Dolce far niente – Tour 2023 "Namibias Kitschklassiker und Botswanagarantien"
Ein herzliches Hallo,
nach Covid-Pause und letztjährigem Chalet-Tripp nun endlich wieder eine 4x4-Camping-Tour nach unserem vollsten Geschmack. Die Planungen hierzu begannen bereits im fernen Juli 2019, als wir, kaum von unserer Western und Eastern Cape – Tour zurück, uns in die vorbereitenden Maßnahmen stürzten, um unseren 2020er Tripp zu gestalten.
Das "Meanwhile" dürfte allen bekannt sein...
Als Hardcorevorbucher verfügten wir also über ausreichend Voucher, um die zweite Inszenierung unserer Self-Drive-Tour durchzuführen. Im Großen und Ganzen beließen wir es bei der schon für 2020 beabsichtigten Route, die das war:
Zunächst hatten wir 4 ½ Wochen zur Verfügung, die sich aber aufgrund familiärer Notwendigkeiten auf 3 ½ reduzierten. Auf den Relaxfaktor hatte dies jedoch keinen großen Einfluß, denn außer zwei Tagen mit vollem Fahrprogramm, war unsere Tour extrem entspannend gestrickt; nie mehr als drei Stunden am Steuer – Urlaub pur im wahrsten Sinne des Wortes... Ur Laub.
Wer Muße, Zeit und die Lust hat, auf den Punkt bringende, spröde, kritische, teils flapsig formulierte, aber immer wertfreie 😉 Kommentare zu Locations und mehr zu erfahren, den lade ich herzlich ein, unserem Reisebericht, gespickt mit unprätentiösen Fotos, beizuwohnen.
So long, Harry…. Ach nein, das war ja ein anderer Typ 😛
Alm
Teil 224. Mai 2023
Tag 1
Nachdem es sich im Frühherbst 2022 anbahnte, daß die durch die Pandemie verursachten Einschränkungen quasi, quasi der Vergangenheit angehörten, gaben wir uns einen Ruck und kramten aus der Klamottenkiste unsere geplante 2020er-Tour mitsamt ihren, mittlerweile mit Eselsohren versehenen Vouchern hervor, suchten und fanden bei Youtube Siw Malmkvists „Liebeskummer lohnt sich nicht my Darling“ als Endlosschleife zur musikalischen Unterlegung unserer Buchungsvorgänge und natürlich auch, um unserem „Afrika, amore mio-Feeling“ die gebotene Dramaturgie Teil werden zu lassen. Eine neue Reise nach Afrika zu planen, zu buchen, ja, daß gefällt uns fast immer genauso gut wie die Reise selbst. Vorfreude ist ja bekanntlich die schönere Freude. Und überhaupt: Ja, wir verspüren immer Liebeskummer Afrika betreffend. Aber wie gut, daß Afrika uns hold bleibt und bleiben wird, denn somit ist unser Kummer in der Zeit des Liebesentzuges zwischen einer Afrikareise und der nächsten erträglich.
Dadurch, daß aufgrund der uns schon zahlreich vorliegenden Buchungsgutscheine die Bezahlvorgänge sich auf ein Minimum reduzierten, brauchte es nur die digitale Korrespondenz mit den Unterkünften, um die Übernachtungen terminlich dingfest zu machen. Dies erwies sich als rasch abgewickelt, der zeitliche Rahmen stand also und wir machten uns dran, die Flüge zu buchen. In all den vielen, vielen Jahren zuvor begannen wir unsere Reisen fast immer in Johannesburg, mit wenigen Ausnahmen in Kapstadt und Entebbe, und gaben die Fahrzeuge auch stets am Startpunkt wieder ab. Aufgrund dessen, daß der Schwerpunkt unserer Reise dieses Mal auf dem nördlichen Namibia lag, kam für uns selbstredend nur ein Flug nach und von Windhoek in Frage; nerviges Umsteigen irgendwo in Addis Abeba, Doha oder JNB von einem Flugzeug ins andere und der damit einhergehenden Wartezeiten dagegen weniger. So buchten wir einen Eurowings Discover–Flug von Hamburg über Frankfurt nach Windhoek und zurück. Unsere Erfahrungen der vergangenen Jahre hinsichtlich Flugpreise zwischen 416 und 850 Euro berücksichtigend, waren dieses Mal 1002 Euro pro Nase in der Holzklasse nicht gerade als ein Flugschnäppchen zu bezeichnen. Zeitgleich zur Flugbuchung reservierten wir das Fahrzeug. Dieses Mal sollte es für 147 Euro/Tag ein Toyota Hilux Bushcamper von Bushlore sein.
Unsere Reisen sollen ja immer auch Entspannung mit sich bringen, so unsere Präambel. Dementsprechend scheuen wir, so wie der Teufel das Weihwasser, kurze Umsteigezeiten, wenn denn vonnöten. Ein Minimum von zweieinhalb Stunden ist bei uns Gesetz und somit buchten wir uns den Zubringerflug von Hamburg mit Ankunft Frankfurt 18.10 Uhr und den Weiterflug nach Windhoek um 21.55 Uhr. Wer den Frankfurter Flughafen kennt und weiß, daß Eurowings Discover in der Regel von Terminal 1 Bereich C startet, hingegen Lufthansa-Zubringerflüge in der Regel im Bereich A andocken, der versteht, daß da ein nicht kurzer Weg von einem Gate zum anderen Gate zurückzulegen und auch noch die Sicherheitskontrolle am Zugang zu Bereich C zu absolvieren ist. Aber alles wunderbar… so dachten wir. Von kurz nach sechs bis zum Bording um neun, daß war mehr als ausreichend Zeit, um nicht hetzen und verschwitzt am Abfluggate ankommen zu müssen. Wenn da nicht Mitte März der Lufthansa-Eurowings Discover-Bande in den Sinn gekommen wäre, uns unseren Hinflug zu stornieren und uns anzubieten, am nächsten Morgen mit einem Tagesflug von Frankfurt nach Windhoek zu bringen. Dieses unmoralische Angebot war sodann auch noch mit einem vorabendlichen Flug von Hamburg nach Frankfurt gekrönt. Wir vermuten, daß die LH-4Y-Gang einen siebten Sinn hatte und es mit uns nur gutmeinte. Denn, wer durch das südliche Afrika auf Campingtour geht, der könnte doch schon auch den mausgrauen Granitboden des Frankfurter Flughafens als Schlafunterlage nutzen, um zu testen, wie es mit seinen Bandscheiben nach einer in der Horizontalen verbrachten Nacht auf Stein bestellt ist. Als perfekter Einstieg sozusagen, dazu noch gratis obendrein. Dieses eventuell gutgemeinte Benefit seitens der Fluggesellschaft/en erfreute uns aber wenig bis gar nicht; im Gegenteil. So begaben wir uns auf die Fährten der Lufthansaservicewelt und siehe da, nach gut einstündigem Telefonat mit einer netten Dame irgendwo im indischen Himalayanirwana und entsprechend magerer Telefonleitung wurde uns über Warteliste eine Flugumbuchungsbestätigung mit gleichem Abflugdatum wie der originären Flugbuchung zukommen lassen; lediglich wurde der Flug von Hamburg ein Stunde nach hinten verschoben und dafür der Weiterflug nach Windhoek um 55 Minuten vorgezogen. Damit war sie dann hinfällig, unsere zweieinhalbstündige Zwischenstoppoverregelung in Frankfurt. Nun denn, wir trösteten uns damit, daß wir uns sagten, daß wir ja nicht bei „Wünsch Dir was“ sind und uns von Vivi Bach und Dietmar Schönherr keinen Beistand mehr erhoffen konnten, da bereits beide in den Ewigen Jagdgründen des Showbusiness weilten und versuchten uns damit aufzumuntern, daß zumindest uns der gleiche Abflugtag blieb, so wie von uns gebucht.
Es näherte sich unser Abflug Anfang April und unsere Freude stieg von Tag zu Tag. In Windeseile hatten wir unsere Siebenklamottensachen in den beiden Handgepäcktrolleys verstaut; die anderen, zum Afrikacamping notwendigen Dinge wurden in einer Aufgabegepäckstücktasche untergebracht und fertig war der Lack.
Um den eigenen CO²-Fußabdruck so gering wie möglich zu halten, entschieden wir uns gegen ein Taxi, welches uns zum Flughafen hätte bringen können. Stattdessen begaben wir uns mit all unserem Gepäck und den Meindlbergstiefeln (für uns eigentlich Meindlafrikastiefel, denn in die Berge begeben wir uns nie, zumindest nicht in Europa) an den Füßen bei frühlingshaften Temperaturen auf den Weg zur S-Bahn, um nach Fuhlsbüttel zu kommen. Schließlich wollten wir ja mit einem, zumindest minimal „sauberen“ Umweltgewissen beginnen, die Erdatmosphäre mittels eines Interkontinentalfluges zu kontaminieren. Doch schon nach drei S-Bahn-Stationen wurde unserem Last-Generation-Entgegenkommen ein jähes Ende bereitet, als die Ansage durch die S-Bahn plärrte, daß am Hamburger Hauptbahnhof Personen auf den Gleisen wären und sich die Weiterfahrt deshalb bis auf weiteres verzögern würde. Dieser Grund einer S-Bahn-Verzögerung lässt uns immer perplex und skeptisch. Was denken sich die Leute eigentlich? Spielen die Gummitwist zwischen den Bahnsteigen, oder sind das Volltrunkene, die meine, einen Junggesellenabschied feuchtfröhlich im Gleisbett zu feiern anstatt auf St. Pauli? Oder aber hat sich die Deutsche Bahn als S-Bahn-Betreiberin diese Verzögerungserklärung, neben dem bekannten „sogenannten“ Polizeieinsatz, als plausibles Argument einfallen lassen, um ihr marodes, nicht mehr zeitgemäßes Weichensystem als Verspätungsgrund zu verschleiern? Fragen über Fragen, doch deren Antworten mußten warten. Fluchs raus aus der S-Bahn-Tunnelhaltestelle und ein Taxi beigewinkt. Nun war es unvermeidlich, doch wir ließen uns herrlich auf dessen Rückbank niederfallen, wurden mit Dieselmotor zum Flughafen gefahren und ließen unser Umweltgewissen einen guten Mann sein. Rasch ging es zum Lufthansaschalter, um unsere große Reisetasche einzuchecken. Jetzt ist „groß“ ja ein Füllwort. Es gibt groß und groß und, ach ja, groß. Aber daß uns die Dame am Gepäckeincheckschalter mit unserer giftgrüngummilackierten North Face-Tasche zum Sperrgebäckschalter schickt, verstanden wir dann eher als skurrilen, verspäteten Aprilscherz. 19 kg Gewicht und normale Maße… Egal… Wir reihten uns, wie die uns nachfolgenden Normalgepäckaufgabeflugpassagiere, in die Sperrgepäckaufgabeschlange ein. Dann ab durch die Sicherheitskontrolle. Am Abfluggate für unseren originären 17.10 Uhr-Lufthansaflug nach Frankfurt trafen wir dann das Fomi Tine64, welches mit Partner ebenfalls mit dem jetzt 21 Uhr-Flieger von Frankfurt nach Windhoek fliegen sollte. Unser Flug nach Frankfurt ging eine Stunde später los. Dort im Terminal 1 Bereich A angekommen hasteten wir zum Bereich C, ließen dabei nochmals den Securitycheck über uns ergehen und begaben uns zum WDH-Abfluggate, wo die Tine64s schon saßen.
Mit der Aufenthaltsqualität des Terminal 1 Cs ist das so eine Sache. Ein minimal akzeptables gastronomisches Angebot zur Überbrückung auch nur weniger Augenblicke sucht man vergeblich. Wer mit einem Piccolo oder einem Bierchen auf den bevorstehenden Urlaub anstoßen möchte, dem bleibt nur einer der wenigen Shops oder der Duty-Free-Laden und dann der Weg zurück zum Abfluggate, um es prickelnd im Rachen krachen zu lassen. Das Bording war pünktlich und er Abflug eigentlich auch. Mit einem Holzklasseflugticket eines Low Cost Carriers in der Tasche erwarteten wir wenig an Bordqualität. Als Eurowings Discover-Grünschnäbel hatten wir im Vorfeld unserer Flugbuchung nur einen groben Blick in das weltweite Web geworfen, um uns über die 4Y-Annehmlichkeiten oder derer weniger zu informieren. Da war von Decke-gegen-Gebühr die Rede, etc. Umso mehr überraschte es uns, daß sowohl ein kleines Kopfkissen als auch eine katzengraue Flauschdecke in ausreichender Größe auf den Sitzen bereit zur Nutzung lagen. Ein Gratiszuckerl vielleicht? Die Kopfhörer wurden hingegen von den jungen Hostessen in ihren enganliegenden azurfarbenen Kostümen für zwei Euro feilgeboten, ebenso wie alkoholische Genußgetränke. Was die sogenannte Mahlzeit auf Langstreckenflügen anbelangt, haben wir seit jeher keinen überheblichen Sternekochanspruch, wenn Economy gebucht. Die Qualität ist eben die, die sie ist. Basta und gut ist. Was aber die Quantität des Essens betrifft, ist es durchaus erlaubt, darauf zu setzen, daß letztere ausreichend ist, einen normalen Hunger zu stillen. Dies war auf unserem FRA-WDH-Flug nicht der Fall; zumindest nicht im unsrigen. Sogar das Schullandheimlunchpaket am Titisee Ende der 1970er Jahre war mir mengenmäßig gehaltvoller in Erinnerung. Unsere knurrenden Mägen versuchten wir sodann mit den von uns auf den Flug mitgenommenen Wasa-Kräckern zu beruhigen; leider mit mäßigem Erfolg. Der Getränkeausschank der hübschen Stewardessen an Nullpromilleflüssigem war auch auf ein Minimum reduziert, sodaß der der stets trockenen Bordluft geschuldete Durst gestillt werden mußte, indem man sich in eine der Bordküchen begab. Über den Sitzabstand und die Bequemlichkeit der Sitze konnten wir nicht meckern; beide entsprachen unseren letzten Erfahrungen auf Emirates-Flügen nach dem Motto „Enger geht immer“. Aber auch hier: Egal. Wer günstig reisen will, der muß eben fühlen.
Nachdem wir von 4Y noch mit einem „Frühstückchen“ beglückt wurden, landeten wir überpünktlich auf dem Hosea Kutako International Airport. Die Fluggasttreppen waren rasch an den Flieger gerollt und schon durften wir aussteigen. Ach wie wunderbar! Endlich wieder Afrika in der Nase. Und da WDH unter den Kleinen der Airports zu finden ist, roch es wirklich nach Afrika. Nach frühmorgendlichem Buschduft eben. Wer in JNB oder CPT ankommt, dem wird solch angenehmes Schnuppern nicht vergönnt sein. Dort wird man eher spitzbergentemperaturairconditioned begrüßt und wer nicht aufpasst und einen dicken Wollschal um den Hals schwingt, der wird im günstigsten Fall mit einer Mandelentzündung in seinem wohlverdienten Urlaub zu kämpfen haben. Der Immigrationprozeß klappte wie am Schnürchen, ebenso die Gepäckausgabe und schon standen wir im Foyer des Flughafens. Dort wurden wir schon von einem Bushlore-Mitarbeiter erwartet. Noch schnell ein paar müde, schlappe Namibiandollars aus dem ATM gezogen, eine SIM-Card erworben und nach sage und schreibe exakt 50 Minuten saßen wir im Bushlore-Abholfahrzeug auf dem Weg in die Bachstraße zur Wagenübergabe. Derweil suchte unser Garmin-Navigationsgerät einen passenden Satelliten, damit T4A uns in den nächsten Wochen gute Dienste leisten konnte. Anstatt des von uns gebuchten Toyota Hilux Double Cab Bushcampers wurde uns ein Toyota Hilux Double Cab Bushlapa zur Verfügung gestellt. Damit waren wir einverstanden und nach eineinhalb Stunden waren sowohl administrative und kaufmännische als auch technische Details der Wagenübernahme geklärt und wir fuhren vom Bushlore-Hof.
Den ersten Tag hatten wir reserviert, um es eigentlich gemächlich angehen zu lassen. Von der Bachstraße fuhren wir zunächst nordwärts durch die City zur Klein Windhoek Schlachterei, um uns mit fleischlichem Vorrat unter Vakuum zu versorgen. Gesagt getan. Doch da wir an einem Samstag ankamen, bedeutete dies, daß alkoholische Vorräte beizeiten zu beschaffen waren. Also wieder durch die City, dieses Mal südwärts, auf zur Maerua Mall und ab in den Tops von Spar; anschließend in den Spar nebenan zum ersten Großeinkauf und auf ging es…klar, wieder über die Robert Mugabe Avenue…zum Urban Camp, unserer ersten Nächtigungsstätte. Dort angekommen verstauten wir unser ganzes Zeug im Wageninneren und gönnten uns ein ganzes Weilchen am Swimming Pool, bevor wir den fußläufigen Weg zu Joe’s Beerhouse um die Ecke antraten. Wie gut, daß wir auf dem Weg dorthin an der Medicine World Eros Pharmacy vorbei mußten, denn ich hatte meine Kontaktlinsenflüssigkeit vergessen. Es bleibt ja immer auf der Strecke. Joe’s war selbstredend gut besucht und noch besser reserviert; wen wundert es, es war ja Sonnabend. Nachdem wir unsere ersten fleischigen Wildgelüste gestillt hatten, spazierten wir dann doch recht müde zum Urban Camp zurück. Noch schnell geduscht und ab in die Falle. Morgen sollte unsere Tour nun richtig beginnen. Erster Stopp-Over: Spitzkoppe.
Teil 325. Mai 2023
Zwischenprolog
Jetzt wird sich die Eine oder der Andere fragen, warum wir auf unserer diesjährigen Tour so einiges Klassisches einer Ersttäternamibiareise auf dem Programm hatten, obwohl wir seit gefühlt 100 Jahren in Afrika u. a. mit 4x4 unterwegs sind. Zugegebenermaßen ein berechtigtes Anliegen, zu dessen Aufklärung ich gerne beitragen möchte. Da wir bisher Namibia absichtlich ehr stiefmütterlich behandelt hatten und dort nur aufschlugen, sobald es geographisch angebracht oder zwingend vonnöten war und aufgrund einiger gesammelter negativer Eindrücke betreffend der weißen Bevölkerung in Bezug auf Locals, verfrachtete sich Namibia seit vielen Jahren nach ganz unten auf unserer Wish oder To-do-Liste. Wie Anfangs des Reiseberichtes beschildert, sponnen wir uns diese Tour bereits im Jahr 2019. Damals waren wir uns einig, über unseren eigenen Schatten zu springen und Namibia endlich eine gebührende Chance zuteilwerden zu lassen, dies ob unserer großen Abneigung. Den zentralsüdlichen Teil sowie Etosha NP und den Caprivi hatten wir damals schon lange hinter uns gelassen, wobei die letzteren beiden Locations uns nie vom Hocker reißen konnten. Hingegen Naukluft und Sossusvlei trumpften bei uns auf. Jetzt sollten dann einige weitere Namibiaeinsteigerhighlights dazukommen, wobei wir auch 2019 nicht umhinkamen, einen großzügigen Einkehrschwung in Botswana in unsere Tour zu integrieren. Botswana gehörte und gehört zu unseren Erste-Wahl-Zielen, darauf konnten und wollten wir nicht verzichten. Und so ergab sich es, daß wir eine Zentralnordtour mit Abstecher nach Swakopmund entwarfen und diese mit einem Aufenthalt in der Khwai-Region verbinden wollten. Als hartgesottene Vorbucher, die in der Regel in Mid Season oder Low Season-Zeiten nach Afrika aufbrechen können, war es 2019 kein Problem, im Moremi respektive in der Khwai-Region Campsites zu erhaschen. Im Nu standen wir da und hatten eine 4-Nächte-Buchung für eine Campsite am Khwai North Gate in den Händen. Diese Reservierungsbestätigung wurde dann der zentrale Punkt, um den des galt, ein Routengerüst zusammenzubasteln. Dabei machten wir kein langes Federlesen und ruckzuck hatten wir die eingangs geschilderte Route im Kasten. Klappe zu, Affe tot, alles gut. Dies alles zur Erklärung, warum wir dieses Mal, als alte Afrikahasen, Locations ansteuerten, die in der Zauberkiste für Anfänger vorzufinden sind, welche für uns aber Neuland waren.
Teil 425. Mai 2023
Tag 2
Auf geht’s! Bereits kurz vor zehn Uhr morgens näherten wir uns dem Spitzkoppe-Massiv. Getreu dem Motto: „Nur der frühe Vogel fängt den Wurm“ ist es für uns ordinäre Usanz, anläßlich eines Afrika-Tripps frühzeitig am Tag aus den Federn zu springen. Ein Kaffee, zubereitet in der erforderlichen Zeit in einer Original-Bialetti-Mokka, mit viel Vollmilch reicht aus, um uns körperlich und mental auf die Sprünge zu helfen. Die heutige Wegstrecke war erwartungsgemäß kurz und unspektakulär. Ein kleiner Abstecher ins Citycenter von Okahandja auf der Suche nach einem Café erwies sich als erfolglos. Ein schnuckeliges Lokal mit italienischer Espressomaschine und deftigen Sandwiches oder mundwarmen Croissants, geführt von jungen Damen oder smarten Herren, wie in Südafrika oft anzutreffend, fanden wir zu unserem Bedauern nicht. Was erwarteten wir auch von einem namibischen Provinzkaff an einem Sonntagmorgen, wo haufenweise der in den Straßen deponierte Müll durch den Wind in alle Richtungen verfrachtet wurde?!?
Bei unserer Ankunft an der Reception des Spitzkoppe Camping wurden wir von einer sehr sympathischen jungen Frau empfangen, die unseres Erachtens einen Eintritt in Alexander McCall Smiths Bücher verdient hätte. Nach langem Geshaker mit der großbusigen, lustigen Dame schickte diese uns los, um uns einen uns „genehmen“ Kampierplatz auszusuchen. So gurkten wir auf sandiger Pad gen Westen des Spitzkoppe-Massivs. Viele der Stellplätze waren um diese frühe Uhrzeit noch belegt. Aber siehe da… Hinter der 10 B oder C oder keine Ahnung erblickten wir auf einer Anhöhe einen Unterstand auf einem Platz, der wie eine Campsite aussah. Perfekt für uns, der höchste Punkt und am Ende des Weges, ohne daß uns dauernd andere Autos vor der Nase vorbeifuhren. Dort parkten wir uns ab und begannen mit unseren Vorbereitungen unseres späten Frühstückes. Die Lufttemperatur hatte mittlerweile die 30° C-Grad-Marke geknackt. Strom- und Wasseranschluß auf der Campinglagerstätte? – Fehlanzeige. Ablution? Von was träumten wir?!? Aber die Spitzkoppe-Annehmlichkeiten waren uns bekannt. So brutzelten wir unseren German Bauchspeck vom niederbayerischen Metzergsburschen und schmissen sechs Eier darauf. Scheiben des in der Maerula-Mall erworbenen, schrecklich knatschigen German-Style-Vollkornbrots legten wir an die Seite der Pfanne, um demselbigen eine etwas krusprige Note zu verleihen. Nachdem alles die Konsistenz errang, die wir für unabdinglich erachteten, stillten wir unseren Hunger.
