Aussicht von oben was feines.
Bevor wir am nächsten Morgen wieder aufbrechen, machen wir noch einen Abstecher in den Sesriem Canyon. Auf Grund der Beschreibungen hier im Forum und insb. auch auf Google/Tripadvisor hatte ich dazu keine großen Erwartungen, welche dann auch prompt übertroffen wurden. Wir fanden es wirklich nett!
Zuvor aber noch die TLDR Bewertung des Desert Camps:
Desert Camp (4/5)
Allgemeine Bewertung Praktische Lodge in sehr guter Lage.
Hotel und Zimmer Zimmer sind eher zweckmäßig designed, aber schön genug und sauber. Die Lodge liegt an einem pittoresken Felsen am Rande der Namib.
Essen Im Camp selber gibt es nur eine Bar (Kein Kaffee!) und an jedem Zimmer die Möglichkeit zum selber grillen. Dazu können auch Braai Packs bestellt werden. Zusätzlich kann man Frühstück/Abendessen in der großen Schwesterlodge (Sossusvlei Lodge, 5min mit dem Auto) einnehmen.
Location 3km vom Gate zu Sossusvlei. Das macht die üblichen Aktivitäten im Park bequem zugänglich.
Aktivitäten Über die Lodge lassen sich die üblichen Ausflüge zum Sossusvlei, aber auch Ballonfahrten/Rundflüge buchen. Das kann natürlich auch alles in Eigenregie übernommen werden: Insb. für die übliche Sossusvlei Runde würden wir auch empfehlen das Geld zu sparen und zumindest bis zum 2x4 Parkplatz selbst zu fahren und dann das Shuttle zu nehmen. Der Sesriem Canyon ist ebenfalls einen kurzen Besuch wert.
Anderes Wir waren vor 10 Jahren in der Schwester-Lodge und auf der Abrechnung waren immer noch unsere alten Posten vermerkt, was dann beim Bezahlen zu einiger Verwirrung geführt hat. Es war aber alles korrekt 🙂
Dennis
Teil 512. Dez. 2024
4. Halt: Bushman's Desert Camp
Die kurze Fahrt nach Norden verlief relativ ereignislos. Allerdings verpassten wir beim ersten Versuch die richtige Abfahrt; T4A war hier im Zusammenspiel mit dem iPhone GPS wohl nicht zu exakt und so richtig gut ausgeschildert… ach egal 😄 Das Bushman's stand nur auf der Liste, weil wir die lange Fahrt von Sesriem nach Swakopmund auflockern wollten und noch weiter nördlich kommt ja nicht mehr viel, was keinen größeren Umweg bedeutet hätte (das Rostock Ritz wäre eine Alternative). Es sollte auch unsere letzte "einzelne" Übernachtung der Reise sein.
Der Kontakt mit Yuri vorab war extrem nett; leider waren sie und Boesman (die Besitzer) zu unserem Besuch aber nicht vor Ort. Die Farm/Campsite/Lodge selbst war schlicht und trotzdem schön! Direkt beim Hineinfahren sahen wir eine größere Herde Oryx-Antilopen, welche nachts von Hartmann's mountain zebras abgelöst wurden. Sie trauen sich offenbar nicht an die Wasserstelle heran, solange die Oryxe da sind.
Auch sonst ist das Gelände sehr schön und die Farmrundfahrt/wanderung am nächsten Morgen hat uns auch gut gefallen (war aber nicht gerade preiswert). Mit welchen Mitteln (mehrere 100m tiefe Brunnen) hier dem kargen Land ein Auskommen abgetrotzt wird, ist schon beeindruckend.
Zu allem Überfluss vergaßen wir hier auch noch ein Ladekabel (nicht weiter schlimm), das uns die Angestellten aber mit den nächsten Gästen nach Swakopmund hinterherschickten. Vielen Dank nochmal dafür an alle Beteiligten 🙂
Bushman's Desert Camp (4/5)
Allgemeine Bewertung Gute Option für Selbstversorger
Hotel und Zimmer Die Zimmer sind überraschend hübsch mit einem tollen Blick auf das Wasserloch. Tagsüber kommen Oryx und nachts Zebras zu Besuch. Das Hauptgebäude ist "quirky" und sauber, aber nichts wirklich bemerkenswertes. Die Angestellten waren sehr freundlich, aber ein wenig zurückhaltend.
Essen Zum Frühstück gibt es Kekse und Kaffee. Ansonsten kann man (nach Voranmeldung) ein Braai-Pack kaufen. Das war in unserem Fall aber leider nicht zum Weiterempfehlen (Brot und Fleisch TK). Die Unterkunft richtet sich hauptsächlich an Selbstversorger und hat nur für den "Notfall" ein paar Sachen da.
Location Zwischen Sesriem und Swakopmund; einzige Alternative, die ähnlich günstig liegt, wäre das Rostock Ritz. Alle anderen mir bekannten Optionen sind ein deutlicherer Umweg ODER noch recht nahe an Sesriem dran.
Aktivitäten Guided Tour zu empfehlen; haben einiges (fuer uns) Neues gelernt und die Landschaft ist schön, wenn auch nicht phänomenal fantastisch;
Sonstiges Für grünohrige Lodge-Hopper wie uns ist das Bushman's eher nicht das richtige, insbesondere bzgl. der Verpflegung. Mit einem Kühlschrank im Kofferraum wäre es deutlich angenehmer gewesen. Das ist aber weniger dem Bushman's anzukreiden, als unseren Erwartungen. Von daher fiel mir die Bewertung hier etwas schwerer - wir waren einfach nicht die Zielgruppe.
Nach der oben Erwähnten Tour packten wir unsere 7 Sachen und machten uns auf nach Swakopmund. TIPP: Hier können wir nur bestätigen, was die alten Hasen im Forum sagen: Fahrt bloß nicht die C14 durch. In unserem Falle nicht, weil wir 2015 mit dem Straßenzustand schlechte Erfahrungen gemacht hätten, sondern weil der Mini-Umweg über die Permit Roads parallel zur D1998 und dann weiter zur C28 einfach viel, viel schöner waren. Leider haben wir hier zu wenig Bilder gemacht :/
Nur für ein paar Giraffen nahe der Ganab Station hat es gereicht.
Dennis
Teil 613. Dez. 2024
5. Halt: Secret Garden Guesthouse - Swakopmund
Die letzten Kilometer auf der C28 ziehen sich wenig, mit dem immer gleichen Ausblick und dem "stärkeren" Verkehr. Wenigstens ist die Pad gut und schließlich verändert sich auch die Landschaft beinahe schlagartig. Wenn das Thermometer sinkt und der gerade noch blaue Himmel auf einmal wolkenverhangen schlechte Laune schiebt, dann weiß man, dass man in Swakopmund angekommen ist.
