Hier möchte ich kurz die Eindrücke unserer selbstorganisierten Stippvisite im Iran schildern. Einige Fomis hatten Interesse bekundet, vielleicht interessiert es ja andere auch.
Wir sind Mitte 60, organisieren unsere Reisen selbst und reisen in aussereuropäischen Ländern bevorzugt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, um Land und Leute besser kennenzulernen. Wir übernachten in Budgethotels da wir unsere Reisekasse lieber an andere Dinge ausgeben, legen nicht viel Wert auf eigenes Bad, aber für Schlafsäle sind wir dann doch zu alt 🙂 .
Route
Wir hatten uns für eine Schnupperreise Iran entschieden, mal in 10 Tagen Land und Leute erleben und schauen ohne nun alles gleich abzuklappern. Wie immer ist das schwierigste, Dinge wegzulassen (wenn wir dann doch schon mal dort sind, müssten wir doch auch….). Wir wollten natürlich nach Isfahan, Kashan wählten wir wegen der schönen Kaufmannshäuser und Yasd wegen der schönen Lehmhäuser. 3 völlig verschiedene Städte mit Möglichkeiten in der Umgebung interessante Dinge zu sehen. Wir haben noch geliebäugelt mit Persepolis und Shiraz, aber dafür hätten wir mehrere Tage extra einplanen müssen. Hier sieht man unser Reise rot=Bus, blau=Bahn.
Teil 208. Apr. 2021
Geld
Wenn man in den Iran reisen will ergeben sich einige praktische Schwierigkeiten, die man sonst eher weniger hat. Man kann nämlich durch den Bankenboykott in Iran weder Geld abheben (Bank oder Automat) noch mit Kreditkarte bezahlen. Ebenso wenig kann man Hotels vorher bezahlen, sodass eine Reservierung zwar möglich, aber nicht bindend ist. Man muss dann jeweils am Vortag das Hotel anrufen, um die Reservierung zu bestätigen. Bei der Einreise muss man aber eine bindende Hotelreservierung vorlegen… Das letzte war dann doch relativ einfach, wir haben ein Hotel in Kashan reserviert und sie haben uns die Bestätigung geschickt. Die Zahlung kam dann vor Ort.
Schwieriger gestaltet sich dann schon die Einschätzung, wieviel Geld man in BAR mitnehmen muss. Man muss also ungefähr wissen, wieviel ein Essen, Eintrittsgelder, Hotels, Fahrkarten usw. kosten. Und die eiserne Reserve! Da haben mir Reiseberichte die ich im Internet fand sehr geholfen. Ich glaube, dass man - wenn alle Stricke reissen - bei den Teppichhändlern oder in Luxushotels mit der Kreditkarte Geld bekommen könnte, aber das ist dann sicher mit einem sehr schlechten Kurs verbunden, wir haben es gottseidank nicht probieren müssen.
Kleidung
Die Kleidungsvorschriften für Frauen sind sehr deutlich: bedeckte Haare , Beine und Arme, keine körperbetonte Kleidung. Nun bin ich keine Modepuppe und fand dies sehr praktisch, da braucht man nicht so viel mitzunehmen! Ich legte mir 2 weite Baumwollblusen mit langen Ärmeln zu, Schals habe ich genug, lange Hosen auch. Des Weiteren feste Schuhe und Sandalen (sind gestattet!). Und für kühle Abende eine Fleecejacke.
Sonstiges
Ein Visum erhält man vor Ort, auf der Police der Krankenversicherung muss explizit Iran stehen.
Die Flugtickets gestalteten sich einfach, es fliegen nicht so viele Maschinen nach Isfahan, eine Landung 4 Uhr früh mussten wir in Kauf nehmen. Da hatten wir nicht viel Auswahl.
Als Reiseführer legten wir uns das Kapitel „Central Iran“ von Lonely Planet und den Iran-Reiseführer vom Know-How-Reiseverlag zu. Mit den beiden kamen wir sehr gut zurecht.
In den 3 Städten reservierten wir Hotels und bekamen auch die Bestätigungen, was sie wert sind wird sich dann vor Ort zeigen. Ich hatte mich noch kundig gemacht über eine Tour (Auto mit Chauffeur) für die Umgebung van Kashan und eine nette kleine Agentur mit Englischsprachigem Führer gefunden. Die hatte ich auch reserviert.
Es kann losgehen!
Teil 309. Apr. 2021
Der Anfang - Ankunft im Iran
Wir starten am 21. April 2017 früh von unserer Heimatstadt Amsterdam nach Wien, haben dort 8 Stunden Aufenthalt und fühlen uns in der schönen Stadt wieder sehr wohl, schlendern herum und trinken bei sonnigem, aber kaltem Wetter auf der Freyung vor der Schottenkirche auf einem Markt biologischen Wein. Es sollte für 10 Tage der letzte sein…
Dann geht es endlich weiter, ruhiger 4 stündiger Flug, die Maschine ist locker besetzt mit vor allem Iraniern und Reisegruppen. Kurz vor der Landung (4 Uhr morgens) werden die Frauen daran erinnert, dass sie beim Aussteigen ein Kopftuch tragen müssen. Der Kapitän verabschiedet sich mit: "Freuen Sie sich auf ein tolles Land!“ Na da wächst die Freude doch gleich noch mal, obwohl ich auch etwas aufgeregt bin übere unsere bevorstehende erste Begegnung mit den Vertretern des Staates Iran und über die Frage wie wir an Geld für Taxi und Bus kommen werden. Wir konnten ja im Vorfeld kein Geld wechseln und die Bank auf dem Flughafen ist noch geschlossen.
Die Zeitumstellung beträgt 2½ Std. Iran wollte nicht 2 Zeitzonen im Land und hat die Mitte gewählt. Auch das ist ein novum für uns.
Wir gehen zum Visumschalter, um unser "Visum on arrival“ zu erhalten. Die meisten Gruppenreisenden haben bereits ihre Visa. Wir werden zuerst genau begutachtet, die Krankenversicherungserklärung sehr gründlich studiert, es muss wirklich drin stehen, dass IRAN gedeckt wird ("all world“ reicht nicht!). Andernfalls muss man hier eine Versicherung für 15 € pro Person abschließen. Auch müssen wir 2 Passfotos abgeben und wird unsere Hotelreservierung angesehen. Ich habe gelesen dass die Beamten durchaus auch im Hotel anrufen um zu checken ob die Reservierung stimmt.
Der Beamte mit dem Visumstempel ist sehr freundlich er lädt uns gleich in sein Büro ein. Er spricht sehr gut Französisch und wir unterhalten uns eine Weile, aber wir bleiben (völlig zu Unrecht!!) auf dem Quivive.
Da die Bank auf dem Flughafen noch zu ist bietet er an, mit uns Geld zu tauschen und will uns beim Ausgang treffen. Der Passkontrolleur kommt dann, um zu sehen, ob das Visum nun endlich mal ausgestellt ist, denn wir sind die letzten und er will nach hause. Das entnehmen wir seiner Körpersprache, denn Farsi sprechen wir leider nicht… (Das Visum sollte uns übrigens 2019 einiges Kopfzerbrechen bereiten als wir von Jordanien nach Israel reisen wollten. Die Israelis sind nicht begeistert von Besuchern, die auch im Iran gewesen sind.)
Nun, endlich sind wir durch, unser Visumfreund steht tatsächlich vor dem Flughafengebäude und wir erhalten unsere ersten Tausende Rial zu einem prima Kurs. Er begleitet uns zum Taxi, arrangiert die Fahrt zum Busbahnhof und entschuldigt sich, dass er uns nicht selbst hinbringen kann! Das haben wir wirklich noch nie erlebt. Sein Kollege im Visumkabuff fand es übrigens sehr schade, dass wir bereits ein Hotel in Kashan gebucht hatten (es ist nota bene obligatorisch, eine Hotelreservierung zu haben!), sonst hätten wir bei seiner Familie übernachten können.
2017 waren 100000 Rial (IRR) 2,50€. Preise werden oft in Toman angegeben, wobei 1 Toman 10 Rial sind. Man muss also laufend auf die Nullen aufpassen! Wir sprachen immer von KiloRial...
Ab dem nächsten Beitrag gibt’s dann auch Bilder, bisher durften wir noch nicht fotografieren 🙂
Teil 409. Apr. 2021
Auf nach Kashan
Am Busbahnhof werden wir von einem Schalter zum anderen gelockt, aber alles geht sehr fröhlich zu. Wie in vielen Ländern gibt es hier mehrere Busgesellschaften mit eigenem Schalter, aber welcher ist richtig für uns? Wir sind hier Analphabeten!