Im Anschluß folgte das, was meine Großmutter immer als das „Fünfminütige Andenken an die Gefallen in der Sowjetunion“ beschrieb, wenn sie sich anschickte, mal für einen Moment sich eine Ruhepause mit geschlossenen Augen zu gönnen. Ob der Außentemperatur sollten es bei uns eher Schweigeminuten für die Gefallenen in El Alamein werden… 36°C. Das war eindeutig zu viel. Selbst die kleinen gefiederten Tierchen schnappten nach Luft.
Nachdem sich die Sonne etwas hinter die Felsen verzogen hatte, beschlossen wir, dem Touritrend strikt folgend, einen Fußmarsch zum Rock Arch. Wer will diesen wohl nicht vor seine Linse bekommen und entsprechend aus unterschiedlichen Winkeln fototechnisch ablichten? Unter unserer, von uns deklarierten Campsite lag eine weitere, mit einem deutschen Pärchen belegte Campsite. Wie das so ist in Afrika, kommt man schnell ins Gespräch und zack die Bohne vereinbarten wir am späten Vormittag, gemeinsam nachmittags zum Rock Arch zu spazieren. Gesagt, getan. Wir schlenderten gemeinsam bei immer noch hoher Temperatur gen des felsigen Rock-Ensembles. Es wurden zahlreiche Fotos aus allen Lagen geschossen, bevor wir den Rückweg zu unseren Campsites antraten. Auf diesem trafen wir mit einem Chamäleon zusammen, dessen Bereitschaft sich fotogen zu positionieren eher als dürftig beschrieben werden konnte. Mir blieb nichts anderes übrig, mich in den Staub und Sand zu schmeißen, um quasi rücklings ein paar Bilder schießen zu können, die, da war ich mir gewiß, von dritter Seite nie, aber auch nie, die gebotene Aufmerksamkeit und Beachtung erhalten würden.
Zurück auf unserer nicht auf der Karte designierten Campsite bereiteten wir unser Abendessen vor. Hühnchenbrust gegrillt in Weißwein-Paprika-Zwiebel-Knoblauch-Majoran-Soße. Köstlich – der 14°ige südafrikanische Weißwein gab sein Bestes! Nachdem wir gespeist hatten, wurde schnell unter des Bushlapas-Wassertankwasserhahns sich der Staub des Tages abgewaschen, obwohl wir vor unserem Wandertreffen um 16 Uhr bereits in der Duschvorrichtung hinter der Reception eine Shower genommen hatten. Aber aufgrund der hohen Temperatur und der hygienischen Konsequenzen des Chamäleon-Fotoshootings war Wasser und Seife auf der Haut dringend erforderlich. Erfrischt und gefühlt staubfreisauber begaben wir uns in unser Zelt. Das Lesen der mitgebrachten Bücher erledigte sich dann nach weniger als zehn Minuten von selbst und wir schliefen, zufrieden mit unserem Tag, wie die Engel ein.
Teil 525. Mai 2023
Tag 3
Es graute und die Blase forderte ihren Tribut. Pippi machen war angesagt. Sich einmal aus dem Bushlapa ausgepellt, gab es für uns kein Zurück mehr unter wärmende Decken oder ähnliches. Der Gaskocher wurde aktiviert und die abends zuvor vorbereiteten Bialetti-Mokkas daraufgehieft. Das Ende des Kaffeebrutzelgeräuschs unserer Mokkakocher ließ nicht lange auf sich warten und so begannen wir den Tag zwischen den Felsen des Große Spitzkoppe-Massivs mit ordentlich Koffeininput und Lichtspektakel. Wenn das Frühstück nur aus einer Tasse Milchkaffee besteht, muß auch kein Riesenabwasch von Gott weiß was vorgenommen werden. Der Wagen wurde abfahrbereit gestaltet und los ging es zur Reception zum Auschecken. Zuvor wurden die Tassen im Küchenabwaschbereich hinter den Duschen ausgespült, danach sprangen wir unter die Dusche. Eine andere sympathische junge Dame wünschte uns beim Check-out-Vorgang eine gute Weiterreise und schon verließen wir das Spitzkoppe-Areal gen Swakopmund. Begleitung auf unserer Fahrt, wie am Tag zuvor, erfuhren wir mit Hitradio Namibia. Nun… Jetzt kann man ja trefflich über Musik debattieren und gegebenenfalls sogar darüber streiten… Tatsache war, daß, wie in den vielen Jahren zuvor, dessen Musikangebot eher als einfallslos zu bezeichnen war. Sogenannte, ins Radioprogramm aufgenommene 90er oder 2000er-Hits in deutscher Sprache ließen uns teils mit offenem Mund perplex. Nie zuvor gehörte Lieder von uns völlig unbekannten Sängern oder Gruppen. Um hipper und insbesondere zeitgemäß cooler rüberzukommen, würden wir Hitradio Namibia empfehlen, sich besser zu informieren, was zeitlich gerade angesagt oder ein Flop ist. Eine Bemerkung über die Radioalternative „Funkhaus“ lasse ich hier jetzt wegen gebotener Pietät komplett außen vor… Um Gottes Willen, Hildegard!!!...sage ich nur. So näherten wir uns also mit neuentdecktem, banalen Schwarz-Rot-Gold-Gesangsgeplänkel dem Küstenstädtchen Swakopmund. Weil wir dort die seit Jahren von uns gewünschte Living Desert Tour geplant hatten, mußten wir nolens volens auch dort unser Zelt ablassen, denn diese Tour begann morgens um 8 Uhr. Zunächst fuhren wir zu unserer nächsten Übernachtungsbleibe, dem Sophia Dalen Base Camp. Eingecheckt hatten wir dort im Nu und durften uns sogar die Campsite ausssuchen, die uns am besten gefiel. Dies war schwerer als gesagt, denn, ohne daß hier schon massenweise Touristen die Campsites belagerten, war es ehr die „Prettiness“ der Campsites selbst, die uns Schwierigkeiten bei unserer Auswahl bereitete. Auf den ersten Blick gab sich die Gesamtanlage sehr adrett. Auch waren die einzelnen Campsites in ausreichender Größe auf nette Weise voneinander getrennt. Doch bei genauerer Inaugenscheinnahme offenbarten sich uns einige Mängel. Schlußendlich entschieden wir uns für eine der vielen freien Campsites, die… versuchen wir es jetzt einmal galant auszudrücken… weniger schmuddelig war. Der auf unserer Campsite befindliche massive Tisch und die dazugehörigen Stühle wiesen fingerdicke Staub- und Sandschichten auf und deuteten, gemeinsam mit dem in den Ecken sich aufgetummelten Laub, auf eher halbherzig definierte Reinlichkeitsparameter hin. Dieser Eindruck wurde auch durch diverse, zum Teil nachweislich ältere Hundehinterlassenschaften rund um das Gesamtensemble gestärkt. Die Toiletten fanden wir hingegen in tadellosem Zustand vor, da konnte man wirklich nicht meckern. Wo wir hingegen sprachlos blieben, war die Machart des auf unserer Campsite befindlichen Wasseranschlusses. Wir fragten uns, was dem Erbauer dessen eigentlich durch den Kopf gegangen sein mußte oder auch nicht, das Ding so tief unten zu errichten, daß man nach dessen Nutzung das dringende Gefühl verspürte, umgehend den nächstbesten Orthopäden aufsuchen zu müssen. Da gaben sich vermutlich ästhetische Überlegungen des Erbauers und dessen Gewißheit, daß man das Ding ja selbst nie nutzen wird müssen, die Hand. Praktisch ist anders! Da das ganze Leben ja bekanntlich ein währender Kompromiss ist, machten wir gute Miene zu bösem Spiel, wobei sich am späten Nachmittag dann aber auch noch herausstellte, daß unser Stromanschluß defekt war und dieser es auch blieb, obwohl wir an der Rezeption beim Bezahlvorgang der Campsiteübernachtung diesen wunden Punkt explizit ansprachen. Was des einen Wichtigkeit, ist des anderen Nichtigkeit… Auch dies ist ja hinlänglich bekannt. Der Grund, warum wir Sophia Dalen Base Camp als Übernachtungslocation wählten, war unserer Überlegung geschuldet, lieber „oben“ zu schlafen als „unten“ in der Stadt, wo wir Wind und noch mehr Feuchtigkeit vermuteten. Klamme Knochen hatten wir vor Jahren schon in Lüderitz; da wollten wir uns bei unserem diesjährigen Atlantikaufenthalt eine diesbezügliche Wiederholung ersparen. Aufgrund des Vorgenannten erteilen wir der 340 NAD teuren Sophia Dalen Base Campsite eine mittelmäßige Zwei auf unserer diesjährigen Campsite-Bewertungsrichterskala, die bei zehn Punkten ihr maximal bestes Ergebnis findet. Der nächtliche Straßenlärm, resultierend aufgrund der Lage in der Nähe zur B2, floß dabei nicht in unsere Bewertung ein, denn dieser Lage und der damit zu erwartenden Geräuschkulisse waren wir uns bereits im Vorfeld bewußt. Fairness muß eben auch sein.
Nachdem wir unsere Campsite auf Sophia Dalen Base Camp nun auserkoren hatten, ging es runter in die Stadt zur Jetty. Der Hunger meldete sich und wurde mit Sushi und einem großzügigen Burger mit allerlei Fischigem gestillt.
Anschließend begaben wir uns auf den Weg nach Walfish Bay und zur Flamingo-Lagune, doch zu vor schauten wir am Sammelpunkt für unsere Living Desert Tour am nächsten Morgen vorbei. Wie uns vor Monaten schon via E-Mail mitgeteilt, wurde uns auch vor Ort bestätigt, daß die Tour nur in cash zu zahlen sei; nix Kreditkarte. Die Tour kostete 850 NAD und dadurch, daß der ATM am Flughafen in Windhoek nur 2000 NAD ausspuckte, mußten wir notwendigerweise dann in Swakopmund nochmals Geld abheben, wobei auch dieser Geldautomat nur müde 3000 NAD auszuspucken vermochte. Doch zuvor ging es bis zur Flamingo-Lagune. Leider erwies sich das Nachmittagslicht nicht unbedingt kooperativ, ebenso wenig die stolzen Vögel, so daß wir uns mit einer mageren Fotoausbeute zufriedengeben mußten. Machte aber nichts, denn Fotoschießen ist für uns ja immer nur eine Sekundärangelegenheit, wenn in Afrika unterwegs.
Gemütlich ging es wieder zurück zu unserer Campsite und es wurde auf Teufel komm raus gegrillt. Den Lärm der nahen B2 dämmten wir mit ein paar Gläsern Rotwein und sorgten somit für eine perfekte Einschlafgrundlage.
Teil 626. Mai 2023
Tag 4
Highlight des Tages: Die Living Desert Tour Um Viertel vor acht Uhr morgens fuhren wir auf dem Parkplatz des Treffpunktes vor und warteten, daß wir von der Tommy’s-Truppe abgeholt wurden. Mit ein paar weiteren Wüsteninteressierten wurden wir dann durch die Dünen gefahren, es wurden uns das eine und andere Tierchen präsentiert und vieles über die Lebensumstände von Fauna und Flora in der Namib erklärt. Alles in allem eine schöne, interessante, knapp fünfstündige Tour, deren Kosten hierfür wir sehr gerne beglichen haben. Die Tour war ihr Geld voll und ganz wert.
Da unsere heutige Nächtigungsbleibe Cape Cross war, begaben wir uns auf den Weg nach Norden. Die Landschaft wurde immer eintöniger, doch dadurch nicht uninteressanter… Zumindest für mich. Wie im täglichen Leben, so auch auf Reisen… Zwischen Partnern muß es nicht immer deckungsgleich zugehen. Dem einen gefällt das, was dem anderen mit großer Abneigungshaltung beglückt ist. So ergötzte ich mich als heutiger Beifahrer an dem mich umgebenden Nichts, wohingegen bei unserer Ankunft in Cape Cross der heutige Fahrzeuglenker mit dem Kommentar „Das einzige Interessante an der Strecke von Swakopmund bis hier her war die Braune Hyäne, und die war aber tot“ seine Gefühlslage zum Ausdruck brachte. Lust, um auf unsere Erlebnisdiskrepanzen näher einzugehen hatten wir keine, ebenso wenig Zeit dazu, denn schon standen wir am Gate des Cape Cross Nationalparks. Fluchs den Eintritt bezahlt und dann ab zu den Robben. Olfaktorisch war der Besuch der Tierchen ja wahrlich eine Herausforderung. Auch staunten wir nicht schlecht, als wir das Ausmaß der Tierkolonie erblickten. Dadurch daß das Holzgitter um den Boardwalk teilweise Löcher aufwies, verirrte sich so manch südafrikanischer Seebär auf den für die Besucher zugewiesenen Laufsteg. Dies kann unter bösen Umständen nicht ungefährlich sein, wenn nämlich eine boshafte Robbe mit noch böswilligerem Charakter zum Watschelangriff auf Besucher losgehen sollte oder ein Tier der gleichen Gattung, aber mit sanftmütigen Wesenszügen, sich erschrickt und aufgrund zu geringer Fluchtdistanz einen Angriff starten sollte. Zumeist ließen sich die Eindringlinge jedoch damit verscheuchen, indem man fest mit dem Fuß auf die Holzbohlen aufstampfte. Nach einer knappen Stunde hatten wir genug vom Zuschauen beim Surfen der Seebären auf den Atlantikwellen, ihrem Geschrei an Land und dem Geheule der kleinen Heuler und natürlich…vom Gestank.
Wir hatten eine Campsite auf der Cape Cross Lodge gebucht, checkten dort ein, belegten unseren Platz und machten einen kleinen Spaziergang am Strand entlang. Je weiter wir nordwärts liefen, desto mehr tote Heuler fanden wir verstreut am Strand vor. Kein schöner Anblick, den auch nicht die langsam sich in die Wogen des Atlantiks senkende Sonne aufzuhübschen vermochte. Die Temperatur war noch angenehm T-Shirt-tauglich und so machten wir es uns nach unserem Strandwalk auf unserer Campsite gemütlich. Sofern man diesen Ausdruck verwenden konnte, denn die Campsites waren mehr auf Praxistauglichkeit als auf Gemütlichkeit getunt. Die hellgraue Farbe der die Campsites trennenden Mauern und fehlendes Grün taten ein Übriges, um bloß kein Schnuckelwohlfühlgefühl aufkommen zu lassen. Dabei wäre es ein Einfaches, zwei, drei mit Agaven bestückte Pflanzkübel auf jeder Campsite dekorativ und somit einen lebendigen Farbtupfer gebend zu platzieren. Aber wir müssen sagen: Dafür war der ganze sprödcharmige Campingplatz picco bello gepflegt. Die Ablution waren tadellos in Schuß und dazu noch blitzeblank sauber. Kostenpunkt der Übernachtung: 380 NAD.
Best chips ever !!!
Der Abend meldete sich schnell nach Sonnenuntergang zu Wort und leitete das Zubereitungsprozedere unseres Grillabends ein. Nachdem das Holz zur Glut wurde, legten wir eineinhalb Pfund Rinderfilet vom Windhoeker Bajuwarenschlachter auf den Grill. Dies mußte heute zusammen mit Avocado-Tomaten-Salat und dem im Swakopmunder Superspar erworbenen Toastbrot eigentlich ausreichen, um mit gefülltem Magen zufrieden in den Schlaf sinken zu können.
Teil 730. Mai 2023
Tag 5
Im Morgengrauen pellten wir uns aus den Federn. Die Nacht war etwas weniger kühl als jene zuvor, doch ohne den als Bettdecke umdesignten, aufgezogenen Schlafsack ging es nicht. Die Bialetti wurden aufs Gasfeuer verfrachtet und, während die Kaffeeessenz sich durch deren Aluminiumvorrichtung durchpresste, brachten wir unser mobiles Wohn-, Aufbewahrungs- und Schlafgemach auf Vordermann. Zügig rollten wir nach dem Kaffeegenuß vom Acker. Heutiges Ziel war die White Lady Lodge am Brandberg. Alles in allem eine überschaubare Strecke. Kurz bevor wir in Hentie’s Bay waren, bogen wir links auf die asphaltierte C35 ab. Die Bauweise der Straße entzückte den gestrigen Fahrzeuglenker, konnte er doch so rascher der Mondmarsvenuslandschaft den Rücken kehren; alles im Wissen, daß ab den Bergen in der weiten Ferne die Welt für ihn interessanter aussehen würde. Das Glück war ihm nur kurz hold, denn nach wenigen Kilometern transformierte sich das dunkle Bitumenband in eine längere Baustelle und wir mußten links davon mit reduzierter Geschwindigkeit auf Gravel fahren. Das war es dann mit „Mal schnell entkommen“. Ich kicherte mir innerlich hinter dem Lenker sitzend einen Wolf und genoß, so wie am Tag zuvor, diese Einöde. In Uis machten wir im Cactus & Coffee Spätfrühstückeinkehrschwung. Die Außentemperatur war really hot und umso mehr freute ich mich auf ein Kaltgetränk und, da der Magen mittlerweile geräuschvoll aufbegehrte, deftige Kost. I love Iced Coffee und was lag es näher, diesen zu bestellen, befand er sich doch auf der Karte des Lokals; dazu ein warmer Wrap (so wurde das Ding, glaube ich, auf der Menükarte bezeichnet) mit Käsefüllung. Die Bestellungen wurden aufgenommen und somit war Zeit, sich des Etablissements Pflanzenvielfalt zu widmen. Sehr, sehr schön.
Derweil brachte die junge Frau die Getränke zu unserem schattigen Outdoorgartentisch. Schon als ich mich dem letzteren aus der Ferne näherte, machte ich im Geiste ein dickes Häkchen an meine Liste der Enttäuschungen. Vor mir präsentierte sich ein blasser, kaum hellbeigefarbener Eiskaffee wie in altmodischen deutschen Eisdielen mit einfältigen italienischen Namen üblich. In der Mitte des Glases vermutete ich, richtigerweise, wie sich herausstellte, Vanilleeis. Alles getoppt mit einer Sahnehaube und… Der Knaller: Eine Schokoladenmokkabohne. Genervt nippte ich an diesem Mix und suchte vergeblich etwas Kaffeegeschmack zu eruieren. Aber alles Schnauben und Grollen half ja nix. Ich tröstete mich damit, daß gleich eine mit geschmolzenem Käse gefüllte Weizenteigtasche ihr Debüt vor mir absolvieren und meine Laune heben würde. Aber auch dieses, von mir vorschnell inszenierte Trostpflaster löste sich in Schall und Rauch auf. Von Wegen dahinschmelzender Cheese… Das lauwarm gerollte Etwas war mit Käseraspeln gefüllt, die sich bei der dem Wrap quantitativ minderbemittelten zuteilkommenden Zubereitungszeit und -hitze nicht in ein sich ziehendes Etwas verwandelten – nein, die Käsekrümel waren so, wie der Koch sie aus der dem Kühlschrank entnommenen Tütenverpackung in die Mehlteigrolle gestreut hatte: Fest und kalt. Trotz, daß mir die Pflanzen das Herz aufgehen ließen und ich gerne das eine oder andere weitere Minütchen Zeit mit Florabewundern verbracht hätte, nee. Meine Enttäuschung erreichte einen Level, der dazu geeignet war, mich geradeweg auf kerniges Krawallbürsten zu bringen. Auf der noch restlich verbleibenden Fahrtstrecke zur White Lady Lodge fragte ich mich, wie es möglich ist, einen Iced Cofffee so zu verhunzen. Der Begriff kann doch nicht fehlinterpretiert werden – oder? Iced Coffee. Das ist, wörtlich übersetzt, ein geeister, na gut… eisgekühlter Kaffee oder ein Kaffee mit Eis(würfeln). Aber doch kein braunes Brühchen garniert mit Ice Cream plus Cream plus Schokomokkabohne. Das wäre ja dann ein Eiskaffee wie man ihn zwar in Deutschland aber nicht in Italien vorfinden kann. Kaffee also mit Eis im Sinne von Speiseeis oder jenes in Kaffee getränkt und zuzüglich Schlagsahne obendrauf. Egal jetzt – ich war so ziemlich genervt.
Meine Wogen glätteten sich jedoch bei unserer Ankunft auf der White Lady Lodge. Das Einchecken war rasch über die Bühne gebracht und wir durften uns eine Campsite aussuchen. Wir wählten unter den vielen freien Stellplätzen einen großzügig zugeschnittenen, parkten uns dort ab, öffneten des Bushlapas Dach- und Seitenzelt und gaben meinem Drang nach, uns umgehend zum Swimming Pool zu begeben.