Wir haben uns im Secret Garden Guesthouse einquartiert, das - zugegeben - nicht dieselbe Reputation hat, wie zum Beispiel Meike's, aber einen für uns doch entscheidenden Vorteil: Es ist zu Fuß ca. 15 min näher am Strand. Das mag für die meisten nicht besonders wichtig sein, im namibischen Winter zumal, aber wir und vor allem unser Sohn lieben das Meer. Nachdem wir unser Gepäck verstaut haben, machen wir uns daher erst mal auf zum Wasser und verbringen dort die ein oder andere Stunde. Womit, kann ich euch eigentlich gar nicht so genau sagen, aber ich bin sicher, wir haben uns irgendwann auch den Pier angeguckt. Den größten Teil der Zeit relaxen wir einfach (dick eingepackt) und schauen den Wellen zu. Ab und an nerven uns die Nussverkäufer (bei aller Sympathie für deren schwierigen Lebensumstände), die sich auch mit dem zehnten "Nein, danke" nicht abschütteln lassen. Wir gehen dazu über "Already got one" zu sagen, was die Erfolgsquote auf 100% steigen lässt.
Es wird langsam Zeit fürs Abendessen. Wir haben uns für das Ankersplatz Restaurant entschieden und sind nicht enttäuscht. Nette Musik, leckeres Essen, freundlicher Service. Es hat uns gut genug gefallen, dass wir am letzten Abend wiederkommen.
Springbok-Pie
Limonade oder Diesel-Additiv; so genau kann das bei dem Geschmack dieses Gebräus keiner sagen
Da der Wunsch aufkam, mehr Details zu schreiben, verpacke ich die Lodge Bewertungen ab jetzt nicht mehr im Tripadvisor Format, sondern drangsaliere euch mit Prosa 🙂 Eine numerische Bewertung gibt’s trotzdem:
Secret Garden Guesthouse (4/5).
Für das Guesthouse spricht, wie oben schon angemerkt in allererster Linie die super Lage. Nah am Strand und der Innenstadt und mit dem "Trading Post" auch einen sehr netten Coffeeshop nebenan.
Die Zimmer sind dafür nichts Besonderes und etwas in die Jahre gekommen, insgesamt aber völlig ok! Nur der Ablauf in der Dusche kommt mit den Warmwassermassen nicht hinterher. Die Gastgeber wirken zunächst etwas grummelig, wir haben uns dann aber nach ca. zwei Tagen Tauzeit doch länger und nett unterhalten. So viel haben wir beim letzten Besuch nicht über Stadtpolitik und das Leben hier definitiv nicht erfahren. Die Anlage an sich ist schön grün, Parkmöglichkeiten gibt es gegenüber und nachts passt hier auch ein Wächter auf.
Das Frühstück war gut bis sehr gut. Bei sehr frühen Touren wird nach Absprache auch ein Frühstücks- bzw. Brunch-Pack vorbereitet.
Alles in allem also eine super praktische Basis für die üblichen Ausflüge in Swakopmund und Walvis Bay.
Dafür ist man schließlich in Swakopmund (das Wetter kanns im Juli zumindest nicht sein). Auf dem Programm für den ersten vollen Tag steht die obligatorische Little 5 Tour. Wir sind mit Tommy's und zwei Fahrzeugen unterwegs, was insofern praktisch ist, als es einem der beiden Fahrer (unserem) erlaubt, sich ganz auf die Tiersuche zu konzentrieren, während der andere die Stories und Infos ans Volk bringt. Es war zwar wirklich kalt und wir hatten auch nicht ganz so viel Sichtungsglück wie 2015, aber trotzdem: wir finden es wieder ganz toll. Besonders gefällt mir, dass die Guides sehr deutlich machen, dass man nicht im Zoo ist und also gefälligst nichts anfasst, keinem Tier Weg versperrt oder durch laute Geräusche und schnelle Bewegungen verschreckt. 2015 wollte noch die Hälfte der Teilnehmer das arme Chamäleon streicheln..
Namibgecko
Namaqua Chamäleon
Zwergpuffotter
Ein Tractrac Chat?
Zusätzlich sehen wir noch eine Blindschleiche und einen weiteren Sand Diver Gecko. Es ist schwer in Worte zu fassen, wie unterschiedlich die Dünenlandschaft hier zu der rund um das Sossusvlei ist. Sand ist Sand, sollte man meinen, hätte aber unrecht.
Nach ausgiebigem Dünenhüpfen und einer Mittelrasanten Dünenfahrt tuckern wir wieder in die Stadt. Auf Empfehlung von Andrew lassen wir uns beim Happie Den Varta Caravan in der Nähe des Aquariums rausschmeissen. Boy oh Boy! Das waren wahrscheinlich die besten Calamari meines Lebens! Danke, Andrew!
Nachdem wir uns gestärkt haben, machen wir für den Rest des Nachmittags einen kleinen Abstecher zum Swakopmund Estuary hinter dem Tiger Reef Hotel; Strandspaziergang und Flamingos gucken 🙂 Die Bilder sind hier leider eher mäßig geworden, aber der Strand ist sehr schön.
Nach einer durchaus erholsamen Nacht, in der es offenbar geregnet hat (Spoiler: es sollte nicht das letzte Mal sein, dass wir über Regen sprechen), machten wir uns in aller Herrgottsfrühe auf den Weg nach Walvis Bay, Endziel Pelican Point. Wir sind ohnehin schon etwas spät dran, als zu allem Überfluss auch noch der große Bruder von "Nebel" über die Straße zieht. Mit deutschem Nebel hat das jedenfalls nichts zu tun. Man sieht quasi nichts mehr, außer den Scheinwerfern der entgegenkommenden Autos. Faszinierend. Ab und zu tauchen wir aus den Bodenwolken auf, nur um 500m weiter in ihnen zu versinken. Ich könnte mir selbst in den Hintern treten, dass wir nicht früher gestartet sind, denn am liebsten würde ich anhalten und Fotos machen. Es sieht einfach grandios aus, wie die Nebelbänke über die Dünen ziehen! Aber, hach, keine Zeit.
In Walvis Bay angekommen, bekommen wir eine kleine Einweisung, haben dann aber noch Zeit uns im und vor dem Laden ein wenig umzusehen, bevor es los geht.
Pelikan
Vorarbeiter-Pelikane
Die Fahrt zum Pelican Point ist selbst schon ein kleines Highlight und es gibt viel zu sehen.
Schabracken-Schakale machen offenbar mehrtätige Ausflüge auf die Halbinsel
Zwerpelzrobben
Greater Flamingos
Wir hatten uns im Vorfeld schon etwas Sorgen, ob der niedrigen Temperaturen gemacht. Lassen wir die Schuhe und Socken im Kanu an, oder doch lieber Barfuß? Vor Ort entscheiden wir uns spontan für Barfuß, obwohl die Luft wirklich bitter kalt ist. Siehe da: Der Sand ist eigentlich ganz erträglich. Auch im Kanu selber erleiden unsere Füße keine Erfrierungen! Im Vergleich zu 2015 scheint sich die ganze Unternehmung aber um das 10x vergrößert zu haben. Die Robben scheint es nicht groß zu stören, von Scheuheit keine Spur; aber ganz so nah wie damals fühlen wir uns der Natur heute nicht. Trotzdem ist das Paddeln an sich super schön. Die 3 Wale, die offenbar kurz hinter einem der Ausflugsboote auftauchen verpassen wir leider.
Im Anschluss gibt es heißen Tee, Kakao, Kaffee und eine Kleinigkeit zu Essen. Danach genießen wir noch ein wenig das Meer und lassen uns von der jetzt kräftigeren Sonne wärmen. Zurück in Swakopmund bummeln wir durch die Stadt und kaufen im Superspar nochmal Vorräte für die nächsten paar Tage.
