im Juli waren wir zum zweiten Mal auf Island, im zweiten Sommer in Folge sogar. Diese Reise war entgegen unserer sonstigen Gewohnheiten nicht von langer Hand geplant, sondern - ihr ahnt es schon - Corona geschuldet, und wir waren (und sind) dankbar, dass wir sie machen konnten.
Unsere Andalusien-Reise im Mai war ausgefallen, natürlich, wir hatten Fernweh (wer von uns nicht?), und als die Isländer ihre Grenzen unter für uns sehr akzeptablen Bedingungen wieder öffneten, schlugen wir direkt zu. Weil Corona auch beruflich einiges durcheinandergekegelt hatte, war das Zeitfenster nicht zuletzt in dieser Hinsicht extrem günstig, und der erforderliche Test bei der Einreise erschien uns nicht nur richtig, sondern auch machbar. Dass ein Restrisiko blieb, bei der Ankunft am Flughafen positiv getestet und in Quarantäne verbannt zu werden, war uns klar; doch wir schätzten es als sehr gering ein.
Flug, Auto und Unterkünfte hatten wir einigermaßen schnell zusammen, denn ich hatte noch eine ungefähre Route im Kopf, nachdem wir bereits im Vorjahr beschlossen hatten, Island auf jeden Fall wieder zu bereisen. Dass das so schnell passieren würde, ahnten wir allerdings nicht...
Einige Orte, die uns beim ersten Mal besonders gut gefallen hatten, wollten wir erneut und sogar besonders ausgiebig besuchen, darunter Vik und der Myvatn-See. Andere Gegenden, wie die etwas abgelegenen Westfjorde, waren Neuland für uns.
Ihre raue Schönheit hatte uns 2019 komplett in den Bann der Insel gezogen, auch wenn sie nachweislich in aller Regel überlaufen ist - vor allem im Sommer. Es war klar, dass das nun Corona-bedingt anders wäre, und wir waren gespannt, wie sich die erzwungene Rückkehr zur Einsamkeit bemerkbar machen würde.
Ich würde mich riesig freuen, wenn ihr uns auf einer virtuellen Tour durchs Land der Feen und Trolle begleiten würdet! Packt einen dicken Pulli ein, und dann reisen wir gemeinsam durch spektakuläre Landschaften,...
...durchs Auenland...
...nach Mordor,...
...und durch stille Fjorde.
Suchen nach der Mitternachtssonne,...
...nach Diamanten...
...und dem perfekten Wasserfall.
Gehen auf Safari,...
...finden schwarze, weiße, ja sogar rote Strände,...
...und neue Freunde.
Reisezeit und Route:
13.7.: Flug Frankfurt/Main nach Keflavik Übernachtung im Hotel Geysir (statt wie geplant Litli Geysir Hotel) 14.-16.7.: Vik i Myrdal, Hotel Kria 17.+18.7.: Jökulsarlon Glacier Lagoon, Fosshotel Glacier Lagoon 19.7.: Höfn, Milk Factory 20.+21.7.: Seydisfjördur, Hotel Aldan 22.7.: Mödrudalur, Pension Fjalladyrd 23.-25.7.: Myvatn, Foss Hotel Myvatn 26.7.: Laugarbakki, Hotel Laugarbakki 27.7.: Drangsnes, Malarhorn Guesthouse 28.7.: Isafjördur, Hotel Isafjördur 29.+30.7.: Patreksfjordur, Fosshotel Westfjords 31.7.+1.8.: Per Fähre nach Snaefellsnes, Grundarfjordur Bed and Breakfast 2.8. Vogar, Motel Arctic Wind 3.8. Rückflug
Liebe Grüße, Betti(na)
P.S.: Die Sonne ist aktiviert ... Also hier im Forum, in Island ist das ein anderes Thema, aber dazu kommen wir noch. 😎
Teil 222. Okt. 2020
Betti auf Island
Eine meiner frühesten und schönsten Kindheitserinnerungen ist das abendliche Vorlesen meines Vaters. War mein erster Protest gegen die viel zu frühe Bett-Order verebbt, schlüpfte ich noch leise schmollend in meinen Frottee-Schlafanzug und lauschte schließlich andächtig den Abenteuern von Nonni auf Island.
Die Bücher, die mein Vater selbst schon als Junge gelesen hatte, entführten mich gedanklich in eine fremde Welt aus heißer Erde, Schnee und Eis, und ich lernte allerlei nützliche Dinge. Zum Beispiel, wie es sich zu verhalten gilt, wenn man von einer Lawine verschüttet wird (ein Wissen, das ich zum Glück nie zur Anwendung bringen musste), dass es Pferde mit einem fünften Gang gibt und Gegenden, in denen der nächste Nachbar tagelange Fußmärsche entfernt lebt - für mich als Sprössling des rummeligen Ruhrgebiets eine fast schon absurde Vorstellung. Es konnte daher in meinen kindlichen Augen nicht anders sein, als dass diese wundersame Insel mit ihren wundersamen Wesen dem Reich der Fabel entsprang, zumindest aber in unerreichbarer Ferne liegen musste. Und das machte sie umso reizvoller für mich.
Hochtemperaturgebiet Hverarönd beim Myvatn 2019
Jökulsarlon-Gletscherlagune 2019
Zu den großartigsten und gleichzeitig zweifelhaftesten Errungenschaften des Erwachsenwerdens zählen ja Erkenntnis und Kenntnis. Zum Beispiel die der Geografie. Erstaunt musste ich irgendwann feststellen, dass Island nicht nur real, sondern nach heutigen Maßstäben sogar ums Eck ist. Ich nahm mir fest vor, Nonnis Heimat eines Tages zu besuchen. Warum es dann so lange gedauert hat, kann ich noch nicht einmal sagen, doch Ende Juli vergangenen Jahres war ich dann erstmals am Ziel meiner Kindheitsträume.
Snaefellsness mit dem Snæfellsjökull 2019
Landmannalaugar 2019
Rund dreieinhalb Stunden dauert der Flug aus Deutschland nach Keflavik. Praktisch ein Katzensprung, doch bestimmte Umstände können die Verhältnismäßigkeit von Distanz auf unserer gefühlt zur Erbse geschrumpften Erde wieder zurechtrücken. Wie Corona zum Beispiel und ein damit einhergehender Lockdown des Flugverkehrs, oder ein Vulkanausbruch wie der des Eyjafjallajökull, der 2010 wochenlang für Chaos bei den Airlines führte. Das ist deshalb besonders erwähnenswert, weil auch diesmal im Vorfeld unserer Reise eine ganze Reihe von Erdbeben Island erschütterte und auf einen möglichen Ausbruch des Vulkans Grimsvötn hindeutete. Nachdem Icelandair nach der Corona-Zwangspause nun endlich wieder flog, mochten wir uns diese Ironie des Schicksals im Fall der Fälle kaum ausmalen.
Wir hatten zunächst einen SAS-Flug geblockt und dann aber rechtzeitig zurückgegeben, nachdem Icelandair wieder auf den Plan trat - wenn auch noch verhalten. Statt des eigentlich täglichen Abflugs von Hamburg gab es nur einen wöchentlichen Slot am Samstag, und weil wir auch für den Rückflug die Sicherheit einer regelmäßig beflogenen Strecke haben wollten, entschieden wir uns für Flüge ab/bis Frankfurt/Main. Auch Zubringerflüge aus Hamburg waren noch rar und hätten uns eine sechsstündige Wartezeit in der Mainmetropole beschert. Also sattelten wir auf den Zug um, und um ganz sicher zu gehen, dass das alles in Zeiten von Ausfällen und Unsicherheiten entspannt über die Bühne gehen würde, reisten wir einen Tag früher in Frankfurt an. Das hatte zudem den Charme, dass wir einen wunderbaren, lauen Sommerabend mit den Casimodos verbringen konnten, die wenige Wochen nach uns Island bereisen wollten und ähnlich enthusiastisch waren wie wir. 1.000 Dank Kerstin und Carsten für diesen tollen, stimmungsvollen Abend! Eure Zeit wird kommen! 😘
Mit freundlicher Genehmigung der Casimodos 🙂
Am 13. Juli ist es dann soweit, und wir machen uns nach einem gemütlichen Frühstück im Hotel auf den Weg zum Flughafen. Der wirkt wie leergefegt, entsprechend flott sind wir durch den Sicherheitscheck und harren der Dinge, die da kommen. Wir hatten auch deshalb von SAS auf Icelandair umgeswitcht, weil die Ankunftszeit in Island auf diese Weise deutlich vor 17 Uhr lag. Damit hatten wir dem Vernehmen nach gute Chancen, das Ergebnis des erforderlichen Tests bei der Ankunft noch am selben Abend zu erfahren. Das erschien uns nicht nur nervenschonend, sondern war auch deshalb von Bedeutung, weil erst dann die Reise ab der ersten Unterkunft fortgesetzt sowie größere Ausflüge unternommen werden durften.
Beim Boarding verhalten sich die Passagiere überraschend diszipliniert und stehen mit Abstand in Reih und Glied, im Bus ist es damit allerdings vorbei, denn der wird wie gehabt bis zum Anschlag vollgestopft. Der Flieger ist fast ausgebucht, auf die Idee, das günstige Zeitfenster zu nutzen, waren noch andere gekommen. Wir atmen etwas mühsam durch unsere FFP2-Masken, fühlen uns aber alles in allem gut.
Als wir über Island schweben, bin ich voller Vorfreude, aber auch gedanklich bei dem Test, der vor uns liegt. Was, wenn wir positiv wären? Wir müssten zwei Wochen in Quarantäne, immerhin auf Staatskosten, aber naja... Es wird schon gutgehen. Beim Aussteigen geht es brav Reihe für Reihe und nicht so hektisch zu wie sonst, das dürfte von mir aus Schule machen und auch in Zukunft immer so sein.
2.000 Passagiere dürfen zu diesem Zeitpunkt täglich ins Land, mehr gibt die Testprozedur nicht her. Nur vier Tage nach unserer Ankunft ändern sich allerdings die zulässigen Zahlen und das Verfahren, und Touristen aus vier Ländern dürfen ungetestet ein- und umherreisen - darunter Deutschland.
Für uns gilt das noch nicht, und so werden wir über den gähnend leeren Airport zu den Teststationen geleitet. Wie die meisten haben wir den Test schon aus Deutschland bezahlt. Die Schlange, in der wir stehen, rückt erstaunlich zügig voran und ich bin einmal mehr begeistert vom Einfallsreichtum und Pragmatismus unserer Gastgeber. Nur noch eine Dame ist vor mir dran, sie stimmt ein jammervolles Wehklagen an, lange bevor der Teststab sie überhaupt erreicht hat, und versetzt die Wartenden in den hinteren Reihen damit in helle Aufruhr. Grußlos und empört stürmt sie wenige Minuten später aus der Kabine und in Richtung Gepäck. Ich trete vor und zwinkere dem vermummten Tester zu, der all das isländisch-gelassen erduldet und zum Wohle seiner Volkswirtschaft - und letztlich auch zu unserem Vergnügen - täglich stundenlang in fremden Mundhöhlen und Nasen herumprokelt. Tatsächlich finde ich die kurze Prozedur gar nicht schlimm, was vielleicht auch der bühnenreifen Vorstellung meiner Vorgängerin geschuldet ist, nach der ich aufs Schlimmste gefasst war.
2019 sind wir per Shuttle zur Autovermietung gebracht worden, das ist jetzt aber nicht möglich, und so werden wir von einem Mitarbeiter der Firma abgeholt. Über MyCar kann ich nur das Beste sagen, beim letzten Mal hatten wir bei einem großen Anbieter eine echte Gurke von PkW bekommen, diesmal wollten wir etwas mehr abseits der ausgetretenen Pfade fahren und deshalb einen SUV mit mehr Bodenfreiheit. Island ist dummerweise ein sehr hochpreisiges Reiseland und das Auto mit der größte Kostenfaktor, und ein SUV oder gar Jeep treibt die ohnehin stolzen Summen noch einmal gehörig nach oben. Wir konnten aber vorab immerhin ausdealen, einen der neuen Wagen (Toyota RAV4 GX Automatik) zum Preis der Vorsaison zu mieten. Gerade einmal 3.200 Kilometer hat das Auto bei der Übergabe auf dem Tacho, und um es vorab zu sagen, wir hatten unsere helle Freude daran.
Im Lavafeld Berserkjahraun, Snaefellsnes
Meine ersten Eindrücke im Vorjahr waren ein kleiner Schock, die schwarze Einöde der Halbinsel Reykjanes, wo sich der Flughafen befindet, erinnerte mich fatal an Abraumhalden. Das sollte also die vielgelobte Bilderbuch-Landschaft sein?
Diesmal weiß ich, was uns wo erwartet, und glücklich nehmen wir die rund 150 Kilometer bis zu unserer ersten Unterkunft unter die Räder.
Es ist schön, die fast schon vertrauten Orte wiederzuerkennen, wir fahren vorbei an Lavafeldern, blühenden Lupinen (zu denen ich allerdings ein ambivalentes Verhältnis habe, weil sie zwar hübsch sind, aber hier fehl am Platze und die einheimische Flora verdrängen), sowie den großen, für den ersten Einkauf empfehlenswerten Discountern mit dem riesigen Sparschwein auf dem Dach.
Weil auch Restaurantbesuche auf Island die Reisekasse nicht unerheblich belasten, hatten wir uns dort 2019 reichlich eingedeckt. Das geht nun ohne Testergebnis nicht, und so fahren wir auf direktem Weg zum berühmten Geysir. Der Strokkur, der in schöner Regelmäßigkeit alle paar Minuten in die Höhe schießt, ist eine der größten Attraktionen und allzu oft von drölfzighundert Touristen umlagert.
Strokkur 2019
Weil das in diesem speziellen Jahr mutmaßlich anders sein würde und wir uns auch ohne Testergebnis draußen ein wenig die Beine vertreten dürfen, haben wir uns für die erste Nacht eine Unterkunft in direkter Nachbarschaft dieses beeindruckenden Naturphänomens gesucht. Keine Reisebusse, der Parkplatz leer, der erste Eindruck unterscheidet sich erheblich vom dem des Vorjahres, doch oh Schreck, die Tür des Litli (=klein) Geysir Hotels ist verschlossen. Die Spur in Form eines schlichten Zettels führt zum größeren, fast neuen und nicht gerade günstigen Hotel Geysir ein paar Meter weiter, das seine Pforten bereits wieder geöffnet hat - ein unverhofftes und willkommenes Upgrade.
Wir essen notgedrungen auf dem Zimmer, das nicht nur für isländische Verhältnisse großzügig ausfällt, spazieren zum Geysir und genießen die Stille.
Links mit den hellen Dächern das Litli Geysir Hotel, hinter dem Strokkur das Hotel Geysir
Um 21 Uhr piept Thomas' Handy, nur zwei Minuten später meins: negativ! Ich könnte die Corona-App knutschen! Erst jetzt spüren wir am Ausmaß unserer Glückseligkeit, wie sehr uns die andere Möglichkeit belastet hat.
Schlagartig fühlen wir uns so frei, wie wir uns eben nur auf Reisen fühlen. Es kann losgehen!
Teil 326. Okt. 2020
Im Land der Wasserfälle
Wasser in flüssiger und fester Form, manchmal kochend heiß und oft zu Eis gefroren, ist auf Island alles andere als eine Rarität. Häufig kommt es von oben, und damit sind nicht zwingend die leider ebenfalls nicht seltenen Regen-, sondern vielmehr die zahllosen Wasserfälle gemeint. Wer sich dafür begeistert, wird auf der Insel nicht lange suchen müssen, sie sind allgegenwärtig und in den verschiedensten Variationen zu haben. Gemein ist ihnen fast immer die Endung -foss (oder auch im Plural -fossar), die auf mich eine erheiternde Wirkung hat, ohne dass ich eigentlich genau sagen könnte, warum.
An unserem ersten Morgen fällt das Wasser allerdings zunächst einmal nicht nach unten, sondern schießt in die Höhe, denn noch vor dem Frühstück statten wir den heißen Quellen einen weiteren Besuch ab. So zeitig am Morgen sind wir die einzigen Besucher, die Stille ist fantastisch und wird nur hin und wieder vom Strokkur unterbrochen, der brav seiner Bestimmung folgt und alle paar Minuten eine turmhohe Wassersäule zischend in die Luft spuckt.
Einige Meter weiter in einem zweiten Becken deuten zwar winzige Bläschen an, dass sich unter der stillen Wasseroberfläche etwas regt. Doch der Große Geysir, Namensgeber aller Geysire weltweit, hat sich zumindest vorübergehend zur Ruhe gesetzt. Tektonische Verschiebungen sollen verantwortlich dafür sein, dass seine Aktivität immer wieder sogar für Jahrzehnte zum Erliegen kommt. 2019 haben wir ganze Menschentrauben gesehen, die - vergebens - auf einen Ausbruch warteten, und manch einer war dankbar für den Hinweis, dass es der etwas kleinere, aber entgegenkommendere Nachbar ist, den es zu belauern gilt. Die Unsitte, die Fontäne mithilfe von Schmierseife herauszukitzeln, hat sich glücklicherweise in den 1980er-Jahren auf Druck der Umweltschutzverbände erledigt. Und so blubbert und dampft der Geysir friedlich vor sich und gibt vor, ein Dorfteich zu sein - wenn auch ein sehr warmer.
Still ruht der Geysir (Foto von 2019)
Beim Frühstück gibt's eine große Auswahl, klassische Musik und den Blick auf den weiterhin stoisch seinen Dienst verrichtenden Strokkur. Er weiß wohl nicht, wie beeindruckend er ist. Mich jedenfalls lenkt er, obwohl wir ihn nun schon so oft ausführlich bewundert haben, mit jeder seiner Showeinlagen wieder aufs Neue von meinem Rührei ab; was kein Unglück ist, stammt es doch ganz offensichtlich nicht von glücklichen Hühnern, sondern aus der Tüte.
Unsere Siebensachen sind schnell gepackt, wir klemmen uns den kleinen Ausflug zum nur wenige Kilometer entfernten Gullfoss. Der "goldene Wasserfall" ist einer der beliebtesten Islands und fraglos imposant, präsentierte sich ein Jahr zuvor allerdings bei Traumwetter von seiner besten Seite. Das ist an diesem Tag nicht zu toppen, und so fahren wir in die entgegengesetzte Richtung zum ebenfalls in der Nähe liegenden Bruarfoss, denn wir haben uns fest vorgenommen, auch viele neue Plätze für uns zu entdecken.
Gullfoss 2019
Dieser Wasserfall galt lange als Geheimtipp und als sich seine Schönheit schließlich herumgesprochen hatte, fielen die Touristen wie die Heuschrecken über eine benachbarte Ferienhaussiedlung her, bahnten sich den Weg durch die dieselbe und auch querfeldein durch die Natur. Die litt ebenso wie die urlaubenden Hausbesitzer, und so gibt es mittlerweile einen kleinen Parkplatz an der Straße 37 östlich von Laugarvatn, von dem aus ein rund drei Kilometer langer Pfad zum Ziel führt.