Zwar hatten wir an der Reception nach einem Afternoon-Drive im Ugab Riverbed zum Elefantentracking nachgefragt, doch dieses wurde aufgrund der Trockenheit sich nicht in der Nähe befindlichen Dickhäuter zur Zeit nicht angeboten. Darum waren wir im Grunde auch nicht böse, denn uns stand bei der Mordshitze eher der Kopf nach Sprüngen ins kühle Naß. Trotz magerer Nahrungsmittelaufnahme meinerseits an diesem Vormittag, war mir der Hunger aufgrund meines vorgenannten Cactus & Coffee-Desasters vergangen. Zwei alkoholfreie Bier mit Grapefruitgeschmack sollten reichen, mich über den Mittag und Nachmittag zu bringen. Bevor diese jedoch prickelnd meinen Rachen runterrauschten, ereignete sich ein kleines, aber deswegen nicht minder zu bewertendes, unschönes Ereignis. Im Outdoorspa-Bereich angekommen fanden wir noch zwei freie Liegen unter einem Schattendach vor. Die beiden anderen Pritschen unter dem Holzverschlag waren von zwei eher blaßfarbene Damen, taxiert knapp unterhalb des gemeinhin bekannten Mittleren Alters, okkupiert. Die eine, spargeldürr und mit spitzer Nase, widmete sich ausgiebigst ihrem Smartphone. Die andere, körperlich etwas mehr im Fleisch stehend, aber nicht übermäßig, erwiderte meine Frage nach Verfügbarkeit der beiden weiteren Liegen mit einem akzentfreien deutschen „Ja doch“. Kaum hatte ich meine Siebensachen auf die zum Schattensonnenbad als frei deklarierte Holzetagere gelegt, drückte mir die smartphonecleane der beiden ein Gespräch auf die Backe. Jetzt bezeichne ich mich selbst ja ab und zu als eloquentes Arschloch, doch so schnell von null auf 100 – meine Fresse, das hatte das Zeug, um in einer RTL oder Pro-Sieben-Show zu landen. So erfuhr ich u. a., daß das Dämchen die vierte Generation von Deutschen in Namibia repräsentierte. Es folgte im Verlauf dann die Erzählung ihrer Familienhistorie und die ihres letzten Aufenthaltes in damals Covid-Deutschland. Die Ausführungen letzteres betreffend gipfelten dann in der Aussage, daß sie es ja gar nicht verstehen könnte, warum „Ihr“ in Deutschland Hinz und Kunz ins Land laßt und deshalb „Ihr“ „Euch“ auch nicht wundern braucht, wenn da so mach Schurke und Sozialschmarotzer darunter ist, der, anstatt froh über die Möglichkeit eines eigenen wirtschaftlichen Aufschwunges in Self-made-Manier zu sein, lieber den Gott einen guten Mann sein und „Euch“ dafür zahlen läßt. Ja, so etwas wäre auf alle Fälle hier nicht möglich; ebenso wie „Eure“ Hysterie und Wegsperrmanie während der Pandemie, die dazu beitrug, daß sie rasch wieder zurück nach Namibia kehrte. Smalltalk tut ja auch in den eigenen Ferien immer gut, doch auf solch reaktionäres Geplänkel bin ich ebenso allergisch, egal ob im oder nicht im Urlaub, wie auf einen mir als Iced Coffee angedrehten Eiskaffee. Bevor ich wieder auf der Krawallbürstenbereitschaftsebene vom späten Vormittag ankommen und vermutlich ungalant werden konnte, drehte ich mich auf den abgelatschten Gummiabsätzen meiner noch ausgelatschteren Birkenstockschuhe um und steuerte ein alternative Liegemöglichkeit im Schatten, die sich just in jenem Moment auftat, an. Eigentlich stand mir nach solch einem Auftritt der Kopf weniger nach Nullpromillebier als vielmehr nach hochprozentigem Destillat in jeder Geschmacksrichtung. Selbstredend vermied ich es im Verlauf des Nachmittages tunlichst, in nur irgendeiner Weise auch nur den geringsten Blickkontakt mit dem Deutsch-Südwest-Girl aufzunehmen. Noch so eine Story und der Tag wäre komplett gelaufen gewesen. Aber das Abkühlen im Pool und das Dösen unter dem Ausweichholzbaldachin gaben ihr Bestes, dann doch noch einen relaxten Nachmittag zu garantieren. Bevor wir ein Feierabendsavanna, dieses Mal mit % ausgestattet, auf unserer Campsite zischen ließen, inspizierten wir noch das Campingareal in schönem Spätnachmittagslicht. Am Rande des Ugab fanden wir zwei sogenannte Elephantenbrunnen vor, die verhindern sollen, daß die grauen Dickhäuter auf die Campsites kommen und sich dort an Wasserhähnen austoben oder sich die Ablutionblocks zum Durststillen vorknöpfen.
Während die gut gekühlten Savanna-Flaschen Kondenswassertropfen ansetzten, wurde ordentlich Feuer gemacht, anschließend ein weiteres Vakuumfleischpaket gezückt und dessen Bratresultat dann mit einer großen Portion Griechischem Salat mit Feta verspeist. Obwohl wir seit gefühlt einem Jahrhundert uns immer wieder konstatieren, wie a) schrecklich trocken der südafrikanische Schafsmilchkäse und b) dazu noch teuer ist, kommen wir nie umhin, bei Spar, Shoprite & Kollegen keinen großen Bogen um die runden Kunststoffdosen zu machen. Immer wieder landet die eine oder andere Feta-Packung in unserem Einkaufswagen. Vermutlich gehört unser Lamento bezüglich der fehlenden Fetacremigkeit ebenso zu unserem Afrika-Trip wie dutzende Packungen von übersüßen Nuttikrustkeksen, Glover Krush Mangofruchtsaft aus der Kühltheke, die Halbliterflaschen Savanna und das obligatorische kaputte, rohe Ei aufgrund der Rüttelpisten und/oder der zahlreichen Potholes auf den Asphaltstraßen. Mit vollem Bauch und ohne die sprichwörtlichen 1000 Schritte sollst Du gehen kraxelten wir in unser Hochparterreseitenbett und schickten uns an, die Buchseiten zu wiederholen, die wir am gestrigen Abend zwar gelesen, doch aufgrund Müdigkeit nicht sinnentnehmend zu uns genommen hatten. Und ganz nebenbei... Wer will bei einem Thriller denn nicht wissen, wer das nächste Serialkilleropfer war…?!?
Teil 831. Mai 2023
Ach ja, bevor ich es vergesse... Die Campsite der White Lady Lodge schlug mit 450 NAD zu Buche.
Tag 6
Unsere Wecker rappelten uns um sieben Uhr aus den Träumen und da wir auch am heutigen Tag nur wenige Kilometer bis zu unserem nächsten Übernachtungsstopp vor uns hatten, ließen wir es langsam und gemütlich angehen. Gebucht hatten wir eine Nacht auf der Campsite des Mowani Mountain Camps, begaben uns aber nicht auf direktem Weg über die D 2612 dorthin, sondern fuhren über Khorixas, um dort einen kleinen Supermarktstopp zum Eindecken von Sparkling Water durchzuführen. So kamen wir in diesem unprätentiösen, staubigen Kleinstädtchen an und T4A führte uns zielstrebig und ohne Wenn und Aber zu OK Foods. Der eine blieb im Auto, der andere kümmerte sich um den zu kaufenden Vorrat. Alles leichter gesagt, als getan, denn aufgrund der mageren Ausbeute an kohlesäureversetztem Mineralwasser sahen wir uns gezwungen, im zweiten Supermarkt aufzuwallen. Also nix wie rüber zu Choppies. Auf dessen Parkplatz wurden wir von einer Horde Halbwüchsiger empfangen, die nix anderes im Sinne hatte als zu nerven und aufdringlich zu sein. Situationen wie diese erlebten wir sonst nur in Katima Mulilo, dem für uns, und ich werde nicht müde dies immer wieder und mit Nachdruck zu schildern, schrecklichsten Ort Namibias. Die halbstarken Racker positionierten sich um unser Vehikel. Kaum ausgestiegen wurde ich von der Seite angemacht: Germans oder Dutchs? Nee, Italians. Ohhhh, Madonna di Lourdes, hätte ich bloß mein vorlautes Mundwerk gehalten. Schon wurde lauthals gegrölt: Juventus Turin, Inter Mailand, AS Rom, Empoli, Napoli und Sassuolo… Die Kerle wußten vermutlich mehr als jeder überbezahlte Fußballreporter vom staatlichen TV-Sender RAI. Die aufdringlichen Kerle konnte ich erst am Eingang des Supermarktes dank der dort befindlichen Kassenzettelkontrolleure abschütteln. Also ich dann mit dem Wägelchen schnurstracks zur Getränkeabteilung. Ein kurzer, aber geschulter Blick reichte aus, um das gesuchte, spritzige Tafelwasser zu finden. Doch auch hier war dessen verfügbare Quantität überschaubar. Schnell sämtliche Flaschen in meinen Einkaufswage gepackt und siehe da, nur knappe zwei Meter links davon, fand ich auch noch Soda Water. Egal, auch wenn es Zweiliterflaschen waren und die dann immer so schnell die Gasperlchen verlieren. Nichts wie in den Wagen damit, denn schon beim „normalen“ Mineralwasser hatte ich es mit einer Familie an Deutschen zu tun, die ebenso händeringend nach Prickelwasser der Marke „Maubach hell“ Ausschau hielt. Ihre Enttäuschung über das von mir leergefegte Regal des Kohlensäurewassers wich lebhaften Beschwichtigungen der Eltern, daß die Kinder sich nun zuckerhaltige Erfrischungsgetränke hätten aussuchen dürfen. Nun, da die Kinder nicht übergewichtig, eher blaß und dünn aussahen, freute ich mich für die Kids, die, entgegen der elterlichen Vorstellung kindgerechter Durstlöscher, endlich mal wenigstens in den Ferien farbige Fanta, Sprite und Konsorten vorbei an erziehungsphilosophisch definierten zuckerfreien Getränken auf Teufel komm raus verkosten druften. Ich war stolz auf mich, dem Kindeswohl beigetragen zu haben. Schließlich haben Kids auch Ferien und dürfen Fünf mal gerade sein lassen. Nach bargeldloser Begleichung meiner Rechnung steuerte ich mein randvoll gefülltes Wasserwägelchen zum Ausgang. Noch immer umstellte die Gruppe an Fußball begeisterten Nervtötern unseren Wagen und palaverte lautstark über den einen oder anderen, bei etruskischen Fußballclubs für viel Geld engagierten afrikanischen Spieler. Normalerweise lassen wir solch Getue mit stoischer Geduld und freundlicher Mine über uns ergehen. Doch dieses Mal war das alles zu viel des Nervigen, auch und gerade, weil die jungen Kerle nicht erkannten, daß sie unsere Fluchtdistanz permanent unterschritten und schlicht und ergreifend einfach über alle Maße hinweg übertrieben unterwegs waren. Da half nur ein kerniger, lautstarker Anschiß unsererseits und nachdem einige Supermarktkunden den Burschen scheinbar die Leviten lasen, beendeten diese mürrisch ihr Spektakel. Unsere Wagenbehausung war nun wieder frei zugänglich und der Sprudelwassereinkauf konnte jetzt darin verstaut werden. Die verbleibende Wegstrecke der C39 entlang war landschaftlich sehr, sehr reizvoll.
Kurz vor unserem heutigen Ziel bogen wir dann auf eine kleine Pad ab, die uns hoch zur Mowani Mountain Camp führen sollte. Nach wenigen Hundertmetern erblickten wir auf der linken Seite ein kleines Häuschen; rechts davon führte der Weg zu den Campsites. Mit Schmackes wollten wir gerade am Häuschen vorbeifahren, als ein Herr mit Heftblock aus selbigen heraustrat und uns gestikulierend zu verstehen gab, doch bitteschön anzuhalten. Wir leisteten der nonverbalen Aufforderung Folge und wurden nach unserer Reservierungsbestätigung gebeten. Diese hatten wir schon bereit zur Hand und übergaben sie. Nach noch nicht einmal zehn Sekunden wurden wir freundlich auf Mowani begrüßt und gebeten, rechts den Weg zum Campingbereich einzuschlagen, was wir sodann auch umgehend taten. So viel zum heutigen Eincheckprozedere. Auf der kurzen Strecke zu der uns zugewiesenen Campsite sinnierten wir darüber, daß Camper auf höheren Ebenen des Mowani Mountain Camps wohl nicht erwünscht sind. Wir frasen uns mit dieser Interpretation fest und parkten unser mobiles Zuhause ab. Die mittägliche Außentemperatur betrug auch heute wieder 36° C und hätte den einen oder anderen wohl dazu verleiten können, sich gut und gerne jetzt eine kleine Abkühlung in einem Swimming Pool vorzustellen. Aber nix da – Das Motto hier hieß: Camper auf ihre Plätze, Lodgegäste Marsch an den Pool und gut ist! Im Laufe unseres Aufenthaltes haben wir dann von unseren Campsitenachbarn erfahren, daß der hochgelegene Lodgebereich wirklich nur den hochpreiszahlenden Gästen vorbehalten ist. Nun denn… Aufgrund der großen Hitze optierten wir eigentlich für ein Cold Lunch. In Scheiben geschnittene Tomaten und in Scheiben geschnittenen Lancewood-Cheddar auf Brot, ebenfalls in Scheiben aufgeschnitten. Doch hatten wir noch so einige Eier vorrätig und auch eine Packung Bacon war bereits offen und mußte verarbeitet werden; also wurde der Gaskocher angeschmissen und Spiegeleier mit ausgebratenem Bauchspeck zubereitet. Die Ausstattung der Campsite, an einem Bergrücken gelegen, war praktischer Natur, aber gleichzeitig auch sehr hübsch gestaltet. Ein großes schattenspendendes Holzdach war ebenfalls vorhanden; unter diesem ein Garnitur bestehend aus zwei massiven Bänken und einem ebenso massiven Tisch. Viel Tieriges konnten wir im hohen Gras nicht ausmachen; außer zahlreiche Echsen und Vögelchen, denen wir in einer kleinen Mulde in dem vor unserer Campsite gelegenen Felsen ein Planschbecken erschufen. Die Möglichkeit zum Baden wurde von den kleinen Zeitgenossen lebhaft angenommen und wir freuten uns für sie, die doch zur Erfrischung kühlendes Naß auf der Haut oder im Federkleid verspüren konnten, im Gegensatz zu uns, denen der Sprung ins Wasserbecken nicht gestattet war.
Jetzt kann die eine oder andere Schwäbische Hausfrau auf den Gedanken kommen, ob sich das Badeverbot für Camper eigentlich ökonomisch für die Campbetreiber lohnt. Denn bei der Affenhitze kam man doch nicht umhin, ab und an mal unter die Dusche zu hüpfen, um sich den Schweiß vom Leibe zu waschen und ein wenig Erfrischung auf der Haut zu spüren. Wenn das ab und an dann quantitativ aber Ausmaße annimmt, die ein … ich will ja jetzt nicht maßlos übertreiben…deshalb… auch nur ein halbgroßes, für Olympische Spiele adäquates und zu Schwimmsportwettkämpfen zugelassenes Wasserbassin füllen würden, dann fragt sich die Geldbeutel schwenkende, im heutigen Baden-Württemberg angesiedelte Familienmanagerin doch nach dem finanziellen Sinn des den Campinggästen auferlegten Badetabus. Und wenn die alemannische Herrin des Familienetats auch noch ein Fünkchen an ihr Umweltgewissen verschwenden sollte, dann käme sie unweigerlich zum Gesamtergebnis, daß die Camperbadeuntersagung aus allen Richtungen betrachtend kontraproduktiv ist. Jetzt einmal unberücksichtigt mögen dabei die wirtschaftlichen Einbußen, resultierend aus nicht verzehrter Kost und nicht servierter Getränke, bleiben. So manch ein Campergast würde sich doch zum Sundowner mit Sicherheit einen Drink an der Lodgebar gönnen oder zu mittags ein Toasted Sandwich verdrücken. Aber augenscheinlich sind alle diese bei uns aufgekommenen Überlegungen für den Betreiber des Mowani Mountain Camps irrelevant. Wie dem auch sei…
Nachdem die Sonneneinstrahlung ihren Zenit überschritten hatte und der gelbe Feuerball so langsam sich zur Seite neigte, unternahmen wir einen kleinen Spaziergang bis zur letzten Campsite und wieder zurück; schossen dabei ein paar Bilder und quatschten mit unseren französischen Campnachbarn. Zurück auf unserem Stellplatz frönten wir vor toller Landschaftskulisse und Farbenspiel mit Chips, Oliven und Bierchen unserem Afrikafrühabendalltag, bevor der Grillmeister zu Werke schritt und der Sous Chef sich seinen Kaltmamsellaufgaben widmete. Zur Belohnung gab es einen gutgekühlten Chardonnay vom Kap – cin cin.
Übernachtungskosten Mowani Mountain Camp 780 NAD.
Teil 931. Mai 2023
Tag 7
Wie der Titel des Reiseberichtes unzweifelhaft vermuten läßt, stand dieses Mal der Relaxfaktor im Mittelpunkt unserer Tour; überschaubare Tagesfahrtstrecken inkludiert - unser heutiges Ziel: Die Palmwag Lodge. So rollten wir gegen halb zehn vom Mowani Mountain Camp auf die D 2612 und bogen dann links ab wieder auf die Panorama-C39.
Kurz vor Bergsig, an der Kreuzung an der die C39 runter Richtung Torra Bay führt, hielten wir, um uns die Beine kurz zu vertreten. Es dauerte nicht lange, da hörten wir es, das lange Zischen, auf das jeder gerne verzichten möchte. Unser linker Hinterreifen verlor Luft. So stiegen wir fluchs zurück in den Wagen, fuhren mit noch genügend Dampf im Gummi noch knapp eineinhalb Kilometer nach Bergsig und hielten dort bei einem Tyre Repair. Der Repairmann wurde telefonisch von unserem Malheur unterrichtet und kam nach fünf Minuten an, um a) unseren Reifen zu wechseln und b) um den defekten wieder dicht zu machen. Alles in allem eine fünfzwanzigminütige Arbeit, die mit 250 NAD abgerechnet wurde. Der schlaffe Reifen sollte der einzige auf unser diesjährigen Tour bleiben – Gott sei Dank.
Die restlichen 40 km bis Palmwag reihten sich in die Serie „Schöne Landschaften“ ein. Bevor wir zur Palmwag Lodge kamen, mußten wir kurz vorher einen Check-Point passieren und schon standen wir gegen zwölf stramm an der Campsitereception. Der Hunger trieb uns mittlerweile vor sich her, deshalb parkten wir uns schnell auf unserem Stellplatz ab und liefen zur Bar, um dem Magengebrummel gebührend zu begegnen. Ja, hier bekamen wir unser Toasted Sandwich… sogar mit einem schön zubereiteten Salätchen und leckeren Fritten und das sogar zu einem guten Preis. Nach dem Hungerstillen legten wir uns am Pool in den Schatten und verbrachten die Nachmittagshitze mit Lesen und Dösen und… uns im Wasser Abkühlen.
Wir hatten zwei Nächte in Palmwag gebucht; deshalb, weil wir in die Concession wollten – für uns das erste Mal. Wir entschieden aber schon im Vorfeld, diesen Besuch nicht mit unserem Wagen durchzuführen und so buchten wir für einen am nächsten Tag angebotenen Afternoon Concession Drive mit obligatorischem Sundowner. Die Palmwag Concession ist uns als Reifenfresser bekannt gemacht worden. Dies der Grund, weshalb wir unsere Reifen schonen wollten.
Nach unserem Laissez faire-Nachmittag begaben wir uns auf unsere Campsite und richteten es uns dort gemütlich ein. Deren Ausstattung war ausreichend, wenn auch etwas abgenutzt; unseren Ablutionblock fanden wir in tadellosem Zustand vor. Auch in Palmwag und Umgebung war es über Gebühr trocken, sodaß mit Tiersichtungen nicht unbedingt gerechnet werden konnte, auch nicht zu später Stunde. So kümmerten wir uns um unser Abendessen, duschten uns und schon war der Tag auch zu Ende.
Teil 1006. Juni 2023
Tag 8
Getreu dem Motto: Und auch am achten Tage sollst Du ruhen, gammelten wir nach dem Aufstehen und dem Kaffee herum; zunächst etwas auf der Campsite und dann bei zunehmender Hitze am Swimming Pool; damit hatten wir ja bei der Affenhitze Nachholbedarf. Zuvor jedoch füllten wir gewissenhaft die Wäschliste für die von uns zum Laudryservice zu bringenden Klamotten, etc. aus. Ein Spannbettlacken nach einer Woche Afrikacamping ist eines Reinigungsganges stets würde, so meine Devise. Auch verdrückten wir wieder ein leckeres Toasted Sandwich und konsumierten Erfrischungsgetränke an der Bar. Auf der Palmwag Lodge pflegte man eben sein verkäuferisches Talet – gut so.
Um 16 Uhr startet dann unser nachmittäglicher Ausflug in die Concession. Als wir zum Sammelpunkt vor dem Eingang zur Hauptreception kamen, sahen wir die ersten dunklen Wolken gen Osten. Kaum auf dem offenen Safarijeep aufgesprungen, kam ein kräftiger Wind auf und die ersten dicken Tropfen fingen an, auf uns Ausflügler zu fallen. Oh nein. Doch Thor oder Zeus, je nach individuellem Geschmack eben, war hold mit uns, denn das Gewitter verzog sich nach Norden und machte einen großen Bogen um uns. Abends nach unserer Rückkehr zur Palmwag Lodge sollten wir aber feststellen, daß es dort während unserer Abwesenheit ziemlich geschüttet haben mußte, denn tiefe Pfützen zeugten von nicht geringen Niederschlagsmengen. Mit der Safarikutsche wurden wir über Stock und Stein durch die Palmwag Day Visitors Area kutschiert und uns über die dortige Pflanzenwelt ein kleiner Eindruck verschafft. Außer einer Hand voll Springböcken präsentierten sich uns keine Tiere. Der Höhepunkt der mit 1.028 NAD zu Buche schlagenden Ausflugstour gipfelte dann bei einem auf einer Hügelkuppe stattfindenden Sundowner, wobei uns das nördlich an uns vorbeiziehende Gewitter mit seinem Himmelsspektakel sehr beeindruckte. Den vierstündigen Drive als solchen empfanden wir zeitlich als deutlich zu lange und über sein gebotenes Preis-Leistungsverhältnis darf mit Sicherheit auch lebhaft gesprochen werden. Teuer ist teuer, da beißte für uns die Maus keinen Faden ab.
Nachdem es nun ja schon weit nach acht Uhr war, blieb unsere Küche heute kalt und wir labten uns an einem hurtig zusammengebastelten Tomaten-Gurke-Avocado-Salat.
Kosten Campsite für zwei Nächte 1.148 NAD
Teil 1107. Juni 2023
Tag 9
Unser heutiges Tagesetappenziel war die Campsite in der Hobatere Concession. Nach gemütlichem In-den-Tag-kommen rollten wir vom Palmwag-Hof. Nach ein paar Metern folgte unser erster Halt, und wir tankten kräftig auf. Weiter ging es bei bedecktem Himmel ohne jegliche Tiersichtung, Federvieh ausgenommen, aber dafür wieder mit zweigeteilter Meinung hinsichtlich der Landschafts Schönheit oder derer weniger über den Grootberg Pass immer auf der staubigen C40 entlang. Beim Oase Supermarket in Kamanjab kauften eine Kleinigkeit ein und schon bogen wir ab auf das Asphaltband der C35 und erreichten so gegen kurz nach ein Uhr mittags das Hobatere Roadside Camp. Gleich nach der Einfahrt auf dessen Gelände wurden wir von zahlreichen Giraffen begrüßt. Der Weg zum Hauptgebäude des Camps war im Nu gefahren, als uns zwei Herren mittleren Alters begrüßten uns und anwiesen, uns eine Campsite auszusuchen. Gesagt, getan. Wir stellten unsere Behausungskarre ab, kramten Tisch und Stühle daraus hervor und begannen uns ein spätes Mittagessen zuzubereiten. Auch heute war es heiß, doch die Quecksilbersäule blieb zu unserem Glück schon bei 32°C stehen. Nach dem Mittagessengespachtel und dem anschließenden Abwasch begaben wir uns zunächst zur baren Begleichung der Übernachtungskosten, dann ging es zum einen auf einem Hügel gelegenen Aussichtshüttchen; fußläufig vielleicht sieben, acht Minuten entfernt. Dort angekommen, blickten wir verblüfft in das unter uns liegende Tälchen mit einem Wasserloch; dort tummelten sich massenhaft Zebras von jung bis alt, einen Haufen an Giraffen von klein bis groß, Kudus & Kollegen – es war ein Kommen und Gehen.
