KlaudiThemenstarter373 Beiträge · seit 201228. Dez. 2020 · #1
Liebe Fomis,
zurzeit ist Corona-bedingt eine kleine Flaute hier im Forum, zumindest was Reiseberichte angeht. Ich habe daher mein Reisetagebuch von 2018 heraus gekramt und die entsprechenden Fotos gesichtet. Ab heute werde ich nun unsere Reise durch Simbabwe aus dem Jahr 2018 hier einstellen, auch wenn vielleicht das eine oder andere mittlerweile überholt ist. Das ändert aber nichts daran, dass Simbabwe ein wunderschönes Land ist, das es sich lohnt zu bereisen.
Unsere Reise beginnt mit zwei Tagen Verspätung: Beim Einkaufen der Vorräte in Midrand entdeckten wir auf dem Parkplatz eine Öllache unter unserem Cruiser – kein gutes Zeichen. Wie sich herausstellt, ist am Getriebe ein Simmerring kaputt und muss ausgetauscht werden. Auto fängt halt mit „Au“ an. Auch wenn wir so zwei Tage verlieren, sind wir froh, dass wir den Schaden so früh entdeckt haben. Nicht auszudenken, wenn uns das Getriebe in Simbabwe in der Mitte von Nirgendwo trocken gelaufen wäre.
Wir starten also erst am 21. April und nicht schon donnerstags. Glücklicherweise haben wir keinerlei Reservierungen für Simbabwe vorgenommen, so dass wir frei und ohne Zeitdruck sind. Von Johannesburg aus geht es über die N1 nach Norden. Landschaftlich ist diese Fahrt wenig abwechslungsreich. Erst bei Erreichen der Soutpansberge wird es interessant, die Straße schlängelt sich über Berge und durch Täler. Je weiter wir nördlich kommen, je dichter wird der Bewuchs mit großen Baobab-Bäumen, die noch voll im Laub stehen.
Über das Internet hatte ich morgens ein B&B im „Dei Gratia“ in Musina gebucht. Im tropischen Garten des „Dei Gratia“ steht ein gewaltiger Baobab, unter dem wir am Nachmittag – mit zwei Tagen Verspätung - unseren ersten Ankommer-Shandy trinken.
Vom bunten Treiben dieser ziemlich „schwarzen“ Grenzstadt spürt und hört man hier nichts. Im gepflegten und frisch gesprengten Garten huschen die schwarzen Angestellten lautlos dahin. Mit solchem Luxus ist dann morgen Schluss: Um 7 Uhr sind wir mit der „Grenzhelferin“ der simbabwischen Tourismusbehörde verabredet, die uns durch das Chaos schleusen wird.
Sonntag, 22. April 2018
Nach einer sehr guten Nacht im weichen Luxusbett
sind wir früh auf und lassen uns im tropischen Garten ein warmes Frühstück schmecken. Elsie, die gute schwarze Seele des Dei Gratia, serviert uns voller Stolz ihre Spiegeleier mit Speck. Sie liebt ihre Arbeit, wie sie sagt, und das merkt man auch. Viel Zeit haben wir leider nicht, denn die Grenze wartet auf uns. Beim Passieren des Tors klingelt mein Telefon und am anderen Ende ist Anesu, die Grenzhelferin, und fragt, ob wir planmäßig unterwegs sind. Was für ein Service!
Die Abfertigung auf südafrikanischer Seite geht einigermaßen schnell, und dann rollen wir über die Brücke des Limpopo auf die simbabwische Seite. Direkt rechts kommt ein junger Mann auf uns zu und wirkt. Wer ist das? Erst als er mich mit Namen begrüßt, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Anesu ist ein Mann. Ich hatte eine Woche zuvor mit ihm telefoniert, weil ich auf meine diversen Emails an seine Chefin keine Antwort bekommen hatte. Seine Stimme war für mich eindeutig weiblich, und der Name Anesu war daher für mich klar ein weiblicher. So kann man sich irren – ich hoffe jedenfalls, Anesu hat von all dem nichts gemerkt. Dafür macht er seinen Job wirklich klasse: Er schleust uns professionell durch alle Instanzen, so dass wir nach einer guten Stunde und zahlen aller möglichen Gebühren mit den Formalitäten fertig sind und einreisen können.