Wir kaufen Tickets nach Kashan (die wir natürlich nicht lesen können …), die Busse sind voll, sodass wir 1½ Stunden warten müssen. Das ist nicht so schlimm, wir kaufen in einem kleinen Restaurant Tee und beobachten die Ankunft der gut aussehenden Busse und das Treiben hier.
Der Ticketverkäufer hat einen großen Verband um seine Nase und ich habe etwas Mitleid mit ihm. Später erfahren wir, dass viele Leute kosmetische Korrekturen vornehmen lassen und werden wir noch viele verbundene Nasen sehen! Ein Junge fragt, ob wir Hilfe brauchen, er spricht kein Wort Englisch und lässt sein Smartphone übersetzen. Nett!! Viele Frauen sind SEHR schwarz verhüllt.
Im Bus schlafen wir ein, aber ab und zu sehen wir die Landschaft: hauptsächlich Berge, braune Erde, wenig Vegetation, keine Tiere oder Menschen. Die Landschaft reißt uns nicht vom Hocker, trotzdem probiere ich wach zu bleiben.
Nach 2½ Stunden sind wir in Kashan und nehmen ein Taxi zum Hotel „Ehsan House”. Es befindet sich in einem historischen Haus unweit des Basars. Der Fahrer geht mit uns zur Rezeption, um zu sehen, ob wir tatsächlich richtig sind. Überraschenderweise müssen wir vom Straßenniveau einige Stufen hinuntergehen, und erreichen dann erst die Rezeption und nach weiteren Stufen den Innengarten. Diese Art Häuser sind um einen großen Innenhof gebaut. Wir erfahren, dass es hier im Sommer sehr heiß wird und man deshalb die Häuser „eingegraben” hat. Der 2. Stock ist dann in etwa auf Straßen Niveau.
Teil 510. Apr. 2021
Unser Zimmer ist noch nicht fertig und wir ruhen uns erst etwas auf den breiten Bänken im Garten aus, später machen wir einen ersten kleinen Rundgang. Die Leute sind sehr freundlich, Männer und Kinder rufen ”welkom” und ”hallo”. Wir kaufen ein paar süße und noch warme Brötchen und vertun uns natürlich mit den vielen Nullen. Außerdem haben wir keinen blassen Schimmer eines Preises. Der Verkäufer amüsiert sich und gibt mir das viele Wechselgeld.
Im Hotel ist Tee frei und ständig erhältlich, die Frühstücksküche mit dem Samowar darf von den Gästen genutzt werden. Jetzt am frühen Nachmittag ist alles geschlossen, es ist wirklich auch zu heiß, um viel zu unternehmen. Kashan hatte im 11.-13. Jhd. eine große Bedeutung als Handelsstad und war wichtig für die Herstellung von Textilien, Keramik und glasierten Fliesen. Im Holländischen heißt Fliese ”kachel”, dieser Name ist tatsächlich von Kashan abgeleitet, auf Persisch heißen sie Kashi oder Kaschani.
Heute ist Kashan ein wichtiger Herstellungsort von Textil, Rosenwasser und Teppichen. Kenner erkennen an Motiv, Material und Weise des Knüpfens den Herstellungsort von Teppichen. Davon haben wir keine Ahnung, aber auch nicht vor, einen zu erwerben.
Um 5 Uhr ist die Wechselstube im Bazar offen, der Kurs ist viel besser als der mir bekannte!
Wir werfen einen Blick auf eine Koranschule und die Häuser wohlhabender Kaufleute aus dem 18./19. Jahrhundert. Morgen werden wir sie von innen betrachten.
Die historischen Häuser haben Windtürme (badgir) als Klimaanlage. In einem Windturm befinden sich mehrere senkechte Kanäle. Der Wind bläst in einen Kanal, diese Luft strömt in den Turmfuss. Durch einen anderen Kanal strömt die Luft dann wieder nach oben und nimmt die kühle Luft aus dem Keller mit in dem sich oft auch ein kühles Wasserbassin befindet. So wird bei Wind das Haus gekühlt. Es wirkt (wenn auch weniger gut) auch ohne Wind, da die erwärmte Luft durch den Turm nach oben strömt und dann ebenfalls die kühle Luft mitnimmt. Wenn man unten an einem Turm steht fühlt man die Zugluft. Der Windturm des Tabatabi-Hauses steht auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.
Wir trinken Kaffee und Tee bei einem netten Jungen an einem kleinen Stand auf der Straße und kaufen ein paar Pistazien und 2 schöne Fliesen in einem kleinen Laden.
Viele Türen der Häuser hier haben 2 Klopfer. Eine für weibliche und eine für männliche Besucher. So kann die Frau des Hauses am Klopfen hören ob sie sich schnell ein Kopftuch umbinden muss. Bei weiblichem Besuch ist das ja nicht nötig… Vielleicht darf sie einem männlichen Besucher ja auch nicht öffnen?
Auf dem Heimweg kaufen wir ein paar Säfte, sie nennen dies hier alkoholfreies Bier! Die Temperatur ist jetzt ganz angenehm.
Unser Zimmer ist jetzt fertig und sehr geräumig und birgt eine Überraschung: wir haben 2 ineinander übergehende Zimmer mit Sitzbänken und vielen Teppichen, aber dann muss man gebückt durch einen etwa 1,40 m hohen Tunnel laufen um ins Schlafzimmer zu gelangen. Das ist wie eine Katakombe, sehr hoch mit einem grossen Licht- und Luftloch oben. Es gibt natürlich auch Zimmer in den oberen Stockwerken, die im 2. Stock sind auf Straßen Niveau, dort hört man die Mopeds natürlich sehr laut.
Die Duschen sind vom Innenhof aus erreichbar, man muss sich also erst ein Kopftuch umbinden… Viele Gäste tun dies nicht, aber ich halte mich einfach an die Regeln des Landes.
Wir sehnen uns nach einem Drink, denn dieses „Bier” ist auch süß! Im Hotel kocht man auch, wir essen Fesenjan: ein Gericht mit Walnüssen und Granatapfelkernen. Lecker! Man sitzt zum Essen auf dem breiten Bänken im Garten, an das Sitzen darauf muss man sich gewöhnen, sie sind sehr tief und man muss dann die Beine irgendwie unterbringen. Am besten eignen sie sich zum Liegen… Die Iranier sitzen auf dem Boden oder auf den Bänken im Schneidersitz, aber das finden wir nun nicht so bequem. Glücklicherweise gibt es auch ein paar normale Tische und Stühle. Wir schlafen sehr ruhig in unserer Katakombe.
Teil 611. Apr. 2021
Ausflug nach Abyaneh und Natanz
9 Uhr frühstücken wir mit Fladenbrot, Ei, Frischkäse, Marmelade, Wassermelone und Tee.
Heute machen wir einen Ausflug zu einem Dorf und einer schönen Moschee.
Wir bitten die netten und hilfsbereiten Damen an der Rezeption Zugtickets nach Yazd für uns zu kaufen (die Züge sind oft ausverkauft). Übermorgen wollen wir weiter. Man könnte auch mit dem Bus fahren, aber wir wollen auch die Bahnfahrt ausprobieren. Außerdem ist dies schneller und bequemer.
Um 10 Uhr fahren wir mit unserem Fahrer von “Free Irantours” los. Ich hatte dieses Reisebüro gewählt, weil alle gut Englisch sprechen, aber es wird ein Fahrer geschickt, der kein Wort “über die Grenze” spricht (wie wir Holländer sagen). Dann hätten wir auch einfach einen Taxifahrer von der Straße nehmen können! Er muss zuerst tanken, man kann an der ersten Tankstelle nur Gas tanken, später kauft er bei einer anderen Tankstelle auch noch Benzin.
Die Landschaft ist sehr steinig, nur ein paar harte Grasbüschel wachsen hier. Später schmale Flussbetten, Bäume und Dörfer. Wir fahren an einer verfallene Lehmburg auf einem felsigen Plateau vorbei.
Wir sehen einen hohen Berg mit Schneeresten im Hintergrund.
Wir passieren die Atomanlage in der Nähe von Natanz und der Fahrer erklärt uns dass fotografieren hier gefährlich ist: er macht die Handbewegung für Fotografieren und dann die Handbewegung für Kopfabschneiden, alles klar!! Es steht auch in jedem Reiseführer und entlang der Straße stehen viele Verbotsschilder. Das Gelände wird von Panzern und Flugabwehrgeschützen bewacht. Hiervon kann ich leider kein Foto bieten…
Unser erstes Ziel ist das Dorf Abyaneh, wir erreichen es nach etwa 1 Std. Es liegt in etwa 2200m Höhe und besteht schon seit reichlich 1500 Jahren. Wir müssen eine Eintrittsgebühr für das Dorf zahlen. Es ist ein altes Bergdorf, die roten Häuser aus Adobe (Mischung van roter Erde aus der Gegend hier und Stroh) ziehen sich am Hang hoch, um bei Flut sicher zu sein und um den kostbaren Boden des fruchtbaren Flusstales für Landbau nutzen zu können.
