JP KThemenstarter387 Beiträge · seit 202115. Jan. 2022 · #1
4 Wochen Costa Rica oder die Dokumentation der Regenwaldentlaubung
so sollte der Titel eigentlich heißen, aber anscheinend ist er zu lang für das Titelfeld
Wir sind zurück aus Costa Rica. Wer Lust hat auf meinen Reisebericht, ist herzlich eingeladen hier mitzulesen. Die Farben versprechen Abwechslung vom ocker-braun namibischer Wüsten
Costa Rica kann auch mit richtigem Schietwetter aufwarten…
…und es gibt andere Sichtungen…
… bei denen auch den kleinen Tieren eine Bedeutung beigemessen wird.
Unsere Reiseroute ging über 1.650 km:
Hinflug: 16. November, Rückflug: 16. Dezember 2021 2 Nächte San Jose – Holiday Inn 4 Nächte Tortuguero NP – Pachira Lodge 5 Nächte La Fortuna – Baldi Hot Springs Resort 3 Nächte Boca Tapado – Laguna del Lagarto Lodge 2 Nächte Monteverde – Country Lodge 4 Nächte Quetzales NP – Savegre Hotel 4 Nächte Corcovado NP – Laguna Vista Villas 3 Nächte Dominical – Hotel Villas Rio Mar 3 Nächte Orosi Tal – Casona del Cafetal
Moin moin, Costa Rica interessiert mich auch sehr. Ich bin gerne dabei 🤩 Liebe Grüße Sonja
Katma1722560 Beiträge · seit 202115. Jan. 2022 · #3
Hi JP K! Fahre auch gerne mit! Costa Rica steht auch ziemlich weit oben auf meiner Wunschliste und bei dem momentanen Wintergrau sind bunte Farben immer gut! Der Tukan ist auf alle Fälle schon mal toll! Viele Grüße, Kathrin
Sabine261'394 Beiträge · seit 200916. Jan. 2022 · #4
Hallo JP K,
prima, da bin ich sehr gerne dabei.
In Costa Rica war ich vor ca. 25 Jahren, leider habe ich nicht ganz so viel vom Land gesehen, da der Schwerpunkt damals auf Nicaragua lag. Wir überlegen aber immer wieder, noch einmal nach CR zu reisen. Verschiedene Planungen habe ich in der Schublade und fast alle haben eine ähnliche Route wie Deine und daher bin ich sehr an Deinem Bericht interessiert.
Freue mich auf die Fortsetzung.
Viele Grüße Sabine
JP KThemenstarter387 Beiträge · seit 202117. Jan. 2022 · #5
Erstmal vorneweg einige Erläuterungen:
Die letzten 3 großen Fernreisen waren auf das afrikanische Festland, Safari in Namibia, Botswana und letztes Jahr Tansania. Wir müssen mal von diesem Kontinent der großen Tiere loslassen, ansonsten wissen wir die kleineren Tiere gar nicht mehr zu schätzen. Mit Costa Rica hatten wir schon einige Zeit geliebäugelt, ohne groß eine Vorstellung davon entwickelt zu haben, was uns dort erwarten wird. Ausserdem war die Einreise nach Costa Rica zu Corona-Zeiten äusserst unproblematisch. Viele andere Länder verlangen trotz Impfung mehrere PCR-Tests und zusätzliche Quarantänezeiten, sofern sie einen überhaupt ins Land lassen. Für die Einreise nach Costa Rica muss mal online ein Einreiseformular ausfüllen (https://salud.go.cr/) , dort ist auch der Impfnachweis hochzuladen. Es erfolgt keine Validierung der Angaben, sondern man erhält sofort einen QR-Code, den man am Flughafen vorzeigen muss. Danach kann man sich frei im Land bewegen, wir mussten diesen QR-Code in San Jose im Hotel und im Museum vorzeigen, danach nie wieder.
Aufgrund der Corona-Pandemie haben wir sehr kurzfristig gebucht, auch wegen einer anderen Reise meiner Frau in ihre Heimat. Wir haben erst Ende Oktober gebucht, alles in einem Rutsch an einem einzigen Abend, wir saßen ca 3 Stunden am Rechner und haben Flüge, Mietwagen und Unterkünfte im Internet gebucht, alles ohne Reiseveranstalter. Rückblickend kann ich sagen, dass ein Reiseveranstalter als Zwischenschalte auch nicht notwendig ist, ich würde es wieder so machen.
