The Heat is on – Namibia & Botswana November 2018

Reisebericht 76 Antworten · 21,8k Aufrufe · gestartet 20. Dez. 2018 von offbeat
84 Beiträge · seit 201213. Juni 2019 · #41
Hallo Bea,
vielen Dank für deinen tollen Bericht.
Wir fliegen am 27.07. los und fahren eine ganz ähnliche Runde wie ihr.
Deine Tipps sind super und ich freue mich sehr über die hilfreichen Infos zu den Plätzen und Routen.
Gerade dein letzter Tagesbericht spricht mir aus der Seele. Ich freue mich auf die Einsamkeit und die Reduzierung auf
die wesentlichen Dinge. Raus aus der Reizüberflutung des Alltags, in dem ich leider noch mehr als voll eingebunden bin.
Schreib bitte bald weiter.

LG
plettimama
Themenstarter106 Beiträge · seit 201814. Juni 2019 · #42
@CuF: Danke für die netten Worte und für's Anfeuern, es zeigt auf jeden Fall seine Wirkung 😄 Es geht ganz bald weiter, versprochen. An Tag 12 ist einfach viel passiert, nach stundenlangem Tippen war ich ers bei Mittag 😄

@Okotoks: Freut mich, dass noch genügend hilfreiche Infos dabei waren, auch wenn ich sicher viele Details schon vergessen hab 😊 Ich würde auf jeden Fall in Rundu einkaufen (wir waren glaube ich bei einem Pick'n'Pay das war empfehlenswert) und auch nochmal Geld abheben, sofern die Reserven gering snid. In Divundu weiß ich gar nicht, ob es überhaupt was gab außer eine Tankstelle, und in Kongola sah's eher nach nem kleinen Laden statt Supermarkt aus. Außerdem war das Einkaufen für uns auch ein wichtiger Pausen-Stop, einfach um mal ne Stunde nicht Auto zu fahren.

@Plettimama: Dann hoffe ich, dass ich bis 27.7. noch möglichst weit komme... 🤩 Und wünsche euch jetzt schon viel Spaß!
Südmarokko März 2012 | Südafrika & Swasiland September 2014 | Namibia & Botswana November 2018
Themenstarter106 Beiträge · seit 201815. Juni 2019 · #43
Tag 12: Ein Bett!

Beim Aufwachen am Okavango müssen zunächst zwei Dinge geprüft werden. Erstens: Liegt ein Krokodil vor’m Zelt? – Nein, tut es nicht. Aussteigen also gefahrlos möglich. Zweitens: Hattest du Albträume? Nein, ich auch nicht. Nicht mehr wirres Zeug als sonst jedenfalls. Malarone scheinen wir also zu vertragen.

Unser Tag startet heute mit einer Bootsfahrt, da wir die Sundowner-Tour gestern verpasst haben. Mit dabei unser einheimischer Bootsfahrer, und der Sohn der Lodge-Besitzer, vielleicht ein paar Jahre jünger als wir. Ich sage mal so: Beneidenswertes Leben…

OkavangoVogel.JPG


Wir schippern also etwas auf dem Okavango rum, diese Bootstouren sind ja meistens mehr entspannend als spektakulär und der Okavango irgendwie auch ein relativ normaler Fluss. Doch nach zehn Tagen Trockenheit sind so große Wassermassen schon relativ faszinierend. Lukas findet vor allem Krokodile faszinierend, die er hofft, jetzt zu sehen. Überhaupt stelle ich fest, dass unsere Vorliebe für gewisse Tiere gänzlich verschiedenen Mustern folgt: Ich bin begeistert von Elefanten, Giraffen, Nashörnern, und allem, was irgendwie flauschig und süß ist. Er steht auf Krokodile und Ziegen und Marabous. Die rebellischen, sturköpfigen, die auf Konventionen scheißen, und auch ein bisschen fies sind. Was das über uns aussagt?

