nun habe ich hier auch mal reingespickt und amüsiere mich köstlich ob deiner Wortschöpfungen. Leider kann ich mir die Bandwurmwörter nicht merken.
Du hast Glück, dass Nini hier vermutlich nicht mitliest, sonst hast du vielleicht Sympathien verspielt?!
Wir hatten mal ähnliche Brachialtouristen auf der White Lady Lodge. Sie entstiegen einem Overlander und entasteten die Bäume als gebe es kein Morgen. Wir haben das der Rezeption mitgeteilt. Aber es gab nur ein Schulterzucken mit der Bemerkung, sie würden sich davon nicht abhalten lassen, auch wenn man sie zurechtwies.
Ich hätte dann auch gern noch ein Foto vom Feudeltanz 🤪
LG von der anderen Seite
ALMThemenstarter2'319 Beiträge · seit 201123. Juni 2023 · #42
Liebe andere Seite 😉 ,
ich habe dieses Mal erwogen, einen Reisebericht der etwas anderen Art abzufassen. Oftmals sind Reiseberichte ja etwas abstrakt, denn es fehlen die vielen kleinen persönlichen Emotionsmosaiksteinchen, die die erlebte Einzelbegebenheit auch lebhaft beschreiben. Dies wollte ich dieses Mal anders haben und unsere ureigensten Gefühle und Gedanken betreffend der vielen einzelnen Geschehnisse genau so aufs Papier bringen, wie es in unseren Köpfen und Herzen abspielte.
Den Feudeltanz habe ich leider nicht als Filmchen aufgenommen, denn da war ich ja selbst involviert und hatte beide Hände im Einsatz. Beim vorausgegangenen Aussuchen des Zeugs in den Kühltheken lief jedoch mein Smarthphone und es existiert ein kurzes Video, welches ich aber aus Pietätsgründen unveröffentlich lassen muß. Sonst wird der Morgenmuffel zum Ganztagesmuffel und dieses Risiko möchte ich lieber nicht eingehen 😉
Herzlichst
Alm
ALMThemenstarter2'319 Beiträge · seit 201123. Juni 2023 · #43
Tag 14
Und wieder ein Stück näher an Botswana
Für dieses Jahr hatten wir uns eigentlich für drei Übernachtung in der Divundu-Gegend entschieden; großräumig gesprochen. Grund hierfür war, daß wir drei, uns noch unbekannten Campsites einen Nächtigungsbesuch abstatten wollten. Denn bei unseren bisherigen Roundtrips und den damit einhergehenden Notwendigkeiten den gesamten Caprivi abzurocken, verschlug es uns zu Stop-over-Nächten stets ins Ngepi Camp; vermutlich aus Bequemlichkeit oder Gewohnheit – keine Ahnung. Dies sollte in diesem Jahr nicht nochmals so ablaufen, denn das Ngepi ist in die Jahre gekommen und die notwendigen Wartungs- und Erneuerungsarbeiten machten sich sehr rar. Ergebnis: Bei unserem letzten Aufenthalt dort 2018 war so ziemlich alles verlottert und runtergekommen und das ehemals so peppige Camp machte uns einen eher trostlosen Eindruck. Wobei wir vor fünf Jahren irgendwie auch intuitiv spürten, daß das Camp noch sehr fest an seinen, in der weiteren Vergangenheit etablierten Ruf als cool-unkonventionelle Herberge glaubte und sich, unserer Meinung nach, dabei völlig zu Unrecht in Selbstzufriedenheit wog. So zumindest unsere Einschätzung. Nun führte uns unsere Route dieses Jahr ja vom Etosha NP in den Moremi, und unweigerlich schlägt man dann aufgrund der einem individuell zur Verfügung stehenden Zeit einen eher direkten Weg ein. Somit wurde Divundu & Umgebung zu unserem kleinen Bermuda-Dreieck. Die Mobola Island Lodge, die Mahangu Safari Lodge und Drotsky’s Cabins wurden von uns also als Schlafstätten auserkoren. Wie es uns auf Ersterer erging, konnte dem Reiseberichtteil Tag 13 entnommen werden. Mahangu kam also als nächstes an die Reihe und da die Distanz zwischen Mobola und Mahangu mehr als überschaubar ist, ließen wir den heutigen Tag sehr gemächlich angehen.
Buongiorno - Italy meets Africa
Geplant hatten wir von unserem Auftritt in Mahangu einen Besuch der Buffalo Core Area des Bwabwata Nationalparks. Es sollte das erste Mal sein, daß wir dort Fuß bzw. Reifen auf den Boden setzten. Gegen kurz vor acht verließen wir Mobola und steuerten zunächst einen Geldautomaten in Divundu Business District an. Mit frisch gefüllten Gelbbörsen begaben wir uns zum Tanken, dann nix wie über die Okavango-Brücke und rechts in die Buffalo Core Area abgebogen. Zuvor aber, kurz hinter der massiven Betonflußüberführung, gab es einen Verkehrskontrollposten, an dem wir aber freundlichst durchgewinkt wurden. Wir kamen am Nationalparkgate an, zahlten im Office unser Eintrittsscherflein und gurkten gemütlich die erste Runde, die uns zunächst nach links runter zum Okavango bringen sollte. Leider stand das Gras meist zu hoch, um zu Tiersichtungserfolgen führen zu können. Unser Weg brachte uns immer wieder an alten Militärgebäuderuinen vorbei, die den Anschein machten, in Bezug auf Luftwurzeln und Lianen in Kompetition mit den Tempelanlagen rund um Angkor Wat & Kollegen treten zu wollen. Ein paar scheue Kudus und Impalas kamen uns vor die Augen und gelegentlich stapfte in Entfernung ein Elefant über einen der wenigen Wege im Park. Dem Elefantendung zufolge, mußten sich aber so einige dieser Artgenossen hier aufhalten.
Weitere Fahrzeuge erblickten wir nicht. Am Eingang lasen wir schon im Gatebuch, daß heute erst zwei Fahrzeuge vor uns einfuhren; eins davon fuhr bereits aus dem Park raus, als wir gerade in diesen rollten. Bei der Frage, ob bis zur Delta Pan fahren oder nicht, knobelten wir um die Antwort, wobei das Ende des Fingerspiels zum Nachteil der Pan ausging und diese von uns dementsprechend nicht angesteuert wurde. Alles in allem, auch landschaftlich, riß uns die Buffalo Core Area nicht vom Hocker. So drehten wir ab und begaben uns auf unseren Weg zur Mahangu Safari Lodge. Nun mußten wir abermals den Traffic-Check-Point auf dem Caprivi Highway passieren; dieses Mal aus der anderen Richtung. Führerscheine, Fahrzeugpapiere und den Wisch bezüglich der namibischen Autoversicherung, wir hatten ja eine Karre mit südafrikanischem Kennzeichen, waren gleich zur Hand und dem Herrn Kontrolleur überreicht. Alles so weit so gut… Außer dem Versicherungsschein, den uns Bushlore bei der Wagenübergabe lediglich in Kopie gemeinsam mit einem original unterzeichneten Grenzpermit für Botswana mit auf den Weg gab. Mein lieber Herr Gesangsverein… Welch Zirkus der Officer veranstaltete. Nein, wir haben nicht das Original zum Vorlegen. Ja, man hat uns nur diese Kopie mitgegeben. Und nein, wir können nicht mal auf die Schnelle den Originalfetzen an Stück Papier besorgen. Oder vielleicht doch, wenn nach Windhoek und zurück als schnell erachtet werden könnte, dann wäre schnell zu schaffen. Nach gefühlt 35 Telefonaten mit Windhoek, dort vermutlich auch mit dem in Amtswürden stehenden Staatsekretär des Verkehrsministeriums und mit Gott weiß wem noch alles, kam der penible Inspektor zur An- und Einsicht, daß er sich mit der Kfz-Versicherungsscheinfotokopie begnügen mußte. Diese, ungefaltet, ohne Eselsohren und jungfräulich wie gerade aus dem Kopiergerät geworfen, ohne auch nur die geringsten Zeichen von versuchten Fälschungen, war sogar farbiger Natur und selbst eine an arger Weitsichtigkeit leidende Person hätte ohne Problem und auch ohne Brille die Zahlen des blau aufgestempelten Gültigkeitsbeginndatums lesen können, um dann dazu die Gültigkeitsdauer zu addieren und wäre demzufolge zur Erkenntnis gelangt, daß der Wisch gültigkeitstechnisch im Grünen Bereich lag. Klar, das, sofern die niedere Kunst der elementaren Grundschulmathematik beherrscht wurde. Dies alles nur mal so kurz nebenbei angemerkt... Jetzt konnten wir ja zu 100% den behördlichen Eifer nachvollziehen. Regel ist Regel. Doch keine Regel, nicht und gerade besonders in Namibia ohne Ausnahme. Bei Touristen, die einen ordentlichen wirschaftlichen Beitrag zum Wohle der Nation beisteuern, hätte man, sofern man nur die klitzekleinste Affinität zu makroökonomischen Zusammenhängen sowie zu Flexibilität hätte sein Eigen nennen können oder wollen, fünf an diesem Tage eben gerade sein lassen und die Touris, willens für ihre Reisezwecke die Geldbeutel mit Freude und Schwung weit zu öffnen und u. a. sogar ungerechtfertigte NWR-Preise für miserable Campsitebedingungen zu tolerieren, mit ihrem nicht den Autoritätsforderungen konform ausreichenden Beleg der wohlweislich gezahlten Versicherung weiterfahren lassen. Wir wollten nicht wissen, wie viele einheimische Autos ohne jeglichen Versicherungsschutz in der Zeit durchgewinkt wurden, in der wir bei Hitze und schwüler Luft eine knappe Stunde vor und in einem heruntergekommenen, mit hyperspartanischem Mobiliar und herunterhängenden Elektrokabeln ausgestatteten Betonkontrollhäuschen verweilen durften. Vorüber diese unschöne Episode, schwangen wir uns mit dicken Hälsen auf die Sitze unseres Gefährtes und peilten direkten Weges die Mahangu Safari Lodge für unser dortiges Debüt an. Unser Wagen wurde unter dem Schattendach vor dem Empfangstrakt des Anwesens geparkt und wir traten zum Check-In-Akt in ein mit sehr dunklem Holzinterieur ausgestattetes, in Finsternis getauchtes Gebäude ein. An der, aufgrund nicht eindringender Tageslichthelligkeit notwendigerweise mit viel Elektrizität geschaffener künstlicher Illumination ausgestatteten Rezeptionstheke wurden wir mit einem breiten Lächeln von einer jungen Frau herzlichst begrüßt. Die Gute, ein Verschnitt aus 80er-Jahre-Nena-Look und Antifa-Girly, präsentierte sich mit einem burschikosen, überbunten Kurzhaarschnitt, der unserer Meinung nach von einem übereifrigen, ohne ausreichend Erfahrung verfügenden, experimentierfreudigen Coiffeur mittels vermutlich über ihr Haltbarkeitsdatum weit abgelaufener Kolorierungsmittel in sämtlichen Regenbogenfarbtönen erschaffen wurde. Zumindest gab der Shorthairmulitneonfarbschopf dem düsteren Ambiente einen kleinen Anstrich an jovialer Behaglichkeit und Abwechslung. Wir checkten also ein und fragten, ob wir die 470 NAD Campsitekosten umgehend begleichen sollten; dies wurde nicht verlangt und so machten wir uns auf den Weg zu dem uns zugewiesenen Stellplatz am Ufer; es sollte der vorletzte gegen Ende des Campgeländes sein und war ebenso düster wie der Lodgehaupttrakt. Die hohen Bäume mit dichtem Laub und ebenfalls hohes, dazu noch dichtes Buschwerk ringsum wirkten auf uns wie eine pflanzliche Kapsel, in die wir einfuhren. Tageslicht erreichte die Kampierstelle ausschließlich über ein in die Blätterhülle geschnittenes, großes Loch auf Okavangoseite. Naturnah gefällt uns ja, aber schön war komplett etwas anders. Unsere Kutsche hatten wir in Windes Eile positioniert, doch die anschließende Suche und das spätere Auffinden von Strom und Wasser erwies sich als kompletter Reinfall. Der Wasseranschluß auf unserem Platz fand sich unpraktischerweise hinter dichtem Buschwerk und war komplett versiegt und so mußten wir uns mit einem Zapfhahn zufriedengeben, der eigentlich zur Campsite unserer liechtensteinischen Nachbarn, ausgestattet mit einem Superhypertoyota4x4-Bushcamper-Schlitten, der nicht ein, eher zwei Vermögen gekosten haben mußte, gehörte. Elektrizität hingegen erhielten wir, dank unseres von Bushlore überlassenen, superlangen Kabels von einem Strompunkt irgendwo im Nichts zwischen unserem Stellplatz und dem Letzten auf dem Campgelände, und den wir trotz unserer Sherlock Holms-Akribie nur durch reinen Zufall fanden. Nachdem wir unser Nest gebaut hatten, ja, Nest, denn der Stellplatz kam uns vor wie ein von Webervögeln gebautes Nest, bewegten wir uns erst einmal zum Restaurationsbereich der Lodge und bestellten jeder ein… Toasted Sandwich… Der Preis dessen mußte mit dem in der Palmwag Lodge vertilgten mal Zwei multipliziert werden, obwohl die Qualität und Köstlichkeit mittels des Divisors fünf bedacht werden mußte. Selbst die große, passable Terrassenfläche vor dem dahinfließenden Okavango konnte unsere Zufriedenheit des uns gastronomisch Angebotenen und unser generell schlechtes Wohlbefinden mit dem Camp nicht in höhere Sphären heben und schon spielten wir mit dem Gedanken, uns eine andere Bleibe für diese Nacht zu suchen. Es sollte aber bei diesem Gedankenspiel bleiben. Auch Lust, noch mal rasch zur Abwechslung in die Mahango Core Area des Bwabwata Nationalparks zu fahren hatten wir keine und so kehrten wir zurück zu unserer heutigen Dunkelheimstätte, zerrten unsere Badehosen aus dem Gepäck und dann ging es nix wie ab zum Swimming Pool. Der Schwimmbadbereich war jetzt nicht unbedingt als extrem unattrakiv zu bewerten, doch auch hier… Alles unter dicken, fetten, laubvollen Ästen, im Schatten gelegen und mehr schlicht als einladend. Die dort den Badegästen zur Verfügung gestellten farb- und musterdiversen Badetücher waren zwar aus dickem Bauwollstoff, doch quasi im Sich-Auflösen begriffen und mit ziemlich vielen Flecken gespickt, die offensichtlich bei vielen zuvor durchgelaufenen Waschvorgängen einfach nicht verschwinden wollten. Jetzt sollte man dem geschenkten Gaul ja bekannterweise nicht ins Maul schauen, doch wenn man als Lodge in dieser Gegend sich den vielen Mitwettbewerbern stellen muß, dann sollte man doch darauf achten, daß die complementary Gratiszusatzleistungen, wie die genannten dicken, baumwollenen Abtrockenlaken nicht nur sauber, denn das waren sie wirklich, eben nur reichlich befleckt, sondern auch in einem ordentlichen Zustand und farblich zumindest nicht allesamt verschieden kunterbunt sind und somit ein etwas einheitliches Bild abgeben. Ob die Chalets hier wohl auch mit diversem, ausgefranzenten Bunte-Zirkus-Frottee ausgestatten waren? Ein Handtuch rot-weiß-kariert das andere abgewetzt azurblau und die Duschtücher in senfgelbem Farbton mit sich selbstaufdröselnden Nähten? Das waren kleine Fragen, die uns kurzzeitig beschäftigten. Wir fügten uns dem uns Gebotenen und relaxten ausgiebig den Nachmittag über. Als es Zeit war, sich um das Abendbrot zu kümmern, schlenderten wir zurück zu unserem Campplatz, vorbei an den luxusaffinen, ihrem Fürsten untergebenen Liechtensteinern, mit denen wir dann ein wenig quatschten. Den Rest des Tages, der nicht der unsere heute war, bestand aus Grill samt Grillgut und Salat vorbereiten, essen und ein Glas leckeren Rotwein genießen.
