Reisebericht Tansania als Selbstfahrer

Reisebericht 9 Antworten · 6'235 Aufrufe · gestartet 05. Mai 2019 von Kelle
Themenstarter5 Beiträge · seit 201605. Mai 2019 · #1
Die Idee

Liebe Foris,

nach dem ich schon so oft das Forum zum Sammeln von Informationen benutzt habe, möchte ich nun versuchen, mit einem Reisebericht über unsere letzte Reise durch Tansania etwas an all die fleißigen Schreiber zurück zu geben.
Eigentlich begann unsere Reise schon im Frühjahr 2017, nachdem wir eine knapp 3-wöchige Reise als Selbstfahrer durch Namibia beendet hatten. Leider habe ich dazu keinen Bericht verfasst, aber unsere allererste Afrika-Erfahrung war durchweg so positiv, dass uns schon kurz nach der Ankunft in Deutschland das Fernweh wieder fest im Griff hatte. Wir wussten eigentlich schon im Flieger, dass wir wieder kommen würden. Wir, das sind meine Frau Peggy, mein zur Zeit der Tansania-Reise 13-jähriger Sohn Phelan und ich.
Unsere Namibia-Reise absolvierten wir in einem Toyota-Hilux und übernachteten ausschließlich in Lodges. Aber schon auf den Tracks durch das Damaraland und im Kaokoveld schauten wir immer wieder interessiert nach den mit Dachzelten bestückten Fahrzeugen, welche sich scheinbar unabhängig von zeitlichen Zwängen frei im Land bewegten.
Bei einer der unzähligen Rückblenden über die wunderschönen Erlebnisse in Namibia (faktisch jeden Abend) überraschte mich meine Frau mit der Aussage, dass Sie sich auch Übernachtungen in einem Dachzelt auf einer Campsite vorstellen könnte. Na klar, bei mir rannte sie damit offene Türen ein. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf….
Themenstarter5 Beiträge · seit 201605. Mai 2019 · #2
Die Anreise

Endlich war es so weit. Unzählige Berichte waren gelesen, Bücher durchgekaut, das Forum sowieso. Irgendwann machte sich die Erkenntnis breit, dass nicht alles zu erlesen ist. Die eigenen Erfahrungen und Eindrücke sind es, die letztendlich zählen. Wenn es nach Loose geht, dann sollte man am besten gar nicht ohne Geleitschutz losfahren.
Vorausschickend möchte ich deshalb allen Lesern mitteilen, dass wir während der gesamten 3-wöchigen Reise keinerlei Probleme mit Kriminalität hatten. Die vielen tollen Erlebnisse mit Einheimischen, mit Guides, mit vielen tollen Menschen unterwegs haben die Reise vielmehr geprägt.

Am 27.09.2018 landeten wir gegen Mittag in Arusha/Kilimanjaro. Ein ruhiger angenehmer Flug mit Ethiopian Airlines von Frankfurt mit Zwischenstopp in Addis Abeba lag hinter uns und natürlich stieg nun die Spannung stetig an.
Unser erstes Ziel war dabei das Kibo Palace Hotel in Arusha. Das Hotel hatten wir in Deutschland vorgebucht. Schon auf der Fahrt vom Flughafen nach Arusha wurde uns klar, dass diese Reise nichts mit dem beschaulichen Namibia zu tun haben wird.
2,5 Mio. Einwohner zu 57 Mio bei vergleichbarer Größe, das ist natürlich auf den Straßen zu merken.
Aber wir erreichten natürlich unser Hotel und starteten nach dem Check Inn mit einer Stadtbesichtigung. Arusha selbst bietet leider keine Sehenswürdigkeiten, so dass wir uns mit den Straßen und Märkten begnügten. Auffällig nur, dass wir die einzigen Wazungu weit und breit waren und entsprechende Aufmerksamkeit erfuhren. Etwas mulmig wurde uns, als wir in einer Bank 300,- Euro gegen TSH tauschten und zwar mit ca. 10 Zuschauern.Kein Wunder, der Gegenwert in Tanzania Shilling passte nur in eine Einkaufstüte. Zum Glück hatte sich einer der Einheimischen als unser Beschützer erkoren und wehrte alle anderen „Interessenten“ energisch ab. So erreichten wir wieder das Hotel und ließen den Abend gemütlich bei einer Flasche Wein ausklingen.
Themenstarter5 Beiträge · seit 201606. Mai 2019 · #4
Das Fahrzeug