Leider hatten wir uns streng an die Bestimmungen zum begrenzten Lebensmittelimport gehalten (kein Fleisch, kein Gemüse …), so dass wir noch in Beitbridge versuchen, im dortigen Spar unsere Vorräte aufzufüllen. Was für eine Enttäuschung: Das Angebot ist äußerst begrenzt und das Schlimmste: das angebotene Fleisch verströmt einen Duft, der uns fast fluchtartig zur Kasse schreiten lässt. Dann eben die nächsten Tage kein Fleisch … Gottseidank hatte Petra von der Lodge in Midrand uns 300 g italienische Salami verkauft, die ich in Decken gehüllt über die Grenze geschmuggelt hatte. Das muss dann reichen, bis wir hoffentlich in einer größeren Stadt wieder etwas bekommen können.
Unser erstes Ziel, den Gonarezhou Nationalpark, erreichen wir am frühen Nachmittag. Der Zustand der Asphaltstraße hat uns positiv überrascht und auch die Naturstraße ab Rutenga war wesentlich besser als befürchtet. Kuriosität am Rande: Wir laufen auf eine 4-spännige Donkeykarre auf und fahren einige Zeit hinterher. Der Kutscher drischt in üblicher Manier auf die Esel ein und erreicht eine Geschwindigkeit von 35 km/h!.
Die Parkverwaltung des süd-westlichen Teils ist stationiert in Mabalauta und hier gibt es einen Campingplatz direkt am Mwenzi gelegen, auf dem wir uns für zwei Tage einmieten.
Die Unterstützung der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft scheint erste Früchte zu tragen: die Parkverwaltung macht einen sehr guten Eindruck, die Campsite ist hergerichtet, der Sanitärblock gerade in Renovierung.
Wir sind’s jedenfalls zufrieden und richten uns unter großen Bäumen ein. Wir sind die einzigen Gäste und bleiben es auch. Leider sind wir wohl etwas „früh" im Jahr im Park, denn große Teile sind noch gesperrt, da unpassierbar nach der Regenzeit. Auch die Transitstrecke nach Nord-Osten bis Chipinda-Pools ist noch geschlossen, so dass wir „außen rum“ fahren müssen, wenn wir am Dienstag weiter fahren.
Am Nachmittag erkunden wir die Flussauen um uns herum. Wie schön es doch ist, im späten Licht am Fluss entlang zu cruisen: Die tiefstehende Sonne sendet ein weiches Licht aus, das alle Farben intensiv und warm leuchten lässt.
Unsere Sichtungen sind nicht spektakulär, aber gerade die „kleinen Tiere“ lassen eine Stimmung wie in der Pastorale aufkommen. Majestätische Kudubullen, recken Ihre Hälse,
große Herden Impalas grasen friedlich am Ufer,
und Giraffen, Nyalas
alle friedlich vereint.
Einzig der frühe Einbruch der Dunkelheit macht uns ein wenig traurig. Ab 17.30 Uhr nimmt das Licht rapide ab und um 18.00 Uhr ist es schon sehr dunkel.
So, das waren die ersten beiden Tage. Ab jetzt geht es tageweise weiter.