Die Einwohner hier hingen nach der Islamisierung noch lange der Lehre Zarathustras an und tragen keinen Tschador, sondern Kopftücher mit Blumenmotiven. Das sieht doch wesentlich freundlicher aus! Man spricht hier anscheinend einen alten Dialekt, aber für uns hört sich das ja alles gleich an… Die Häuser stapeln sich versetzt den Hang hinauf sodass die Fusswege teilweise über das Dach des darunterliegenden Hauses gehen. Leider sind einige Dächer jetzt zum Schutz mit einer Art Silberfolie bedeckt, das stört den Blick des touristischen Auges etwas. Die Imamzadeh-ye Yahya hat ein schönes blaugefliestes Kegeldach. Einige der Häuser haben schöne Balkone. Viele alte (meist zahnlose) Frauen haben sich sehr pittoresk auf der Straße stationiert und verkaufen touristischen Schnickschnack und getrocknete Früchte.
Auf der anderen Seite der Zufahrtsstraße laufen wir durch die weniger von Touristen frequentierte schmalen Straßen mit blühenden Bäumen, sehen einen Mann mit Esel und eine Frau mit dem für hier typischem Blumenkopftuch.
Der Fahrer hat Tee mit, dann fahren wir weiter nach Natanz.
Teil 712. Apr. 2021
Wir fahren also weiter nach Natanz.
Hier besuchen wir die schöne Freitagsmoschee (14. Jhd.). Das Eingangstor zum ehemaligen Kloster hat ein schönes Tor mit Verzierungen aus blauen Fliesen, der Komplex ein hohes Minarett und einen Turm über der mit Stuck verzierten alten Grabkammer. Das fotografieren war hier wegen der Lichtverhältnisse schwierig, weil sich eine grosse schöne Platane vor dem Eingang befindet.
Dann fahren wir zurück nach Kashan, auf der Autobahn sind hauptsächlich LKWs und Busse unterwegs. Die Abfahrten sind wirklich schlecht angegeben! Plötzlich biegt unser Fahrer von der Autobahn auf eine Art Feldweg ab, der uns nach Kashan führt. Wenn man alleine unterwegs ist, braucht man eine gute Karte.
Hier kann man doch gleich mal die Zahlen lernen.
Mustafa von Irantours ruft mich an, ich brauche nur 20€ anstatt 30€ zu zahlen, weil kein englischsprachiger Fahrer verfügbar war. Das war wirklich schade, weil wir uns auf Gespräche und Erläuterungen gefreut hatten. Trotzdem war es ein sehr schöner und interessanter Ausflug. Wir geben dem Fahrer natürlich trotzdem ein Trinkgeld. Wenn er uns bei der Atomanlage nicht so ausdrucksstark gewarnt hätte….
Teil 813. Apr. 2021
Kashan am Nachmittag
Nach einer kurzen Pause im Hotel machen wir uns um 4 auf den Weg zu einem wunderschönen alten Badehaus aus dem 16. Jh. Wir bewundern die schönen Kuppeln, Fliesenarbeiten und andere Verzierungen in den Räumen. Ich kann mir vorstellen, dass es Spass gemacht hat, hier zu baden. Da sieht unser Bad zu hause doch sehr bescheiden aus!
Wir lernen eine Menge über die Hamams im Iran: weil dies der einzige Ort war wo man nackt war, wurden Mütter und Schwestern geschickt, um eine geeignete Heirats-Kandidatin für den Sohn/Bruder zu finden, die Väter und Söhne um einen Mann zu suchen. Männer gingen zuerst bei Sonnenaufgang ins Badehaus damit sie sauber geschrubbt beten konnten, die Frauen später am Tag. Es gab auch Fussbodenheizung, denn der Dampf wurde in Röhren unter den Fußboden geleitet. Diese schmalen Röhren wurden von Katzen sauber gehalten, die man durch die Rohre jagte. Ein Ansager kündigt an, wenn das Wasser heiß genug war.
Es ist auch schön, auf dem Dach mit den vielen Kuppeln mit kleinen runden Fenstern zu stehen, man sieht auch die Türme der Stadt.
Dann laufen wir zum Borujerdi-Haus, einst für die Tochter des Nachbarn Tabatabei gebaut. Der fand, dass sie nach ihrer Heirat in einem genauso schönen Haus wie zu Hause leben sollte. Hier sind sogar Gemälde an den Wänden und sehr schöne Gipsverzierungen. Diese alten Kaufmannshäuser sind in den letzten 40 Jahren sorgfältig restauriert worden. Bedauerlicherweise werden die Einnahmen aus Ticket- und Souvenirverkauf der Häuser nach Teheran geschleust und nicht für den Erhalt der Häuser oder anderer Denkmäler in Kashan genutzt. Es sind schöne große Wohnkomplexe mit Winter- und Sommerzimmern, Arbeitsräumen, mehreren Innenhöfen auf unterschiedlichem Niveau mit Wasserspielen und schönen Bäumen und Blumen. Einige Zimmer sind mit Spiegeln oder Stuck verziert, der häusliche Teil wurde vom geschäftlichen getrennt. Sie wussten zu leben! Ein Teil des Borujerdi -Hauses wird noch von einem Nachfahren bewohnt und ist nicht zugängig. Wir besuchen auch das Haus von den Tabatabais, diese Häuser liegen auch unter dem Strassenniveau.
Dann spazieren wir zu den Resten der alten Stadtmauer, hier gibt es auch ein Eishaus (Yakhchal). Es besteht aus einem riesigen Lehmkegel über einer mehreren Meter tiefen Kuhle. Hier wurde im Winter Eis eingelagert, das sich bis zum Spätsommer hielt. Leute konnten hier Eis zur Kühlung von Lebensmitteln holen. Eishäuser sind im 4.Jh v.Chr. von den Persern erfunden worden, dieser hier ist allerdings nicht so alt! Eine Frau in einem Niqab schwingt ihre Kinder auf einer Schaukel auf dem Spielplatz. Das Tragen eines Niqabs erscheint mir nicht angenehm. Man ist dann doch recht abgeschlossen von seiner Umwelt.
Wir gehen zurück zum Basar und trinken Tee in der alten Karawanserei. Später relaxen wir im Hotel, schreiben Tagebuch, lesen. Tagsüber ist es ziemlich warm, abends sind die Temperaturen angenehm. Die Bahntickets liegen für uns bereit, wir bitten die Rezeption das Kalout Hostel in Yazd anzurufen um unsere Reservierung zu bestätigen. Wir hatten nie eine Antwort auf unsere mail bekommen, aber sie bestätigen nun unsere Reservierung. Unser Hotel ist ziemlich voll, heute ist eine Gruppe Österreicher angekommen. Die Gruppe ist seit 3 Wochen unterwegs, sitzt jeden Tag mehrere Stunden im Bus und ist daher nicht so begeistert von der Reise. Das Hotel vermietet auch Fahrräder und wir reservieren zwei für morgen. Am Abend essen wir wieder hier, das ist am Einfachsten und es schmeckt prima.
Teil 914. Apr. 2021
24. April: Ausflug zum Garten Baq-e Fin und Kashan
Um 10 Uhr wollen wir mit den Rädern losfahren, aber es stellt sich heraus, dass sie noch nicht in Ordnung sind, eine Junge wird losgeschickt um sie zu fixen. Das gelingt glücklicherweise schnell und wir folgen dem jungen Mann aufs Dach wo die Räder stehen. Wir haben lange Beine, aber selbst für uns sind die Stufen hier hoch und schmal. Es sind Mountainbikes und wir müssen natürlich die Sattel erst einmal auf den höchsten Stand bringen, dann macht der Junge das Tor auf und wir fahren vom Dach aus auf die Straße. Wir sind wieder erstaunt, wie tief der Innenhof liegt!
Ich setze den Helm auf, praktischerweise hält er auch gleich meinen Schal fest. Erst trinken wir Kaffee in einem kleinen Laden am Hamam, der junge Mann hier verkauft einen prima Cappuccino. Er erkennt uns von gestern und will wissen wo wir denn hinwollen. Leider ist sein Englisch nur sehr rudimentär. Dann radeln wir an der Stadtmauer entlang und sehen durch eine Öffnung grüne Felder und das Bujudheri-Haus.
Wir radeln auf einer belebten Straße zu den Gärten Baq-e Fin. Auf dem Weg verkauft man Melonen direkt aus dem Auto, es gibt auch Gemüsestände usw. Die Leute reagieren sehr nett auf uns, wir sehen nur freundliche Gesichter. Besonders die Frauen lachen mir zu mit meinem Tuch und Fahrradhelm, obwohl von Frauen nicht erwartet wird, dass sie im Iran Fahrrad fahren. Wir sehen wenig Radfahrer und schon gar keine Frau.
