FlothoThemenstarter246 Beiträge · seit 201510. Apr. 2020 · #1
Hinter den Bergen bei den 7 … Guides! Geführte Privatrundreise Indochina (Laos/Kambodscha/Vietnam)
Übersicht der Reise
Nachdem wir 2015 unsere erste Namibiareise unternommen hatten (https://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/290562-drei-vegetarier-auf-busrundreise.html), hatte uns das Fernreisefieber gepackt. Für 2017 hatten wir uns Indochina (Laos, Kambodscha und Vietnam) ausgesucht. Unsere Namibia-Rundreise war eine Gruppenreise. Auch wenn wir damals zum Glück nur 6 Reisende waren, spürten wir, dass dies eher nichts für uns ist, vor allem nicht, wenn die Gruppen größer würden. Auf eigene Faust zu reisen kam aber auch nicht infrage. Nach einer ausgiebigen Recherche entschieden wir uns für den Berliner Internetanbieter DAO, der im direkten Vergleich ein unglaublich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis anbot und auch einlöste. Unser Wunsch, noch My Son in die Reise aufzunehmen, wurde durch die Verlängerung um einen Tag nicht nur erfüllt, die Reise wurde dadurch sogar spürbar günstiger. Wir wollen nicht voraussetzen, dass jeder noch unseren Namibiabericht kennt. Daher kurz die Antwort auf die Frage: Wer sind wir? Mitreisen dürft ihr bei Florian und Thomas zusammen mit Mutter, bzw. Schwiegermutter Barbara.
Die Route war sehr komprimiert und wir waren nach der Rückkehr wirklich urlaubsreif. Aufgrund unseres Zeitbudgets von nur 3 Wochen beinhaltete die Reise viele Flüge (insgesamt 7 mit den zwei Flügen von bzw. nach Deutschland). Für Thomas, der nicht so gerne fliegt, schon eine kleine Herausforderung. Die Reise war so geplant, dass wir jeweils von einem lokalen Guide am Flughafen abgeholt und wieder am nächsten abgesetzt wurden. So hatten wir das Vergnügen die im Titel erwähnten 7 Guides kennenzulernen. Da wir dieses Mal keine skurrilen Mitreisenden hatten, mussten sie für allerlei Beobachtungen herhalten. Wir wurden vollauf entschädigt, denn es handelte sich um 7 komplett unterschiedliche Archetypen, die sich zum Glück nie begegnen werden, denn das eine oder andere Aufeinandertreffen würde wohl nicht ohne Handgreiflichkeiten ablaufen.
Als Vorgeschmack unsere Reiseübersicht. Lasst euch überraschen was sich dahinter verbirgt. Mo. 27.02.17: Irre Eingeborene und verwirrte Reisende (Flug nach Hanoi) Di. 28.2.17: Weiterflug nach Vientiane; Erkundung Vientianes auf eigene Faust Mi. 1.3.17: Janusköpfiges Laos (Vientiane, Vang Vieng) Do. 2.3.2017 Abenteuer in Vang Vieng Fr. 3.3.2017 Verbrannte Erde (Kasi Distrikt, Phou Khoun, Kiu Kacham, Luang Prabang) Sa. 4.3.2017 Wasserspiele in Luang Prabang (Luang Prabang, Kuangsi Waterfall Park) So. 05.03.2017 Bootsrennen auf dem Mekong (Luang Prabang, Pak Ou) Mo. 06.03.17 Hütchenspiele mit den Reisepässen (Luang Prabang, Siem Reap) Di. 07.03.17 Siem Reap-Rally und Angkor Wat-Marathon Mi. 08.03.17 Männer sind von Natur aus schön, Frauen … (Siem Reap, Phnom Penh) Di. 09.03.2017 Hase und Igel in Phnom Penh (Phnom Penh, Chau Doc) Mi. 10.03.2017 Vietnamesische Verkehrsschulung (Chau Doc, Can Tho) Do. 11.03.2017 Schwimmender Markt in Can Tho (Can Tho, Saigon) Fr. 12.03.2017 Saigon im Schweinsgalopp Sa. 13.03.2017 Mit dem Vietkong auf Bildungsreise durch Hue oder Lost in Translation So. 14.03.2017 Eigentore über dem Wolkenpass (Hoi An I) Mo. 15.03.2017 My Son oder 100 € pro Person sparen durch Zusatztag Di. 16.03.2017 Wir spielen Landwirte und Köche (Hoi An II) Mi. 17.03.17 Barbaras Geburtstag in Hanoi Do. 18.03.2017 Eine Seefahrt, die ist lustig … oder seekrank nur auf der Autobahn (Hanoi, Halong Bucht) Fr. 19.03.2017 Eine Insel mit 'nem hohen Berg … oder Privatkreuzfahrt mit eigenem Stewart (Halong Bucht) Sa./So. 20.3./21.3.2017 Ein zerrüttetes Nervenkostüm im Rückreisemarathon (Halong Bucht, Hanoi)
Auch wenn es eine Privatrundreise war, hoffen wir hier auf zahlreiche Mitfahrer. Also viel Spaß beim Lesen - ab dem zweiten Tag gibt es viele Bilder, immer aber auch viel (hoffentlich einigermaßen unterhaltsamen) Text.
FlothoThemenstarter246 Beiträge · seit 201511. Apr. 2020 · #3
Jetzt zur Anreise. Leider noch mal bilderlos, aber doch recht umfang-, weil ereignisreich.
Mo. 27.02.17: Irre Eingeborene und verwirrte Reisende
Heute also sollte es losgehen. Eine derartig komplexe Reise hatte noch keiner von uns unternommen, entsprechend waren wir sehr nervös. Die Nervosität wurde dadurch gesteigert, dass Barbara, die in Hanoi ihren 77. feiern würde, seit Donnerstag eine Tournee in Ostdeutschland absolvierte und erst an diesem Morgen aus der Nähe von Leipzig zurückkehren konnte, da ihr letzter Auftritt dort erst nach Abfahrt des letzten Zug endete. Das Zeitfenster für eventuelle Bahnverspätungen betrug nur zwei Stunden, aber immerhin klappte alles, wenn sie auch nach den anstrengenden Tagen und nur drei Stunden Schlaf müde war. Auch wir reisten mit der Bahn an, mussten dabei wegen Straßenbauarbeiten etwas unangenehme Umwege mit den Koffern zum Bahnhof machen und feststellen, dass der Rail&Fly-Ticketdruck ganz anders funktionierte als in den Anleitungen. Dennoch kamen wir alle zur verabredeten Zeit in Frankfurt an. Da wir dieses Mal keine Reisegruppe hatten, mussten wir uns für die Suche nach auffälligen Mitmenschen auf Zufallsbegegnungen verlassen. Bereits an der Konstablerwache hatten wir Glück, als ein quartalsirrer „Schizo-Penner“ (O-Ton einer Schülerin) mit uns die S-Bahn zum Flughafen betrat. Er verkündete allen, dass er die Polizisten verjagen werde, da diese vor ihm Angst hätten, da alle „Dreck am Stecken hätten“ und er dies aufdecken werde. Bei jedem aussteigenden Fahrgast triumphierte er, dass er wieder einen Zivilbullen enttarnt und in die Flucht geschlagen habe. Allgemein brabbelte er viel vom bösen Staatsapparat, unaufgeklärten Verbrechen und Bespitzelung. Irgendwann fand er eine Gruppe Kinder, die mit besonderer Freude zu unterhalten begann. Unter anderem erklärte er ihnen als wir über die Mainbrücke fuhren, dass man einmal ein Krokodil in den Main werfen müsse, das wäre ein Riesenaufwand für die Polizei, würde lange dauern zu finden und viel Presseaufmerksamkeit generieren. Irgendwann meinte er leider, dass er nun ruhig sein müsse, damit man uns (pluralis majestatis!) nicht für völlig verrückt halte. Zu unserem Entzücken stieg er mit uns aus. Er lief zwar schnell davon, aber wir konnten sein markantes Lachen (hähähä – besondere Lachen wurden zu einem Markenzeichen der Reise) immer wieder vernehmen. Beim Warten auf ein Shuttel zu Terminal 2 holte er uns wieder ein. Und er fand sogar noch einen Kollegen! Diesem verehrte er ein soeben gefundenes Cent-Stück mit den Worten „vielleicht werden wir jetzt noch Millionäre“. Er war klar der Chef, der andere ihm völlig hörig. Ein wichtiges Thema war die Arbeitslosensituation, so stünden Merkel und die Geheimdienste hinter der Zuwanderung und den angeblichen Flüchtlingen, die in Wirklichkeiten nur nach Deutschland kämen, um zu verhindern, dass dieses dynamische Duo eine reguläre Arbeit bekäme. Beim Warten auf den Check-In sahen wir sie eine feste Route von Abfallbehältern auf der Suche nach Verwertbarem abklappern.
