Fortsetzung 1 Reisetage 66 und 67 (6. und 7. Oktober 2021) – Waterberg – Etosha NP (rund um Namutoni)
In den nächsten Tagen heißt es wieder früh raus aus den Federn – schließlich wollen die Tage im Park genutzt sein. Da ich leicht aufstehe, ist das für mich kein wirkliches Problem und wenn man allein reist, dann ist die Abendunterhaltung auch endenwollend, also für genug Schlaf ist gesorgt. Frühstück gibt es ohnehin nicht, das habe ich aus Otjiwarongo mitgebracht. Ich komme nur meistens einmal während des Tages nach Namutoni zurück, um zumindest meinen geliebten Cafe zu trinken, obwohl der Cafe hier nicht unbedingt der Cafe ist, den man gerne trinkt… Pünktlich mit Toröffnung geht’s also wieder auf Pirsch, heute will ich zunächst die Fisher’s Pan umfahren und zwar gegen den Uhrzeigersinn. Das erste Tier, dem ich heute begegne, ist ein Mahaliweber (White-browed Sparrow-Weaver), der noch aufgeplustert in den ersten Sonnenstrahlen sitzt und auf Wärme wartet.
Auch ein paar Springböcke stehen herum und genießen die Morgensonne.
Unweit davon stolziert ein einsamer Strauß über die weite Ebene.
Zwei Maricoschnäpper (Marico Flycatcher) sitzen auf den dünnen Zweigen.
Eine Gruppe von Makalani-Palmen steht am Rand der Pfanne, es sind aber im Moment wenige Tier zu sehen. Dafür treffe ich auf einige Trappen, eine Weißflügeltrappe (Northern Black Korhaan) und mehrere Riesentrappen (Kori Bustard).
Ein Termitenschmätzer (Ant-eating Chat) zeigt sich ebenso wie eine kleine Schabrackenschakal-Familie. Leider verschwinden die Jungen sofort im hohen Gras…
Weit draußen in der Ebene der Pfanne ziehen einige Giraffen vorbei, vor mir auf der Pad stehen einige Doppelband-Rennvögel (Double-banded Courser) und ein Raubadler (Tawny Eagle) thront auf einem Baum.
Im Nordteil der Fisher’s Pan sehe ich plötzlich eine Tüpfelhyäne mit einer großen Zahl an Schabrackenschakalen herumtollen – natürlich bleibe ich stehen und sehe dem eigenartigen Treiben zu. Bald stellt sich heraus, dass hier während der Nacht ein Zebra gekillt wurde und nun werden die Reste mehr oder weniger gerecht verteilt… Die Hyäne lässt die Schakale immer wieder gewährend, doch dann schlägt sie erbittert zurück und treibt die Horde auseinander. Das hält nicht lange an und von allen Seiten nähern sich die Schakale wieder dem Kill. Wie bei einem Perpetuum mobile wird dieses Spiel zu einer Endlosschleife.
Ich schaue dem Treiben eine gefühlte Ewigkeit zu, doch dann verlasse ich die Szene, werde aber wenig später von drei niedlichen Löffelhunden gestoppt…
Die Löffelhunde sind noch nicht einmal richtig verschwunden, da steht plötzlich ein gewaltiges Spitzmaulnashorn direkt neben meinem Auto – puh, da muss ich mich eiligst aus dem Staub machen, das Tier ist sehr aggressiv.
Zurück auf der Hauptstraße Richtung Norden quert ein weiteres Spitzmaulnashorn mit einem Jungtier unvermittelt die Pad – ich kann leider nur mehr das Jungtier fotografieren, das hinter der Mutter hertrottet…
Ich will nun noch kurz nach Tsumcor fahren, wo gestern die vielen Elefanten waren, zudem ist die Entfernung dorthin nicht sehr groß. Doch so weit komme ich nicht, denn plötzlich sehe ich vor mir wieder direkt auf der Pad zwei Geparde spazieren – das muss ich mir natürlich genauer ansehen…
Aus den zwei Geparden werden bald vier dieser wundervollen Tiere, die gemeinsam am Weg sind. Während zwei auf der Straße unterwegs sind, streifen die anderen beiden durch das Gebüsch.
Rotkopfamadinen sitzen auf den Büschen und beobachten die Szenerie ebenso.
Der Spuk dauert aber nicht allzu lange, dann sind die vier Geparde auch schon wieder im hohen Gras verschwunden. Das ist auch wieder einmal ein Beispiel für „zur rechten Zeit am rechten Ort“. Da ich mein Auto im Zuge der Gepardenfotografie ohnedies gewendet hatte, fahren ich gleich in südliche Richtung nach Klein Okevi weiter, wo bereits ordentlich was los ist. Zahlreiche Strauße sind an der Wasserstelle anwesend. Hals neben Hals wird hier fleißig Wasser aufgenommen…
Aber auch einige Impala sind anwesend.
Dann spaziert auch noch ein Waffenkiebitz (Blacksmith Lapwing) herum.
Die Strauße ziehen sich bald wieder etwas zurück, dafür erscheint ein Schabrackenschakal, um seinen Durst zu löschen.
Wie in einem Kino, hier ist ständig etwas los, denn von der anderen Seite marschieren bereits die Elefanten heran…
Jetzt wird dem Wasserspiegel des relativ kleinen Wasserloches ordentlich zugesetzt!
Mit dem Abzug der Elefanten beschließe auch ich, dieses Wasserloch wieder zu verlassen, bleibe aber noch kurz, als eine alte Giraffe auftaucht, um ebenfalls zu trinken. Zu ihr gesellt sich gleich auch noch eine Warzenschweinfamilie.
Aufbruch die Zweite – oder doch nicht? Ich habe díe Kamera schon weggepackt, als auch noch eine ganze Herde Gnus heranstürmt. Diese Tiere haben es immer eilig und sind zumeist sehr hektisch. Sie stürmen heran, begleitet übrigens von den bereits zuvor gesehenen Straußen… da haben andere anwesende Giraffen das Nachsehen…
Erst als die Gnus abziehen, kann auch die Giraffe Wasser aufnehmen.
Daneben sitzt ein Kaptäubchen auf einem Baumstamm.
Inzwischen ist es schon wieder fast Mittag und ich fahre retour Richtung Namutoni. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie bin ich noch nicht reif für Pause, also beschließe ich, vorbei an Klein Namutoni zum Dikdikdrive zu fahren… da hatte ich bei meinem letzten Besuch im Park hervorragende Sichtungen. Ich weiß natürlich, dass die Mittagszeit nicht besonders vielversprechend ist, aber meine Löwenjagd vor zwei Jahren am Halali-Wasserloch war auch zur Mittagszeit… Vorbei an Klein Namutoni muss ich nicht weit fahren und ich weiß sofort, dass sich der Umweg gelohnt hat, denn da liegt doch tatsächlich ein Leo im Schatten eines Baumes…
Ich bleibe längere Zeit stehen, doch das Raubtier wird sich nun wohl nicht aus seiner Komfortzone wegbewegen… Also mache auch ich jetzt meine Pause, weiß aber natürlich, dass mich mein Weg am Nachmittag wieder hier vorbeiführen wird…
Fortsetzung folgt
Teil 6213. Mai 2022
Fortsetzung 2 Reisetage 66 und 67 (6. und 7. Oktober 2021) – Waterberg – Etosha NP (rund um Namutoni)
Die Mittagspause wird etwas länger als veranschlagt, nachdem ich mir ein Eis und einen Cafe gegönnt hatte, legte ich mich auf das Bett im Chalet und dann bin ich tief und fest entschlummert. Aber kurz vor 15:00 Uhr geht es dann doch wieder weiter – natürlich wird der Weg über Klein Namutoni auch Richtung Dikdik-Drive führen, um zu sehen, was aus dem Leo geworden ist… Zuvor geht es aber noch ein kurzes Stück in nördlicher Richtung zum Wasserloch von Klein Okevi, denn dort war ja am Vormittag Hochbetrieb… Unterwegs treffe ich nochmals auf einen Doppelband-Rennvogel und ein Gleitaar (Black-winged Kite) sitzt in einem Baum. Der Gelbschnabeltoko (Southern Yellow-billed Hornbill) ist sehr nahe an der Pad und vor allem geduldig zu mir…
Zudem kann ich auch noch weitere Schnurrbärtchen (Scaly-feathered Weaver) sowie einen Kalahari Heckensänger (Kalahari Scrub Robin) beobachten. Auch eine Kapturteltaube (Ring-necked Dove) und ein weiblicher Tahaweber (Yellow crowned Bishop) sind anwesend. Vielen Dank für die Mithilfe bei der Bestimmung!
Ein Schabrackenschakal dreht ebenfalls seine Runden.
In der Ebene steht eine Herde Springböcke, im Hintergrund ist das Fort Namutoni gut zu erkennen.
Beim Wasserloch von Klein Okevi spaziert wieder ein Waffenkiebitz herum, außerdem sind wieder zahllose Schurrbärtchen, eine Riesentrappe und ein Maricoschnäpper zu sehen. Der kleine Vogel mit dem roten Schnabel wird von den Expert*innen hier im Forum als Blutschnabelweber taxiert. Auch hier vielen Dank für die Unterstützung!
Als ich schon wieder weiterfahren will, erkenne ich im Gras einen Leoparden… da schlägt mein Herz höher – es kann doch nicht sein, dass ich in unmittelbarer Nähe zu Namutoni auf einen zweiten Leo treffe?!
Der Leo bleibt zunächst liegen, starrt mich aber unentwegt an. Meine Anwesenheit stört offensichtlich… Plötzlich erhebt sich die Gute und spaziert wieder direkt auf die Straße und auf das Auto zu.
Auf der anderen Straßenseite verschwindet das prächtige Tier dann wieder im hohen Gras.
Ich fahre noch ein wenig auf und ab, hoffe darauf, sie nochmals zu Gesicht zu bekommen – dabei finde ich aber einen ganz frisch gerissenen Kadaver eines Springbocks, der ebenfalls direkt auf der Pad liegt.
Ich stelle mich daneben hin und warte – zwei Autos kommen vorbei und beide Fahrer fragen mich, ob ich Hilfe benötige – die meinen vermutlich, dass ich den Springbock so zugerichtet habe… das wird mir dann aber doch zu blöd und ich fahre weiter, lasse den Springbock und auch den Leo zurück… Hier hätte es vermutlich etwas mehr Geduld bedurft – am nächsten Morgen war der Kadaver jedenfalls verschwunden!
Langsam aber sicher wird das Licht zum Fotografieren wieder besser und ich beschließe, endlich Richtung Dikdik-Drive aufzubrechen… Gnus stehen malerisch am Rand der Pfanne und ein Singhabicht flattert davon.
Ich stoppe nochmals bei einer Riesentrappe, einem Gnu und bei einem Gelbschnabeltoko.
Auch ein Warzenschwein ist unterwegs und eine Sabotalerche steht an der Pad.
Noch ehe ich am Wasserloch von Klein Namutoni vorbeifahren, sehe ich zwei Dikdik an einem Busch knabbern.
Tatsächlich finde ich meinen „Leo“ wieder – er hat sich zwar etwas umgebettet, was logisch ist, sonst würde er jetzt in der Sonne liegen – aber er liegt immer noch im Schatten eines Baumes. Vor wenigen Minuten hat Kerstin (Farina im Forum) geschrieben, dass sie am selben Tag mit einer Freundin vor Ort war und den Leo auch gesehen hat, „als er von seinem Baum mit dem Kill sprang“. Mit diesen Zeilen wird nun mein Bild der ganzen Angelegenheit erst klarer… der Leo liegt also auf dem Boden und döst vor sich hin, von einem Kill kann ich zunächst nichts sehen, weder am Baum, noch am Boden.
Meine Anwesenheit dürfte das Tier wieder stören, denn es wird unruhig (so zumindest meine Vermutung zunächst).
Plötzlich steht der Leo auf und blickt um sich.
Dann geht alles viel zu schnell – ich sehe nur noch Staub und eine Hyäne, die wild fachend gegen den Baum springt…
Da ist der Leo auch schon ganz weit oben in den Ästen zu sehen, die Flucht ist geglückt…
Unten die Hyäne, oben der Leopard – welch ein Bild…
Jetzt erst sehe ich, dass die Hyäne tatsächlich dem Leoparden die Beute abspenstig gemacht hat, denn sie steht sabbernd vor einem Kadaver, den ich am ehesten dem eines Warzenschweins zuordnen würde. Immer wieder blickt sie nach oben…
Der Leopard versucht langsam einen Platz zu finden, an dem es sich aushalten lässt, denn er wird vermutlich nicht mehr so rasch auf den Boden dürfen…
Langsam wird das Licht wirklich gut – zumindest für meine Bedürfnisse…
Inzwischen hat sich unten eine zweite Hyäne eingefunden und man hört Knochen brechen…
Nun hat auch der Leopard seinen Platz gefunden und ich mache mich langsam auf zurück zum Fort, denn es wird Zeit, das Gate wird bald schließen, außerdem will ich auch noch kurz in Klein Namutoni stoppen…
Hier gibt es inzwischen bereits wieder die abendliche Idylle, Zebras und Giraffen kommen zum Trinken.
Schließlich taucht auch eine Hyäne auf, die zielstrebig auf das Wasser zusteuert.
Sie nimmt auch noch ein Bad, als zum Abschluss des heutigen Tages ein einsamer Elefant erscheint und sich ebenfalls noch in Pose stellt…
Jetzt ist es aber für mich endgültig Zeit, ich muss zurück ins Camp. Ich kann wieder mehr als zufrieden sein, ein weiterer grandioser Tag neigt sich dem Ende zu. Das Abendessen nehme ich heute im Restaurant des Camps ein – einen großen Salatteller und Pommes, auf Fleisch verzichte ich heute. Dafür gibt es ein zusätzliches Bier! Am nächsten Tag geht es dann – nach einer morgendlichen Pirschfahrt rund um Namutoni – weiter nach Halali!
Auf geht’s wieder; pünktlich mit Toröffnung rolle auch ich mit meinem Duster durch das Gate. Zweimal rechts abgebogen und schon bin ich auf dem Weg Richtung Andoni Plain, denn dort sollen – so jedenfalls unbestätigte Gerüchte – seit mehreren Tagen einige Löwen zu finden sein.
Fast unmittelbar vor dem Gate darf ich erstmals stoppen, denn eine Tüpfelhyäne steht unweit der Pad.
Sie schaut eher sehr müde aus, vermutlich war der nächtliche Beutezug anstrengend. Die ersten Sonnenstrahlen fallen auf eine Gnu-Herde, das Morgenlicht ist wieder einmal magisch.
Die Fahrt Richtung Norden ist ansonsten eher eintönig, es sind kaum Tiere zu sehen. Langsam frage ich mich, ob das wohl die richtige Entscheidung war, denn weniger kann ich auch an anderer Stelle nicht sehen. Die knapp 40 km bis zur weiten Andoni Ebene stoppe ich ein einziges Mal, um eine Spitzmaulnashorn-Mutter zu beobachten, die sich um ihr Kalb kümmert, das sie sehr verborgen hält.
An der kleinen Wasserstelle, die man erreicht, sobald man in der Ebene angekommen ist, stehen noch einige Kuhantilopen, leider schon etwas im Gegenlicht. Weitere dieser stattlichen Tiere stehen etwas entfernt.
Auf einem der wenigen Büsche sitzt ein Termitenschmätzer (Ant-eating Chat).
Auf der Südseite der Ebene sehe ich gerade noch eine Löwin im Gebüsch verschwinden, sie sieht etwas ramponiert aus...
Ein Nama-Flughuhn läuft ebenfalls die Pad entlang, ansonsten ist das bisher ein recht ruhiger Morgen. Ich warte, ob sich die Löwin noch einmal zeigt, aber die hat sich sicher schon niedergelegt. Ich beschließe, von hier gleich wieder retour zu fahren, dabei aber die Strecke entlang der Pfanne zu nehmen. Noch vor Stinkwater kommt mir ein Elefantenbulle sehr nahe, der direkt neben der Straße im Gebüsch frisst.
Ich stoße auf eine Herde Gnus, die Richtung Pfanne zieht.
Ein Schabrackenschakal hat sich hier offenbar ein Perlhuhn geschnappt, er zieht mit seiner Baute ab rasch ab.
Von hier aus hat man einige sehr schöne Blicke auf die endlos scheinende Weite der Etosha-Pfanne.
Jetzt sehe ich auch die wunderschönen Oryx-Antilopen erstmals besser. Da muss das Licht gut passen, dass man diese stattlichen Tiere gut fotografieren kann.
Vor mir auf der Pad liegt eine überfahrene Puffotter, auch hier halte ich kurz an.
Neben der Pad steht ein Zimtspornpieper (African Pipit).
Natürlich fahre ich auch jetzt kurz nach Tsumcor, obwohl das Licht am Vormittag an diesem Wasserloch nicht sehr gut ist. Es haben sich einige Elenantilopen und einige Kudus eingefunden. Schließlich erscheint auch noch eine kleinere Herde Elefanten
Auf das Wasserloch von Tsumcor ist Verlass… Beim Wasserloch Klein Okevi treffe ich lediglich auf einen Kudu-Bullen, ansonsten ist es hier relativ ruhig. Dafür sitzen aber einige Rotbrustschwalben (Red-breasted Swallow) auf den umliegenden Büschen und eine Fuchsmanguste zeigt sich ebenso.
Entlang des Weges fallen mir noch eine Weißflügeltrappe (Northern Black Korhaan), weiters eine Rotkappenlerche (Red-capped Lark), ein weiterer Zimtspornpieper und ein Rotschulter Glanzstar (Cape Starling) auf.
Zahlreiche Zebras weiden entlang des Pfannenrandes, auch einige Gnus mischen sich unter die Herden. Eine einsame Giraffe frisst vor sich hin.
Auffällig sind die zahlreichen Doppelband Rennvögel, die immer wieder die Pad queren.
