Für den nächsten Tag haben wir einen geführten Ganztagesausflug bei Black Rhino Safaris gebucht. Den Tag starten wir aber mit einem grandiosen Frühstück im Hauptgebäude des „Farmhouse“. Dies hatten die Besitzer spontan möglich gemacht und so sitzen wir – mit schönem Blick auf den Pool – auf der Terrasse und lassen es uns gut gehen.
Der Ganztagesausflug soll uns einen Überblick über den Nationalpark geben, einige San-Zeichnungen in Höhlen erkunden lassen und im Idealfall per Fahrzeug und als Walk die Sichtung von Rhinos ermöglichen.
Andy, unser Guide, Simbabwer, holt uns pünktlich ab und ich tausche Flipflops gegen Sneaker. Die Fahrt bis zum Gate schafft er in deutlich geringerer Zeit als wir auf dem Hinweg, offenbar kennt er die Schlaglöcher. Schon am frühen Morgen ist es extrem heiß und diese Hitze mit fast 40 Grad wird uns die Sichtung von allen Tieren massiv erschweren und auch uns ganz ordentlich fordern. Wir hatten reichlich Wasser mitgebracht und bekamen auch viel angeboten – man brauchte es auf dem offenen Fahrzeug auch.
Unsere walking safaris zu möglichen Spots der Rhinos sind nicht von Erfolg geprägt, bei sengender Hitze und null Schatten, entscheiden wir gemeinsam, zunächst die San Paintings zu erkunden. Die Hoffnung auf kühlende Höhlen erweckt unsere Geister. Wir fahren eine Weile, parken das Auto und laufen los. Noch nie war ich vorher 1 Stunde bei der Hitze einen Berg hochgelaufen, um dann in einer total stickigen Höhle gegen den Schwindel anzukämpfen. Aber die Zeichnungen waren wunderschön, die Strapazen haben sich mehr als gelohnt. Andy entpuppt sich als toller Guide auch hinsichtlich der Hintergründe dieser Höhle und ihren Zeichnungen.
Unsere wohlverdiente Pause machen wir in Maleme Dam. Hier war ich vor vielen Jahren und bin erschrocken, wie ausgetrocknet der Dam ist. Damals war dies ein ganz besonderer Ort für mich, jetzt ist es eher etwas trostlos. Die Chalets sind verwaist, Touristen finden sich hier offensichtlich nicht mehr ein. Andy hat einen super tollen Lunch mit zig Salaten, Brot, Tee und Kaffee vorbereitet und wir unterhalten uns angeregt über den Tourismus in Simbabwe. Er arbeitet oft als Guide in Hwange, Manapools und Vic Falls, gibt uns tolle Tipps für unser baldiges Ziel Gonarezhou, berichtet aber auch, dass Manapools – mein Lieblingsort in ZIM – inzwischen wohl privatisiert werden soll und sich dort aktuell Kleingruppen (5 Fahrzeuge, 10 Touris plus 1 Guidefahrzeug) Platz machen. Er war ein paar Wochen früher dort gewesen und um eine Gruppe von Löwen fanden sich bis zu 20 Fahrzeuge ein. Wenn das wirklich wahr ist, ist auch Mana nicht mehr mein „place to be“. Wir alle sind nachdenklich. Einerseits wünsche ich Simbabwe mehr Tourismus, andererseits ist es dann halt nicht mehr das, was ich an ZIM liebe.
Andy bläst zum Aufbruch. Zum einen will er das Rhino Tracking nicht als verloren erklären, zum anderen weiß er, dass wir noch Cecil Rhodes Grab in spektakulärer Lage besichtigen wollen. Auf unserem Weg lesen wir einen zu Fuß befindlichen Ranger auf, der erst seit wenigen Jahren die Rhinos in Matobo bewacht. Der junge Mann wurde seinerzeit aufgegriffen, weil er im NP Antilopen rechtswidrig erlegen wollte. Man gab ihm die Wahl: Knast oder Anti-Poacher zu werden. Heute verdient er genug, um sich und seiner Familie mehr bieten zu können als gelegentlich ein gutes Essen. Es freut mich, dass Simbabwe solche Wege geht, das gibt mir Hoffnung für ein Land, das ich so liebe.
Wir fahren eine Weile, doch dann bekommen wir das Signal, dass ich meine Flipflops wieder gegen die Sneaker tauschen muss und wir laufen los und dann sehen wir das Nashornpaar samt Nachwuchs. Sie sind aufmerksam, aber die Hitze macht auch sie träge und wir bleiben im respektvollen Abstand und staunen nur. Das war nicht meine erste Sichtung, ich fahre schon 20 Jahre nach Afrika, aber die Demut, die mich immer bei jeder Sichtung überfällt, hält erfreulicherweise an. Die Hitze ist unerträglich und dennoch verharren wir dort und genießen den Anblick. Zu dem Zeitpunkt hätte ich nie gedacht, dass ich später in Simbabwe frieren würde.
Überglücklich verlassen wir später den Nationalpark in Richtung Cecil Rhodes Grave, parken das Auto, erkunden die Schautafeln am Eingang und laufen dann über die riesigen Steinformationen zum Grab. Wer könnte es Rhodes verübeln, hier begraben zu sein wollen? Die Aussicht ist unfassbar schön. Touristen sehen wir keine, dafür zig Einheimische. Den Sundowner – Gin Tonic – haben wir mitgebracht, wenngleich wir diesen früher als Sonnenuntergang genießen. Wir sollen rechtzeitig im Farmhouse zurück sein und auch Andy hat sich den Feierabend mehr als verdient. Es war ein toller Tag – kann ich nur empfehlen. Andy bringt uns sicher zurück, wir entzünden das Feuer und genießen Kartoffeln mit Kräuterbutter, die ich schon in Hwange zubereitet hatte. Dazu gibt es Thunfischsalat mit reichlich Zwiebeln. Auf der Campsite nebenan treffen wir eine nette Familie aus Hwange wieder. Ein toller Tag geht zu Ende. Morgen geht es nach Masvingo.


















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