Wir waren zwar zwei Stunden vor Abflug am Check-in, aber obwohl Vietnam-Airlines 6 Schalter geöffnet hatte, führte die Warteschlange bereits komplett im Kreis um die gesamte Schalterhalle herum. Da eine zweite Maschine gleichzeitig starten sollte, schafften sie die Abfertigung nicht. Wir kamen erst auf die Minute zum eigentlichen Schluss des check-in dran und hinter uns befand sich immer noch eine erhebliche Menschenmenge. Diese löste sich allerdings auf, während wir für eine weitere Viertelstunde einen Schalter blockierten, weil die sehr freundliche Mitarbeiterin heillos an uns verzweifelte. Das lag zum einen daran, dass für uns Hanoi nur Transitziel war und sie nicht mit der Weiterleitung nach Vientiane klar kam (sie erfragte bei ihrer Kollegin u.a., in welchem Land das liegt – sie müsse wohl noch etwas Geographie lernen), vor allem aber noch nie mit einem Web-Check-in-Formular gearbeitet hatte. Da brauchte sie sehr intensive Hilfe ihrer Kollegin, während sie gleichzeitig uns immer wieder versicherte, dass wir „das sehr gut vorbereitet“ hätten. Anschließend mussten wir sofort zur Passkontrolle. Wir durchliefen sogleich die Sicherheitskontrolle und machten uns auf den Weg zum Gate, wo schon das Boarding begann. Als wir die Bordkartenkontrolle hinter uns hatten und die Treppe hinunter zum Bus gingen, merkte Thomas, dass sich sein Rucksack verdächtig leicht anfühlte. Hmm, was könnte wohl fehlen? … Es gab nur eine Möglichkeit: Der Laptop war weg, mutmaßlich im Gewühle und der zeitbedingten Hektik bei der Handgepäckskontrolle vergessen. Also in Panik zurück zur Gepäckkontrolle. Florian durfte nicht mehr den Bereich verlassen, also musste sich Thomas allein durchzufragen. Ein Mitarbeiter konnte schließlich die Auskunft geben, Thomas solle den Mehmet fragen, der stünde da hinten zwischen anderen Mitarbeitern. Ob er den Mehmet erkenne, konnte Thomas nur verneinen, also rief der freundliche Mitarbeiter quer durch die Halle nach Mehmet, bis dieser ein Handzeichen gab. Thomas eilte dorthin und wurde von Mehmet gefragt, ob er Thomas Pierson sei. Nach der Bestätigung erhielt er den Laptop zurück, man habe ihn auch gerade ausrufen lassen wollen. Schnell zurück ins Flugzeug und den Schrecken verdauen.
Wegen der großen Verzögerung beim Check-in hatten wir eine gute halbe Stunde Verspätung. Der Flug selbst war recht ereignislos. Das vegetarische Essen war gut, leider viel kurz nach dem Start die Unterhaltungselektronik in unserem Sitzbereich aus und konnte auch während des zwölfstündigen Flugs nicht neu gestartet werden. Wir konnten aber gut Hörbuch hören, während Barbara trotz ihrer Erschöpfung und des Schlafdefizits nicht einschlafen konnte, weil sie sich ohne die Bordunterhaltung zu sehr „langweilte“. Die sechstündige Zeitverschiebung wurde simuliert, indem gleich nach dem Essen die Scheiben getönt und die Beleuchtung verdunkelt wurden. Vor dem Frühstück gab es eine Regenbogenlichtschau zum Aufwachen.
Während der simulierten Nacht begann es auf einmal, recht würzig-streng zu riechen und die Crew verteilte große Pappbecher. Ohne uns zu fragen bestellte Barbara in der Annahme, es handele sich um Milchshakes. In Wirklichkeit war das dampfende Gebräu aber eine kräftige Nudel-Fleischsuppe und damit für uns nicht genießbar. Abendessen: zum Start direkt Erdnüsse, dann recht schnell Nudeln mit Tomaten-Gemüse-Sauce, Salat, Obst, Brot, Käse – sehr reichlich. Frühstück: Omelette mit Tomaten, Champignon, Spinat, Käse, Brot, Frischkäse, Obst, vegetarischer Brotaufstrich – ebenfalls sehr reichlich.
Gruß Thomas
FlothoThemenstarter246 Beiträge · seit 201512. Apr. 2020 · #4
Di. 28.2.17: Vientiane auf eigene Faust (I)
Nachdem wir in Hanoi gelandet sind, müssen wir gleich weiter nach Vientiane. Alle begeben sich zum Ausgang und wir sind anscheinend die einzigen Passagiere der sehr gut gefüllten Boeing 787, die Hanoi nur zum Transitzweck betraten, was uns etwas verunsichert. Als wir die Dame am Transitschalter finden, ruft sie schließlich einen Kollegen, der uns nach oben in den Abflugbereich bringen soll und gibt ihm einen Schlüssel für die Treppen. Der schwer uniformierte Herr inspiziert eingehend unsere Bordkarten, würdigt uns keines Blicks und geleitet uns, ohne eine Miene zu verziehen, nach oben. Er spricht zu niemandem ein Wort, lässt uns nur zur Tür hinaus und dreht sich weg. Wir wissen nicht, ob wir unser Gepäck abholen müssen oder es automatisch weitergeleitet wird. Allerdings war es gleich in Frankfurt für Vientiane abgefertigt worden und bis zur Gepäckausgabe gelangen wir gar nicht. Als auch die Beamten bei der Handgepäckskontrolle unsere Fragen nicht verstehen und uns nur zur Kontrolle des Handgepäcks einweisen wollen, geben wir auf und hoffen das Beste.
Nach dreistündiger Wartezeit flogen wir eine gute Dreiviertelstunde mit einer A 321 nach Vientiane. Wir waren etwas verwirrt, weil auf der Anzeigetafel Phnom Penh zu lesen war, wir vermuteten aber richtig, dass in Vientiane nur ein Zwischenhalt gemacht werden sollte. Wir bekamen gleich nach dem Start die Immigrationspapiere für Laos ausgehändigt, schafften es aber trotzdem nicht, diese bis zur Landung vollständig auszufüllen. Wir verstanden die gewünschten Angaben, die ziemlich umfangreich waren, nicht immer. Interessant war, dass man nicht nur seine Staatsangehörigkeit, sondern auch seine Rassenzugehörigkeit einzutragen hatte. Auf Fragen der ethnischen Homogenität oder drastischer formuliert die Erhaltung der Rassenreinheit scheint man sehr großen Wert zu legen: einerseits ist außerehelicher Geschlechtsverkehr in Laos strafbar, andererseits stellt eine ausländische Staatsangehörigkeit ein absolutes Ehehindernis dar, so dass es keine legale Verbindung zwischen Laoten und Ausländern geben zu können scheint. In Laos selbst existieren allerdings zahlreiche ethnische Minderheiten, die man nach Hauttönung und Siedlungsgebiet in drei Großgruppen einteilt. Das traditionelle Wort, mit dem die hellhäutigeren Tieflandlaoten die anderen Gruppen bezeichnen, heißt übersetzt „Sklave“. Nur 55 % der Bevölkerung sind tatsächlich Laoten, es gibt 49 Minderheiten mit eigenen Sprachen, Kultur- und Gesellschaftsformen.
Unser Führer und unser Fahrer holten uns am Flughafen ab und brachten uns zum Hotel.
[0006 0004-Vientiane Straßenansicht vom Hotel (Chao Anou Road)]
Den Rest des Tages waren wir uns selbst überlassen. Barbara legte sich hin und schlief 16 Stunden am Stück durch. Wir mussten erst einmal Geld und Wasser organisieren, legten uns danach aber für zwei Stunden schlafen, um die Mittagshitze zu überbrücken. Nachdem uns der Wecker unmissverständlich klar gemacht hatte, dass wir, wollten wir noch etwas von der Hauptstadt sehen, los mussten, präparierten wir uns mit Sonnencreme und Mückenschutz und schauten uns ein paar Häuserblocks der Innenstadt an,
Imbiss vor dem Hotel
ehe wir uns auf den Weg zum Mekong machten, um dort etwas an Uferpromenade entlang zu flanieren.
Mekongpromenade Blick Richtung Hotel
Die optischen Zeichen der Tatsache, dass Laos immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, ließen uns nicht unbeeindruckt, obwohl sich das Pro-Kopf-Einkommen binnen eines Jahrzehnts auf 2 $ am Tag verdreifacht hat. Wichtigster Devisenbringer des Landes waren lange Zeit internationale Fluggesellschaften, die für die Überflugrechte über das Land, das etwa halb so groß ist wie die alte BRD, zahlten. Selbst die Prachtpromenade sieht nach wenigen Metern so aus.
FlothoThemenstarter246 Beiträge · seit 201512. Apr. 2020 · #5
Teil 2 ... die Bilder waren wohl zu groß, jedenfalls stürzte das Hochladen immer ab ... dafür noch ein paar Zusätze vom Mekong, denn den Rückweg nehmen wir weiter unten im Flussbett:
Fish Conservation Zone im ausgetrockneten Flussbett mit Blick auf die thailändische Uferseite
Uferpromenade von unten
Dennoch zählt Vientiane inzwischen 460.000 Einwohner. Die Stadt macht rasante Entwicklungssprünge, denn vor 10 Jahren soll man hier noch eine Art Zeitreise in die Vergangenheit der 1940er und 50er Jahre erlebt haben. Kritisch sagt man aber, dass die Geldschwemme sowohl das äußere Bild als auch den Geist der Stadt umformt.
