Kapitel 20: Ich will Punkte!!!Da wir uns heute für den "Leopard Drive" angemeldet hatten und wir daher um 5:45 Uhr (!) abgeholt werden sollten, haben wir uns einen Wecker gestellt. Und wie so häufig, wenn sich der schwarze Löwe einen Wecker stellt, wacht er 10 Minuten früher auf! XD
Mir war das nur Recht, denn so musste ich das gekünstelte Gepiepse und Getöne nicht ertragen, sondern konnte ungestört anderen interessanteren natürlichen Geräuschen lauschen.
Wohlwissend, dass es in den frühen Morgenstunden erstmal kalt werden würde, statte er sich mit einer langen Hose und einem Fliespulli aus. Ich hatte ja zum Glück mein Allwetterfell. =^.^=
Da wir am letzten Abend für den Abwasch zu faul waren, hatte mein Privatkoch das Geschirr zum Einweichen im Spülkasten stehen gelassen. Die tierische Überraschung bekam er dann an diesem Morgen mit einer ganzen Ameisenhorde, welche sich sowohl über die Essensreste als auch das Frischwasser freuten. XD
Da wir nicht wussten, ob in der Aktivität auch ein Frühstück mit inbegriffen war, schoben wir uns noch zwei Toasts zwischen die Zähne, bevor auch schon Martin, unser Guide, uns pünktlich abholte. Wir verstanden uns sofort prächtig. ^^
Wir wurden zuerst in die Lodge gebracht, wo wir dann tatsächlich noch einen Morgenimbiss in Form von Muffins und Äpfeln gereicht bekamen. Wir waren beide froh, die Gelegenheit mit den Toasts genutzt zu haben...
Mein Reisebegleiter unterhielt sich dann noch ein paar Minuten mit zwei Veterinären (als ich das gehört habe, habe ich natürlich sofort das Weite gesucht!), als es dann auch schon mit sechs weiteren Lodgegästen los ging.
Martin bot uns Gästen vor Fahrtbeginn noch warme Decken an, was aber viele erstmal dankend ablehnten. Und auch wir dachten, dass die frische Morgenluft uns nichts ausmachen würde, da wir ja schon eine Strecke auf dem Beifahrersitzt zurückgelegt hatten. Aber da hatte Martin noch die Windschutzscheibe oben gehabt...
Es kam wie es kommen musste. Mein Privatfotograf hatte kalt, ich hatte kalt, also wärmten wir uns gegenseitig. Dies führte zu einem leichten Amüsement der anderen Gäste, welche mittlerweile Martins warme Decken dankend angenommen und sich darin eingekuschelt hatten. Aber das war mir egal was die anderen sich dabei dachten. Hauptsache ich hatte warm.
Noch vor Sonnenaufgang fuhren wir durch das Okonjima-Naturreservat und stießen als erstes auf eine Gruppe Giraffen, von denen eine uns den Weg versperren wollte.

Martin erklärte uns, dass er als erstes versuchen würde einen der ungefähr 30 Leoparden mit Halsbändern von einer erhöhten Position aus zu orten. Und während er seine Signalortungen machte, nutzen viele von uns die Gelegenheit schöne Panoramaaufnahmen zu machen, oder, im Fall einer Französin, ein Foto von mir im Jeep. =^.^=


Vom Berg aus hatte unser Guide Martin mehrere Signale im Tal geortet, so dass als nächstes eine abenteuerliche und holprige Abfahrt mit beachtlicher Steigung und großen Steinen bevorstand. Zuvor ging jedoch erstmal endlich die Sonne auf. 🙂