Nach einem weiteren, leckeren Abendessen im Ankerplatz fallen wir müde, aber glücklich ins Bett.
Dennis
Teil 715. Dez. 2024
6. Halt: Hohenstein Lodge - Erongo Gebirge
Während den Planungen zu dieser Reise hatten wir viele Alternativ-Routen in Betracht gezogen. Tiefer ins Damaraland übers Madisa Camp, Twyfelfontein und Palmwag oder Brandberg, Huab Lodge und Hobatere. Schlussendlich haben wir uns aber wieder fürs Erongo entschieden und hier wieder für die Hohenstein Lodge, in der wir schon 2015 waren. Es gibt, denke ich, für jeden ein paar Orte auf der Welt zu denen man ganz fern jeder Rationalität eine "Beziehung" aufbaut. Die Hohenstein Lodge ist so ein Ort für uns und ich bin froh, dass meine Frau mich überzeugt hat nochmal hierher zu kommen.
Ja, es gibt Gästefarmen mit herzlicheren Service. Ja, es gibt Lodges mit mehr Luxus. Ja, die Spitzkoppe ist objektiv betrachtet schöner.
Und doch!
Wie die komplette Erde mit Glimmer durchsetzt ist, und mit jedem Schritt funkelt. Wie das trockenen Gras von innen heraus zu leuchten scheint und mit seiner sanften Unschärfe die knorrigen Bäumen in Szene setzt. Wie hinter alledem der Hohenstein selbst in den Himmel ragt, bucklig und gedrungen, eher Bösewicht, als strahlender Held.
Aber nochmal zum Anfang zurück. Von Swakopmund aus fahren wir nach langem Hin und Her nicht an der Küste entlang und über die D1918 wie ursprünglich angedacht, sondern direkt über die B9 und dann am Crystals Market links ab. Der erste Teil der Strecke ist entsprechend langweilig, aber wir hatten einfach keine Lust auf den Umweg.
Bei unserer Ankunft werden wir freundlich empfangen und zu unserem Zimmer geführt, welches frisch renoviert ist. Wirklich sehr schick!
Ca. eine halbe Stunde später, wir haben bereits ausgepackt und teilweise geduscht, klopft eine Angestellte an unsere Tür, man hätte da einen Fehler gemacht: die renovierten Einheiten seien nicht für Familien vorgesehen. Meine Frage, ob die alten Zimmer denn größer oder billiger sind, wird verneint. Vielmehr gäbe es eine "Internal Policy" diesbezüglich. Long story short, ich lasse meine innere Karen von der Leine und mache (sehr freundlich) deutlich, dass ich den Manager sprechen möchte. Der wäre erst am späten Nachmittag wieder da. Tja, dann warten wir gerne so lange. Niemand sollte das Thema Zimmerwechsel für den Rest unseres Aufenthalts noch einmal erwähnen.
Nach einem ersten Abendspaziergang lassen wir uns das wirklich (!) leckere Essen schmecken und kuscheln uns danach in unser modernes, extra breites Bett.
Am nächsten Morgen machen wir uns nach einem ebenso leckeren Frühstück zu einer größeren Wanderung auf: Der "Kudu"-Trail ist einer der schönste Wanderwege, den wir je gegangen sind. Ein gewisses Maß an Fitness sollte man allerdings mitbringen, denn es geht teilweise steil bergauf/ab. Schlängelt sich der Weg zunächst einem kleinen Trockenfluss entlang, führt er wenig später nach oben in die Berge und der Blick öffnet sich. Leider sollte heute und die nächsten Tage eine Menge Du(n)st in der Luft liegen und den Hohenstein verhüllen. Trotzdem ist der Ausblick toll. Entlang des gut ausgeschilderten Trails entdecken wir Paviane, Kudus, Springböcke, Strauße und anderes Getier. Meine Frau entdeckt in weiter Ferne sogar einen Caracal (Beweisfoto vorhanden, aber zu pixelig für den Bericht). Zurück in der Lodge will uns einer der Guides erst gar nicht glauben, bis er das Foto sieht. Seit 3 Jahren hätte er auf dem Gelände keinen mehr gesehen. Kein Wunder, sage ich, er ist ja auch nicht mit meiner Frau unterwegs.
Rußnektarvogel
Siedelwebervogel
Manguste, aber welche?
Weiß einer, was das genau ist?
Springbock
Gelbschnabel-Toko
Straußen-Weibchen
Unsere beiden Highlights kommen zum Schluss. Zunächst spotten wir einen Perlkauz ein paar Meter neben dem Weg.
Dann begegnen wir dem hiesigen, sehr scheuen Giraffen-Paar. Das sind, gerade so zu Fuß, schon einfach magische Momente.
Den nächsten Tag verbringen wir hauptsächlich damit, Fünfe gerade sein zu lassen und machen nur kleinere Spaziergänge. Ansonsten beobachten wir die Felsenratte vor unserem Zimmer, liegen am Pool, lesen und genießen einfach nur hier zu sein.
Gegen Nachmittag starten wir zu einer Sundowner Fahrt und bekommen neben der schönen Landschaft und vielen Tieren auch die örtlichen Felsenmalereien zu sehen. Die können zwar mit denen in Twyfelfontein nicht mithalten, aber der Ausflug war trotzdem empfehlenswert.
Viele werden nicht nachvollziehen können, warum oder wofür man drei Nächte in der Hohenstein Lodge verbringen sollte - für uns steht fest: Wir kommen wieder.
Dennis
Teil 816. Dez. 2024
7. Halt: Twyfelfontein Adventure Camp
Heute steht uns die längste Transferstrecke bevor. Wobei die tatsächlich gefahrenen Kilometer (ca. 240) für namibische Verhältnisse und im Vergleich zum üblichen Tagespensum einiger anderer Forumsmitglieder ja geradezu eine kleine Spazierfahrt ist. Wir fahren über die D1930 mit Blick auf die Spitzkoppe Richtung Uis. Die Pad ist heute eine Qual und bessert sich auch nur abschnittsweise über die nächsten 4 Stunden.
In Uis angekommen steuern wir zunächst die Tankstelle an und lassen auch den Reifendruck überprüfen. Die freundliche Dame stellt fest, dass die Reifen viel zu stark aufgepumpt waren (hatten wir nicht bemerkt) und lässt überall Luft ab. Ich schaue ungläubig auf die Anzeige des Kompressors, aber ja, sie hat Recht. Zum Mittagessen setzen wir uns ins "Cactus & Coffee". Die Atmosphäre ist sehr nett, das Essen und der Kaffee leider gerade so "ok".
Über die weiterhin furchtbare C35 und später die D2612 geht es zum Adventure Camp. Ca. 45 min vor dem Ziel kommen wir an einer atemberaubend schönen, Ebene mit goldgelbem Gras vorbei, eingerahmt von schroffen Hügeln. Leider ist die "Straße" hier auf Grund von Bauarbeiten (?) nur einspurig und hinter uns sind noch zwei weitere Fahrzeuge, so dass ich nicht anhalten möchte.
