Reisebericht

Dolce far niente – Tour 2023

von ALM · begonnen 23. Mai 2023 · 31 Teile

Teil 2106. Juli 2023
Tag 18

Roadtrip Kaziikini ---> Khwai North Gate Camp

Zwar wurden wir vom Vogelgezwitscher recht früh geweckt, doch wälzten wir uns ein um die andere viertel Stunde immer wieder auf unserer Luxusautokabinenmatratze, bevor wir uns dann aufrafften, einen Milchkaffee zu uns zu nehmen. Zur Sommerzeit liebe ich es, mir mein Gutenmorgengetränk schon am Vorabend in dem Teufelsmokkakännchen durchpressen zu lassen. In Afrika geht das in Windes Eile, denn da brauche ich das Bialetti-Aluminiumgerät nur auf die noch glühende Self-made-Kohle zu stellen und ruckzuck sprudelt die dunkelbraune, liquide Koffeinessenz durch das Edelstahlsiebchen. Der im Auffangbehältnis so ankommende Türkentrank wird dann von mir in den Kühlschrank gestellt und morgens mit ebenfalls gut gekühlter Vollmilch veredelt, also zu einem Quasiicedcoffee vollendet. Herrlich!!! Mein 6°C kaltes Wachmachgesöff in Händen, wurde das zweite Espressozubereitkännchen auf den Gaskocher gestellt, denn der Morgenmuffel der Reise wollte ja schließlich auch die Augen aufbekommen, aber mit eben mit einem heißen Käffchen.
Da wir bereits am Vorabend unseren ganzen Krimskrams schon im Inneren unseres Reisevehikels verstaut hatten, war vor unserer Abfahrt von Kaziikini nur noch der halbe Schlafzeltkasten, das Dachzelt und unsere Küchenzeilentür zu schließen. Klappen zu, Affe tot und um kurz nach sieben ging es auf die Piste. Für die nächsten zwei Nächte hatten wir uns auf dem Khwai North Gate Camp eingebucht, so daß auch der heutige Tag keine lange Fahrstrecke mit sich brachte.
Kaum von der Kaziikini-Zugangspad auf die Gravelroad zum South Gate des Moremis links abgebogen, wurden wir von den ersten Giraffen begrüßt; es sollten nicht die einzigen bleiben auf der kurzen Strecke, im Gegenteil. Es war, wie wenn sich die Langhälse an diesem Morgen zu einem Critical Mass-Event verabredet hätten, so viele bekamen wir vor die Iris. Ab und an mischten sich Zebrafamilien und Großverbände an Impalas dazwischen, wohingegen die Kudus, ebenfalls zwar zahlreich präsent, sich aber mit scheuen Blicken hinter Büschen und Baumdickicht tummelten.


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Wir näherten uns dem South Gate und plötzlich vernahm ich aus dem linken Augenwinkel im trockenen Gras ein beiges Etwas von nicht kleiner Körpermasse und ich presste ein aufforderntes Stopp mit fünf Ausrufezeichen aus meinem Hals. Das „Sofort den Rückwärtsgang einlegen und etwas zurückfahren“ kam dann in sanfterem Klang aus meiner Kehle. Meiner Anweisung wurde Folge geleistet und siehe da, eine Leolady schlenderte langsamen, doch sicheren Schrittes durchs Gelände. Leider verschwand sie viel zu schnell hinterm Buchwerk, so daß uns im Eifer des Gefechtes nur zwei unscharfe Fotos zuteilwurden. Aber machte nichts, wir freuten uns für uns und gemächlich ging es weiter zum Einchecken am South Gate.

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Dieses lag um diese frühe Uhrzeit unerwarteterweise komplett verlassen vor uns und wir hatten den Eindruck, als wenn hier in der letzten Nacht keine Menschenseele sein Zelt aufgeschlagen hätte. Im Büro unseren Beleg des DWNPs vorgelegt und ins Buch eingetragen, machten wir uns nach erfolgtem Aufsuchen des Ablutionblocks zum Pippigang auf unseren Weg zum Khwai North Gate. Hierbei mußten wir uns mit einer schmalen, hinter den letzten Campstellplätzen des South Gates in den Busch geschlagenen Pad zufriedengeben, denn die breite Cutline, die kurz bevor man das South Gate auf rechter Seite hätte einschlagen können, war genau an dieser Stelle unmißverständlich für den Verkehr geschlossen. So gurkten wir auf einem engen Band aus Sand und von Tracks4Africa ordentlich im Stich gelassen durch den Busch, stets in der Hoffnung, hier nicht mit einem der grauen großen Rüsseltiere ein zuvor unverabredetes, zufälliges Zusammentreffen zu haben. Dann wäre nämlich Polen für uns offen gewesen, denn ein sodann eventuell notwendig werdendes Manöver zum Zurücksetzen unsererseits hätte sich als eine nicht unbedeutende Herausforderung dargestellt; umso mehr, garniert man solch ein plötzliches Vorkommnis mit einem dann in die Höhe schnellenden Adrenalinspiegel. Deshalb tuckerten wir gemächlich und mit stets wachsamen Blicken nach rechts und links auf dem Pfad nach Norden, wobei Tracks4Africa nicht aufhören wollte, wie ein in Tilt stehender Flipperautomat Mucken zu machen und wir dann doch noch von einem rechts im Dickicht speisenden Dickhäuter ob unserer Ruhestörung kräftig antrompetend zurechtgewiesen wurden. Nach so einigen Kilometern endete unser enges Buschwegelchen endlich an der Cutlinepiste, daraufhin senkte T4A seinen Blutdruck und wir konnten nun eruieren, daß wir uns bereits auf quasi halber Strecke der Cutline South Gate-North Gate befanden. Den Rest dieser wie nix abgerutscht und schon standen wir am Gate vor dem Khwai River. Bei einem, in einem SKL-Kabuff linkerhand befindlichen Mitarbeiter gaben wir unsere Ankunft bekannt. Der junge Mann schickte uns sodann zur Campsitenummer 9 und wir schlugen die hierzu notwendige Richtung ein. Schon nach wenigen Metern hinter dem DWNP-Gate-Office verwandelte sich der Zugangsweg zu den einzelnen Campsites in zwei, manchmal drei oder vier tiefe Spurrillen, deren Geometrie an einen aus Stahlbeton konstruierten Rennrodelkanal in St. Moritz oder, weniger feudal, im sauerländischen Winterberg erinnerte. Die SKL-Betreiber des Khwai North Gate Campgrounds hatten wohl am Ende der Regenzeit keine Lust, die matschigen, durch das Befahren von schweren Fahrzeugen desaströs zugerichteten Zugangswege campsitenutzergerecht zu planieren. So wankten wir mit unserem Bushlapaautomobil von rechts nach linksunten und umgekehrt, immer auf der Hut, nicht mit irgendeinem Wagenteil auf dem zementharten, unebenen Untergrund aufzusetzen. Mit viel Geduld und noch mehr Flüchen kamen wir auf dem Lagerplatz Nr. 9 an, doch dieser, es war ja auch erst kurz vor zehn, zeigte sich uns jedoch noch als besetzt und so glitten wir daran vorbei zur Nummer 10, stiegen dort aus und scannten mit Feldstechern die sich dahinter anschließende offene Prärie ab um, anschließend zur Inspizierung des Ablutionsblockes vorzufahren. An diesem machten sich gerade zwei, mit Putzeimern und Wischfeudeln ausstaffierte Mitarbeiterinnen von SKL zu schaffen.

Wir beschlossen nun, einen kleinen Abstecher in den Khwai City Center Business District zu unternehmen und ließen die Okkupanten unserer heutigen Campsite in Ruhe ihre Siebensachen relaxt packen. Jetzt hatten wir in Maun ja ordentlich Nahrungsmittel aufgefüllt und hätten deshalb keinen Lebensmittelladen aufsuchen müssen. Doch wir hatten viel Zeit im Gepäck und bei mittäglichen, hohen Temperaturen die Pisten des Moremi abzufahren, brächte uns als alternative Urlaubszeitgestaltung keinen einzigen tierischen Blumentopf als Gewinn. So fuhren wir zuerst am Khwai Shopping Center vor, um den Vorortwarenhandel mit einem Kleineinkauf etwas anzukurbeln. Doch leider war das Einkaufstempelchen geschlossen.

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Na denn weiter, war unsere Devise und wir fuhren den Hauptboulevard Khwais entlang nordwärts. Schon von weitem erblickten wir vor extrem azurblauen Himmel das schmucke, mit einer riesengroßen Bougainville verzierte überdachtem Outdoorcafé mit angeschlossenem Ladengeschäft.

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Das zum Erwerb allerlei Dinge des täglichen und nicht täglichen Lebens, als Afro Ville bekannte Geschäftslokal stellte sich mit großen Lettern am Parkplatz als General Store & Quick Coffee Shop sowohl seiner Stammklientel als auch eventuellen neuen Kunden vor. Jetzt ist es ja bekannt, daß man Neukonsumenten am ehesten akquirieren kann, indem ein markanter Eyecatcher als Ass aus dem Ärmel gezogen wird. Der Hingucker mußte im vorliegenden Fall jedoch nicht aus dem langen Hohlteil eines Herrenoberbekleidungsstückes wie ein, vom Zauberer an seinem Nackenfell aus dem Hut zu zerrendes Kaninchen extrahiert werden. Nein, der Blickfangköder bestand einzig und alleine aus dem aus Südamerika stammenden dunkelrosafarben blühenden Dornengewächs, welches so prachtvoll und exzentrisch dem sonst so kargen Umgebungsambiente einen knalligen, kolorierten Akzent verpasste. Also nix wie abgeparkt, für jeden ein kaltes Erfrischungsgetränk oder einen gebrühten Kaffee kaufen und beides im Schatten unter des Außencafés Dach genießen, so unsere Intention. Einmal im Inneren des Ladengeschäftes erblickten wir außer vielen leeren Verkaufsregalen nur wenig Warensortiment wie Akopads-Stahlwollschwämme, hochgiftiges, die Umwelt ruinierendes Ungeziefervertigungsmittel, knatschiges Industriekastenweißbrot, ein paar Dosenpfirsiche, übergesüßte Getränke in kleinen Plastikflaschen und andere, uns unbekannte Kleinprodukte, welche vermutlich dem Alltag dieses Landesteils Botswanas zweckdienlich waren . Auf unsere Nachfrage, ob wir einen Kaffee und ein Kaltgetränk erwerben könnten, wurden wir lapidar darüber informiert, daß es weder Cold Drinks noch den am Parkplatz beworbenen Filtertrunk gäbe. Jetzt standen wir da wie die Kinder beim Dreck, trotteten von der Verkaufsfläche zu unserem Auto und fuhren zur Campsite zurück. Diese fanden wir nun in geräumtem Zustand vor und so bezogen wir sie mit Tisch und Campingstühlen, entnahmen aus unserem Kühlschrank einen kalten Trunk, um dann anschließend etwas gelangweilt zum Dombo Hide aufbrachen. Also doch noch ein kleiner Game Drive zur mittäglichen Unzeit. Unser Weg dorthin führte uns an keinem, wirklich keinem Tier vorbei; wie hätte es zu dieser Tageszeit auch anders sein können. Erst kurz vor dem Hide erblickten wir ein paar neugierige Zebras. Wir parkten uns vor dem Hochausguck ab und stiegen die morsche Treppe des ebenfalls maroden Hides hoch. Wie gut, daß wir frische, dicke Arztstempel für einen Tetanusschutz in unseren Impfausweisen verzeichnen konnten, denn die vielen rostigen Nägel, die die baufällige Holzstiege notdürftig zusammenhielten, lugten an allen Ecken und Enden freudig aus der Trittstufenetagere. Nach wackeligem Aufstieg einmal oben auf des überdachten Großhochsitzes Plattform angekommen, suchten wir, notfalls auch brüchiger, bröckeliger, abgehalfterten Natur, vergeblich nach einer Sitzgelegenheit. Da unser Besuch des Dombo Hides ein Debüt für uns darstellte, wir waren noch nie zuvor dort gewesen, hatten wir naiverweise gedacht, daß dem tierinteressierten Reisenden dort zumindest eine Sitzgelegenheit geboten würde. Aber Peifedeckel, wie der gemeine Südhesse ein „Denkste wohl“ hätte verbal ausgedrückt. Jetzt sind wir ja bekannt für unser Sitzfleisch und wir können uns wirklich lange, ob mit Animalbegegnungen oder ohne, in Hides verweilen; vorausgesetzt, man kann sich dort hinsetzen, denn Krampfadern braucht und will kein Mensch. In der Regel hocken wir dann wie in Stein gemeißelt, mit Feldstechern und Lesematerial ausgestattet, und harren der Dinge, die dann kommen oder eben nicht. Und wenn nicht, ist die verbrachte Zeit für uns nicht als vergeudet zu verbuchen, denn dann schmökern wir halt in unseren mitgebrachten Büchern. Aufgrund der fehelenden Sitzgelegenheit und der Tatsache, daß unsere Campingstühle ja zuvor von uns auf unserer Campsite zwischengelagert wurden, mußten wir es also nolens volens bei einem Kurzaufenthalt der Aussichtsplattform im Stehen belassen. Doch selbst wenn wir die Klappsitzgelegenheiten mit in unserem Auto gehabt hätten, wären wir nicht der Versuchung erlegen gewesen, diese die Wackeltreppe hochzutragen. Zu groß taxierten wir das Risiko, daß, mit Stuhl im Arm oder schiefhängend auf der Schulter bewaffnet, aufgrund dann unvorteilhafter Verteilung unseres Körpergewichtes die brüchige Stiege ins Wanken hätte geraten können, um dann schlußendlich in sich zusammenzubrechen. Die paar vor sich, im Wasser hindösenden Hippos grunzten ab und an und weil sich so gar kein weiteres Tierchen blicken ließ, beschloßen wir den Rückzug auf unsere Kampierfläche. Wir hangelten uns gerade die betagte Holzleiter herunter, als ein anderer Wagen vorfuhr. Aus diesem stiegen zwei Deutsche älteren Semesters und wir klönten einen Augenblick mit den beiden. Auf dem Rückweg zum Camp sahen wir dann doch noch einen solitäre grauen Dickhäuter sowie ein Zebragrüppchen; das war es.