VG Klaudi
KarstenB2'397 Beiträge · seit 201128. Dez. 2020 · #2
Hallo Klaudi, Zimbabwe - die Schweiz Afrikas! Jedenfalls war es das, als wir '95 und '97 da waren. Seither haben wir uns nicht mehr getraut, aus Angst, die Realität könnte gegen unsere Erinnerungen nicht an. Dein RB ist also Pflichtlektüre! LG, Karsten
Hallo Klaudi, es ist sehrsehr nett von Dir, uns weiter zu unterhalten und von dem eigenem beschränkten Reisevergnügen abzulenken. Obwohl es uns immer mal wieder gereizt hat, die Orte in Simbabwe zu besuchen, die C in den 80er Jahren bereist hatte, ging es uns wie Karsten.... Ich freue mich auf mehr! Schöne Grüße Friederike
Hallo Klaudi, Schön dass du uns von Zim erzählst und zeigst! Außer den Vic Falls, kenne ich das Land nicht und habe 2016 auch einen geplanten Self-Drive abgesagt, eben wegen den schwierigen Bedingungen. Ob das eine gute Entscheidung war werde ich vielleicht bei deinem Bericht erfahren. Freue mich auf alles was noch kommt! Danke von Katrin
Hallo Klaudi Auch ich bin mit grossem Interesse dabei. Zu viert haben wir 1999 eine Reise von Johannisburg, Beitbridge, Great Simbabwe, Matobo, Hwange, Victoriafalls, Kasane, Maun (über die Teerstrasse) und zurück mit einem gewöhnlichen Wohnmobil gemacht. Obwohl wir Maui damals unsere Reisepläne unterbreiteten, haben sie uns ein neues Fahrzeug mit echten Kristallgläser und Porzellangeschirr vermietet. Abenteuer pur. Ich bin gespannt, was ihr alles erlebt habt. Liebe Grüsse Grosi
Enilorac65768 Beiträge · seit 201729. Dez. 2020 · #8
Hallo Klaudi Ein neuer Bericht von dir, da komme ich gerne auch mit. Ich war an den Vic Falls, ansonsten kenne ich Simbabwe nicht. Bin also sehr gespannt. Liebe Grüsse Caroline
2016: Südafrika mit Gardenroute
2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius
2020: Kapstadt und Gardenroute
2022: Namibia
2024: Namibia und Südafrika
2026: Namibia und Botswana in Planung :-)
@Zugvogel547 Beiträge · seit 201429. Dez. 2020 · #9
Hallo Klaudi
Bei eurem Simbabwe-Bericht bin ich sehr gerne mit dabei, wären wir doch im August/September 4 Wochen in dieser Region unterwegs gewesen... 🙁
Umso mehr freue ich mich über deine Bilder und Texte!
da ist ja eine tolle Mischung an Bord des Cruisers: - alte Hasen (KarstenB war 1995+1997 schon in ZIM), - WoMo-Reisende wie du, liebe Grosi, - Enilorac65, die schon an den Vic Falls war (die wir auf dieser Reise ausgelassen haben, weil wir sie 2011 auf unserer Samibia-Reise besucht haben. - Fomis, die ihre geplante Reise nicht angetreten haben (Sadie/2016, Zugvogel/2020), - Friederike (CuF), die Simbabwe nur durch die Berichte von F kennt.
Bei picco und Konni bin ich mir nicht sicher, ob sie schon dort waren. Aber wie dem auch sei: ich wünsche euch allen eine angenehme Mitfahrt durch das schöne Simbabwe.
Vielen Dank euch allen für euer Interesse. Und danke natürlich auch allen Danke-Button-Drückern und heimlich Mitlesenden.
VG Klaudi
KlaudiThemenstarter373 Beiträge · seit 201231. Dez. 2020 · #11
Montag, 23. April 2018
In der Nacht rufen die Hyänen um uns herum, trotzdem schlafen wir im Dachzelt wie immer gut. Noch vor Sonnenaufgang klappen wir das Zelt zusammen und fahren in Richtung der Flussauen zum Frühstück auf einen Picknickplatz am Wasser.
Auch hier wurde renoviert, das Dach des Unterstandes ist neu gedeckt. Mit einem Ranger kommen wir ins Gespräch. Er arbeitet schon sein ganzes Berufsleben im Park und begrüßt die positiven Veränderungen, die nun auch wieder Touristen anlocken. Der frühere Chef des Parks habe sich mit Abschüssen sein Gehalt aufgebessert, aber seit einiger Zeit sei das Wild wirklich geschützt.
