Indochina: Hinter den Bergen bei den 7 … Guides!

Reisebericht 48 Antworten · 8'692 Aufrufe · gestartet 10. Apr. 2020 von Flotho
Themenstarter246 Beiträge · seit 201528. Apr. 2020 · #21
Nach Passkontrolle und Kofferabholung fanden wir unseren Guide recht schnell. Optisch ein ziemlicher Kontrast: ein dürres Männlein, statt unseres feisten laotischen Hamsters, dessen Bäckchen immer voller Nüsse gewesen waren. Er sprach auch sehr viel leiser, außerdem aber sehr undeutlich, so dass wir manchmal sehr wenig verstanden. Er lachte viel und irritierte mit seinem ständigen „jajaja“, wenn ihm die Worte oder Gedanken ausgingen. Sein Wissen war dafür erheblich breiter, so dass wir es nunmehr mit tatsächlichen Führungen zu tun bekamen. Er brachte uns zu unserem Fahrer und fahrbaren Untersatz, einem auch für dortige Verhältnisse abenteuerlichen Ding, das wir „das Vehikel“ tauften.

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Das Vehikel und sein sympathischer Fahrer

Wir hofften und zweifelten, dass es die nächsten drei Tage durchhalten würde, denn es quietschte sehr, ruckelte hin und her und brach gerne etwas zur Seite aus. Wir wurden später von so jeglichem anderen Fahrzeug überholt und wütend angehupt, auch weil die Blinker etwas unzuverlässig waren. Möglich war das alles nur, weil im Schnitt ohnehin niemand mit mehr als 40 km/h ‚vehikelte‘. Ampeln waren, so unser Guide, noch eine recht neue Einrichtung und für die Mehrzahl der Fahrer hauptsächlich Dekoration. Abgebogen wurde nach Lust und Laune, unabhängig von Spur und Verkehrsaufkommen nach dem Motto ‚Irgendjemand wird schon halten‘.
Sodann fuhren wir zu unserem Hotel - Siem Reap Memoire d'Angkor Boutique Hotel

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und verabredeten uns für 19:15. Sie wollten uns abholen und zum Phare-Zirkus bringen. Während Barbara sich ausruhte, nutzten Thomas und Florian die verbleibenden zwei Stunden für eine Stadterkundung, für die sonst kaum Gelegenheit sein würde.

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Der Verkehr war gegenüber Laos eine große Steigerung und echte Herausforderung, Thomas meinte „wenn ich länger hier bleiben müsste, würde ich einen Herzinfarkt bekommen“. Zu Fuß konnte man keine 5 Meter laufen ohne gefragt zu werden, ob man ein Tuk-Tuk brauche. Dennoch schafften wir es, die Pub-Street und den Psah Chas (alter Markt) zu besuchen. Auch eine kleine, für Kambodscha aber sehr beachtlich LGBTI-Szene gibt es dort, an der wir kurz vorbeiliefen.

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Pub Street

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Getier am Spieß

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Alter Markt
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Kambodscha schrumpfte im 20. Jahrhundert zum kleinsten Flächenstaat Südostasiens. Damit verbunden ist eine recht starke ethnische Homogenität von über 90% direkten Nachfahren der Khmer. Das Land ist ob fehlender Infrastruktur schwer zu bereisen, auch weil es immer noch mit chinesischen Plastikminen verseucht ist, die nicht strategisch ‚sinnvoll‘ verteilt oder auch nur verzeichnet wurden, sondern bloß von den Roten Khmer zur Terrorisierung der eigenen Bevölkerung eingesetzt wurden. Dennoch beträgt die Bevölkerung heute wieder 15,5 Mio Einwohner, nachdem es bei Vertreibung der roten Khmer nur noch 5,2 Mio gewesen war. Entsprechend hoch ist weiterhin das Wachstum bei sehr junger Altersstruktur. 40% der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre, nur 3 % älter als 65.
Der abendliche Zirkusbesuch entpuppte sich als das Showhighlight der Reise. Artistisch gut mit sehr guten Hauptdarstellern, eine durchgängig erzählte, schöne Geschichte um (In-)Toleranz hatte der Phare etwas von einem asiatischen Cirque du Soleil. Hiermit also eine ausdrückliche Empfehlung für jeden, der mal dort hingelangt. Auch mit ökologischen Problemen beschäftigen sie sich, insbesondere gegen Plastikabfälle. Für den Eintrittspreis gibt es daher auch eine Trinkflasche für die weitere Reise, die man an ausgewählten Orten auffüllen lassen kann (sogar unser Hotel nahm an der Aktion teil). Allerdings waren die äußeren Umstände schon bemerkenswert. Barbara wurde schon bei der Fahrt in der Dämmerung in die äußeren Viertel etwas mulmig, uns störten hingegen vielmehr die Mückenschwärme. Die Reisebusführer sprühten kurzerhand alle Gäste beim Aussteigen dick mit DEET ein. Der Zirkus selbst wirkte nicht sehr stabil konstruiert, es hatte etwas von einer hölzernen Arena ohne Fluchtwege. Sollte jemand an einen Platz gesetzt werden, musste die Reihe erst einmal geleert werden. Auch gab es mehrere Stromausfälle während der Vorstellung. Dafür waren Film und Photo erlaubt, was Florian ausgiebig nutzte, bis schließlich die Kamera einfach kaputtging.

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Zurück im Hotel probierten wir alles Mögliche mit der Kamera und recherchierten im Internet. Wir stellten fest, dass eine echte Reparatur notwendig sein würde. Das Telefonbuch gab einige mögliche Adressen, wir gingen davon aus, morgen früh eine neue kaufen zu müssen. Da Angkor Wat auf dem Plan stand, gerieten wir gehörig unter Druck. Nichtsdestoweniger fielen wir um 0:30 todmüde ins Bett.
zuletzt bearbeitet 28. Apr. 2020
725 Beiträge · seit 201728. Apr. 2020 · #22
Ui, jetzt geht es nach Angkor wat, da wollen wir vor der Kreuzfahrt auch hin.

Kannst du noch etwas zum Hotel sagen? Kann man dieses nehmen?


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Gruß Gabriele (Reisebericht 1. Namibia Reise 2022 / Süden) http://www.stenders-reisen.de/Namibia%202022/Namibia_2022.html
zuletzt bearbeitet 28. Apr. 2020
Themenstarter246 Beiträge · seit 201529. Apr. 2020 · #23
Schneewie schrieb:Ui, jetzt geht es nach Angkor wat, da wollen wir vor der Kreuzfahrt auch hin.

Kannst du noch etwas zum Hotel sagen? Kann man dieses nehmen?


Gesendet von iPad mit Tapatalk Pro
Das Hotel war sehr gut, das Frühstück für uns etwas an Auswahl begrenzt, was aber wohl nur uns als Vegetarier traf. Mangels Alternativen haben wir versucht, die Krabben aus dem Reis zu puhlen, der besondere Luxus war insoweit kontraproduktiv.
Gruß Thomas
zuletzt bearbeitet 29. Apr. 2020
Themenstarter246 Beiträge · seit 201529. Apr. 2020 · #24
Di. 07.03.17 Siem Reap-Rally und Angkor Wat-Marathon

Wir frühstücken um 6:15 (Brötchen, Croissants, Obst/Gemüse und Honig), um bei Geschäftsöffnung schon vor den entsprechenden Kamerageschäften anzustehen. Frisch gestärkt stürzen sich Florian und Thomas in den morgendlichen Straßenverkehr. Die beiden im Internet gefundenen Läden sind auch schnell erreicht, haben jedoch noch geschlossen und keine offiziellen Öffnungszeiten aushängen. Daher gingen wir zum Hotel zurück, um etwas über die durch das Schaufenster erahnten Modelle zu recherchieren. Das professionellste Kamerageschäft öffnete zuerst. Man teilte uns mit, dass – wie wir schon ahnten – eine schnelle Reparatur nicht möglich sei. Wir entschieden uns schnell für ein noch relativ aktuelles Modell von Canon. Mit dem Bezahlvorgang begann das Drama. Um den von dem Geschäft erhobenen Zuschlag für Kreditkartenzahlung zu umgehen, versuchten wir die Summe bei einem ATM abzuheben. Auf beiden Karten war das Limit für Abhebungen zu niedrig. Auch nachdem wir einen anderen ATM gesucht hatten, standen wir vor dem gleichen Problem. Wir kamen daraufhin am Hotel vorbei, wo inzwischen schon unser Guide eingetroffen war. Wir fuhren mit ihm zum Kamerageschäft, um zähneknirschend den Zuschlag zu zahlen, wobei unser Guide erfolglos einen Rabatt zu verhandeln suchte. Die Kreditkartenzahlung im Geschäft funktionierte auch nicht. Also gingen wir mit dem Guide zu einer Bank, um Geld abzuheben. Die konnte uns überhaupt kein Geld auszahlen. Letztlich gelang es uns dann aber am ATM dieser und einer weiteren Bank jeweils mit beiden Kreditkarten insgesamt vier Teilbeträge abzuheben, mit denen wir die Kamera bezahlen konnten. Geringfügig günstiger als in Deutschland war der Kauf immerhin noch.

Mit neuer Kamera gerüstet und einiger Verspätung machten wir uns auf den Weg nach Angkor Thom, der von Jayavarman VII. um 1200 als neue Hauptstadt des Angkorreichs gegründeten Königsresidenz. Allerdings mussten wir zu diesem Zweck erst einmal Lichtbildausweise anfertigen lassen, die dann am Eingang, den unser Guide als „Checkpoint Charlie, he he he“ bezeichnete, gelocht wurden. Für den Massenandrang ist man inzwischen gerüstet:

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Hier machte unser Guide, der auch durch seine beiden 10cm-langen Fingernägel auffiel, einem leicht snobistischen Merkmal des aufgestiegenen Mittelstandes, das als Beweiszeichen des Verzichts auf körperliche Arbeit dient, die man ihm aber ohnehin nicht geglaubt hätte, zum ersten Mal seine wahre Bestimmung deutlich, die eines begnadeten Aphoristikers: „Loch an Datum – heute. Zweiter Tag, zwei Locher, dritter Tag, drei Locher, hehehe“ (Guide-Erläuterung des Tages I). Nach Vertreibung der Khmer begann der Wiederaufbau der Klöster, auch die Angkor-Ruinen werden, wie man sehen wird, weiter genutzt.
Wir beginnen die Besichtigung Angkor Thoms vom südlichen Eingangstor aus, welches das besterhaltene ist. Die linken Figuren der Brücke stellen 54 Götter dar, die rechts 54 Dämonen.

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Das Tor selbst weist Gesichter in jede Himmelsrichtung auf.
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Es besteht auch die Option verschiedener Transportmittel.
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Wir besuchen den synkretistischen Staatstempel Bayon nach Angkor Wat die berühmteste dortige Tempelanlage.

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Er hat 54 Türme. 54 ist eine besondere Zahl wegen ihrer Quersumme 9. Die Bedeutung der Zahl 9 scheint unserem Guide etwas unklar, ist aber auf jeden Fall „sehr gutt“. Auch die 54 Götter und 54 Dämonen sind „sehr gutt“, weil darüber hinaus ihre Addition 108 wiederum die Quersumme 9 aufweist. Die 54 Türme des Bayon haben jeweils 4 Gesichter,
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zusammen also 216 Gesichter, deren Quersumme 9 = „gutt“ ist. Leider wurden in den Kriegen des 20. Jahrhunderts viele Köpfe geplündert und verkauft.
Sowohl die historisch-mythologischen Ereignisse wie auch die zeithistorischen Veränderungen der Bausubstanz goutierte unser Guide immer wieder gerne mit einem gepflegten „Kopf ab, hehehe“.

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Besonders aufmerksam machte er uns auf eine Reliefdarstellung der Zubereitung von Speisen, etwa gegrilltem Fisch; mit todernstem Gesicht erläuterte er „hier wird Schwein in heißes Wasser gekocht. … Essen!“ – er machte verdeutlichende Bewegungen mit den Händen (Guide-Erläuterung des Tages II).
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Phallus-Symbole gehörten zu seinen Lieblingsobjekten.
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Schönere Objekte findet man zu tausenden.
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Auch Touri-Mönche mit ihren Novizen lassen sich die Gelegenheit zum Photographieren nicht entgehen.
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Vieles besteht auch nur aus Ruinen.
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Nach einem letzten Blick auf den Bayon-Tempel,
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machen wir uns auf den Weg zum Baphuon ...
zuletzt bearbeitet 29. Apr. 2020
Themenstarter246 Beiträge · seit 201530. Apr. 2020 · #25
Anschließend erstiegen wir den Baphuon, einen monumentalen hinduistischen Tempelberg, der ursprünglich um 1055 errichtet wurde.


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Angkor Thom Baphuon Tempel Terrasse mit Gopura (Torturm) und steinerner Steg mit Pavillon.

Er war Mittelpunkt der damaligen Khmer-Hauptstadt Yasodharapura. Ab 1960 und nach der Unterbrechung des Pol Pot-Regimes nach 1995 richtete man den völlig eingestürzten Bau in einem grandiosen Puzzlespiel wieder auf.
Wir und gingen weiter

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Größenverhältnis Florian-Baum

zum Köngispalast, von dem lediglich der innere Tempel, der im 11. Jahrhundert von Suryavarman I. errichtete Phimeanakas erhalten ist, weil die anderen Bauwerke aus Holz errichtet waren.