Die auffälligen Graurückenlerchen (Grey-backed Sparrow-Lark), zunächst ein Weibchen, dann ein Männchen lassen sich ebenso ablichten wie ein weiterer Zimtspornpieper. Vielen Dank, Maddy, für deine Expertise!
Nun ist es aber an der Zeit, weiter Richtung Westen zu fahren. Auch hier sehe ich wieder einige Riesentrappen, einen Termitenschmätzer und einige Kronenkiebitze (Crowned Lapwing). Auch ein Doppelband-Rennvogel zeigt sich wieder, daneben freue ich mich besonders über den Rostrennvogel (Burchell’s Courser), den ich erstmals fotografieren kann.
Ich komme relativ spät in Halali an, der Ausflug nach Andoni hat doch insgesamt länger gedauert. Zebras stehen auf der Ebene nördlich des Camps im schönen Nachmittagslicht.
Ich behebe den Schlüssel für mein Chalet an der Rezeption und dann geht es sofort hoch zum Wasserloch. Eine einzelne Giraffe steht hier, ein Spitzmaulnashorn ist eben dabei, davonzutrotten.
Da dann eine ganze Weile das Wasserloch völlig verwaist daliegt, gehe ich inzwischen wieder zurück zum Shop, will das Auto volltanken und erfahre, dass es derzeit keinen Diesel gibt – ich bin froh, dass ich den Tank nie ganz leerfahre… Vor dem Abendessen, das ich heute wieder in meinem Chalet einnehmen werde, spaziere ich nochmals hinauf zur Aussicht auf das Wasserloch. Inzwischen haben sich zwei Spitzmaulnashörner eingefunden, leider ist nun aber das Licht nicht mehr besonders prickelnd…
Auch mit diesem Tag kann ich wieder ganz zufrieden sein – zumindest ist der der „Löwenbann“ gebrochen, vielleicht treffe ich ja morgen auf einige dieser Raubkatzen. Jedenfalls möchte ich am kommenden Morgen zunächst eine kleine Runde bis nach Rietfontein fahren, dann aber nochmals hierher zurückkommen und erst anschließend gen Westen fahren. Rund um Halali habe ich bei den letzten Besuchen im Park auch immer sehr viele Tiere gesehen – mal schauen, was der nächste Tag bringt!
Kaum bin ich in den Etosha NP gekommen und habe mich so richtig eingewöhnt, muss ich heute auch schon wieder raus… Vier Tage in diesem Park sind einfach sehr kurz, da hilft mir nur die Aussicht darauf, dass ich in wenigen Wochen nochmals hierher zurückkommen werde. Aber zuvor kann ich mich noch auf einen weiteren Tag im Park freuen. Der Aufenthalt im Camp Halali war diesmal leider nicht so toll, aufgrund einer Mäuseplage wurden die Chalets ständig gesprayt und aufgrund des Geruches bin ich nicht sicher, ob die Dosierung des Mittels gepasst hat… ich rede mir zumindest ein, dass die Kopfschmerzen vom intensiven Blick auf die Tiere kommen!
Unmittelbar nach Gateöffnung fahre ich dann auch schon wieder los, werde aber nochmals kurz hierher zurückkommen, denn vielleicht ist dann auch schon die Diesellieferung, die „stündlich erwartet wird“ eingetroffen. Auch der heutige Tag beginnt mit einer Weißflügeltrappe (Northern Black Korhaan). Doch fasst im gleichen Atemzug fällt meine Aufmerksamkeit auch schon auf eine große Herde Zebras, die vor dem Hintergrund der Etosha Pfanne weidet – auch das ist für mich ein typisches Bild, das ich mit Namibia in Verbindung bringe,… Auch einige Oryx-Antilopen ziehen durch die malerische Landschaft.
Bei Rietfontein, wo es ansonsten sehr ruhig ist, treffe ich wieder auf einige Hyänen. Auch einige Fuchsmangusten huschen herum und zwei Raubadler (Tawny Eagle) kontrollieren die Umgebung.
Einen weiteren Raubadler sehe ich in einem Busch neben einem Weißrückengeier (White-backed Vulture) sitzen.
In einem Baum sitzen ein Steppenfalke (Greater Kestrel) und ein Gleitaar (Black-winged Kite), einige Perlhühner sammeln schon eifrig die Samen auf.
Aus Richtung Pfanne trabt ein Spitzmaulnashorn auf mich zu. Es kommt immer näher und quert direkt vor mir die Pad.
Ein weiterer Artgenosse läuft am Pfannenrand entlang.
Nun fahre ich wieder zurück nach Halali, auch dort möchte ich nochmals zum Wasserloch. Entlang der Piste stoppe ich bei einem Weißscheitelwürger (Southern White-crowned Shrike). Ein weiterer Gleitaar flüstert einer Maus etwas ins Ohr – sie darf mit ihm mitfliegen…
Am Wasserloch von Halali sind einige Impala und ein Marabu anwesend.
Es ist interessant dem großen Vogel zuzusehen, der spielerisch leicht über die Steine tanzt,…
Schließlich kommen auch noch einige Kudus dazu.
Von Halali breche ich ohne neuen Diesel auf – es wird weiter auf die Lieferung gewartet… Am Weg vom Wasserloch zum Auto fotografiere ich noch einen Büffelweber (Red-billed Buffalo Weaver) und einen Kardinalspecht (Cardinal Woodpecker).
Außerdem sitzt ein Grautoko (African Grey Hornbill) malerisch auf einem Ast.
In der Ebene rund um Charitsaub treffe ich wieder auf eine große Zahl an Steppentieren. Zebras und Oryx-Antilopen stehen gut im Licht, Kuhantilopen und Gnus sind in größerer Entfernung auszumachen. Ein Steinböckchen steht im Schatten eines Busches.
Bei Sueda spaziert ein einsamer Flamingo. Zahllose Springböcke, Gnus und Oryx-Antilopen bevölkern das Wasserloch von Salvadora. Auch hier sehe ich Kronenkiebitze und Graurückenlerchen.
Auch hier gibt es schöne Blicke auf die Pfanne… und eine Sabotalerche.
Am Wasserloch von Olifantsbad wachen die Löwen unter dem Solarpanel – ich kann die genaue Zahl der Löwinnen nicht festmachen, es sind aber jedenfalls sechs Raubkatzen vor Ort.
Auch eine größere Gruppe an Kuhantilopen wagt sich nicht ans Wasser.
Das Wasserloch von Gemsbokvlakte ist dafür stark bevölkert, leider sind hier die Lichtverhältnisse sehr mies, sodass ich nur ein Belegfoto einstelle.
Kurz vor Okaukuejo queren einige Weißflügeltrappen die Pad, da muss ich mich jedenfalls einbremsen…
In Okaukuejo geht es für mich nach einem kurzen Servicestopp sofort weiter zum Wasserloch, wo zahlreiche Tiere anzutreffen sind. Zebras, Oryx-Antilopen, Kudus, Springböcke, Gnus und Impala
Immer mehr Tiere strömen zum Wasser und löschen ihren Durst. Auch ein Elefant kommt vorbei. Besonders die Zebras tragen auch den einen oder anderen Kampf aus.
Nun heißt es aber endgültig, den Etosha NP wieder zu verlassen. Ich werde in wenigen Wochen zurück sein und darauf freue ich mich, noch ehe ich jetzt rausfahre… Durch das Andersson’s Gate fahre ich wenige Kilometer Richtung Outjo, wo sich links eine „neue“ Tankstelle befindet – hier halte ich und fülle den Tank auf – endlich… Hier bei dieser Tankstelle zweigt auch der Weg zur Etosha Oberland Lodge ab. Diese Lofdge ist ein wahres Erlebnis. Die relativ neue Lodge liegt großartig am Rand der Etosha-Pfanne und die sehr geräumigen Chalets sind sehr hochwertig ausgeführt, der Gast ist tatsächlich König.
Die Chalets liegen mitunter recht weit vom Haupthaus mit der Rezeption entfernt, entweder man fährt mit dem Auto zu oder borgt sich eines der zur Verfügung stehenden Räder aus. „Mein“ Chalet von der „Gartenseite“ aus betrachtet…
Im Hauptgebäude sind Rezeption und Restaurant sowie Bar und eine kleine Bibliothek untergebracht.
Vor diesem Hauptgebäude befindet sich ein großer Pool mit angeschlossenen Decks, auf denen Sitzgelegenheiten und Liegen stehen. Auf Privatsphäre wird viel Wert gelegt.
Im Lodgeareal laufen zahlreiche Tiere herum, darunter auch sechs Breitmaulnashörner…
Es ist ein besonderes Erlebnis, diese Kolosse hier aus nächster Nähe bei einem kalten Getränk beobachten zu dürfen…
Ich genieße hier den restlichen Nachmittag sehr, vielleicht das ein oder andere Mal zu oft auf den Auslöser gedrückt…
Das Licht wurde natürlich fast minütlich besser und am späteren Nachmittag fällt auch noche eine große Kolonie Blutschnabelweber ein…
Ich kann mich kaum losreißen, auch als die anderen Gäste bereits zum Abendessen gehen, das hervorragend schmeckt, bleibe ich noch kurz bei den Rhinos…
Der wunderbare Tag wird mit einem Trink an der Bar abgerundet. Der Aufenthalt im Etosha NP hat sich wieder einmal mehr als gelohnt, ich bin rundum glücklich!
Gefahrene Tageskilometer: 136
Teil 6618. Mai 2022
Reisetage 70 und 71 (10. und 11. Oktober 2021) –Etosha Oberland Lodge – Vingerklippe
Heute kann ich einmal etwas länger ausruhen und das ist gut so, denn in dieser Lodge kann man es richtig gut aushalten. Gestern hatte ich am Rückweg zu meinem Chalet noch einen kurzen Schreckmoment, denn unmittelbar vor meinem Fahrrad hatte eine Kobra den Weg gekreuzt. Dieses besondere „Erlebnis“ führte dann dazu, dass ich auf eine Freiluftdusche verzichtete und mein Badezimmer aufsuchte… Das Frühstück ist wie das Abendessen gestern hervorragend, es fehlt tatsächlich nichts. Nachdem die letzten Tage ohnehin etwas spartanisch waren, was das Essen betrifft, darf ich mich heute wieder verwöhnen lassen! Um kurz vor 10:00 Uhr habe ich mein Chalet geräumt und ich mache mich auf den Weg Richtung Outjo.
Fazit Etosha Oberland Lodge: Es handelt sich hierbei ja um eine Unterkunft der gehobeneren Preiskategorie; die Lodge bietet aber auch alle nur erdenklichen Annehmlichkeiten. Vor allem fällt auch auf, dass die Handwerker beim Bau erstklassige Arbeit geleistet haben. Hier ist nichts schief oder klappert, da sitzt einfach alles… Es wurden hochwertige Einrichtungsgegenstände und Armaturen verbaut, der Gästeservice ist unaufdringlich, aber erstklassig. Auf Privatsphäre wird sehr geachtet. Für mich ist das sicher das beste Hotel, das ich auf meiner Rundreise durch das Südlichen Afrika aufgesucht habe – in jeder Hinsicht großartig! In Outjo darf natürlich ein Besuch der Bäckerei nicht fehlen – hier komme ich, obwohl es einen kurzen Umweg bedeutet – nicht vorbei.
Von Outjo geht es dann das kurze Stück zurück zur Abzweigung auf die C39, der ich bis zur Abzweigung auf die D2743 folge, die mich bis zur Vingerklip Lodge führt. Die C39 ist eine gut ausgebaute Teerstraße und die D2743 ist ebenfalls, bis auf ein ganz kurzes Stück, in einem hervorragenden Zustand, sodass ich bereits nach gute einer Stunde ankomme. Ich bin natürlich froh, dass mein Zimmer schon bereit steht, die Lodge ist gut belegt, aber bei weitem nicht ausgebucht. Den Nachmittag verbringe ich am Pool und im Zimmer – jetzt ist hier auch ein wenig Erholung angesagt. Die Lodge liegt in einer wahrlich wunderbaren Umgebung, inmitten der großartigen Formationen der Ugab-Terrassen.
Die Chalets sind wunderbar angelegt, die gesamte Anlage wirkt sehr gepflegt.
Gegen 16:00 Uhr mache ich mich auf den Weg hinauf zum Eagles Nest, einem Restaurant, das auf einer der Ugab-Terrassen liegt. Ich möchte oben vor dem Abendessen ein wenig herumspazieren und fotografieren. Der Aufstieg ist streckenmäßig nicht sonderlich lang, dafür ist es relativ steil und ein Teil des Weges muss über eine interessante Metall-Leitern-Konstruktion zurückgelegt werden.
Von oben ist der Ausblick grandios – es gibt dort neben dem Restaurant auch ein abseits gelegenes „Honeymoon-Chalet“. Vor allem der Blick auf die Vingerklippe und die umliegenden Terrassen ist absolut lohnend. Aber auch das Areal der Lodge kann man von hier oben gut einsehen.
Langsam nähert sich die Sonne dem Horizont und die an sich schon fantastische Landschaft wird in ein wahrlich magisches Licht getaucht. Die Schatten werden immer länger und die Gelb- und Rottöne verschmelzen
Auch die Formation der Vingerklippe tritt immer mehr hervor.
Zum Schluss liegt die gesamte Umgebung im Schatten, nur noch der einsame Felsenturm ist angestrahlt.
Hier oben im Restaurant wird dann ein typischer Braai angerichtet – ein Grillabend in atemberaubender Atmosphäre. Nach dem Essen erfolgt der Abstieg – auch das ist eine spannende Angelegenheit…
Am nächsten Morgen bin ich schon früh unterwegs, zu Fuß laufe ich zur Vingerklippe um hier den Sonnenaufgang zu erleben. Mit einer Taschenlampe spaziere ich durch die Savannenlandschaft, bald jedoch kommt die Sonne Richtung Horizont. Die Landschaft wird wieder ein eindrucksvolles Licht gehüllt…
Die Terrasse mit dem Eagles Nest ist zuerst im Licht, das langsam tiefer wandert… um schließlich alle Terrassen anzustrahlen.
Auch die Vingerklippe verändert, abhängig von der Perspektive ständig ihre Farben.
Langsam spaziere ich zurück zur Lodge.
Ich verbringe diesen Tag in der Lodge, lese viel, reinige meine Kamera und liege auch nur faul am Swimmingpool. Ich bin jetzt immerhin schon mehr als zwei Monate unterwegs, ständig neue Eindrücke ermüden. Körper und Kopf benötigen eine Pause. So entstehen im Laufe dieses Tages auch keine weiteren Fotos, die Kamera liegt im Zimmer, ich kann auch den gefiederten Freunden widerstehen, die uns umlagern. Das Abendessen nehme ich diesmal im großen Restaurant der Lodge ein, ich gehe auch kein zweites Mal zum Eagles Nest hoch. Erst am darauffolgenden Morgen, vor meiner Abreise von diesem herrlichen Platz, entstehen wieder einige Bilder. Jetzt wird der Sonnenaufgang von der Lodge aus festgehalten.
Langsam fallen die Sonnenstrahlen über die Terrasse, auf der sich das Eagles Nest befindet.
Nach dem Frühstück packe ich meine Utensilien zusammen, denn jetzt erfolgt dann die Abreise zum Brandberg. Kurz vor der Abfahrt um 10:00 Uhr entsteht noch ein letztes Bild vom Swimmingpool aus, dann geht es auch für mich wieder weiter.
Gefahrene Tageskilometer: 232 / 0
Teil 6719. Mai 2022
Reisetag 72 (12. Oktober 2021) – Vingerklippe – Brandberg
Heute geht es weiter zu meiner letzten Destination auf diesem Solo-Kurztrip. Der Brandberg ruft. Auch am Brandberg war ich ewig nicht mehr… Es ist irgendwie schade, einmal fahre ich am Brandberg südlich vorbei, dann geht’s wieder der Küste entlang vorbei am Brandberg, ein andermal war ich am Messum-Krater, so blieb dieses mächtige Massiv in den letzten Jahren immer irgendwie „daneben liegen“. Nach dem Frühstück geht es zunächst wieder retour auf der C39, der ich schließlich in westlicher Richtung bis kurz vor Khorixas folge, denn dort ist die Abzweigung auf die C35 in südwestliche Richtung. Ich komme gut voran, die Straßen sind ja toll ausgebaut. Über den kleinen Bergbauort Uis geht es schließlich auf die D2359, die etwas holprig ist, aber natürlich immer noch kein Problem darstellt. Den Brandberg als Gebirgsmassiv sieht man schon vom weitem, aber erst auf den letzten Kilometern hebt sich das Gebirge wunderbar aus der Landschaft ab.
Fazit Vingerklipp Lodge: Auch bei dieser Lodge handelt es sich um eine sehr schöne Anlage, die vor allem mit der herrlichen Umgebung punktet. Auch die Zimmer und die Lodge selbst sind sehr schön, hier fehlt es an nichts. Der Aufstieg zum Eagles Nest und der Rundumblick sind grandios, kulinarisch ist der Braai am Berg in Ordnung, mehr aber auch nicht. Die gesamte Anlage ist sehr gepflegt, man kann sich wohlfühlen. Vor dem Chalet im Schatten zu sitzen und die Giraffen, Kudus und Springböcke am Wasserloch zu beobachten entschleunigt definitiv…
Zwischen Vingerklippe und Brandberg sind rund 200 km zurückzulegen, die Strecke ist in 2,5 Stunden definitiv gut machbar. Ich fahre zunächst direkt zur Lodge, um dort einzuchecken und komme dann zurück, um zu den Felszeichnungen zu wandern. Die Fahrt zur Lodge ist landschaftlich durchaus interessant, man passiert einige interessante Felsformationen. Vor allem die verwitterten Granitkugeln sind sehr interessant – ich weiß, dass ich hierher am nächsten Morgen etwas früher kommen muss, denn dann sollte das Fotolicht perfekt sein… Aber natürlich kann ich es mir auch heute nicht verkneifen das ein- oder andere Mal anzuhalten.