Okavango.JPG


Aber siehe da: Wir haben Glück und begegnen zwei Krokodilen. Darunter sogar eines, das uns die seltene Freude einbringt, ein sich-bewegendes Krokodil zu sehen. In Südafrika haben wir tagelang Krokodile angestarrt, weil Lukas unbedingt sehen wollte, wie sie sich bewegen. In der Regel tun sie das aber eher mal so gar nicht. Hier haben wir aber ein ordentliches Exemplar, das wahnsinnig schnell ins Wasser sprintet. Wie fix das unterwegs ist! Zu fix für mich und die Kamera...

Es gibt Kaffee aus der Thermoskanne und Kekse. Zwischendurch bekommen wir ein bisschen was erzählt, auch über das Wesen dieses Grenzflusses zwischen Namibia und Angola. Eine Grenzziehung, die, wie es aussieht, sehr europäischem Denken entspringt. Jedenfalls fühlt es sich sehr europäisch gedacht an, den Fluss, das Wasser, als etwas Trennendes zu begreifen und nicht als etwas Verbindendes und Lebensspendendes. Ist es nicht viel logischer, dass der Fluss, der Ressource für Wasser und Fische ist, den Mittelpunkt, die Lebensader bildet? Da viele auf der anderen Seite zur Schule gehen, Verwandte haben und so weiter, der nächste offizielle Grenzübergang aber zwei Stunden entfernt in Rundu liegt, gibt es in jedem Ort eine Stelle, wo es erlaubt oder geduldet ist, die Grenze zu überqueren. Bürokratie trifft Realität – und schnell wird aus dem Motiv „Mann im Boot“ das Motiv „Grenzgänger“:

Grenzgänger.JPG


Irgendwann sehen wir ein Hippo, wobei „sehen“ eigentlich das falsche Wort ist, ein paar wackelnde Ohren und ein Blubbern zeigen aber das Vorhandensein eines solchen an. Das gute Nilpferd überlegt sich dann auch ganz spontan, dass es doch mal gerne unseren Bootsmotor angreifen möchte. Wir lernen: Wenn Guides gar nichts mehr sagen, und dann hinterher sowas wie „huch, achja, das Hippo hat grad unseren Motor angegriffen, haha, das war knapp! Aber das passiert manchmal, haha“ – dann war es vielleicht auch mehr als nur ein bisschen knäpplich.

Als der Sohn der Eigentümer, der hier offenbar noch ein bisschen anlernt, auf der Sundower-Bar-Insel von Bord geht, und wir das letzte Stück weiterschippern, wird unser Bootsführer auf einmal viel gesprächiger. Er erzählt eine ganze Menge aus seinem Leben, wo er früher als Kind gespielt hat, wie sie fischen, was er über Deutschland weiß, dass er immer noch einen Kochtopf hat, den seine Großmutter von den Deutschen bekommen hat, den er so liebt, weil er immer damit kocht und der trotzdem noch so gut in Schuss ist. Er erzählt auch, dass die Leute, die die Gärten direkt am Fluss bewirtschaften, (ver)hungern, obwohl sie direkt am Fluss leben, weil sie ihre Pflanzen nicht ausreichend bewässern können. Nur wer es körperlich schafft, in der fiesesten Hitze den ganzen Tag Wasser vom Fluss auf das Beet zu schleppen – oder sich eine Pumpe leisten kann – ist in der Lage, sein Gemüse ausreichend zu bewässern. Wir sind betroffen, aber schätzen diese Gelegenheit, solche Einblicke zu bekommen.

Nach der Bootsfahrt – es ist immer noch früh – brechen wir auf, fast ein bisschen traurig, wir wären gerne noch eine Nacht hiergeblieben. Aber für heute haben wir ein Zimmer-Zelt im Camp Kwando gebucht – eine der wenigen, wirklich bezahlbaren Lodges (wir haben dafür glaube ich 180 Euro in Dinner, Bed & Breakfast-Variante bezahlt) und wir wollten diese Luxus-Welt einmal erleben. Heute Morgen wollen wir allerdings erstmal noch eine Runde durch die Mahango Core Area fahren. Verabschiedet werden wir noch von diesem kleinen, lustigen Kerlchen:

Reptil.JPG


Wieder on the road durchqueren wir erstmal Divundu, und sind sehr froh, dass wir in Rundu alle Einkäufe erledigt haben. Wir dachten, hier wäre ein richtiger Ort, aber es ist gefühlt nur eine Tankstelle,. Oder haben wir den Rest übersehen? Egal, wir brauchen ja nix mehr. Hinter der Tankstelle geht es rechts rein, nach einiger Zeit fahren wir da vorbei, wo die Popa Falls gewesen wären, wenig später endet die Asphaltstraße und wir denken zum Glück an die Staubklappe.