Es ist schon späterer Nachmittag (wir haben in Uis etwas länger Halt gemacht) als wir im Camp ankommen. Zur nächsten Episode muss ich etwas ausholen: Zum ursprünglichen Buchungszeitpunkt gab es die von uns gewünschte Zimmerkategorie nur für 2 Nächte, weshalb wir uns für die dritte Nacht in der niedrigeren Zimmerkategorie eingebucht hatten (beides via hotels.com). Später gab es dann doch noch ein freies Premium Zelt für die dritte Nacht, weshalb wir eine entsprechende Umbuchung vornamen. Wir hatten also zwei getrennte Buchungen derselben Zimmerkategorie für drei konsekutive Nächte. Weil ich mir schon dachte, dass das verwirrend sein könnte, schrieb ich dem Customer Service diesbzgl. eine Nachricht. Dort wurde mir versprochen, dass die Buchungen zusammengelegt und wir in ein Premium Family Tent gebucht wurden. Ihr könnt es euch sicher denken, vor Ort wusste niemand von irgendetwas und es gab ein riesiges hin und her zwischen den Angestellten, wie das nun zu handhaben sei. Die Family Tents waren alle belegt und somit ohnehin keine Option. Zunächst wollte man uns downgraden (haben wir dankend abgelehnt), dann zwischen verschiedenen Zimmernummern hin und her schicken. Das wäre für uns ok gewesen. Allerdings war das auch nicht genehm, wegen des erneuten Aufbaus eines dritten Bettes (für meinen Sohn). Schlussendlich sind wir doch alle drei Nächte im selben Zelt geblieben 😄 Mein Learning: Lieber direkt buchen, wenn irgendwie möglich und lieber nicht auf die Aussagen des Customer Service vertrauen.
Davon abgesehen ist der erste (optische) Eindruck sowohl von den Zimmern als auch vom Camp selber wirklich sehr positiv. Die Glamping Zelte liegen geschützt an ein Felsmassiv geschmiegt und sind sehr klassisch eingerichtet, quasi gemäß einer romantisierten Version der Afrika-Expeditionen des 19. u. fruehen 20. Jahrhunderts. Authentisch oder nicht, uns gefällt es 🙂 Die restliche Anlage ist im selben Stil gehalten und ebenfalls gut gelungen.
Noch vor dem Abendessen 'klettern' wir Treppe und Wanderpfädchen hinauf auf den Sundowner Felsen. Eines der absoluten Highlights der Reise. Der Blick ist gigantisch und zu alledem wird da oben abends auch noch eine "Bar" geöffnet (allerdings mit limitierter Getränkeauswahl).
Das anschließende Abendessen ist dem Preis der Lodge leider nicht angemessen und etwas lieblos gestaltet. Das Fleisch vom Grill ist konsistent über die drei Tage zu etwa gleichen Teilen roh und verbrannt (dasselbe Stück) und das Buffet uninspiriert. Kein Vergleich zu Hohenstein (immerhin auch eine Ondili Lodge) oder anderen Unterkünften auf dieser Reise.
Wir hatten noch von Deutschland aus einen Nature Drive (don't call it Elephant Tracking :D) gebucht, welcher sehr früh am nächsten Morgen starten sollte, deshalb gehen wir dann auch zügig ins Bett. Bauartbedingt (sprich: Zeltwände) wird es nachts etwas, ähm, frisch. Mit den guten Bettdecken und ordentlicher Kleidung stellt das aber kein Problem dar; das Aufstehen schon eher. Nach einem kleinen Frühstück fahren wir los. Die vorab verteilten Ponchos sind ziemlich luxuriös isoliert, was bei dem schneidenden, frostigen Fahrtwind auch wirklich willkommen ist. Zunächst geht es den Huab entlang. Immer wieder hält unser Guide an, etwa um den geneigten Gästen auch die heimische Flora (lecker Mopane Blätter :D) näherzubringen, oder für Tiersichtungen. Das klare Ziel der kleinen Expedition sind natürlich die Wüstenelefanten, welche sich vorerst aber nicht blicken lassen. Dafür gefällt uns das Trockenflussbett und die restliche Tierwelt umso besser:
Ohrengeier
Nach ca. 2 Stunden Fahrt gebe ich innerlich schon die Hoffnung auf. Auch andere Fahrzeuge (bzw. deren Fahrer) scheinen ratlos. Ist halt auch kein Zoo, von daher wäre es nicht das Ende der Welt gewesen ohne Sichtung nach Hause zu fahren; die Natur hat uns trotzdem schon sehr beeindruckt. Dann aber entdeckt unser Guide in einiger Entfernung: Spuren. Diesen folgen wir durch zahlreiche Seitenarme und über mehrere Ebenen hinweg, um sie mal wieder zu verlieren und mal unverhofft wiederzufinden. Mittlerweile sind 3h vergangen, als uns endlich ein anderes Fahrzeug entgegen kommt und es ist klar: Etwas weiter vorne ist die Herde.
Es ist wirklich wunderbar diesen besonderen Tieren beim Staubbaden und sonstigen Aktivitäten zuzusehen und irgendwie fühlt es sich "verdienter" an, als zum Beispiel unsere späteren Begegnungen im Etosha, was natürlich totaler Quatsch ist, weil wir selbst ja nichts getan haben, außer im Auto zu sitzen. Es gab offenbar auch Nachwuchs, der zum Zeitpunkt unserer Reise gerade mal 4 Monate alt ist - Niedlichkeits-Overload!
Ungefähr 1 Stunde später reißen wir uns los und fahren zurück zum Camp, wo schon das Mittagessen auf uns wartet. An dieser Stelle muss ich die Guides/das Camp Management wirklich loben, denn wir sind mehr als 1h länger unterwegs, als die ursprünglich anvisierte Dauer des Nature Drives. Das finde ich nicht selbstverständlich!
Die folgenden Stunden verbringen wir damit uns auszuruhen und im Pool zu plantschen, der im Übrigen noch kälter ist, als der im Desert Camp, auch wenn das physikalisch unmöglich sein sollte ohne Phasenübergang zum Eis. Außerdem beobachten wir die putzigen Klippschliefer, die sich zahlreich in der Umgebung tummeln.
Nach dem erneut enttäuschenden Abendessen ziehen wir uns dicke Jacken über und bewundern den Sternenhimmel. Das hat unser Sohn in Deutschland so noch nie gesehen. Zwar ist es nicht das erste Mal auf dieser Reise, dass wir die namibische Nacht bewundern, aber heute strahlen die Sterne und die Milchstraße besonders hell.
Der Sonnenaufgang am Morgen darauf ist wunderschön und ich kämpfe mit mir, mich schnell anzuziehen und mit der Kamera auf den Sundowner Felsen zu kraxeln (ist das dann eigentlich ein Sun-upper Felsen?), kann mich aber einfach nicht überwinden und öffne stattdessen nur die Vorhänge. Heute wollen wir uns die Felszeichnungen in Twyfelfontein selbst ansehen, ist ja ohnehin "um die Ecke". Alles in allem sind wir auch sehr positiv überrascht, insbesondere von der Qualität der Führung. Wir stellen viele Fragen und bekommen vom Guide viele Antworten - so soll es sein. Die Felsgravuren selbst sind vielleicht nicht so spektakulär wie ein Besuch im MOMA in New York, aber wenn man versucht sich in den genauen Zeitpunkt ihrer Entstehung hinzuversetzen, fühlt man schon eine gewisse Ehrfurcht.