Ohne der Mahangu Safari Lodge bereits unsere endgültige Heimstättenwertung zuteilwerden zu lassen, war für uns am Ende des Tages, in Horizontale auf unserer Vehikelmatratze liegend, glasklar, daß es für das Etablissement schwer werden würde, einen Posten in der oberen Hälfte unserer Hitcampliste zu erreichen.
ALMThemenstarter2'319 Beiträge · seit 201128. Juni 2023 · #44
Tag 15
Der Tag des Herrn
Auf unserem Programm stand heute die Aufsuchung der dritten Campsite der Autdit-Liste unseres ausgeschriebenen Divundu Area Campsite & Lodge-Facilities-Contests. Drotsky's Cabins. Auf direktem Weg von der Mahangu Safari Lodge in schlappen 44 km und kleinem Grenzverkehr zu erreichen. Wir mußten also den Tag nicht mit Hast und Eile beginnen. Trotzdem kaperten wir schon um Viertel vor sieben das Nationalparksgate der Mahango Core Area und gemütlich ging es auf die einzige Runde des Naturreservats. An der Stelle des dahingeschiedenen Riesenbaobabs legten wir eine sich gebotene Schweigeminute ein und, da an gleicher Stelle 2012 geschehen, gedachten wir auch dem damals dort getroffenen Rentnerpaar burischer Abstammung. Anläßlich unseres Kurzstopps zu jener Zeit an diesem Ort wurde die Pensionärsgattin nicht müde, ihrem vermutlich seheingeschränkten und schwerhörigen Gatten einen prächtigen Seeadler zu vermitteln, der sich im Geäst des Gigantenbaums ein Ruhepäuschen gönnte. Wir erinnerten uns lebhaft an ihre schrille, kreischende Stimme, die unaufhörlich dem armen Ehepartner entgegenschlug: It‘s a South African Sea Eagel, it’s a South African Sea Eagel, it’s a South African Sea Eagel!!! …. Look, look, look!!! Es war dem armen Mann nicht zu verdenken, daß er scheinbar schon vor der Silberhochzeit mit der Dame die Ohren auf Durchzug stellte oder einfach an einer, durch im Laufe der Ehejahre erfolgten dauerhaften Überschreitung der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen maximalen Dezibelzahl an Gehorchtem hervorgerufenen Vertaubung litt. Unsere aufrichtigsten Ehren erwiesen, schlenderten wir weiter unseres Weges und wurden mit schönen Tierbegegnungen beglückt. Die Mahango Core Area zeichnet sich durch eine offene Landschaft aus – genau nach unserem Geschmack.
Kaum aus dem Nationalpark raus, befanden wir uns auch schon vor der Grenzübertrittsstelle von Namibia nach Botswana. Die bordertechnischen Notwendigkeiten auf namibischer Seite zeigten sich, wie immer bei unseren Grenzüberschreitungen von oder nach Namibia auch dieses Mal, an dem heutigen, will man großzügig sein, als tertiären zu bezeichnenden Grenzposten als sehr, sehr schleppend, schwerfällig und wenig professionell. Über den Demarkationsstreifen gerollt, parkten wir uns im Schatten großer Bäume ab, erklommen die Stufen des Grenzgebäudes mit hochgehißter Botswana-Flagge und unterzogen uns dem, was notwendig war. Reisepässe und ausgefüllte Einreisekarten = Stempel rein und weiter nach links. Zollabfertigung unserer gemieteten Kutsche = zackig und erfolgreich erledigt. Zahlung der BURS-Zeche = stockend und schlußendlich ohne Erfolg. Die Begleichung der paar Kröten für die Kfz-Versicherung in Botswana kam fürs Erste zu keinem guten Ende, da sich sämtliche, im länglichen Backsteingebäude befindlichen Kreditkartenzahlungs-POS-Geräte in einem scheinbar landesweiten nationalen Streik befanden. Leider reichten unser mitgebrachter Regen, in Form von Banknoten in Pula, nicht aus, die Rechnung zu saldieren. Es fehlten uns exakt 20 BWP. Euro, US Dollar, Rand, Namibische Dollar aus allen Taschen herausgezerrt halfen nicht, unserem kleinen Impasse ein nettes Ende zu bereiten. No foreign currency accepted, war die Devise. Nun gut. Wo gibt es den nächsten Cash-Wechsler, war unsere anschließende Frage. Die etwas korpulente und vollbußige BURS-Abfertigungslady zeigte mit ausgestrecktem Arm und langem Zeigefinger Richtung Osten. Hinter dem weißen Rolltor befände sich eine Wechselstube, bei der wir die gängigsten Währungen wechseln könnten. Alles quasi gut bis zu diesem Augenblick. Einer von uns, und das war ich, machte sich frohen Mutes per pedes auf den Weg hinter das weißgestrichene Metallgatter, um die Grenzbankfiliale aufzusuchen. Doch schon nach einigen Metern mußte ich mich ergeben. Kein Gebäude, das einer, auch noch so kleingeratenen Kreditinstitutaußenstelle hätte darstellen können. Stattdessen viel Natur und dann rechter Hand eine Ansammlung aus in Backsteinen hochgezogener Gebäude. Ich schlug sodann umgehend meinen Schritt in diese Richtung ein, als mir die Aufforderung lauthals in den Rücken geschrien wurde, ich sollte die Hauptstraße nicht verlassen und nur nach links schauen, dort befände sich die Valutentauschbörse, die Deutsch Marks und Dollars – Dankeschön, Tina Turner, Gott hab Dich selig, für diesen Ausdruck - entgegen nehmen würde. Ich folgte den geographischen Anweisungen der hinter dem weißen Gatter unter großen Bäumen im Schatten sitzenden Grenzbediensteten mit botswananischer Gehaltsabrechnung und folgte dem Asphaltband immer nach links schauend. Nach einigen Schritten erblickte ich zwei Gebäude. Das eine klein, das andere etwas größerer Art. Ich entschied mich für das baulich imposantere Häuschen, doch nix da, da war alles verrammelt. Also ein paar Meter weiter gedackelt und ich fand mich vor einer Art Hütte, die von der Größe her eher ein Stilles Häuschen hätte sein können. Die Tür stand sperrangelweit offen und ich trat in den Mikrokosmos eines Mikroräumchens. Außer der Eingangstür gab es noch ein mit ordentlich metallenen Gitterstäben ausstaffiertes Fenster ohne Glasscheibe. Mein Blick durch dieses ergab erst einmal nix. Dann, meine Augen zum zweiten Anlauf zusammengekniffen, erblickte ich in diesem, taxiert maximal 1,5 x 1,5 m großen Räumchen eine junge Frau, die quasi unterhalb des im Inneren ihres Kabuffs befindlichen Kundentresens irgendwas rührte. Bei meinem anschließend ausgesprochenem Good morning erschrak das magere Frauchen, schaute mich mit Pandaaugen an und schwieg. Meine freundliche Frage, ob ich hier Euro in Regen-Botswana-Pula wechseln könnte wurde mit einem großen Schweigen und einer Handbewegung beantwortet. Meine Fresse, dachte ich, auch die ist taubstumm, welch Glück. Ich folgte der Hand und erblickte eine Tafel mit darauf befindlichen Fremdwährungswechselkursen, wobei jetzt die Verwendung des Plurals zu Mißverständnissen führen könnte, denn von den vielen gängigen Währungen der Welt fanden sich nur zwei auf dem Schreibbord wieder: Rand und namibische Dollar.
Um keine weiteren gegenseitigen Peinlichkeiten aufkommen zu lassen, zog ich aus meinem Geldbeutel 1000 Rand. Dies reichte, um das erwachsene Mädchen aufstehen zu lassen, einen Taschenrechner aus dem Nichts hervorzuholen, einen Blick auf den Gitterfenstertresen mit den 1000 Rand zu werfen, und wild auf dem Rechenapparat los zu tippen. Ich war froh, daß die junge, scheinbar aus der Provinz stammende Dame nicht großen Wert auf Outfit und Manicure legte, denn sie schnappte sich die südafrikanischen Bankscheine, ohne mit langen, mit Perlmut oder billigen Glitzersteinchen gespickten Fingernägeln ausstaffiert zu sein. Oftmals hat man es in solchen Bankgeschäftsetablissements ja mit Damen in eng anliegendem Tailleur zu tun, die ihre Fingernägel in Edward mit den Scherenhänden gleiche Krallen verwandeln. Und da muß man dann aufpassen und schnell seine eigene Hand zurückziehen, sonst läuft man Gefahr, daß das künstlerisch verzierte Frauenfingernagelhorn zwischen den Sehnen der eigenen Hande endet. Es folgte ein langes und lautes Tippern auf dem Casio-8oer-Jahre-Modell-Taschenrechner, dessen Zifferndisplay mir dann vor die Augen gehalten wurde. Einen Blick auf das Dashbord mit den heutigen, gültigen Wechselkurse schmeißend, erfuhr ich, daß sich die Bankfilialjungmanagerin vertan haben mußte. Der mit Edding-Stift angeschlagene Wechselkurs ZAR -> BWP war eindeutig nicht aktuell. Darauf von mir aufmerksam gemacht, bedachte mich die Finanzjongleurin mit einem bösen Blick und fuhr fort, zahlreiche Papiere mit Kugelschreibermine zu beschriften. Am Ende des administrativen Tauschaktes verlangte die Gute von mir meinen Reisepass, zog diesen mit schnellen Fingern unter der mit den Metallstäben ausgestatten Öffnung zu sich und füllte mit langsamer Akribie einen weiteren, scheinbar notwendigen Bargeldwechselwisch aus. Wortlos, wenn hätte es gewundert, wäre es anders gewesen, wurde mir von ihr sowohl mein Reisepass als auch dieser Fetzen ausgefüllten Papiers zur Unterzeichnung letzterem zugeschoben. Ich tat, wie von mir nonverbal verlangt und schubste den Zettel anschließend mit spitzen Fingern zurück; im Gegenzug erhielt ich von der Frauenzimmer hinter dem westernfilmtauglichen Gitter das zuvor von ihr mehrfach durchgezählte Geldscheinbündel, wobei die mir überlassene Quantität an Pulascheinen aufgrund einer zweifelsohne unkorrekten Anwendung der nicht aktuellen Buy- und Sell-Kurse seitens der Wechselstubenbediensteten wertmengenmäßig nicht in Korrespondenz mit dem von mir vorgelegten Randgeldnoten stand. Unweigerlich stand für mich aber fest, daß mit der stummen Valutenlady ein Geradebiegen des offensichtlichen Finanztransaktionsfehlers kein Gut-Pula-Rand-Essen gewesen wäre und so verließ ich mit viel zu vielen Pula den Wechselkabuff und kehrte zu unserem Wagen zurück.
Schon beim Durchgehen durch das große weiße Vetärinärgrenzkontrollschiebetor sah und hörte ich das neben unserem Auto versammelte Grüppchen fröhlich lachen. Ich gesellte mich zu der kleinen Menschenansammlung, die neben meinem Reisepartner aus der großbusigen BURS-Dame mit den nicht funktionierenden POS-Zahlungsgeräten, zwei anderen jungen, hübschen Grenzpostenbeamtinnen und einem weiteren, offensichtlich im Öffentlichen Staatsdienst angestellten jungen Mann, so schloß ich zumindest aufgrund des auf dem Oberarmärmelteil seines dicken, dunkelblauen Wollpullovers nähtechnisch applizierten offiziellen Staatswappenwimpels. Die weiblichen Personen des Pulks folgten mit offensichtlich großem Interesse den Ausführungen meines Reisepartners betreffend des antiken Lasagne-Rezeptes seiner Mutter, ihres Zeichens Schwester des zuvor genannten Onkel Ninis, wobei die anwesenden Damen zunächst ihre Schwierigkeiten damit hatten zu verstehen, von welchem Nudelteigplattiergerät die Rede war. Zu des Rätsels Auflösung trug glücklicherweise Google bei, denn das Smartphone des jungen männlichen Staatsdieners wurde mit einem aufgerufenen Foto einer Pastahandleiermaschine herumgereicht. Ohne den US-amerikanischen Konzern würden wir vermutlich noch heute am Grenzschlagbaum sitzen und uns in Beschreibungen von Lasagnenudelplattenherstellung unter Anwendung eines metallenen Drehapparates, welcher, so ließ uns Google auch wissen, selbst in Italien als Pasta Maker vermarktet wird, üben. Nachdem auch die Zusammensetzung der für die Lasagne-Soße notwendig zur Hand habenden Zutaten und deren rezeptorische Verarbeitungsprozesse eingehen erörtert und auf die Verweildauer des Lasagne-Rohlings bis zu seiner endgültigen Fertigstellung im Ofenrohr samt dessen maximaler Backtemperatur ausdrücklich hingewiesen wurden, meinte der wimpelbestückte Herr, daß er nun Hunger bekommen hätte; dieser Aussage schloß ich mich an. Die lebhafte Unterhaltung machte dann noch einen Schwenk zu wie wunderschön wir doch Botswana finden und wir deshalb immer wieder gerne hier her zurückkehren. Trotz daß sich mittlerweile zwei weitere Fahrzeuge vor dem schlichten Gebäude des Borderpostens abgeparkt hatten und die Insassen dieser Autos schnellen Schrittes und mit eindeutigen Zeichen eines ambitionierten Grenzübertritts im Inneren des langgestreckten Bauwerks verschwanden, ließ es sich die mit großer Oberweite ausgestatte BURS-Verantwortliche nicht nehmen, uns noch den Tuli Block als besonderes Reiseziel in Botswana zu empfehlen, denn sie kenne diese, für Botswana ungewöhnlich „gebirgige“ Gegend sehr gut, da sie am Grenzübertritt Pont Drift eine Zeit Dienst schob. Eine enttäuschte Mine legte sich dann auf ihr Gesicht, als wir ihr erzählten, schon 2012 im Tuli Blockgewesen zu sein und sogar in Ponts Drift grenzübertrittstechnisch von Botswana nach Südafrika durch den trockenen Limpopo rübermachten. Darauf fing sie laut zu lachen an und meinte, wir würden wohl Botswana besser kennen, als dessen eigene Bewohner. Mit dieser Aussage lag sie, unseres Erachtens nach, vermutlich nicht ganz falsch. Nun wollten wir auch weiter unseres Weges, deshalb unterbrachen wir sanft die angenehme und lustige Unterhaltung, marschierten mit der obenrum großzügig ausgestatteten BURS-Tussi in Ihren Bürotrakt und zahlten die noch fehlenden 20 BWP in cahs, steckten die uns dann überreichte Versicherungsurkunde ein und fuhren anschließend zur Veterinärkontrolle. Aus dem, in schlichtem Stil errichteten, weißen Betonhäuschen kam eine Frau mittleren Alters und bat um Öffnen des Wagens. Freundlichkeiten brauchten keinen ausgetauscht werden, da sie und ich uns ja schon wegen meines Ganges zur Valutentauschbörse zwei Mal gesehen und gegrüßt hatten und sie es war, die mir den Weg zur Wechselstube nachschrie. So öffneten wir die wagenrückseitige Tür und zogen auch unseren großen Kühlschrank links am Wagen aus seinem Verschlag. Die Kontrolleurin warf einen müden Blick ins Innere unserer Schlafwohnkabine und wendete sich dann der großen Fridge zu. Jetzt war diese aber so weit oben im Canopy eingebaut, daß ein Einblick in diese nur Personen mit einer Körpergröße von mindesten 1,85 m möglich war. Deshalb holten wir fluchs unseren Plastiktritthocker hervor, die Dame stieg drauf und der Kontrollvorgang konnte fortgesetzt werden. Fleischiges und Gemüsiges hatten wir keines mehr und so erblickte die zur Inspektion angestellte Staatsbedienstete nur auf gut gekühlte Savanna-, Weißwein-, Mineralwasser-, Fanta- und Colaflaschen sowie Tonic Water- und Bitter Lemon-Dosen. Ob der schon am frühen Vormittag herrschenden Bruthitze boten wir ihr eines der Erfrischungsgetränke an, welches sie aber zunächst ablehnte, doch dann schlußendlich dankend annahm. Jetzt kann man vermutlich darüber diskutieren, ob unser Akt des Anbietens eines gekühlten, alkoholfreien Sprudelgetränkes an eine Staatsangestellte schon unter Korruption fällt oder nicht. Fakt war jedoch, daß wir überhaupt keinen Grund hatten, irgendeinen Bestechungsversuch zu begehen. Denn die angebrochene 2-Liter-Plastikflasche mit Milch sowie eine noch jungfräuliche Packung Cheddar-Käse waren ebenfalls öffentlich im Kühlschrank zur Schau gestellt und riefen keine Beanstandung seitens der Kontrolldame hervor. So rollten wir durch das weiße, weit offenstehende Schiebetor und waren endlich da: Finalmente Botswana.