Das 30 km lange Gebirgsmassiv umgibt den mit etwas mehr als 2500 m aufragenden Königsstein höchsten Gipfel des Landes. Für die rundum ansässigen Herero stellt der Berg eine wichtige Stätte dar, das belegen auch die unzähligen Felszeichnungen, die hier zu finden sind. Ich checke in der sehr schöne Lodge ein und bringe meine Utensilien zum Chalet, das etwas entfernt vom Hauptgebäude liegt. Dann komme ich zurück zum Restaurant und genieße einen Cafe mit herrlichem Ausblick, ehe es zurück zum Brandberg geht.
Um zu den Felszeichnungen, etwa zur berühmten „White Lady“, zu gelangen, muss man zunächst den Eintritt bezahlen und einen Guide abholen. Erst mit Guide ist es gestattet, sich zum Berg aufzumachen. Gemeinsam mit dem Guide spaziere ich durch die schöne Landschaft, es ist natürlich relativ heiß jetzt am frühen Nachmittag, aber es weht ständig eine Brise und wir kommen gut voran. Etwa 40 Minuten sollte man veranschlagen, um vom Besucherzentrum vor White Lady zu gelangen. Etwas mühsam ist es nur dann, wenn man durch den stellenweise recht tiefen Sand und Schotter ausgetrockneter Flussbette stapft. Während ich die Felsbilder fotografiere, sitzt der Guide im Schatten.
Die Bilder sind leider bereits sehr blass, das hängt vermutlich auch damit zusammen (so wird es jedenfalls kolportiert), dass früher von Fotografen Flüssigkeiten aufgebracht wurden, um einen besseren Kontrast zu erzielen…
Bei genauerem Hinsehen erkennt man unglaublich detailgetreu gemalte Tiere und Personen, an denen sogar Körperschmuck zu erkennen ist… eine unglaubliche künstlerische Leistung der San. Ich verbringe hier rund eine halbe Stunde und dann spazieren wir langsam wieder zurück zum Parkplatz. Von hier aus gibt es auch für einen kurzen Moment die Möglichkeit den Königsstein, Namibias höchsten Gipfel, zu sehen.
Zurück in der Lodge verbringe ich den restlichen Nachmittag am Pool, gegen Abend, mit den angenehmeren Temperaturen, spaziere ich auch ein wenig herum. Dabei beobachte ich einen Damara Rotschnabeltoko und einige Erdmännchen.
Gegen Abend verfärbt sich die Landschaft, als die Sonne hinter dem Brandberg verschwindet – die Konturen treten besonders schön hervor. Die Felsen rund um die Lodge beginnen richtiggehend zu glühen…
Das Abendessen nehme ich im Restaurant an, das Oryx-Steak ist in Ordnung, ich habe aber schon wesentlich besser gegessen. Aber man kommt vermutlich nicht wegen des Restaurants hierher. Die Nacht ist sehr angenehm, ich genieße die kühlen Temperaturen in meinem Chalet.
Gefahrene Kilometer: 282
Teil 6820. Mai 2022
Reisetage 73 und 74 (13. und 14. Oktober 2021) – Brandberg – Windhoek
Dieser Morgen beginnt mit einem kurzen Schockmoment – ich stehe unter der Dusche und bleibe staubtrocken. Elefanten haben während der Nacht die Leitungen zu meinem Chalet gekappt, die Spuren der Verwüstung sind deutlich auszunehmen. Ich muss wirklich gut geschlafen haben, aber davon habe ich nichts mitbekommen.
Ich trete also ohne mich zu waschen die Fahrt nach Windhoek an, denn ich muss mich heute etwas beeilen, schließlich muss ich einen PCR-Test ablegen, um am kommenden Tag nach Südafrika zurückfliegen zu dürfen… Zum Frühstück habe ich Cafe und ein Käsebrot geordert, das wurde mir auch so vorbereitet. Ich will nämlich nicht warten, dass die eigentliche Frühstückszeit beginnt, da würde ich zu viel Zeit verschwenden. Da mein Flug am kommenden Tag Windhoek kurz nach Mittag verlassen wird, benötige ich den Test spätestens am Vormittag des nächsten Tages. Ich habe mir im Vorfeld echt Gedanken darüber gemacht, Claudia von der Casa Piccola hatte mir aber bestätigt, dass der Rücklauf der Tests in dieser Zeit gut möglich sei…
Fazit White Lady Lodge Brandberg: Sehr schön gelegene und gepflegte Lodge in unmittelbarer Nähe zum Brandberg. Die Chalets sind klein und schon etwas in die Jahre gekommen, funktionell eingerichtet. Es gibt hier keinen Luxus, aber es fehlt eigentlich auch nichts. Das Preis-/Leistungsverhältnis finde ich gut, der Pool an heißen Tagen in dieser staubigen Gegend ein absoluter Genuss… Die „Übeltäter“ dieser Nacht, die Wüstenelefanten, sind inzwischen weitergezogen, langsam kommt die Sonne Richtung Horizont und ich genieße nochmals dieses Schauspiel, dass sich die Felsen langsam verfärben.
Ich verlasse also kurz nach Sonnenaufgang die White Lady Lodge am Brandberg und trete meine Fahrt nach Windhoek an. Einige Male muss ich einfach anhalten, das Farbenspiel in der Landschaft ist zu schön, um es einfach links liegen zu lassen.
Um diese Zeit ist der Brandberg tatsächlich ein wunderschönes Gebirge und man versteht die Bedeutung für die Bewohner, die hier einen magischen Ort sehen.
Ein letzter Blick zurück und schon geht es wieder zurück über Uis nach Windhoek.
Von Uis fahre ich entlang der C36 und Omaruru bis nach Wilhelmstal, wo ich auf die B2 aus Swakopmund treffe. Dieser folge ich nun für wenige Kilometer bis nach Okahandja. Obwohl ich einigermaßen auf die Zeit achten muss, kann ich es mir nicht verkneifen, im kleinen Cafe gegenüber dem Holzschnitzermarkt zu halten – das muss sein, wenn ich da vorbeikomme. In Windhoek fahre ich direkt zur Casa Piccola, wo Claudia bereits als Unterlagen zum PCR-Test vorbereitet hat. Ich habe ihr im Vorfeld eine Passkopie gemailt und sie hat alle Formulare ausgefüllt – welch ein toller Service! Auch an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön dafür! Von der Casa Piccola geht es dann wieder in die Innenstadt, wo sich das Testcenter unmittelbar neben einer Tankstelle befindet – zuerst muss ich das unscheinbare weiße Zelt sogar suchen. Dort lege ich meinen Test ab und hoffe, das Ergebnis möglichst bald in Händen zu haben. Die durchschnittliche Rücklaufzeit wird mit 7 bis 8 Stunden angegeben, wobei es (so die Auskunft im Testcenter) wenig Sinn macht, mehr für den Test zu zahlen, um ein rascheres Ergebnis zu bekommen, denn es würde „ohnehin möglichst rasch ausgewertet“… mal sehen! Ich habe nun den kompletten Nachmittag über Zeit, mich in Windhoek rumzutreiben. Das ist natürlich relativ viel Zeit, denn ich habe kein so wirkliches Ziel. Ich streife also einfach durch das historische Zentrum und fotografiere die touristischen Highlights.
Ich beginne beim Garten des „Tintenpalastes“, wo die Jacaranda-Bäume in Vollblüte stehen. Ein wirklich hübscher Anblick. Vorbei an der Christuskirche spaziere ich weiter zur Alten Feste, die einen sehr trostlosen Eindruck hinterlässt.
An die „neuen“ Monumente muss ich mich erst gewöhnen… Anschließend spaziere ich noch weiter in die Independence Avenue und zum „Metoritenbrunnen“.
Ich spaziere auch noch entlang anderer Straßen im Zentrum, aber da ich kein Souvenirjäger bin, wird mir da relativ rasch langweilig. Schließlich fahre ich wieder zurück zur Casa Piccola und genieße den Rest des Nachmittags in der beschaulichen Atmosphäre des schönen Gartens dort. Zum Abendessen fahre ich in Joe’s Beerhouse, auch dort war ich jetzt schon Jahre nicht mehr. Ich bin etwas schockiert vom Massenauflauf dort, alle Tische sind gut gefüllt. Mir ist das – schließlich möchte ich noch weiterreisen – in Zeiten wie diesen etwas unangenehm, denn als Einzelreisender muss ich meinen Tisch mit anderen teilen. Also wirklich wohl fühle ich mich nicht… Ich bleibe so kurz wie möglich, trinke mein Bier und esse eine Kleinigkeit. Bereits um kurz nach 22:00 Uhr erhalte ich ein SMS mit dem negativen PCR-Testergebnis, jetzt kann ich gut schlafen – jetzt steht einem Rückflug nach Johannesburg nichts im Weg! Am Morgen kann ich etwas länger schlafen, dann gehe ich in das Büro, wo das PCR-Testergebnis bereits ausgedruckt vorbereitet ist. Nach einem guten Frühstück packe ich meine Sachen zusammen und fahre langsam Richtung Flughafen – hier komme ich natürlich viel zu früh an, denn mein Rückflug hebt erst kurz nach 13:00 Uhr ab. Was solls, ich sitze also, nachdem ich das Auto zurückgegeben habe, ein wenig herum und beobachte die Leute und lasse mir die schöne namibische Sonne auf den Bauch scheinen… Der Flug mit Airlink zurück nach Johannesburg ist sehr pünktlich. Die Einreise ist sehr unspektakulär. Mit dem Hotelshuttle fahre ich zum Garden Court Hotel, wo ich ein letztes Mal einchecke… Am kommenden Morgen werde ich meine beiden Freunde abholen und dann brechen wir auf zu Teil D meiner „außergewöhnlichen“ Reise…
Gefahrene Kilometer: 414
Teil 6923. Mai 2022
Teil D
Reisetag 75 und 76 (15. und 16. Oktober 2021) – Johannesburg OR Tambo – Pretoria – Sun City (incl. Pilanesberg NP)
Diese Nacht ist nicht wirklich gut, immer wieder wache ich auf und wälze mich im Bett. Ich sehne den Morgen herbei, dann kann ich endlich aufstehen. Viele Gedanken gehen mir durch den Kopf, hoffentlich passen alle Planungen zu dieser Reise, die über drei Länder führen wird und wo ich aufgrund der Pandemie-Regelungen natürlich nie sicher sein kann, dass auch alle klappt. Die Einreise von Südafrika nach Namibia sollte klappen, denn die PCR-Tests gelten in Namibia für eine Woche. So können auch meine Freunde ihre aus Österreich mitgeführten Resultate verwenden… Hoffentlich holt mich der Fahrer von Bushlore zeitgerecht ab, damit ich pünktlich am Flughafen bin… und viele andere Dinge schwirren in meinem Kopf rum!
Bereits um 8:00 Uhr sitze ich beim Frühstück, meine Reisetasche ist längst gepackt – um 8:40 Uhr soll der Fahrer von Bushlore da sein, dann geht es gemeinsam zum Flughafen. Wir treffen dort kurz vor 09:00 Uhr ein und ich sitze zum dritten Mal unter der Statue von OR Tambo und warte – fast schon eine liebgewonnene Zeremonie, ich freue mich auf die Ankunft meiner beiden Freunde. Die kommenden Tage werde ich mit zwei wirklich tollen Menschen unterwegs sein, die mich beruflich schon seit vielen Jahren begleiten. Beide in der Zwischenzeit im wohlverdienten Ruhestand, haben sie meinen Lebensweg ganz entscheidend mitgestaltet und es ist großartig, hier ein wenig zurückgeben zu können. Sie kommen mit Swiss über Zürich und die Maschine ist pünktlich gelandet, wie ich später erfahren sollte, gestaltet sich aber die Einreise etwas zäh.
Nach vielen Umarmungen und einem ersten Smalltalk geht es hinauf in den ersten Stockwerk der Ankunftshalle, wo es einige ATM’s gibt, um die herum es gewöhnlich wesentlich ruhiger ist als im Erdgeschoss. Ich schätze es nicht sonderlich, wenn ich so extrem aufpassen muss beim Geld Ziehen. Anschließend marschieren wir mit Sack und Pack zum Bushlore-Auto, das uns nun zum Depot bringen wird, wo wir unseren fahrbaren Untersatz für die kommenden Wochen abholen. Das Depot liegt bereits etwas nördlich des Zentrums und so müssen wir keinen Weg umsonst zurücklegen…
Nach einer knappen halben Stunde stehen wir vor unserem Landcruiser, einem „alten Herren“ mit etwas mehr als 115.000 km am Tacho. Das Auto ist also bereits gut eingefahren und man sieht, dass es auch schon mehrfach im Busch unterwegs war – auf Kratzer müssen wir nicht mehr achten…. Wir checken routinemäßig alle Tools, vor allem die Ersatzreifen und lassen zwei zusätzliche Benzinkanister auf das Dach schnallen. Alles scheint in wunderbarer Ordnung und so können wir auch bald loslegen – jetzt beginnt Teil D meiner Reise so richtig. Die beiden Begleiter kennen Namibia, einer von ihnen war auch mit mir schon in Botswana unterwegs, sie sind also durchaus mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut. Südafrika kennen sie jedoch nicht, sodass wir beschließen, eine kurze Rundfahrt durch Pretoria zu unternehmen, auf dem Weg vom Flughafen nach Sun City kein besonders großer Umweg. Wir fahren zunächst zum Church Square und spazieren dort ein klein wenig herum, das heißt, die beiden Freunde spazieren herum, ich bleibe mehr beim Auto, denn wir haben all unser Gepäck recht offensichtlich im Wagen liegen… Dennoch entstehen hier die ersten Bilder.
Anschließend geht es von diesem zentralen Platz mit der Paul Kruger Statue, dem Parlamentsgebäude der Südafrikanischen Republik, dem Justizplast und dem Hauptpostamt zum Melrose Haus, wo der Friedensvertrag zwischen Briten und Buren unterzeichnet wurde und das heute ein schönes Beispiel für die viktorianische Architektur in der Stadt darstellt.
Von hier fahren wir weiter zu den Union Buildings, die, von Sir Herbert Baker errichtet, die Amtsräume des Präsidenten der Republik und den Sitz der Südafrikanischen Regierung beherbergen. Von hier oben genießt man einen wunderbaren Blick über die Stadt, auch die Parkanlage mit der riesigen Statue von Nelson Mandela lädt zu einem Besuch ein.
Im Oktober findet man in Pretoria ein Meer von blühenden Jacaranda-Bäumen, die Stadt ist in violett gehüllt.
Von hier geht es schließlich noch hoch zum Voortrekker-Monument, von dem aus man ebenfalls einen herrlichen Blick auf die Stadt genießen kann. Der Granitbau erinnert an die „Voortrekker“, Buren die die Kapkolonie ab 1835 verließen, um das Binnenland zu erobern. Ich möchte hier bitte keine politische Diskussion lostreten…
Von hier fahren wir auf direktem Weg nach Sun City, wo wir die ersten beiden Nächte im „Cabanas Hotel“ verbringen werden. Der Grund, weshalb wir hier und nicht im Pilanesberg NP nächtigen liegt schlicht darin, dass einer meiner beiden Freude ein leidenschaftlicher Golfer ist, der hier gerne eine Runde auf südafrikanischem Grün absolvieren würde… Zum Nachdem wir eingecheckt haben, gehen wir zum Einstand am Abend in das Steakhouse im Soho Hotel. Das Essen schmeckt vorzüglich und auch der Rotwein ist ein Gedicht. Da die beiden sehr müde sind, wird das heute ein kurzer Abend…
Wir entschließen uns dazu, zu dritt nach dem Frühstück in den Pilanesberg NP zu fahren. Nach dem Vormittagsgamedrive werden wir nach Sun City zurückkehren, wo eben einer der beiden Freunde den Nachmittag für Golf nutzen wird. Mit meinem anderen Freund ist eine nachmittägliche Pirschfahrt eingeplant. Der Pilanesberg NP befindet sich praktisch Tür an Tür mit Sun City und deshalb ist es leicht, hin und her zu fahren.
Ich werde die Beschreibung des Besuches in diesem Park kurz halten, da ein detailreicher Bericht ohnehin in Teil A meiner Reise zu finden ist. Dennoch möchte ich zwei wesentliche Sichtungen erwähnen, die erneut verdeutlichen, weshalb ein Besuch dieses Parks so viel Spaß macht… Wir zahlen den Eintritt und schon startet die erste Safari. Auch heute sind wenige Autos unterwegs, an der Kassa ist nur eine Person vor uns. Vielleicht sind einige schon früher gekommen, aber auch im Park hält sich der Auflauf in Grenzen. Das Wetter ist wieder grandios, ein richtig schöner Tag. Die ersten Tiere, die wir im Pilanesberg NP antreffen sind Löwen – ich betone dies deshalb, weil wir während dieser Rundreise das Sichtungsglück hinsichtlich dieser Großkatzen tatsächlich gepachtet zu haben scheinen. Überall treffen wir auf Löwen – so eben auch hier: Ein Löwenkater ist mit einer Katze im Paarungsmodus. Das einzige Problem dabei, wir sind relativ spät unterwegs und die Sonne steht inzwischen einigermaßen hoch. Die Straße, von der aus wir die Szene beobachten, lässt leider keinen idealeren Standort zu. Wir fahren zwar hin und her, aber wir haben immer ein wenig Gegenlicht…
Der zweite „Schönheitsfehler“ ist, dass die Löwin einen Sender trägt. Nicht auf allen Bildern ist das Ding um den Hals zu erkennen, aber es stört mich einfach, ich habe das ohnehin auch schon festgehalten. Aber das ist natürlich jammern auf hohem Niveau, denn es ist jedes Mal wieder ein Erlebnis, diese wunderschönen Geschöpfe in der Natur zu erleben und sie bei der Fortpflanzung zu sehen, ist natürlich nicht alltäglich. Wir sind begeistert und halten uns hier einige Zeit auf. Weitere Löwinnen sind in einiger Entfernung unter einem Baum auszumachen, aber für ein Foto doch zu weit entfernt.