Der Garten wurde im 14. Jhd als ein persischer Paradiesgarten angelegt und später mit Gebäuden erweitert. Erdbeben führten zum Einsturz der Gebäude, jetzt ist er wieder schön restauriert. Komplett eingezäunt von einer hohen Mauer, es gibt viele Wasserläufe, Brunnen, verschiedenartige Bäume (Zedern!), Apfelsinenbäume, Blumen. Unter den Gebäuden ist auch ein Hamam wo Ende des 19.Jh. ein politischer Mord stattgefunden hat. Dies scheint in Hamams häufiger vorgekommen zu sein, man ist ja nackt ziemlich wehrlos. Der Garten kann so grün gehalten werden weil es in der Nähe eine Wasserquelle gibt.
Vor dem Garten gibt es viele Geschäfte mit Rosenwasser, einer Spezialität von Kashan. In der Nähe der Stadt gibt es riesige Rosenplantagen, die genau wie der Garten hier gut bewässert werden können. Kashan zählt nicht umsonst zu den Oasenstädten!
Nach einer Tasse Tee radeln wir zurück.
Unterwegs befindet sich noch eine farbenfrohe Moschee im Bau. Es werden auch große Villen gebaut, natürlich hinter Schutzmauern.
Um halb zwei sind wir zurück im Hotel, auf dem Weg spricht ein Junge uns an, er möchte unser Führer durch die Stadt sein, aber dazu haben wir nicht so viel Lust. Nett gemeint, aber er spricht nur wenig Englisch. In einem Laden finden wir sogenanntes Baltic Beer, das ist wenigstens nicht süß!
Die Räder liefern wir wieder ab, es hat Spass gemacht! Heute bekommen wir ein anderes Zimmer, denn wir haben eine Nacht verlängert. Also ziehen wir um in den 2. Stock mit Bad! Jetzt brauchen wir nicht mehr zu unseren Betten zu kriechen… Dafür müssen wir jetzt steile Stufen hochklettern zum Zimmer und haben den Straßenlärm vor dem Fenster. Es ist aber nicht so schlimm. Später wollen wir zum Basar und noch etwas durch die Stadt schlendern. Morgen geht es ja weiter!
Teil 1015. Apr. 2021
Später am Nachmittag gehen wir zum Basar. Er ist sehr schön und es ist so wohltuend hier ruhig bummeln zu können, niemand will uns etwas aufdringen, man nickt uns freundlich zu. Was für eine Wohltat. Das haben wir in anderen Ländern ganz anders erlebt.
Der Basar besteht schon seit 800 Jahren, die Hauptgebäude sind aus dem 19. Jh. Wir betrachten eine ehemalige Karawanserei mit einer schönen Kuppel, das Badehaus tut nun Dienst als Teestube.
Hier gibt es keinen Touristenkitsch, Kashan ist keine Stadt in der viele Touristen bleiben. Das ist schade, denn die Stadt hat viel zu bieten. Die meisten Touristen reisen durch und schauen nur schnell in eines der Bürgerhäuser und den Hamam.
Der Basar hat viele schöne Nebengebäude, wie auch eine Gewürzmühle mit riesigen Mühlsteinen. Der Müller lädt uns ein sie zu betrachten.
Leider dürfen wir nicht mehr auf das Dach, aber später spricht ein junger Mann uns an, während wir uns eines der Nebengebäude des Basars ansehen und bieten uns eine Tour auf dem Dach an. Natürlich gehen wir mit! Es macht Spaß um all diese Kuppeln mit den Licht- und Luftlöchern zu sehen, wir sehen unter uns die Menschen durch den Basar laufen. Wir sehen auch die Moscheen und Minarette, im Hintergrund (leider ist es diesig) die Berge.
Er erzählt, dass er im Teppichhandel beschäftigt ist. Seine Eltern haben 35 kg Safran nach China geschickt, aber noch kein Geld erhalten ... das Tolle ist, dass er das ohne Hintergedanken erzählt. Er will uns weder einen Teppich verkaufen noch Geld für Safran von uns. Für die Tour müssen wir natürlich eine Kleinigkeit zahlen.
Unser nächstes Ziel ist das Mausoleum von Habab Ibn Musa.
Auf dem Weg machen wir ein Foto vom Laden eines Kamelfleischers, er lädt uns sofort zum Tee ein. Er spricht nur Farsi, lädt uns aber ein, bei ihm zu schlafen. Aber ja, wir haben schon ein Hotel! Wir machen ein Foto mit ihm und seinem Sohn und er schreiben seine Adresse auf. Was heißt aufschreiben: er schreibt einen Bogen voller Farsi! Ich mache ein Foto eines Briefumschlags, den er aus Deutschland mit der Adresse darauf erhalten hat. Das ist einfacher! So können wir ihm später das Foto schicken.
Das Mausoleum hat eine schöne Kuppel. Überall sitzen Gruppen von Menschen auf dem Boden, manchmal mit Blumen und laufen mit einer Schüssel Baklava herum. Wir bekommen natürlich auch etwas angeboten. Warum sie hier sitzen bleibt ein Geheimnis für uns und wir wollen auch nicht fragen.
Dann zurück zum Hotel, wir haben ein Restaurant auf dem Weg entdeckt, aber der Koch ist noch nicht wach und wir haben keine Lust, später zurück zu kommen. Also dann essen wir wieder im Hotel. Es ist wieder lecker (heute wählen wir Hühnchen). Wir haben nur wenige Restaurants in Kashan gesehen.
Später verdunkelt sich der Himmel und fallen einige Regentropfen. Wir hören später von einem Schweizer Ehepaar, dass ein Sandsturm in der Wüste in der Nähe tobte. Sie waren dort und auch ihre Kamera war nicht begeistert und hat das nicht überlebt. Sie waren auf dem Weg zu einem grossen Salzsee in der Nähe von Kashan. Da wir im Jahr vorher den phantastische Salzsee in Bolivia bei Uyuni besucht hatten stand dieser Ausflug hier nicht auf dem Programm.
Teil 1116. Apr. 2021
Mit der Bahn nach Yazd
Der Wecker klingelt um 7 Uhr morgens, wir nehmen unser Frühstück mit und fahren im Taxi zum Bahnhof. Man muss eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges da sein, keine Ahnung warum. Der Zug kommt etwas verspätet an, halb 9 geht es los. Wir haben nummerierte Sitzplätze, aber ich setze mich auf einen anderen Platz in Fahrtrichtung. Ich sehe mehrere Passagiere frei mit der Nummerierung umgehen, die andere Passagiere passen sich an. Genau wie im Bus bekommen wir etwas zu trinken (eine Flasche Wasser) und einen Snack (trockene Kekse). Man kann auch Kaffee, Tee oder Chips kaufen. Der Zug ist voll.
Die Landschaft ist ziemlich langweilig, am Anfang sehen wir noch ein Bergmassiv und einige grüne Felder, später nur noch Wüste, an manchen Stellen hat man Bäume gepflanzt. Auch ist das Weiß eines Salzmeeres in der Ferne zu sehen. Obwohl wir etwas später abfuhren, kommen wir pünktlich nach 4 Stunden in der Wüstenstad Yazd an. Yazd liegt an einem alten Handelsweg nach Indien und war berühmt für die Seidenproduktion. Die Bahnlinie hat wieder Leben in die Bude gebracht, Yazd fristete Jahrzehnte lang ein Dornröschendasein.
Am Bahnhof gibt es einen Taxi-Schalter. Man gibt die Adresse an, bezahlt und erhält ein Kärtchen mit dem Foto des Fahrers, der an der Reihe ist. Die Fahrten werden so fair verteilt und gibt es keine Schwarztaxis. Unser Fahrer kennt unser Hostel nicht, aber ich habe einen Ausdruck von Google Maps dabei und er kann tatsächlich Karte lesen! In der Nähe des Hostels muss er jemanden fragen und ich verstehe das, weil es sehr viele enge Straßen gibt ohne Namensangabe.
Glücklicherweise hat das Hostel seinen Namen mit Pfeilen einfach auf die Lehmwände geschrieben, sodass wir es leicht finden können. Die letzte Strecke müssen wir zu Fuss gehen, die Gasse ist zu schmal für das Taxi. Auch hier begleitet uns der Fahrer bis hinein. Nett!