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Erhalten waren aber zwei Schwimmbecken, ein kleineres für die 200 Eunuchen und ein sehr großes für die 1000 Konkubinen des Herrschers,

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wobei die Konkubinen Zutritt zu den Eunuchenbecken hatten, aber nicht umgekehrt. Vertiefungen an den Schwimmbadrändern deutete unser Guide als Sitzspuren der Konkubinen. Bei einer sehr tiefen Kuhle sagte er dann „Da auf diese Stein sehr große Loch, vielleicht dicke Frau, hehehe“ (Guide-Erläuterung des Tages III). Er lachte über seine Witze gerne so ausdauernd, dass er sich kaum halten konnte.
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Guide zeigt auf den Platz der dicken Frau

Wie man auf Verstöße gegen diese Ordnungsregeln reagiert habe, beantwortete er gewohnt martialisch: „Kopf ab, hehehe“.

Wir besuchten endlich noch die Terrassen der Elefanten
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und des Leprakönigs.
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Die Terrasse der Elefanten ließ König Jayavarman VII. am Anfang des 13. Jahrhunderts erbauen, von wo aus die königliche Familie Paraden, Prozessionen und Spiele auf dem Großen Platz ansehen konnte. Der Name der geringfügig älteren Terrasse des Leprakönigs leitet sich von einer auf ihr befindlichen Statue her, einer angeblichen Darstellung des Königs Yasovarman I. (899–910), der die erste Stadt in Angkor errichten ließ und schließlich an Lepra verstarb. Tatsächlich stellt die Statue wohl den hinduistischen Todesgott Yama dar. Möglicherweise wurden hier die Leichname der Königsfamilie und hoher Würdenträger rituell verbrannt.

Hernach fuhren wir zum von vielen Würgfeigen überwucherten Tempel Ta Prohm, für den Indien ein größeres Restaurationsprojekt initiiert hat. Diesen um 1300 errichteten Bau hatte Jayavarman VII., der größte Bauherr von Angkor, seiner Mutter geweiht. Er soll nicht vollständig restauriert, sondern im halbverfallenen Zustand belassen werden.
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Stützpfeiler, damit die Wurzeln nicht das Gemäuer niederreißen.

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Nun brachte man uns zu einer Touristenabsteige, in dem wir uns ein grotesk überteuertes Mittagessen andrehen lassen mussten. Das Essen selbst war durchschnittlich, aber in Ordnung. Unterwegs konnten wir einen Wasserbüffel sichten. Der Guide fing an, etwas von Automarken zu murmeln, er kam auf BMW zu sprechen, das bedeute in Kambodscha ein „Bauer mit Wasserbüffel“. Das sollten wir noch öfter, auch von verschiedenen Guides in Vietnam, hören. Nach dem Mittagessen stand endlich Angkor Wat an. …
zuletzt bearbeitet 30. Apr. 2020
Themenstarter246 Beiträge · seit 201501. Mai 2020 · #26
Die in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts unter Suryavarman II. errichtete Tempelanlage Angkor Wat gilt als das größte Sakralbauwerk der Welt. Wir nahmen den östlichen Eingang zur Anlage, den Ta Kou-Entrance.

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Der beeindruckende Zugang zum Hauptkomplex verfügt über 5 separate Zugänge. Die äußeren besaßen Treppen und waren für das Volk,

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das Herrschertor in der Mitte bestand aus einem nackten Vorsprung. Unser Guide wollte natürlich wissen „Wie kommt König hier hoch? Muss hüpfen wie Frosch? Klettern wie Spiderman?“ (Guide-Rätsel des Tages – Auflösung nach dem Bild).

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Die Lösung lautete: Elefanten! Wenn der König zum Tempel kam, ritt er auf einem Elefanten und konnte von dessen Rücken in passender Höhe nicht ab-, sondern aussteigen.

Wir begaben uns ins Zentrum und schauten uns die 800 Meter lange „Galerie“ an.
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Um den Tempel ganz zu ersteigen,
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musste man sich in eine Schlange einreihen, da immer nur 100 Personen für den Aufstieg zugelassen waren und man sich entsprechend einen Ausweis holen und wieder abgeben musste.
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Wie schon bei einer anderen Besichtigung wollte der Guide auf uns warten und riet auch Barbara von der Ersteigung ab. Die überall sehr steilen Treppen sollten übrigens bewirken, dass man in demütiger Haltung hinaufsteigen musste, wie Barbara zutreffend mutmaßte.
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Nun aber war sie zunächst hinter uns und verschwand sehr schnell, so dass wir vermuteten, dass sie anderes besichtigen und auf den Rat des Guides hören wollte. Wir verloren sie dadurch komplett aus den Augen. Als wir nach einer guten halben Stunde endlich kurz vor dem Anfang der Warteschlange anlangten, tauchte sie auf der anderen Seite der Absperrung auf und sagte uns, dass sie die Aussage des Guides als Besteigungsverbot für alle aufgefasst hatte. Florians Vorschlag, sich noch in die inzwischen noch längere Schlange einzureihen, lehnte sie ab, vielleicht, weil auch nicht mehr so viel Zeit von der Vorgabe des Guides übrig war. Wir hatten oben einen netten Ausblick und eine gute Möglichkeit, den mittleren Turm zu besichtigen, mehr aber eigentlich nicht.

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obere Terrasse Hauptturm

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Blick von der oberen Terrasse Richtung Süd-Osten

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Blick von der oberen Terrasse Richtung Westen

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Blick von der oberen Terrasse Richtung Westen (nördl. Bibliothek im Hintergrund)

Als wir – von einigen Höhenangstproblemen begleitet – den Abstieg geschafft hatten, erklärte Barbara, dass sie sehr verärgert sei, es bei ihrem einzigen Angkor Besuch es nicht bis ganz oben geschafft zu haben. Über den westlichen Tempelbereich begaben wir uns Richtung Ausgang.

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Angkor Wat South Thousand God Library

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kochender Mönch

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Noch besser gefiel uns die Kulisse vor dem Tempel, wo wir plötzlich doch viel Zeit hatten, weil wir den Sonnenuntergang über Angkor genießen sollten, der wetterbedingt allerdings ausfiel.

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Ehrenterrasse

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Prozessionsstraße

Wir konnten dort schöne Photos machen, leider wollte Barbara, noch immer sauer, nicht mit aufs Bild.

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Wir lernten wenigstens, dass Mönchsgruppen Touristen sind wie alle anderen auch.

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So teilten wir uns also in drei 'Gruppen' auf, den Guide, der weiter pausierte, Barbara, die ihrer eigenen Wege Richtung Ausgang ging und Thomas und Florian, die einen großen Erkundungsrundgang unternahmen.

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Südliche Bibliothek

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Lesbische Hochzeit

Da der Sonnenuntergang ausfiel, machte es wenig Sinn, dass wir so das Tempelgelände zu früh verließen. Trotzdem war auch Florian inzwischen ziemlich genervt und beschloss, dass ein gegenseitiges Ignorieren für den Rest des Tages wohl das Beste sei. Wir konnten immerhin noch eine interessante Szene beobachten, in der eine Gruppe Affen einem photographierenden Touristen den Souvenirbeutel klaute und die Kleinodien auf ihre Essbarkeit hin untersuchte. Den verzweifelten Versuchen des Photographen, seine Tasche mit einem Stock bewaffnet zurückzuerobern, begegnete das Alphamännchen mit imposanten Drohgebärden, die den Photographen hinreichend einschüchterten.
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Beim Hinausgehen zeigte sich die Sonne dann doch wieder, dennoch setzten wird den Rückweg fort.

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zentraler Torbau
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Guide-Story des Tages: „Es gibt auch Schnee im Sommer in Kambodscha. Hier ist der Schnee allerdings Staub, hehehe. Vater von Freund hat Auto mit kaputtem Unterboden. Der Vater fuhr mit schwarzem Haar los und kam mit weißem Haar an. Weiß von hellen Staub, hehehe“. Man muss sich den Freundesvater wohl als einen modernen Fred Feuerstein vorstellen, der das Fahrzeug mit Fußantrieb in Gang hielt und entweder sehr sportlich oder am Ende einer jeden Fahrt fix und fertig war. Fix und fertig waren jedenfalls auch wir nach nur vier Stunden Schlaf und den ganzen Tag unterwegs …
zuletzt bearbeitet 01. Mai 2020
Themenstarter246 Beiträge · seit 201502. Mai 2020 · #27
Mi. 08.03.17 Männer sind von Natur aus schön, Frauen …

Nachdem unser Kameraprobleme gelöst war, konnten wir uns dieses Mal auf ein entspanntes Frühstück freuen. Um 6:45 aßen wir vom leider sehr vegetarierunfreundlichen Buffet Brötchen, Obst und etwas Käse. Mangels großer Alternativen sortierten wir aus den gebratenen Nudeln die Krabben aus. Für Nichtvegetarier entsprach das Hotel hingegen seinem Ruf, auf tripadvisor zu den bestbewertetsten Unterkünften der Welt zu gehören. Direkt im Anschluss mussten wir schon unsere Zimmer räumen, konnten die Koffer aber im Hotel deponieren.

Unsere heutige Erkundungsreise führte uns zuerst zum Prasat Preah Khan, dem zentralen Kloster- und Universitätsbau einer vorläufigen Angor-Hauptstadt aus dem 12. Jahrhundert, die Jayavarman VII. errichten ließ, nachdem er die Cham zurückgeschlagen hatte. Eigentlich ist der Flachtempel aber ein weiterer Ahnentempel, diesmal seinem Vater gewidmet.

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Der Guide fand wieder ein irgendwie seltsames Vergnügen daran, uns immer wieder die Lingams zu erklären, die jeweils zu 1/3 die verschiedenen Hauptgötter symbolisieren. Ein Lingam ist daher zu einem Teil rund, acht- und viereckig.
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Stupa

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Weiter ging es zum Prasat Neak Pean (Tempel der sich windenden Schlangen). Dieser im späten 12. Jahrhundert unter Jayavarman VII. erbaute Heiltempel ist auf einer Insel in einem riesigen künstlichen Staubecken gelegen. Der Pfad dorthin war für einige europäische Besucher eine Herausforderung, obwohl er eigentlich nicht besonders schmal war.

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Viele Dinge gingen unverständlicherweise verloren - Kopfbedeckungen, Schals, Kinderspielzeug - und eine Frau fiel fast in das Wasser, das zum Glück heutzutage keine Krokodilpopulation mehr enthält. Die wurde nämlich vor längerer Zeit schon verspeist. Wir wunderten uns über die vielen rosafarbenen Gebilde an den zahllosen Wasserpflanzen. Es soll sich dabei nach Auskunft unseres Guides um Wasserfroschgelege handeln.

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Wir betraten den Heiltempel mit seinen Wasserbecken, darunter vier peripheren, die nach Personengruppen differenziert genutzt werden durften. Sie besaßen jeweils einen Wasserspeier, es gab einen Menschenkopf, einen Pferdekopf, einen Löwenkopf und einen Elefantenkopf.

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Das zentrale Becken, 60x60 Meter, symbolisiert das Urmeer mit einem Heiligtum in der Mitte, das den Göttersitz Meru darstellt.

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Zu den peripheren Becken verlaufen vier Kanäle für die vier größten Flüsse der Erde.

Unser nächster Stop führt uns in eine ganz andere Zeit- und Stilepoche ...
zuletzt bearbeitet 02. Mai 2020
Themenstarter246 Beiträge · seit 201503. Mai 2020 · #28
Der nächste, Shiva geweihte Tempel war der unter Rajendravarman II. (944-968) erbaute östliche Mebon, der 952 eingeweiht wurde. Dieser war stilistisch sehr interessant, da aus der Prä-Angkor-Epoche und noch aus kleinen Ziegelsteinen errichtet. An dieser Stelle lohnt sich ein Blick zurück. Im 2. Jahrhundert war das erste indisch geprägte Königreich Südostasiens, Funan, gegründet worden. Dieses eroberten die Khmer im 6. Jahrhundert und begannen mit eigenen Reichsgründungen. Rajendravarman II. verlegte den Hauptsitz zurück in die Angkor Region. Dies erklärt wohl auch die indischen Denkmalprojekte in der Region.

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Die zahlreichen Löcher in den Fassaden dienten in früheren Zeiten dem Edelsteinschmuck.

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Weiter ging es zum immerhin 23km von Angkor Wat entfernten Banteay Srei-Tempel, einem besonders kunstvollen Bau ebenfalls aus dem 10. Jahrhundert, ebenfalls für Shiva errichtet. Der zierliche Tempel wurde von einem Herrscherenkel und Königslehrer errichtet und gilt als einzige bedeutende Tempelanlage, die nicht, wie ihm allein eigentlich vorbehalten, von einem Herrscher in Auftrag gegeben war. Für uns war es mit die schönste Anlage.

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Auch deshalb wirkt er weniger wuchtig. Unser Guide erklärte uns, dass dieser heute Frauentempel genannt werde, weil er so schön sei, wie Frauen.

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Es handele sich aber wohl um einen Übersetzungs- oder Translationsfehler. Er kommentierte die Sache so „Frauen sind durch Make-Up schön. Männer sind von Natur aus schön.“ (Guide-Scherz des Tages I)

Wir machen eine Mittagspause, diesmal nicht so im engsten Touristengebiet, daher verträglichere Preise (d.h. dieses Mal nicht auf westeuropäischem Hauptstadtniveau) und für uns eine sinnvollere Auswahl: für Florian gab es einen Kokosshake, für Thomas einen Cashewshake und für Barbara einen Obstteller.