In Shakawe sollten wir dann unsere Bargeldbestände auffüllen und ein paar frische Lebensmittel für den heutigen Tag und Abend besorgen, bevor wir zu Drotsky’s Cabins weiterfuhren. Dies erledigt, führte uns ein kurzer sandiger Weg von der asphaltierten A35 zur Herberge; dort parkten wir uns im Schatten vor dem imposanten, offen gehaltenen Hauptgebäude ab. Einmal die Treppe hochgelaufen, befanden wir uns in einem, mit dunklem Holz errichteten Open Space-Raum enormen Ausmaßes, erledigten das Check-Inn-Prozedere und warfen einen Blick auf den rückseitig, zum Okavango sich entfaltenden Garten… nein, eher Park, dessen Gras so perfekt unterhalten war, daß in Wales oder Yorkshire sich so mach Gartenbesitzer hätte drei Scheiben abschneiden können. Alles war wie aus dem Bilderbuch: Das Lodgehauptgebäude architektonisch sehr, sehr ansprechend, mit geschmackvollem, im Gesamtkontext des Anwesens stehenden Mobiliar ausgestattet und wirklich alles übersauber. Unsere Nachfrage, ob wir denn noch einen Toast oder ähnlich Kleines erhalten könnten, wurde leider negativ beschieden und so machten wir uns zu der uns zugewiesenen Campsite. Hierzu mußten wir vom Hauptgebäude wieder etwas zurück Richtung A35, um dann gleich scharf links abzubiegen und durch eine Art subtropischen Wald zu fahren. Wir hatten die vorletzte Campsite zugeordnet bekommen. Diese, über dem Ufer des Okavangos gelegen, war gelinde gesagt riesengroß und trotz der vielen Bäume drang viel Licht auf den Stellplatz, komplett anders als auf der Mahangu Safari Lodge… Wir suchten eine, von uns als günstig erachtete Parkposition, begannen unser Campingmobiliar aus dem Wagen zu holen und bereiteten anschließend ein leichtes Mittagessen zu. Nun waren unsere Knurrmägen befriedet und nach einer kleinen Kabelsteckerreparatur machten wir uns auf den Weg zurück zum Hauptlodgegebäude, um nach einem spätnachmittäglichem Bootsausflug nachzufragen.
Dort angekommen, wendeten wir uns an eine hellhäutige Dame fortgeschrittenen Alters, die sich mit Eileen vorstellte (so glaube ich mich zu erinnern). Ja, ein Boat Trip heute Nachmittag wäre möglich, der Preis würde 340 BWP pro Stunde und 200 BWP für die hierzu benötigten 10 Liter Kraftstoff kosten. Wir wurden handelseinig, machten den Deal klar und anschließend erzählt Eileen, daß sie deutsche Wurzeln hat, ihre Vorfahren zu Kaiser Wilhelms und Bismarcks Zeiten ans Kap zogen und der Urvater dabei als Arzt in Diensten stand; dann irgendwann im Laufe der Zeit ist die Familie im damaligen Betschuanaland aufgewallt und dort auch geblieben. Wir machten ihr unsere aufrichtigsten Aufwartungen hinsichtlich des wunderschönen, parkähnlichen, extrem gepflegten Geländes und den adretten festen Unterkünften und natürlich der großzügigen Campsites mit dazugehörigen blitzeblanken Toiletten- und Duschhäuschen. Eileen wies uns anschließend noch daraufhin, daß sich am heutigen Nachmittag eine Gesellschaft aus dem nahen Shakawe zu einem legeren Zusammentreffen auf dem Gelände angesagt hätte.
Jetzt mußten wir uns erst einmal im zwischen Hauptgebäude und Okavangoufer befindlichen Swimming Pool die Hitze vom Leib fegen. Erfrischt kehrten wir dann zu unserem Campplatz zurück und vertrieben uns die Zeit mit Lesen. Während unsere Nasen in einem dicken Buch und einem E-Reader steckten, suchte uns ein älterer Herr auf, um uns ebenfalls über die zu erwartenden Shakawe-Gäste und einer etwaig damit in Zusammenhang stehenden Möglichkeit von ungewöhnlicher Lärmemission zu informieren. Mein Gott, was war man beflissen gewesen, uns auf diese, nicht aus der Ferne anreisenden Tagesbesucher der Anlage mehr als gebührend in zu Kenntnis zu setzten. Oder sollte hinter dem zweiten Avis sich eine zeitlich antizipierte Entschuldigung für eine eventuell unschön ausufernde Feier einer vielleicht allseits als randalierend bekannten, ortsansässigen Rabaukengroßfamilie mafiöser Art stecken? So unsere Gedanken.
Als wir dann überpünktlich an dem bei den Campsites befindlichen Bootsanleger für den Start unseres Bootsausfluges ankamen, trafen wir auf die genannte große Gruppe an Gästen. Diese machte uns aber gar nicht den Anschein, als mochte sie sich negativ auffallend verhalten; eher das Gegenteil war der Fall. Vor uns präsentierte sich die Hautevolee Shakawes. Die Damen alle in stilvollen, blütenweißen Kleidern und Röcken steckend, auf hochhackigen Absätzen balancierend und mit großen mondänen Sonnenbrillen ausgestattet. Die Herren der feinen Gesellschaft hingegen in meist hellblauen Hemden und eleganten dunkelblauen Anzügen, wobei die Hosenbeine dem heutigen Modetrend entsprechend eng geschnitten waren und die Beinkleider mit nicht gerade billig aussehenden mittelbraunen Ledergürteln fest an den Hüften gehalten waren; dazu geschmackvolles, ebenfalls in Tonalität der Gürtel gehaltenes Schuhwerk. Die mitgebrachte Kinderschar zeigte in schickem, modischen zeitgenössischem Kidsgewand. Es wurde herzlichst gelacht, lebhaft geplaudert, doch nicht lautstark, an Prosecco-Gläsern genippt und Fotos geschossen. Wir freuten uns für das große Grüppchen und stiegen zu unserer Individualtour ins Boot. Zunächst ging es langsam schippernd den Okavango hoch, am Lodgehauptgebäude mit dem dortigen Bootsanleger vorbei. Am steilen Uferrand links erhaschten dann wir einen Blick auf einen King Fisher und weiter ging es flußaufwärts. Zu unserer Rechten saßen reihenweise Schlangenhalsvögel auf abgestorbenen, großen Bäumen und genossen die letzten Augenblicke der Sonne.
Irgendwann lenkte unser Bootskapitän die Barkasse nach rechts in einen der vielen Arme des Okavangos und bremste abrupt ab; fast wären uns unsere Sonnenbrillen von den Nasen gefallen. Vor uns lag ein viele Meter langes Krokodil gemächlich vor einem Grasinselchen und inspizierte mit wachen Augen sämtliche Ecken des hinter dem kleinen Eiland hervorlaufenden Flußwassers. Ab und an hob der Riesenkaiman etwas den Oberkiefer und zeigte uns so eine lange Reihe an weißen Todeshauern. Der Kerl war bestimmt so groß wie unser Boot lang war. #
Die Geschwindigkeit des Flußwassers in den kleinen Armen den Okavangos war viel höher als die des Hauptflußteils und deshalb hatte unser Bootsführer ziemliche Mühe, unseren Kahn gegen die Wasserfließrichtung zurück zum Hauptfluß zu bringen. Mittlerweile war die Sonne hinter den Bäumen verschwunden und auch die Schlangenhalsvögel hatten bereits das Weite gesucht.
Im hohen Schilf zu unserer Linken präsentierten sich uns dann eine große Gesellschaft an Bee Eater; leider war das Tageslicht für unsere Kameraausrüstung nicht mehr geeignet, ein paar Fotos von diesen putzigen und bunten Federtierchen zu schießen.
Nach guter eineinviertel Stunde bugsierte unser Tourguide das Boot an die kleine Mole und wir uns anschließend zu unserem Stellplatz. Die Bootstour empfanden wir jetzt als ok, aber nicht uns vom Hocker werfend. Von den vielbesagten tollen Vögelsichtungsmöglichkeiten, die man bei Drotsky haben kann, konnten wir nicht profitieren. Aber das ist ebenso, daß man am richtigen Ort zur richtigen Zeit sein und auch immer ein Quäntchen Glück auf seiner Seite haben muß – wir waren also vermutlich zwar am richtigen Ort, aber zur falschen Zeit und von Fortuna nicht wirklich mit Wohlwollen bedacht. Amen.
In Dunkelheit stolperten wir zu unserem Auto und begannen mit unseren Abendessenpräparationen. Zum Grillgut reichten wir uns einen Avocado-Tomaten-Knoblauch-Salat und spülten unsere Gurgeln mit einem ordentlich gut gekühlten Weißwein, bevor wir mit Abwasch und Unter-die-Dusche-Hüpfen den Tag beendeten.
ALMThemenstarter2'319 Beiträge · seit 201129. Juni 2023 · #45
Tag 16
Next Stop Maun… ohne besondere Vorkommnisse – oder vielleicht doch 😠
Auch heute hatten wir keine Eile an den frühen Sonntag legen müssen, denn auf unserer To-Do-Liste stand lediglich: In Maun volltanken, ins SKL Crocodile Camp fahren und dabei, selbstredend, einen Einkehrschwung bei Hilary einlegen. Basta così für heute. Mit Eileen hatten wir Tags zuvor über den Zustand der asphaltierten A35 gesprochen und die Gute beschrieb diesen als anfänglich schlecht, doch je näher man sich an die Kreuzung zur A3 bei Sehithwa ranpirschen würde, wäre die Teerdecke in einem ordentlichen Zustand. So zogen wir nach unserem Kaffee von dannen und tingelten das lange Bitumenband Nr. 35 ab. Da wir zum ersten Mal den Panhandle befuhren, wunderten wir uns über Dorfbezeichnungen wie Etsha 1 und Etsha 6 usw. Was es damit auf sich hatte, erfuhren wir am nächsten Tag dank Wikipedia. Die Straße zeigte sich, so wie von Eileen beschrieben. Je weiter wir südwärts fuhren, desto weniger Potholes gab es. An der zuvor genannten Kreuzung überlegten wir einen Moment, ob wir nicht dem Lake Ngami einen kurzen Besuch abstatten sollten; entschieden uns aber dagegen. Grund hierfür war unsere Lust auf Hilary’s Leckereien. So düsten wir gemächlich weiter nach Maun, und zuerst schlugen den Weg zum DWNP-Office ein, denn dieses hatte sonntags nur Vormittags geöffnet. Dort also um 11.38 Uhr angekommen, legten wir unsere Reservierung für die Khwai North Gate Campsite vor und gaben einer der beiden jugen Frauen hinter dem Tresen sowohl den exakten Tag unserer Einreise in den Moremi als auch den genauen Ausreisetag aus diesem bekannt. Die langen lackierten Krallen einer der Damen flogen wild über die Tastatur und schon wurde uns ein DIN A 4 – Blatt als Rechnung für die Nationalparkseintrittsgebühr unter die Nase geschoben. Drei Kalendertage für zwei internationale Gäste und einem Fahrzeug machten nach bostswanischem Adam Riese und dessen Eva Zwerg 1.845,00 Pula. Wir beglichen die Zeche mit der Kreditkarte und noch bevor wir das POS-Maschinenpapierzettelchen im Portemonnaie verstaut hatten, wurde von der, unsere Zahlung entgegennehmenden, öffentlichen Bediensteten die Lichtschalter für alle im Gebäudeteil befindlichen Neonlampen auf Aus gedreht und der Tresen geschlossen. Die Handtasche geschnappt, schlenderte die gazellenartig grazile Dame seelenruhig mit ihrer ebenso elfenhaften Kollegin an uns vorbei und ließ uns ohne ein weiteres Wort im Halbdunkeln stehen. Die Uhr zeigte 11.52 Uhr.
Jetzt aber nix als los zum Mittagessen bei Hilary und schon schlugen wir den uns seit Jahren bekannten Weg zur Lukullusstätte ein. Bereits beim Einbiegen auf dessen Parkplatz stockte uns der Atem, denn dieser lag leer und verlassen vor uns. Ein wirklich böses Omen. Dann die Gewissheit: Ja, Hilary war geschlossen, es war ja Sonntag. Jetzt wäre so manch einer nicht so vor diese vollendete Tatsache gestellt worden, nämlich der, der sich bereits im Vorfeld seiner Reise ausgiebigst mit allerlei Öffnungszeiten beschäftigt hätte. Da wir grundsätzlich nicht zu dem Schlag Reisender gehören, die vornherein alles, aber auch wirklich alles bis ins letzte Detail wissen wollen oder müssen… denn was wäre uns eine Reise wert, wenn uns eigentlich alles schon zu 100% bekannt sein würde?... haben wir selbstverständlich nicht tagelang das Internet bemüht, um uns von Tod und Teufel und/oder Öffnungszeiten von Gastwirtschaften ein klares Bild zu verschaffen. Auch und gerade, weil wir desöfteren in unserer Afrikavergangenheit erleben durften, daß das geschriebene Wort oder die gedruckten Zahlen keinen Pfifferling wert waren, und wir eines besseren belehrt wurden. Mit langen Gesichtern drehten wir eine Ehrenrunde auf dem komplett freien Parkgelände und bogen nach rechts auf die vor dem Flughafen befindliche Straße ab. Jetzt mußte eine alternative Location zum Speisen gesucht werden. Am Hauptportal des Flughafens angekommen, sahen wir zur Rechten, daß die dort einmal existierten Ladengeschäfte und das Lokal direkt an der Ecke nicht mehr vorhanden waren. Die kleine Gebäudezeile war komplett leergeräumt. An der Eckkneipe hatten wir 2011 eine kleine Pause eingelegt; damals teilten wir uns dort einen Außentisch mit einer jungen Japanerin, die ausdruckslos an ihrem, schon mehr als schal geworden Bier süffelte. Sie fragte uns, ob wir mit ihr gemeinsam eine Runde mit dem Flieger über das Delta drehen wollten. Leider hatten wir keine Zeit hierzu und außerdem, selbst wenn Zeit vorhanden gewesen wäre, dann hätten wir einen solch luftigen Ausflug bestimmt nicht mit einer so emotionslos dreinblickenden, flüsternden Person unternommen. Die junge Nippondame blieb uns über all die Jahre rege in Erinnerung und ab und an, wenn wir ein nicht gut gekühltes Getränk serviert bekommen, ziehen wir unser mentales Bild dieses trostlosen Geishaverschnittes hervor und fragen uns scherzhaft, ob das reizlose, fade Frauenzimmer aus dem Land der aufgehenden Sonne wohl immer noch in Maun an der Eckkneipe vor ihrer warmen Gerstensaftplörre sitzt und auf eine Mitfluggelegenheit wartet. Schlußendlich kehrten wir dann im Dusty Donkey Café ein und waren ob der leckeren Speisen positiv überrascht; auch der Iced Coffee war ein Iced Coffee und trug zumindest ein bißchen zu unserer Zufriedenheit bei. Doch die sehr guten Snacks an Essen sowie das eiskalte Koffeingetränk konnten unsere Enttäuschung über die heute geschlossene Hilary nicht kompensieren. Bevor wir die Hühner sattelten und in die Erdbeeren ritten, um zum Crocodile Camp zu gelangen, füllten wir unsere Kutsche an der Tanke um die Ecke noch kräftig mit Treibstoff auf.
