Wir laufen durch den Basar zurück, viele Stoffe, Schuhe, Pfannen, glitzernde Kleider (!!) usw., aber wenig Gemüse und andere Lebensmittal, aber natürlich vielerlei Gewürze. Auch hier kann man herrlich durchlaufen ohne dass jemand unbedingt etwas verkaufen will. Nur die Teppichhändler sprechen uns vorsichtig an, aber das sei ihnen verziehen.
Das trägt man unter dem Tschador!!
Natürlich gibt es auch einen Gold-Basar mit geschlossenen Räumen und eine große Teppichabteilung. Schöne Teppiche, echte Perser in schönen gedeckten Farben. Kenner können sehen, in welcher Stadt die Teppiche gemacht werden. Auch das verwendete Material unterscheidet sich von Stadt zu Stadt (Seide in Qom, (Angora)Wolle, Baumwolle oder eine Mischung in anderen Städten). Die Muster haben oft eine religiöse Bedeutung. Diese Teppiche sind übrigens das einzige, was man mit Kreditkarte bezahlen kann, da die Zahlung über Dubai erfolgt. Auch die Stoffe sind teilweise sehr schön mit eingewebten Silberfäden und feinen Mustern. Auch hier gibt es viele Nebengebäude, ehemalige Karawansereien, Badehäuser usw.
Teil 2230. Apr. 2021
Nach einer Tasse leckeren Espressos besuchen wir den Chehel Sotun Palast, auch Palast der 40 Säulen genannt. Vor dem Eingang befindet sich ein von 20 Säulen getragenes Holzdach. Es ist wunderschön geschmückt mit Intarsien.
Der Eingang selbst ist in einer Spiegelwand und auch die Decke über dem Eingang ist mit Spiegeln verziert, sodass man mit einer normalen Kamera ein Selfie machen kann.
Innen gibt es schöne Gemälde aus ungefähr 1650 mit Kampfszenen, aber auch friedlicheren Abbildungen. In einem Nebenraum Gemälde von jungen Frauen mit offenen Haaren aber gut gekleidet, kein Rubens hier!
Die anderen 20 Säulen befinden sich an den Seiten des Palastes.
Im gute besuchten Park stehen schöne alte Bäume und viele Rosen.
Teil 2330. Apr. 2021
Dann gehen wir zum Ali Qapu Palast auf dem Meydam-e Imam mit der schönen Veranda auf halber Höhe. Zur Erinnerung nochmal dieses Foto:
Die Terrasse mit einem von Holzsäulen getragenen Dach gibt einen schönen Blick auf den langgestreckten Platz, von hier aus hat der Schah den Polospielern zugesehen.
Hier sieht man gut die Grösse des Platzes und die Drehung der Moschee in die richtige Mekka-Richtung.
Dieser Palast stammt ebenfalls aus dem Jahr 1650. Im 6. Stock befindet sich ein Musikzimmer. Wände und Decke sind auf einzigartige Weise geschnitzt, was der Akustik zugute zu kommen scheint.
Und auch in diesem Palast gibt es eine schöne Kuppel
Und der Blick hinüber zur Privat-Moschee
Später gehen wir im Basar auf Suche nach einer Ölmühle, die wir nicht allerdings nicht finden.
Dann trinken wir einen Mojito (leider ohne Alkohol), abends essen wir nochmal ein tolles Steak mit leckeren Beilagen im Sharzad. Um 7 Uhr ist noch nicht viel los, die ersten Gruppen kommen nach uns. So haben wir Zeit nach dem Abendessen wieder zur Brücke zu gehen, wir genießen die Pracht noch einmal. 2 junge Männer rösten Maiskolben, die sie verkaufen.
Wir fahren mit dem Bus zurück, gerade als wir im Hotel ankommen fängt es wieder an zu regnen! Wir bezahlen unser Zimmer und bestellen für morgen früh 3 Uhr ein Taxi. Wir haben noch 200.000 Rial übrig, haben den Umtausch also gut eingeschätzt.
Teil 2430. Apr. 2021
Rückflug nach Amsterdam
Der Wecker klingelt um 2.45 Uhr und wir werden auch von der Rezeption geweckt: Sie klopfen an die Tür und machen das Licht im Zimmer an. Der Lichtschalter ist bei unserem Zimmer nämlich draußen! Das Taxi entpuppt sich als Privatwagen einer Angestellten des Hostels, auch der 13-jährige Sohn ist von der Partie. Wir haben ihn schon hinter dem Computer an der Rezeption gesehen, er gab die Daten aus den Pässen ein. Er sagte dass er sein Englisch üben will und deshalb dort arbeitet. Er ist jetzt auch dabei da seine Mutter keine Englisch spricht. Innerhalb von 20 Minuten sind wir am Flughafen, ich muss durch den Eingang für Frauen zur Sicherheitskontrolle, die Frau, die mich kontrollieren soll, schläft mit den Beinen auf dem Tisch und hört mich nicht mal.