Am Mahango Gate zahlen wir gefühlt nichts für den Eintritt, sehen an der Sichtungstafel sehr viele Einträge von „Wild Dogs“ und bekommen von einer freundlichen Officerin erklärt, wo wir langfahren können und welche Teile 4x4 sind. So richtig einleuchten tun uns die Beschreibungen aber nicht und es passiert mal wieder, was häufig passiert: Jeder nickt, und hofft insgeheim, dass der andere es irgendwie besser verstanden hat.

MahangoKarte.jpg


Die Erkenntnis, dass das nicht so ist, folgt prompt, und so bleibt uns nicht viel mehr übrig, also uns wieder auf Maps.me zu verlassen.
Also erstmal los! Da wir später noch die komplette Transitstrecke auf der B8 hinter uns bringen müssen, sind wir unsicher, ob wir die 4x4-Stellen fahren sollen und lassen erstmal keinen Reifendruck ab. So ganz eindeutig klingt es auch nicht, was uns die Dame da erzählt hat, in Bezug auf Sand – „not sandy but 4x4“ – aha. Wir haben zwar keinen Stress, doch für Steckenbleiben und Experimente dann auch wieder nicht genug Zeit. Andererseits würden wir auch gerne die Wildhunde am Wasserloch sehen… dazu müsste man irgendwann rechts. Nach kurzer Zeit geht dann rechts auch eine Stichstraße ab, die aber durch Baumstämme versperrt ist. Wäre das jetzt die Zufahrt zum Wasserloch? Ist sie absichtlich versperrt oder zufällig blockiert? So zufällig kann ein Haufen Baumstämme doch gar nicht auf den Weg fallen! Zumal wir eben noch vom Wasserloch erzählt bekommen haben. Und doch, ein Rüberkommen scheint da nicht, jedenfalls trauen wir uns das nicht.

Also fahren wir doch erstmal geradeaus weiter. Links eröffnet sich relativ bald die Flussebene. Ein toller Ausblick, so schön grün, und wir sehen viele Tiere. Diverse Antilopen, neben Kudu auch Lechwe, und natürlich viele Vögel.

MahangoLandschaft.jpg


Ein Adler fasziniert uns eine ganze Weile.

Adler.JPG


Irgendwo im Wasser hockt ein Hippo.

EinHippo.JPG


Seine Freunde sind auch da.

MehrHippos.JPG


Es gibt hier einen ziemlich großen Baobab – die mag ich, und wollte schon immer mal einen so großen sehen.

Baobabganz.JPG


Besonders bemerkenswert, dass dieses Exemplar blüht. Wenn man bedenkt, dass Affenbrotbäume nur einmal im Jahr Blüten tragen, und eine einzelne Blüte nur 24 Stunden geöffnet ist, bis sie verblüht – was für ein Glück!

BaobabBlüten.JPG


Ich bin begeistert, traue mich aber nicht, auszusteigen (was man hier wohl dürfte) und so bleibt es bei dem kurzen Glück und ein paar Fotos.

Schön ist, dass man hier ein paar Loops direkt am Fluss langfahren darf. Denken wir, und genießen die Aussicht. Bis wir die Verbotsschilder sehen. Uppsi. Die hätte man strategisch wohl günstiger aufstellen können. Naja, hat ja keiner gesehen – denn hier ist einfach mal niemand. In diesem Park scheinen wir so ziemlich die einzigen zu sein, und so verlassen wie er wirkt, so wenig beschildert ist er auch. Man hat fast das Gefühl eine einsame Gegend zu erkunden. Die Landschaft ist wirklich schön und auch wenn wir erstmal nix so richtig Großes zu Gesicht bekommen, sind wir hier glücklich. Es gibt überall etwas zu entdecken.