Blick vom Hobatere-Ausguck rüber zum nahegelegenen Galton Gate des Etosha Nationalparks
So verbrachten wir mindestens zwei Stunden dort oben, bis ein lautes Brummgeräusch die Bilderbuchszenerie störte. Der Lärm kam von den Campsites und so lugte ich, was denn der Verursacher des unangenehmen Krachs sein konnte. Ich staunte nicht schlecht, als mir, oben von der Anhöhe aus betrachtet, zwei… ich drücke es jetzt mal mit aller Naivität in simplen Worten aus… militärfahrzeugähnliche Megakarossen mit deutschen Kennzeichen vor die Augen kamen. Solch Typus an mehrradangetriebenem Gefährt hätte ich aktuelle jetzt eher im Donbas oder auf einem US-amerikanischen Truppenstützpunkt wie Ramstein verortet. Von meinem Posten auf dem Hügel kamen mir die Dimensionen der beiden, in heerestauglichen Farben angepinselten Wagen enorm vor. Wenn ich es nicht besser geahnt hätte, wäre mir vielleicht auch der Gedanken gekommen, daß die Bundeswehr jetzt wohl auch an friedensstiftenden Einsätzen in Namibia beiwohnte. Wie dem auch sei… Ich kehrte zurück zum Ausguckhidehüttchen und freute mich an dem, was sich mir unten am Wasserloch und auf dem gegenüberliegenden Hügelhang an Fauna anbot. Nachdem wir entschlossen, daß es Zeit wäre zum täglichen Feierabendbier, traten wir den Heimweg an. Kaum unten angekommen, erblickten wir das ganze mechanische Ausmaß der beiden in Unitarnfarben gehaltenen Monsterwagen, welche locker und leicht Marschflugkörper auf ihren Dächern hätten unterbringen können. Auch hatten wir keine Probleme, uns im Inneren des größeren der beiden Vehikel eine geräumige 6-Zimmer-Wohnung inklusive Bulthaup-Küche mit integrierter Miele-Geschirrspülmaschine und edlem Gaggenau-Herd sowie ein schick mit Bisazza-Glasmosaikfliesen gekacheltes Badezimmer, ausgestattet mit nobler Waschkeramik und gediegenen Dornbracht-Armaturen, vorzustellen. Die zweite der streitkräfteähnlichen Kutschen war von den Abmessungen etwas reduzierter. Verdutzt dreinblickend grüßten wir auf unserem Nachhauseweg unsere neuangekommenen Campsitenachbarn freundlichst, deren uns entgegengebrachtes Zurückgrüßen jedoch eher als minimales Kaliber und unterkühlt bezeichnen werden konnte. Auf unserer Campsite angekommen philosophierten wir darüber, wie solch gigantische fahrbare Untersätze auf schmalen Afrikapads und generell auf Zugangswegen zu manövrieren wären. Verwertbare Vorstellungen kamen uns diesbezüglich aber nicht in den Sinn. Brauchte es aber auch nicht, denn ein paar Tage später durften wir Zeugen werden, wie genau diese Monsterfahrzeuge ihre Übernachtungsstätten lenktechnisch ins Visier nehmen sollten.
Endlich frischte der Wind etwas auf und brachte ein bißchen Erleichterung auf unserer Haut. Ohne großes Federlesen und weiteres Gedankenverschwenden an unsere deutschen Campsitenachbarn bereiteten wir nach unserem Frühabendbierchen unser Abendessen zu und genossen es bei Verköstigung des restlichen Rotweines.
Die Campsite kostete 400 NAD und war ihr Geld wirklich wert. Das Gesamtensemble an Aufenthalts-, Küchen- und Toiletten-Badezimmerbereichen war, was die verwendeten Materialien und die Anordnung anbetrafen, sehr adrett gestaltet; alles obendrein auch noch mehr als clean. Sehr schön.
Teil 1216. Juni 2023
Tag 10
Auf in den Etosha Nationalpark!
Nach über einer Woche mit wenigen bis gar keinen Tiersichtung freuten wir uns, endlich Tierisches vor die Nase zu bekommen. Klar, wie bereits geschildert, in Hobatere wurden wir animalischerseits zufriedengestellt, doch erhofften wir uns diesbezüglich vom Etosha Nationalpark einen Gang höher. Um kurz vor sieben Uhr standen wir stramm vorm Galton Gate und warteten, daß dieses um Punkt sieben geöffnet würde. So war dem aber nicht und wir mußten uns in Geduld üben. Als um zehn nach sieben die Pforte noch immer verschlossen war, riß uns unser Geduldsfaden und wir tätigten fleißig die vorgefundene Klingel an der Gegensprechanlage zur Torlinken. Und es tat sich – nichts. Mittlerweile standen bereits einige weitere Fahrzeuge hinter uns in einer Schlange. Nach abermaligem Klingelknopfdrücken und wiederholter ausgebliebener Antwort aus der Sprechanlage sahen wir einen Mann vom Entrance Gate Office zum Tor laufen. Einige Minuten später bewegte sich das Gatter zur Seite und wir freuten uns über unsere Pole Position, die uns doch ermöglichte, die notwendigerweise durchzuführenden administrativen Akte ohne weitere Wartezeit zu absolvieren. Mit dem von uns ausgefüllten Wisch wurden wir zum gegenüberliegenden Gebäude geschickt, um die Zahlung vorzunehmen. Dort war aber noch alles verrammelt und der gelangweilte Officer der Formularausgabestelle meinte, wir sollten doch einfach bei der Ausfahrt aus dem Nationalpark unseren Obolus begleichen. Gut, sollte so geschehen. Wir machten uns vom Acker. Unsere nächste Nächtigung war die Olifantsrus Campsite. Nun, es gilt es ja als wirklich unbestritten, daß die Annehmlichkeiten der NWR-Unterkünfte von aller Welt als, um es galant auszudrücken, spartanisch angesehen werden. Der Grund, warum wir für unseren diesmaligen Etosha-Aufenthalt doch wieder auf diese zurückgriffen, war der Tatsache geschuldet, daß wir im Nationalpark bleiben und somit die Wasserlöcher auch zu fortgeschrittener Stunde aufsuchen konnten. Mehr nicht - that’s all. Deswegen wollten und wollen wir uns auch nicht über das gebotene Preis-Leistungsverhältnis der NWR-Beherbergungsstätten ausschweifend negativ auslassen, obwohl hier reichlich Stoff für lebhaft zu führende Diskussionen vorhanden wäre. Wir entschieden uns, die Pad, die am Dolomite Camp vorbeiführte, abzufahren und nicht den direkten Weg zu Olifantsrus einzuschlagen. Für diese Entscheidung sollten wir sogleich belohnt werden, denn nach nur einer knappen halben Stunde trafen wir auf ein Rhino und freuten uns.
Jetzt sind wir ja normalerweise Camper und feste Unterkünfte interessieren uns eigentlich nur in Südafrika, wo wir ab und an einen Chalet-Bungalow-Trip durchführen. Doch dachten wir uns, wenn schon hier, dann springen wir mal ins Dolomite Camp und schauen uns kurzerhand um. So kamen wir auf dessen Parkplatz an und erst da wurde uns bewußt, daß wir zum Camp hätten hoch laufen müssen. Nach dem wir einen kurzen Blick auf das Thermometer warfen, verworfen wir umgehend unsere Intention und fuhren stattdessen weiter zum unterhalb des Dolomite Camp gelegenen Wasserlochs. Kaum von der Hauptpad rechts abgebogen, nahmen wir in der Ferne schon eine große Herde an Zebras wahr. Am Waterhole angekommen trauten wir unseren Augen nicht… Da lagen doch glatt ein Herr Leo mit Gattin vor der Zebraschar, die einen völlig tiefenentspannten Eindruck machte. Uns dämmerte der Grund dieser schwarz-weiß-gestreiften Seelenruhe. Die beiden Katzen hatten einen völlig anderen Vorsatz, als sich das Essen für den heutigen Tag zu sichern. Nach lustlosem Geplänkel und ausgiebigem Gähnen kamen die beiden zu der Sache, die wir menschlichen Geschöpf im schönsten aller romantischen Fälle „Fare l’amore“ nennen. So ein löwiger Koitus dauert ja nur einen Wimpernschlag und nach erfolgter Nachwuchssicherungsdurchführungsverrichtung schickten sich die beiden an, ein Ruhepäuschen abzuhalten. Bei Mann und Frau oder Mann und Mann ist es ja bekannt, daß die Herren der Schöpfung nach einem solchen Akt gerne in ein Dämmerschläfchen fallen. Im unsrigen Fall heute war es jedoch die Lady, die sich auf die Seite schmiß und mit ausgestreckten Pfoten ein Nickerchen abhielt. Zufrieden fuhren wir weiter durch den östlichen Westteil des Etosha Nationalparkes, hielten noch ein paar Mal an wahren oder vermeintlichen Wasserlöchern und kamen dann schon gegen kurz nach elf auf der Olifantsrus Campsite an. Das Einchecken war rasch erledigt; das Aussuchen einer Campsite weniger. Bei NWR hatte man anläßlich der Errichtung der Anlage bestimmt nur Gutes im Sinn. Doch das Motto: „Nur der gute Wille zählt“ half uns aber in keiner Weise, rasch eine Zuordnung der einzelnen Campsiteerrichtungen wie Wasserhahn, Stromanschluß, Braaivorrichtung und Schattendachkonstrukt zur jeweiligen Campsitenummer vorzunehmen. Außer den Stellplätzen direkt am Zaun, deren bauliche Annehmlichkeiten eindeutig einer jeweiligen Campsite zuzuordnen waren. Dies galt aber zu unserem Leidwesen nicht für die Campsitenummern, die sich in der Mitte von Olifantsrus befinden. Wir empfanden alles irgendwie wahllos zusammengewürfelt. Da standen beispielsweise zum Braai designierte, halb aufgeschnittene Behältnisse herrenlos in der Gegendrum. Bei Planung und Errichtung der Schattendächer hatte man unseres Erachtens nach nicht den tageszeitlichen Aspekten des Sonnenstands in der südlichen Hemisphäre Rechnung getragen, denn zur größten Mittagshitze mit brennender Sonne warfen die Dächer zwar Schatten, diesen jedoch in die falsche Richtung. Oder stellten wir unsere Stühle einfach nur auf die falsche Seite der Schattendachparaventwand? Wir beließen es bei unserem Uns-Wundern, nahmen einen großen Schluck aus der Fruchtsaftbottle, entwendeten eine Flasche aus unseren Sodawasservorräten, bewaffneten uns mit Leica-Feldstecher und Fotokamera und machten uns auf den Weg zum Ausguckhide über dem Wasserloch. Das runde Hidegebäude erreichte man über eine Art Auffahrtsrampenstelzenbrücke; eine architektonisch nette Idee fanden wir. Je höher wir uns auf dem Hidezugangsweg befanden, umso stärker bließ uns der Wind um unsere heißen Ohren. Aber wir waren um das stramme Lüftchen dankbar, hatten wir es doch wieder mit Temperaturen weit über der dreißiger Marke zu tun. Im Hide war es schön schattig und die steife Brise, die durch die offenen Hidefenster wehte, waren beste Voraussetzungen zu einem ausgedehnten Game Viewing. Von unserem Schattenposten sahen wir auf traurig dreinblickende Gnus, streitsüchtige Zebras und galant umherlaufende Alcelaphus caama herab. Mehr an Tierischem war um diese mittäglich-frühnachmittägliche Zeit nicht zu erwarten. Das Hide, eigentlich fast im Wasserloch stehend, bot auch ein Erdgeschoß als direkten Ausguck auf das Naßbecken an; sozusagen ein Ort zum Auge-in-Auge-mit-der-Fauna-Tête-à-Tête. Die Ausguckfenster im Erdgeschoß waren jedoch von außen und innen derart verdreckt, daß man getrost seine Sonnenbrille abnehmen konnte, denn das beidseitig verschmutzte Glas ließ nur einen äußerst schwachen Schimmer an direktem Sonnenlicht durch. Auf einen kleinen Game Drive am Spätnachmittag verzichteten wir ob der quasi nicht vorhandenen Loops in diesem Teil des Etosha NPs und stattdessen lümmelten wir bis zum Sonnenuntergang auf unserer Campsite rum, stets in Bewegung mit unserem Campingmobiliar, um das bißchen Schatten zu ergattern, welches nun ein nicht unsriges Schattendach spendete. Oder war es doch das Unsrige? Aber so direkt hinter den Bäumen und ohne Feuerstelle? Nein, das konnte nur ein Schattendach sein, welches aus Zierde mal so im Never Never des Campingplatzes errichtet wurde. Die Campsites wurden so langsam alle belegt und unserer Campnachbarn auf dem uns gegenüber direkt am Zaun gelegenen Stellplatz fragten uns, ob Sie ihr Fahrzeug an unsere Stromstelle anschließen durften. Klar, selbstverständlich. So kamen wir mit dem jungen Pärchen aus Taiwan ins Gespräch. Nach dem Nachbarschaftsplausch und dem Vorbereiten des Abendessens mit anschließender Verspeisung desselbigen, suchten wir die Duschen auf. Auch hier hatte der Architekt mit Sicherheit nur Gutes im Sinne, doch das reichte in diesem Fall aber nicht. Wie kann man nur so verschachtelt eine Dusche kreieren, bei der die Eingangstür des Raumes dann als Zuchthauspforte wirkte, denn das Teil ging nach innen in den mikroskopisch winzigen Duschraum gerade so auf. Einmal drinne im Brausenzimmerchen hatte man Angst, man käme nicht mehr raus aus diesem hutschachtelgroßen Räumchen, den jetzt blockierte der eigene Körper das Aufmachen der Tür. Wer hier unter Klaustrophobie litt, der hatte von vornherein sehr, sehr schlechte Karten. Auch war der, von uns aus gesehen, hintere Zugang zu den Bedürfnisablaßstellen a) mit ordentlich Müll und Unrat verbarrikadiert und b) die paar Stufen, die man erklimmen mußte, in zerbröseltem Zustand mit losen aufeinander gereihten Backsteinen als Ausfüllmasse. Im Inneren hatte dann eins der beiden Häuserl bei den Herren der Schöpfung keinen Sperrmechanismus für die Tür und so mußte man, während man der eigenen Verdauungsprozesse Rechnung trug, beim Hören von Schritten sich laut räuspern oder gekünstelt hüsteln, damit der andere, gerade in die Toilette kommende Herr hinter der nichtabschließbaren Tür vom Besetztsein des Aborts informiert war. Vergaß man das Geräusche machen, durfte man damit rechnen, jederzeit einen Gast beim Pinkeln oder Stuhlgangverrichten zu haben. Oder fungierte die Toilette aber vielleicht als Fetischtreffpunkt und wir waren da nicht auf dem Laufenden…? So ganz was Neues: Gemeinschaftliches Opendoorkacken. Wer weiß…
Der Himmel zog sich mit dicken Wolken zu und wir glaubten, ein Gewitter zu erleben. Aber nichts da. Die himmlischen Wasserdampfansammlungen lösten sich auf, es blieb trocken und wir machten uns nochmals auf den Weg zum Besuch des Hides, der aber unspektakulär blieb. So erklärten wir den Tag als offiziell beendet und verzogen uns in unser mobiles Zuhause.
Über den Preis der Olifantsrus Campsite in Höhe von 760 NAD breiten wir mal schnell einen Mantel des Schweigens…
Fotos folgen
Teil 1316. Juni 2023
Teil 1419. Juni 2023
Tag 11
Next stop: Halali Rest Camp
Mittlerweile hatten wir uns wieder an unseren normale Afrika-Rhythmus gewöhnt. Normal = früh aufstehen, ohne den Wecker stellen zu müssen. So fuhren wir um kurz nach sieben durch das Tor von Olifantsrus, bewunderten mal wieder den genialen Sonnenaufgang, knabberten an unseren Nuttikrust-Keksen und verkrümelten so noch weiters die Fahrerkabine unseres Gefährtes. Alternativen zu Letzterem sind unserer Erfahrung nach nicht existent und es wäre einmal sehr interessant, eine Gesamtschau hierüber zu erhalten, sofern die Nuttikrust-frönenden Mitglieder dieses Forums sich an einer empirischen Studie diesbezüglich beteiligen würden. Unsere Expertise hinsichtlich des Verzehrs dieses Trockengebäcks lässt sich mit wenigen Fakten auf den Punkt bringen, die da wären: Sobald man die kartonierte Schachtelverpackung aufgemacht und den darin befindlichen silberfarbenen Umhüllungsbeutel in die Hand nimmt, hört man schon die darin von den einzelnen Keksen bereits abgefallenen Krümel rascheln. Das anschließende Öffnen des verblisterten länglichen Folienbehältnisses stellt die erste Herausforderung an die persönliche Geduld dar, denn dessen sachtes Aufreißen, um weitere Krümelbildung im Beutelinneren zu vermeiden, ist nahezu unmöglich. Ein Auseinanderziehen an den beiden, mittels Hitzevorgang zusammengeschweißten Seiten des Tütchens erweist sich in der Regel als Misserfolg und dem gemeinen Naschmund bleibt nichts anderes übrig, als dieser Folienverpackung mit den Zähnen eine kleine Öffnung zu verpassen, welche jedoch groß genug sein muß, um dann im gemeinsamen, symbiosenhaften Akt von linkem Daumen und linkem Zeigefinger sowie deren rechten Gegenparts die Folienschweißnaht behutsam aufzuziehen. Wer Pech hat, weil zu viel Kraft beim Vorgang des Öffnens angewandt, der findet nach diesem Vorgang den ersten Keks auf seinen Schoß fallen; selbstverständlich mit der Konsequenz einer durch den Aufprall des Süßgebäcks zwischen oder auf die Oberschenkel einhergehender Bröselbildung. Diejenigen, die es mit Geschick schaffen, das Beutelchen behutsam zu öffnen, werden jedoch feststellen, daß das Herausnehmen des ersten zuckerreichen Knusperbiskuits und dessen Heranführen an den Mund auch zum Abrechen von Krümeln führen kann. Denjenigen, die hier das Hindernis der Nuttikrustbröselvermeidung noch mit Bravour gemeistert haben, werden aber zugeben müssen, daß, auch wenn die Kekse erst einmal im Mund krümelsicher verstaut sind, so einige Gebäckkleinstteile aufgrund ihres hohen Anteils an Palmöl und synthetischer Zuckermasse an Daumen und Zeigefinger haften bleiben und somit die Gefahr eines Herabfallens von Gebäckrumen nicht zu 100% gebannt ist. Nun denkt sicher so mancher an eine vorhandene Bröselphobie unsererseits, doch selbst die Hartgesottensten unter den unvermeidlichen Krümelmonstern müssen zugeben, daß die fettigen und fakekaramellierten Trockenbiskuitkrumen sich in jedwedes Stoffgewebe mit dem Ergebnis festsetzen, daß bei nicht umgehender Enfernung selbiger kleine schmierige und klebrige Placken die Sitzbezüge des Miet- oder Eigenfahrzeugs in häßlicher und geruchsintensiver Art verunzieren. Speziell dann, wenn man mit der körpereigenen Wärme von Schenkeln und Gesäßen die Krümel noch darin aktiv unterstützt, sich halbzuverflüssigen, um als schmierig-klebriges Etwas zum Bösen überzugehen. Was wäre aber ein Problemchen, wenn man nicht umgehend in seinen Gedankengängen nach einer geeigneten Abhilfe kramen würde? Jammern hilft ja bekannlich meist nix. Uns fielen dazu nur zwei Optionen ein, wenn man eine dritte geflissentlich vernachlässigt: Entweder auf das überzuckerige und fettige Gebäck gänzlich verzichten oder aber eine nicht kostenintensive Investition tätigen, und sich einen kleinen, autogrößegeeigneten Akkustaubsauger zulegen. Die dritte Variante wäre, den Gott einen guten Mann sein lassen und das Fahrzeug einfach eben mit im Bezug imprägnierten Krümelflecken zu belassen; dieses Modell des Problem Solvings sortierten wir jedoch umgehend als unschicklich aus. Eine Entscheidung über die zwei von uns definierten akzeptablen Möglichkeiten wurde uns aber just in dem Moment abgenommen, als sich zu unserer Linken ein mächtiger, mit buschiger Frisur bestückter Panthera leo in horizontaler Position zeigte. Vermutlich wurde der stattliche Kerl durch die aus den weit geöffneten Fenstern der Fahrerkabine hallende Kekskonversation geweckt, denn er verbrachte sich auf alle Viere, kaum als wir den Fotoapparat in der Hand hielten. Mutmaßlich gelangweilt über unser törichtes, frühmorgendliches Diskussionsthema machte er sich auf den Weg hinter den nächsten hohen Busch. Wir waren überzeugt, dies machte er ganz nach dem Motto: Aus den Augen aus dem Sinn. Denn was könnte ein Wesen sonst aus unserem einfältigem Keksgespräch als Quintessenz ziehen? Bloß weg von den irren Touris hier. Zugegebenermaßen hatte er diesbezüglich vollkommen recht.
Weiter ging es mit uns von einem Wasserloch zum anderen. Ich glaube es war beim dritten, wollten wir schon wieder nicht unseren Augen trauen. Wir erblickten ein Herr Löwe und eine Frau der gleichen Gattung beim Vorspiel des Vorspieles. Da der Dame jedoch vermutlich der gegenwärtige Ort als Geschlechtverkehrsstätte nicht zusagte, bewegte sie sich vornweg, und er hintan, zu einem Schäferstündchenpöstchen, das mit zahlreichen halbhohen Dornenbüschen vor neugierigen Voyeurblicken ordentlich geschützt war. Nach wenigen Minuten sahen wir nur noch die vier Ohren der beiden und düsten gemütlich weiter Richtung Okaukuejo Rest Camp.
Zweck dieses Stopps war das Stillen unserer Lust auf eine kleine Ruhepause am Wasserloch mit anschließendem Toasted Sandwich. Das Camp zeigte sich uns zu dieser Uhrzeit, es war so gegen kurz vor elf, ziemlich verlassen. Gemütlich und mit gefülltem Magen machten wir uns nach einer guten Stunde wieder auf unseren Weg. Am Nebrownii-Wasserloch tummelten sich Horden von Springböcken und Zebras und gaben vor karger, hellfarbener Kulisse gemeinsam zusammen ein tolles Bild ab.