Unser Weg führte uns nun zu einem Zuckerpalmendorf, wo wir einen kurzen Halt machen, um das Einkochen von Zuckerpalmensirup zu beobachten, der als Grundstoff für Bonbons genutzt wird. Wir probieren den Sirup, der dadurch gewonnen wird, dass die Früchte und Samenstränge der weiblichen und männlichen Palmen 3 Tage lang mit Werkzeugen geknetet werden, ehe man sie aufschneidet und den Sirup zum Kochen ausfließen lässt.

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Ein letzter Tempel stand noch auf dem Programm, ehe wir zurück zum Hotel und unsere Koffer für den Weiterflug holen mussten. …
zuletzt bearbeitet 03. Mai 2020
Themenstarter246 Beiträge · seit 201504. Mai 2020 · #29
Als letzter Tempel steht noch Banteay Samré aus dem frühen 12. Jahrhundert auf dem Programm. Der Vishnu geweihte Tempel heißt übersetzt Festung der Samré, eines legendären lokalen Volksstammes. Vor der Anlage sehen wir einen sehr schönen Cashewbaum.

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Der Tempel selbst wurde nach einer damals neuen Methode als erste komplette Tempelanlage zwischen 1936-1945 rekonstruiert. Sie liegt etwas abseits der üblichen Touristenpfade, gehört aber zu den schönsten und besterhaltenen Bauten der klassischen Angkor-Zeit und wurde zeitgleich mit Angkor Wat errichtet.

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Wie an allen anderen Anlagen gab es viele Stände, an denen Sehenswürdigkeiten kunsthandwerklich für allerlei touristische Mitbringsel vermarktet wurden.
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Nun vehikelten wir zurück zum Flughafen. Der Zahnriemen hielt wider Erwarten tatsächlich bis zum Ende unseres Aufenthalts durch. Dennoch mussten wir im Hotel noch mal etwas auf unseren Guide und den Transfer zum Flughafen warten. Guide und Fahrer erhielten aber ein ordentliches Trinkgeld, denn von dem eigenwilligen Humor und den mitunter recht misogynen Sprüchen des Guides abgesehen waren sie wirklich freundlich und hilfsbereit gewesen. Zu unserer Überraschung erhielten auch wir kleine Abschiedspräsente in Form von Halstüchern. Auf der Fahrt gab es noch das Bonmot des Tages. Wie sehen ein 5 Sterne-Hotel, an dessen Platz früher ein Gefängnis gelegen war: „Früher Gefängnis, heute 5-Sterne-Hotel- 5-Sterne-Gefängnis für Touristen, hehehe“ (Guide-Scherz des Tages II). Das wiederholte er mehrfach, bis er sich nicht mehr einkriegen konnte und lauthals loslachte, begleitet von Schenkelklopfen und bedrohlichem Vor- und Zurückwerfen seines dürren Halses.

Als wir die kleine Flughafenhalle für die Inlandsflüge - für Auslandsflüge der Millionen Touristen gibt es natürlich eine Riesenanlage - betraten, waren zwar schon einige Passagiere vor Ort, aber noch kein Schalter offen.
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Als es losging, gab es dann etwas Schwierigkeiten mit unseren E-Tickets. Da wir bloß 3 E-Ticketnummern für die 7 Flüge hatten, wussten wir nicht, welche Nummer zu welchem Flug gehören sollte. Es wurde viel probiert, Kollegen wurden zur Verstärkung gerufen und Florian wurde langsam panisch. Irgendwann konnten sie das Rätsel lösen, dass nämlich unser Flug mit Cambodian-Airlines über Vietnam-Airlines gebucht worden war. Als wir nach vielen Entschuldigungen und für uns sprachlich weitgehend unverständlichen Erklärungen unsere Bordkarten hatten, waren wir erleichtert. Die Handgepäcks- und Personenkontrolle lief dagegen problemlos, nur schaffte Barbara für weitere Schreckmomente: Sie wurde von der Security zurückgerufen, weil sie lediglich die Handtasche, nicht aber das Handgepäck mitgenommen hatte. Wir hörten etwas Hörbuch, als dann aber das Boarding losging, konnte Barbara ihre Bordkarte nicht mehr finden. Sie sagte, dass sie vergessen habe, die Karte nach der Personenkontrolle wieder aus der Schachtel zu nehmen und eilte mit Florian zurück zum Sicherheitscheck. Dort war das Ticket gescannt worden, es musste also noch vorhanden gewesen sein. Trotz allen Suchens und der Mithilfe des Personals wurden sie nicht fündig, so dass Florian wieder zu hyperventilieren drohte. In der Zwischenzeit hatte aber Thomas die Karte unter Barbaras Sitz gefunden. Sie hatte sie einfach fallenlassen und dann bei der Suche nach einer Erklärung sich selbst eine falsche Erinnerung suggeriert.
Das Flugzeug war eine Propellermaschine, für uns ohne Erfahrung auf kurzen Auslandsstrecken etwas neues.
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Der Flug war sehr ruhig, wohl der angenehmste der gesamten Reise, wenn auch ziemlich laut. Wir saßen in Reihe 1 bzw. Barbara hinter uns in Reihe 2 und freuten uns, endlich einmal keine Visaanträge ausfüllen und nicht immigrieren zu müssen.

Unsere neue Reisebegleitung, die uns am Flughafen Phnom Penh, abholte, war wieder das genaue Gegenteil der vorherigen. Kein sympathisch-alberner Clown, sondern ein Bauer, allerdings ein promovierter Agrarökonom, der anders als die bisherigen und die meisten späteren Guides niemals in Deutschland gewesen war, sondern an einer Fernuni studiert hatte. Er sprach ein nahezu perfektes und von allen das beste Deutsch, das er auch immer noch weiter zu verbessern suchte, war aber anders als die bisherigen Guides sehr steif und förmlich, stellte sich formvollendet als Herr Ra und den Fahrer als Herrn Tee vor. Er war deutlich älter und wirkte wie ein „wilhelminischer Verwaltungsbeamter“ (Barbara).

Da wir erst so spät ankamen, wurden wir nur noch schnell ins Hotel gebracht, das wir im Dunklen auch nicht mehr verließen.

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Ein wieder sehr, sehr langer Tag näherte sich dem Ende …

Wir besuchten lediglich die Dachterrasse, um einen Blick auf das nächtliche Panorama zu erhaschen.

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Das Hotel selbst war sehr interessant, eine ungewöhnliche, sehr moderne Architektur mit einigen Extras, wie z.B. extrem vielen kleinen Geckos und Eidechsen, die Thomas schon am Empfang an den Wänden auffielen und die man nicht belästigen sollte, weil sie dem Mückenschutz dienen.
Im Zimmer fiel uns die große Lautstärke der umgebenden Bars unangenehm auf. Wir hofften, dass sich das zeitig geben würde. Ganz interessant sah die unmittelbare Umgebung mit den engen Gassen aber schon aus.

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zuletzt bearbeitet 04. Mai 2020
Themenstarter246 Beiträge · seit 201506. Mai 2020 · #30
Di. 09.03.2017 Hase und Igel in Phnom Penh

Vor dem Terror der Roten Khmer war Kambodscha auch als die asiatische Schweiz bekannt. Heute finanziert sich die Hälfte des Staatshaushalts aus Entwicklungshilfe, es gibt immer noch 40% Analphabeten. Die Bevölkerung hat mit einem Jahreseinkommen von 1230 $ in den letzten Jahren zwar spürbar einen Wohlstandszuwachs erfahren, es ist immerhin doppelt so hoch wie in Laos, das merkt man sehr, aber die 80% agrarische Bevölkerung sind davon weitgehend abgeschnitten geblieben. Die Stadt hingegen wirkt mehr als Vientiane wie eine moderne Metropole, zumindest die Innenstadt, die wir zu Gesicht bekommen.
Die Nacht ist wie befürchtet unruhig. Ab 4:30 stehen wir endgültig senkrecht in den Betten: Vor dem Hotel ist es sehr laut, im Hotel dringt von den Fluren großes Gepolter herein und von den Straßen ein beständiger Alarm diverser Fahrzeuge mit Sirenen und Martinshörnern. Ein recht leckeres Frühstück mit Baguette, Käse, Obst, Joghurt, einer Käsewaffel mit Honig, Karottenkuchen und Bananenbrot gibt es erst um 6:45.

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Blick von der Frühstücksdachterrasse

Endlich sehen wir unser Hotel Patio auch im Tageslicht
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Unser Guide holte uns zu einer Tuk-Tuk-Fahrt durch die Stadt ab.
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Es war recht interessant und aufregend, so dicht im Verkehr zu sein. Wir merkten jetzt die Verkehrssteigerung gegenüber Laos sehr deutlich. In Südvietnam und noch schlimmer in Nordvietnam würde sich das weiter steigern. Phnom Penh, heute 1,8 Mio Einwohner, wurde 1434 nach dem Fall Angkors durch einen siamesischen Vasallenkönig gegründet. 1866 machte man die Stadt wegen ihrer strategisch günstigen Lange zur Hauptstadt. Sie hat sich von der Zeit der Roten Khmer, die sie zu einer leeren, stinkenden und verseuchten Geisterstadt machten, noch nicht vollständig erholt, bietet vielmehr mancherorts noch immer ein Bild des Elends. 1979 hatten vietnamesische Truppen die Roten Khmer aus der Hauptstadt vertrieben. Allerdings ist das vietnamesische Eingreifen immer noch Grund für Spannungen, die, so glauben zumindest die Südvietnamesen, von China noch befeuert werden – divide et impera. Wir hielten am Königspalast
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und konnten dabei einen kurzen Blick auf das Justizministerium gegenüber werfen,
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in dem früher die oberste Verwaltungsbehörde der französischen Kolonialmacht untergebracht war, und auch auf den obersten Gerichtshof.
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Im Königspalast begann ein Hase und Igel-Spiel. Unser Guide lotste uns geschickt um die riesigen Touristenströme herum, so dass wir immer schon vor Ort waren, wenn die abgehetzten Touristen eintrafen und wir uns dann wieder leise davonmachten. Das Ganze war recht beeindruckend koordiniert. Außerdem verfügte Herr Ra über ausgezeichnete Sachkenntnisse. Der einzige kleine Schönheitsfehler war, dass er diese Kenntnisse etwas zu gerne an den Mann oder die Frau brachte und er mehr Zeit für seine Voraberklärungen als für die eigentlichen Besichtigungen einräumte.
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Dennoch gelangen sehr schöne Photos frei von den überbordenden Menschenmengen, die immer knapp hinter uns heranwogten. Gut gefiel uns z.B. die Fassade der 1917 errichteten Thronhalle, dem Gebäude für Krönungsfeierlichkeiten, Staatsempfänge und dergleichen.

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Es gab ein eigenes Gebäude für die Festgelage, den Mondlichtpavillon, in dem früher das königliche Ballett auftrat,
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einen königlichen Ruheraum,
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eine eigene Wartehalle für die Gäste vor einer Audienz
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Hor Samrith Phimean Wartehalle (vorne) – Damnak Chan Büros (rechts hinten)

und eine Tanzhalle.
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Phochani Pavillon – Tanzhalle

Ein Teil des Palastareals war allerdings als königlicher Privatsitz abgesperrt, da der König auch heute noch dort residiert.
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Wir begaben uns in das Areal des königlichen Tempelklosters und erreichten die berühmte Silberpagode vor den Besucherströmen.

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Sie trägt ihren Namen wegen der über 5000 Bodenkacheln zu einem Gewicht von je 1,125kg mit einem Silberanteil von 42%, was ein Gesamtgewicht von über 7,5t Silber bedeutet. In der Mitte befand sich ein großer Buddha aus 90 kg Gold, verziert mit über 2000 Diamanten, von denen 4 25 Karat, 5 20 Karat und der Rest ca. 7 Karat hatten. Schließlich stießen wir auf Uniformierte und unser Guide zeigte uns darunter den burmesischen Verteidigungsminister. Er stellte im Hinblick auf den hohen Besuch die süffisante Frage, ob am Abend alle Buddhastatuen und Kunstschätze noch vorhanden sein würden und deutete an, dass es nicht unüblich sei, dass solch hoher Besuch gerne etwas aus kambodschanischen Museen mitgehen ließe, das ihm gefalle. Auch sahen wir ein napoleonisches Reiterstandbild König Norodoms I., der 1863 die territoriale Integrität Kambodschas rettete, indem er sein Land den Franzosen auslieferte und damit einer Zerschlagung durch Siam zuvorkam.

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Königliche Stupa

Nach dem Besuch des Königspalasts ging es ein kleines Stück weiter zum Nationalmuseum.

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Nationalmuseum

Es besaß sehr viele interessante Exponate – vor allem aus Angkor –, war jedoch wieder einmal museumsdidaktisch in den älteren Bereichen nahezu vorsintflutlich aufbereitet, jedoch mit immerhin ein paar allgemeinen Tafeln und einem Audioguide, für den wir natürlich keine Zeit hatten. Nach einer kleinen Einführungsrunde bekamen wir von unserem Guide nur 30 min, um das Museum auf eigene Faust zu erkunden.