Es ist ein Haus mit einem kleinem Innenhof mit schönen (Feigen-) Bäumen um den sich die Zimmer gruppieren. Leider ist etwas schief gelaufen mit unserer Reservierung, weil ein Gast eine Nacht verlängert hat fehlt ein Zimmer. Man bietet uns eine Nacht in einem Schlafsaal mit 6 Betten im Souterrain an (wovon 4 belegt sind). Ich bin nicht begeistert aber es ist eben nicht anders. Wir haben keine Lust ein anderes Hotel zu suchen und die Atmosphäre hier gefällt uns. Heute abend wird es auf dem Dach ein kleines Barbecue geben an dem wir gern teilnehmen können. (Später stellt sich heraus, dass wir die erste Nacht und auch das Barbecue nicht zu zahlen brauchen). Wir stellen unsere Sachen in den Keller neben unsere Betten – es sind Matratzen auf dem Boden - und gehen die Altstadt erkunden.
Überall schöne enge Gassen und Lehmhäuser, wir sehen viele Windtürme, schöne Kuppeln mit blauen und gelben Mosaiken. Yazd ist eine der am längsten ununterbrochen bewohnten Städte der Welt. Wir sind begeistert. Es geht zu weit alle Sehenswürdigkeiten zu beschreiben, es soll ja hier kein Reiseführer sein!
Teil 1216. Apr. 2021
Wir bewundern die Reste der Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert und eine schöne Moschee.
Kaffee auf einer Dachterrasse mit Blick auf die vielen kleinen Lehmkuppeln, die Minarette und große farbige Kuppeln, vor allem das Türkis fällt uns auf. Wir besuchen auch eine unterirdische Wassermühle in einer Tiefe von 22 m, die bereits 1500 Jahre alt ist. Das Gebiet hier ist bekannt für die vielen Wasserkanäle (Qanats), die die Menschen seit 2000 Jahren graben, um Städte und Land mit Wasser aus den Bergen zu versorgen. Diese Kanäle sind mit Entlüftungstürmen versehen.
Der Kanal, der unter der Freitagsmoschee läuft ist 90 km lang! Auch das Lari-Haus sehen wir uns an, es ist ganz nett, aber die Häuser in Kashan waren viel schöner. Lustig der Spiegelsaal mit vielen Fotos von Frauen ohne Kopftuch (!!) an der Decke gespiegelt gruppiert. (Man beachte die Elektrizitätsleitung zur Mittellampe…)
Wunderschön ist die Freitagsmoschee aus dem 14. Jahrhundert mit Doppel-Minarett, vielen schönen Muqarnas über den Eingängen, schöne Farben (besonders blau). Diese Moschee hat einen langgestreckten Innenhof mit Arkaden an den Seiten. Im hohen Mihrab betet eine schwarz gekleidete Frau, eine andere wartet geduldig darauf, dass sie an die Reihe kommt. Oben direkt unter der Kuppel ist ein Band mit 99 verschiedenen Bezeichnungen von "Allah".
Hier hat man sich auf Touristen eigestellt, es gibt viele Touristengeschäften voller Keramik und Teppiche. Wir treffen zufällig den Besitzer unseres Hostels gleich 2 Mal, einmal auf einer Baustelle (er will ein zweites Hostel eröffnen) und später in einem Café in der Nähe seines Teppichladens. Dort fragen wir, ob er einen Fahrer kennt der morgen mit uns eine Tour zu 3 Dörfern machen kann. Kein Problem, er kennt jemanden und so ist dies auch geregelt. Später suchen wir nach “Baltic beer“ und treffen auf ein Ehepaar, die auch im Ehsan-Haus und im Zug waren. Wir sprechen kurz miteinander und wir fragen spontan, ob sie Lust haben morgen die Tour mit uns machen. Sie hatten diese Tour nicht eingeplant, finden es aber eine gute Idee. Ich denke dass sie etwas älter als wir sind, sie sind mit einem Rucksack unterwegs und das passt zu unserer Art des Reisens.
Hier sieht man die Lautsprecher, sodass niemand den Gebetsaufruf verpassen kann.
Zurück im Hostel relaxen wir auf dem Dach, auch hier gibt es die breiten Sofas, anscheinend schlafen auch einige der jungen Leute hier oben. Auch hier hohe Stufen, muss man im Iran wirklich gut zu Fuss sein! Später gibt es in der Tat ein kleines leckeres Barbecue, jeder bekommt ein paar Stücke Hühnchen und Fladenbrot. Wir unterhalten uns ein bisschen mit einem Australier, das Publikum hier ist wesentlich jünger als wir. Es gefällt uns gut hier oben und wir entschliessen uns auf dem Dach schlafen. Ein Angestellter holt Bettzeug und Decken für uns und richtet unser Bett her. Wir haben uns eine ruhige Ecke ausgesucht, an verschiedenen Stellen liegen Matratzen. Besser hier als in dem Schlafsaal halb unter der Erde. Es ist nicht kalt, wir haben eine extra warme Decke, nur 6 Uhr morgens ist es ein bisschen kalt. Wir sehen ein paar Sterne über uns, aber es gibt zu viel Licht für einen schönen Sternenhimmel. Es ist einfach schön hier oben!
Teil 1319. Apr. 2021
Ausflug in die Umgebung von Yazd
Um 8 Uhr stehen wir auf, die Sonne scheint uns ins Gesicht. Wir haben sehr gut geschlafen. Früh hören wir von allen Seiten den Ruf zum Gebet aber auch die Vögel. Frühstück unten unter den Bäumen, kurz nach 9 kommt der Fahrer, der kein Wort Englisch spricht. Mit Mühe wir machen ihm klar, dass er zuerst zur Chaqmaq Moschee fahren muss, wo wir die 2 Schweizer aufgabeln. Wir fahren in ca. 1 Stunde durch die Wüste nach Kharanaq. Unterwegs holt unser Fahrer Tee für uns bei einem Laden.
Rechts und links kommen Gebirgszüge in Sicht, ein 4000 m hoher Berg, den unsere Mitfahrer morgen besteigen wollen (Start ist auf 2600m). Nun, man ist Schweizer oder nicht! Wir Holländer bleiben im Flachland. Sie hoffen auf klares Wetter, jetzt ist es bewölkt.
Unterwegs sehen wir ab und zu Entlüftungstürme für die unterirdischen Kanäle die hier laufen. Diese alten Kanäle sind trotz moderner Formen der Irrigation noch immer wichtig auch für die Städte.
Kharanaq ist ein ziemlich verlassenes Dorf mit Lehmhäusern, einem restauriertes Minarett und dito Karawanserei. Es liegt an einem Hang, man schaut auf grüne Felder, eine Kuppel und einen alten Aquädukt.
Man kann hier herrlich durch die Gassen schlendern, an einigen Häusern kann man schöne Dekorationen sehen. Man macht hier gerade Filmaufnahmen, die Kulisse eignet sich gut dazu. Die Schweizer sind begeistert und freuen sich, dass sie mitgefahren sind.
Es wächst hier auch was, keine Ahnung was!
Dann weiter nach Chak Chak, dem wichtigsten Pilgerort für Zarathustrier, der oben an eine Bergwand geklebt ist (man sollte es Pilgern nicht zu leicht machen). Die Höhle (Ziel der Pilger) ist nichts Besonderes, der Blick auf das Tal mit den Bergen (trocken !!) ist schön.
Auf dem Rückweg von der Höhle treffe ich eine Gruppe modern gekleideter junger Frauen (natürlich mit Kopftuch), die oben ein Picknick machen wollen. Sie bieten mir sofort leckeres Gebäck an, wie nett!
Wir fahren weiter nach Meybod, wo wir uns eine wunderschöne Lehmburg - die ihren Ursprung im antiken Persien hat - ansehen. Schön die Türme und das Eingangstor.
Es gibt auch eine renovierte Karawanserei wo wir einem Weber bei der Arbeit sehen können.
Das Eishaus ist beeindruckend, es hat eine enorme 26 m tiefe Grube (13 m Durchmesser) mit großer Kuppel mit Lichtloch à la Pantheon.
Dann fahren wir zurück. Es hat uns gut gefallen, Chak Chak hätte nicht sein müssen, aber es lag am Weg. Wir sehen unterwegs an der Strasse Bilder von im Krieg gegen Irak umgekommene Soldaten.
Die Schweizer erzählen, dass sie in der Wechselstube in Kashan im Basar ihre Brieftasche mit dem gesamten Geld für 3 Wochen Urlaub und die Pässe haben liegenlassen. Eine halbe Stunde später merkten sie es und gingen gleich zurück. Alles war noch da, der Mann hatte sogar bereits seine Leute losgeschickt, um nach ihnen zu suchen. Wie schön ist das! Abgesehen von dem finanziellen Verlust hätte es ziemliche Probleme gegeben. In diesen 10 Tagen haben wir nur sehr ehrliche Leute getroffen, die einen nicht übers Ohr hauen wollen, immer haben wir das richtige Wechselgeld bekommen, wenn wir uns in einer Null geïrrt haben. So sollte es immer sein, aber ja ...