Anregungen für die gewählte Route kamen überwiegend aus dem Internet (70%), dem Reisebericht von Bettina aus diesem Forum (20%) sowie abschließend bzw. wie zur Bestätigung meiner bereits abgeschlossenen Planung von unseren Nachbarn (10%), die vor 2 Jahren eine ähnliche Route befahren hatten. Costa Rica ist ein kleines Land, trotzdem habe ich schnell gemerkt, dass eine Auswahl an möglichen Zielen notwendig ist, man nicht alles bereisen in einem Rutsch, dazu geht es nicht schnell genug auf den Strassen vorwärts. Es wird also ein zweites Mal geben.
Als Auto hatte ich ein 2-WD gebucht, auch um die Kosten der Reise zu begrenzen. Das Auto stellte sich als ausreichend heraus, ein 4-WD war nirgendwo notwendig. Auch wenn es teilweise auf Schotterpisten steil hoch bzw. abwärts ging, die Gefahr im Sand stecken zu bleiben wie in Afrika bestand kein einziges mal. In meinen Mietvertrag hatte ich erst nach Ende der Reise geschaut, und siehe da, auch das Kleingedruckte stellt kein Hindernis dar: einzig Fluss-Durchfahrten und Fahrten über einen Strand waren vertraglich verboten. Bei viele Nebenstrassen war ich mir nicht sicher, ob es Schotter war oder weggebrochener Asphalt, auf dem ich fuhr. Lediglich die letzten 40km auf der Osa-Halbinsel waren üble Buckelpiste wie in Tansania, für diese kurze Strecke habe ich dann auch deutlich über 2 Stunden benötigt.
Tja, das Wetter
Nicht jeder lässt es einfach an sich abperlen…
…einigen setzt der Regen ganz schön zu
Nach den vielen Internet-Recherchen bin ich zum Eindruck gekommen, dass bis Mitte November Regenzeit ist, und spätestens Anfang Dezember die Trockenzeit beginnt. Trugschluss. In Tortuguero wurde uns gesagt, eine fest definierte Regenzeit gibt’s nur jenseits der Berge, an der Karibikküste regnet es immer, bis zu 7 Meter im Jahr. Dort hatten wir übrigens das beste Wetter, es regnete nur nachts. In Boca Tapada hiess es, die Trockenzeit lässt auf sich warten, und im Orosi-Tal verstieg man sich zu der Aussage, dass das hiesige Mikroklima keine festen Regenzeiten kenne, denn man sei nahe eines Gebiets, in dem es ebenfalls 7 Meter pro Jahr regne. Zusätzlich waren wir in Monteverde, das ja immer in klitschnassen Wolken gehüllt ist. Man sollte also Regen mögen und einen wasserdichten Poncho dabei haben, wenns einen nach Costa Rica zieht.
Qualität der Bilder: Mit den Vollformat-Kameras kann ich nicht mithalten, ich fotografiere mit Olympus; das olympische m43-System hat einen Bildsensor, der nur ¼ der Fläche eines Vollformatsensors beträgt und muss daher physikalische Nachteile gegenüber Vollformat akzeptieren. Hier sind Kompromisse notwendig zwischen möglichst niedriger ISO und möglichst niedriger Verschlusszeit. Die meisten Wildlife-Bilder in Costa Rica entstehen im Wald, d.h. der Lichteinfall ist nicht grade üppig selbst bei strahlendem Sonnenschein. Wir hatten häufig Regen, so dass ich teilweise bis ISO 3200 hochgegangen bin – da lachen die Vollformat-Besitzer drüber, aber beim m43-System verlieren die Bilder erkennbar an Detailschärfe, dies ist bei Vögeln insbesondere im Federkleid und bei Tieren bei den Fellhaaren zu sehen, es sieht verwaschen aus. Glücklicherweise verfügen die Oly-Kameras über gute Sensorstabilisatoren, daher sind viele Bilder auch mit Brennweite bis 840mm KB aus der Hand ohne Stativ mit verhältnismässig langen Verschlusszeiten aufgenommen. Ich hatte ausserdem ein 3-Bein-Stativ und zum Wandern ein Einbein-Stativ dabei und habe beide sehr ausgiebig genutzt.