Das Wetter ist brauchbar, zwar bewölkt, aber trocken und kein Wind, Vögel und zu Beginn auch Islandpferde begleiten uns auf dem herrlichen Weg entlang des Flusses Bruara (Brückenfluss), der zusehends schmaler und verwunschener wird.
Ufer!Schnepfe (Danke, Matthias)
Vorbei geht es an Stromschnellen und weiteren Wasserfällen, eine tolle Strecke.
Aus der Ferne sehen wir die Holzbrücke, die über den Fluss führt und einen wunderbaren Blick auf den Bruarfoss ermöglicht, und nach 40 Minuten stehen wir schließlich dort. Nur fünf Meter fällt der Bruarfoss in die Tiefe, doch sein ungewöhnlich babyblaues Wasser fließt strahlenförmig in die Flussspalte - er ist wunderschön.
Eine Familie kommt und geht, dann ein junges Paar, doch die meiste Zeit sind wir allein; klettern herum, genießen den Anblick und das Rauschen des außergewöhnlichen Wasserfalls.
Nach fast drei Stunden sind wir zurück am Auto, oha, irgendwie brauchen wir immer sehr lang, dann fahren wir erst nach Süden und schließlich auf die 32 ins Landesinnere. Die Gegend ist überwältigend und einsam, beim nächsten Mal müssen wir hier unbedingt mehr Zeit verbringen und einen Übernachtungsstopp einplanen, das nehmen wir uns fest vor.
Kurz bevor die Straße in eine F-Hochlandpiste übergeht, biegen wir ab auf eine sehr rumpelige Strecke, von der aus auch das wunderhübsche Tal Gjain mit seinen vielen kleinen Wasserfällen erreichbar ist. Wir lassen es links liegen, auch das steht auf der Agenda fürs nächste Mal, dann idealerweise bei etwas wolkenloserem Himmel.
Zusehends steiler windet sich die 7,5 Kilometer lange steinige Piste nach oben, die nur mit einem geländegängigen Auto befahren werden darf. Unser SUV macht einen tollen Job und ich finde die Rüttelstraße in angemessenem Tempo gut machbar. Vom Parkplatz aus ist es nicht mehr weit zu unserem Ziel, dem Haifoss (=hoher Wasserfall), der aus 122 Metern geteilt über eine steile Stufe hinabstürzt.
Es ist ziemlich frisch hier oben, die Landschaft schroff und spektakulär, und es liegen noch Reste von Schnee. Es soll einen Abstieg geben hinunter ins Tal, doch uns fehlen Muße und Zeit, dann eben - na logo - beim nächsten Mal. 🙂
Dieser Wasserfall, der dritthöchste des Landes, ist bei den Isländern besonders beliebt. Nicht nur, weil er schön ist, sondern vor allem schön abgelegen, fernab der Ringstraße und nur mit etwas Aufwand erreichbar. Reisegruppen und Touristenmassen verirren sich nicht hierher. Unter diesen besonderen Umständen schon gar nicht, wir treffen kaum Menschen.
Zurück auf der Ringstraße passieren wir Hella, kein attraktiver Ort, aber für uns einer mit Geschichte: An dem riesigen Parkplatz nahmen wir im vergangenen Jahr den (vorgebuchten) Hochlandbus nach Landmannalaugar - es war ein unvergesslicher Tag.
Landmannalaugar 2019
Diesmal geht es direkt weiter zum Seljalandsfoss, der vor allem deshalb geschätzt wird, weil man hinter seinen Wasservorhang gehen kann. Es ist beileibe nicht so voll wie im Vorjahr, aber auch alles andere als leer, der Wasserfall steht im Ruf eines Topmodels und ist nicht nur entsprechend begehrt, sondern liegt eben auch praktischerweise direkt an der Ringstraße.
Seine zweifellos vorhandenen Reize prallen diesmal ziemlich an uns ab, denn wir wollen zum Gljufrabui, der nur wenige 100 Meter entfernt verborgen in einer Schlucht liegt.
Ein paar Schritte durch den Bach und ein bisschen nasse Füße, schon stehen wir inmitten der beeindruckenden Kulisse - die unverhofft zum Schauplatz einer Tragödie wird: Thomas' Superweitwinkel gibt just hier an Tag eins den Geist auf und lässt sich fortan kaum, später dann praktisch gar nicht mehr einsetzen. Das ist nur wirklich blöd gelaufen! 🙁 (P.S.: Ein neues Objektiv ist mittlerweile angeschafft und Thomas' Seelenfrieden wiederhergestellt 😉 ).
Nur noch wenig Energie haben wir nun aus diversen Gründen für den majestätischen Skogafoss übrig. Der letzte Wasserfall an diesem Tag, ebenfalls an der Ringstraße gelegen und stets gut besucht, nicht zuletzt, weil direkt zu seinen Füßen ein großer Campingplatz liegt.
Uns fehlt die Motivation, noch die lange steile Treppe zu erklimmen, an deren Ende sich ein grandioser Blick auf die Fallkante sowie schöne Wanderwege mit weiteren "Fossar" bieten, und kehren stattdessen im zum Campingplatz gehörenden Restaurant ein. Hungrig fallen wir über Fish and Chips und (Veggie-)Burger her, typisch isländisches Essen, kein Scherz, die Isländer lieben Fast Food.
Skogafoss 2019, rechts vom Wasserfall die Treppe
Dann nehmen wir die letzten Kilometer unter die Räder, es war ein langer Tag, am Horizont liegen die Westmännerinseln in schönem Licht.
Noch so ein Ziel fürs nächste Mal, doch jetzt freuen wir uns erst einmal auf Vik, das uns im Vorjahr so gut gefallen hat und wo wir drei Tage verbringen werden. Mit putzigen Gesellen, aber auch manchmal mehr Wasser, als uns lieb sein kann...
Teil 431. Okt. 2020
Gemischte Gefühle in Vik
An Vik hatten wir gute Erinnerungen. Das Kap Dyrhólaey mit seinem Leuchtturm, den viel gelobten Sonnenuntergängen und seiner Puffin-Kolonie, der berühmte schwarze Strand von Reynisfjara, 1991 als einer der zehn schönsten nicht-tropischen Strände der Welt eingestuft, die Felsnadeln Reynisdrangar und grandiose Ausflugsmöglichkeiten drumherum - die Gegend hat richtig viel zu bieten.
Vik 2019
Durch unseren langen Tagesausflug nach Landmannalaugar hatten wir dort 2019 nur eine Nacht verbringen können, was eindeutig zu wenig war, und so hatte ich diesmal gleich drei Übernachtungen in dem beliebten Örtchen eingeplant.
Im Jahr zuvor hatten wir eine "Gästefarm" kurz vor Vik gewählt, das war nicht schlecht, aber Gemeinschaftsbad und Winzigkammer - die B&B-Zimmer sind häufig sehr klein - waren für drei Nächte keine Option. Hinzu kam, dass das Angebot ohnehin erheblich eingeschränkt war; nicht zuletzt deshalb, weil es an Personal, das oft fürs Saisongeschäft aus dem Ausland anreist, diesmal aus triftigem Grund mangelte. Die Hotels behalfen sich mit studentischen Hilfskräften, so auch das Hotel Kria direkt im Ort und an der Ringstraße.
Günstige Lage und skandinavisch-modern, das gefiel uns schon im Vorjahr beim Vorbeifahren gut und wie bei fast allen Unterkünften kam uns diesmal zugute, dass die Preise häufig nicht auf Hochsaison-Niveau angehoben worden waren. Man wusste wohl einfach nicht, wie es laufen würde, und das zahlte sich für uns sprichwörtlich aus, denn die Hotelpreise ziehen im Sommer normalerweise in schwindelerregende Höhen an.
Versteinerte Trolle in Vik (2019)
Bei unsere Ankunft in Vik wird indes auch klar, dass es mit der Einsamkeit nicht ganz so weit her ist wie ursprünglich gedacht. Hotel wie auch Campingplatz direkt hinterm Haus sind rappelvoll, die Isländer haben Ferien und ihre Insel anders als sonst wegen Corona nicht verlassen. Die Grundstimmung ist dennoch eine andere, so ohne Reisegruppen und Gäste aus Übersee, und wir fühlen uns eigentlich ziemlich wohl inmitten der isländischen Familien, die in diesem speziellen Jahr über 80 Prozent der Hotelbelegungen ausmachen und nicht nur 5 wie sonst üblich in dieser Jahreszeit.
Das Wetter ist schlecht bei unserer Ankunft, wir überqueren die Hügelkette vor dem Ort und fahren hinunter ins Dunkle, das sich dort anscheinend festgesetzt hat. Auch am nächsten Morgen regnet es und wir schlafen erst einmal aus, danach checke ich zum ersten - aber beileibe nicht letzten Mal - die hervorragende isländische Wetterseite, die bei etwas intensiverem Studium stundengenau und erstaunlich treffsicher alle möglichen Informationen ausspuckt.
Was im Vorjahr inmitten eines sensationellen Hochs mit wolkenlosem Himmel nicht nötig war, wird diesmal zur Routine: In welcher Richtung ist das Wetter wie, was macht der Wind, wo ist vielleicht Sonne, wie bewegen sich die oberen, mittleren und unteren Wolkenschichten? Ich entwickle ungeahnte Qualitäten als Wetterfrosch, nicht gerade meine Passion, aber eine lohnenswerte Mühe, denn grundsätzlich ist das Wetter auf Island nicht nur überaus launisch, sondern auch sehr lokal. Eine Bucht weiter kann die Welt schon ganz anders aussehen.
Für diesen Tag sieht es nicht gut aus, für Dyrhólaey noch am besten. Das kommt uns gelegen, denn wir hoffen auf Puffins. Bei der Einfahrt ins Naturschutzgebiet regnet es noch,...
...doch an der Küste ist es tatsächlich trocken, wenn auch ziemlich windig und dadurch frisch. Wir fahren zunächst bis ans Ende der Straße zum Parkplatz, wie ein Magnet zieht es mich zu den grasbewachsenen Felsen linkerhand, denn dort sind die Papageitaucher zuhause.
Links in und oben auf diesen Felsen finden sich ungefähr zwischen Mai und Mitte August Puffins (Bild von 2019)
Schon von Weitem sehen wir sie emsig hin- und herfliegen, und ich bin glücklich. Die Kolonie ist nicht sehr groß, doch unsere Geduld zahlt sich aus: Einige der drolligen Vögel landen direkt vor unserer Nase.
Schon zuvor waren uns am Parkplatz die vielen Küstenseeschwalben aufgefallen, jenseits eines hüfthohen Erdwalls sind Aktivität und Geräuschpegel besonders hoch. Wir nähern uns vorsichtig, denn mit Krias, im Charakter Honeybadgern nicht unähnlich, ist nicht zu spaßen. Besonders in der Brutzeit sind sie aggressiv und stets im Angriffsmodus, weshalb die Isländer bei Spaziergängen für gewöhnlich einen Stock tragen, den sie bei Bedarf in die Luft strecken. Nicht etwa, um damit nach den zänkischen Vögeln zu schlagen, sondern weil diese immer den höchsten Punkt attackieren und der Kopf auf diese Weise geschützt ist.
Wir sind leider nur unzulänglich präpariert und halten unsere Kameras hoch, ein ganzer Pulk steht über uns und zetert, ich denke an Hollywood und Tippi Hedren. Schließlich finden wir einen Platz, an dem uns die Tiere zu akzeptieren scheinen.
Unzählige Küken und Jungvögel sitzen im Gras, kugelrund und niedlich, aber auch gnadenlos. Nähern sich die Eltern mit Fisch, meldet erst einmal die gesamte Bodencrew Ansprüche an. Hat der Lieferservice schließlich das richtige Kinderzimmer gefunden, geht es ganz schnell, und schon ist die nächste Bestellung unterwegs. Ein herrliches und vor allem geräuschvolles Spektakel.
Flugübungen
Nur schwer reißen wir uns los, doch der dunkle Himmel rückt bedrohlich näher. Unser nächstes Ziel ist der Leuchtturm oben auf den Klippen, also schnell ein Stück die Straße zurück und dann links die kurze, aber steile unbefestigte Piste hoch. Im vergangenen Jahr sind wir dort auch mit einem normalen PkW ziemlich problemlos hinaufgekommen, was allerdings verboten ist, wie wir erst in diesem Jahr verstanden haben. Diesmal bin ich froh über die Bodenfreiheit, denn einige Kehren sich arg ausgewaschen.
Es ist herrlich hier oben, eine tolle Aussicht über die Südküste und in den Klippen rechts vom Leuchtturm brüten die Papageitaucher.
Als der Regen kommt, fahren wir ins Hotel. Und bleiben dort, denn es schüttet; heftig und ohne Pause an diesem und auch dem ganzen nächsten Tag. Mein wiederholtes Studium der Wetterseite liefert nur eine einzige ernüchternde Erkenntnis: Es gibt kein Entrinnen. In keine Richtung, auf der ganzen Insel nicht. Das ist traurig, aber nun mal nicht zu ändern, wir sind faul, lesen, schlafen, machen Urlaub, doch wir hoffen natürlich, dass das kein Dauerzustand wird. Nur ein einziges Mal gehen wir etwas widerwillig raus, um im urigen Restaurant Sudur Vik, das ich uneingeschränkt empfehlen kann, inmitten isländischer Großfamilien zu essen. Es ist voll und gemütlich, und das erste - aber nicht letzte Mal - wird mir bewusst, wie weit Corona hier gefühlt weg ist. So schnell hätte ich das nicht erwartet, und es macht mir Mut für eine Rückkehr zur Normalität nach der Pandemie - irgendwann.
Am nächsten Tag sieht es endlich freundlicher aus, wir packen zusammen und fahren nach unserem letzten Frühstück in Vik zeitig ans Kap. Noch ist es diesig, doch es soll besser werden.
Die Papageitaucher sind so umtriebig, wie wir es noch nie beobachtet haben, was sich wohl dadurch erklärt, dass sie den Regentag ebenso wie wir in ihrer Behausung verbracht haben.
Der darin gut verborgene Nachwuchs - jedes Elternpaar zieht einen einzelnen Puffling groß - hat nun Nachholbedarf, und so verschwinden ganze Ladungen von Fisch in den kleinen Höhlen unterhalb der Grasnarbe.
Wir sind begeistert, erst recht, als sich schließlich sogar die Sonne zeigt. Die Temperatur steigt und auch die Stimmung.
Schließlich rollen wir die steile Abfahrt hinunter,...
...legen noch einen kleinen Stopp im Auenland ein...
...und verlassen schließlich die Halbinsel.
Wir haben noch viel vor und entscheiden uns gegen einen Besuch des schwarzen Strandes Reynisfjara, an dem wir bereits 2019 Zeit verbracht haben. Wir fahren auf der Ringstraße ein Stück zurück in Richtung Skogafoss, der nicht unser eigentliches Ziel ist, sondern der benachbarte und viel unbekanntere Kvernufoss.
Obwohl von der Hauptstraße aus sogar zu sehen, wird dieser Wasserfall meist kaum beachtet. Wir parken am Skogar Museum und laufen dann 20 Minuten an einem Fluss entlang.
Die Landschaft ist schön und der Kvernufoss schon deshalb besonders, weil man hinter die fallenden Wassermassen gehen kann - allerdings ohne die Massen von Menschen wie beim Seljalandsfoss.
Hier gefällt es uns richtig gut und weil es so schön ist, gehen wir beide noch ein zweites Mal hinter den Wasserfall, wo es überraschenderweise vollkommen trocken ist.
Schließlich verabschieden wir uns, wir haben für diesen Tag noch einige Pläne. Bis jetzt ist er komplett gelungen und er kann fast nur noch besser werden, denn auf unseren nächsten Stopp freue ich mich ganz besonders. Er hält allerdings auch unerwünschte Aufregungen für uns bereit, an denen ich leider selbst alles andere als unschuldig bin...
Teil 502. Nov. 2020
Der Schlüssel ist weg!
"Eines Tages vergisst du noch deinen Kopf" - wie oft habe ich das in meiner Jugend gehört. Wenn auch nicht zu Unrecht: Schuhe, Jacken, Hosen wechselten mehrfach gegen meinen Willen ihren Besitzer, weil ich sie in Sport-Umkleiden verbummelte. Meine Eltern blieben damals meistens hart, einen Ersatz gab es nicht, und das Gefühl des Verlustes und der Wut auf meine eigene Schusseligkeit nagten an mir. Die bittere Lektion verfehlte indes ihre Wirkung nicht, irgendwann hatten alle Dinge ihren festen Platz und die Zeit der Gedankenlosigkeit war vorbei. Und so kam es praktisch nicht mehr vor, dass mir etwas wirklich Wichtiges verlorenging.
Unser Tagesziel nach dem Besuch beim Kvernusfoss ist das Fosshotel Glacier Lagoon in der Nähe der Jökulsarlon-Gletscherlagune, wo wir die nächsten beiden Nächte verbringen werden, und es ist nur rund 150 Kilometer entfernt. Viel Zeit also noch, denn im Sommer sind die Tage lang und unsere eigenen Kräfte allzu oft eher erschöpft als das Licht.
Rund sechs Kilometer östlich von Vik...
...biegen wir nach links auf eine 14 Kilometer lange Schotterpiste ab, die nach Pakgil (auch Thakgil) führt. Ein ausgesprochener Sehnsuchtsort, seit ich Bilder davon gesehen und darüber gelesen hatte.
Die Isländer glauben fest an Feen, Elfen und Trolle, und hier muss wohl ihre Heimat sein: Die Landschaft ist schroff, unberührt und mystisch, ein surreales Wunderland, sattgrün wie das Auenland, aber auch finster wie Mordor.
Immer tiefer fahren wir hinein ins Gletschertal, das nur über diesen Schotterweg erreichbar ist, vorbei an Drehorten von "Game of Thrones" und bizarren Tuffstein-Formationen.
An mehreren Aussichtspunkt halten wir an. Hinter uns der gewaltige Gletscher Mýrdalsjökull, unter uns die verwunschene Ebene der Mýrdalssandur. Eine schwarze Schneise in der Landschaft, geschaffen durch den berüchtigten Vulkan Katla, dessen nächster Ausbruch überfällig ist. Ich denke lieber nicht zu viel darüber nach, zumindest nicht in diesem Augenblick...
Nach rund 45 Minuten endet die Piste in einem verborgenen Talkessel, einer von steilen, bemoosten und bizarren Felsformationen umschlossenen Schlucht. Kaum zu glauben, dass wir nur wenige Kilometer von der Ringstraße entfernt sind. Es fühlt sich an wie das Ende der Welt.