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Um halb zwei auf unserem Herbergsplatz angekommen, naschten wir ein wenig Cheddar-Käse mit Dinkelkräckern und suchten via Internet in der Nähe ein Posten, der Mokoro-Touren anbot. Google brachte eine knappe Handvoll Vorschläge diesbezüglich zum Besten, wir machten Screenshots von Google-Maps und setzten uns in Bewegung zu dem am nächsten gelegenen, vorgeschlagenen Bootsausflugsanbieter. Unser Weg sollte uns wieder über die Khwai-Brücke und durch den Geschäftssteil Khwais führen, bevor wir hätten außerhalb des Örtchens nach der zweiten Flußqueerungsbrücke, aber noch vor der 90°-Kurve der Transitroad nach rechts abbiegen müssen. Leider konnten wir kein Wegelchen rechterhand erkennen und fuhren deshalb noch ein Stück weiter; doch auch dort kein Abzweig ostwärts. So steuerten wir die in Rot dargestellte Stelle unseres zweiten Smartphonedisplayschnappschußes an. Der Pfad sollte, jetzt von Norden auf der Durchgangsstraße kommenend, rechts vor der Brücke abgehen. An besagter Stelle fanden wir sogar ein großes Hinweisschild vor, folgten brav dem Weg und dann… verließen uns die Götter, weil keine weitere Wegesindikationen vorhanden. An einer Padgabelung in Mitten mittelhohen Grases entschieden wir uns für links, folgten der sandigen Kleinpiste und sahen dann einige baufällige Schuppen und einen abgetakelten Pick-up; es mußte in der Nähe der Xwabaxwa Campsite gewesen sein. Ich stieg also aus und lief ein paar Schritte nach unten, dorthin, wo ich aus der Ferne einige Person ausmachen konnte und traf auf ein Grüppchen an jungen Männern, die, begleitet mit Fanta- und Bierdosen, dabei beschäftigt waren, eine Partie Karten zu spielen. Auf meine Frage, ob hier irgendwo eine Mokoro-Tour angeboten würde, gestikulierten die offensichtlich mehr als gut angetrunkenen Kerle mit Armen, Händen und Köpfen und deuteten an, daß dort ziemlich weit drüben über dem Fluß solche Ausflugsfahrten stattfinden würden. Nun war die Beschreibung nicht mal gerade als halbpräzise zu deuten und so machten wir uns auf den Rückweg zum Camp, um aber vorher noch am Gate die gleiche Frage nach dem Bootstrip zu stellen. Vielleicht hätte man uns dort einen zuverlässigen Tipp geben können, so unsere Idee. Fast wieder an der zuvor genannten Wegegabelung angekommen, sahen wir einen dunkelroten Minijeep in Nicki-Lauda-forschem Tempo auf uns zukommen und drosselten sogleich unsere ohnehin schon Minimalgeschwindigkeit. Der kleine Flitzer war mit einem Sankt-Gallener-Kennzeichnen ausgestattet und durch seine und unsere Windschutzscheibe konnten wir einen jungen Beifahrer und eine Lenkerin der gleichen Altersklasse ausmachen. Die Eidgenossen hielten und auch wir stoppten den Wagen, als uns daraufhin die Helvetierin in Englisch mit schwyzerdütschem Akzent gespickt nach dem Weg zu einem Camp fragte. Ich antwortete in deutscher Sprache, daß wir bedauerlicherweise ihr da keine Information zu geben könnten. Mir wurde in Englisch gedankt und daraufhin schickte sich die Nordostschweizerin an, ihr Gefährt in grobschlächtiger Drehzahl wieder zum Rollen zu bringen. Dies gelang ihr sehr gut und schon war die zulassungstechnisch in einem alpinen Kanton registrierte Karre auch schon von der Bildfläche verschwunden. Abermals die Hauptstraße Khwais abdackelt und über die Khwai-Brücke im Schritttempo überfahren, begaben wir uns ins Gate-Büro, um nach der Mokoro-Tour-Möglichkeit nachzuhören. Der überaus charmante Chefranger dort bemühte daraufhin freundlicherweise sein Mobiltelefon. Doch noch während sein Smartphone dabei war, eine Telefonverbindung herzustellen, betraten zwei italienische Mittdreißiger das Gebäude, scherten sich nicht darum, daß der Chiefofficer das Telefon am Ohr hielt und demzufolge beschäftigt war und gaben ohne viel Einleitungsfloskeln ihr Anliegen zum Besten. Da der in khakifarbener Kleidung ausgestattete Ortspräsident des North Gates scheinbar nicht multitasking sein wollte oder einfach nur genervt war von dem brüsken Auftritt der zwei Mailänder… deren Provenienz hörten wir an ihrem sprachlichen Akzent heraus…, belohnte er die beiden mit Nichtbeachtung. Dieses Verhalten kreierte bei der jungen Dame des Paars sichtliche Irritationen, so daß sie sich gezwungen sah, dem DWNP-Verantwortlichen ihre Nachfrage nach einem organisierten Nachmittagsgamedrive abermals, dieses Mal jedoch mit im Crescendo befindlicher Lautstärke, an die Ohren zu werfen. Der arme Mann warf der Tussi, deren Outfit eher für einen gemeinsamen Abend mit Verdi in der Skala geeignet war, einen düstern Blick zu, den das lombardische Frauenzimmer so gar nicht goutierte. Die modisch überkandidelte Signorina wandte sich dann sogleich mit großer Empörung in der Stimme an ihren ebenfalls lombardischen Reisegefährten fragte diesen, ob er denn so etwas schon einmal erlebt hätte, sie ohne Anspreche im Raum stehen zu lassen. Kaum sich ausechauffiert, setzte das aufdringliche, unverschämte Mädel erneut an, dem jetzt mit einer zustande gekommenen Telefonverbindung ausgestatteten Nationalparksranger abermals ihre Angelegenheit kundzutun. In diesem Moment war für uns klar, daß wir dem armen DWNP-Herrn zur Hilfe eilen und die etruskische Krawallschachtel in den Senkel stellen mußten; auch in unserem eigenen Interesse. Denn wir hatten überhaupt keine Lust, unsere Zeit wegen einer impertinenten Vordrängelmasche zu verplempern. Unfreundlich stellten wir ihr in ihrer Muttersprache die rhetorische Frage, ob ihr denn nicht zufällig aufgefallen wäre, daß der gute Mann beschäftigt sei, und zwar mit unserem Anliegen. Uns erreichte ihr perplexer Blick, der uns aber nicht davon abhielt, sie mit der Aufforderung, einfach mal die Schnüß zu halten und sich in Geduld zu üben, in die Schranken zu weisen. Noch immer mit verstörter Mine und mit ihrem, zweifelsohne ebenso überrascht fassungslosen Mitreisenden im Rücken, fing sie stotternd an, sich in nicht ernstgemeinten Entschuldigungen zu drehen und zu wenden. Derweil wandte sich der noch immer am Telefon hängende, hilfsbereite Wildtierschutzgardist an uns und gab uns die Information, daß African Excursions für uns am nächsten Nachmittag einen Mokoro-Trip durchführen würde; Preis 600 BWP pro Nase. Wir erklärten uns damit einverstanden, bedankten uns vielmals bei dem Ranger, gingen wortlos an den beiden Norditalienern vorbei zu unserem Auto und begaben uns wieder auf den Rennrodelkanalweg zu unserer Campsite. Zuvor sahen wir, ich glaube es war auf der Nummer 3, die beiden Deutschen, die wir am späten Vormittag am Dombo Hide getroffen hatten. Jetzt waren sie zusammen mit zwei weiteren Deutschen, die vormittags eine Mokoro-Tour unternahmen. Wir hielten zu einem kurzen Plausch, bedankten uns dabei für den Hinweis betreffend eines „kleinen Hippopools“ benannten Gewässers kurz vor der zweiten Brücke, Während der netten Unterhaltung kam zum Vorschein, daß die anderen beiden vom Chiefofficer tags zuvor an African Excursions für die Wassertour verwiesen wurde. Sie waren sehr zufrieden mit dem am heutigen Vormittag durchgeführten Ausflug und wir waren froh, solch gute Botschaft vernehmen zu dürfen. Vielleicht würden ja auch wir die Mokoro-Tour am nächsten Tag über den grünen Klee loben, unsere Gedanken.

Auf unserem Lagerplatz angkommen übten wir uns in Lektüren vernaschen, bevor wir uns dann nochmals aufmachten, um dem "kleinen Hippopool" einen Lastnachmittagbesuch abzustatten. Dort tummelten sich so einige Dickerchen und wir amüsierten uns über deren Gezanke untereinander. Nach eingem guten Stündchen ging es wieder zurück zum Camp.

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Den Rest des Tages nutzten wir, wie immer. Es wurde Feuer entzündet, dabei ein Savanna gekippt, Abendessen vorbereitet und dazwischen immer einige Blätter unserer Bücher abgelesen und, bei Vorabendlicht ein paar Fotos von der Campsite und ihrer Umgebung geschossen. Heute wurden zwei Sirloin-Steaks auf das Grillgitter gedonnert und mit einem Zwiebelsalat begleitet. Diese Kombination stellte sich dann aber suboptimal dar, denn zu dem reichhaltigen, essigsauren Schalottengemisch hätte besser ein Odenwälder Rohmilchhandkäs gepasst. Aber egal, Zwiebeln sind gesund, weil voller Vitamine und Mineralstoffe und wer hätte denn die durch die Verdauung gebildeten Magengase in dieser Nacht unter die Nase bekommen sollen, außer wir selbst…


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Teil 2211. Juli 2023
Tag 19

Trotz ohne Wecker gestellt zu haben, wachten wir heute früh auf. Mit dem Sich-im-Bett-nochmals-um-die-eigene-Achse-Drehen klappte es an diesem Morgen nicht und so pellten wir uns aus den Laken schlafwandelten Richtung Kaffee und hofften, daß dieser unseren verknitterten Zustand glattbügelte. Unsere Hoffnung sollte eine Erwartung bleiben und so blieb uns nichts anderes übrig, als zum zweiten Koffeindolchstoß zu greifen. Der saß dann und nach getaner Morgentoilette überlegten wir, was wir heute so alles anstellen hätten können. Geplant und gebucht war ja ein Trip im Mokoro, doch die Tour sollte erst um 15.30 Uhr beginnen. Große Lust auf einen Abstecher nach Xakanaxa hatten wir keine und so beriefen wir ein Tag im Grünen ein. Ziel unseres Ausfluges: Der kleine Hippopool. Dort wollten wir uns verweilen und einfach nur geradeaus schauen.
Zunächst aber wollten wir die Pads hinter den Stellplätzen des Khwai North Gate Camps um die große Lichtung abklappern.
Von dort, so erfuhren tags zuvor, kam eine Rasselbande an Wildhunden direkt ins Camp getrappt. Gestern hatten wir rückseitig des Ablutionblocks auf dieser großen Wiese einen Waterbock im Schatten liegend ausmachen können; heute hingegen tummelten sich am Prärierand vereinzelte Kudu-Familien.
Nach dem Kaffeetassenspülgang und einem ausgiebigen Zähneputzen machten wir uns auf den Weg und gurkten zuerst über und durch unseren Olympiaeiskanal, bogen dann scharf links ab, um in die gewünschte Richtung zu gelangen. Eigentlich hätte man von der Campsite bequem auf diese Pad gelangen können, wären da nicht überall mächtige Baumstämme als Durchfahrtssperren gewesen. Wir vermuteten, daß diese die Kampierplatzgäste vor Fremddurchgangsverkehr bewahren sollten. Für einen Morning Drive war der große Uhrzeiger schon zwei Mal zu viel seine Runde gelaufen, deshalb brachen wir unseren Schlenker ab und fuhren zu unserem kleinen Flußpferdplanschbecken.
Wieder rackert wir über die Khwai-Brücke, fuhren wieder den Hauptboulevard Khwais ab und wieder war das Khwai Shopping Center für den Kundenverkehr geschlossen.
An unserem nicht fernen Ziel angekommen, platzierten wir unsere Campingstühle in den Schatten mit Blickrichtung Wasser und uns auf letztere. Neben zahlreichen Hippoverbänden machten wir wie tags zuvor wieder den Seeadler aus, der sich majestätisch auf einem abgestorbenen, hohen Baum von seinen Beutezügen ausruhte. An und an flog er in einen dichtbelaubten Nachbarbaum und verweilte eine Zeit lang dort. Leider konnten wir mit unseren Reisegenossen, den Brüdern Leica und Swarovski, seinen Horst wegen des dichten Blattwerkes ausmachen.

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Nach gut eineinhalb Stunden fuhren drei große Autos mit Schwung auf den kleinen Parkplatz hinter uns. Aus dem einen entstieg ein vollbärtiger Herr reifen Alters und wies die Insassen der anderen beiden Autos gestikulierend und mit forschem Ton an, sich ebenfalls aus ihren Kutschen zu schwingen. Die Stimmlage, mit der dies geschah, war bestimmend, wenig freundlich und noch weniger entgegenkommend und ließ keinen eventuellen Versuch, einen Kompromissvorschlag zu unterbreiten zu. Alle Adressierten verließen ihre Autos, wie befohlen. Nachdem sich auch die Gattin des betagten Gauteng-Hünen aus dem Fahrzeug gerollt hatte, mußte sich das Reisegrüppchen einer monotonen Oberstufenbiologieunterrichtsstunde gleichenden Unterweisung in die hiesige Fauna unterziehen. Dem Lehrer Lämpel in gar nichts nachstehend und stets den einen oder den anderen und manchmal auch alle beiden Zeigefinger gleichzeitig senkrecht in der Höhe haltend, wurde mit fester Stimme das Wissen der aus deutschen Landen angereisten Begleitschar angereichert. Schon stellten wir uns lebhaft vor, wie die Urlauber jeden Abend vom grau-weißgesichtsbehaarten Feldwebel vor dem Essen einer mündlichen Prüfung unterzogen wurden. Und wehe dem, der falsche Antworten gab oder aufgrund keiner paraten Replik zu stottern anfing; in dessen Haut hätten wir nicht stecken wollen. Nachdem der letzte Akt der der Lektion Biodiversität im Okavango-Becken abgehandelt war, verabschiedeten sich die Lehrlinge von ihrem Maestro und zischten mit durchdrehenden Reifen ab.
Da es Zeit war, ans Mittagessen zu denken, bemühten wir unseren Kühlschrank und den Gaskocher und fingen an, uns ein kleines Menü zu zaubern. Scheinbar hungerte es auch dem pensionierten Oberstudienrat aus Pretoria, denn seine mitgebrachte Göttergattin und er fingen ebenso das Zubereiten einer leichten Mahlzeit an. Kaum fertig damit, holten beide ihre Stühle aus dem Canopy und rammten diese gleich neben die unsrigen. Das war jetzt so, wie sich die Franzosen verhalten, die, und da kann man an einem kilometerlangen, einsamen Strand liegen, ihr Beachcamp stets so nah an seinem eigenen aufschlagen, daß man ohne viel Mühe den Geruch der Sonnenmilch, die sich die Baggage aufgetragen hat, herausriechen kann.
Da saßen sie nun wortlos nebeneinander, mumpelten ihr zubereitetes Sandwich und schlugen hartgekochte Eier auf den Campingstuhllehnen auf, wie sonst nur in einem deutschen ICE von München nach Köln-Deutz/Mess vorstellbar.
Mit strengem Blick nach vorn gerichtet, fing der stattliche Rentner auf einmal an, nach unserer Herkunft zu fragen. Freundlich gaben wir die entsprechende Antwort und schlagartig taute der Raureif auf seiner Seele und es entwickelte sich eine wirklich nette Unterhaltung, an der auch ab und an seine Angetraute, wenn auch wortmengenmäßig minimal, teilnahm. So erfuhren wir von seinen teutonischen Wurzeln und auch warum sein Schlitten kein weißer Hilux war, sondern ein mausgrauer Mitsubishi-Canopyjeep und was ihm an seiner südafrikanischen Heimat so gar nicht gefiel und warum beide sich in Botswana immer so wohlfühlen. Der sich zuvor als harter Brocken gebende Weißafrikaner war auf einen Schlag sanft wie ein Konfirmand.
Nun war es aber Zeit zum Aufbruch für die beiden, mit GP-Kennzeichen ausgestattetem Vehikel Fahrenden und mit gut eingeübten Handreichungen wurden Stühle und sonstiges Zeug in ihrem Wagen verstaut. Mit einem kräftigen Händedruck, mir tut heute noch die rechte Hand weh, verabschiedete sich der sanft gewordene harte Knochen. Seine Angetraute hingegen wünschte uns mit unterdrückter Stimme vermutlich nur Gutes … wir hatten ein wenig Probleme, das Frauchen akustisch wahrzunehmen, so grazil zerbrechlich war ihr Stimmchen… und schon schwangen sich die beiden in den kanalrattenfarbenen Wagen und düsten davon. Wir hingegen verweilten noch ein ganzes langes Weilchen und freuten uns jedes Mal, wenn wir den Seeadler seine Beutezugkreise fliegen sahen. Zwischendurch meinte ein gerade aus der Pubertät herausgewachsener Elefant, seine Waden im Naß abkühlen lassen zu müssen und die zwei, ja, denn wir definierten, daß es zwei Hipposippschaften sein mußten, übten sich in Verwandtschaftsstreitigkeiten. Ab und zu lungerte eine Vagabundentruppe an Pavianen hinter unserem Wagen und eruierte die Möglichkeit eines Raubzuges, doch sonst kam es zu keinen weiteren Vorkommnissen.