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Das war viel zu wenig, aber dem engen Reiseplan geschuldet, der für Phnom Penh leider nur einen halben Tag vorsah. Hier hätten wir sicherlich intervenieren sollen und einen Zusatztag buchen. Allerdings war es hinsichtlich bewilligter Urlaubslänge ohnehin alles sehr knapp und wir hatten auch für einen späteren Zeitpunkt einen Zusatztag gebucht, der keinesfalls eine Enttäuschung war …
zuletzt bearbeitet 06. Mai 2020
Themenstarter246 Beiträge · seit 201507. Mai 2020 · #31
Nichtsdestoweniger hätten wir lieber für den zentralen Markt, auf dem uns unser Guide für eine Dreiviertelstunde alleine ließ, deutlich weniger Zeit eingeplant. Wahrscheinlich wünschen die meisten Touristen aber eine solche Zeitaufteilung. So etwas sollte individuell abgesprochen werden.

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Zum Abschluss durften wir noch eine halbe Stunde im Hotel verschnaufen, ehe wir zum Mekong gebracht wurden. Dort würden wir in ein Schnellboot gesetzt werden, dass uns nach Vietnam brächte. Es stand also eine Grenzüberquerung auf dem Seeweg an. Der Weg zum Bootssteg – wir waren zeitlich knapp dran, erwies sich als schwierig, weil die Metallrampe sehr steil und die schmale Treppe an der Seite auf absehbare Zeit von ankommenden Passagieren blockiert war. Thomas blieb zurück, weil ihn das Profil seiner Schuhe fast nicht halten konnte und er keine Chance sah mit seinem Koffer sturzfrei nach unten zu gelangen, er aber andererseits wegen des Krachs die anderen rufend nicht erreichen konnte. Schließlich kehrte Florian aber um, dessen eigener Koffer aber kaputt ging, indem auf der steilen Rampe das Griffgelenk des Koffers unter seinem Gewicht brach.

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Die Schnellbootfahrt führte über eine malerische Strecke den Mekong entlang, die Frau unseres Guides wollte von ihren Feldern aus winken, aber wir sahen sie nicht.

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Die Hütten außerhalb der Stadt waren oft nur Verschläge.

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bis wir nach ca. 3 Stunden die vietnamesische Grenze erreichten.

Unsere bisherigen Guides hatten uns darauf hingewiesen, dass, je mehr wir uns der Grenze näherten, desto seltener der Anblick von Hunden werden würde, da die Vietnamesen angeblich über die Grenze hinweg Raubzüge für ihre Kochtöpfe durchführen würden. Wie dem auch sei, während die Emigration aus Kambodscha nur wenig mehr als 5 Minuten dauerte,

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Kambodschanische Grenzstation
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Die Grenzschützer züchteten auch Kampfhähne

mussten wir, als wir für die Immigration nach Vietnam erneut anlegen mussten, deutlich länger warten. Nur Barbara durfte wegen ihres fortgeschrittenen Alters mit zwei Grenzposten auf dem Boot bleiben.
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Die Bootscrew erledigte für alle Passagiere die Einreiseformalitäten, was wohl recht kompliziert gewesen sein soll. Wir hatten eher den Eindruck, als sei die Behörde verwaist und es musste erst einmal ein Beamter herbeigeschafft werden. Die einzigen Bewohner der Grenzstation schienen eine schwangere Katze und ein hinkender Kater zu sein. Warum wir für das Prozedere überhaupt aussteigen mussten, blieb ein Rätsel, denn außer in einem Warteraum zu sitzen, bis uns unsere Bootsführerin wieder abholte, hatten wir nichts zu tun und bekamen keinen Beamten zu Gesicht. Im Aufenthaltsraum wartete noch eine Großgruppe Italiener, die niemanden fanden, der den dortigen Imbiss/Kiosk in Betrieb nehmen konnte.
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Heckansicht der Grenzstation

Auf vietnamesischer Seite nahm der Bootsverkehr merklich zu. Viele Schiffe waren so überladen, dass sie so tief im Wasser lagen, dass das gesamte Deck unter Wasser stand.
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Ein Tankstop auf dem Wasser wurde notwendig.
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Immerhin bekamen wir einen schönen vietnamesischen Sonnenuntergang über dem Mekong zu sehen.

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Vietnam hat heute 95 Mio. Einwohner und damit die zehnfache Bevölkerungsdichte von Laos. Die Bevölkerung wächst weiter, wenn auch nur mit der Hälfte der Geschwindigkeit von Laos oder Kambodscha. Es gibt schon aufgrund der Bevölkerungsdichte große Umweltprobleme, hinzu kommen ökologische Kriegsschäden, die Abholzung, Brandrodung, Wilderei und natürlich noch eine recht schmutzige Industrie. Die Lebenserwartung bewegt sich aber bereits auf einem mit Mitteleuropa vergleichbaren Niveau. Das BIP betrug 2016 2173 $ pro Kopf, also knapp das Doppelte von Kambodscha oder das Vierfache von Laos. Allerdings gibt es ein massives Stadt-Land-Gefälle, obwohl die Armutsrate von 60% 1993 auf 11,5 % heute gefallen ist.
Das Ufer war jedenfalls sehr viel dichter besiedelt

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Soziale Probleme existieren in Form grassierender Korruption, verbreiteter Drogenkonsum, im Vergleich zu den Nachbarn erhöhter Kriminalität und einer Aidswelle, die alle nur halbherzig bekämpft werden. Interessanterweise gehörten aber zur vietnamesischen Hotelbadezimmerausstattung zum Teil aber Kondome. In der Dämmerung näherten wir uns endlich dem Ufer, wobei Barbara ein besonders prächtiger Bau auffiel und sie von uns wissen wollte, um was es sich dabei handele. Wir hatten natürlich keine Ahnung, jedoch stellte Thomas die Vermutung auf, dass es sich um unser Hotel handeln könnte. Tatsächlich war es das Victoria-Hotel Chau Doc.

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Ansicht vom nächsten Morgen

Wir stiegen am hoteleigenen Bootssteg aus und wurden mit einem besonders leckeren Begrüßungsdrink und von unserer neuen Guide empfangen. Leider bekamen wir, wohl wegen der späten Ankunftszeit und in Anbetracht der Tatsache, dass wir nur eine Nacht blieben, die schlechtesten Zimmer: gleich im ersten Stock und zur Straßenseite. Wir fürchteten zu recht wieder einmal um unseren Nachtschlaf, freuten uns aber über das luxuriöseste und schönste Etablissement der Reise.
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zuletzt bearbeitet 08. Mai 2020
Themenstarter246 Beiträge · seit 201509. Mai 2020 · #32
Mi. 10.03.2017 Vietnamesische Verkehrsschulung
Unsere neue Guide, Chau, war eine sehr junge Frau, frisch von der Universität und überzeugte südvietnamesische Großstädterin. Ihr lag es weniger, das Programm soweit möglich zu verdichten und so hatten wir mehr Pausen und etwas spätere Startzeiten. So begaben wir uns erst um 7:15 zum Frühstück. Wir schauten uns wohl zu lange und vorsichtig um, denn schnell wurden wir an einen Tisch gewiesen, den mit großem Abstand schlechtesten und hässlichsten Platz im Restaurant, obwohl eigentlich noch mehr als genug Platz war. Wie immer fehlte uns der Mut, diesmal um um einen anderen Tisch zu bitten. Das Frühstück war sehr opulent, aber nicht besonders vegetarierfreundlich. Dennoch gab es natürlich auch für uns neben dem üblichen Baguette und Obst diesmal sehr leckeren Käse und Pfannkuchen mit hausgemachter Ingwer- bzw. Passionsfruchtmarmelade.

Da wir noch Zeit hatten, versuchten wir nun an Bargeld zu gelangen. Auf der Suche nach einem ATM wollten wir die Einkaufspassage gegenüber dem Hotel ansteuern. Das gestaltete sich ob des unglaublichen Verkehrsaufkommens äußerst schwierig. Als wir es geschafft und einen Automaten gefunden hatten, wurde unsere Mühe nur teilweise belohnt, denn statt der gewünschten 3,5 Mio Dong, wollte er uns nur 2 Mio auszahlen.
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‚Millionäre‘

Im ersten Stock sahen wir noch eine Spielhalle mit Videospielen, sehr bunt, sehr laut, sehr fremd.
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Um 9:30 startete endlich das Tagesprogramm mit einer kleinen Bootsfahrt von der hoteleigenen Anlegestelle zu einer Fischfarm.
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Die Farmer züchteten unter dem Hausboden Pangasius. Es wurde recht interessant erklärt und eine Fütterung demonstriert.
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Die Aufzucht dauert etwa 11 Monate, in der die Farmer eine Gewichtszunahme von 50g auf ca. 1-1,5 kg pro Fisch erreichen. Sie füttern mit einer Mehlmischung aus Reis- und Fischabfällen, die durch eine Art Fleischwolf gedreht wird,

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wobei feste Brocken entstehen,
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die sie in die ca. 5 Meter tiefen Aufzuchtbecken werfen.
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Anschließend fahren wir noch weiter zum Dorf Chau Giang,
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das von einer muslimgläubigen ethnischen Minderheit, den Cham, bewohnt wird, die einstmals eine führende Hochkultur waren, die sogar das Khmer-Reich von Angkor eroberte. Heute gehören ihnen nur noch einige zehntausend Menschen in versprengten Enklaven an.
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Die Hochwasserstände der vergangenen Jahre

Wir sehen uns eine verschlossene Moschee an, die natürlich von reichen ausländischen Glaubenbrüdern finanziert unverhältnismäßig prächtig aus der umliegend doch überwiegend vorherrschenden Verwahrlosung oder zumindest bitteren Armut heraussticht.
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Anschließend kehrten wir zum Hotel zurück und begannen unsere nächste Busetappe von Chau Doc nach Can Tho.
Eine gewisse Abwchslung bieten Flussarme und Kanäle
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Und all die zur Straße offenen Handwerksläden.
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Die Fahrt war an sich recht langweilig und die Strecke nicht gerade schön, aber unser Fahrer machte uns nun endgültig mit dem vietnamesischen Verkehr vertraut. Obwohl er ziemlich raste, gingen andere Verkehrsteilnehmer noch deutlich schneller und aggressiver zu Werke. Jedoch wurden wir, als wir gerade das Gefühl hatten, dass die Fahrt etwas langsamer und entspannter geworden war, von der Polizei herausgewunken. Wir hatten ebenso wie Chau keine Ahnung, was los war und waren entsprechend etwas beunruhigt; hinterher erfuhren wir, dass der Fahrer eine Strafe wegen Geschwindigkeitsüberschreitung erhalten hatte. Er bekam ein sehr umfangreich ausgefülltes Formular in rosa Farbe ausgehändigt, weil er wohl 59km/h statt 50km/h gefahren war. Der Fahrstil ließ anschließend keinen Unterschied erkennen. Als wir auf einen Zebrastreifen zufuhren, den zwei Jungen mit Fahrrädern überqueren wollten, begann er laut zu hupen, und als wir den Zebrastreifen erreichten, fuchtelte er wild mit den Händen, um die Jungen vom Zebrastreifen zurück neben die Straße zu scheuchen. Chau erklärte uns, dass man in Vietnam zum Überholen hupen und die Hupe so lange drücken muss, bis der Überholvorgang abgeschlossen ist. Entsprechend infernalisch ist der Krach auf den Straßen, denn alle wollen überholen – von allen Seiten. Weiterhin keine Aussicht auf hinreichend Schlaf.
Nach einer hitzebedingten kurzen Rast im neuen Hotel, dem zweitschlechtesten der Reise, machten wir uns auf eigene Faust auf den Weg zu einer kleinen Stadterkundung durch Can Tho,
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bevor die Roller heranbrausen …

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Abholung von Schulkindern

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Straßenhändler im Wortsinn

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Auf dem Alten Markt trafen wir schließlich schon wieder auf ein Ehepaar, dem wir bereits auf dem Flug nach Phnom Penh und morgens auf der Fischfarm sowie bei anderen Gelegenheiten begegnet waren. Sie hatten auch bei Dao gebucht, aber eine andere Hotelkategorie und auch nicht ganz die gleiche Strecke. In einem Einkaufszentrum suchten wir nach einer SD-Karte für Barbara, wurden aber in den Elektronikläden nicht fündig.

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Wenn man ohne Smartphone keine ganze Fahrt schafft …

Zurück am Hotel, von dem wir nachdrücklich abraten, war es Zeit, Schlafen zu gehen.
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zuletzt bearbeitet 09. Mai 2020
Themenstarter246 Beiträge · seit 201510. Mai 2020 · #33
Do. 11.03.2017 Schwimmender Markt in Can Tho

Wir frühstücken um 6:15, denn heute wollen wir einen schwimmenden Markt besuchen, dessen Handelsverkehr in den frühen Morgenstunden stattfindet. Es gibt Brötchen, Muffins, Obst und Omelette. Um 7:30 startet unsere Bootsfahrt.

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Nach wenigen Minuten kommt es zu einem kurzen Stopp. Unser Steuermann musste in den Mekong tauchen, um die Schiffsschraube zu befreien, in der sich eine Plastiktüte verfangen hatte. Das scheint recht häufig vorzukommen, die Boote besitzen jedenfalls alle eine kleine Kabine, in der sich der jeweilige Bootsführer umkleiden kann. Als wir den Markt wenig später erreichten, befand dieser sich schon fast in Auflösungserscheinungen, denn wir waren zu spät dran. Der Nachteil der jüngeren, hedonistischer veranlagten Reiseleitergeneration. Dennoch sahen wir noch einen Rest des interessanten Handelsgeschehens in einer ungewöhnlichen Atmosphäre, außerdem haben wir vom Wasser aus einen Blick auf eine Millionenstadt, in der altes und neues sehr nahe beisammen stehen.