Das Ganze dauert auch nicht viel länger als eine Stunde und den Rest des Tages faulenzen wir 🙂
Damit neigt sich unsere Zeit in Twyfelfontein auch schon wieder dem Ende zu. Das Adventure Camp hinterlässt uns zwiegespalten. Zum einen sind da die tollen Zelte und der fantastische Ausblick vom Hausberg, zum anderen das sehr mediokre Essen und der hohe Preis. Auch der Service könnte angesichts der geringen Größe des Camps persönlicher sein. Von daher würden wir beim nächsten Mal vermutlich eine andere Gelegenheit suchen, die Trockenflüsse zu erkunden, bereuen unseren Aufenthalt im Adventure Camp aber keineswegs.
Dennis
Teil 918. Dez. 2024
8. Halt: Sophienhof Lodge (Outjo)
Die Sophienhof Lodge haben wir eigentlich nur aus zwei Gründen eingeplant: 1. Keine Transferfahrten >4h 2. Wir wollten nur 3 Nächte im Etosha bleiben
Wir mögen den Etosha sehr, aber jeder Tag dort läuft vor allem auf eines hinaus: Sitzen (pun intended). Mit unserem Sohn im Gepäck waren wir unsicher, ob ihm das auf Dauer gefällt. Selbst im Nachhinein bin ich mir da nicht sicher, aber dazu im nächsten Post mehr.
Die Routenführung ist denkbar simpel: C39. Zwischendurch machen wir aber noch einen kleinen Abstecher zur Vingerklip gemacht, um uns die Beine zu vertreten und eine Kleinigkeit zu Mittag zu essen. Außerdem sind die Felsformationen schon beeindruckend:
Mein Sohn und ich haben uns dann noch aufs Eagle Nest hochgetraut, meiner Frau war die Stahltreppe aber ein wenig zu abenteuerlich; die gute hat aber auch ein wenig Höhenangst. Der Blick von oben war es uns allemal Wert.
Es fasziniert uns wieder und wieder, wie die Landschaft sich über wenige 100km verändert. Auf einmal sehen wir lichte Wälder an uns vorbeiziehen und zwischendrin tausende Termitenhügel in den lustigsten Formen. Gegen Nachmittag kommen wir im Sophienhof an und beziehen erst einmal unser Zimmer. Das ist zwar etwas dunkel und gehört vielleicht auch nicht zu den luxuriösesten Unterkünften des Urlaubs, ist aber völlig ausreichend und hat sogar einen Kühlschrank (was man längst nicht von allen Lodges sagen kann).
Spontan melden wir uns zum Gamedrive an, welcher wenige Minuten später auch startet. Am Anfang der drives steht theoretisch ein Besuch bei den zahmen Straußen, inklusive Fütterung und dem Geparden, welcher in einem separaten Gehege lebt. Das alles hat natürlich deutlichen Zoo Charakter und um ehrlich zu sein: Ist nicht so unser Ding. Weil wir die einzigen Gäste im Wagen sind, vereinbaren wir mit dem Guide einfach weiterzufahren.
Springbok
Über den Wiedehopf freuen wir uns besonders!
Sattelstorch
Ein Dik Dik? Fällt mir immer schwer sie von anderen Zwergantilopen zu unterscheiden.
Warzenschwein-Familie
Blesbok - eines meiner absoluten Lieblingsbilder des Urlaubs
Kudu
Streifen-Gnu
Es gab sehr viele Giraffen, mit sehr jungem Nachwuchs
Oryx-Herde
Mopsige Einhörner
Hier nochmal in Pose
Wir sind total geflashed, wie schön die Farm tatsächlich ist. Damit haben wir nicht gerechnet. Die Tiersichtungen sind super, aber auch die Landschaft spielt mit. Hügel, Wälder, Grasebenen - alles dabei, beinahe als hätte sich hier ein Landschaftsarchitekt ausgetobt.
Klar ist: dies hier ist keine Wildnis. Die Tiere leben zwar recht frei, kommen teilweise aber in dieser Gegend eigentlich gar nicht vor und die Größe der Bestände ist in schlechten Zeiten sicherlich nur durch Zufütterung aufrecht zu erhalten. Aber: Für das was es ist, ist es großartig.
Es ist bereits dunkel, als wir wieder bei den Villen ankommen. Wir genießen eine warme Dusche und gehen dann direkt zum Abendessen. Heute gibt es Rindersteak vom Grill mit Knoblauchbrot und einigen anderen Beilagen, sowie einer Suppe. Die Köchin Cecile stellt selbst alles ausführlich vor. Wir finden sie sofort sehr sympathisch, allerdings eher auf eine eiserne Mary Poppins Art. Man muss sie vermutlich kennenlernen um zu verstehen, was ich meine. Sympathisch hin oder her, wichtig ist auf dem Teller. Es ist das beste Essen unserer Reise. Das Steak perfekt, die Suppe schmackhaft. Noch nie in unserem Leben haben wir so ein gutes Knoblauchbrot gegessen. Alles ohne Chichi (obwohl wir beim Essen auch ab und an gerne Chichi mögen 😉 ), aber ehrlich, bodenständig, gekonnt und einfach mit viel Liebe lecker auf den Teller gebracht. Das sagen wir Cecile auch, als sie etwas später nochmal vorbeischaut, was sie mit einem hochgezogenen Mundwinkel und einem Nicken quittiert, sich insgeheim aber, glaube ich, doch sehr freut.
Pappsatt vereinbaren wir noch einen Guided Walk für den nächsten Morgen und fallen dann ins Bett.
Das Frühstück kann zwar mit dem Abendessen nicht ganz mithalten, ist aber ebenfalls sehr gut. Direkt danach werden wir vom Guide auch schon abgeholt. Am Tag zuvor hatten wir vereinbart, dass wir gerne Landschaft und Tiere zu Fuß erkunden wollen (soweit aus Sicherheitsgründen möglich), das scheint dem Guten allerdings niemand gesagt zu haben. So lernen wir zunächst eine Menge über den Farmbetrieb, was ja auch sehr interessant ist. Als wir erklären, dass wir gerne noch ein wenig mehr vom Farmgelände selbst sehen würden, wir flugs umgestellt und wir laufen zum farmeigenen Wasserreservoir. Dort sehen wir neben dem Hippo auch eine Menge Vögel, u.A. eine große Eule. Die hatte sich kurz zuvor mit ca. 20 Graulärmvögeln angelegt und als wir neugierig näher kommen, ist es ihr endgültig zu viel und sie zieht Leine. Vermutlich ist es ein Fleckenuhu, nur leider verschwindet er bevor wir ein Bild machen können. Die kleine Enttäuschung können wir gut verdauen, weil uns jetzt ein paar Bienenfresser in ihren Bann ziehen.
Webervögel
Schwalbenschwanzspint oder auch Swallow-tailed Bee-Eater
Rüppells Papagei
Einsames Hippo 🙁
Nun müssen wir uns schon wieder auf den Rückweg machen. Tipp daher: sehr genau absprechen, was der Schwerpunkt des Guided Walks sein soll und den Guide ggf. mutig darauf hinweisen 😄
Für den Nachmittag entscheiden wir uns spontan für einen weiteren Game Drive. Da wir dieses Mal allerdings nicht alleine im Auto sitzen, kommen wir an der Straußen- und Gepardenfütterung nicht vorbei. Die ganze Sache hält sich sowohl aus Tierwohlüberlegungen als auch zeitlich im Rahmen und fällt deswegen nicht zu sehr ins Gewicht. Bilder vom Geparden haben wir dann natürlich trotzdem gemacht, auch wenn ich das nicht als "echtes" Sighting zählen würde. Nach ca. 20min ist der Spuk vorbei und die Fahrt übers Farmgelände kann fortgesetzt werden, wobei wir dieses Mal die Kamera weitestgehend im Rucksack lassen und einfach nur genießen.
