Reisetag 40 (10. September 2021) – Kruger NP (rund um Lower Sabie)
Die Zeit vergeht wie im Flug – nur noch zwei Tage hier im Kruger NP. Der Süden des Parks ist aber voraussichtlich der Teil, in dem der Wildreichtum am höchsten ist. Auch aus diesem Grund wollen wir die Zeit hier in Lower Sabie und dann auch noch in Berg-en-Dal natürlich nutzen. Auch diese Nachtruhe war wieder unterbrochen durch Löwengebrüll, immer wieder hörte man diese wunderbaren Rufe durch die Nacht hallen. Der Plan für den heutigen Tag ist, dass wir zunächst entlang des Sabie Flusses nach Skukuza fahren, wo wir uns dann anschließend Zeit im Bird-Hide am Lake Panic nehmen wollen. Sollte die Fahrt nach Skukuza aber zu lange dauern, dann könnten wir auch schon vorher in Skukuza einen kurzen Stopp einlegen, um uns die Beine zu vertreten und einen Cafe zu trinken – denn eine Cafe-Pause pro Tag muss (wo möglich) zumindest sein…
Wir sind wieder bei den Ersten am Gate, das sehr pünktlich geöffnet wird. Die Autos teilen sich dann rasch auf, denn etwa die Hälfte biegt sofort Richtung Crocodile Bridge ab. Wir fahren aber nach rechts und bleiben zunächst einmal am Sabie Fluss. Am Sunset-Dam ist es im Moment noch ruhig, die Hippos grunzen im Wasser vor sich hin, Vögel sind keine Ufer und auch die Krokodile – bis auf ein riesiges Exemplar – haben sich in das Wasser zurückgezogen. Wir müssen hier aber dennoch kurz anhalten, denn eine Hyäne kommt entlang der Straße direkt auf uns zu.
Ich liebe diese Morgenstunde, wenn die Sonne über den Horizont klettert und die Landschaft in schönstes, wärmendes Licht hüllt. Erst jetzt fällt uns der Wassertriel (Water Thick-knee) auf, der am Ufer hockt.
Ein Kappengeier (Hooded Vulture) erhebt sich aus einem Baum und nimmt dabei gleich einen guten Teil der Blätter mit sich. Er landet aber nicht weit entfernt auf einem dürren Ast.
Weit müssen wir nicht fahren, um auch heute wieder „unsere“ Löwen aufgespürt zu haben: Vater und Sohn (?) liegen direkt neben der Straße und gähnen vor sich hin – leider sind die Lichtverhältnisse noch nicht optimal für wirklich gute Bilder…
Die beiden haben offensichtlich in der letzten Nacht nichts gefressen, der ältere Kater macht generell keinen wirklich guten Eindruck mehr… Es geht hier aber Schlag auf Schlag, denn wir stoppen fast permanent, weil immer wieder Tiere sehr nah an der Straße zu sehen sind. Zebra, Kronenducker und Kudu sind zu sehen.
Aber auch zahlreiche verschiedene Vögel meinen es gut mit uns. So sehen wir ein Schopffrankolin (Crested Francolin), ein Swainson’s Frankolin (Swainson’s Spurfowl), einen Gelbkehlpieper (Yellow-throated Longclaw) sowie die omnipräsenten Gabelracken (Lilac-breasted Roller). Sogar einen Milchuhu (Verreaux’s Eagle-Owl) können wir wieder finden – dieser verrät sich durch seine Rufe, die wir wahrnehmen, während wir die anderen Vögel ablichten.
So früh am Morgen hätten wir nicht unbedingt mit einem Elefanten gerechnet – aber eben, als wir einen Schreiseeadler (African Fish Eagle) fotografieren, sehen wir, dass ein Dickhäuter vom Sabie-Fluss Richtung Straße kommt.
Es folgen bald weitere Zebras sowie ein Leopard (!), den ich aber nur der Vollständigkeit halber erwähne, denn der ist schwer auszumachen und zudem extrem scheu… er steht sofort auf und verschwindet im Unterholz.
Wir stoppen zudem noch für weitere Zebras, Giraffen, Impala, Wasserböcke, Kudus, eine Fuchsmanguste und Nyala sowie für eine Kaptaube (Ring-necked Dove), ein weiteres Swainson’s Frankolin und einen weiblichen Cabanisweber (Lesser Masked Weaver) - vielen Dank Maddy!
Der Lake Panic Birdhide ist für mich immer ein Highlight in diesem Park, ich kann stundenlang dort sitzen und schauen, warten, fotografieren… Eigentlich ist das vielleicht sogar der liebste Platz für mich in diesem Park, eine wahre Idylle (wenn nicht lärmende Gesellen rundum die Stimmung trüben). Auch diesmal gibt es hier wieder einiges zu sehen – wenn auch vielleicht weniger als bei früheren Besuchen. Am Weg vom Parkplatz, wo Gott sei Dank nur ein weiteres Auto steht, zum Hide fotografiere ich noch rasch eine Baumagame, die tatsächlich hervorragend getarnt ist.
Im See befinden sich diesmal überraschend viele Flusspferde, auf denen teilweise sogar Gezahnte Pelomedusen ruhen. Insgesamt herrscht hier eine sehr friedliche Stimmung.
Relativ nahe am Ausguck liegt ein großes Krokodil im Schatten.
Besonders fasziniert beobachten wir einen Mangrovenreiher (Green-backed Heron) beim Fischen. Er verharrt lange regungslos am Ufer und schnappt plötzlich blitzschnell zu…
Dabei wird er auch von einem Braunkopfliest (Brown-hooded Kingfisher) beobachtet.
Eine Schwarzkielralle (Black Crake) marschiert ebenso am Ufer entlang wie ein junges Blaustirnblatthühnchen (African Jacana) und ein Angola Schmetterlingsfink (Blue Waxbill). Weitere Schmetterlingsfinken und ein Rosenamarant (Jameson’s Firefinch) sitzen in den umliegenden Büschen.
Zudem sehen wir Weißstirn-Bienenfresser (White-fronted Bee-eater), Graufischer (Pied Kingfisher), Zwergspinte (Little Bee-eater) und Graureiher (Grey Heron). Etwas weiter weg breitet ein Schreiseeadler seine Schwingen aus.
Im Hintergrund wühlen Warzenschweine und zwischenzeitlich kommen sogar ein Buschbock und Wasserböcke zum Trinken.
Wir verbringen gut zwei Stunden hier, es wird uns dabei aber nie langweilig. Getränke und Knabbereien sind dabei das einzige Problem hier ist, dass es am Lake Panic keine angeschlossenen WC’s gibt… Da es inzwischen bereits relativ spät geworden ist, fahren wir gleich weiter nach Skukuza, um dort eine Pause einzulegen, bevor wir am späteren Nachmittag dann wieder entlang des Sabie Flusses nach Lower Sabie zurückfahren wollen. Während der Pause in Skukuza werfe ich natürlich auch einen Blick auf das „neue“ Zughotel, das auf der Brücke über den Sabie-Fluss angelegt wurde. Schaut interessant aus – ob ich da wohnen möchte, weiß ich nicht… Ansonsten bewundern wir im Camp die vielen Baumagamen und einige Vögel, darunter einen Buntastrild (Green-winged Pytilia), einen Orangebrustwürger (Orange-breasted Bushshrike), einen Kap-Brillenvogel (Cape White-eye), einen Gelbschnabeltoko und eine schlafende Bronzeflecktaube.
Bei der Rückfahrt nach Lower Sabie gibt es zunächst einen ordentlichen Verkehrsstau…
Als es dann endlich weiter geht, treffen wir noch auf einige kapitale Kudu-Böcke. Das Geweih einiger der Tiere ist tatsächlich gigantisch. Auch kleinere Gruppen von Elefanten sind immer wieder entlang des Flusses auszumachen – wobei ich es überhaupt nicht schätze, am Nachmittag gegen die Sonne Richtung Osten zu fahren. Da ist die Gefahr, dass plötzlich ein Elefant auf der Straße steht, leider sehr groß…
Bis zum Picknickplatz von Nkuhlu passiert dann eigentlich nichts mehr, natürlich gibt es gelegentlich Tiere zu sehen, aber alle sind relativ weit von der Straße entfernt. Kurz nach dem Picknickplatz, der bereits geschlossen hat, stehen zwei Autos und Straßenrand und natürlich bleiben auch wir stehen… Was dann folgt, werde ich ganz sicher nie wieder vergessen: Ein Leopard marschiert direkt neben der Straße.
Zunächst scheint es so, als würde er sich von der Straße direkt in das Dickicht begeben, doch plötzlich bleibt er stehen und spaziert dann sogar wieder auf uns zu.
Als die wunderschöne Katze dann auch noch auf einen Baumstamm steigt, kann ich unser Glück kaum fassen – auch unsere Tochter ist völlig aus dem Häuschen.
Hier verharrt er einige Zeit und erst als er alles rund um sich genau inspiziert hat, steigt er völlig entspannt wieder herunter und entfernt sich langsam.
Von der Tierbegegnung her ist das sicher einer der schönsten Momente, die wir bisher erleben durften, vor allem, weil es völlig entspannt ablief und weil ausreichend Zeit war zur Beobachtung. Völlig begeistert fahren wir weiter Richtung Lower Sabie. Doch dieser Abend ist noch nicht vorbei, da verkommt der Raubadler (Tawny Eagle), der malerisch auf einem Baum thront, fast zu einer Nebensächlichkeit.
Wenige Kilometer weiter, sehen wir einen zweiten Leoparden – weit nicht so spektakulär wie jenen zuvor, aber immerhin, er ist da:
Es ist schwierig zu beschreiben, was genau hier an diesem Nachmittag vorgegangen ist, aber innerhalb der kurzen Strecke von rund 30 km haben wir drei Leopardensichtungen, denn kurz vor Lower Sabie sitzt ein weiterer Leo in einem Baum und frisst an seiner Beute:
Wie viele Reisen in das Südliche Afrika habe ich unternommen, ohne einen einzigen Leoparden zu sehen und dann gleich drei dieser wunderschönen Katzen an einem einzigen Nachmittag… Am Sunset Damm steht heute noch ein Wasserbock im schönsten Abendlicht, ein Flusspferd reißt malerisch das Maul weit auf und ein Nimmersatt (Yellow-billed Storch) kommt in den letzten Sonnenstrahlen beim Fressen einem dahinter lauernden Krokodil beträchtlich nahe…
Dieser Tag wird immer etwas Besonderes für uns bleiben, wir werden noch lange darüber sprechen und die Bilder immer wieder gerne ansehen. Vor allem die letzten 30 Kilometer westlich von Lower Sabie werden immer mit den Leoparden in Verbindung stehen… Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass es vermutlich keine Steigerung mehr geben wird an den weiteren Safaritagen. Megahappy kehren wir in das Camp zurück und genießen den lauen Abend auf der Plattform über dem Sabie-Fluss. Afrika ist einfach sooo schön!
Der letzte volle Tag im Kruger Nationalpark ist angebrochen. Einerseits sind wir alle drei doch etwas ermüdet von den vielen Tieren, auf der anderen Seite ist jede gute Sichtung natürlich ein überragendes Erlebnis. Außerdem wissen wir, dass die kommenden Tage an der Ostküste überwiegend von der Landschaft bestimmt sein werden, dass Tiersichtungen dort eher zur Ausnahme werden würden. Dennoch freue ich mich schon auf das Gebiet rund um Kosi-Bay, das wir alle drei erstmalig sehen werden… Doch heute ist noch Kruger NP. An diesem Tag verlassen wir das Camp erst gegen 07:30 Uhr, natürlich wollen wir nichts versäumen – wir sind (unsere Tocher vielleicht ausgenommen) keine Langschläfer, das Aufstehen fällt uns also überhaupt nicht schwer. Wir sind aber andererseits auch schon etwas müde, das anstrengende Beobachten hinterlässt langsam seine Spuren… Wir frühstücken zunächst einmal, erst dann soll es losgehen.
Wir wollen zunächst von Lower Sabie entlang der Mativuhlungu Road weiter nach Crocodile Bridge fahren und von dort dann über die S25 nach Berg-en-Dal. Doch bevor wir in südliche Richtung abzweigen, geht es nochmals zurück an den Sabie-Fluss, denn in der Leoparden-Euphorie von gestern haben wir das gekillte Flusspferd auf der gegenüberliegenden Flussseite total vergessen. Vom Flusspferd ist nicht mehr viel übrig, die Löwen haben sich zurückgezogen, dafür lungern dort zahllose vollgefressene Krokodile rund um den Kadaver herum, dazu sind natürlich viele Geier unterwegs…
Auch eine Hyäne ist in der Nähe des Flusses sanft entschlummert.
Am Sunset-Damm liegen die ersten Krokodile neben dem Wasser, auch einige Vögel sind schon unterwegs, darunter auch ein Stelzenläufer (Black-winged Stilt) und weitere Nimmersatt.
Wir machen noch einen kurzen Abstecher zur Brücke über den Sabie-Fluss, wo ein Flusspferd aus dem Wasser gestiegen ist und grast. Auch ein Elefant schaut hier noch vorbei und auf einem Grashalm sitzt ein Malachiteisvogel (Malachite Kingfisher).
Von hier weg verlassen wir Lower Sabie aber nun endgültig, fahren das kurze Stück zurück, um dann Richtung Süden auf die S82 abzuzweigen. Weit kommen wir nicht, da treffen wir auch heute wieder auf einen Löwen. Ein großer Löwen-Kater liegt im hohen Gras. Wir bleiben stehen und beobachten ihn eine Weile bei der Fellpflege. Erst nach einiger Zeit erhebt er sich und marschiert in östlicher Richtung davon…
Die restliche Strecke bis zur Einmündung in die H4-2 haben wir keine Sichtungen, nämlich überhaupt keine, nicht einmal ein Impala oder irgendein Vogel wird von uns erspäht. Kurz vor der Abzweigung der S130 kommt es dafür knüppeldick: ein Leopard steht auf der Straße – mitten auf der Straße. Wir sind so perplex, dass es braucht, bis wir so zum Stehen kommen, dass aus dem Autofenster ein Foto geschossen werden kann. Natürlich wollen wir auch nicht zu nahe stehen, denn dann wäre das Tier weg, bevor wir irgendeine Chance haben…
Als wir uns dann doch etwas annähern wollen, ist das Vorhersehbare auch geschehen: Der gute Leo ist so schnell verschwunden, wie er zuvor erschienen war. Richtung Crocodile Bridge wird der Verkehr etwas dichter, so viele Autos haben wir in den letzten Tagen nur in den Camps gesehen. Erst unmittelbar auf der großen, weiten Fläche südlich des Gezintfimbi-Damms werden wir wieder fündig – beziehungsweise wir werden durch die Anwesenheit anderer ohnehin darauf hingewiesen: Im Westen liegen, relativ weit von der Straße weg, angeblich drei Geparden – wir können trotz genauer Kontrolle immer nur ein Tier ausmachen.
Unweit davon steht eine einsame Giraffe und starrt in Richtung des Raubtieres.
Unweit von uns steht inzwischen eine kleinere Kolonne von sicherlich sieben, acht Wagen – also muss auch hier etwas zu „erben“ sein… Wir schließen uns dem Tross an und sehen die erste Gruppe von Wildhunden bei unserem diesjährigen Besuch.
Es handelt sich tatsächlich um ein großes Rudel, nur einige der Tiere liegen nahe genug an der Straße und sind dadurch nicht von Zweigen verdeckt. Es dauert, bis wir einen Platz finden, der geeignet ist, um von dort aus auch fotografieren zu können.
Wir fahren dann aber bald weiter nach Crocodile Bridge, um dort eine kurze Pause einzulegen, denn es inzwischen kurz nach Mittag und die Hektik bei den Wildhunden ist nicht so unser Ding. Die Fahrt entlang der S25 entpuppt sich lange Zeit als nicht sonderlich gute Wahl, denn es ist sehr ruhig rundum, dafür sind auch kaum andere Autos unterwegs – vermutlich wissen die, wo sich die Tiere hier aufhalten. Irgendwo zwischendurch halte ich kurz und fotografiere zumindest die Landschaft…
Erst als wir schon kurz vor der Abzweigung in die S114 sind, stoßen wir wieder auf Tiere. Wir sehen eine Rotschopftrappe (Red-crested Korhaan) und einige Impala sowie einen Wasserbock.