Noch am Hang und dann auch weiter unten im Tal unternahm Martin dann weitere Ortungsversuche. Aber irgendwie schien der Gute dabei etwas irritiert zu sein. Als wir dann durch das trockene Flussbett fuhren, erklärte er mir auch warum. Anstatt einem Signal bekam er zwei Signale gleichzeitig aus dem Flussgebiet. Und als wir dann im Flussbett um eine Ecke bogen, sahen wir plötzlich eine braune Hyäne an einem Kudu-Kadaver.
Achtung! Dieses Foto ist nichts für Cubbies!Da die Sicht durch einen tiefhängenden Baum größtenteils versperrt war und wir auch das Sonnenlicht gegen uns hatten, umrundete Martin mit uns die Stelle, so dass wir uns von der anderen Seite annähern konnte. Die scheue Hyäne war mittlerweile verschwunden und das Kudu lag alleine im Flussbett. Doch Martin war sich sicher, dass gleich ein Leopard auftauchen würde. Er sollte Recht behalten. =^.^=

Wie uns Martin erklärte, war der Gute erst ca. 2 Jahre alt und damit noch ein Jungster. Doch wirklich zum Fressen kam der Gute nicht, da Mama anmarschiert kam und ihren früheren Sohn durch die Büsche scheuchte.

Danach durfte sie sich mit den tausenden von Fliegen am Kadaver herumschlagen, was zu teils sehr komischen Fotos führte. XD


Erst als sie fertig und fortgegangen war, durfte er wieder ran und sich statt fressen.


"Bon appetit!"


Als der Gute genug hatte und auch wieder im Gestrüpp verschwand, hatte unser Guide Martin wohl die beste Idee des Tages. Er wusste nämlich das Mama-Leopard vor wenigen Monaten ein neues Junges bekommen hatte und versuchte daher sie nochmals zu orten. Und tatsächlich! Nur wenige hundert Meter vom Flussbett entfernt fanden wir die Leopardin wieder unter einem Baum. Und ihr Junges war auch mit dabei!!!
Safari mit Piepsestimme"Oh, wie süß!"

"Aww... und wie der Kleine lieb mit Mama kuschelt!!"

"Und jetzt tapst er ganz brav hinter Mama her!"
Safari zu ihrem Privat-FotografSafari: "Mach mir Punkte ins Fell!!! Ich will hier raus und mit dem Kleinen spielen!!"
Privat-Fotograf: "Aber Safari! Erstens haben Leoparden keine Punkte, sondern Rosetten im Fellmuster. Und zweitens glaube ich nicht, dass die Mama des Kleinen glücklich reagiert, wenn sich eine getarnte Löwin ihrem Jungen nähert. Verstanden?"

Safari: "Oh Gott! Sieh doch diese absolut süßen großen Äuglein! Aww... wie SÜÜÜÜSSSSSS!!!!"
Privat-Fotograf: "Safari? Warum bekommst du so große Augen?! Und was soll dein dämlich überdimensioniertes Grinsen auf einmal? Safari?! Safari!!"
Der ominöse Ghostwriter kommt aus dem Hintergrund nach vorne und übernimmt vorübergehend die weitere Erzählung für die arme, paralysierte und unter "Cuteness"-Schock stehende Safari.Martin erklärte uns, dass wir riesiges Glück hätten den jungen Leoparden zu sehen und das die Leopardin ihr Junges höchstwahrscheinlich zum Kadaver führen wird. Die Leopardin lief immer ein Stückchen vor und wartete dann, bis ihr Junges ihr nachfolgte, während unser Guide uns Touristen mit dem Jeep in optimalste Positionen manövrierte. Dadurch sind sehr viele, sehr schöne Fotoaufnahmen entstanden.




Wie vorhergesagt, gingen die beiden Leoparden zurück zum Kadaver im Flussbett. Dort befand sich auch noch der erste männliche Leopard, so dass wir zeitweise von unserem Jeep aus alle drei beobachten konnten. Ich bin mir nicht sicher, ob die Leopardin sich der Anwesenheit ihres fast erwachsenen Sohnes bewusst war. Er jedenfalls wusste das seine frühere Mutter und sein neuer Bruder da waren, hielt sich jedoch zurück hinter Gebüsch versteckt.
Sohn-Leopard

