Reisebericht

2x Algerien (ein Reisebericht)

von Topobär · begonnen 05. Juni 2020 · 19 Teile

Teil 105. Juni 2020
Die Idee & Vorbereitung

Wir schreiben Anfang 1999. In Algerien hat die Regierung den Terror der FIS weitgehen unter Kontrolle gebracht und von Al-Kaida & IS ist noch nicht die Rede. Erstmals seit langer Zeit ist fast die gesamte Sahara relativ sicher zu bereisen. Vor diesem Hintergrund entsteht die Idee, die Sahara auf den Spuren der klassischen Rallye Paris-Dakar mit Motorrädern zu durchqueren. Von Tunis soll es durch Algerien, Niger und Mali bis in den Senegal nach Dakar gehen. 6 Wochen sind dafür geplant.

Letztendlich findet sich eine Gruppe von insgesamt 18 Personen zusammen, die mit 14 Motorräder und zwei Begleit-LKW das Abenteuer wagen wollen. Kathrin als Beifahrerin in einem der LKW und ich auf dem Motorrad.

Als Begleit-LKW werden 2 ausrangierte Bundeswehr-Unimog erworben, technisch überholt und silber angestrichen. In der Sahara sollte man es tunlichst vermeiden, mit einem Militärfahrzeug verwechselt zu werden.

Da ein großer KTM-Händler bereit ist, die Expedition mit Motorrad-Ersatzteilen zu unterstützen, verständigen wir uns darauf, ausschließlich mit KTM LC4 zu fahren.

Bei mehreren Vortreffen schreitet die Planung voran und wir machen gemeinsame Fahrtrainings, damit alle Teilnehmer den Anforderungen gewachsen sind.

6 Wochen vor Abreise kracht mir ein einer Enduro-Veranstaltung ein anderer Teilnehmer voll in die Seite. Gebrochen ist zum Glück nichts, aber ich habe am gesamten linken Bein Quetschungen und die Knochen im Fuß haben sich verschoben. Um rechtzeitig zur Tour wieder fahrtüchtig zu sein, bin ich fast täglich bei er Physio-Therapie und werde für meinen Fleiß belohnt. Eine Woche vor Tour-Beginn kann ich wieder ohne Krücken laufen.


Wie bei allen meinen Reiseberichten, können die Kommentare mittels der Sonne ausgeblendet werden.
Teil 205. Juni 2020
Anreise nach Algerien

Mitte Dezember 1999 geht es los. Treffpunkt ist eine kleine Pension in der Nähe von Genua. Wir reisen mit dem Zug an, die Motorräder kommen auf einem Anhänger mit den LKWs.

Vor lauter Aufregung bekomme ich in dieser Nacht kein Auge zu.

Am nächst Morgen dann die ersten Kilometer mit dem Motorrad; auf der Via Aurelia zum Hafen von Genua.

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Es geht mit der Fähre nach Tunis. Im Hafen wähnt man sich schon mehr in Afrika, denn in Europa. Ein unübersichtliches Gewusel und jede Menge vollkommen überladene Schrottautos. Nicht selten mit einer kompletten Küche oder Wohnzimmereinrichtung auf dem Dach. Einige Autos schaffen es noch nicht einmal mehr aus eigener Kraft auf die Fähre, sondern müssen geschoben werden. Der Lademeister der Fähre scheint damit aber Erfahrung zu haben. Die Fahrzeuge werden nur soweit geschoben, dass alle Räder auf der Rampe sind, dann wird die Rampe angehoben und die Autos rollen in den Bauch der Fähre. Wir waren mit die ersten, die auf die Fähre durften und beobachten das Schauspiel von Deck.

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Am Nachmittag legt die Fähre relativ pünktlich ab. Uns steht eine Überfahrt von rund 24h bevor. Einige Mitfahrer werden seekrank. Zu meiner Überraschung trifft es auch Kathrin, die damit bislang noch nie Probleme hatte. Ich werde zwar nicht seekrank, schlafe in der stickigen Innenkabine aber erneut sehr schlecht.

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Am folgenden Nachmittag laufen wir in den Hafen von Karthago ein. Die Einreiseformalitäten konnten wir zum großen Teil bereits auf der Fähre erledigen, so dass wir zügig im Land sind. Auf dem Motorrad ist es dann noch rund eine Stunde bis zu unserem Hotel in Hammamet.

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Grundsätzlich ist das Hotel nicht schlecht, stinkt aber bestialisch nach Diesel. Anscheinend sind die Flure gerade alle mit Diesel gereinigt worden. Hab den Sinn davon nie verstanden. Das Resultat ist die dritte schlaflose Nacht in Folge.

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Am nächsten Tag gilt es Tunesien zu durchqueren, damit wir nahe der Grenze zu Algerien übernachten können. Deshalb war es auch ein reiner Fahrtag und die Strecke wurde ausschließlich danach ausgewählt, möglichst schnell voran zu kommen. Das hat dann auch gut geklappt. Rechtzeitig am Nachmittag biegen wir hinter Nefta von der Straße ab und fahren ein paar Kilometer nach Süden in die Wüste, wo wir unsere erste Nacht im Zelt verbringen. Endlich kann ich gut schlafen.

Der gesamte nächste Tag war für den Grenzübertritt nach Algerien eingeplant. Ich konnte es im Vorfeld gar nicht glauben, dass wir dafür so viel Zeit einplanen müssen, wurde dann aber eines Besseren belehrt. Die Ausreise aus Tunesien ging noch recht zügig, aber für die Einreise nach Algerien brauchten wir rund 8h. Dabei war es nicht so, dass es an der Grenze sonderlich voll war. Außer uns passierte gerade mal eine Hand voll Fahrzeuge die Grenze.

Zuerst mussten wir alle unsere Pässe abgeben. Danach passierte dann erst einmal rund 2h gar nichts. Dann wurden wir einzeln aufgerufen. Man hatte anscheinend versucht unsere Passdaten im PC zu erfassen und war daran grandios gescheitert (trotz arabischer Übersetzung im Pass). Also ging man zunächst die Eintragungen mit dem Grenzbeamten Punkt für Punkt durch. Dann wurde noch das Motorrad im Pass eingetragen. Dieses Prozedere wurde bei jedem Einzelnen wiederholt. Danach geschah wieder 2h nix, bevor uns dann die Pässe ausgehändigt wurden. Parallel dazu wurden die beiden LKW gründlich gefilzt.

Insgesamt ein sehr langweiliger Tag, an dem ich mir sehnlichst ein Buch zum lesen gewünscht hätte. Leider war der E-Reader noch nicht erfunden und für richtige Bücher fehlte auf dieser Reise der Platz.

Nachdem wir endlich in Algerien angekommen waren, fuhren wir nur noch ein paar Kilometer und bogen dann erneut für einige Kilometer nach Süden in die Wüste ab.

Morgen soll es dann endlich losgehen.
Teil 315. Juni 2020
Grand Erg Oriental

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Unser erstes wichtiges Etappenziel in Algerien war Ilizi. Diese Oasenstadt im Südwesten Algeriens war auch schon vor 20 Jahren bequem via Hassi Messaoud, Hassi Bel Guebour und In Amenas auf gut ausgebauter Asphaltstraße zu erreichen. Dieser Weg war aber nicht unser Plan. Wir wollten ab El Oued mitten durch den Grand Erg Oriental fahren, der lt. Wikipedia größten Sandfläche der Sahara. Die ersten rund 300km soll es weglos Richtung Südsüdwest gehen, um dann unweit der Grenze nach Tunesien auf die Straße von Hassi Messaoud zum Erdölfördergebiet Borma zu treffen.

Der Tag begann für uns schon kurz vor Beginn der Dämmerung und als die Sonne über den Horizont kam, befanden wir uns schon auf der Straße nach El Oued.

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In El Oued kauften wir reichlich Brot für die nächsten Tage und stockten unsere Brennholzvorräte auf. Vor allem trafen wir uns hier aber mit unseren algerischen Tuareg-Guides, die uns von hier bis an die Grenze zum Niger begleiten würden.

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Die Guides waren in erster Linie dafür verantwortlich für die beiden Unimogs den leichtesten Weg durch den Erg zu finden. Während wir mit den Motorrädern auch auf direkter Linie über jede Düne fahren könnten, stoßen die schwer beladenen und relativ schwach motorisierten Unimogs im tiefen Sand schnell an ihre Grenzen. Aus diesem Grund versuchten wir mit den Unimogs soweit wie möglich immer in en Dünentälern zu bleiben. Wenn man bereit ist, den einen oder anderen Umweg in Kauf zu nehmen, ging das auch erstaunlich gut.

Wir Motorradfahrer blieben zunächst noch in den Spuren der Autos, wurden mit der Zeit aber immer übermütiger und fuhren ab Mittag eigentlich nur noch in den Dünen, welche die Dünentäler zu beiden Seiten begrenzten. Dabei achteten wir aber immer darauf in Sichtweite der Autos zu bleiben.