Vor allem freuen wir uns aber über den Senegalkiebitz (African Wattled Lapwing), der uns hier über den Weg läuft.
Wenig später sehen wir das erste Breitmaulnashorn dieser Reise – oder zumindest Teile davon…
Wir sind so überrascht, dass uns am helllichten Tag eine Hyäne über den Weg läuft, das heißt, direkt entgegenkommt, dass wir nicht wirklich reagieren können und dass somit kein gutes Foto gelingt. Das Tier hat sogar ein Stück Beute im Maul…
Mitten auf der Hauptstraße sehen wir plötzlich eine Hyäne liegen – wir sind der festen Überzeugung, dass es sich dabei um ein totes Tier handelt, das überfahren wurde – aber weit gefehlt… das Muttertier säugt hier am Asphalt ihre Jungen!
Nach der Abzweigung auf die S110 wird die Landschaft noch etwas gebirgiger, immer wieder geht es auf und ab zwischen den Granitkuppen hindurch.
Auch hier treffen wir auf den Kadaver eines Büffels – aber von Löwen ist weit und breit keine Spur – wie wir im Camp später erfahren sollten, waren die Löwen die vergangenen zwei Tage hier vor Ort!
Hier treffen wir schließlich kurz vor dem Matjulu-Wasserloch auf eine Gruppe Büffel. Sie werden von Zebras begleitet.
Wir fahren schließlich auch kurz zum Matjulu Wasserloch, bleiben dort aber nicht sehr lange, denn es haut aus unserer Sicht keinen Sinn auf die Büffel zu warten, denn hier wird das Wasser mittels Tankwagen angekarrt und die Tiere kommen sicher erst, wenn wieder etwas Ruhe eingekehrt ist… Wir entschließen uns dazu, nun zum Camp von Berg-en-Dal zu fahren, denn auch dieser Tag war wieder sehr ereignisreich… Auf einem Baum sitzt ein Ohrengeier (Lappet-faced Vulture).
Hier sehen wir, schon bei viel besseren Lichtverhältnissen, die ersten Elefanten des heutigen Tages.
Kurz vor dem Camp stoßen wir auf weitere Breitmaulnashörner, denen aber leider das Horn abgetrennt worden war.
Sehr zufrieden kommen wir ins Camp und freuen uns auf unseren letzten Braai, den wir heute zum Abschluss unseres Aufenthaltes im Park vor unserem Chalet zelebrieren wollen…
Gefahrene Tageskilometer: 164 km
Teil 4310. Apr. 2022
Reisetag 42 (12. September 2021) – Kruger NP – Nelspruit
Heute heißt es Abschied nehmen. Abschied von einem überragend schönen Abenteuer in einer zauberhaften Gegend, Abschied von den vielen Tieren. Wir haben hier unglaublich schöne Tage verbracht und es liegt noch etwa ein halber Tag vor uns, den wir natürlich auch nützen wollen. Die Landschaft im Süden des Kruger Nationalparks gefällt uns besonders gut. Die knorrigen Bäume zwischen den Granitkuppen, ein ungeheuer schönes Landschaftsbild.
Einige Impala stehen in der Morgensonne.
Die Warzenschweine haben schon am frühen Morgen ihre Meinungsverschiedenheiten.
Die Hyänengang tritt vom nächtlichen Jagdausflug die Heimreise an.
Eine Giraffe nimmt schon das Frühstück ein.
Weit müssen wir nicht vom Camp Berg-en-Dal wegfahren und wir sehen auch heute wieder einen Leoparden – aber natürlich kann man nicht erwarten, dass er direkt neben dem Auto auftaucht. Dieser hier hält sich eher im Verborgenen.
Aber die Schabrakenschakale zeigen sich endlich so, dass sie fotografiert werden können – mit ihnen hatten wir bisher im Park noch nicht wirklich Glück gehabt.
Wir sind entlang der S110 unterwegs und fahren von dort noch ein kleines Stück weiter auf der S114 Richtung Crocodile Bridge, wobei wir aber sicher nicht die ganze Strecke bis zum Camp fahren werden. Wir haben aber heute Zeit, denn zu früh wollen wir sicher nicht in Nelspruit aufschlagen, auch wenn der heutige Tag so etwas wie ein Ruhetag sein soll. Wir fotografieren dabei einen Kronenkiebitz (Crowned Lapwing).
Ein mächtiges Breitmaulnashorn ist schon von der Morgenhygiene zurück. Ein Impala-Bock steht daneben.
Die Landschaft entlang des Crocodile Flusses ist sehr schön, nur die riesigen, bewässerten Zuckerrohrfelder auf der gegenüberliegenden Seite, die gelegentlich durchblitzen, gefallen mir weniger. Nach rund eineinhalb Stunden wenden wir und fahren nach Berg-en-Dal zurück, von wo wir nochmals einen kurzen Abstecher zum Matjulu-Wasserloch unternehmen wollen. Entlang der Strecke ist es sehr ruhig, auch die Hyänen, die wir zuvor angetroffen hatten, sind inzwischen verschwunden. Kurz vor Matjulu sehen wir zu unserer Begeisterung ein Löwen-Junges aus dem Unterholz marschieren.
Auch ein zweites Baby ist bald auszumachen.
Wir müssen nicht lange suchen und da sehen wir tatsächlich eine ganze Gruppe der Katzen.
Die Begeisterung ist riesig, denn nun haben wir tatsächlich an jedem einzelnen Tag im Park Löwen sehen dürfen… Wir wissen, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist! Wir bleiben ein wenig stehen und fahren weiter, als andere Autos ankommen. An der Wasserstelle selbst sind keine Tiere anzutreffen, hier gelingt es uns aber einige Vögel zu beobachten, darunter einen wunderschönen Buntastrild (Green-winged Pytilia) und einige Weißstirnspinte (White-fronted Bee-eater), die für Nachwuchs sorgen wollen.
Kurz vor Berg-en-Dal gibt es nochmals zwei Breitmaulnashörner zu sehen, doch diese zeigen uns nur ihr Hinterteil und verschwinden recht rasch.
Nach einem Cafe-Stopp im Camp fahren wir schließlich die kurze Strecke zum Malelane-Gate, wo wir den Park verlassen werden. Zum Abschluss des Kruger NP Besuchs queren wir die Brücke über den Crocodile Fluss. Hier sehen wir noch einige Hyänen, die an einem Büffelkadaver fressen. Zudem sind hier auch noch einige Wasserböcke zu sehen.
Fazit Kruger NP: Damit ist nun endgültig die Zeit im Kruger Nationalpark vorbei, wir können auf unglaublich tolle Sichtungen und eine insgesamt wunderbare Zeit zurückblicken. Die Camps, die wir aufgesucht hatten, haben sich alle bewährt, wir würden auch die Route (abhängig natürlich von der Zeit, die uns zur Verfügung steht) wieder so anlegen. Von Norden nach Süden zu fahren hat unserer Meinung nach den Vorteil, dass die Tierdichte hier im Süden noch höher ist, auch landschaftlich gibt es eine Steigerung. Nichtsdestotrotz sind auch die großen, weiten Ebenen im Norden sehr spannend. Die Unterkünfte in den Camps waren gut, teilweise sind die Sanitäranlagen in keinem besonders guten Zustand mehr, aber zumindest in unseren Chalets hat alles problemlos funktioniert. Die Qualität der Restaurants ist in Ordnung, es sind ja überwiegend „größere Gastro-Ketten“ vertreten, die es auch in den Städten gibt. Uns ist aber auch bewusst, dass wir davon profitiert haben, dass die Camps nicht ausgebucht waren, dass es somit auch entlang der Fahrtrouten zu keinen größeren Autoansammlungen bei Sichtungen gekommen ist. Speziell im Süden war das Verkehrsaufkommen aber doch überraschend hoch, das war teilweise aber sicher auch dem Wochenende geschuldet. Wer die Möglichkeit hatte, sollte das vielleicht in seine Planungen miteinbeziehen, da haben wir etwas zu wenig darauf geachtet…
Vom Malelane Gate bis nach Nelspruit (oder Mbombela) ist es nicht sonderlich weit, etwa eine Stunde Fahrzeit ist dafür nötig. Zunächst geht es durch Zuckerrohrplantagen und östlich der Stadt durch eine interessante Landschaft, die an einen Canyon erinnert. In der Stadt angekommen fahren wir zunächst zur Riverside-Mall, um für die kommenden Tage einige Besorgungen zu erledigen. Außerdem tanken wir natürlich auch das Auto wieder voll. Kurz nach 14:00 Uhr treffen wir im Loerie’s Call Guesthouse ein, wo wir schon öfter zu Besuch waren. Hier gefällt es uns sehr gut. Die Unterkunft liegt auf einer Granitkuppe im Osten der Stadt und von hier genießt man einen schönen Blick über die Stadt (die Aufnahmen sind aus dem Jahr 2019 – diesmal habe ich hier keine Fotos geknipst).
Das Restaurant „Orange“, das dem Hotel angeschlossen ist, bietet nicht nur einen grandiosen Blick über die Stadt, sondern vor allem auch ausgezeichnete Speisen… Wir genießen den Nachmittag und den Abend in der schönen Gartenanlage am Pool. Mit dem kommenden Tag werden wir Neuland betreten, denn das Gebiet, das wir von hier aus bereisen, ist uns unbekannt – wir sind schon sehr gespannt, was uns erwarten wird!
Gefahrene Tageskilometer: 134
Teil 4411. Apr. 2022
Reisetage 43 und 44 (13. und 14. September 2021) – Nelspruit – Pongola – Bootsfahrt Pongola – Cinderera Eco Lodge
Als wir heute aufwachen merken wir, dass es in der Nacht geregnet hat. Zunächst bin ich etwas mürrisch, denn Regen wünscht man sich natürlich nicht unbedingt auf Reisen, vor allem nicht, wenn man auch fotografieren will. Dann rede ich mir aber ein, dass heute ohnedies ein Fahrtag auf uns wartet und dass die Wettersituation an unserem Ziel, dem Pongola Game Reserve, ganz anders sein kann. Da wir die Strecke nicht kennen, wollen wir auch heute nicht zu spät losfahren – lieber früher ankommen und die Zeit vor Ort genießen. Ursprünglich wollten wir durch Swaziland (Eswatini) fahren, doch wir haben Gott sei Dank im Rahmen unserer Planungen davon abgesehen – sonst hätten wir einen PCR-Test zur Einreise benötigt und die Sache wäre eventuell kompliziert geworden. So werden wir heute also dieses kleine Königreich entlang seiner Westgrenze umfahren, um nach Pongola zu gelangen. Wie schon erwähnt, ist diese Strecke für uns Neuland – daher freuen wir uns natürlich umso mehr, zu sehen, was uns nun erwarten wird. Nach einem vorzüglichen Frühstück geht es für uns los. Wir fahren so, wie es uns das GPS rät, über die R40 bis nach Barberton, weiter über die R38 bis nach Badplaas, von dort über die R541 nach Lochiel, wo es dann ein kurzes Stück auf die N17 geht. Die Strecke ist sehr monoton und bald fahren wir durch riesige Monokulturen mit Pinien und Eukalyptus. An manchen Stellen wird der Wald gerodet und große Erntegeräte sind im Einsatz. Stellenweise sind die kahlen Flächen auch abgebrannt. Das Wetter bleibt eher trostlos, denn immer wieder regnet es zwischendurch, auch der Nebel hängt bedrohlich tief. Die Straße ist an sich gut ausgebaut, sodass wir gut vorankommen.
Kurz vor Warburton zweigen wir auf die R33 ab, die uns über Amsterdam nach Piet Retief führt. Hier legen wir im Mugg & Bean eine 40-minütige Pause ein. Südlich von Piet Retief geht es schließlich auf die N2, die uns direkt nach Pongola bringt. Von Mbombela nach Pongola sind insgesamt knapp 400 km zurückzulegen, wir sind also beinahe den gesamten Tag unterwegs, kommen kurz nach 16:00 Uhr an unserem Tagesziel an. Es sind während der Fahrt leider keine Fotos entstanden, es gibt zwar einige Plätze, die eine Aussicht bieten, aber die tiefhängenden Wolken haben das leider verhindert.
Wir melden uns im Pongola Privat Game Reserve an und werden dann auf die gegenüberliegende Straßenseite der N2 begleitet, wo man uns ein Gate öffnet, damit wir zur Nkwazi Lake Lodge fahren können, wo wir ein wunderbares Chalet mit der Nr. 12 beziehen. Die Lodge liegt ganz grandios am Rand eines Berges mit tollem Blick auf die Mündung des Pongola-Flusses. Gerade als wir das Chalet beziehen, zieht ein gewaltiges Gewitter auf und wir genießen den Blick von der Terrasse…
Die Fischerboote flüchten in den Hafen und es herrscht „Weltuntergangsstimmung“.
Doch ebenso schnell wie der Sturm herangezogen ist, lichten sich die Schleier wieder. Langsam können wir die Schönheit der uns umgebenden Landschaft erst erahnen…
Die Fischer kehren wieder auf das Wasser zurück und die Landschaft rundum ist in magisches Licht gehüllt.
Wir bestaunen die wunderbare Umgebung und fahren dann vom Chalet mit dem Auto zum Restaurant der Lodge, wo wir das Abendessen einnehmen, das in Buffetform gereicht wird. Es sitzen insgesamt nur 6 Personen im halboffenen Raum und genießen das vorzügliche Mahl. Nach dem Essen geht es dann bald zurück zum Chalet, denn für den kommenden Morgen haben wir eine Bootsfahrt im Mündungsbereich des Flusses in den Stausee reserviert.
Auch während der Nach hören wir immer wieder Donnergrollen – „hoffentlich kann die Bootsfahrt stattfinden“ sind so meine Gedanken… Früh am Morgen treffen wir uns an der Bootsrampe, dazu müssen wir einen wirklich steilen, ausgewaschenen Weg bergabfahren. Das Wetter ist immer noch nicht optimal, der Himmel ist teils wolkenverhangen. Dennoch wollen wir versuchen, hier einige Vögel aufzuspüren. Gemeinsam mit unserem Guide legen wir los, fahren knappe drei Stunden durch die unglaubliche Landschaft aus Inseln und Wasserarmen. Zwischendurch schafft es aber auch die Sonne immer wieder einige Strahlen bis zu uns zu schicken…
Wir sehen Stelzenläufer (Black-winged Stilt) und zahlreiche Silberreiher (Great Egret).
Am Ufer können wir Nyala und Großriedböcke erkennen.
Vorbei an abgestorbenen Bäumen, auf denen Rotkopfschwalben (Wire-tailed Swallow) sitzen, bekommen wir auch Ibisse (African Sacred Ibis), Braune Sichler (Glossy Ibis) und Teichrallen (Common Moorhen) zu Gesicht.
Besonders schön finden wir die zahlreichen Purpurreiher (Purple Heron), denen wir begegnen. Sie fliegen aber meist sehr rasch auf und davon, wenn wir uns nahen…
Zudem sehen wir eine große Zahl an teilweise wirklich riesigen Krokodilen, die auf den Sandbänken liegen.
Darüber hinaus freuen wir uns über den Anblick von Witwenpfeifgänsen (White-faced Whistling Duck) und Graufischern (Pied Kingfisher).
Ein großes Krokodil gleitet fast lautlos ins Wasser.
Zu guter Letzt gelingen uns noch Bilder eines Klaffschnabels (African Openbill), ehe wir wieder anlegen.
Wir haben hier doch eine ganze Reihe an Tieren gesehen, auch wenn die Rahmenbedingungen wetterbedingt nicht unbedingt die besten waren – aber das kann man sich nicht immer aussuchen. Nach der Bootsfahrt fahren wir zurück zu unserem Chalet, packen die Reisetaschen und erst dann geht es zum Restaurant, wo wir das Frühstück einnehmen. Nach einem reichlichen Essen mit ausgezeichnetem Cafe treten wir unsere Fahrt von Pongola nach Manguzi (Kosi Bay) an.
Fazit Nkwazi Lake Lodge / Pongola: Sehr schön gelegene Lodge in einem privaten Reservat. Von den einzeln stehenden Chalets genießt man einen großartigen Blick auf den Mündungsbereich des Pongola Flusses, wo zahlreiche Vögel leben. Rezeption und Restaurant / Bar befinden sich ein Stück von den Chalets entfernt. Das Abendessen und das Frühstück sind köstlich. Wir wären hier gerne einen Tag länger geblieben – für eine Zwischenübernachtung ist die Anlage eigentlich fast zu schade.