Einen traumhaft gelegenen Campingplatz gibt es und einige Selbstversorger-Hütten, beim nächsten Mal müssen wir hier übernachten! Die Wanderwege führen tief in die Täler der Trolle hinein und durch Schneefelder in die Nähe des Gletschers, doch so viel Zeit haben wir nicht. Uns soll ein Besuch des benachbarten Remundargil Canyons mit seinen skurrilen Felszinnen und dem kleinen Wasserfall für diesmal reichen.
Der Weg nach Mordor, äh, Remundargil...
Rund eine Stunde werden wir dafür brauchen, ich schultere meinen Rucksack und will das Auto per Knopfdruck verriegeln, doch finde den Schlüssel nicht. Nicht in der rechten Jackentasche und nicht in der Mittelkonsole, wo er eigentlich hingehört. Ok. Nicht durchdrehen. Und noch mal von vorn: Jacke, Konsole, Rückbank, Vordersitze - nichts! Mir wird heiß.
Ich reiße die Türen auf. Nicht, dass sich das Teil von allein verriegelt. Thomas hilft beim Suchen - nichts! Nicht im Handschuhfach, nicht in den Seitenfächern, nicht in unseren Taschen, nicht in unserer Lebensmittelkiste, nicht im Kofferraum. Ich bin ratlos - und auch panisch. Erinnerungen schießen mir durch den Kopf, der zum Glück noch da ist; ich überprüfe es vorsorglich.
Ich bin Thomas dankbar, dass er ruhig bleibt. Zumindest äußerlich, drinnen dürfte es anders aussehen. Gefasst macht er sich auf den Weg. Findet einen Lift, wie er mir später erzählt, die isländische Familie, die ihn mitnimmt, hilft an unseren Haltepunkten bei der Suche. Ich bleibe beim Auto, drehe es wieder und wieder auf links - ohne Erfolg. Mir ist hundeelend.
Urlaubende Isländer trudeln ein, immer hoffe ich, dass Thomas in einem der Camper sitzt, den Schlüssel in der Hand. Dann eine SMS, kein Schlüssel, aber er hatte kurz Netz und Kontakt zur Autovermietung, ich soll mich dort melden.
Der Vermieter ist pragmatisch, will jemand aus Reykjavik losschicken und mahnt: "Keep the key always tight." Zu spät. Ich könnte heulen. Dann, fast beiläufig: Der Schlüssel müsse in der Fahrerkabine sein, um den Wagen zu starten. Anders geht es nicht. Aha. Moment! Hätten wir ihn bei einem Stopp verloren, hätten wir also nicht weiterfahren können... Er muss hier sein! NUR WO????!!
Ich suche, schon wieder, krabble unters Auto, und dann, im Schotter unter dem Hinterreifen - der Schlüssel! Wie er dort hingekommen ist? Keine Ahnung! Aber diese Erleichterung... Ich fahre los und Thomas entgegen, der einsam und mit langem Gesicht die Schotterpiste entlang stapft - Mensch, was sind wir froh, alle beide! Und der Vermieter auch.
Thomas ganz happy: Wir sind wieder mobil!
Große Sprünge sind nun nicht mehr drin, aber die kleine Wanderung zum Wasserfall, die wollen wir noch schaffen. Wir biegen ab nach Mordor, doch schnell ist Schluss: Steinschlag-Gefahr. Es soll an diesem Tag einfach nicht sein, dann eben - natürlich 🙂 - beim nächsten Mal.
Auf dem Rückweg lassen wir uns Zeit, genießen die Stille und auch, dass wir mit einem blauen Auge davongekommen sind.
Und Pakgil? Ist einfach ein Alice im Wunderland und hat mein Herz im Sturm erobert - trotz allem.
Teil 609. Nov. 2020
Eine Landschaft aus Feuer und Eis
Wer in Island nach den Wetteraussichten fragt, bekommt eine detailgenaue Auskunft über Wind. Die Frage, ob wohl die Sonne scheinen wird - für uns in aller Regel die zentrale Auskunft - ist kaum von Belang. Der Wind ist auf Island eine Urgewalt, kann Fahrverbote für Wohnmobile mit sich bringen, Türen bei unbedachtem Parken aus den Angeln heben (die Nase in den Wind!) und das Leben vorübergehend stilllegen. Die Temperatur hängt daran und auch die Frage, ob bestimmte Pisten zu befahren, gebuchte Aktivitäten durchzuführen sind. Er spielt also auch für Touristen eine wesentliche Rolle.
Wir lassen Pakgil und das Schlüssel-Drama hinter uns und sind zurück auf der Ringstraße. Die Landschaft zu beiden Seiten ist spektakulär, die isländische Südküste zu Recht berühmt. Traumhafte Wasserfälle, Fjorde, Gletscher, Lagunen und Strände voller Eis,...
...es lohnt sich, entsprechend Zeit einzuplanen und auch eine Portion Geduld, denn die Dichte an Attraktionen zieht zwangsläufig eine Dichte an Menschen mit sich. Das war einer der Gründe, weshalb wir im vergangenen Jahr den Fjadrargljufur Canyon ausgelassen haben. Er liegt ein wenig abseits der Ringstraße kurz vor dem Ort Kirkjubaejarklaustur, dessen Name klingt, als sei jemand mit dem Kopf auf die Tastatur geknallt. Er befindet sich damit in guter Gesellschaft und wohl nur die Isländer selbst sind in der Lage, die vielen -Fells, -Fosse und -Jökulls unfallfrei auszusprechen.
Der wunderbare Canyon ist in den vergangenen Jahren immer populärer geworden und erst recht, seit sich Justin Bieber in einem Musikvideo nur im Schlüpper im eiskalten Fluss räkelte. Fjadrargljufur mutierte zum Pilgerort und musste sogar vorübergehend geschlossen werden, um der malträtierten Natur eine Auszeit zu gönnen. Die Spuren auf den zahlreichen natürlichen Aussichtspunkten mit Blick hinunter in die steile Schlucht sind indes noch immer sichtbar, die Vorsprünge nun dauerhaft durch ein Seil gesperrt. Das ist auf der einen Seite schade, aber auf der anderen eine nachvollziehbare Notwendigkeit.
Einsam ist es am Canyon auch in diesem speziellen Jahr nicht, aber ohne Reisebusse dennoch friedlich. Wir verschaffen uns einen ersten Eindruck von der 2 Kilometer langen und bis zu 100 Meter tiefen Schlucht und wollen am nächsten Tag noch einmal wiederkommen, denn ein Sturm hat Fahrt aufgenommen und pustet uns fast vom Canyonrand, das ist kein Spaß und bestimmt auch gefährlich.
Der Wind rüttelt unterwegs am Auto, und der 80 m hohe Foss a Sidu fällt nicht hinunter, sondern quer.
Foss a Sidu 2019...
...und 2020
Weiter geht es auf der Ringstraße durch atemberaubende Landschaften, immer gen Osten.
Der Lomagnupur, eine gewaltige, rund 770 m hohe Landmarke, die dem Monument Valley entsprungen sein könnte.
Fossalar direkt an der Ringstraße
Meine Begeisterung ist auch beim zweiten Mal ungebrochen, und ich werde diese Strecke wahrscheinlich nie müde.
Unterwegs 2019...
...und 2020
Wir fahren entlang am riesigen Skaftareldahraun Lavafeld (noch so ein Name ;-)), Ende des 18. Jahrhunderts zerstörte die Lava Bauernhöfe und löste eine große Hungersnot aus. Heute ist sie von einem dicken Moosteppich bedeckt, der federweich ist, aber auch hochempfindlich und streng geschützt.
An einem Aussichtspunkt neben der Ringstraße halten wir, Wind hin oder her, markierte Pfade führen durch die verwunschene Gegend und in der Ferne leuchten schon die Ausläufer des Vatnajökull, des größten Gletschers Europas.
Immer näher rücken die weißen Wände, fast, als würde man in sie hineinrauschen, doch dann macht die Ringstraße einen scharfen Rechtsknick.
Links liegt die Zufahrt zum Skaftafell-Nationalpark, eine riesige grüne Oase und ein Paradies für Wanderer.
Im vergangenen Jahr waren wir hier beim Svartifoss, einem von schwarzen Basaltsäulen umgebenen Wasserfall,...
...und blickten von einem Plateau auf Gletscherzungen und Bergspitzen.
Ich war seinerzeit allerdings etwas abgelenkt, denn der Wind peitschte so heftig, dass ich schließlich kapituliert und mich auf den Boden gekauert habe. Ich kam einfach nicht mehr dagegen an und trieb unkontrolliert auf die Kante zu. 😣 So einen Wind hatte ich erst einmal erlebt, das war in den Bergen Patagoniens.
Diesmal lassen wir Skaftafell links liegen, der Tag war anstrengend und wir freuen uns aufs Hotel. Ein letzter Stopp an der fotogenen Hofskirkja, einer der wenigen noch verbliebenen Torfkirchen,...
...dann sind wir da. Das Fosshotel Glacier Lagoon hat uns 2019 besonders gut gefallen. Diesmal blicken wir allerdings nicht aufs Meer, sondern nach hinten auf den Parkplatz, was natürlich eine Frage des Preises ist, und so richtig makellos sind die Möbel auch nicht mehr. Dennoch fühlen wir uns wohl und die Lage ist ohnehin unschlagbar. Direkt gegenüber startet eine Puffin-Tour nach Ingolfshöfdi, im vergangenen Jahr war sie leider wegen orkanartiger Böen ausgefallen und sie soll sehr empfehlenswert sein. Diesmal verzichten wir freiwillig, denn die Gletscher im Westen und die Gletscherlagune im Osten in Reichweite - wir wollen tief eintauchen in diese Landschaft aus Eis, auf die wir uns so sehr gefreut haben.
Teil 714. Nov. 2020
Diamantenfieber
James Bond, Lara Croft und ich haben etwas gemeinsam: Wir alle sind schon über das eisige Wasser der Jökulsarlon Gletscherlagune gedüst. 007, der alte Angeber, in einem Auto, was nur ging, weil der See zugefroren war. Superwoman Lara in einem Amphibien-Fahrzeug, was ich persönlich enttäuschend finde, und Thomas und ich in einem Zodiac, das wir dem Croftschen Fortbewegungsmittel vorgezogen haben, weil es wendiger ist und näher an die Gletscherkante herankommt - wenn auch nicht zu nah, denn es brechen regelmäßig Eisbrocken ab.
Jökulsarlon 2019
Diese nicht unerhebliche Tatsache führt zu einem weiteren Wunder: Die farbenfrohen Eisberge treiben erst munter auf der Lagune, schmelzen langsam und driften dann durch einen schmalen Zugang aufs Meer hinaus.
Dort spült der Atlantik sie schließlich im Rücken der Lagune auf den Vulkanstrand, wo sie im schwarzen Sand wie Diamanten funkeln. So kam der Strand zu seinem Spitznamen "Diamond Beach", und nicht nur Fotografen verfallen regelmäßig dem Diamantenfieber.
Tausende Jahre altes Eis am Diamond Beach
Die beiden Attraktionen stehen zu Recht in der Gunst der Touristen ganz weit oben. Wir frühstücken so früh wie möglich und steuern danach zuerst den Diamond Beach an, der bis auf einige weit entfernte Robben vollkommen verwaist ist. 2019 hatte uns der Strand absolut umgehauen - und wir waren damit nicht alleine. Ganze Busladungen ergossen sich auf den schwarzen Sand, Eisberge wurden geherzt, erklettert und geküsst, und wir waren ehrlicherweise nicht nur begeistert, sondern auch manchmal genervt.
Diesmal ist es deutlich ruhiger und das bleibt auch so, weil keine großen Gruppen unterwegs sind. Tipp für hoffentlich bald wieder Corona-freie Zeiten: Möglichst früh da sein, bei blauem Himmel sogar bei Sonnenaufgang, weil das Eis im Gegenlicht golden glüht, und möglichst weit nach hinten durchgehen, weil der Strand dort nicht mehr überwiegend aus Kieseln, sondern aus schwarzem Sand besteht.
Lange sind wir alleine, und als nach und nach andere Besucher auftauchen, gehen wir noch ein Stück weiter. Das Eis wird weniger, doch der Strand ist wunderschön und als schließlich sogar die Sonne durchkommt, ist mein Glück perfekt.
Über zweieinhalb Stunden verbringen wir an diesem einzigartigen Ort, dann fahren wir das kurze Stück über die Brücke zur Lagune.
Kein James Bond und keine Lara Croft, die "Gletscherflusslagune" ist aber auch so beeindruckend.
Sie entsteht auf natürlichem Weg aus dem Wasser, das vom Gletscher abschmilzt und weil das immer schneller passiert, wird der tiefste See Islands zusehends größer. Eine traurige Tatsache, und ich muss unwillkürlich an unsere erste Island-Reise im vorangegangenen August denken. Da waren uns an einem Morgen die vielen Flaggen auf Halbmast aufgefallen und wir erfuhren auf Nachfrage, was auch in unserer Heimat für Schlagzeilen gesorgt hatte: Island hatte an dem Tag den Gletscher Okjökull offiziell für "tot" erklärt. Die Trauer und Hilflosigkeit vieler Einheimischer, die ihre natürlichen Schätze direkt vor ihren Augen vor die Hunde gehen sehen, haben uns damals sehr berührt - und tun es noch.
Nach einem kurzen, aber schönen Stopp am Fjällsarlon, dem kleinen Bruder des benachbarten Jökulsarlon ...
... fahren wir rund 125 Kilometer durch wunderschöne Landschaft zurück in Richtung Kirkjubaejarklaustur und zum Fjadrargljufur Canyon.
Bei Traumwetter und Windstille genießen wir den Spaziergang an der Schlucht entlang bis zu einer Aussichtsplattform, die die natürlichen Vorsprünge schützen soll.
Märchenhaft schön: Fjadrargljufur Canyon
Bestimmt ist Island immer eine Reise wert. Doch kaum zeigt sich die Sonne, explodieren die Farben, präsentiert sich die Insel von ihrer besten Seite. Rau und karg einerseits, aber auch freundlich und grün: Dazwischen liegen oft nur wenige Meter, und wir kommen wieder einmal nicht aus dem Staunen heraus.
Der Svinafellsjökull steht auf dem Plan, der "Hollywood-Gletscher". Ein wahr gewordener Traum für die Traumfabrik, Batman Begins wurde hier gedreht, Game of Thrones und Interstellar. Nicht, dass das eine Rolle für uns spielt; vielmehr, dass man einem Gletscher selten so nah kommen kann.
Es ist nur ein kleiner Abstecher von der Ringstraße, zumindest in der Theorie, doch die zwei Kilometer haben es in sich. Im Vorjahr haben wir mit unserem schon etwas angeschlagenen PkW nach wenigen Metern aufgegeben. Der SUV meistert die ruppige Piste allerdings problemlos und wir nehmen sie trotz der Warnschilder am Abzweig von der Ringstraße in Angriff. Steinschlaggefahr, die Erde ist seit Wochen in Bewegung, doch wir folgen dem isländischen Camper, der sich am Ende der Zufahrt häuslich einrichtet.
Wir steigen aus und biegen um die Ecke in Richtung Gletscher, ein schmaler Pfad, die Natur ist gigantisch, auch wenn das Eis in den vergangenen Jahren sichtbar zurückgewichen ist.
Geführte Wanderungen auf dem Gletscher begannen einst mit direktem Zugang, später halfen Leitern zur Überbrückung, heute müssen die Touren ihm ziemlich weit über die Felsen entgegen klettern, um ihn überhaupt zu erreichen. Das Betreten der zerklüfteten Eisfläche ohne Guide kommt offenbar vor, ist aber lebensgefährlich, ein kleines Schild am Parkplatz erinnert daran, dass hier vor wenigen Jahren zwei junge Deutsche verschwanden.
Sehr weit wagen wir uns auf dem felsigen Pfad nicht vor, ohnehin verliert sich schnell seine Spur. Ein heftiges Krachen im Eis unterbricht die magische Stille, und weil wir nicht fliegen können wie Batmann oder Daenerys' Drachen, treten wir vorsorglich den Rückzug an.
Das Licht auf der Rückfahrt ist fantastisch, die Sonne am späten Nachmittag noch hoch am Himmel.
Nach einer kleinen Pause im Hotel hoffen wir auf Mitternachtssonne an der Jökulsarlon Gletscherlagune. Leider vergebens, der Himmel zieht sich zu, doch die Stunde wirkt blau und auf uns grandios. Der Spot ist beliebt in der richtigen Jahreszeit für Nordlichter, und wir ahnen, warum.
Der Diamond Beach ist der krönende Abschluss dieses wunderbaren Tages. Eine gute Entscheidung, denn Diamonds are forever, das erweist sich schon am nächsten Morgen als Mär. Abends verschicken wir schnelle Liebesgrüße aus Island, dann fallen mir die Augen zu. Randvoll mit Eindrücken, träume ich von schwarzen Stränden und Diamanten. Was ja irgendwie logisch ist: Diamonds are a Girl's Best Friend!
Teil 820. Nov. 2020
Stokksnes
Für einen Großteil der Touristen ist an der Jökulsarlon Gletscherlagune Schluss. Sie kehren um und fahren wieder zurück in Richtung Reykjavik. Weiter ostwärts ist dadurch deutlich weniger los und kaum noch Verkehr auf der Ringstraße, und das ist sogar in einem Corona-bedingt ohnehin ruhigeren Jahr spürbar.
Nur 90 Kilometer auf der Ringstraße sind es bis zu unserem nächsten Ziel, ungewohnt spät krabbeln wir aus den Federn und lassen uns beim Frühstück viel Zeit. Es ist Sonntag, das Hotel wegen der isländischen Ferien ausgebucht und aufgrund des Personalmangels heillos überlastet, doch wir freuen uns, in diesen schwierigen Zeiten überhaupt hier sein zu können. Andere sehen das anders, eine deutsche Familie macht Terror, weil es unbedingt ein Fensterplatz sein muss und die wenigen Servicekräfte mit dem Abräumen nicht nachkommen. Ein anderer Tisch kommt natürlich nicht infrage und überhaupt ist der Tonfall barsch. Wir schämen uns für unsere Landsleute, die offenbar so gar nicht verstanden haben, was die Stunde geschlagen hat.
Unser Tagesziel heißt Höfn, und weil wir ohnehin am Diamond Beach vorbeikommen, werden wir noch einmal schwach. Nur ein weiteres Auto ist auf dem Parkplatz, wir wundern uns und dann aber auch nicht mehr, als wir hinunter zum Strand gehen: Nicht ein Eisbrocken liegt im schwarzen Sand. Nichts, null, nada - wir sind platt und hätten nicht gedacht, dass das vorkommen kann. Okay, keine Diamanten an diesem Tag für uns, wir können es verkraften.