In der Sonne wird es den beiden dann offenbar zu heiß und sie trotten ein Stück weiter – nicht ohne dazwischen wieder innezuhalten und zu kopulieren – bis sie schließlich hinter einem Busch fast gänzlich verschwunden sind.
Wir fahren nun weiter durch den wunderschönen Nationalpark und genießen die Tierwelt. Meine beiden Freunde sind fest am Fotografieren, ich lehne mich an diesem Vormittag eher zurück. Gegen Mittag fahren wir retour nach Sun City. Ich spaziere im Resort ein wenig herum und bewundere die wunderschöne Anlage. Es sind einigermaßen viele Leute unterwegs, wir sehen einige Damen-Mannschaften, die hier ein Turnier (Volleyball?) austragen, zudem läuft auch ein großes Golfevent. Dennoch kann ich einen recht guten Eindruck von Sun City, dem Casino-Eldorado gewinnen…
Hier gibt es sogar eine große Vogelvoliere, durch die man spazieren kann und sogar am Golfplatz sind Wildtiere unterwegs…
Ich bleibe durchaus einige Zeit in der Voliere, denn hier gibt es auch Vögel, die man gewöhnlich in Südafrika nicht antreffen wird… Konzipiert ist die Anlage nach einer „Lost City“, einem Palast im Dschungel… Dazu wurde sogar ein riesiges Wellenbad angelegt…
Einer der beiden Freunde bleibt zum Golfspiel am Nachmittag in der Anlage zurück, ich fahre mit dem anderen wieder in den Pilanesberg Nationalpark zurück. Auch am Nachmittag haben wir ein sehr eindrückliches Erlebnis, als wir am Mankwe Damm stehen, um die Flusspferde zu beobachten, nähert sich uns eine Herde Elefanten. Die Dickhäuter stehen plötzlich rund um das Auto und beginnen zu trinken
Wir beobachten die Tiere über eine relativ lange Zeit, können eigentlich gar nicht anders, den der Rückweg ist blockiert. Als die Herde abzieht, fahren wir wieder retour zum Gate, wo wir auf die obligaten Nashörner treffen…
Im Resort essen wir heute direkt am Swimmingpool des Cabanas Hotels eine Pizza, dazu gibt es ein, zwei Bier. Der Anfang zu diesem letzten Teil meiner Reise ist also durchaus gelungen. Morgen steht ein langer Fahrtag nach Upington an und dann geht es bereits weiter nach Namibia!
Gefahrene Tageskilometer: 176
Teil 7024. Mai 2022
Reisetage 77 und 78 (17. und 18. Oktober 2021) – Sun City – Upington – Fishriver Canyon
Auch heute sitzen sehr viele Personen beim Frühstück, das Damen-Turnier, zu dem Mannschaften aus ganz Südafrika angereist sind, dürfte immer noch stattfinden – jedenfalls sind viele sehr große Mädels am Buffet, gekleidet in einheitlichen Trainingsanzügen, die sie eindeutig Sportsteams zuordnen lassen. Wir nehmen eine Kleinigkeit zu uns und sind vor allem entsetzt darüber, dass alles fein säuberlich in Plastik verpackt ist – jeder Apfel, jede Scheibe Käse, sogar die Weintrauben sind in kleinen Mengen abgepackt – auf Nachfrage erklärt man uns, dass das eine COVID-Vorschrift sei. Wir können uns nur annähernd ausmalen, was hier allein beim Frühstück an Müll anfällt – auch die Cafe- und Saftbecher sind Einwegprodukte…
Wir nehmen lieber weniger und verlassen verwundert das Hotel. Zunächst fahren wir zurück auf die R556, der wir nach Ledig folgen. Dort zweigen wir in südliche Richtung auf die R565 ab, die ebenso gut ausgebaut ist. Vorbei an Phokeng geht es schließlich auf die R52 Richtung Koster. Immer wieder fahren wir an Gold- und vor allem Platinminen vorbei und große Lastkraftwägen sind auf der Straße unterwegs. Die Gegend ist Reich an wertvollen Mineralien, der Bergbau dominiert das Landschaftsbild.
Wir haben uns ausgemacht, dass wir uns beim Fahren abwechseln, spätestens nach 2 Stunden gibt es jeweils einen Fahrerwechsel. So kommen wir zügig voran. Wir haben im Vorfeld viele Überlegungen angestellt, uns dann aber führ die Fahrt auf dieser Route entschieden, wohlwissend, dass wir zwei oder drei relativ lange Fahretappen haben werden – aber ein sicher geöffneter Grenzübergang ist uns einfach wichtiger… Über Koster geht es weiter nach Lichtenburg, die Landschaft ändert sich dabei kaum, außer dass die Abraumhalden langsam verschwinden und die Savannenlandschaft dominiert. Über Lichtenburg und Biesiesvlei erreichen wir schließlich die N14, die uns direkt bis an unser Tagesziel bringen wird.
Die weiteren größeren Orte entlang der Strecke sind Delareyville, Vryburg und schließlich Kuruman, wo wir nicht nur das Auto wieder auftanken, sondern auch einen Cafe-Stopp einlegen. Natürlich gibt es auch hier wieder Bilder vom Kuruman-Eye, der gewaltigen Süßwasserquelle, aber die Bilder dazu habe ich auch bereits in Teil A der Reise gezeigt. Um es kurz zu machen, um 17:00 Uhr erreichen wir nach einer rund 9stündigen Fahrt die Stadt Upington, wo wir direkt am Oranje Fluss im Waterfront Guesthouse einchecken. Wir fahren danach noch einmal kurz in die Kalahari-Mall, um einige Erfrischungen für die nächsten Tage zu besorgen, auch das Auto wird natürlich wieder aufgefüllt.
Hier am Oranje fühle ich mich jedes Mal sehr wohl, ich komme gerne hierher in diese Oase am Fluss, die von der trockenen Landschaft der Kalahari eingeschlossen wird. Vorallem westlich von Kuruman wird die Landschaft mit jedem Kilometer trockner, größere Bäume verschwinden allmählich und werden durch Büsche abgelöst, deren Bestand auch immer lichter wird. Langsam aber sicher gewinnt die Wüste Oberhand und dann ist es einfach schön, die Weinreben und die anderen Bewässerungskulturen zu sehen, die genau anzeigen, dass der Oranje und damit das Wasser nicht mehr weit sind. Der größte Fluss Südafrikas führt nicht sehr viel Wasser, dennoch sieht man Boote fahren, Kinder schwimmen.
Langsam legt geht die Sonne dem Horizont entgegen und wir sitzen bei einem kühlen Bier auf der Terrasse und genießen.
Nur hin und wieder wird die Stille durch ein Boot oder kreischende Kinder durchbrochen. Das Abendessen nehmen wir im Guesthouse ein, wir haben das im Vorfeld so vereinbart, der Besitzer grillt für uns und wir genießen den famosen Braai, zu dem auch viele gute Salate gereicht werden. Einige Bergbauarbeiter, die in den Salzfeldern Richtung Kgalagadi NP arbeiten, gesellen sich zu uns und erzählen vom harten Leben fern der Familien.
Nach dem Frühstück verabschieden wir uns vom Waterfront Guesthouse, wir werden am Ende der Reise nochmals hierher zurückkehren – noch gestern Abend haben wir wieder einen Braai vorbestellt… Ich freue mich schon sehr, heute wieder nach Namibia zurückkehren zu können, die letzten Tage in diesem Land haben mir extrem gut gefallen.
Fazit Waterfront Guesthouse: Dieses familiär geführte Guesthouse steht neben weiteren Gästehäusern am Ufer des Oranje, unmittelbar am Stadtrand von Upington. Die Zimmer sind liebevoll eingerichtet, das Haus ist nicht luxuriös, aber sehr sauber und ich fühle mich hier immer sehr wohl. Die Betreiberfamilie und ihre „Helferlein“ sind sehr um den Gast bemüht, das Essen – sowohl Abendessen wie auch Frühstück – sind ausgezeichnet.
Über die N10 geht es bei uns auf direktem Weg zur Grenze in Nakop / Ariamsvlei. Die Grenze ist rasch erreicht, liegt nur rund eine Stunde von Upington entfernt. Die Abfertigung auf südafrikanischer Seite geht zügig vor sich, innerhalb weniger Minuten können wir passieren. An der Grenze halten sich absolut keine Menschen auf, lediglich ein LKW muss abgefertigt werden. Die Strecke zwischen den Grenzposten ist hier relativ lang, wir denken uns schon, ob wir vielleicht irgendwo vergessen haben zu stoppen… Doch dann taucht Ariamsvlei und damit der namibische Teil der Grenze, vor uns auf. Wir gehen hinein und landen vor zwei sehr jungen Damen, die unsere Pässe nehmen. Meine beiden Freunde erhalten den Stempel und sind praktisch fertig – bei mir heißt es jedoch „one moment“… eine der beiden nimmt den Pass und bringt ihn aus dem Raum. Ich frage „problem?“ – die Antwort, „wenn es ein Problem gibt, dann werden wir es ihnen sagen…“ OK! Jetzt weiß ich, großes Problem… Was ist passiert?!
Das erfahre ich nach einer längeren Wartezeit, denn ich muss zum „Head-Officer“ in einen Nebenraum. Dieser schaut mich von oben bis unten an und erklärt mir, dass er mir die Einreise verweigert… Auf die Frage nach dem warum, sagt er, dass ich das Einreiseformular falsch ausgefüllt hätte und dass ein Visa-Vergehen vorliegen würde, ich mir die Einreise also unrechtmäßig erschleichen wolle… Zunächst denke ich daran, ob er vielleicht einfach nur Geld will – doch das kommt mir dann auch etwas eigenartig vor, denn so dreist würde das wohl kaum sein können… Das Problem: Ich arbeite zwischenzeitlich immer wieder mal als Reiseleiter in Namibia und erhalte dann ein reguläres Arbeitsvisum – so sind auch mehrere dieser Visa im Pass eingestempelt. Da ich nun mit zwei Personen unterwegs bin, aber über kein Visum verfüge – der Officer aber der festen Annahme ist, dass ich als Guide arbeiten würde, wird es kompliziert… Ich beteuere, dass wir Freunde sind und nur „Urlaub“ machen wollen, also keine Arbeit vorliegen würde. Dieser Aussage wird aber kein Glauben geschenkt… Ich diskutiere wild, aber es nützt nichts. Dann muss ich den Raum verlassen und er bespricht sich mit meinen beiden Freunden, zunächst gemeinsam, dann werden sie einzeln vernommen. Da beide sehr gut Englisch sprechen, ist zumindest die Kommunikation kein Problem! Kurzum, wir werden immer wieder einzeln in sein Zimmer gerufen, dazwischen wird auch schon mal telefoniert – mit wem entzieht sich meiner Kenntnis. Wir vergeuden hier mehr als zwei Stunden mit Wartezeit und Diskussion. Zum Schluss muss ich noch mal in den Raum und er fordert mich auf, die linke Hand auszustrecken. Auf meinem Handrücken platziert er einen Kugelschreiber – wohl eine Art namibischer Lügendetektor?! Meine Hand bleibt jedenfalls gänzlich ruhig, mit Zittern läuft bei mir nichts. Die Posse endet damit, dass er sagt, er dürfe mir die Einreise nicht verweigern, er glaube mir jedoch kein Wort, ich würde lügen – wir drei sollen hier rasch verschwinden. Er stempelt persönlich den Pass und das wars dann. Diese Einlage werde ich nie vergessen, die Nerven waren doch recht ordentlich angespannt. Auch meine beiden Freunde waren immer blasser geworden, unsere Reise, die gerade erst begonnen hatte, hätte hier jäh enden können…
Wir fahren nun zügig weiter nach Karasburg, denn in der Zwischenzeit ist es bereits Mittag. In Karasburg tanken wir das Auto wieder voll und trinken an der Tankstelle Cafe und Wasser. Dieses der Tankstelle angeschlossene „Restaurant“ ist ganz speziell, denn mitten im Raum steht eine alte Singer-Nähmaschine, auf der fleißig gearbeitet wird. Im Nachhinein ärgere ich mich, davon kein Foto geschossen zu haben. Anschließend geht es weiter über Grünau Richtung Fischfluss-Canyon. Nach diesem Erlebnis am Vormittag haben wir wenig Lust zu fotografieren, wir wollen vielmehr bald unser Tagesziel, die Gondwana Canyon Lodge, erreichen.
Ein- oder zweimal halten wir kurz an, dann fahren wir jedoch zügig weiter. Vorbei an der Einfahrt zum Fischfluss-Canyon erreichen wir schließlich die Canyon Lodge, die wunderbar eingebettet in dieser grandiosen Umgebung liegt.
Die einzelnen Chalets stehen großartig eingebettet in der bizarren Landschaft aus Granitkugeln, sogar ein Swimmingpool ist hier angelegt. In einem parkähnlichen Garten stehen viele Sukkulenten.
Wir machen uns in unseren beiden Häuschen breit und spazieren durch die Anlage, jeder muss für sich die Erlebnisse des Vormittags verdauen.
Ich setze mich auf einen Stein und beobachte die Klippschliefer, die in großer Zahl zwischen den Granitblöcken herumhuschen. Sie klettern aber auch flink in den Bäumer herum.
Eine Felsagame ist so gut getarnt, dass sie sich kaum vom Untergrund abhebt.
In den Akazienbäumen tummeln sich auch einige Vögel, darunter einige Mahali-Weber (White-browed Sparrow-Weaver) und ein Weißrücken-Mausvogel (White-backed Mousebird) kontrolliert die Wasserversorgung.
Am späteren Nachmittag nehmen wir ein Bier aus dem Kühlschrank unseres Autos und marschieren auf eine der Hügelkuppen, um die Schönheit der Landschaft zu genießen. Inzwischen ist unser Puls wieder einigermaßen im Normalbereich und wir genießen es, hier sein zu dürfen.
Die Felskuppen sind wild zerklüftet, erst von oben lässt sich ein guter Überblick gewinnen.
Mit der untergehenden Sonne verfärbt sich die wunderbare namibische Wüstenlandschaft, wir sind wieder im Urlaubsmodus.
Das Abendessen genießen wir im Restaurant der Lodge, dazu trinken wir heute wieder eine gute Flasche Pinotage - Gesprächsthema bleibt aber weiter der Grenzübertritt...
Gefahrene Tageskilometer: 785 / 401
Teil 7125. Mai 2022
Reisetage 79 und 80 (19. und 20. Oktober 2021) – Fishriver Canyon – Bagadelle Lodge
Die Nacht war einigermaßen gut, der Schock des gestrigen Tages annähernd verdaut, wir sind ja jetzt gemeinsam in Namibia, also was solls. Ich denke nur bereits an die kommenden Grenzübertritte und hoffe, dass nicht wieder so ein Theater auf uns zukommt. Wir genießen das Frühstück, denn zum Fisch-Fluss-Canyon haben wir nur eine kurze Strecke vor uns und zu früh dort anzukommen macht auch nicht unbedingt Sinn.
Fazit Gondwana Canyon Lodge: Der Standard der Gondwana-Lodge ist an sich immer sehr zufriedenstellen, hier wird guter Service geboten. Wir werden auf unserer Reise weitere Quartiere dieses Unternehmens aufsuchen – auch bei den Besuchen bisher war ich immer sehr zufrieden. Die Canyon Lodge besticht durch ihre großartige Lage inmitten der wunderbaren Granitlandschaft, hier könnte man es durchaus eine weitere Nacht aushalten, aber leider fehlt uns dazu etwas die Zeit… wie man es fast überall länger aushalten könnte in diesem wunderbaren Land!
Wir fotografieren noch schnell den Eingangsbereich der Lodge und dann geht es auch schon wieder weiter. Von der Canyon Lodge geht es also zunächst zum Canyon, das heißt zu den Lookout-Points am Canyon-Rand. Die Piste ist in einem guten Zustand, nur der letzte Teil ist wie immer sehr holprig und ausgefahren.
Der Blick in diese gewaltige Schluchtenlandschaft ist immer wieder atemberaubend, es ist schwer vorstellbar welch erodierende Kraft Wasser im Laufe von Jahrmillionen haben kann. Jede einzelne Schicht entlang des Canyons kann Geschichten erzählen, Geschichten über die Entstehung des Afrikanischen Kontinents. Geologie kann also durchaus spannend sein… Wir spazieren ein wenig am Canyon Rand entlang, genießen die Aussicht und die wärmenden Sonnenstrahlen, denn der Morgen war ziemlich kalt. Vom Canyon fahren wir dann weiter zum Canyon Roadhouse, wobei wir entlang der Strecke einige Male halten, um die Straßenschilder zu fotografieren. Einmal steht sogar ein „richtiger“ Strauß in der Landschaft…
Im Canyon Roadhouse halten wir ebenfalls kurz an, die Autosammlung davor ist jedenfalls sehenswert.
Auch bei einem der alten Ziegelöfen kommen wir am Weg Richtung Keetmanshoop vorbei. Der nächste Stopp ist dann bei Naute Damm, wo wir uns Gin mitnehmen, der neben zahlreichen anderen Schnäpsen verkauft wird. Die Brennerei hat sehr gute und interessante Produkte, leider darf ich nicht verkosten, denn ich bin schließlich der Fahrer für die kommenden Kilometer… Kurz vor Keetmanshoop erreichen wir die B4 und wenig später dann die aus dem Süden kommende B1, der wir bis nach Mariental folgen. In Mariental füllen wir unseren tank wieder an, dann biegen wir bei Hardap auf die C20 ab. Wir folgen dann noch der D1268 bis zum Gate der Bagadelle Kalahari Game Ranch, wo wir für zwei Nächte einchecken werden. Schon seit Mariental verdunkelt sich der Himmel merklich, langsam setzt Regen ein. Ich habe überall mit Regen gerechnet, jedoch nicht hier in der Kalahari!