Die Fahrt von Pongola nach Manguzi verläuft unspektakulär. Zunächst geht es ein Stück der N2 südwärts, ehe wir nach Jozini abzweigen. Dabei fährt man immer entlang des riesigen Pongola-Dammes und umrundet diesen auf der Südseite. Von Jozini geht es dann durch zahllose Dörfer, vorbei am Tembe Elephant Park, immer Richtung Grenze von Mozambique. Rund 100 km nordöstlich von Jozini erreicht man schließlich die Stadt Manguzi, von wo man auf eine unbefestigte Straße Richtung Küste und damit zur Cinderera Eco Lodge abzweigt. Hier werden wir drei Nächte verbringen, um die Schönheiten von Kosi-Bay zu entdecken. Wir sind in den kommenden drei Tagen die einzigen Gäste in der Lodge und werden von Pam und Bill, dem älteren Besitzerehepaar, und einigen Angestellten verwöhnt. Die Ausflüge von der Lodge bestreiten wir mit Patrick, einem Tsonga-Guide, der seine Heimat mit voller Begeisterung vorstellt! Hier haben wir zwischendurch auch Zeit für uns, wir können diese grandiose Landschaft genießen. Die Cinderera Eco Lodge liegt sehr einsam in einer wunderbaren Landschaft, es gibt hier nur zwei Zimmer für die Gäste – ein Familienzimmer (das wir bewohnen) und ein Doppelzimmer. Die Bilder der Lodge zeigen, dass Pam und Bill sehr darauf geachtet haben, authentisch einzurichten. Überall in der Lodge sind afrikanische Masken zu sehen, sogar die Stühle und Tische wurden selbst hergestellt.
Am letzten Bild befindet sich ein Gelbbüschel Zwergbärtling (Yellow-rumped Tinkerbird), ein häufiger Gast an der Vogeltränke der Lodge. Den restlichen Nachmittag verbringen wir in der wunderschönen Umgebung der Lodge, spazieren ein wenig herum und besprechen mit Patrick das Programm der beiden folgenden Tage. Am Abend verwöhnt uns Pam mit einem großartigen Essen.
Gefahrene Tageskilometer: 424 bzw. 182
Teil 4512. Apr. 2022
Reisetag 45 (15. September 2021) – Cinderera Eco Lodge / Kosi Bay
Vor einigen Jahren habe ich ein Bild in einer Zeitungsbeilage von den Fischfallen der Tsonga in den Seen von Kosi Bay gesehen – seither ist es mein sehnlichster Wunsch, diese interessanten Gebilde selbst vor Ort zu sehen. Die Gegend rund um Kosi Bay im Nordosten Südafrikas war aber nie entlang einer der von mir/uns gewählten Route und so dauerte es bis zum vergangenen September…
Wir verbrachten eine gute, ruhige Nacht in der Lodge und nach dem köstlichen Frühstück treffen wir Patrick, der mit seiner Familie selbst eine dieser Fischfallen betreut – er wird in den kommenden beiden Tagen mit uns die Gegend besuchen. Patrick arbeitet seit vielen Jahren mit Pam und Bill zusammen, sie vertrauen ihm und er ist froh, hier ein „Zubrot“ verdienen zu können. Von der Lodge fahren wir zunächst mit unserem Auto zum zweiten See, wo sich der Großteil der Fischfallen ausbreitet. Wir freuen uns, endlich mit Allrad fahren zu können, denn hier geht es teils durch recht tiefen Sand. Nach rund 20-minütiger Fahrt durch eine schöne Landschaft haben wir den „Parkplatz“ am See erreicht. Nun müssen wir mit einem selbstgebauten Floss über einen kleinen Kanal übersetzen, um dann auf der Landzunge zwischen den Seen zum Fischkraal zu spazieren.
Die Landschaft ist bezaubernd schön, über uns hängen immer noch Restwolken der Front, die an den beiden Vortagen hier durchgezogen ist. Die Tsonga (eine zahlenmäßig kleines Volk, das aus der Verbindung von Zulu und Bewohnern Mozambiques hervorgegangen ist), die hier fischen, haben über die Kanäle teilweise auch kleine Stege gebaut.
Langsam bahnt sich die Sonne ihren Weg durch die Wolken, während wir entlang der Seen spazieren. Patrick erklärt uns die verschiedenen Pflanzen und zeigt uns auch, wie die Shrimps, die als Fischköder verwendet werden, gefangen werden.
Patrick zeigt uns auch, wie die Fischfallen hergestellt werden. Kunstvoll sind die Holz-Stöcke mit den Fasern, die aus Mangroven gewonnen werden, verknüpft.
Das Wasser hier ist kristallklar, es ist auch so warm, dass wir keine Probleme haben, zu den Fischfallen von Patricks Familie zu waten.
Wir erhalten eine genaue Einführung, wie die Fallen funktionieren und wie genial eine derartige Konstruktion eigentlich aufgebaut ist.
Von hier spazieren wir dann gemeinsam zum Haus von Patrick, das auf einem Hügel direkt oberhalb des Sees liegt. Der Ausblick von hier ist fantastisch – wir sind begeistert.
Andererseits ist die Lage natürlich auch ein erheblicher Nachteil für die Kinder, die täglich einen enorm weiten Schulweg zurückzulegen haben – ebenso wird es kaum möglich sein, sich hier am Nachmittag mal kurz mit Freunden zu treffen… Patrick arbeitet in seinem Clan auch als „Heiler“ – dazu hat er gier seine eigene Hütte aufgebaut, in der ihn die „Klienten“ aufsuchen.
Dazu braucht er allerlei Naturmedizin, die er selbst herstellt und die in dieser Hütte lagert – eine völlig andere Welt tut sich hier auf… Vor einem Jahr wurde vor der Küste ein toter Wal angeschwemmt – natürlich wird auch das Öl als Medizin gewonnen, dazu wurden die Wirbel hierher zur Hütte transportiert.
Wir klettern weiter den Hügel hoch und lassen den Blick über die traumhafte Landschaft schweifen…
Wir verkosten den „Monkeyapple“ vom Calabash-Baum – eine wunderbare süßsaure Frucht mit ziemlich großen Kernen.
Über eine riesige Sanddüne klettern wir zum Indischen Ozean hinunter – diese unberührte Küste ist einzigartig bezaubernd.
Vereinzelt stehen heimische Angler am Strand, ansonsten ist hier keine Menschenseele.
Wir setzen uns in den Sand und verzehren das aus der Lodge mitgebrachte Lunch – hier schmeckt es nochmals besser, vor dieser unglaublichen Kulisse. Unzählige Krabben bevölkern den Strand, sie laufen immer parallel zueinander und sind äußerst flink.
Wir wagen uns bis zur Hüfte in die Fluten, das Wasser hat eine angenehme Temperatur. Uns war bewusst, dass wir die hier brütenden Schildkröten nicht sehen werden, dazu sind wir rund zwei Monate zu früh unterwegs.
Nach mehr als zwei Stunden brechen wir wieder auf und machen uns auf den Rückweg. Wir sehen eine große Zahl verschiedener Schmetterlinge, die meist viel schneller sind als ich…
Vorbei an den Fischfallen geht es schließlich wieder zurück zum Auto.
Am späteren Nachmittag treffen wir wieder in der Lodge ein und sind begeistert von dieser Umgebung – schon jetzt wissen wir, dass sich die Fahrt hierher mehr als gelohnt hat. Auch heute kredenzt Pam wieder ein köstliches Mahl – sie bereitet Essen immer landestypisch zu und heute erhalten wir ein Fischgericht aus Mozambique…
Gefahrene Tageskilometer: 45
Teil 4613. Apr. 2022
Reisetag 46 (16. September 2021) – Cinderera Eco Lodge / Kosi Bay
Auch an diesem Tag sind wir in der Region Kosi-Bay unterwegs. Am Vormittag wollen wir gemeinsam mit Patrick zum „Kosi-Mouth“, der Mündung des Flusssystems in das Meer. Die Region um die vier See ist rund 10.000 ha groß und ein Naturschutzgebiet, das Teil des Greater St. Lucia Wetlandparks ist (iSimangaliso Nationalpark) und damit wieder zum UNESCO Weltnaturerbe gehört. Die Region südlich von Mozambique liegt dabei etwas abseits der touristischen Routen und ist dementsprechend noch weniger besucht. Nach dem vorzüglichen Frühstück brechen wir wieder mit unserem Auto auf und fahren zunächst zu einem großartigen Aussichtspunkt, von dem aus man über die vier Seen der Region blicken kann. Auch das System der Fischreusen ist von hier oben wunderbar zu sehen. Für mich ist der Blick von hier über die Landschaft einer der schönsten, die ich mir vorstellen kann.
Auch Richtung Kosi-Mouth sehen wir von hier – da wollen wir nun hin!
Vorbei an einem Fischkraal und einigen dahinterstehenden Flamingos spazieren wir zunächst durch einen kleinen Wald, der sich bald lichtet.
Hier stehen wir im Mündungsdelta der vier Seen in den Indischen Ozean. Eine wahrhaft wunderschöne Landschaft, die uns umgibt.
Ein Labyrinth an kleineren und größeren Kanälen und ein mäandrierender Flusslauf, der unmittelbar vor Erreichen des Meeres von den Sandmassen aufgestaut wird.
Auch hier sehen wir wieder einige einheimische Fischer, sonst aber keinerlei weitere Personen.
Wir verweilen einige Zeit am Meer, ehe wir wieder zurück zum Auto spazieren. Wir legen einen Zwischenstopp in der Lodge ein, wo Pam einen leckeren Thunfischsalat kredenzt. Von hier geht es am Nachmittag zum dritten See, wo wir eine mehrstündige Bootsfahrt unternehmen wollen. Da sehr starker Wind aufkommt, können wir jedoch nicht in den vierten See einfahren, da die Wellen einfach zu hoch sind. Dieser See ist bekannt für die Bambuspalmen (Raffia-Palmen), die endemisch nur hier vorkommen.
Einige der Palmen sehen wir aber auch vom dritten See aus, so können wir uns wenigstens vorstellen, was uns dort erwartet hätte. Die Bootsfahrt unternehmen wir gemeinsam mit einer südafrikanischen Familie – Eltern mit zwei jungen Mädels. Wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut miteinander und genießen einen großartigen Nachmittag. Aber der Reihe nach: Die Seen werden natürlich nicht nur zum Fischen genutzt, sie sind vielmehr auch der Lebensraum zahlreicher Vögel, die hier ein wahres Paradies vorfinden. Uns haben es besonders die farbenprächtigen Flamingos angetan, die in großen Schwärmen auf den Seen zu finden sind. Es sind hier überwiegend Rosa-Flamingos (Greater Flamingo) zu bestaunen.
Die Vögel stapfen zwischen den Fischfallen herum und suchen nach Krabben und Shrimps.
Sobald wir ihnen zu nahe kommen, beginnen sie im Wasser zu laufen, um sich schließlich zu erheben. Das ist ein großartiges Schauspiel, das wir erleben dürfen.
Es dauert aber nicht lange, und schon gleiten die ersten Vögel wieder über das Wasser, wo sie sich fast geräuschlos niederlassen…
Wir sehen aber nicht nur Flamingos an diesem Nachmittag, während der Fahrt durch die Verbindungskanäle kommen wir auch einem Seidenreiher (Little Egret) sehr nahe. Einen Purpurreiher (Purple Heron) sehen wir über uns hinwegfliegen.
Im dritten See sind auch Flusspferde zu beobachten, die Tiere haben sich hier an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt und sind deshalb auch weniger aggressiv – dennoch darf man ihnen nicht zu nahe kommen.
Wir sehen wieder zahlreiche Fischfallen und sind fasziniert, als auf einem der Zäune ein Schreiseeadler (African Fish Eagle) sitzt. Der große Vogel lässt das Boot sehr naher antreiben und wir können das Tier gut beobachten.
Schließlich stoppen wir noch bei einem der Fischer, der eben dabei ist, seine Reusen zu kontrollieren und kaufen ihm einen der frisch gefangenen Fische ab, die die südafrikanische Familie mitnehmen will, um ihn am Abend zu grillen.
Wir stoppen zudem noch kurz, damit die Mädels ihre Taucherbrillen und Schnorchel nicht umsonst mitgebracht haben. Währenddessen bestaunen wir die Vegetation entlang der Seen.
Der Bootsausflug ist sehr empfehlenswert, wir genießen die Zeit auf den Seen in vollen Zügen. Die landschaftliche Schönheit der Region ist atemberaubend und wir werden sicher wieder einmal hierher zurückkehren, vielleicht im November oder Anfang Dezember, wenn die Schildkröten zur Eiablage an Land kommen. Nun geht es aber wieder zurück zur Lodge, wo wir noch einmal von Pam und ihrer Kochkunst verwöhnt werden. Die Tage hier in Kosi Bay vergehen wie im Flug, morgen müssen wir bereits wieder weiterziehen…
Gefahrene Tageskilometer: 44
Teil 4714. Apr. 2022
Reisetage 47 und (17. und 18. September 2021) – Nibela Lake Lodge
Heute heißt es wieder Abschied nehmen – ein Abschied, der uns durchaus schwer fällt, denn der Aufenthalt bei Pam und Bill war wunderschön, die beiden extrem freundliche Gastgeber. Wir fühlen uns hier wohl, der Platz strahlt etwas Besonderes aus (und ich bin alles andere als esoterisch angehaucht). Wenn man eine Reise plant, erkundigt man sich natürlich im Vorfeld über die Quartiere, die besucht werden sollen – aber hier haben wir einen Glücksgriff gemacht, für uns hat es hervorragend gepasst! Nach dem Frühstück verabschieden wir uns und fahren die sandige Rumpelpiste zurück Richtung Manzini.
In Manguzi tanken wir zur Vorsicht unser Auto voll und dann geht es in südlicher Richtung weiter, wobei das erste Tagesziel das Mkuze Game Reserve sein soll, an dem wir ja ohnehin fast direkt vorbeifahren. Dieses Reservat habe ich vor Jahren einmal besucht, aber meine Erinnerungen daran sind nicht wirklich präsent. Wir wollen etwa vier Stunden hier verbringen, das geht sich am heutigen Tag mit der kurzen Fahrstrecke gut aus. Die Zufahrt von der Ostseite ist etwas holprig, in der Straße sind teils gewaltige Löcher, außerdem lässt die Beschilderung zu wünschen übrig, denn je näher man dem Ziel kommt, desto weniger Hinweistafeln sind angebracht. Im Mkuze Game Reserve selbst ist das Straßensystem hervorragend ausgebaut, alle Strecken sind in einem guten Zustand, die Rezeption, wo man die Eintrittskarte kauft ist sehr modern angelegt. Leider ist das Unterholz im Game Reserve aber zumeist sehr dicht, sodass die Tierbeobachtung äußerst schwierig ist. Wir müssen relativ lange suchen, bis wir die ersten Tiere entdecken. Zunächst sehen wir ausschließlich einige Rotducker, die aber meist schneller sind als ich – ich weiß nicht, ob es an der Tagesverfassung liegt, aber ein richtig gutes Bild will nicht gelingen.
Wir stoppen an zwei See, besuchen sogar einen Birdhide – aber überall das gleiche Resultat: Gähnende Leere! Landschaftlich ist der Park aber sehr schön, hier macht es definitiv Sinn, einen längeren Aufenthalt einzuplanen.
Zwischendurch „stolpern“ wir über einen Nyala und ein Kräuselhauben-Perlhuhn (Crested Guinea Fowl).
An einem Wasserloch sehen wir dann weitere Tiere, auch hier ist es eine Gruppe Nyala, die sich beobachten lässt – wir sind schon fast so etwas wie erleichtert…
Eine Gezähnte Pelomeduse mit Schlammpackung am Rücken ist ebenso zu sehen wie einige Vögel: Ein Angola Schmetterlingsfink (Blue Waxbill) und eine Spiegelwida (White-winged Widowbird) (danke, Maddy!).