Zugleich sahen wir erste Tempelanlagen. Wat Chan
Vientiane Inpeng Tempel
Die allgegenwärtigen Schlangendarstellungen, sogenannte Nagas, sind Teil der buddhistischen Symbolik. Vientiane Ho Phra Keo Tempel
Sie stehen für die Naga–Schlange, die der Schlangenkönig Muchalinda aussandte, um Siddharta auf seinem Weg zur Erleuchtung vor einem vom Dämon Mara gesandten Unwetter zu beschützen. Von den 6,8 Mio Einwohner des Landes leben 2/3 im Mekong-Tal. Die Geburtenrate ist äußerst hoch und führt zu einer Bevölkerungsverdoppelung pro Generation, also etwa alle 30 Jahre; 2/3 der Bevölkerung sind unter 25 Jahre alt, 35% sind Analphabeten. Wir sahen auch die nationalistisch verehrte Statue vom letzten König Vientianes, Anuvong, der einen Aufstand gegen die Siamesen gewagt und 1828 vernichtend geschlagen und gefangengenommen wurde.
Vientiane Mekongpromenade Chao Anouvong (Letzer König von Vientiane)
In Bangkok wurde er auf vielerlei Arten gefoltert u.a. nahm man ihm mit glühendem Eisen das Augenlicht und stellte ihn öffentlich ohne Wasser und Nahrung in einem Käfig aus. Dort starb er am 26. Januar 1829 zusammen mit seiner Frau und seinen drei Söhnen. Wir warteten den Sonnenuntergang über dem Mekong ab,
Abendliche Volksgymnastik
um anschließend das Phänomen Nachtmarkt genauer unter die Lupe zu nehmen. Der war allerdings verhältnismäßig unspektakulär, daher hier nur ein Bild - mehr in Luang Prabang. Vientiane Nachtmarkt
Nachdem es dunkel geworden war und wir den Markt in allen Richtungen durchschritten hatten, flohen wir vor den Mücken und begaben uns ins Hotel, um endlich auszuschlafen.
FlothoThemenstarter246 Beiträge · seit 201513. Apr. 2020 · #6
Mi. 1.3.17: Janusköpfiges Laos Das mit dem Ausschlafen war wohl nichts. Die Nacht war sehr unruhig wegen des Autolärms und wildem Straßenhundegebell. Ab 4:00 ist sie ganz vorbei, denn die Mönche schlagen den Gong und auch die Zahl lauter Menschen auf den Straßen nimmt sprunghaft zu. Beim Frühstück erfahren wir, dass Barbara wie ein Stein geschlafen haben muss, denn sie hat von dem infernalischen Krach nichts mitbekommen. Das Frühstücksbuffet im kleinen Restaurant des Boutique-Hotels ist sehr gut. Es gibt Baguette, Käse & Frischkäse, geschmorte Tomaten mit Thymian, Gebratenes Gemüse (wohl Raps), Gemüse-Kartoffel-Kroketten, Croissants mit Honig noch in der Wabe, Joghurt mit Maracuja. Außerdem kann man etwas Frisches dazu bestellen, wir entscheiden uns für Pfannkuchen mit Sahne, Apfel, Honig und Mangopüree. An das einheimische Frühstück im engeren Sinne trauen wir uns heute noch nicht heran, zumal kaum etwas vegetarisch in diesem Land zu sein scheint. Wir werden gut satt, hätten wir aber gewusst, dass dies eine der wenigen wirklich guten Mahlzeiten bis zur Abschlusskreuzfahrt sein würde, hätten wir uns die Bäuche etwas mehr vollgestopft. Um 8:30 verlassen wie das schöne Hotel schon wieder und unser Führer bringt uns zu einigen wichtigen Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt. Leider sind seine Erklärungen hier und in der Folgezeit sehr dürftig. Kunsthistorisches Wissen besitzt er nicht und auch eine gesellschafts – oder politikgeschichtliche Einbettung erfolgt nicht. Die religiösen Kenntnisse sind ebenfalls überschaubar, aber immerhin vorhanden und so beschränkt sich seine Führung oft darauf, uns an verschiedene Orte zu bringen und sie uns mit seinem netten Akzent als „wundersöhn“ vorzustellen. Trotz eines Studiums in der DDR ist seine Aussprache schwer verständlich. Im Wesentlichen beschränkt sich die Stadtführung auf die Anfahrt folgender vier Orte:
Ho Phra Keo: Der ehemalige Königstempel wurde 1565 erbaut und enthielt ursprünglich den berühmten Smaragdbuddha, den die Siamesen 1779 nach Eroberung zurück nach Bangkok holten. 1828 wurde der Tempel wie fast alle anderen zerstört. 1936-1942 wiedererrichtet, enthält er heute ein Museum.
Ho Phra Keo Tempel
Trommelhaus
geschnitzte Baumwurzeln im Ho Phra Keo Tempel mit unserem leicht adipösen Guide
Wat Si Saket: Die Außenwand zieren über 2000 Buddha-Statuetten aus Keramik und Silber. Der 1818 errichtete Tempel ist der einzige, der die siamesische Eroberung 10 Jahre später überstanden hat und somit der einzige in Vientiane, bei dem es sich nicht um eine Rekonstruktion handelt. Bei dieser Gelegenheit bemerken wir, dass die Sittenvorstellungen, die in den Reiseführern zu finden sind, mit der Realität nichts zu tun haben. Als Barbara eine Frage über Rekonstruktionen stellen wollte, fiel ihr der Guide ins Wort und erklärte erst einmal den angeblichen Irrtum, dem sie unterlag. Ausbesserungsarbeiten nenne man Rekonstruktionen, Restaurationen seien die kompletten Neubauten. Thomas vorsichtiger Versuch der Begriffserklärung wurde mit einem leicht beleidigten Verweis auf das Studium der deutschen Sprache abgewürgt. Auch sonst fuhren er und ein Teil der weiteren Guides uns gerne über den Mund. Letztlich kam es die ganze Reise über zu einem Tausch der Rollenklischees, indem wir uns angewöhnten, nur noch stur zu lächeln und ergeben zu dem Unsinn zu nicken, den unsere Führer bisweilen oder des Öfteren verbreiteten.
Wat Si Saket Trommelhaus und Stupa
Wat Si Saket Buddhastatuen
Wat Si Saket
Wat Si Saket Bibliothek
Die goldene Stupa That Luang: Das Wahrzeichen von Laos stammt aus dem 16. Jahrhundert, wurde aber durch siamesische Eroberung und Naturgewalten 1828/1896 zerstört. Die Franzosen nahmen 1900 und 1930 den Wiederaufbau vor. Die Spitze besteht aus 9,999 kg massivem Gold.
Triumphbogen Patuxai: Der 49 Meter hohe Monumentalbau war ursprünglich dem Sieg über Frankreich gewidmet, nach 1975 war er namenlos, ehe man ihn 1995 der Machtergreifung aus dem Jahr 1975 weihte.
Patuxai Monument von innen - natürlich ein Shop
Blick vom Patuxai Monument
Blick vom Patuxai Monument mit oberstem Gerichtshof
Anschließend verlassen wie Vientiane und fahren über die Nationalstraße 13 nach Vang Vieng. Hier zeigt das Land ein gänzlich anderes Gesicht.
FlothoThemenstarter246 Beiträge · seit 201514. Apr. 2020 · #7
Janusköpfiges Laos II
Fahrt nach Vang Vieng
Dabei lernen wir sehr viel darüber, wie Laos und vergleichbare Länder funktionieren, wobei die Entwicklung in Laos noch am Anfang steht. Symptomatisch war das Dorf Ban Lak 52, was so viel bedeutete wie Dorf Kilometer 52 – von Vientiane aus gerechnet. Dörfer und freie Landschaft gingen ineinander über, ohne dass wir irgendeinen Unterschied bemerkten, weil überall zumindest eine Häuserreihe an der Straße entlang gebaut war, unzählige Geschäfte vor und in jedem Haus. Dazu gehört etwa auch ein Outlet-Store für Geisterhäuschen.
Der Geisterglaube ist in der laotischen Bevölkerung immer noch tief verwurzelt. Man ist überzeugt, dass Buddhas goldene Regeln nicht ausreichen, das Leben zu meistern. Der Mensch hat tausend Ängste, folglich braucht er tausend Götter. Nationalstraße bedeutet eine Geschäftschance, so dass sich die Bevölkerung um jedes Stück Land reißt. Daher stehen die Gebäude direkt an der Straße und das Leben spielt sich dort und mangels baulichen Abstandsgebots auf der Straße ab. Dahinter lagen die Felder. Eine Bauplanung gibt es nicht. Guide-Weisheit des Tages: "Kommunismus, das ist, dass sich jeder ein Stück Land nehmen kann, das ihm gefällt und dann ist es sein Eigentum".
In Laos waren die Motorradfahrer besonders jung, ab 9 oder 10 Jahre und meist ohne Helm, die gesetzliche Altersgrenze liegt bei 16. Überall an der Straße wurde gekocht und die Köchinnen hoben beim Vorbeifahren die Deckel um ihre Speisen zu zeigen und zum Halten zu animieren.
Wir besuchten einen Gemüsemarkt, der aber hauptsächlich totes und halbtotes Tier verkaufte, so z.B. ein gehäutetes, aber im Übrigen vollständiges Faultier. Da deren Jagd illegal ist, konnten wir es nicht photographieren. Gemüse gab es auf dem Gemüsemarkt nicht so sehr viel, stattdessen viel Geflügel, Fische, Frösche.