Uns zieht es weiter nach Süden bis zu den Rossi Pools
und zur Brücke über den Fluss.
Die Spuren der letzten Flut sind noch deutlich an der Vegetation und am Brückenbauwerk abzulesen.
Hatten wir nicht gemeint, Auto fängt mit „au“ an? Als Ursache für das schleifende Geräusch am linken Hinterrad, das uns schon in den ersten Tagen aufgefallen war, hatten wir bisher ein verbogenes Schutzblech der Bremsscheibe vermutet. Als Helmut heute das Blech richten will, stellt er fest, dass einer der Bremsbeläge völlig verschlissen ist und nun Metall auf Metall läuft. Wie kann das sein? Die hatten wir doch erst nach der Tour im Frühjahr 2016 erneuern lassen. Naja, wie dem auch sei, damit wollen wir nicht durch Simbabwe fahren. Beim Workshop der Parkverwaltung fragen wir, wo sie ihre Ersatzteile einkaufen. Die Antwort ist nicht ganz eindeutig, aber ein zufällig anwesender Landmaschinenmechaniker meint, wir sollten es mal bei Croco Motors in Chiredzi versuchen.
Am Nachmittag erkunden wir die nördlich gelegenen Ostufer des Mwenzi
bis zum Makwakwani Viewpoint. Auch hier hat man einen „Ausguck“ auf den felsigen Untergrund gebaut. Hier könnte man sogar übernachten, es gibt eine Long-Drop Toilet, aber ansonsten keine sanitären Einrichtungen …. "Bring your own water and firewood" … Das neue Konzept für den Gonarezhou beinhaltet den Ausbau dieser sogenannten Wilderness Campsites. Überall im Park entstehen neue Plätze, an denen man für satte 90 US$ pro Nacht und Stellplatz campen darf.
Zum Abschluss des Tages zieht es uns noch einmal in die Flussauen. Die Abendsonne verwandelt wieder alles in ein goldenes Licht. Wie aus dem Nichts tauchen 8 Giraffen auf und kreuzen unseren Weg in Richtung Fluss.
Welch ein schöner Abschluss des Tages. Noch nicht ganz: Zurück auf der Campsite ziehen Elefanten trompetend durch den Fluss.
picco6'369 Beiträge · seit 201131. Dez. 2020 · #12
Hoi Klaudi
Klaudi schrieb:Bei picco und Konni bin ich mir nicht sicher, ob sie schon dort waren.
Nein, in Zimbabwe war ich noch nie, aber ich kann ein Kombi-Visa für Sambia und Simbabwe von 2016 vorweisen! 😉
Cornelia72 Beiträge · seit 200802. Jan. 2021 · #16
Hallo Klaudia, wie schön, dass Du wieder aktiv bist und den Reisebericht über Simbabwe einstellst. Eure Reisezeit war - glaube ich - sehr gut gewählt. Die grüne Vegetation gefällt mir. Die strahlenden Fotos im Abendlicht sind wunderschön!
Liebe Grüße und ich freue mich schon auf die Fortsetzung, Conny
PS: An die Autogeschichte kann ich mich noch gut erinnern 😉
KlaudiThemenstarter373 Beiträge · seit 201204. Jan. 2021 · #17
@ Zugvogel Hallo Stefanie, du kannst ganz entspannt sein. Der Park ist wunderschön, und das mit den Bremsen hat sich auch später geklärt. Aufregend war es aber an anderer Stelle. Davon später mehr 😎
@ picco Na dann hoffe ich mal, dass wir zurück sind in Beitbridge, bevor dieses Spezialvisum abläuft 😉 .
@ Cornelia Liebe Conny, ja, die Reisezeit war top: grün und trocken. Besser hätte es nicht sein können. Wir sind wirklich traurig, dass es im Moment so schwierig ist, dorthin zu reisen. Wir würden sooo gerne wieder .... LG, auch an Hermann, und hoffentlich bis bald mal wieder.