Zudem sehen wir auch noch eine Schildkröte…
Wir sind ein wenig enttäuscht, dass wir hier in Mkuze nicht mehr sehen, auf der anderen Seite sind wir aber nur kurz zu Besuch – sozusagen auf der Durchfahrt. Also geht es für uns auf der holprigen Piste wieder zurück zur Hauptstraße R22, der wir weiter nach Süden folgen. In der Zwischenzeit hat es sich leider wieder eingetrübt und es beginnt leicht zu regnen…
Die Strecke von der Cinderera Lodge bis zur Nibela Lake Lodge ist nur rund 200 km lang, da ist aber der Ausflug in den Mkuze-Park miteingerechnet. Gegen 16:00 Uhr erreichen wir unser Ziel, eine Lodge, die an der Spitze einer Halbinsel im St. Lucia See liegt. Die Lage an sich ist sehr vielversprechend, vor allem wird die Gegend hier als Vogelparadies beschrieben. Wir checken an der Rezeption ein und beziehen unsere Bungalows, die über einen Treppelweg zu erreichen sind, der in einigen Metern Höhe durch einen wunderbaren, dichten Wald führt. Wir sind begeistert von der Artenvielfalt der hier wachsenden Pflanzen.
Auch diese Lodge ist kaum gebucht, es sind nur wenige der Chalets belegt, beim Abendessen sitzen gerade einmal acht Personen im Speisesaal. Warum ich das erwähne: Es erhärtet sich bei uns bald der Verdacht, dass man bedingt durch die geringe Belegung auch den Service auf ein Minimum zurückgefahren hat…
Es ist immer schwierig, bei der Beurteilung von Unterkünften gerecht zu sein – aber ich muss ganz klar festhalten, dass wir mit diesem Hotel nicht wirklich zufrieden sind. Das trifft natürlich nur auf uns zu, auf unsere Bedürfnisse – andere Gäste können das ganz anders empfinden. Zumindest beim Abendessen empfinden das einige Gäste aber genauso wie wir, denn es gibt zahlreiche Reklamationen (teils lautstark) über die Qualität der Speisen. Wir sind besonders darüber verwundert, dass sich der Manager dann beispielsweise bei uns dafür rechtfertigt, dass sich zwei Gäste aus Durban, die neben uns am Tisch sitzen, beschwert hatten… Irgendwie komisch, denn damit wollen wir nun wirklich nichts zu tun haben!
Wir haben die Lodge unter anderem deshalb gebucht, weil ich hier Vögel fotografieren wollte – es wird ja explizit mit „Vogelparadies“ geworben. Als ich am darauffolgenden Morgen aber zum „Birdhide“ aufbreche, kann ich diesen zunächst nicht finden – das hängt aber nicht mit der Beschilderung zusammen, sondern damit, dass ich die Bretterbude, die weit weg vom Teich steht, nicht als solchen erkannt habe…
Dass das Wetter nicht mitspielt, dafür kann niemand etwas. Der Wasserspiegel des Sees war so stark gestiegen, dass die Bootsstege teils überschwemmt waren – aus diesem Grund wurden vorsorglich alle Aktivitäten mit Booten abgesagt… Während unserer beiden Tage vor Ort hat es annähernd durchgeregnet – an Vogelfotografie war also ohnehin nicht unbedingt zu denken. Ich war in den Regenpausen wirklich unentwegt auf der Suche, aber besonders erfolgreich war ich leider nicht: Lediglich einen Wollhalsstorch (Woolly-necked Stork), einen Hagedasch Ibis (Hadada Ibis), einen Streifenkopf-Heckensänger (Bearded Scrub Robin), eine Sambesi Rußmeise (Southern Black Tit) und einen Meisenschnäpper (Grey Tit-Flycatcher) kann ich erspähen. Den letzten Vogel hat Maddy erfolgreich als Braunkopf Tropfenvogel (Eastern Nikator) klassifiziert - vielen Dank dafür, das ist eine Premierensichtung für mich!
Die Grünen Meerkatzen sind ständig in der Lodge unterwegs, sie stört auch der regen nicht sonderlich.
Als pünktlich zu unserer Abreise der Regen endet und die Wolken aufreißen, fliegen große Gruppen Pelikane auf den See hinaus.
Wir hatten uns im Vorfeld sehr auf den Aufenthalt in der Nibela Lake Lodge gefreut – im Nachhinein betrachtet war es für uns die Lodge, von der wir in vielerlei Hinsicht enttäuscht sein sollten. Auch im Preis-/Leistungsverhältnis gibt es unserer Meinung nach eine Schieflage. Das ist schade, denn die Zimmer sind schön, die Lage der Chalets (wenn die Aussicht auch noch gegeben ist), wunderbar. Wir kommen uns in dieser Anlage aber eher als Störfaktor vor… Wir haben hier aber wenigstens viel Zeit um uns auszuruhen, zu lesen , die Kamera-Ausrüstung zu putzen, mehr oder weniger tiefsinnige Gespräche zu führen. 😄 Im Nachhinein betrachtet ist es einfach eine erholsame Pause.
Gefahrene Tageskilometer: 0
Teil 4817. Apr. 2022
Reisetag 49 (19. September 2021) – Nibela Lake Lodge – Hluhluwe – Emdoneni Cats Project
Als wir am Morgen aus dem Fenster blicken, strahlt uns die Sonne entgegen – nur mehr weit draußen auf dem See sind letzte Wolkenfetzen zu erkennen… Auch für die kommenden Tage ist die Wetterprognose wieder sehr günstig, das Tiefdruckgebiet hat sich wieder verzogen und wir steuern Tagen mit Sonnenschein entgegen. Das erste Mal können wir nun von unserem Chalet aus die Schönheit der Umgebung ermessen…
Das Frühstück schmeckt heute auch besser, wir bleiben deutlich länger bei Rührei, Saft und Cafe sitzen. Auch am heutigen Tag haben wir keine besondere Eile, denn die Entfernung nach Hluhluwe, wo wir im Anew-Hotel für die kommenden beiden Tage einchecken werden, ist mehr als überschaubar. Ich kann mich dennoch nicht aufraffen, eine weitere Runde durch das Lodge-Gelände zu gehen, zu groß waren die Enttäuschungen der letzten Tage. Am späten Vormittag packen wir unsere Sachen ein und fahren dann direkt nach Hluhluwe weiter.
Im Anew-Hotel, wo wir nach nur einer Stunde Fahrzeit ankommen, sind kurz vor Mittag die Zimmer noch nicht fertig. Wir setzen uns in den Garten und genießen die wärmenden Strahlen am Swimming-Pool. Bald entdecke ich einen Baum, an dessen Blüten Nektarvögel herumschwirren. Selbst hier gibt es einen Birdhide, der auch als solcher zu erkennen ist… Im Hotelgarten fotografiere ich einen Cabanisweber (Lesser Masked Weaver), einige Kleine Bindennektarvögel (Purple-banded Sunbird), Rotbrust Glanzköpfchen (Scarlet-chested Sunbird) und Gelbbauch Feinsänger (Yellow-breasted Apalis).
Nach einem kleinen Snack, den wir im Hotel einnehmen und einem Einkaufsstopp beim Spar-Markt, um uns für die nächsten beiden Tage mit Lebensmitteln einzudecken, fahren wir heute noch ein kurzes Stück zur Emdoneni Lodge, wo es ein interessantes Projekt zur Rettung von Kleinkatzen gibt. In dieser Lodge, wo man natürlich auch nächtigen kann, werden Karakale, Servale und Wildkatzen gehalten. Begonnen wurde das „Cats Project“ 1994 mit drei Geparden. Verwundete oder verwaiste Katzen werden seither hierher gebracht, wo sie aufgezogen und im besten Fall später wieder ausgewildert werden. Für uns ist dies eine Möglichkeit, sehr nahe an die sonst kaum zu sehenden Katzen zu kommen und dementsprechend auch Bilder davon zu knipsen. Zunächst sehen wir die Afrikanischen Wildkatzen, hier dürfen wir sogar in das Gehege hineingehen, da die Gefahr, die von diesen Kleinkatzen ausgeht, überschaubar ist.
Die scheuen und sehr aggressiven Karakale lassen einen Besuch im Gehege natürlich nicht zu. Diese Tiere, die als „Sprungwunder“ bekannt sind, müssen wir aus der Distanz beobachten, während sie die ihnen vorgelegten Hühnchen zerbeißen.
Begeistert sind wir auch von den Servalen. Auch sie sind – ähnlich wie die Karakale – in der Lage aus dem Stand bis zu drei Meter hochzuspringen. Da wir diese Katzen in der freien Wildbahn bisher noch nie gesehen haben, sind wir besonders neugierig.
Von Emdoneni geht es schließlich wieder zurück ins Hotel von Hluhluwe, wo wir auch das Abendessen einnehmen. Die wunderbaren Begegnungen mit den Klein-Katzen tragen sicher auch dazu bei, dass wir uns schon sehr auf einen Besuch im Hluhluwe Nationalpark am kommenden Tag freuen.
Gefahrene Tageskilometer: 95
Teil 4918. Apr. 2022
Reisetag 50 (20. September 2021) – Hluhluwe NP
Halbzeit! Wenn man bedenkt, wieviel ich in den letzten Wochen bereits erleben durfte, dann kann ich mir nicht ausmalen, was noch auf mich zukommen wird – werden die kommenden Wochen ähnlich überragend? Wird mir die Reise zu viel? Werden mich die Eindrücke erschlagen? Es bleibt jedenfalls spannend, denn die Zeit bisher ist extrem schnell vergangen. Heute verzichten wir auf das Frühstück, denn wir wollen mit Gateöffnung im Hluhluwe Game Reserve sein, wollen erst nach einer längeren morgendlichen Pirschfahrt im Hilltop-Camp das Frühstück einnehmen. Das Hluhluwe Game Reserve ist aus meiner Sicht ein extrem spannender Ort und wir freuen uns bereits auf möglichst viele Tiersichtungen. Der Ort ist andererseits aber auch immer eine kleine Wundertüte, denn es gab auch schon Besuche, da war es sehr mühsam, hier Tiere aufzuspüren, denn der Busch ist teilweise sehr dicht. Wir wollen heute ausschließlich im Hluhluwe-Teil bleiben und erst am darauffolgenden Tag weiter nach Umfolozi fahren, wenn wir dort auch im Mpila-Camp nächtigen werden.
Wir sind das erste Auto, das durch das Gate rollt – das ist in diesem Fall nicht schwer, denn außer uns ist niemand am Tor, alle anderen kommen offenbar später. Wir fragen uns schon, ob wir etwas falsch machen, doch im Nachhinein betrachtet machen wir, denke ich, sehr viel sehr richtig…
Bevor wir in den Park fahren, knipse ich noch rasch die Gebäude am Eingang mit ihren typischen Mustern.
Das erste Tier, das wir im Park sehen, ist ein wunderbarer Nyala-Bock, der sich aus dem Gebüsch wagt.
Wir müssen aber nicht lange fahren und sehen nur kurz später die ersten Nashörner. Die Breitmaulnashörner sind es, die diesen Park so bekannt machen. Eines dieser stattlichen Tiere reibt sich an einem Stein, der bereits richtig rund zugeschliffen ist. Wir sehen später auch Holzstämme, die offenbar direkt an den Wanderrouten dieser Kolosse liegen und immer wieder zur Hautpflege verwendet werden…
Jetzt geht es Schlag auf Schlag, wir begegnen ständig weiteren Nashörnern und wir haben bisher kaum Strecke zurückgelegt. Drei dieser gewaltigen Tiere stehen eng zusammen und kommen immer weiter zur Straße, sodass wir sie gut beobachten können.
In Hluhluwe sind wir aber nicht nur von den Tieren fasziniert, es ist auch die traumhaft schöne Landschaft, die diesen Nationalpark auszeichnet. Wenn am Morgen die Sonnenstrahlen auf die grünen Hügel fallen, ist es tatsächlich unglaublich eindrucksvoll…
Der erste Elefant ist noch nass am Rücken, denn die Regengüsse der letzten Tage haben die dichten Blättervorhänge durchtränkt. Auch ein weiterer Nyala labt sich am satten Grün.
Auch eine Schwarzbauchtrappe (Black-bellied Bustard) kauert noch im hohen Gras, ebenso wie ein Impala.
Wir sehen eine Nilgans (Egyptian Goose) und eine Bronzeflecktaube (Emerald-spotted Wood Dove), zudem kreuzt ein weiterer Elefant den Weg.
Völlig überraschend sehen wir auch hier ein kleines Rudel Löwen. Die Tiere liegen dicht an dicht am Boden, nur eine Löwin ist auf der Straße anzutreffen und marschiert direkt vor uns dahin. Leider ist auch sie mit einem Sender markiert – wie fast alle Katzen in diesem Park.
Sie verlässt dann aber den Weg und widmet sich einer Gruppe Büffel, die weiter entfernt auszumachen sind. Obwohl wir die Katze angestrengt verfolgen, verlieren sie bald aus den Augen.
Die Büffel ziehen auf der gegenüberliegenden Talseite den Hang entlang und haben die Gefahr offenbar noch nicht gewittert…
Wir beobachten die Tiere eine Zeit lang, aber es geschieht nichts – auch die Löwin taucht nicht wieder auf. Inzwischen haben sich die Sonnenstrahlen durch die Restbewölkung durchgefressen, wir steuern auf einen wunderschönen Tag zu! Hügelauf und Hügelab geht es bei uns weiter durch das herrliche Reservat.
Weit entfernt sehen wir eine weitere Büffelherde weiden.
Ein Burchellkuckuck (Burchell’s Coucal) sitzt nahe der Straße auf einem Ast und lässt uns gewähren, als wir die Fenster am Auto öffnen.
Hoch über uns kreist ein Felsenbussard (Jackal Buzzard).
Es dauert nicht lange und wir treffen auf das nächste Breitmaulnashorn, das mehrfach vor uns die Straße kreuzt, uns zudem ein langes Stück des Weges begleitet. Wir bleiben insgesamt wohl mindestens eine halbe Stunde mit diesem Tier zusammen und sind begeistert, diesen wunderschönen Koloss so lange beobachten zu dürfen. Dabei entsteht eine ganze Reihe Bilder…
Irgendwann entscheiden wir uns dann aber doch dazu, uns wieder zu von ihm zu trennen – wir wollen nun zur Hilltop-Lodge aufbrechen, um dort ein Frühstück einzunehmen, denn die Zeit ist inzwischen weit fortgeschritten.
Wir fahren ein weiteres Stück über eine Schotterstraße und kommen dabei auch an einer schönen Flusslandschaft vorbei.
Dabei sehen wir einen weiteren Nyala-Bock und ein weiteres Breitmaulnashorn.
Das Frühstück im Hilltop-Restaurant besteht aus einem kleinen Buffet, die Auswahl an Speisen und Getränken ist überschaubar, aber jeder findet sich etwas, die Bedienung ist sehr zuvorkommend. Wir sind überrascht, dass doch relativ viele Leute hier sitzen, denn im Park haben wir bisher eigentlich kaum andere Autos gesehen. Wir bleiben hier einige Zeit sitzen, denn wir hatten am Morgen ausreichend Gelegenheit Tiere gut zu beobachten. Wir entscheiden uns dazu, heute nicht den gesamten Tag im Park zu bleiben, denn auch die kommenden beiden Tage in Umfolozi werden wir weitere Gelegenheiten dazu haben, ausreichend Tiere zu beobachten. Vielmehr wollen die beiden Damen den Nachmittag am Swimmingpool des Hotels in der Sonne verbringen… Nach dem Frühstück machen wir uns also gleichsam wieder auf den Rückweg nach Hluhluwe. Fast unmittelbar am Hotel sehen wir dabei die nächsten Breitmaulnashörner:
Wir stoppen dann auch noch bei einem Schwarzbauch-Glanzstar (Black-bellied Starling) und bei einem Trauerdrongo (Square-tailed Drongo), die beide fast direkt an der Straße sitzen.
Mit der Ausbeute am heutigen Tag sind wir natürlich mehr als zufrieden, eigentlich hatten wir keine besonders hohen Erwartungen, weil die dichte Vegetation in diesem Park durchaus ein Spielverderber sein kann.