Zum Abendessen gibt es heute Springbok-Auflauf. Was soll ich euch sagen, Cecile hat es einfach drauf. Göttlich. Mich würde mal interessieren, ob das nur uns so ging, oder andere eine ähnliche Erfahrung gemacht haben?
Auch das schönste Abendessen muss einmal zu Ende gehen, weswegen wir uns schließlich in unser Zimmer zurückziehen. Dort wartet schon ein kleiner Schock in Form einer ziemlich großen Spinne auf uns. Sie sieht ziemlich "gefährlich" aus! Deshalb entscheiden wir sie nicht selbst einzufangen, sondern lieber an der Rezeption um Hilfe zu bitten. Der freundliche Mitarbeiter schaut zwar ein wenig skeptisch, folgt uns aber zurück zur Villa. Als wir dort ankommen, wirft er einen Blick auf die Spinne und schüttelt nur den Kopf. Dann nimmt er die Spinne sacht in beide Hände und setzt sie etwas weiter draußen wieder aus. "Ist ganz harmlos", sagt er noch. Tja, jetzt sind wir schlauer 😄
Der nächste Tag ist gleich in zweifacher Hinsicht etwas Besonderes: Zum einen fahren wir heute in den Etosha und zum anderen ist es der Geburtstag meines Sohnes. Das hatten auch die Angestellten des Sophienhofs mitbekommen und einen riesigen Kuchen besorgt. Cecilia lässt es sich nicht nehmen ihn persönlich zu überreichen und dem Nachwuchs ein Ständchen zu singen 🙂 Der Kuchen ist allerdings viel zu groß für uns drei, weshalb wir ihn mit den Angestellten und einer weiteren Familie teilen.
Fazit: Wer auch immer einen Zwischenstopp auf dem Weg zum Etosha einlegen will und sich damit arrangieren kann, dass er nicht in der puren Wildnis übernachtet, dem können wir die Sophienhof Lodge nur ans Herz legen 🙂 Auch zum Birding ist es ein Paradies!
Dennis
Teil 1023. Dez. 2024
9. Halt: Etosha Safari Camp
Vom Sophienhof fahren wir erst einmal nach Outjo zum Tanken und um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Outjo scheint uns ein sehr aufgeräumtes, sauberes und modernes (?) kleines Städtchen zu sein. Mehr noch als Windhoek oder Swakopmund. Der Eindruck kann aber auch trügen, weil wir maximal 1h dort verbringen und nur 2-3 der größten Straßen befahren. Wie dem auch sei, der Spar ist relativ gut sortiert, aber natürlich weit entfernt von den Superspars in Swakopmund/Windoek. Trotzdem finden wir, was wir brauchen und kaufen in der Bäckerei gegenüber noch ein paar Snacks für unterwegs.
Dann geht es direkt über die (zu) gut ausgebaute Teerstraße C38 in den Etosha. Am Anderson Gate erwerben wir den Permit direkt für die nächsten 2 Tage. Wie überall sind die Sicherheitsleute der Nationalparks desinteressiert, aber freundlich.
Heute wollen wir uns den "Westen" anschauen, fahren also mit kurzem Zwischenhalt in Okaukuejo über Okondeka nach Grunewald und wieder zurück zum Anderson Gate. Die größte Ausbeute haben wir aber in Ombika und am Okaukuejo Wasserloch.
Kaum im Park, läuft uns auch schon der erste Eli vor die Linse; was für ein Geburtstagsgeschenk!
Zebras am Okaukuejo Wasserloch
Springböcke sind auch nie weit
Streitende Springböcke
Eine Gnu-Herde zuckelt über 15 Minuten aufs Wasserloch zu
Die Gackeltrappe sehen wir auf dem Weg nach Westen; von allen Trappen hat die Gackeltrappe auf jeden Fall den besten Namen, finden wir
Nur ein Schild-Rabe
Die Riesentrappe erinnert uns noch mehr an Dinos als die Strauße
Ein blasser Steppenfalke?
Mit den Rhinos haben wir viel Glück dieses Mal; wir sichten mindestens 20. Exemplarisch dieses Modell vom Ombika Wasserloch
Nochmal in Okaukuejo
Wie auch 2015 gefällt uns der "westliche" Teil des zentralen Etosha zwar, aber spannende Sichtungen sind Mangelware. Unser Sohn ist einerseits begeistert von den vielen Tieren, andererseits sind die Strecken weit und die Pad schlecht. Zum ersten Mal in diesem Urlaub fragt er nach seinen Kopfhörern, um sich die Zeit mit einem Hörspiel zu vertreiben.
Zum späten Nachmittag hin machen wir uns auf den Weg ins Etosha Safari Camp. Rein von der Exklusivität her, sicherlich die einfachste Unterkunft der Reise. Das macht uns aber nichts aus, bis wir unser nett eingerichtetes Zimmer betreten. Die Fenster sind auf Kipp, die Klimaanlage aus und das Licht teilweise an. Wir beginnen zu zählen, hören aber 20 Sekunden später wieder auf. Es sind einfach zu viele. Zu viele Moskitos. Es müssen mehrere 100 sein. Nachdem wir den Rest der Reise keine einzige Mücke gesehen haben, gibt es jetzt die geballte Ladung. Schnell ist klar, trotz Mückennetz: Hier können wir nicht schlafen. Wir packen erst einmal nicht aus und entscheiden essen zu gehen. Vorher sagen wir bei der Rezeption Bescheid, dass wir so nicht schlafen können. Dort wird uns nach anfänglichem Unverständnis zugesagt ein Swat (pun intended) Team vorbeizuschicken und die Biester auszuräuchern. Klingt nicht gesund, aber immer noch besser als mit den ganzen Stechmücken den Raum zu teilen.
Hier muss ich mal ne Lanze brechen für das Safari Camp. Ja, es ist nicht super luxuriös und auch nicht über die Maßen gepflegt und es sind zu viele Leute; aber die Atmosphäre am Abend mit der Live Musik, dem Lagerfeuer und dem erstaunlich ordentlichen Essen ist wirklich schön. Jetzt nicht falsch verstehen, die Qualität des Essens ist jetzt nichts Besonderes, aber eben auch nicht bedeutend schlechter als zum Beispiel im Adventure Camp, wo wir das doppelte gezahlt haben.
Es war ein langer Tag und auf dem Weg zurück zu unserem Bett hoffen wir, dass er nicht noch länger wird. Aber - siehe da - es ist nichts mehr zu sehen. Ein paar Mücken liegen verendet auf dem Boden und ein chemischer Geruch liegt in der Luft. Ansonsten herrliche mückenfreie Stille. Wir schalten die AC an und werden sie auch für unseren restlichen Aufenthalt nicht mehr aus machen (was uns so auch von der Rezeption empfohlen wurde). Jetzt noch etwas umständlich das Lager aufbauen und Augen zu.