Gegen kurz vor halb vier nachmittags machten wir uns dann auf den kurzen Weg zu African Excursions, parkten uns ab und wurden dann auch recht rasch zu einem der unten am langsam daherfließenden Flüßchen bugsiert. Es traf noch ein Pärchen aus Norwegen ein, doch die Wikingerbraut mit ihrem stahlblauäugigen Wotan wurden, Gott sei Dank, auf ein separates Mokoro geschuppst und schon ging der Trip los. Die ölreichen Skandinavier fuhren nach rechts, wir nach links. Nach einer viertel Stunde stoppte unser Glasfaserboottaxist aburpt; nicht wegen der zwei grauen Riesendickhäuter vor uns, nein, wegen eines Minigrüppchens an Flußpferden die träge nur die Ohren aus dem Wasser blinzeln ließen. Unser Mokoro wurde dann gekonnt um 180° gedreht und weiter ging es. Wir hielten an, um seltene Frösche zu begutachten, die wir mit unseren Großstadtallerweltsaugen alleine gar nicht ausgemacht hätten. Es folgte ein Stop, um ein scheinbar frisch verliebtes Jesus-Bird-Pärchen seinen Weg laufen zulassen, bevor wir an dem, in einer Extrusionsanlage gefertigten Boot der Nordmänner vorbeiglitten. Diese prosteten uns mit angelaufenen Weißweinkelchen, hoch die Tassen, zu und schnabulierten dann weiter mit ihrem Gondoliere. Der unsrige war ehr in die Kategorie „Wortkarg bis überhaupt kein Laut äußernd“ einzugruppieren und so lag es also an uns, den jungen, adretten Herrn aus der Reserve zu locken. Dies gelang uns eigentlich recht gut, denn Ruderschlag um Ruderschlag quasselte er mehr. Nun erblickten wir aber einen patenten Elefanten, der sich genüßlich am saftigen Grün satt aß. Nach gefühlt sechshundertzweiunddreißig Fotos sagten wir dem dicken Zeitgenossen tschüs und begaben uns gleitend auf den Nachhauseweg. Bevor wir aber am Bootssteg ankamen, sahen wir noch zahlreiche Frösche, die wir gestern nicht erblickt hätten. Da hatte die Psychologie doch glatt recht, wenn sie zum Guten gab, daß Interesse die Wahrnehmung steuert.

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Nach gut eineinhalbstündiger Wasserfahrt kamen wir, zum gleichen Zeitpunkt wie die nordischen Trollländer, am Bootssteg an.
Rasch begaben wir uns zu unserem Auto und fuhren mehr als zufrieden über unseren Ausflug zurück zum Camp. Als wir die Khwai-Brücke überquerten, regte sich ein auf rechter Seite postierter Elefant etwas über unsere flegelhafte Absicht, das Holzponton passieren zu wollen, trompetend auf; nahm dann aber, das Geräusch unseres starken Motors in seinen großen Wackelohren angekommend, mit schnellen Beinen Reißaus. Wir hingegen kurvten wieder mal durch die knochenharte, ruppige, olympische Wintersportstätte zurück zu unserem Lagerplatz, freuten uns an einem kalten Erfrischungsgetränk und krossen Kesselchips über den heutigen Tag, bevor wir das Feuer anzündeten und uns in den Wettbewerb mit unseren Campsitenachbarn der Nummer 10, einem kanadischen Ehepaar mit vier Kindern, über das imposanteste Lagerfeuer auf der südlichen Hemisphäre stürzten. Zwischen Boereworst, zwei Scheiben Rinderfilet und wiederholten Blicken rüber zu den Montreal Champions bekannten wir uns zu unserer Niederlage und trotteten mit langen Gesichtern zum Duschvorgang. Ende des heutigen Tages.
Teil 2311. Juli 2023
Nachtrag

Bevor ich es vergesse… Eine Nacht auf der Campsite des Khwai North Gates hatte die Kleinigkeit von 100,00 Euro gekostet und war mitnichten dieses Geld wert. Außer einer zickigen, Tropfen auswerfenden Wasserzapfstelle in Betonminiaturausführung und in Knöchelhöhe über dem Campboden war nix vorhanden. Als Gratiszugabe gab es aber die unplanierten Zufahrtswege dazu; was will man mehr für diesen Preis?!?! Der Ablutionblock war jedoch sauber und in Schuß.
Teil 2412. Juli 2023
Tag 20

Am Anfang der Planung unserer diesjährigen Tour beabsichtigten wir, eigenltich vier Nächte auf Khwai North Gate zu verbringen. Doch dann hatten wir die blendende Idee, unseren Aufenthalt dort auf zwei Nächte zu verkürzen, um dafür eine Doppelnacht auf einer anderen Campsite in der Khwai-Region logieren zu können. Diese Idee wurde in die Realität umgesetzt und wir buchten uns auf der Mogotho Campsite des Khwai Development Trusts für besagten Zeitraum via E-Mail ein.
Dies vorausgeschickt versteht man nun, daß auch der heutige Tag nur wenige Fahrkilometer für uns mit sich brachte.
Gegen acht Uhr glitten wir mit unserem Schlitten über die Rumpelstahlbetonpad des Campgrounds und sagten Khwai North Gate arrivederci. Noch bevor wir über die Khwai-Brücke fuhren, revidierten wir diesen Abschiedsgruß in ein eventualmente Aufwiedersehen, denn die gebotene Leistung stand doch im krassen Gegensatz zu ihrem Preis. Dieses kleine ökonomische Geplänkel abgetan, zischten wir am bunten Shopping Center vorüber, welches auch heute mit closed, doch ohne sorry firmierte. Die Transit Road war recht rasch abgefahren, so daß wir um 9 Uhr schon am Check-In-Zelt des Mogotho Camps waren. Dort fanden wir reges Treiben vor. Müllsäcke wurden zugeschnürt und Reinemachekolonnen für die Aufsuchung der Ablutionblocks eingeteilt. Unsere Zeche für die zwei gebuchten Nächte hatten wir ja bereits in Maun im Office des Khwai Development Trusts beglichen und so zeigten wir lediglich unseren diesbezüglichen Reservierungswisch vor. Dieser indizierte die Campsite Nummer 2, zu der wir von einem Mitarbeiter geführt wurden. Der gute Mann sprang auf seinen 4-Rad-Bock und gab diesem die Sporen. Über Stock und Stein und querfeldein folgten wir dem vor uns Fahrenden aus dem Formel-1-Ferrari-Team und erreichten unseren Lagerplatz. Dort warf der Rennfahrer das von uns zuvor an dem Reception Tent erworbene Feuerholz, eigentlich waren es halbe Akazienstämme, vom Pick-Up und düste sich aus dem Staub.

Die Campsite war sehr groß, mit mit zahlreichen Bäumen bestück und bot so manches individuelle Stellplatzeckchen. Doch während meiner Logis-Inspektion konnte ich den vielen, plattgefahrenen Elefantendung in Augenschein nehmen. Mein diesbezüglicher Blick reichte kompaßtechnisch gesprochen von Nordwest nach Südost des Stellplatzes. Überall zuhauf diese, schon etwas älteren Ex-Haufen. Ich entschied daher, daß wir den Wagen in einem Zipfel der Südwestecke unseres Herbergplatzes abstellen sollten. Dies getan, liefen wir über den weiträumigen Platz und packten mit Maurerlederhandschuhen ausgestattet den enormen Hügel an Feuerholz, um es in unsere Schlaf- und Aufenthaltsnische zu verfrachten.
Auch diese Arbeit, unter Schweiß zwar, doch erfolgreich verrichtet, beschlossen wir einen kleinen Schlenker entlang des Flußes Khwai zu unternehmen. So fuhren wir durch die offene, mit einigen Bäumen durchsetzte Prärie bis zu einem Hippopool. Dort machten wir kurz Halt, bis uns der Hunger zu sich rief und fuhren die vielleicht zwei Kilometer wieder zurück zur Campsite.

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Bevor wir uns ans Anrichten einer leichten Mahlzeit machten, liefen wir zuerst zum nahen Ablutionblock und duschten uns unsere salzige Schwitzhaut ab. Kaum zurück am Wagen und bereit zu Kochtaten zu schreiten, schritt jedoch eine graue große Eminenz mit forschem Tritt in der Hüfte direkt auf unser Kampiergelände zu. Wir also fluchs unsere Mahlzeitzutaten wieder im Wagen verstaut, sämtliche Öffnungen desselbigen geschlossen und uns hinter dem Vehikel versteckt. Das Riesentier ließ sich nicht ablenken und steuerte zunächst drei Bäume an der Ostflanke unserer Campsite an, brachte diese mit seinen breiten Max-Schmeling-Schultern etwas ins Wanken, um dann, einen Bogen um uns machend, sich gen Ablutionblock und Fluß zu verziehen.
Wir hingegen umrundeten quasi unser Auto Hüpfer um Hüpfer, sozusagen im Gleichschritt mit dem Dickhäuter, stets bemüht, nicht in sein Blickfeld zu geraten.

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Wir standen nach 180° Umrundung unserer Kutsche und noch in gebückter Haltung und ganz still, als wir ihn auf Höhe des Toiletten-Duschhäuschens ausmachten, atmeten tief durch und intentioniert, nun endlich was in die Pfanne zu hausen,
Nach einer halben Dreivierteltaktwalzerdrehung durften jedoch feststellen, daß der nächste graue Zeitgenosse auf unseren Stellplatz zukam. Unsere Uhr ließ einen zeitlichen Abstand zwischen erstem und zweitem Elefanten von exakt vier Minuten erkennen.

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Wir also wieder halb um unsere Kutsche herumgeschlichen, wartend, daß das zweite Großohr sich ebenfalls von unserem Acker machte. Ab und zu lugten wir zu unserer Sicherheit hinter uns, denn dort war ja der erste Gigant verschwunden. Irgendwie kam es uns vor, als würden wir auf einem schwarz-weißen Spielbrett stehen und jedes Mal rief einer „Schach“.
Der zweite Elefantenbursche hielt sich nicht lange mit Bäumeschütteln auf und glitt mit elegantem Schritt an uns vorbei.
Jetzt mußte es aber schnell gehen, so unsere Devise. In Windes Eile hatten wir das Zeugs in der Gußeisenpfanne, ebenso rasch auf unseren Tellern und noch schneller in unseren Mägen. Die nett aufgeschnittene Frühlingszwiebel hätten wir uns als grünes Schmuckwerk unserer Speck-und-Eiermaße sparen können, denn der kolorierte Akzent unseres Mahles wurde von uns ob der prekären Situation so gar nicht gewürdigt.

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Da sich das Großwild von unserem Terrain verzogen hatte, liefen wir mit flinken Beinen schnell zum Ablutionblock, der an seiner Außenseite eine Möglichkeit zum Geschirrwaschen bot. Unser Tischleindeckdichmaterial und den schweren Topf wieder sauber ging es zurück zum Auto, wo wir den ganzen Krempel verstauten und dann anschließend mit diesem wieder den Fluß entlang zum Flußpferdplanschbecken fuhren; dort wollten wir ein Weilchen zubringen. Aber angekommen mußten wir feststellen, daß wir im Eifer des Gefechtes unsere Stühle auf dem Nischenplatz unserer Campsite vergessen hatten. Also kein, mit Feldstechern und Fotokamera ausgerüstet, Sich-auf-die-Pirsch-Setzen.

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Nach etwa einer Stunde rumpelten wir deshalb wieder zu unseren Stellplatz zurück, denn den Fluß weiter hoch- oder das wenig weitläufige Gelände um die Mogotho-Campanlage abzufahren verspürten wir keine.
Schon von Weitem sahen wir das nächste große, graue Tier quer über unsere Campsite spazieren und so drehten wir noch zwei kleine Runden, bevor wir auf unserem heutigen Zuhause angekommen konnten. Dort begannen wir, es uns gemütlich einzurichten und Vorbereitungsmaßnahmen für das abendliche Grillabenteuer zu organisieren. Die minimalen Klein- und Notwendigkeiten abgehandelt, widmeten wir uns der Lektüre, wobei wir eine 360°-„Um“sicht und große „Weit“blicke an den Tag legten. Denn wir hatten es irgendwie im Urin, daß ungewünschte, bei uns unangemeldete Besuche jederzeit hätte anstehen können.

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Beim Abscannen des Terrains sahen wir auch den weißen FIAT-Wohnmobilbus, den wir am Vormittag schon direkt hinter unserem Ablutionblock und dann direkt an der Uferkante des Khwai-Flüßchens geparkt sahen und der dort jetzt noch immer verweilte. Er gehörte zu einem Franzosen-Paar, welches zur gleichen Zeit wie wir am Hygieneholzhäuschen den Mittagstischabwasch erledigte. Die Parkposition des weißen Mobilheims erachteten wir nicht gerade als optimal, stand das Ding doch genau in der Elefanteneinlaufschneise, aber diesbezüglich hat ja jeder so seine eigene Blickweise.

Nachdem die Sonne hinter uns, dem Franzosenvan und dem Khwai untergehen zu gedachte, starteten wir mit unseren Abendessenspräparationen. Einen Großteil unseres Feuerholzerwerbes wuchteten wir in die vorhandene Grillsandgrube, zündeten das Brenngut mit ordentlich Zündern an, deckten unseren Tisch mit unserer grünen, mittlerweile gut mit Flecken übersäten Baumwolltischdecke und wuschen die pflanzlichen Zutaten unseres Beilagensalates. Letztere kaum auf der Klappe unserer Außenbordküchenzeile zurechtgelegt, sahen wir den nächsten Großohrriesen, der sich auf unseren Stellplatz zubewegte.

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Wieder alle vegetarischen Nahrungsmittel in Sicherheit gebracht, beschlossen wir, dieses Mal standhaft zu bleiben und auf unseren Campstühlen zu verweilen. Unser giftgrünes Tischtuch wehte sanft im Wind, als der große Brocken am ersten Baum unserer Campsite ankam und sich an diesem seinen breiten Buckel schrubbte. Anschließend machte er sich zum nächsten Laubgehölz und schüttelte dieses mit seiner Stirn. Es knackte und krachte und die Früchte des Baumes, welcher Art auch immer diese waren, keine Ahnung, fielen zu Boden und wurden mit der langen Nase wie von einem Rowentastaubsauger eingesogen sowie anschließend von dort ins Maul verfrachtet. Nach einer Weile zog der Riese weiter über unseren Platz zum nächsten Baum, inspizierte diesen zunächst genau, stäubte sich mit etwas Sand den Kopf ein, bevor er seinen Rüssel gekonnt um dessen dicken Stamm schlang und dann wieder mit seiner Gesichtsfront und unter Einsatz seines tonnenschweren Eigengewichtes das Ganze kräftig schüttelte, wobei er seine Hinterbeine massiv in den Boden stampfte. Man sah ganz deutlich, daß das Mammuttier die notwendige Krafteinwirkung auf den jetzt größeren, mächtigeren Baum bei seiner zuvor erfolgten Taxierung des notwendig werdenden Körpereinsatzes perfekt einschätzte und deshalb diesen mit wuchtigen Stößen bearbeitet. Jetzt knackte und krachte es nicht nur, auch fiel nicht nur die Frucht in Massen, sondern ebenso der eine oder andere dicke Ast von oben herab. Zwischen zu Boden liegenden Zweiglein, Ästen und jeder Menge Laub wurde das abgefallene Essbare aufgesaugt und zwischendurch wieder und immer wieder der arme Baum aufs Neue malträtiert, so daß wir schon Angst hatten, daß er unter dieser Anwendung rohester Gewalt in den nächsten Minuten kapitulieren und ebenfalls zu Boden gehen würde. Scheinbar hatte das violente Rüsseltier genug genascht, denn es machte sich nun auf den Weg zum Khwai-River.