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Da wir mit den Motorrädern viel schneller waren, als die Autos, fand sich aber auch immer wieder Zeit, sich mit den Details der Wüste zu beschäftigen. So war ich überrascht, wie viel Bewuchs es im Erg gab.

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Hin und wieder lies es sich natürlich nicht vermeiden, dass auch die Autos über einen Dünenkamm mussten. Das ging leider nicht immer gut. Wenn dann so ein Unimog auf dem Dünenkamm mit dem ganzen Chassis aufsaß, bedeutete das eine verdammte Plackerei. Wer schon mal ein aufsitzendes Auto ausgegraben hat, weiß was das für eine Arbeit ist, aber bei einem LKW ist das noch eine ganze Nummer heftiger. Zum Glück waren wir genug Personen, um uns bei der Schinderei an den Schaufeln abzuwechseln.

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Gegen Abend hatten wir dann die Hälfte der Strecke bis zur Straße geschafft und fanden einen geschützten Übernachtungsplatz in einem, mit relativ viel Gras bewachsenen, Dünenkessel.

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Die Verpflegung war leider noch stark ausbaufähig. Sowohl geschmacklich, als auch von der Menge war noch viel Luft nach oben.

Auch der nächste Tag begann mit Anbruch der Dämmerung. Es war uns wichtig immer früh zu starten, um zum Ende des Tages nicht unter Zeitdruck zu geraten.

Vom Prinzip verlief dieser Tag in weiten Teilen wie der vorherige. Zum Glück fuhr sich aber kein Unimog fest. Lediglich der Landcruiser unserer Guides hatte eine Reifenpanne, was bei der typisch afrikanischen Bereifung aber auch kein Wunder war.

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Zum Ende des Tages wurde dann das Licht sehr schön, so dass ich mich beim fotografieren mehr auf die landschaftliche Schönheit dieser Wüstenlandschaft konzentrierte.

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Nur wenige Kilometer vor Erreichen der Straße richteten wir unser nächstes Camp ein. Wir lagen weiterhin gut im Plan.

Für die Nacht waren ausgiebige Kometenschauer angesagt. Wo kann man das besser beobachten, als mitten in der Sahara, hunderte Kilometer entfernt von jeglicher Lichtverschmutzung. So lagen wir nach dem Essen im noch warmen Sand und beobachteten die zahlreichen Sternschnuppen. Wie es der Aberglaube verlangt, überlegte ich mir auch einen Wunsch. Eigentlich nichts besonderes, sondern lediglich sicher in Dakar anzukommen. Leider sollte sich schon sehr bald zeigen, dass man auf Aberglauben nichts geben sollte.
Teil 417. Juni 2020
Auf guten und schlechten Straßen nach Ilizi

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Es ist der 17.Dezember – mein Geburtstag.

Wie immer beginnt der Tag sehr früh. Nach nur wenigen Kilometern haben wir die gute Asphaltstraße nach Borma erreicht. Dieser folgen wir aber nur wenige Kilometer, dann biegen wir Richtung Süden auf die alte noch aus der Kolonialzeit stammende und nicht mehr unterhaltene Straße nach In Amenas ab. Die macht anfangs noch einen guten Eindruck und bietet weiterhin glatten Asphalt. Allerdings steht die Sonne noch sehr tief und blendet häufig. So kommt es, dass ich ein mit Fech-Fech gefülltes tiefes Schlagloch übersehe und mit ca. 100km/h ungebremst hineinfahre. Das Motorrad taucht weg, als würde ich in ein Wasserloch fahren und ich fliege über den Lenker. Nach 20-30m schlage ich hart auf dem Asphalt auf. Es scheint aber alles gut gegangen zu sein. Weder bin ich besinnungslos gewesen, noch habe ich größere Schmerzen. Lediglich die linke Hüfte macht komische Geräusche, wenn ich gehe.

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Inzwischen ist auch ein Großteil der Gruppe eingetroffen und erkundigt sich nach meinem Befinden.

Bald darauf wird mir ein wenig schwindelig. Das kenne ich von anderen Unfällen; wahrscheinlich der Schock. Ich setze den Helm ab, lege mich hin und lege die Füße auf den Helm, damit der Kreislauf wieder ins Gleichgewicht kommt. Tatsächlich vergeht der Schwindel schon nach kurzer Zeit. Als ich dann die Beine wieder vom Helm nehmen will durchfährt mich ein Schmerz, als hätte man mir ein Messer in die Hüfte gerammt. Die kleinste Bewegung meines linken Beins verursacht höllische Schmerzen.

Da war der Unfall wohl doch heftiger, als im ersten Moment gedacht. Ich sehe jetzt auch, dass der Helm von zahlreichen feinen Rissen durchzogen ist. Der hat anscheinend einiges abgehalten. Zumindest habe ich mit Kopf und Nacken keine Probleme.

Das Motorrad wird aufgeladen und ich in die Fahrerkabine verfrachtet. Dann geht es weiter wie geplant nach Ilizi, denn dort in 550km Entfernung befindet sich das nächste Krankenhaus.

Die Straße wird jetzt auch Zusehens schlechter. Die Wüste hat in weiten Teilen die von Menschen erschaffene Schneise zurück erobert. Oft befinden sich große Dünen mitten auf der ehemaligen Strecke und immer häufiger muss offroad in die Wüste ausgewichen werden.

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Das Gerüttel und Geschaukel ist die Hölle. Ich versuche mich irgendwie in der Fahrerkabine zu verklemmen, damit sich mein Bein möglichst wenig bewegt.

Kurz vor In Anemas setzt die Dämmerung ein. Für die Gruppe wird es jetzt zu gefährlich weiter zu fahren. Da man mir aber keine Übernachtung im Zelt zumuten will, werde ich in den Landcruiser unserer Guides umgeladen und zusammen mit Kathrin geht es durch die Nacht weiter in Richtung Ilizi. Zum Glück befinden wir uns inzwischen auf der Hauptzufahrt nach Ilizi und so ist die Strecke gut zu fahren.

Kurz nach 2:00Uhr erreichen wir Ilizi und steuern direkt das Krankenhaus an. Innerhalb kürzester Zeit sind zahlreiche Ärzte, Pfleger*innen und sonstiges Personal zur Stelle und ich werde direkt aus dem Auto zum röntgen gebracht.
Teil 522. Juni 2020
Ilizi – Hannover

Schon kurz nach dem Röntgen kommt der Arzt mit der Diagnose – Oberschenkelhalsbruch. Ich dachte immer so etwas passiert nur alten Menschen.

Am liebsten würde mich der Arzt gleich operieren. Die Aussicht hier in einem Buschkrankenhaus mit fraglicher Hygiene solch einen Eingriff durchführen zu lassen schreckt mich schon gehörig ab, aber ich will die hilfsbereiten Menschen hier auch nicht vor den Kopf stoßen. Als für alle Seiten gesichtswahrende Erklärung bringe ich vor, solch eine schweren Eingriff lieber mit dem Beistand meiner Familie durchzustehen zu wollen. Familie ist hier sehr wichtig und so haben alle Verständnis für meine Entscheidung. Um das Bein bis zur OP ruhig zu stellen, wird eine typisch afrikanische Lösung erdacht. Ich bekomme um den Fuß einen kiloschweren Gips, in dem an der Ferse ein alter Besenstiel im rechten Winkel eingefügt wird. Das funktioniert auch sehr gut und bis auf gelegentliche Muskelkrämpfe im Bein bin ich schmerzfrei.

Nicht nur für mich ist die Reise hier in Ilizi zu Ende. Auch Kathrin steigt aus, um meinen Rücktransport zu organisieren und mich im Krankenhaus zu betreuen. Für die alltägliche Pflege gibt es in afrikanischen Krankenhäusern meist kein Personal; dafür sind die Angehörigen zuständig. Für alles, was Kathrin hier für mich getan hat bin ich Ihr noch immer unendlich dankbar.

Gleich am nächsten Morgen fängt Kathrin an den Rücktransport zu organisieren. Hierbei und auch bei vielen anderen Dingen wird Sie von der Familie unseres Tourguides unterstützt.

Grundsätzlich ist die Sache mit dem Rücktransport klar. In unserer ADACplus-Mitgliedschaft ist weltweiter Krankenrücktransport enthalten. Die Schwierigkeiten beginnen aber schon damit, ein internationales Telefon zu finden. Wie sich herausstellt gibt es in ganz Ilizi einen internationalen Anschluss und der befindet sich in Privatbesitz. Glücklicherweise ist der Besitzer, wie alle Menschen die wir in Algerien kennengelernt haben, sehr hilfreich und bietet Kathrin jederzeit Zugang zum Telefon. Die Kosten erstatten wir selbstverständlich.