Wir checken in der Lodge ein und inzwischen schüttet es wie aus Kübeln, sogar Hagelkörner sind darunter… die Gepardenfütterung, die für den Nachmittag vereinbart hatten, können wir uns aufzeichnen, daran ist nicht zu denken. Da wir im Farmhouse nächtigen, können wir auch nicht gleich zu den etwas entfernt gelegenen Häusern aufbrechen, da wir unmöglich durch den Tiefsand fahren könnten, denn da würden wir eine Schlammschlacht veranstalten. So sitzen wir den restlichen Nachmittag im Hauptgebäude der Lodge, wo durch alle möglichen und unmöglichen Stellen Wasser eindringt. Auf der einen Seite ist das verstörend, auf der anderen Seite ist es für mich aber extrem interessant, welche Naturgewalt hier im wahrsten Sinn des Wortes über uns herzieht! Erst kurz vor dem Abendessen lässt der Regen etwas nach und wir werden zum Farmhouse gebracht, wo wir unsere beiden Zimmer beziehen. Die großartige, schön gelegene, neue Anlage ist im bleiernen Grau des Spätnachmittagshimmels aber leider nicht sonderlich fotogen. Zum Abendessen müssen wir in das Restaurant im Hauptgebäude zurück, weil wir die einzigen Gäste im Farmhouse sind. Die Fahrt gestaltet sich – da es zurück meist bergab geht – sehr unterhaltsam…
Wir haben inzwischen unsere Aktivitäten getauscht und werden die Gepardenfütterung – so es das Wetter zulässt – am nächsten Morgen machen. Das bedeutet aber auch, dass wir den restlichen Tag über Freizeit haben werden, den Bushman-Walk haben wir gecancelt. Das Abendessen schmeckt ausgezeichnet, leider weht ein sehr kalter Wind und so frieren wir, denn Teile unserer Hosen sind immer noch etwas nass… Nach dem Abendessen überkommt mich ein Anflug von Selbstüberschätzung, denn wir entscheiden, mit dem eigenen Auto zu den Chalets zurückzufahren… Wer immer die Gegebenheiten vor Ort kennt, der weiß, dass es relativ tiefsandig ist. Das ist kein Problem, wenn die Bedingungen „normal“ sind. Bis zum Gate ist die Spur ausgefahren, da hat der heftige Regen zwar dazu geführt, dass es tiefe Pfützen gibt, aber mit Allrad ist die Piste befahrbar. Das Problem folgt jedoch auf der „anderen Seite“ des Gates, wo man eine Art Düne hochfahren muss, um zum neuen Farmhouse zu gelangen… Nach mehreren Versuchen – ich habe inzwischen alles umgeackert… - kommen wir am letzten Drücker den Hügel hoch. Das ist sicher die schlimmste Piste, die ich bisher gefahren bin und ich habe im Delta schon einige Furten gequert! Erleichtert stellen wir das Auto ab und laufen im inzwischen wieder einsetzenden Regen zu den Zimmern. Die Leute, die hinter uns putzen müssen, tun uns leid, denn wir tragen Unmengen klebrigen, roten Lehm auf unseren Schuhsohlen mit. Obwohl wir aufpassen, können wir nicht verhindern, dass hinter uns ordentlich geputzt werden muss!
Auch während der Nacht hämmert der Regen auf das Dach, erst in den Morgenstunden wird es plötzlich ruhig. Als wir am Morgen die Köpfe ins Freie strecken, weht uns kräftiger Wind entgegen, dafür ist es jetzt trocken. Wir fahren zurück zum Haupthaus, stellenweise ist die Piste auch jetzt noch extrem tief. Auf der anderen Seite ist es unglaublich, wie rasch Sand auftrocknet, an der Oberfläche sind bald erste trockene Stellen zu sehen. Nach dem ausgezeichneten Frühstück hoffen wir natürlich alle, dass wir zu den Geparden können… Hier auf der Bagadelle Ranch werden in mehreren riesigen Freianlagen Geparde gehalten, die man mit Rangern besuchen kann. Speziell die Fütterungen dieser Tiere sind sehr interessant, weil man unglaublich viel über die in freier Natur nur selten aus nächster Nähe anzutreffenden Katzen erfahren kann. Als Partner im Cheetah Conservation Fund wird auf eine artgerechte Haltung der Tiere geachtet. Da im Moment kein weiterer Regen einsetzt, fahren wir nach dem Frühstück mit den Jeeps der Lodge in die drei Gehege. Dabei entstehen die folgenden Bilder:
Sobald die Tiere die Autos hören, kommen sie angerannt…
Geparde trifft man heute auf einigen Farmen in Namibia an. Die Geparde auf Bagadelle haben ein riesiges Areal zur Verfügung, müssen aber dennoch gefüttert werden.
Man kommt sehr nahe an die Tiere heran, darf in den Gehegen die Autos mit dem Guide auch verlassen.
In den drei durch hohe Zäune getrennten Arealen sind während unserer Anwesenheit sieben Geparde, ein Jungtier lebt noch zusätzlich auf der Farm bei den Guides.
Wir sehen die grazilen Katzen aber auch durch ihr Territorium streifen, wo sie – wie in der Wildnis – Bäume markieren. Eine der Katzen spitzt sich die Krallen und springt plötzlich auf den Baum – Gepard am Baum, ein Bild, das man nicht alle Tage sieht…
Wir schauen den Tieren lange Zeit zu und bewundern, wie schnell sie hintereinander herjagen, welche Lebensfreude sie versprühen.
Für einen kurzen Moment bricht sogar die Sonne durch, doch dann ziehen die nächsten Regenwolken auf – wir haben gerade zur rechten zeit einen „trockenen Slot“ erwischt.
Auf Bagadelle gibt es eine Reihe anderer Wildtiere, rund um die Lodge sehen wir vorwiegend Springböcke und Eland-Antilopen.
Wir fahren dann die kurze Strecke zurück zum Hauptgebäude der Lodge, wo wir auf unser eigenes Gefährt umsteigen, das uns wieder zu den wunderschönen Chalets bringt, in denen wir in trauter Dreisamkeit den Rest des Tages verbringen. Zum Abendessen müssen wir wieder retour zum Restaurant im Hauptgebäude – heute lassen wir uns wieder abholen und zurückbringen – der Mensch ist lernfähig…
Gefahrene Tageskilometer: 494 / 8
Teil 7226. Mai 2022
Reisetage 81 bis 83 (21. und 23. Oktober 2021) – Bagadelle Lodge – Windhoek – Ghanzi – Maun
An dieser Stelle muss ich mich kurz entschuldigen, denn für die in diesem Berichtsteil beschriebenen Reisetage wird aus meinem „Bilderbuch“ ein „Lesebuch“. Die Strecke zwischen Mariental und Maun birgt sicher einige attraktive Teilabschnitte, für uns ist sie aber mehr Mittel zum Zweck… Natürlich haben meine Reisefreunde das ein oder andere Bild geschossen, etwa auch in Windhoek, ich habe aber in dieser Zeit eigentlich nicht zur Kamera gegriffen – zu oft habe ich diese Strecke bereits zurückgelegt, ich ruhe meine Finger und Datenspeicher für die kommenden Tage aus!
Ich werde aus diesem Grund die folgenden Reisetage auch nur knapp umreißen, möchte Energie und Zeit sparen – bei mir und bei den Leser*innen dieser Zeilen. Ich kann aber versprechen, dass in diesem Reisebericht noch viele weitere Bilder folgen werden. Während des gestrigen Nachmittags hat sich die Wettersituation langsam wieder eingekriegt, mit wem immer wir gesprochen haben, alle waren erstaunt, dass es derartig heftige Niederschläge zu dieser Jahreszeit in der Kalahari gibt – Gewitter sind immer wieder möglich, lediglich die Regenmenge sei weit weg von gewöhnlichen Niederschlägen… Man muss nicht überall dabei sein, wir hätten uns das so sicher nicht gewünscht.
Fazit Bagadelle Kalahari Game Ranch: Sehr schöne Unterkunft inmitten der Dünenlandschaft der Kalahari. Die Chalets des Hauptgebäudes liegen entlang eines Dünenkammes, wir sind aber im neuen Farmhouse untergebracht, das mit dem Auto erreichbar ist, aber ein Stück entfernt ebenfalls in den Dünen liegt. Die neue Anlage ist sehr geschmackvoll eingerichtet, wie wir gesehen haben, aber nur für das trockene Wetter in der Wüste oder Halbwüste ausgelegt. Vor allem die Aktivitäten, die hier angeboten werden (u.a. Bushman-Walk oder Gepardenfütterung) machen die Lodge zusätzlich attraktiv.
Am heutigen Reisetag legen wir gleich nach dem Frühstück los, denn wir müssen in Windhoek wieder zu einem PCR-Test antreten, denn sonst dürfen wir die Grenze zu Botswana nicht passieren. Also geht es flott von der Bagadelle-Lodge zurück nach Mariental – das ist die sichere Variante, denn der Regen hat angeblich auch Straßen unterspühlt. Kurz vor Mariental erreichen wir wieder die B1, nicht ohne vorher immer wieder durch sehr tiefe und große Pfützen gefahren zu sein. Der B1 folgen wir schließlich nach Windhoek, wo wir sofort zur Casa Piccola fahren, wo bereits wieder die Unterlagen zum PCR-Test ausgefüllt bereitliegen… Auch an dieser Stelle nochmals vielen Dank für diesen großartigen Service an Claudia und ihr Team. Der Test selbst ist wieder rasch erledigt, dann haben wir genügend Freizeit am Nachmittag. Das Wetter ist nach wie vor etwas stürmisch und als wir zur Heinitzburg hochmarschieren, werden uns die Regenschirme, die uns der Pförtner zur Verfügung stellt, aus der Hand gerissen… Wir fahren anschließend kurz zum Bushlore-Depot, denn der Kühlschrank im Auto ist so blöd montiert, dass er sich selbst das Kabel, das zur Batterie führt, durchscheuert… Wir stehen eben unter dem zeltähnlichen Dach im Depot, als starker Hagel einsetzt – die großen Hagelkörner bleiben auf den Planen liegen und die Arbeiter stürmen heraus, um mit den kleinen Bällen zu spielen… Hagelkörner etwa halb so groß wie Golfbälle – Windhoek im Oktober!
Anschließend fahren wir direkt zu Joes Beerhouse, wo wir das Abendessen einnehmen. Ich habe bei meinem letzten Besuch vor wenigen Tagen einen Tisch reserviert und so ist es diesmal etwas weniger hektisch. Anschließend geht es zurück zur Casa. Auch diesmal liegen die Testergebnisse bereit als wir zum Frühstück kommen – Magda hat alles ausgedruckt und für uns bereitgelegt. Wir genießen das Frühstück und plaudern mit vier (?) Deutschen, die mit einer kleinen Reisegruppe unterwegs sind. Anschließend verstauen wir unser Gepäck im Auto und schon heißt es wieder Abschied nehmen – wir werden hierher aber nochmals zurückkommen…
Vorbei geht es am Flughafen Richtung Grenze. Die Fahrt entlang der B6 ist nicht sonderlich spannend, es sind hier sehr viele LKW’s unterwegs, außerdem ist relativ viel Gegenverkehr. Wir kommen aber gut voran und erreichen bald den Grenzübergang bei Buitepos. Die Überquerung der Grenze ist hier absolut kein Problem, innerhalb kürzester Zeit sind wir aus- und schon wieder eingereist. Mir fällt ein Stein vom Herzen, keiner sagt etwas wegen meines vollgestempelten Passes… Insgesamt benötigen wir nur 30 Minuten für den Grenzübertritt, wir haben extra auf die Uhr geachtet! In Botswana wird die Landschaft nicht spannender, wir fahren die langgezogenen Dünenrücken der Kalahari auf und ab, es geht zügig vorwärts.
In Ghanzi angekommen, geht es direkt zum Kalahari Arms Hotel, das sehr zentral inmitten der Stadt liegt. Das Hotel besteht aus einem Haupthaus und zahlreichen Chalets, die im dahinterliegenden, großen Garten rund um einen Swimmingpool angelegt sind. Vom Hotel marschieren wir zu Fuß zum Einkaufszentrum, wo wir uns für die kommenden Tage eindecken. Wir kaufen neue Getränke und Snacks, die wir im Delta benötigen. Das Abendessen nehmen wir im Restaurant des Hotels ein und sind begeistert – es ist völlig unerwartet mit Sicherheit eines der besten Essen während dieser Reise.
Fazit Kalahari Arms Hotel: Das zentral in der Stadt gelegene Hotel ist sehr ordentlich, die Garten-Chalets, die wir bewohnt haben, sind zweckmäßig eingerichtet und sauber. Die gesamte Anlage machten einen guten Eindruck, außer der Teich mit den Kois – diese armen Fische schwimmen scheinbar auch in knapp vor dem Siedepunkt stehendem Wasser… Das Hotel ist für einen Zwischenstopp jedenfalls zweckmäßig, das Essen - wie erwähnt - ausgezeichnet!
Wir machen uns am Morgen bald wieder auf, wollen auch die Morgenstunden zur Fahrt nutzen. Inzwischen ist es wieder ordentlich warm, die Sonne strahlt aus einem wolkenlosen Himmel, während wir auf der A3 dahingleiten – diesmal ist es tatsächlich mehr ein gleiten, denn die vielen Schlaglöcher, die diese Strecke auch schon hatte, sind recht gut ausgebessert. Ein Problem in Botswana sind die vielen Haustiere, vor allem die zahllosen Esel, die oft unvermittelt die Straße queren. Hier ist definitiv Achtsamkeit geboten. Zwischen Ghanzi und Maun liegen kaum 300 km, sodass wir schon vor Mittag in der „Metropole des Okavango-Deltas eintreffen. Unser erster Weg führt uns zum Cafe „Dusty Donkey“, wo ich fast immer einkehre, wenn ich in die Stadt komme. Nach einer Pause in diesem kleinen, aber sehr netten Cafe fahren wir zum Spar, um die letzten Besorgungen zu erledigen. Anschließend kaufen wir im Wildlife Department die Eintrittstickets für das Moremi-Reservat und den Chobe-Nationalpark. Jetzt müssen wir nur noch bei Riley’s das Auto startklar machen, also den Tank und die Zusatzkanister auffüllen, dann haben wir alles erledigt. Wir fahren dann weiter zu unserem Quartier, dem Queness Inn-Hotel, wo ich ebenfalls schon öfter genächtigt habe. Das Hotel liegt bereits an der Ausfahrtsstraße Richtung Moremi, das ist gut, dann müssen wir am Morgen nicht wieder durch die Stadt.
Das Abendessen nehmen wir in einem kleinen Restaurant in der Nähe des Flughafens ein, da habe ich aber den Namen verdrängt – es ist aber ohnehin kein Platz, den ich weiterempfehlen würde – vielleicht das schlechteste Essen während unserer Reise. Als man direkt neben unserem Tisch auch noch eine riesige Verstärkerbox aufbaut und den „Soundcheck“ absolviert, verlassen wir das Lokal, schließlich wollen wir auch in den nächsten Tagen ohne Kopfschmerzen reisen…
Mit den kommenden Zeilen wird aus dem Lesebuch wieder ein Bilderbuch…
Auf den heutigen Tag und vor allem auch auf die kommenden Tage freuen wir uns. Endlich gibt es wieder Safari. Meine beiden Freunde waren bisher jeweils im Chobe NP, aber im Gebiet des Moremi Reservates und im Delta waren beide noch nicht. Im Vorfeld der reise haben wir lange überlegt, wie wir das anstellen sollen, ein Besuch im Delta ist schließlich auch immer eine Preisfrage. Da für die beiden eine Reise im Dachzelt nicht infrage kommt, haben wir uns schließlich auf einen Kompromiss geeinigt und dieser lautet eben Mogothlo Safari Lodge. Für mich war immer wichtig, dass wir uns zumindest zwei oder drei Tage am Khwai Fluss aufhalten und mit dem von uns ausgewählten Quartier haben wir eine preislich gerade noch akzeptable Lösung gefunden… Außerdem kenne ich diese Lodge aus den Jahren vor COVID und mir hat es dort jeweils sehr gut gefallen.
Wir fahren heute schon in der Dämmerung los, schließlich wollen wir durch das Moremi-Reservat fahren, also nicht die direkte Route zum Quartier nehmen. Von Maun geht es dazu bis nach Shorobe, wo dann die Piste beginnt. Die Straße bis Maun ist in einem akzeptablen Zustand, natürlich gibt es einige größere Schlaglöcher, aber wir müssen ohnehin auf die Tiere am Straßenrand achten und können nicht allzu schnell fahren. Ab Shorobe wird es gewöhnungsbedürftig. Für mich ist diese Piste ganz schlimm, denn der Sand ist durch den relativ dichten Verkehr längst zu feinstem Puder geworden und dieser Staub dringt einfach durch alle Ritzen ins Auto. Jedes Fahrzeug zieht eine gewaltige Staubwolke hinter sich her, da der Staub so fein ist, dauert es ewig, bis er sich wieder legt… Ich bewundere die Gäste, die in den offenen Jeeps sitzen und in die sündteuren Lodges transportiert werden. Spätestens wenn man das einmal live gesehen hat, versteht man jeden, der es sich leisten kann mit dem Flugzeug direkt anzureisen. Ich weiß nicht, ob ich mir das nur einbilde, aber mir erscheint es so, als würde diese Strecke immer schlechter werden. Vielleicht verdränge ich den Zustand aber einfach nur und bin dann bei der nächsten Fahrt wieder so schockiert…
Wir fallen von einem Loch ins andere, sind froh, mit dem Landcruiser einen guten fahrbaren Untersatz zu haben. Die Autos werden hier sicher stark beansprucht. Auch die Strecke vorbei an Kaziikini bis zum South Gate ist in einem sehr schlechten Zustand. Direkt am Gate machen wir, völlig durchgerüttelt, eine Pause – wir haben noch nicht gefrühstückt und hier gibt es einige Tische, aber auch zahlreiche sehr neugierige Vögel. Vor allem ein Gelbschnabeltoko (Southern Yellow-billed Hornbill) und einige Braundrosslinge (Arrow-marked Babbler) nähern sich verdächtig an, um uns unser Frühstück abspenstig zu machen.