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Der Markt ist letztlich ein Sammelpunkt von Schiffen, an dem Käufer und Verkäufer zusammenkommen.

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Interessierte Käufer fahren das Schiff an und der Handel beginnt, woraufhin unmittelbar die Ware vom einen auf das andere Schiff verladen wird. Die Transaktionen erfolgen von Bord zu Bord, angereicht

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oder geworfen.

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Nicht jeder hat viel anzubieten.

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Wie überall gibt es Vor-Ort-Gastronomie

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Allmählich löst sich das Geschehen auf …

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Das jeweilige Produktangebot des Verkäufers wird auf einem weithin sichtbaren Bambusspieß ausgewiesen,

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Verkäufer sind die am Flussnetz ansässigen Bauern, Käufer sind kleinere und größere regionale Abnehmer, die Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch für ihr jeweiliges Gewerbe einkaufen, z.B. Restaurants oder Zwischenhändler.
Nachdem wir die allmähliche Auflösung des morgendlichen Marktgeschehens beobachtet haben, fahren wir zu einer Anlegestelle.

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Motel, echt?
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Von dort geht es weiter zu einer traditionellen Nudelfabrik, die noch alles in Handarbeit herstellt. Es werden dort aus 70% Reis- und 30% Maniokmehl bis in die Mittagszeit Fladen gefertigt,

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diese anschließend in der Sonne getrocknet,

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geschnitten

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und verpackt. Die kleine Fabrik produziert täglich 800 kg, zum Neujahrsfest bis zu 1000kg.
Da die Einnahmen für den Kauf von Brennmaterial nicht ausreichen, werden Stoffreste verfeuert, die sie kostenlos bekommen können.

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Es ist ein Knochenjob. Vom Flussufer zur Nudelfabrik bekamen wir einen Eindruck vom Leben der einfacheren Bevölkerung. Recht eindrücklich war eine private Kita, die letztlich nur aus einen großen vergitterten Raum bestand, in dem ein Fernseher liefen und in dem die Kinder sich weitgehend selbst überlassen waren, während der Betreuer teilnahmslos auf den Bildschirm starrte. Eine reine Verwahranstalt.

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Außerdem sehen wir auf dem Weg kreative Einbruchsicherung: in die Umgrenzungsmauern eingemauerte Glasscherben
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und das kleinste Kätzchen, das wir je zu Gesicht bekommen haben.
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Unsere Guide gab uns auf dem Rückweg ein Stück von einem Reiswaffel-Bananencracker zu probieren, den sie sich am Wegesrand gekauft hatte. War lecker. Anschließend kehrten wir zum Hotel zurück und traten zur Fahrt nach Saigon an. ...
zuletzt bearbeitet 10. Mai 2020
Themenstarter246 Beiträge · seit 201511. Mai 2020 · #34
Nach den letzten beiden zwar interessanten, aber nicht gerade unbedingt attraktiven Zielen nun also endlich Saigon! Unsere Unterkunft war das wunderschöne Grand Hotel.

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Casino ist nichts für uns, aber schon imposant.
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Nachdem wir unsere Sachen abgestellt hatten, machten wir einen Spaziergang. Schon die Hotels sind geschichtsträchtig und ein toller Anblick

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Auf dem Weg zur Uferpromenade

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waren wir angesichts des Verkehrsaufkommens so hilflos, dass ein Einheimischer herüberkam, um uns auf die andere Seite zu helfen. Dieser versuchte anschließend sehr penetrant, uns eine Bootsfahrt zu verkaufen. Touris auf diese Weise zu ködern war wohl seine Verkaufsmasche. Uns war klar, dass für die Überquerung irgendeine Gegenleistung erwartet werden würde, aber was sollten wir tun, vor ihm weglaufen und die Straße nicht überqueren? Recht interessant ist die Statue von Trần Hưng Đạo,

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der zwischen 1257 und 1288 drei chinesische Eroberungsversuche unter Kublai Khan abwehrte, was bis heute als größte militärische Leistung der vietnamesischen Geschichte gilt.
Für die meisten historischen Gebäude wie die am 1. Januar 1900 eröffnete Oper

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würde am nächsten Tag noch genug Zeit mit der Führung sein.

Den Rückweg schafften wir an einer durch einen Kreisverkehr etwas leichteren Stelle und suchten nun ein Restaurant auf, das Chau empfohlen hatte. Es sah ansprechend aus und wir konnten tatsächlich einmal gut essen. Florian bekam vietnamesischen braunen Reis mit Cashew und Basilikum sowie einen Erdbeer-Zuckerrohr-Saft, Thomas hausgemachten Tofu mit Zitronengras, in dem der Chili etwas fehlte, sowie einen auszeichneten Avocado-Smoothie, Barbara schließlich gebratene Glasnudeln mit Gemüse und Tofu und ein Hibiskus-Frappé.

Anschließend kehrten wir ins Hotel zurück, um im Dunkeln (21:00) über die dann für den Verkehr gesperrte Fußgängerzone zu flanieren. Die berauschend-herrliche Atmosphäre dort lässt sich mit Bildern nur sehr ungenügend einfangen.

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Halb Saigon war auf den Straßen, es war ein sehr schönes, sehr stimmungsvolles Erlebnis, bei dem wir vor allem die einheimische Jugend etwas beobachten konnten.
Aber obwohl unser Zimmer diesmal im 9. Stock war, war es wieder sehr laut.

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Langsam summierte sich unser Schlafdefizit und uns wurde klar, dass wir, wenn es so weiterginge, am Ende der Reise mehr als urlaubsreif sein würden.
zuletzt bearbeitet 11. Mai 2020
Themenstarter246 Beiträge · seit 201513. Mai 2020 · #35
Fr. 12.03.2017 Saigon im Schweinsgalopp

In Saigon, das auch als Paris des Ostens bekannt ist, erwirtschaftet man heute das Dreifache des vietnamesischen Durchschnittseinkommens. Die eigentliche Gründung erfolgte erst 1698, 1862 wurde Saigon Kolonialhauptstadt, nachdem Tu Duc in Hue seine drei südlichsten Provinzen an Frankreich abtreten musste. Nach der nordvietnamesischen Besetzung 1975 drohte ein Ausbluten, da 1978 ein Verbot jeglichen privaten Handels und Enteignungen folgten. Es kam zu einer Emigrationswelle über die Landesgrenzen hinweg, vor allem auch der Ausländer, insbesondere Chinesen. Die Reformen von 1986 machten die Stadt seit den 1990er Jahren zum Wirtschaftszentrum des Landes. Die Bevölkerung beträgt heute mindestens 8,5 Mio. also das Doppelte Berlins, hinzu kommt wohl eine riesige Zahl nicht registrierter Einwohner, vielleicht sogar in noch mal annähernd gleicher Zahl.

Um 7:30 gab es ein außerordentlich gutes Frühstücksbuffet. Wir probierten je nach Neigung Sushi, gebratene Nudeln, gebratenes Gemüse, Pfannkuchen, Kuchen, Obst, Brot oder Brötchen mit endlich einmal gutem Käse. Erst um 11:30 starteten wir mit der Saigon-Besichtigung. Chau war immer noch verschlafen, denn sie hatte sich natürlich sofort in das Partyleben stürzen müssen, wie sie uns lächelnd erzählte. Leider etwas unprofessionell.

Wir starteten am Tempel des Jadekaisers,

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dies wurde eine Besichtigung in unbeschreiblichem Klima(oder: wer zu spät kommt, den bestraft das Leben): Der hyperkommerzialisierte Quatsch war völlig überlaufen, zudem bekam man kaum Luft, sowohl wegen der Menschenmassen als auch der Unmengen an Räucherstäbchen.
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Er gilt als schönster taoistischer Tempel Vietnams und wurde 1909 von chinesischen Einwanderern erreichtet. Die zahlreichen Figuren des taoistischen Pantheons auf unseren Bildern im Nachhinein zu identifizieren gelang uns nicht.

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Links fanden wir zwei Räume. Der vordere Raum gehört allen Göttinnen, die zwölf Frauenstatuen an den Seiten stehen für die Jahre im chinesischen Kalenderzyklus.
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Die Holzreliefs des hinteren Raums bilden die Qualen der taoistischen Hölle ab und werden vom Höllenkönig und seinen Pferden bewacht.
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Als wir endlich wohlbehalten – im Brandfall sicherlich eine riesige Todesfalle – wieder draußen waren, gingen wir weiter zur Kathedrale Notre Dame, die jedoch wegen sonntäglichen Gottesdiensts für uns geschlossen blieb,

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und zur alten Hauptpost, deren verschiedene Weltzeituhren schon seit Jahren nicht mehr gestellt worden waren.

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Dieser schöne Bau wurde in den 1890er Jahren von Gustave Eiffel entworfen.


Weitere Impressionen unserer Stadtbesichtigung:
Rathaus
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Oper
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Fußgängerzone – jetzt am Tage unbelebt
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Markt
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Der wichtigste Punkt unserer Stadtbesichtigung war der Wiedervereinigungspalast.
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Ursprünglich 1869 als Sitz des französischen Gouverneurs errichtet, wurde er 1962 durch einen rebellierenden Fliegeroffizier bombardiert und zerstört. Der Neubau erfolgte im Stil der 1960er Jahre, von den sechs Stockwerken sind zwei unterirdisch angelegt.1975 nahmen ihn Nordvietnamesen ein. Dort wurde die Wiedervereinigung besiegelt. Wir unterhielten uns recht angeregt mit Chau über die Situation im Land. Auch die Polizei bekam ihr Fett weg, besonders die nordvietnamesische („Mafia mit Genehmigung“).

Staatlicher Bankettsaal
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Kabinettraum
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Konferenzsaal
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Vice-Presidents Reception Salon
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Ambassadors Chamber
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Kinosaal
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Auf weitere Bilder zu den derart ausgestatteten Räumen, etwa das Präsidentenbüro, sein Wartesaal etc. kann aus Ermüdungsgründen verzichtet werden. Interessant ist aber wieder die
Dachterrasse
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Als wir auf der Dachterrasse einem exzentrisch exaltierten älteren, wohl britischem Herrn in lilafarbener Hose und leider viel zu kurzem bunten Frauenhemd begegneten, bewunderte unsere Guide dessen Mut und die Freiheit des Westens, so herumzulaufen wie man wolle, was in Vietnam, in der die traditionelle vietnamesische Familie mit ihren Sittenvorstellungen das Leben dominiere, nicht möglich sei. Homosexualität ist tabuisiert, anders als in Kambodscha.

Vom Dach aus stiegen wir schließlich in den Luftschutzkeller, einem interessanten Gewirr von Gängen und Ruinen, wie die anderen Räume historisch beibehalten.
Bunker Kommandozentrale
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Bunker Kommunikationszentrale
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Da wir anschließend immer noch Zeit hatten und Barbara interessiert war, gingen wir ins Kriegsreliktemuseum, einem Propagandamuseum der nordvietnamesischen Siegermacht, das Chau wieder zu interessanten Überlegungen über die Rollenverteilung von ‚gut‘ und ‚böse‘ im Vietnamkrieg inspirierte. Uns verschaffte es einen Eindruck vom Lebensgefühl der jungen großstädtischen Elite sowie vom Fortbestehen des Nord-/Südgegensatzes auch im Denken der Menschen, die im vereinigten Land geboren sind. Sie meinen sich noch immer vom Norden besetzt und werfen den Amerikanern noch immer vor, sie im Stich gelassen zu haben, und zwar aus ihrer Sicht kurz vor Zusammenbruch der nordvietnamesischen Armee. Das Museum selbst enthielt eine sehr interessante Dokumentation über die amerikanischen Kriegsphotographen, natürlich vor allem mit ihren schrecklichsten Aufnahmen. Florian wurde so übel, dass er sich nicht mehr alles ansah. Darüber hinaus war es leider wirklich primitiv-plumpe Agitprop, die dort zelebriert wurde als befänden wir uns noch in den 80er Jahren. Florian notierte als Fazit, dass der Museumseintritt die einzige Geldausgabe der Reise war, die er bereute. Chau wartete mit einigen Freunden oder Bekannten bei einem Kaffee auf uns. Sie hatte das Museum zwei Mal besuchen müssen wegen ihrer Ausbildung, weigert sich aber die Siegerpropaganda zu unterstützen und das Gebäude zu betreten. Thomas bemängelte wieder einmal die Museumsdidaktik, fand den Besuch aber als lehrreiche Erfahrung lohnend.

Obwohl wir so spät gestartet waren, hatten wir doch in kurzer Zeit viel gesehen, mussten aber wiederum noch am selben Tag die Stadt verlassen. Die Fahrt zum Flughafen ging schneller als erwartet. Chau durfte nicht mit hinein und zeigte uns von außen den Schalter. Da dieser nur vietnamesisch beschriftet war, fragte Florian beim Flughafenpersonal nach. Man wies uns in die Schlange ein, wir hätten noch viel Zeit. Am Ende der Schlange stand eine Frau mit Headset in der Hand und einem Lautsprecher am Gürtel und rief gelegentlich Flüge auf, deren Check-In auslief und deren Passagiere dann die Absperrungen umgehen und sich an den Anfang der Schlange durchwühlen sollten. Unser Check-In verlief fast problemlos, allerdings galt hier eine Sonderbestimmung, dass keine Kameras im Koffer transportiert werden durften, weshalb wir diesen noch einmal öffnen mussten. Nachdem wir die Sicherkontrollen passiert hatten, fanden wir, wie auch sonst an jeder Straßenecke, einen Spa mit diversen Massageangeboten. Duty-free auf vietnamesisch.