Die erste Reaktion des ADAC ist ein leichter Unglauben über unseren Standort. Die mussten wahrscheinlich erst einmal auf der Landkarte nachsehen. Dorthin hatten sie noch nie einen Einsatz. Deshalb muss auch der Arzt erst einmal die Diagnose bestätigen. Dann ist aber auch schnell klar, dass ich mit einem Sanitätsflugzeug ausgeflogen werde. Da es mit Algerien keinerlei Vorerfahrungen gibt, muss seitens des ADAC einiges organisiert werden und Kathrin soll sich an nächsten Tag wieder melden, dann hofft man uns einen Termin für die Rückholung mitteilen zu können.

Währenddessen wird mir im Krankenhaus auch nicht langweilig. Gefühlt die Hälfte der Einwohner Ilizis kommen bei mir vorbei und erkundigen sich nach meinem Befinden. Hier scheint ansonsten nicht viel los zu sein und ich bin das allgemeine Stadtgespräch. Alle wollen mich sehen und kennenlernen. Grundsätzlich habe ich aber ein Einzelzimmer. Für Kathrin hat man ein zweites Bett reingestellt, so dass Sie auch nachts bei mir sein kann. Für die reichliche Verpflegung sorgt die Familie unseres Guides, was besonders hoch anzurechnen ist, da derzeit Ramadan ist.

Am Nachmittag trifft auch der Rest unserer Gruppe in Ilizi ein. Alle besuchen mich noch einmal und wünschen mir gute Besserung. Für sie geht die Tour morgen weiter.
Mein Motorrad wird abgeladen, da es in meinem Reisepass eingetragen ist und ich ohne Motorrad ausreisen werde, wird es erst einmal in einem Zollhof eingelagert.

Das Telefonat mit dem ADAC am nächsten Tag bringt gute Neuigkeiten. Das Flugzeug für meinen Rücktransport wird am folgenden Morgen in Nürnberg starten und gegen Mittag in Ilizi eintreffen. Für Kathrin wurde auch bereits ein Rückflug über Algier und Paris gebucht. Auch diese Kosten übernimmt er ADAC, ebenso wie Organisation und Rücktransport meines Motorrades.

Am nächsten Mittag geht es dann zum Flughafen. Nachdem ich die Zeit im Bett recht schmerzfrei verbracht habe, ist das jetzt sehr unangenehm. Wir stehen mit dem Krankenwagen auf dem Vorfeld des Flughafens und pünktlich, kurz nach Mittag, setzt der Mini-Düsenflieger zur Landung an. Jetzt ist auch klar, weshalb Kathrin hier nicht mitfliegen konnte. Da passt keine Maus mehr rein. Direkt hinter Pilot und Copilot befindet sich auf der einen Seite der Platz für die Trage und gegenüber die Schränke für die medizinische Ausrüstung. Direkt im Anschluss daran sitzen Notarzt und Rettungssanitäter kuschlig eng beieinander und dann ist der Flieger auch schon wieder zu Ende.

Der Arzt lässt sich die Röntgenbilder und den Befund aushändigen. Seine erste Einschätzung hört sich nicht so gut an. Bei einem solchen Bruch ist ein Gefäßabriss nicht ungewöhnlich und sollte das bei mir der Fall sein, wäre ein künstliches Hüftgelenk erforderlich. Bei meinen Freizeitaktivitäten wäre das eine Katastrophe.

Kommen wir aber zu den naheliegenden Problemen. Ich frage mich schon die ganze Zeit, wie ich durch die kleine Einstiegsluke in den Miniflieger kommen soll. Die Lösung für dieses Problem ist ein Pharmacocktail der es in sich hat. Ich bekomme Dormicum und Ketamin. Das macht müde, glücklich und man sieht bunte Farben. Für Kathrin bietet sich ein ganz anderer Eindruck. Während man mich ins Flugzeug stopft schreie ich vor Schmerz wie am Spies. Schon krass, sie solche Drogen Körper und Geist voneinander trennen können. Ich bekomme davon jedenfalls nichts mit und fühle mich prächtig. Freue mich vielmehr auf die nächste Runde, denn ich muss ja auch wieder auf dem Flieger rausgebracht werden.

Wer jetzt denkt, dass es auf direktem Weg zurück nach Deutschland geht, kennt die algerische Bürokratie nicht. Wie Ihr Euch erinnert, steht noch mein Motorrad in meinem Reisepass. Solange es da drin steht, darf ich das Land nur zusammen mit meinem Motorrad verlassen. Da das in dem kleinen Flieger natürlich nicht möglich ist, müssen wir eine Zwischenlandung in Algier einlegen. Dort kommt dann extra ein Zollbeamter an Bord, der mein Motorrad aus dem Reisepass austrägt. Gleichzeitig muss ich einen Wisch unterschreiben, dass das Motorrad nicht in Algerien verbleibt, sondern separat von mir außer Landes gebracht wird. Gegen Mitternacht landen wir dann endlich in Hannover.

Der Krankenhausaufenthalt hat uns im übrigen keinen Cent gekostet. Das gesamte algerische Gesundheitssystem ist kostenlos. Nicht nur für die einheimische Bevölkerung, sondern auch für alle Gäste des Landes.

Kathrins Rückflug ging dann erst 2 Tage später und um diese 2 Tage beneide ich Sie sehr. Nachdem ich aus dem Krankenhaus ausgezogen war ist Kathrin ins Haus unseres Guides umgezogen und hat dort das authentische Leben der sesshaft gewordenen Tuareg miterlebt. Höhepunkt war das abendliche Fastenbrechen, wofür die Frauen fast den gesamten Tag mit der Vorbereitung beschäftigt waren.

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Teil 625. Juni 2020
Zwischen den Reisen

Schon am nächsten Vormittag kam ich unters Messer. Zum Glück blieb mir das Worst Case Szenario erspart. Die Gefäße zur Versorgung des Hüftgelenks waren intakt und mir blieb ein künstliches Hüftgelenk erspart. Stattdessen bekam ich eine dynamische Hüftschraube. Während des Einbaus herrschte im OP eine Geräuschkulisse wie in einer Schlosserei. Die dynamische Hüftschraube hat super funktioniert und mir nie Probleme bereitet. Da der Ausbau mit min. 4 weiteren Wochen Krücken verbunden gewesen wäre, habe ich sie nie entfernen lassen. Das sorgt hin und wieder für Verwirrung bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen.

Nach der OP war ich 3 Monate auf Krücken angewiesen. So musste ich leider auf die von mir organisierte Skifahrt unserer Alpenvereins-Sektion verzichten. Lt. Kathrin war es super. Ich wollte so schnell wie möglich wieder uneingeschränkt laufen können und keinerlei Einbußen bei Kraft und Fitness erleiden. Deshalb war ich täglich bei der Physiotherapie und im angeschlossenen Kraftraum. Das zahlte sich dann auch aus. Gleich am ersten Wochenende, an dem ich ohne Krücken laufen durfte, war ich wieder zum Klettern am Fels und bald darauf auch wieder mit dem Motorrad unterwegs.

Die KTM stand 6 Wochen nach meinem Unfall wieder bei mir vor der Tür. Sie hatte den Überschlag wesentlich besser überstanden als ich. Lediglich die vorderen Stoßdämpfer und das Cockpit waren beschädigt. Das schwere Originalcockpit wollte ich sowieso schon seit längerem austauschen und so wurde es jetzt gegen ein leichtes Rallyecockpit ausgetauscht.

Der ADAC hat einen super Service abgeliefert. Alles lief wie am Schnürchen. Nach den anfänglichen Telefonaten mussten wir uns um nichts mehr kümmern. Insgesamt hatte der ADAC Kosten in Höhe von über 80.000,-DM.

Inzwischen war auch der Rest der Gruppe wieder zurück in Deutschland. Es waren unterwegs noch 2 weitere Motorradfahrer mit Knochenbrüchen ausgestiegen. Immer häufiger hörte ich jetzt, dass die Sahara alle 40.000 Personenkilometer ein Opfer fordert.

Von Anfang an war mir klar, dass der Unfall nicht das Ende meiner Reiseambitionen in der Sahara sein durfte. Nirgends hatte mir das Motorradfahren so viel Spaß gemacht, wie in der Sahara und von den fantastischen Landschaften hatte ich bislang kaum etwas gesehen. Deshalb buchte ich mich für den November des gleichen Jahres in eine Motorrad-Rundtour durch Algerien ein. Genug Urlaub war bei mir noch übrig. Bei Kathrin leider nicht und so war ich diesmal allein unterwegs.

Geleitet wurde diese 2.Tour von Eddy Hau und Gregor Haug. Zwei Urgesteine der Rallye Paris – Dakar.

Eddy war mehrfacher Enduro-Europameister und erfolgreichster deutscher Teilnehmer bei der Rallye Paris – Dakar in der Motorrad-Klasse. Er war unser Tourguide auf dem Motorrad.