Ich bin ein Einzelbild-Knipser aus Gewohnheit, ich stelle nie auf Dauerfeuer. Der Nachteil dabei: die meisten Vogel-Bilder zeigen die Vögel statisch im Ansitz, es wird kaum Action gezeigt. Vielleicht muss ich da mal mit der Zeit gehen, an Speicherkapazität mangelt es ja nicht.
Ich habe zwei Olympus-Kameras mitgeschleppt, so dass ich nicht ständig die Objektive wechseln muss. Trotzdem, es geht noch bequemer: das Smartphone tritt immer stärker in mein fotografisches Leben ein, es ist noch viel bequemer als eine Kamera aus dem Rucksack zu pulen, denn es ist in der Beintasche immer griffbereit. Die Bilder aus dem Smartphone sind qualitativ zumeist schlechter als aus den Systemkameras, aber zur Dokumentation reicht es, und häufig kommen sie erstaunlicherweise mit Zwielicht unter Bäumen besser zurecht als die grossen Kameras. Also, ich zeige auch Smartphone-Bilder (Samsung S10e).
Was ich gelernt habe auf dieser Reise: man kann nicht genug Bilder schießen, man weiß erst hinterher, was das beste Bild ist – also draufhalten was das Motiv hergibt, d.h. solange es geduldig sich ablichten lässt, und bei den unstetigen Lichtverhältnissen immer die Belichtung variieren. Erst bei Betrachtung der Bilder am mitgenommenen Tablet habe ich gesehen, was das Resultat war, da reicht das kleine Kameradisplay nicht aus.
Tier- und Vogelbestimmung: wir haben ca 90 verschiedene auf Fotos dokumentierte Vogelarten gesichtet, dazu kommen sicherlich nochmals über 20 Sichtungen, die nicht auf Fotos festgehalten wurden, weil zu gewöhnlich (zB Tauben, weisse Reiher, schwarze Drossel, Schwalben) oder weil hinter Zweigen/Laub versteckt. Ich habe mir Mühe gegeben, alle Vögel auf den Fotos zu bestimmen, falls mir dabei Fehler unterlaufen sein sollten, nehme ich gerne Hinweise und Korrekturen auf. Einige Vögel konnte ich nicht bestimmen, ich hoffe Ihr helft mir an den entsprechenden Stellen. Immerhin haben wir damit mehr als 10% aller in Costa Rica vorkommenden Vogelarten gesehen, das finde ich eine ordentliche Ausbeute. Den Rest schaue ich mir dann beim zweiten Besuch an.
Sabine261'394 Beiträge · seit 200917. Jan. 2022 · #6
Hallo JP K,
das heißt, Ihr hattet jetzt auch keine Probleme mit dem Fahren des Mietwagens? Ich frage, weil beim AA schon seit längerem steht, dass Fahren mit dem privaten Wagen nicht erlaubt sei. Mietwagen fallen dann nicht darunter, nehme ich an oder wie muss ich mir das vorstellen? Bedeutet das auch, dass wenig Verkehr war, weil die Einheimischen nicht mit ihren Autos fahren dürfen?
Kannst Du mir noch einmal ein wenig zur Strecke ab der südwestlichen Ecke von Cabo Matapalo bis Carate berichten. Hier lese ich immer wieder, dass dieser Abschnitt herausfordernd ist. Jedoch seid Ihr dieses Strecke ja sogar ohne 4 WD gefahren.
Viele Grüße Sabine
JP KThemenstarter387 Beiträge · seit 202118. Jan. 2022 · #7
Generell sollte man Fahrten nach Eintritt der Dämmerung vermeiden, da die Strassen in ländlichen Gebieten unbeleuchtet sind und es einige Fahrradfahrer und Fussgänger gibt, die ebenfalls kein Licht haben. Ich fand das sehr unangenehm, da kann man leicht jemanden über den Haufen fahren. Ausserdem sieht man die Schlaglöcher und Speedbumps nicht rechtzeitig. Wir hatten so einige Fahrten in der Dunkelheit, es liess sich nicht vermeiden, das war kein entspanntes Fahren.