Der Flug nach Hue wurde von leichten Turbulenzen beeinträchtigt, aber mit einer butterweichen Landung versüßt. Hue war seit dem 17 Jh. Ausgangspunkt des Wirkens des Nguyen-Clans und wurde folglich 1802-1945 vietnamesische Hauptstadt. Hue hat heute 340.000 Einwohner, wurde aber 1968 in der Schlacht um Hue stark beschädigt. Unser neuer Guide holte uns ab, der 61-jährige Mr. Min, ein ausgezehrter, linientreuer Eiferer mit viel militärischem Schliff. Er stellte damit den größtmöglichen Kontrast zu Chau dar und Thomas war binnen kürzester Zeit überzeugt, einen Kriegsveteranen vor sich zu haben. Auf dem Weg zum Hotel erzählte er viel komisches Zeug. Vietnamesisch sei eine Dialektsprache wie deutsch und Hue sei wie Heidelberg: viele Touris, viele Unis, gutes Medizinstudium, seltsame Aussprache (= Guide-Spruch des Tages).
Zu unserem Befremden erläuterte er den Hauptunterschied zu Deutschland mit der Gemütlichkeit Vietnams, wo nicht alles „zack-zack“ gehe. Da er seinerseits sehr auf ‚zack‘ war, konnten wir uns ein Lachen kaum verkneifen, insbesondere als wir sahen, wie er das Hotelpersonal mit unseren Koffern scheuchte.
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Wir hatten wieder einmal die Schrottunterkunft des Hauses abbekommen. Es war sehr laut im Zimmer und als wir auf den Balkon gingen, um die Ursache herauszufinden stellten wir fest, dass unser Balkon als Abstellfläche nicht nur unserer, sondern auch der beiden benachbarten Zimmerklimanlagen genutzt wurde. Die Balkontür ließ sich nicht mehr schließen. Florian ging zur Rezeption. Der Rezeptionist war ungläubig-amüsiert, versprach aber, einen Angestellten vorbeizuschicken. Der junge Mann zog brav vor dem Zimmer die Schuhe aus, besah sich dann die Tür von allen Seiten – es fehlte nur noch, dass er sie beschnüffelte – und stellte schließlich verdutzt und konsterniert fest, dass sie klemmt. Mehr als diese uns nicht ganz neue Tatsache nach unten durchzugeben, konnte er aber nicht tun, er musste jemand anderen vorbeischicken. Ein ebenso junger Mann kam mit Hammer, Schraubendreher und anderem unpassendem Werkzeug und hämmerte so lange damit gegen die Tür und den Rahmen, dass Florian fürchtete, dass die Tür herausfallen würde. Er sah uns schon in ein anderes Zimmer umziehen. Leider blieb sie dann doch im Rahmen stecken, ehe sie herausfallen konnten, nachdem der Angestellte gleichzeitig ohnmächtiges Zuschlagen und planloses Anhebeln mit einem großen Schraubenschlüssel kombiniert hatte. Wir würden natürlich nicht das Risiko eingehen, sie noch einmal zu öffnen, hatten aber ohnehin kein Bedürfnis, den Klimaanlagen Gesellschaft zu leisten.
zuletzt bearbeitet 13. Mai 2020
Themenstarter246 Beiträge · seit 201515. Mai 2020 · #36
Sa. 13.03.2017 Mit dem Vietkong auf Bildungsreise durch Hue oder Lost in Translation

Zur Abwechslung war es einmal nicht der Fahrzeuglärm der Straße, der uns nicht schlafen ließ, nein diesmal begann bereits um 4:30 ein nervtötendes Musikgedudel, das bald wieder von Autohupen unterstützt wurde. Um 7:30 frühstückten wir sehr ordentlich gebratenen Reis mit Ei, Grüne Tomaten, Salat, Crêpes, Kuchen, ehe wir uns auf den Weg zur Königsstadt machten.

Eine Besiedlung des Landes ist seit der Altsteinzeit nachweisbar. 111 v. Chr. begann eine 1000jährige chinesische Besatzung. Nach einer weiteren kurzen Annexionsphase im 15. Jahrhundert zersplitterte das Gebiet in die Herrschaftsräume rivalisierender Clans mit ihren Warlords, ehe es 1802 dem Nguyen-Clan gelang, das Land unter ihrer Herrschaft zu einen. Mit dem Bau der Zitadelle begann der vietnamesische Kaiser 1804. Unser Guide erzählte uns auf der Fahrt viel über Zahlensymbolik, bei der die Zahl 9 mal wieder eine große Rolle spielte – etwa 4+5=9 heilige Kanonen, sie stehen für die 4 Jahreszeiten und die 5 Elemente. Beim Flaggenturm und anderen kaiserlichen Bauten findet man regelmäßig 3 Ebenen oder Stufen, die für die Erde, die Menschen und den Himmel stehen, über denen der Kaiser thront.

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Flaggenturm

Durch ein Tor ging es in die innere,
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die purpurne verbotene Stadt.
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Recht interessant wurden wir über das Leben der kaiserlichen Familie informiert. Wollte eine seiner Frauen die verbotene Stadt verlassen, musste sie nicht nur um Erlaubnis fragen, sondern bekam eine genau bemessene Zeit zum Ausgehen zugestanden und ein Eunuch notierte am Ausgang die genauen Zeiten. Nach Verstreichen der Frist suchte man sie, fand man sie dann, bedeutete es „Frau kaputt, Kopf ab“, gleich welchen Grund die Verspätung hatte, so unser Guide (Guide-Martialität des Tages I). Wir fühlten uns in der martialischen Ausdrucksweise an Angkor erinnert, nur dass Mr. Min selbstverständlich niemals lächelte oder gar lachte. Es wirkte eher so, als wolle er uns seine Fakten einbläuen, in die Schädel hämmern.

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Im Thế Miếu Tempel
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werden seit 1822 die Kaiser der Nguyen-Dynastie verehrt. Vom ersten Kaiser in der Mitte aus wurde nach rechts gerade, nach links ungerade weitergezählt, was etwas mit dem Gleichgewicht von Yin und Yang zu tun haben soll.

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Die Türen sind zum Schutz der Kaiser vor den Geistern stets verschlossen.
Draußen trafen inzwischen auch die lokalen Musiker ein und hatten ihren ersten traditionellen Auftritt des Tages…
https://youtu.be/APUgb-49csA

Im Hưng Tổ Miếu Tempel werden die Eltern des Gia-Long Kaisers verehrt.

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Insgesamt hat die verbotene Stadt sehr viel Schönes zu bieten.

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kaiserliches Theater

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Kaiserpalast

Der Kaiser, eigentlicher Name Nguyễn Ánh, war Begründer der Kaiserdynastie, hatte die Hauptstadt nach Hue verlegen lassen und mit dem Bau der Zitadelle angefangen. Anschließend besuchten wir den wunderschönen Lesepavillon, der als einziges Gebäude erhalten und nicht rekonstruiert ist.

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Profaner sind die Unterkünfte der kaiserlichen Ehefrauen
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Nachdem wir die verbotene Stadt verlassen hatten, besuchten wir das Mausoleum des Tự Đức, der 1847 bis 1883 geherrscht hatte.

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„Hier ist alles traurig“, sagte Mr. Min, weil es das Leben des Kaisers auch so gewesen sei. Er habe zwar über 100 Frauen, aber keine Kinder gehabt. „Er sagte, alle Frauen kaputt, keine durfte sagen, Kaiser kaputt“. In Wirklichkeit war er wohl infolge einer Pockenerkrankung impotent oder zeugungsunfähig. Während das Mausoleum, in dem immer die Schar der Witwen bis an ihr Lebensende ihr Dasein fristen musste, von außen rot und gelb gestrichen war, war innen alles schwarz.

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Seine Lebensgeschichte ließ der Dichterkaiser in traurigen Worten auf einem Stein verewigen.

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Der Bau der 12 ha großen Grabanlage selbst stand unter keinem glücklicheren Stern, den die geplante Bauzeit von sechs Jahren unterschritt der Baumeister „zack-zack“ um die Hälfte, indem er unter anderem 26.000 Arbeiterleben opferte. Man gab ihm daher den traurigen Namen Palast der Bescheidenheit und auch der Leichnam ist dort nicht bestattet, weil der Kaiser Angst vor Plünderern hatte. Er liegt an einem geheimen Ort begraben, denn alle Leibwächter, die die Bestattung besorgt hatten, wurden getötet („Kopf ab“), so dass bis auf den zuständigen General, der bis an sein Lebensende schwieg, niemand übrig war, der das Geheimnis verraten konnte.

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Tu Duc selbst hatte sich nach Fertigstellung in sein Mausoleum zurückgezogen und nutzte es als Residenz. Herr Min zeigte uns ein Schlafzimmer mit 3 Schlafplätzen neben dem des Kaisers.
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Für jede Nacht wurden also vier Frauen aus dem Harem ausgesucht. Um bevorzugt ausgewählt zu werden, bestachen die Frauen angeblich den zuständigen Eunuchen. Eine befand sich beim Kaiser, drei weitere „auf der Reservebank. Zum Einwechseln“. Da der Kaiser jede Nacht vier Frauen beglücken musste, habe er immer sehr viel Opium benötigt, was die starke Opiumabhängigkeit begründete. Daneben befand sich ein Schlafzimmer für die Tänzerinnen. Diese mussten immer bereit sein, auf Verlangen zu tanzen. Erschien eine zu langsam, dann hieß es „alle Frauen Kopf ab. Kaputt!“ (Guide-Martialität des Tages II).
Der Unterhaltung diente die Theaterbühne.
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Anschließend hatten wir eine Mittagspause zu halten, in der wir zum Essen in ein Lokal gesetzt wurden. Man muss Herrn Min zugutehalten, dass er uns ein sehr ordentliches Essen zubereiten ließ. Das war nicht selbstverständlich, denn wie fast überall auf der Reise war man auf Vegetarier nicht vorbereitet (wie viel einfacher ist doch Namibia für Vegetarier – eine verblüffende Erkenntnis dieser drei Wochen). Wir begegneten auf dem Weg einem jungen amerikanischen Touri in Soldatenkleidung, den unser Guide sofort abfing, nach seinem Dienst und seiner Einheit befragte und nach angeregtem Plaudern mit Schulterklopfen verabschiedete. Das wäre wohl eher ein Reisender nach seinem Geschmack gewesen als unser Grüppchen.
zuletzt bearbeitet 15. Mai 2020
Themenstarter246 Beiträge · seit 201517. Mai 2020 · #37
Nach dem Mittagessen fuhren wir zum interessanten Mausoleum des Khai Dinh (Beförderer von Frieden und Stabilität).

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Der homosexuelle Herrscher regierte von 1920 bis 1931. Herr Min bezeichnete ihn jedoch als Transvestiten. Die steil in den Hang gebaute Anlage wirkte wie eine Betonmischung aus vietnamesischem Kaiserpalast und Versailles.

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Thomas hüpfte die Treppen hinauf und wieder hinunter für allerlei Photos, weil es sich nach verschiedenen Kommentaren des Guides über verweichlichte, unmännliche Westeuropäer nicht mehr für voll genommen sah. Der Guide sah es als Challenge, versuchte mitzuhalten und blieb ob der unerwarteten Fitnessdemonstration keuchend und verblüfft stehen.

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Der Herrscher hatte Frankreich selbst besucht und liebte die französische Kultur, weshalb dieser Einfluss überall zu spüren war. Da der Bau erst nach dem frühen Tod des tuberkulosekranken Kaisers fertiggestellt werden konnte, blieb die Größe der Anlage hinter den Planungen und anderen Mausoleen zurück. Ein wesentlicher Grund der langen Bauzeit lag in den reichhaltigen und kunstvollen Verzierungen.

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Damit hatten wir das Kulturprogramm abgeschlossen und fuhren zurück zum Hotel, von dem aus eine einstündige Fahrt mit der Fahrradrikscha beginnen sollte. Mit diesem Transportmittel waren wir noch deutlich näher am Verkehr als mit dem Tuk-Tuk.
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Bei YouTube ansehen ↗



So ganz wohl war uns nicht, zumal die Transportmittel allesamt erhebliche Unfallschäden aufwiesen.
Florians Fahrer versuchte in leider gänzlich unverständlichem Englisch, ihn auf die wesentlichen Sehenswürdigkeiten hinzuweisen. Der Fahrer wiederum verstand seine Nachfragen gar nicht.

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Phu Cam Kathedrale
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Unsere Liebe Frau von der immerwährenden Hilfe Kirche
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Provinzverwaltung

Thomas Fahrer blieb von vorneherein stumm, so dass er übermüdet etwas gegen das Einschlafen ankämpfen musste. Barbaras Fahrer versuchte wohl, soweit wir mitbekamen, ihr etwas auf Deutsch zu erklären, sie verstand aber nichts, wohl schon deshalb nicht, weil sie es für Englisch hielt. Als Thomas Fahrer am Fluss halten wollte, um etwas Ausschau zu halten und zu zeigen, durfte er das nach Zurechtweisung durch den Chefpiloten nicht, wir müssten weiterfahren und für so etwas sei überhaupt keine Zeit.