Heute soll unser längster Tag im Etosha werden. Nach einem leckeren Frühstück machen wir uns direkt auf in den Park und steuern nach einem weiteren Abstecher zum Okaukuejo Wasserloch Richtung Halali.
Nochmal in Okaukuejo vorbei
Dann ab nach Osten
Einsamer Bulle
Giraffe beim Brunch
Bei Sueda sehen wir einige Autos stehen. Gerade als wir ankommen, parken einige Wagen aus und fahren davon. Geduldig scannen wir den Horizont und entdecken zur allgemeinen Freude einen Leoparden im Baum, der gerade aus der Baumkrone herunterklettert, um es sich in einer Astgabel gemütlich zu machen. Wir bleiben für eine Weile und schauen ihm beim Mittagessen zu.
Nach ca. 30 Minuten klettert er wieder nach oben und wir ziehen weiter, weil wir mittlerweile selber einen Löwen… äh Leo-Hunger haben.
Eine Cola und ein paar leckere Lunch-Boxes später schauen wir beim Halali Wasserloch vorbei. Da kündigt sich gerade mit Schnauben und Trompeten (oder so) eine große Elefanten Familie an. Von alter Matriarchin bis Mini-Fant ist alles dabei - toll!
Im Hintergrund ist auch eine Menge los, weil sich dort ständig die Zebras zanken, so wie gestern die Springböcke.
Ein Hornbill versteckt sich nur 1 Meter entfernt im Gebüsch
Ein Blick auf die Uhr zwingt uns dazu uns endlich loszureißen, schließlich müssen wir vor Einbruch der Nacht wieder den Park verlassen. Wir fahren beinahe dieselbe Strecke zurück, die wir auch auf dem Hinweg gewählt hatten. Wir haben eine leise Hoffnung, dass der Leo immer noch da ist und Tatsache: mittlerweile ist er zwar aus dem Baum geklettert und lümmelt auf dem Boden herum, aber dort sieht man ihn fast noch besser.
Später sehen wir noch einen Sekretär (einer der Lieblingsvögel meiner Frau), grummlige Elefanten und kämpfende Giraffen. Was haben die denn alle so schlechte Laune hier???
Das Vorher-Bild einer Hautcreme Werbung
Am Abend buchen wir für den nächsten Tag noch eine Guided Tour, vielleicht sieht der Guid ja mehr als wir? (Spoiler Alert: Der Guide nicht, die Guides aber schon)
Es ist früh und kalt. Wir packen uns dick ein und schlottern trotzdem schon auf der Fahrt zum Tor. Vor uns sitzen ein französischer Vater mit Tochter in KURZEN HOSEN! Wir erbarmen uns und bieten den beiden eine zusätzliche Decke an. Die sind zwar nicht so schön isoliert wie im Adventure Camp, aber besser als nichts.
Wir verstehen jetzt auch besser, wie das im Etosha mit den Guides funktioniert. Ich bin mir sicher, dass das jedem anderen schon vorher klar war und es ist ja auch total logisch. Die Guides sehen nicht mehr als wir (bzw. meine Frau, mittlerweile hauptberufliche Tier-Spotterin), aber sie stehen im ständigen Austausch über Funk. Und so wird schon wenige Minuten nachdem wir in den Park hineinfahren klar, dass wir auf der "Jagd" nach einem Löwenpärchen sind. Unser Guide fährt daher mit einer geradezu kriminellen Geschwindigkeit über die wirklich, WIRKLICH schlechte Straße. Ich schließe teilweise die Augen und drücke einfach nur die Daumen, dass wir da heil wieder rauskommen. Dafür kommen wir mit als erste bei den Löwen an.
Leider sind sie ziemlich weit weg. Dafür bekommen wir zwischendurch eine, äh, Show geboten. Ansonsten sind sie sehr faul und wir fahren nach ca. 1h weiter. Wir sehen noch ein paar Nashörner und anderes Getier, aber die Bilder werden leider nicht besonders.
Dafür gibt’s noch eine Gabelracke und einen Tawny Eagle (?).
Gabelracke
Im Flug; leider nicht ganz scharf
Tawny Eagle
Martial Eagle
Die ca. vierstündige Fahrt ist dann auch fast schon wieder um und unser Guide steuert nach Hause. Ich muss sagen: besonders bemüht oder gesprächig war er nicht. Da hatten wir uns mehr Hintergründe, Infos oder wenigstens Small Talk gewünscht. Vielleicht hatte er einfach keinen guten Tag.
Wir essen zu Mittag und entspannen ein paar Stunden am Pool.
Ein Bulbul
Und jetzt? Sollen wir nochmal selber in den Park? Der Sohnemann hat eine klare Meinung: Logo!
Dieses Mal fahren wir via Ondongab nach Gemsbokvlakte, Olifantsbad und dann über die mit Abstand beste Pad unseres Etosha Besuchs zurück Richtung Ombika. Die Strecke ist wunderschön und soooo viel angenehmer zu fahren. Eine Wohltat. Bei Olifantsbad machen wir auch noch die Sichtung des Urlaubs: Raubkatzen-Alarm!!!
Kleiner Scherz. Aber wir sind tatsächlich sehr stolz die kleine Wildcat entdeckt zu haben - hauptsächlich weil die Impala Herde am Wasserloch unfassbar nervös war und immer wieder in ihre Richtung guckte. Impalas sind offenbar nicht die schlauesten Tiere; die Katze reichte ihnen gerade so bis zum Knöchel 😄
Schließlich finden wir nach den Löwen noch ein weiteres Tierpaar, dass sich lieb hat, allerdings auf etwas jugendfreiere Art und Weise.
Und so geht unser Besuch im Etosha auch schon wieder zu Ende. Hätte man doch 4 Nächte bleiben und sie auf zwei Lodges aufteilen sollen? Wahrscheinlich schon, denn der Nachwuchs hat alles klaglos mitgemacht und sich für die vielen Tiere schwer begeistern können. Das Etosha Safari Camp können wir als Base an sich empfehlen. Die Location sehr nahe am Gate ist gut und der Rest war auch ok. Wir würden aber im Zweifel vielleicht doch lieber das Village oder die Safari Lodge bevorzugen.
LG und frohe Weihnachten, Dennis
Teil 1110. Jan. 2025
10. Halt: Omatozu Safari Camp
Heute ist mal wieder Abreisetag. Wir packen in Ruhe unsere Sachen und checken aus. Statt einer weiteren morgentlichen Pirschfahrt im Etosha entscheiden wir uns nach längerem Abwägen für einen kleinen Umweg auf der Route zum nächsten Ziel. Statt langweilig nur die B2 bis zu Omatozu zu fahren, nehmen wir die D2414 und fahren durch Erindi. Zum Glück! Was für eine schöne Strecke. Die Pad ist durchgehend ein Traum, es fühlt sich an als würden wir auf Wolken fahren. Und die Landschaft spielt ebenfalls mit. Leider haben wir nicht öfter angehalten, deshalb nur zwei unzulängliche Beweisbilder.