Gleich geht es weiter mit dem Reisebericht, VG Klaudi
KlaudiThemenstarter373 Beiträge · seit 201204. Jan. 2021 · #18
Dienstag, 24. April 2018
Heute wechseln wir in den Nord-Ostteil des Parks. Wie gesagt, wir müssen „außen rum“, d.h. raus aus dem Park nach Norden, dann nach Osten und am Runde wieder nach Süden.
Auf dem Weg zum Chikombedzi-Gate lassen wir uns Zeit und schauen noch beim Samalema Gorge vorbei. Das Bett des Mwenzi ist hier extrem felsig und der Fluss hat sich im Laufe der Zeit eine imposante Schlucht geschaffen.
Das Schöne im Gonarezhou ist, dass man fast überall im Park das Auto verlassen darf. Natürlich auf eigene Gefahr... Wir klettern über die Felsen und versuchen, alle Eindrücke fotografisch einzufangen. Die Sonne steht uns noch im Rücken und die Farben sind unvorstellbar schön.
Dann also raus aus dem Park, den ersten Teil so, wie wir gekommen sind.
Von Mbizi aus wagen wir dann – als Abkürzung – eine Erdstraße Richtung Norden nach Chingwizi, die dann später auf die A10 treffen wird. Die ersten Kilometer kommen wir schnell voran, die Straße ist breit und lässt sich gut fahren. Dann wird es anspruchsvoller, je weiter wir ins Hinterland kommen, umso schlechter wird die Straße, umso langsamer kommen wir voran. Aber wir sehen, wie die Menschen leben: überall rechts und links kleine Gehöfte, d.h. einige Hütten, ein Kral, ein bisschen Mais drumherum, ein paar Kühe. Satt wird man so, aber mehr auch nicht. Aber alles tiptop blank gefegt, kein Müll, kein Plastik.
Kurz bevor wir den Runde überqueren, beginnt intensiver Zuckerrohranbau, der das Bild im gesamten sogenannten Triangle prägt. Zum Anbau von Zuckerrohr braucht man Wasser, welches dem Runde hier in großen Mengen abgezapft wird. Die Felder sind eingedämmt, so dass man sie besser fluten kann. Und da die Dämme nicht immer dicht sind, ist die daran entlangführende Straße ein einziger Morast. Na Mahlzeit. Vom Festfahren im Schlamm haben wir ja seit letztem Jahr die Nase voll, aber wir müssen hier durch, ob wir wollen oder nicht. Das Auto sieht natürlich aus wie Sau, aber wir sind durch.
Dann endlich erreichen wir die Runde-Brücke. Am südlichen Ende ragen rechts und links der Brücke meterhohe Sandberge auf, die man nach der letzten Flut dort aufgeschoben hat, damit die Zufahrt passierbar ist. Unvorstellbar, welche Mengen der Fluss bei Hochwasser transportiert und hier ablädt. Zwischen diesen Sandbergen warten wir geduldig, bis eine große Rinderherde die Brücke überquert hat.
Dann endlich auf der A10 Richtung Triangle/Buffalo Range. Durch den Zuckerrohranbau gibt es hier Arbeit und deshalb haben die Menschen hier ein bisschen Geld. Das sieht man sofort: manch einer hat sogar ein Fahrrad. Himmel und Menschen ansonsten zu Fuß auf der Straße unterwegs. Ein Traktor auf drei Rädern (ein Vorderrad fehlt) kommt uns entgegen. An der Polizeikontrolle werden wir wie gewohnt freundlich durchgewunken. Das war wohl vor dem Präsidentenwechsel noch anders. Reisende und auch Einheimische berichten von Wegelagerei ähnlichen Zuständen.