Das von SKL betriebene Camp befindet sich nördlich des Zentrums von Maun, schon auf dem Weg Richtung Moremi/Khwai und bietet außer Chalets auch einen großen Campingplatz mit vielen schattenspendenden, hohen Bäumen. Wir checkten ein, suchten uns eine Campsite, absolvierten die baulichen Campaufbaurüstarbeiten und peilten den Swimming Pool an. Dieser lag genau wie ein großer Barbereich mit Terrasse direkt über dem Thamalakane River. Ein Blick von der Terrasse auf das schmal dahinfließende Flüßchen werfend erblickten wir dann im Uferbereich direkt unter der Bar eine tote, schon gut aufgeblähte Ziege. Pfui, daß verblichene Tier sollte schnellstens entsorgt werden. Wenn nicht, dann müßte man den Bargästen des Camps wohl rasch Absint zur Verkostung reichen, um den zu erwartenden Verwesungsgestank zu unterdrücken. Doch das Barpersonal machte nicht den Anschein, sich großartig um das Geruchswohlbefinden der Gäste zu scheren. Na denn, wohl bekomm‘s!
Wir lümmelten uns ausgiebig auf den Liegen und sprangen zum Abkühlen in das Wasserbecken. Nachdem die Sonne arrivederci gesagt hatte, gingen wir zurück zu unserem Stellplatz, ausgestattet mit einem großzügigen Außenküchenbereich sowie einem sich daran anschließenden Toiletten-und Duschhäuschen. Alles war so ziemlich sauber, auch war die Campsite ordentlich gerecht, denn kein einziges trockenes Blättchen lag umher.
Während wir in den Abendessenvorbereitungen steckten, füllte sich der Camplagerplatz so langsam. Unsere Nachbarn, ein junges botswanisches Pärchen, hatten sichtlich Probleme, daß von ihnen mitgebrachte Ground Tent zusammenzubasteln und so boten wir unsere Hilfe an, welche auch gerne angenommen wurde. Im Halbdunkeln spielten wir als zu viert Mikado und, kaum war das große Bodenzelt errichtet, entschwanden die beiden mit ihrem hochzylindrigen Pickup-Schlitten zum Diner in einem, so vermuteten wir, der angesagtesten Restaurants des Feinen Mauns.
Nach dem Abendbrot und den anschließend verrichteten Abwascharbeiten gingen wir nochmals unseren Ablaufplan für den nächsten Tag durch. Auf unserer Agenda stand: SIM-Karte besorgen, mittelgroßer Supermarkteinkauf, Savanna- und Weinvorräte auffüllen, zahlen einer Campsite im Khwai Development Trust Office. Unser Vormittag des nächsten Tages war also bestens ausgefüllt.
Ach ja... Die Kosten für die Campsiteübernachtung auf dem Crocodile Camp betrugen 500 BWP.
Lieber Andreas, wenn Du meine Anmerkungen über Maun im 2021-RB so gründlich gelesen hättest wie ich Deinen gesamten RB genüßlich zu mir nehme,, wärt Ihr vom geschlossenen Hilary schnurstracks zu Marc‘s Eatery gefahren…..-bitte keine Bemerkung über das Deppen-Apostroph 😗 Schade auch, dass Ihr nur so kurz in Drotzkys Cabin gewesen seid- die Bootstour am Morgen wäre sicherlich ergiebiger gewesen.
ALMThemenstarter2'319 Beiträge · seit 201130. Juni 2023 · #47
Moin Friederike,
Marc's Eatery ist uns in dem Moment nicht auf den Schirm gekommen und vor lauter Hunger hätten wir dort auch nicht unsere Aufwartung gemacht, denn dann hätten wir ja quasi durch halb Maun fahren müssen. Unser Leeremagenproblem war aber mehr als akut, sodaß wir bei der erstbesten annehmbaren Location scharf abbremsten und uns auf die Speisekarte stürmten.
Dein Hinweis, herzlichen Dank dafür, hat mich aber jetzt dazu verleitet, doch mal das weltweite Netz zu bemühen und siehe da.... Closed Saturdays and Sundays 😵
Umgehend habe ich unsere Afrikabibel hervorgeholt und bei Marc's Eatery einen entsprechenden Vermerk hinzugefügt.
In Zukunft werden wir unsere Touren so gestalten, daß wir nur wochentags in Maun aufwallen; somit ist dann ein Besuch Hilarys gesichert und, sollte dort alles brechend voll sein, wird dann halt Marc mit Deppenatostroph und anschließendem s angesteuert.
Liebe Grüße
Alm
ALMThemenstarter2'319 Beiträge · seit 201102. Juli 2023 · #48
Tag 17
Auf nach Khwai
Die am Vortag nochmals akribisch durchgecheckte Pflichtenliste wurde von uns früh, aber nicht Herr-Gotts-früh-gleich abgearbeitet, wobei wir zunächst, weil auf unserem Weg gelegen, zum relativ neuen Superspar Boseja fuhren, um den Punkt Einkauf von Gemüse, Fleisch, Milch, Olivenöl und Kesselchips abzuhaken. Wer jetzt bei neu auch gleich an opulent dachte, der wurde enttäuscht, denn der von uns angesteuerte Superspar war zwar neu, aber was die Ausmaße der Verkaufsfläche und die Großzügigkeit des Warensortiments anbelangt in keiner Weise dem Uraltspar in Zentrum Mauns auch nur einen Deut überlegen; im Gegenteil. Das Angebot an zerlegten Teilen toter Tiere war in Quantität und Auswahl auf ein wirkliches Minimum reduziert. So blieb uns nix anderes übrig, als später den guten alten Spar im Zentrum des alten Mauns aufzusuchen, denn Lust auf einen Besuch der Meat Boys hatten wir keine, obwohl wir Kerle ja nicht wirklich snobben würden. Nun denn, so folgten wir unserer abzuarbeitenden Liste und begaben uns zum BTC-Shop an der nach Ghanzi führenden Hauptstraße. Nach 20 Minuten und einem lustigen Vornamensauswahlgeplänkel mit einer hochschwangeren Telekommunikationsgesellschaftsangestellten, die auf unsere Nachfrage hin, was es denn werden würde, verzweifelt mit einem „Once again a boy“ antwortete, bugsierten wir, mit einer SIM-Karte ausgestattet, unsere Karre zum Oldy, but goldy Spar, tätigten dort unseren Einkauf und fuhren dann zum Büro des Khwai Development Truts, um zwei zukünftige Übernachtungen auf einer Mogotho Campsite zu saldieren. Jetzt wäre ja die Möglichkeit gewesen, Hilary heute aufzusuchen, um unserer Tradion frönen zu dürfen, doch dafür war uns der Tag noch zu jungfräulich und so bewegten wir uns nordwärts auf zuerst Aspahlt und dann ab Shorobe auf der uns bekannten Gravelroad, die mitnichten und mitneffen bestimmt keine Klagen ausgesprochen hätte, wäre ihr ein Grader mal ordentlich über die Leber gelaufen. Das leidige Thema "Hilary" war noch immer nicht von unserem Tisch und, im Auto sitzend und dort kräftig durchgerüttelt, überlegten wir lebhaft, ob wir es denn auf unserem Rückweg nach Windhoek schaffen würden, in besagter Gaststätte einzukehren, um so an unserer langjährigen Gewohnheit anzuknüpfen. Wochentagstechnisch hätte dies kein Problem dargestellt, doch ob wir dafür die Zeit haben würden, war unser großes Fragezeichen. Denn an dem uns möglichen Tag würden wir eine lange Strecke vom Mogotho Camp zu Kalahari Bush Breaks vor uns haben und trotz eines mehr als frühen Abfahrens kämen wir unseres Erachtens kaum vor, eher nach Sonnenuntergang auf der Campsite des Kalahari Bush Breaks an. Wortlos und mit versteinerter Miene trugen wir unser diesjähriges Essen bei Hilary zu Grabe.
Nach einer dreiviertel Stunde auf der Rappelrüttelwackelpiste erreichten wir um Punkt High Noon Kaziikini, unser heutiger Übernachtungsstopp. An der Reception stand schon in großen Lettern unser Name sowie die uns zugewiesene Lagerstelle. Wir checkten bei einer sehr, sehr sympathischen jungen Frau ein und begaben uns zu der uns zugewiesenen, nomen est omen, Campstelle Elephant Grove, die unsere Reisekasse um 700 Pula erleichterte.
Jetzt haben wir mit Kaziikini seit gefühlten Jahrzehnten ja eine besondere Relationship. 2011 letztmalig zur Inspektion für einen nationalen Fernsehrreisebericht von uns aufgesucht, und damals wenig von uns gewürdigt was Zustand und Preis-Leitungsverhältnis anbelangte, dachten wir uns bei der Planung unserer diesjährigen Tour, daß wir diesem Nächtigungsplatz nochmals die Chance einräumen sollten, sich aktuell zu präsentieren und, wir glauben ja stets nur an das Gute in der Welt, gegebenenfalls eine Revidierung der von uns damals abgefassten Bewertung erhaschen zu können. Der Anfang war schon einmal ordentlich in trockenen Tüchern und bescherte die ersten Pluspunkte.
Auf unserem, Elefantenwäldchen genannten Lagerplatz angekommen nahmen wir unsere Umgebung kurz in Augenschein und konnten dann feststellen, daß man die Ablutions einer ordentlichen Roßkur mit ebesolch ordentlichem Resultat unterzogen hatte. Smart, wirklich smart, so unser zweiter Urteilsspruch.
Wir begannen, unsere Heimstätte auszurichten und aufzubauen, und bevor wir uns unserem Mittagessen schmatztechnisch zuwendeten, mußte die Barzahl unserer Reifen auf eine Moremi-geeignete Zahl verringert werden. Vermutlich lag es an dieser, daß wir die Gravel Pad von Shorobe bis zu Kaziikini als äußerst nervig empfanden, denn von uns am Point of End of Tar Road nicht reduziert. Egal – einer bückte sich, um vier Reifen auf den notwenigen Wert einer für die nächsten Tage bequemen Tire Pressure zu bringen, der andere um bei Windstille Speck und Eier in die Pfanne zu schleudern.
Beide erreichten das Ende ihrer Aufgabe mit einem, mit Lode ausgezeichneten Ergebnis und so verspeisten wir die in unserem gußeisernen Brat- und Fritierbehältnis hergestellten Nahrungsmittel bei gleichzeitiger Zufriedenheit über die für die nächsten Tage in Ordnung gebrachten Wagenpneus. Den letzten Streifen Eigelbs mit billigem, unspektakulärem Toastbrot von den Tellern aufgesaugt und das letzte Fitzelchen an kross ausgebratenem Supermarktbauchspeck aufgepickt, hörten wir in nicht großer Ferne die Laute von grauen Dickhäutern. Die Gabel noch in den Mündern, sprangen wir aus unseren bequemen Campstühlen und sahen in nicht weiter Distanz eine Familie an Elefanten, die sich direkten Weges in Richtung unserer Campsite machte. Zack die Bohne hatten wir Geschirr & Konsorten im Inneren unserer Heimstätte verstaut und lugten nach den grauen Riesentieren. Die machten aber Gott sei Dank schnittig eine rechtwinklige Kurve, um somit unsere Nachbarcampsite anzusteuern. Dort angekommen öffnete eine der älteren Elefantendamen den dort befindlichen rudimentären Wasserhahn mittels Schulter und einigem Geschick und die ganze Elefantenschar vergnügte sich ausgiebig für 20 Minuten am dahinplätschernden Naß. Selbstverständlich sorgten die grauen Riesen nicht dafür, daß dem Wasseraustritt ein Stop verpasst wurde und so floß das kostbare Gute und ergoß sich in die sandige Erde. Dieser Zustand traf mich ins Herz und so machte ich mich von meinem Posten aus auf den Weg, dem Elend ein Ende zu bereiten. Doch hinter einem mittelgroßen Baum mit davor platzierten dichten Büschen tauchte vor meinem Gesicht einer der pubertären Elefanten der Familienbande auf und macht mir mit unmißverständlichen, non verbalen Zeichen klar, daß das Terrain für mich noch nicht freigegeben war. Ich ergab mich der grauen, jungenhaften Eminenz und versteckte mich hinter dem Buschwerk, das ich links vorfand. Nachdem auch dieser junge Koloss von danne schritt, eilte ich ruck zuck zum offenen Wasserhahn und drehte diesen gut ab. Zurück auf unserer Campsite wurde ich von meinem kleinen Italiener als Held gefeiert und zum Dank der Rettung von Wasserressourcen wurde mir eine gut gekühlte Flasche Bier aus unserem mobilen Kühlschrank überreicht. Als heutiger Retter des botswanischen Wasserhaushaltes schickte ich mich an, auch die zweite und letzte Flasche des uns zur Verfügung stehenden Gerstensaftes zu verköstigen. Diese hatte ich mir doch wirklich verdient.
Die Gurgel gespült und mit Wespen im Hintern wegen der Hitze, stattete ich unserem Duschkabuff ein Besuch ab. Ohh… welch ein Wohltat. In Windes Eile war meine Körpertemperatur von geschätzten 57 auf 35° C runtergekühlt.
Der restliche Nachmittag verlief unspektakulär, jetzt mal abgesehen von den vielen grauen Dickhäutern, die der Ansicht waren, im kurz hinter unserem Campplatz vorbeiziehen zu müssen.
In der offenen Besuchergaststätte der Campanlage nahmen wir noch kühle süße Erfrischungsgetränke zu uns, plauderten dort mit unserer Rezeptionistin über dies und das. Dabei brachten wir auch zur Sprache, daß wir im Zusammenhang mit unserer Campsitereservierung hier unter anderem auf etwas dubiose Buchungsmethoden gestoßen sind, die, unserer festen Überzeugung nach, dem wirtschaftlichen Wohlergehen der Kaziikini-Einrichtung nicht unbedingt Positives entgegenbringen, eher das Gegenteil. Sehr überhöhte Preise, die teilweise namibische Wald-und-Wiesen-Booking-Broker für eine Nacht auf Kaziikini aufriefen, tragen dazu bei, daß potentielle Übernachtungsgäste abgeschreckt werden. Denn wer wird mit Freuden den Geldbeutel zücken und bis zu sage und schreibe 1.080 NAD pro Person für eine simple Campsite auf den Tisch legen wollen, wenn Kaziikini selbst „nur“ 380 berichtigt am 11.07.2023 auf 350 BWP pro Nase verlangt? Wobei die 380350Pula schon wirklich mehr als ausreichend sind, um das Gebotene zu zahlen, so zumindest unsere Meinung. Jetzt wissen wir ja aber auch, daß sich die um die nationalen Wildgebiete befindlichen Unterkunftsstrukturen am Preisniveau der in den Nationalpark befindlichen Beherbergungsstätten orientieren und das ist, zwar nicht immer erfreulich, aber eben völlig normales Businessbehaviour. Aber das Doppelte für eine außerhalb des Moremis liegenden, schon vom eigenen Betreiber hochpreisig ausgeschriebene Campsite zu verlangen, daß ist schon starker Tobak und das Nachsehen haben dann Strukturen wie Kaziikini, denen vermeintliche Campgäste dann ob der Preise Dritter den Rücken zeigen. Der ganze leidige Zinnober liegt aber selbstverständlich auch an vielen Eigenbetreibern selbst, die noch immer im heutigen 2023 nicht in der Lage oder willens sind, sich in ordentlicher Art und Weise mittels eines Internetauftritts zu präsentieren, um dadurch für Transparenz und Bequemlichkeit auf Kundenseite beizutragen und im Gegenzug weitere eingehende Finanzmittel für sich zu generieren, um die Anlage in Schuß halten, Arbeitsplätze sichern und vielleicht sogar auch neue schaffen zu können.
Wieder zurück auf unserem Lagerplatz wurde etwas gelesen, ein paar Fotos geschossen und immer wieder mal unter die Dusche gehüpft.
