Bhekisisa schrieb:
@Wolfgang: immer wieder habe ich über deine Anmerkung nachgedacht, was genau du damit sagen wolltest.
Das freut mich, denn Nachdenken ist immer gut.
Ich wollte damit auch nicht sagen, dass alles schlecht ist. Sonst wäre ich ja auch nicht so gerne in Afrika unterwegs. Die Menschen sind sehr hilfsbereit, offen und freundlich und meistens fröhlich.
Aber was gibt es noch?
Üble Armut, Korruption, Krankheiten, hohe Kindersterblichkeit, Bürgerkriege, Hungerkatastrophen …
Ich war auf meinen Reisen mit dem Rad oft abseits der Touristenpfade unterwegs. Ich habe in Sierra Leone mit ehemaligen Kindersoldaten gesprochen, dort und in Guinea-Bissau sowie Rwanda mit Opfern (Amputierte) und Hinterbliebenen von Getöteten. Ich habe in Sierra Leone jemandem die Behandlung im Krankenhaus finanziert, weil er es nicht konnte. Ohne fünf Dollar an der Pforte kommt man gar nicht erst auf das Gelände und bekommt gar keinen Arzt zu Gesicht. Ich war auch bei der Behandlung dabei.
Ich habe einen Wächter eines Campingplatzes getroffen, der am Vortag seine Tochter wegen Malaria verloren hat. Es war kein Geld da für eine rechtzeitige Behandlung.
Ich habe Krankenhäuser in vier afrikanischen Ländern von innen gesehen. Krankenhäuser ohne Strom und fließend Wasser bis auf zwei Stunden am Tag. Wenn man die sanitären Anlagen für das Personal sieht, will man gar nicht mehr wissen, wie die für die Patienten aussehen. Ich habe einen 17-jährigen Arzt kennengelernt. Sein Wissen hatte er von seinem Vater.
Ich habe oft bei Menschen übernachtet, die unter ärmlichen Verhältnissen in Hütten mit nacktem Erdboden lebten. Da wurde das Wasser kilometerweit herbei geschleppt. Strom gab es natürlich auch nicht, nicht mal mit Generator.
All das geht schnell mal vergessen, wenn man nur Lokationen wie Joe's Beerhouse oder hochpreisige Lodges kennt, in denen alles funktioniert wie bei uns.
Da ich auch die andere Seite kennengelernt habe, unterstütze ich seit Jahren drei verwaiste Patenkinder in Afrika. Vielleicht schaffen sie es damit zu einer Ausbildung und einem besseren Leben. Nicht alle Menschen dieser Welt haben das Glück, in einer reichen Region wie Deutschland geboren zu werden. Mir wurde es -ohne mein Zutun- gegönnt. Ein bisschen versuche ich diejenigen zu unterstützen, die weniger Glück hatten als ich.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...