Kudu.JPG


Nachdem wir eine Weile den Park erkundet haben – ein paar Sandstellen gibt es dann doch noch, in denen sich Lukas das erste Mal an den 4x4-Modi erprobt – drehen wir dann aber doch um. So richtig wissen wir nicht, wie wir denn nun zu diesem Wasserloch kommen sollen. Was soll’s! Wir fahren einen Weg zurück, der nicht am Fluss langführt sondern eher durch die Mitte durch. Und dann gibt es doch noch eine Großwild-Wegblockade:

Elefanten.JPG


Wir halten in sicherer Entfernung und lassen die Gruppe passieren. Wenig später wartet ein weiterer ungewohnter Anblick wartet auf uns: Eine sitzende Giraffe! Ich wusste gar nicht, dass die dazu überhaupt in der Lage sind. Sie chillt da einfach so unter ihrem Baum, ganz lustig.

Giraffe.JPG


Am Ende gibt es noch einen Konflikt unter Pferdeantilopen, der in dieser Form leider nicht seinen Weg auf das Bildmaterial gefunden hat.

Antilopen.JPG


Zurück nach Divundu, dann geht es weiter. Und das bedeutet heute mehr denn je: Immer der Nase nach. Und meine Nase ist sehr gerade.

Wir fahren die B8 auf dem Verbindungsstück zwischen Divundu und Kongola. Das bedeutet: Hier ist NICHTS. Hatte ich beim gestrigen Tag behauptet, dass das Stück zwischen Grootfontein und Rundu langweilig ist, dann war das eine krasse Untertreibung. Da wusste ich nicht, wovon ich sprach. Hier in diesem schmalen Streifen zwischen Botswana und Angola offenbart sich uns: Die Unendlichkeit in Form einer Straße. Copy & Paste mit Asphalt.

Eine Straße, schnurstracks geradeaus. Keine Kurven, keine Kuppeln, keine Hütten, keine Ziegen (ja, selbst die vermisse ich heute schmerzlich!). Nur: Links Wald. Rechts Wald. Schilder, die vor Elefanten warnen und beschwören, dass man nur 80 fahren soll. 80! Das hier ist gerader als die Autobahn! Und so leer als wären wir die letzten zwei Menschen auf der Welt. Also ich verstehe das mit dem Langsamfahren wegen kreuzender Elefanten schon, aber es ist, als müsste man versuchen, eine besonders monotone Arbeit extra langsam zu erledigen. Das Gehirn will einfach automatisch schneller machen und es erfordert extreme Konzentration, hier auf Dauer zu fahren.

Glück wie ich habe, habe ich das Glück, dieses schöne Stück zu erwischen. Da es auf den ganzen 200 Kilometern etwa 1,5 Parkplätze gibt, und sonst das Anhalten glaube ich sogar verboten ist (es gab jedenfalls ein mysteriöses Straßenschild, das wir bis heute nicht gänzlich entschlüsselt haben) bin ich dann auch dazu verdammt, das komplette Stück zu fahren.

Erst hilft reden.
Dann Podcasts.
Irgendwann hilft einfach nur noch singen.

Selbst eine Viertelstunde auf dieser langweiligen Straße zu fahren ist schon eine Tortur. Mangels Autos, mangels neuen Objekten, mangels irgendetwas, woran sich das Auge haften kann, geht das Gehirn schnell in den Autopilot über und der Blick verschwimmt. Dabei muss man ja schon aufpassen, dass man konzentriert bleibt, denn die Elefanten, die überall auf den Schildern zu sehen sind, sind sicherlich kein Mythos. Irgendwann, als es einfach nicht mehr zu etragen ist, mache ich die Playlist mit meinen absoluten Lieblingsliedern an, die ich alle vollständig auswendig kenne – und singe einfach die ganze Zeit mit. Der einzige Weg, den totalen Gehirn-Shutdown zu verhindern. Eine plötzliche Elefantenüberquerung passiert uns zum Glück nicht, obwohl ich mich vage zu erinnern meine, dass an irgendeinem Punkt mal einer irgendwo zu sehen war. Lukas vergisst vor lauter Langeweile, sich über meinen Gesang lustig zu machen.