2019 hatten wir ein echtes Juwel glatt übersehen: die kleine Landzunge Stokksnes, die sechs Kilometer außerhalb des Ortes Höfn gut erreichbar unweit der Ringstraße, aber dennoch etwas abseits der ausgetretenen Touristenpfade liegt. Von der Straße aus kaum zu erkennen, lockt ihre einzigartige Kulisse viele Fotografen an, viele tolle Bilder im Netz zeugen davon.
Kurz vor dem Tunnel Richtung Djúpivogur biegen wir rechts ab auf eine gute Schotterpiste, die unterhalb des Bergs Klifatindur zum Café Viking führt, und blicken jenseits der Lagune rechterhand zurück auf die grandiose Gletscherlandschaft, aus der wir gerade kommen.
Am Café müssen wir einen Obolus von umgerechnet sechs Euro entrichten, denn die Landzunge ist in Privatbesitz und von einer Schranke blockiert. Die kleine Gebühr ist für Island eher ungewöhnlich, aber gut angelegt, denn mit dem Geld pflegt der Landbesitzer nicht nur die Zufahrt, sondern sie hält auch Reisebusse ab.
Eine schnurgerade Piste führt quer durch Stokknes in Richtung Küste, wir haben im Café eine Karte bekommen, wissen aber noch nicht so recht, wohin. Also zunächst einmal bis zum Parkplatz am Ende der Straße, geradeaus geht's zu einem Leuchtturm, wo es manchmal Robben geben soll, und zum (abgesperrten) Gebiet einer ehemaligen Radarstation. Uns zieht es in die andere Richtung, wo es auf den Felsen einen Aussichtspunkt gibt mit Blick auf das Vestrahorn (757 m), das Teil des Massivs Klifatindur ist und wohl einer der berühmtesten Berge Islands.
Vom Auto aus hat die Landschaft nicht recht auf mich wirken wollen, doch nun laufen wir am extrem flach abfallenden, schwarzen Strand entlang und mitten durch die mehrere Meter hohen Dünen, die unerwartet riesig sind und mit grünem Strandgras dekoriert ungemein fotogen.
Wir versinken im Sand und genießen den Spaziergang an der Lagune entlang zurück zum Café Viking, wo es nicht nur leckere Kleinigkeiten gibt, sondern auch Zimmer zum Übernachten. Stokksnes ist wie die Gletscherlagune sehr beliebt, um Polarlichter zu fotografieren, da ist die Pole Position bestimmt nicht schlecht. Der Hof gegenüber bietet Reittouren an, in Island eigentlich nichts Ungewöhnliches, aber in dieser Umgebung, im schwarzen Sand, das hat schon was...
Wir sparen uns die Stippvisite in einem falschen Wikingerdorf, das als Kulisse gebaut worden war für einen Film, der dann aus Kostengründen nicht mehr entstand. Mittlerweile sollen hier einige Folgen der Serie "Vikings" gedreht worden sein, was wohl kein Zufall ist, denn tatsächlich gab es hier im 9. Jahrhundert eine der ersten Ansiedlungen Islands. Historiker dürften dennoch enttäuscht sein.
Falsches Wikingerdorf am Fuß des Bergmassivs
Im Hotel Milk Factory in Höfn, einer stilecht zur Herberge umgebauten ehemaligen Molkerei, beziehen wir ein wunderbar großes, modernes und blitzsauberes Zimmer mit Panoramafenster. Bei der Online-Buchung hatten wir die Frage bejaht, ob wir ein ruhiges Zimmer möchten. Ob es daran liegt, dass wir einen separaten Eingang haben? Das gefällt uns jedenfalls, und auch die Gesellschaft auf der anderen Seite der Straße ist ganz nach unserem Geschmack.
Die Kontaktaufnahme gestaltet sich allerdings schwierig, denn die Nachbarn zur anderen Seite sind scheinbar viel interessanter.
Ein schöner Rücken kann auch entzücken...
Am späten Abend unternehmen wir einen weiteren Abstecher zur Stichstraße nach Stokksnes,...
...wo wir auf den Klippen mutterseelenallein die stille Lagune und den Ausblick auf die Gletscher genießen.
Die Uhr zeigt 23.05 Uhr, und noch immer ist es hell.
Am nächsten Tage fahren wir weiter in Richtung Ostfjorde, doch weil sich die Sonne zusehends durchsetzt, steuern wir auf dem Weg ein weiteres Mal Stokksnes an. Diesmal lassen wir das Auto am Café, zahlen den kleinen Betrag und gehen direkt hinter der Schranke hinunter an den Strand.
Wir sind fast allein und laufen begeistert durch die fantastische Kulisse mit ihren tollen Kontrasten, klettern auf Dünen...
...und haben Glück mit dem richtigen Moment für die Reflexion in der Lagune. Fototipp: Wer sein Glück erzwingen will, der sollte die Gezeiten im Blick behalten und auch den Wind. Bei Ebbe verschwindet der schöne Spiegel fast komplett, im Idealfall findet gerade ein Wechsel statt, läuft die Lagune also voll oder leer. Und: Ohne gutes Weitwinkel passt der Berg nicht drauf.
Schließlich verlassen wir die Landzunge und fahren weiter gen Osten zu unserem nächsten Ziel Seydisfjördur.
Das Wetter wechselt, kurz hinter Stokksnes ist es grau und stürmisch, das war auch im Vorjahr so und zu gerne würde ich diese Strecke einmal bei Sonnenschein fahren. Tiefe Fjorde prägen die Landschaft, die schon wieder ganz anders ist als alles bisher. Eine ganze Bucht ist voller Singschwäne (sie ist bekannt dafür),...
... schließlich wird es wieder sonniger und im malerischen Fischerörtchen Djupivogur machen wir Mittagspause im Restaurant Framtid, in dem es auch schöne Zimmer gibt, eine tolle Fischsuppe und tolles Flair.
Schon im vergangenen Jahr wollten wir in Seydisfjördur übernachten, hatten aber keine Unterkunft bekommen, denn einmal in der Woche legt die Autofähre aus Dänemark an und weckt den Ort aus dem Dornröschenschlaf. Diesmal haben wir mehr Glück, wir überqueren den steilen Bergpass, der hinter Egilsstadir nach Seydisfjördur führt. Hier oben liegt noch Schnee, doch der Blick hinunter verzaubert mich,...
...ebenso wie der Ort selbst, der uns mit Sonnenschein begrüßt.
Wir wohnen im Aldan, weniger ein Hotel als vielmehr ein Projekt, das es sich zum Ziel gesetzt hat, die alten Häuschen im Ort zu restaurieren und zu bewahren.
Zimmer mit Aussicht
Unser Haus liegt direkt neben der blauen Kirche, einem der Wahrzeichen von Seydisfjördur.
Die Dielen knarzen, der Style ist authentisch, aber nicht altbacken. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl und freuen uns auf die nächsten zwei Tage und Nächte in diesem Idyll.
Teil 923. Nov. 2020
Von Bruchpiloten und Verkehrssündern
Strahlend blauer Himmel am frühen Morgen in Seydisfjördur, das ist toll und kann doch trügen, der Wetterbericht bestätigt das. Schnell Handeln ist das Gebot der Stunde, ich scheuche Thomas aus dem Bett und aus dem Haus.
Der sonnige Fjord, die bunten Häuser, die weiß gesprenkelten Berge belohnen uns. In Island reisen heißt den Augenblick nutzen, und ohnehin hat Morgenstund' angeblich Gold im Mund (was ich bis vor einigen Jahren allerdings gar nicht fand).
Hier legt die Fähre aus Dänemark an. Bei gutem Wetter muss es fantastisch sein, durch die Fjorde anzureisen.
Der Ort mit kaum 700 Einwohnern ist winzig, der See schnell umrundet, doch das Flair packt uns. Malerisch und abgelegen, lockt Seydisfjördur seit jeher Schöngeister an. Eine Künstlerkolonie mit Galerien, Bio-Läden und Slow-Food-Restaurants, die Island-Pullis sind selbstgestrickt, die Marmeladen handgemacht, wir lassen sie uns beim Frühstück in unserem gemütlichen Zimmer schmecken. Tee- und Kaffeestation zählen zum Standard in den Unterkünften, nicht nur eine feine, sondern auch kostensparende Sache in einem der teuersten Reiseländer der Welt.
Es ist noch immer früh, als wir nach Borgarfjördur Eystri aufbrechen. Eigentlich nur eineinhalb Fjorde in nördlicher Richtung entfernt, müssen wir rund 90 Kilometer weit fahren, weil Berge und Wasser im Weg sind. Schnell folgt der erste Stopp, nur wenige Schritte sind es von der Pass-Straße zum von Bergen umgebenen Gufufoss, dem "Dampfwasserfall".
So heißt er offiziell, nicht aber bei uns, wir taufen ihn kurzerhand in "Guggufoss" um, weil wir an eine liebe Forumsfreundin denken müssen - und so geht er auch dauerhaft in unsere persönliche Reisegeschichte ein.
Lovely Guggu(foss)
Die Hochebene Fjardarheidi zeigt sich von ihrer besten Seite, wir parken in einer Haltebucht und spazieren durch die stille, einsame Landschaft mit fischreichen Seen und fantastischen Farben.
Der Osten des Landes verfügt nicht über die üppige Vielzahl an Sehenswürdigkeiten, mit denen zum Beispiel die Südküste gesegnet ist. Doch großartige Wasserfälle, eine herrliche Küste, charmante Dörfer, der größte Wald Islands und Rentierherden, es ist eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch, ein Eldorado für Wanderer und Naturliebhaber.
Die Strecke zum Borgarfjördur, mittlerweile weitestgehend asphaltiert, ist eine eindrucksvolle Berg- und Talfahrt. Immer wieder halten wir an, es geht einfach nicht anders, und die Sonne spielt auch mit.
Wir biegen ab, über eine spektakuläre Küstenstraße...
...geht es immer tiefer in den Fjord hinein über Borgarfjarðarhöfn...
... bis zum kleinen Hafen Hafnarholmi, wo die Straße 94 endet. Wir sind da! Rund 10.000 Puffin-Paare nisten hier im Sommer auf der kleinen Halbinsel hinter der Marina, schon vom Parkplatz aus können wir sie hören und sehen.
Hafnarholmi, im Hintergrund der Vogelfelsen
Der Vogelfelsen ist eine Sensation. Papageitaucher überall, über uns, unter uns im Wasser, neben uns im Gras, wo sich eine Bruthöhle an die andere reiht.
Ein Puffin-Wunderland, so viele und so nah, wir schauen, staunen und hören, wie die drolligen Vögel unentwegt vor sich hin brummen. Wie ein Teddy, wenn man ihn kippt.
Treppen und Plattformen schützen die Landschaft und die Tiere, das wirkt auf den ersten Blick vielleicht nicht attraktiv, ergibt aber Sinn. Furchtlos liefern die putzigen Puffins direkt vor unserer Nase eine riesige Show.
Höhlen müssen ausgebessert,...
...die besten Balkonplätze erkämpft und besetzt...
...und der Nachwuchs nicht nur versorgt,...
...sondern auch auf den Ernst des Lebens vorbereitet werden.
Flugübungen
Die Flügel der Vögel sind insgesamt ein wenig mickrig geraten, bei der Landung fallen die kleinen Bruchpiloten fast wie ein Stein vom Himmel. Dazu der tolpatschige Gang, doch der Schein trügt: Im Wasser sind Papageitaucher nicht nur geschickte Schwimmer, sondern auch begnadete Fischer.
Perfekte Landung - gelingt nicht immer.
Stundenlang beobachten wir das Treiben. Ausgepowert, aber glücklich gehen wir schließlich zurück zum Auto, plündern unsere stets gut gefüllte Fresskiste und picknicken mit Blick auf die Vogelfelsen. Der Tag bleibt mir als einer der schönsten dieser Reise im Gedächtnis.
Was bemerkenswert ist, denn auf der Rückfahrt...
...gibt es einen ärgerlichen Zwischenfall. Ich weiß, dass es die Isländer mit ihrem Tempolimit ganz genau nehmen. Außerorts liegt es auf befestigten Straßen bei 90 km/h, die Kontrollen sind häufig und streng, Blitzer allgegenwärtig, die Strafen drakonisch. Doch die schöne Landschaft lenkt uns ab, und so sehen wir beide die Schilder nicht, die erst 70 und dann gar 50 anzeigen. 😣
Wir sind in Hochstimmung und allein auf weiter Flur, dann plötzlich im Rückspiegel ein Auto, illuminiert wie New York in der Vorweihnachtszeit. Ich bin irritiert, kein Santa Claus, keine Häuserschluchten, nur wir, drei Schafe - und rechterhand ein Verkehrsschild. Oops! 😣 😣 😣
Ob ich denn die Schilder nicht gesehen hätte, fragt die freundliche junge Polizistin und glaubt mir mein Versehen, weil ich knapp bei 90 lag - und somit scheinbar regelkonform. Doch es ändert nichts. Wir kriegen Rabatte, für Reue, Sofortzahlung per Kreditkarte, für was auch immer. Am Ende blechen wir weit über 200 Euro, das tut weh, doch der Lappen bleibt meiner. Immerhin.
Selbst schuld, natürlich, aber auch schwierig, diese Beschränkungen an jeder Milchkanne. Zügig wollen wir das Ereignis aus unserem Gedächtnis streichen, was auch deshalb gelingt, weil wir trotz allem viel richtig gemacht haben an diesem herrlichen Tag. Das wissen wir spätestens, als wir im dicken Nebel nach Seydisfjördur zurückkehren. Gute Zeiten, schlechte Zeiten, Sonne und Wolken - dazwischen liegt auf Island manchmal nur ein einziger Fjord.
Blick von Borgarfjördur Eystri nach Süden. In Richtung Seydisfjördur hat sich was zusammengebraut.
Teil 1027. Nov. 2020
Auf den Fuchs gekommen
Der Abschied aus Seydisfjördur wird uns nach zwei wunderbaren Tagen leicht gemacht. Den Pass hinter dem Ort, wo es am Vortag noch so aussah,...
...überqueren wir nun gefühlt im Blindflug.
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.
Wir haben nur 135 Kilometer vor uns und alle Zeit der Welt, weshalb ich einen Abstecher zum 60 Kilometer entfernten Hengifoss eingeplant hatte, der ein wenig abseits der üblichen Touristenrouten liegt. Doch bei diesem Wetter? Wir sind unschlüssig...
Allerdings, in Island weiß man ja nie, wir überlegen hin und her und fahren schließlich doch zum südwestlichen Ende des Lagarfljot-Sees, wo der Wasserfall hoch über dem Tal in den Felsen thront. Bis zum Parkplatz an der Straße 931, die von Egilsstadir rund um den See führt, hat sich die Lage kaum verändert, es nieselt, pfui Spinne, mein Ding ist das nicht, doch immerhin ist der Wasserfall von unten zu sehen und nicht von Wolken verhangen. Eine Familie geht an uns vorbei, kleine Kinder, wasserdicht verpackt, also wirklich, wenn die das schaffen... Wir schultern die Rucksäcke und gehen den 45-minütigen steilen, aber dennoch leichten Aufstieg tapfer an.
Ein erster Stopp am attraktiven Wasserfall Litlanesfoss macht Hoffnung, kein Regen mehr, immerhin.
Wir gehen weiter, der Hengifoss (=hängender Wasserfall) rückt näher, sein Tosen auch, aus rund 130 m stürzt er in die Tiefe und ist damit der dritthöchste Wasserfall der Insel.
Dann zeigt sich sogar die Sonne, bloß gut, dass wir uns überwunden haben. Das Glück und die Tüchtigen, man weiß ja, wie das läuft (manchmal zumindest 😉 ), wir freuen uns und sind begeistert von der Kulisse.
Thomas klettert über Geröll und einen Bach näher heran, ich setzte mich auf einen Felsen und staune. Auch über die roten Streifen im Gestein, die Natur macht schon wundersame Sachen.
Wir bleiben lange, wie so oft, auch weiter unten am Litlanesfoss mit seinen beeindruckenden Basaltsäulen. Sieht aus wie von Menschenhand gemacht, ist es aber nicht, ein Wunder, schon wieder.
Zurück am Auto sind wir happy, das Timing war goldrichtig, der Regen kehrt zurück und begleitet uns durch menschenleere Gegenden, die zunächst grün sind und dann schwarz. Der Schicksalsberg gehört nach Neuseeland, das weiß ich genau, sonst würde ich Ausschau halten nach Sam, Frodo und dem verhängnisvollen Schatzzzzzzz.
Wir biegen ab von der Ringstraße auf die Schotterpiste 901. Nur acht Kilometer sind es nach Mödrudalur, dem höchstgelegenen Hof Islands auf 469 m inmitten der weiten Ebene Mödrudalsöræfi.
Der Himmel ist verhangen und uns dennoch gnädig, der 1.682 m hohe Tafelvulkan Herdubreid zeigt seine unverwechselbare Silhouette. Anders als im Vorjahr, da hatte sich die Königin der isländischen Berge bei unserem Kaffeestopp in Mödrudalur hinter Wolken versteckt.
Mödrudalur ist das Tor zum Hochland, und die wüstenartige Landschaft faszinierte mich 2019 so sehr, dass ich unbedingt einmal in einem der Grassodenhäuser auf dem Hof übernachten wollte. Ich hatte mit einem schlichten Zimmer gerechnet, doch das Gegenteil ist der Fall. Rustikal, aber stylisch, mit Blick vom Bett auf den Herdubreid - , ich bin hin und weg; auch von der riesigen Gemeinschaftsküche, deren gemütliche Kaminecke bevölkert ist von isländischen Familien in dicken Socken. Ein Haus betreten in Schuhen, auf Island ein No-Go.
Unsere Unterkunft Fjalladyrd in Mödrudalur
Nebenan auf der Wiese huscht etwas. Thomas ist irritiert, ich auch, dann Begeisterung: drei kleine Polarfüchse, wir hätten nicht gedacht, welche zu sehen; wir stürmen nach draußen, die Kameras im Anschlag, die Schuhe hatten wir anbehalten, nicht sehr isländisch, aber ein Glück.
Die Racker sind unsere Nachbarn, ihr Bau ist nur wenige Meter entfernt. Scheu sind sie nicht, wenn auch nicht handzahm.
Wir werden sie noch ein paarmal sehen, sie sollen verwaist sein, was angeblich häufiger vorkommt. Ich hoffe, das sind wahre Geschichten und die Kleinen nicht nur eine Touristen-Attraktion. Süß sind sie allemal und augenscheinlich auch mit ihrem Los zufrieden.
Polarfuchs, auf den (etwas konsternierten Hof-)Hund gekommen
Obwohl nicht weit von der Ringstraße, wirkt Mödrudalur vollkommen abgelegen. Das Flair ist ländlich und idyllisch, das urige Restaurant Fjallakaffi bekannt für Lammgerichte und isländische Spezialitäten; wenn auch nicht für Vegetarier, für die der Farmer nicht viel übrig hat. Fleisch ist sein Gemüse.