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Wir atmeten zunächst auf, bevor wir aber dann unsere gegenseitigen Befürchtungen, der graue Riese könnte Hand an das Wohnmobilchen der beiden Gallier anlegen, denn dieses lag wirklich genau auf seiner Wegstrecke, rege austauschten. So lugten wir hinter unser Auto, sahen das breite Hinterteil des Grauen und davor winzig klein die beiden Eigentümer der mobilen Franzosenheimstatt. Von irgendwoher schallte es: Go, go, go. Zweifelsohne konnten wir nicht die Adressaten dieser Aufforderung gewesen sein, doch der Monsieur und seine Madame dachten wohl ebenso, denn sie blieben neben ihrer weißen Kutsche wie angewurzelt stehen. Es folgte wieder ein Go, go, go. Doch die beiden rührten sich nicht, obwohl der Elefantenkoloss sich direkt auf sie zubewegte. Es war nix zu machen, auch nach der dritten, von weit her kommenden Aufforderung, den Acker zu räumen, verzogen sich die beiden Franzmänner nicht. Scheinbar durch die Schreie abgelenkt, drehte der Elefant von seinem Weg ab und machte einen Bogen um die beiden sowie um ihr Auto und verschwand im hohen Gras. Daß die Stelle, auf der sich die Franzosen abgeparkt hatten, eine Campsite hätte sein können, schlossen wir aus, denn die Nummer 1 und auch die 3 lagen komplett woanders, und daß eine Interimscampstelle direkt auf einer Piste liegend ausgewiesen hätte sein können ebenso. Nach unserem Dafürhalten waren das simple Wildcamper.

Jetzt mußten wir das Philosophieren darüber Philosophieren sein lassen und uns sputen, das Fleisch auf den Grill zu hauen, denn die Dunkelheit brach langsam über uns herein. Vor dem Wenden des Grillgutes hörten wir schon das erste Gelächter hungriger Hyänen und so rückten wir mit unserem grün eingedeckten Tisch und den Stühlen näher zum Wagen.

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Aufgrund der Vorkommnisse und dem damit einhergegangenem Zeitverlust verzichteten wir auf das Zubereiten eines aufwendigen Salates und so mußten uns die Steaks mit simplen, grob runtergeschittenen Tomatenvierteln und selbstgemachter Knoblauchvinaigrette, alles garniert mit drei, vier Spritzer Tabasco, als Beilage ausreichen.

Das hämische Hyänengelächter kam immer näher und so räumten wir, noch die letzten Fleischbissen kauend in den Mündern, unseren Krimskrams zusammen und fuhren die wenigen Meter durch den offenen Busch zum Ablutionholzblock.
Auf der kurzen Fahrt wurde geknobelt, wer zuerst duschen durfte, während der andere dann in dieser Zeit den Abwasch erledigen mußte. Als Sieger des Händespiels ging meine Wenigkeit hervor und ich bugsierte mich, mit Bioduschgel, Kernseife und Leinenhandtuch ausgerüstet, in den einen der beiden Holzduschverschläge des Ablutiongebäudes.

Vor diesem stand nun bereits auch der weiße Franzosenkastenwagen und la Madame vertrieb sich die Zeit mit dem Spülen von Geschirr. Gerade hatte ich die Tür zu meiner Outdoorduschkabine geöffnet, um dort hineinzuschlüpfen, als aus der nebenanliegenden le Monsieur marschierte. Ich nutzte die Gelegenheit, um den Guten die rein rhetorisch zu definierende Frage zu stellen, ob sie nicht zufällig festgestellt hätten, daß sich der von ihnen ausgewählte Fahrzeugabstellplatz direkt auf dem Zugangspfad der hiesig ansäßigen Elefantenkolonie zum Khwaifluß befände. Der noch mit tropfnassem, schütteren Haarenschopf ausgestattete Herr entgegnete nonchalant mit einem kurzen No. Vielleicht litt der westeuropäische Tourist, genauso wie seine Gattin, an Wahrnehmungseinschränkungen, so mein erster Gedanke, deshalb klärte ich ihn darüber auf, daß sie sich seit unserer Ankunft an diesem Vormittag mitten auf einer Piste abgeparkt hätten und daß genau an dieser Stelle die grauen Dickhäuter seit vermutlich Jahrhunderten ihren Weg zum Fluß auserkoren hatten. Ich wurde daraufhin mit einem lapidaren „Und?“ beschieden. Mein folgender Hinweis, daß es sich bei ihrem ausgesuchten Stellplatz nicht um eine offizielle Campsite hätte handeln können, bekam ich als Antwort ein „Doch, die Nummer 1“ zu hören. Jetzt schlug es aber Dreizehn. Der Kerl log mir doch glatt mitten ins Gesicht. Auf meine Erwiderung, daß dies nicht sein könnte, weil Nummer 1 von zwei Autos belegt war, ließ mich der gallische Hahn trotzig und herablassend wissen, daß es sich bei ihnen um die „alte“ Nummer 1 handeln würde. Was hier alt war, das wußten wir selbst bestens und dementsprechend taugte auch diese zweite Lüge nicht, um weder Klarheit noch Einsichtigkeit an den Tag…ach nein, es war ja schon dunkel… in die Nacht…zu bringen.
Das Scharmützel gipfelte dann in des Herren verbale Attacke: Toujours ces italiens de merde. Jetzt war ich aber baff, was wohlweißlich selten vorkommt, und klärte den anmaßenden Mistkerl auf, daß, si c'est une merde, alors s'il vous plaît une merde allemande, par souci d'exactitude - merci beaucoup und daß, apropos Korrektheit, sich am nächsten Morgen mit Gewißheit würde exactement verifizieren lassen, was es mit der sogenannten alten Campsite Nummer 1 auf sich hätte.
Voller Zorn knallte ich die Holztür meiner ebenso hölzernen Duschkabine zu und kühlte mich unter strammem Wasserstrahl runter. Mein mit doppelter Staatsangehörigkeit ausgestatteter Reisebegleiter sowie die Abwaschmamselle des der Lügen überführten, mit blauweißrotem Trikolorereispaß ausstaffierten Streithahns wohnten der verbalen Querele wortlos bei.
Der Franzosenquertreiber befahl seiner Angetrauten daraufhin, ihr Zeug sofort im Wagen zu verstauen. Diese tat, wie ihr befohlen, und schon zogen sie sich auf ihren, keine hundert Meter entfernten angestammten Posten zurück.

Das mit dem Abkühlen mittels Wassers wollte so recht nicht klappen und dementsprechend endete ein schon uns genug in Wallung versetzter Tag auch noch mit böser Mine im Gesicht.
Währenddessen wir uns so auf unserer Matratze rollten, hörten wir immer öfter das krächzende Lachen der krummbuckeligen Aasvertilger und ich dachte mir, na die sollten doch jetzt mal kommen, denen würde ich aber, so auf Krawall gebürstet wie ich war, die Ohren langziehen.
Mit dunklen Gedanken verabschiedete ich mich vom heutigen Tag und fiel in ebenso düstere Vergeltungsträume.
Teil 2513. Juli 2023
Tag 21

Unverhofft kommt oft

Der Verlauf des gestrigen Tages präsentierte sich uns ja nicht gerade von einer brillanten Seite, sondern ehr matt und angelaufen, wie ein altes Erbsilberbesteck einer berühmten Bremer Silberschmiede, das man zwar schätzt, die mit sich bringenden Zwänge, wie das laufende Putzen mit milchiger Reinigungscreme, jedoch verabscheut. Der heutige Tag konnte also nur besser werden.

Wir wachten ohne Wecker gestellt zu haben sehr früh auf und krabbelten aus unserer Karre. Einen Kaffee hatte ich mir am Vorabend aufgrund der Ereignisse vergessen vorzubereiten und so mußte ich mit einem warmen Koffeinmilchtrunk Vorlieb nehmen; ok, es gibt Schlimmeres.

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Als wir so unsere Tassen in den Händen hielten, die Morgendämmung und ihre Geräusche genossen, beschlossen wir kurzerhand, nicht noch die zweite Nacht hier verbringen zu wollen. Zu kleinräumig war uns das Gelände zum Game Driven, too much Elefantenaufkommen auf unserer Campsite und dementsprechend auch keine garantierte Ruhe und Gelassenheit und dann wurde als stichhaltigstes Argument auch noch die Tatsache in den Ring geworfen, daß wir von Mogotho in einem Aufwasch bis zu Kalahari Bush Break hätten am nächsten Tag abrutschen müssen. Diese Gemengelage an unwiderlegbaren Fakten brachte uns zur Einsicht, die gezahlten 700 Pula für die zweite Nacht in den Wind zu schlagen, unser Zelt auf Mogotho vorzeitig abzubrechen und westwärts zu tingeln.

Als Stopp-Over-Nacht nahmen wir El-Fari oder irgendein Campground in Ghanzi ins Visier. So packten wir unsere wenigen außerhalb des Fahrzeuges befindliche Sachen, verstauten diese gemeinsam mit unserem Müll in letzteres und brachen auf.
Unseren Rubbish noch schnell am Main-Tent Mogothos in einem der großen Käfige entsorgt, trafen wir auf einen der Bediensteten des Camps. Selbstredend fragten wir diesen nach der alten Campsite Number One, doch damit wußte der Gute so gar nichts anzufangen, zählte die einzelnen Campsites numerisch auf und deutet jedes Mal mit Arm und Hand in die Richtung, in der diese geographisch gelegen waren. Anschließend rief er andere seiner in der Nähe befindlichen Kollegen zu uns und fragte diese nach besagtem Stellplatz old 1. Alle schüttelten kräftig die Köpfe und es bedurfte keiner weiteren mündlichen Aussage zur Klärung der Angelegenheit. Es gab schlicht keine alte Campsite Nummer 1. Wußten wir es doch.
Dies wird auch der Grund gewesen sein, warum wir heute Morgen in aller Herrgottsfrühe die weiße Franzosenkarre nicht mehr sahen. Vermutlich hat sich die Baggage zechprellend bei Nacht und Nebel aus dem Staub gemacht.

Die Bedienstetenschar schickte uns dann zu einer Stelle, an der sich ein Leopard an diesem Morgen aufhielt. Wir bedankten uns für diesen Hinweis und fuhren in Richtung der genannten Location. Zu unserem Bedauern sahen wir dort weder die gepunktete Großkatze noch irgendwelche anderen Fahrzeuge; lediglich ein paar Zebras und Impalas hüpften durchs Gras. Dann ging es über sandige Pisten das Trust-Gelände hoch zur Gravel Road, die uns nach Maun bringen sollte.

Noch immer schwirrten mir die Franzosen mit dem 68er-Autokennzeichen durch den Kopf und ich meinte salopp scherzend, daß man zur Strafe derer das Elsaß und, damit es Schule macht gleich auch noch Lothringen mit dazu, unter fremdes Protektorat stellen sollte. Sogleich wurde mir dann aber von meinem Italiener mit dem Doppelpaß mitgeteilt, daß, Gerechtigkeit und Fairness sollten ja sein, bei flegelhaftem Auftritt deutscher Touristen im Ausland doch dann bitteschön auch das Saarland und Vorpommern unter die Fittiche anderer gestellt werden müßten. Dem stimmte ich jedoch nur unter dem Vorbehalt zu, daß bei ungebührlichem Benehmen seitens italienischer Reisenden in fremden Ländern dann aber ohne viel Federlesen in Südtirol die Fahne ausgetauscht werden müßte. Nach Meinung meines Etruskers könnte das so behandelt werden, fügte aber noch hinzu, daß Italien Südtirol eh nicht verdient hätte. Wir lachten über unser reaktionäres Geopolitikgeplänkel herzhaft und hißten in Phantasterie, damit die Strafmaßnahmen auch erkennbar wären, nicht nur neue Flaggen, sondern ließen in unserer frühmorgendlichen Konversation sogar alte Schlagbäume wieder zum Leben erwecken. Fertig gelacht über unseren Unsinn, ließen wir diesen durch die offenen Autofensterscheiben raus und gleichzeitig den aufgewirbelten Staub des vor uns zuckelnden Eselkarrens rein in unser Fahrzeug. Der weiße Puder war die Strafe für unseren witzelnden Ideenausflug in eine rückwärtsgewandte, gestrige Zeit, die Gott sei Dank vorüber war und auch nicht mehr kommen möge.
Auf unserer Road to Maun wurden wir immer wieder zu unserer Freude von großen Giraffenfamilienverbänden abgelenkt und so brauchten wir knappe drei Stunden, bis wir in Maun einrollten.

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Unser kurzfristig einberufener Reiseplanwechsel brachte auch, und darüber waren mehr als erfreut, die Möglichkeit, bei Hilary aufzutauchen, was wir auch liebend gerne als unsere erste Tat in Maun umsetzten. In ihrem kleinen Lokal ließen wir unsere Gaumen verzücken und führten mit der weit über die Grenzen des Okavangobeckens hinaus bekannten Restaurantbetreiberin einen ausgiebigen Plausch, wobei wir, wie immer mit Hilary, lokale und überlokale Gossip-Themen selbstverständlich nicht unter Gebühr berücksichtigten.
Während eines Ganges zu einem Kleinen Geschäft auf der mehr oder weniger im Hinterhof der Gaststätte befindlichen Toilette, warfen wir einen Blick ins Headquarter von Botswana Footprints. Die dort drei Beschäftigten waren, mit gelangweilten Gesichtern ausgestattet und sich im Chillmodus befindend, mehr mit Instagram und Whatapp als mit den Buchungsanfragen und Reservierungsabwicklungen der Kundschaft beschäftigt. Deshalb konnten wir uns lebhaft ausmalen, warum der Service der Reiseagentur im Vergleich zur Anfangszeit seines Geschäftsbetriebes in den letzten Jahren von flott und zeitnah auf lahm, langsamer und biblisch-epochal-schleppend abdriftete. Vermutlich litt Botswana Footprints ebenfalls an Fachkräftemangel, denn unsere letzten Erfahrungen mit der Bookingagentur mußten von uns leider in der Kategorie „Grottenschlecht“ verbucht werden; unsere Anfragen wurden in der kürzeren Vergangenheit nie aufmerksam und noch weniger sinnentnehmend gelesen und fanden dementsprechend mit Buchungsvorschlägen Beantwortung, die bei uns nur kräftiges Kopfschütteln generierten. Ach ja, früher war alles eben besser, auch bei Botswana Footprints.

Mit gut gefüllten Mägen machten wir uns auf zu Rileys Garage, um unseren Bock aufzutanken und um uns danach auf die monotone Strecke Richtung Ghanzi zu machen.