Der Verkehr in und um San Jose ist die Hölle trotz Restriktionen, es geht teilweise nur im Schritttempo voran. Am besten am Tag des Abflugs sehr zeitig aufbrechen, es dauert dann doch 2 Stunden länger als geplant. Wir haben für die 60km vom Orosi-Tal zum Flughafen knapp 4 Stunden benötigt. Ein Navigationsgerät mit zu mieten macht für dieses Ballungsgebiet sehr viel Sinn, denn Strassennamen sind ausserhalb des Stadtzentrums von San Jose nicht üblich. Wir hatten kein Navi dabei und sind dann im Strassengewirr von San Jose und Cartago herumgeirrt. Ausserhalb dieses Central Valleys sind wir gut mit einer altmodischen Landkarte zurecht gekommen. Die Ticos kommen gut ohne Navi klar, wir hatten einige Male in San Jose und Cartago nach dem Weg gefragt, sprachlich zwar nichts verstanden (wir können kein spanisch) und trotzdem versucht ihren Anweisungen zu folgen und wir kamen dann immer ohne Umwege direkt ans Ziel.
Die Strasse ab Cabo geht in Sand über. Zuerst ist die Landschaft flach wie ein Fernseher, später wird es hügelig, während die Fahrpiste auf ganzer Länge durchlöchert ist wie ein Schweizer Käse. Ein Ausweichen der Schlaglöcher ist nicht möglich, da sie auf der ganzen Breite vorkommen. Eine Palette rohe Eier auf der Rückbank ist am Ende der Fahrt definitiv Matsch. Wir haben die Hinfahrt in der Dunkelheit gemacht, das war kein Spass. Zurück sind wir dann morgens gefahren, wir hatten gute Sicht und wussten, was auf uns zukommt, das war dann "a piece of cake". Das Hotel hatte uns tatsächlich 4WD empfohlen, ich hatte aber schon entschieden, dass es auch mit 2WD gehen muss.
Hier kommt ein Bild vom ersten Kilometer nach Cabo, dort gibt es noch keine Schlaglöcher
und hier kommt ein Bild aus Monteverde, man kann die Schlaglöcher gut sehen, und ab Cabo ist das dann genauso.
Schlaglöcher kommen auch auf ansonsten gut asphaltierten Hauptstrassen vor, es sind dann unvermittelt auftauchende Einzelschlaglöcher, die durchaus 30cm tief sind. Bei Tageslicht und bei 80km/Std kann man denen aber noch ganz gut ausweichen, der Verkehr ausserhalb des Central Valleys ist sehr dünn. Netterweise sind solche einzelnen Schlaglöcher durch mit Kreide gemalten Vierecken gekennzeichnet - man sollte als Fahrer also nicht nur die schöne Landschaft bewundern sondern häufiger mal schauen, was die Strasse so an Abwechslung zu bieten hat.
Der Weg nach San Gerardo de Dota, abgehend von der Panamericana Route 2 hat es auch in sich, die Strasse windet sich steil nach unten über 700 Höhenmeter, man ist ständig auf der Bremse. Ich hatte den Eindruck, dass die Bremsleistung am Ende nachgelassen hatte.
Dagegen ist die Sandpiste nach Boca Tapado völlig problemlos, kaum Schlaglöcher, sehr gut befahrbar. Die ganze Strecke ist so wie auf diesem Bild
Es macht Spass, die Panamericana zu fahren, aber man muss mit LKW rechnen, die mit teilweise weniger als 30 km/Std die Berge hochschleichen, und die Stecke ist einspurig. Von San Jose aus kommend, geht es über zig Kilometer nur bergauf, da haben wir stundenlang hinter den LKWs gehangen. Und hat man einen überholt, ist der nächste nicht weit. Also auch hier viel Zeit einplanen.
Gruss JP
Enilorac65768 Beiträge · seit 201718. Jan. 2022 · #8
Hallo KP K Da Costa Rica ganz weit oben auf meiner Wunschliste steht, möchte ich auch gerne mitkommen. Liebe Grüsse Caroline
2016: Südafrika mit Gardenroute
2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius
2020: Kapstadt und Gardenroute
2022: Namibia
2024: Namibia und Südafrika
2026: Namibia und Botswana in Planung :-)
Sabine261'394 Beiträge · seit 200918. Jan. 2022 · #9
Hallo JP,
ganz lieben Dank für dieses ausführliche und für mich sehr hilfreiche Antwort!!!