Wir sagen den Füchsen Gute Nacht...
...und schlafen wie die Babys. Schade, dass es am nächsten Tag schon weitergeht.
Wenn auch nicht ganz so bald, denn nach dem Frühstück haben wir Pläne. Hinter dem Campingplatz beginnt ein schöner, wenig begangener Wanderweg, der mit Holzpflöcken gekennzeichnet ist und mitten hineinführt in die verwunschene Ebene.
Der Pfad ist zugewuchert und manchmal kaum zu erkennen, die Natur wild und unberührt. Es ist ein Traum, auch ohne Blick auf den Herdubreid, der sich am Morgen nicht zeigt.
Vögel sind unsere einzigen Begleiter,...
...die eine oder andere Brücke existiert nicht mehr, doch es finden sich immer Stellen, an denen die Bäche überquert werden können. Schließlich kehren wir schweren Herzens um, es wird Zeit, und ich bedaure, dass wir nicht noch eine zweite Nacht eingeplant haben.
Wir verabschieden uns von den Füchsen, die sich an diesem Tag etwas weiter auf die Ebene hinausgewagt haben,...
...dann geht's zurück auf die Ringstraße und westwärts zum Myvatn, dem Mückensee.
Teil 1103. Dez. 2020
Der Mückensee
Der Myvatn im Nordosten der Insel zählt - nicht zuletzt bei den Einheimischen selbst - zu den beliebtesten Urlaubszielen Islands. Aus gutem Grund. Heiße Quellen, blubbernde Schlammlöcher, Vulkane und Lavaformationen: Das Gebiet rund um den "Mückensee", das auch heute noch vulkanisch aktiv ist, wartet mit so vielen Besonderheiten auf, dass wir uns entschlossen hatten, diesmal drei Nächte in der Gegend zu verbringen und nicht nur zwei wie im Vorjahr. Gewohnt haben wir beide Male im schönen Fosshotel Myvatn, das am Nordende des Sees direkt an der Ringstraße unweit des winzigen Örtchens Reykjahlid und damit strategisch günstig liegt. Attraktionen und Ausflugsziele sind von hier aus sehr gut zu erreichen.
Blick vom Hotel
Fosshotel Myvatn rechts im Bild
Wenn es überhaupt etwas Schlechtes über den Myvatn zu sagen gibt, dann sind es die Mücken. Sie können in den Sommermonaten wie ein schwarzer Nebel über dem Wasser hängen und geben dem mit 37 Quadratkilometern viertgrößten See Islands seinen Namen. Die wenigsten stechen, doch sie sind wahre Plagegeister, kriechen in alle Ritzen und wir hatten eigens Moskitonetze für den Kopf mitgebracht, was sich allerdings (zumindest an dieser Stelle) als überflüssig erwies, weil ein anderer Vorzug der Region ausblieb: gutes Wetter. Eigentlich für isländische Verhältnisse von der Sonne verwöhnt, gab es diesmal vor allem Regen. Die Mücken blieben verborgen, aber der Himmel auch unerfreulich grau.
Das fiel vor allem deshalb besonders ins Gewicht, weil wir im Vorjahr glücklicherweise das genaue Gegenteil mit makellos blauem Himmel erlebt hatten. Ähnliche Dinge bei viel schlechteren Bedingungen zu unternehmen, erschien uns nicht sinnvoll, weshalb wir diesmal - in bewährter Weise orientiert an den Wetterprognosen - unseren Fokus vor allem auf die Ziele in der Umgebung des Myvatn legten; nicht aber direkt auf ihn selbst. Das klappte ganz gut, aber bevor es im nächsten Kapitel mit den Schilderungen aus 2020 weitergeht, reisen wir zurück ins Jahr 2019, als für uns die Welt am Myvatn wettertechnisch dermaßen in Ordnung war, dass wir nach einem langen Tag und ebensolchen Wanderungen vollkommen erschöpft in die Kissen sanken; nur, um nach einer kurzen Nacht bei strahlendem Sonnenschein erneut auf Entdeckungstour zu gehen.
Myvatn 2019
Myvatn 2020
Tipps für den Myvatn, aus der Erinnerungskiste von 2019 gekramt:
Hverir (heiße Quellen) oder Hverarönd (Linie von heißen Quellen) im Namaskard (Minenpass): Ein Solfatarenfeld direkt an der Ringstraße und nicht zuletzt auch deshalb gut besucht. Es dampft, gurgelt und spuckt im Hexenkessel und riecht nach Schwefel, die Farben sind eine Sensation.
Das Gebiet ist nicht sehr groß, es lohnt sich, zumindest ein Stück den Namafjall (Minenberg) hinaufzugehen. Tipp: Richtig früh morgens dort sein. Dann hat man den Mars ganz für sich allein.
Grjotagja Höhle: Es war einmal eine klare heiße Quelle, die lag im Nirgendwo verborgen unter der Erde. Nur einige wenige Landleute kannten ihr Geheimnis und nahmen weite Wege durch Schnee und Eis auf sich, um sich in ihrem warmen Wasser aufzuwärmen und zu baden. Doch immer mehr Menschen kamen, parkten wild ihre Campingwagen, putzten sich im Quellwasser die Zähne und hinterließen jede Menge Müll. Das erboste die Landbesitzer, die Schilder aufstellten, aber nicht viel damit erreichten. Das war ärgerlich, doch es kam noch schlimmer, denn eine Serie wurde gedreht, und weil der attraktive Hauptdarsteller, der zudem auf Drachen reiten konnte, angeblich in dem dampfenden Wasser seine Unschuld verlor, wurde es immer enger in der kleinen Höhle - auch wenn er dort nachweislich nicht zum Mann wurde, denn zu dem Zeitpunkt war die Wassertemperatur durch geothermale Aktivität schon so weit angestiegen, dass er sich all das unwiederbringlich verbrüht hätte, wovon seine weiblichen Fans träumen. Allen, die das stille Naturwunder mit seinem dampfenden blauen Wasser einmal sehen und erleben wollen, hilft nur eins: früh aufstehen!
Eingang zur Grjotagja
Über der Höhle steigen Dampfwolken auf. Die Felsspalten östlich des Mückensees zeigen den Verlauf der Grenze zwischen den Kontinentalplatten an, und sie vergrößern sich von Jahr zu Jahr. Einige sind mit warmem Grundwasser gefüllt - wie die Grjotagja.
Hverfjall: Der Kraterberg, ein 160 m hoher Tuffring östlich des Mückensees, liegt unweit der Grjotagja, überragt die Landschaft...
...und kann nicht nur bestiegen, sondern der Krater auch umrundet werden. Der Durchmesser des Explosionskraters, der vor etwa 2.500 Jahren während eines einzigen Ausbruchs entstand, beträgt einen Kilometer.
Die etwa vier Kilometer lange Runde dauert etwa eine Stunde und bietet fantastische Ausblicke in alle Richtungen. Machen!
Dimmuborgir: Dimmuborgir (dunkle Städte/Burgen) ist ein Feld mit bizarren Lavafelsen ebenfalls östlich des Sees. Unterschiedlich lange Wanderwege führen zwischen den Türmen und Wänden aus Lava hindurch, die Heimat der 13 Isländischen Weihnachtsmänner und vieler Trolle sind. Uns sind sie allerdings nicht begegnet - vielleicht hat auch deshalb der Zauber von Dimmuborgir auf uns nicht gewirkt.
Pseudokrater bei Skutustadir: Bis zum August 2019 wusste ich noch nicht einmal, dass es sie gibt. Doch es war Liebe auf den ersten Blick.
Die Pseudokrater entstanden durch Gasexplosionen, bei denen schmelzende Lava über den Sumpfboden floss. Wieder was gelernt; ist aber auch fast egal. "Pseudokrater" habe ich als Synonym in meinen aktiven Wortschatz aufgenommen, ein Synonym für "wunderschön". An der Südseite des Sees führt ein kleiner Weg durch sie hindurch. "Pseudokrater" - mehr ist dazu nicht zu sagen!
Kraflagebiet: . Das Zentralvulkansystem Krafla liegt etwa zehn Kilometer nördlich des Namaskard. Es geht vorbei am Geothermalkraftwerk, rechterhand lohnt ein Stopp beim Viti (=Hölle)-Krater mit seinem fantastisch aquamarinblauen See.
Gegenüber führt ein Weg zum Parkplatz der Leirhnjúkurspalte, einem Lavafeld aus den 1980er-Jahren.
Die Lavaformationen sind atemberaubend, der Weg führt erst über Holzbohlen und dann direkt über die Lava, die stellenweise noch so warm ist, dass sie den Kleber meiner damals fast nagelneuen Wanderschuhe teilweise gelöst hat. Naja, ein bisschen Schwund ist immer, und: Es hat sich gelohnt!
Mehr Myvatn-Tipps: Einmal den See mit seinen 50 Inselchen und Schären mit dem Auto komplett umrunden. Immer wieder neue Ausblicke, viele Haltepunkte und kleine Spaziergänge.
Der Mückensee, als Naturreservat ausgewiesen, ist außerdem ein Vogelparadies und das größte Brutgebiet für Enten auf Island. In diesem Jahr hatten wir zur Vogelbeobachtung eine mehrstündige Wanderung eingeplant. Sie ist leider ins Wasser gefallen. 😣
Wer überlegt, der Blauen Lagune einen Besuch abzustatten, ist wahrscheinlich mit dem Myvatn Nature Bath besser bedient. Ebenso blau, viel günstiger und längst nicht so überlaufen.
Teil 1207. Dez. 2020
Outer Space
Island - unendliche Weiten. Wir befinden uns zurück in der Gegenwart im Jahr 2020. Dies sind die Abenteuer von Betti und Thomas. Sie sind unterwegs, um fremde Welten zu entdecken und dringen auf ihrer Reise in ferne Galaxien - ähm, in den Diamond Circle vor.
Zugegeben, Pioniere sind wir nicht. Und wir stehen auch keineswegs vor solchen Herausforderungen wie Patrick Stewart im Weltraum. Aber wir fühlen uns wie Entdecker auf der 260 Kilometer langen Sightseeing-Route, die in Anlehnung an den Golden Circle im Süden der Insel Diamond Circle genannt wird; was ein bisschen verwirrend sein kann, weil es im Süden den Diamond Beach gibt... Neben dem Myvatn zählen unter anderem der Dettifoss, die Asbyrgi-Schlucht, die Hljodklettar-Felsen, der Godafoss und das Fischerstädtchen Husavik dazu.
Dettifoss 2019
Das 50 km nördlich von Reykjahlid gelegene Husavik ist die Hauptstadt der Walbeobachtungs-Touren in Island.
Die Sichtungsrate in der wunderschönen, von Bergen umschlossenen Bucht Skjalfandi liegt bei fast 100 Prozent, es gibt unterschiedliche Anbieter mit fast identischem Angebot. Wir haben uns zwei Jahre in Folge für Gentle Giants entschieden, und zwar nicht für eine Tour an Bord eines traditionellen Holzschiffes,...
...sondern mit einem zodiacartigen und wendigen Schnellboot, bei dem man sich vorne an Griffen festhält und den Sitz zwischen den Beinen hat. Die Wellen gilt es wie beim Rodeo auszugleichen, und da zumindest 2019 der Seegang so schwer war, dass die Tour kurz vor der Absage stand, war das nicht nur ein großer Spaß, sondern ging auch ganz schön in die Beine.
Auf Walbeobachtungs-Tour 2019
Vor dem Start beginnt erst einmal das große Einkleiden, die Kluft ist sperrig wie ein Astronautenanzug, hält aber warm. Dazu dicke Handschuhe, im Corona-Jahr 2020 allerdings keine Plexiglas-Brille als Spritzschutz. Weil die See ruhig war, ging es auch gut ohne.
Im Vorjahr hatten wir Delfine und einen einzigen Buckelwal entdeckt, die Puffin-Saison war jedoch bereits vorbei. Anders als in diesem Juli. Bei der Umrundung der kleinen Insel Lundey, die nicht betreten werden darf und mit rund 250.000 Papageitauchern leicht überbevölkert wirkt, sind wir umringt von Vögeln.
Auch die Buckelwale sind diesmal zahlreich, bei zehn höre ich auf zu zählen. Ich habe den Eindruck, dass sich die Isländer sehr um einen verantwortungsvollen Umgang mit ihren natürlichen Schätzen bemühen. Dass sie den Walfang 2003 nach 14-jähriger Pause aus einem Traditionsgedanken heraus wieder aufgenommen haben, kann ich aber nicht nachvollziehen, und daran muss ich auch in diesem Jahr beim Anblick der friedlichen Riesen wieder denken. Das Walfleisch findet allerdings keine Abnehmer mehr, und so regelt der Markt das Problem offenbar zusehends von selbst.
Einer der Giganten taucht direkt neben uns auf, Moby Dick, da bläst er, und zwar direkt auf mein Objektiv 😣 . Das Boot schwankend, das Putzleder in den Tiefen des riesigen Raumanzugs verschwunden, Fotografieren kann ich jetzt vergessen. Nicht, dass das vorher anders gewesen wäre bei dem Geschaukel, Thomas macht es besser.
Trotz des dicken Overalls sind wir nach drei Stunden durchgefroren, im Thermalbad Geosea in den Klippen von Husavik wärmen wir durch. Preislich nicht gerade ein Schnapper, aber mit fantastischem Blick über die Bucht und auch im Nicht-Corona-Jahr 2019 wunderbar ruhig. Angeblich sind von hier oben aus manchmal Wale zu erkennen, uns gelingt das nicht.
Zwei volle Tage haben wir am Myvatn und keine wirklichen Pläne, denn die (vorgebuchte) Waltour haben wir schon am Ankunftstag und zum Glück zumindest regenfrei gemacht.
Indoor geht ja auch bei Regen, weshalb wir noch einmal in die Grjotagja klettern, tiefblau, weniger dampfend und vor allem weniger besucht als im Vorjahr.
Der Wetterbericht weist uns an diesem Tag den Weg gen Westen. Zum Godafoss sind es knapp 50 Kilometer, und tatsächlich wird es deutlich heller.
Den "Götterwasserfall" kennen wir schon von 2019. Er ist aus allen möglichen Perspektiven eine wahre Schönheit, heißt aber so, weil im Jahr 1.000 n.Chr. Stammesführer (="Godar") zum Zeichen ihrer neuen Religionszugehörigkeit heidnische Götzenbilder in die Fluten warfen.
Unser eigentliches Ziel ist der Aldeyjarfoss, der für uns Neuland ist. Beim Godafoss-Parkplatz beginnt über die Straße 842 (oder alternativ 844) der Abstecher zum 41 Kilometer entfernten Wasserfall. Die Schotterpisten sind gut zu fahren, erst die letzten 3 Kilometer sind schon eine F-Straße und somit ohne 4x4 tabu. Warum, erschließt sich uns nicht, denn die Qualität der Hochlandpiste ist nicht wirklich schlechter. Der Aldeyjarfoss liegt in einer traumhaften, einsamen Gegend und entpuppt sich für uns als echtes Highlight.
Nur in anderes Paar ist da und geht, kurz nachdem wir gekommen sind. Wir sind allein, der babyblaue Wasserfall bettet sich in eine Umgebung aus Basaltsäulen und fabriziert spektakuläre weiße Schlieren.
Zurück am Mückensee hängt der Himmel weiterhin tief, doch wir sind mit unserem Schicksal ganz zufrieden.
Zweiter Tag, andere Richtung: Östlich des Myvatn lassen sich gleich mehrere Attraktionen des Diamond Circle hervorragend miteinander verbinden. Zwei Wege führen zum Dettifoss, dem mächtigsten Wasserfall Islands. Die östliche Zufahrt ist eine ruppige Schotterpiste, die aber den Blick über die gesamte Fallhöhe erlaubt. Die westliche Strecke verbindet die Asbyrgi-Schlucht mit dem Dettifoss, hat eine ganze Reihe weiterer Sehenswürdigkeiten zu bieten und ist auch deshalb mittlerweile fast durchgängig asphaltiert.
Wir haben uns diesmal die Ostseite vorgenommen, entscheiden uns aber um, weil das Wetter für Fotos nicht ausreichend mitspielt und wir stattdessen im Vatnajökull-Nationalpark wandern wollen. Wandern geht ja immer, und aus Zucker sind wir nicht.
Im Vatnajökull-Nationalpark 2019
Der Sprühnebel des 100 m breiten und 45 m hohen Dettifoss ist schon bei der Anfahrt von Weitem zu sehen. Vom Parkplatz aus führt ein etwas 15-minütiger Fußmarsch zum Wasserfall, der von verschiedenen Plattformen aus bewundert werden kann. Wer ganz nah rangeht, wird mit ohrenbetäubendem Tosen belohnt - aber auch pitschnass.
Dettifoss 2019
Der Blick von der Ostseite auf den benachbarten Selfoss soll eigentlich besser sein, trotzdem machen wir diesmal den kurzen Abstecher.
Dann geht's weiter nordwärts in Richtung Asbyrgi. Die hufeisenförmige Schlucht mit ihren bis zu 100 m hohen Felswänden haben wir bereits im Vorjahr besucht.
Diesmal wollen wir zu den Hljodaklettar-Felsformationen, die zwischen Dettifoss und Asbyrgi liegen und über die 862 miteinander verbunden sind. Auf dem Weg zu den "Echofelsen" durchfahren wir Baustellen, die letzten Kilometer werden asphaltiert und neue Parkplätze rund um das Vesturdalur-Tal entstehen. Dass dieser einst so abgelegene Landstrich nun so leicht erreichbar ist, hinterlässt bei uns wie überall auf der Welt zwiespältige Gefühle.
Der Wegweiser zum Parkplatz zeigt hügelaufwärts, dann gehen wir hinunter ins Tal und nehmen die rot markierte Runde über fünf Kilometer in Angriff. Kein blauer Himmel, aber immerhin Licht und kein Regen, damit sind wir ganz einverstanden und marschieren fröhlich durch die erst grüne, dann zusehends vulkanisch geprägte Landschaft. Die Impressionen sind fantastisch, und ich nehme mir fest vor, eines Tages bei Sonnenschein wiederzukommen.
An den Raudholar (Rote Hügel), den Resten einer Vulkankette, steigen wir so hoch es geht, die höchste Spitze ist mittlerweile gesperrt, weil sie zusehends abflachte.
Dann steigen wir hinab zu den Echofelsen, wo es Trolle geben soll. Keine Trolle und kein Echo, aber spektakuläre, durch Erosion entstandene Felsformationen und Basaltsäulen.