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Es ging schnell auf den Rückweg und Florian war sehr irritiert, als sein Fahrer begann, vom Trinkgeld zu reden und von einem Hotel Winnetou, was er erst hinterher als Hotel finish tour entschlüsseln konnte. Auf das Trinkgeld hatte sie wohl Herr Min schon eingestimmt, um sie leistungswilliger zu machen. Obwohl er deutlich gemacht hatte, welche Route er im Sinn hatte, schienen die Fahrer einiges abzukürzen und beendeten die Fahrt mit uns sprach- und dadurch wehrlosen Touris schon nach weniger als einer Dreiviertelstunde, obwohl wir für eine volle Stunde bezahlt hatten. Den uns vorher von Herrn Min eingeschärften Trinkgeldbetrag einzubehalten, trauten wir uns leider nicht, weil wir ihn nicht bloßstellen wollten. Eigentlich hätte die Fahrt auch erst in Hoi An stattfinden sollen, aber Herr Min als lokaler Operator befand es – wohl prinzipiell sinnvoll – für besser, dass in Hue zu unternehmen.

Weil der Fluss und die Aussicht nicht weit vom Hotel weg waren, entschlossen wir uns, das Versäumte durch einen ausgiebigen Spaziergang nachzuholen.
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hier der bekannte Parfümfluss

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gewaltiger Baum auf dem Pausenhof gegenüber der Sekundarschule

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auch im dichteren vietnamesischen Verkehr sind schon die Kinder motorisiert

Herr Min hatte uns überflüssigerweise für den nächsten Morgen einen Kofferservice bestellt, auch diesen hatten wir wohl zu nutzen. Dafür funktionierte unsere Zimmerkarte nicht mehr, sie musste an der Rezeption neu programmiert werden. Abschließend warfen wir noch vom angebauten Treppenhaus einen letzten Blick über die Stadt.

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Danach ging Barbaras Zimmerkarte ebenfalls nicht mehr und musste ebenso neu programmiert werden.

Thomas fragte sich, wie er die nächsten Tage aushalten sollte, denn ihm ging der Guide unbeschreiblich auf die Nerven, weshalb er sich etwas fernhielt, um nicht alles hören zu müssen. Herr Min glaubte, undeutliche Aussprache durch Lautstärke kompensieren zu können, so dass wir uns im Kommandoton angebrüllt fühlten. Das erleichterte das Überhören nicht. Seine Darstellungen schwankten zwischen Chauvinismus, Machismus und einer Lust an Gewaltdarstellung, alles gepaart mit einer unfreiwilligen Komik sowie teilweise naiv-kindlichen Ausdrucksweise, die es schwer machten, ernst zu bleiben. Auf der anderen Seite zählte er eindeutig zu den gebildeteren und engagiertesten Guides dieser Reise, der sehr darum bemüht war, alles zu unserer Zufriedenheit zu organisieren, wobei er seine Antizipationsfähigkeit unserer Wünsche leider etwas überschätzte. Letztlich irgendwie schade. Für die richtigen Touris sicher ein sehr guter Guide.
zuletzt bearbeitet 17. Mai 2020
Themenstarter246 Beiträge · seit 201519. Mai 2020 · #38
So. 14.03.2017 Eigentore über dem Wolkenpass (Hoi An I)

Wir konnten zwar etwas besser schlafen, wurden aber wieder früh durch den Lärm geweckt und gingen um 7:00 zum Frühstück. Anschließend erwartete uns eine Überraschung. Herr Min hatte sich über Nacht in eine Frau Min verwandelt. Nein, er schickte eine seiner Angestellten als Vertretung und entschuldigte sich wortreich über ihr Mobiltelefon, dass ihm beruflich etwas dazwischen gekommen sei und er die nächsten Tage keine Zeit für uns habe. Wahrscheinlich hatte er gemerkt, dass wir nicht so gut zu ihm passten und die Personalaufteilung getauscht. Das bestätigte unsere Einschätzung seiner prinzipiellen Fähigkeiten. Mit der uns zugewiesenen Dame harmonierten wir wesentlich besser, leider war sie aber nicht ganz so kompetent wie er. Dennoch bedauerten wir den Wechsel am Ende nicht, denn mit ihr lernten wir noch einen weiteren Typus kennen, den mütterlich-beschützerischen Guide. Sie vertrat aber eher konservative Werte und grenzte sich bewusst von den jungen großstädtischen und südvietnamesischen Frauen wie unserer Saigoner Reisebegleiterin ab. Es war sehr lustig, wie sie immer wieder absolute Gegenpositionen zu Chau einnahm, ohne zu wissen, dass wir eine derartige Führerin gehabt hatten. Man konnte über Bräuche und Traditionen, Küche und Gemüsepflanzen oder den Reisanbau viel von ihr erfahren, alles Dinge, die sie in der jungen Generation vergessen glaubte. Da sie selbst viel anbaut, wohl sogar gewerblich, buddelte und zog sie mitunter interessante Pflanzen am Wegesrand einfach mit Wurzeln aus der Erde, um sie bei sich zu pflanzen – auch in archäologischen Stätten. Leider sprach sie vergleichsweise schlecht Deutsch und sobald es interessant und komplex wurde, wurde die Verständigung schwierig. Englisch ging noch weniger.

Auf dem Tagesprogramm steht heute die Fahrt nach Hoi An. Unsere neue Guide zeigt uns im Vorbeifahren viele Dinge aus dem Alltagsleben am Straßenrand. Recht interessant sind die überaus zahlreichen Friedhöfe.

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Leichenwagen

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Es handelt sich meist um private Friedhöfe einzelner Familien. Sie erklärt uns auch den Reisanbau und erzählt das wohl sehr bekannte und wichtige Kindermärchen eines Bären, den ein Bauer, zu dem er gekommen war, besänftigte, indem er ihm von seiner Ernte abgab. Der Bär hatte das Vorrecht, sich seinen Ernteanteil schon bei der Aussaat auszusuchen. Er wählte alles was oben wächst, woraufhin der Bauer Süßkartoffeln anpflanzte, so dass der Bär nur das oberirdische Grünzeug abbekam. Im nächsten Jahr verlangte er daher das, was unten wächst, weshalb der Bauer Reis anbaute, so dass der Bär wieder leer ausging. Im Folgejahr verlangte er von oben und von unten zu bekommen. Was baute der Bauer an? Mais. Ob man sich so die Fruchtfolge einprägen soll?
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Eukalyptusverarbeitung am Fuß des Wolkenpasses

Am Wolkenpass machen wir einen Photostop und begegnen erneut unseren ‚Mitreisenden‘.
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Der Wolkenpass stellte bis 1400 die Grenze zwischen dem chinesisch geprägten Dai Viet und dem indisch beeinflussten Champa-Reich dar, ehe die Vietnamesen ihr Reich nach Süden ausdehnten und die Cham vertrieben.

Auf dem Gipfel legen wir am Zolltor aus dem 19. Jahrhundert wie so viele andere eine Rast ein,
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Zolltor und Schweinetransport

die wir nutzen, ein bisschen die Gegend zu erkunden und Bilder zu machen.
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Schrein zur Verehrung des Berggeists

Die Stimmung dort ist sehr speziell mit dauernden Wetterumschwüngen. So schnell aufziehende Wolken und Nebel haben wir noch nirgends zuvor gesehen.
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Das kommt auf Bildern natürlich nur schlecht raus.

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jenseits des Passes

Anders als die anderen Guides nötigte sie uns keine Bewirtungen auf, die wir nicht wollten, entschuldigte sich im Gegenteil sogar dafür, dass der Fahrer seine Pausenzeiten einhalten müsse. Wir pausieren an einer Marmorwerkstatt, in der Touristen allerlei Scheußlichkeiten erwerben und sich die größeren Stücke per Schiffstransport in die Heimat schaffen lassen können. Es gibt sogar eine Weltkarte mit belieferten Orten, Stücken und ihrem Wert, auch eine größere Anzahl an deutschen Städten war darunter.
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An den Straßenrändern sahen wir oft aufgemalte Telefonnummern. Da es in Vietnam keinen ADAC gibt, werben so die lokalen Mechaniker um Kunden, die einen Defekt erleiden.
Da sich unsere Guide für unseren bisherigen Reiseverlauf interessierte, gaben wir ihr unseren Plan vom Reisebüro. Leider entdeckte sie dabei, dass dieser kürzer war als ihr vorgegebener Tourenplan. Es gelang uns nicht, ihr überzeugend zu vermitteln, dass unser Plan nicht vollständig, sondern nur eine Grobskizze war, so dass wir uns mit dieser Aktion um die auf ihrem Plan stehenden zusätzlichen Aktivitäten brachten. Dabei entging uns das wohl sehr interessante Cham-Museum mit den Funden aus My Son in Da Nang.

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Blick auf Đà Nẵng

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Gleiches galt wohl für die Xa Loi-Türme, bei denen wir nicht sicher waren, ob hier nicht auch ein Stop geplant war.
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Die Straßen in Richtung der Metropole waren durchflutet von infernalischem Lärm, denn an bestimmte Verkehrsschilder hielt sich grundsätzlich niemand
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Wir fuhren also mehr oder weniger nach Hoi An durch. Dort verblieb als Tagespunkt eine Besichtigung der Innenstadt. Für Thomas brachte das einige Mühen mit sich, denn wir sollten unsere Wertsachen nicht beim Fahrer im Auto lassen, so dass er den Rucksack mit großem Laptop und allem weiteren Inhalt tragen musste.
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Um durch die Stadt zu spazieren, braucht man übrigens ein Permit.
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Da der Post sonst zu umfangreich wird, muss die genauere Besichtigung des wunderschönen, wenn auch extrem touristisch erschlossenen Weltkulturerbestädtchens noch etwas warten …
zuletzt bearbeitet 19. Mai 2020
Themenstarter246 Beiträge · seit 201521. Mai 2020 · #39
Hoi An, was friedvoller Versammlungsort bedeutet, beherbergt heute 75.000 Einwohner. Von den Cham im 4. Jahrhundert gegründet und zur Versorgung ihrer Hauptstadt im Landesinneren genutzt, verlor sie nach dem Untergang des Reichs ihre Bedeutung. Um 1600 kam es zu einem Wiederaufstieg zum internationalen Warenumschlagplatz an der Seitenstraße. Hoi An wurde zum größter Hafen Südostasiens – zunächst zentral für den Japanhandel, nach Abschottung Japans mit Außenhandelsverbot als Sitz der europäischen Handelsgesellschaften Im 18. Jh. verlor die Stadt wegen einer Versandung des Hafens erneut ihre Bedeutung, jedoch begünstigte dies den Erhalt des Stadtbildes.
Als erstes besuchten wir die Versammlungshalle der Chinesen aus Fujian. Es gibt eine ganze Reihe solcher Versammlungshallen, je nach chinesischer Heimatregion.
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Die Decken waren voller Räucherspiralen, an denen Wunschzettel der Spender mitsamt ihren Heimatadressen zu finden waren.

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Eine Spirale kostet 25$ und brennt zwei Monate, es war daher interessant, die Herkunftsadressen der Besucher aus aller Welt zu lesen. Unangenehm war, dass man ständig aufpassen musste, nicht von der herabrieselnden Asche verziert zu werden, ein aussichtsloses Unterfangen. Thomas wurde gleich mehrfach erwischt. Ein weiteres Detail: Weil die Häuser immer offen standen, dienten Truhen für Wertgegenstände zugleich als Bett, um die eigenen Habseligkeiten besser schützen zu können.

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Opferaltar und Schutzgeistermythologie für die Seefahrer sind recht interessant.

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Helfer Thiên Lý Nhãn (der 1000 Meilen weit sieht)

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Helfer Thuận Phong Nhĩ (der auf1000 Meilen hört)
Es gab auch eine Halle für die chinesischen Gesamtvereinigungen, die aber wenig spektakulär kaum einen Blick lohnte.

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Anschließend gingen wir über die malerische zentrale Straße

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zum Privathaus Tan Ky, einstmals eines der reichsten Kaufmannshäuser der Stadt. Es stammt aus dem späten 18. Jahrhundert und über den Hinterausgang gelangt man direkt auf die Uferstraße.

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Wir inspizierten u.a. den Haustempel für die Ahnen,

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die Schlafplätze der Frauen und Kinder

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sowie die Markierungen der letzten Hochwasserstände mitsamt beängstigenden Bildern.

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Markierungen rechts zu sehen

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Durch den Hinterausgang

Anschließend durften wir noch eine Weberei und Schneiderei besuchen. Wir konnten sehen, wie die Arbeiterinnen anhand von Photovorlagen Bilder aus Seide stickten, wobei sie für eine Arbeit ca. 3 Monate brauchen. Sie waren sehr auf Publikumsbesuch ausgelegt und stellten u.a. einen elektrischen und einen Handwebstuhl aus. Im Obergeschoss konnten wir die Seidenraupenzucht besichtigen, photographieren war allerdings verboten. Man erklärte uns auch den Lebenszyklus der Raupen, leider war es aber recht voll und eng, so dass wir weit hinten standen und nicht alles verstanden. Jedenfalls wird der Raupenkokon bei 70° gekocht und der Faden gezogen, wobei sich ein Kokon zu einem 1000 Meter langen Seidenfaden nur per Hand aufwickeln lässt. Um Rohseide zu gewinnen, müssen die Fäden anschließend mehrfach verdrillt werden. Für gewöhnliche Seide wird ein Faden gleichzeitig aus 25 Kokons gezogen und gemeinsam auf ein Rad gewickelt. Das Geschäftsmodell des Hauses war das Angebot der Schneiderei von Maßanzügen, die auf den nächsten Tag zu fertigen sie anboten. Wir konnten uns zunächst dazu nicht durchringen, auch nicht zu dem Angebot unserer Guide, uns zu einem anderen Maßanzugsschneider zu bringen.