Mama-Leopard

Leopardenjunges


Der Kleine hat, vermutlich von seiner Mutter, ein Stück des Kudu-Schwanzes bekommen. Wer junge Hauskatzen kennt und weiß wie diese mit Katzenspielzeug durch eine Wohnung tollen können, der kann sich ungefähr ausmalen, was dieser kleine Leopard mit seiner Schwanzquaste vor unseren Augen angestellt hat.
Gegen Ende hat sich der Kleine auch noch kurz für den Kadaver interessiert, ist aber von den Fliegen verscheucht worden. 😄
Nach etwas über einer Stunde musste Martin mit uns dann leider den Rückweg antreten. Aber nachdem was wir alles haben sehen dürfen, war glaube ich keiner von uns Gästen unglücklich. Auf dem Rückweg zur Lodge kam dann auch Safari langsam wieder zur Besinnung, weswegen ich ihr ab hier wieder das Wort gebe.
Der ominöse Ghostwriter verschwindet wieder im Hintergrund und überlässt Safari die Erzählerbühne.Ähm... ja... Danke und Sorry für die... Unannehmlichkeiten... oder so...
Aber man muss doch zugeben, dass der Kleine mit einem Öhrchenwackler sofort jedes Herz erobern kann. Ich jedenfalls weiß jetzt schon wovon ich heute Nacht träumen werde. Von einer Plüschlöwin mit Punkten die mit einem kleinen Leoparden spielt!
Auf dem Weg zurück zum "Okonjima Plains Camp" haben wir dann nochmals Giraffen, Springböckchen und einen auf der Straße liegenden Schakal gesehen, der dort total gechillt im Schatten eines Baumes lag und sich durch uns überhaupt nicht stören lassen wollte.



Nachdem die Lodge-Gäste ausgeladen waren, hat uns Martin noch zum "Day Visitors Centre" gebracht, welches oberhalb der Campsites liegt. Leider war das Zentrum schon seit längerer Zeit geschlossen, so dass wir nur einen Blick durch die Tür werfen konnten. Aber unser eigentliches Ziel war ja sowieso uns die Pfoten etwas zu vertreten und auf dem Weg zu unserer Campsite schon einmal den Pool zu inspizieren. Von oben sah dieser ja schon mal sehr vielversprechend aus. =^.^=

Praktischerweise lag unsere Campsite mehr oder weniger direkt neben dem Pool. Schnell schnappten wir also unsere Badesachen und ein paar gekühlte Getränke und taten am Pool einfach mal das was Löwen am besten können.
Ausruhen und Energie sparen!

Wie wir schnell feststellten, waren wir zwar die einzigen Gäste am Pool, aber nicht definitiv nicht alleine! Hier hatte mein Privat-Fotograf, neben ein paar Schwimmrunden im erfrischenden Pool, auch mal Zeit ein paar kleinere Tierchen digital auf seine Speicherkarte zu bannen.



Und ganz nebenbei rettete er auch diese Kröte aus dem Wasserbecken.

Von einer Mittagspause mit improvisierten Mittagessen (Spaghetti mit einer leicht scharfen Curry-Soße), verbrachten wir den Rest des Tages am Pool. Nach den fünf intensiven Tagen im Etosha und dem frühen Leopard-Drive an diesem Morgen, brauchten auch wir einfach mal eine Pause. Ursprünglich hatten wir für den Abend ja nochmals einen Leopard-Drive in unserer Planung gehabt, aber wie hätte dieser denn die Wahnsinnssichtung an diesem Morgen noch toppen können? Nein, solange wir den Pool für uns alleine hatten, war dies genau das Richtige für uns.
Erst gegen Abend überliesen wir dann den Pool anderen französischen Gästen und machten uns daran wieder ein gemütliches Lagerfeuer zu entfachen. Und so langsam hatte ich auch wieder Hunger...

Zu Essen gab es Reste vom Mittag und ein letztes über dem Feuer gegrilltes Steak.

Da es das letzte Lagerfeuer war, saßen wir noch lange davor und erinnerten uns an die vielen schönen Erlebnisse der letzten Tage. Und erst als der Vollmond schon hoch am Himmel legten wir uns, für eine letzte Nacht, ins gemütliche Dachzelt. Ach, wie sehr würde ich diese Gemütlichkeit vermissen.
Eure Safari =^.^=