Mir scheint, dass dann die Strecke auf der südwestlichen Ecke der OSA Halbinsel dann auch für uns befahrbar sein sollte. Das eine oder andere, was Du beschreibst, kommt uns aus verschiedenen Ländern des mittel- und südamerikanischen Kontinents (als Selbstfahrer und Mitfahrer) bekannt vor. Danke auch für die Bilder, so kann ich mir Einiges gut vorstellen. Die Schlaglöcher sind bei Trockenheit hinsichtlich der Tiefe natürlich auch viel besser einzuschätzen als gut gefüllt mit dem braunen Nass.
Selbst vor vielen Jahren hat es ewig gedauert von Jaco an den Flughafen - daran kann ich mich gut erinnern, kurvig, es hat geregnet (Anfang April), hingen hinter LKWs fest und vereinzelte, kleine Erdrutsche gab es auch.
Wir sind bisher fast ausnahmslos immer nur mit Karte gefahren, aber in Iquique haben wir das erste Mal festgestellt, dass ein Navi gerade in südamerikanischen Städten ohne oder nur mit versteckt angebrachten Straßenbezeichnungen sehr viel Stress rausnimmt und nicht immer möchte/kann man anhalten, um nach dem Weg zu fragen. Ich kann zwar ein wenig Spanisch, aber das nützt einem oftmals auch nicht so viel, wenn man sich heillos verfahren hat …
Bin jetzt auf Deinen Bericht gespannt und freue mich!
Viele Grüße Sabine
picco6'369 Beiträge · seit 201118. Jan. 2022 · #10
Hoi zämä
Da das Thema auf Navi in Costa Rica gefallen ist hier noch der Tipp einer unserer Gastgeberinnen: Die Waze-Navigationsapp mit Offline-Karten (Klick mich) hat uns recht gut geholfen!
D und M435 Beiträge · seit 201218. Jan. 2022 · #11
JP K schrieb:Erstmal vorneweg einige Erläuterungen: Tier- und Vogelbestimmung: wir haben ca 90 verschiedene auf Fotos dokumentierte Vogelarten gesichtet, dazu kommen sicherlich nochmals über 20 Sichtungen, die nicht auf Fotos festgehalten wurden, weil zu gewöhnlich (zB Tauben, weisse Reiher, schwarze Drossel, Schwalben) oder weil hinter Zweigen/Laub versteckt. Ich habe mir Mühe gegeben, alle Vögel auf den Fotos zu bestimmen, falls mir dabei Fehler unterlaufen sein sollten, nehme ich gerne Hinweise und Korrekturen auf. Einige Vögel konnte ich nicht bestimmen, ich hoffe Ihr helft mir an den entsprechenden Stellen. Immerhin haben wir damit mehr als 10% aller in Costa Rica vorkommenden Vogelarten gesehen, das finde ich eine ordentliche Ausbeute. Den Rest schaue ich mir dann beim zweiten Besuch an.
Hallo JP Das mit den kleinen Tieren und Vögeln ging uns auch so letztes Jahr in CR. Es war der Hammer. Ich hatte am Schluss 159 verschiedene Vögel im Kasten und sicher auch noch einige, die ich nicht erwischt habe.
Super, ich freue mich auf den Bericht, denn wir hatten 14 Tage für April 2021 als Selbstfahrer gebucht und hoffen nun, dass es dieses Jahr endlich klappen wird.
Guten Morgen JP, wir waren zwar vor langer Zeit schon mal in Costa Rica, planen aber eine zweite Reise weil es so interessant und schön war. Wenn es wieder geht… Wie schön, dass ihr die Reise gemacht habt und jetzt hier berichtet. So können wir mitreisen bis es für uns soweit ist. Vielen Dank Herzliche Grüße Strassenkind Peter
JP KThemenstarter387 Beiträge · seit 202120. Jan. 2022 · #14
@Peter und @yvy: seit Januar gilt 1G in Costa Rica. Sofern ihr geimpft seid, spricht doch nichts gegen eine Buchung, oder?