Irgendwann, nach zähen zweieinhalb oder drei Stunden, sind wir dann in Kongola, ein Glück, zumindest für meine Stimme. Auch hier gibt es eine Tankmöglichkeit und auch ein Geschäft, aber kein Supermarkt der bekannten Marken, sieht so aus, als wäre das eher ein improvisierter Laden, der sich aber „Kaza Kongola Shopping Center“ getauft hat. Ich bin kurz versucht, aus reinem Interesse zu besichtigen, lasse es dann aber sein.

Die Anfahrt zum Camp Kwando dauert noch einmal eine halbe Stunde und ist unkompliziert. Hier angekommen stehen wir vor einer ungewohnten Situation: Wir parken unser Auto auf einem Parkplatz, und lassen es auch da. An der Rezeption werden wir begrüßt, bekommen unseren Schlüssel und alles erklärt. Im Camp Kwando arbeiten wohl nur Einheimische aus der Gegend, man versucht, alles möglichst ökologisch und sozialverträglich zu machen. Wir fragen auch direkt nach Aktivitäten. Eine zweite Bootsfahrt hatten wir eigentlich nicht geplant, stattdessen wollten wir den Lodge-Aufenthalt nutzen, uns mal einem geführten Game Drive anzuschließen. Laut Internetseite wird das auch angeboten. Man erklärt uns aber, dass sich mindestens vier (oder sechs?) Gäste für den Game Drive anmelden müssten. Das ist natürlich nicht passiert. Na toll. Und dann? Bleibt uns nichts, als doch die Bootsfahrt, aber erst morgen früh. Derweil müssen wir noch zusehen, dass man unseren Kühlschrankinhalt irgendwo kühlen kann, denn die Unterkünfte haben keinen – aber das ist zum Glück kein Problem, wir könen den Kram einfach abgeben.

Unser Safarizelt fühlt sich auf den ersten Blick an, wie purer Luxus:

Bett1.jpg


Ein Bett! Wir legen uns aufs Bett. Was für eine simple Handlung, aber so wohltuend, nachdem dieser Zustand so lange Zeit nur kletternd, reißverschlussauffummelnd und ungelenk reinrobbend erreichbar war. Und das Gefühl von frischer, weißer, crispy Bettwäsche. Der absolute Safari-Traum was die Einrichtung angeht, zumindest, wenn man so etwas noch nie live erlebt hat.

Bett2.jpg


Terrasse.jpg


Etwas schockiert bin ich allerdings, als ich feststelle, dass das Badezimmer – auch die Toilette – im selben Raum ist wie das Bett. Ich meine, es ist hübsch eingerichtet, keine Frage. Und man hat zwar mehrere Wandteilstücke geschickt so versetzt verbaut, dass von nirgends ein Blick dorthin möglich ist, doch von Türen oder Wänden kann hier keine Rede sein.

Bad.jpg


Mich haben auf unseren ersten gemeinsamen Urlauben schon Badezimmer, die direkt neben dem Bett sind – aber mit Tür – nahezu traumatisiert. Gut, das ist jetzt auch schon einige Jahre her, aber für Frischverliebte ist das hier ja nix. Zumal es sich bei den Außenwänden dieser Hütte auf Stelzen auch um Zeltstoff handelt – nicht direkt ein geräuschdämmendes Material. So muss dann jede Benutzung der Toilette auch angekündigt werden, damit der andere bloß draußen auf der Terrasse sitzenbleibt...

Aber auch diese Umstände sind natürlich nicht wirklich so schlimm, wie man es im ersten Moment empfindet, und wir fühlen uns hier insgesamt einfach sehr wohl. Es tut gut, mal wieder ein bisschen Zivilisation zu verspüren, von der Dusche im Handtuch zum Bett zu gehen, nichts zu organisieren. Heute ist es dann endlich mal Zeit, in einen Pool zu springen, und es ist wunderbar, in so einem grünen, schönen Garten einfach auf dem Rasen zu sitzen:

Pool.jpg


Nach der Erfrischung und Garten-Entspannung lesen wir noch bis die Sonne untergegangen ist auf unserem Balkon direkt am Kwando:

Lesen.jpg


Weil wir’s uns heute gleich ganz gut gehen lassen wollen, trinken wir vor dem Abendessen unseren ersten Gin Tonic an der Bar. Denn mangels zweiter Batterie im Auto könnten wir grundsätzlich keine Eiswürfel gefroren halten und ohne Eis kann ich dann auch gleich auf Gin Tonic verzichten. Außerdem ist das Zeug doch ganz schön stark bei der Hitze… da sind wir dann vielleicht schon ein bisschen angedüdelt und lassen uns beim Abendessen, das aus drei Gängen besteht und ziemlich lecker ist, auch noch zu einer Flasche Rotwein hinreißen.