Tierverkauf
Die meisten Gemüsesorten sollten Auberginen gewesen sein, aber wir hatten den Verdacht, dass unser Guide, alles, was er nicht kannte, als Auberginen bezeichnete. In einem Imbiss machten wir Mittagspause. Es gab Klebereis mit gebratenem Gemüse und Suppe. Es war höllisch scharf, den Chili konnte nur Thomas verzehren. Guide und Fahrer setzen sich, wie alle späteren Fremdenführer, separiert und beachteten uns bis zum Ende der Mittagspause nicht mehr. Zuletzt besichtigten wir einen Fischmarkt, der beidseitig der Nationalstraße gelegen war. Verkauft wurde keine Frischware, sondern getrockneter, geräucherter, gebratener und eingelegter Fisch in jeder Größe und Variation.
Das berühmt-berüchtigte Vang Vieng entpuppte sich als ziemlich hässliches Nest in toller Landschaft. Die vielen Bars mit Che Guevara Postern u.ä. zeugten von der jüngsten Vergangenheit als internationaler Hotspot junger Abenteuertouristen. Vor einigen Jahren hatten viele Todesfälle betrunkener oder sonst zugedröhnter Rucksacktouristen beim Autoreifenrafting international für Schlagzeilen massiven Veränderungen geführt. Unser Hotel war traumhaft gelegen.
Vang Vieng Silver Naga Hotel Blick aus dem Zimmer
Wir machten einen Spaziergang durch den Ort,
kamen zu einer wackeligen Holzbrücke und überquerten diese zwischen verschiedenen Mopedfahrern hinüber zur „Partyinsel“.
Brücke für Fußgänger und Roller über Nam Xong
Wir fanden ein Schild „Blaue Lagune, 1 km.“ und dachten, das wäre vielleicht ganz schön. Wir folgten ihm zu einem Hügel mit einem Aussichtspunkt, zu dem eine Treppe führte.
Da wir fünf Minuten vor Torschluss ankamen und zu dem Zeitpunkt keine Tickets mehr kaufen wollten, kehrten wir um. Ein noch weitreichender Entschluss. Wir entschieden uns, die Runde zu verlängern und gingen diesmal über die breitere Holzbrücke ein Stück weit flussabwärts zurück. Allerdings fuhren dort sogar Autos, was die Brücke einigermaßen schwanken ließ. Dafür gab es schönes Eindrücke und Farbenspiele im Dreivierteldunkel.
Brücke - auch für Autos
FlothoThemenstarter246 Beiträge · seit 201515. Apr. 2020 · #8
Do. 2.3.2017 Abenteuer in Vang Vieng Das Frühstück war durchschnittlich und asiatisch: Reissuppe, gebratener Reis, Gemüsecurry, gebratene gelbe Nudeln, Pancakes, Obst. Der heutige Tag war als Wandertag mit drei Höhlenbesichtigungen angekündigt und der Guide warnte etwas vor den Strecken, es waren aber für uns alle nur gemütliche Spaziergänge. Zunächst ging es am kleinen Nam Song-Flüsschen entlang. In diesem wurde viel gewaschen, gebadet und mit Netzen gefischt.
Zuerst erreichten wir die Pha Thao-Höhle. Diese war unbeleuchtet, weshalb man uns Stirnlampen (mit überwiegend defekten Stirnbändern) aushändigte. Da die Gehhilfen, Leitern sollte man sie nicht nennen, beim Aufstieg einigermaßen wackelten und der Boden sehr uneben war, war das Tragen hinderlich.
Aber was tut man nicht alles, wenn eine „amazing“ (so ein handgeschriebenes Werbeschild) Tropfsteinhöhle lockt?
Die Höhle selbst war tatsächlich außergewöhnlich. Die Stalaktiten und Stalagmiten waren ungewöhnlich schön, weil noch nicht durch Berührung mit den Händen und der damit einhergehenden Fettübertragung geschwärzt und verdorben. Die private Betreiberfamilie hatte die Höhle vor einigen Jahren zufällig auf ihrem Grundstück gefunden. In der Regenzeit wohl teilweise nur schwimmend erreichbar, schlecht gesichert und unbeleuchtet, wird sie hoffentlich noch lange in gutem Zustand bleiben.
Ausgerechnet der unter Arachnophobie leidende Thomas allerdings fand mit seiner Taschenlampe sehr viele große Spinnen.
Anschließend folgten wir dem Nam Song und kamen schließlich zu einigen Reisfeldern, wobei wir aus der Ferne eine erste Wasserbüffelherde zu Gesicht bekamen.
Wir wanderten durch ein Reisfeld zum sogenannten Elefantendorf. Dieses von 17 Familien bewohnte Dorf war vor 3 Jahren elektrifiziert worden. In kürzester Zeit wurden mit einer einzigen Ausnahme alle traditionellen Häuser durch langweilige moderne Unterkünfte ersetzt, die mitunter klimatische Probleme bereiten sollen.
Letztes traditionelles Haus
Der Dorfname leitet sich von einem elefantenförmigen Tropfstein in der heiligen Tham Xang-Höhle ab, in der sich zugleich eine Buddha-Statue und ein (in unseren Augen unsäglich hässlicher) Abguss eines Buddha-Fußabdrucks befinden.
Namensgebender Tropfstein
Dies war also unser zweites Tagesziel. Höhle war allerdings übertrieben, so dass wir nur wenige Minuten verweilten. Nach kurzem Fußweg über eine Bücke
holte uns unser Fahrer ab und brachte uns zurück zum Hotel für eine ausgedehnte Mittagspause.
FlothoThemenstarter246 Beiträge · seit 201516. Apr. 2020 · #9
Da wir zweieinhalb Stunden Zeit hatten, beschlossen wir, den gestern ausgelassenen Aussichtspunkt nachzuholen. Unser Guide bestärkte uns darin. Er sei noch nie dort gewesen, es solle aber sehr schön sein. Aus Angst vor den für den Nachmittag angekündigten Strapazen zog es Barbara vor, sich im Hotel auszuruhen. Schnell erreichten wir den Ticketstand und lösten uns den Zugang. Im Internet heißt es, man brauche 10-15 Minuten nach oben. Bereits nach wenigen Metern ging es über wenig vertrauenserweckende Leitern ziemlich steil bergauf
zu einem Höhlensystem,
das wir aber ausließen, um zuerst zum Aussichtspunkt zu gelangen. Auf dem Rückweg wäre ja ohnehin noch Zeit, so dachten wir zu diesem Zeitpunkt. Die folgende Kletterei war schlicht lebensgefährlich. Es gab einige wenige, zum Teil schlecht instandgehaltene Holz- und Bambusleitern über Felsspalten und Abgründe.
Ansonsten war es ungesichertes Klettern, das unserer Höhenangst wenig zugutekam. Thomas wollte umdrehen, kletterte aber brav und in ständiger Angst vor den, wie wir später nachlasen, tatsächlich zwischen den Karstfelsen lebenden Schlangen und Spinnen Florian hinterher. Florian traute sich bald nicht einmal mehr, die Hände zu lösen, um den Photoapparat zu zücken. Denn um nicht abzurutschen, musste man sich an Felsspitzen und Wurzeln festhalten oder sogar hochziehen. Daher fehlen Bilder der spannenderen Stellen. Vereinzelt überholten uns jüngere Leute in Kletterausrüstung, auch der Überholvorgang war ein Balanceakt und nicht an jeder Stelle möglich. Der eine oder andere Mutige tänzelte aber über die über die Spalten gelegten Sprossenleitern, während wir uns nur auf allen vieren hinüberschoben. Der Weg war an einigen Stellen mit Absperrband und Lebensgefahrhinweisen gesichert. Leider war es stellenweise zerrissen und uns nicht immer klar, welcher Weg nun gesperrt und welcher der Richtige war. 1-2 Mal verkletterten wir uns daher auch und mussten die erlaubte Route wiederfinden. Die Aussicht auf dem Gipfelplateau war nicht sonderlich gut, weil von Bäumen überwachsen.
Um über diese zu blicken, musste man noch auf eine mannshohe Felsplattform klettern. Hier war es nun Florian, der streikte und Thomas so nervös machte, dass er sich zwar noch dorthinauf traute, sich aber nicht mehr zum Aufstehen überwinden konnte, so dass uns eine wirklich gute Panoramaaufnahme versagt blieb.
Der Rückweg schien etwas leichter, wohl weil wir nun nicht im Ungewissen waren, was uns erwartete.