Gregor hat die Rally Paris – Dakar, als im Teilnehmerfeld mitfahrender Werksmechaniker, mit Motorrad, Geländewagen und LKW bestritten und ist immer in Dakar angekommen. Er fuhr unseren Begleit-LKW; war Mechaniker und Koch. Gregor verunglückte 2002 mit seinem LKW auf der Masters-Rallye in Russland tödlich.
Teil 701. Juli 2020
Zweite Anreise nach Algerien

Dieses Mal war die Anreise wesentlich bequemer. Nur der Begleit-LKW mit unseren Motorrädern ging in Genua auf die Fähre nach Tunis. Wir Motorradfahrer flogen zusammen mit vielen Pauschalurlaubern direkt nach Djerba. Ich kam mir in dieser Gesellschaft merkwürdig deplatziert vor. Treffpunkt auf Djerba war ein Mittelklasse-Allinclusiv-Hotel. Wir Teilnehmer waren auch nicht zusammen geflogen, sondern jeder von seinem nächstgelegenen Flughafen. So lernten wir uns sowie Eddy und Gregor erst auf Djerba kennen. Ich hatte gleich den Eindruck, dass wir eine sehr nette Gruppe sein werden und wurde in dieser Ansicht auch nie während der Tour enttäuscht.

Der LKW war schon morgens angekommen und da ich als einer der letzten erst am späten Nachmittag landete, waren die Motorräder bereits entladen, als ich eintraf. Jeder überprüfte noch einmal sein Motorrad und seine persönliche Ausrüstung, bevor die Tour dann mit einem gemeinsamen Abendessen offiziell begann.

Am nächsten Tag ging es dann in einem Rutsch bis an die algerische Grenze.

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Was ich bei der Durchquerung von Djerba sah überzeugte mich noch immer nicht. Die gesamte Insel ist topfeben und karg. Keinerlei natürliche Erhebung ragt mehr als 4m über den Meeresspiegel. Was macht man hier im Urlaub? Man kann doch nicht die ganze Zeit nur in der Sonne liegen, den Hautkrebs pflegen und sich besaufen.

Danach war die Anreise aber wesentlich interessanter als bei der ersten Tour. Wir waren viel weiter im Süden Tunesiens und fuhren die ganze Zeit am Rand der Sahara. Hier in Tunesien allerdings noch durchgehend auf guten Asphaltstraßen. Nur gelegentlich wurde noch ein wenig Landwirtschaft betrieben.

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Sehr gut gefallen hat mir die Durchquerung des Chott el-Jerid. Um diese Begeisterung zu teilen, muss man allerdings große „leere“ Flächen mögen.

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Westlich von Nefta schlugen wir uns dann für die erste Nacht im Zelt in die Büsche.

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Der Grenzübertritt am nächsten Tag war genauso zeitaufwändig wie bei der ersten Tour. Allerdings fuhren wir diesmal noch ein wenig weiter und wurden dafür mit einem sehr schönen Übernachtungsplatz in einem Dattelpalmenhain belohnt.

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Die Ernte war gerade im vollen Gange und so fragten wir, ob wir ein paar Datteln kaufen können. Wir gaben umgerechnet rund 10DM und waren dann doch sehr überrascht, dass wir für diesen geringen Betrag einen Berg Datteln erhielten, der eine ganze Reisetasche füllte und für die gesamte Gruppe als permanente Zwischenmahlzeit über die gesamte Tour ausreichte.

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Teil 803. Juli 2020
Auf schnellstem Wege in den Süden

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Da wir heute die längste Etappe der Reise vor uns hatten, standen wir sehr früh auf. Das morgendliche Prozedere hatte sich inzwischen gut eingespielt. Gregor war immer als erster auf den Beinen und unser aller Wecker, wenn er mit den Vorbereitungen zum Frühstück begann. Bis zum Frühstück hatten wir Zeit die Zelte abzubauen und unsere Sachen so weit zu packen, dass sie auf den LKW verladen werden konnten. Dann gab es ein reichhaltiges leckeres Frühstück. Um die Zubereitung des Essens kümmerte sich Gregor, manchmal mit Eddy als Küchenhilfe. Tischdecken und Abwasch waren Aufgabe der Teilnehmer. Im Gegensatz zur ersten Reise mussten wir auch nicht auf dem Boden sitzen, sondern hatten Biertischgarnituren dabei. Eine echte Luxusreise

Dann wurde gemeinschaftlich der LKW beladen. Bereits auf Djerba hatte uns Gregor dabei sein System erläutert, damit alles rein passt und bei Bedarf auch schnell gefunden wird. Erstaunlich, wie viel in solch einen LKW rein passt.

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Auch heute sollten wir den Asphalt erst ganz am Ende des Tages verlassen, denn wir wollten so schnell wie möglich in den Süden Algeriens, mit seinen fantastischen Landschaften.

Erster Zwischenstopp war dann in Touggourt. Das hatte gleich mehrere Gründe. Zum einen mussten wir hier unser Laissez-passer bei den Behörden abholen. Ohne einen solchen Passierschein, auf dem unsere geplante Strecke vermerkt ist, darf man die offiziellen Straßen im Süden nicht verlassen. Außerdem war an der Vorderradaufhängung des LKW etwas gebrochen und musste geschweißt werden.
Während sich Eddy um den Passierschein und Gregor um die Reparatur kümmerten, machten wir uns auf die Suche nach Baguette und frischem Gemüse für die nächsten Tage.

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Von Touggourt aus geht es dann auf guter Strecke direkt Richtung Süden. Zu Anfang begleiten uns noch für kurze Zeit die Oasengärten der Stadt und dann gibt es nur noch Sand, Sand, Sand. Wir durchqueren den Grand Erg Oriental.

Auf Höhe von Hassi Messaoud waren reichlich Zeugnisse der Erdölexploration zu sehen, aber schon bald darauf gab es links und rechts der Straße wieder nichts als Sand.

Je weiter wir nach Süden kamen desto dunkler wurde der Sand. Es hatte fast den Eindruck, als hätte es hier vor kurzem sehr stark geregnet.

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Hassi Bel Guebour als Ort zu bezeichnen wäre schon übertrieben. Trotzdem war es für uns ein wichtiger Versorgungspunkt. Hier gab es die letzte Tankstelle und das letzte Cafe bis Ilizi. Beides wurde von uns aufgesucht. Im Cafe tranken wir selbstverständlich den traditionellen The de Tuareg. Sehr starken und sehr süßen schwarzen Tee.

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Das Highlight von Hassi Bel Guebour sind aber die etwas südlich gelegenen Quellen. Hier konnten wir uns das letzte Mal für längere Zeit einer umfassenden Körperpflege widmen.

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Teil 908. Juli 2020
Hassi Bel Guebour – Gara Khannfoussa

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Südlich von Hassi Bel Guebor verändert sich das Landschaftsbild deutlich. Der Sand und die Dünen verschwinden und werden von Schotterflächen ersetzt aus denen sich immer wieder niedrige Tafelberge und Kegelberge erheben.

Die Straße wir schmaler und geht schon bald in eine Piste über.

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Auch hier muss es vor kurzem geregnet haben, denn auf und neben der Piste sind immer wieder Pfützen.

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Hinter Bordj Omar Driss verschwinden wir dann endgültig in der Wüste. Es geht hinaus auf eine unendlich erscheinende Reg-Ebene. Da es bei dieser Landschaftsform vollkommen egal ist, wo man übernachtet, fahren wir einfach so lange bis sich die Sonne dem Horizont nähert und schlagen dann an dem Punkt unser Lager auf.

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In der Dämmerung bauen wir die Zelte auf. Dabei achten wir alle zunächst darauf, wo Peter sein Zelt hinstellt, um das eigene Zelt dann so weit wie möglich davon entfernt aufzubauen. Bis ich Peter kennenlernte wusste ich nicht, dass ein Mensch so laut schnarchen kann. Erschweren kommt noch hinzu, dass bei Peter schlafen nie ohne schnarchen geht. Kaum stehen die Zelte, ist es auch schon dunkel.

Seit geraumer Zeit meinen wir in der ferne Motoren zu hören, sind uns dessen aber nicht ganz sicher.

Während der Koch- und Essbereich beim LKW immer gut beleuchtet ist, sind wir bei den Zelten auf unsere Stirnlampen angewiesen. Die Zeit in der Gregor und Eddy das Essen zubereiten, nutzt der Rest für Wartung und Reparatur der Motorrädern. Irgendetwas ist da immer zu erledigen. So sind wir alle weit im Camp verteilt, als plötzlich ein Ruf in französisch durch die Dunkel schallt. Umgehend kommt von Gregor eine kurze und vom Ton her sehr eindringliche Ansage an die Gruppe: „Verhaltet Euch ruhig und bewegt Euch kein Stück!“ Danach antwortet er auf französisch in die Dunkelheit. Es folgt ein kurzer Wortwechsel und dann löst sich eine uniformierte Person aus der Dunkelheit. Gregor zeigt unsere Papiere und dann kommt die erlösende Ansage, dass wir uns entspannen können und zum LKW kommen sollen. Gleichzeitig treten rings um uns herum schwer bewaffnete Soldaten aus der Dunkelheit, die Waffen aber zum Glück geschultert.
Die Situation klärt sich auf. Die Armee ist noch immer auf der Suche nach Rebellen. Da man in der Dunkelheit nicht klar erkennen konnte, wer oder was wir sind, hatte man uns erst einmal umstellt um dann die Situation zu klären. Das war mit Sicherheit eine der gefährlichsten Situationen, in der ich mich in meinem Leben befand. Ich darf gar nicht darüber nachdenken, was passiert wäre, wenn nicht alle strikt Gregors Anweisung befolgt hätten. Wäre da einer mit einem Werkzeug in der Hand aufgestanden, hätte das in der Dunkelheit leicht mit einer Waffe verwechselt werden können; eine fatale Verwechslung, wenn mehrere entsicherte Maschinengewehre auf einen gerichtet sind.