Nachdem wir uns im Hostel etwas ausgeruht haben (hier ist jetzt sehr viel los), gehen wir zum großen Platz mit der Chaqmaq-Moschee und besuchen das Wassermuseum dort in der Nähe.
Es ist in einem schönen alten Haus, aber die Erklärung ist leider nur auf Farsi. Schöne Wasserkrüge, Zeichnungen und Fotos. Unter dem Haus gibt es 2 Qanats, die Bewohner mussten mehrere Treppen hinunter laufen, um die Lebensmittel zu kühlen oder die Wäsche zu waschen.
Wir kaufen Bustickets für übermorgen, beim ersten Reisebüro gelingt das nicht, weil das Internet nicht funktioniert.
Später essen wir um die Ecke im Orient Hotel auf der Dachterrasse mit einer schönen Aussicht zu Abend. Es ist ziemlich windig! Das Essen ist gut, aber es dauert ewig. Glücklicherweise kommt eine große Gruppe Italiener erst nach uns. Ich bestelle Dizi, das in einem Metalltopf serviert wird, man muss das Gemüse mit einem Stößel zerkleinern. Es schmeckt sehr gut!
Es ist jetzt viel los in unserem Hostel, das Dach ist auch gut belegt, aber wir haben ja unser Zimmer.
Teil 1421. Apr. 2021
In Yazd
Wir schlafen gut in unserem Zimmer. Nach dem Frühstück gehen wir wieder in das kleine Café Venezia in der Nähe der Freitagsmoschee wo man einen prima Kaffee serviert. Aanschliessend fahren wir mit dem Taxi zu den „Türmen des Schweigens“. Es sind die Begräbnistürme der Zarathustrier und liegen am Rande der Stadt.
Auf dem Berg legten sie nach einigen Zeremonien ihre Toten hinter einer Ringmauer für die Geier nieder. Die Menschen durften nicht mit der Erde in Kontakt kommen um sie nicht zu verunreinigen. Die abgeweideten Knochen wurden dann später in Särgen begraben. Niemand durfte das sehen, nur ein Geistlicher (wenn man den dann so nennt…)
Ab den 60er Jahren ist dies nicht mehr erlaubt und jetzt gibt es einen Friedhof am Fuße des Berges. Die Gräber werden aber zuerst mit Zement bekleidet, um einen Kontakt mit der Erde zu verhindern. Beeindruckend aber auch gruselig!
Leider etwas unscharf...
Dann laufen wir zu einer Wechselstube gegenüber dem zarathrustischen Feuertempel, der weiter nicht sehenswert ist. In der Wechselstube ist viel los, der Kurs steht nur in Farsi an der Tafel, aber es stellt sich heraus, dass er sehr gut ist!
Wir gehen als Millionäre in Richtung Chaqmaq-Moschee. Es ist interessant, die Menschen und Geschäfte auf dem Weg zu sehen. Schuhmacher, eine Wand mit Zeitungen die vor allem von Männer gelesen werden, Plakate auf Farsi. Viele Leute sprechen uns an, begrüssen uns, "welcome to Iran" ist der meistgehörte Satz.
Alles klar!
Teil 1522. Apr. 2021
Entlang der breiten Boulevards gibt es einige schöne Bäume. Wir werfen einen Blick in den Raum der "Workouts" (Zurkhaneh), heute Abend um 5 Uhr gibt es eine "Aufführung", mal sehen, ob sie in unser Programm passt (es passt nicht). Es ist ein traditioneller Sport, eine Art bodybuilding. In einem kleinen Laden kaufen wir 2 kleine Keramikschalen. Wenn irgend möglich kaufen wir Gebrauchskeramik auf unseren Reisen. Wir verwenden diese häufig und erinnern uns dann immer gern an den Moment des Kaufes und die betreffende Reise. Unser Schrank ist ziemlich voll 🙂
Auch hier in Yazd gibt es einen Paradiesgarten und den wollen wir uns nicht entgehen lassen. Weil wir unterwegs zweifeln ob wir in die richtige Richtung laufen fragen wir jemanden nach dem Weg. Dieser Mann bedeutet uns einen Moment zu warten, denn er will in einem Laden etwas abholen und uns danach mit den Auto hinbringen. Wir steigen ohne zu Zögern bei ihm ein und das zeigt auch, wie sicher wir uns hier im Iran fühlen. Er ist Amerikaner (!) und wohnt seit 2 Jahren hier. Im Auto sitzt auch ein Iraner, beide waren noch nie in diesem Doulat Abad Garten! Mit etwas Mühe finden wir den Eingang, sie steigen aus, um zu sehen, ob alles gut läuft und wollen unsere Eintrittskarten bezahlen. Das können wir erfolgreich ablehnen.
Da kann ich doch gleich noch etwas sagen zu Ta‘rof: Es gibt hier eine (Un)Sitte um eine Zahlung abzulehnen obwohl man sie doch akzeptieren will: ein Taxifahrer oder ein Ladenbesitzer lehnt die Zahlung ab, was allerdings nicht bedeutet, dass man dies als Käufer/Kunde akzeptieren sollte. Es gibt dann ein hin und her und beim dritten Mal wird die Zahlung akzeptiert. Pfff…. Es ist vorgekommen dass Touristen das falsch eingeschätzt haben und ihr Benzin nicht bezahlt haben. Da wird der Tankwart schon etwas bedeppert geschaut haben. Also bitte nicht zu früh aufgeben!
Es ist ein schön angelegter Garten aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts mit dem höchsten (33m) Windturm, Pavillon mit schöner Decke, Kuppel und farbigen Fenstern. Wir machen eine Pause auf den reichlich verteilten breiten Bänken, man kann sich hier schön ausruhen. Wasserspiele, Weinstöcke, Feigenbäume, blühende Granatapfelbäume. Mauer rund um den Garten mit vielen schönen Türmen. Es ist wirklich eine schöne grüne Oase in dieser Wüstenstadt.
Wir gehen zurück in die Altstadt, entlang der alten Stadtmauer und wandern durch die schmale Gassen. Sie sind manchmal sehr eng und werden deshalb "Freundschaftsgassen" genannt, weil man beim passieren fast miteinander reden muss.
Noch einmal zur Freitagsmoschee, sie ist auch wirklich zu schön. Dieses Mal sehen wir uns in einem Nebengebäude im Keller den Qanat an, der wie schon gesagt von einer 90km entfernten Quelle Wasser bringt. Wir Holländer sind immer stolz auf unsere Wasserwerke, aber das hier ist auch sehr erstaunlich. Als diese Kanäle hier gegraben wurden sassen wir in Europa noch faul herum. Seit 2000 Jahren gräbt man hier schon herum, es gibt 50000 Qanats im Iran!
Der Basar ist heute Nachmittag geschlossen, aber das ist nicht so schlimm, denn wir haben den in Isfahan ja noch vor uns.
Wir bitten ein Reisebüro unsere Hostel in Isfahan anzurufen, man hatte mir per mail einen Code geschickt, den ich telefonisch bestätigen muss. Umständlich, aber es funktioniert dank hilfsbereiter Iraner.
Vor dem Abendessen wandere ich allein durch die Gassen, sehe eine Ikat-Weberei
und klettere auf das Dach der Touristenbibliothek. Von dort aus hat man einen schönen Blick auf die Dächer von Yazd.
Leider ist der Himmel jetzt wirklich dunkel! Ich hoffe es bleibt trocken, denn wir wollen auf einer Dachterrasse mit schöner Aussicht essen, aber leider beginnt es zu tröpfeln und wir müssen drin essen. Übrigens gibt es hier viele Holländer! Es gibt hier Kamelfleisch an einem Spiess, lecker! Frischer Orangensaft rundet das Essen ab.
Auf dem Nachhauseweg sehen wir eine blau angestrahlte Freitagsmoschee. Mein Photoapparat ist auch sehr gerührt von diesem schönen Anblick und wackelt deshalb etwas 🙂
Später am Abend haben wir in unserem Hostelgarten ein interessantes Gespräch mit einem französischen Spezialisten für islamische Architektur, der jetzt im Ruhestand ist und allein reist. Er war schon vor 40 Jahren im Iran, und kann Farsi lesen und auch ein wenig sprechen. Morgen geht es weiter nach Isfahan.