Blick hinunter zu den Echofelsen
Thomas in der Basalthöhle "Kirkjan" (Kirche)
Eine tolle Wanderung mit viel rauf und runter, wir sind happy und folgen den Schildern in Richtung Parkplatz, der nur einen knappen Kilometer entfernt sein soll. Wir wundern uns ein wenig, aber nicht genug und bemerken unseren fatalen Irrtum erst, als wir auf einem verwaisten Schotterplatz mitten im Nirgendwo stehen. Der ausgeschilderte Parkplatz; wegen der Baustelle aktuell gesperrt und definitiv nicht unserer 🤨.
Wir stapfen bergan, ziemlich orientierungslos und mitten durch die Baustelle. Fühlt sich an wie outer space, schön ist das nicht, dann endlich eine Menschenseele. Der Baggerfahrer staunt nicht schlecht, wo kommt ihr denn her, uns interessiert vor allem, wo müssen wir hin? Er weist auf einen Hügel, knapp zwei Kilometer, die Luft ist raus und auch die Lust, doch schließlich sind wir da und ganz schön kaputt. Der Himmel lacht Tränen, kaum fahren wir los, fallen die ersten Tropfen, gutes Timing, immerhin.
Am Myvatn muss eine Belohnung her. Steinofen-Pizza und Wikinger-Bier bei Daddi's Pizza, die Welt ist doch ein guter Ort. Nicht nur auf Island - aber vor allem auch dort.
Teil 1313. Dez. 2020
Zwischen Traum und Wirklichkeit
Island ist ein verwunschenes Land. Voller Naturwunder, Sagen, Trolle und Elfen. Eine Reise durch dieses wundersame wie wundervolle Fleckchen Erde packt auch den vernunftbegabtesten Menschen. Die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit sind fließend - und bei den Isländern gelebte Praxis. Entsteht zum Beispiel eine Straße, darf das Bauvorhaben kein Kulturgut beschädigen. Dazu zählen auch Steine und Felsformationen, die in den Augen der Bevölkerung von Elfen bewohnt werden. Eine elfenkundige Person muss also die Besiedlung prüfen und ihre Erkenntnisse in einem externen Gutachten an die Ämter weitergeben. Uns blieb das verborgene Volk zwar verborgen. Doch dafür haben wir einen Drachen getroffen. Passiert auch nicht alle Tage...
Wir verabschieden uns nach drei Nächten vom Myvatn-See, und das ziemlich früh am Morgen. Es sind nur 280 Kilometer bis nach Laugarbakki, doch weil wir uns für diesen Tag viel vorgenommen haben, gehen wir zeitig zum Frühstück, wo wir am Buffet um den obligatorischen Lebertran einmal mehr einen großen Bogen machen. 😵
Auf dem Weg nach Akureyri bleiben wir wetterbedingt auf der Ringstraße und fahren durch den mautpflichtigen, 7,5 Kilometer langen Tunnel. Der kleine Umweg über die landschaftlich schönere Straße 84 lohnt bei grauem Himmel wohl kaum. Auf Höhe der imposanten Metropole des Nordens ändert sich das Wetter und wir hoffen, dass die Elfen ein Einsehen haben und später vielleicht sogar Sonne herbeizaubern.
Akureyri, Foto von 2019. Von hier starten die Kreuzfahrer ihre Ausflüge zum Myvatn, und wer direkt am See übernachtet und einigermaßen früh dran ist, ist ihnen an den Hot-Spots zeitlich voraus - ein nicht zu unterschätzender Vorteil. In diesem Jahr gab es Corona-bedingt keine Kreuzfahrtschiffe.
Bei Varmahlid biegen wir rechts ab auf die Straße 75 zu den Glaumbær-Torfhöfen, einem der letzten und schönsten Torfgehöfte der Insel und heute ein Museum.
Im dazugehörigen Cafe soll es die besten Pfannkuchen Islands geben, doch wir sind noch satt von dem auch ohne Lebertran üppigen Frühstück und verzichten mit leisem Bedauern. Wer auf der 75 weiterfährt, landet nach kurzer Fahrt in Saudarkrokur, von wo aus Bootsfahrten zur Vogelinsel Drangey (www.drangey.net) starten. Wir haben an diesem Tag andere Pläne. Zurück auf der Ringstraße biegen wir noch kurz zur Torfkirche Vidimyri (1834) ab, die wir schon im Vorjahr besucht haben.
Kurz vor Laugarbakki dann der letzte Abstecher zum Kolugljufur Canyon. Der Wasserfall Kolufossar ist von der Ringstraße aus nicht zu sehen, aber über eine etwas holprige Schotterpiste gut und schnell erreichbar. Es ist windig und wir müssen aufpassen, nicht über die Kante geweht zu werden; der Spaziergang entlang des ein Kilometer langen Canyons fällt kurz aus.
Am frühen Nachmittag checken wir im Hotel Laugarbakki ein. Äußerlich Marke Plattenbau, ist das Zimmer gemütlich, warm und sauber. Ohnehin sind wir froh, überhaupt eins in der Nähe der Halbinsel Vatnsnes gefunden zu haben, wo die wenigen Unterkünfte allesamt wegen Corona geschlossen haben. Letztlich entpuppt sich Laugarbakki, nah an der Ringstraße und an Vatnsnes, als gute Wahl.
Im vergangenen Jahr waren wir direkt vom Myvatn bis zur Halbinsel Snaefellsnes durchgefahren. Diesmal haben wir eine Zwischenübernachtung eingeplant, um mit Zeit und Ruhe die gebirgige Halbinsel zu besuchen, die sich auf einer ungeteerten Straße (711) umrunden lässt. Sollte am Ankunftstag das Wetter nicht mitspielen, hätten wir immer noch den nächsten Morgen als zweite Chance, so lautete unter anderem meine Überlegung. Doch an diesem Nachmittag haben wir Glück und die Elfen ganze Arbeit geleistet: Die Sonne scheint.
Unser eigentliches Ziel ist der Hvitserkur, ein 15 Meter hoher Basaltfelsen. Schon der Weg dorthin ist unerwartet schön. Die Landschaft, das Licht, die Ausblicke rauben uns den Atem.
Dann ein kleiner Parkplatz. Es ist nur ein kurzer Fußmarsch zum Hvitserkur, der unterhalb der steilen Küste malerisch im Wasser liegt.
Es soll einen etwas längeren, aber einfachen Weg zum Strand und von dort zum Felsen geben, wir wissen aber nicht wo und finden ihn nicht. Schließlich klettern wir über einen Trampelpfad vorsichtig die Böschung hinunter. Ich habe mich in meinem Leben schon eleganter bewegt, aber immerhin, ich komme unversehrt unten an (und später auch wieder rauf).
Hvitserkur bedeutet übersetzt "weißer Kittel". Sachdienlicher Hinweis auf die Vogelexkremente, die ihn weiß färben. 😣
Die Stimmung ist grandios und wir bleiben stundenlang am endlosen, einsamen Strand, der bei einsetzender Ebbe nach und nach trocken fällt.
Ein Nashorn, ein trinkender Drache oder - so will es die Sage - ein versteinerter Troll?
Erst nach Neun fahren wir weiter, begegnen nur einem einzigen Auto - und einigen freundlichen, wenn auch durch unsere Anwesenheit offenkundig irritierten dick bepelzten Spaziergängern.
Vatnsnes gilt als einer der besten Plätze auf Island, um Robben zu beobachten. Weil wir im Norden leben, ist es bei uns wie mit den Perlen und den Säuen. Dennoch stoppen wir bei mehreren Stränden, denn die wilde Küste ist grandios.
Die einsame Gegend mit ihrer ungebändigten Natur verzaubert uns, und der Abend brennt sich als einer der schönsten in unser Gedächtnis ein.
Auch, weil sich endlich einmal die Mitternachtssonne zeigt. Gleißend wie ein Scheinwerfer und trotzdem warm - ein phantastisches, aber auch unwirkliches Licht.
Wie eine Fata Morgana leuchten jenseits der Bucht die Westfjorde, unser Ziel am nächsten Tag.
Noch ein paar schnelle Brote zurück im Zimmer, dann plumpsen wir spät ins Bett - voller Vorfreude auf die nächsten Erlebnisse in dieser phantastischen Welt zwischen Traum und Wirklichkeit.
Teil 1420. Dez. 2020
In die Westfjorde
Die isländischen Westfjorde - viel haben wir darüber gehört und gelesen. Abgelegen, einsam, ursprünglich sollen sie sein und auch abseits der üblichen Touristenpfade. Das klingt gut und wir sind gespannt auf den ältesten Teil des Landes, in dem die Vulkane schon lange erloschen sind.
170 Kilometer sind es von Laugarbakki nach Drangsnes, unserem ersten Übernachtungsstopp in den Westfjorden. Über eine gute Schotterpiste geht es immer an der Küste entlang, wir umrunden malerische Fjorde und werden einmal mehr mit fantastischen Ausblicken belohnt.
Immer wieder halten wir an. Weil die dünn besiedelten Landstriche so schön...
...und wild sind wie die Frisuren ihrer haarigen Bewohner.
Wir sind mal wieder ein Bummelzug. Der Weg ist das Ziel, hier noch mehr als ohnehin schon auf dieser Reise, denn die Gegend an sich ist eine einzige Sehenswürdigkeit. Schöner geht's kaum.
Der Ort Holmavik kurz vor Drangsnes
Trotzdem kommen wir schon mittags in Drangsnes an und drehen noch eine Extraschleife über die raue 645 in Richtung Norden.
Eine tolle Strecke: bröckelige Felswände und Buchten voller Treibholz, unglaubliche Stille und das Gefühl absoluter Abgeschiedenheit.
Noch weiter nach Norden auf der 643 entlang der viel gelobten Strandir Coast drehen wir schließlich um. Die Piste ist schlecht und die Umgebung nicht schöner als das, was wir bislang gesehen haben.
Im winzigen Drangsnes beziehen wir im Malarhorn Guesthouse ein rustikales, aber großes Zimmer mit Blick auf eine versteinerte Trollfrau in die eine und auf die vorgelagerte Insel Grimsey in die andere Richtung.
Gute Planung ist bekanntlich alles, aber diese Insel ist mir irgendwie durchgerutscht. Zweimal am Tag schippert ein kleines Boot hinüber zum unbewohnten, privaten Eiland, das ein wahres Vogelparadies und im Sommer Heimat Tausender Papageitaucher ist. Eine Stunde früher, und wir hätten die Nachmittagstour bei bestem Wetter noch erwischt. 😣
So verbringen wir einen entspannten Resttag in dem verschlafenen Fischerort, in dem - im besten Sinne - der Hund verfroren ist. Die Uhren ticken spürbar anders. Als wir an der Rezeption ein Ticket für die Bootstour am nächsten Morgen buchen wollen, ernten wir erstaunte Blicke. Das sei ganz und gar unnötig, versichern unsere freundlichen Gastgeber, wir sollen einfach am nächsten Morgen um 9 Uhr am Ableger sein. Kein Stress, keine Eile, anders als zum Beispiel an der Südküste, wo rechtzeitige Reservierungen fast schon eine Notwendigkeit sind, und auch anders als Zuhause. Fühlt sich nach Urlaub an. Und nach etwas, worum ich die Einheimischen insgeheim beneide: Ruhe und Gelassenheit.
Die Stimmung im knackvollen Restaurant unseres Gästehauses ist entspannt und das Essen hervorragend, wer ahnt denn sowas am gefühlten Ende der Welt? Thomas schwärmt vom fangfrischen Fisch, der ihm vom ebenso sympathischen wie exzentrischen Chef ans Herz gelegt worden war. Ein Alt-Punk mit Beatles-Fimmel, eine merkwürdige Mischung, Pilzköpfe auf seinem T-Sirt, an den Wänden und aus den Boxen. The Long And Winding Road, irgendwie passend für die Westfjorde...
Am nächsten Morgen ist es nicht mehr sonnig, aber weiterhin trocken, wir packen zusammen, frühstücken schnell und gehen die wenigen Meter hinunter zum Mini-Hafen, wo uns der Kapitän Marke "Seebär" auf seinen antiken Kutter lotst. Nur zwei weitere Paare sind mit an Bord, und kaum haben wir den Hafen verlassen, sind wir umringt von Vögeln.
Es ist nur ein Katzensprung hinüber, wir fahren erst ein Stück um die Insel herum, können den Kormoranen und Dreizehenmöwen direkt ins Nest schauen...
...und klettern dann an Land. Nichts als Felsen, Gras und Vögel. Ein Paradies, unberührt und wild, es riecht nach Wiese und Vogelkäfig.
Aaaachtung! Wachtposten am Anleger
Der Bootsführer gibt uns zwei Stunden, dann sollen wir wieder am Steg sein, und außerdem grobe Anweisungen. Nicht zu nah an die Klippen gehen, nicht zu unserem Schutz, sondern dem der Papageitaucher, und auf jeden Schritt achten, denn einen Weg gibt es nicht und das Gelände ist uneben. Wir stehen etwas unschlüssig in der Gegend herum, aber das war's. Er lächelt freundlich, worauf wartet ihr?
Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und wate voran durchs hohe Gras, am Abend werden wir uns nach Zecken absuchen, zum Glück ohne Erfolg. Erst auf der Rückfahrt erfahren wir, dass der Guide krank geworden ist und normalerweise bei den Touren dabei. Ich weiß nicht, inwieweit Dinge dann anders laufen.
Wir genießen jedenfalls unsere Freiheit, fühlen uns wie Robinson und schon wieder wie im Wunderland. Erst an der Steilküste, später am Strand gehen wir entlang, überall Puffins, die Schnäbel voller Fische. Grimsey ist wohl auch für sie ein richtig guter Ort, ihre Anzahl soll konstant hoch sein im Gegensatz zu Südisland.
Die Zeit vergeht wie im Flug, ein grandioser Ausflug, am Mittag kehren wir zurück, setzen uns ins Auto und fahren weiter hinein in die Westjorde. Unser nächstes Ziel heißt Isafjördur, Islands wohl abgelegenste Metropole 235 Kilometer westwärts.
Teil 1527. Dez. 2020
Kurven, Fjorde und ein Vorhang aus Wasser
Von Drangsnes nach Isafjördur ist es eigentlich ein Katzensprung. Doch eine ganze Reihe tiefer Fjorde macht aus 70 Kilometern Luftlinie eine Strecke von 235 Kilometern. Eine echte Geduldsprobe für unruhige Geister wie mich - allerdings eine landschaftlich sehr schöne.
Die Straße 61, auf der wir Fjord für Fjord umrunden, ist nicht nur asphaltiert, sondern absolut makellos. Wir kommen gut voran. Außer uns sind vor allem Isländer mit ihren Campern unterwegs, einsam ist es also nicht, aber still in diesem Idyll aus Wasser und schneebedeckten Bergen.
Beim sechsten oder siebten Fjord - man kann da leicht durcheinanderkommen 😣 - dann ein anderes Bild. Eine Bucht voller Seehunde. Wir steigen aus und genießen die dreieinhalb Sonnenstrahlen, in denen sich die Tiere genüsslich räkeln.
Kurz danach der nächste Fjord - nicht so schlecht, dass es erst einmal der letzte ist. Von hohen Bergen umrahmt liegt Isafjördur, der größte Ort der Westfjorde. In Wahrheit ein Nest mit knapp 3.000 Menschen, doch der Hafen ist das Tor zur Welt und sonst Anlegestelle für Kreuzfahrtschiffe. Keine Kreuzfahrer im Corona-Jahr, im Tjöruhusid kurzfristig einen Tisch zu bekommen, ist leider auch ohne sie unmöglich. Das lässige Fisch-Restaurant ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und ein langfristige Reservierung nötig. Haben wir nicht, und so wird nix draus.
Unser Hotel Isafjordur ist ein ziemlich hässlicher Kasten, liegt aber zentral. Das Zimmer ist komfortabel und mit Blick aufs Wasser, am Abend gibt's Pizza mit viel drauf und eine ordentliche Mütze Schlaf.
Eine kurvige Schotterpiste und schroffe Gegenden, am nächsten Tag geht's über die 60 stramm Richtung Süden nach Patreksjordur.
Direkt am Weg liegt der Dynjandi, einer der imposantesten Wasserfälle Islands. Vom auch in Corona-Zeiten gut gefüllten Parkplatz steigen wir rund 500 Meter hoch, vorbei an vielen kleineren Wasserfällen, ein grandioses Ensemble, es schäumt, tobt und rauscht.
Oberhalb des Dynjandi. Das Wasser fließt unter der Straße hindurch und stürzt dann dem Fjord entgegen.
Es ist bewölkt, aber windstill und warm - und das hat Folgen. Kriebelmücken, ganz Schwärme, sie umschwirren und verfolgen uns, kriechen in die Ohren und zwicken sogar, igitt!
Vor einigen Jahren sind wir durch Schottland gewandert. Die eigens zum Schutz vor den berüchtigten Midges besorgten Gesichtsnetze blieben in der frühen Jahreszeit verpackt; wie auch am Myvatn, wo uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Doch nun schlägt ihre große Stunde. Wir ziehen die Teile über unsere Köpfe, nicht schick, aber wirkungsvoll. Die Mücken hocken konsterniert auf dem Gazestoff: Wir müssen draußen bleiben. Ätsch! Wir freuen uns diebisch - und sind übrigens nicht die einzigen, die so ein Netz tragen. Auf diese Idee sind auch andere gekommen.
Wir klettern so weit es geht und sind oben alleine. Feiner Wassernebel und nasse Füße, aber was für ein Blick!
Der Dynjandi fällt wie in Zeitlupe, ein Vorhang aus Wasser, und unter uns der Fjord - wow! Wir wollen zurückkehren, bei gutem Wetter, zum Sonnenuntergang. Eines Tages. Tipp: Direkt am Wasserfall gibt es einen kleinen kostenlosen Campingplatz mit Wasseranschluss und WC. Für Camper eine tolle Option.
Weiter geht es über grandiose Passhöhen und an der Küste entlang...
Finde den Fehler! 😉
...nach Patreksfjordur, wo wir uns für zwei Nächte im Fosshotel Westfjords einquartiert haben. Der winzige, hübsche Ort liegt direkt am Fjord und nahe unserer Ausflugsziele und entpuppt sich als die erhofft gute Wahl. Zum Abschluss des Tages fahren wir über eine steinige und ziemlich holprige Piste zum Raudisandur Strand. Leider haben sich die Wolken in der Bucht festgesetzt, nichts wird es mit den tollen Eindrücken, die ich so oft im Netz bewundert habe.
Saurbæjarkirkja am Raudisandur
Wir hoffen auf besseres Wetter am nächsten Tag, denn da wollen wir nicht nur hierher wiederkommen, sondern auch zum legendären Vogelfelsen Latrabjarg.
Teil 1629. Dez. 2020
Ein toller Tag am Latrabjarg oder: Der Tag, an dem Corona wiederkam
Wer in der richtigen Jahreszeit bis hierher noch keine Papageitaucher zu Gesicht bekommen hat, der wird am Latrabjarg reich entschädigt. Nirgendwo soll man so vielen putzigen Puffins so nah kommen können wie an diesen legendären Felsen, wo die Vögel nie bejagt worden und deswegen ohne Scheu sind. Soviel einmal mehr zur Theorie.