Wie schon öfter im Forum beschrieben, wird man am Eingang zum Erindi nach dem Ziel gefragt und am Ende auch wieder aus einer Liste ausgetragen. Ansonsten sind die Security Leute freundlich und aufmerksam. Das Gelände selber ist ebenfalls sehr schön und wir sehen Giraffen, Elefanten und verschiedene Antilopen.
Wenn man nicht unter Zeitdruck steht, dann gibt es eigentlich keinen Grund nicht diese 30-60 min extra zu investieren. Wir sind sehr froh uns dazu entschieden zu haben. Kurz bevor wir in Omatozu ankommen, sehen wir dicke, dunkle Wolken am Horizont; das ist (für uns) neu. Wir meinen sogar in der Ferne Regenschauer erkennen zu können, verwerfen den Gedanken aber wieder, es ist schließlich Anfang August!
Omatozu selber wirkt auf den ersten (und auf den zweiten) Blick extrem aufgeräumt. Der Boden im und rund ums Camp wird wie im Zen-Garten gerecht und auch sonst wirkt alles unfassbar ordentlich. Die Zelte sind hübsch und haben eine Heizung, allerdings sollten die Badezimmer mal erneuert werden. Für WCs und Duschen aus den 90ern sind die Preise von Omatozu definitiv zu hoch. Die Begrüßung durch das Personal ist freundlich aber schüchtern und so wird unser Kontakt die nächsten zwei Tage auch bleiben, trotz unserer Versuche das ein oder andere Gespräch zu beginnen.
Zum Abendessen gibt es gute Steaks. Alles ist lecker, haut uns aber auch nicht vom Hocker. Die Dining Area ist kaum nach draußen abgeschirmt, weswegen es abends schon sehr kalt wird und uns graut bereits vor den klimatischen Bedingungen beim Fruehstueck! Es gibt zwar einen Kamin, der wird jedoch für den gesamten Aufenthalt nicht angeschürt.
Nach einer angenehmen Nacht und dem erwartet kaltem (aber guten) Frühstück, machen wir uns auf eine kleine Wanderung durch die Camp Area. Es erinnert uns ein wenig an Namibgrens, ohne ganz dessen Wow-Faktor zu errreichen. Trotzdem ist es eine tolle Route!
Den Rest des Tages faulenzen wir einfach mal. Beim Abendessen erkundigen wir uns nach den beworbenen Self-Drives. Wir sind leicht verwundert, dass für den "Permit" tatsächlich nochmal Gebühren erhoben werden (~20 EUR pro Wagen und Tag!). Mal ganz ehrlich: Das Camp ist wirklich schön, aber Preis/Leistung stimmt nicht und wir fühlen uns ein wenig ausgenutzt. Wie dem auch sei, wir haben ja 2 Nächte hier gebucht und irgendetwas müssen wir ja machen 😄
Zunächst trauen wir uns nur an den 2x4 Trail heran. Es offenbart sich eine super schöne, erstaunlich diverse Landschaft, die auch unsere Wandererfahrung vom Vortag übertrifft. Zudem sehen wir eine Menge Tiere insb. Giraffen und Antilopen und auch eine Strichelracke.
Strichelracke
Die Wolken hatten sich seit unserer Ankunft immer weiter verdichtet, was eine herausragende Lichtstimmung erzeugt. Das macht fotografisch schon mehr her, als der immer blaue Himmel 🙂
Wir sehen in der Ferne ein Gnu, das, völlig außer Rand und Band, durch die Gegend springt. Wir kratzen uns am Kopf - Ist da etwa ein Leo in der Nähe oder wurde es von einer Schlange gebissen? Kurze Sekunden später ist uns die Ursache allerdings klar: Es fängt tatsächlich an zu regnen. Das Gnu ist völlig außer sich vor Freude und wir auch, weil wir damit zu dieser Jahreszeit wirklich nicht damit gerechnet hatten.
Als wir uns schon wieder dem Camp nähern (es ist ca. 14.30 Uhr) entscheiden wir uns spontant doch noch den 4x4 Trail zu fahren. Was soll schon groß passieren? Wir biegen ab und fahren den gut sichtbaren Pfeilen nach. Nee, halt, da stimmt was nicht. Nach ein paar Kurven und Pfeilen merken wir, dass wir den Trail falsch herum fahren. Ach egal, ist ja eigentlich egal, oder? Pustekuchen 😄 In den nächsten 2 Stunden kommen wir mehrfach in Situationen, in denen ganz und gar nicht klar ist, wohin wir eigentlich abbiegen müssen. Mit einbrechender Dunkelheit und wieder einsetzendem Regen wird uns dann doch etwas Bange. Schließlich landen wir in einer scheinbaren Sackgasse. Der Boden ist extrem sandig und es hat wieder zu regnen begonnen. Dieses Mal waren wir uns eigentlich sicher, richtig gefahren zu sein. Meine Frau steigt aus und kundschaftet den Weg entlang. Schließlich wird klar: Wir sind richtig. Mitten aus dem Sandbecken, dass beidseitig mit dichten Gestrüpp gesäumt ist, geht ein kleiner Weg steil bergauf nach rechts ab. Würde man hier richtig herum fahren, wäre das deutlich einfacher. Wir nehmen unseren Mut zusammen und probieren es einfach. Siehe da, alles kein Problem, das Auto hat offenbar viel mehr auf dem Kasten als sein Fahrer 😉
Insgesamt halten wir fest: Eine wirklich schöne Strecke, die man dringend richtig herum fahren sollte. Für erfahrene Offroader mit Sicherheit ein absolutes Kinderspiel, für Anfänger genau richtig zum Erfahrung sammeln.
Nach einem weiteren ordentlichen Abendessen / Übernachtung und Frühstück steht unsere letzte größere Fahrt an. Es geht ohne besondere Vorkommnisse zurück Richtung Windhoek. Wir fahren etwas zu früh los und müssen uns dann im Stellenbosch, wo wir eine Reservierung zum Mittagessen haben noch die Zeit vertreiben. Schließlich machen wir uns auf den Weg zum Flughafen und geben überpünktlich unseren Wagen ab, der nicht besonders gründlich durchgecheckt wird (wir sind allerdings auch sichtbar pfeglich mit ihm umgegangen). Im Airport selber kaufen wir noch ein paar kleine Souvenirs und eine letzte Tüte Biltong.
Der Flug ist dann ziemlich "on time" und schweren Herzens verabschieden wir uns von Namibia.
Dieses Mal haben wir leider keine 4er Reihe für uns und ich mache praktisch die ganze Nacht kein Auge zu. Naja, der Urlaub war es allemal wert, sind wir uns alle drei einig.
Damit endet der eigentliche Reisebericht. Ich werde in den nächsten Tagen noch eine wirklich (!) kurze Review aller Unterkünfte, ein allgemeines Fazit sowie ein paar Tipps bzgl der Reise mit Kindern (inkl. der Meinung des Sohnemanns) nachschieben.
Vielen Dank nochmal an das Forum für die große Hilfe bei der Planung! Und besonders vielen Dank an alle "Mitfahrenden" 🙂 Es ist deutlich mehr Aufwand einen Reisebericht zu schreiben, als ich am Anfang dachte. Es hat zwar viel Spaß gemacht und im Grunde schreibt man den Bericht ja auch für sich selbst, aber trotzdem hat mich jeder Kommentar und jedes Danke immer motiviert weiter zu schreiben.