Zum Glück ist alles gut gegangen und man sieht auch den Soldaten die Erleichterung an, dass es sich bei uns nur um harmlose Motorradtouristen handelt. Auf den Schreck laden wir den ganzen Trupp erst einmal zu einer Runde Cola ein. Wir haben Unmengen an Getränkedosen dabei und Cola wir von den Algeriern immer gerne getrunken.

Anschließend zieht die Patrouille weiter und wir widmen uns unserem verspäteten Abendessen. Ich weiß nicht mehr, was es auf der Tour so alles zu essen gab, aber es war ausnahmslos lecker.

Am nächste Morgen stellte sich uns allen das Problem, wie man in solch einer Landschaft sein morgendliches Geschäft verrichten soll. Hier gibt es weder Busch, noch Fels oder Düne, hinter denen man in Deckung hätte gehen können. Die Lösung war eine umgekehrte Sternfahrt. Man setzte sich auf den Motorrad, fuhr 1 km in die Wüste, stellte das Motorrad quer und hocke sich dahinter. Das Klopapier wurde gleich an Ort und Stelle verbrand, denn niemand will weiße Fahnen durch die Wüste flattern sehen.

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Das erste Ziel des Tages ist, den Gara Khannfoussa zu finden. Der Gara Khannfoussa ist ein markanter Hügel aus schwarzem Gestein, welcher sich aus den Sandebenen des Erg Issaouane erhebt und den Eingang zur Gräberpiste markiert.
Ihr müsst bedenken, dass die Tour in Zeiten vor der Verbreitung des GPS in der Allgemeinheit stattfand. Wir waren nur mit Karte und Kompass unterwegs. Deshalb hatten Landmarken, wie der Gara Khannfoussa, eine enorme Bedeutung für uns.

Die Reg-Ebene hatten wir dann auch schnell hinter uns und erreichten die Ausläufer des Erg Issaouane, wo wir erst einmal Luft aus den Reifen der Motorräder und des LKW ließen.

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Während Gregor mit dem LKW versuchte eine möglichst leichte Strecke durch das Dünenmeer zu finden, tobten wir uns in diesem Sandkasten für große Kinder richtig aus. Dabei behielten wir aber immer den LKW im Blick. Der war sozusagen das Zentralgestirn um das wir kreisten.

Bei einer längeren Auffahrt bliebt der LKW plötzlich stehen und kam auch nicht wieder in Gang. Da gab es wohl wieder ein technisches Problem. Bald darauf waren wir alle beim LKW. Gregor war schon mit dem Kopf in den Tiefen des Motorraums verschwunden. Der Motor brachte plötzlich nicht mehr genug Leistung für den Anstieg. Grund war ein geplatzter Druckschlauch vom Ladeluftkühler zum Motor. Den hatten wir auch nicht als Ersatzteil dabei und da zeigte sich zum ersten Mal die ganze Klasse von Gregor als Mechaniker. Wenn es ans Improvisieren geht zeigt sich der wahre Meister. Mit einer aufgeschnittenen Coladose und Kabelbindern und einem Stück Motorradschlauch als Dichtung wurde der defekte Druckschlauch geflickt. Funktionierte tadellos und hielt die gesamte Tour.

Es konnte weiter gehen.

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Als der Gara Khannfoussa endlich in Sicht kam, war schon etwas Erleichterung zu spüren, denn ohne GPS fehlt halt die letzte Sicherheit, ob man den richtigen Kurs hat.

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Bald darauf konnten wir einen ersten Blick in das weite Tal zwischen Erg Issaouane und den Bergen werfen, durch welches die Gräberpiste führt. Was wir da sahen, lies die uns bevorstehenden Herausforderungen der nächsten beiden Tage bereits erahnen.

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Teil 1015. Juli 2020
Gräberpiste

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Mit Gräberpiste wird umgangssprachlich im deutschsprachigen Raum die alte Karawanenroute von Bordj Omar Driss nach Ilizi bezeichnet. Die Strecke verläuft durchgehend in einem weiten Trockental, welches auf der einen Seite von den schwarzen Felsen des Tassili-Gebirges und auf der anderen Seite von den goldenen Dünen des Erg Issaouane begrenzt wird.

Der Name rührt von den zahlreichen Gräbern entlang der Strecke her. Diese gehen zum Teil bis in vorislamische Zeit zurück, rühren zum anderen aber auch aus den Kolonialkriegen Frankreichs. Auf jeden Fall verdeutlichen Sie die Entbehrungen, die in früheren Zeiten, das Reisen auf den Karawanenrouten mit sich brachte.

Traurige Berühmtheit erlangte die Gräberpiste, als 2003 innerhalb kurzer Zeit 32 Touristen auf dieser Strecke entführt wurden. Überwiegen Deutsche, Österreicher und Schweizer. Die Entführten befanden sich zum Teil mehrere Monate in Geiselhaft. Ein Teil der Geiseln wurde vom algerischen Militär befreit, für den Rest wurde Lösegeld gezahlt. Eine Geisel starb an Erschöpfung durch die Strapazen der Entführung.

Als wir jetzt einen ersten Blick in das weite Tal werfen konnten, durch dass die Gräberpiste führt, konnten wir unseren Augen kaum trauen. Hier muss es sehr heftig geregnet haben. Das gesamte Tal glich einer Seenplatte.

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Unten im Tal angekommen zeigte sich, dass an die Befahrung der eigentlichen Piste nicht zu denken war. Diese führte zum Teil mitten durch die größten Seen.

Wir mussten uns also selbst die beste Strecke suchen. Am wichtigsten war dabei, den LKW nicht im häufig sehr tiefen Schlamm festzufahren. Einmal festgefahren käme der wahrscheinlich erst in ein paar Wochen wieder frei, wenn die Gegend endlich abgetrocknet wäre.

So war es jetzt Aufgabe der Motorräder die Streckenmöglichkeiten zu erkunden und dann den LKW durch die schwierigen Passagen zu lotsen.

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Oftmals gerieten wir dabei in solch tiefen und zähen Schlamm, dass selbst die Motorräder feststeckten und zum Teil nur durch beherztes Zupacken mehrerer Personen wieder befreit werden konnten.

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Gab es bislang immer Tankstellen, an denen wir die Motorräder wieder befüllen konnten, mussten wir heute das erste Mal aus den Fässern Benzin abfüllen. Ganz klassisch mit einfachem Schlauch und ansaugen.

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Glücklicherweise gab es zwischendurch auch mal einfachere Passagen, auf denen wir zügig vorankamen. Auch für die Besichtigung der der hin und wieder auftauchenden Ruinen fanden wir Zeit. An manchen Stellen waren auch an den Hängen des Tassili-Gebirges Dünen angeweht. Wenn man dort hoch fuhr, hatte man einen fantastischen Blick über das Tal.

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Als sich der Tag dem Ende neigte, hatten wir gerade einmal ein Viertel der Gräberpiste geschafft. Wir suchten uns am östlichen Rand des Tals, in den Ausläufern des Erg Issaouane, einen schönen Lagerplatz in den Dünen.

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Die Wartung des Motorrads bestand an diesem Abend darin, es von über 10kg festgetrocknetem Ton und Lehm zu befreien.

Am nächsten Tag kommen wir schon bald an eine Stelle, an der das gesamte Tal unpassierbar ist und wir in die Dünen ausweichen müssen. Für die Motorräder überhaupt kein Problem, für den LKW aber sehr wohl. Einige Male schlägt der schwere Wagen kräftig ein, als er mit viel Schwung über steile Dünenkämme fahren muss.

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Nachdem wir die Abzweigung nach Amguid passiert haben, werden die menschlichen Zeugnisse immer mehr. Wir finden mehrere Brunnen und alte Steingebäude. Auch die für den Namen der Piste verantwortlichen Gräber sehen wir immer häufiger.

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Das die Route noch immer von Karawanen begangen wird zeigen deren Versorgungspunkte, die wir von Zeit zu Zeit finden.

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Dann sehen wir die ersten Kamele. Manche in besserem Zustand, manche in deutlich schlechterem Zustand.