Unser heutiges Feuer zündeten wir recht früh an, bereiteten unser Abendessen vor und genossen die langsam sinkende Lufttemperatur. Mit dem letzten Licht wurde auch der letzte Happen verdrückt, anschließend das Geschirr gesäubert, bevor wir uns letztmalig an diesem Tag, dieses Mal mit biologisch abbaubarem 2-in-1-Duschgel+Shampoo, unter die Dusche stellten und es uns dann in unserer Kajüte horizontal bequem machten. Die Geräusche aus dem afrikanischen Busch wogen uns rasch in den Schlaf und somit war auch dieser Tag vorüber.
ALM schrieb:Tag 12 Jetzt mag das zwar theatralisch und vielleicht auch überzogen klingen, ist es aber mitnichten.
Hi Alm,
das klingt in der Tat so.
2 Beispiele: 1. Mobola: da bezahlt man mit einem höheren Fahrzeug 100 $ extra, dafür wird die Zufahrt passierbar gehalten. 2. Nebenan ist Riverdance. Da hat man uns letztes Jahr gesagt, man habe länger nichts gemacht, was bei der Zufahrt im Weg steht, sollen wir wegmachen.
Was wäre denn, um bei deinem Beispiel zu bleiben, wenn man nach Osnabrück kommt und dort hin kackt? Sauber abwischt und dann den schönen Haufen mit reichlich Papier krönt? Das machen überwiegend die Abenteurer mit Dachzelt, wenn sie tatsächlich mal nicht am Abend an der Steckdose hängen, sondern außerhalb von Camps nächtigen. Sehr selten buddeln sie ein Loch, dazu sind sie meist zu faul. Die von dir genannten Nato-Fahrzeuge haben alles dabei, meistens sind die Leute sehr, sehr lange unterwegs. Wir sind 3-5 Monate im Jahr in Afrika, mit meinem Rücken würde ich das Dachzelt nicht überleben. Außerdem kacken wir nicht in die Prärie, sondern haben ne Komposttoilette dabei.
Wenn wir den Tisch decken, tragen wir das, was wir brauchen, in der Hand zum Tisch. Sehr, sehr oft sehen wir das aber anders. Die, die alles ins Fahrzeug werfen müssen, tragen dann 5-7 Plastiktüten zum Tisch, schon ist gedeckt. 🙂
Wie immer, alles hat halt 2 Seiten.
Grüße Ebi
ALMThemenstarter2'319 Beiträge · seit 201103. Juli 2023 · #50
Servus Ebi,
mit Erstaunen lese ich Deine Zeilen und bleibe dabei überrascht, denn ich bin mir sicher, daß Du den Inhalt des Kontextes nicht ganz aufgenommen hast.
Zum Thema Baum- und Buschwerk so zurechtschneiden, daß es den individuellen Ansprüchen genügt:
Es sollte doch unbestritten sein, daß, wenn man mit einem Monstergefährt durch die Gegend eiert, man sich im Vorfeld wirklich ausreichend Informationen darüber einholt, ob das Riesenvehikel auch ohne Mühe überall durchpasst oder eben nicht. Bei einem ganz profanen 4x4-Wagen, ob Hilux oder Landcruiser und Konsorten, kann man konkludent davon ausgehen, daß dieser Typus an Fahrzeug seine endgültige Parkposition ohne das Abholzen von im Weg stehenden Gehölzes und ohne die Umwelt mit einem unverhältnismäßigen Mehr an Abgasen zu malträtieren erreicht. Wohingegen diese enormen Schlitten, weil notwendigerweise nur im behäbigen Walzerschritt des ersten Getriebeganges sich fortbewegend, um enge und engste Kurven meistern zu können, dann Dieselverbrennungsdampf ausstoßen, als gäbe es kein Morgen mehr.
Um Dir ein simples Beispiel zu geben: Es kommt doch kein Fahrer solcher überwuchtigen Mehrräder auf die Idee, mit diesen durch die schmalen Altstadtgassen Bambergs zu ruckeln, um dann, wenn es engkurvig wird, mit dem mitgebrachten Vorschlaghammer vorstehende Barockerker oder Fachwerkgiebel zurechtzustutzen, um für ihn bequem die Schlenkerla-Brauerei zum genußvollen Verzehr eines Rauchbieres ansteuern zu können. Da macht sich der Goliatdriver doch auch vorher ausgiebigst seine Gedanken, ob die Zufahrtswege im mittelfränkischen UNESCO-Welterbe in ausreichender Korrespondenz mit seinen eigenen metallenen Autoabmessungen stehen oder eben nicht.
Wir haben auch gar nichts im Geringsten dagegen, wenn man mit solchen übergroßen Fahrzeugen in die See sticht; doch sollte man dann dabei vorher eruieren, ob es eine Kirche im Dorf gibt und die dann bitteschön auch im Dorf lassen und zwar unbeschadet. Namutoni, Halali und dergleichen Gesellen, ja, die eigenen sich doch bestens für den, der sich entschließt, auch der eigenen Bandscheiben wegen, mit omnibusgroßen Kutschen auf Reisen zu gehen.
Zum Thema der zwei Seiten einer Medaille nur so viel:
Was dein Vergleich mit dem Verrichten des Großen Geschäftes auf sich hat, daß entzieht sich meiner großen Vorstellungskraft. Es wäre aber doch sehr infantil, sollte Deine Analogie dazu dienen, zu rechtfertigen, daß, wenn sich der eine seines Stuhlgangs ungalanterweise entledigt, sich der andere auf ebenso uncharmante Art und Weise und mit viel Nonchalance seine Welt so zurechtstutzen darf, wie es ihm beliebt. Und Deine subtile Anspielung, daß die Militärkarren alles, auch ein kleines Bioaborthäuschen, dabeihaben und die anderen eben nicht, kann in keiner Weise der Wink mit dem Scheunentor sein, daß der mit normalen Fahrzeugdimensionen unterwegs Reisende dazu neige, die eigene große Notdurft hinterm Auto zu verrichten.
Die Sache mit den Plastiktüten ferner, nun denn, die lasse ich jetzt einfach mal unkommentiert.
Dies vorausgeschickt, gibt es für mich im vorliegenden Fall keine zwei Flächen der allseits bekannten runden Metallplakette.
deine Zeilen hatten sich so gelesen, wie wenn da ne traumatische Begegnung stattgefunden hätte. Freut mich, dass es nicht so ist.
Meine wenigen Zeilen sollten letztendlich sagen, dass man sich auf diese und jene Art daneben benehmen kann (und das auch ausgiebig macht), und das hat mit dem Fahrzeug nichts zu tun. Hattest das Thema mehrfach aufgegriffen, auch nochmal bei einem Landcruiser, der wohl nicht groß, jedoch etwas teuer war.
Wir erkundigen uns halt bei anderen Leuten, ob man ein Ziel erreichen kann. Hab es zwar nicht mit Facebook, aber da gibt es sehr gute Gruppen, die sicher zu 90% aus Einheimischen, gemeint sind Bewohner des südlichen Afrikas, bestehen. Ist mir inzwischen lieber geworden als das Forum hier. Hier lese ich nur noch, wenn jemand ne Tour macht, von der ich mir Neues erhoffe. Deshalb danke für den Aufwand, den du hier treibst.
Schöne Grüße Ebi
ALMThemenstarter2'319 Beiträge · seit 201103. Juli 2023 · #52
Keine Ursache, Ebi, und ja, traumatisch war die Begenung für uns nicht. Traumatisch ist ein Adjektiv, welches wir für höhere Spährenereignisse reserviert haben. Die Sache mit den Holzhackern war einfach nur geschmacklos, nicht aber geruchslos. Die Monster pusteten die Gegend zu, da ist Kanada mit den jetztigen Waldbränden dort ein Betschwesterchen. Ich hoffe, den Rest unserer Tour, den es noch zu erzählen gibt, wird dir gefallen. Eines kann ich Dir unter uns ja schon mal sagen... Traumatisches und Dramatisches wird es nicht geben, aber so manchen Input für die kleinen Gedankenwelten 😉 🙄 Liebe Grüße Alm
ALMThemenstarter2'319 Beiträge · seit 201106. Juli 2023 · #53
Tag 18
Roadtrip Kaziikini ---> Khwai North Gate Camp
Zwar wurden wir vom Vogelgezwitscher recht früh geweckt, doch wälzten wir uns ein um die andere viertel Stunde immer wieder auf unserer Luxusautokabinenmatratze, bevor wir uns dann aufrafften, einen Milchkaffee zu uns zu nehmen. Zur Sommerzeit liebe ich es, mir mein Gutenmorgengetränk schon am Vorabend in dem Teufelsmokkakännchen durchpressen zu lassen. In Afrika geht das in Windes Eile, denn da brauche ich das Bialetti-Aluminiumgerät nur auf die noch glühende Self-made-Kohle zu stellen und ruckzuck sprudelt die dunkelbraune, liquide Koffeinessenz durch das Edelstahlsiebchen. Der im Auffangbehältnis so ankommende Türkentrank wird dann von mir in den Kühlschrank gestellt und morgens mit ebenfalls gut gekühlter Vollmilch veredelt, also zu einem Quasiicedcoffee vollendet. Herrlich!!! Mein 6°C kaltes Wachmachgesöff in Händen, wurde das zweite Espressozubereitkännchen auf den Gaskocher gestellt, denn der Morgenmuffel der Reise wollte ja schließlich auch die Augen aufbekommen, aber mit eben mit einem heißen Käffchen. Da wir bereits am Vorabend unseren ganzen Krimskrams schon im Inneren unseres Reisevehikels verstaut hatten, war vor unserer Abfahrt von Kaziikini nur noch der halbe Schlafzeltkasten, das Dachzelt und unsere Küchenzeilentür zu schließen. Klappen zu, Affe tot und um kurz nach sieben ging es auf die Piste. Für die nächsten zwei Nächte hatten wir uns auf dem Khwai North Gate Camp eingebucht, so daß auch der heutige Tag keine lange Fahrstrecke mit sich brachte. Kaum von der Kaziikini-Zugangspad auf die Gravelroad zum South Gate des Moremis links abgebogen, wurden wir von den ersten Giraffen begrüßt; es sollten nicht die einzigen bleiben auf der kurzen Strecke, im Gegenteil. Es war, wie wenn sich die Langhälse an diesem Morgen zu einem Critical Mass-Event verabredet hätten, so viele bekamen wir vor die Iris. Ab und an mischten sich Zebrafamilien und Großverbände an Impalas dazwischen, wohingegen die Kudus, ebenfalls zwar zahlreich präsent, sich aber mit scheuen Blicken hinter Büschen und Baumdickicht tummelten.
Wir näherten uns dem South Gate und plötzlich vernahm ich aus dem linken Augenwinkel im trockenen Gras ein beiges Etwas von nicht kleiner Körpermasse und ich presste ein aufforderntes Stopp mit fünf Ausrufezeichen aus meinem Hals. Das „Sofort den Rückwärtsgang einlegen und etwas zurückfahren“ kam dann in sanfterem Klang aus meiner Kehle. Meiner Anweisung wurde Folge geleistet und siehe da, eine Leolady schlenderte langsamen, doch sicheren Schrittes durchs Gelände. Leider verschwand sie viel zu schnell hinterm Buchwerk, so daß uns im Eifer des Gefechtes nur zwei unscharfe Fotos zuteilwurden. Aber machte nichts, wir freuten uns für uns und gemächlich ging es weiter zum Einchecken am South Gate.
Dieses lag um diese frühe Uhrzeit unerwarteterweise komplett verlassen vor uns und wir hatten den Eindruck, als wenn hier in der letzten Nacht keine Menschenseele sein Zelt aufgeschlagen hätte. Im Büro unseren Beleg des DWNPs vorgelegt und ins Buch eingetragen, machten wir uns nach erfolgtem Aufsuchen des Ablutionblocks zum Pippigang auf unseren Weg zum Khwai North Gate. Hierbei mußten wir uns mit einer schmalen, hinter den letzten Campstellplätzen des South Gates in den Busch geschlagenen Pad zufriedengeben, denn die breite Cutline, die kurz bevor man das South Gate auf rechter Seite hätte einschlagen können, war genau an dieser Stelle unmißverständlich für den Verkehr geschlossen. So gurkten wir auf einem engen Band aus Sand und von Tracks4Africa ordentlich im Stich gelassen durch den Busch, stets in der Hoffnung, hier nicht mit einem der grauen großen Rüsseltiere ein zuvor unverabredetes, zufälliges Zusammentreffen zu haben. Dann wäre nämlich Polen für uns offen gewesen, denn ein sodann eventuell notwendig werdendes Manöver zum Zurücksetzen unsererseits hätte sich als eine nicht unbedeutende Herausforderung dargestellt; umso mehr, garniert man solch ein plötzliches Vorkommnis mit einem dann in die Höhe schnellenden Adrenalinspiegel. Deshalb tuckerten wir gemächlich und mit stets wachsamen Blicken nach rechts und links auf dem Pfad nach Norden, wobei Tracks4Africa nicht aufhören wollte, wie ein in Tilt stehender Flipperautomat Mucken zu machen und wir dann doch noch von einem rechts im Dickicht speisenden Dickhäuter ob unserer Ruhestörung kräftig antrompetend zurechtgewiesen wurden. Nach so einigen Kilometern endete unser enges Buschwegelchen endlich an der Cutlinepiste, daraufhin senkte T4A seinen Blutdruck und wir konnten nun eruieren, daß wir uns bereits auf quasi halber Strecke der Cutline South Gate-North Gate befanden. Den Rest dieser wie nix abgerutscht und schon standen wir am Gate vor dem Khwai River. Bei einem, in einem SKL-Kabuff linkerhand befindlichen Mitarbeiter gaben wir unsere Ankunft bekannt. Der junge Mann schickte uns sodann zur Campsitenummer 9 und wir schlugen die hierzu notwendige Richtung ein. Schon nach wenigen Metern hinter dem DWNP-Gate-Office verwandelte sich der Zugangsweg zu den einzelnen Campsites in zwei, manchmal drei oder vier tiefe Spurrillen, deren Geometrie an einen aus Stahlbeton konstruierten Rennrodelkanal in St. Moritz oder, weniger feudal, im sauerländischen Winterberg erinnerte. Die SKL-Betreiber des Khwai North Gate Campgrounds hatten wohl am Ende der Regenzeit keine Lust, die matschigen, durch das Befahren von schweren Fahrzeugen desaströs zugerichteten Zugangswege campsitenutzergerecht zu planieren. So wankten wir mit unserem Bushlapaautomobil von rechts nach linksunten und umgekehrt, immer auf der Hut, nicht mit irgendeinem Wagenteil auf dem zementharten, unebenen Untergrund aufzusetzen. Mit viel Geduld und noch mehr Flüchen kamen wir auf dem Lagerplatz Nr. 9 an, doch dieser, es war ja auch erst kurz vor zehn, zeigte sich uns jedoch noch als besetzt und so glitten wir daran vorbei zur Nummer 10, stiegen dort aus und scannten mit Feldstechern die sich dahinter anschließende offene Prärie ab um, anschließend zur Inspizierung des Ablutionsblockes vorzufahren. An diesem machten sich gerade zwei, mit Putzeimern und Wischfeudeln ausstaffierte Mitarbeiterinnen von SKL zu schaffen.
Wir beschlossen nun, einen kleinen Abstecher in den Khwai City Center Business District zu unternehmen und ließen die Okkupanten unserer heutigen Campsite in Ruhe ihre Siebensachen relaxt packen. Jetzt hatten wir in Maun ja ordentlich Nahrungsmittel aufgefüllt und hätten deshalb keinen Lebensmittelladen aufsuchen müssen. Doch wir hatten viel Zeit im Gepäck und bei mittäglichen, hohen Temperaturen die Pisten des Moremi abzufahren, brächte uns als alternative Urlaubszeitgestaltung keinen einzigen tierischen Blumentopf als Gewinn. So fuhren wir zuerst am Khwai Shopping Center vor, um den Vorortwarenhandel mit einem Kleineinkauf etwas anzukurbeln. Doch leider war das Einkaufstempelchen geschlossen.
