BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200613. Juni 2021 · #1Moin zusammen,
die folgende Frage hat so gar nichts mit Afrika zu tun, aber mit Reisen und einem Stück deutscher Kolonialgeschichte. Aus diesem Grund ist vielleicht jemand hier, der sich auskennt.
Damals gab es Deutsch-Neuguinea, wozu auch die Inseln des Bismarck-Archipels gehörten. Hier entstand damals die Kreolsprache Unserdeutsch, die auf deutschem Wortschatz und der Grammatik des Tok Pisin basiert. Die Sprache ist akut vom Aussterben bedroht. Einmal jährlich trafen sich die Sprecher dieser Sprache in Vunapope auf dem Bismarck-Archipel.
Weiß jemand von euch, ob es dieses Treffen noch gibt und wann es stattfindet? Eine meiner Reiseideen für die Zukunft ist ein Besuch des Bismarck-Archipels und dann möchte ich auch gerne dieses Treffen besuchen.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
hhdkram502 Beiträge · seit 201613. Juni 2021 · #2Hi Wolfgang, kann leider nichts für Dich zu diesem Thema beitragen. Deinen Plan finde ich SUPER und hoffe, dass Du bald die Informationen bekommst, die Du suchst.
Gruß, Dieter
Loona56 Beiträge · seit 201914. Juni 2021 · #3Hallo Wolfgang,
es gibt eine private Facebook Gruppe der Leute, die diese Sprache noch sprechen/erforschen:
https://www.facebook.com/groups/526317427512470Vielleicht kannst Du einen der Admins anschreiben.
Viele Grüße,
Kati
BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200614. Juni 2021 · #4Hallo Kati,
vielen Dank!
Da gibt es kaum noch 100 Leute, die diese Sprache sprechen, aber eine eigene Facebook-Gruppe. Auf die Idee wäre ich echt nicht gekommen.
Ich habe mal dorthin geschrieben und warte mal, ob eine Antwort kommt.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Loona56 Beiträge · seit 201915. Juni 2021 · #5Hallo Wolfgang,
Ich habe mich bei der Frage an eine Geschichte von meinem Vater erinnert. Er hat in den 70ern einige Zeit in Papua-Neuginea verbracht und ist dort auf einen einheimischen älteren Mann getroffen mit dem er sich auf deutsch unterhalten konnte.
Wer weiß, vielleicht war er aus Vunapope?
Auf jeden Fall ein interessantes Thema, ich hoffe Du hast Erfolg mit deiner Anfrage und es gibt diese Treffen noch.
Viele Grüße,
Kati
BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200615. Juni 2021 · #6Hallo Kati,
vermutlich lebt Dein Vater nicht mehr und so geht Geschichte nach und nach verloren.
Auch die Geschichte meiner Vorfahren geht langsam verloren. Ich habe zu spät begonnen, mich dafür zu interessieren.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Loona56 Beiträge · seit 201915. Juni 2021 · #7Hallo Wolfgang,
so ist es leider. Früher haben mich die Geschichten über seine Reisen nicht interessiert. Jetzt ist es halt zu spät.
Glücklicherweise habe ich viele Film- und Fotoaufnahmen davon.
Viele Grüße,
Kati
EUEulenspiegel148 Beiträge · seit 201816. Juni 2021 · #8Hallo Wolfgang,
in Deine Anfrage habe ich mich nur durch Zufall reingeklickt, bin in der Zeile verrutscht.
Diese Geschichte finde ich aber hochinteressant. Ich kann zu Deiner Anfrage die Sprache betreffend keine Auskunft geben, bin aber im Besitz einer wunderbaren Geschichte vom Bismarck-Archipel.
Meine Vorfahren besaßen in Ostthüringen zu dieser Zeit eine angesehene Fleischerei, deren Wurstspezialitäten über einen Hamburger Großhändler in "alle Welt" ging. Vor allem in die deutschen Kolonien.
Neben der Bezahlung für die Fleischwaren erhielten die Fleischer in unregelmäßigen Abständen auch "Erlebnisberichte" aus den Kolonien. Geschrieben wurden diese von den vor Ort für den Großhändler tätigen Agenten/ Kaufleuten.
Aus der Südsee liegt mir ein 15- seitiger, mit "Südseeleben - Ein Tag aus dem Leben eines deutschen Kaufmanns in der Südsee" überschriebener Bericht vor. Mit Schreibmaschine auf Durchschlagpapier geschrieben. Er ist hochinteressant und vermittelt einen guten Eindruck in das Denken und Handeln der dort tätigen Deutschen. Wenn Du Interesse hast, schick mir eine PN. Dann versuche ich einen Scan und versende es per Mail.