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Wenig später haben wir sogar das Glück auf eine echte Karawane zu treffen. In der Wüste geht man da nicht einfach aneinander vorbei. Man setzt sich zusammen und tauscht sich über die Strecken aus. Die Tuareg laden uns zu süßem Tee ein und wir die Tuareg zu kalter Cola. Alle sind glücklich und zufrieden.

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Danach zieht sich die Strecke noch ordentlich hin. Das Tal ist hier zunehmen bewachsen. Die Strecke verspurt und nicht einfach. Wir fahren bis zur Dämmerung und finden dann einen schönen Übernachtungsplatz in einem Dünenkessel.

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Morgen sollte es nicht mehr allzu weit bis Ilizi sein.
Teil 1129. Juli 2020
Tassili n’Ajjer

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Inzwischen bauen wir die Zelte aus Bequemlichkeit nur noch auf, wenn der Wind so stark ist, dass er einem den Sand ins Gesicht weht. Die letzte Nacht war windstill.

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Es geht noch ein wenig durch den Sand und zum Abschluss stellt eine steile tiefsandige Auffahrt den LKW noch einmal vor Probleme. Nach mehreren Anläufen ist auch das geschafft.

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Bis nach Ilizi sind es nur wenige Kilometer auf der Straße. Wir verweilen nicht lange im Ort. Ein paar von uns besorgen Lebensmittel und der Rest kümmert sich auf der Tankstelle darum, dass die Fahrzeuge versorgt werden und die Benzin- und Wasserfässer wieder aufgefüllt werden.

Ich bin auf der Tankstelle zu Gange, als ich von einem Einheimischen angesprochen werde. Er freut sich, dass ich meine Verletzung so gut überstanden habe und schon wieder mit dem Motorrad in Algerien unterwegs bin. Unglaublich, dass ich wiedererkannt wurde! In kürzester Zeit bin ich von einer Menschentraube umringt. Alle wollen wissen wie es mir geht und alle freuen sich, dass ich trotz meines Unfalls, sofort wieder nach Algerien zurückgekehrt bin. Mir ist es sehr peinlich, dass ich niemanden wiedererkannt habe, aber dazu haben mich einfach viel zu viele Personen am Krankenbett besucht. Außerdem sind hier im Freien alle komplett vermummt, so dass die einzelnen Personen sowieso nur anhand der Kleidung unterschieden werden können. Ich frage mich immer, wie es die Tuareg untereinander schaffen, sich zu erkennen. Heutzutage sieht man ja noch nicht einmal mehr die Augen, da alle die coolen Flieger-Sonnenbrillen tragen.

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Nach getaner Arbeit gönnen wir uns noch einen Tee in einem Straßencafé und dann geht es auch schon weiter.

Unser nächster Anlaufpunkt ist die Oasenstadt Djanet. Zwischen Ilizi und Djanet gilt es den Gebirgszug des Tassili n’Ajjer zu überqueren. Ursprünglich war geplant, dafür die Route durch die Schluchten des Oued Imerhou zu nehmen. In Ilizi erfahren wir, dass aufgrund der Regenfälle diese Strecke momentan nicht befahrbar ist. Schade. Als Alternative bleibt uns nur, die Strecke über das Plateau du Fadnoun zu nehmen. Bis vor wenigen Jahren noch eine extrem materialmordende Felspiste, kann man jetzt auf der neu gebauten Nationalstraße innerhalb kürzester Zeit das Gebirge überwinden.

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Da wir nicht hier sind, um auf Asphalt zu fahren und viel lieber in die landschaftlichen Schönheiten des Tassili n’Ajjer eintauchen wollen, verlassen wir die Nationalstraße sowie wir den Südrand des Gebirges erreicht haben. Nördlich der Straße geht es durch die Ausläufer des Tassili n’Ajjer in Richtung Osten.

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In einem Seitental finden wir unterhalb beeindruckender Felswände einen sehr schönen Platz für unser Nachtlager. Da es heute recht windig ist, werden die Zelte aufgebaut.

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Am nächsten Tag ist es dann leider nicht mehr all zu weit bis nach Djanet. Durch diese Landschaft wäre ich gerne noch eine viel weitere Strecke gefahren. Ein großer Vorteil des Motorrads ist es in dieser Region, dass man sehr viele Aussichtspunkte in Form von an den Felsen anliegender Dünen anfahren kann. Hätte man das zu Fuß machen müssen, wäre man mehrere Tage damit beschäftigt, was wir an einem einzigen Vormittag gesehen haben.

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Teil 1203. Aug. 2020
Djanet – Erd Admer

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Im Laufe des Vormittags erreichen wir Djanet, wo wir ein Hotel am Ortsrand ansteuern. Hier stehen uns nach langer Zeit endlich einmal Duschen zur Verfügung. Danach gilt es, uns für die längste Etappe ohne Versorgungsmöglichkeiten vorzubereiten. Bis Tamanrasset wird es keine Möglichkeit geben, unsere Vorräte zu ergänzen.

Diesmal bin ich in der Gruppe, die für die Besorgung der Lebensmittel zuständig ist. Das Angebot auf dem Markt ist sehr gut und so haben wir keine Schwierigkeiten alles Gewünschte zu bekommen. Große Schwierigkeiten bereitet es jedoch, den Einkauf auf den Motorrädern zu transportieren. Mit 3 Plastiktüten an jedem Lenkerende und einem riesigen Sack Baguettes vor sich, ist das Motorrad fahren anspruchsvoller als in den Dünen.

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Nachdem alles erledigt, treffen wir uns zum Mittagessen im Restaurant des Hotels. Ich bin ja immer für Neues zu begeistern und so nutze ich die Gelegenheit und bestelle Kamel. Das war keine gute Entscheidung, denn das Tier ist wahrscheinlich erst nach einem harten arbeitsreichen Leben geschlachtet worden. Zumindest war es extrem zäh. Da ist das Essen von Gregor wesentlich leckerer.

Unweit von Djanet in Richtung Erd Admer gibt es auch einige kulturelle Sehenswürdigkeiten. An bekanntesten dürften die Felsgravuren sein, die an fruchtbarere Zeiten in dieser Gegend erinnern.

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Bevor es endgültig wieder in die Wüste geht, besuchen wir noch ein altes Herrschergrab. Gemäß Aberglauben verspricht es eine sichere Reise, wenn man das Grab mit seinem Reisegefährt 3 mal umrundet. Früher waren das Kamele, heute sind es hauptsächlich Geländewagen und Motorräder, wie man an den Spuren erkennen kann.

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Wir fahren dann noch rund 2 Stunden und schlagen bereits im Laufe des Nachmitttags unser Camp im Zentrum des Erg Admer auf.

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Der Rest des Tages steht zur freien Verfügung. Das ist gleichbedeutend mit Sandkastenspielen für Erwachsene. Hier können wir uns mit den Motorrädern ungehindert austoben. Aus Sicherheitsgründen aber nur in Kleingruppen von mindestens 3 Personen.

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Hier im Erg Admer merkt man auch deutlich, dass es viele verschiedene Arten von Sand gibt. War der Sand weiter im Norden eher etwas gröber und rotgold, so ist er hier im Erg Admer viel heller, vor allem aber auch feiner und weicher, was das Fahren noch einmal etwas anspruchsvoller macht.

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Das nachfolgende Foto ist mir aus heutiger Sicht natürlich sehr unangenehm, aber im Jahr 2000 war es für uns die beste Methode sicherzustellen, dass alle aus den Dünen zurück zum Camp finden. Damals hatte niemand ein GPS, in dem man den Standort des Camps hätte speichern können. Die Orientierung in dieser gleichförmigen Landschaft war extrem schwierig. Die Rauchwolke des alten Reifens konnte man aber auch noch aus großer Entfernung erkennen, wenn das Camp selbst hinter etlichen Dünen verschwunden war. Es ist dann auch niemand verloren gegangen.

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Teil 1307. Aug. 2020
Tassili Hoggar Sud

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Die Fahrt entlang der südlichen Ausläufer des Hoggar-Gebirges bis nach Tamanrasset war ein weiteres Highlight auf dieser Reise. Wir sollten 2 Tage für die Strecke brauchen.

Nachdem wir die Dünen des Erg Admer verlassen hatten, zeigte sich uns eine ganz andere, sehr pittoreske Landschaft. Zwar bestand der Untergrund noch immer aus Sand, jedoch gab es so gut wie keine Dünen und wenn, dann nur sehr niedrige. Überall verstreut, ragten größere und kleinere Felsen aus dem Sandmeer. Im Hintergrund zeigten sich immer wieder größere Berge.