Florian hatte hingegen etwas mehr Probleme, weil er endgültig realisierte, dass es sich um das gefährlichste Abenteuer handelte, auf das wir uns jemals eingelassen hatten. Die Höhle besichtigten wir nicht, denn es war keine Zeit mehr übrig. Unsere Kletterei dauerte statt der angekündigten 20 bis 30 Minuten 1:45 h. Das stellte sich insofern als günstig heraus, als dass wir im Internet herausfanden, dass die Höhle riesig und labyrinthisch ist und nur mit Führer und Stirnlampen betreten werden kann. Hinweise auf all das, etwa beim Ticketkauf, gab es nicht. Offenbar befand sich dort auch die gesuchte blaue Lagune. Von den dort angeblich immer auf Kundschaft wartenden einheimischen Führern hatten wir jedenfalls nichts bemerkt, sie hielten wohl Mittagspause. Wir hetzten in erbärmlichen Zustand zum Hotel und wechselten unsere Sachen. Wir fuhren nun zur Tham Chang-Höhle, die in den letzten 25 Jahren zum großen Boom der Region beigetragen hat. 1994 wurde zur Höhle ein Restaurant gebaut, vier Jahre später folgte die Elektrifizierung. Im Gegensatz zum heutigen festen Mauerwerk mit hoher, recht steiler Treppe, musste man damals noch über eine Bambusleiter zur Höhle gelangen. Oben gab es einen schönen Aussichtspunkt. Wir staunten nicht schlecht, als uns der Guide erzählte, dass man von diesem Punkt vor zehn Jahren noch keine Häuser sehen konnte. Die Höhle selbst diente im 19. Jahrhundert als Schutzbunker vor plündernden Chinesen.
Mit ihrer Erkundung war der körperlich mit Abstand anstrengendste Tag unserer Reise zu Ende gegangen. Dank der ‚Mittagspause‘ waren wir völlig fertig.
FlothoThemenstarter246 Beiträge · seit 201517. Apr. 2020 · #10
Fr. 3.3.2017 Verbrannte Erde
Heute steht ein Landtransfertag an, interessant wird es trotzdem.
Das Frühstück ist schlechter als am Tag zuvor. Es scheint vor allem Vortagsreste zu geben. Pancakes waren ausgegangen, ebenso der gebratene Reis. Wir nehmen stattdessen Klebreis und Omelette. Barbara hat schlecht geschlafen, weil eine Wagenladung Koreaner angekommen ist, die einen Großteil der Nacht unglaublichen Lärm gemacht haben. Beim Frühstück drängeln sie und sind gierig, so dass wir auch kaum Obst abbekommen – kaum wird etwas gebracht, lädt einer das ganze Tablett auf seinen Teller und verteilt es intern an den koreanischen Tischen.
Auf der Fahrt nach Luang Prabang doziert unser Guide (wieder) über jedes verschlafene Dorf, bzw. erklärt, welche ausländische Regierung in welchem Jahr die jeweilige Grundschule gestiftet hat; sehr aktiv sind die Schweizer, aber auch Korea und Schweden fallen häufiger. Diesbezüglich weiß er alles. Im Kasi-Distrikt halten wir, weil er uns ein Dorf (Ban Phatang) zeigen will, dass vor einem Jahr elektrifiziert wurde.
Die dortige Schulhütte haben die Koreaner gespendet. Die Fahrt durch die Berge ist einigermaßen halsbrecherisch. Florian wird schlecht vom Autofahren. Die am Straßenrand über den Hang gebauten Häuser erwecken auch kein Vertrauen, ebenso wenig wie die ständig auf der Schnellstraße herumlaufenden Kinder, Köter und Nutztiere oder gar der Gegenverkehr.
Schulanfänger auf der nationalen Schnellstraße. Für vernünftige Bilder sind wir zu schnell unterwegs
Wir sind froh, weder bei Regen, noch bei Dunkelheit fahren zu müssen und bedauern unseren Fahrer, der heute Nacht noch zurückfahren muss. Der Guide erzählt vergnügt von den Horrorunfällen, die sich hier regelmäßig ereignen. Schon um 11:00 rasten wir im seinen für seinen Ausblick berühmten Restaurant, Phoun Khoun.
Leider haben wir von dem wunderbaren Bergpanorama wenig, denn die Luft ist sehr rauchig. Überall kommen wir an Brandrodungsflächen vorbei.
Ob der steilen Hanglage kommt es besonders schnell zur Erosion, weshalb die Felder auch nur wenige Male bestellt werden können, ehe der Boden zerstört ist. Laos hat ein Viertel seiner Fläche in den letzten Jahren durch Brandrodung geschädigt oder vernichtet. Wir fragen uns, wie Klimaschutzanstrengungen irgendetwas bewirken sollen bei dem, was nicht nur in Laos an Brennstoff sinnlos in die Atmosphäre gejagt wird. Umweltschutzbemühungen von außen werden leider als Eingriff in die nationale Souveränität verurteilt, denn zwei Drittel der Bevölkerung leben vom Ackerbau. Jährlich gehen so in Laos ca. 300.000 ha Wald verloren. Einen weiteren Stopp gibt es im gleichnamigen Dorf Phoun Khoun. Wir besuchen einen weiteren Markt. Wieder sehen wir ein gewildertes Faultier, diesmal noch nicht gehäutet.
Faultier auf dem orangenen Tisch links
Unser Guide steckt wie immer in alle möglichen Warenkörbe seine Hände und nimmt mit, was ihm gefällt, hauptsächlich Nüsse, um dann einfach weiterzugehen. Auf den Fahrten futtert er fasst ununterbrochen, ebenso bei den Besichtigungen. Das Dauerschmatzen ist weniger störend als der sich regelmäßig ausbreitende Geruch. Mittagspause machen wir in Kiu Kacham. Da unsere vegetarische Suppe aus Fleischsud zu bestehen scheint, lassen wir sie stehen. Wir lassen uns mal wieder etwas Reis mit Gemüse machen. Wirkliches Gemüse gibt es nicht, nur Spuren von Grünzeug unter den Reis gemischt. Der Preis stimmt auch nicht und ist zu hoch. Immerhin sehen wir drei Mitleidende vom Frühstück wieder. Die kleine Frauengruppe hatte die Koreaner auch über sich ergehen lassen. Nach einer weiteren ermüdenden oder auch beängstigenden Fahrt erreichen wir Luang Prabang. Kurz nach uns kommen wieder die drei Frauen aus Vang Vieng an.
The Sanctuary Hotel
Nach dem Einchecken in die wunderschöne Anlage beschließen wir, einen Spaziergang zu machen. Luang Prabang stellt sich als atemberaubend heraus.
FlothoThemenstarter246 Beiträge · seit 201518. Apr. 2020 · #11
Luang Prabang wurde 1353 vom laotischen Fürstensohn Fa Ngum, ein von den Khmer unterstützter Schwiegersohn des Angkor-Herrschers, als Hauptstadt des ersten laotischen Reichs gegründet. 1560 wurde die Hauptstadt jedoch in das heutige Vientiane verlegt, weil die Residenz den angreifenden Burmesen in die Hände zu fallen drohte. Da wir noch zwei Tage hier verbringen, kommen die kulturellen Highlights erst später (dennoch: Vorsicht, Bilderschwemme). Da es in absehbarer Zeit Dunkel wird, gehen wir die Haupstraße entlang, bis wir in den Marktbereich kommen.
Auf dem Tagmarkt werden die Einkäufe mit den überall zwischen den Ständen fahrenden Rollern erledigt.
Wir laufen zum Mekong, umrunden an dessen Uferschleife die Altstadt und kehren über den Nachtmarkt zurück.
Vor den Häusern und an allen möglichen Ecken dösen Hunde vor sich hin.
Mündung des Nam Khan in den Mekong
Verwirrende 'Oldtimershow'
Interessantes Spiel, bei dem der zugeworfene Ball im Rückwärtssalto gefangen oder gekickt werden soll.
Eingang zum Nachtmarkt
Dort machen wir auf einer Anhöhe halt und warten die hereinbrechende Dunkelheit ab. Die Atmosphäre ist bezaubernd. Auf der Terrasse haben wir einen wunderbaren Blick über den Nachtmarkt hinweg zum ehemaligen Königspalast, in dem heute das Nationalmuseum untergebracht ist. Außerdem sehen wir den vielleicht schönsten Sakralbau von Laos im Dunklen, den Haw Pha Bang, in dem die Buddha-Staue Pha Bang, das laotische Nationalheiligtum, verwahrt wird und nur zum Neujahrsfest in feierlicher Prozession zu einem Kloster überführt wird.
Nationalmuseum
Haw Pha Bang (Tempel der Buddha Statue)
Wir werden von vier Jugendlichen angesprochen; diese wollen uns als Versuchsobjekte für ihre Englischhausaufgaben benutzen, nämlich Touristen zu interviewen: wo sie herkommen, wie lange sie bleiben und dergleichen. Anschließend wollen sie noch ein Photo von uns machen. Sie sind von Barbaras weißem Haar fasziniert und wollen alle Bilder mit ihr haben. Als wir ihnen sagen, dass wir kein Facebookprofil haben, wird uns nicht geglaubt. Thomas wird derweil von Mücken gestochen. Trotzdem ist es ein malerischer Ausklang eines ziemlich gruseligen Tages.