Wir sitzen hier ein wenig herum und essen die Brote, die wir aus Maun mitgebracht haben, dazu gibt es leider nur noch lauwarmen Tee, denn das Wasser, das wir im Queness Inn, wo jedes Zimmer auch eine kleine Kochzeile hat, aufgekocht hatten, war inzwischen schon sehr ausgekühlt. Ein karges Mal in einer wunderbaren Natur…
Wir fahren zunächst Richtung Black Pools, am Gate hatte uns ein Ranger geraten, in dieser Gegend einen kurzen Gamedrive zu machen und anschließend auf direktem Weg nach Xakanaxa weiterzufahren, da Third Bridge in Trümmern liegt. Wir sehen einige Elsterdrosslinge (Southern Pied Babbler) sowie eine wunderbare Gabelracke ((Lilac-breasted Roller), die im schönen Morgenlicht vor uns sitzt.
Zunächst ist die Landschaft relativ trostlos, es sind außer den Vögeln eigentlich kaum Tiere zu sehen. Wir kurven zwischen den Termitentürmen herum, kommen aber gut vorwärts und erst als wir in die Gegend der Black Pools gelangen, sind in der Nähe des Wassers auch Säugetiere auszumachen. Wir fahren über die Tsessebe Alley, wo wir auf die ersten Zebras treffen.
Im seichten Wasser tummeln sich einige Braune Sichler (Glossy Ibis) und ein paar Nilgänse (Egyptian Goose).
In etwas größerer Entfernung sind Letschwe-Antilopen auszumachen, die von Kuhreihern begleitet werden. Hinter einem kleinen Teich liegt in mächtiges Krokodil, vor dem sich einige Schlangenhalsvögel (African Darter) versammelt haben.
Auch einige Hippos grunzen herum, diese sind aber sehr friedlich.
Entlang der Marakanelo Road, die uns wieder zurück Richtung South Gate bringt, treffen wir schließlich auf die ersten Elefanten.
Auch ein Wasserwaran kreuzt unsere Pad.
Ansonsten ist es relativ ruhig in dieser Gegend und wir beschließen vom South Gate auf der direkten Verbindung nach Xakanaxa zu fahren. Sicherlich würden wir noch viel lieber zu den Xini-Lagoons fahren, aber dazu haben wir heute sicher keine Zeit – schon gar nicht, wenn der Weg über Third Bridge gesperrt ist.
Entlang der Hauptpiste treffen wir bis zum Xakanaxa Gate nicht wirklich auf Tiere, es ist wie ausgestorben und wir machen uns schon Sorgen. Wir erhalten aber den Tipp, dass sich kurz nördlich des Gates ein Rudel Wildhunde aufhalten würde. Wir passieren das Gate in Richtung Lagune und müssen nicht lange suchen, da haben wir diese Tiere auch schon aufgespürt.
Immer wieder stoßen verstreute Tiere zum Rudel und lassen sich in unmittelbarer Nähe zum Auto nieder, manche tauchen auch nur ganz unvermittelt hinter abgestorbenen Baumstämmen auf. Insgesamt zählen wir etwa knapp 20 dieser ausdauernden Jäger.
Wir halten uns hier eine Weile bei den Tieren auf und kehren schließlich wieder zurück zum Gate. Von hier unternehmen wir einen Abstecher zu den Paradise Pools, ein Gebiet, das mir immer besonders gefällt. Die abgestorbenen Bäume inmitten der kleineren und größeren Wasserstraßen machen einen besonderen Reiz aus.
Je weiter wir in dieses Gebiet eindringen, desto schöner wird es. Man muss nur die Orientierung beibehalten, denn es sind immer wieder kleinere Flussläufe, die Landzungen umgeben. An einigen Stellen müssen sogar umkehren, das Wasser steht doch relativ hoch…
Wir sehen neben den allgegenwärtigen Impala vor allem auch eine relativ große Zahl an Letschwe-Antilopen.
Wir können uns hier leider nicht so lange aufhalten, wie wir das alle gerne würden, denn wir haben immer noch eine relativ lange Fahrstrecke vor uns und niemand weiß, was wir noch sehen werden.
Am Dombo Hippo Pool stoppen wir ebenfalls kurz, auch dieser ist heuer gut gefüllt, kein Vergleich zum Jahr 2019, damals war weit und breit kein Wasser zu sehen. Wir beobachten einen Nimmersatt (Yellow-billed Stork), der nahe des Ufers herumstochert.
Die Hippos sind zwar in großer Zahl vorhanden, aber diese sind doch einigermaßen weit entfernt. Dafür sitzt ein Rotbauchwürger (Crimson-breasted Shrike) in unmittelbarer Nähe des Aussichtsturmes.
Unterwegs sehen wir noch eine Gruppe Kudus und einige Giraffen. Auch einen Senegal-Kiebitz (African Wattled Lapwing) können wir entdecken.
Kurz vor dem North Gate stoppen wir noch für einige Sporengänse (Spur-winged Goose), die in einiger Entfernung schnattern. Auch einige Hippos sind auszunehmen.
Wir verlassen das Moremi Reservat durch das North Gate und fahren dann über Khwai weiter zu unserem Quartier, der Mogothlo Safari Lodge. Wir werden aber wieder hierher zum North Gate kommen, um nach weiteren Tieren Ausschau zu halten. Der Anfang war schon einmal sehr vielversprechend. Ich habe eingangs über den Zustand der Pad zwischen Shorobe und Moremi South Gate geschimpft, aber das ist eine Autobahn im Gegensatz zur Piste vom North Gate nach Mogothlo. Vor allem die ausgeschwemmten Stufen vor den betonierten Wasserdurchläufen unter der Straße sind gemeingefährlich. Wenn man nicht aufpasst, kann leicht eine Achse abgerissen werden… Die „Schlaglöcher“ sind an einigen Stellen extrem tief, hier ist höchste Vorsicht geboten. Kurz vor Sonnenuntergang kommen wir in der Mogothlo Safari Lodge an. Seit meinem letzten Aufenthalt hat sich einiges getan, die Wasserversorgung soll nun „Elefantensicher“ sein, rund um das Camp wurde ein Elektrozaun verlegt, der Elefanten daran hindern soll, direkt vor die Zelte zu kommen. Außerdem wurde in die Terrasse vor dem Restaurant ein Pool integriert. Die Safari-Zelte haben neue Türen, die schon sehr schadhaften Reißverschlusssysteme haben ausgedient.
Hier sitzen wir auf der Terrasse direkt am Khwai Fluss und beobachten einige Büffel, die unter das Grünzeug aus dem Wasser abweiden. Dieser Platz ist tatsächlich wunderschön, uns gefällt es sehr gut.
Kurz nach Sonnenuntergang verfärbt sich der Abendhimmel besonders schön. Die letzten Sonnenstrahlen dringen durch sich auftürmende Wolken.
Wir sind heute am Abend die einzigen Gäste in der Lodge und die Aufmerksamkeit des Personals ist ausschließlich auf uns gerichtet. Es ist schon komisch, wenn man so einsam in einer Lodge sitzt… Für die kommenden Tage sind aber einige Gäste angesagt!
Gefahrene Tageskilometer: 312
Teil 7428. Mai 2022
Reisetag 85 (25. Oktober 2021) – Mogothlo Safari Lodge – Khwai – Moremi North Gate
Das Frühstück nehmen wir heute wieder als abgepackt mit – wir wollen keineswegs herumsitzen und dann die schönsten Stunden des Tages vergeuden. Der Nachteil an der Mogothlo Safari Lodge ist sicherlich, dass man eine knappe Stunde Anfahrt zum North Gate einplanen muss. Wie bereits erwähnt, ist die Piste in einem ganz schlimmen Zustand, da ist an ein zügiges Weiterkommen nicht zu denken. Die Nacht war sehr gut, in den zelten schläft man hervorragend, denn es kühlt gut ab und die Rufe der Hyänen vermitteln das Gefühl, mitten im Busch zu sein. Wir sind ziemlich genau bei Sonnenaufgang auf der Piste und wollen also zurück in das Moremi Reservat, um auf der Südseite des Khwai nach Tieren zu suchen. Diese Ecke hatte schon bei meinen letzten Besuchen einiges zu bieten und natürlich hoffe ich, dass wir auch diesmal gute Sichtungen haben werden.
Etwa auf halber Strecke müssen wir aber bereits anhalten, denn ein Rudel Wildhunde quert die Pad – das fängt genau so an, wie wir uns das vorgestellt haben. Besser geht kaum.
Die Hunde sind völlig entspannt, sind aber offenbar auf dem Weg Richtung Fluss. Wir haben Glück, dass es genau hier eine die Hauptstraße querende Piste gibt, der wir weiter folgen können. Einer der Hunde trägt einen Vogel mit sich herum… Im Gegensatz zu gestern haben wir nun tolles Licht, ein Vorteil eben, wenn man zeitig unterwegs ist.
Einige Tiere legen sich neben uns auf die Straße, wir sind hier das einzige Auto weit und breit.
Wir folgen dem Rudel, aus allen Richtungen kommen weitere Hunde herbeigeeilt.
Als schließlich doch ein Safari Auto einbiegt, lassen wir die Hunde zurück und fahren weiter Richtung North Gate. Da wir die Eintrittstickets schon in Maun gekauft hatten, müssen wir nun nur noch das obligate Buch befüllen und dann können wir tatsächlich loslegen. Dafür fahren wir durch das North Gate Camp, wo wir auch noch rasch die Toiletten benutzen. Der Weg führt uns parallel zum Fluss in östliche Richtung. Wir treffen zunächst auf eine große Herde Impala, die von einigen Wasserböcken begleitet wird.
Wir sehen auch die ersten Vögel, darunter einen Flussuferläufer (Common Sandpiper).
Auf einer Sandbank liegt ein Krokodil, auch die Flusspferde machen schon ordentlich Betrieb.
Denen ist unsere Anwesenheit nicht recht, sie fühlen sich offensichtlich gestört. Auch die ersten Letschwe-Antilopen lassen sich nicht lange bitten.
Ein Riedbock ist da schon wesentlich schwerer auszumachen.
Impala sind auch heute wieder sehr viele unterwegs, die sich tatsächlich überall in diesem Park. Zebras zeigen sich dagegen nur vereinzelt.
Wir sehen weiters einen Graureiher (Grey Heron), einige Witwenpfeifgänse (White-faced Whistling Duck) und weitere Krokodile und einen Klaffschnabel (African Openbill).
Die Letsche-Antilopen sind ebenfalls entlang des Wassers überall anzutreffen.
Es gibt einen Bereich, wo ich schon mehrfach einen Leoparden angetroffen habe und natürlich führt unser Weg auch heute dort vorbei. Der Weg windet sich entlang einer der Flussniederung mit den charakteristischen Termitenhügeln, auf der anderen Seite befindet sich ein lichter Wald. Völlig unvermittelt stehen wir plötzlich vor Löwen.
Einige der Großkatzen liegen im Gras neben dem Fluss, andere stecken unter einem Mopane-Busch zusammen.
Es sind insgesamt acht Raubkatzen, einige ausgewachsene Weibchen und männliche Jungtiere, die noch keine ausgeprägte Mähne besitzen.
Sie gehen sehr zärtlich miteinander um, gegenseitige Fellpflege steht am Programm…
Wir stehen direkt neben den Tieren, diese lassen sich durch uns aber auch nicht stören. Es ist einfach unglaublich schön, derartige Sichtungen für sich allein zu haben, weit und breit ist kein anderes Auto zu sehen.
Die Löwen haben sich bald an uns gewöhnt und legen sich wieder zum Schlafen, sie haben das Interesse an uns verloren. Lediglich eine Löwin wacht und ist etwas unruhiger.
Aber schließlich fallen auch ihr die Augen immer wieder zu… Erst als wir unser Auto wieder starten, finden wir wieder Beachtung.
Wir fahren von hier aus wieder zurück Richtung North Gate, wir suchen uns nun einen gut einsehbaren Platz, wo wir unser Frühstück auspacken können. Schließlich dürfen wir die schwere Box, die jeder von uns in die Hand gedrückt bekommen hat, nicht wieder voll zurückbringen. Wir sehen ein Rotschnabelfrankolin (Red-billed Spurfowl) und einige Büffel, die aus dem Wald auf die freie Fläche am Wasser getrottet waren. Hier bleiben wir wohl besser nicht stehen, um das Frühstück einzunehmen…
Es geht also noch ein Stück weiter, wo wir dann auch einen umgestürzten Baumstamm finden, auf den wir uns setzen können. In dieser großartigen Landschaft schmeckt ein Frühstück einfach noch einmal besser. Man muss jetzt aber eher schon von Brunch reden, denn es ist inzwischen bereits nach elf Uhr… Auf der Weiterfahrt stoppen wir bei einem Silberreiher (Great Egret), der einen ganze Schar Witwenpfeifgänse anzuführen scheint.
Versteckt stehen auch zwei Wassertriele (Water Thick-knee) am Fluss, während ein Goliath-Reiher (Goliath Heron) weiter entfernt auf Beute lauert.
Auch die obligaten Letschwe-Antilopen sind immer noch vor Ort.
Wir sehen schließlich auch noch Sporengänse (Spur-winged Goose) bevor wir zum Camp am North Gate gelangen.
Wir haben inzwischen tatsächlich schon wieder wunderbare Sichtungen genossen und so entscheiden wir uns, zu unserer Lodge zurückzufahren. Wir sind doch etwas müde und wir müssen uns nichts beweisen. So fahren wir langsam zurück, der Weg ist ohnedies nochmals eine Herausforderung – auch, wenn ich nun als Beifahrer daneben sitze… In der Mogothlo Safari Lodge genießen wir zunächst kalte Getränke, ehe wir uns noch einen Cafe holen, der am Nachmittag mit Kuchen serviert wird. Wir sprechen natürlich über unsere Sichtungen und schmieden Pläne für den neuen Tag. Außerdem führt eine frische Schlangenspur direkt unter der Plattform unseres Zeltes hindurch… die Angestellten schwärmen aus und bringen wenig später in einem Kübel eine Puffotter zurück, die sie dann etwas weiter vom Camp entfernt wieder in die Natur entlassen. Also auch vor Ort ist für Aufregung gesorgt. Wir haben uns darauf geeinigt, am nächsten Tag direkt von der Lodge weg dem Khwai Fluss Richtung Moremi zu folgen – auch dieses Gebiet ist immer für Überraschungen gut!
Auch die letzte Nacht war recht angenehm, an den Zelten im Camp kann man die „Fenster“ öffnen, das heißt man rollt die Planen hoch und hat dann Fliegengitter, die in der Nacht die kühlere Luft in den Raum lassen. Wenn man das auf allen Seiten macht, zieht es einigermaßen durch und auch im Oktober ist es in den zelten recht angenehm. Außerdem gibt es einen Ventilator, der die Luft auch in Bewegung versetzt. Auch heute nehmen wir das Frühstück wieder in einer Box mit, es hat uns gestern sehr gut gefallen, mitten in der Natur zu stehen und die Köstlichkeiten zu genießen.
Wir fahren zunächst vom Mogothlo Safari Camp, das direkt am Mababe Fluss liegt, zurück auf die Hauptverbindung, die uns weiter durch den kleinen Ort Mababe bringt. Hier gibt es einige kleinere Tümpel mit knorrigen Bäumen, an denen man vorbeifährt und wo wir kurz anhalten, um Höckerglanzgänse (Knob-billed Duck) zu fotografieren. Sie ziehen hier gemeinsam mit Sporengänsen (Spur-winged Goose) und Witwenpfeifgänsen (White-faced Whistling Duck) herum.
In einem Baum sitzt ein Rotschnabeltoko (Southern Red-billed Hornbill) und putzt in den ersten Sonnenstrahlen sein Gefieder. Auf einem Dunghaufen am Rand sitzt eine Gabelracke (Lilac-breasted Roller)
Wir beobachten zudem einen weiteren Klaffschnabel (African Openbill).
Von hier fahren wir noch ein kurzes Stück weiter Richtung Moremi North gate und biegen dann endgültig zu Khwai Fluss ab, dem wir in weiterer Folge entlangfahren werden. Dabei gelangen wir in das landschaftlich wunderschöne Gebiet rund um das Magotho Camp, wo wir bereits 2017 im Dachzelt genächtigt hatten. Die Stimmungen in den Morgenstunden sind dramatisch schön und zeigen die Wunderwelt des Deltas.
Termitenhügel sind in dieser Gegend überall zu sehen, sie bilden auch das Rückgrat dieser Sumpflandschaft.
Wir sehen die ersten Giraffen.
Überall entlang des Flusses sehen wir viele Vögel, aber die Elefanten sind da schon leichter zu sehen…
Seerosen blühen und ein Schlangenhalsvogel (African Darter) wartet geduldig auf das Frühstück.
Aus dem Papyrus-Dickicht am Fluss tritt plötzlich ein großer Elefant hervor, er kommt uns bedrohlich nahe.
Der Weg schlängelt sich immer flussparallel dahin, manchmal entfernt er sich wieder ein Stück, dann fahren wir aber sogar auch wieder durch die Ausläufer des Wassers. Diese Strecke ist einmalig schön. Ein Waffenkiebitz (Blacksmith Lapwing) marschiert durch das Wasser.
Wir beobachten immer wieder Elefanten, die sich mal näher, dann wieder weiter entfernt am Fluss aufhalten.
Auf der gegenüberliegenden Flussseite befindet sich das Moremi Reservat, dort wo wir gestern unseren erfolgreichen Gamedrive unternommen haben.
Die Elefanten marschieren einfach durch den Fluss, sie können beliebig herumziehen.
Wir fahren hier ein gutes Stück des Weges, aber da wird es natürlich nie langweilig, ständig gibt es Neues zu entdecken.
Sei es ein Warzenschwein, Steinböckchen oder das ein oder andere Impala.
Ein Flusspferd versteht keinen Spaß, als wir ihm zu nahekommen. Vermutlich ist der Koloss eben erst ins Wasser gelaufen.