Über Rietfontain kutschierten wir langsam weiter zum Halali Rest Camp. Dort mußte es am Morgen so ziemlich geregnet haben, denn auf den befestigten Wegen des Camps standen um kurz nach eins noch Pfützen. Das Einchecken zu unser Campsite hatten wir ruckzuck hinter uns gebracht und schon waren wir auf dem kurzen Weg zum Campbereich, um uns dort ein lauschiges Plätzchen zu suchen. Die Stellplätze, die für uns hätten in Frage kommen können, waren aber leider schon alle besetzt und so kurvten wir ein paar Mal über den halbwüstenartigen Campingplatz, immer ein sorgsames Auge auf die ruiniert auf dem Boden liegenden oder noch halbwegs aufrecht stehenden Betoncampsitetische oder auf die sich im Totalzerfall befindlichen Stellplatzfeuerstellen, bis wir uns schlußendlich dann mit der Nummer 38 anfreunden konnten. Schon aus dem Wagen heraus erkannten wir, daß seit unserem letzten Ethosha-Aufenthalt im Jahr 2018 alles beim Alten zu sein schien. Wir sollten unserer diesbezüglichen Meinung in Gänze nicht enttäuscht werden; später hierzu mehr. Wir parkten also unsere Karre ab, öffneten deren Zeltdach und die seitliche Klappe, baukastelten unser Bett, nahmen einen Schluck aus der Fruchtsaftbottle und statteten dann dem Halali-Hide einen kurzen Besuch ab. Wieder zurück auf unserer Campsite verspürten wir keine Lust, unter dem wenigen Schatten unseres Campsitebaumes zu verweilen. Auch wollten wir nicht die aufgewickelte Vordachplanenvorrichtung, die an unserem Fahrzeug angebracht war, aufdröseln und gemeinsam mit den gefühlt hundertdreiundfünzig Steckstäben zu dem veritablen Schattendach machen, das wir während des Vorstellens des von uns gemieteten Autos in Windhoek bewundern durften. Nee, das 180° oder mehr Grad drehbare Dachdingens hatten wir seit dem Rückbau durch einen Bushlore-Mitarbeiter nach abgrschlossener Wagenübernahme nicht mehr angerührt. Dessen Aufbau konnten wir uns in unseren weniger schlimmen Träumen nur als schweißtreibende Arbeit vorstellen, und da wir ja von der Arbeit für dreieinhalb Wochen befreit waren, ließen wir die Vordachzusammenbauteile dort, wo sie im oder am Fahrzeug waren. So begaben wir uns bei knappen 35°C zum wenig einladenden Swimming Pool-Bereich. Dort angekommen sahen wir wieder das älteres Paar aus Frankreich, welches wir zuerst im Hobatere-Hide und am darauffolgenden Tag am Hide des Olifantrus Camps trafen. In Hobatere gaben die beiden sich mehr als zugeknöpft und wortkarg, in Olifantrus waren sie schon etwas aufgetauter und ein kleines Geplauder mit ihnen war möglich. Jetzt hier in Halali liefen die beiden zur Hochform auf und quasselten des Teufels Ohr ab. Aber nicht in unangenehmer Art und so entwickelte sich ein heißer Nachmittag an einem unprätentiösen Swimming Pool zu einem netten langen Gespräch, unterbrochen nur vom gelegentlich aufgrund der Hitze notwendigem Eintauchen in des Pools kühles Naß. Zu vorgerückter Feierabendstunde machten wir uns auf den Weg zu unserer Campsite und siehe da, da waren sie wieder, die NATO-affinen zwei Paare aus Hobatere, die mit Ihren Monstervehikeln auf den Halali-Campbereich mit nicht gerade flüsternden Motoren vor-, hin- und herfuhren und sich dann irgendwo zwischen daniederliegenden Betontischteilen platzierten. Wir hingegen machten es uns bei Savanna und Bitter Lemon sowie Kesselchips bequem und vertrieben uns die Zeit bis zum Abendessen mit Lesen. Da heute bei uns die Küche kalt blieb, wir aber keinen Wiener Wald um die Ecke fanden, zauberten wir uns einen gehaltvollen Griechischen Salat mit zugegebenermaßen sehr, sehr leckeren Kalamata-Oliven südafrikanischer Herkunft.
Nach dem Abwasch machten wir uns auf den Weg zum Hide und bewunderten die sieben Rhinos, die sich in den eineinhalb Stunden blicken ließen. Wieder back zu unserem Wagen und dann noch schnell unter die Dusche, bevor es in die Federn ging.
Schon beim ersten Aufsuchen nach unserer diesjährigen Ankunft durften wir feststellen, daß die sanitären Einrichtungen, sowie auch die Campsite-individuellen Facilities wie Zementtische, Feuerstellen und der gleichen sich nach wie vor in erbärmlichen Zuständen befanden. Egal welcher Ablution wir unsere Aufwartung machten, wir fanden die selben nicht mehr nachgefliesten Fliesenlücken wie vor fünf Jahren vor und dazu noch viele Kachelleerstellen mehr; auch wurden den ganzen Ablutionblocks keine Reparaturen oder Austausche von raumteilender Innenausstattung wie Toilettenzwischenwänden und schief oder halb in den Angeln hängenden WC-Türen, sich in ihren Keramikbohrungen drehenden, tropfenden Wasserarmaturen, et cetera pp zuteil kommen lassen. Waren die Campinganehmlichkeiten 2018 schon mehr als desolat, konnte deren Zustand jetzt im negativen Sinne als getoppt konstatiert werden. Der ganze verlotterte Campingspaß schlug mit 832 namibischen Talern in unserer Urlaubsrechnung zu Buche; inbegriffen die ramponierten Sitzbänke am Hide - wir wollen ja präzise aufrichtig bleiben.
Teil 1520. Juni 2023
Tag 12
Gestern Abend hatten wir die Wecker ausgeschaltet, denn heute lag eine wirklich sehr übersichtliche, kurze Strecke vor uns und frühestmöglich aufzustehen, war absolut nicht notwendig. Trotzdem wurden wir gegen sechs Uhr wach, pellten uns aus unserem Bett und dem Wagen und blickten auf einen tiefdunkelblauen Himmel am westlichen Horizont; dort mußte es kräftig gewittern. Nach einer Stunde rollten wir aus Halali raus; unser heutiges Ziel war das Onguma Tamboti Camp. Ein Blick nach Westen gönnte uns einen Regenbogen. Wir entschieden uns, die C38 zu fahren, statt die „Gebirgsstrecke“ hintenrum. Die C38 führte direkt an der Pan entlang und war für uns Neuland, denn 2018 gurkten wir in entgegengesetzter Richtung über die hügelige Strecke gen Halali.
Jetzt ist der Etosha NP ja landschaftlich im Vergleich zu vielen anderen großen Nationalparks im Südlichen Afrika eher ein eintöniges Modell, was uns vor fünf Jahren schon nicht vom Hocker reißen konnte. Die Pan jedoch fanden wir eigentlich sehr interessant und wären denn eine Handvoll mehr Tiere zugegen gewesen, hätte der Etosh NP ein paar Punkte gutmachen und somit ein wenig in höhere Gefilde unserer Nationalparkshighlightsliste erklimmen können; dem war aber nicht. Einige Gnus und Zebras sowie vereinzelt ein paar Springböcke, solitäre Giraffen in minderer Quantität und einen einzigen Elefanten, er sollte der erste und letzte anläßlich unseres Aufenthaltes hier sein. Das war es. Ach ja, zwei Strauße gab es dann doch auch noch.
Bevor wir im Büro des Namutoni Camps unsere Zeche sprich Nationalparkeintritt zahlten, machten wir einen kleinen Abstecher zum Klein Namutoni Wasserloch. Auch dort tote Hose. Also nix wie ins Büro und blechen. Anschließend fuhren wir etwas den Fisher‘s Pan Drive ab. Dort wurden wir 2018 mit einer Gepardenmutti samt zweier Kinder beglückt, die sich spielend vor uns auf der Pad tummelten. Doch auch hier war tierisch nichts zu holen. So entscheiden wir uns zum Onguma Tamboti Camp zu fahren, um erst einmal etwas Deftiges zwischen die Zähne zu bekommen und dann den Tag entspannt dort am Swimming Pool zu verbringen. Fünf Jahre zuvor waren wir auf einer Campsite auf dem Hügelchen kurz oberhalb des Reception-Restaurant-Gebäudekomplexes untergebracht und bei der Buchung unseres diesjährigen Aufenthaltes hier wäre uns nicht in den Sinn gekommen nachzufragen, ob wir wieder „oben“ unsere Heimstatt einnehmen dürften. Wir wußten nämlich gar nicht, daß es auch Campsites „unten“ gab; und auf einer solchen sollten wir uns dieses Mal platzieren. Ob die zahlenmäßig größere Menge der unten gelegenen Stellplätze schon 2018 existierte, wissen wir bis heute nicht. War und ist uns aber einerlei. Wohin gegen nicht ganz so egal war es uns mit dem uns dieses Mal unten zugewiesenen Nächtigungsplatz im Bush. Da trauerten wir schon ein wenig der Aussicht oben nach. Daß es sich mit der Aussicht von den oben gelegenen Campsites erledigt hatte, erfuhren wir erst später am Nachmittag, als wir einen kleinen Spaziergang vom Pool zu unserem „alten“ Campingplatz unternahmen und feststellen mußten, daß sich das ganze Buschwerk von vor fünf Jahren mittlerweile in mittelhohe Bäume transformiert - also dort nix mehr mit Bellevue 🙁 Wir fuhren die wenigen Meter von der Reception durch den Busch und bezogen Stellung. Die wenigen Handgriffe, um den Wagen stellplatzfertig zu bekommen, waren rasch getan und schon saßen wir auf der Veranda des Empfangsgebäudes und bestellten unsere Toasted Sandwiches, was auch sonst?!? Gestärkt begaben wir uns zum Pool und verbrachten dort den lieben langen Tag in der Sonne, im Schatten und im Wasser. Als die Sonne schon kräftig an Höhenstand verloren hatte, schlenderten wir zurück zu unserer Campsite und siehe da, da waren sie wieder, die den Streitkräften ähnelnde, mit bundesdeutschen Kennzeichnen ausgestatteten Automobilkolosse. Wir setzten ein breites Grinsen auf und tauften sie sogleich „unsere nordwürttembergischen Campstalker“. Das Lachen sollte uns aber noch vergehen, wie sich im Lauf der nächsten halbe Stunde zeigen würde. Drei der vier Personen waren damit beschäftigt, den ersten Monsterwagen von der nicht unbedingt schmalen, aber auch nicht gerade breiten Pad in eine 90°-Abbiegung nach links einzuweisen, um auf das Zugangswegelchen des zugewiesenen Stellplatz zu kommen. Ein nicht zu unterschätzendes Unterfangen, berücksichtig man die noch geringere Breite des individuellen Zufahrtsweges zur Campsite. Von dröhnenden Dieselmotorgeräuschen begleitet, versuchte sich der Lenker damit, linkerhand einen rechten Winkel so einzuschlagen, daß er möglichst gerade auf den engen Campingstellplatzzugangspfad gelänge und nicht im hohen Gebüsch rechterseits würde landen müssen. Die als Einweiser fungierenden drei anderen Afrikaabenteuerer fuchtelten mit Händen und Füßen und riefen lebhaft Manövrierbefehle dem Lenkradsteuermann zu; jedoch gingen die lauten Fahranweisungen im Krach des Fahrzeugantriebes unter. Wir schlichen uns rechts an diesem Spektakel vorbei und bogen auf unsere Campsite ab. Nach einer, nicht gerade als kurz zu beschreibenden Zeitspanne waren die metallenen Ungetüme auf dem angepeilten Platz angekommen, die schweren Motoren wurden zum Schweigen gebracht und es kehrte wieder Ruhe ein. Von unserer Campsite aus durften wir dann aber einer Vorstellung beiwohnen, bei der uns wirklich das Lachen verging und die uns quasi in Schnappatmung versetzte. Mit Werkzeugen ausgestattet machte sich der erste Herr der Sechsachserstahlgiganten auf dem Dach des einen Riesenmonsters damit zu schaffen, an Bäumen die herunterhängenden und ausladenden Äste und Zweige mit Geschick und Fleiß zu tranchieren, die seiner Meinung nach oder der seiner mitreisenden Gesellschaft als störend für den Aufenthalt empfunden wurden. Zack war ein dicker, laubbehangener Ast gekappt; zack – dieses Mal traf es einige Zweige, die ihr Leben lassen mußten und zack wieder ein Ast, der mutmaßlich schief und krumm über oder an irgendwelche Fahrzeugaußenteile stieß oder einfach nur als überflüßig deklariert wurde, also weg damit. So ging das eine Zeitlang. Baum- und Buschteile, die scheinbar im Wege standen, wurden nach Gutdünken in akribischer Art und Weise und in kanadischer Baumfällermanier von ihren Lebensadern getrennt und im verbleibenden umliegenden Busch kurzerhand entsorgt. Mit offenen Mündern schauten wir sprachlos den, im nordwürttembergischen Stil ausgeführten Forstarbeiten zu. Am Ende dieses Aktes war das verbleibende Baum- und Buschwerk mit einem nicht zu übersehenden Haircut ausgestattet worden. Uns fehlten wirklich die Worte. Als wir uns wieder etwas gesammelt hatten, sinnierten wir darüber nach, wie es gemeinen Touristen in den Kopf steigen kann, an der Flora eines Gastlandes, dazu noch im Privatbesitz befindlich, Hand, Axt, Astschere und vermutlich Säge anzulegen. Unsereins, der bei Edeka, Rewe, DM-Drogerie und Bio-Märten jedes, aber auch wirklich jedes einzelne, beim Bezahlvorgang an der Kasse gratis überreichte Tütchen an Wiesenblumensamen froh einpackt und dann im eigenen Garten, um Straßenbaumschilde oder in öffentlichen Grünanlagen fleißig das Saatgut verstreut, um der immer rarer werden Insektenwelt eine kleine Lebensinsel zu gönnen und gleichzeitig das eigene Umweltgewissen etwas reinzuwaschen, ja, der konnte ob dieser Schamlosigkeit nur noch mit dem Kopf schütteln. Jetzt mag das zwar theatralisch und vielleicht auch überzogen klingen, ist es aber mitnichten. Übertrieben war alleine die Dreistigkeit, wie Campgäste hier auftraten und mit Nonchalance sich ihr Nest zurechtstutzen, um es praktisch und komfortabel zu haben und dann nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“ wieder von dannen ziehen. Wenn alle Campgäste sich so verhielten, dann würde aus dem Onguma Tamboti Camp in Windeseile eine zweite Fisher’s Pan werden. Daß die schwäbische Holzhauergesellschaft eine vom Campbetreiber erteilte Genehmigung für die durchgeführten Arbeiten vorliegen hatte, glaubten wir nicht im Geringsten. Vielmehr stellten wir uns vor, wie es wäre, wenn wir als Gäste bei den Niederschwaben auftauchen und, um bequem mit weit geöffneter Tür aus dem Auto aussteigen zu können, der württembergischen Unterlandherrschaften herrliche Pfingstrosen kurz und klein schneiden und den anfallenden Blumenschnitt einfach ins nebenanliegende Gemüsebeet katapultieren würden. Oder was wäre, wenn man als Sommergast im Lokal des Osnabrücker Rathauses einen der Außentische direkt unter der mit kaskadenartig behangenen Geranien verzierten Gebäudefront anlaufen würde, um dann, bevor man es sich gemütlich auf einer der mit dicken Sitzkissen bestückten Bänken oder Stühlen bequem macht und mit Hungergefühl und knurrendem Magen sich der Speise- und Getränkekarte widmet, erst einmal die Handtasche öffnet und die Rosen- oder Rebenschere hervorholt, um der rot-rosa-violetten Geranienpracht hinter und über einem erst einmal einen ordentlichen Schnitt zu verpassen. Alles nur, um auch ja kein Risiko aufkommen zu lassen, daß einzelne Geranienblütenblättchen in die cremige Spargelsuppe oder auf den Teller, gut befüllt mit Westfälischem Hinterschinken und dazu gereichten Petersiliensalzkartoffeln und dezent scharfer Meerrettichsoße, fallen können. Anschließend wird bezahlt, ein klägliches Trinkgeld dem Kellner in die Hand gedrückt und man zieht weiter. Und die, die anschließend im vorgerückten Sommer an selbige Stelle zum Speisen und Trinken kommen, die sitzen dann vor einer blanken, beigefarbenen Steinmauer eines stolzen, historischen, geschichtsträchtigen Gebäudes mit Weltenruhm und dürfen ihr frisch gezapftes Bier in trostlosem Ambiente genießen.
Wir schüttelten noch immer den Kopf, als wir uns ans Vorbereiten unseres Braais machten. Heute wurde ordentlich Fleischiges in den gußeisernen Pott gehauen und eine Extraportion Bier gab es auch noch; die spätnachmittäglichen Vorkommnisse waren ja irgendwie runterzuspülen.
Die Nacht wurde vom Onguma Tamboti Camp mit 810 NAD berechnet.
Teil 1621. Juni 2023
Tag 13
Botswana kommt näher
Heute stand uns ein langer Fahrtag bevor, denn wir hatten als Ziel die Mobola Island Lodge am Okavango im Caprivi als Campherberge ins Visier gefaßt. Dies forderte unweigerlich ein sehr frühes Aufstehen und aus diesem Grund nahmen wir bereits um kurz vor halb sechs frühmorgens unseren Kaffee zu uns, verstauten die wenigen, noch nicht am Vorabend verbrachten Dinge in unsere Karre und verließen um kurz vor sechs Onguma Tamboti. Da es erst jetzt anfing zu dämmern, fuhren wir mit verminderter Geschwindigkeit das Asphaltband Richtung Tsumeb ab. Es wurde heller und mit viel, zu unserem großen Erstaunen, sehr guter Wachmach-80er-Jahre-Musik präsentiert von Hitradio Namibia wälzten wir uns gen Tsumeb.