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Nunmehr spazierten wir zur japanischen Brücke, die den japanischen und chinesischen Teil der Stadt miteinander verbindet. Die Stadt wickelte in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts einen Großteil des japanischen Außenhandels ab, als sich das Land abschottete, aber noch nicht jeglichen Handel verbot. Nach 1644 dominierte dann nach Rückzug der Japaner ganz die chinesische Kultur.

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Die mehrfach zerstörte Brücke wurde Ende des 16. Jahrhunderts errichtet, die heutige Form stammt aus dem Jahr 1763. Die taoistische seitliche Brückenpagode dient der Verehrung des Herrschers des Schwarzen Himmels, Bac De Tran Vu, der den Norden überwachen und den Drachenriesen Cu besänftigen soll.

Touristenfreundlich wird nachmittags die Altstadt zur Fußgängerzone, so dass wir trotz des großen Andrangs recht angenehm durch die Straßen flanieren konnten.
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Edelstein Kunst Museum & Weinbar

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traditionelles Hochzeitspaar

Dennoch trafen wir irgendwann unseren Fahrer und wurden zum Hotel gebracht. Wir waren besonders gespannt, denn wir waren mehrfach umgebucht worden. Das eigentlich vorgesehene Hotel gehörte zu den wenigen der Reise, die schon bei unserer frühen Buchung ausgebucht gewesen waren, aber auch in das Ersatzhotel konnten wir, wie uns unser Reiseveranstalter schon nach Kambodscha gemeldet hatte, nicht einchecken, weil es kurzfristig von der Regierung für eine Tagung des Polizeiministeriums requiriert und alle Buchungen storniert worden waren. Entsprechend neugierig waren wir auf die neue Unterkunft, die uns zudem mehrere Nächte beherbergen sollte.
Bei der Ankunft entschuldigte man sich zuerst dafür, dass es zwischen 18:00 und 21:00 wegen Feierlichkeiten etwas lauter werden könnte, da es eine geschlossene Festveranstaltung mit Musik geben würde. Tatsächlich begann der DJ ab 16:30 mit ziemlich nervenden Proben. Hinter unser Zimmer grenzte ein Hühnerstall und der Hahn krähte mit der Musik um die Wette. Pausierte die Musik, verstummte auch er zeitweise. Dennoch war es eine an sich wunderbare Unterkunft;

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wir konnten sie noch am gleichen Abend mit der bis dahin vorgesehenen vergleichen, denn diese hatte uns zur Entschädigung auf ein Abendessen eingeladen und war zwar auch schön, aber bei weitem nicht so einladend. Um 18:00 machten wir uns also auf den Fußweg zum nahegelegenen anderen Hotel und konnten dabei auch einmal die kalkbemalten Bäume am Straßenrand vor den Häusern näher betrachten. Unsere Guide hatte uns erklärt, dass dies dazu diene, den Teufel daran zu hindern, in die Häuser zu gelangen. Die heutige Jugend und auch die jungen Reiseleiter würden den Touristen aber aus Unwissenheit den Quatsch erzählen, der Kalk diene ästhetischen Zwecken oder solle Ameisen abwehren. Eine falsche Rationalisierung der Spätgeborenen also.

Das Abendessen war wirklich gut und reichlich, allerdings mussten wir die völlig überteuerten Getränke selbst zahlen. Thomas hatte schon so etwas geahnt, als es keinen Hinweis gab, dass ein Getränk oder alkoholfreie Getränke inklusive seien. Im Ergebnis hätte man bei einer mobilen Garküche für den Preis eines Getränks ein ordentliches Essen bekommen. So konnten wir aber in aller Ruhe Kürbissuppe, Salat, besondere Frühlingsrollen (nicht aus Reispapier), einen Hauptgang bestehend aus Reis, Gemüse und frittiertem Tofu (nicht besonders, für Thomas in der Konsistenz sogar eklig) und als Nachtisch Obst genießen und die schöne Atmosphäre der hereinbrechenden Dunkelheit und der angehenden Lampions über dem Wasser bewundern.

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Blick zu unserem Hotel Hoi An Koi Resort
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Schon im Dunklen kehrten wir zu unserer Hotelanlage zurück, die so besonder schick wirkt.
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zuletzt bearbeitet 21. Mai 2020
Themenstarter246 Beiträge · seit 201522. Mai 2020 · #40
Mo. 15.03.2017 My Son oder 100 € pro Person sparen durch Zusatztag

Wir frühstückten um 7:00. Es gab ein reichhaltiges Frühstückbuffet. Zusätzlich zum Üblichen gab es Pfannkuchen oder in der Theorie auch Crêpes, Muffins, Obst mit Chili-Salz, Nüsse und einen sehr leckeren Roseningwer. Allerdings war das Verhalten der Köche reichlich bizarr. Es waren immer recht viele fertige Pfannkuchen vorhanden, so dass diese schon kalt wurden. Nachdem sich Barbara einen Crêpe aus der Pfanne hatte geben lassen, entdeckte Thomas, dass es auch einen Teller mit fertigen Crêpes gab, der Koch weigerte sich aber, Thomas einen zu geben. Als Florian nach Crêpe fragte, bekam er auch nur ein „no“ zur Antwort. Als der Pfannkuchenbäcker kurzzeitig weg war, versuchte es Florian erneut beim benachbarten Eierkoch. Der schaute verstohlen hinter sich, gab aber schließlich einen heraus. Barbara konnte auf diese Weise auch noch welche (man beachte den Plural!) bekommen. Thomas blieb chancenlos, bei den frischen wie den fertigen, bekam aber etwas von Barbara ab. Auch wenn die Auswahl sehr groß war, konnte uns das Frühstück nicht restlos überzeugen, denn die Qualität war nicht immer die beste. So waren beispielsweise die Säfte extrem mit Wasser gestreckt. Auch die Bedienung ließ es an Contenance missen. Ein junger Angestellter wurde von seiner Vorgesetzten recht rüde beim Abräumen herumgestoßen, so dass er mehr als einmal das schon gestapelte Geschirr zu verlieren drohte. Nicht auszudenken, was sie getan hätte, hätte er tatsächlich bei den Rempeleien einmal das Gleichgewicht verloren.

Heute stand der Grund für die ausgedehnten drei Übernachtungen in Hoi An auf der Tagesordnung. Wir hatten mit einem Ausflug zu den nahegelegenen Ruinen von My Son einen zusätzlichen Reisetag gebucht, um ein weiteres Weltkulturerbe zu besichtigen. Merkwürdigerweise wurde die Reise durch den zusätzlichen Tag sogar spürbar günstiger. Wir vermuten, dass dies mit günstigeren Flügen zu tun hatte.
Barbara fragte unsere Guide, ob sie das Klima in Deutschland, als sie dort lebte, auch als so anstrengend empfunden habe, wie sie umgekehrt das vietnamesische Klima. Die Frage war zugegeben recht kompliziert, die Antwort, die sie erhielt, dafür umso typischer: „Ich habe in Deutschland viel Butter gegessen“ (Guide-Antwort des Tages). Später konnten wir immerhin noch herausfinden, dass ihr Schnee unbekannt gewesen sei, dieser zwar schön aussehe, ihr aber zu kalt sei.
My Son war das religiöse Zentrum des hinduistischen Cham-Reichs von Amaravati, 20 km von der Hauptstadt Simhapura (Löwenstadt) entfernt. Dort wurde Shiva verehrt und die Asche der verstorbenen Herrscher aufbewahrt. Die ersten Holztempel lassen sich aus dem 4. Jahrhundert nachweisen, die Verwendung von Stein begann im 7. Jahrhundert. Den Höhepunkt erreichte die Bautätigkeit zur Blütezeit des Reichs im 10./11. Jahrhundert, diese schönsten Anlagen (die sog. Gruppe A) sind jedoch bei Flächenbombardements völlig zerstört worden. Schon im 11. Jahrhundert setzte der Niedergang durch Plünderungen ein, denn das Champa Reich wurde sowohl von den Khmer wie den Vietnamesen bedrängt. Die letzten Kultstätten wurden im 13. Jahrhundert eingeweiht, nach weiteren vietnamesischen Vorstößen und Zerstörungen mussten die Cham die Stadt schon im 14. Jahrhundert aufgeben. Die einzelnen Bauwerke sind allerdings kaum genau zu datieren.
Die Besichtigung von My Son war eine ausgezeichnete Idee. Landschaft und Atmosphäre waren schon recht außergewöhnlich, zugleich war es viel ruhiger als in Angkor. Es war auch sehr interessant, die Wiederaufbau- und Restaurationsarbeiten zu beobachten, denn leider war diese Ruinenstadt ein weiteres Opfer des Vietnamkrieges geworden, die Amerikaner hatten die dort verschanzten Vietkong bombardiert und die Hinterlassenschaften der Cham-Hochkultur dabei fast völlig zerstört. Die Besucherwege sollen noch immer wegen Minengefahr nicht verlassen werden. Für uns schloss sich ein Kreis, denn wir hatten ja ein bereits ein Dorf der heute verschwindend kleinen, inzwischen muslimischen Minderheit der Cham besucht und in Phnom Penh auch Zeugnisse ihrer Eroberung Angkors gesehen.
Nach der Ankunft in My Son fuhren wir leider erst einmal zwei Kilometer mit einem Shuttle zu den Ruinen, den schönen Weg hätten wir lieber zu Fuß gemacht.

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Mehro - Heiliger Berg

Unsere Guide war recht zügig unterwegs, so dass wir uns fast ein wenig gedrängelt fühlten. Sie erzählte uns dennoch eine ganze Menge über die Historie, wobei leider die überwiegenden zeitgeschichtlichen Ausführungen sehr von nordvietnamesischer Geschichtsklitterung durchdrungen waren. Außerdem buddelte sie wieder Pflanzen aus, um sie bei sich zu kultivieren.

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Gruppe B, C & D - Vorhalle (D2), Eingangspavollon (C2) und Haupttempel (C1)

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Gruppe B, C & D - C1 – Haupttempel
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Gruppe B, C & D - Rückseite des Haupttempels (C1)

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Gruppe B, C & D - Vorhalle (D1)

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Gruppe B, C & D - eine der Vorhallen

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Gruppe B, C & D - Vorhalle (D2)

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Gruppe B, C & D - B5 - dient der Aufbewahrung von Kultgegenständen

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Gruppe A
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Gruppe G
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Gruppe E
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Gruppe F: Begonnene Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten nach der Bombardierung
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Am Ende unseres Rundgangs konnten wir eine neue Ausgrabungskampagne bei der Mittagspause beobachten.
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Da wir nicht so viel Zeit in My Son bekamen, wie wir gerne gehabt hätten, kamen wir bereits am frühen Nachmittag zum Hotel zurück und hatten den Rest des Tages tatsächlich einmal Freizeit. Anders als vom Reiseveranstalter vorgeschlagen, gingen wir aber nicht an den gerade ohnehin gesperrten Strand, sondern ließen uns mit dem Hotelshuttle noch einmal nach Hoi An fahren, um es in aller Ruhe noch einmal allein erkunden zu können. Der Fahrer gab uns Name und Nummer eines Taxiunternehmens, das uns auf Hotelkosten zurückbringen sollte. In der Stadt rangen wir uns doch durch, noch einmal die Schneiderei aufzusuchen und Thomas und Florian suchten sich Stoffe für jeweils einen Maßanzug aus, die bis zum nächsten Nachmittag fertig sein sollten, damit sie zur Not noch einmal geändert werden könnten. Für uns war das recht aufregend, aber in Summe angenehmer als ein Einkauf im deutschen Kaufhaus. Dazu waren die Preise unschlagbar, so dass wir uns ohne Zögern für die hochwertigste Seide entschieden.

Anschließend spazierten wir durch die allmählich ihre abendliche Beleuchtungspracht entfaltende Altstadt.
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Markthalle

Die Rückfahrt zu organisieren war dann etwas schwierig. Wir wurden nach einem Taxi gefragt und wir versuchten zu erklären, dass wir ein Taxiunternehmen suchten, das ein Vertragspartner unseres Hotels sei. Als dann aber ein Taxi eines falschen Unternehmens geholt wurde, mussten wir energisch werden und so musste der Fahrer unverrichteter Dinge wieder abziehen. Als wir schließlich eines fanden, begann eine etwas abenteuerliche Fahrt. Der Fahrer schien mit dem Hotelnamen nichts anfangen zu können und wir hatten zunächst das Gefühl, in eine falsche Richtung gefahren zu werden und prüften das mit dem Navi. Im Hotel schien er sich dann mit den Formalitäten doch gut auszukennen. Besonderer Hotelservice war statt eines Betthupferls eine schöne einheimische Gutenachtgeschichte auf dem Laken. Die für gestern angekündigte Musikveranstaltung fand doch erst heute statt und war recht laut, endete aber zum Glück frühzeitig.
zuletzt bearbeitet 22. Mai 2020