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Dreimal unterbrachen größere Pannen unsere Fahrt. Die erste Panne war der Schusseligkeit eines Mitfahrers geschuldet. Er hatte nach einer Reifenpanne das Vorderrad falsch wieder eingebaut. Anstatt das die Bremsscheibe zwischen den Bremsbelägen saß, waren auf der einen Seite beide Bremsscheiben und auf der anderen Seite nur der Bremssattel. Leider bemerkte er sein Missgeschick erst als Bremssattel und Bremsscheibe bereits arg in Mitleidenschaft gezogen waren. Unter Anleitung von Gregor und viel Feilarbeit konnte die Bremse zum Glück wieder funktionstüchtig gemacht werden.

Später hatte dann der LKW eine Reifenpanne. Während das beim Motorrad schnell behoben ist, stellt das bei einem LKW-Geländereifen mit ca. 150kg Gewicht eine ganz schöne Schinderei dar.

Vor die größte Herausforderung stellte uns eine gebrochene Drosselklappe bei einer der Yamahas. Ich war mir sicher, für dieses Motorrad sei die Tour gelaufen. Das Gregor es schaffte, die Drosselklappe mit Kaltmetall so zu reparieren, dass das Motorrad bis zum Ende der Tour durchhielt, brachte Ihm meine uneingeschränkte Bewunderung.

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Die Landschaft änderte sich leicht. Jetzt ragten überall große runde Felsen aus dem Sand, von denen viele an Bienenkörbe erinnerten.

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Ich hatte im Vorfeld der Tour gelesen, dass dieses Gebiet in früheren Zeiten besiedelt war und man noch heute Hinterlassenschaften dieser Besiedlung in Form von Pfeilspitzen, Keramikscherben und Fragmenten von Straußeneiern findet. Die Straußeneier wurden für die Lagerung und den Transport von Trinkwasser genutzt. So nutze ich jede Pause und die Zeit im Camp, um den Boden abzusuchen und wurde tatsächlich fündig. Die Funde haben noch heute einen Ehrenplatz in unserem Wohnzimmer.

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Wir fuhren bis sich die Sonne dem Horizont näherte und suchten uns dann einen schönen Platz für unser Camp.

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Am nächsten Tag änderte sich die Landschaft erneut. Je weiter wir nach Westen kamen, umso höher wurden die Berge rings um uns. Wir verließen die weiten Flächen und fuhren durch immer tiefer eingeschnittene Täler.

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Als wir dann Richtung Norden abbogen und uns Tamanrasset näherten, zeigten sich auch erste Siedlungen in den Tälern. Man sah deutlich, dass wir uns der größten und wichtigsten Stadt im Süden Algeriens näherten. Leider zog der Himmel immer mehr zu, so dass die Fotos immer blasser wurden.

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Gleichzeitig machte auch der LKW wieder Probleme. Ein Gang nach dem anderen fiel aus, und Gregor schaffte es gerade so bis nach Tamanrasset, wo wir in einem Camp am Ortsrand übernachteten. Als erstes ließ er den defekten Reifen bei einem Vulkaniseur reparieren und dann war er bis spät in der Nacht in den Tiefen des Getriebes zu Gange.

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Hier im Camp habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Walzenspinnen gesehen. Ich fand die Biester schon damals ekelhaft und war froh, dass die Katzen des Camps sich anscheinend auf diese Beute spezialisiert hatten. Dabei mussten sie sehr vorsichtig zu Werke gehen, denn eine Walzenspinne ist wesentlich wehrhafter als eine Maus.
Teil 1403. Sept. 2020
Assekrem

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Am nächsten Tag stand zunächst der Großeinkauf für die restliche Strecke unserer Tour an. Als wir zurück im Camp waren, gab es bei unserem LKW noch keine Besserung zu vermelden. Das änderte sich auch bis zum Nachmittag nicht.

Somit trat Plan B in Kraft. Wir würden nur mit den Motorrädern hoch zum Assekrem fahren. Das würde auch mit leichtem Gepäck gehen, da wir sowieso in der Herberge übernachten und zu Abend essen wollten. Am nächsten Morgen würde es dann nicht über die Nordabfahrt weitergehen, sondern wir würden nach Tamanrasset zurückkehren. Wie es dann weitergehen würde, müsste man dann sehen.

Die Rucksäcke waren in wenigen Minuten gepackt und dann machten wir uns gleich auf den Weg.

Nachdem wir die Piste hoch zum Assekrem erreicht hatten, war die Orientierung einfach und so fuhr jeder in seinem persönlichen Tempo.

Die Landschaft war fantastisch. Besonders auffällig waren die vielen Basaltkegel. Dabei handelt es sich um frei erodierte ehemalige Vulkanschlote.

Leider war es auch an diesem Tag wieder bedeckt, so dass die Fotos alle sehr düster und farblos wurden. Auch der Sonnenuntergang fiel den Wolken zum Opfer.

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Die Herberge auf dem Assekrem liegt am Ende der Piste und ist nicht zu verfehlen. Sie ist sehr einfach, es gibt nur einen Speiseraum und zwei Schlafräume mit dünnen Matratzen auf dem Boden. Die Aufteilung der Schlafräume erfolgte nach Schnarchern und Nicht-Schnarchern. Zu meiner Überraschung und meinem Glück wurde ich dem Schlafraum der Nicht-Schnarcher zugeteilt.

An das Essen habe ich keinerlei Erinnerung, was dafür spricht, dass es weder besonders gut, noch besonders schlecht war. Woran ich mich aber noch sehr gut erinnere ist der Umstand, dass es nach Sonnenuntergang mit den Temperaturen rapide bergab ging. Hier auf über 2500m Höhe in einem, mit Ausnahme eines kleinen Kamins, unbeheizten Gebäude erwartete uns eine sehr kalte Nacht.

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Wir wollten gerade zu Bett gehen, da hörten wir von draußen Motorengeräusche. Nicht zu fassen – Gregor hatte es tatsächlich geschafft das Getriebe zu reparieren und war dann noch im Dunkeln die Hochgebirgspiste zur Herberge hochgefahren. Jetzt stand unserer geplanten Route nichts mehr im Wege.
Teil 1511. Sept. 2020
Assekrem Nordpiste

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Die Nacht ist nicht nur kalt, sondern auch kurz. Bereits eine Stunde vor Sonnenaufgang sind wir auf den Beinen, denn selbigen wollen wir auf dem Gipfel des Assekrem bei der Eremitage du Pere de Foucauld erleben. Das geht nur zu Fuß und so wird uns schnell warm.

Pünktlich zum Sonnenaufgang beginnt auch die Wolkendecke aufzureißen.

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Wir werden vom hier oben lebenden Pater zur Morgenmesse in seiner kleinen Kapelle eingeladen. Die ist kaum in der Lage unsere Gruppe zu fassen. Obwohl ich überhaupt kein gläubiger Mensch bin, war die Messe hier oben in der sehr einfachen und schmucklosen Kapelle ein sehr schönes Erlebnis. Es hatte etwas archaischen. So stelle ich mir Gottesdienste in der Frühzeit des Christentums vor.

Danach sitzen wir noch lange im Gespräch mit dem Pater zusammen. Im Gegensatz dessen was man von einem Eremiten erwartet, ist er sehr weltoffen und interessiert.

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Hier hätte ich es gut noch länger ausgehalten, aber wir müssen leider weiter, wissen wir doch nicht, was die heutige Strecke von uns verlangen wird. Bevor wir aber starten, gibt es erst einmal ein ausgiebiges Frühstück auf dem Parkplatz vor der Herberge.

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Die heute vor uns liegende Strecke gibt es offiziell gar nicht mehr. Die Nordpiste auf den Assekrem wurde schon vor vielen Jahren aufgegeben und seitdem nicht mehr gepflegt und instandgesetzt. Was uns genau erwarten wird, wissen wir nicht, denn die Strecke verändert sich von Jahr zu Jahr. Das Wetter zerstört die Piste von Jahr zu Jahr mehr. Hin und wieder werden die schwierigsten Passagen von den Befahrern der Strecke provisorisch ausgebessert.

Was sich gleich zu Anfang der Strecke zeigt, ist die fantastische Landschaft. Das ganze Gebirge ist vulkanischen Ursprungs und hinter jeder Kurve erwartet einen ein neuer beeindruckender Ausblick.

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Die Strecke steigert sich langsam. Ist sie zu Anfang noch gut zu befahren, wird sie immer schwieriger, je tiefer wir kommen. Hier in den tiefer gelegenen Tälern kommen nach Regenfällen anscheinend größere Wassermassen zusammen, die vielfach die Piste erheblich beschädigt oder sogar komplett zerstört haben.

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Immer häufiger ist die Piste unpassierbar und wir müssen uns Umfahrungen suchen. Mit den wendigen Motorrädern ist das überhaupt kein Problem. Mit dem großen LKW dafür um so mehr. Letztendlich findet Gregor aber immer einen Weg. Häufig wechseln wir für längere Passagen von der Piste ins Bachbett.