@Daniela: Uih, 159 Vogelarten sind aber mal ne Ansage, da kann ich nicht mithalten. Dann weiss ich ja beim nächsten mal, was gehen kann und werde mich mehr anstrengen 😁
San Jose Wir hatten den Direktflug mit Lufthansa FFM nach San Jose gebucht, kein Zwischenstop, Ankunft pünktlich 19 Uhr Ortszeit. Im Flughafen San Jose den QR-Code vorgezeigt, und raus waren wir, alles sehr unproblematisch. Es war schon dunkel, ein Taxi hat uns zum Hotel gefahren, den Mietwagen werden wir erst nach Tortuguero übernehmen. Die Taxifahrt war gar nicht schlimm, sondern innerhalb einer halben Stunde waren wir im Stadtzentrum im Hotel - wo bleibt der berüchtigte Verkehr? Er sollte uns noch früh genug gefangen halten. Der Jetlag lässt uns früh und ohne Abendessen einschlafen in der Gewissheit, nachts wieder hellwach zu werden. So war es auch, und wir waren entsprechend die ersten am faden Frühstücksbuffet. Wir hatten einen vollen Tag in San Jose, am nächsten Morgen früh werden wir abgeholt nach Tortuguero.
Es wird häufig geschrieben, dass man die Hauptstadt schnell hinter sich lassen sollte, weil sie nichts biete für einen europäischen Touristen. Ich fand es jetzt nicht langweilig, einen Tag kann man schon mal investieren, in der kleinen Innenstadt ist alles fussläufig erreichbar. Die Stadt mäandert sich auf einer großen Fläche durch das Tal, sehenswert scheint aber nur das Zentrum zu sein. Wir waren vormittags auf den Märkten, haben uns in das Getümmel gestürzt, zusammen mit vielen anderen Touristen, wie man auf einem der Fotos erkennt.
Ich bin nicht so der Koch in unserer kleinen Familie, aber trotzdem bestaune ich immer wieder aufs neue auf exotischen Märkten die bunten Gewürz-, Gemüse- und Obststände.
Danach haben wir uns das Briefmarkenmuseum im Postgebäude angeschaut, das war überflüssig, auch wenn das Gebäude äußerlich recht imposant daherkommt.
Wir haben einen großen Bookstore an der Hauptstrasse gefunden, dort gab es allerdings keine englischsprachigen Bücher. Vielleicht gibt es sowas auch in San Jose, wir haben aber keinen gefunden. Die einschlägigen englischsprachigen Bücher (Reiseführer, Flora und Fauna) haben wir in den Touristenhotspots gesehen, die Preisunterschiede waren allerdings gewaltig, Preisbindung gibt’s nur in Deutschland.
Wirklich sehenswert fand ich das Nationalmuseum am anderen Ende der Innenstadt. Hier wurde sich durchaus kritisch mit der Geschichte Costa Ricas auseinandergesetzt: es ging von der ersten Besiedlung über die Kolonialisierung, Verdrängung der Ureinwohner in Reservate, der Unabhängigkeitserlangung, der Industrialisierung hin zu Arbeiteraufständen; die neuesten Kapitel beschäftigen sich u.a. mit der Rodung der Regenwälder, der Bodenauslaugung durch landwirtschaftliche Monokulturen und dem Rückgang der Artenvielfalt sowie Aufforstungsbestrebungen. Alles sehr anschaulich anhand ausgestellter Gegenstände der jeweiligen Zeit. Wir haben hier wohl 3 Stunden verbracht.
Bevor man in das eigentliche Museum gelangt, gibt es eine Art Vorhalle, in der eine Art Gewächshaus mit diversen Schmetterlingsarten eingerichtet ist. Blauer Morphofalter. Der Schmetterling ist blau auf den Flügeloberseiten, ich hatte keine richtige Geduld, denn im Sitzen klappt er eigentlich immer seine Flügel zusammen.
Gegenüber dem Nationalmuseum ist das neue Parlamentsgebäude, eingeweiht im Oktober 2020. Es beherbergt neben dem Plenarsaal auch die Büros für die 57 Abgeordneten.
Einen Starbucks hat die Stadt auch, da weiss man weltweit ziemlich sicher was man bekommt, safe bet. Klar, Costa Rica ist die Hochburg des Hochlandkaffees, aber wir fangen mal klein an. Der Fokus auf Kaffe bei dieser Reise kam eigentlich erst an unserer letzten Station im Orosi-Tal.
Wetter: heiter bis wolkig, für den kurzen Regenschauer am Nachmittag haben wir uns in ein Restaurant gesetzt.
Sabine261'394 Beiträge · seit 200920. Jan. 2022 · #15
Hallo JP,
prima, dass Du auch Bilder von San Jose zeigst.
Vom Museum hatte ich schon gelesen, dass dieses interessant sein soll - wir gehen auch immer mal gerne in ein Museum. Das Theater wäre der andere Spot, der mich in San Jose noch interessieren würde.