Kurz nach dem Magotho Camp treffen wir auf einen Marabu, der am Ufer entlang marschiert. Es ist aber nicht der einzige Aasfresser, den wir hier sehen – auch einige Weißrückengeier (White-backed Vulture) sitzen herum. Auch ein Kappengeier (Hooded Vulture) hat sich dazugesellt.
Es stinkt ziemlich bestialisch, hier liegt sicher irgendwo ein Kadaver herum… Die Reste eine Flusspferdes sind deutlich erkennbar.
Auch einige Schwarzmilane sitzen rundum, manche sind auch zum Trinken ans Wasser geflogen.
Dann sehen wir sie aber schon, eine riesige Meute Löwen liegt direkt vor uns auf der Piste.
Sie sind alle fettgefressen, kaum einer regt sich. Gelegentlich steht ein jüngeres Tier auf, scheint sich aber auch nur umzubetten…
Wir sind fürs Erste einmal mit Zählen beschäftigt… 19 Löwen liegen hier dicht an dicht, einige weniges sind auch noch unter einem Busch in der Nähe zu sehen.
Einige größere Knochenstücke des Hippos sind auch bereits zwischen den Raubkatzen auszumachen.
Wir versuchen unser Auto bestmöglich abzustellen, denn das Licht ist inzwischen nicht mehr ganz ideal, es ist doch schon sehr grell… Da außer uns nur noch ein weiteres Auto vor Ort ist, haben wir diesbezüglich alle Freiheiten.
Eine der Löwinnen hat sich offenbar schwer an der rechten Vorderpfode verletzt, sie humpelt zwischenzeitlich zum Kadaver, scheint aber bereits etwas abgemagert und insgesamt schwer gezeichnet.
Wir stehen lange Zeit bei dieser unglaublichen Sichtung und die Tiere beachten uns überhaupt nicht.
Erst als wir unser Auto wieder starten, werden die Köpfe gehoben – oder zumindest die Augen geöffnet…
Wir fahren nun langsam wieder zurück in unser Camp, wir haben doch noch ein gutes Stück Weg vor uns. Bevor wir durch das Magotho Camp Richtung Hauptstraße fahren, beobachten wir aber noch eine Giraffe beim Trinken und einige Elefanten beim Baden.
Den restlichen Nachmittag verbringen wir wieder in der Mogothlo Safari Lodge. Nach dem Nachmittagscafe füllen wir den Tank mit dem Diesel aus den Kanistern auf, denn morgen steht wieder eine etwas längere Fahrt bevor. Auch dieser Tag hatte wieder ein ganz tolles Erlebnis für uns parat – ein Grund mehr, wieder hierher zurückzukehren, wo sich meiner Meinung nach einer der schönsten Orte des Deltas befindet.
Der heutige Tag wird wieder ein „Fahrtag“ sein, schließlich wollen wir von Mogothlo in nördliche Richtung bis nach Kasane. Dazu haben wir uns darauf geeinigt, den Weg über Savuti zu nehmen. Wir könnten natürlich auch die Hauptstraße wählen, aber das wollen wir nicht unbedingt, denn der Weg über Savuti ist zwar weiter, aber dafür haben wir doch die Möglichkeit, wenigstens einige Tiere zu sehen. Wir machen uns keinen Stress und nehmen das Frühstück in der Lodge ein, die letzten beiden Tage haben wir ohnedies von Frühstücksboxen gelebt. Das Frühstück können wir ab 7:00 Uhr einnehmen, das sollte passen. Unsere Getränke haben wir bereits am Vorabend bezahlt, also können wir jederzeit aufbrechen. Noch einmal riskieren wir einen Blick von der Terrasse auf das Paradies am Mababe-Fluss…
Fazit Mogothlo Safari Lodge: Die Preise der Lodges in Botswana sind wahre Spielverderber, auch Mogothlo ist nicht unbedingt günstig, aber im vergleich zu anderen Plätzen wenigstens noch finanzierbar. Die Safari-Zelte auf den Holzplattformen haben ein Liftup erhalten und sind jetzt wirklich komfortabel, es fehlt eigentlich nichts mehr. Dusche und WC sind in einem guten Zustand, alles ist auch sehr sauber. Der Blick von der Terrasse, in die nun auch ein kleiner Pool integriert ist, ist fantastisch, die Abende am offenen Feuer inmitten der Natur und mit den entsprechenden Hintergrundgeräuschen sind einfach himmlisch. Wir brechen nun auf und fahren über die Ortschaft Mababe, wo die Kinder in ihren blauen Schuluniformen am Weg zur Schule sind, dem Mababe Gate entgegen. Hier entscheiden wir uns dafür, über die Marsh-Route zu fahren, eine Entscheidung, die wir nicht bereuen, denn obwohl der Boden sehr hart ist – nur an ganz wenigen Stellen kommt Sand durch – kommen wir gut vorwärts. Der Tierreichtum hält sich in Grenzen, wir sehen eigentlich überhaupt keine Tiere, nur einige Zebras und Gnus, aber in großer Entfernung weit im Osten. Die Piste wird erst kurz vor Savuti wieder etwas tiefer… Wir fahren aber ohnedies seit dem Eintritt in das Moremi-Reservat am South Gate mit vermindertem Reifendruck, das hilft natürlich hervorragend.
Kurz vor Savuti sehen wir auch einen jungen Raubadler (Tawny Eagle) in einem Baum sitzen. Leider habe ich vermutlich am Vorabend beim Putzen meiner Kamera am Einstellungsrad gedreht – jedenfalls merke ich erst bei der Durchsicht meiner Bilder, dass die Einstellung der Zeit-Automatik verstellt ist und die ersten Bilder eine relative Unschärfe aufweisen… Das hätte auch ganz anders ausgehen können. In Zukunft werde ich sicher wieder vermehrt darauf achten.
Südlich von Savuti begegnen wir zunächst einigen Giraffen. Diese Tiere sind uns auch in Moremi immer wieder untergekommen, von denen dürfte es eine große Zahl in den Reservaten geben.
Eine Gruppe Elefanten steht in der Ebene, wobei unser Hauptaugenmerk auf ein Jungtier fällt, das offensichtlich seinen Spaß mit den Tauben hat. Sobald sich ein Vogel niedersetzt, stürmt der Kleine los…
Ein Elsterwürger (Magpie Shrike) sitzt in einem Mopane-Busch, während ein Schopffrankolin (Crested Francolin) über die Pad stürmt.
Wir wollen in Savuti keinen wirklichen Gamedrive unternehmen, vielmehr alles mitnehmen, „das uns über wen Weg läuft“. Da wir bisher gut vorangekommen sind, ist auch nicht wirklich zeitlicher Druck vorhanden. Selbstverständlich muss man eine Reifenpanne immer einkalkulieren. Weiters sehen wir eine Riesentrappe (Kori Bustard) und eine kleine Gruppe Paviane mit einigen Jungtieren.
In der Nähe vom Leopard Rock treffen wir auf zwei völlig vollgefressene Löwinnen, die von einem jungen Löwen und einem starken Männchen begleitet werden. Mit dieser Sichtung haben wir nie und nimmer gerechnet, denn ohne richtigen Gamedrive ist das nur ein Glückstreffer… Die beiden Löwinnen liegen wie vollgefüllte Säcke neben uns.
Bei genauerem Hinsehen ist noch die rote Farbe des Blutes im Fell zu erkennen. Der Kill dürfte wohl während der Nacht passiert sein. Jetzt ist erst mal Ruhe angesagt. Wir sind da sicherlich ein Störfaktor.
Das Männchen ist da schon wesentlich weniger entspannt, steht aber auch nicht auf. Eine der Löwinnen findet uns wohl eher nur langweilig…
Da wollen wir natürlich auch nicht länger stören, Löwen haben wir in den vergangenen Tagen tatsächlich sehr viele gesehen. Wir sehen in Savuti aber auch noch den ein oder anderen Elefanten, von denen dürften doch einige in der Gegend sein. Es sind jedoch keine Gruppen unterwegs, sondern lediglich einzelne Tiere.
Zudem beobachten wir einen schönen Kudu-Bullen und große Gruppen von Impala.
Besonders freuen wir uns über den Anblick einiger Tsessebe-Antilopen, die habe ich bisher in der Gegend noch nie gesehen.
Im Savuti Camp machen wir eine kurze Pause, leider habe ich es verabsäumt, ein Bild des Rangers zu knipsen, der die ganze Zeit über auf einem Elefantenkopf hockend auf seinem Handy gespielt hat. Das war doch ein einigermaßen skurriles Bild. Wir trinken etwas und tauschen uns mit einem belgischen Pärchen aus, das von Norden angereist ist und große Probleme bei der Passage einiger Streckenabschnitte hatte. Die beiden sehen einigermaßen gezeichnet aus. Von Savuti weg folgen wir der Piste entlang des Flugfeldes, die in einem guten Zustand ist, während die eigentliche Strecke durch einige Starkregen angeblich sehr stark ausgeschwemmt wurde. Wir sind mit der Routenwahl zufrieden, denn außer einigen kleineren Tümpeln nördlich des Savuti-Camps, die wir jedoch umfahren können, geht es wieder sehr gut vorwärts. Auch den sandigen Abschnitt die letzten Dünen hinauf Richtung Kichikau meistern wir ohne Probleme.
Entlang der Ghoha-Road geht es nun weiter über Kichikau nach Kasane. In Kichikau, wo wir auch wieder die Asphalt-Straße erreichen, pumpen wir die Reifen wieder auf, dann dann sind wir auch schon wieder auf Achse.
Kurz nach 16:00 Uhr erreichen wir Kasane, wo wir sofort zum Flughafen fahren, um uns einem weiteren PCR-Test zu unterziehen. Wir wollen das so schnell wie möglich erledigt haben. Außerdem haben wir so – sollte der Test verloren gehen – eine weitere Testmöglichkeit. Wir füllen die Fragebögen aus und sind sehr überrascht, dass hier bei einem Test sowohl Nasen- als auch Rachenabstrich genommen werden. Das haben wir so bisher noch nicht erlebt. Anschließend fahren wir zur Chobe Safari Lodge, wo wir für die kommenden beiden Nächte einchecken. Damit haben wir auch diesen etwas längeren Fahrtag gut hinter uns gebracht.
Heute verbringen wir den gesamten Tag im Chobe Nationalpark und werden von Kasane aus am Morgen eine Bootsfahrt am Chobe Fluss unternehmen, am Nachmittag folgt dann ein Gamedrive mit dem eigenen Auto. Darauf freuen wir uns schon alle, denn eine Bootsfahrt bringt dann doch eine andere Perspektive. Dass wir die Bootsfahrt am Morgen unternehmen hat den Grund, dass wir alle drei schon Bootsfahrten zum Sonnenuntergang am Chobe mitgemacht haben. Wir wollen deshalb einmal etwas anderes erleben. Außerdem haben wir ein privates Boot vorreserviert, um ganz nach unseren Vorstellungen fotografieren zu können…
Die erste Diskussion erfolgte schon am Vorabend, als man uns erklärte, dass die Bootsfahrten – auch die mit privatem Boot – um 10:00 Uhr starten… So weit, so schlecht – das kommt natürlich so überhaupt nicht infrage, denn wir haben das Boot für vier Stunden reserviert und würden dann nur in der Mittagssonne unterwegs sein, der Alptraum für jeden Fotografen. Also wird nach langer Verhandlung eine Abfahrt um 08:00 Uhr fixiert – dazu muss aber auch noch eine Frühstücksbox organisiert werden, denn Frühstück startet erst um 09:00 Uhr, weil die Gäste bis knapp vor 11:00 Uhr dort sitzen dürfen, damit die, die vom Morgengamedrive kommen, auch noch Frühstück erhalten. Also dann auch noch in der Küche Bescheid gegeben und Frühstück organisiert.
Als wir am Morgen zum Boot kommen, folgt die zweite negative Überraschung: Wir haben zwar ein Boot für uns, aber darauf haben sicher 50 Personen Platz – also ein Boot, wie es für die „normalen“ Touren verwendet wird. Wieder folgt eine lange Diskussion, denn schließlich haben wir das Boot ein dreiviertel Jahr vorher reserviert… Übrig bleibt, die beiden kleinen Boote sind kaputt, wir müssen mit dem großen fahren – der Service ist hier tatsächlich so schlecht wie schon lange nicht. Ich besuche die Lodge seit vielen Jahren, aber in letzter Zeit geht es eigentlich ziemlich bergab. Das hängt nicht nur mit dieser Groteske zusammen.
Wir sitzen zu viert mit unserem charmanten Guide, einer jungen Dame, die sich das vermutlich auch anders vorgestellt hat, im großen Boot und starten in den Tag. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Rangerin ist extrem bemüht, ihr ist die Sache selbst mehr als peinlich, sie erklärt uns, dass die Motoren der Boote „seit Monaten“ nicht gewartet sind und heute deshalb auch nicht gestartet werden konnten… Preis-/Leistung passt hier (vorsichtig formuliert) nicht ganz zusammen.
Wir fahren nun flussaufwärts und versuchen, dennoch das Beste aus der Sache zu machen. Nach den ersten Sichtungen schwindet der Frust, kommt zwischenzeitlich aber wieder kurz, als wir eine Gruppe Fotografen mit einem kleinen Boot ganz nahe an das Ufer fahren sehen… So in etwa war das auch unser Plan. Auf dem Weg in den Park passieren wir ein Mokoro mit Einheimischen, für mich ist das immer schwer vorstellbar, in einem Fluss zu staksen, der nur so wimmelt von Flusspferden… Aber früh übt sich und die Leute wissen damit umzugehen.
Wir folgen zunächst dem Ufer der Hauptrinne und sehen einige Weißscheitelkiebitze (White-crowned Lapwing).
Dann drehen wir doch Richtung Flussinseln und stoßen dort gleich auf einen Silberreiher (Great Egret), den wir einige Zeit beobachten.
Über die Sichtung eines Langzehenkiebitz (Long-toed Lapwing) freue ich mich besonders, denn den habe ich noch nicht so oft gut vor die Linse bekommen. Etwas weiter entfernt steht ein Purpurreiher (Purple Heron).
Bald sehen wir auch die ersten Krokodile, von denen gibt es auf den Inseln reichlich. Als wir mit dem Boot stoppen, fliegt ein Schlangenhalsvogel (African Darter) auf.
Wir erspähen dann auch einen Rallenreiher (Squacco Heron), der aber sofort wieder verschwindet.
Ein Nilwaran schlängelt sich durch das hohe Gras und ein Klaffschnabel (African Openbill) lässt uns näher herangleiten, ehe er es dann doch vorzieht zu flüchten.
Dann taucht ein Brauner Sichler (Glossy Ibis) auf, auch er ist uns wohlgesonnen.
Am Morgen sind viele Krokodile auf den Sandbänken, denn sie wärmen sich in der Sonne auf – das ist natürlich ganz nach unserem Geschmack.
Auf einer der Inseln sehen wir eine große Herde Wasserböcke, auch da versucht unser Guide möglichst nahe ranzufahren.
Ein Nimmersatt (Yellow-billed Stork) lässt uns relative nahe heran, zieht es dann aber doch vor zu fliehen und sich in die Lüfte zu erheben.
Wir stoßen dann auch noch auf eine große Herde Impala.
Auf der anderen Seite einer Insel ist eine riesige Herde Büffel zu sehen. Wir müssen dazu einen kurzen Umweg nehmen, um mit unserem großen Boot etwas näher zu kommen.
Mitten unter den Büffeln taucht plötzlich ein Lappenstar (Wattled Starling), auch diesen Vogel habe ich noch nicht allzu oft gesehen. Zudem sind auch weitere Weißscheitelkiebitze zu sehen.
Wir fahren dann auch noch zu „Skimmer Island“ einer kleinen Sandbank, auf der die Scherenschnäbel (African Skimmer) brüten. Auch einige Wassertriele (Water Thick-knee) sind dort zu sehen.
Bei der Rückfahrt zur Lodge sehen wir noch einige sehr große Krokodile
Während wir fotografieren, fliegt ein Klaffschnabel an uns vorbei.
Als wir neben diesem „Monster“ stehen, ist dies der einzige Augenblick während der Bootsfahrt, an dem ich mich am großen Boot wohler fühle…
Weiters sehen wir noch eine Familie Nilgänse (Egyptian Goose), einen Nilwaran und einen weiteren Purpurreiher, dem wir sehr nahe kommen.
Von weitem sehen wir auf der Rückfahrt auch noch eine Herde Elefanten, doch da sind wir uns ziemlich sicher, dass wir diese Tiere am Nachmittag auch noch sehen werden…
Zurück in der Lodge stürzen wir uns auf unser „Frühstückspacket“, denn inzwischen sind wir doch einigermaßen hungrig. Die knapp 4-stündige Bootsfahrt hat uns doch geschafft. Doch dieses „Frühstück“ ist ein einziger Krampf, da wurde alles reingeworfen, was an Süßigkeiten in den letzten Wochen zurückblieb in der Lodge. Wer isst Schokolade und Bonbons zum Frühstück… Ich sammle die drei Boxen ein und bringe sie in die Küche retour – der Küchenchef ist entsetzt (oder spielt es jedenfalls gut)… Er nimmt die Boxen und entsorgt sie – wir werden dafür zu einem Mittagessen eingeladen… diese Stärkung brauchen wir auch, denn am Nachmittag wartet ein Gamedrive auf uns…
Nach dem Mittagessen bleiben wir noch am Pool sitzen und genießen die herrliche Aussicht auf den Chobe-Fluss. Die Chobe Safari Lodge ist sehr schön gelegen, im Schatten der hohen Bäume zu sitzen und auf den Fluss zu starren, kann durchaus entspannend, zumindest jedoch entschleunigend sein. Hin und wieder stakst ein Mokoro vorbei, gelegentlich springt ein Fisch auf oder ein Graufischer stößt ins Wasser. Wir trinken unseren obligaten Cafe und schmieden Pläne für die kommenden Tage. Das PCR-Testergebnis ist ebenfalls schon eingetroffen, wir haben das direkt an die Rezeption des Hotels schicken lassen. Das hat gut funktioniert, wir haben die entsprechenden Ausdrucke bereits behoben, einer Rückkehr nach Namibia steht soweit nichts im Wege. Die Lodge ist bei weitem nicht voll belegt, es sind zwar doch einige kleinere Gruppen und einige Pärchen unterwegs, aber von der Hektik der Vor-COVID-Zeit sind wir noch weit entfernt. Auf dem Fluss sieht man zudem kaum Boote. Kurz nach 14:00 Uhr gehen wir zurück zu unseren Rondavells, um die Kamera-Taschen zu holen. Wir wollen schließlich den Nachmittag im Chobe NP entlang der Riverfront verbringen.