Gefahrene Tageskilometer: 98
Teil 5019. Apr. 2022
Reisetage 51 und 52 (21. und 22. September 2021) – Hluhluwe NP – Umfolozi NP
Auch heute gibt es kein Frühstück für uns – wir verstehen nicht, warum man in einem Hotel ein Frühstück ab 07:30 Uhr anbietet, wenn doch bekannt sein sollte, dass die Gäste überwiegend deshalb hier sind, weil sie in den Nationalparks Tiere beobachten wollen… Die Morgen- und Abendstunden sind zumindest uns dabei sehr wertvoll, dass wir lieber auf diese Mahlzeit verzichten. Wir müssen zunächst wieder durch den Hluhluwe Teil des bereits 1885 gegründeten Naturschutzgebietes. Damit ist der Nationalpark der älteste nicht nur Südafrikas, sondern des gesamten afrikanischen Kontinents. Den größten Teil der Zeit werden wir aber im Umfolozi-Bereich (auch iMfolozi) verbringen, wo sich auch das Mpila-Camp befindet, in dem wir die kommenden beiden Nächte verbringen werden.
Wir treffen neben Tieren in beiden Parks auch auf interessante Blumen, die zu den sogenannten „Blut-Lilien“ (Haemanthus-Arten) gehören. Jedenfalls sind sie ein Blickfang in dieser ansonsten von Grün- und Brauntönen dominierten Landschaft.
Auch heute sind es zunächst wieder Breitmaulnashörner und Nyala-Böcke, die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Aber auch viele kleinere und größere Vögel sind in den Morgenstunden unterwegs: Wir beobachten einen Zwergspint (Little Bee-eater), einen Weißflanken-Schnäpper (Chinspot Batis) und einen Weißschopf-Brillenwürger (White-crested Helmetshrike).
Leider ist es teilweise sehr schwer, nahe an diese kleinen gefiederten Freunde heranzukommen. Da ist es mit den Nashörnern doch wesentlich leichter, die erhalten wir zumeist bildfüllend…
Wenn auch gelegentlich, zumindest im Hluhluwe-Teil, mit ein paar zu vielen Sträuchern vor den Gesichtern. Die Farben in der Landschaft sind am Morgen tatsächlich magisch, vor allem entlang der zahlreichen kleineren Flussläufe gibt dominieren unzählige Grünschattierungen.
Ein Zistensänger (Cicistola) ist zu erahnen, ebenso wie ein Zimtspornpieper (African Pipit) und ein weitere Kräuselhauben-Perlhuhn (Crested Guinea Fowl).
Wir sehen Warzenschweine, daneben einige weibliche Nyala an einem kleinen Wasserloch und vor allem wieder Nashörner…
Auch heute gelingt es uns wieder Büffel zu sehen, daneben Giraffen und einige vereinzelte Elefanten.
Im Gegensatz zu gestern, wo wir fast ausschließlich auf der Hauptstraße unterwegs waren, fahren wir heute die Piste parallel zum Hluhluwe-Fluss und kommen so auch nicht am Hilltop Resort vorbei.
Nach längerer Fahrt ohne besondere Sichtungen geht es dann vorbei am Nyalazi Gate, wo wir den Park schließlich Richtung St. Lucia verlassen werden. Erst bei der Querung des Black-Imfolozi-Flusses treffen wir wieder auf weitere Tiere. Hier sehen wir weit entfernt einige Büffel im Flussbett stehen und auch ein Elefant frisst sich am Uferbewuchs satt. Einige interessante Früchte fallen uns auch auf.
Der Umfolozi-Teil ist, vor allem westlich des Mpila Camps, doch wesentlich offener und damit leichter einzusehen als der Hluhluwe-Bereich. Das kommt dem Betrachter doch zugute, außerdem ist es in diesem Parkteil auch wesentlich trockener, sodass die Tiere wieder mehr zu den Wasserstellen kommen müssen. Wir checken im Mpila Camp ein, das zu unserer Verwunderung ausgebucht ist. Gott sei Dank sind die Zelte aber groß genug und so wird in unsere Hütte eine Zusatzmatratze für unsere Tochter geliefert – ich hatte nämlich vergessen, auch hier Bescheid zu sagen, dass wir zu dritt reisen werden… Vom Camp aus, wo man in einem Shop auch das Notwendigste kaufen kann, unternehmen wir die Pirschfahrten. Auch im Umfolozi-Bereich sind es natürlich zunächst einmal die Nashörner, denen wir begegnen. Ich werde in diesem Bericht nicht alle fotografierten Tiere zeigen, denn es sind doch einige, über die wir in den knapp zwei Tagen im Reservat stolpern werden… Das erste Tier ist aber dennoch ein Impala, erst dann zeigen sich gleich mehrere Breitmaulnashörner an einer kleinen Wasserstelle.
Wir beobachten die beiden Kolosse einige Zeit, denn obwohl das Mpila-Camp voll sein soll, stoßen wir kaum je auf ein anderes Auto… Wir sehen weitere Impala und immer wieder auch interessante Pflanzen mit wunderbaren Vögeln – hier ein Weißbauch-Nektarvogel (White-bellied Sunbird) und ein Flötenwürger (Southern Boubou). Auch ein Fiskalwürger (Southern Fiscal) sitzt etwas weiter entfernt in einem Busch
Fortsetzung folgt...
Teil 5120. Apr. 2022
Fortsetzung Reisetage 51 und 52
Impala und Breitmaulnashörner bleiben die gesamte Zeit über die Hauptakteure im Park, sie zeigen sich regelmäßig.
Daneben beobachten wir ein Schopffrankolin (Crested Francolin) und einen weiteren Zwergspint (Little Bee-eater).
Wir sehen auch Kudus und immer wieder auch Ausblicke auf den Black Imfolozi-Fluss.
An einem einzigen Tag stoßen wir hier auf 47 (!) Nashörner, leider ist kein einziges Spitzmaulnashorn darunter. Wir hoffen, dass diese Tiere hier wenigstens einigermaßen sicher sind, denn alle tragen hier noch ihre Hörner – im Gegensatz zu vielen anderen Parks im Land. Es ist äußerst erfreulich, dass immer wieder auch Jungtiere darunter sind.
An einer Stelle treffen sogar vier Nashörner direkt aufeinander – es interessant zu beobachten, wie sich die gewaltigen Kolosse beschnuppern, um dann wieder ihrer Wege zu ziehen.
Besonders freuen wir uns über die Sichtung eines Weißkehlwarans, da es sich dabei um eine Erstsichtung für uns handelt.
Wir sehen einen Hagedasch-Ibis (Hadada Ibis), eine Rotschnabeldrossel (Kurrichane Thrush), einen Rußkopf-Bülbül (Dark-capped Bulbul), eine weitere Bronzeflecktaube (Emerald-spotted Wood Dove) und einen Goldweber (Eastern Golden Weaver) beim Nestbau.
Immer wieder genießen wir auch die wunderbare Landschaft dieses Reservats.
Wir sehen weitere Warzenschweine, eine weitere Büffelherde und einige wenige Giraffen.
Ein Raubadler (Tawny Eagle) sitzt in der Nähe einer Suhle auf dem Boden, ein etwas sonderbar anmutendes Bild.
Wir sehen (zumindest das Hinterteil) eines Orangebrustwürgers (Orange-breasted Bushshrike) und einen weiblichen Fiskalwürger (eine Fiskalwürgerin, sozusagen - Fiscal Flycatcher) - auch hier wieder ein großer Dank an Maddy für die Expertise!
Aber natürlich dominieren die Breitmaulnashörner das Geschehen…
Sogar in der Suhle dürfen wir die Kolosse beobachten:
Wir sind auch diesmal wieder begeistert von der Schönheit und Vielfalt dieses großartigen Naturschutzgebietes, das uns so viele wunderbare Sichtungen ermöglicht hat. Selbst die Sonnenuntergänge vom Mpila-Camp aus sind grandios…
Bis zur Fortsetzung des Berichtes dauert es jetzt eine Woche - ich genehmige mir eine Woche Auszeit in Rom...
Gefahrene Tageskilometer: 163 / 52
Teil 5229. Apr. 2022
Reisetage 53 bis 55 (23. bis 25. September 2021) – St. Lucia und Umgebung
In St. Lucia neigt sich unser Familien-Urlaub auch schon wieder dem Ende zu – denn unsere Tochter, die sich sehr kurzfristig zu einer Mitreise entschieden hatte, fliegt ab Durban zurück nach Hause, um Prüfungen an der Universität abzulegen. Das bedeutet natürlich auch, dass wir die drei Tage am Meer noch einmal in vollen Zügen genießen wollen.
Das Wetter ist weiterhin etwas wechselhaft und so werden wir hier „situationselastisch“ mit unserem Programm vorgehen und das unternehmen, wo wir die größten Chancen sehen, möglichst ohne viel Regen durchzukommen. Ich fasse diese drei Tage in St. Lucia in unserem Reisebericht zusammen, weil mir das am sinnvollsten erscheint. Ein Besuch im iSimangaliso-Nationalpark mit einer Fahrt zum Cape Vidal steht ebenso am Programm wie eine Küstenwanderung bei St. Lucia, wo der gleichnamige See aufgrund der Dünen zur Zeit unseres Besuches gerade nicht das Meer erreicht. So gibt es hier im Bereich des Mündungsdeltas einen großartigen Lebensraum für viele Wasservögel. Ganz besonders wichtig ist mir in dieser Ecke Südafrikas die Vogelfotografie und deshalb haben wir als Unterkunft auch wieder die Kingfisher-Lodge gewählt, die am Rand (und doch in Gehdistanz) der Ortschaft liegt. Von hier ist der See nicht weit, aber auch der Mündungsarm mit seinen Wäldern liegt unmittelbar neben dem Hotel – ein Paradies für meine Zwecke… (nur die Mücken sind gelegentlich ein Spielverderber).
Die Kingfisher Lodge hat einen fantastischen Garten, eigentlich kann man auch hier vor Ort bereits viele Vögel beobachten. Das Hauptgebäude, in dem Rezeption und Frühstücksraum untergebracht sind, wird flankiert von den über eigene Zugänge erreichbaren Zimmern, die von üppigem Grün umgeben sind. Wir fühlen uns hier extrem wohl und ich kann diese Unterkunft allen Naturliebhabern wirklich nur empfehlen.
Vom Umfolozi-Nationalpark sind nur knapp mehr als 50 km bis nach St. Lucia zurückzulegen, jener Stadt, die dafür bekannt ist, dass hier nächtens die Flusspferde durch den Ortskern marschieren. St. Lucia ist an sich ein Ferienort, der überwiegend aus Hotels, Kneipen, Restaurants und Einfamilienhäusern besteht, von denen aber auch viele als Gästehäuser fungieren. Im Ort kann man sich sehr sicher fühlen – außer wenn eben die Flusspferde nach Einbruch der Dunkelheit aus dem nahegelegenen See die Grünflächen des Ortes stürmen…
Im Ort gibt es außer Souvenirs (einige davon werden von örtlichen Künstlern aus Monkey-Apple-Früchten kunstvoll geschnitzt) auch viele tropische Früchte, die rund um die Stadt gedeihen.
Im Laufe unseres Aufenthaltes in St. Lucia bin ich mehrfach in unmittelbarer Nachbarschaft des Hotels unterwegs, um dort durch die Wälder zu streifen. Hier gibt es mehr oder weniger gut markierte Wege, jedenfalls aber eine ungeheure Artenvielfalt meiner „gefiederten Freunde“. Ich bin nach einem starken Regenguss genau so unterwegs wie in den frühen Morgenstunden oder am Nachmittag – es gibt immer etwas zu entdecken… Für mich ist das einer der absoluten Tophotspots der Vogelfotografie… Hier entdecke ich Kräuselhauben-Perlhühner (Crested Guineafowl), einen Goldschwanzspecht (Golden-tailed Woodbecker), einen Schneeballwürger (Black-backed Puffback), ein Natal-Rotkehlchen (Red-capped Robin-Chat), einen Gelbbauch-Bülbül (Yellow-bellied Greenbul), ein Kleinelsterchen (Bronze Mannikin), einen weiblichen Weißstirnweber (Thick-billed Weaver) oder den Klaas-Kuckuck (Klaas’s Cuckoo).
Ich liebe es, durch diese Wälder zu spazieren und Neues zu entdecken – gelegentlich tauchen sogar ein Baumhörnchen oder ein scheuer Roter Wald Duiker auf…
Es gibt auch wahre Glücksmomente zu erleben, etwa wenn ich den sehr scheuen und meist nur kurz verweilenden Narinatrogon erspähe, der durch seine markanten Rufe auf sich aufmerksam macht. Dieser bunte Vogel entschädigt auch für den einen oder anderen Mückenstich…
Ein anderer Vogel, der meist hoch oben in den Baumkronen zu Hause ist, macht ebenfalls durch seine Laute aufmerksam, vor allem dann, wenn er in Gruppen auftritt. Der Trompeterhornvogel (Trumpeter Hornbill) fällt nicht nur durch sein charakteristisches Aussehen auf!
Der Vogel, für dessen Anblick ich wirklich viel in Kauf genommen habe und bei dem es besonders lange gebraucht hat, ihn vor die Linse zu bekommen, ist der Langschopfturako (Livingstone’s Turaco). Diese bunten Geschöpfe schlagen auch viel Lärm, sind aber meist sehr schnell wieder weg, sobald man sich zu ihnen durchgeschlagen hat…
Alle diese Bilder sind im Laufe der Spaziergänge am Ortsrand von St. Lucia entstanden – ein wahres Paradies.
Direkt in St. Lucia gibt es auch den sogenannten „Estuary Bordwalk“, der von einem großen Parkplatz weg zunächst zum Strand am Indischen Ozean und dort entlang bis zur vermeintlichen Mündung des St. Lucia Sees führt. Wir sind zwei Mal hier unterwegs, zunächst nach einem kurzen, aber heftigen Regenguss und dann schließlich am darauffolgenden Tag nochmals, denn der schwere, nasse Sand war nur bedingt geeignet, um darin zu wandern. Am ersten Tag hängen noch schwere Wolken über den Sanddünen, die durch den heftigen Regen aber wunderbar eingefärbt sind.
Das tosende Meer braust mit wilder Gischt gegen die Küste.
Wir kommen nicht weit, kehren bald wieder zum Auto um. Am darauffolgenden Tag erleben wir ein wahres Kontrastprogramm: Zunächst bewundern wir die Goldweber (Eastern Golden Weaver), die im Schilf nahe des Parkplatzes ihre Nester bauen. Mit ungeheurem Geschick zupfen sie die Fasern von den Halmen, die sie anschließend kunstvoll verflechten…
Über den Treppelpfad gehen wir Richtung Meer, nicht ohne darauf hingewiesen zu werden, was wir hier alles nicht tun sollten…
Nicht alle halten sich an die Vorschriften, Familien nützen den herrlichen Tag und die Kinder lieben das Wasser…
Wir stapfen über den Dünenkamm und weiter entlang des Ozeans Richtung Mündungstrichter.
Dort, wo die Dünen das Wasser des St. Lucia Sees zurückstauen, hat sich ein weiter Brackwasserbereich gebildet, der auf viele Vögel eine magische Anziehungskraft ausübt… Wir sehen hier Kolonien der Eilseeschwalben (Swift Tern), dazwischen ist aber auch die eine oder andere Russseeschwalbe (Sooty Tern) zu erkennen.
Auf einer anderen Halbinsel haben sich die Säbelschnäbler (Pied Avocet) breit gemacht, die in großen Mengen auch über uns hinwegsegeln…
Aber auch noch andere Wattvögel - wie ein Regenbrachvogel (Whimbrel), ein Weißstirnregenpfeifer (White-fronted Plover) – oder Möwen sind anzutreffen!
Fortsetzung folgt!
Teil 5329. Apr. 2022
Fortsetzung Reisetage 53 bis 55 – St. Lucia und Umgebung
Während eines Besuches in St. Lucia steht bei uns immer auch ein Ausflug vom Cape Vidal auf dem Programm. Die Fahrt von der Stadt in den iSimangaliso-Nationalpark ist landschaftlich sehr lohnend, es gibt ständig etwas zu entdecken. Dieses Jahr ist der Zeitpunkt aber schwierig zu wählen, denn morgens ist das Wetter immer etwas trüb, während der Nacht gibt es häufig schwere Regenfälle. Da wir natürlich möglichst im Trockenen unterwegs sein wollen, achten wir ganz genau darauf, wie sich das Wetter entwickelt. Die Strecke zwischen der Stadt und dem Kap ist nur rund 30 km lang, dementsprechend natürlich leicht machbar. Aber es bietet sich natürlich an, möglichst zeitig am Morgen aufzubrechen, denn wir wollen schließlich auch Tiere entlang der Strecke beobachten.