Na denn weiter, war unsere Devise und wir fuhren den Hauptboulevard Khwais entlang nordwärts. Schon von weitem erblickten wir vor extrem azurblauen Himmel das schmucke, mit einer riesengroßen Bougainville verzierte überdachtem Outdoorcafé mit angeschlossenem Ladengeschäft.
Das zum Erwerb allerlei Dinge des täglichen und nicht täglichen Lebens, als Afro Ville bekannte Geschäftslokal stellte sich mit großen Lettern am Parkplatz als General Store & Quick Coffee Shop sowohl seiner Stammklientel als auch eventuellen neuen Kunden vor. Jetzt ist es ja bekannt, daß man Neukonsumenten am ehesten akquirieren kann, indem ein markanter Eyecatcher als Ass aus dem Ärmel gezogen wird. Der Hingucker mußte im vorliegenden Fall jedoch nicht aus dem langen Hohlteil eines Herrenoberbekleidungsstückes wie ein, vom Zauberer an seinem Nackenfell aus dem Hut zu zerrendes Kaninchen extrahiert werden. Nein, der Blickfangköder bestand einzig und alleine aus dem aus Südamerika stammenden dunkelrosafarben blühenden Dornengewächs, welches so prachtvoll und exzentrisch dem sonst so kargen Umgebungsambiente einen knalligen, kolorierten Akzent verpasste. Also nix wie abgeparkt, für jeden ein kaltes Erfrischungsgetränk oder einen gebrühten Kaffee kaufen und beides im Schatten unter des Außencafés Dach genießen, so unsere Intention. Einmal im Inneren des Ladengeschäftes erblickten wir außer vielen leeren Verkaufsregalen nur wenig Warensortiment wie Akopads-Stahlwollschwämme, hochgiftiges, die Umwelt ruinierendes Ungeziefervertigungsmittel, knatschiges Industriekastenweißbrot, ein paar Dosenpfirsiche, übergesüßte Getränke in kleinen Plastikflaschen und andere, uns unbekannte Kleinprodukte, welche vermutlich dem Alltag dieses Landesteils Botswanas zweckdienlich waren . Auf unsere Nachfrage, ob wir einen Kaffee und ein Kaltgetränk erwerben könnten, wurden wir lapidar darüber informiert, daß es weder Cold Drinks noch den am Parkplatz beworbenen Filtertrunk gäbe. Jetzt standen wir da wie die Kinder beim Dreck, trotteten von der Verkaufsfläche zu unserem Auto und fuhren zur Campsite zurück. Diese fanden wir nun in geräumtem Zustand vor und so bezogen wir sie mit Tisch und Campingstühlen, entnahmen aus unserem Kühlschrank einen kalten Trunk, um dann anschließend etwas gelangweilt zum Dombo Hide aufbrachen. Also doch noch ein kleiner Game Drive zur mittäglichen Unzeit. Unser Weg dorthin führte uns an keinem, wirklich keinem Tier vorbei; wie hätte es zu dieser Tageszeit auch anders sein können. Erst kurz vor dem Hide erblickten wir ein paar neugierige Zebras. Wir parkten uns vor dem Hochausguck ab und stiegen die morsche Treppe des ebenfalls maroden Hides hoch. Wie gut, daß wir frische, dicke Arztstempel für einen Tetanusschutz in unseren Impfausweisen verzeichnen konnten, denn die vielen rostigen Nägel, die die baufällige Holzstiege notdürftig zusammenhielten, lugten an allen Ecken und Enden freudig aus der Trittstufenetagere. Nach wackeligem Aufstieg einmal oben auf des überdachten Großhochsitzes Plattform angekommen, suchten wir, notfalls auch brüchiger, bröckeliger, abgehalfterten Natur, vergeblich nach einer Sitzgelegenheit. Da unser Besuch des Dombo Hides ein Debüt für uns darstellte, wir waren noch nie zuvor dort gewesen, hatten wir naiverweise gedacht, daß dem tierinteressierten Reisenden dort zumindest eine Sitzgelegenheit geboten würde. Aber Peifedeckel, wie der gemeine Südhesse ein „Denkste wohl“ hätte verbal ausgedrückt. Jetzt sind wir ja bekannt für unser Sitzfleisch und wir können uns wirklich lange, ob mit Animalbegegnungen oder ohne, in Hides verweilen; vorausgesetzt, man kann sich dort hinsetzen, denn Krampfadern braucht und will kein Mensch. In der Regel hocken wir dann wie in Stein gemeißelt, mit Feldstechern und Lesematerial ausgestattet, und harren der Dinge, die dann kommen oder eben nicht. Und wenn nicht, ist die verbrachte Zeit für uns nicht als vergeudet zu verbuchen, denn dann schmökern wir halt in unseren mitgebrachten Büchern. Aufgrund der fehelenden Sitzgelegenheit und der Tatsache, daß unsere Campingstühle ja zuvor von uns auf unserer Campsite zwischengelagert wurden, mußten wir es also nolens volens bei einem Kurzaufenthalt der Aussichtsplattform im Stehen belassen. Doch selbst wenn wir die Klappsitzgelegenheiten mit in unserem Auto gehabt hätten, wären wir nicht der Versuchung erlegen gewesen, diese die Wackeltreppe hochzutragen. Zu groß taxierten wir das Risiko, daß, mit Stuhl im Arm oder schiefhängend auf der Schulter bewaffnet, aufgrund dann unvorteilhafter Verteilung unseres Körpergewichtes die brüchige Stiege ins Wanken hätte geraten können, um dann schlußendlich in sich zusammenzubrechen. Die paar vor sich, im Wasser hindösenden Hippos grunzten ab und an und weil sich so gar kein weiteres Tierchen blicken ließ, beschloßen wir den Rückzug auf unsere Kampierfläche. Wir hangelten uns gerade die betagte Holzleiter herunter, als ein anderer Wagen vorfuhr. Aus diesem stiegen zwei Deutsche älteren Semesters und wir klönten einen Augenblick mit den beiden. Auf dem Rückweg zum Camp sahen wir dann doch noch einen solitäre grauen Dickhäuter sowie ein Zebragrüppchen; das war es.
Um halb zwei auf unserem Herbergsplatz angekommen, naschten wir ein wenig Cheddar-Käse mit Dinkelkräckern und suchten via Internet in der Nähe ein Posten, der Mokoro-Touren anbot. Google brachte eine knappe Handvoll Vorschläge diesbezüglich zum Besten, wir machten Screenshots von Google-Maps und setzten uns in Bewegung zu dem am nächsten gelegenen, vorgeschlagenen Bootsausflugsanbieter. Unser Weg sollte uns wieder über die Khwai-Brücke und durch den Geschäftssteil Khwais führen, bevor wir hätten außerhalb des Örtchens nach der zweiten Flußqueerungsbrücke, aber noch vor der 90°-Kurve der Transitroad nach rechts abbiegen müssen. Leider konnten wir kein Wegelchen rechterhand erkennen und fuhren deshalb noch ein Stück weiter; doch auch dort kein Abzweig ostwärts. So steuerten wir die in Rot dargestellte Stelle unseres zweiten Smartphonedisplayschnappschußes an. Der Pfad sollte, jetzt von Norden auf der Durchgangsstraße kommenend, rechts vor der Brücke abgehen. An besagter Stelle fanden wir sogar ein großes Hinweisschild vor, folgten brav dem Weg und dann… verließen uns die Götter, weil keine weitere Wegesindikationen vorhanden. An einer Padgabelung in Mitten mittelhohen Grases entschieden wir uns für links, folgten der sandigen Kleinpiste und sahen dann einige baufällige Schuppen und einen abgetakelten Pick-up; es mußte in der Nähe der Xwabaxwa Campsite gewesen sein. Ich stieg also aus und lief ein paar Schritte nach unten, dorthin, wo ich aus der Ferne einige Person ausmachen konnte und traf auf ein Grüppchen an jungen Männern, die, begleitet mit Fanta- und Bierdosen, dabei beschäftigt waren, eine Partie Karten zu spielen. Auf meine Frage, ob hier irgendwo eine Mokoro-Tour angeboten würde, gestikulierten die offensichtlich mehr als gut angetrunkenen Kerle mit Armen, Händen und Köpfen und deuteten an, daß dort ziemlich weit drüben über dem Fluß solche Ausflugsfahrten stattfinden würden. Nun war die Beschreibung nicht mal gerade als halbpräzise zu deuten und so machten wir uns auf den Rückweg zum Camp, um aber vorher noch am Gate die gleiche Frage nach dem Bootstrip zu stellen. Vielleicht hätte man uns dort einen zuverlässigen Tipp geben können, so unsere Idee. Fast wieder an der zuvor genannten Wegegabelung angekommen, sahen wir einen dunkelroten Minijeep in Nicki-Lauda-forschem Tempo auf uns zukommen und drosselten sogleich unsere ohnehin schon Minimalgeschwindigkeit. Der kleine Flitzer war mit einem Sankt-Gallener-Kennzeichnen ausgestattet und durch seine und unsere Windschutzscheibe konnten wir einen jungen Beifahrer und eine Lenkerin der gleichen Altersklasse ausmachen. Die Eidgenossen hielten und auch wir stoppten den Wagen, als uns daraufhin die Helvetierin in Englisch mit schwyzerdütschem Akzent gespickt nach dem Weg zu einem Camp fragte. Ich antwortete in deutscher Sprache, daß wir bedauerlicherweise ihr da keine Information zu geben könnten. Mir wurde in Englisch gedankt und daraufhin schickte sich die Nordostschweizerin an, ihr Gefährt in grobschlächtiger Drehzahl wieder zum Rollen zu bringen. Dies gelang ihr sehr gut und schon war die zulassungstechnisch in einem alpinen Kanton registrierte Karre auch schon von der Bildfläche verschwunden. Abermals die Hauptstraße Khwais abdackelt und über die Khwai-Brücke im Schritttempo überfahren, begaben wir uns ins Gate-Büro, um nach der Mokoro-Tour-Möglichkeit nachzuhören. Der überaus charmante Chefranger dort bemühte daraufhin freundlicherweise sein Mobiltelefon. Doch noch während sein Smartphone dabei war, eine Telefonverbindung herzustellen, betraten zwei italienische Mittdreißiger das Gebäude, scherten sich nicht darum, daß der Chiefofficer das Telefon am Ohr hielt und demzufolge beschäftigt war und gaben ohne viel Einleitungsfloskeln ihr Anliegen zum Besten. Da der in khakifarbener Kleidung ausgestattete Ortspräsident des North Gates scheinbar nicht multitasking sein wollte oder einfach nur genervt war von dem brüsken Auftritt der zwei Mailänder… deren Provenienz hörten wir an ihrem sprachlichen Akzent heraus…, belohnte er die beiden mit Nichtbeachtung. Dieses Verhalten kreierte bei der jungen Dame des Paars sichtliche Irritationen, so daß sie sich gezwungen sah, dem DWNP-Verantwortlichen ihre Nachfrage nach einem organisierten Nachmittagsgamedrive abermals, dieses Mal jedoch mit im Crescendo befindlicher Lautstärke, an die Ohren zu werfen. Der arme Mann warf der Tussi, deren Outfit eher für einen gemeinsamen Abend mit Verdi in der Skala geeignet war, einen düstern Blick zu, den das lombardische Frauenzimmer so gar nicht goutierte. Die modisch überkandidelte Signorina wandte sich dann sogleich mit großer Empörung in der Stimme an ihren ebenfalls lombardischen Reisegefährten fragte diesen, ob er denn so etwas schon einmal erlebt hätte, sie ohne Anspreche im Raum stehen zu lassen. Kaum sich ausechauffiert, setzte das aufdringliche, unverschämte Mädel erneut an, dem jetzt mit einer zustande gekommenen Telefonverbindung ausgestatteten Nationalparksranger abermals ihre Angelegenheit kundzutun. In diesem Moment war für uns klar, daß wir dem armen DWNP-Herrn zur Hilfe eilen und die etruskische Krawallschachtel in den Senkel stellen mußten; auch in unserem eigenen Interesse. Denn wir hatten überhaupt keine Lust, unsere Zeit wegen einer impertinenten Vordrängelmasche zu verplempern. Unfreundlich stellten wir ihr in ihrer Muttersprache die rhetorische Frage, ob ihr denn nicht zufällig aufgefallen wäre, daß der gute Mann beschäftigt sei, und zwar mit unserem Anliegen. Uns erreichte ihr perplexer Blick, der uns aber nicht davon abhielt, sie mit der Aufforderung, einfach mal die Schnüß zu halten und sich in Geduld zu üben, in die Schranken zu weisen. Noch immer mit verstörter Mine und mit ihrem, zweifelsohne ebenso überrascht fassungslosen Mitreisenden im Rücken, fing sie stotternd an, sich in nicht ernstgemeinten Entschuldigungen zu drehen und zu wenden. Derweil wandte sich der noch immer am Telefon hängende, hilfsbereite Wildtierschutzgardist an uns und gab uns die Information, daß African Excursions für uns am nächsten Nachmittag einen Mokoro-Trip durchführen würde; Preis 600 BWP pro Nase. Wir erklärten uns damit einverstanden, bedankten uns vielmals bei dem Ranger, gingen wortlos an den beiden Norditalienern vorbei zu unserem Auto und begaben uns wieder auf den Rennrodelkanalweg zu unserer Campsite. Zuvor sahen wir, ich glaube es war auf der Nummer 3, die beiden Deutschen, die wir am späten Vormittag am Dombo Hide getroffen hatten. Jetzt waren sie zusammen mit zwei weiteren Deutschen, die vormittags eine Mokoro-Tour unternahmen. Wir hielten zu einem kurzen Plausch, bedankten uns dabei für den Hinweis betreffend eines „kleinen Hippopools“ benannten Gewässers kurz vor der zweiten Brücke, Während der netten Unterhaltung kam zum Vorschein, daß die anderen beiden vom Chiefofficer tags zuvor an African Excursions für die Wassertour verwiesen wurde. Sie waren sehr zufrieden mit dem am heutigen Vormittag durchgeführten Ausflug und wir waren froh, solch gute Botschaft vernehmen zu dürfen. Vielleicht würden ja auch wir die Mokoro-Tour am nächsten Tag über den grünen Klee loben, unsere Gedanken.
Auf unserem Lagerplatz angkommen übten wir uns in Lektüren vernaschen, bevor wir uns dann nochmals aufmachten, um dem "kleinen Hippopool" einen Lastnachmittagbesuch abzustatten. Dort tummelten sich so einige Dickerchen und wir amüsierten uns über deren Gezanke untereinander. Nach eingem guten Stündchen ging es wieder zurück zum Camp.