Hast Du auch Bilder von Euren Unterkünften gemacht? Wenn ja und Du die zeigen magst, fände ich das klasse.
Viele Grüße Sabine
Beatnick1'712 Beiträge · seit 201621. Jan. 2022 · #16
Hallo JP K,
bin gerade noch schnell zugestiegen und nicht nur gespannt auf die 20 Prozent, die ich offenbar in die Waagschale geworfen habe (aber natürlich vor allem auf die ;)) .
JP KThemenstarter387 Beiträge · seit 202122. Jan. 2022 · #17
Hallo Bettina, schön das Du diesen Faden gefunden hast. Du und auch meine Nachbarn haben sehr für Boca Tapada geworben. Der Ausschlag für die Laguna Del Lagarto Lodge waren Eure Königsgeier-Bilder, die bei mir einen starken "auch haben wollen"-Reflex auslösten, ausserdem waren die Baumhäuser der Maquenque-Lodge belegt, dort waren unsere Nachbarn untergekommen.
JP KThemenstarter387 Beiträge · seit 202122. Jan. 2022 · #18
Tortuguero Nationalpark Tag 1
Der Tag beginnt früh, denn wir werden abgeholt um 6:45 Uhr an unserem Hotel in San Jose, pünktlich wie die Maurermeister. Der Bus macht seine Runde in San Jose und holt jeden einzelnen von seinem gewünschten Ort ab, wir sind die vorletzte Station, die anderen mussten also schon erheblich früher bereit sein. Alles sehr ordentlich organisiert, keiner hatte irgendwelche Beschwerden zu melden. Unser Arrangement bestand aus 4 Übernachtungen all inclusive, was auch den Pick-up in San Jose beinhaltete. Da ich ohne Reiseveranstalter gebucht hatte, traute ich der Organisation nicht blind, und schrieb eine Mail die Lodge möge doch bitte Pick-up und Drop-off Zeiten mitteilen, damit ich die übrigen Planungen darauf einstellen kann. Die Antwort kam 2 Tage später, und alles verlief wie bestellt. Alternativ zu diesen all-inclusive-Lodges, von denen es in Tortuguero mehrere zur Auswahl gibt und die nett am sogenannten Canal liegen, also den gewundenen letzten paar Kilometern vor der Mündung ins Meer, besteht die Möglichkeit, preiswerte Unterkünfte in Tortuguero Town direkt am Meer zu buchen, Restaurants in Anspruch zu nehmen und Zusatzleistungen wie Ausflüge oder Kanus selbst zu organisieren. Bei unserer Buchung war dies schon mit inklusive. Das Rauschen der Meereswellen haben wir aber auch in unserer zweiten Reihe deutlich gehört.
Die Busfahrt ging über die Bergkette ins Tiefland nahe der Küste. Ein Frühstückstop in einem Restaurant gehörte dazu, dort sahen wir dass praktisch alle Busladungen dort einkehren auf dem Weg hin sowie zurück von Tortuguero. Damit es nicht langweilig wird, hat das Restaurant einen Bananenfeeder für die Vögel und einige Kolibri-Feeder aufgestellt. Die Kameras ratterten ununterbrochen bis zur Abfahrt. Blue-grey tanager / Blautangare
Clay-colored thrush / Gilbdrossel
White-necked Jacobin / Weissnackenkolibri
Die Busfahrt ging weiter, bis wir an den Anlegesteg für die Bootsfahrt nach Tortuguero kamen. Dort wurden wir eingeschifft für eine einstündige Bootsfahrt inklusive unserer Koffer in die verschiedenen Lodges.
Maske auf hiess es in ganz Costa Rica, auch im Tortuguero NP, die NP-Ranger bestanden darauf, dass wir auch auf den offenen Booten die Masken trugen. Die Guides hatten uns immer rechtzeitig Bescheid gesagt wenn Ranger unterwegs waren damit wir einen guten Eindruck hinterlassen können. Die Guides allerdings haben immer und ohne Ausnahme zu jeder Zeit ihre Maske getragen auch im tiefsten Dschungel, sie wollten eine Kündigung nicht riskieren.