An diesem Vormittag würden wir nun unser Fahrzeug übernehmen und das Abenteuer sollte beginnen.
Das Angebot an Mietwagen – vor allem bei 4x4 – ist in Tansania ziemlich überschaubar und so gab es keine langen Überlegungen anzustellen. Bei Tanzanian-Pioneers hatten wir von Deutschland aus einen Land Rover mit Dachzelte gebucht. Der E-Mail-Kontakt wurde auf Deutsch von Daniel abgewickelt. Von Daniel hatten wir dann auch einige Tipps erhalten, über Reiseroute und Unterkünfte oder Campsites.
Gegen 08:00 Uhr holte uns der Fahrer von Tanzanian-Pioneers ab und brachte uns in die wenige hundert Meter entfernte Station. Dort begrüßte uns Nathan, offensichtlich der Inhaber der Firma.
Nach ein wenig Smalltalk begann die Einweisung in das Fahrzeug.
Insgesamt machte der Land Rover schon einen ziemlich runter gekommenen Eindruck. Auch als Nathan den Ölstand prüfte und niemand das dabei auf die Motorhaube tropfende Öl wegwischte fanden wir nicht so schön. Der Wassertank war leer und auch etwas undicht. Der Kühlschrank war auch nicht sauber (allerdings kühlte er sowieso nicht- wie wir später feststellten), genauso wie das Geschirr, Besteck und Tisch. Auf unser Bitten hin, wurde dann alles gereinigt. Letztendlich taten wir alles mit einem „thats Africa“ ab – was sich leider noch bitter rächen sollte.
Gegen Mittag fuhren wir dann vom Hof - Richtung Westen zum Ngorongoro-Krater.

Der Ngorongoro-Krater

Nachdem wir uns unfallfrei durch den Verkehr von Arusha gekämpft hatten wurde es außerhalb der Stadt etwas ruhiger. Die Straße war asphaltiert und wir kamen gut voran.

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Ein paar Kilometer außerhalb von Arusha fanden wir dann einen kleinen Supermarkt, in dem wir uns für die kommenden Tage reichlich eindeckten. Und weiter ging die Fahrt über Mto Wa Mbu und Karatu zum Lodoare Gate der NCA. Da es inzwischen schon Nachmittag war, konnten wir ohne große Wartezeit die Reise fortsetzen. Die Piste hoch zum Kraterrand ist in einem sehr schlechten Zustand, was die Guides der Safari-Fahrzeuge nur dazu anspornte, uns zu zeigen, wie man hier „richtig“ fährt.
Der Blick in die Weite Ebene bis zum Lake Eyasi, der sich immer wieder zwischen dem dichten Bewuchs auftat war einfach großartig und plötzlich geschah es. Vielleicht 20 Meter vor uns sprang ein Leopard aus dem Gebüsch und verschwand auf der anderen Straßenseite im Grün. Ziemlich spektakulär unser Auftakt in Ostafrika. Einige Zeit später erreichten wir das Tagesziel, das Simba Camp am Kraterrand.


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Der Zeltaufbau klappte hervorragend. Allerdings war die Idee, das Abendessen unter freien Himmel einzunehmen wohl doch nicht so toll. Der Platzwart erklärte uns, dass ein paar Leute den Abend vorher die gleiche Idee hatten – bis der Elefant kam…. Sie gingen dann wohl hungrig ins Zelt.
Wir jedenfalls hatten dadurch einen wunderschönen Abend. Die Campsite hatte einen Speiseraum für die Gäste und einen großen Küchenraum in dem die Driverguides für ihre Kundschaft das Essen zubereiteten. Wir als Alleinfahrer dazwischen waren natürlich die Attraktion, jeder der Guides wollte, dass wir sein Gericht probieren. Und als unser Gasbrenner nicht funktionierte, war sofort jemand mit Ersatz hilfsbereit zur Stelle. Es machte jedenfalls einen Riesenspaß mit den Jungs gemeinsam zu kochen. Mit welchen Mitteln (nur eine Gasflasche) sie die leckersten Menüs für ihre Kunden zauberten, davor allerhöchsten Respekt.
Nach den ganzen Verkostungen schafften wir unsere Spagetti Bolognese noch gerade so und ließen den Abend gemütlich bei einer Tasse Wein ausklingen.


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📎 Reisebericht3.pdf
zuletzt bearbeitet 06. Mai 2019
5'479 Beiträge · seit 200906. Mai 2019 · #5
Hallo Kelle,

bei einem Selbstfahrer-Reisebericht aus Tansania bin ich selbstverständlich mit dabei. Davon gibt es viel zu wenige.

Unsere nächste Afrika-Reise wird uns hoffentlich auch wieder nach Tansania führen. Hängt letztendlich davon ab, ob ich einen akzeptablen Autovermieter finde, da unser bisheriger Vermieter leider die Vermietung eingestellt hat.