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Auch auf der Countryside ist man cool
Unterwegs entschieden wir uns dann für eine Campsite auf der Palm Afrique Lodge, doch bevor wir dort aufschlugen, tankten wir in Ghanzi nochmal nach und zogen uns Pula aus dem Geldautomaten. Dies war nötig, denn wenn wir in Botswana sind, nehmen wir immer Pula in cash mit nach Hause, damit wir beim nächsten Mal die ersten Gebühren, wie zum Beispiel die BURS-Fee begleichen, können, sollte sich, wie dieses Mal geschehn, das POS-Maschinchen im Streik befinden. Ruckzuck waren die Erledigungen erledigt und wir bretterten die breite, sandige Piste zu Palm Afrique. Unsere Ankunft hatten wir auf unserer Fahrt telefonisch avisiert und uns wurde bestätigt, daß noch plenty of space auf dem Campground für uns wäre. So checkten wir ein, beglichen die 420 BWP Campkosten und suchten uns ein schnuckeliges Plätzchen. Der Campground war bei unserer Ankunft zunächst wenig belegt, und auch später gesellten sich nur noch wenige neue Übernachtungsgäste hinzu.

Nachdem wir unseren Wagen abend- und schlafgerecht aufgebaut hatten, unterhielten wir uns mit einem netten holländischen Ehepaar, welches die 70iger schon erreicht hatte. Die beiden, mit einem Tick Hippie-Attitüde ausgestattet, waren was weiß ich wie viele Wochen im südlichen Afrika unterwegs und so hatten wir viel Gesprächsstoff. Später lernten wir noch einen adretten Winzer vom Kap mit weiblichem Anhang kennen, der, wie sich im Laufe des Geplauders herausstellte, stolzer Eigentümer eines kleinen Häuschens in den piemontesischen Langhe war.

Wir steckten dann unsere restlichen Akazienstämme von Mogotho in Brand; dabei wurden wir vom stattlichen Weinbauern mit dem kurzen grauen Vollbart unterstützt. Eigentlich benötigten wir keine diesbezügliche Hilfe, doch der Rebenzüchter wollte uns unbedingt seine neueste Errungenschaft vorstellen: einen Gummischlauch mit Edelstahlaufsatz. Das Teil schloss er dann an eine handelsübliche Campinggasflasche an, drehte den Verschluß auf, zückte ein Feuerzeug und entfachte das austretende Gas zu einer langen, schmalen Stichflamme, die er dann unter unser Gehölz hielt. In Windes Eile brannten die Akazienstämme wie Zunder und wir guckten, wie als wenn wir auf einem fernen Planeten fremdaussehende Kreaturen gegenübergestanden hätten. Das Ding war klasse und wir fragten uns, warum wir solch ein Zubehörteil noch nie entdeckt hatten. Man lernt ja nie aus und immer noch etwas dazu. Sorgsam trugen wir es umgehend in unsere Liste mit dem etwas sperrigen Namen „Für-Afrikareisen-notwendig-durchzuführende-Kleinanschaffungen“.

Nachdem die mächtigen Holzscheite endlich runtergebrannt waren, legten wir unser restliches botswanisches Grillgut auf den Rost, nippten an einem gut gekühlten Weißwein und transformierten die restlichen Avocados in ein cremiges Etwas, welches mit viel Knoblauch auf Geschmack gepeppt wurde.
Dieser Abend, einer der wenigen, an dem wir bis in die Puppen uns draußen aufhalten konnten, wurde von uns genossen und wir suchten die Dusche erst dann auf, als alle anderen Camper diese schon sauber verlassen hatten.
Zufrieden mit unserer Entscheidung, vorzeitig Mogotho verlassen zu haben, kullerten wir in den Schlaf.
Teil 2617. Juli 2023
Tag 22

Schreibutensilienmangel und seine Konsequenzen

Dadurch, daß wir am Vortag ordentlich Strecke machten, würde sich die Zeit, die heute sitzend im Auto verbracht werden mußte, im Rahmen halten. Dementsprechend ließen wir den Tag nach dem Aufstehen langsam angehen, verquatschten uns mit den Althippieniederländern und fuhren erst gegen kurz vor elf durch das Tor der Palm Afrique Lodge.

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So kam es dann auch, daß wir uns in sengender Mittagshitze am Grenzübergang Mamuno den demarkationslinienadministrativen Maßnahmen zu unterziehen hatten.
Der botswanische Teil aller Vorgänge lief gewohnt reibungslos und ohne großen Zeitverlust ab; die aus dem Staatssäckel Gaborones besoldeten Beamten verrichteten Ihren Job allesamt mit freundlicher Professionalität.
Jetzt ging es auf die namibische Seite rüber und das Drama begann zunächst mit einer Art mobilen Posten zur Vorfeststellung und Preregistrierung der Fahrzeugdaten. Die hiermit beauftragte Dame saß vor der Version eines heruntergewirtschafteten Miliärgroßzeltes, an dessen Ecken und Enden der Wind schon kräftig genagt hatte, und hinter einem Tisch, dessen vier Beine unterschiedliche Längen aufwies und deshalb von einem auf das andere Bein hin und her wackelte. Das händische Eintragen der Autodaten mußte in das auf dem tanzenden Tisch ausgelegten verschmierte Buch erfolgen und wäre schon hierbei zu einem unschönen Unterfangen entglitten, bei dem nämlich alles in einem Rumgekritzel geendet hätte. Ja, Konjungtiv hätte, wäre da nämlich nicht die Tatsache von nicht vorhandenen Stiften auf Seiten der Kfz-Datenerhebungsvorpostenstellenbediensteten gewesen. Keine Ursache, Madam. Wir trabten also zu unserem Wagen zurück in der Absicht, einen Kugelschreiber zu holen. Jetzt hatten wir derer insgesamt vier Stück mit auf die Reise genommen, doch nach langem Suchen fanden wir weder den einen noch den vierten und die dazwischen schon gar nicht. Kein Stift also – naja, ein bißchen Schwund ist immer. Wir trotteten sodann zurück zur Lady, die derweil mit einem sambischen LKW-Fahrer wegen des nicht zur Verfügung stehenden Schreibmaterials im Clinch lag. Die beiden keiften sich aufs Derbste an; vermutlich in unterschiedlichen Sprachen. Deshalb gelang ihnen auch nicht, ihre Konversation mit Verständnis füreinander und Benimm zu führen. Als wir wieder bei der Beamtin vorstellig wurden, drehte sich der Sambier auf seinen Absätzen und brüllte etwas in den Hitzehimmel, und wir setzten die Frau über unsere kleine Unpässlichkeit bezüglich unseres Stiftproblems in Kenntnis. Zu unserem Leidwesen hatte die Gute so gar keine Idee, was zu tun wäre, denn sie zuckte nur mit den Schultern und warf dem aufgebrachten Lenker des hinter dem Sambesi-Fluß zugelassenen Trucks ein paar unsanfte Ausdrücke an den Kopf. In der Zwischenzeit gesellten sich unter anderem zwei junge, tätowierte Spanier, die wir zuvor im botswanischen Grenzhäuschen sahen, zu uns und mit Ihnen andere Führer von Fahrzeugen mit gelbem Namibiakennzeichen. Wir drehten uns um und gaben das offensichtliche, nicht negierbare Stiftproblem zum Besten. Weder die beiden Endzwanzigiberer verfügten über einen Kugelschreiber in ihrem unmittelbaren Besitz, noch das Ehepaar oder der Kleintransporterfahrer, die mit senfgelbem Nummernschildern ihre abgehalfterten Fahrzeuge geschmückt sahen. Aus dritter, vierter Reihe rief es dann, daß man ein Schreibgerät in der Handtasche hätte und dieses wurde dann bis zu uns vorgereicht. Die zur Vorerhebung verdammte Staatsdienerin verzog keine Miene und schickte sich auch nicht an, das Tischbeinproblem überhaupt wahrzunehmen. So kritzelten wir, so gut oder schlecht es ging, die von Amts wegen geforderten Fahrzeugdetails auf das staubige, mit Eselsohren verunzierte Blatt Papier und reichten dankend den billigen, vermutlich chinesischer Produktion entstammenden Kugelschreiber nach hinten. Jetzt in den Wagen und ein Stück vorgefahren, dann waren wir am offiziellen namibischen Grenzposten Buitepos.
Weil wir in dessen Einreisebürotrakt keine Einreiseformulare vorfanden, erfragten wir diese bei der Dame hinter dem Schalter mit gleichzeitiger Bitte um Überlassung eines Stiftes. Wortlos schob die Tussi mit langen Krallen zwei, gut abgezählte Stücke von diesem Wisch circa achtzehn Zentimeter vor Richtung unserer Wenigkeit und machte mit Ihrem Kopf einen Wink rüber zum Tresen, auf dem hätten eigentlich die Einreisezettel liegen sollen. Wir guckten erst uns und dann die Tussi an, um anschließend nochmals den Tresen zu inspizieren. Vielleicht hatten wir zuvor zwar die dort nichtvorhanden Formulare erblickt, doch uns gegebenenfalls betreffend des vorgehaltenen Schreibgerätematerials verguckt. Aber nein, da waren weder ein Kuli noch zwei dieser Sorte. Dort baumelten lediglich zwei Kordelstücke vom Tresen, an denen vor ganz vielen Jahren, vermutlich zu der Zeit, zu der es an diesem Ort noch gar keinen Grenzübergang gab, Stifte angebunden waren. Wir klärten die scheinbar spracheingeschränkte Grenzerin über diese Tatscahe auf. Diese gab uns aber als Replik, jetzt verbal, zurück, daß sie über keinen Griffel verfüge, den sie uns hötte überlassen können.
Nun traten wieder die jungen Katalanen ins Spiel und wurden von uns stehenden Fußes über das sich wiederholende Problemchen informiert. Die junge Madrilenin schickte sich dann sichtlich genervt an, der Grenztussi zu verklickern, daß sie den Stift, der vor ihr lag und den wir zuvor nicht gesehen hatten, umgehend der einreisewilligen Kundschaft auszuhändigen hätte. Nur mit großer Verzögerung und mehr als widerwillig überlies die Buntbekrallte ihr Schreibwerkzeug der Spanierin, welche daraufhin dieses an uns übergab. Wir füllten so unsere Formulare aus, als der sambische Schwerlastwagenfahrer mit einem Stapel Papieren in der einen Hand den stickigen Raum betrat, flammte den Haufen Papiere auf den Schalter und rief einer Frau zu, die auf der anderen Seite ihren Dienst schob, also auf der Seite, die für die Kundschaft bereitgehalten wurde, die beabsichtigte, Namibia zu verlassen. Da die angesprochene Dame sich offensichtlich nicht angesprochen fühlte und deshalb nicht reagierte, wiederholte der Brummifahrer sein Anliegen; dieses Mal aber mit vernehmbarem Ärger in Stimm- und Tonlage. Dabei tippelte er mit den Fingern zunächst auf des Schalters Tresen, um dann anzufangen, seine zehn Finger als Trommelstäbe zu benutzen, so daß das ganze Teil leicht zu vibrieren anfing. Derweil hatten wir unsere beiden Einreisescheine ausgefüllt, diese der Tussi zurückgeschoben und den Stift den Spaniern zum Ausfüllen ihrer Zettel überreicht. Diese Reihenfolge der Abläufe erwies sich jedoch als nicht zielführend für uns, um eine Einreise nach Namibia zu erreichen, denn das Grenzweib verblieb so ohne notwendiges Schreibutensil. Und ohne Werkzeug zum Eintragen von was weiß ich auch immer, gäbe es auch keinen Stempel in Reisepässe, so ihr schlagendes Argument. Jetzt war der Spanier aber gerade dabei, seinen Einreisewisch gewissenhaft auszufüllen und demzufolge war der Stift besetzt. Das interessierte die Fingernagelfetischistin aber nicht die Bohne und raunzte den armen Kerl an, ihr umgehend den Kugelschreiber auszuhändigen. Der junge, bizeps- und wandennadelstich bunt gefärbte Mann, etwas eingeschüchtert ob des rüden Tonfalls, war folgsam und reichte das Ding an sie weiter. Jetzt stand also unserer erneuten Einreise nach Namibia nichts mehr im Wege, vorausgesetzt es würde sich kein Mangel an Stempelfarbe manifestieren. Dieser erwies sich nicht und somit hatten wir Glück und unsere staatsangehörigkeitsausweisende Reisedokumente ihren notwendigen Einreisestempel.
Schon rutschen wir, am immer noch mit den Fingern trommelnden Sambier, vorbei zur fahrzeugadministrativen Zollanmeldung. Scheinbar hatte die dort verantwortliche Amtsfrau das nebenan sich abspielende Schreibgerätemangeldrama mitbekommen und Sorge dafür getragen, nicht gleiches Trauerspiel auch in ihrem Department aufkommen zu lassen. Denn als wir bei ihr vorstellig wurden, lag bereits ein Kugelschreiber zum Dateneintragungsakt parat. Abermals brachten wir die bereits an der mobilen Kfz-Datenvorerhebungsstelle hinterlegten Informationen über unsere Kutsche zur Eintragung. Nach dieser Erledigung marschierten wir am Sambier, den noch mit ihren zu erringenden Einreisestempeln beschäftigten Hauptstadtspaniern und den mittlerweile aufgelaufenen weiteren fünf einreisewilligen Personen vorbei in das nächste Bürokabuff, welches grenzabwicklungstechnisch zwar die letzte Hürde zum Betreten Namibias darstellte, sich einem jedoch, von Botswana ankommend, als erstes Officeräumchen des unzweifelhaft unschmucken Gebäudes präsentierte. In dieser, einem Zimmerchen ähnlichen Amtsstube hatte eine korpulente Angestellte das Sagen. Vor uns wurden gerade die Modalitäten eines anderen einreisenden Herrn abgewickelt und nachdem auf dem Bildschirm des Computers der Amtstubenherrin der Hinweis zum Ausdrucken eines Dokumentes aufploppte, haute die Gute in die Tasten und der Printer spuckte unter Krächzen ein grünlich farbiges Dokument aus.
Wir sahen von Weitem, obwohl dies jetzt aufgrund der kleindimensionierten Büroraumabmessungen mehr als übertrieben ausgedrückt ist, daß es sich bei dem Wisch um die Zettelart handelte, die wir vor Tagen in Divundu der dort örtlichen Verkehrskontrollautorität nur in kopierter Form vorlegen konnten. Schon freuten wir uns über eine bevorstehende superrasche Abhandlung des letzten Verwaltungsaktes in unserem Fall, denn das notwendige Papier hatten wir ja bereits, wenn auch nur als Farbkopie, in unserer Tasche. Als wir dann endlich an der Reihe waren durften wir aber feststellen, diese Rechnung ohne die Amtswirtin der Road Fund Administration gemacht zu haben. Denn jene machte uns kurz und bündig darauf aufmerksam, daß unsere Cross Border Charge-Bescheinigung, trotz sich noch im Haltbarkeitszeitraum befindlich, wegen unserer Ausreise aus Namibia automatisch erloschen war und wir nun für schlappe 337 namibische Dollar ein neues CBC-Permit für unser, nicht in Namibia zugelassenes Fahrzeuges erwerben mußten. Wir waren zwar sprachlos, weil unwissend, weil unseren grünen Kopieschein nur überflogen und nicht ausführlich gelesen, doch gleichzeitig heilfroh, als uns die Bürooberin einen Vordruck inklusive Stift zum Ausfüllen reichte. Froh also, daß dieses Amtskabuff nicht an einem Schreibgerätemangel litt. Rasch hatten wir den Schrieb mit den geforderten Daten, die die gleichen waren, die wir bereits schon kurze Zeit vorher zwei Mal zum Besten auf Papier gaben, ausgefüllt, diesen samt des Kugelschreibers an die Permitverantwortliche rückübergeben und den anschließenden Zahlakt mit Erfolg durchgeführt. Mit einem taufrischen, moosgrünen Dokument belohnt, verließen wir den Amtsschimmel, schwangen uns in unsere Kutsche und auf unseren restlichen Weg zu Kalahari Bush Breaks.