Bei Croco Motors in Chiredzi wollen wir ja Bremsbeläge kaufen. Pustekuchen, diesen Laden gibt es nicht mehr. Auch ihm ist die Puste ausgegangen in den vielen Jahren des wirtschaftlichen Niedergangs. Aber der Tankwart meint, wir sollten mal in die Stadt hineinfahren, dort gäbe es sogar einen Toyota-Händler. Gesagt getan, und der Toyota-Händler hat sogar die passenden Bremsbeläge vorrätig. Aber der freundliche Mitarbeiter rät, sie nicht bei ihm zu kaufen, er müsse 200 US$ dafür verlangen, und das sei ja nun wirklich zu teuer. Aber vielleicht hätten wir ja nebenan Glück…. Und dann malt er freundlicherweise noch die Kontur des Belags auf ein Blatt Papier, damit wir auch ja den richtigen kaufen. Nebenan haben wir zwar Pech, aber zufällig hört ein Kunde wonach wir fragen und schaltet sich ein. Er kenne jemanden, der diese Beläge hätte, und den wolle er nun mal anrufen. Und nun haben wir also nebenan doch Glück, die Beläge sind bestellt, angezahlt, und wenn wir Freitag zurück aus dem Gonarezhou kommen, wollen wir sie abholen.
Bevor man den östlichen Teil des Gonarezhou erreicht, muss man die Malilangwe Conservancy durchqueren. Massiver Zaun, martialisches Tor, Eintragung ins Buch und Laufzettel, 45 km auf breiter Piste (sagenhafte 80 km/h sind erlaubt!) bis zum nächsten Tor, Zettel abgeben. Die sogenannte Conservancy ist ein privates Wildschutzgebiet, und wenn man hier zu Gast sein möchte, muss man pro Tag und Person schlappe 1.500 US$ berappen. Dafür kann unsereins mindestens drei Wochen Urlaub machen.
Das Einchecken im Gonarezhou geht dagegen leger vonstatten. Man freut sich, dass wir kommen und wünscht uns einen schönen Aufenthalt. Die Campsites an den Chipinda Pools sind nur ein paar Kilometer weit weg vom Gate direkt am Runde. Auch hier lässt Frankfurt grüßen: Neun sehr großzügige Stellplätze liegen am hohen Ufer nebeneinander. Je drei teilen sich einen Sanitärblock. Duschen, Toiletten, alles renoviert und in bestem Zustand. Auf Empfehlung von Ranger Charles (der mit dem Bart wie ein indischer Sikh) hatten wir schon von Mabalauta aus Campsite Nr. 8 gebucht. Sie ist die vorletzte in der Reihe, hat hohe Schattenbäume und gibt den Blick frei auf den Fluss.
Campsite Nr. 2 soll auch noch belegt sein, hatte man uns gesagt, ansonsten sind wir mal wieder alleine. Im Fluss grunzen die Hippos, Elefanten tummeln sich auf der vorgelagerten Flussinsel. Durch unser „Vorgärtchen“ laufen Nyalas und Impalas, ein Goliathreiher steht im Schilf.
KlaudiThemenstarter373 Beiträge · seit 201210. Jan. 2021 · #19
Mittwoch, 25. April 2018
Was für eine Nacht! Angenehme Temperatur, kein Lärm, jedenfalls kein von Menschen verursachter, sondern nur die Töne der Natur. Wir frühstücken in aller Ruhe mit Blick auf den Fluss und die vorgelagerte Sandbank. Elefanten, Hippos, Krokodile friedlich vereint. Der Camp-Attendant grüßt fröhlich winkend herüber. Jetzt aber los, bevor es zu warm wird. Wir wollen heute mal nach Süden, vielleicht bis zu den Chilojo Cliffs, den Wahrzeichen des Parks.
Dieser Teil des Gonarezhou begeistert uns auf Anhieb. Im Gegensatz zum südwestlichen Teil ist hier, östlich des Runde, alles hügelig, grün bewachsen mit sattem Gras, großen Bäumen, Kandelabereuphorbien.
Wir fühlen uns wie in einem großen englischen Landschaftspark, nur die Fauna passt nicht so recht nach England. Hier macht die Bezeichnung Nationalpark ihrem Namen alle Ehre. Die frisch geschobene Straße führt uns bergauf, bergab. Von jeder Kuppe ergeben sich neue Ausblicke; östlich liegen Hügel hinter Hügel, westlich das breite Bett des Runde und dann bis zum Horizont die große Ebene, die bis zum Mwenzi reicht.