Auf der Fahrt gab es die ersten Tiersichtungen, neben dem allfälligen Croc auf einer Sandbank gab es einen Grossen kleinen Ameisenbär (Tamandua) auf einem Baum zu bestaunen
An der Lodge angekommen, gab es Mittagessen und wir haben unsere Zimmer bezogen. Nachmittags haben wir dann einen Ausflug zur Tortuguero Town mitgemacht, mit dem Boot ging es schräg über den Kanal, in 5 Minuten waren wir da. Gleich hinter dem Bootssteg wurden wir vom lauten Krächzten der Green Macaws/Soldatenaras begrüsst. Ein besseres Photo gibt’s heute nicht, ich stand unten und die Vögel waren in den Bäumen weit über mir.
Der Guide wies uns auch auf ein Faultier hoch oben in den Baumwipfeln hin. Hätte ich nie selbst entdeckt, ich hätte nie so angestrengt lange in die Baumkronen gestarrt, bis ich so ein Tier zu Gesicht bekomme, und dann war es auch nur durch das Teleobjektiv erkennbar. Auch zu den anderen Gelegenheiten, bei denen wir auf ein Faultier gestossen sind, hätte ich nie die Wollknäuel selbst entdeckt, sie hocken in der Regel regungslos an einer Astgabel und sehen auch nach mehrmaligen Hinsehen wie eine Verdickung des Geästs aus.
Ausserdem waren ab dem späteren Nachmittag die Heerscharen an Geiern in der Luft auffällig, die über dem Strand auf- und abflogen. Uns wurde erläutert, dass die Schildkröteneier bald reif zum Schlüpfen sein werden, die Geier warten schon darauf, dass sie die kleinen frisch geschlüpften Krötlein vom Strand pflücken können. Geschlüpft wird ab Dezember bis Mai. Es sind übrigens Raben- und Truthahngeier, die den Strand patrollieren. Great-tailed grackle / Dohlengrackel
Tropical kingbird / Königstyrann
In den Bäumen in der Wohnsiedlung hielten sich auch Spieder Monkeys / Klammeraffen auf, dies war das einzige Mal auf dieser Reise, dass sie mir den Gefallen taten und für ein Photo relativ still hielten.
Da von Sabine gewünscht, hier noch ein Bild vom Inneren unseres Zimmers. Die Hütten waren auf Holzstelzen gebaut und beherbergten je Hütte 4 Zimmer. Ich schätze, die Lodge hat an die 100 Zimmer, der Restaurantbereich war entsprechend sehr groß. Das Essen der Lodge war keine Offenbarung, aber auch nicht schlimm. Es gab zu jeder Mahlzeit Buffet-Style aus großen Behältern für die Massenabfertigung. Man hielt sich nicht länger im Spreiseraum auf als nötig.
Die Flussarme des Fluss-Deltas wurden übrigens tatsächlich zu Kanälen ausgebaut, damit das Holz leichter abtransportiert werden konnte. Jetzt besteht der Nationalpark aus aufgeforstetem Wald und Holzwirtschaft ist verboten.
Sabine261'394 Beiträge · seit 200922. Jan. 2022 · #19
Hallo JP,
erst einmal vielen lieben Dank, dass Du auch Bilder von der Lodge zeigst. Ich finde, das hilft auch immer für eigene Planungen.
Am Tag der Anreise nach Tortuguero hattet Ihr ja schon einmal Wetterglück - ich sehe blauen Himmel 🙂 … und gleich auch schon viele schöne Sichtungen!
Kleiner Hinweis: Den Ameisenbär, den Ihr gesehen habt, ist der kleine Ameisenbär, ein Tamandua. Habe zwar gelesen, dass es möglicherweise noch auf der OSA Halbinsel den großen Ameisenbär geben soll, aber ich glaube, das ist nicht so ganz sicher. Könnte sein, dass es gar keine großen A. mehr in Costa Rica gibt. Der große Ameisenbär lebt auf der Erde. Bitte nimm mir den Hinweis nicht übel 🙂
Freue mich auf die Fortsetzung.
Viele Grüße Sabine
JP KThemenstarter387 Beiträge · seit 202122. Jan. 2022 · #20
Danke Sabine, so liebe ich unsere Zusammenarbeit. Du wirst noch viele Gelegenheiten zur Mithilfe bekommen, die Vogelbestimmung fand ich nicht immer einfach. Dass mir ein Fehlgriff allerdings schon beim einfachen Ameisenbär passierte, ei ei ei. 😗