Kaum auf der C42 Richtung Grootfontain änderte sich die Landschaft zu unserem Wohlwollen; grüne Hügel und saftes Bergpanorama prägten das Bild. Irgendwann um kurz vor acht trudelten wir in Grootfontain ein und steuerten den erstbesten, bereits geöffneten Supermarkt zum Auffüllen unserer Nahrungsmittel und Getränke an. Es sollte Woermann sein. Ok, die Kutsche abgeparkt sowie ordentlich verschlossen und kein im Inneren der Fahrerkabine sichtbar deponiertes Zeugs gelassen, begaben wir uns in die Nahrungsmittelkaufhalle, welche mit dröhnender Afro-Pop-Musik beschallt wurde. Ich fand es klasse, so früh am Tag zwischen lautem Sound und donnernden Klängen die Auswahl der von uns zu kaufenden Sachen aus der Kühltheke zu wählen. Mir war nach Tanzen; ein Drang mir eigentlich völlig unbekannt. Egal, ich freute mich an den wenigen weiteren im Supermarkt eintreffenden Kunden, die unbewußt mit den Hüften zur lauten Musik wippten mit dem Erfolg, daß deren bunt kolorierten Kleidungsstücke auf ihren Körpern tänzelten. Ich erwischte mich beim Mitsummen von mir unbekannten Melodien. Alle Supermarktanwesenden inklusive mir waren frohgestimmt und gut drauf, trotz daß aufgrund einer potenten Klimaanlage alles auf arktische Temperaturen runtergekühlt war und sich an Wänden und Warenregalen des enormen Tante-Emma-Einkaufsladens quasi Raureif bildete. Einzige Ausnahme: Mein nach wie vor verpennt-dreinblickender Reisepartner, der meiner und der uns umgebenden frühmorgendlichen Fröhlichkeit so gar nicht folgen konnte. Mit noch zugekniffenen Augen und genervter Stimme wurde ich mehrfach kernig dazu aufgefordert, den Einkaufsakt zeitlich so kurz wie möglich zu halten und mit dem Fußgewippe aufzuhören. Ich entschloß mich, um des lieben Urlaubsfriedens Willen dessen Folge zu leisten und wir bewegten uns zum Kassenbereich. Vorher aber noch erblickte ich ein reichhaltiges Wischmoppangebot in einem Displayständer und animierte fluchs meinen Morgenmuffelsafariabenteuergefährten, etwas Spaß mit den Reinigungswerkzeugen zu haben. Wir schnappten uns also jeder einen andersfarbigen Putzfeudel, klemmten diesen zwischen unsere Beine und gedachten der uns bevorstehenden Walpurgisnacht. Es war klar, daß wir uns damit zum Pflaumenaugustduo des morgendlichen Grootfontains machten. Doch, inspiriert von unserer infantilen Albernheit, gesellten sich gestandene Hausfrauen mittleren Alters des kleinen Städtchens im namibischen Nirgendwo mit gut gefüllten Einkaufswagen zu uns und fingen an, ebenfalls mit den Aufwischbesen in salopper Weise zu tänzeln. Wir lachten alle herzlich und als wir genug hatten von der kindsköpfigen Lustigkeit, reihten wir uns brav in die Schlange einer offenen Kasse ein und zahlten das von uns ausgewählte Zeugs. Nachdem der ganze Krempel im Auto gut verstaut war, ging es noch kurz zum Spritauffüllen zur nächst gelegenen Tanke und schon fanden wir uns mit nach wie vor erstaunlich guter Hitradio Namibia-Musik in den Ohren auf dem langen, langweiligen Teerstreifen, genannt B8, auf dem Weg nach Rundu. Irgendwo kurz hinter Grootfontain gerieten wir in eine Fahrzeugkontrolle und reduzierten die Lautstärke des Autoradios signifikant. Nachdem wir die von der polizeilichen Autorität geforderten Fahrzeugpapiere und Führerscheine vorgelegt hatten und diese gewissenhaft von der Verkehrsbehörde kontrolliert waren, fragte uns eine Ladyofficer, ob wir nicht eine ihrer Freundinnen ein Stück des Weges mitnehmen könnten. Sicher doch. So winkte sie die Frau mittelalten Alters zu unserem Wagen ran, diese nahm auf unserer Rückbank bequem Platz und los ging es. Das verunsichert dreinschauende Frauchen machte uns den gleichen Eindruck unsere zu unserem Bedauern viel zu früh verblichen Zia (Tante) Maria, Gott habe sie selig, ihres Zeichens die aus Venetien stammende, in unsere Familie eingeheiratete Schwippschwägerin meines Schwiegervaters. Mit biederem, jedoch sehr akkurat gepflegtem Gewand - wie es auch bei Tante Maria ausnahmslos stets der Fall war - bekleidet, machte sie, ein altes Ericson-Handy in fest in den Händen haltend, Kilometer um Kilometer Wegesstrecke nicht den kleinsten Mucks. Auch auf unsere Frage, wo wir sie denn aussteigen lassen sollten, reagierte die Dame weder verbal noch nonverbal. Schon fachsimpelten wir darüber, ob sie denn taubstumm wäre und wir damit rechnen müßten, kurz vor dem Ankommen an ihrer Destination wild gestikulierend dazu aufgefordert würden, unser Vierradgefährt umgehend anzuhalten. Damit lagen wir nicht ganz falsch, denn kurze Zeit spätere bewegte sich ihr rechter Arm mit sich auf und ab bewegender Hand zwischen Fahrer und Beifahrer – ein unmißverständliches Zeichen, daß wir den Wagen stoppen sollten. Wir erwiderten dem Ersuchen, hielten an und sie stieg aus, ohne auch nur ein Dankeschön zum Ausdruck zu bringen, weder stimmlich formuliert noch körperlich artikuliert. Verdutzt schauten wir uns an, drehten das Autoradio wieder auf und starteten. Zu unserem Leidwesen kroch aus den Autoradioboxen jedoch nur noch ein Krächzen. Das war es dann für heute mit Gutelaunemusik; die Hitradio Namibia sendenden Wellen waberten nicht mehr um uns herum. Wir hatten noch ca. 150 km bis Rundu auf Bitumen abzurackern, da machte sich der Hunger bei uns breit. Da ich heute jedoch den Internationalen Antinuttikrusttag ausgerufen hatte, verbot sich für alle im Fahrzeug Reisenden der Verzehr des verruchten Gebäcks. Mit knurrenden, aufbegehrenden Mägen rollten wir in Rundu ein und bewegten uns dirketen Weges zum Shoprite in der Rundu Shopping Mall. Dort wurden Pies und gefüllte Blätterteigrollen gekauft und, sicher doch, um der Krümelvermeidung wegen, außerhalb unseres Vehikels im Stehen auf dem Parkplatz vertilgt. Während wir so aßen, erblickten wir um uns auf dem Autostellplatz vor der Mall all die vielen jungen Männer mit Fotoapparaten um den Hals hängend. Wir konnten uns nicht erinnern, je solch ein Aufgebot an Lichtbildknipser gesehen zu haben. Wen und was wollten die denn ablichten? Und um diese mittägliche Uhrzeit erst... Diese Frage sollte uns unbeantwortet bleiben, denn in der ganzen Zeit, in der wir so neben unserem Auto speisten, wandte sich niemand, aber auch wirklich keine Menschenseele zu einem der vermeintlichen Fotographen, um sich zu ablichten zu lassen. Seltsam… Egal, für uns mußte es weitergehen, hatten wir doch noch mindestens zwei Stunden Fahrt vor uns. Deshalb wollten wir auch nicht riskieren, unsere Neugierde zu befriedigen, indem wir einen der Lichtbildkünstler nach seinem Motiv - Motiv im doppelten Sinne versteht sich - und das seiner Mitwettbewerberschar zu fragen, um dann sogleich in einen ausufernden Diskurs verwickelt zu werden. So beließen wir es bei unserer Perplexität und setzten unsere heutige Tagesreise fort. Es muß dann so gegen gegen 14.30 Uhr gewesen sein, als wir in der Mobola Island Lodge vorfuhren. Die äußerst nette Rezeptionistin schäkerte mit uns und wir zahlten unseren Eine-Nacht-Aufenthalt in bar. Eine Campsite sollten wir uns einfach aussuchen, so ihre Anweisung. Den Weg zu den Campstellplätzen zeigte uns anschließend ein vermutlich für die Landschaftsgartenpflege der Lodge verantwortlicher Mitarbeiter, der uns dann auch riet, daß, sollten wir ein halbwüchsiges Hippo auf einer der Campsites erblicken, wir einfach kräftig hupen sollten. Dies würde das pubertierende, offensichtlich sich auf den hier sehr gepflegten Kampierlagerstellen gut aufgehobene Flußpferd dazu bewegen, sich in die Wogen des vor derselbigen langsam dahinfließenden Okavangos zu schmeißen. Wir dankten für die nützliche Information und fuhren im Schritttempo zu den flußseitig gelegenen Campplätzen. Kaum diese vor unseren Augen, erblickten wir schon das eben angesprochene Tier, doch bevor wir von Weitem hupen sollten, verzog sich das Dickerchen schon ins sichere Flußnaß. Wir fuhren die wenigen Meter nach unten, inspizierten die sich uns präsentierenden Stellplätze und fragten den uns nachgelaufenen Lodgegärtner, ob dem Flußpferd ein Name von der Lodge erteilt wurde. Unsere Frage wurde mit breitem Grinsen verneint und so schlugen wir einige, unseres Erachtens der Statur des Tieres passende Namen vor. Bei unserer Auswahl orientierten wir uns an den uns bekannten dickleibigen Herren. Am Ende unserer Vorschlagsliste gefiel dem für die Grünanlagenunterhaltung verantwortlichen Bediensteten Ernesto am besten und lachte, als wir ihm auf einem unserer Smartphones ein Foto von Zio (Onkel) Ernesto (genannt Nini) zeigten, dem mehr als gut im Fleisch stehenden Bruder meiner Schwiegermutter. Eine Übereinstimmung der körperlichen Ausmaße vom Lodgedickerchen und die meines angeheiraten Onkels war nicht zu verleugnen. Eine Campsite war so schön wie die andere und zum Schluß war es dann der Stellplatz in der Mitte aller direkt am Flußufer liegenden, der unsere heutige Heimstatt werden sollte. Auf dem übergrünen Rasen, der jeder Zeltplatz als Unterlage aufwies, war ein horizontal vertretbar akzeptables Abstellen unseres Wagens eine kleine Herausforderung, denn wir mußten auch noch die schön als Pflanzinseln ringsum vorhandenen hohen bambusartigen Gräserrabatte hinsichtlich sämtlicher Öffnungen unseres Automobils berücksichtigen. Nach einigem sehr umsichtigen Hin- und Hermanövrieren unserer Kutsche fanden wir endlich ein quasi perfektes Pöstchen in tolerierbarer Waagerechten. Noch bevor unser Mobilheim nutzungsgerecht mit Dachaufhub und Bettseitenteilklappzeltauslage zurecht gemacht wurde und die Stühle sowie der Tisch aus dem Wagen gezurrt wurden, mußte ich erst einmal unter die direkt an der Campsite vorhande Dusche hüpfen und mich erfrischen. Derweil kurvte schon ein weiteres 4x4+Dachzelt-Vehikel auf den Campingbereich zu. Es war ein, der Verrentung nicht mehr weit entferntes teutonisches Paar. Wir quatschen ein wenig miteinander und dann machten wir uns auf den Weg zur Okavangoinsel, die zur teilweisen Namensgebung der Lodge hatte herhalten müssen. Zwischen Lodgechalets mit einwandfrei gepflegten Grünbereichen inklusive ebenfalls tadellos mit Steinen konstruierten Grünbereichseinfriedungen ging es den schmalen Weg hinab zum Fluß. Rechterseits gab es dann einen kleinen, wirklich kleinen Pool mit im Hintergrund befindlichem ebenso kleinen Wasserfall; auch dies alles sehr, sehr geschmackvoll und äußerst gepflegt. Auf die Insel gelangte man über eine mit Brettern ausgelegte schmale, wackelige Hängebrücke. Nun waren wir auf dem Eiland und suchten die uns beschriebene Bar. Nach wenigen Schritten auf dem Inselsandweg durch dschungelartige Flora schlendernd fanden wir diese; genauso schmuckvoll und reizvoll wie bisher alles andere auch. Da es noch zu früh war für den Getränkeausschank, die kleine Kneipe noch geschlossen und wir so rein gar kein Gesöff mit uns trugen, liefen wir kurz über das Wackelviadukt zu unserem Wagen zurück und besorgten uns aus unserem 80 Liter-Kühlschrank etwas Erfrischendes für unsere ausgedorrten Kehlen. Zurück auf des Lodges Eiland verweilten wir eine ganze Weile, genossen dabei das beruhigend wirkende Geplätscher des unter unseren Augen sanft dahinfließenden Okavangos. Mittlerweile öffnete der fesche Sohn der Lodge-Betreiber die kleine Inselkneipe und so mußten wir nicht wieder zum Auto zurück, um uns weitere Kaltgetränke zu besorgen. Kaum war die Sonne untergegangen, gesellten sich die beiden Deutschen, die zuvor eine kleine Lodge-River-Cruise unternahmen, zu uns. Bei einigen Sundownern verquasselten wir uns mit den beiden, sodaß wir dann um kurz nach sieben keine Lust mehr hatten, großartig Feuer zum Grillen zu machen und deshalb beließen wir es bei Kurzgeschmortem aus dem Gußeisentopf, der kurzweg auf den Gaskocher gestellt wurde. Etwas später wurde nochmals geduscht und wir krochen recht müde in unser Schlafgemach; der lange Fahrtag hatte deutliche Spuren bei uns hinterlassen.
Noch ein paar zusammenfassende Worte zur Mobola Island Lodge… Es ist eine wirklich sehr, sehr reizvolle Location, und das für schlappe 380 NAD. Alles empfanden wir mehr als gepflegt und besonders ästhetisch angelegt. Man sieht, daß dort mit viel Geschmack ausgestattete Köpfe am Werk waren und daß fleißige Hände für die notwendige dauerhafte Pflege des Ganzen sorgen. Chapeau! Wäre noch ein tauglicher Poolbereich vorzufinden gewesen, dann hätte sich Mobola ohne Wenn und Aber mit Lode auf den ersten Platz unserer diesjährigen Übernachtungsstättenhitliste gehievt. Das derzeitige Naßbecken war zum Abkühlen oder Erfrischen nicht gerade einladend, weil es a) drumherum keinen ausreichenden Platz zum Verweilen im Liegen bot und b) das Wasser aus dem Okavango stammte (so zumindest unsere Vermutung). Da das Lodgegelände aber über ausreichend Quadratmeter verfügt, sollte, unseres Erachtens nach, der Betreiber sich überlegen, nicht vielleicht doch noch eine weitere finanziell überschaubare Investition zu tätigen und eine smartere und zweckmäßigere Swimming Pool-Zone zu etablieren; dies würde dem Wohlfühlgefühl auf Mobola einen weiteren positiven Schub verleihen. Und so erklimmte die Location die mehr als verdiente zweitoberste Stufe unseres heurigen Siegertreppchens.
Teil 1723. Juni 2023
Tag 14
Und wieder ein Stück näher an Botswana
Für dieses Jahr hatten wir uns eigentlich für drei Übernachtung in der Divundu-Gegend entschieden; großräumig gesprochen. Grund hierfür war, daß wir drei, uns noch unbekannten Campsites einen Nächtigungsbesuch abstatten wollten. Denn bei unseren bisherigen Roundtrips und den damit einhergehenden Notwendigkeiten den gesamten Caprivi abzurocken, verschlug es uns zu Stop-over-Nächten stets ins Ngepi Camp; vermutlich aus Bequemlichkeit oder Gewohnheit – keine Ahnung. Dies sollte in diesem Jahr nicht nochmals so ablaufen, denn das Ngepi ist in die Jahre gekommen und die notwendigen Wartungs- und Erneuerungsarbeiten machten sich sehr rar. Ergebnis: Bei unserem letzten Aufenthalt dort 2018 war so ziemlich alles verlottert und runtergekommen und das ehemals so peppige Camp machte uns einen eher trostlosen Eindruck. Wobei wir vor fünf Jahren irgendwie auch intuitiv spürten, daß das Camp noch sehr fest an seinen, in der weiteren Vergangenheit etablierten Ruf als cool-unkonventionelle Herberge glaubte und sich, unserer Meinung nach, dabei völlig zu Unrecht in Selbstzufriedenheit wog. So zumindest unsere Einschätzung. Nun führte uns unsere Route dieses Jahr ja vom Etosha NP in den Moremi, und unweigerlich schlägt man dann aufgrund der einem individuell zur Verfügung stehenden Zeit einen eher direkten Weg ein. Somit wurde Divundu & Umgebung zu unserem kleinen Bermuda-Dreieck. Die Mobola Island Lodge, die Mahangu Safari Lodge und Drotsky’s Cabins wurden von uns also als Schlafstätten auserkoren. Wie es uns auf Ersterer erging, konnte dem Reiseberichtteil Tag 13 entnommen werden. Mahangu kam also als nächstes an die Reihe und da die Distanz zwischen Mobola und Mahangu mehr als überschaubar ist, ließen wir den heutigen Tag sehr gemächlich angehen.
Buongiorno - Italy meets Africa
Geplant hatten wir von unserem Auftritt in Mahangu einen Besuch der Buffalo Core Area des Bwabwata Nationalparks. Es sollte das erste Mal sein, daß wir dort Fuß bzw. Reifen auf den Boden setzten. Gegen kurz vor acht verließen wir Mobola und steuerten zunächst einen Geldautomaten in Divundu Business District an. Mit frisch gefüllten Gelbbörsen begaben wir uns zum Tanken, dann nix wie über die Okavango-Brücke und rechts in die Buffalo Core Area abgebogen. Zuvor aber, kurz hinter der massiven Betonflußüberführung, gab es einen Verkehrskontrollposten, an dem wir aber freundlichst durchgewinkt wurden. Wir kamen am Nationalparkgate an, zahlten im Office unser Eintrittsscherflein und gurkten gemütlich die erste Runde, die uns zunächst nach links runter zum Okavango bringen sollte. Leider stand das Gras meist zu hoch, um zu Tiersichtungserfolgen führen zu können. Unser Weg brachte uns immer wieder an alten Militärgebäuderuinen vorbei, die den Anschein machten, in Bezug auf Luftwurzeln und Lianen in Kompetition mit den Tempelanlagen rund um Angkor Wat & Kollegen treten zu wollen. Ein paar scheue Kudus und Impalas kamen uns vor die Augen und gelegentlich stapfte in Entfernung ein Elefant über einen der wenigen Wege im Park. Dem Elefantendung zufolge, mußten sich aber so einige dieser Artgenossen hier aufhalten.
Weitere Fahrzeuge erblickten wir nicht. Am Eingang lasen wir schon im Gatebuch, daß heute erst zwei Fahrzeuge vor uns einfuhren; eins davon fuhr bereits aus dem Park raus, als wir gerade in diesen rollten. Bei der Frage, ob bis zur Delta Pan fahren oder nicht, knobelten wir um die Antwort, wobei das Ende des Fingerspiels zum Nachteil der Pan ausging und diese von uns dementsprechend nicht angesteuert wurde. Alles in allem, auch landschaftlich, riß uns die Buffalo Core Area nicht vom Hocker. So drehten wir ab und begaben uns auf unseren Weg zur Mahangu Safari Lodge. Nun mußten wir abermals den Traffic-Check-Point auf dem Caprivi Highway passieren; dieses Mal aus der anderen Richtung. Führerscheine, Fahrzeugpapiere und den Wisch bezüglich der namibischen Autoversicherung, wir hatten ja eine Karre mit südafrikanischem Kennzeichen, waren gleich zur Hand und dem Herrn Kontrolleur überreicht. Alles so weit so gut… Außer dem Versicherungsschein, den uns Bushlore bei der Wagenübergabe lediglich in Kopie gemeinsam mit einem original unterzeichneten Grenzpermit für Botswana mit auf den Weg gab. Mein lieber Herr Gesangsverein… Welch Zirkus der Officer veranstaltete. Nein, wir haben nicht das Original zum Vorlegen. Ja, man hat uns nur diese Kopie mitgegeben. Und nein, wir können nicht mal auf die Schnelle den Originalfetzen an Stück Papier besorgen. Oder vielleicht doch, wenn nach Windhoek und zurück als schnell erachtet werden könnte, dann wäre schnell zu schaffen. Nach gefühlt 35 Telefonaten mit Windhoek, dort vermutlich auch mit dem in Amtswürden stehenden Staatsekretär des Verkehrsministeriums und mit Gott weiß wem noch alles, kam der penible Inspektor zur An- und Einsicht, daß er sich mit der Kfz-Versicherungsscheinfotokopie begnügen mußte. Diese, ungefaltet, ohne Eselsohren und jungfräulich wie gerade aus dem Kopiergerät geworfen, ohne auch nur die geringsten Zeichen von versuchten Fälschungen, war sogar farbiger Natur und selbst eine an arger Weitsichtigkeit leidende Person hätte ohne Problem und auch ohne Brille die Zahlen des blau aufgestempelten Gültigkeitsbeginndatums lesen können, um dann dazu die Gültigkeitsdauer zu addieren und wäre demzufolge zur Erkenntnis gelangt, daß der Wisch gültigkeitstechnisch im Grünen Bereich lag. Klar, das, sofern die niedere Kunst der elementaren Grundschulmathematik beherrscht wurde. Dies alles nur mal so kurz nebenbei angemerkt... Jetzt konnten wir ja zu 100% den behördlichen Eifer nachvollziehen. Regel ist Regel. Doch keine Regel, nicht und gerade besonders in Namibia ohne Ausnahme. Bei Touristen, die einen ordentlichen wirschaftlichen Beitrag zum Wohle der Nation beisteuern, hätte man, sofern man nur die klitzekleinste Affinität zu makroökonomischen Zusammenhängen sowie zu Flexibilität hätte sein Eigen nennen können oder wollen, fünf an diesem Tage eben gerade sein lassen und die Touris, willens für ihre Reisezwecke die Geldbeutel mit Freude und Schwung weit zu öffnen und u. a. sogar ungerechtfertigte NWR-Preise für miserable Campsitebedingungen zu tolerieren, mit ihrem nicht den Autoritätsforderungen konform ausreichenden Beleg der wohlweislich gezahlten Versicherung weiterfahren lassen. Wir wollten nicht wissen, wie viele einheimische Autos ohne jeglichen Versicherungsschutz in der Zeit durchgewinkt wurden, in der wir bei Hitze und schwüler Luft eine knappe Stunde vor und in einem heruntergekommenen, mit hyperspartanischem Mobiliar und herunterhängenden Elektrokabeln ausgestatteten Betonkontrollhäuschen verweilen durften. Vorüber diese unschöne Episode, schwangen wir uns mit dicken Hälsen auf die Sitze unseres Gefährtes und peilten direkten Weges die Mahangu Safari Lodge für unser dortiges Debüt an. Unser Wagen wurde unter dem Schattendach vor dem Empfangstrakt des Anwesens geparkt und wir traten zum Check-In-Akt in ein mit sehr dunklem Holzinterieur ausgestattetes, in Finsternis getauchtes Gebäude ein. An der, aufgrund nicht eindringender Tageslichthelligkeit notwendigerweise mit viel Elektrizität geschaffener künstlicher Illumination ausgestatteten Rezeptionstheke wurden wir mit einem breiten Lächeln von einer jungen Frau herzlichst begrüßt. Die Gute, ein Verschnitt aus 80er-Jahre-Nena-Look und Antifa-Girly, präsentierte sich mit einem burschikosen, überbunten Kurzhaarschnitt, der unserer Meinung nach von einem übereifrigen, ohne ausreichend Erfahrung verfügenden, experimentierfreudigen Coiffeur mittels vermutlich über ihr Haltbarkeitsdatum weit abgelaufener Kolorierungsmittel in sämtlichen Regenbogenfarbtönen erschaffen wurde. Zumindest gab der Shorthairmulitneonfarbschopf dem düsteren Ambiente einen kleinen Anstrich an jovialer Behaglichkeit und Abwechslung. Wir checkten also ein und fragten, ob wir die 470 NAD Campsitekosten umgehend begleichen sollten; dies wurde nicht verlangt und so machten wir uns auf den Weg zu dem uns zugewiesenen Stellplatz am Ufer; es sollte der vorletzte gegen Ende des Campgeländes sein und war ebenso düster wie der Lodgehaupttrakt. Die hohen Bäume mit dichtem Laub und ebenfalls hohes, dazu noch dichtes Buschwerk ringsum wirkten auf uns wie eine pflanzliche Kapsel, in die wir einfuhren. Tageslicht erreichte die Kampierstelle ausschließlich über ein in die Blätterhülle geschnittenes, großes Loch auf Okavangoseite. Naturnah gefällt uns ja, aber schön war komplett etwas anders. Unsere Kutsche hatten wir in Windes Eile positioniert, doch die anschließende Suche und das spätere Auffinden von Strom und Wasser erwies sich als kompletter Reinfall. Der Wasseranschluß auf unserem Platz fand sich unpraktischerweise hinter dichtem Buschwerk und war komplett versiegt und so mußten wir uns mit einem Zapfhahn zufriedengeben, der eigentlich zur Campsite unserer liechtensteinischen Nachbarn, ausgestattet mit einem Superhypertoyota4x4-Bushcamper-Schlitten, der nicht ein, eher zwei Vermögen gekosten haben mußte, gehörte. Elektrizität hingegen erhielten wir, dank unseres von Bushlore überlassenen, superlangen Kabels von einem Strompunkt irgendwo im Nichts zwischen unserem Stellplatz und dem Letzten auf dem Campgelände, und den wir trotz unserer Sherlock Holms-Akribie nur durch reinen Zufall fanden. Nachdem wir unser Nest gebaut hatten, ja, Nest, denn der Stellplatz kam uns vor wie ein von Webervögeln gebautes Nest, bewegten wir uns erst einmal zum Restaurationsbereich der Lodge und bestellten jeder ein… Toasted Sandwich… Der Preis dessen mußte mit dem in der Palmwag Lodge vertilgten mal Zwei multipliziert werden, obwohl die Qualität und Köstlichkeit mittels des Divisors fünf bedacht werden mußte. Selbst die große, passable Terrassenfläche vor dem dahinfließenden Okavango konnte unsere Zufriedenheit des uns gastronomisch Angebotenen und unser generell schlechtes Wohlbefinden mit dem Camp nicht in höhere Sphären heben und schon spielten wir mit dem Gedanken, uns eine andere Bleibe für diese Nacht zu suchen. Es sollte aber bei diesem Gedankenspiel bleiben. Auch Lust, noch mal rasch zur Abwechslung in die Mahango Core Area des Bwabwata Nationalparks zu fahren hatten wir keine und so kehrten wir zurück zu unserer heutigen Dunkelheimstätte, zerrten unsere Badehosen aus dem Gepäck und dann ging es nix wie ab zum Swimming Pool. Der Schwimmbadbereich war jetzt nicht unbedingt als extrem unattrakiv zu bewerten, doch auch hier… Alles unter dicken, fetten, laubvollen Ästen, im Schatten gelegen und mehr schlicht als einladend. Die dort den Badegästen zur Verfügung gestellten farb- und musterdiversen Badetücher waren zwar aus dickem Bauwollstoff, doch quasi im Sich-Auflösen begriffen und mit ziemlich vielen Flecken gespickt, die offensichtlich bei vielen zuvor durchgelaufenen Waschvorgängen einfach nicht verschwinden wollten. Jetzt sollte man dem geschenkten Gaul ja bekannterweise nicht ins Maul schauen, doch wenn man als Lodge in dieser Gegend sich den vielen Mitwettbewerbern stellen muß, dann sollte man doch darauf achten, daß die complementary Gratiszusatzleistungen, wie die genannten dicken, baumwollenen Abtrockenlaken nicht nur sauber, denn das waren sie wirklich, eben nur reichlich befleckt, sondern auch in einem ordentlichen Zustand und farblich zumindest nicht allesamt verschieden kunterbunt sind und somit ein etwas einheitliches Bild abgeben. Ob die Chalets hier wohl auch mit diversem, ausgefranzenten Bunte-Zirkus-Frottee ausgestatten waren? Ein Handtuch rot-weiß-kariert das andere abgewetzt azurblau und die Duschtücher in senfgelbem Farbton mit sich selbstaufdröselnden Nähten? Das waren kleine Fragen, die uns kurzzeitig beschäftigten. Wir fügten uns dem uns Gebotenen und relaxten ausgiebig den Nachmittag über. Als es Zeit war, sich um das Abendbrot zu kümmern, schlenderten wir zurück zu unserem Campplatz, vorbei an den luxusaffinen, ihrem Fürsten untergebenen Liechtensteinern, mit denen wir dann ein wenig quatschten. Den Rest des Tages, der nicht der unsere heute war, bestand aus Grill samt Grillgut und Salat vorbereiten, essen und ein Glas leckeren Rotwein genießen.
Ohne der Mahangu Safari Lodge bereits unsere endgültige Heimstättenwertung zuteilwerden zu lassen, war für uns am Ende des Tages, in Horizontale auf unserer Vehikelmatratze liegend, glasklar, daß es für das Etablissement schwer werden würde, einen Posten in der oberen Hälfte unserer Hitcampliste zu erreichen.