Den Rest des Tages nutzten wir, wie immer. Es wurde Feuer entzündet, dabei ein Savanna gekippt, Abendessen vorbereitet und dazwischen immer einige Blätter unserer Bücher abgelesen und, bei Vorabendlicht ein paar Fotos von der Campsite und ihrer Umgebung geschossen. Heute wurden zwei Sirloin-Steaks auf das Grillgitter gedonnert und mit einem Zwiebelsalat begleitet. Diese Kombination stellte sich dann aber suboptimal dar, denn zu dem reichhaltigen, essigsauren Schalottengemisch hätte besser ein Odenwälder Rohmilchhandkäs gepasst. Aber egal, Zwiebeln sind gesund, weil voller Vitamine und Mineralstoffe und wer hätte denn die durch die Verdauung gebildeten Magengase in dieser Nacht unter die Nase bekommen sollen, außer wir selbst…
ALMThemenstarter2'319 Beiträge · seit 201111. Juli 2023 · #54
Tag 19
Trotz ohne Wecker gestellt zu haben, wachten wir heute früh auf. Mit dem Sich-im-Bett-nochmals-um-die-eigene-Achse-Drehen klappte es an diesem Morgen nicht und so pellten wir uns aus den Laken schlafwandelten Richtung Kaffee und hofften, daß dieser unseren verknitterten Zustand glattbügelte. Unsere Hoffnung sollte eine Erwartung bleiben und so blieb uns nichts anderes übrig, als zum zweiten Koffeindolchstoß zu greifen. Der saß dann und nach getaner Morgentoilette überlegten wir, was wir heute so alles anstellen hätten können. Geplant und gebucht war ja ein Trip im Mokoro, doch die Tour sollte erst um 15.30 Uhr beginnen. Große Lust auf einen Abstecher nach Xakanaxa hatten wir keine und so beriefen wir ein Tag im Grünen ein. Ziel unseres Ausfluges: Der kleine Hippopool. Dort wollten wir uns verweilen und einfach nur geradeaus schauen. Zunächst aber wollten wir die Pads hinter den Stellplätzen des Khwai North Gate Camps um die große Lichtung abklappern. Von dort, so erfuhren tags zuvor, kam eine Rasselbande an Wildhunden direkt ins Camp getrappt. Gestern hatten wir rückseitig des Ablutionblocks auf dieser großen Wiese einen Waterbock im Schatten liegend ausmachen können; heute hingegen tummelten sich am Prärierand vereinzelte Kudu-Familien. Nach dem Kaffeetassenspülgang und einem ausgiebigen Zähneputzen machten wir uns auf den Weg und gurkten zuerst über und durch unseren Olympiaeiskanal, bogen dann scharf links ab, um in die gewünschte Richtung zu gelangen. Eigentlich hätte man von der Campsite bequem auf diese Pad gelangen können, wären da nicht überall mächtige Baumstämme als Durchfahrtssperren gewesen. Wir vermuteten, daß diese die Kampierplatzgäste vor Fremddurchgangsverkehr bewahren sollten. Für einen Morning Drive war der große Uhrzeiger schon zwei Mal zu viel seine Runde gelaufen, deshalb brachen wir unseren Schlenker ab und fuhren zu unserem kleinen Flußpferdplanschbecken. Wieder rackert wir über die Khwai-Brücke, fuhren wieder den Hauptboulevard Khwais ab und wieder war das Khwai Shopping Center für den Kundenverkehr geschlossen. An unserem nicht fernen Ziel angekommen, platzierten wir unsere Campingstühle in den Schatten mit Blickrichtung Wasser und uns auf letztere. Neben zahlreichen Hippoverbänden machten wir wie tags zuvor wieder den Seeadler aus, der sich majestätisch auf einem abgestorbenen, hohen Baum von seinen Beutezügen ausruhte. An und an flog er in einen dichtbelaubten Nachbarbaum und verweilte eine Zeit lang dort. Leider konnten wir mit unseren Reisegenossen, den Brüdern Leica und Swarovski, seinen Horst wegen des dichten Blattwerkes ausmachen.
Nach gut eineinhalb Stunden fuhren drei große Autos mit Schwung auf den kleinen Parkplatz hinter uns. Aus dem einen entstieg ein vollbärtiger Herr reifen Alters und wies die Insassen der anderen beiden Autos gestikulierend und mit forschem Ton an, sich ebenfalls aus ihren Kutschen zu schwingen. Die Stimmlage, mit der dies geschah, war bestimmend, wenig freundlich und noch weniger entgegenkommend und ließ keinen eventuellen Versuch, einen Kompromissvorschlag zu unterbreiten zu. Alle Adressierten verließen ihre Autos, wie befohlen. Nachdem sich auch die Gattin des betagten Gauteng-Hünen aus dem Fahrzeug gerollt hatte, mußte sich das Reisegrüppchen einer monotonen Oberstufenbiologieunterrichtsstunde gleichenden Unterweisung in die hiesige Fauna unterziehen. Dem Lehrer Lämpel in gar nichts nachstehend und stets den einen oder den anderen und manchmal auch alle beiden Zeigefinger gleichzeitig senkrecht in der Höhe haltend, wurde mit fester Stimme das Wissen der aus deutschen Landen angereisten Begleitschar angereichert. Schon stellten wir uns lebhaft vor, wie die Urlauber jeden Abend vom grau-weißgesichtsbehaarten Feldwebel vor dem Essen einer mündlichen Prüfung unterzogen wurden. Und wehe dem, der falsche Antworten gab oder aufgrund keiner paraten Replik zu stottern anfing; in dessen Haut hätten wir nicht stecken wollen. Nachdem der letzte Akt der der Lektion Biodiversität im Okavango-Becken abgehandelt war, verabschiedeten sich die Lehrlinge von ihrem Maestro und zischten mit durchdrehenden Reifen ab. Da es Zeit war, ans Mittagessen zu denken, bemühten wir unseren Kühlschrank und den Gaskocher und fingen an, uns ein kleines Menü zu zaubern. Scheinbar hungerte es auch dem pensionierten Oberstudienrat aus Pretoria, denn seine mitgebrachte Göttergattin und er fingen ebenso das Zubereiten einer leichten Mahlzeit an. Kaum fertig damit, holten beide ihre Stühle aus dem Canopy und rammten diese gleich neben die unsrigen. Das war jetzt so, wie sich die Franzosen verhalten, die, und da kann man an einem kilometerlangen, einsamen Strand liegen, ihr Beachcamp stets so nah an seinem eigenen aufschlagen, daß man ohne viel Mühe den Geruch der Sonnenmilch, die sich die Baggage aufgetragen hat, herausriechen kann. Da saßen sie nun wortlos nebeneinander, mumpelten ihr zubereitetes Sandwich und schlugen hartgekochte Eier auf den Campingstuhllehnen auf, wie sonst nur in einem deutschen ICE von München nach Köln-Deutz/Mess vorstellbar. Mit strengem Blick nach vorn gerichtet, fing der stattliche Rentner auf einmal an, nach unserer Herkunft zu fragen. Freundlich gaben wir die entsprechende Antwort und schlagartig taute der Raureif auf seiner Seele und es entwickelte sich eine wirklich nette Unterhaltung, an der auch ab und an seine Angetraute, wenn auch wortmengenmäßig minimal, teilnahm. So erfuhren wir von seinen teutonischen Wurzeln und auch warum sein Schlitten kein weißer Hilux war, sondern ein mausgrauer Mitsubishi-Canopyjeep und was ihm an seiner südafrikanischen Heimat so gar nicht gefiel und warum beide sich in Botswana immer so wohlfühlen. Der sich zuvor als harter Brocken gebende Weißafrikaner war auf einen Schlag sanft wie ein Konfirmand. Nun war es aber Zeit zum Aufbruch für die beiden, mit GP-Kennzeichen ausgestattetem Vehikel Fahrenden und mit gut eingeübten Handreichungen wurden Stühle und sonstiges Zeug in ihrem Wagen verstaut. Mit einem kräftigen Händedruck, mir tut heute noch die rechte Hand weh, verabschiedete sich der sanft gewordene harte Knochen. Seine Angetraute hingegen wünschte uns mit unterdrückter Stimme vermutlich nur Gutes … wir hatten ein wenig Probleme, das Frauchen akustisch wahrzunehmen, so grazil zerbrechlich war ihr Stimmchen… und schon schwangen sich die beiden in den kanalrattenfarbenen Wagen und düsten davon. Wir hingegen verweilten noch ein ganzes langes Weilchen und freuten uns jedes Mal, wenn wir den Seeadler seine Beutezugkreise fliegen sahen. Zwischendurch meinte ein gerade aus der Pubertät herausgewachsener Elefant, seine Waden im Naß abkühlen lassen zu müssen und die zwei, ja, denn wir definierten, daß es zwei Hipposippschaften sein mußten, übten sich in Verwandtschaftsstreitigkeiten. Ab und zu lungerte eine Vagabundentruppe an Pavianen hinter unserem Wagen und eruierte die Möglichkeit eines Raubzuges, doch sonst kam es zu keinen weiteren Vorkommnissen.
Gegen kurz vor halb vier nachmittags machten wir uns dann auf den kurzen Weg zu African Excursions, parkten uns ab und wurden dann auch recht rasch zu einem der unten am langsam daherfließenden Flüßchen bugsiert. Es traf noch ein Pärchen aus Norwegen ein, doch die Wikingerbraut mit ihrem stahlblauäugigen Wotan wurden, Gott sei Dank, auf ein separates Mokoro geschuppst und schon ging der Trip los. Die ölreichen Skandinavier fuhren nach rechts, wir nach links. Nach einer viertel Stunde stoppte unser Glasfaserboottaxist aburpt; nicht wegen der zwei grauen Riesendickhäuter vor uns, nein, wegen eines Minigrüppchens an Flußpferden die träge nur die Ohren aus dem Wasser blinzeln ließen. Unser Mokoro wurde dann gekonnt um 180° gedreht und weiter ging es. Wir hielten an, um seltene Frösche zu begutachten, die wir mit unseren Großstadtallerweltsaugen alleine gar nicht ausgemacht hätten. Es folgte ein Stop, um ein scheinbar frisch verliebtes Jesus-Bird-Pärchen seinen Weg laufen zulassen, bevor wir an dem, in einer Extrusionsanlage gefertigten Boot der Nordmänner vorbeiglitten. Diese prosteten uns mit angelaufenen Weißweinkelchen, hoch die Tassen, zu und schnabulierten dann weiter mit ihrem Gondoliere. Der unsrige war ehr in die Kategorie „Wortkarg bis überhaupt kein Laut äußernd“ einzugruppieren und so lag es also an uns, den jungen, adretten Herrn aus der Reserve zu locken. Dies gelang uns eigentlich recht gut, denn Ruderschlag um Ruderschlag quasselte er mehr. Nun erblickten wir aber einen patenten Elefanten, der sich genüßlich am saftigen Grün satt aß. Nach gefühlt sechshundertzweiunddreißig Fotos sagten wir dem dicken Zeitgenossen tschüs und begaben uns gleitend auf den Nachhauseweg. Bevor wir aber am Bootssteg ankamen, sahen wir noch zahlreiche Frösche, die wir gestern nicht erblickt hätten. Da hatte die Psychologie doch glatt recht, wenn sie zum Guten gab, daß Interesse die Wahrnehmung steuert.
Nach gut eineinhalbstündiger Wasserfahrt kamen wir, zum gleichen Zeitpunkt wie die nordischen Trollländer, am Bootssteg an. Rasch begaben wir uns zu unserem Auto und fuhren mehr als zufrieden über unseren Ausflug zurück zum Camp. Als wir die Khwai-Brücke überquerten, regte sich ein auf rechter Seite postierter Elefant etwas über unsere flegelhafte Absicht, das Holzponton passieren zu wollen, trompetend auf; nahm dann aber, das Geräusch unseres starken Motors in seinen großen Wackelohren angekommend, mit schnellen Beinen Reißaus. Wir hingegen kurvten wieder mal durch die knochenharte, ruppige, olympische Wintersportstätte zurück zu unserem Lagerplatz, freuten uns an einem kalten Erfrischungsgetränk und krossen Kesselchips über den heutigen Tag, bevor wir das Feuer anzündeten und uns in den Wettbewerb mit unseren Campsitenachbarn der Nummer 10, einem kanadischen Ehepaar mit vier Kindern, über das imposanteste Lagerfeuer auf der südlichen Hemisphäre stürzten. Zwischen Boereworst, zwei Scheiben Rinderfilet und wiederholten Blicken rüber zu den Montreal Champions bekannten wir uns zu unserer Niederlage und trotteten mit langen Gesichtern zum Duschvorgang. Ende des heutigen Tages.
Mein lieber ALM, Ihr seid uns in punkto Entschleunigung nicht unähnlich! In kann, da derzeit auf Reisen, nicht nachschauen, welche CS wir im Mai 23 in Khwai bewohnten. Es stand jedenfalls eine putzige Betonsitzgruppe auf Baum getrimmt herum und das Schild am Baum hinderte uns am Mitnehmen des Trumms… Liebe Grüße Friederike
ALMThemenstarter2'319 Beiträge · seit 201111. Juli 2023 · #56
Hi F von CuF,
die Nummer 9 kann es nicht gewesen sein, wir hatten nämlich auf dieser CS nix außer die, den Bandscheiben unzuträgliche Wasserzapfstelle. Außerdem war die 9 completely under shady trees. Ja, Entschleunigung war unsere diesjährige Devise und es war klasse, so vor sich hinzureisen, ohne Hetze und dem Drang, auch wirkliche jeden Elefanten des Moremis ablichten zu müssen.
LG Alm
ALMThemenstarter2'319 Beiträge · seit 201111. Juli 2023 · #57
Nachtrag
Bevor ich es vergesse… Eine Nacht auf der Campsite des Khwai North Gates hatte die Kleinigkeit von 100,00 Euro gekostet und war mitnichten dieses Geld wert. Außer einer zickigen, Tropfen auswerfenden Wasserzapfstelle in Betonminiaturausführung und in Knöchelhöhe über dem Campboden war nix vorhanden. Als Gratiszugabe gab es aber die unplanierten Zufahrtswege dazu; was will man mehr für diesen Preis?!?! Der Ablutionblock war jedoch sauber und in Schuß.
…. und neben der Wasserzapfstelle für Kleinwüchsige gab es noch jede Menge Menschen in Wohn- und sonstigen Mobilen, die das kryptische CS-Beschilderungssystem nicht verstanden und, uns und Equipment einstaubend, über die zu Beton gewordene Kraterpiste donnerten bis sie vor Deinem erwähnten „Schlagbaum“ landeten, röhrend wendeten und uns die zweite Panade verpaßten… Grüßle Friederike
ALMThemenstarter2'319 Beiträge · seit 201111. Juli 2023 · #59
Haaa...Friedericke, daß erinnert mich doch glatt an die drei betagten Südafrikanern der CS Nr. 5, die dort auch außerhalb ihres Zeltes Mittags- und Nachmittagsschläfchen hielten und jedes Mal von vorbeirumpelnden Fahrzeugen nicht nur gut paniert, sondern auch lärmmäßig vollkontaminiert wurden. Das ist wirklich der schrecklichste Stellplatz, den Khwai North Gate zu bieten hat; dort läuft und fährt dir alle Ritt jemand über die Nase und Leber.
ALMThemenstarter2'319 Beiträge · seit 201112. Juli 2023 · #60
Tag 20
Am Anfang der Planung unserer diesjährigen Tour beabsichtigten wir, eigenltich vier Nächte auf Khwai North Gate zu verbringen. Doch dann hatten wir die blendende Idee, unseren Aufenthalt dort auf zwei Nächte zu verkürzen, um dafür eine Doppelnacht auf einer anderen Campsite in der Khwai-Region logieren zu können. Diese Idee wurde in die Realität umgesetzt und wir buchten uns auf der Mogotho Campsite des Khwai Development Trusts für besagten Zeitraum via E-Mail ein. Dies vorausgeschickt versteht man nun, daß auch der heutige Tag nur wenige Fahrkilometer für uns mit sich brachte. Gegen acht Uhr glitten wir mit unserem Schlitten über die Rumpelstahlbetonpad des Campgrounds und sagten Khwai North Gate arrivederci. Noch bevor wir über die Khwai-Brücke fuhren, revidierten wir diesen Abschiedsgruß in ein eventualmente Aufwiedersehen, denn die gebotene Leistung stand doch im krassen Gegensatz zu ihrem Preis. Dieses kleine ökonomische Geplänkel abgetan, zischten wir am bunten Shopping Center vorüber, welches auch heute mit closed, doch ohne sorry firmierte. Die Transit Road war recht rasch abgefahren, so daß wir um 9 Uhr schon am Check-In-Zelt des Mogotho Camps waren. Dort fanden wir reges Treiben vor. Müllsäcke wurden zugeschnürt und Reinemachekolonnen für die Aufsuchung der Ablutionblocks eingeteilt. Unsere Zeche für die zwei gebuchten Nächte hatten wir ja bereits in Maun im Office des Khwai Development Trusts beglichen und so zeigten wir lediglich unseren diesbezüglichen Reservierungswisch vor. Dieser indizierte die Campsite Nummer 2, zu der wir von einem Mitarbeiter geführt wurden. Der gute Mann sprang auf seinen 4-Rad-Bock und gab diesem die Sporen. Über Stock und Stein und querfeldein folgten wir dem vor uns Fahrenden aus dem Formel-1-Ferrari-Team und erreichten unseren Lagerplatz. Dort warf der Rennfahrer das von uns zuvor an dem Reception Tent erworbene Feuerholz, eigentlich waren es halbe Akazienstämme, vom Pick-Up und düste sich aus dem Staub.