FlothoThemenstarter246 Beiträge · seit 201520. Apr. 2020 · #12
Sa. 4.3.2017 Wasserspiele in Luang Prabang
Wir stehen um 4:45 auf, weil wir um 5:30 den Bettelgang der Mönche beobachten wollen. Es wird eine desaströs-ernüchternde Erfahrung. Die Reiseveranstalter, Guides und sogar das Hotel überschütten die Gäste mit Anweisungen dazu, das Ritual als Touristen nicht zu stören. Wir halten uns daran, so dass sich unsere Beobachtungen darauf beschränken, den Niedergang dieser kulturellen Tradition zu dokumentieren. Die Kleidungsordnung (Knie bedeckt für alle) wird grundsätzlich ignoriert. Wer nicht spenden will, soll dennoch knien, da man nie auf Augenhöhe mit den Mönchen stehen soll; wer nicht knien will, soll sich entfernt aufhalten, außerdem soll man sparsam und keinesfalls mit Blitz photographieren. Die Realität bestand aus einer photogeilen Meute, welche das Rinnsal der Mönche von allen Seiten bedrängte und teilweise sogar anfasste. Die Mönche kämpften sich durch ein Blitzlichtgewitter. Stimmung hatte das überhaupt keine und es wundert auch nicht, dass inzwischen nur noch ein Bruchteil der dortigen Mönche diesen Pflichtgang überhaupt vollzieht. Wieder einmal waren aber die asiatischen Touristen im Durchschnitt sehr viel unverfrorener - ausgenommen einige westliche Backpacker, die den Mönchen sogar den Weg versperrten, um Frontalbilder von vorne zu machen.
Anschließend genießen wir ein schönes Frühstück mit gebratenen Nudeln, gebratenem Reis mit Gemüse (leider etwas kalt), gebackenen Kartoffeln, geschmorten Tomaten, Joghurt, Obst. Höhepunkt sind neben der malerischen Frühstücksterrasse aber eindeutig die frischen Crêpes mit hausgemachter Papayamarmelade und Honig. Wir unternehmen eine Stadtbesichtigung mit Marktrundgang
und besuchen verschiedene Tempel. Die Stadt profitiert von dem staatstragenden Kompromiss, dass Marxismus und Buddhismus keinen grundlegenden Widerspruch aufweisen sollen. Zu nennen sind zunächst der älteste bewohnte Tempel der Stadt Wat Visoun (1513)
Wat Visoun (1513) Frühstückshaus und Trommelhaus
und Wat Aham (1818), in dem uns der Guide an einem Verkaufsstand Geisterfiguren für das Neujahrsfest zeigt.
Die schönste Tempelanlage ist aber der goldene Stadttempel Wat Xieng Thong.
Dass dieser vom König erbaut wurde, beweisen die 17 Spitzen auf dem Dach. Kleine Kapellen werden von sehr schönen und interessanten Mosaiken wie dem Flammenbaum des Lebens oder dem Kreis des Lebens verziert (für die ikonographischen Details hilft Tante google oder der Reiseführer eigener Wahl).
Wat Xieng Thong Tripitaka Bibliothek
Wat Xieng Thong Flammenbaum des Lebens
Wat Xieng Thong goldene Stupa
Wat Xieng Thong Grabkapelle Urnenwagen
Anschließend besuchen wir das Nationalmuseum. Es soll als originalgetreu erhaltene Residenz der letzten königlichen Dynastie einen Einblick in die Geschichte des Landes geben. Da das Museum wie alle weiteren laotischen und kambodschanischen Museen noch in der museumspädagogischen Steinzeit verharrt, ist es eher langweilig. Man sammelt zusammenhanglos das, was man in die Finger bekommt, sortiert es nach Ähnlichkeit, nicht nach geographischem, kulturellem oder epochalem Zusammenhang. Entscheidend ist außerdem die Quantität, nicht die Qualität der Stücke. Beschriftungen existieren allenfalls rudimentär und den Kontext der aus dem Zusammenhang gerissenen Stücke kann sich der geneigte Besucher selbst erschließen. Photos sind verboten.
Nationalmuseum und Haw Pha Bang.
Nachmittags fuhren wir zum Kuangsi-Wasserfallpark, ...
FlothoThemenstarter246 Beiträge · seit 201522. Apr. 2020 · #13
Nachmittags fuhren wir zum Kuangsi-Wasserfallpark, der nicht nur einen beeindruckenden Wasserfall zu bieten hatte, sondern unterhalb und zwischen den Stromschnellen zahlreiche Bademöglichkeiten bot. Wir verzichteten darauf, unsere Badesachen mitzunehmen und bereuten diesen Entschluss nicht, als wir sahen, wie überlaufen diese Mischung aus berühmter Sehenswürdigkeit und Naherholungsgebiet war.
Von den Menschenmengen abgesehen handelte es sich um eine traumhafte Örtlichkeit.
Angebunden war außerdem ein Rescue-Center für aus der Gefangenschaft befreite asiatische Schwarzbären, das man dort besuchen und dessen Arbeit man mit Spenden unterstützen kann. Es befanden sich leider sehr viele Tiere auf eng begrenztem Raum, manche übel mitgenommen mit fehlenden Gliedmaßen und dergleichen, aber man spürte das ernsthafte Bemühen, sie aufzupäppeln.
Am Abend steht noch ein Besuch des königlichen Balletts an. Unser Guide besorgt uns recht schöne Plätze. Masken, Kostüme und Musik sind ob ihrer Fremdartigkeit sehr interessant, da man aber nicht viel von dem, was im Schneckentempo auf der Bühne (nicht) passiert, mitbekommt oder versteht, wird es zu einer sehr langatmigen und ermüdenden Veranstaltung. Selbst Barbara als Fachfrau kann dem fast nichts abgewinnen. Hinzu kommt das erschreckende tänzerische Niveau, bei dem sich die Körperbeherrschung weit unterhalb eines mitteleuropäischen Kinderballetts bewegt. Die Frauen müssen sich ohnehin fast nicht bewegen, die Männer haben überwiegend schon ersichtliche Probleme damit, auf einem Bein zu stehen. Die Trommler verpassen ihre Einsätze, weil sie während der Aufführung mit ihren Smartphones herumspielen. Dennoch wollen wir diesen kulturellen Einblick im Nachhinein nicht missen.
Da der Abschied unseres ersten Guides allmählich nahte, mussten wir uns frisches Bargeld besorgen – eine kleine nächtliche Odyssee und ein Probelauf für das Kommende. Direkt neben unserem Hotel befand sich ein ATM. Der war etwas kompliziert, trotz Wörterbuch, gelang es Florian nicht, Geld abzuheben. Er holte Thomas aus dem Hotel dazu. Gemeinsam gelang es uns, durch das Menü zu finden, Geld bekamen wir aber nicht. Als wir im Hotel an der Rezeption nachfragten, beschied man uns, dass die Angestellten dort auch seit Tagen kein Glück gehabt hätten, weil dem Automaten das Geld ausgegangen sei. Also beschlossen wir, noch einmal zum Nachtmarkt zu laufen, weil wir dort an einer Kreuzung eine Batterie von ca. 7 ATM’s unterschiedlicher Banken gesehen hatten.
Florian wollte scherzhaft wissen, welchen ATM wir nehmen – Thomas: „den zweiten von rechts“. Dieser zeigte kein Visalogo, so dass wir uns anderweitig umsahen. Der Automat rechts außen nahm die Karte so langsam an, dass Florian schon um die Kreditkarte fürchtete. Die Karte kam sofort zurück, der Automat hatte offenbar auch kein Geld mehr. Alle weiteren ATM’s waren in irgendeiner Weise außer Funktion, so dass wir dann doch den zweiten von rechts probierten – und dort Erfolg hatten.
FlothoThemenstarter246 Beiträge · seit 201523. Apr. 2020 · #14
So. 05.03.2017 Bootsrennen auf dem Mekong Dieses Mal sitzen wir beim Frühstück (6:30) draußen, dort hat es weniger Mücken als im Salon. Das Frühstücksbuffet ist wieder sehr gut, nur wird heute erst alles nach und nach aufgebaut, weil wir so früh dran sind. Um 8:00 starteten wir bereits in das Tagesprogramm.
Bevor es zu heiß wurde, bestiegen wie den heiligen Phou Si-Tempelberg.
An diesem Tag fand eines der vielen Feste statt, weshalb schon viel Betrieb war und Opfergaben in Form von Geldscheinen in die Tempelanlagen gebracht wurden.
Wat Thammothayalan Geldopfer
Auch einen Buddha-Fußabdruck gibt es hier, nicht so haarsträubend hässlich wie im Elefantendorf, aber auch kein Motiv. Mehr Spaß machte es, die Novizen zu beobachten, die sich an Trommeln und Becken verausgabten. https://youtu.be/Y47JqPJxoOc
Der Klostereintritt erfolgt gerade aus ärmeren Familien heraus meist mit 9 Jahren. Wie alle Marktverkäufer haben sie Smartphones, auf die sie sich stürzen, sobald die Dienspflichten erledigt sind.
Wir steigen weiter hinauf. Trotz des Nebels kamen wir in den Genuss eines schönen Panoramablicks über Luang Prabang.
Unser Guide gab sich gewohnt dialektisch. Auf Barbaras Frage, ob ein bestimmter Baum abgestorben sei, antwortete er: „Ja, dieser Baum ist tot. Er lebt noch“. (Guide-Spruch des Tages)
Zombie-Baum
Den Höhepunkt eines jeden Aufstiegs bildet die vergoldete Stupa von Wat Chom, zu der es eine schöne Legende gibt, die wir aber leider nicht mehr zusammenbekommen und auch über google nicht finden.
Hinunter geht es zu dem Plateau, von dem aus wir den Blick über den Nachtmarkt hatten. Auf dieser Höhe befindet sich noch ein Schmuckstück, das mit den anderen Prachtbauten gegebüber fast ein wenig unscheinbar wirkt.