Überall in der Landschaft große Baobabs, die auch hier noch voll im Laub stehen.
Und immer wieder Impalas, Zebras, Wasserböcke, Warzenschweine.
Auf dem Weg nach Süden zweigt eine Stichstraße ab zur Chivilila Campsite, die direkt am Rundeufer liegen soll. Und weil wir sicherlich diesen schönen Park noch einmal besuchen werden, wagen wir den steilen und steinigen „Abstieg“ hinunter zum Fluss, um zu erkunden, ob der Platz zum campen taugt.
15 Minuten geht es im Low hinunter. Der Weg ist schmal, weit und breit keine Ausweichstelle in Sicht, bei Gegenverkehr müsste eines der Fahrzeuge also zurück. Und was, wenn uns hier ein Elefant in die Quere kommt?? Die Erinnerungen an 2017 (als uns ein Bulle in Musth attackiert hatte) sind noch nicht verblasst, und wir beide haben die gleichen Gedanken, obwohl wir sie jetzt, während der Fahrt, nicht aussprechen. Unten angekommen werden die Mühen und versteckten Ängste sofort überlagert von einer wunderschönen Aussicht. Aus einer felsigen Schlucht ergießt sich der Runde hier in einige Pools, bevor er weiter südlich wieder, von Felswänden eingezwängt, verschwindet. Das Wasser klar, die Felsen rot, die Vegetation grün und üppig.
Auf einer glatten Granitfläche steht ein strohgedeckter Unterstand, in einiger Entfernung ein Plumpsklo. Die Lage der Campsite ist grandios, es muss herrlich sein, hier ganz alleine zu campen. Wenn nur nicht die 90 US$ Gebühr wäre.
Einen ähnlichen Abstecher zum Fluss machen wir noch einmal einige Kilometer weiter südlich, und zwar zum mit Recht so genannten Runde Gorge. Dem Reiseführer ist der Gorge keine Zeile wert, wahrscheinlich war dem Autor die Anfahrt zu beschwerlich. Aber die Schlucht, die der Runde hier geformt hat, muss man gesehen haben. Es ist nicht so sehr die Tiefe, da gibt es sicherlich Spektakuläreres. Aber die Kombination aus rotem Fels, satt-grüner Vegetation, klarem Wasser und weißer Gischt an den Stromschnellen ist wunderschön, und nur schwer können wir uns lösen.
Wir cruisen weiter Richtung Süden.
Gegen Mittag erreichen wir die Chilojo Cliffs, oder besser gesagt, die gegenüberliegende Seite.
Unsere Pause unter Palmen, mit Blick auf die Cliffs, wird leider immer wieder von einzelnen Elefanten gestört und so machen wir uns schweren Herzens auf den Rückweg. Schon auf halbem Hang schauen wir noch einmal zurück: etwa 50 Elefanten queren den Runde – was für ein Bild: die roten Cliffs, der Fluss, die majestätischen Tiere. Auch auf die größere Entfernung hin hören wir sie laut trompeten.
Auch der späte Nachmittag auf der Campsite gehört den Elefanten. Sie kommen von der gegenüberliegenden Seite durch den Fluss und baden ausgiebig im Pool zu unseren Füßen.
Nach dem Abendessen wird es uns allerdings zu bunt:
wir sitzen am Flussufer und lauschen in die Natur, als einige Elefanten aus dem Fluss steigen und auf der Campsite nach Fressbarem suchen. Wir können sie nur schemenhaft sehen, aber es kracht um uns herum in den Büschen und Bäumen. Wir verziehen uns ins Dachzelt.
Hermann1'564 Beiträge · seit 200610. Jan. 2021 · #20
Hi Klaudia, wiedermal sehr schöne Fotos!! 🙂 Konntet Ihr eigentlich das Auto immer bedenkenlos zum Fotografieren verlassen ohne auf eventuelle Raubtiere achten zu müssen?? 😐