Die Campsite war sehr groß, mit mit zahlreichen Bäumen bestück und bot so manches individuelle Stellplatzeckchen. Doch während meiner Logis-Inspektion konnte ich den vielen, plattgefahrenen Elefantendung in Augenschein nehmen. Mein diesbezüglicher Blick reichte kompaßtechnisch gesprochen von Nordwest nach Südost des Stellplatzes. Überall zuhauf diese, schon etwas älteren Ex-Haufen. Ich entschied daher, daß wir den Wagen in einem Zipfel der Südwestecke unseres Herbergplatzes abstellen sollten. Dies getan, liefen wir über den weiträumigen Platz und packten mit Maurerlederhandschuhen ausgestattet den enormen Hügel an Feuerholz, um es in unsere Schlaf- und Aufenthaltsnische zu verfrachten. Auch diese Arbeit, unter Schweiß zwar, doch erfolgreich verrichtet, beschlossen wir einen kleinen Schlenker entlang des Flußes Khwai zu unternehmen. So fuhren wir durch die offene, mit einigen Bäumen durchsetzte Prärie bis zu einem Hippopool. Dort machten wir kurz Halt, bis uns der Hunger zu sich rief und fuhren die vielleicht zwei Kilometer wieder zurück zur Campsite.
Bevor wir uns ans Anrichten einer leichten Mahlzeit machten, liefen wir zuerst zum nahen Ablutionblock und duschten uns unsere salzige Schwitzhaut ab. Kaum zurück am Wagen und bereit zu Kochtaten zu schreiten, schritt jedoch eine graue große Eminenz mit forschem Tritt in der Hüfte direkt auf unser Kampiergelände zu. Wir also fluchs unsere Mahlzeitzutaten wieder im Wagen verstaut, sämtliche Öffnungen desselbigen geschlossen und uns hinter dem Vehikel versteckt. Das Riesentier ließ sich nicht ablenken und steuerte zunächst drei Bäume an der Ostflanke unserer Campsite an, brachte diese mit seinen breiten Max-Schmeling-Schultern etwas ins Wanken, um dann, einen Bogen um uns machend, sich gen Ablutionblock und Fluß zu verziehen. Wir hingegen umrundeten quasi unser Auto Hüpfer um Hüpfer, sozusagen im Gleichschritt mit dem Dickhäuter, stets bemüht, nicht in sein Blickfeld zu geraten.
Wir standen nach 180° Umrundung unserer Kutsche und noch in gebückter Haltung und ganz still, als wir ihn auf Höhe des Toiletten-Duschhäuschens ausmachten, atmeten tief durch und intentioniert, nun endlich was in die Pfanne zu hausen, Nach einer halben Dreivierteltaktwalzerdrehung durften jedoch feststellen, daß der nächste graue Zeitgenosse auf unseren Stellplatz zukam. Unsere Uhr ließ einen zeitlichen Abstand zwischen erstem und zweitem Elefanten von exakt vier Minuten erkennen.
Wir also wieder halb um unsere Kutsche herumgeschlichen, wartend, daß das zweite Großohr sich ebenfalls von unserem Acker machte. Ab und zu lugten wir zu unserer Sicherheit hinter uns, denn dort war ja der erste Gigant verschwunden. Irgendwie kam es uns vor, als würden wir auf einem schwarz-weißen Spielbrett stehen und jedes Mal rief einer „Schach“. Der zweite Elefantenbursche hielt sich nicht lange mit Bäumeschütteln auf und glitt mit elegantem Schritt an uns vorbei. Jetzt mußte es aber schnell gehen, so unsere Devise. In Windes Eile hatten wir das Zeugs in der Gußeisenpfanne, ebenso rasch auf unseren Tellern und noch schneller in unseren Mägen. Die nett aufgeschnittene Frühlingszwiebel hätten wir uns als grünes Schmuckwerk unserer Speck-und-Eiermaße sparen können, denn der kolorierte Akzent unseres Mahles wurde von uns ob der prekären Situation so gar nicht gewürdigt.
Da sich das Großwild von unserem Terrain verzogen hatte, liefen wir mit flinken Beinen schnell zum Ablutionblock, der an seiner Außenseite eine Möglichkeit zum Geschirrwaschen bot. Unser Tischleindeckdichmaterial und den schweren Topf wieder sauber ging es zurück zum Auto, wo wir den ganzen Krempel verstauten und dann anschließend mit diesem wieder den Fluß entlang zum Flußpferdplanschbecken fuhren; dort wollten wir ein Weilchen zubringen. Aber angekommen mußten wir feststellen, daß wir im Eifer des Gefechtes unsere Stühle auf dem Nischenplatz unserer Campsite vergessen hatten. Also kein, mit Feldstechern und Fotokamera ausgerüstet, Sich-auf-die-Pirsch-Setzen.
Nach etwa einer Stunde rumpelten wir deshalb wieder zu unseren Stellplatz zurück, denn den Fluß weiter hoch- oder das wenig weitläufige Gelände um die Mogotho-Campanlage abzufahren verspürten wir keine. Schon von Weitem sahen wir das nächste große, graue Tier quer über unsere Campsite spazieren und so drehten wir noch zwei kleine Runden, bevor wir auf unserem heutigen Zuhause angekommen konnten. Dort begannen wir, es uns gemütlich einzurichten und Vorbereitungsmaßnahmen für das abendliche Grillabenteuer zu organisieren. Die minimalen Klein- und Notwendigkeiten abgehandelt, widmeten wir uns der Lektüre, wobei wir eine 360°-„Um“sicht und große „Weit“blicke an den Tag legten. Denn wir hatten es irgendwie im Urin, daß ungewünschte, bei uns unangemeldete Besuche jederzeit hätte anstehen können.
Beim Abscannen des Terrains sahen wir auch den weißen FIAT-Wohnmobilbus, den wir am Vormittag schon direkt hinter unserem Ablutionblock und dann direkt an der Uferkante des Khwai-Flüßchens geparkt sahen und der dort jetzt noch immer verweilte. Er gehörte zu einem Franzosen-Paar, welches zur gleichen Zeit wie wir am Hygieneholzhäuschen den Mittagstischabwasch erledigte. Die Parkposition des weißen Mobilheims erachteten wir nicht gerade als optimal, stand das Ding doch genau in der Elefanteneinlaufschneise, aber diesbezüglich hat ja jeder so seine eigene Blickweise.
Nachdem die Sonne hinter uns, dem Franzosenvan und dem Khwai untergehen zu gedachte, starteten wir mit unseren Abendessenspräparationen. Einen Großteil unseres Feuerholzerwerbes wuchteten wir in die vorhandene Grillsandgrube, zündeten das Brenngut mit ordentlich Zündern an, deckten unseren Tisch mit unserer grünen, mittlerweile gut mit Flecken übersäten Baumwolltischdecke und wuschen die pflanzlichen Zutaten unseres Beilagensalates. Letztere kaum auf der Klappe unserer Außenbordküchenzeile zurechtgelegt, sahen wir den nächsten Großohrriesen, der sich auf unseren Stellplatz zubewegte.
Wieder alle vegetarischen Nahrungsmittel in Sicherheit gebracht, beschlossen wir, dieses Mal standhaft zu bleiben und auf unseren Campstühlen zu verweilen. Unser giftgrünes Tischtuch wehte sanft im Wind, als der große Brocken am ersten Baum unserer Campsite ankam und sich an diesem seinen breiten Buckel schrubbte. Anschließend machte er sich zum nächsten Laubgehölz und schüttelte dieses mit seiner Stirn. Es knackte und krachte und die Früchte des Baumes, welcher Art auch immer diese waren, keine Ahnung, fielen zu Boden und wurden mit der langen Nase wie von einem Rowentastaubsauger eingesogen sowie anschließend von dort ins Maul verfrachtet. Nach einer Weile zog der Riese weiter über unseren Platz zum nächsten Baum, inspizierte diesen zunächst genau, stäubte sich mit etwas Sand den Kopf ein, bevor er seinen Rüssel gekonnt um dessen dicken Stamm schlang und dann wieder mit seiner Gesichtsfront und unter Einsatz seines tonnenschweren Eigengewichtes das Ganze kräftig schüttelte, wobei er seine Hinterbeine massiv in den Boden stampfte. Man sah ganz deutlich, daß das Mammuttier die notwendige Krafteinwirkung auf den jetzt größeren, mächtigeren Baum bei seiner zuvor erfolgten Taxierung des notwendig werdenden Körpereinsatzes perfekt einschätzte und deshalb diesen mit wuchtigen Stößen bearbeitet. Jetzt knackte und krachte es nicht nur, auch fiel nicht nur die Frucht in Massen, sondern ebenso der eine oder andere dicke Ast von oben herab. Zwischen zu Boden liegenden Zweiglein, Ästen und jeder Menge Laub wurde das abgefallene Essbare aufgesaugt und zwischendurch wieder und immer wieder der arme Baum aufs Neue malträtiert, so daß wir schon Angst hatten, daß er unter dieser Anwendung rohester Gewalt in den nächsten Minuten kapitulieren und ebenfalls zu Boden gehen würde. Scheinbar hatte das violente Rüsseltier genug genascht, denn es machte sich nun auf den Weg zum Khwai-River.
Wir atmeten zunächst auf, bevor wir aber dann unsere gegenseitigen Befürchtungen, der graue Riese könnte Hand an das Wohnmobilchen der beiden Gallier anlegen, denn dieses lag wirklich genau auf seiner Wegstrecke, rege austauschten. So lugten wir hinter unser Auto, sahen das breite Hinterteil des Grauen und davor winzig klein die beiden Eigentümer der mobilen Franzosenheimstatt. Von irgendwoher schallte es: Go, go, go. Zweifelsohne konnten wir nicht die Adressaten dieser Aufforderung gewesen sein, doch der Monsieur und seine Madame dachten wohl ebenso, denn sie blieben neben ihrer weißen Kutsche wie angewurzelt stehen. Es folgte wieder ein Go, go, go. Doch die beiden rührten sich nicht, obwohl der Elefantenkoloss sich direkt auf sie zubewegte. Es war nix zu machen, auch nach der dritten, von weit her kommenden Aufforderung, den Acker zu räumen, verzogen sich die beiden Franzmänner nicht. Scheinbar durch die Schreie abgelenkt, drehte der Elefant von seinem Weg ab und machte einen Bogen um die beiden sowie um ihr Auto und verschwand im hohen Gras. Daß die Stelle, auf der sich die Franzosen abgeparkt hatten, eine Campsite hätte sein können, schlossen wir aus, denn die Nummer 1 und auch die 3 lagen komplett woanders, und daß eine Interimscampstelle direkt auf einer Piste liegend ausgewiesen hätte sein können ebenso. Nach unserem Dafürhalten waren das simple Wildcamper.
Jetzt mußten wir das Philosophieren darüber Philosophieren sein lassen und uns sputen, das Fleisch auf den Grill zu hauen, denn die Dunkelheit brach langsam über uns herein. Vor dem Wenden des Grillgutes hörten wir schon das erste Gelächter hungriger Hyänen und so rückten wir mit unserem grün eingedeckten Tisch und den Stühlen näher zum Wagen.
Aufgrund der Vorkommnisse und dem damit einhergegangenem Zeitverlust verzichteten wir auf das Zubereiten eines aufwendigen Salates und so mußten uns die Steaks mit simplen, grob runtergeschittenen Tomatenvierteln und selbstgemachter Knoblauchvinaigrette, alles garniert mit drei, vier Spritzer Tabasco, als Beilage ausreichen.
Das hämische Hyänengelächter kam immer näher und so räumten wir, noch die letzten Fleischbissen kauend in den Mündern, unseren Krimskrams zusammen und fuhren die wenigen Meter durch den offenen Busch zum Ablutionholzblock. Auf der kurzen Fahrt wurde geknobelt, wer zuerst duschen durfte, während der andere dann in dieser Zeit den Abwasch erledigen mußte. Als Sieger des Händespiels ging meine Wenigkeit hervor und ich bugsierte mich, mit Bioduschgel, Kernseife und Leinenhandtuch ausgerüstet, in den einen der beiden Holzduschverschläge des Ablutiongebäudes.
Vor diesem stand nun bereits auch der weiße Franzosenkastenwagen und la Madame vertrieb sich die Zeit mit dem Spülen von Geschirr. Gerade hatte ich die Tür zu meiner Outdoorduschkabine geöffnet, um dort hineinzuschlüpfen, als aus der nebenanliegenden le Monsieur marschierte. Ich nutzte die Gelegenheit, um den Guten die rein rhetorisch zu definierende Frage zu stellen, ob sie nicht zufällig festgestellt hätten, daß sich der von ihnen ausgewählte Fahrzeugabstellplatz direkt auf dem Zugangspfad der hiesig ansäßigen Elefantenkolonie zum Khwaifluß befände. Der noch mit tropfnassem, schütteren Haarenschopf ausgestattete Herr entgegnete nonchalant mit einem kurzen No. Vielleicht litt der westeuropäische Tourist, genauso wie seine Gattin, an Wahrnehmungseinschränkungen, so mein erster Gedanke, deshalb klärte ich ihn darüber auf, daß sie sich seit unserer Ankunft an diesem Vormittag mitten auf einer Piste abgeparkt hätten und daß genau an dieser Stelle die grauen Dickhäuter seit vermutlich Jahrhunderten ihren Weg zum Fluß auserkoren hatten. Ich wurde daraufhin mit einem lapidaren „Und?“ beschieden. Mein folgender Hinweis, daß es sich bei ihrem ausgesuchten Stellplatz nicht um eine offizielle Campsite hätte handeln können, bekam ich als Antwort ein „Doch, die Nummer 1“ zu hören. Jetzt schlug es aber Dreizehn. Der Kerl log mir doch glatt mitten ins Gesicht. Auf meine Erwiderung, daß dies nicht sein könnte, weil Nummer 1 von zwei Autos belegt war, ließ mich der gallische Hahn trotzig und herablassend wissen, daß es sich bei ihnen um die „alte“ Nummer 1 handeln würde. Was hier alt war, das wußten wir selbst bestens und dementsprechend taugte auch diese zweite Lüge nicht, um weder Klarheit noch Einsichtigkeit an den Tag…ach nein, es war ja schon dunkel… in die Nacht…zu bringen. Das Scharmützel gipfelte dann in des Herren verbale Attacke: Toujours ces italiens de merde. Jetzt war ich aber baff, was wohlweißlich selten vorkommt, und klärte den anmaßenden Mistkerl auf, daß, si c'est une merde, alors s'il vous plaît une merde allemande, par souci d'exactitude - merci beaucoup und daß, apropos Korrektheit, sich am nächsten Morgen mit Gewißheit würde exactement verifizieren lassen, was es mit der sogenannten alten Campsite Nummer 1 auf sich hätte. Voller Zorn knallte ich die Holztür meiner ebenso hölzernen Duschkabine zu und kühlte mich unter strammem Wasserstrahl runter. Mein mit doppelter Staatsangehörigkeit ausgestatteter Reisebegleiter sowie die Abwaschmamselle des der Lügen überführten, mit blauweißrotem Trikolorereispaß ausstaffierten Streithahns wohnten der verbalen Querele wortlos bei. Der Franzosenquertreiber befahl seiner Angetrauten daraufhin, ihr Zeug sofort im Wagen zu verstauen. Diese tat, wie ihr befohlen, und schon zogen sie sich auf ihren, keine hundert Meter entfernten angestammten Posten zurück.
Das mit dem Abkühlen mittels Wassers wollte so recht nicht klappen und dementsprechend endete ein schon uns genug in Wallung versetzter Tag auch noch mit böser Mine im Gesicht. Währenddessen wir uns so auf unserer Matratze rollten, hörten wir immer öfter das krächzende Lachen der krummbuckeligen Aasvertilger und ich dachte mir, na die sollten doch jetzt mal kommen, denen würde ich aber, so auf Krawall gebürstet wie ich war, die Ohren langziehen. Mit dunklen Gedanken verabschiedete ich mich vom heutigen Tag und fiel in ebenso düstere Vergeltungsträume.