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Am späten Nachmittag haben wir es geschafft. Die Hauptpiste von In Ekker nach Djanet ist erreicht. Der LKW hat auf der Piste stark gelitten und ist schwer angeschlagen. Federn und Aufhängung sind an mehreren Stellen gebrochen. Wir brauchen dringend ein Schweißgerät. So beschließen wir nach Ideles zu fahren, wo wir hoffen, entsprechende Hilfe zu bekommen.

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Teil 1621. Sept. 2020
Ideles

Wir hatten Glück und fanden in Ideles eine Metallwerkstatt mit einem Schweißgerät. Wir hatten zudem das Glück, dass zu der Werkstatt ein großer Hof gehörte auf dem wir unsere Zelte aufschlagen konnten, denn es stand außer Frage, dass sich die Reparatur bis in den morgigen Tag hinziehen würde.

Während wir das Camp aufbauten wurde der LKW bereits aufgebockt und unter der Anleitung von Gregor mit der Reparatur begonnen. Die Stromversorgung des Elektro-Schweißgerätes war typisch afrikanisch; es wurde einfach die durch das Dorf verlaufende Freileitung direkt angezapft.

Natürlich waren wir im Mittelpunkt des Interesses der Kinder im Dorf. Dadurch wurde es auch für uns nicht langweilig.

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Obwohl bis spät in die Nacht gearbeitet wurde stand am nächsten Morgen fest, dass wir nicht vor Mittag von hier loskommen werden. Ich hatte nicht vor, diese Zeit auf dem Hof zu verbringen und entschied mich für eine längere Wanderung durch die zu Ideles gehörende Oase. Das sollte sich als sehr gute Idee herausstellen. Nach mehr als 2 Wochen in der Wüste, war das frische Grün eine unerwartete Abwechslung.

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Teil 1709. Okt. 2020
Ideles – Erg Amguid

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Kurz nach Mittag war der LKW wieder fahrtüchtig und wir konnten unsere Reise fortsetzen. Wir befanden uns jetzt eindeutig auf der Rückreise. Unsere Route führte direkt Richtung Norden.

Wir fuhren entlang des Teffedest-Gebirges. Dieser Gebirgszug ist im Gegensatz zum Hoggar nicht vulkanischen Ursprungs, sondern besteht aus Granit. Über längere Strecken finde sich relativ viel Vegetation und es soll hier sogar Antilopen und Geparden geben. Wir sahen weder das Eine, noch das Andere.

In einigen Bereichen erinnerte mich die Landschaft stark an Damaraland & Kaokovelt.

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Am nächsten Tag ging es weiter in direkter Linie nach Norden. Eine zeit lang fuhren wir noch entlang des Teffedest, welches im Norden im markanten Granitklotz des Garet el Djenouon kulminiert. Dieser Berg hat für die Tuareg eine mystische Bedeutung.

Hier verlassen wir das Tal und kommen auf die weite Ebene, welche im Norden sanft in den Erg Amguid übergeht. Die weiten Sandflächen sind einfach zu befahren und wir kommen zügig voran.

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Teil 1830. Okt. 2020
Erg Amguid – Hassi Messaoud

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Es geht auf Mittag zu. Wir befinden uns auf einer weiten Sandebene. Mit mehreren Motorrädern sind wir in zügigem Tempo in breiter Front nebeneinander unterwegs. Urplötzlich bocken die Motorräder wie wild gewordene Rodeopferde. Wir sind in ein Feld mit Sandwehen geraten, welches wir durch den hohen Sonnenstand nicht erkannt haben. Bei Sandwehen handelt es sich um bis zu 30cm hohe betonharte Sandverwehungen. Man kann sie am besten mit den Riffeln vergleichen, die man vom Wattenmeer oder sandigen Stellen in Fließgewässern kennt, nur dass hier der Sand nicht vom Wasser, sondern vom Wind geformt wurde.

Das einzige was jetzt hilft ist aufstehen, Kupplung ziehen, auf die langen Federwege der Motorräder vertrauen und ausrollen. Das klappt auch bei allen sehr gut. Einzig Rüdiger ist einem falschen Reflex erlegen. Anstatt der genannten Maßnahmen hat er sich für eine Vollbremsung entschieden. Ein fataler Fehler. Beim Abbremsen federt das Motorrad vorne stark ein. Dadurch fehlt beim nächsten Buckel der benötigte Federweg. Die Folge ist unausweichlich das Überschlagen von Maschine und Fahrer.

Wir sind sofort bei Ihm und auch der LKW ist kurz danach zur Stelle. Jetzt bewährt es sich, dass wir Stefan als Beifahrer im LKW mit dabei haben. Bislang hatte es als Beifahrer nur ein paar unterstützende Hilfstätigkeiten bei den Reparaturen und Mahlzeiten, ansonsten aber eine sehr entspannte Reise. Jetzt schlägt seine Stunde, denn er ist als ausgebildeter Rettungssanitäter genau für solch einen Notfall mit dabei.

Rüdiger ist bei Bewusstsein, hat aber starke Schmerzen. Den Helm hat es Ihm halb vom Kopf gerissen und es ist viel Blut zu sehen. Die größte Sorge ist eine Wirbelsäulenverletzung. Aktuell ist das Rückenmark nicht verletzt, Rüdiger kann seine Beine bewegen, aber die Gefahr ist damit nicht gebannt. Vorsichtig wird der Helm entfernt und sofort eine Genickstütze installiert. Danach wird er auf eine Vakuumtrage gebettet.

Während Stefan den Verletzten weiter untersucht und versorgt, verladen wir Rüdigers Motorrad und räumen die Ladefläche des LKW um, damit Rüdiger und Stefan dort transportiert werden können. Das viele Blut hatte seine Ursache im zu locker geschlossenen Kinngurt seines Helms. Dadurch konnte sich die Schnalle über das Kinn schieben und hat dieses bis Einschließlich der Unterlippe tief aufgerissen sowie 2 Zähne ausgeschlagen.

Rüdiger braucht jetzt dringend ein Krankenhaus mit Röntgengerät. Das nächstgelegene befindet sich in Hassi Messaoud. Bis dorthin sind es noch 750km. Zum Glück ist die Strecke ab Bordj Omar Dris asphaltiert. Sowie Rüdiger erstversorgt ist, verladen wir Ihn und brechen dann sofort auf.

Zunächst geht es noch durch traumhafte Wüstenlandschaften, aber so richtig entspannt sitzt dabei niemand auf seinem Motorrad

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Wir schaffen es gerade noch vor Sonnenuntergang die Asphaltstraße zu erreichen und sind darüber alle sehr erleichtert. Im Dunkeln in Gelände zu fahren wäre kein Spaß gewesen. Selbst auf der Straße fühlen wir uns nicht wirklich wohl, denn Geländemotorräder zeichnen sich nicht gerade durch übermäßig gute Beleuchtung aus. Aus diesem Grund befinden die Motorräder alle dicht vor dem mit Fernlicht und Zusatzscheinwerfern fahrenden LKW.

In Hassi Messaoud bestätigt sich dann mein guter Eindruck algerischer Krankenhäuser. Obwohl wir erst spät abends ankommen, liegt Rüdiger in kürzester Zeit unter dem Röntgengerät. Bald darauf gibt es Entwarnung. Weder die Wirbelsäule, noch ein anderer Knochen sind gebrochen. Auch die starken Schmerzmittel zeigen Wirkung und so wird Rüdiger im LKW bis Djerba mitfahren. Wir verlassen die Stadt und schlagen nur wenige Kilometer später unser Camp in der Wüste auf.

Dieser Unfall bestätigt wieder einmal die These, dass sich in der Sahara auf 40.000 Personenkilometer mit dem Motorrad ein schwerer Unfall ereignet.
Teil 1912. Nov. 2020
Hassi Messaoud – Djerba

Für den Weg von Hassi Messaoud zurück nach Djerba nahmen wir die gleiche Strecke wie auf dem Hinweg. Dabei verbrachten wir wieder eine Nacht im Dattelpalmenwald nahe der Grenze.

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Für die letzte Nacht entschieden wir uns, auf das Hotel in Djerba zu verzichten und lieber noch einmal unter dem Sternenhimmel Afrikas zu übernachten. Georg hatte uns eine traumhaft schöne und einsame Bucht am Mittelmeer versprochen und dabei nicht übertrieben.

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Am nächsten Tag waren wir schnell auf Djerba. Dort verluden wir die Motorräder auf dem LKW und dann mussten auch schon die Ersten von uns zum Flughafen.

Unser LKW musste dann auf der Rückfahrt den hohen Belastungen als Rallye-LKW und unserer Tour endgültig Tribut zollen. Schon in Deutschland angekommen blieb er kurz vor dem Ziel auf der Autobahn mit Rahmenbruch liegen – Totalschaden.


P.S.
Einen Bericht kann ich noch bieten, dann wird es Zeit, dass ich wieder nach Afrika komme. So bald wie möglich werde ich mit dem Reisebericht von meinem bislang größten Abenteuer beginnen – einer Kanu-Expedition auf dem South Nahanni River.

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