Wir fliegen pünktlich ab, gutes Essen mit warmen Sandwiches und Rührei, dann schlafen wir, bis wir um 8 Uhr Ortszeit in Wien landen. Wir fahren mit dem Zug ins Zentrum, trinken einen guten Wiener Kaffee und gehen dann zur Albertina, da ist ein Schiele Ausstellung. Wirklich ein Kulturschock…! Wir schlendern ein bisschen durch die Stadt, fahren den Alkoholspiegel etwas hoch und dann sind die 7 Stunden auch schon wieder um. Wir landen pünktlich in Amsterdam, der Zug kommt schnell und da unsere Fahrräder auch noch am Bahnhof stehen sind wir schnell zu hause. Wir sind es gewöhnt unsere kleinen Koffer auf dem Gepäckträger zu transportieren. Es war eine schöne und interessante Reise, die 10 Tage waren für uns gerade richtig.
Mit einem vom Internet geklauten Foto endet dieser Bericht. Ein Fazit volgt noch.
Teil 2501. Mai 2021
Fazit
Wenn man eine Reise plant liest man Reiseführer und eventuell Reiseberichte, schaut man Fotos von Sehenswürdigkeiten und Hotels an und weiss man Bescheid über die Reisemöglichkeiten im Lande. Und dann ist man da und ist immer alles anders: die Weite der Natur, die Grösse und Pracht der Bauten, die Schönheit des Landes, die Gerüche und Geräusche vermitteln Fotos und Berichte nicht.
In diesem Falle waren wir überrascht von den wirklich atembenehmenden Bauten in Isfahan und der Schönheit der Bauten und Gassen in Yasd und Kashan.
Worauf wir bei dieser Reise überhaupt nicht vorbereitet waren war die unwahrscheinliche Freundlichkeit, Offenheit und Ehrlichkeit der Menschen die wir trafen. Wir hatten genug Zeit um uns einfach hinzusetzen und zu schauen und wurden immer angesprochen von jemandem, der neugierig war nach uns oder von sich selbst erzählen oder etwas erklären oder zeigen wollte (oder uns mit Kuchen versorgte). Man war auch sehr interessiert in unseren Eindrücken von Land und Leuten, oft wurden wir gefragt wie man in unserem Land über den Iran berichtet. Natürlich war man erfreut wenn wir unsere Begeisterung zeigten. Es war keine Schönfärberei was uns erzählt wurde, allerdings haben wir uns aus politischen Gesprächen herausgehalten. Dank dieser Erfahrung wird uns diese Reise immer besonders in Erinnerung bleiben. Nicht eine Minute haben wir uns unsicher gefühlt.
Mit unserer Route waren wir im Nachhinein sehr zufrieden: Kashan war gut zum Eingewöhnen und für erste Eindrücke, Yazd als Wüstenstadt sehr schön und interessant und Isfahan ein phantastischer Höhepunkt. Keines der 3 hätten wir missen wollen. Wir haben nicht bereut, Teheran ausgelassen zu haben. Die 10 Tage waren für diese 3 Orte und Umgebung gerade richtig: genug Zeit um alles in Ruhe anzuschauen und nicht zu lange um Langeweile aufkommen zu lassen.
Wir probieren immer Räder zu mieten, weil man dann mehr sieht als zu Fuss und meist netten Kontakt mit den Menschen bekommt. Dass dies auch hier gelang war eine Bereicherung.
Man kann problemlos im Iran allein reisen. Mit einer Reisegruppe sieht man unter Umständen die eine oder andere Moschee mehr, aber wir haben die Erfahrung dass man allein reisend ein Land besser oder intensiver erlebt. Man erfährt wie die öffentlichen Verkehrsmittel funktionieren, hat Zeit für Begegnungen, muss selbst sehen wie man seine Reise organisiert bekommt. Dadurch schnuppert man etwas am täglichen Leben in einem Land das man als Tourist besucht. Auch das macht für uns den Reiz des Reisens aus. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Hoffen wir dass wir bald wieder (virus)frei reisen können 🙂