Die Nutzung der Speiseräume auf den Campsites (ich nenne sie immer Touristenkäfige) lehne ich konsequent ab. Wir waren auf unseren vielen Reisen auch nie in einer Situation, wo wir sie gebraucht hätten. Ich würde auch lieber ohne Abendessen ins Zelt gehen, als auf einen Abend unter freiem Himmel zu verzichten.

Alles Gute
Thomas
Unser Reise-Blog: KaTho_VanTour Staub & Schlamm (Kenia 21/22) 7 Wochen in der Regenzeit !? (NAM/BOT 18/19) Leoparden hautnah (Tansania 2016/2017) Elefantös - Zimbabwe 2016 Auf Großer Fahrt (Reisebericht SA-NAM-BOT-ZIM 2014/2015) Rivers & Sand (Reisebericht Namibia/Botswana 2013) Reisebericht Tansania 2013: "Das volle Programm"
4 Beiträge · seit 201906. Mai 2019 · #6
Dein Reisebericht hört sich sehr interessant an. Da wir Anfang Juni beim gleichen Anbieter gemietet haben, verfolge ich deinen Reisebericht sehr gespannt!
99 Beiträge · seit 201106. Mai 2019 · #7
Hallo Kelle

Toll, eine Reisebericht aus Tanzania! Da les ich gerne mit! Vielen Dank fürs Teilen, bin gespannt was du so zu berichten hast.

@Topobär: 😄 Touristenkäfige, das trifft den Nagel auf den Kopf 😄

Liebe Grüsse
Madeleine
"Reisen veredelt den Geist und räumt mit allen unseren Vorurteilen auf." Oscar Wilde
Themenstarter5 Beiträge · seit 201607. Mai 2019 · #8
Guten Morgen Ostafrika!
Unsere erste Nacht im Dachzelt war absolviert. Na gut, ein Wasserbett ist anders und die Geräuschkulisse war für uns Greenhorns auch nicht zu verachten. Noch dazu blies ein kräftiger Wind, aber trotzdem für uns Drei eine wunderschöne Erfahrung. Beim Ausstieg aus dem Dachzelt identifizierten wir die Verursacher des nächtlichen Schnauf- und Schmatzkonzerts an Hand der frischen Haufen rund um den Landi. Eine Zebra-Herde muss durch das Camp gezogen sein.
Nach einem ausgiebigen Frühstück und ein paar Tassen Kaffee – Phelan natürlich einen leckeren Kakao – ging es los. Der Krater wollte erobert werden.

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Über das Seneto Gate wollten wir zum Kraterboden fahren. Am Gate kam es dann zu der fast erwarteten Diskussion. Der Krater darf nur in Begleitung eines Guides befahren werden.
Zum Glück hatte ich mich als fleißiger Forum-Leser auf diese Situation vorbereitet. Wie es schon Topo-Bär beschrieben hat, half es sehr, fleißig zu reden und immer wieder auf den nicht vorhandenen Platz im Auto hinzuweisen. Nach 10 Minuten durften wir weiter fahren.

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Der Weg zum Kraterboden. Im Schritttempo ging es voran.

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Noch nicht ganz unten am Boden die ersten Löwen beim Frühstück.

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Eine Hyäne allein kann da nur zuschauen.

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Auch das Warzenschwein hat sein Frühstück gefunden.

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Hier machen auch die Löwen lieber eine Bogen.
Themenstarter5 Beiträge · seit 201607. Mai 2019 · #9
Hallo Thomas,
da wir noch nicht so erfahren mit solchen Reisen sind, haben wir natürlich auch überall "reingeschnuppert".
Aber das wird schon. Haben gerade erst den Dreiteiler "Serengeti" bei Terra X gesehen und das Fernweh hat uns schon wieder fest im Griff. Das mit der Autovermietung scheint mir mit das größte Problem in Nordtansania zu sein. Eventuell ist es in Dar besser?

Beste Grüße, Torsten
1'835 Beiträge · seit 201507. Mai 2019 · #10
Hallo,
auch ich bin interessiert wie eure erste Ostafrika Reise verlaufen wird, da wir auch das erste Mal in 2015 bei Daniel gemietet haben und dann letztes Jahr wieder bei Nathan direkt. Es scheint aber nicht “unser “ Land Rover zu sein den ihr gemietet habt.
Ich hoffe sehr dass ihr nicht grosse Probleme mit dem Wagen hattet? Die Ausrüstung die Nathan anbietet kann man eben nicht mit dem südlichen Afrika vergleichen.
Freue mich auf die Weiterfahrt!
Danke, und Liebe Grüße von Katrin
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