Dort kamen wir dann kurz nach halb drei nachmittags an. Da wir die Campsite dort schon gezahlt hatten, brauchten wir dem Pförtner lediglich unsere Reservierungsbestätigung vorlegen und uns dann ein Plätzchen aussuchen.
Unsere Wahl fiel auf den Stellplatz genau vis-à-vis des Wasserloches und dort richteten wir es uns gemütlich ein.
Wie sich später herausstellte, sollten wir die einzigen Campinggäste am heutigen Tag bleiben.
Unter dem Schatten des einzigen Baumes unseres Kampierplatzes sitzend, gönnten wir uns erst einmal ein pinkfarbenes Tonic Water, löffelten einen Joghurt, der zuvor unbeanstandet unseren Gang durch verschiedene Grenzkontrollinstitutionen überlebte und sinnierten nochmals über den grünen Wisch. Dabei stellten wir fest, daß es bei unserem Divundu-grünen-Zettel-Problem nicht um die Versicherung ging, wie von uns angenommen, sondern um das Cross Border Charge Permit als Geldeinsammelmittel, um den namibischen Straßenbau und dessen Unterhaltung von ausländischen Straßennutzern mitzufinanzieren. Aber es war uns komplett schnuppe, was der Hintergrund des moosgrünen Scheins war, ob BURS, CBCP oder, oder. Irgendwas ist ja immer zu bezahlen, wenn mit ausländischen Fahrzeugen in fremde Länder einreist. Und da es sich bei diesen Notwendigkeiten eher um finanzielle Nichtigkeiten handelt, lassen wir diesen immer auch nur wenig Aufmerksamkeit zuteilwerden.

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Jetzt wollten wir aber mal zur Kalahari Bush Breaks Lodge fahren, um uns dort umzuschauen. Der kurze Weg von ca. 2 km führte uns durch nettes Kalahari-Ambiente. Dort angekommen, fanden wir die Gebäude verlassen vor. Trotz unserer Rufe antwortete uns lediglich der Wind mit einem sanften Zischen. So spazierten wir über die Anlage durch den Garten, als wir einen Wagen bremsen hörten. Zurück zu unserem geparkten Auto stand zwischen dem unsrigen und ihrigen die Eigentümerin des Etablissements, von der wir erfuhren, daß die Lodge in diesen Tagen ohne Gäste blieb und deshalb auch die Angestellten nicht immer anwesend wären. Auch der Campground war außer uns nicht anderweitig gebucht. Wir ließen uns zwei Chalets zeigen und überreichten anschließend unsere Komplimente für die adrette, sehr gepflegte Anlage und die nett eingerichteten Chalets. Anläßlich der halben Stunde Unterhaltung wurden wir auch über die aktuellen Spottpreise für Gnus, die Anzahl an auf der Anlage lebenden Giraffen sowie die große Elandherde in Kenntnis gesetzt, welche sich abends am Wasserloch vor unserer Campsite gerne den Durst stillen würden.
Auf unserer Rückfahrt lief uns eine Schar an niedlichen Waterbocks über den Weg; einige hielten an und wurden so zu Fotomotiven, die wir selbstredend gerne ablichteten.

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Nachdem wir ein Weilchen schon wieder auf unserem Lagerplatz verweilten, hörten wir zuerst und sahen dann eine kleine Gruppe bestehend aus vier jungen Männern aus Richtung Lodge kommen; dies war scheinbar ein Teil der Lodge-Staff, die sich auf Samstagsabendtour begab und der sich vorhin bei unserer Ankunft an der Lodge vermutlich mundtot stellte oder einfach nur maulfaul war. Der älteste des Grüppchens grüßte uns lautstark und schon waren sie auch schon am Pförtnerhäuschen angekommen, um mit dem dort diensthabenden Ein- und Auslasser eine beseelte Diskussion zu führen, so zumindest nahmen wir aufgrund der wild gestikulierenden Personen an.

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Wir machten eine Chipstüte und Feierabendegetränke auf und lasen ein wenig in der untergehenden Sonne und schossen unspektakuläre Fotos.

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Danach ging es ans Zubereiten der abendlichen Speise und ans Feuermachen. So gegen 18 Uhr zog sich der Himmel hinter uns zu; irgendwo noch in Botswana könnte durchaus ein Gewitter runtergehen, so unsere Einschätzung. Die schwere Wolkenmasse kam näher und wir begannen, unseren Tisch, den wir auf das mit länglichen Bordsteinen eingefriedete, leicht erhobene und mit Kieselsteinchen ausgelegtes, vor der Feuerstelle befindliche Plätzchen aufzubauen. Da tauchte die Lodgemitarbeitergruppe wieder auf, dieses Mal mit einer jungen Frau im Schlepptau. Der, der uns zuvor laut gegrüßt hatte, hatte sichtlich mehr als drei im Tee und wankte mächtig, kam mit unsicheren Knien zu uns gelatscht und fragte laut lallend, ob wir auch noch ein Savanna für ihn hätten. Da wir aus der Tasche der mitgebrachten jungen Lady Flaschen mit eindeutig alkoholischen Getränken ausmachen konnten, beschieden wir den hackedichten Kerl mit einem ausgeprägten Nein, wobei wir aber nachschoben, daß wir mit Chips aushelfen hätten können. Unser Angebot wurde vom Trunkenbold nicht realisiert, doch das, die Schnaps- oder was weiß ich für Flaschen unter seinen Fittichen haltendes Frauenzimmer reagierte zackig mit zustimmenden Worten. So holten wir drei Chipstüten aus unserem Wagen und überreichten diese in Frauenhände.
Wir dachten, wenn die Clique sich schon Hochprozentigem hingibt, dann mögen ihre Mägen aber zumindest etwas ausgepolstert sein. Den berauschten Gruppenrädelsführer in ihrer Mitte eingeschlossen, verabschiedeten sich die Jungspunde und das Mädel vielmals dankend und zogen Richtung Lodge.
Derweil war das Feuer soweit runtergebrannt, daß wir noch weitere Scheite auflegten und uns unserem vegetarischen Abendessen widmeten.
Noch ein paar wenige Brocken auf unseren Tellern, vernahm ich ein leichtes Rascheln unter unserem Campingtisch. Um dessen Ursache festzustellen, drehte ich meinen Oberkörper inklusive Kopf leicht nach rechtsvorn und lugte unter den Tisch. Da krabbelte doch tatsächlich ein, vom himmlischen Schöpfer mit grauer Hartschalenhaut ausgestattetes, großes Skorpion über den Kies. Jetzt flogen aber unsere Beine fluchs in die Höhe und mit unserem Kochlöffel komplementierten wir das Tier sanft aus unserem Fußbereich. Nach kurzem Flug im Sand gelandet, machte das graue Ding keine Anstalten, irgendwo das Weite zu suchen und krabbelte erneut auf unser Kiespodest zu. Erst bei unserem dritten Anlauf und unter Einsatz unseres Spatens auf ordentliche Distanz gehalten, platzierten wir das Stachelmonster in ausreichendem Abstand zu uns.
Während unseres Geschirrabwasches machte uns dann die Elandherde ihre Aufwartung. Es ist immer wieder interessant für uns zu sehen, wie scheu sich diese große Antilopenart verhält.
Mit sorgsamen Blicken immer wieder den Boden nach dem, vielleicht unseres vorzeitigen Ablebens bringenden Skorpions abscannend, lasen wir an unseren Lektüren mit wenig dementsprechend Aufmerksamkeit weiter.
Die dicken Wolken hatten sich entweder aufgelöst oder eine andere Richtung eingeschlagen, denn es blieb trocken an diesem Abend, zelebrierten wir noch den obligatorischen Vor-zu-Bett-gehenden-Duschgang, verzogen uns anschließend in unser Bett und gedachten dort nochmals gebührend den heutigen Grenzformalitätsvorgängen. Den Sinn der Fahrzeugdatenvorerhebungsstelle konnten wir wirklich nicht ausmachen und waren uns einig darüber, daß die ganze Autodatenprefeststellungszettelwirtschaft vermutlich umgehend am nächsten Kalendertag in den Flammen eines lichterloh brennenden Ölfasses archiviert werden würde.
Ab und an erreichten uns noch die Geräusche, der auf dem nahen Asphaltband durch die Nacht bretternden Fahrzeuge, bevor wir in den Schlaf sanken.
Teil 2718. Juli 2023
Tag 23

Auch der vorletzte Tag unserer diesjährigen Afrika-Tour stand im Zeichen der Erholung und Entspannung. Gegen sieben Uhr entstiegen wir aus unserem Schlafgemach, becherten langsamen Gemütes den ersten Kaffee und stellten dabei fest, daß wir die auf dem Transkalahari-Bitumenband nachts vorbeirollenden Fahrzeuge akustisch nicht vernommen hatten. Entweder gab es kein Verkehrsaufkommen oder wir waren einfach nur knallmüde gewesen. Egal.

Währenddessen wir unsere Karre wieder abfahrbereit trimmten, sprudelte unser zweiter Morgentrunk durch die Mokkasiebkännchen, anschließend in unsere Tassen und brachte uns in den gewünschten Wachzustand, um die letzten Kilometer nach Windhoek zu fahren.

Ursprünglich hatten wir geplant, unsere letzte Nacht in einer naturnahen Location zu verbringen, die nicht weiter als ca. eine Stunde von der Bushlore-Basis in Windhoek entfernt zu liegen hatte. Auf Nachfrage hier im Forum bezüglich einer entsprechenden Unterkunft erreichten uns so einige diesbezügliche Tipps. Schlußendlich hatten wir uns dann für Düsternbrook entschieden, doch diese unsere Entscheidung stand nach einem Hinweis eines Forumsmitgliedes hier auf brüchigen Beinen. Und so entschieden wir, uns die letzte Nacht wieder auf dem Urban Camp einzuquartieren. Die notwendige Buchung war rasch über das Smartphone erledigt und schon befanden wir uns auf unserem Weg.
Die vor uns liegende Strecke war anfangs sehr unspektakulär, entwickelt sich dann, je weiter wir nach Windhoek vorrückten, als landschaftlich ziemlich nett.
Am internationalen Flughafen vorbei war es dann nur noch eine Dreiviertelstunde und wir füllten unseren Wagen um die Ecke des Urban Camps auf, checkten dann in diesem ein und bewegten uns zu dem uns zugewiesenen Stellplatz Nr. 9.
Dieser sagte uns nicht ganz so zu, sodaß wir an der Reception nachfragten, ob wir uns auf die leere Nummer 10 stellen dürften. Durften wir und so räumten wir unsere Campingstühle aus dem Fahrzeug und platzierten diese dort. Es war ungefähr so, wie die Badetouristen, die die Liegen der hoteleigenen Strände in Mittelmeeranrainerstaaten mit ihren bunten Badetüchern noch vor dem offiziellen Startschuß zum Frühstücksbuffet verzieren und somit zum Ausdruck bringen, daß die Sonnenpritschen bereits okkupiert sind. Ob dieser Mallorca-Attitüde schmunzelten und feixten wir lebhaft; dann ging es ab in den Superspar der Maerua Mall, um zwei Angelegenheiten zu erledigen.

Die erste war der Erwerb von Grillgut und den Zutaten zu einem kleinen Beilagensalat für den heutigen Abend. Die zweite die, den roten Handeinkaufskorb wieder dem Superspar zurück zu übereignen. Dieser schlich sich nämlich am Tag unseres ersten Großeinkaufes dort zu Beginn unseres Roadtrips auf wundersame Weise in unser mobiles Reisefahrzeug und war zurück zu seinen Superspareinkaufskörbchenbrüdern zu bringen.
Zugegebenermaßen… Der rote, blinde Passagier erwies sich als sehr praktisch auf unserer Reise, diente er doch als Sammelbehältnis für Zwiebel, Kartoffeln, Knoblauch und Tomaten.
Dies soll jetzt aber die Forumsleserschaft hier nicht dazu animieren, mit Vorsatz die roten Einkaufskörbe aus den Supermärkten zu entwenden; auch nicht zeitlich befristet.

Nach erfolgtem Mikroeinkauf und offiziellem Rückgabeakt unseres erdbeerroten Kunststoffreisebegleiters rutschten wir abermals über die Robert-Mugabe-Avenue zurück zum Urban Camp. Dabei überlegten wir, ob wir uns nicht dazu hergeben sollten, beim Stadtparlarment Windhoek eine Petition einzureichen, um die Umbenennung dieser Straße zu fordern.
Denn dieser liederliche Diktatorhaderlump hatte es nun wirklich nicht verdient, daß weder Straßen noch auch nur der kleinste Viehweg namentlich mit solch einer verabscheuungswürdigen Wenigkeit geschmückt würden.
Aus welchem driftigem Grund diese große Straße Windhoeks zu ihrer bedauerlichen Bezeichnung gelangt war, das hätte uns schon sehr interessiert.

Zurück am Urban Camp parkten wir auf unserer Nummer 10, marschierten zum Swimming Pool und relaxten den Nachmittag über dort im Schatten.

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Früh am Abend zogen wir uns auf unseren Stellplatz zurück, brachten zunächst unsere Kutsche auf einen ordentlichen Fahrzeugrückgabezustand, zelebrierten im Anschluß unsere Feierabendgenußzeit und brachten gleichzeitig hierbei Feuer unter die Hintern unserer letzten Holzscheite.
Das schmackhafte half rare, half medium gebrutzelte Rinderfilet wurde anschließend während eines heranziehenden Gewitters in vier Scheiben geschnitten und, brüderlich aufgeteilt, mit vegetarischem Krimskrams verzehrt.
Mittlerweile regnete es sehr heftig, als auch der letzten Flasche eines leckeren, schweren Roten vom Kap der Hals umgedreht wurde. Was jetzt nicht heißen soll, die Weinflasche hätte einen Schraubverschluß gehabt. Nein. So etwas kam und kommt uns nicht ins Haus. Denn wir empfinden es als schlicht pietätslos, mittels einer metallenen Verschraubung edle Rebentropfen im Inneren ihres gläsernen Aufbewahrungsbehältnisses in Schach zu halten.

Kleiner Exkurs: Nach Durchsicht unserer diesjährigen Fotos mußten wir jedoch mit Schrecken feststellen, daß bei einem unserer Einkäufe offensichtlich eine Rotweinflasche mit Gewindeverschlußmechanismus fälschlicherweise den Weg in unseren Einkaufswagen gefunden hatte. Dies würde uns nicht mehr passieren, so unsere Sentenz, und wir waren sogar versucht, das Foto aus Scham zu löschen, trotz daß dieser Rebentrunk durchaus gemundet hatte.