Teil 1828. Juni 2023
Tag 15
Der Tag des Herrn
Auf unserem Programm stand heute die Aufsuchung der dritten Campsite der Autdit-Liste unseres ausgeschriebenen Divundu Area Campsite & Lodge-Facilities-Contests. Drotsky's Cabins. Auf direktem Weg von der Mahangu Safari Lodge in schlappen 44 km und kleinem Grenzverkehr zu erreichen. Wir mußten also den Tag nicht mit Hast und Eile beginnen. Trotzdem kaperten wir schon um Viertel vor sieben das Nationalparksgate der Mahango Core Area und gemütlich ging es auf die einzige Runde des Naturreservats. An der Stelle des dahingeschiedenen Riesenbaobabs legten wir eine sich gebotene Schweigeminute ein und, da an gleicher Stelle 2012 geschehen, gedachten wir auch dem damals dort getroffenen Rentnerpaar burischer Abstammung. Anläßlich unseres Kurzstopps zu jener Zeit an diesem Ort wurde die Pensionärsgattin nicht müde, ihrem vermutlich seheingeschränkten und schwerhörigen Gatten einen prächtigen Seeadler zu vermitteln, der sich im Geäst des Gigantenbaums ein Ruhepäuschen gönnte. Wir erinnerten uns lebhaft an ihre schrille, kreischende Stimme, die unaufhörlich dem armen Ehepartner entgegenschlug: It‘s a South African Sea Eagel, it’s a South African Sea Eagel, it’s a South African Sea Eagel!!! …. Look, look, look!!! Es war dem armen Mann nicht zu verdenken, daß er scheinbar schon vor der Silberhochzeit mit der Dame die Ohren auf Durchzug stellte oder einfach an einer, durch im Laufe der Ehejahre erfolgten dauerhaften Überschreitung der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen maximalen Dezibelzahl an Gehorchtem hervorgerufenen Vertaubung litt. Unsere aufrichtigsten Ehren erwiesen, schlenderten wir weiter unseres Weges und wurden mit schönen Tierbegegnungen beglückt. Die Mahango Core Area zeichnet sich durch eine offene Landschaft aus – genau nach unserem Geschmack.
Kaum aus dem Nationalpark raus, befanden wir uns auch schon vor der Grenzübertrittsstelle von Namibia nach Botswana. Die bordertechnischen Notwendigkeiten auf namibischer Seite zeigten sich, wie immer bei unseren Grenzüberschreitungen von oder nach Namibia auch dieses Mal, an dem heutigen, will man großzügig sein, als tertiären zu bezeichnenden Grenzposten als sehr, sehr schleppend, schwerfällig und wenig professionell. Über den Demarkationsstreifen gerollt, parkten wir uns im Schatten großer Bäume ab, erklommen die Stufen des Grenzgebäudes mit hochgehißter Botswana-Flagge und unterzogen uns dem, was notwendig war. Reisepässe und ausgefüllte Einreisekarten = Stempel rein und weiter nach links. Zollabfertigung unserer gemieteten Kutsche = zackig und erfolgreich erledigt. Zahlung der BURS-Zeche = stockend und schlußendlich ohne Erfolg. Die Begleichung der paar Kröten für die Kfz-Versicherung in Botswana kam fürs Erste zu keinem guten Ende, da sich sämtliche, im länglichen Backsteingebäude befindlichen Kreditkartenzahlungs-POS-Geräte in einem scheinbar landesweiten nationalen Streik befanden. Leider reichten unser mitgebrachter Regen, in Form von Banknoten in Pula, nicht aus, die Rechnung zu saldieren. Es fehlten uns exakt 20 BWP. Euro, US Dollar, Rand, Namibische Dollar aus allen Taschen herausgezerrt halfen nicht, unserem kleinen Impasse ein nettes Ende zu bereiten. No foreign currency accepted, war die Devise. Nun gut. Wo gibt es den nächsten Cash-Wechsler, war unsere anschließende Frage. Die etwas korpulente und vollbußige BURS-Abfertigungslady zeigte mit ausgestrecktem Arm und langem Zeigefinger Richtung Osten. Hinter dem weißen Rolltor befände sich eine Wechselstube, bei der wir die gängigsten Währungen wechseln könnten. Alles quasi gut bis zu diesem Augenblick. Einer von uns, und das war ich, machte sich frohen Mutes per pedes auf den Weg hinter das weißgestrichene Metallgatter, um die Grenzbankfiliale aufzusuchen. Doch schon nach einigen Metern mußte ich mich ergeben. Kein Gebäude, das einer, auch noch so kleingeratenen Kreditinstitutaußenstelle hätte darstellen können. Stattdessen viel Natur und dann rechter Hand eine Ansammlung aus in Backsteinen hochgezogener Gebäude. Ich schlug sodann umgehend meinen Schritt in diese Richtung ein, als mir die Aufforderung lauthals in den Rücken geschrien wurde, ich sollte die Hauptstraße nicht verlassen und nur nach links schauen, dort befände sich die Valutentauschbörse, die Deutsch Marks und Dollars – Dankeschön, Tina Turner, Gott hab Dich selig, für diesen Ausdruck - entgegen nehmen würde. Ich folgte den geographischen Anweisungen der hinter dem weißen Gatter unter großen Bäumen im Schatten sitzenden Grenzbediensteten mit botswananischer Gehaltsabrechnung und folgte dem Asphaltband immer nach links schauend. Nach einigen Schritten erblickte ich zwei Gebäude. Das eine klein, das andere etwas größerer Art. Ich entschied mich für das baulich imposantere Häuschen, doch nix da, da war alles verrammelt. Also ein paar Meter weiter gedackelt und ich fand mich vor einer Art Hütte, die von der Größe her eher ein Stilles Häuschen hätte sein können. Die Tür stand sperrangelweit offen und ich trat in den Mikrokosmos eines Mikroräumchens. Außer der Eingangstür gab es noch ein mit ordentlich metallenen Gitterstäben ausstaffiertes Fenster ohne Glasscheibe. Mein Blick durch dieses ergab erst einmal nix. Dann, meine Augen zum zweiten Anlauf zusammengekniffen, erblickte ich in diesem, taxiert maximal 1,5 x 1,5 m großen Räumchen eine junge Frau, die quasi unterhalb des im Inneren ihres Kabuffs befindlichen Kundentresens irgendwas rührte. Bei meinem anschließend ausgesprochenem Good morning erschrak das magere Frauchen, schaute mich mit Pandaaugen an und schwieg. Meine freundliche Frage, ob ich hier Euro in Regen-Botswana-Pula wechseln könnte wurde mit einem großen Schweigen und einer Handbewegung beantwortet. Meine Fresse, dachte ich, auch die ist taubstumm, welch Glück. Ich folgte der Hand und erblickte eine Tafel mit darauf befindlichen Fremdwährungswechselkursen, wobei jetzt die Verwendung des Plurals zu Mißverständnissen führen könnte, denn von den vielen gängigen Währungen der Welt fanden sich nur zwei auf dem Schreibbord wieder: Rand und namibische Dollar.
Um keine weiteren gegenseitigen Peinlichkeiten aufkommen zu lassen, zog ich aus meinem Geldbeutel 1000 Rand. Dies reichte, um das erwachsene Mädchen aufstehen zu lassen, einen Taschenrechner aus dem Nichts hervorzuholen, einen Blick auf den Gitterfenstertresen mit den 1000 Rand zu werfen, und wild auf dem Rechenapparat los zu tippen. Ich war froh, daß die junge, scheinbar aus der Provinz stammende Dame nicht großen Wert auf Outfit und Manicure legte, denn sie schnappte sich die südafrikanischen Bankscheine, ohne mit langen, mit Perlmut oder billigen Glitzersteinchen gespickten Fingernägeln ausstaffiert zu sein. Oftmals hat man es in solchen Bankgeschäftsetablissements ja mit Damen in eng anliegendem Tailleur zu tun, die ihre Fingernägel in Edward mit den Scherenhänden gleiche Krallen verwandeln. Und da muß man dann aufpassen und schnell seine eigene Hand zurückziehen, sonst läuft man Gefahr, daß das künstlerisch verzierte Frauenfingernagelhorn zwischen den Sehnen der eigenen Hande endet. Es folgte ein langes und lautes Tippern auf dem Casio-8oer-Jahre-Modell-Taschenrechner, dessen Zifferndisplay mir dann vor die Augen gehalten wurde. Einen Blick auf das Dashbord mit den heutigen, gültigen Wechselkurse schmeißend, erfuhr ich, daß sich die Bankfilialjungmanagerin vertan haben mußte. Der mit Edding-Stift angeschlagene Wechselkurs ZAR -> BWP war eindeutig nicht aktuell. Darauf von mir aufmerksam gemacht, bedachte mich die Finanzjongleurin mit einem bösen Blick und fuhr fort, zahlreiche Papiere mit Kugelschreibermine zu beschriften. Am Ende des administrativen Tauschaktes verlangte die Gute von mir meinen Reisepass, zog diesen mit schnellen Fingern unter der mit den Metallstäben ausgestatten Öffnung zu sich und füllte mit langsamer Akribie einen weiteren, scheinbar notwendigen Bargeldwechselwisch aus. Wortlos, wenn hätte es gewundert, wäre es anders gewesen, wurde mir von ihr sowohl mein Reisepass als auch dieser Fetzen ausgefüllten Papiers zur Unterzeichnung letzterem zugeschoben. Ich tat, wie von mir nonverbal verlangt und schubste den Zettel anschließend mit spitzen Fingern zurück; im Gegenzug erhielt ich von der Frauenzimmer hinter dem westernfilmtauglichen Gitter das zuvor von ihr mehrfach durchgezählte Geldscheinbündel, wobei die mir überlassene Quantität an Pulascheinen aufgrund einer zweifelsohne unkorrekten Anwendung der nicht aktuellen Buy- und Sell-Kurse seitens der Wechselstubenbediensteten wertmengenmäßig nicht in Korrespondenz mit dem von mir vorgelegten Randgeldnoten stand. Unweigerlich stand für mich aber fest, daß mit der stummen Valutenlady ein Geradebiegen des offensichtlichen Finanztransaktionsfehlers kein Gut-Pula-Rand-Essen gewesen wäre und so verließ ich mit viel zu vielen Pula den Wechselkabuff und kehrte zu unserem Wagen zurück.
Schon beim Durchgehen durch das große weiße Vetärinärgrenzkontrollschiebetor sah und hörte ich das neben unserem Auto versammelte Grüppchen fröhlich lachen. Ich gesellte mich zu der kleinen Menschenansammlung, die neben meinem Reisepartner aus der großbusigen BURS-Dame mit den nicht funktionierenden POS-Zahlungsgeräten, zwei anderen jungen, hübschen Grenzpostenbeamtinnen und einem weiteren, offensichtlich im Öffentlichen Staatsdienst angestellten jungen Mann, so schloß ich zumindest aufgrund des auf dem Oberarmärmelteil seines dicken, dunkelblauen Wollpullovers nähtechnisch applizierten offiziellen Staatswappenwimpels. Die weiblichen Personen des Pulks folgten mit offensichtlich großem Interesse den Ausführungen meines Reisepartners betreffend des antiken Lasagne-Rezeptes seiner Mutter, ihres Zeichens Schwester des zuvor genannten Onkel Ninis, wobei die anwesenden Damen zunächst ihre Schwierigkeiten damit hatten zu verstehen, von welchem Nudelteigplattiergerät die Rede war. Zu des Rätsels Auflösung trug glücklicherweise Google bei, denn das Smartphone des jungen männlichen Staatsdieners wurde mit einem aufgerufenen Foto einer Pastahandleiermaschine herumgereicht. Ohne den US-amerikanischen Konzern würden wir vermutlich noch heute am Grenzschlagbaum sitzen und uns in Beschreibungen von Lasagnenudelplattenherstellung unter Anwendung eines metallenen Drehapparates, welcher, so ließ uns Google auch wissen, selbst in Italien als Pasta Maker vermarktet wird, üben. Nachdem auch die Zusammensetzung der für die Lasagne-Soße notwendig zur Hand habenden Zutaten und deren rezeptorische Verarbeitungsprozesse eingehen erörtert und auf die Verweildauer des Lasagne-Rohlings bis zu seiner endgültigen Fertigstellung im Ofenrohr samt dessen maximaler Backtemperatur ausdrücklich hingewiesen wurden, meinte der wimpelbestückte Herr, daß er nun Hunger bekommen hätte; dieser Aussage schloß ich mich an. Die lebhafte Unterhaltung machte dann noch einen Schwenk zu wie wunderschön wir doch Botswana finden und wir deshalb immer wieder gerne hier her zurückkehren. Trotz daß sich mittlerweile zwei weitere Fahrzeuge vor dem schlichten Gebäude des Borderpostens abgeparkt hatten und die Insassen dieser Autos schnellen Schrittes und mit eindeutigen Zeichen eines ambitionierten Grenzübertritts im Inneren des langgestreckten Bauwerks verschwanden, ließ es sich die mit großer Oberweite ausgestatte BURS-Verantwortliche nicht nehmen, uns noch den Tuli Block als besonderes Reiseziel in Botswana zu empfehlen, denn sie kenne diese, für Botswana ungewöhnlich „gebirgige“ Gegend sehr gut, da sie am Grenzübertritt Pont Drift eine Zeit Dienst schob. Eine enttäuschte Mine legte sich dann auf ihr Gesicht, als wir ihr erzählten, schon 2012 im Tuli Blockgewesen zu sein und sogar in Ponts Drift grenzübertrittstechnisch von Botswana nach Südafrika durch den trockenen Limpopo rübermachten. Darauf fing sie laut zu lachen an und meinte, wir würden wohl Botswana besser kennen, als dessen eigene Bewohner. Mit dieser Aussage lag sie, unseres Erachtens nach, vermutlich nicht ganz falsch. Nun wollten wir auch weiter unseres Weges, deshalb unterbrachen wir sanft die angenehme und lustige Unterhaltung, marschierten mit der obenrum großzügig ausgestatteten BURS-Tussi in Ihren Bürotrakt und zahlten die noch fehlenden 20 BWP in cahs, steckten die uns dann überreichte Versicherungsurkunde ein und fuhren anschließend zur Veterinärkontrolle. Aus dem, in schlichtem Stil errichteten, weißen Betonhäuschen kam eine Frau mittleren Alters und bat um Öffnen des Wagens. Freundlichkeiten brauchten keinen ausgetauscht werden, da sie und ich uns ja schon wegen meines Ganges zur Valutentauschbörse zwei Mal gesehen und gegrüßt hatten und sie es war, die mir den Weg zur Wechselstube nachschrie. So öffneten wir die wagenrückseitige Tür und zogen auch unseren großen Kühlschrank links am Wagen aus seinem Verschlag. Die Kontrolleurin warf einen müden Blick ins Innere unserer Schlafwohnkabine und wendete sich dann der großen Fridge zu. Jetzt war diese aber so weit oben im Canopy eingebaut, daß ein Einblick in diese nur Personen mit einer Körpergröße von mindesten 1,85 m möglich war. Deshalb holten wir fluchs unseren Plastiktritthocker hervor, die Dame stieg drauf und der Kontrollvorgang konnte fortgesetzt werden. Fleischiges und Gemüsiges hatten wir keines mehr und so erblickte die zur Inspektion angestellte Staatsbedienstete nur auf gut gekühlte Savanna-, Weißwein-, Mineralwasser-, Fanta- und Colaflaschen sowie Tonic Water- und Bitter Lemon-Dosen. Ob der schon am frühen Vormittag herrschenden Bruthitze boten wir ihr eines der Erfrischungsgetränke an, welches sie aber zunächst ablehnte, doch dann schlußendlich dankend annahm. Jetzt kann man vermutlich darüber diskutieren, ob unser Akt des Anbietens eines gekühlten, alkoholfreien Sprudelgetränkes an eine Staatsangestellte schon unter Korruption fällt oder nicht. Fakt war jedoch, daß wir überhaupt keinen Grund hatten, irgendeinen Bestechungsversuch zu begehen. Denn die angebrochene 2-Liter-Plastikflasche mit Milch sowie eine noch jungfräuliche Packung Cheddar-Käse waren ebenfalls öffentlich im Kühlschrank zur Schau gestellt und riefen keine Beanstandung seitens der Kontrolldame hervor. So rollten wir durch das weiße, weit offenstehende Schiebetor und waren endlich da: Finalmente Botswana.
In Shakawe sollten wir dann unsere Bargeldbestände auffüllen und ein paar frische Lebensmittel für den heutigen Tag und Abend besorgen, bevor wir zu Drotsky’s Cabins weiterfuhren. Dies erledigt, führte uns ein kurzer sandiger Weg von der asphaltierten A35 zur Herberge; dort parkten wir uns im Schatten vor dem imposanten, offen gehaltenen Hauptgebäude ab. Einmal die Treppe hochgelaufen, befanden wir uns in einem, mit dunklem Holz errichteten Open Space-Raum enormen Ausmaßes, erledigten das Check-Inn-Prozedere und warfen einen Blick auf den rückseitig, zum Okavango sich entfaltenden Garten… nein, eher Park, dessen Gras so perfekt unterhalten war, daß in Wales oder Yorkshire sich so mach Gartenbesitzer hätte drei Scheiben abschneiden können. Alles war wie aus dem Bilderbuch: Das Lodgehauptgebäude architektonisch sehr, sehr ansprechend, mit geschmackvollem, im Gesamtkontext des Anwesens stehenden Mobiliar ausgestattet und wirklich alles übersauber. Unsere Nachfrage, ob wir denn noch einen Toast oder ähnlich Kleines erhalten könnten, wurde leider negativ beschieden und so machten wir uns zu der uns zugewiesenen Campsite. Hierzu mußten wir vom Hauptgebäude wieder etwas zurück Richtung A35, um dann gleich scharf links abzubiegen und durch eine Art subtropischen Wald zu fahren. Wir hatten die vorletzte Campsite zugeordnet bekommen. Diese, über dem Ufer des Okavangos gelegen, war gelinde gesagt riesengroß und trotz der vielen Bäume drang viel Licht auf den Stellplatz, komplett anders als auf der Mahangu Safari Lodge… Wir suchten eine, von uns als günstig erachtete Parkposition, begannen unser Campingmobiliar aus dem Wagen zu holen und bereiteten anschließend ein leichtes Mittagessen zu. Nun waren unsere Knurrmägen befriedet und nach einer kleinen Kabelsteckerreparatur machten wir uns auf den Weg zurück zum Hauptlodgegebäude, um nach einem spätnachmittäglichem Bootsausflug nachzufragen.
Dort angekommen, wendeten wir uns an eine hellhäutige Dame fortgeschrittenen Alters, die sich mit Eileen vorstellte (so glaube ich mich zu erinnern). Ja, ein Boat Trip heute Nachmittag wäre möglich, der Preis würde 340 BWP pro Stunde und 200 BWP für die hierzu benötigten 10 Liter Kraftstoff kosten. Wir wurden handelseinig, machten den Deal klar und anschließend erzählt Eileen, daß sie deutsche Wurzeln hat, ihre Vorfahren zu Kaiser Wilhelms und Bismarcks Zeiten ans Kap zogen und der Urvater dabei als Arzt in Diensten stand; dann irgendwann im Laufe der Zeit ist die Familie im damaligen Betschuanaland aufgewallt und dort auch geblieben. Wir machten ihr unsere aufrichtigsten Aufwartungen hinsichtlich des wunderschönen, parkähnlichen, extrem gepflegten Geländes und den adretten festen Unterkünften und natürlich der großzügigen Campsites mit dazugehörigen blitzeblanken Toiletten- und Duschhäuschen. Eileen wies uns anschließend noch daraufhin, daß sich am heutigen Nachmittag eine Gesellschaft aus dem nahen Shakawe zu einem legeren Zusammentreffen auf dem Gelände angesagt hätte.
Jetzt mußten wir uns erst einmal im zwischen Hauptgebäude und Okavangoufer befindlichen Swimming Pool die Hitze vom Leib fegen. Erfrischt kehrten wir dann zu unserem Campplatz zurück und vertrieben uns die Zeit mit Lesen. Während unsere Nasen in einem dicken Buch und einem E-Reader steckten, suchte uns ein älterer Herr auf, um uns ebenfalls über die zu erwartenden Shakawe-Gäste und einer etwaig damit in Zusammenhang stehenden Möglichkeit von ungewöhnlicher Lärmemission zu informieren. Mein Gott, was war man beflissen gewesen, uns auf diese, nicht aus der Ferne anreisenden Tagesbesucher der Anlage mehr als gebührend in zu Kenntnis zu setzten. Oder sollte hinter dem zweiten Avis sich eine zeitlich antizipierte Entschuldigung für eine eventuell unschön ausufernde Feier einer vielleicht allseits als randalierend bekannten, ortsansässigen Rabaukengroßfamilie mafiöser Art stecken? So unsere Gedanken.
Als wir dann überpünktlich an dem bei den Campsites befindlichen Bootsanleger für den Start unseres Bootsausfluges ankamen, trafen wir auf die genannte große Gruppe an Gästen. Diese machte uns aber gar nicht den Anschein, als mochte sie sich negativ auffallend verhalten; eher das Gegenteil war der Fall. Vor uns präsentierte sich die Hautevolee Shakawes. Die Damen alle in stilvollen, blütenweißen Kleidern und Röcken steckend, auf hochhackigen Absätzen balancierend und mit großen mondänen Sonnenbrillen ausgestattet. Die Herren der feinen Gesellschaft hingegen in meist hellblauen Hemden und eleganten dunkelblauen Anzügen, wobei die Hosenbeine dem heutigen Modetrend entsprechend eng geschnitten waren und die Beinkleider mit nicht gerade billig aussehenden mittelbraunen Ledergürteln fest an den Hüften gehalten waren; dazu geschmackvolles, ebenfalls in Tonalität der Gürtel gehaltenes Schuhwerk. Die mitgebrachte Kinderschar zeigte in schickem, modischen zeitgenössischem Kidsgewand. Es wurde herzlichst gelacht, lebhaft geplaudert, doch nicht lautstark, an Prosecco-Gläsern genippt und Fotos geschossen. Wir freuten uns für das große Grüppchen und stiegen zu unserer Individualtour ins Boot. Zunächst ging es langsam schippernd den Okavango hoch, am Lodgehauptgebäude mit dem dortigen Bootsanleger vorbei. Am steilen Uferrand links erhaschten dann wir einen Blick auf einen King Fisher und weiter ging es flußaufwärts. Zu unserer Rechten saßen reihenweise Schlangenhalsvögel auf abgestorbenen, großen Bäumen und genossen die letzten Augenblicke der Sonne.