Wir tanken im Ort noch einmal voll, es ist an diesem Tag die einzige Gelegenheit, dann geht es vorbei am Wrack der Gardar BA 64, die 1912 in Norwegen für den Walfang erbaut und 1981 ausgemustert wurde. Seitdem rostet das älteste Stahlschiff Islands im Patreksjfördur vor sich hin.
Dann biegen ab auf die 612. Eine staubige Schotterpiste, wohl auch mit einem normalen PkW machbar, aber wir sind froh über Bodenfreiheit und ein paar PS mehr unter der Haube. Die Strecke über die Landzunge ist spektakulär, wir sind relativ früh dran und weit und breit die einzigen Menschen. Eine Gegend, die das Adjektiv "abgeschieden" auch wirklich verdient.
Die Straße ins gefühlte Nirgendwo endet an einem Parkplatz am Leuchtturm Bjargtanga. Nur wenige Meter sind es noch zu den Klippen, die den westlichsten Punkt Islands und damit Europas markieren. Ein ebenso imposanter wie schwindelerregender Anblick, bis zu 450 Meter geht es vertikal in die Tiefe. Für die jungen Puffins bedeutet das einen gewagten Start ins Leben: Verlassen sie im Spätsommer das Nest, muss der erste Flugversuch hinunter zum Meer auf Anhieb klappen.
14 Kilometer sind die Klippen lang, doch die meisten Puffins nisten kundenorientiert direkt in Parkplatznähe.
Etagenwohnung
Es sind allerdings längst nicht so viele, wie wir erwartet hätten. Die Sandaale, Leib- und Magenspeise der Puffins, seien in diesem Jahr an dieser Stelle der Insel nicht so zahlreich wie gewohnt, erklärt uns ein anderer Besucher. Ob das stimmt, weiß ich nicht.
Die anderen Apartments auf den schmalen Felsvorsprüngen, die oft nur eine Handbreit von der Tiefe trennt, sind dagegen restlos ausgebucht. Trottellummen, Eissturmvögel, Dreizehenmöwen und Kormorane veranstalten ein Heidenspektakel.
Wir steigen höher und höher und der Blick wird wunderbar weit, als sich der morgendliche Dunst verzieht. Wir legen uns ins Gras und robben auf dem Bauch näher an die Kante heran, um das Gewicht auf dem unterhöhlten Grund zu verteilen, abends wieder keine Zecken, ein Glück.
Je weiter wir gehen, desto weniger Papageitaucher sehen wir. Dafür zum zweiten Mal nach der Premiere in Schottland die mit den Puffins verwandten Razorbills. Eine schöne Überraschung! Weit aufgesperrt, soll der kräftige, lackschwarze Schnabel vorbeifliegende Möwen verscheuchen, die Räuber sind allgegenwärtig und allzeit bereit. Mich erinnert er an Lakritze.
Wir schlendern zurück in Richtung Parkplatz, hügelabwärts, ein herrlicher Tag und jetzt auch mit Sonnenschein.
Die beste Methode, um Puffins zu betrachten: einfach geduldig stehenbleiben oder ins Gras setzen, keinesfalls proaktiv und zu nah auf die Vögel zugehen. Sie kehren immer wieder zu ihren Bruthöhlen zurück und turnen dann angstfrei und ungestört direkt vor den Augen ihrer Beobachter herum.
Manch einem reicht das leider nicht. Die Isländer bemühen sich redlich, die Laufwege der Touristen in vernünftige Bahnen zu lenken. Mit dezenten Seilen und Hinweisschildern zum Schutz der Natur und manchmal auch dem der Besucher selbst. In diesem Fall für beides. Die Klippen sind am Rand unterhöhlt und brüchig, es sollen schon ganze Abschnitte abgebrochen und Menschen in den Tod gestürzt sein. Bloß gut, dass Mutti das Töchterlein festhält, auch die Schwimmweste hat sie schon vorsorglich an. Na dann... 😣 😈
Ich habe nicht mitbekommen, was sich in meinem Rücken abspielt; bin kein Moralapostel und nicht verantwortlich für anderer Leute Schicksal. Aber ich hätte dieses Verhalten keinesfalls unkommentiert gelassen. Nie sind uns ignorante, verantwortungslose und gefährliche Regelverletzungen so massiv begegnet wie auf Island. 2019 viel mehr noch als in diesem Jahr, denn die Einheimischen benehmen sich besser als viele der ausländischen Gäste, die offenbar mit Vehemenz daran arbeiten, dass immer mehr Verbote nötig werden. Auch diese Eindrücke gehören leider zu einer Reise ins Naturparadies Island.
Die Rückfahrt über die 612 ist grandios, der Blick über die Grönlandsee phantastisch.
Rund um Latrabjarg finden sich einige der schönsten Strände Islands. Nicht schwarz wie sonst üblich auf der Insel, sondern schneeweiß und unberührt, ein Traum.
In der Sonne entfaltet die Landschaft ihre ganze (Farben-)Pracht. Wir brauchen eine gefühlte Ewigkeit für die 60 Kilometer zurück nach Patreksfjördur; was aber natürlich auch egal ist 😎 .
Blick nach Patreksfjördur
Zurück im Ort ergattern wir in einem kleinen Cafe die letzten beiden Plätze, es ist voll und gemütlich und Corona wie immer in den vergangenen Wochen ganz weit weg. Stimmengewirr und Gelächter, das Leben ist normal und schön, zumindest für diesen Moment. Dass es sich schon sehr bald wieder ändert, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Gegen Abend starten wir den zweiten Versuch am Raudisandur (=Roter Sand) Strand am südlichsten Zipfel der Westfjorde. Drumherum war an diesem Tag Sonne, doch in der Bucht hängen weiterhin die Wolken fest. Wie schade.
Im Hintergrund die Steilküste von Latrabjarg
Die Camper sind schon wieder im Grillmodus, und während Thomas zum Aussichtpunkt marschiert, mache ich einen einsamen Spaziergang am weiten Sandstrand, der je nach Lichteinfall orange, gelb, tiefrot und manchmal sogar pink erscheint.
Im Moment ist er eher matt apricotfarben, ich halte angestrengt Ausschau nach einem Fleckchen blau, das der Wind hinübertreiben könnte, doch vergebens.
Mir entgeht dabei, dass zwar keine blaue Stelle naht, aber der Himmel zusehends aufklart.
Plötzlich bricht die Sonne durch, wie aus dem Nichts. Um mich herum leuchtet der Strand. Wir können es kaum glauben, eine ungeahnte Metamorphose binnen weniger Minuten und ein toller Anblick!
Rund eine Stunde gewährt die Sonne eine Audienz, dann zieht sich der Himmel langsam wieder zu.
Zurück am Hotel gibt es noch einen schönen Sonnenuntergang und Veränderungen. Ein Zettel auf dem Bett, wir sollen zur Rezeption kommen wegen neuer Corona-Maßnahmen. Wie zeitliche Slots beim Frühstück zum Beispiel, weil (wieder) mehr Abstand gefordert ist. Die Normalität, sie war nur ein Traum, banal und dennoch intensiv. Nun hat uns die Realität zumindest ein Stück weit wieder.
Teil 1709. Jan. 2021
Zauberhaftes Snæfellsness, Teil I
Der Snæfellsjökull besitzt magische Kräfte: Er lässt Besucher immer wieder zurückkehren. So will es eine isländische Legende, und sie muss wohl wahr sein. Wie anders wäre zu erklären, dass wir erst kaum ein Jahr zuvor am Fuße des imposanten Vulkans mit seiner weithin sichtbaren Gletscherkappe unterwegs gewesen sind - und nun schon wieder auf dem Weg dorthin?
Sind die Grenzen zwischen Dichtung und Wahrheit auf Island fließend, so gilt das für den Snæfellsjökull ganz besonders. Im Krater des sagenumwobenen Berges begann Jules Vernes "Reise zum Mittelpunkt der Erde"; den isländischen Nobelpreisträger Halldor Laxness inspirierte der markante Gipfel zu seinem Roman "Am Gletscher". Nur im Jahr 1993 war die Enttäuschung groß: Die für den 5. November (21.03 Uhr) prognostizierten Landung von Aliens auf dem Gletscher scheiterte. Hunderte Menschen hatten sich aufgemacht, um die Außerirdischen zu begrüßen. Sie warteten vergeblich. Dumm gelaufen. Der Magie des Snæfellsjökull, der bei klarer Sicht sogar aus dem rund 115 Kilometer entfernten Reykjavik zu sehen ist, tat das missglückte Rendezvous dennoch keinen Abbruch.
Der Snæfellsjökull gibt Snæfellsness im Westen von Island seinen Namen. Eine bezaubernde Halbinsel, wo sich auf kleinem Raum (fast) all das findet, was Island so atemberaubend macht: Vulkane, Lavafelder, einsame Fjorde, schroffe Klippen und kleine Fischerorte. Ein Highlight jagt das nächste. Und so war bei der Planung unserer zweiten Island-Tour glasklar, dass wir in diesem Paradies erneut einige Tage verbringen würden. Dass wir 2019 auf der "Schneeberghalbinsel“ - wie beinahe auf der gesamten Reise - ein fast schon unverschämtes Wetterglück gehabt hatten, heizte unsere Begeisterung zusätzlich an.
Nach einem Frühstück mit - gemäß der neuen Corona-Regeln - viel Abstand verabschieden wir uns also von Patreksfjördur und den Westfjorden, die gehalten haben, was wir uns im Vorfeld von ihnen versprochen hatten.
Kleines, aber feines Abschiedskomitee auf dem Weg zur Fähre in den Westfjorden
Die Fähre Baldur ist nach einem Motorschaden in den vergangenen Wochen zum Glück wieder flott und soll uns vom Fischerdorf Brjanslækur nach Stykkisholmur in Snaefellsnes bringen. Das Fährbüro hat wegen Corona geschlossen, doch wir haben online gebucht und bezahlt und die entsprechende Bestätigung auf dem Smartphone. Wir gesellen uns also einfach zu den wartenden Autos, sehen die Fähre punktgenau einlaufen, rollen über die Rampe und zeigen beim Parken die Bestätigung vor. Maske (seit einem Vortag wieder nötig) auf, Eisentreppe rauf, in die abgenutzten Polster gefläzt, fertig.
Zweieinhalb Stunden dauert die Überfahrt vorbei an Schären und der Insel Flatey, wo wir kurz anlegen. Möwen über den Wellen und ferne Puffins, bei gutem Wetter ist das alles wahrscheinlich sehr schön, bei Nieselregen eher trist.
Wir sind froh, als wir da sind und haben es nicht weit zum Grundarfjordur Bed and Breakfast, wo wir im gleichnamigen Ort für zwei Nächte ein unprätentiöses, aber großes und sauberes Zimmer beziehen. Frühstück gibt's im angeschlossenen Cafe und auch Pizza und Pasta, die Inhaber sind Italiener, alles in allem eine sehr gute Wahl. Und das Beste: Der Kirkjufell ist in Sichtweite, ein weiterer magischer Berg auf Snæfellsness, dessen Nähe wir diesmal explizit gesucht haben. Teil II Snæfellsness folgt...
Teil 1815. Jan. 2021
Zauberhaftes Snæfellsness, Teil II
Es genügt auf Snaefellsnes, einfach nur den Straßen Nummer 54 und 56 zu folgen. Die Eindrücke sind grandios. Im Snæfellsjökull-Nationalpark führt zudem eine Straße um den namensgebenden Vulkan und die Spitze der Halbinsel herum. Es gibt viel zu sehen - und viel zu tun. Wir klettern durch einen Bach in die Felsspalte Raudfeldsgja, erforschen bizarre Lavafelder, die Hänge des Snaefellsjökull und treffen haufenweise Trolle.
Kirkjufell: 2019 hatten wir eine Nacht im Hafenstädtchen Stykkisholmur und zwei Nächte in Hellnar auf der Südseite der Halbinsel verbracht. Stykkisholmur ist mit rund 1200 Einwohnern der größte Ort auf Snaefellsnes und liegt mit Blick auf die vorgelagerten Schären idyllisch. Hervorragende Fischrestaurants (für mich Vegetarierin egal) sind ein weiteres Plus, doch alles in allem zieht es uns auf Island eher in die Natur. Das Fosshotel Hellnar hat sich der ökologischen Nachhaltigkeit verschrieben und uns richtig gut gefallen. Skandinavisch cooles Styling, weiter Blick über die Klippen und den Nordatlantik, perfekte Lage direkt am Fuße des Snæfellsjökull und des Stapafell, eines markanten pyramidenförmigen Berges. Diesmal wollten wir dennoch auf die nördliche Seite. Der Grund hieß Kirkjufell.
Der symmetrische "Kirchberg" ist das Topmodel unter den isländischen Bergen und nicht erst seit "Game of Thrones" einer der wohl meist fotografierten Orte Islands. Entsprechend überlaufen ist es dort. Wir hoffen diesmal auf deutlich weniger Besucher als 2019, als es sehr viel Geduld und auch Glück brauchte, um ihn gemeinsam mit dem Kirkjufellsfoss, aber ohne die vielen Foto-Trolle auf ein Bild zu bannen.
Tatsächlich ist der zumindest in Corona-Zeiten überdimensioniert wirkende Parkplatz diesmal fast vollständig verwaist. Aus den erhofften Fotos zum Sonnenauf- oder -untergang wird allerdings trotz der Unterkunft im benachbarten Grundarfjordur nichts: Die Sonne zeigt sich kaum. Beim nächsten Mal dann 😎 .
Snaefellsjökull: 1.833 m hoch und bei klarer Sicht beinahe omnipräsent. So wie im Traumsommer 2019. Ein Jahr später ist er schüchtern und meist in Wolken gehüllt. Weshalb der Prophet (näher) zum Berg kommen muss. Unterhalb des Gletschers führt die steile F570 von Olafsvik im Norden nach Arnarstapi im Süden. 2019 durften wir die Straße mit dem PkW nicht befahren, diesmal holen wir das nach. Mit Schwung die Auffahrt hoch, dann jäh gestoppt. Die Frau vor uns auf dem Mountainbike taumelt, doch sie schafft es. Hut ab!
Eine tolle Strecke, einigermaßen einsam und wild, aber gut machbar. Die letzten Meter zum Gipfel sind abgesperrt und geführten Gletscherwanderungen vorbehalten. Aber man kommt schon ziemlich nah ran an die Schneekuppe.
Blick hinunter auf den Stapafell, links das Örtchen Arnarstapi
Svödufoss: Es gibt spektakulärere Wasserfälle auf Island. Aber dieser - wenn auch mittlerweile zwischen Olafsvik und Rif ausgeschildert - ist (noch) nicht sehr bekannt und die Lage am Fuße des Snæfellsjökull herrlich. Ein Schotterweg führt an Pferdeweiden vorbei zu einem Parkplatz. Wer will, kann über einen ausgetretenen Pfad an der Seite nach oben. Bei schönem Wetter ein toller Platz mit Blick auf den Gletscher. Kaum Trolle weit und breit.
Skardsvik Beach: Kleine, traumhafte Bucht mit goldenem Sand, eine Rarität auf der Insel. Weiter auf der zusehends ruppiger werdenden Schotterpiste geht's zum Öndverdarnes-Leuchtturm an den Steilklippen. Bis dahin haben wir es 2019 mit dem PkW - obwohl erlaubt - aber nicht geschafft (oder auch nicht mehr schaffen wollen).
Djupalonssandur: Noch ein toller Strand, diesmal schwarz und umgeben von Lavaformationen. Bei einem Schiffsunglück kamen 1948 vor der Küste 14 Seeleute ums Leben, fünf überlebten. Die rostigen Überbleibsel liegen im Sand verstreut und stehen als Mahnmal unter Denkmalschutz. Wie an allen markanten, leicht erreichbaren Punkten stoppen hier viele Reisebusse. Wer aber hinter dem schwarzen Strand dem Küstenweg zu Fuß folgt, wird mit Einsamkeit, weiteren Stränden und weitem Blick belohnt. Wir haben von dort oben sogar Orcas beobachten können.
Londrangar-Basalt-Klippen: In den bis zu 75 m hohen Küstenklippen nisten Tausende Vögel. Möwen, Kormorane, Trottellummen, volles Haus. Es gibt einen Parkplatz in der Nähe der Aussichtsplattform und einen am Besucherzentrum. Von dort führt ein Spaziergang über die Lavazunge mit ihrer Mooslandschaft und den Felsforma..., äh, Trollen. Allesamt versteinert und stumm. Anders als die Vögel. Die kreischen, was das Zeug hält. Und das Meer rauscht so schön.
Blick von der Aussichtsplattform. Ganz hinten im Bild das Besucherzentrum. Dazwischen liegt ein kleiner Küsten-Wanderweg.
Hellnar und Arnarstapi mit Küstenwanderweg: Im winzigen Dörfchen Hellnar mit seiner schönen Küste haben wir 2019 übernachtet.
Hellnar, ganz links im Bild das Fosshotel
Direkt in den Klippen liegt das lässige Fjöruhusid. Kleines Cafe, große Terrasse, Daumen hoch! Kaffee, hausgemachte Suppe und ganz viel Atmosphäre. Die Klippen stehen unter Naturschutz, ein 2,5 Kilometer langer schmaler Küstenpfad führt zum benachbarten Arnarstapi. Lavafelder, Meerblick, Felsen in der Brandung und Seevögel - ein toller Weg!
Arnarstapi ("Adlerfelsen") mit seinem winzigen Hafen war einst ein wichtiger Handelsposten und ist heute vor allem eine Feriensiedlung. Hier ist der Küstenwanderweg nicht mehr einsam, in Hellnar schon eher. Auf dem Parkplatz ein Food-Truck mit Fish & Chips. Riesige Portionen, für isländische Verhältnisse günstig - und legendär. Der pfiffige Betreiber hatte vor einigen Jahren die Idee, da kannte die Fisch-Pommes-Kombi auf der Insel kein Schw..., äh, Troll. Touristen bissen an, Einheimische erst recht. Die Schlangen waren lang, die Kasse klingelte - und tut es noch. Das Geheimnis der grandiosen Pommes-Würzmischung habe ich leider trotz mehrfachen Besuchs nicht lüften können.
Berühmteste Felsformation in der Gegend von Arnarstapi: der Gatklettur ("Lochfelsen")
Kirche von Budir: Die kleine Kirche von 1848 ist eine der ältesten Holzkirchen Islands, die umliegende Landschaft mit Bergen, Meer und einem alten Lavafeld tut ihr Übriges. Ein hübsches Ding und aus allen möglichen Perspektiven ziemlich fotogen.