Die dicken, Regen ausspuckenden, dunklen Wolken verzogen sich nur zaghaft und mit Widerwillen, um einer zweiten, kleineren Gewitterfront Platz zu machen.
Mittlerweile, trotz unter unserem großen Nummer-10-Holzschattendach sitzend, von durch den starken Wind in alle Richtungen getragenen Regentropfen naß geworden, schickten wir uns ohne viel Lust zu haben an, den Abwasch zu erledigen, schwangen uns dann unter die Dusche und anschließend in die Federn, wo wir das letzte Mal unserer diesjährigen Campreise in den Schlaf katapultiert wurden.
Teil 2819. Juli 2023
Tag 24

Alles hat ein Ende, aber nicht nur die Wurst hat zwei, sondern auch eine Reise

Als die Vögel anfingen ihr morgendliches Gezwitscher auf einen akustischen Höhepunkt zu bringen, hielt uns nichts mehr unter der Decke und wir pellten uns aus dieser. Der Himmel war wieder blau und es roch angenehm nach feuchter Erde.
Mit Kaffeetassen unter den Nasen observierten wir die hinter des Urban Camps Grundstückszaun wuselnden Kleintiere, deren Gattung wir aber aufgrund unserer noch morgendlich kleinen Augen nicht definieren konnten.
Obwohl am Vorabend unser Reisegepäck auf rückflugkonforme Bestückung gebracht, sortierten wir während des zweiten Milchkaffees nochmals sowohl unsere Siebensachen in unserer großen, giftgrünen Reisetasche als auch die Gegenstände in unserer beider Handgepäcksstücke um.
Und so kam es zu dem Moment, den ich schon vor unserer Abreise nach Windhoek als vermutlich passierendes Event im Urin spürte und welches auch dieses Mal Wirklichkeit werden sollte.
Unsere schmutzige Wäsche, wie immer, während des Reiseverlaufes sorgsam in von Deutschland mitgebrachten gelben Mülltüten untergebracht, sollte nach Erachtens meines Reisepartners ordentlich zusammengelegt und somit Platz sparend Eintritt in unser schillernd grünes Gepäcktransportbehältnis erhalten. Kurzerhand wurden der Inhalt der, mit verschwitzten T-Shirts, staubigen kurzen Hosen, gebrauchten Unterwäschestücken und Co. gut gefüllten, eigentlich zur Hausunratsentsorgung vorgesehenen gelben Plastiksäcke auf den großen Holztisch unserer 10er-Campsite gekippt und waren dann akribisch zusammen zu falten. Mit sichtbarem Widerwillen machte ich mich an dieses unilateral einberufene, meiner Meinung nach, völlig überflüssige Werk. Schon nach wenigen Augenblicken des gemeinsamen Schmutzwäschezusammenfaltens schallte es in meine Ohren „Das ist jetzt nicht Dein Ernst – oder? Das Ding bleibt hier!“. Der Stein des Anstoßes meiner Zurechtweisung war ein, anläßlich meiner Australien-Querfeldeintour 1988 in Melbourne von mir käuflich erworbenes, hellgraues Langarmleinenhemd. Jetzt kann man ja über Mode lebhaft diskutieren. Ohne Zweifel, das soeben uncharmant als Ding titulierte mausfarbene Flachsoberbekleidungsstück verfügte über einen Schnitt, der in der Zeit en vogue war, als Tom Selleck alias Magnum auf den TV-Bildschirmen sein Bestes gab und entsprach seit Ewigkeiten mitnichten mehr aller verschiedenen, seit damals hippen Kleidungstrends . Ich muß zugeben, das in die Kategorie Loose Fit einzuordnende Hemd war nicht nur seit Jahrzehnten völlig out, sondern bereits seit seiner Anschaffung auf dem Fünften Kontinent mir, dem es gemäß Body Mass Index schon seit Teenagerzeiten an mindestens 15 kg Körpergewicht fehlt, völlig zu groß. Daß der Zahn der Zeit ebenfalls seit Ewigkeiten daran ordentlich nagte, war auch nicht zu leugnen. Doch den Labberleinenfetzen in der namibischen Hauptstadt zu Grabe zu tragen, indem er dort in einer anonymen Rubbish Bin seine letzte Stätte finden würde, dem konnte ich nicht ohne zu mosern zustimmen. Doch aller Protest meinerseits nutzte nichts und an mir vorbei wurde seine finale Entsorgung entschieden. Basta.
Schon 2018 erlitt eine, in meinem Besitz befindliche Hose in Dreiviertelbeinlänge einen jähen Tod, als diese auf einer Senyati-Campsite mit Schwung unsanft in den Flammen des entfachten Lagerfeuers aufging. An diesem Knickerbockerbeinkleid, welches ich mir 2003 zulegte, hing ich mit ganzem Herzen. Doch seit dessen Erwerbs wurde mir immer wieder vorgeworfen, mich mit diesen Pinocchiohosen der Lächerlichkeit preiszugeben und es nun Schluß wäre, sich in der Öffentlichkeit mit derartiger baumwollener Modeschnittentgleisung zu präsentieren. Zack bewegte sich die Kniebundhose auf direkter Flugbahn hin zu der lodernden Glut. Amen.
Ein gemeinsam mit dieser, sich nun seit fünf Jahren im Beinkleiderhimmel befindlichen Hose gekauftes, orangefarbenes T-Shirt, dessen V-Ausschnitt mittlerweile ordentlich ausgefranzt ist, stand auch schon seit geraumen Jahren auf der Kleidungsstücktodesliste. Jetzt konnte ich dieses Jahr in Windhoek aber gerade so mit Mühe und Not verhindern, daß auch dieses verschlissene Teil, welches zu meiner Lieblingskleidungsausstattung gehörte, zum Leidgenossen des australischen Over-Sized-Hemdes wurde, indem ich mich kompromißbereit zeigte und anbot, seine Entsorgung am Ende unseres nächsten Afrikatrips nochmals zur Disposition zu stellen. Mein Entgegenkommen wurde mit dem Einwand akzeptiert, daß ich mir ja nicht einbilden sollte, die Angelegenheit würde in Vergessenheit geraten und daß nächstes Jahr ebenfalls Schluß wäre mit dem Fetzen. Ich nickte ohne weitere verbale Erwiderung nur stumm und beschloß in Gedanken umgehend, das V-Ausschnittteil 2024 nicht mit auf Reisen zu nehmen, um so dessen brüskem Ende vorzubeugen.

Jetzt ist das ja so eine Emotionssache… Klamotten werden sich, für gewisse Anlässe, aber nicht nur, zugelegt und irgendwie und irgendwann bringt man die Kleidungstücke dann mit größeren oder auch nur kleineren Ereignissen in Verbindung, die einem selbst im Gedächtnis einimprägniert zu bleiben scheinen. Ein Dritter kann das in der Regel nicht nachvollziehen, nicht die persönlich definierte Wertigkeit der Textilgewänder anderer verstehen. Umso mehr schmerzt es dann, wenn die Lieblingsanziehsachen des einen in niederträchtiger Art und Weise von einem anderen verunglimpft und…den Gipfel der traurigen Geschmacklosigkeit erreichend…zur endlichen Entsorgung verdammt werden.
Zustimmen kann ich, wenn es sich um Herrenslips handelt, deren Gummibänder an den Beinen derart ausgeleiert sind, daß die Gefahr besteht, daß des Trägers Mannsgehänge darin die Contenance verliert und aus der Unterwäsche rutscht. Ok. Da gibt es keine vernünftigen, plausibel nachvollziehbaren Gründe einer Konservation.
Bei Badehosen sieht das meines Dafürhaltens, und ich bin mir sicher, diesbezüglich eine sehr individuelle Meinung zu haben, schon wieder ganz anders aus. Ich verfüge noch über eine Badehose, deren Gummizusätze im Stoff schon seit Langem den Geist aufgegeben haben. Dieses Teil, ebenfalls 1988 in Australien, aber in Bayron Bay, zeitgleich im gleichen Shop erworben, in dem sich unsere damalige Reisepartnerin einen knappen Bikini zulegte. Der dritte Reisegenosse seinerzeit im Bund wählte eine bunte Surferhose und stolz mit unseren neuen Beachklamotten machten wir uns auf den Weg zum Pazifikstrand und sprangen in die Wellen. Diese jedoch wurden im Laufe des Nachmittags immer größer und höher und auch die Strömung legte einen ordentlichen Zahn zu, als der armen Regina, so der Name unserer Mitreisenden, das obere Stück ihres neuen zweiteiligen Badekostüms von einer Riesenwasserwoge entwendet wurde und sie so barbußig und verdutzt am Strand zurückblieb. Wir lachten uns alle schief und krumm und den Rest des Urlaubes suchte die Gute die Strände Australiens eben ganz ungeniert topless auf. Eine kleine Episode, an die ich mich immer wieder, trotz all der Jahre, lebhaft erinnere und zeitgleich mit ihr kommt mir meine damals gekaufte Badehose in den Sinn, die ich um nix in der Welt in die Tonne stopfen würde. Nach fünf Umzügen, auch transnationaler Art, befindet das Teil sich noch immer in unserem Kleiderschrank und die Entsorgung der ramponierten Badebuxe überlasse ich liebend gerne meinen Erben.

Die Wäscheum- und aussortieraktion sowie deren penibles Zusammenlegen hinter uns gebracht, war es an der Zeit, unseren Hunger zu stillen. Mittlerweile war es kurz vor zwölf, wir checkten im Urban Camp aus und fuhren um die Ecke zu Joe’s Beerhouse. Dort wollten wir kräftig zulangen, denn das gastronomische Angebot im Flughafen Windhoeks hielt sich ja ziemlich in Grenzen und versprach nicht viel bis gar nix. Auch war uns klar, daß an Eurowings Discover mengenmäßig keine großen Ansprüche an die auf dem Rückflug zu servierende Mahlzeit gestellt werden konnte, und so wollten wir wenigstens mittags ordentlich etwas zu uns nehmen. Das Essen war zwar gut, doch wir hatten bei Joe schon besser gegessen.

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Die dort fällige Zeche beglichen, fuhren wir, selbstredend unter Vermeidung der Robert-Mugabe-Avenue, in Richtung Bushlore, wobei wir zuvor nochmals unseren Tank auffüllten. Wir wollten in der Bachstraße ja keine unnötigen Diskussionen wegen fehlender zwei Liter Diesel haben.
Die Rückgabe unseres Wagens verlief zackig und wir warteten dann noch auf ein Paar, welches ebenfalls sein gemietetes Fahrzeug zurückgab. Gemeinsam wurden wir anschließend mit diesem dann zum Flughafen gefahren. Gaben dort unsere große Reisetasche mit drinnen die perfekt gefalteten, benutzten Klamotten auf und tranken mit den beiden noch etwas außen vor dem Flughafengebäude.
Dann den Sicherheitscheck und die Passkontrolle überwunden, warteten wir noch knapp eineinhalb Stunden auf unseren Rückflug, bevor wir in der hereinbrechenden Dämmerung über des Flughafengebäudes Vorfeld zu unserem Airbus 330 schlenderten. Wir nahmen im Flugzeug unsere Plätze ein und als es losging, drückten wir uns am Fensterchen die Nasen platt und sagten Afrika leise arrivederci.

Der Rückflug nach Frankfurt war Gott sei Dank unspektakulär, so, wie das gereichte Essen sich als unspektakulär erwies.
Wie immer, wenn auf dem Rückflug von Afrika nach Hause, philosophierten wir über unsere nächste Reise auf dem Schwarzen Kontinent. Da sich auf unserer diesbezüglichen Must-do-Landkarte nach wie vor so einige weiße Flecken auftaten, die wir in der vergangenen Covid-19-Zeit hätten eigentlich farbig werden lassen wollten, schnappten wir uns im ersten Schritt die Mana Pools in Zimbabwe als Highlight der Überlegungen hinsichtlich unserer 2024er-Reise, und garnierten diese sowohl mit so einigen uns bereits gut bekannten Stationen als auch mit sekundären neuen Locations zu einem möglichen Reiseschmaus.
Da es die Flugzeit von WDH nach FRA zuließ, bastelten wir auch an zwei alternativen Trips herum. Beim ersten erkoren wir den Nordwesten und Westen Sambias als zu erkundende Destination. Wohingegen wir bei der zweiten Alternative mal wieder den KTP als Hauptprotagonist definierten und darum die für uns noch unbekannten Flecken Südnamibias als schmückendes Beiwerk setzten.
Für welche dieser drei Möglichkeiten wir uns entschließen, wird selbstverständlich auch von der uns 2024 zur Verfügung stehenden Zeit beeinflußt werden. Obwohl wir hier zuversichtlich sind, zeitlich 4 ½ Wochen zur Disposition haben zu können.



Tag 25

Pünktlich in FRA gelandet, begaben wir uns auf unseren ebenfalls pünktlich startenden Anschlußflug.

Da war sie nun zu Ende, unsere diesjährige Tour durch Namibia und Botswana.
Ein zusammenfassendes Fazit unter anderem bezüglich der Übernachtungsstätten wird noch folgen.

Ich hoffe, die eine oder der andere Leser*in “““mein erster, in meinem Leben gesetzter Genderasterisk“““ meines Reiseberichtes wurde kurzweilig mit diesem unterhalten.
Teil 2920. Juli 2023
Hier nachfolgend nun das zusammengefasste Ergebnis unserer diesjährigen Übernachtungshitliste. Die Preisangaben bezieht sich stets auf eine Campsitebelegung mit zwei Erwachsenen und pro Nacht; außer Khwai North Gate. Diese wurde mit 100 US Dollar berechnet und war für diesen Preis mit max. sechs Personen belegbar.