Grundsätzlich gäbe es hier die Big Five zu sehen, die sind mir bisher aber noch nie über den Weg gelaufen – Büffel ausgenommen… Der Tag, an dem wir Richtung Cape Vidal aufbrechen, startet mit einem wolkenverhangenen Morgen, es ist drückend schwül. Da es tiermäßig eher ruhig ist achten wir während der Fahrt Richtung Norden mehr auf die Landschaft und genießen es, durch die üppigen Wälder fahren zu können. Immer wieder gibt es die Möglichkeit anzuhalten.
Die Nebel hängen teilweise noch über dem satten Grün.
Wir sind froh, dass es zumindest nicht mehr regnet, irgendwie bahnt sich doch eine Wetterberuhigung an. Die Variante an Grüntönen ist tatsächlich einzigartig.
Je weiter wir Richtung Cape Vidal vorstoßen, desto mehr scheinen sich die Wolken zu verziehen, immer wieder ergeben sich schöne Ausblicke auf die wirklich tolle Umgebung.
Ein noch etwas nasser Burchell’s Kuckuck sitzt im Gebüsch.
Bald sehen wir auch die ersten Buschböcke, die aus dem Unterholz auf die Freiflächen drängen, um sich zu trocknen.
Auch ein Roter Duiker ist wieder zu erspähen, der huscht aber sofort wieder ins Gehölz.
Wir sind begeistert, denn langsam aber sicher bahnen sich die ersten Sonnenstrahlen ihren Weg durch die aufklarende Wolkendecke. Ein Sekretär schreckt auf und läuft, mächtig mit den Flügeln schlagend, weg.
Entlang des Weges sehen wir weiters ein etwas zerzaust guckendes Kräuselperlhuhn, Impala, Zebra, eine junge, durchtränkte Rauchschwalbe (Barn Swallow), eine Stanley-Trappe (Denham’s Bustard) und einen etwas weiter entfernt sitzenden Schopfadler (Long-crested Eagle). Sogar ein Kudu ist direkt an der Straße.
Wir kommen auch an einigen kleineren Seen vorbei, in denen sich Flusspferde tummeln.
Je weiter wir in den Norden vordringen, desto besser wird das Wetter – inzwischen ist die Sonne bereits dominant und so können wir nach Herzenslust fotografieren. An einem der Tümpel gibt es unzählige Seerosen. Ein Skarabäus versucht aus dem frischen Kot einen Ball zu drehen – aller Anfang ist schwer!
Ein Wollhalsstorch (Woolly-necked Stork) fischt neben einem riesigen Krokodil, während ein Teichwasserläufer (Marsh Sandpiper) am Ufer entlangspaziert. Ein Schwarzhalsreiher (Black-headed Heron) ist damit beschäftigt, einen eben gefangenen Frosch zu verschlingen.
Daneben sehen wir auch einen Kronenducker, weitere Zebras und sogar einige Büffel.
Kurz vor Cape Vidal entdecken wir zudem einige der scheuen Diadem-Meerkatzen, die fast nur noch hier vorkommen.
Der Ausblick auf die umliegende Landschaft ist fantastisch – auch kleinere Gruppen von Flusspferden tummeln sich an den Seen.
In etwas größerer Entfernung sieht man sogar die großen, roten Dünen leuchten. Der Regen der letzten Stunden ist in diesem Fall eine große Hilfe…
Am Strand rund um das Kap sind verhältnismäßig viele Menschen unterwegs – der Campingplatz ist gut gebucht und alle scheinen gierig nach Sonnenschein! Dennoch kann man auch hier ein einsames Plätzen finden… Einige wagen sich sogar in die Fluten.
Wir bummeln am Strand entlang und sind fasziniert von der Schönheit der Landschaft. Dabei bestaunen wir auch die Flugkünste der Graukopfmöwen, die immer aufflattern, sobald wir ihnen zu nahekommen.
Wir genießen mehrere Stunden in der herrlichen Sonne, ehe wir die Rückfahrt nach St. Lucia antreten. Ein Aufenthalt hat sich mehr als gelohnt und wir hätten gerne noch länger in der Umgebung dieses wunderschönen Fleckens Erde verbracht. Nicht umsonst ist der iSimangaliso-Nationalpark auch UNESCO Weltnaturerbe… abschließend noch einige Eindrücke vom Strand.
Tageskilometer rund um St. Lucia: 89 / 15 / 82
Teil 5404. Mai 2022
Reisetag 56 (26. September 2021) – St. Lucia – Durban
Die Tage in und um St. Lucia haben uns enorm viel Freude bereitet und wundervolle Momente beschert. Wir haben viel entdecken können und – trotz der Wetterkapriolen – großartige Sichtungen genossen. Die Zeit in der Kingfisher Lodge ist so schnell vergangen, drei Tage sind hier sicherlich keiner zu viel. An diesem Vormittag heißt es nun wieder Abschied nehmen, wir werden Richtung Durban weiterreisen und am Weg dorthin unsere Tochter und eine Meeresbiologin, die ebenfalls hier im Hotel gewohnt hat, am Flughafen abliefern. Die junge Forscherin, die am Weg zurück nach Kapstadt ist, ist froh, dass wir sie ein Stück mitnehmen können, so erspart sie sich Geld für ein Taxi. Ich bin natürlich traurig, dass uns unsere „Kleine“ verlässt – wer weiß, wie oft sie uns noch auf einer Reise begleiten wird… Nach dem Frühstück brechen wir auf, denn wir sollen gegen 11:00 Uhr am Internationalen Flughafen von Durban sein, der am Weg in die Stadt neben der N2 liegt und sehr gut erreichbar ist. Wir veranschlagen rund 2,5 Stunden Fahrzeit für die etwas mehr als 200 km. Der Abschied von St. Lucia fällt und schwer – also Augen zu und durch… Auf dem Weg Richtung Durban kommen wir gut voran, unterwegs halten wir nur einmal kurz, um die Toiletten aufzusuchen. Ziemlich genau um 11:00 Uhr kommen wir am Flughafen an – auch hier bringen wir den Abschied schnell hinter uns, denn wir wissen, dass es nicht leichter wird!
Für uns geht es weiter in die Stadt Durban, wo wir direkt am Zentrum im Protea Hotel „The Edward“ einchecken. Das Hotel liegt direkt am Strand, an der sogenannten „Goldenen Meile“. Es ist nicht unser erster Aufenthalt hier, wir freuen uns auf einen angenehmen Nachmittag. Durban ist sicher nicht meine Lieblingsstadt in Südafrika, ich habe immer ein etwas mulmiges Gefühl in dieser Stadt. Auch die schweren Ausschreitungen wenige Wochen vor unserem Aufenthalt haben nicht dazu beigetragen, dass wir uns hier sicherer fühlen. Wir haben viel überlegt, wo wir einen Zwischenstopp am Weg in die Drakensberge einlegen sollten, uns dann aber doch für Durban entschieden. Am Abend und vor allem dann auch am darauffolgenden Morgen spazieren wir kurz durch die Stadt. Speziell am Strand vor dem Hotel, wo sich auch die „Funworld“ befindet, ist es sehr schön.
Wir sehen viele Surfer, die unmittelbar im Zentrum der Stadt auf die „richtige Welle“ warten.
Das moderne Fußballstadion, das zur WM 2010 errichtet worden war, bestimmt die Stadtansicht.
Kurz geht es auch ins Stadtzentrum selbst, wo wir das unserer Meinung nach gelungene Gemisch zwischen moderner und historischer Architektur bestaunen.
Dieser Reisetag ist bildertechnisch eher kurz, aber wir haben den Fotoapparat nicht so oft gezückt. Das Abendessen haben wir im Ocean Basket in Strandnähe eingenommen – das Fischgericht war in Ordnung, nicht mehr und nicht weniger. Das Flair in diesem Restaurant haben wir leider nicht gefunden...
Gefahrene Tageskilometer: 272 km
Teil 5504. Mai 2022
Reisetage 57 und 58 (27. und 28. September 2021) – Drakensberge (Giants Castle)
Die Angestellten im Hotel in Durban sind extrem nett und bemüht, das Hotel ist sehr sauber und das Frühstücksbuffet lässt keine Wünsche offen – trotzdem sind wir froh, wieder „aufs Land“ fahren zu können, die Stadt hinter uns zu lassen. Wir haben heute keine Eile, denn der Frühverkehr in und rund um Durban würde uns ohnehin stoppen… Gegen 09:00 Uhr verlassen wir das Hotel und fahren durch die Stadt auf die N3, jene Autobahn, die in den letzten Wochen für traurige Schlagzeilen gesorgt hat, die stellenweise gesperrt war und entlang derer die schwersten Auseinandersetzungen zu verzeichnen waren. Die Straße ist heute wieder voll mit LKW’s, die sich die teilweise steilen Hügel hinaufquälen. Wer aus Durban weg will, der muss, sofern man in nördliche Richtung fährt, auch durch die Berge! Die N3 ist eine der Hauptverbindungen des Landes, viele Güter, die über den Hafen von Durban umgeschlagen werden, passieren dieses Nadelöhr.
Wir kommen gut voran, nur in der Stadt selbst ist es mitunter etwas mühsam. Bis nach Pietermaritzburg sind wir etwa 70 Minuten unterwegs. Immer wieder sehen wir die Spuren der Verwüstung, ein oder zwei ausgebrannte Supermärkte sehen wir sogar von der Autobahn aus. Wir fühlen uns überhaupt nicht wohl, obwohl inzwischen längst wieder Ruhe eingekehrt ist. Bei Mooi River legen wir an einer Raststätte eine kurze Pause ein, trinken einen Cafe und vertreten uns die Füße. Über Estcourt geht es schließlich weiter in das Giants Castle Game Reserve, wo wir für zwei Nächte reserviert haben. Das Giants Castle Camp liegt dabei auf am Rand eines Felsplateaus und bietet sich geradezu an, um von hier aus ausgedehnte Wanderungen zu unternehmen. Bereits am Weg in das Resort stoppen wir, um einen Felsenbussard (Jackal Buzzard) abzulichten.
Von Weitem sieht man die herrliche Landschaft der Drakensberge, wir können es kaum erwarten, anzukommen. Das Tiefdruckgebiet der vergangenen Tage, dessen Ausläufer auch wir immer wieder zu spüren bekommen haben, hat dazu geführt, dass die höchsten Gipfel schneebedeckt sind.
Wir sind in einem Teil des uKhahlamba-Drakensberg Parks unterwegs, der seit 2000 in der UNESCO-Welterbeliste eingetragen ist. Das knapp 2500 km² große Schutzgebiet reicht auch in das benachbarte Lesotho hinein. Das Camp besteht aus zahlreichen Chalets, die in sehr reizvoller Umgebung stehen und komfortable eingerichtet sind. Dazu zählt auch ein offener Kamin…
Wir unternehmen von unserem Chalet aus einige wunderbare Wanderungen, unter anderem zu einer nicht allzu weit entfernten Felsformation, in der zahlreiche Felszeichnungen zu sehen sind. Hier gibt es auch ein Display, das das Leben der San in den Bergen beleuchtet. Um zu dieser Felsformation zu gelangen, wandert man auch entlang eines malerischen Baches, an dessen Ufern zahllose Zuckerbüsche stehen, in denen sich Malachit-Nektarvögel (Malachite Sunbird) tummeln.
Von der Aussichtsplattform vor dem Restaurant aus genießt man einen herrlichen Blick auf die Drakensberge und die sich davor ausbreitenden, tief eingeschnittenen Täler.
Wir haben einen vollen Tag, um nach Herzenslust zu wandern – was wir in dieser unglaublichen Szenerie natürlich auch machen. Mehr als sieben Stunden sind wir am Stück unterwegs und können uns einfach nicht sattsehen. Die Wanderwege verlaufen, nachdem man den ersten Anstieg geschafft hat, überwiegend durch leicht welliges Gelände. Zu dieser langen Wanderung schleppe ich mein schweres Teleobjektiv nicht mit - ein großer Fehler, wie sich später herausstellen sollte, denn die über uns kreisenden Geier sind so nur schwer auszumachen...
An der Rezeption des Camps erhält man gute Tipps, zudem sind die Einstiege zu den einzelnen Routen gut ausgeschildert. Wir treffen während eines ganzen Tages praktisch kaum andere Wanderer, sind also auf uns allein gestellt.
Von einzelnen kleineren Kuppen, die den Plateaus aufgesetzt sind, genießt man herrliche Ausblicke, die auch weit in das Vorland Richtung Osten reichen.
Die meisten Wanderungen sind als „Rundwege“ angelegt, man muss also keine Strecke zweimal laufen – das ist natürlich auch ein erheblicher Vorteil. Außerdem gibt es Wanderungen in allen Schwierigkeitsgraden und Längen, das Wegenetz ist tatsächlich unheimlich weitläufig.
Gefahrene Tageskilometer: 283 / 0
Teil 5605. Mai 2022
Reisetage 59 und 60 (29. und 30. September 2021) – Drakensberge (Cathedral Peak)
Ein Aufenthalt von zwei Nächten ist eigentlich zu kurz, denn vor Ort kann man dann lediglich einen einzigen vollen Tag genießen, der andere Tag besteht ja aus Anreise, einchecken und einer gewissen Orientierungsphase. Wir müssen nun also auch das Giants Castle Gebiet schon wieder verlassen, wir hätten hier sicher noch die eine oder andere Wanderung gefunden – vor allem bei diesem grandiosen Wetter… Nach dem Frühstück fahren wir also wieder zurück in östliche Richtung, um über Winterton zum Cathedral Peak Hotel zu gelangen. Die Fahrstrecke ist nur kurz, wir haben nur knapp 100 km vor uns. Das Frühstück schmeckt in den Bergen immer besonders gut, zudem bei dieser Aussicht…
Fazit Giants Castle Resort: Sehr schön gelegene Chalets, deren Inneneinrichtung schon etwas in die Jahre gekommen ist; ein eigener offener Kamin sorgt gerade in den kühlen Monaten für wohlige Atmosphäre. Sehr bemühte Mitarbeiter*innen, die mit hervorragender Ortskenntnis Wanderungen für jeden Schwierigkeitsgrad zusammenstellen können. Sehr gut ausgeschildertes Wegenetz. Hier würden wir sofort wieder einige Zeit verbringen wollen, wir haben die Zeit sehr genossen.
Bereits während der Anfahrt zum Cathedral Peak Hotel bleiben wir mehrfach stehen und genießen die traumhafte Umgebung. Die vielen kleinen Dörfer, die oft nur aus wenigen Häusern oder vielleicht auch nur aus einem einzigen Kraal bestehen, liegen weit zerstreut vor einer spektakulären Kulisse.
Das Cathedral Peak Hotel könnte schöner nicht vor den markanten Bergen stehen. Die recht große Hotelanlage gliedert sich in mehrere Zimmertrakte, die nicht alle mit dem Haupthaus direkt verbunden sind. Rundum gibt es alle möglichen Annehmlichkeiten, darunter auch einen großen Pool, einen Tennisplatz oder eine Pferdekoppel.
Der markante Gipfel des Cathedral Peak ist von den meisten Bereichen des Hotels gut auszunehmen, selbst von der Bar aus kann man die Traumkulisse sehen.
Das Besondere an diesem Hotel ist sicherlich die tatsächlich unglaublich gelungene Einbindung in die Umgebung, überall Blütenpflanzen und dementsprechend auch viele Vögel…
Allein die zahlreichen Flaschenbürstenbüsche (Callistemon – Zylinderputzer) sind es wert, dass man genauer hinsieht. Hier turnen Kapbrillenvögel (Cape White-eye) genauso herum wie Gurney’s Honigfresser (Gurney’s Sugarbird) oder der Doppelband Nektarvogel (Greater Double-collared Sunbird).
Es gibt rund um das Hotel aber zahllose weitere Blütenpflanzen, darunter auch die Zuckerbüsche (Protea). Sogar Zitronen werden angepflanzt.
Auch auf anderen blühenden Büschen sehen wir eine große Zahl an Kapbrillenvögel, Doppelband Nektarvögel und weitere Gurney’s Honigfresser.