Gruß Till
brisen404 Beiträge · seit 201516. Juni 2021 · #9Hallo Wolfgang
ein sehr interessantes Thema hast du hier aufgeworfen. Ich wusste nicht, dass in der Südsee deutsch gesprochen wird. Da musste ich gleich im www surfen und habe folgende Infos gefunden.
https://www.germanistik.unibe.ch/forschung/projekte/unserdeutsch_rabaul_creole_german/index_ger.htmlWenn jemand Bescheid wissen sollte, ob und wann die Treffen stattfinden, dann bestimmt Prof. Maitz. Seine e-Mail-Adresse findest du beim Link unter dem Forschungsteam.
Ich werde auf alle Fälle deine Reisevorbereitungen interessiert verfolgen und bin schon auf einen kurzen Bericht nach deiner Reise gespannt.
Viel Erfolg bei den Recherchen.
P.S. vermutlich kennst du den Link zur Uni Bern schon 😉
BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200616. Juni 2021 · #10Hallo Till,
die Sache mit dem Bericht klingt interessant. Ich habe Dir per PN meine Mailadresse geschickt.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200616. Juni 2021 · #11brisen schrieb:
ein sehr interessantes Thema hast du hier aufgeworfen. Ich wusste nicht, dass in der Südsee deutsch gesprochen wird. Da musste ich gleich im www surfen und habe folgende Infos gefunden.
https://www.germanistik.unibe.ch/forschung/projekte/unserdeutsch_rabaul_creole_german/index_ger.html
Danke für den Link. Den kannte ich noch nicht.
Ich bin auch nur per Zufall auf die Sprache gestoßen, als ich in der Mediathek mal eine Doku über den Bismarck-Archipel gestoßen bin. Da ging ein guter Teil auch über die Sprache und einen Forscher, der versucht hat, die Sprache möglichst gut für die Nachwelt zu dokumentieren. Man versteht die Sprache auch, aber es klingt halt mit der entsprechenden Satzstellung und Grammatik bisschen ungewohnt.
Es gibt auch seltsame Bräuche (z.B. bei Totenfeiern) und Geisterglauben sowie Muschelgeld mit einem festen Wechselkurs zur offiziellen Währung. Das Muschelgeld darf auch jeder legal selbst herstellen. Und es gibt sehenswerte und oft unbewohnte Inseln dort. Das alles zusammen klang einfach interessant und spannend.
Ich werde auf alle Fälle deine Reisevorbereitungen interessiert verfolgen und bin schon auf einen kurzen Bericht nach deiner Reise gespannt.
Viel Erfolg bei den Recherchen.
Es gibt noch keine konkreten Planungen und ich warte damit, bis die Turbulenzen der jetzigen verrückten Zeit ein wenig abgeklungen sind.
Ideal wäre eine Kombination aus Radtour und der Möglichkeit, ein Seekajak zu leihen und das dann noch mit diesem Treffen in Vunapope zu kombinieren.
Aber ich habe noch so viele Reiseideen … in diesem Leben schaffe ich die gar nicht mehr alle.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200617. Juni 2021 · #12Hallo Kati,
Loona schrieb:
so ist es leider. Früher haben mich die Geschichten über seine Reisen nicht interessiert. Jetzt ist es halt zu spät.
Glücklicherweise habe ich viele Film- und Fotoaufnahmen davon.
das ist halt nur die eine Sache. Die Erzählungen gibt es halt nicht mehr und auch nicht die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Wenn Du Glück hast, gibt es wenigstens noch Tagebücher. Irgendwie finde zumindest ich es spannend, Geschichten aus der Zeit zu lesen, bevor man jeden Fliegenschiss vorab im Internet nachlesen konnte.
Mein (ehemaliger) Nachbar wird bald 96. Er ist wohl der letzte seiner Familie, der noch die Geschichte seiner Vorfahrin kennt, die 1872 als Frau alleine nach Namibia auswanderte. Ich habe damals ihr Grab in Okahandja besucht und für ihn fotografiert. Vor 150 Jahren war ihre Reise noch ein echtes Wagnis. Da wusste man nicht, was einen erwartete. In den 1970er Jahren war auch noch vieles nicht bekannt, wenn man loszog. Heute sind viele Reisen fast auf die Minute durchgeplant. Es hat sich viel verändert …
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
FLFrau Licht2 Beiträge · seit 202118. Juni 2021 · #13
BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200618. Juni 2021 · #14Ich habe das pdf-Dokument mal runtergeladen und kurz reingeschaut. Ob es weiterhilft, werde ich sehen, aber auf jeden Fall scheint es sehr interessant. Vielen Dank!
Gruß
Wolfgang
PS: Ich habe es gerade komplett gelesen. Sehr interessant. Ich wusste auch nicht, dass die Idee zu Pippi Langstrumpf auf eine Familie aus Papua-Neuguinea zurückgeht.