Mowani Mountain Camp
9,25 Punkte
Traumhafte Lage, einwandfreie Campsitefacilities; Campgäste sind in der Lodge unerwünscht.
780 NAD


Mobola Island Lodge
9 Punkte
Topgepflegte, weitläufige, tropisch anmutende Anlage direkt am Ufer des Okavangos; 10 Punkte wären es gewesen, hätte ein einladenderer Swimming Pool zur Verfügung gestanden.
360 NAD


Hobatere Roadhouse
8,75 Punkte
Sehr adrette, gepflegte Campsite; Tierbesuche dort möglich.
400 NAD


Kaziikini Community Camp
8,5 Punkte
Mitten in der Natur und sich mittlerweile sehr adrett gemausert; sauberes Hygienehäuschen; kein Strom, jedoch Wasser auf der Campsite vorhanden; Tierbesuche inbegriffen.
700 BWP


Brandberg White Lady Lodge
8,25 Punkte
Große Campsites mit sauberen Ablutions auf weitläufigem Lodge-Gelände; sehr ansprechender Swimming Pool-Bereich.
450 NAD


Magotho Camp
8 Punkte
Sehr schön, heimelig in der Natur gelegene Campsites ohne eigenen Wasseranschluß und ohne Strom; sauberer Ablutionblock. Beim Einchecken sollten die Gäste explizit auf die individuellen Besonderheiten einer jeden Campsite bezüglich Elefantenbesuchs oder -durchmarschs hingewiesen werden.
700 BWP


Urban Camp
8 Punkte
Sehr gepflegte Campanlage mit Naturambiente in Mitten Windhoeks.
480 NAD


Spitzkoppe Community
7,5 Punkte
Verstreut liegende Campsites in traumhafter Kulisse; Duschen leider nur an der Reception; Gemeinschaftstoilettenhäuschen ebenfalls wild verstreut zwischen den Campsites. Wer dort viele Kirschen essen sollte und anschließend Mineralwasser trinkt, der hat dann schon von seinem Lagerplatz bis zum nächsten Häuserl ein bißchen Strecke zu rennen…
420 NAD


Onguma Tamboti Camp
7,5 Punkte
Nette Campsite im Busch mit privater Sanitäranlage und Küchenzeile, beides gepflegt. Zu einer höheren Punktezahl wäre es vermutlich gekommen, wären wir auf einer der „oben“ liegenden Campsites untergebracht gewesen.
810 NAD


Drotsky’s Cabins
7 Punkte
Großzügige, fast schon zu große Campsite direkt am Okavango, der aber das gewisse Etwas fehlte; Ablution picco bello; Swimming Pool „weit“ entfernt vor dem Lodge-Hauptgebäude.
510 BWP


Kalahari Bush Breaks
7 Punkte
Unprätentiöse Campanlage mit gepflegtem Ablutionblock; wer abseits von Menschen verursachtem Lärm sein möchte, ist hier nicht an der richtigen Stelle, denn die Geräusche des Trans-Kalahari-Highways sind unvermeidlich; als Stopp-Over für eine Nacht geeignet.
420 NAD


Palmwag Lodge
6 Punkte
Große Campanlage mit teilweise in die Jahre gekommener Ausstattung; sehr schöne, top gepflegte Ablutionanlagen; zwei nette, kleine Pools.
574 NAD


Khwai North Gate Camp
5,75 Punkte sind unseres Erachtens schon viel, für das, was fürs Geld geboten wurde
100 USD


NWR Halali
5,5 Punkte
Nur, weil im Nationalpark gelegen und wegen des Wasserloches sowie der Schwimmgelegenheit; über alles andere hängt ein dickes Deckmäntelchen des totalen Schweigens.
832 NAD


NWR Olifantsrus
5 Punkte Idem - siehe oben, doch ohne Planschpool.
780 NAD


Cape Cross Lodge
5 Punkte
Sehr saubere Campanlage ohne Charme; quadratisch, praktisch, gut, ohne Firlefanz.
380 NAD


Palm Afrique Lodge
5 Punkte
Campsite ohne viel Schnickschnack mit Wasser- und Stromanschluß; dunkler, grottenähnlicher, aber gepflegter Ablutionblock; für eine Stopp-Over-Nacht völlig in Ordnung.
420 BWP


Crocodile Camp Maun
5 Punkte
Ziemlich große Campanlage; leider hört man den Lärm der Straße; Ablution und Küchenzeile ok; netter Pool- und Barbereich.
500 BWP


Mahangu Safari Lodge
4 Punkte
Dunkle Campsites direkt am Flußufer mit mangelhaftem Wasseranschluß und verstecktem Stromanschluß; Ablutions waren ok; ausreichend schönere Campalternativen in der Gegend vorhanden.
470 NAD


Sophia Dale Base Camp
2 Punkte
Vermutlich verirren sich nur wenige Camper hier her, deshalb macht man sich vielleicht auch keine große Mühe, die Campanlage in einen sauberen Zustand zu bringen; Lärmpegel ziemlich hoch wegen des nahen Asphaltbandes der B2.
340 NAD
Teil 3024. Juli 2023
Fazit unseres Trips

Es war eine schöne Tour, die wir uns zurechtgebastelt hatten und dann abgeklappert haben. Wobei diese Camprunde, verglichen mit all den anderen Dachzelttrips, die wir bisher in Afrika unternommen haben, es nicht auf das Medaillenpodest schaffte und von uns im Mittelfeld des Vergnügens eingruppiert wurde.

Wirklich sehr großen Wert legten wir dieses Mal auf den Erholungsfaktor und dementsprechend auf äußerst überschaubare Einzelfahrtstrecken. Wobei wir auch dieses Jahr, trotz so vieler Male in Afrika unterwegs, naiverweise einen Streckenbaustein (Magotho -> Kalahari Bush Break) integriert hatten, der völlig unrealistisch war, um ohne Streß bewältigt werden zu können. Diesen Streckenabschnitt von uns jedoch auf Magotho -> Palm Afrique runtergeschnitten, war es dann aber ok.

Ebenfalls sehr wichtig war uns, wie immer, der Aspekt „Mensch“ und abermals durften wir feststellen, daß das mit Menscheln in Botswana ohne große Schwierigkeiten quasi immer klappt; hingegen in Namibia sehr, sehr viel weniger.
Das ist jetzt natürlich eine sehr persönliche Angelegenheit, bei der es ja stets auch immer zwei Komponenten gibt. Wir, als die erste beschreiben uns durchaus als sehr zugänglich, offen, aufrichtig, interessiert, open minded eben. Doch wieder einmal haben wir gemerkt, daß beim Aufeinandertreffen mit Botswanern zwar auch nicht immer unbedingt sofort beim first impact ein angenehmes, freundliches Klima entsteht, doch nach einem kleinen anschließenden, liebgemeinten Schubser unsererseits man sich dann leicht in einem netten Gespräch verwickelt sieht.
Bei den Namibiern reicht meist noch nicht einmal ein zweiter Schubser, ohne sagen zu wollen ein Wink mit dem Scheunentor, und so verliert man eben die Lust, mit den Menschen in Kontakt zu treten.
Ob dies anders wäre, hätten wir eine andere Hautfarbe, ja, diese Frage stellten wir uns erneut.
Wir empfinden seit jeher die Menschen in Namibia als wenig fröhliche Zeitgenossen, eher grau als bunt beseelt und deshalb so ganz anders im Vergleich mit den Leuten in Sambia, Südafrika, Zimbabwe oder eben auch Botswana.

So konnten wir auch bei dieser Reise mit Namibia in Gesamtkontext nicht so richtig warm werden. Klar, landschaftlich betrachtet ist es ein reizvolles Land; zweifelsohne besonders der Süden und das Damaraland mit seinen Farben und Panoramen.
Tierisch riß es uns aber auch dieses Mal nicht vom Hocker; da spielte der Moremi im Verhältnis zum Etosha NP mal wieder in einer völlig anderen Liga.

Die Preise, die für die Unterkünfte aufgerufen wurden, waren für uns alle akzeptabel und spiegelten im Großen und Ganzen das wider, was geboten wurde; ausgenommen selbstverständlich die abgehalfterten NRW-Locations und die von der SKL betriebene Khwai North Gate Campsite. Unser entsprechendes Gesamtzeugnis habe ich bereits schon für jedermann zuvor offengelegt, wobei die Bewertungen selbstredend unsere höchstpersönlichen Valutierungen darstellen. Wie von uns gewohnt, nehmen wir hierbei weder ein Blatt vor den Mund, noch loben wir über Gebühr über den grünen Klee hinaus. Letzteres tun wir lediglich, trotz mittlerweile so einiges an Charm eingebüßt, betreffend Senyati und Kaingu.

Zum Thema Karre…
Der bei Bushlore gemietete Wagen war uns ein stets zuverlässiger Begleiter, der in seinem Canopy derart viele Verstaumöglichkeiten bot, daß darin immer ordentlich 100% Ordnung herrschte. Kein lästiges Rumsuchen in aufeinander gestapelten Kisten und Boxen, das war sehr, sehr fein.
Etwas bedauerten wir die Tatsache, daß wir den von uns gebuchten Bushcamper nicht zur Verfügung gestellt bekamen und stattdessen mit einem Bushlapa Vorlieb nehmen mußten. Denn gerne hätten wir ganz oben schlafen wollen. Dies war aufgrund des, von links nach rechts in ein 45°-Winkel aufklappbares Dachzeltes des Bushlapas nicht möglich, denn es bot lediglich einem Erwachsenen ausreichend Raum; die zweite Person hätte dann, von hinten betrachtet, rechts in diesem spitzen Winkeldreieck liegen, ihre Nasenspitze am Dachinneren plattdrücken müssen und auf jeden Fall nicht an Klaustrophobie leiden dürfen.
Für zwei Kids jedoch ist so ein Dreiecksdachzelt absolut ok.
Preislich befanden wir die 150 Euro Miete pro Tag ohne Beanstandung; da hatten wir von namhaften namibischen Wagenverleihern ganz andere astronomische Zahlen als Angebote vorgelegt bekommen.

Auch dieses Mal hatten wir einige geführte Ausflüge unternommen.
Sehr gut hat uns die Tommy's Living Desert Tours gefallen und empfehlen diese liebend gerne weiter.
Dahingegen war die Concession-Tour in Palmwag zwar nicht uninteressant, jedoch sehr überteuert für das, was geboten wurde. Ebenfalls etwas enttäuscht blieben wir vom Afternoon-Boat-Trip in Drotsky‘s Cabins.
Das Highlight war jedoch die Mokorofahrt mit African Excursions in der Khwai-Region – einfach erste Sahne!!!

Und last but not least… Das muß jetzt einfach nochmals raus, auch wenn ich mich wiederhole…

Der Moremi war, wie immer, ein klasse Garant für sehr gute Tiersichtungen.
Hilary war, wie immer, Hilary. Ein Fels in der tosenden Brandung des liebevoll zubereiteten Speisegenusses.
Die Mowani Mountain Campsite war einfach nur genial. Extrem tolle, mit vielen Farben angestrichene Landschaft, wo man es sich einfach nur bequem im Sessel machen und geradeaus schauen muß, um jegliches Seelenheil zu erlangen.
Teil 3126. Juli 2023
Und ganz zum Schluß noch eine Anekdote zum Sinnieren, die ich mir zum Ende aufsparte…

Während unseres Gespräches mit den Staatsdienerinnen und ihrem männlichen Kollegen am Grenzposten Panhandle auf botswanischer Seite kamen wir von Stöckchen auf Hölzchen und von dort auf die Familienrezepte unserer italienischen Baggage sowie auch zum Zigeunerschnitzel, welches sich seit geraumer Zeit nicht mehr so nennen lassen darf, weil gesellschaftspolitisch nicht als korrekt erachtet.
Das Grüppchen staunte nicht schlecht und lachte über diese, seiner Meinung nach, Posse. Warum sollte ein Gericht nach Jahrhunderten seines Daseins nicht mehr so zu nennen sein, wie vom Erfinder definiert? Wir erklärten zunächst den Ansatz der Namensbezeichnung, um dann ohne große Umschweife auf die heutige Zeit und den neuen Terminus dieses plattgehauenen, anschließend erst panierten und dann in viel Öl und Butter gebratenen und zum Schluß mit reichlich Paprika-Zwiebelsoße verunglimpften Fleischstücks zu kommen: Schnitzel nach Ungarischer Art, Puszta- oder Balkan-Schnitzel… Ganz nach individuellem Belieben des Gastwirtes oder des Verkosters eben.
Was jetzt die Magyaren mit den fahrenden, singenden Sinti und Roma zu tun hätten und warum ein Gericht nun unter die Fuchtel Budapests oder sogar des gesamten Balkans gestellt wurde, waren die folgenden Fragen, denen wir uns gegenübergestellt sahen und die ihre Beantwortungen finden sollten. Wir waren also ordentlich gefordert, obwohl in unserem Erholungsurlaub befindlich. Unsere diesbezüglichen Ausführungen und Hinweise, diskriminierende Bezeichnungen aus der Alltagssprache und deren Gebrauch zu löschen, entsprächen u. a. auch der logischen Fortentwicklung von Gesellschaften, wurden nur müde belächelnd.
Auch unser Beispiel, daß der Mohrenkopf jetzt als Schokoschaumkuß feilgeboten wird, konnte nicht ganz nachvollzogen werden. Wohingegen unsere eingeschobene Information über die nach wie vor in aller Munde und Medien befindliche Schwarzarbeit und die Schwarzen Kassen zu Irritationen führte; nicht wegen des Wortteils bzw. Adjektivs Schwarz. Nein, wegen purer Inkonsequenz. Da hatte das Grüppchen durchaus recht. Und gemeinsam suchten wir nach brauchbaren Alternativbezeichnungen für die an der Lohnsteuer und Sozialversicherung vorbei gezahlte Beschäftigung.
Unser, aus Mangel an vorhandenen Ideen, naiverweise gemachte Vorschlag Buntarbeit, unter Anlehnung an colored, wurde verständlicherweise nicht goutiert. Man erinnerte sich sofort an colored people… Ging gar nicht, sowohl in historischer Betrachtungsweise, als auch in rein konzeptioneller Art. Denn die botswanischen Grenzer*innen wandten berechtigterweise ein, daß Schwarz ja keine Farbe sei, ebenso wenig wie Weiß, und wir dann, Präzision mußte Präzision bleiben, da hatten sie keine Pietät, im Umkehrschluß ja auch als colored people fälschlicherweise zu bezeichnen wären. Auch hier hatten sie unsere vollste Zustimmung.
Unser dann folgender Vorschlag Locals wurde sofort stehenden Fußes zerrissen. Wir würden ja jetzt den Panhandle runterfahren und da sollten wir ja nicht auf die Idee kommen zu glauben, daß jeder Schwarze ein Local wäre. Nein!
Da zahlreiche Bewohner dieser Gegend mitnichten und mitneffen Lokale im geographischen Sinne wären, denn die kämen aus Angola. Dabei waberte ein leichtes, feindseliges, missgünstiges Ressentiment zwischen den zum Ausdruck gebrachten einzelnen Worten und wir, ebenfalls als nichtfarbigig soben korrekterweise Deklarierte, weil weiß..., obwohl eher gut von der Sonne gebräunt…egal… schauten uns verdutzt mit hoch gezogenen Augenbrauen und mit Stirnfalten fragend an.
Einfacher würde es sein, so das Dafürhalten der Grenzer, daß wir die Weißen seien und diese auch blieben und sie eben die Schwarzen, und gut oder schlecht, ganz egal, wäre es.
Auch sollten wir den Negerkuß Negerkuß und das Zigeunerschnitzel Zigeunerschnitzel sein lassen. Gott hätte sie beide selig.
Die aufgekommenen Fragen konnten also schlußendlich nicht abschließend ein Ende in, für alle der Gesprächsbeteiligten zufriedenstellenden, akzeptablen Beantwortungen finden und wir verabschiedeten uns.

Dann so im Auto sitzend und den Wasserlauf des Okavangos nach unten abrutschend, überlegten wir, daß in unserem kleinen Alltag noch einige andere Bezeichnungen Gebrauch finden, die ebenfalls öffentlich zur Diskussion gestellt werden könnten oder müßten; jetzt nicht, weil rassistisch oder diskriminierend, aber doch sehr abwertend, herabwürdigend und ausgrenzend. Wie zum Beispiel die Spaghetti alla Puttanesca, übersetzt Nudel nach Nuttenart. Mmmmhhh… Zugegeben… Klingt sowohl im Original als auch in der Übersetzung mehr als unelegant und wenig Appetit einladend.
Aber Freudenmädchenspaghetti, dünne Rundlangnudeln nach Dirnen Art oder Gegen-Bezahlung-sich-hingebendem-Sex-Nudelteller… Nee… Ging und geht alles ebenfalls gar nicht.
So ließen wir sprachlich die Hurennudeln ebensolche und das in Gemüsetunke schwimmende Kalbsoberschalenstück auch, obwohl es bei uns sowieso seit jeher seinen ursprünglichen Namen innehatte, unabhängig von jeglichem avantgardistischen Neujargon. Sei es drum… Liebhaber von beiden waren und sind wir ja sowie keine und deshalb würden wir auch nie in die Verlegenheit kommen, eins von diesen oder alle zwei in irgendeiner profanen Gastwirtschaft oder in mit Sternen dekorierten Restaurants zu bestellen; egal, wie die Gerichte dort namentlich angepriesen würden.

Aber, ob colored, bunt, black, white oder local oder eben nicht und warum überhaupt diese Überlegungen... Ist dies alles wirklich wichtig oder nicht? Wir werden abermals darüber grübeln.

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