Hier gibt es wahnsinnig viel Personal, das einen umschwärmt – wir fühlen uns damit ein wenig unwohl, weil sich gefühlt koloniale Strukturen wiederspiegeln, diskutieren das Thema aber ausführlich und kommen dann doch zu dem Schluss, dass es gut ist, möglichst vielen Leuten hier einen Job bieten zu können. Man merkt dann aber doch: Die Wein-Präsentations-und-Öffnungs-Zeremonie (nicht, dass die nötig wäre) folgt zwar bekannten Mustern, doch man spürt, dass sie einstudiert ist, die Kellnerin selbst wahrscheinlich noch nie einen Wein so serviert bekommen hat. Ein bisschen schade, dass der grundsätzliche Gast so viel tam-tam offenbar auch hier im Busch verlangt. Auf der anderen Seite ist das Gefühl, das Luxuriöse zu erleben – und sich dabei nicht einmal fehl am Platz zu fühlen – auch recht wohltuend.

Ich weiß gar nicht mehr, wie genau wir dann noch den Rest des Abends verbracht haben aber ich weiß, als ich mich in die weichen Kissen sinken lasse: Heute Nacht werde ich unfassbar gut schlafen.

Utensil des Tages: Lebensrettende offline-Playlisten bei Spotify.
Südmarokko März 2012 | Südafrika & Swasiland September 2014 | Namibia & Botswana November 2018
zuletzt bearbeitet 15. Juni 2019
4 Beiträge · seit 201916. Juni 2019 · #44
Hallo Bea,

deine Texte lassen die Vorfreude bei uns wirklich anwachsen, vielen Dank, wir sind gespannt was ihr noch alles erlebt habt 🙂

Liebe Grüße

Sophie und Julien
Themenstarter106 Beiträge · seit 201815. Juli 2019 · #45
Tag 13: Sichtbares und Unsichtbares – Teil 1

Auch das Frühstück im Camp Kwando ist eine willkommene Abwechslung zu Müsli, neben einem Buffet mit Toast, Aufschnitt usw. kann man ein warmes Frühstück in verschiedenen Varianten bestellen. Ich nutze die Gelegenheit und gönne mir Eier, Bacon und Bohnen. Lecker.

Dann ist es auch schon Zeit für die Bootstour. Da wir mit unserem morgenfokussierten Bootsfahrrhytmus anscheinend die einzigen sind, ist es mal wieder eine private Tour in einem echt kleinen Boot. Auch hier wird vor Krokodilen gewarnt, eingebettet in die touristische Lodge-Atmosphäre neigt man aber dazu, das Schild nicht so ganz ernst zu nehmen - könnte auch im Zoo sein.

Schild.jpg


Unser Guide ist nett, aber erzählt erstmal gar nicht so viel, weshalb wir vorwiegend in der Gegend rumschippern und noch leicht verschlafen die Natur auf uns wirken lassen. Immerhin sieht der Fluss heute ein bisschen anders aus. Aber so richtig steckt erstmal kein kommunikatives Konzept dahinter. Zum Glück habe ich im Reiseführer selbst was über die geologischen Gegebenheiten gelesen. So ist es eher eine Entspannungsfahrt, aber der Guide zeigt uns ab und zu ein paar Vögel, deren Namen wir uns nicht merken können. Hier ein Foto vom Ufer, auf dem aber kein Vogel zu sehen ist 🤩