Zudem entdecken wir bei unseren Spaziergängen auch noch einen Fahlflügelstar (Red-winged Starling), einen Flötenwürger (Southern Boubou), einen Wiedehopf (African Hoopoe), eine Kaprötel (Cape Robin-Chat), einen Termitenschmätzer (Ant-eating Chat) und eine Erdschrott Drossel (Groundscraper Thrush).
Natürlich kann man auch in der Region Cathedral Peak wunderbare Wanderungen unternehmen, so sind wir unter anderem zu einem kleinen Wasserfall spaziert und haben dabei in einem kleinen Teich ein Kammblässhuhn (Red-knobbed Coot) beobachtet.
Die Umgebung ist äußerst reizvoll, wir sind richtiggehend begeistert. In den Büschen fallen immer wieder die Wellenastrilde (Common Waxbill) auf.
Außerdem sehen wir eine ganze Reihe von Buschböcken, manche während der Wanderungen, andere direkt am Hotel. Auf einem von ihnen sitzt ein Fahlflügelstar.
Unmittelbar am Hotel sucht ein Kapweber (Cape Weaver) nach Baumaterial für sein Nest und ein weiblicher Doppelband Nektarvogel stillt seinen Hunger.
Am späteren Nachmittag des zweiten Besuchstages ziehen plötzlich wieder hohe Wolkentürme über den Bergen auf – wir ahnen nichts Gutes…
Das Abendessen im Cathedral Peak Hotel ist eine besondere Angelegenheit: Die Gäste fahren speziell zu besonderen Anlässen hierher, um dieses Buffet zu genießen, das tatsächlich seinesgleichen sucht. Auch mir fallen nicht viele Plätze ein, wo wir so gut gegessen haben! Die Auswahl und die Qualität der Speisen sind überragend.
Gefahrene Tageskilometer: 110 / 0
Teil 5709. Mai 2022
Reisetage 61 und 62 (1. und 2. Oktober 2021) – Drakensberge (Witsishoek – Amphitheater)
Auch die wunderbaren Tage im Cathedral Peak Hotel sind viel zu rasch vergangen, zudem neigt sich der zweite Teil meiner „einzigartigen Reise“ sehr rasch seinem Ende zu… Wir haben noch einen Stopp in den Drakensbergen vor uns, das berühmte Amphitheater wollen wir natürlich auch noch kennenlernen. Die meisten Bilder der Drakensberge, die man aus dem Internet kennt, stammen aus dieser nördlichen Region, hier sollen die Felsformationen am schönsten sein.
Leider hat sich das Wetter während der letzten Nacht wieder eingetrübt, teils heftiger Regen ist auf uns niedergeprasselt. Jetzt am Morgen ist es wieder einigermaßen ok, wir können unser Auto einräumen, ohne einen Schirm zu benötigen. In dieser Höhe wird es zudem relativ schnell kalt, wenn die sich die Sonne nicht zeigt.
Wir genießen das ausgezeichnete Frühstück und machen uns schließlich gegen 09:00 Uhr auf den Weg zurück nach Winterton. Kurz vor Winterton fallen uns die zahlreichen Hahnschweifwidas (Long-tailed Widowbird) auf, die hier herumflattern. Mit ihren langen Federn haben diese prächtigen Vögel ein ganz eigentümliches Flugbild. Wir stoppen das Auto und versuchen den Tieren möglichst nahe zu kommen, was mehr schlecht als recht gelingt, vor allem versinke ich dabei fast im Morast…
Die Tiere sitzen auf den Halmen am Rand eines kleinen Teiches, flattern aber sofort auf, sobald man ihnen zu nahe kommt. Vor allem im „Langstreckenflug“ geben sie ein ganz spezielles Bild ab.
Immer wieder versuche ich den Tieren nachzugehen, mich anzupirschen, der Erfolg will sich aber nicht so richtig einstellen.
Dennoch sind wir von der Schönheit dieser Vögel beeindruckt. In einem nahen Teich schwimmen zudem zahlreiche Weißrücken-Pfeifgänse (White-backed Duck), doch auch sie meinen es nicht sonderlich gut mit uns…
Kurz nördlich von Winterton setzt der Regen wieder ein, er begleitet uns auch entlang des großen Sterkfontein-Damms. Die Wolken hängen sehr tief und wir sehen kaum etwas von der an sich sehr schönen Landschaft, die weiter entfernten Drakensberge sind natürlich überhaupt nicht auszunehmen. Entlang der Strecke gibt es zudem kein offenes Cafe, wir versuchen mehrfach kurz anzuhalten, aber alles ist offenbar geschlossen. So fahren wir weiter über die inzwischen sehr große Stadt Phuthaditjhaba, die sich lang die Hänge der Vorgebirge der Drakensberge hinaufzieht. Wir klettern viele Höhenmeter hinauf bis zur Witsishoek-Mountainlodge, die das Ziel für die kommenden beiden Nächte ist.
Die Lodge liegt an sich sehr schön, der Rundblick ist grandios – nur eben nicht heute, denn es schüttet wie aus Eimern… Wir überlegen, direkt weiter nach Clarens zu fahren, doch auch dort soll das Wetter im Moment nicht viel besser sein. Also entschließen wir uns zum Bleiben und setzten uns in das Restaurant, wo wir zumindest den offenen Kamin genießen können – bis nasses Holz nachgelegt wird und sich der gesamte Raum schlagartig in ein dichtes Nebelgrau legt – zudem stinkt es fürchterlich… Wir flüchten in unser Zimmer, das etwas entfernt liegt und verbringen den restlichen Nachmittag mit Lesen. Am Abend geht es nochmals zurück zum Restaurant, das Abendessen ist einfach, aber durchaus in Ordnung. Die Crew ist sehr um uns bemüht, es sind insgesamt knapp zehn Gäste anwesend.
Am nächsten Morgen ist es einigermaßen trocken, während der Nacht hat es weiter heftig geschüttet. Wir wollen keinesfalls einen weiteren Tag nur herumliegen, entscheiden uns also, in die Berge aufzubrechen. Nach einem kurzen Frühstück fahren wir von der Lodge hinauf zum Parkplatz des Sentinel Peaks – allein diese Fahrt ist bereits Abenteuer pur. Hier ist Allradantrieb unbedingt erforderlich, um die ausgeschwemmte und schwer beschädigte Piste, die sich die Berge hochwindet, befahren zu können. Wir nehmen einen Ranger mit, der sich zu Fuß auf den Weg in die Berge gemacht hat.
Die Witsishoek Mountain Lodge liegt selbst auf 2280 m über dem Meeresspiegel und ist die höchstgelegene Lodge im Bereich der nördlichen Drakensberge, der Parkplatz zum Sentinel Peak liegt nochmals rund 300 m höher. Von hier aus kann man zahlreiche Wanderungen unternehmen, so auch auf den 3166 m hohen Sentinel Peak, den man über montierte Eisenleitern erreicht oder zu den Tugela-Fällen, die mehr als 900 m in die Tiefe stürzen und zu den höchsten Wasserfällen der Erde gehören. An einen Aufstieg zum Gipfel ist heute nicht zu denken, das Gestein ist viel zu rutschig, zudem wissen wir nicht, wann die nächste Regenfront eintreffen wird. Wir entscheiden uns dazu, vom Parkplatz zum Aussichtspunkt auf das berühmte Amphitheater aufzusteigen – hier führt ein gut angelegter Weg hin, da können wir nicht viel falsch machen. Die Wolken hängen mal tiefer, dann reißen wieder größere Lücken auf und die Sonne dringt durch – wir sind insgesamt froh, überhaupt etwas unternehmen zu können und genießen die Wanderung.
Wie schön muss diese Ecke Südafrikas sein, wenn man hier freie Sicht genießt?
Bald sehen wir den Parkplatz und die Ranger-Station, wo man auch das Permit löst, weiter hinter uns liegen.
Vom Aussichtspunkt auf das Amphitheater ist anfangs nicht viel zu sehen, nur die Konturen der umliegenden Felswände hebt sich ab.
Langsam ziehen aber auch hier die Wolkenschleier ab, wie in einem Theater öffnet sich der Vorhang…
Es scheint sogar etwas wie blauer Himmel durch…
Mehr als wir am Morgen erwarten konnten – wir können die unermessliche Schönheit dieses Gebietes zumindest erahnen… Von hier kehren wir langsam aber sicher wieder Richtung Parkplatz zurück, ein weiterer Aufstieg wäre zu gefährlich!
Erstaunt sind wir darüber, dass es selbst in so großer Höhe und bei derartig niedrigen Temperaturen Schlangen gibt…
Nach einer rund dreistündigen Bewegungstherapie mit einigen schönen Ausblicken kehren wir zum Auto zurück, rechtzeitig vor dem nächsten Regenguss… Den restlichen Nachmittag und den Abend verbringen wir wieder im Restaurant beim Kartenspiel – wir nehmen uns vor, in den nächsten Jahren nochmals hierher zurückzukehren, wir haben noch keinen Frieden mit dieser Landschaft geschlossen…
Gefahrene Tageskilometer: 220 / 34
Teil 5810. Mai 2022
Reisetage 63 und 64 (3. und 4. Oktober 2021) – Drakensberge – Golden Gate NP – Clarens – Johannesburg OR Tambo
Fast eine Woche waren wir jetzt in den Drakensbergen unterwegs – keinen einzigen Tag zu viel, wie wir meinen. Diese wilde Berglandschaft gehört sicherlich zu den ganz großen Naturwundern Südafrikas und bietet noch wesentlich mehr, Das heißt, wir müssen irgendwann hierher zurückkehren… Leider gibt es so viele Orte, die wir noch besuchen möchten, vielleicht ist ein Menschenleben auch einfach nur zur kurz?!
Fazit Wisishoek Mountain Lodge: Bei gutem Wetter sicher ein Paradies – allein die Lage am Fuß des berühmten Amphitheaters der Drakensberge sucht ihresgleichen – im Regen vermisst man hier einiges… Zunächst sind die Zimmer sehr unterschiedlich, es gibt neue Räume und Zimmer, die leider schon sehr in die Jahre gekommen sind. Auch der Bereich rund um das Restaurant könnte eine Renovierung vertragen. Man weiß natürlich, dass es rundum nichts Besseres (vor allem Bequemeres) gibt – hier ist man wandertechnisch mitten im Geschehen. Wir würden – angesichts der fehlenden Alternativen – auch wieder kommen, aber berauschend war es nicht…
Auch am Morgen unserer Abreise hängen die Wolken noch tief, zeitweise tropft es wenig und die Straße ist schon sehr rutschig, als wir uns auf den Weg Richtung Clarens machen. Für den heutigen Tag haben wir den Golden Gate NP am Programm, der nicht weit entfernt liegt. Zurück geht es wieder über den unaussprechlichen Ort Phuthaditjhaba, in dem uns auffällt, dass es zahllose Bestattungsunternehmen gibt – der Beschilderung nach sind es mindestens zehn, die uns auffallen… Die Stadt scheint total aus den Fugen geraten, überall wird verkauft und gehandelt, wir bleiben aber nicht stehen, wir fühlen uns hier nicht sonderlich wohl, es ist entlang der Hauptstraße auch extrem schmutzig, überall liegt Müll herum. Wir folgen zunächst der R57 in nördliche Richtung und zweigen schließlich auf die R712 ab, die uns durch den Golden Gate NP direkt zu unserem heutigen Tagesziel nach Clarens bringt. Die Fahrstrecke ist mir rund 80 km extrem kurz, wir kommen zudem zügig voran, weil kaum Fotomöglichkeiten bestehen. Da die Wettervorhersage für den kommenden Tag wesentlich günstiger ist, entscheiden wir uns, etwas umzudisponieren: Wir fahren heute auf direktem Weg nach Clarens und am kommenden Tag, auf dem Weg nach Johannesburg, nochmals durch den Golden Gate NP – ein kleiner Umweg, der sich aber lohen sollte.
Kurz vor Clarens merken wir aber, dass tatsächlich eine Wetterbesserung einsetzt – wir sind zumindest für den kommenden Tag frohen Mutes! Die Wolkendecke steigt immer höher und die Nebelschwaden über der in gelb- und beige-Tönen scheinenden Landschaft geben auch ein interessantes Bild ab…
Clarens ist ein sehr netter, kleiner Ort. Eigentlich spielt sich dort alles rund einen großen, freien, zentralen Platz ab. Rundum gibt es viele wirklich gute Cafes, Restaurants und Souvenirläden. Es werden lokale Produkte – von Käse bis hin zu hervorragender Schokolade angeboten. Wir fühlen uns rundum wohl – es ist zumindest für meine Frau so etwas wie der letzte Urlaubstag. Das Abendessen nehmen wir im Restaurant des Hotels „Il Castello“ ein, in dem wir auch wohnen. Das Haus liegt am Ortsrand in ruhiger Lage, wir sind begeistert von den wunderschönen und großen Zimmern. Die gesamte Hotelanlage versprüht etwas mediterranes Flair, das Abendessen und das Frühstück sind ausgezeichnet!
Ab dem späteren Nachmittag scheint auch schon wieder die Sonne, das nächste Tiefdruckgebiet dürfte sich endgültig verzogen haben… Am Morgen stehen wir eher zeitig auf, sind wieder einmal die Ersten beim Frühstück. Der Umweg durch den Golden Gate NP ist kilometermäßig im vertretbaren Rahmen, da der Rückflug meiner Frau erst am Abend von Johannesburg startet, haben wir auch ausreichend Zeit. Clarens liegt praktisch direkt am Eingang in den Golden Gate NP, der für seine bizarren Sandsteinformationen berühmt ist. Der Park ist vielleicht das Highlight im Free State. Um die herrlichen Farben der Sandsteinformationen voll auskosten zu können, sollte man eher in den späteren Nachmittagsstunden unterwegs sein – das schaffen wir heute aber definitiv nicht mehr – wir können nicht alles haben…
Die Felsen leuchten aber auch in den Morgenstunden, wir haben nur das eine kleine Problem, dass wir gegen die Sonne fahren und uns etwas schwer tun, die richtigen „Fotostopps“ zu finden.
Wir bleiben überwiegend an der Hauptstraße, es gäbe hier eine ganze Reihe von Abzweigungen, die weiter hinein in den Park führen. Da wir aber keine Zeit haben, etwa zu Buschmann-Felszeichnungen zu wandern, begnügen wir uns mit dem, was sich so an herrlicher Landschaft vor uns ausbreitet. Wir sind fasziniert vom Gegensatz, gestern sind wir noch durch eine monotone, braun-gelbe Landschaft gefahren, heute leuchtet sie in allen Farben.
Einen Abstecher von der Hauptstraße aus unternehmen wir jedoch, wir fahren Richtung „Vulture-Hide“ hoch in die Berge. Hier gäbe es einen Birdhide, an dem für die Kap- und Bartgeier Kadaver ausgelegt werden. Die Landschaft hier heroben ist äußerst eindrucksvoll, es wäre toll, hier wandern zu können.
Im Hintergrund sehen wir die markanten Gipfel des Amphitheaters der Drakensberge – fast ohne Wolken… wir sollten nicht jammern, denn wir hatten wunderschöne Momente während unserer Reise!
Sogar einige der hier grasenden Zebras sind so nahe an der Straße, dass sich Aufnahmen lohnen… Eine Herde Weißschwanzgnus und Blessböcke ist leider sehr weit entfernt.
Wir sind tatsächlich begeistert, diesen Nationalpark noch in so herrlichem Licht erleben zu dürfen.
Durch eine kleine Schlucht geht es weiter Richtung östlichem Parkeingang.
Sogar einen Hagedasch-Ibis (Hadada Ibis) sehen wir noch auf einer Wiese.