Teil 1623. Apr. 2021
Auf nach Isfahan! Nach dem Frühstück laufen wir zu unserem Café Venezia. Ein junger Mann aus dem Hotel rennt uns mit einem kleinen Geschenk hinterher. Wir hatten ihm ein kleines Mitbringsel aus Holland gegeben weil er sich sehr nett um uns gekümmert hatte und er will sich revanchieren. Nett! Nach dem leckeren Kaffee nehmen wir Abschied von der Moschee und suchen uns ein Taxi zur neuen Bushaltestelle in Flughafennähe. Die Lage des neuen Busbahnhofes ist ziemlich unpraktisch, der befindet sich nicht in der Nähe der Ankunftshalle, sondern auf der anderen Seite des Flughafens! Es dauert lange ehe wir wirklich abfahren, denn gleich nach Abreise halten wir an und werden ein Haufen Säcke erst ein- aber gleich wieder ausgeladen. Wurde man sich nicht einig über Preis für diesen Transport? In Indonesien hatten wir erlebt, dass der Mittelgang im Bus mit Säcken vollgestopft war sodass man über diese zum Sitzplatz laufen/kriechen musste. Bei unserer Länge mussten wir ganz schön die Köpfe einziehen. Dies hier war ganz harmlos.
Unser Fahrer hat keine Minute hintereinander zwei Hände am Lenkrad: oder er ruft an (manchmal mit zwei Telefonen, er lenkt mit seinen Unterarmen), oder er isst irgendwelche Nüsse und muss die Schalen kontinuierlich aus seinem Mund entfernen. Unterwegs halten wir kurz an mindestens 3 Polizeiposten. Bei einer Tankstelle halten wir, damit der Fahrer Tee und Kekse kaufen kann, die er an alle Fahrgäste verteilt. Die Strecke durch die Berge ist ganz schön, aber auch sonst hier viel Wüste.
Nach 4 Stunden sind wir in Isfahan und nehmen ein Taxi zum Hotel. Unsere Reservierung ist gelungen, wir können wählen zwischen einem Zimmer am Innenhof oder ein dunkles und billigeres Loch im 1. Stock. Ich wähle das größere Zimmer im Innenhof, aber zum niedrigeren Preis. Der Mann muss lachen, weil ich handle und stimmt zu.
Vor dem Hotel ist eine Bushaltestelle und wir fahren mit dem Bus zur Brücke. Im Bus werden wir plötzlich von einer jungen Frau begeistert begrüßt, als ob wir uns schon lange kennen! Männer müssen übrigens vorn einsteigen und vorne sitzen, Frauen hinten. Wir dürfen uns aber in der Mitte treffen, die junge Frau erzählt viel über Isfahan und freut sich, dass wir uns die Mühe gemacht haben, nach Iran zu kommen. Wir steigen an der Brücke aus, es ist Wasser im Fluss!! Da haben wir Glück, denn das ist hier nicht oft der Fall, da das Wasser gestaut wird. Dieses Si-o-se-Pol (33-Bogenbrücke) ist eine doppelte 14 m breite (Fußgänger-) Brücke aus dem frühen 17. Jahrhundert mit an beiden Seiten 33 Bögen. Sehr schön!
Weil es Freitag ist, machen viele Leute ein Picknick am Ufer, die junge Frau will uns morgen durch die Stadt führen, aber wir haben nicht so viel Lust darauf. Gut gemeint! Wir laufen durch den Park am Fluss und betrachten das Treiben. Ein junger modern gekleideter Mann mit einer gut verhüllten Frau und Sohn spricht uns an. Er ist Englischlehrer und will wissen, wie wir den Iran sehen, ob wir Angst davor hatten. Wir halten den Ball flach, denn wir wollen weder uns noch ihn in Probleme bringen. Er sagt dann auf meine Frage ob seine Frau auch Englisch spricht, dass sie das nicht braucht, da sie nicht arbeitet und besser zu Hause bleiben kann um für ihn kochen und den Sohn zu erziehen. Sie steht auch nicht neben, sondern hinter ihm. So wird das hier auch nichts mit der Emanzipation! Es muss doch von den jungen Leuten ausgehen!
Wir essen einen leckeren Kebab, der in Brot gerollt ist, und gehen dann durch das wunderschöne Abasi Hotel und den Garten vom Behesjt Palast in dem viele Männer Schach und Domino spielen, zum grossen Platz. Schöner Park mit schönen Bäume!
Dann erreichen wir den großen Platz Meydam-e Imam und haben ein WOW-Moment: einfach phantastisch. Unbeschreiblich schön! Mit Palast und 2 Moscheen, komplett umgeben von 2-stöckigen Arkaden. Shah Abbas der Große ließ diesen Platz im frühen 17. Jahrhundert errichten, als Isfahan die Hauptstadt wurde.
Hier picknicken viele Leute im Gras. Kinder spielen in den Brunnen. Man bietet uns Schokoladenkuchen und Tee an. Ein Junge spricht uns an und lädt uns ein, heute Abend bei ihm zu Hause zu essen (was wir ablehnen). Man wird oft eingeladen zum Essen oder zur Übernachtung. Wenn man das annimmt bringt man unter Umständen den ganzen Haushalt durcheinander, denn die Menschen wohnen beengt und dann 2 Ausländer! Dann müssen die Frauen auch zu Hause verhüllt gekleidet sein wie macht man das mit der Sitzordnung und den Schlafplätzen? Als allein reisender Mann ist das vielleicht machbar, aber wir haben die vielen Einladungen abgelehnt. Ausserdem ist die Verständigung schwierig, aber gastfreundlich ist es schon! Eine der Moscheen war die private Moschee des Schahs, für das Volk war die Moschee auf der anderen Seite. Morgen werden wir diese Pracht genauer ansehen.
Auf dem Rückweg zum Hotel machen wir ein paar Einkäufe und dann giesst es plötzlich! Wir sind gerade noch rechtzeitig im Hotel zurück. Es dauert auch nicht lange.
9 Uhr gehen wir ins Bett! Ich merke, dass ich das iPad-Ladegerät in Yazd vergessen habe und schickte schnell eine Mail an den Australier, der will morgen auch hier schlafen (wir haben eine Reservierung für ihn gemacht). Ein nachreisender Kurier ist doch sehr praktisch!
Teil 1725. Apr. 2021
In Isfahan Beim Frühstück stellt sich heraus, dass der gestern gekaufte Joghurt mit Zwiebeln gewürzt ist, nicht so unser Ding zum Frühstück. Das hat man davon wenn man Farsi nicht lesen kann! Wir beschränken uns also auf das Angebot hier, was völlig OK ist. In der Sonne laufen wir zum Meydam-e Imam, an der Stirnseite ist der Eingang zum Basar und da gibt es guten Kaffee.
Unter den Arkaden gibt es viele Läden und Kaffeestuben.
Zuerst besuchen wir die Lotfallah Moschee. Das war die Privatmoschee des Schahs, sie liegt gegenüber dem Palast und ist durch einen unterirdischen Gang mit ihm verbunden.
Was für eine Pracht schon von aussen! Sie ist kleiner als die für jedermann zugängigen Moscheen, ohne Hof und Minarett. Auch innen schöne Mosaike, die Kuppel ist wunderschön.
Weiter geht es zur großen Moschee aus 1630: der Eingang mit 2 Minaretten ist auf den Platz ausgerichtet, aber dahinter musste man den Haupt-Iwan (Qibla) 45Grad drehen, damit die Richtung nach Mekka stimmt.
Dieses Moschee hat einen großen Hof mit 4 Iwanen, weitere 2 Minarette und ist wunderschön mit Mosaiken dekoriert und mit religiösen Texten versehen, die wir natürlich nicht lesen können. Und auch hier schöne Farben. Eine Koranschule ist ebenfalls da.
Im Moment renoviert man die grosse Kuppel, das ist ein mehrere Jahre dauernder Auftrag für die besten Restaurateure.
Sie nehmen das Mosaik ab, bringen es hinunter und schauen Stein für Stein nach, was repariert werden muss. Vor Ort werden notfalls neue Steinchen gehakt. Dann wird alles wieder nach oben gebracht.
Wir wollen Fahrräder mieten und das ist nicht so einfach. Es gibt einen Vermieter in der Nähe der Brücke, der aber nicht an Frauen vermieten will! Glücklicherweise hatte ich über Tripadvisor einen Vermieter gefunden der das kein Problem findet, aber er ist ganz schön teuer: für 24 Stunden 19 € !! Das sind selbst in Holland Wucherpreise, aber was solls. Wir haben keine Wahl. Wir fahren am Fluss entlang durch eine schöne Parkanlage und bewundern die wunderschöne Khadjoub-Brücke. Viele Menschen sitzen da und genießen das Wasser im Fluss.
Es gibt mehrere alte Brücken in Isfahan, die älteste stammt aus dem 10. Jahrhundert, diese hier stammt aus dem Jahr 1630 und kann auch als Damm dienen. Es kommen dunkle Wolken auf und wir beschließen, in der Nähe zu bleiben und zur gestrigen Brücke zurückzuradeln. Es gewittert, wir holen uns eine Tasse Tee und warten eine Weile. Ein pensionierter Offizier (Hubschrauberpilot) spricht uns an, später kommt noch ein junger Mann dazu. Der junge Mann ist Ingenieur, kann aber keine Arbeit finden. Die Tochter des Offiziers hat gerade ihr Studium beendet und ist ebenfalls arbeitslos. Es ist ein Problem für die gut ausgebildeten jungen Leute um Arbeit zu finden. Eine junge Frau möchte wissen, wie die niederländische Presse über den Iran schreibt und was die Leute über das Land denken. Sie lebt jetzt in Yazd, ihr Mann ist Polizist (er steht daneben, spricht aber kein Englisch). Dann wollen sie wissen, was wir von Khamenei halten und wir bleiben etwas vage in den Antworten.