Wat Pa Houak
Anschließend liefen wir hinunter zum Bootssteg am Mekong, um unsere Bootsfahrt zu den berühmten Höhlen von Pak Ou zu beginnen. Wir staunen nicht schlecht, als wir erfuhren, dass das riesengroße Boot uns allein transportieren sollte.
Wegen der Strömung sollte die Hinfahrt 2 Stunden, die Rückfahrt 1 Stunde dauern. Den Bootsführern schien das zu lange und so versuchten sie ständig, einander zu überholen, schnitten den Weg und zwangen zum Abbremsen. Ausgelöst oder befördert hatte dieses Gebaren vermutlich ein Vorfall ganz zu Beginn. Unser ‚Kapitän‘ ging kurz nach dem Start auf die Toilette und überließ das Steuer seiner augenscheinlich überforderten Gehilfin, die wir Quax tauften, auch wenn sie viel zierlicher war als weiland Heinz Rühmann. Ihre nautischen Fähigkeiten beschränkten sich darauf, das Steuer gerade zu halten. Und so ließ sie uns ungebremst in einen anderen, überholenden und uns den Weg abschneidenden Kran krachen, der daraufhin ziemlich lädiert wirkte, genauer einen klaffenden Riss Mitte der linken Bootswand aufwies. Der Kapitän übernahm schnell das Steuer, tat so, als wäre er die ganze Zeit dort gewesen, während die jeweiligen Assistentinnen von Bordseite zu Bordseite einander beschimpften und der andere Bootsführer wild auf den großen Riss in der Außenwand hinwies. Unser Kapitän gab keine Reaktion zu erkennen und fuhr einfach weiter. Die kommenden Manöver schwankten zwischen Wettbewerb und Vergeltung. Wir schnitten einem überholenden Boot den Weg ab, das sich damit revanchierte, uns bei nächster Gelegenheit so an das Ufer zu drängen, so dass wir trotz des breiten Flusses zu einer Vollbremsung gezwungen wurden.
Die Bordwand zu photographieren trauten wir uns nicht, um nicht weiteren Ärger zu provozieren, daher nur dieses Bild der Verfolgungsjagd durch das von unserem gerammte Boot.
Das Uferansichten waren schön, aber, wenn man nicht gerade an ein solches gedrängt wurde, vergleichsweise unspektakulär.
Einen ersten Halt machten wir im Ban Sang May. …
FlothoThemenstarter246 Beiträge · seit 201524. Apr. 2020 · #15
Einen ersten Halt machten wir im Ban Sang May. …
Einwohner und Mönche waren sehr geschäftig, um für ein bevorstehendes Buddhafest den Tempel zu streichen.
Dort lernten wir die Reisschnapsbrennerei
und die Webkunst kennen.
Die Produkte wurden natürlich auch verkauft, wobei das Tuch eigentlich überall extrem kratzig war.
Der Reisschnaps hingegen fiel vor allem wegen der teilweise nicht importfähigen (Grusel-)Einlagen - Schlangen, Skorpione und allerlei andere Kriechtiere - auf.
Bald fuhren wir weiter. Die heilige Höhle Tham Thing bei Pak Ou war kleiner, als wir erwartet hatten, und kann nur vom Wasser aus erreicht werden.
Über steile und teilweise sehr schmale Treppen ging es in die Kalksteinfelsenhöhlen. Wir kämpften alle etwas mit der Höhenangst, weil uns das Gedränge und Geschiebe ziemlich riskant erschien.
Das galt vor allem für die erste, nicht sehr tiefe Höhle, die übervoll von Buddhastatuetten war. Es handelt sich um Opfergaben, die ständig ergänzt werden. Die Statuen sind also zwischen frischgefertigt und 200 Jahre alt und 3cm bis 1,5m groß. Alles durcheinander, ebenso wie das Herstellungsmaterial. Die Darstellungsform ist hingegen nicht frei, sondern genau vorgegeben mit 32 Haupt- und 88 möglichen Nebenstellungen, sogenannten Mudras, die jeweils eine genaue Bedeutung haben.
Danach stiegen wir weiter hinauf zur großen Grotte Tham Phoum. Dort wurde es weniger stressig, sie war aber sehr dunkel und kaum erleuchtet. Auch dort gab es viele Buddhastatuen.
Früher lebten dort buddhistische Einsiedler. Barbara rannte vor und da sie keine Taschenlampe dabei hatte, bekam sie nicht nur von den Erläuterungen nichts mit, sondern auch die alten Höhlenmalereien nicht zu Gesicht.
Denn die Grotte war schon in vorbuddhistischer Zeit eine Kultstätte, in der die Flussgeister des Mekong verehrt wurden.
Wir machten uns auf den Rückweg und photographierten noch etwas die Umgebung,
ehe die schnelle und völlig ereignislose Fahrt flussabwärts begann.
Gefängnisanlage am Mekong
Nachdem wir wohlbehalten nach Luang Prabang zurückgekehrt waren, verabschiedeten wir unseren Guide, der noch zurück nach Vientiane musste. Für die Fahrt zum Flughafen sollte uns tatsächlich noch ein neuer Guide zugewiesen werden. Wir nutzten den dadurch freien Nachmittag für eine Erkundungstour auf eigene Faust. …
FlothoThemenstarter246 Beiträge · seit 201526. Apr. 2020 · #16
Wir gingen über die Sisavang-Vong-Brücke, von der wir zunächst dachten, sie hätte keinen Fußgängerweg, ehe wir ein etwas klapprig wirkendes Seitengestell bemerkten,
um in die Außenbezirke zu gelangen, weil wir noch ein paar entferntere Sehenswürdigkeiten erkunden wollten. Zunächst mussten wir länger auf Barbara warten, die einige Mühe hatte, sich der wackligen Holzkonstruktion anzuvertrauen, zumal die Spalten und Löcher zwischen den Brettern durchaus beachtlich waren.
Auf der anderen Seite liefen wir durch das deutlich ärmlichere und weniger touristisch frequentierte Gebiet zum Wat Tao Hai, wo wir zwar zu spät waren, die Herstellung des handgeschöpften Papieres zu beobachten, aber wieder ein Trommelkonzert bewundern durften.
Über den etwas verfallen wirkenden, aber noch bewohnten Wat Phan Luang,
der für seine Rennbootproduktion bekannt ist,
spazierten wir weiter zum Wat Pa Kha, einem an einem laut Reiseführer „lauschigen Hain“ gelegenen Waldtempel.
Von lauschig war aber nicht viel zu spüren. Zwei ungemütlich wirkende Hunde begannen drohend zu knurren, als wir uns dem Eingang näherten, so dass wir schnell umdrehten.
Wat Ponsaath
war wiederum den Besuch wert, denn wir genossen einen tollen Ausblick über den Mekong.
Wir überlegten, ob wir zurückgehen oder aber zur entfernteren Brücke weitermarschieren sollten, um einen Rundweg abzuschließen. Barbara fragte kurzerhand ein englisch wirkendes Paar (auf „Do you speak English?“ folgte ein leicht indigniertes „I am English“). Trotz dieses etwas steifen Beginns erklären sie uns, dass die Brücke gut zu überqueren sei, die Taxe aber 10.000 Kip betrage. Barbara war das egal, sie wollte die erste Brücke keinesfalls mehr betreten. Das andere Konstrukt erwies sich zwar als eine nur saisonale Bambuskonstruktion, da sie aber nur 2-3 Meter über dem Wasser verlief, war sie dennoch wesentlich weniger furchteinflößend.
Nun waren wir wieder in der Altstadt und besichtigten die Hauptstraße entlang alle bislang ausgelassenen Tempel, wobei wir manch künstlerische Scheußlichkeit zu Gesicht bekamen. Recht schlicht war der Wat Pak Khan, eine Stiftung wohlhabend gewordener Händler.
Wat Souvannakhili stellt eines der seltenen erhaltenen Beispiele für den nordostlaotischen Xieng-Khouang-Stil dar.
Im Wat Wat Sibounheuang überlegen wir, dem Abendgebet beizuwohnen, aber obwohl es eigentlich erlaubt ist, wollen wir nicht stören, weil die Andacht schon begonnen hatte. Andere Touristen zeigen sich weniger rücksichtsvoll.
Wat Syrimoungkoun Xaiyaram ist architektonisch völlig untypisch mit nur einer Seitengalerie und hohen Seitenwänden.
Wir filmen das Abendgebet wiederum nur von außen, aber etwas entgeistert über den Einzug moderner Beleuchtungstechnik. https://youtu.be/OvyCHU9WGtc
Wat Sop reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück und beherbergt heute die höhere Mönchsschule.
In unterschiedlicher Gefühlslage nach den zahllosen Tempeln am Ende eines ohnehin extrem langen Tages – Barbara begeistert, Thomas schwer genervt und Florian apathisch, erreichten wir endlich den letzten Tempel auf unserer Liste, Wat Sensoukharam. Dieser wird nicht nur im nordlaotischen Stil von zwei goldenen Löwen bewacht, sondern ist auch der am reichsten mit Goldschmuck verzierte Tempel Luang Prabangs.