Wir fahren weiter bis zur Kreuzung mit der R57, der wir nun über Kestell Richtung Norden folgen. Die R714 bringt uns dann auf die N3, die uns direkt nach Johannesburg führt. Wir sind auf dieser Strecke mitten im nahezu unbewohnten Hochland unterwegs und sind verblüfft darüber, dass gelegentlich noch Schnee-Reste von der durchgezogenen Schlechtwetterfront neben der Straße liegen. Die N3 bringt uns direkt zur R24, die zum Flughafen OR Tambo führt – da kenne ich mich inzwischen aus… Für uns geht es zunächst zum Mietwagenunternehmen, wo ich das Auto zurückgebe. Ein Fahrer von Bushlore bringt uns zum Flughafen, wo meine Frau für den Rückflug nach Europa eincheckt und ich meinen PCR-Test ablege, den ich benötige, um am folgenden Tag in Namibia einreisen zu dürfen. PCR-Tests werden am Flughafen direkt abgenommen, der Rücklauf erfolgt innerhalb von längstens 12 Stunden und ein ausgedrucktes Testergebnis kann ich am nächsten Tag vor dem Einchecken direkt hier am Flughafen abholen – ein Top-Service, der da angeboten wird! Die Testung zieht sich leider etwas hin, da einige Passagiere nach Amsterdam auch zum Test müssen – sie benötigen das Ergebnis innerhalb von nur zwei Stunden, um noch mitfliegen zu können… Nach dem Test fahre ich mit dem Hotelshuttle zum Garden Court OR Tambo, wo ich wieder einmal für eine Nacht einchecke… Auch das ist inzwischen Routine. Das Abendessen nehme ich wieder im Irish Pub des Hotels ein, so wie schon während der vorangegangenen Übernachtungen.
Damit ist der zweite Teil meiner „außergewöhnlichen Reise“ zu Ende!
Gefahrene Tageskilometer: 86 / 418
Teil 5911. Mai 2022
Teil C
Reisetag 65 (5. Oktober 2021) – Johannesburg OR Tambo – Flug nach Windhoek – Waterberg
Heute geht es also wieder nach Namibia! Ich freue mich auf dieses wunderbare Land, das ich 2019 letztmals besucht habe. Nach den zwei Monaten in Südafrika ist außerdem ein Tapetenwechsel nicht schlecht, zudem freue ich mich auf die nahezu unendliche Weite… Die Tage in Südafrika waren außergewöhnlich, die Sichtungen in den Parks weit über dem Vorstellbaren, es war einfach eine grandiose Zeit, die ich hier erleben durfte. Bevor ich zwei Freunde von hier abhole, darf ich nun etwas mehr als eine Woche alleine verbringen, ganz ohne Kompromisse meinem Hobby der Tierfotografie nachgehen – wobei ich betonen möchte, dass auch bisher die Einschränkungen im nano-Bereich waren…
Nach dem Frühstück fahre ich mit dem Hotel-Shuttle zurück zum Flughafen. Diesmal reise ich mit wenig Gepäck, fast alles bleibt hier im Hotel, denn ich werde ja wieder im Garden Court einchecken. Am Flughafen behebe ich meinen ausgedruckten PCR-Test, das Ergebnis hatte ich noch vor Mitternacht als SMS auf mein Handy bekommen – ein wirklich toller und zuverlässiger Service. Anschließend spaziere ich zum Check-In für den Airlink-Flug nach Windhoek, wo mir mitgeteilt wird, dass sich der Abflug etwas verspäten könnte… Die Verspätung hält sich in Grenzen, statt um 10:40 Uhr fliegen wir knapp nach 11:00 Uhr in Johannesburg weg und landen ziemlich pünktlich kurz nach 13:00 Uhr in Windhoek. Die Einreise funktioniert sensationell schnell, von meinem Sitzplatz in der dritten Reihe bin ich sofort im Terminal, das Formular zur Einreise ist vorbereitet und ausgefüllt – nach nur rund 20 Minuten stehe ich mit meinem Gepäck vor dem Schalter von Europcar und fülle die Papiere aus. Ich erhalte einen Renault Duster als fahrbaren Untersatz, für die kurze Zeit und für mich alleine ausreichend, längere Strecken über die Pads würde ich damit aber nicht fahren wollen… Ich habe mein erstes Hotel am Waterberg vorreserviert – das ist natürlich doch ein Stück weit weg von Windhoek. Die rund 300 km Anfahrt würde ich nicht machen, wenn ich aus Europa ankommen würde. Da ich eigentlich einen früheren Flug ab Johannesburg gebucht hatte, dann aber auf den Vormittagsflug umgebucht worden war, konnte ich mir das nicht aussuchen. Da musste ich nun eben durch… Noch vor 14:00 verlasse ich das Flughafengelände und es geht direkt über Windhoek auf die B1 und in nördlicher Richtung weiter. Normalerweise fahre ich kaum Hauptstraßen, wenn ich in Namibia unterwegs bin – schon gar nicht die B1 nördlich von Windhoek. Ich bin überrascht vom hohen Verkehrsaufkommen, speziell von der großen Zahl an LKW’s, die hier entlangrollt und vom Fahrverhalten einiger weniger – da sind ordentliche Raser unterwegs…
Als ich von der B1 nach Osten Richtung Waterberg Plateau abzweige, muss ich noch eine kurze Polizeikontrolle über mich ergehen lassen, hier wird offenbar jedes Auto gestoppt und dann geht es auch schon weiter. Als ich am Plateau im NWR Resort ankomme, ist die Sonne gerade dabei unterzugehen. Ich checke ein und fahre dann hoch zu meinem Chalet Nummer 35, das wunderbar liegt. Die Kante des Waterberges leuchtet wunderbar im Abendlicht.
Rasch packe ich meinen Fotorucksack und mache mich noch kurz auf den Weg, um die wunderbaren Lichtstimmungen aufzusaugen, außerdem benötige ich dringend eine Bewegungseinheit nach der langen Sitzerei im Auto.
Aus der Nähe sind die vielen Farben dieses Sandstein-Tafelberges noch einmal imposanter.
Ich bin ziemlich außer Atem, denn der Aufstieg ist einigermaßen steil aber doch gut markiert, aber Schritt für Schritt weiter Richtung Plateau wird die Aussicht imposanter.
Da ich nicht in der Dunkelheit zurückgehen will, kehre ich dann doch zurück zu meinem Chalet. Auch am Rückweg kann ich nicht widerstehen, noch ein paar Bilder zu schießen.
Im Chalet angekommen, brauche ich zunächst dringend eine Dusche – denn erst jetzt merke ich, dass ich eigentlich völlig durchgeschwitzt bin. Anschließend geht es, mit Taschenlampe bewaffnet, die kurze Strecke hinunter zum Restaurant, wo ich ganz allein in dem riesigen Raum mein Abendessen einnehme. Das Essen ist durchaus in Ordnung und zählt sicher zu den besseren, die ich in einem NWR-Betrieb genossen habe. Jetzt bin ich tatsächlich in Namibia angekommen – ab morgen steht einer gemächlichen und genussvollen Weiterreise nichts im Wege!
Gefahrene Tageskilometer: 329
Teil 6012. Mai 2022
Reisetage 66 und 67 (6. und 7. Oktober 2021) – Waterberg – Etosha NP (rund um Namutoni)
Die Nacht war fantastisch, das Chalet ist geräumig, nett eingerichtet und vor allem der Kühlschrank extrem leise – so wie es auch rundherum überhaupt keine Laute zu vernehmen gab. Da muss man einfach perfekt schlafen. Ich bin aber kein Langschläfer, deshalb stehe auch bereits in der Morgendämmerung auf und verfrachte meine Habseligkeiten in das Auto. Die Morgenstunden möchte ich noch hier vor Ort verbringen, ich habe mich aber bewusst dazu entschieden, an keinem Gamedrive teilzunehmen. Den Waterberg suche ich vor allem deshalb auf, weil ich seit meiner ersten Reise nach Namibia – und diese war 1994 (!) – nie mehr wieder hier vor Ort war. Irgendwie liegt dieser wunderschöne und geschichtsträchtige Tafelberg einfach etwas abseits meiner Routen… Bald beleuchten die ersten Sonnenstrahlen den Berg – einfach magisch das Morgenlicht!
Einige Dikdiks spazieren rund um das Chalet.
Der Blick geht aber immer wieder zurück auf das Plateau, das mehr und mehr erstrahlt…
Eine ganze Gruppe Rosenköpfchen (Rosy-faced Lovebird) lässt sich lautstark neben einem Trauerdrongo (Fork-tailed Drongo) nieder.
Langsam spaziere ich Richtung Restaurant, um mich um mein Frühstück zu kümmern, das ich verpackt mitnehmen möchte. Rasch klettert die Sonne höher und lässt das gesamte Areal erstrahlen, zudem steigen so auch die Temperaturen recht rasch an.
Sogar im Swimmingpool spiegelt sich ein Teil des langgestreckten Tafelberges. Auch eine Palmtaube (Laughing Dove) genießt die wärmenden Strahlen.
Das Restaurant des Camps befindet sich in einem historischen Gebäude.
Ich hole wie vereinbart mein Frühstück ab und schlendere wieder zurück zu meinem Chalet, dabei sehe ich weitere Dikdiks herumlaufen.
Ich spaziere noch ein wenig herum und setze mich dann in die Sonne, ich möchte einfach einmal richtig ankommen… Meine innere Unruhe wächst aber fast minütlich – es zieht mich einfach in den Etosha NP, einer meiner liebsten Plätze im Südlichen Afrika. Nicht zu vergleichen mit dem Kruger NP, ganz anders geartet, aber auf seine Weise einfach fantastisch. Ich packe also langsam zusammen, checke aus und fahre los. Dafür fahre ich zunächst zurück nach Otjiwarongo und weiter auf der B1 über Otavi und Tsumeb. Natürlich wäre auch die Route über Rietfontein möglich gewesen, vielleicht sogar etwas kürzer, aber ich hatte mich nun mal für diese Strecke entschieden.
In Otjiwarongo wird das Auto erstmals aufgetankt, zudem kaufe ich einige Getränke, Biltong, Nüsse und Obst ein – eben alles, was man für einen Gamedrive braucht. Auf heute komme ich zügig voran, kurz vor Tsumeb nerven die vielen LKW’s, die nur langsam die Hügel hochklettern. Kurz nach Tsumeb halte ich nochmals an der Puma-Tankstelle, auch hier wird der Tank nochmals gefüllt, Geld aus dem ATM gezogen und dann geht’s schon weiter. Bereits beim Verlassen der Tankstelle fällt mir ein Polizei-Auto auf, das vielleicht 200 m entfernt Richtung Etosha steht. Ich halte mich also penibel an das Stopp-Zeichen, blicke brav nach rechts und links und dann geht’s los… Am Polizei-Auto geht’s vorbei, nichts passiert. Nach mehreren Kilometern sehe ich im Rückspiegel das Auto immer größer werden, dann wird auch noch das Blaulicht eingeschaltet – ok, mal schauen, was die von mir wollen…
Ich fahre links ran und warte – ein junger Officer steigt aus und kommt zu mir – die Fahrzeugpapiere und der Reisepass werden kontrolliert – alles ok. Plötzlich sagt der Mann, ich soll ihm zu seinem Auto folgen, wo er mir dann eine Liste mit „Verkehrsdelikten“ und den dazugehörigen Preisen vor die Nase hält – aha, ich kenne mich aus… Ich frage natürlich, welchen Fehler ich begangen hätte und er erklärt mir, dass ich ein Stoppzeichen überfahren habe – dagegen protestiere ich, denn das war definitiv nicht so; dann kommt er mit einer neuen Anschuldigung, nämlich dass ich einen herannahenden LKW missachtet hätte, indem ich knapp vor diesem die auf die Hauptstraße eingebogen wäre – auch da habe ich so meine Bedenken, denn der LKW war zumindest 200 m entfernt, eher mehr… Die ganze Zeit über war außerdem ein zweiter Officer im Auto anwesend, doch dieser saß auf der Rückbank und hatte eine Zeitung vor seinem Gesicht, sodass ich ihn nie sehen konnte… Natürlich weiß ich: Abzocke, nur was tun in diesem Fall… Zuerst verlangt er N$1500,-- von mir – ein doch etwas dreister Preis… Er erklärt mir, dass ich ihm zur nächsten Polizeistation in Oshivelo folgen könne, um dort zu bezahlen – nun weiß ich endgültig, dass der Kerl nur abzocken will, denn die nächste Station ist eindeutig in Tsumeb… Ich einige mich mit ihm auf N$ 400,-- (ohne Rechnung) und verlasse den Ort des Grauens… das war das erste Mal, dass mir so etwas passiert ist, bei meinen vielen Reisen ins Südliche Afrika. Mit dem Preis kann ich leben, natürlich ärgert mich die Angelegenheit, aber so ist es nun mal… also Achtung an alle auf diesem Streckenabschnitt, ein dünner, sehr großer, junger Officer mit schütterem Haar und Schnurbart wird sicher nicht nur mich aufhalten…
Knapp vor 14:00 Uhr fahre ich durch das Von Lindequist Gate in den Etosha Nationalpark, ich bin erleichtert, denn nun kann ich mich endlich wieder den Tieren widmen… Ich habe für zwei Nächte mein Quartier im NWR Camp in Namutoni gebucht und fahre dementsprechend direkt zur Rezeption und behebe meinen Zimmerschlüssel. Ich erhalte Chalet Nummer 12, das nicht weit vom Restaurant und dem Shop entfernt liegt. Auch die Reisetasche wird gleich abgestellt und der Fotorucksack auf dem Beifahrersitz bereitgelegt – jetzt kann es losgehen! Der erste Weg führt mich in nördlicher Richtung zum Wasserloch von Klein Okevi, wo einige Zebras herumstehen. Natürlich muss das erste Tier, das mir hier im Park begegnet, abgelichtet werden.
Hier treffe ich aber auch eine Rotschopflerche (Red-capped Lark), einige Kuhreiher (Western Cattle Egret) und einige Kaptäubchen (Namaqua Dove).
Ich warte ein wenig und als sich nichts weiter tut, mache ich mich auf dem Weg in nördliche Richtung. Hier sehe ich einen wunderschönen Schwalbenschwanz-Spint (Swallow-tailed Bee-eater) und ein Nachtflughuhn (Double-banded Sandgrouse).
Beim Wasserloch von Tsumcor, eines meiner liebsten im Park, gibt’s dann schon mal mehr zu tun…
Eine große Herde Elefanten hat sich eingefunden, immer mehr dieser Kolosse marschieren aus allen Richtungen hierher. Es ist erstaunlich, ich stehe mit meinem Wagen ganz allein vor Ort… Ich kann alles ganz genau beobachten, auch die Giraffen, die sich immer mal dazwischen blicken lassen, zunächst in einiger Entfernung verharren, dann aber doch näher kommen…
Es ist einfach großartig, diese gewaltigen Tiere aus nächster Nähe zu sehen, manche gehen wirklich ganz knapp am Auto vorbei, alles läuft sehr friedlich ab, es gibt absolut keine Hektik, selbst die Giraffen fühlen sich wohl… Eine Sabota-Lerche (Sabota Lark) sitzt auch vor Ort und beobachtet das Treiben. Zudem sehe ich ein Schnurrbärtchen (Scaly-feathered Weaver) und einen Hirtenregenpfeifer (Kittlitz’s Plover). Vielen Dank an Maddy und Kordula, die den kleinen gefiederten Freund als Maricoschnäpper (Marico Flycatcher) identifiziert haben.
Auch auf der Rückfahrt Richtung Namutoni treffe ich wieder auf einige Zebras, in der Zwischenzeit ist das Licht auch schon wieder wesentlich besser…
Ein Zimtspornpieper (African Pipit) steht malerisch auf einem Stein, eine Rotschopftrappe (Red-crested Korhaan) lugt aus dem dürren, hohen Gras und einige Elefanten ziehen Richtung Pfanne.
Ein Rothalsfalke (Red-necked Falcon) thront auf einem Ast
Bei Namutoni steht auch noch eine Giraffe, dazu beobachte ich einen weiteren Trauerdrongo und einige Rotkopfamadinen (Red-headed Finch)
Sehr zuvorkommend verhalten sich auch zwei Singhabichte (Southern Pale Chanting Goshawk), die ruhig auf ihrem Ast sitzen bleiben. Auf einem Ast nicht weit entfernt sitzt zudem ein Jungvogel.
Auf dem Weg nach Klein Namutoni läuft eine weitere Rotschopftrappe über die Pad, ehe wir das Wasserloch erreichen, das am Abend in besonders schönem Licht erstrahlt. Besonders interessant ist es, den Giraffen beim Trinken zuzusehen.
Nun geht es langsam zurück zum Fort Namutoni und zum Chalet. Das war ein erster sehr schöner Nachmittag im Etosha NP, der Vorfreude auf mehr weckt. Auch den kommenden Tag werde ich noch im Osten des Nationalparks bestreiten.