Die Fahrt von der Lodge hoch zum Parkeingang dauert nur wenige Minuten, wir füllen das obligate Buch aus und dann können wir auch schon loslegen, wir sind sehr darauf gespannt, was uns vor die Linsen kommen wird… Im östlichen Bereich des Chobe NPs gibt es ein „Einbahnsystem“, man fährt also zunächst kurz nach dem Parkeingang direkt hinunter zum Chobe-Fluss, um diesem ein längeres Stück zu folgen. Eine kleinere Gruppe Elefanten kommt da schon vom Wasser entgegen.
In der Flussniederung weiden Impala und eine Giraffe trinkt aus einem kleinen Tümpel.
Das Licht ist leider noch sehr grell, aber das wird nun sicher von Minute zu Minute besser werden. Außerdem sind sehr wenige Autos unterwegs, am Eingang war nur ein weiterer Landcruiser. Wir kommen dann auch schon zu den nächsten Elefanten, diese stehen im Wasser und saufen. Auf der gegenüberliegenden Insel sind viele Flusspferde zu erkennen. Langsam zieht die kleine Herde wieder vom Wasser ab, die Tiere spazieren friedlich an uns vorbei.
An einer Schlammpfütze wird ein Stopp eingelegt, Kosmetik ist angesagt!
Dann geht es aber interessanterweise wieder zurück zum Wasser…
Wir fahren dem Fluss ein kurzes Stück entlang, da sehen wir eine Rappenantilope, die ebenfalls aus einer kleinen Pfütze trinkt.
Als wir stoppen, scheut das stattliche Tier aber auf und läuft Richtung Fluss davon.
Gleich darauf treffen wir auch die nächste Herde von Elefanten, auch diese Tiere sind mit Hautpflege beschäftigt.
Ein Elefant kühlt sich im Wasser ab, gelegentlich ist er vollständig untergetaucht.
Die Zahl der Elefanten in der Flussniederung ist sehr hoch, es gibt kaum einen Platz, wo nicht einige zusammenstehen. Wir können die Tiere sehr gut beobachten.
In einem Baum sitzt ein mächtiger Schreiseeadler (African Fish Eagle).
Zwei Rotschnabelfrankoline (Red-billed Spurfowl) stochern in den Dungballen der Elefanten herum.
Ein Stück fahren wir nun direkt am Fluss entlang, dabei sehen wir einen weiteren Klaffschnabel und einen Nimmersatt.
Zudem sehen wir ein Krokodil recht nahe an der Pad. Das geöffnete Maul wir sofort wieder geschlossen, als wir stehenbleiben.
Ein Blaustirn-Blatthühnchen (African Jacana) huscht ebenfalls vorbei.
Etwas weiter entfernt tauchen ein paar Büffel auf, Flusspferde weiden und ein weiterer Nimmersatt fliegt über uns hinweg.
Weiter am Fluss entlang treffen wir nochmals auf Giraffen: Eine Gruppe dieser Tiere marschiert den Fluss entlang an uns vorbei und wir können sie gut beobachten.
Ein Graufischer (Pied Kingfisher) sitzt auf einer Wurzel am Wasser.
Für uns geht es nun noch ein kurzes Stück parallel zum Fluss, ehe der Weg wieder hoch in den Park führt. Genau an dieser Stelle stehen einige Büsche und in diesen entdecken wir – zu unserer Freude – einige Löwen. Wir bewerken wie Katzen eigentlich nur, weil wir unsere Aufmerksamkeit auf eine Gabelracke (Lilac-breasted Roller) richten, die in einem der Büsche sitzt. Zudem liegt eine Schlankmanguste auf einem umgekippten Baumstamm.
Schon wieder Löwen – wir haben tatsächlich unverschämtes Glück. Bei einigen meiner Reisen in das Südliche Afrika habe ich bis zum letzten Tag gezittert, um überhaupt eine dieser wunderschönen Katzen sehen zu können, diesmal tauchen die Tiere fast schon inflationär auf. Was jetzt folgt, gehört zu den schönsten Momenten, die ich in Afrika jemals erleben durfte – alles läuft wie in einem Film ab. Die Straße führt von dieser Kreuzung noch ein Stück weiter, doch dann muss man umdrehen, es handelt sich sozusagen um eine Sackgasse. Wir fahren genau dorthin, denn vielleicht gibt es noch weitere Katzen unter einem der Büsche… Wir müssen nicht suchen, denn direkt neben uns liegen zwei Löwen auf der Pad.
Wir parken unser Auto ein und scannen die Gegend – bisher haben wir nur auf die beiden Katzen geachtet. In der Flussniederung liegen noch weitere Tiere…
Ich wende meine Aufmerksamkeit wieder den beiden zu, die praktisch direkt vor meinem Fenster liegen.
Jetzt ist Fellpflege und Kuscheln angesagt… Von der anderen Seite trotten plötzlich aber weitere Löwen heran, zunächst aus westlicher Richtung, dann kommen auch die, die bisher am Fluss gelegen hatten…
„Unser“ junger Löwe neben dem Auto findet das alles zum Gähnen…
Wir sind schon wieder inmitten einer Vollversammlung der Löwen und teilen uns unseren Logenplatz mit einem einzigen weiteren Auto, das inzwischen eingetroffen ist. Die Rangerin der Chobe Game Lodge parkt ihren Landcruiser mit vier Gästen im Font aber sehr kollegial, wir haben alle gute Sicht.
Fortsetzung folgt!
Teil 7902. Juni 2022
Fortsetzung der Fortsetzung Reisetag 88 (28. Oktober 2021) – Kasane – Chobe NP (Riverfront)
Das war es aber noch nicht ganz, denn plötzlich taucht entlang des Weges wie aus dem Nichts ein mächtiger Löwen-Pascha auf. Das heißt, er erscheint…
Direkt vor uns reißt er sein gewaltiges Maul auf…
Jetzt sind wir umringt von Löwen – man weiß nicht wohin man genau schauen soll. Zudem wissen wir auch nicht, ob die Löwen, die zuvor unter dem Busch lagen, inzwischen ebenfalls aufgetaucht sind.
Eine der Löwinnen streckt plötzlich ihren Hals und beginnt zu rufen, helle, ganz eigenartige Töne, die entweichen… Der Hals wird dabei immer länger.
Auf diesen Ruf reagieren offenbar drei „Jungster“, die aus dem Gebüsch auf uns zumarschieren.
Sie stecken ihre Köpfe zusammen und gehen eng an eng.
Unter einem Mopane-Busch kippen sie schließlich um…
Langsam kehrt Ruhe ein, auch der Pascha hat sich inzwischen in das Gebüsch zurückgezogen. Wir sind uns sicher, dass die große Gruppe – wir wissen bis heute nicht, wie viele Tiere tatsächlich gemeinsam unterwegs waren – in der kommenden Nacht gemeinsam jagen wird… Das bedeutet für uns, dass wir auch am nächsten Tag nochmals zumindest kurz hierher zurück wollen… Wir müssen uns nun leider trennen, denn die Zeit vergeht wie im Flug und wir müssen zurück zum Ausgang…
Wir wenden unser Auto und fahren keine dreihundert Meter, da sehen wir eine Löwin mit zwei Babys am Fluss entlangmarschieren. Da muss zumindest ein kurzer Stopp noch möglich sein!
Die Jungen biegen direkt zum Wasser ab…
Die Löwin selbst versucht immer zwischen uns und ihren Jungen zu sein – es ist nicht einfach mit dem Fotografieren…
Als sie jedoch selbst zum Trinken schreitet, gelingen uns auch einige Bilder von den niedlichen Kleinen…
Im Hintergrund marschieren noch einige Elefanten vorbei, aber wir müssen jetzt rasch zurück zum Ausgang…
Ein grandioser Tag neigt sich dem Ende zu, wir kommen überglücklich zurück zur Lodge, wo wir uns zum Abendessen zur Feier des Tages wieder ein gutes Glas Wein gönnen.
Das Abendessen gestern war leider ein Reinfall, aufgrund der wenigen Besucher in der Lodge gibt es kein Buffet, lediglich die Salate und die Nachspeise können selbst genommen werden. Es gibt vielmehr fünf Speisen, aus denen man auswählen kann – das ist an sich eine feine Sache und kein Problem, doch von den fünf Wahlmöglichkeiten waren drei nicht verfügbar… Also blieb mir nur das Hühnchen, das aber vermutlich bei einem Verkehrsunfall zu Tode gekommen war – wie sonst wären die zahllosen feinsten Knochensplitter erklärbar, die in den Fleischresten steckten… Auch da ist leider das Preis-/Leistungsverhältnis in schwere Schieflage geraten!
Wir sind aber nicht (nur) zum Essen hier, wir genießen die geniale Natur und aufgrund von COVID müssen wir diese auch mit viel weniger Menschen teilen. Da trinken wir eben das eine oder andere Glas Wein mehr und lassen es uns dennoch gut gehen! Wir stehen heute sehr früh auf, denn um 5:30 Uhr öffnet der Chobe NP und wir wollen nichts verpassen. Nach den genialen Sichtungen des gestrigen Tages wollen wir sehen, was aus „unseren“ Löwen wurde, vielleicht können wir die Meute bei einem Kill sehen… Erst nach der Pirschfahrt wollen wir hierher zurückkommen um zu frühstücken und auszuchecken, ehe wir wieder über die Grenze nach Namibia zurückfahren. Wir hätten auch durch den Park zur Grenze fahren können, aber das wollten wir aus Zeitgründen dann doch nicht…
Pünktlich zur Öffnung des Schrankens geht es auch für uns wieder los – neuer Tag, neues Glück. Gemeinsam mit drei anderen Autos rollen wir los – kein Vergleich zum Verkehrschaos, das ich an dieser Stelle auch schon erlebt hatte! Wir fahren wieder hinunter zum Fluss, wo wir zunächst bei einer Gruppe Paviane halten. Die Sonne ist dabei, die ersten Strahlen zu senden, wir genießen den Morgen.
Ein Nimmersatt nähert sich einem im Wasser ruhenden Krokodil. Unser Hauptaugenmerk gilt aber weiter den Primaten und einem Graufischer, der direkt am Fluss auf einem Baumstumpf thront.
Wir fahren ein Stück weiter und sehen den Kadaver eines Elefanten – den haben wir vermutlich am Vortag übersehen, was uns natürlich komisch vorkommt, andererseits scheint der aber nicht ganz frisch zu sein… oder war hier doch die „Löwenbande“ verantwortlich?! Jetzt sitzen jedenfalls einige Weißrückengeier (White-backed Vulture) am Kadaver.
Auch in den Bäumen rundum sitzen Geier und Marabus.
Parallel zum Fluss, aber nicht direkt in der Flussniederung, stoßen wir dann auch schon wieder auf Löwen. Wir wissen nicht, ob es sich um die handelt, die wir gestern gesehen haben… Wir sind mehr als happy, die wunderbaren Katzen auch heute wieder zu finden! Zunächst sehen wir zwei Tiere, die spielend die Pad entlangmarschieren. Ihnen folgen wir nun einfach…
Von der Seite kommen noch zwei weitere Katzen dazu…
Wir fahren direkt hinter den grazilen Raubtieren her, die offenbar sehr relaxed im schönsten Morgenlicht dahintrotten. Einer der großen Bäume dient offenbar für Markierungen und als Kratzbaum…
Plötzlich läuft eine der Löwinnen vor zur Abbruchkante Richtung Fluss und starrt hinunter – dann verschwinden alle vier Katzen in eben dieser Richtung. Was ist jetzt zu tun? Hier können wir nicht runterfahren, wir müssen also einen Weg suchen, um wieder in die Flussniederung zu gelangen…
Wir werden nun ein ganzes Stück weiterfahren, vorbei an der Chobe Game Lodge, das dauert und wir wissen natürlich auch nicht, ob die Löwen tatsächlich zum Fluss marschieren, beziehungsweise wo der andere Teil der Meute steckt, falls es diesen überhaupt gibt… zu viele Fragezeichen, zu viele Möglichkeiten. Da wir ohnedies bereits viele Löwen im Laufe unserer Reise gesehen haben, machen wir uns keinen Stress – wir sind auch mit jedem anderen Tier, das uns begegnet, glücklich. Zurück in der Flussniederung treffen wir zunächst auf eine Gruppe Impala.
Auch ein Weißrückengeier marschiert am Fluss entlang.
Dazu stoppen wir bei einigen Nilgänsen (Egyptian Goose).
Auf einer gegenüberliegenden Sandbank haben eben einige Krokodile Stellung bezogen.
Wir fahren weiter ein Stück den Fluss entlang und sehen eigentlich eher zufällig weit entfernt eine Löwin im Wasser. Sie versucht offensichtlich den Fluss den queren, um auf eine der Inseln zu gelangen… Leider sind die Bilder nicht sonderlich gut, weil die Entfernung doch recht groß ist… Wir beobachten das Tier eine Weile und bemerken, dass zwei weitere Löwinnen am Wasser aufgetaucht sind. Eine der Löwinnen geht immer wieder in den Fluss hinein…
Ein Stück weiter im Osten kommt offenbar eine Löwin von der Insel in unsere Richtung geschwommen, eine weitere wartet bereits… das ist eine unglaubliche Erstsichtung für uns. Löwinnen im Wasser durften wir bisher noch nie beobachten.
Die beiden Katzen legen sich daraufhin in die Sonne, eine ist von unserem Standpunkt aus bald nicht mehr zu sehen, die andere beobachten wir noch eine Weile, aber sie sitzt sehr statisch und schaut entweder zum Fluss oder in unsere Richtung…
Wir müssen nun aber die Rückfahrt antreten, obwohl es uns auch hier sehr gut gefallen würde… Aber wir wollen noch frühstücken und vor allem müssen wir auch noch zeitgerecht auschecken. Auch ein Stück Weg bis zur nächsten Lodge liegt vor uns! Auf der Rückfahrt sehen wir noch eine weitere Löwin, diese sitzt wieder direkt an der Pad und starrt auf vier Gamedrive Autos, die sich rundherum aufgestellt haben. Wir sollen nicht daran denken, was den anderen entgangen ist… andererseits könnten aber auch wir hier etwas verpasst haben – aber so ist das Leben! Wir machen einige wenige Fotos und fahren dann auch gleich wieder weiter.
Entlang des Weges halten wir noch kurz bei einem einzelnen Elefanten, der neben uns marschiert und bei einem Kudubullen, der offenbar Salz aus dem Boden leckt…
Nach einem eher kurzen Frühstück brechen wir Richtung Grenze auf. Diesmal entfällt die Eintragung im Buch bei der Durchfahrt durch den Chobe NP – wir werden einfach durchgewunken… Entlang der Strecke sind keine Tiere zu sehen, selbst Elefanten queren die Straße nicht, wir kommen also rasch voran. Die Grenze in Ngoma ist auf Botswana Seite rasch überquert, wir sind die einzigen „Gäste“. Auf namibischer Seite müssen wir kurz warten, aber dann geht es auch recht zügig voran, sodass wir von der Chobe Safari Lodge nur rund 70 Minuten benötigen, um in Namibia eingereist zu sein. Das ist natürlich sehr gut für uns, denn wir wollen, falls das möglich sein sollte, heute noch eine Bootstour am Zambezi-Fluss unternehmen. Nach weiteren 45 Minzuten sind wir an der Abzweigung von der B8 zur Zambezi Mubala Lodge. Ich bin positiv überrascht, dass wir auf einer ganz neuen Teerstraße bis zum Campingplatz der Lodge fahren können. An der Rezeption des Campingplatzes wird das Auto geparkt und von hier weg gibt es einen kurzen Bootstransfer zur Lodge! Als Bootsführer und Guide stellt sich uns „Harrison“ vor – er sagt „Harrison like Harrison Ford – I am his brother, but from another mother…“. Mit Harrison werden wir also die nächsten beiden Tage hier bestreiten, wir freuen uns darauf, er macht einen sehr sympathischen Eindruck. Die Bootsfahrt vom Camp zur Lodge dauert nur rund 15 Minuten, wir benötigen etwas mehr Zeit, weil wir natürlich schon wieder unsere Fotoapparate gezückt haben… Ein Flusspferd reagiert sauer auf uns, der mächtige Zambezi, der jetzt im Oktober nicht so mächtig ist, bietet aber Platz für alle…
Entlang der Ufer sehen wir immer wieder Rinder stehen, an einer Sandbank läuft ein Weißscheitelkiebitz entlang (White-crowned Lapwing).
In einem Busch sitzt eine Riedscharbe (Reed Cormorant). Dann sehen wir bereits die ersten Chalets der Lodge vor uns, in der wir kommenden beiden Nächte verbringen werden.
Selbst auf dem Weg vom Bootssteg zur Rezeption muss ich noch einmal kurz anhalten, denn ein Graufischer sitzt auf einem Ast in unmittelbarer Nähe.
Inzwischen ist es richtig heiß geworden, wesentlich wärmer als in den letzten Tagen. Nach dem Check-in führt uns der erste Weg sofort an die Bar, wo wir einen kühlen Rock-Shandy zu uns nehmen. Da stapfen wir zu unseren Chalets weiter, die wunderschön oberhalb des Flusses liegen. Wir sind begeistert, diese Lodge ist auch für mich Neuland! Wir ruhen uns ein wenig aus und um 15:00 Uhr brechen wir mit Harrison zu einer kurzen Bootstour auf! Darauf freuen wir uns, denn diesmal haben wir ein kleines Boot…