Teil 1825. Apr. 2021
Nach dem Regen radeln wir ins armenische Viertel, aber schauen nicht in die Vanz-Kirche, es ist eine orthodoxe Kirche und die Bilder in der Buchhandlung von der Kirche sehen nicht so besonders aus. Wir radeln entlang des Flusses flussaufwärts zu einer weiteren weniger interessanten Brücke und dann vom Fluss ab etwas bergauf zu einem der Tauben-Türme im Süden der Stadt. Der Turm stammt aus dem 16. Jahrhundert, die Tauben wurden im Inneren gehalten und der Taubenkot wurde gesammelt und in der Landwirtschaft verwendet. Interessant!
Quer durch die Stadt geht es dann zum Hotel.
Der Australier hat den Stecker für uns hinterlegt, sich aber für ein anderes Hotel entschieden. Später radeln wir im Dunkeln in Richtung Fluss und essen ein leckeres Steak mit Pilzsauce im Restaurant Sharzad. Viele Gruppen essen hier, aber das stört uns nicht weiter. Es ist ein schön eingerichtetes Restaurant mit einer ausgezeichnet organisierten Küche, es geht sehr schnell. In Isfahan sind viele Gruppenreisen unterwegs, wir sehen viele Holländer, Deutsche und auch Franzosen. Später radeln wir zur Brücke, die beleuchtet ist und sich wunderschön im Wasser spiegelt. Hier trifft sich die Jugend, wir bleiben lange sitzen.
Dann zurück zum Meydam-e Imam, mit dem Fahrrad ist das ja alles kein Problem. Auch hier ist alles schön beleuchtet und sieht märchenhaft aus.
Wir sind um halb elf wieder zu Hause, die Räder können wir im Hof abstellen. Radfahren ist nicht wirklich entspannt: jeder macht, was er will, besonders Mopeds sind Piraten, stehende Autos sind gefährlich, weil sie plötzlich die Tür aufmachen. Ampeln sind auch nicht wirklich verbindlich, nur wenige halten sich daran. Man ist Radfahrer nicht wirklich gewohnt. Und dann sind da noch die Löcher in der Straße. Gelegentlich gibt es sogar Radwege mitten auf den etwas breiteren Straßen zwischen dem Grün, aber sie hören dann plötzlich an einer hohen Kante auf und dann muss man sehen wieder auf die Straße zu kommen!
Wir sind ja an viel Verkehr gewöhnt und es geht alles gut. Was wir nicht tun ist vorsortieren zum Linksabbiegen, wir ziehen es vor, auf der rechten Seite anzuhalten und die Strasse dann zu überqueren. Das ist viel sicherer. Übrigens ist es im Iran nicht so einfach für einen Fußgänger. Niemand nimmt Rücksicht, sicherlich die Mopeds nicht. Ein bisschen Mut ist nötig ...
Teil 1926. Apr. 2021
Radfahren in Isfahan Nach dem Frühstück und Kaffee auf dem Basar radeln wir am Fluss entlang. Es ist bewölkt und nicht so warm. Wir sehen auch einen Bäcker bei der Arbeit. Wir wollen ein paar Kilometer flussabwärts zur ältesten Brücke fahren, es ist eine hübsche Brücke aus dem 10. Jahrhundert, die jetzt über einen Seitenarm des Flusses führt. Isfahan entstand einst hier. Man sieht auch das Zollhaus noch.
Wir halten ab und zu um Tee zu trinken. Gleich werden wir in Gespräche verwickelt.
In Isfahan gibt es ziemlich viele Bäume: Zwischen Straße und Fußweg gibt es Gräben in denen Bäume und Sträucher stehen. Gelegentlich wird Wasser durch die Gräben geleitet.
Auch entlang des Flusses ist ein breiter grüner Streifen mit gepflegten Parks mit vielen Spielgeräten für die Kinder, Fitnessgeräten, Teehäusern und Toiletten. Die Toiletten sind übrigens überall sehr sauber. Meistens französische Toiletten. Waschbecken mit Seife überall, auch in den Restaurants, wie klein sie auch sind. Wir verlassen den Fluss und radeln Richtung Freitagsmoschee, dahinter ist überall Markt und wir sehen viele Stände mit großen Mengen schwarzer Stoffe. Ich versuche ein Foto davon zu machen, aber das ist schwierig, weil all das Schwarz sehr dunkel ist.
Wir geben die Fahrräder an das nette Geschwisterpaar (Bruder und Schwester) zurück, die 24 Stunden sind um und haben auch gereicht. Es war eine gute Idee die Räder auch abends zu haben. Die Freitagsmoschee ist jetzt geschlossen, morgen früh wollen wir zeitig hingehen. Man weiss nie genau wann Gebetsdienste gehalten werden, dann ist sie geschlossen. Auf dem Weg zum Meydam-e Imam essen wir eine Suppe in einer Suppenküche, Brühe mit Fleisch- und Brotstücken. Der Koch will uns übers Ohr hauen und verlangt zu viel Geld. Und das ist das erste Mal hier! Inzwischen kennen wir die Preise ja etwas. Es schmeckt gut, hier essen viele Einheimische.
Wir sehen uns ein Stück vom Basar an, aber jetzt ist es 3 Uhr und viel ist geschlossen, also machen wir eine kleine Pause im Hotel. Etwas später sind wir natürlich wieder auf dem Meydam-e Imam zu finden, viele Leute machen ein Picknick und man versorgt uns wieder mit Kuchen.
Wir sprechen mit einem Mann in den Dreißigern, der arbeitslos ist. Er weiß viel über Holland, z.B. dass unser König neulich Geburtstag hatte. Die meisten Männer rufen sofort Ajax, Cruyff, van Basten, Robben - es hängt vom Alter ab, welche Spieler sie kennen. Es gibt oft jemanden, der ein Familienmitglied oder einen Bekannten in den Niederlanden hat. Als typisch niederländisch werden auch oft „Blumen“ erwähnt. Man ist überrascht, wenn wir sagen, dass es in Holland keine Berge gibt. Waaas ganz flach? Unvorstellbar!! Später essen wir in einem kleinen Restaurant und damit hat dieser schöne Tag ein Ende.
Teil 2028. Apr. 2021
Der letzte Tag! 9 Uhr machen wir uns auf dem Weg zur Freitagsmoschee, weil sie mittags schließt und das „mittags“ hier sehr weit gefasst ist. Die Geschäfte öffnen jetzt erst und wir wundern uns, dass sie nicht früher anfangen, weil die Mittagspause lang ist und abends die Läden auch nicht so spät schliessen.
Bei einer sehr exklusiven Keksbäckerei mit vielen seeehr süßen Sachen kann man die Bäcker durch das Fenster beobachten. Die Moschee hat den Eingang im Basar, man sieht sie also nicht aus der Ferne sondern man ist plötzlich da. Diese Moschee ist schon sehr alt, die ersten Steine wurden im 9. Jh. gelegt und Architekturstudenten können hier alle Etappen der persischen Architektur bewundern. Die Haupthalle hat eine Kuppel, die nicht mit Fliesen dekoriert ist, sondern wunderschön aus Ziegeln in verschiedenen Mustern gebaut wurde. Im 10. Jahrhundert wurden farbige Fliesen noch nicht zum Abdecken großer Flächen verwendet.
Persische Moscheen werden oft nach einem festen Muster gebaut: ein zentraler Platz mit 4 Gebäuden um ihn herum mit jeweils einem großen Iwan. Diese Moschee ist die erste die nach diesem Prinzip gebaut wurde.
Einer der vielen Räume wurde im 14. Jahrhundert von Mongolen mit einem wunderschönen Gebetnische versehen.
Mein Mann setzt sich eine Weile auf den zentralen Platz und wird von einem Imam angesprochen, der gut Englisch spricht und ihm erklärt, dass der Iran IS wirklich nicht unterstützt (die USA tun es!!) und dass der Islam eine friedliche Religion ist ... Sie tolerieren alle anderen Religionen ... Was mache ich dann hier mit Kopftuch und langen Ärmeln? In der Zwischenzeit schaue ich mir die Räume neben den Iwanen an mit vielen Säulen und gemauerten Kuppeln in verschiedenen Mustern mit und ohne Lichtloch.