Irgendwann lenkte unser Bootskapitän die Barkasse nach rechts in einen der vielen Arme des Okavangos und bremste abrupt ab; fast wären uns unsere Sonnenbrillen von den Nasen gefallen. Vor uns lag ein viele Meter langes Krokodil gemächlich vor einem Grasinselchen und inspizierte mit wachen Augen sämtliche Ecken des hinter dem kleinen Eiland hervorlaufenden Flußwassers. Ab und an hob der Riesenkaiman etwas den Oberkiefer und zeigte uns so eine lange Reihe an weißen Todeshauern. Der Kerl war bestimmt so groß wie unser Boot lang war. #
Die Geschwindigkeit des Flußwassers in den kleinen Armen den Okavangos war viel höher als die des Hauptflußteils und deshalb hatte unser Bootsführer ziemliche Mühe, unseren Kahn gegen die Wasserfließrichtung zurück zum Hauptfluß zu bringen. Mittlerweile war die Sonne hinter den Bäumen verschwunden und auch die Schlangenhalsvögel hatten bereits das Weite gesucht.
Im hohen Schilf zu unserer Linken präsentierten sich uns dann eine große Gesellschaft an Bee Eater; leider war das Tageslicht für unsere Kameraausrüstung nicht mehr geeignet, ein paar Fotos von diesen putzigen und bunten Federtierchen zu schießen.
Nach guter eineinviertel Stunde bugsierte unser Tourguide das Boot an die kleine Mole und wir uns anschließend zu unserem Stellplatz. Die Bootstour empfanden wir jetzt als ok, aber nicht uns vom Hocker werfend. Von den vielbesagten tollen Vögelsichtungsmöglichkeiten, die man bei Drotsky haben kann, konnten wir nicht profitieren. Aber das ist ebenso, daß man am richtigen Ort zur richtigen Zeit sein und auch immer ein Quäntchen Glück auf seiner Seite haben muß – wir waren also vermutlich zwar am richtigen Ort, aber zur falschen Zeit und von Fortuna nicht wirklich mit Wohlwollen bedacht. Amen.
In Dunkelheit stolperten wir zu unserem Auto und begannen mit unseren Abendessenpräparationen. Zum Grillgut reichten wir uns einen Avocado-Tomaten-Knoblauch-Salat und spülten unsere Gurgeln mit einem ordentlich gut gekühlten Weißwein, bevor wir mit Abwasch und Unter-die-Dusche-Hüpfen den Tag beendeten.
Teil 1929. Juni 2023
Tag 16
Next Stop Maun… ohne besondere Vorkommnisse – oder vielleicht doch 😠
Auch heute hatten wir keine Eile an den frühen Sonntag legen müssen, denn auf unserer To-Do-Liste stand lediglich: In Maun volltanken, ins SKL Crocodile Camp fahren und dabei, selbstredend, einen Einkehrschwung bei Hilary einlegen. Basta così für heute. Mit Eileen hatten wir Tags zuvor über den Zustand der asphaltierten A35 gesprochen und die Gute beschrieb diesen als anfänglich schlecht, doch je näher man sich an die Kreuzung zur A3 bei Sehithwa ranpirschen würde, wäre die Teerdecke in einem ordentlichen Zustand. So zogen wir nach unserem Kaffee von dannen und tingelten das lange Bitumenband Nr. 35 ab. Da wir zum ersten Mal den Panhandle befuhren, wunderten wir uns über Dorfbezeichnungen wie Etsha 1 und Etsha 6 usw. Was es damit auf sich hatte, erfuhren wir am nächsten Tag dank Wikipedia. Die Straße zeigte sich, so wie von Eileen beschrieben. Je weiter wir südwärts fuhren, desto weniger Potholes gab es. An der zuvor genannten Kreuzung überlegten wir einen Moment, ob wir nicht dem Lake Ngami einen kurzen Besuch abstatten sollten; entschieden uns aber dagegen. Grund hierfür war unsere Lust auf Hilary’s Leckereien. So düsten wir gemächlich weiter nach Maun, und zuerst schlugen den Weg zum DWNP-Office ein, denn dieses hatte sonntags nur Vormittags geöffnet. Dort also um 11.38 Uhr angekommen, legten wir unsere Reservierung für die Khwai North Gate Campsite vor und gaben einer der beiden jugen Frauen hinter dem Tresen sowohl den exakten Tag unserer Einreise in den Moremi als auch den genauen Ausreisetag aus diesem bekannt. Die langen lackierten Krallen einer der Damen flogen wild über die Tastatur und schon wurde uns ein DIN A 4 – Blatt als Rechnung für die Nationalparkseintrittsgebühr unter die Nase geschoben. Drei Kalendertage für zwei internationale Gäste und einem Fahrzeug machten nach bostswanischem Adam Riese und dessen Eva Zwerg 1.845,00 Pula. Wir beglichen die Zeche mit der Kreditkarte und noch bevor wir das POS-Maschinenpapierzettelchen im Portemonnaie verstaut hatten, wurde von der, unsere Zahlung entgegennehmenden, öffentlichen Bediensteten die Lichtschalter für alle im Gebäudeteil befindlichen Neonlampen auf Aus gedreht und der Tresen geschlossen. Die Handtasche geschnappt, schlenderte die gazellenartig grazile Dame seelenruhig mit ihrer ebenso elfenhaften Kollegin an uns vorbei und ließ uns ohne ein weiteres Wort im Halbdunkeln stehen. Die Uhr zeigte 11.52 Uhr.
Jetzt aber nix als los zum Mittagessen bei Hilary und schon schlugen wir den uns seit Jahren bekannten Weg zur Lukullusstätte ein. Bereits beim Einbiegen auf dessen Parkplatz stockte uns der Atem, denn dieser lag leer und verlassen vor uns. Ein wirklich böses Omen. Dann die Gewissheit: Ja, Hilary war geschlossen, es war ja Sonntag. Jetzt wäre so manch einer nicht so vor diese vollendete Tatsache gestellt worden, nämlich der, der sich bereits im Vorfeld seiner Reise ausgiebigst mit allerlei Öffnungszeiten beschäftigt hätte. Da wir grundsätzlich nicht zu dem Schlag Reisender gehören, die vornherein alles, aber auch wirklich alles bis ins letzte Detail wissen wollen oder müssen… denn was wäre uns eine Reise wert, wenn uns eigentlich alles schon zu 100% bekannt sein würde?... haben wir selbstverständlich nicht tagelang das Internet bemüht, um uns von Tod und Teufel und/oder Öffnungszeiten von Gastwirtschaften ein klares Bild zu verschaffen. Auch und gerade, weil wir desöfteren in unserer Afrikavergangenheit erleben durften, daß das geschriebene Wort oder die gedruckten Zahlen keinen Pfifferling wert waren, und wir eines besseren belehrt wurden. Mit langen Gesichtern drehten wir eine Ehrenrunde auf dem komplett freien Parkgelände und bogen nach rechts auf die vor dem Flughafen befindliche Straße ab. Jetzt mußte eine alternative Location zum Speisen gesucht werden. Am Hauptportal des Flughafens angekommen, sahen wir zur Rechten, daß die dort einmal existierten Ladengeschäfte und das Lokal direkt an der Ecke nicht mehr vorhanden waren. Die kleine Gebäudezeile war komplett leergeräumt. An der Eckkneipe hatten wir 2011 eine kleine Pause eingelegt; damals teilten wir uns dort einen Außentisch mit einer jungen Japanerin, die ausdruckslos an ihrem, schon mehr als schal geworden Bier süffelte. Sie fragte uns, ob wir mit ihr gemeinsam eine Runde mit dem Flieger über das Delta drehen wollten. Leider hatten wir keine Zeit hierzu und außerdem, selbst wenn Zeit vorhanden gewesen wäre, dann hätten wir einen solch luftigen Ausflug bestimmt nicht mit einer so emotionslos dreinblickenden, flüsternden Person unternommen. Die junge Nippondame blieb uns über all die Jahre rege in Erinnerung und ab und an, wenn wir ein nicht gut gekühltes Getränk serviert bekommen, ziehen wir unser mentales Bild dieses trostlosen Geishaverschnittes hervor und fragen uns scherzhaft, ob das reizlose, fade Frauenzimmer aus dem Land der aufgehenden Sonne wohl immer noch in Maun an der Eckkneipe vor ihrer warmen Gerstensaftplörre sitzt und auf eine Mitfluggelegenheit wartet. Schlußendlich kehrten wir dann im Dusty Donkey Café ein und waren ob der leckeren Speisen positiv überrascht; auch der Iced Coffee war ein Iced Coffee und trug zumindest ein bißchen zu unserer Zufriedenheit bei. Doch die sehr guten Snacks an Essen sowie das eiskalte Koffeingetränk konnten unsere Enttäuschung über die heute geschlossene Hilary nicht kompensieren. Bevor wir die Hühner sattelten und in die Erdbeeren ritten, um zum Crocodile Camp zu gelangen, füllten wir unsere Kutsche an der Tanke um die Ecke noch kräftig mit Treibstoff auf.
Das von SKL betriebene Camp befindet sich nördlich des Zentrums von Maun, schon auf dem Weg Richtung Moremi/Khwai und bietet außer Chalets auch einen großen Campingplatz mit vielen schattenspendenden, hohen Bäumen. Wir checkten ein, suchten uns eine Campsite, absolvierten die baulichen Campaufbaurüstarbeiten und peilten den Swimming Pool an. Dieser lag genau wie ein großer Barbereich mit Terrasse direkt über dem Thamalakane River. Ein Blick von der Terrasse auf das schmal dahinfließende Flüßchen werfend erblickten wir dann im Uferbereich direkt unter der Bar eine tote, schon gut aufgeblähte Ziege. Pfui, daß verblichene Tier sollte schnellstens entsorgt werden. Wenn nicht, dann müßte man den Bargästen des Camps wohl rasch Absint zur Verkostung reichen, um den zu erwartenden Verwesungsgestank zu unterdrücken. Doch das Barpersonal machte nicht den Anschein, sich großartig um das Geruchswohlbefinden der Gäste zu scheren. Na denn, wohl bekomm‘s!
Wir lümmelten uns ausgiebig auf den Liegen und sprangen zum Abkühlen in das Wasserbecken. Nachdem die Sonne arrivederci gesagt hatte, gingen wir zurück zu unserem Stellplatz, ausgestattet mit einem großzügigen Außenküchenbereich sowie einem sich daran anschließenden Toiletten-und Duschhäuschen. Alles war so ziemlich sauber, auch war die Campsite ordentlich gerecht, denn kein einziges trockenes Blättchen lag umher.
Während wir in den Abendessenvorbereitungen steckten, füllte sich der Camplagerplatz so langsam. Unsere Nachbarn, ein junges botswanisches Pärchen, hatten sichtlich Probleme, daß von ihnen mitgebrachte Ground Tent zusammenzubasteln und so boten wir unsere Hilfe an, welche auch gerne angenommen wurde. Im Halbdunkeln spielten wir als zu viert Mikado und, kaum war das große Bodenzelt errichtet, entschwanden die beiden mit ihrem hochzylindrigen Pickup-Schlitten zum Diner in einem, so vermuteten wir, der angesagtesten Restaurants des Feinen Mauns.
Nach dem Abendbrot und den anschließend verrichteten Abwascharbeiten gingen wir nochmals unseren Ablaufplan für den nächsten Tag durch. Auf unserer Agenda stand: SIM-Karte besorgen, mittelgroßer Supermarkteinkauf, Savanna- und Weinvorräte auffüllen, zahlen einer Campsite im Khwai Development Trust Office. Unser Vormittag des nächsten Tages war also bestens ausgefüllt.
Ach ja... Die Kosten für die Campsiteübernachtung auf dem Crocodile Camp betrugen 500 BWP.
Teil 2002. Juli 2023
Tag 17
Auf nach Khwai
Die am Vortag nochmals akribisch durchgecheckte Pflichtenliste wurde von uns früh, aber nicht Herr-Gotts-früh-gleich abgearbeitet, wobei wir zunächst, weil auf unserem Weg gelegen, zum relativ neuen Superspar Boseja fuhren, um den Punkt Einkauf von Gemüse, Fleisch, Milch, Olivenöl und Kesselchips abzuhaken. Wer jetzt bei neu auch gleich an opulent dachte, der wurde enttäuscht, denn der von uns angesteuerte Superspar war zwar neu, aber was die Ausmaße der Verkaufsfläche und die Großzügigkeit des Warensortiments anbelangt in keiner Weise dem Uraltspar in Zentrum Mauns auch nur einen Deut überlegen; im Gegenteil. Das Angebot an zerlegten Teilen toter Tiere war in Quantität und Auswahl auf ein wirkliches Minimum reduziert. So blieb uns nix anderes übrig, als später den guten alten Spar im Zentrum des alten Mauns aufzusuchen, denn Lust auf einen Besuch der Meat Boys hatten wir keine, obwohl wir Kerle ja nicht wirklich snobben würden. Nun denn, so folgten wir unserer abzuarbeitenden Liste und begaben uns zum BTC-Shop an der nach Ghanzi führenden Hauptstraße. Nach 20 Minuten und einem lustigen Vornamensauswahlgeplänkel mit einer hochschwangeren Telekommunikationsgesellschaftsangestellten, die auf unsere Nachfrage hin, was es denn werden würde, verzweifelt mit einem „Once again a boy“ antwortete, bugsierten wir, mit einer SIM-Karte ausgestattet, unsere Karre zum Oldy, but goldy Spar, tätigten dort unseren Einkauf und fuhren dann zum Büro des Khwai Development Truts, um zwei zukünftige Übernachtungen auf einer Mogotho Campsite zu saldieren. Jetzt wäre ja die Möglichkeit gewesen, Hilary heute aufzusuchen, um unserer Tradion frönen zu dürfen, doch dafür war uns der Tag noch zu jungfräulich und so bewegten wir uns nordwärts auf zuerst Aspahlt und dann ab Shorobe auf der uns bekannten Gravelroad, die mitnichten und mitneffen bestimmt keine Klagen ausgesprochen hätte, wäre ihr ein Grader mal ordentlich über die Leber gelaufen. Das leidige Thema "Hilary" war noch immer nicht von unserem Tisch und, im Auto sitzend und dort kräftig durchgerüttelt, überlegten wir lebhaft, ob wir es denn auf unserem Rückweg nach Windhoek schaffen würden, in besagter Gaststätte einzukehren, um so an unserer langjährigen Gewohnheit anzuknüpfen. Wochentagstechnisch hätte dies kein Problem dargestellt, doch ob wir dafür die Zeit haben würden, war unser großes Fragezeichen. Denn an dem uns möglichen Tag würden wir eine lange Strecke vom Mogotho Camp zu Kalahari Bush Breaks vor uns haben und trotz eines mehr als frühen Abfahrens kämen wir unseres Erachtens kaum vor, eher nach Sonnenuntergang auf der Campsite des Kalahari Bush Breaks an. Wortlos und mit versteinerter Miene trugen wir unser diesjähriges Essen bei Hilary zu Grabe.
Nach einer dreiviertel Stunde auf der Rappelrüttelwackelpiste erreichten wir um Punkt High Noon Kaziikini, unser heutiger Übernachtungsstopp. An der Reception stand schon in großen Lettern unser Name sowie die uns zugewiesene Lagerstelle. Wir checkten bei einer sehr, sehr sympathischen jungen Frau ein und begaben uns zu der uns zugewiesenen, nomen est omen, Campstelle Elephant Grove, die unsere Reisekasse um 700 Pula erleichterte.
Jetzt haben wir mit Kaziikini seit gefühlten Jahrzehnten ja eine besondere Relationship. 2011 letztmalig zur Inspektion für einen nationalen Fernsehrreisebericht von uns aufgesucht, und damals wenig von uns gewürdigt was Zustand und Preis-Leitungsverhältnis anbelangte, dachten wir uns bei der Planung unserer diesjährigen Tour, daß wir diesem Nächtigungsplatz nochmals die Chance einräumen sollten, sich aktuell zu präsentieren und, wir glauben ja stets nur an das Gute in der Welt, gegebenenfalls eine Revidierung der von uns damals abgefassten Bewertung erhaschen zu können. Der Anfang war schon einmal ordentlich in trockenen Tüchern und bescherte die ersten Pluspunkte.
Auf unserem, Elefantenwäldchen genannten Lagerplatz angekommen nahmen wir unsere Umgebung kurz in Augenschein und konnten dann feststellen, daß man die Ablutions einer ordentlichen Roßkur mit ebesolch ordentlichem Resultat unterzogen hatte. Smart, wirklich smart, so unser zweiter Urteilsspruch.
Wir begannen, unsere Heimstätte auszurichten und aufzubauen, und bevor wir uns unserem Mittagessen schmatztechnisch zuwendeten, mußte die Barzahl unserer Reifen auf eine Moremi-geeignete Zahl verringert werden. Vermutlich lag es an dieser, daß wir die Gravel Pad von Shorobe bis zu Kaziikini als äußerst nervig empfanden, denn von uns am Point of End of Tar Road nicht reduziert. Egal – einer bückte sich, um vier Reifen auf den notwenigen Wert einer für die nächsten Tage bequemen Tire Pressure zu bringen, der andere um bei Windstille Speck und Eier in die Pfanne zu schleudern.
Beide erreichten das Ende ihrer Aufgabe mit einem, mit Lode ausgezeichneten Ergebnis und so verspeisten wir die in unserem gußeisernen Brat- und Fritierbehältnis hergestellten Nahrungsmittel bei gleichzeitiger Zufriedenheit über die für die nächsten Tage in Ordnung gebrachten Wagenpneus. Den letzten Streifen Eigelbs mit billigem, unspektakulärem Toastbrot von den Tellern aufgesaugt und das letzte Fitzelchen an kross ausgebratenem Supermarktbauchspeck aufgepickt, hörten wir in nicht großer Ferne die Laute von grauen Dickhäutern. Die Gabel noch in den Mündern, sprangen wir aus unseren bequemen Campstühlen und sahen in nicht weiter Distanz eine Familie an Elefanten, die sich direkten Weges in Richtung unserer Campsite machte. Zack die Bohne hatten wir Geschirr & Konsorten im Inneren unserer Heimstätte verstaut und lugten nach den grauen Riesentieren. Die machten aber Gott sei Dank schnittig eine rechtwinklige Kurve, um somit unsere Nachbarcampsite anzusteuern. Dort angekommen öffnete eine der älteren Elefantendamen den dort befindlichen rudimentären Wasserhahn mittels Schulter und einigem Geschick und die ganze Elefantenschar vergnügte sich ausgiebig für 20 Minuten am dahinplätschernden Naß. Selbstverständlich sorgten die grauen Riesen nicht dafür, daß dem Wasseraustritt ein Stop verpasst wurde und so floß das kostbare Gute und ergoß sich in die sandige Erde. Dieser Zustand traf mich ins Herz und so machte ich mich von meinem Posten aus auf den Weg, dem Elend ein Ende zu bereiten. Doch hinter einem mittelgroßen Baum mit davor platzierten dichten Büschen tauchte vor meinem Gesicht einer der pubertären Elefanten der Familienbande auf und macht mir mit unmißverständlichen, non verbalen Zeichen klar, daß das Terrain für mich noch nicht freigegeben war. Ich ergab mich der grauen, jungenhaften Eminenz und versteckte mich hinter dem Buschwerk, das ich links vorfand. Nachdem auch dieser junge Koloss von danne schritt, eilte ich ruck zuck zum offenen Wasserhahn und drehte diesen gut ab. Zurück auf unserer Campsite wurde ich von meinem kleinen Italiener als Held gefeiert und zum Dank der Rettung von Wasserressourcen wurde mir eine gut gekühlte Flasche Bier aus unserem mobilen Kühlschrank überreicht. Als heutiger Retter des botswanischen Wasserhaushaltes schickte ich mich an, auch die zweite und letzte Flasche des uns zur Verfügung stehenden Gerstensaftes zu verköstigen. Diese hatte ich mir doch wirklich verdient.
Die Gurgel gespült und mit Wespen im Hintern wegen der Hitze, stattete ich unserem Duschkabuff ein Besuch ab. Ohh… welch ein Wohltat. In Windes Eile war meine Körpertemperatur von geschätzten 57 auf 35° C runtergekühlt.
Der restliche Nachmittag verlief unspektakulär, jetzt mal abgesehen von den vielen grauen Dickhäutern, die der Ansicht waren, im kurz hinter unserem Campplatz vorbeiziehen zu müssen.
In der offenen Besuchergaststätte der Campanlage nahmen wir noch kühle süße Erfrischungsgetränke zu uns, plauderten dort mit unserer Rezeptionistin über dies und das. Dabei brachten wir auch zur Sprache, daß wir im Zusammenhang mit unserer Campsitereservierung hier unter anderem auf etwas dubiose Buchungsmethoden gestoßen sind, die, unserer festen Überzeugung nach, dem wirtschaftlichen Wohlergehen der Kaziikini-Einrichtung nicht unbedingt Positives entgegenbringen, eher das Gegenteil. Sehr überhöhte Preise, die teilweise namibische Wald-und-Wiesen-Booking-Broker für eine Nacht auf Kaziikini aufriefen, tragen dazu bei, daß potentielle Übernachtungsgäste abgeschreckt werden. Denn wer wird mit Freuden den Geldbeutel zücken und bis zu sage und schreibe 1.080 NAD pro Person für eine simple Campsite auf den Tisch legen wollen, wenn Kaziikini selbst „nur“ 380 berichtigt am 11.07.2023 auf 350 BWP pro Nase verlangt? Wobei die 380350Pula schon wirklich mehr als ausreichend sind, um das Gebotene zu zahlen, so zumindest unsere Meinung. Jetzt wissen wir ja aber auch, daß sich die um die nationalen Wildgebiete befindlichen Unterkunftsstrukturen am Preisniveau der in den Nationalpark befindlichen Beherbergungsstätten orientieren und das ist, zwar nicht immer erfreulich, aber eben völlig normales Businessbehaviour. Aber das Doppelte für eine außerhalb des Moremis liegenden, schon vom eigenen Betreiber hochpreisig ausgeschriebene Campsite zu verlangen, daß ist schon starker Tobak und das Nachsehen haben dann Strukturen wie Kaziikini, denen vermeintliche Campgäste dann ob der Preise Dritter den Rücken zeigen. Der ganze leidige Zinnober liegt aber selbstverständlich auch an vielen Eigenbetreibern selbst, die noch immer im heutigen 2023 nicht in der Lage oder willens sind, sich in ordentlicher Art und Weise mittels eines Internetauftritts zu präsentieren, um dadurch für Transparenz und Bequemlichkeit auf Kundenseite beizutragen und im Gegenzug weitere eingehende Finanzmittel für sich zu generieren, um die Anlage in Schuß halten, Arbeitsplätze sichern und vielleicht sogar auch neue schaffen zu können.
Wieder zurück auf unserem Lagerplatz wurde etwas gelesen, ein paar Fotos geschossen und immer wieder mal unter die Dusche gehüpft.
Unser heutiges Feuer zündeten wir recht früh an, bereiteten unser Abendessen vor und genossen die langsam sinkende Lufttemperatur. Mit dem letzten Licht wurde auch der letzte Happen verdrückt, anschließend das Geschirr gesäubert, bevor wir uns letztmalig an diesem Tag, dieses Mal mit biologisch abbaubarem 2-in-1-Duschgel+Shampoo, unter die Dusche stellten und es uns dann in unserer Kajüte horizontal bequem machten. Die Geräusche aus dem afrikanischen Busch wogen uns rasch in den Schlaf und somit war auch dieser Tag vorüber.