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Sabine261'394 Beiträge · seit 200918. Juni 2021 · #15BikeAfrica schrieb:Hallo Kati,
Loona schrieb:
so ist es leider. Früher haben mich die Geschichten über seine Reisen nicht interessiert. Jetzt ist es halt zu spät.
Glücklicherweise habe ich viele Film- und Fotoaufnahmen davon.
das ist halt nur die eine Sache. Die Erzählungen gibt es halt nicht mehr und auch nicht die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Wenn Du Glück hast, gibt es wenigstens noch Tagebücher. Irgendwie finde zumindest ich es spannend, Geschichten aus der Zeit zu lesen, bevor man jeden Fliegenschiss vorab im Internet nachlesen konnte.
Mein (ehemaliger) Nachbar wird bald 96. Er ist wohl der letzte seiner Familie, der noch die Geschichte seiner Vorfahrin kennt, die 1872 als Frau alleine nach Namibia auswanderte. Ich habe damals ihr Grab in Okahandja besucht und für ihn fotografiert. Vor 150 Jahren war ihre Reise noch ein echtes Wagnis. Da wusste man nicht, was einen erwartete. In den 1970er Jahren war auch noch vieles nicht bekannt, wenn man loszog. Heute sind viele Reisen fast auf die Minute durchgeplant. Es hat sich viel verändert …
Gruß
Wolfgang
Hallo Wolfgang,
ich habe vor einigen Monaten mal einen sehr interessanten Bericht über einen deutschen Piloten und seine Familie gesehen, die auf Papua leben. Das war - glaube ich - aus der Reihe Menschen-Länder-Abenteuer. Vielleicht findest Du das ja in der Mediathek, falls es Dich interessiert. Dort ging es auch kurz um Unserdeutsch, soweit ich mich erinnere.
Da Du diesen Thread „völlig off topic …“ genannt hast und die Geschichte mit der Frau erwähnst, die 1872 völlig alleine nach Namibia ausgewandert ist, erlaube ich mir - auch völlig off topic 😗 - nachzufragen, ob Du noch ein paar Einzelheiten zur Geschichte hast, wie es ihr ergangen ist, wohin genau sie in Namibia „gegangen“ ist, wie lange sie gelebt hat, etc. Finde ich unglaublich interessant und vor so viel Mut zu dieser Zeit, speziell als Frau, kann ich nur meinen Hut ziehen.
Viele Grüße
Sabine
BikeAfricaThemenstarter7'296 Beiträge · seit 200618. Juni 2021 · #16Sabine26 schrieb:
ich habe vor einigen Monaten mal einen sehr interessanten Bericht über einen deutschen Piloten und seine Familie gesehen, die auf Papua leben. Das war - glaube ich - aus der Reihe Menschen-Länder-Abenteuer. Vielleicht findest Du das ja in der Mediathek, falls es Dich interessiert. Dort ging es auch kurz um Unserdeutsch, soweit ich mich erinnere.
… ich schaue mal danach - Danke!
Da Du diesen Thread „völlig off topic …“ genannt hast und die Geschichte mit der Frau erwähnst, die 1872 völlig alleine nach Namibia ausgewandert ist, erlaube ich mir - auch völlig off topic 😗 - nachzufragen, ob Du noch ein paar Einzelheiten zur Geschichte hast, wie es ihr ergangen ist, wohin genau sie in Namibia „gegangen“ ist, wie lange sie gelebt hat, etc. Finde ich unglaublich interessant und vor so viel Mut zu dieser Zeit, speziell als Frau, kann ich nur meinen Hut ziehen.
Ich habe mich bei der Jahreszahl um ein Jahr vertan. 😉
Es soll sich ungefähr wie folgt zugetragen haben. Sie fuhr von Wiesbaden mit der Bahn nach Frankfurt (eine der ersten Bahnstrecken Deutschlands) und lernte im Zug einen Missionar auf dem Weg nach Namibia kennen. Sie blieben in Briefkontakt und 1-2 Jahre später folgte sie ihm. An Weihnachten 1871 kam sie in Walvis Bay an. Die Nachricht erreichte ihren künftigen Ehemann, der sie abholte. Januar 1872 erfolgte die Hochzeit in Okjimbingue. Im April reisten sie weiter nach Okahandja, wo sie wohl lebten und sich zumindest im Jahr 2000 noch ihr Grab befand - unweit der Gräber diverser Hereroführer.
Mitte 1879 starb sie im Wochenbett im Alter von 38 Jahren. Wie viele Kinder sie hatte, weiß ich nicht. Einen Nachfahren von ihr habe ich seinerzeit in Windhoek noch getroffen.
Gruß
Wolfgang
PS: schau mal hier:
https://www.ehringshausen.de/pdfs/geschichte/missionare-in-aller-welt.pdf?cid=de am Ende der 1. und Anfang der 2. Seite. Ein Foto vom Grab habe ich auch noch irgendwo …
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...