Budirkirkja, im Hintergrund der Snæfellsjökull
Bjarnafoss: Nicht weit von Budir stürzt der hübsche Bjarnafoss spektakulär den Berghang hinab, sein Dunst ist schon von Weitem zu sehen. Liegt am und auf dem Weg. Praktisch für eine Stippvisite. Wer - anders als wir - zu ihm hochsteigen will, muss ein wenig mehr Zeit einplanen.
Raudfeldsgja-Schlucht: Die Zeiten, als diese verborgene Schlucht ein Geheimtipp war, sind lange vorbei. Vom auch in Corona-Zeiten gut gefüllten Parkplatz ist es nur ein kurzer Weg bis zum Eingang über einen Bach und durch eine schmale Felsspalte. Dahinter verbirgt sich ein Wunderland mit grün bemoosten Felswänden und einem kleinen Wasserfall.
Mystisch, mystisch: Der Eingang zur Schlucht
Die Brüder Raudfeldur und Sölvi sollen hier mit der Tochter des Halbtrolls Bardur gespielt haben. Der Sage nach verschwand sie dabei auf mysteriöse Weise. Aus lauter Wut hat Bardur die Brüder in die Schlucht gestürzt. Noch heute sollen ihre Geister hier ihr Unwesen treiben. Auf Island muss man auf alles gefasst sein.
Klettermaxe können hinter dem Wasserfall noch tiefer in die Schlucht vordringen. Wir waren nicht entsprechend ausgerüstet (nass!) und zudem defensiv (glitschig!). So oder so am besten früh da sein.
Ytri Tunga Strand: Weißer Strand, dessen Beliebtheit - obwohl nicht ausgeschildert - zusehends wächst. Das dürfte nicht nur an der schönen Kulisse, sondern vor allem an den Robben liegen, die hier bräsig herumliegen. Die besten Monate sind Juni und Juli.
Sie ist ein Model und sie sieht gut aus...
Ohnehin ist der Ytri Tunga tierreich. Eiderenten, Austernfischer, ein ferner Orca und die allgegenwärtigen Krias.
Auf dem Golfplatz in der Nähe sind Sportler in Not. Vogelplage statt Putten. Ganze Schwärme attackieren sie auf dem gepflegten Grün, das die Vögel für sich beanspruchen. Da hilft nur eins: den Schläger hoch genommen und die Beine in die Hand! Ganz schön t(d)rollig, diese Krias!
Küstenseeschwalben stürzen sich während der Brutzeit auf alles, was sich bewegt - sogar auf Autos. Diese Exemplare sind glücklicherweise auf Fisch und nicht auf unseren Skalp aus.
Berserkjahraun: Das Beste kommt zum Schluss. Berserkjahraun. Der Name sagt alles. Ein von Kraterreihen durchsetztes Lavafeld, wild und ungezähmt, das wir 2019 nicht auf dem Zettel und eher zufällig bei unserer Fahrt über die Straße 56 entdeckt hatten. Spontan stoppten wir an einem Parkplatz und machten einen kleinen Spaziergang durch diese raue und dabei so zauberhafte Landschaft, ohne genau zu wissen, wie sie eigentlich heißt und woher sie rührt.
Ein Jahr später hatten wir uns etwas schlau gemacht. Vor 4000 Jahren brachen vier benachbarte Schlackenkrater in kurzen Intervallen aus. Die Lava ergoss sich teilweise direkt bis ins Meer und staute Flüsse zu zwei märchenhaften Seen auf: den Selvallavatn und den Kothraunsvatn.
Diese Mondlandschaft kann auf einer wenige Kilometer langen Piste durchfahren werden. Auf der Straße 558 ("Berserkjahraunsvegur") rumpeln wir entlang der Kraterreihe, die dieser faszinierenden Umgebung ihr Gesicht gegeben hat. Nur wenige Meter vom makellosen Asphalt entfernt fühlen wir uns abgeschieden wie im Hochland.
Wundersame Lavatürme und butterweiche Moospolster, eine bizarre Landschaft in gedeckten Tönen.
Dazwischen die roten Krater, die sich über Pfade ersteigen lassen. Der Blick von oben reicht bis zum Meer. Es ist atemberaubend - und für mich eine der schönsten Entdeckungen auf Island.
Aufstieg zum Krater,...
...den wir 2019 nur von unten bewundert haben (hinten rechts).
Und der Blick von oben
Zurück auf der Straße 56 und auf Asphalt, machen wir beim Parkplatz einen letzten Halt. Ganz in der Nähe - wenn auch von der Straße aus nicht zu sehen - liegt links der Sheep's Waterfall, der so heißt, weil sich häufig Schafe in die dahinterliegende kleine Höhle zurückziehen.
An diesem Tag ist das nicht der Fall, und so haben wir den Blick durch den Wasservorhang ganz für uns.
Danach heißt es Abschied nehmen von Snaefellsness, wenn auch noch nicht von Island. Doch das letzte Kapitel und damit das Ende dieser Reise rückt unweigerlich näher...
Teil 1925. Jan. 2021
Schlussakkord in Mordor
Wie schnell drei Wochen vergehen. Denke ich auf dem Weg in Richtung Reykjanes. Auf der Halbinsel verbringen wir unsere letzte Nacht, bevor wir zu einer denkbar unchristlichen Zeit im Morgengrauen nach Hause fliegen. Was schade ist. Wie gerne würde ich noch bleiben - ein nur allzu bekanntes Gefühl am Ende all unserer Touren. Fernweh, schon bevor die Reise zu Ende ist - das muss mir erst mal einer nachmachen. 😣
Isländische Erinnerungen: Am Raudisandur
An Reykjavik, wo wir im Vorjahr eine grandiose Zeit hatten, rauschen wir diesmal vorbei. Lieber kein Stadtbesuch in Zeiten von Corona.
Fast alle Reisenden kennen Reykjanes. Schließlich liegt hier ganz im Südwesten der internationale Flughafen Keflavik. Ansonsten wird die Halbinsel oft übersehen. Was ich bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen kann, denn im Sommer 2019 war die erste halbe Stunde auf Island nach unserer Ankunft in Keflavik ein kleiner Schock. Das sollte mein Sehnsuchtsort sein? Endlose schwarze Lavafelder, karg, öde, trostlos: Wir sind in Mordor gelandet! Der Anblick wirkte jedenfalls wie eine eiskalte Dusche auf mein enthusiastisches Gemüt. Der Reiz von Reykjanes, einer der vulkanisch aktivsten Regionen Island, und seine triste Schönheit erschlossen sich mir erst auf den zweiten Blick.
Wir übernachten wie im Vorjahr in Vogar. Einem Ort, der nicht gerade durch architektonische Pracht besticht, sondern vor allem durch seine praktische Lage nur gut 35 Kilometer von Reykjavik und rund 15 Kilometer vom Flughafen entfernt. Von hier ist es auch zur wohl beliebtesten Attraktion der Insel nicht weit: der Blauen Lagune. Ihr warmes, mineralreiches Wasser, quasi ein Abfallprodukt des benachbarten Geothermalkraftwerks, soll Heilkraft haben und wahre Wunder wirken. Was ich so nicht bestätigen kann. Jedenfalls entstieg ich den Thermalbecken 2019 nach Ablauf unseres mühsam erkämpften Zeitfensters nicht gerade als Venus von Milo - trotz Gratis-Gesichtspackung, die das einzig erschwingliche an dieser ansonsten kostspieligen Veranstaltung blieb.
Andere mögen zu anderen Schlüssen kommen: Für uns war diese durchgetaktete Massenabfertigung bei unserer zweiten Reise 2020 keine Wiederholung wert. Wer sich zu einem Besuch des vermeintlich verheißungsvollen, wenn auch nicht durchweg sauberen Spa entschließt, muss früh dran sein und monatelang vorher reservieren - oder auf bereits erwähnte Alternativen wie am Myvatn zurückgreifen.
Eine Stippvisite bei der Blauen Lagune lohnt trotzdem. Denn direkt neben dem Wellness-Tempel ist ein Teil der Lagune mit ihrem milchig-blauen Wasser inmitten des zerklüfteten Lavafeldes "Illahraun" ("Lava des Bösen") frei zugänglich. Spektakulär, fotogen - und gratis. 🙂
Westlich davon liegt das Hochtemperaturgebiet Gunnuhver. Hochaktiv, dampfend und ziemlich düster. Nach einer Explosion in einer der heißen Schlammquellen im Jahr 2014 musste das Gebiet zeitweise gesperrt werden, es zischt, raucht und blubbert gewaltig. Ganz besonders in Islands größtem Schlammloch mit einem Durchmesser von 20 (!) Metern. Die Midlina, die Brücke zwischen den Kontinenten in der Nähe, haben wir ausgelassen. Die Drift der amerikanischen und eurasischen Kontinentalplatten verbreitert den Graben jedes Jahr um circa zwei Zentimeter.
Endzeit-Stimmung bei Gunnuhver 2019
Besser als das trostlose Gunnuhver und sogar richtig gut gefällt uns Seltun. Weshalb wir unseren ersten Besuch von 2019 ein Jahr später bei glücklicherweise viel besserem Wetter wiederholt haben. Das Schwefelfeld liegt zwischen den Städten Grindavik und Hafnarfjördur an der Straße 42. Kurz davor schimmert der Graenavatn, ein kleiner See in einem Explosionskrater, intensiv türkisblau.
Unter dem Hochtemperaturgebiet brodelt der Vulkan, der keine Rücksicht auf feine Nasen nimmt. Es stinkt nach faulen Eiern - Augen auf und durch.
Holzstege führen vorbei an bunter Erde und blubberndem Schlamm. Das Gebiet ist nicht ganz so imposant wie Hverir am Myvatn, aber imposant genug.
20 Minuten, dann sind wir durch. Doch wir wollen noch auf den Berg, der Seltun überragt. Er ist steil und der Untergrund rutschig, eine Kette zum Hochziehen, damit klappt's. Der Blick von oben ist groß. Als sich die Sonne verzieht, machen wir das auch.
Der See Kleifarvatn in die eine...
...und der Graenavatn in die andere Richtung.
In Vogar wohnen wir wieder im Motel Arctic Wind. Nette Besitzer, die gegenüber eine neue Pizzeria betreiben, blitzsaubere Zimmer und eine tolle Gemeinschaftsküche, perfekt ausgestattet. Wir plündern unsere Fresskiste. Resteessen mit Pasta, Brot und Tütensuppe, zwei Schweizer sind gerade angekommen und warten auf ihr Testergebnis. Fünf Tage später müssen sie einen weiteren Test absolvieren. Die Dinge ändern sich, und kurz darauf sowieso. Island macht die Schotten dicht. Zumindest so gut wie.
Für uns endet die Reise am nächsten Morgen um Fünf mit der Autoabgabe, dem Transfer zum Flughafen und schließlich dem Rückflug. Alles unkompliziert, wie die gesamte Tour, auf der Corona so weit weg war. Für eine kurze, tolle Zeit, glücklich und unbeschwert, in einem faszinierenden, berauschenden Land, das uns beiden so sehr ans Herz gewachsen ist. Takk fyrir, Island! Und auch takk fyrir an alle, die mitgelesen und uns virtuell begleitet haben!
Ein abschließendes Fazit folgt.
Teil 2001. Feb. 2021
Das Fazit: Eine tolle Reise und ein großer Wunsch
Diese Reise überhaupt antreten zu können, war alles andere als selbstverständlich - und hatte mit Timing und Zufall zu tun. Andalusien fiel aus, Island ließ uns rein und wir schlugen kurzerhand zu.
Auch wenn die Insel nicht wie leergefegt war, weil die Isländer ihre Ferien im eigenen Land verbrachten, so war die Qualität des Reisens doch eine andere als beispielsweise im Jahr zuvor. Erst wenige Wochen waren bei unserer Ankunft verstrichen, seit sich Island dem internationalen Tourismus zumindest in Teilen wieder geöffnet hatte. Die Hotspots waren deutlich weniger überlaufen und vor allem keine der mir so verhassten Reisebusse unterwegs. Das zu erleben, war sicherlich ein Privileg. Von Glück möchte ich nicht sprechen. Dafür war uns das Unglück, das Corona mit sich brachte, viel zu bewusst.
Einsam am Raudisandur
Dennoch: Auf Island, zu der Zeit fast frei von aktiven Fällen, war Corona praktisch kein Thema - und rückte auch für uns angenehm in den Hintergrund. Drei Wochen dauerte unsere Realitätsflucht. Es hätten auch sechs sein dürfen. Angebote wie "In einer Woche rund um Island" oder "Die Höhepunkte Islands in 9 Tagen" gibt es zuhauf. Natürlich ist das möglich. Aber sinnvoll? Eher nicht.
Die grandiose Natur, ihre Vielfalt zu entdecken und zu begreifen, kostet Zeit. Hinzu kommt der Faktor Wetter. 2019 hatten wir großes Glück und in den 15 Tagen fast durchgehend Sonne. So wolkenlos blau hat sich uns der Himmel diesmal kaum gezeigt. Immerhin blieb es oft genug so trocken, dass wir unserer Aktivitäten durchziehen konnten. Doch vor allem die erhoffte Mitternachtssonne ließ uns im Stich. Was schade war.
Mitternachtssonne am späten Abend am Jökulsarlon - so richtig will sie nicht.
Interessanterweise hatten wir oft gutes Wetter in den Bereichen der Insel, die wir noch nicht kannten (Hvitserkur, Latrabjarg, Westfjorde) und Regen an den Plätzen, die wir im Vorjahr wolkenfrei erlebt hatten (Myvatn, Snaefellsnes). Das war immerhin akzeptabel 😉 .
Hvitserkur bei Sonnenschein
Die Isländer hatten insgesamt einen harten Winter hinter sich mit viel Schnee und großer Kälte. Schotterpisten waren teilweise erst kurz vor unserem Abflug freigegeben worden. Der Sommer fiel dann alles in allem normal aus - anders als der Traumsommer 2019 mit Wärme und Sonne, den wir bei unserer Premiere erwischt hatten. Einige Wochen nach unserer Rückkehr 2020 gab es dann ein zweiwöchiges Hoch mit stahlblauem Himmel und Sonnenschein satt. Nur hatte sich da das Corona-Zeitfenster schon wieder geschlossen.
Grundsätzlich ist Island immer schön. Aber sobald die Sonne scheint, explodieren die Farben. Gerade dann ist der Suchtfaktor immens. Wir hatten im vorletzten Sommer zu viel davon und sind wohl abhängig fürs Leben.
Traumsommer auf Island 2019 - Sonne satt
Zu den Besonderheiten der zweiten Reise zählen unsere intensiven Begegnungen mit den Puffins. Wir wussten, wir würden sie in dieser Jahreszeit sehen. Ahnten aber nicht, an wie vielen Orten und wie zahlreich. Viele Stunden haben wir mit und bei ihnen verbracht; es war keine Minute zuviel.
Unverhoffte Begegnung: Polarfuchs in Mödrudalur
Über die Route hatte ich mir viele Gedanken gemacht. Viel im Netz gestöbert und gelesen. Das hat sich ausgezahlt. Die Strecken waren entspannt und die relativ großzügigen Zeitfenster haben uns die nötigen Puffer geboten, um überall bei akzeptablen Wetterbedingungen das zu unternehmen, was wir uns vorgenommen hatten. Noch immer gibt es in diesem kleinen Land wahnsinnig viel zu entdecken, die Wunschliste ist nicht kürzer, sondern eher länger geworden...
Thomas bei der Arbeit am Aldeyjarfoss
Was waren die Höhepunkte? Ehrlich gesagt alles. Island ist ein Gesamtkunstwerk von atemberaubender Schönheit.
Auch wir sind dem Charme der legendären Westfjorde erlegen, wo die Uhren spürbar anders ticken und der Massentourismus noch nicht gnadenlos zugeschlagen hat.
Ganz schön viel Wasser: Dynjandi im Herzen der Westfjorde
Doch das Hochland, die Südküste, die zauberhafte Halbinsel Snaefellsnes - all das hat seinen eigenen Reiz. Die wohl größte Überraschung waren die stillen Ostfjorde mit ihrer wilden, ungezähmten Natur; vielleicht einer der letzten Geheimtipps der Insel, die schwer damit zu kämpfen hat, dass ihr die vielen einzigartigen Naturwunder nicht zum Verhängnis werden. Corona hat der Landschaft eine Atempause verschafft, die sie wohl dringend benötigt. Die Spuren des Massentourismus sind dennoch unübersehbar, auch in einem zwangsläufig viel ruhigerem Reisejahr.
Landmannalaugar im Hochland
Diamond Beach
Haifoss
Unser Toyota RAV4 war der perfekte Wegbegleiter und wir haben es genossen, auch abseits der makellosen Asphaltstraßen unterwegs zu sein. Die Folgen sind einigermaßen fatal, denn nun sind wir für alles andere verdorben. Dumm nur, dass gerade das Auto in einem der teuersten Reiseländer der Erde finanziell extrem ins Kontor schlägt. Da müssen wir nun durch, auch bei einer dritten Island-Reise.
Unterwegs in den Westfjorden
Mit Island geht es uns wie mit Afrika: Je öfter wir dort waren, desto häufiger wollen wir hin. Und so werden hoffentlich noch viele Reisen auf die Insel aus Feuer und Eis folgen. In Kombination mit Färöer, mit weiteren Touren ins einsame Hochland, mit Neuentdeckungen und Wiederholungen. Zu anderen Jahreszeiten mit anderen Möglichkeiten. Mitternachtssonne, Nordlichter und Eishöhlen, da geht noch einiges.
Unterwegs im Hochland
Schreit nach einer Wiederholung: Pakgil
Mein Traum wäre eine Reise der Nase nach. Den Wetterbericht checken und los. Der Sonne hinterher, zumindest dem Licht. Als Nicht-Camper und in der Hauptreisezeit leider ein aussichtsloses Unterfangen.
Vor allem aber träume ich von einer Zeit ohne Corona. Vom Reisen überhaupt. Von Freiheit und sorglosen Plänen. Namibia und Südafrika sind gebucht, beides schieben wir vor uns her. Noch keine Lücke gefunden, die der Job verträgt. Es gibt Schlimmeres. Natürlich. Aber schön ist auch anders.
Ich hoffe, dass sich die Dinge bald zum Guten wenden. Der Stillstand aufhört, die Welt sich weiterdreht, uns offensteht. Es nicht eine Laune des Schicksals ist oder besonderem Wagemut geschuldet, dass eine Reise stattfindet. Die Neiddebatte endet und auch die um die Moral. Auf Island war die Welt in Ordnung, Corona kein Thema. Für eine kurze Zeit. Eine Wohltat!
Normalität. Alltag. Gesundheit. Und Reisen; nach Island, nach Afrika, nach Frankreich oder auch nur zwei Haustüren weiter. Zur Party von Freunden, zu einem Forumstreffen. Das wünsche ich mir. Und euch.