Abschließend gingen wir ein letztes Mal über den Nachtmarkt und gaben unser überschüssiges Geld aus, da wir am nächsten Tag das Land verlassen würden. Wir aßen ein paar Crêpes mit Avocado und Salat bzw.- Ananas und Erdbeeren. So viel Auswahl haben wir noch nirgendwo gesehen
Frei nach dem vulkanischen Motto "unendliche Crêpes in unendlichen Variationen!"
Am Ende spendeten wir einem alten Bettler unsere restlichen Kip in der vergeblichen Hoffnung, er möge in seiner Musik innehalten.
Da Bettelei dort für alte Leute die größtmögliche Erniedrigung darstellt, ist die Not in solchen Fällen sehr groß, weshalb zu Gaben angeraten wird. Es gibt kein Sozialsystem, was nicht nur im fehlenden Wohlstand, sondern auch in der religiösen Vorstellung, dass Leid und Behinderung selbstverschuldet sind und erduldet werden müssen, gründet. Laos gilt mit 3 Mio. Tonnen Sprengkörper als das am stärksten bombardierte Land der Welt, ein Drittel der Sprengkörper ist nicht detoniert, so dass es nach wie vor zu zahlreichen Unfällen kommt. Umgerechnet gingen auf jeden Landesbewohner 2,5 Tonnen Bomben nieder.
Champagner8'672 Beiträge · seit 201026. Apr. 2020 · #17
Hallo Ihr Zwei,
ich komme gerade kaum nach mit Lesen!!! 🤩 Herzlichen Dank für die vergnügliche Lektüre und für die viele Mühe, die Ihr euch mit den Fotos und auch dem launigen Text macht. Ich weiß nicht, ob ich mich mehr über die handydaddelnden Trommler, den Zombiebaum, die spektakulär-unspektakulären Ufer oder über die I-am-Englishs amüsiert habe - auf jeden Fall musste ich öfters schmunzeln 😄
Eure (Schwieger)Mutter Barbara macht einen ziemlich unerschrockenen und meist fröhlichen Eindruck (Zitat "Barbara begeistert, Thomas schwer genervt und Florian apathisch" 😄 ) - das gefällt mir!
Keine Ahnung, ob mir so eine Tour, bzw. die Region gefallen würde, aber so ein bisschen juckt es mich schon beim Mitlesen, mal wieder eine ganz andere Kultur zu erleben...
FlothoThemenstarter246 Beiträge · seit 201527. Apr. 2020 · #18
Liebe Bele,
schön, dass etwas Leben in den Faden kommt. Bei uns liegen auch diverse Reiseberichte auf Halde. Wir hinken da immer Jahre hinterher. Momentan ist dein Birding-Faden derjenige, der zu 3/4 gelesen ist. Insgesamt ist zu sagen, dass diese Reise hier sehr überladen war, was wir aber durchaus auch mögen (mehr im Fazit). Uns hat das ganze insgesamt weniger gefesselt als Namibia. Barbara sieht das wohl anders. Faszinierend waren aber die drei unterschiedlichen Länder, insbesondere die technische und ökonomische Entwicklung. Es hatte was von Zeitsprüngen von jeweils 20 Jahren Entwicklung vom Entwicklungsland Laos bis zu Vietnam, das in vielerlei Hinsicht weiter ist als wir hier. Außerdem kommen noch sehr schöne Flecken, besonders in Vietnam. Kambodscha war ja nur ein kurzer Abstecher. Es wird schon auch weiter lustig zugehen.
Momentan ist aber Priorität nicht Rückkehr ins südliche Afrika, sondern eher komplett neue Sachen machen, solange Barbara das kann oder will. Wenn man denn dann überhaupt in absehbarer Zeit wieder kann ... unerschrocken ist Barbara ja, wenn auch nicht furchtlos. Als wir im März in Island unterwegs waren, haben wir an ihrem 80. Geburtstag eine Gletscherwanderung gemacht, ein gutes Beispiel dafür, finde ich. Islandberichte haben wir hier ja im Moment genug, irgendwann folgt der vielleicht aber auch. Herzliche Grüße Thomas
FlothoThemenstarter246 Beiträge · seit 201527. Apr. 2020 · #19
Mo. 06.03.17 Hütchenspiele mit den Reisepässen
Heute gönnten wir es uns, auszuschlafen, weil es kein Vormittagsprogramm gab. So frühstückten wir erst um 8:00 und bedauerten, das schöne Hotel verlassen zu müssen. Vor dem Auschecken um 12:00 unternahmen wir aber noch einen Spaziergang in das westliche Viertel, das wir noch nicht gesehen hatten.
Schule
Gesundheitsministerium - zur Zeit vielleicht besonders interessant.
Wir besuchten den rituell wichtigsten Tempel der Stadt, Wat That Luang, welchen Missionare des Inderherrschers Ashoka schon im 3. Jh. v. Chr. gegründet haben sollen.
Im Wat That Luang wurde Barbara wieder einmal von zwei begeisterten und sehr jungen Novizen angesprochen, die Selfies mit ihr wollten. Leider vergaßen wir zu fragen, ob auch sie mit einem Photo einverstanden wären.
Anschließend kamen wir an dem 1372 gegründeten und 1972 wiederrichteten Wat Monorom,
allgegenwärtige tägliche Reisopfergaben
dem mit über 100 Mönchen größtem Kloster Luang Prabangs, vorbei, gefolgt vom 1548 gegründeten und 1910 restaurierten Wat Mahathat
und den auf einer Terrasse über letzterem gelegenen Wat Ho Siang aus dem 19. Jh.
Im Wat Ho Siang beobachteten wir eine Szene mit einer Gruppe Novizen, in der ein vielleicht 10-Jähriger einem schätzungsweise 15-Jährigen das Smartphone stibitzte. Der Ältere stürzte sich auf den Jüngeren und würgte ihn, bis er das Smartphone wieder herausgab.
Um kurz nach 12:00 wurden wir von unserem neuen Guide abgeholt. Er half uns noch beim Check-In, sprach ausgezeichnetes Deutsch, war sehr freundlich und zuvorkommend und wusste augenscheinlich auch mehr zu sagen als unser eigentlicher Laos-Guide, dessen Wissen sich ja meist auf die neuesten Bauprojekte und die Versicherung, dass etwas „sehr sööhn“ sei, beschränkt hatte. U.a. konnte er uns die erfreuliche Mitteilung machen, dass wir wegen der vielen Menschen am Schalter wahrscheinlich mit einem Airbus statt der üblicherweise eingesetzten Propellermaschine fliegen würden.
Flughafen Luang Prabang
Er behielt Recht. Im trotzdem relativ leeren A321 bekamen wir trotz der kurzen Flugzeit von 90 min. sogar ein belegtes Brötchen für Vegetarier, unser Reisebüro hatte gute Arbeit geleistet. Die Einreisedokumente für Kambodscha füllten wir noch im Flugzeug aus. Wir merkten allerdings gleich nach der Ankunft den erheblichen Klimaunterschied zum noch tropischeren Kambodscha. Florian und Barbara fühlten sich regelrecht erschlagen. Zum Wohlbefinden trugen die Einreisemodalitäten nicht gerade bei. Wir mussten Visaanträge, Reisepässe, Gebühren etc. einer Gruppe von Beamten abgeben, welche die Pässe mit den anderen Unterlagen einfach auf einem großen Haufen zusammenwarfen. Es kam immer mal ein Beamter, der einen Stapel zum Bearbeiten sortierte und für die nächste Gruppe holte. Für jeden Handgriff gab es einen eigenen Beamten. Jeder war nur für einen bestimmten Stempel, Eintrag, etc. verantwortlich. Es war die Karikatur einer dysfunktionalen Fließbandverwaltung, denn alles dauerte sehr, sehr lange. Die Damen und Herren bemühten sich auch nicht, eine Eingangsreihenfolge einzuhalten, so dass wir ganz weit nach hinten geschoben wurden. Die Ausgabe der Reisepässe war gleichfalls konfus. Eine chaotische Menschenmasse drängte sich vor der Ausgabe, in der ein einzelner Beamter die bei ihm eingehenden Passierscheine A 38, äh … Pässe öffnete, hochhob und die Namen oft mangels Sprachkenntnissen oder wegen der Lautstärke der Menge unverständlich ausrief. Weder war die Identifizierung so ganz einwandfrei, noch gelangten die Inhaber ohne großes Schieben und Stoßen an ihr Dokument. Mehrfach war der vermeintlich Glückliche dann doch noch nicht dran. Nachdem wir auch das überstanden (Thomas‘ Pass ließ über eine weitere halbe Stunde auf sich warten) und die Einreisekontrolle hinter uns gebracht hatten, konnten wir endlich zur Gepäckausgabe. Auf dem Gepäckförderband lief längst ein anderer Flug, aber nebenstehend fanden wir als letzte Passagiere alle unsere Koffer abgestellt vor.
Schneewie725 Beiträge · seit 201727. Apr. 2020 · #20
Habe nachgelesen.
Wir waren vor Jahren in Thailand und haben von dort einen Ausflug in den Norden gemacht. Dort sind wir auch auf dem mekong gefahren und sind für ein paar Stunden in Laos an Land gegangen.
Desweiteren planen wir in 2 Jahren eine Kreuzfahrt in Vietnam zu machen. Daher lese ich gern weiter mit.