Ufer.jpg


Kwandofluss.jpg


Irgendwann wird’s dann aber doch noch etwas spektakulär: Wir kommen an den Überresten einer Kuh vorbei, die offenbar einem Krokodil zum Opfer gefallen ist - gruselig. Das Krokodil soll angeblich auch noch da sein, aber wir sehen es irgendwie nicht. Allerdings: Das mit den toten Tieren, das hört ab jetzt irgendwie nicht mehr so richtig auf. 🙄

toteKuh.jpg


Ein anderes Boot ist noch unterwegs, es ist deutlich größer als unseres.

anderesBoot.jpg


Dass so ein größeres Boot auch Vorteile haben kann, wird uns etwas später bewusst. Denn wir sind die ersten bei einer Hippo-Gruppe, die wir eine ganze Weile relativ aus der Nähe beobachten. Blubb, blubb, blubb. Hippos sind ja schon faszinierend.

mehrHippos.jpg


Dann kommt allerdings das andere Boot und fährt mehr oder weniger zwischen uns und den Hippos vorbei. Unser Guide entscheidet sich dann, auch ein kleines Stück vorbeizufahren um dann zu wenden und nah am Ufer nochmal eine Möglichkeit zur Beobachtung zu geben (zumindest deutete ich so seine Manöver, vielleicht war auch etwas ganz anderes der Grund). 😄

zweiHippos.jpg


Nur: Dann wird irgendwas komisch. Irgendwie sind es jetzt viel weniger Hippos als vorher... Hm. Und es werden immer weniger. Wo die wohl hin sind? Irgendwann entscheidet sich der Guide offenbar, dann doch langsam mal wieder weiterzufahren... und da tauchen dann auch die letzten Hippos ab. Und nu? Irgendwo müssen die ja hin sein…öhem… ihr könnt es euch wohl denken... und ihr erinnert euch vielleicht noch, was ich im letzten Kapitel über stille Guides geschrieben habe. Auf einmal wird unser Guide sehr, sehr schweigsam. 🙄 Und dann fährt er ganz schnell davon. Und auf einmal taucht direkt hinter uns wieder ein Hippo-Kopf auf.

Noch viel mehr als gestern spüren wir, dass es dieses mal echt knapp war, und unser Begleiter braucht gefühlt eine ganze Weile, bis er wieder mit uns spricht.

Zur Auflockerung nach dem täglichen Hippo-Angriff gibt's dann noch ein Krokodil, da wir auch sehen – und ein kleines Seerosen-Ritual. Dabei wird die Frage beantwortet, was diese komischen Gräser sind, die überall hier am Ufer wachsen: Papyrus!

Papyrus.jpg


Und jetzt kommt doch noch ein bisschen mehr Storytelling in die Tour. Der Guide zeigt uns, wie er daraus in sekundenschnelle ein ziemlich reißfestes Seil knotet. Relativ faszinierend, muss ich sagen. Und ein wenig finde ich es auch immer wieder beschämend, dass wir uns so weit von so nützlichen und einfachen Naturmaterialien entfernt haben. 😕

Seil.jpg


Seerosenganz.jpg


Anschließend müssen wir noch Seerosenketten basteln, sie uns umhängen, was relativ seltsam aussieht, da man sie als Mann um die Stirn binden muss. Ein Hochzeitsritual. Man setzt die Seerosen anschließend aufs Wasser und wenn sei dann noch schwimmen, und nicht untergehen, hält die Liebe ewig.

Seerosenbasteln.jpg


Zum Glück können wir für uns feststellen: Sie hält ewig. 🤩

Dann sind wir irgendwann auch wieder zurück. Ich muss sagen, die Bootsfahrt war wirklich nett, aber die von gestern war einfach interessanter, weil der Guide freier aus seinem Leben geplaudert hat, vielleicht weil er auch ein wenig besser Englisch konnte. Ich muss sagen, an zwei Tagen hintereinander brauche ich dieses rumschippern jetzt nicht unbedingt. Rückblickend war das beste daran der Witz über den täglichen Hippo-Angriff. 😗 Aber wenn es sich anbietet, warum nicht.

Am Ende sehen wir noch kurz unseren Zeltbungalow vom Wasser:

CampKwando.jpg


Zurück im Camp fällt uns zum Glück noch rechtzeitig ein, dass wir ja unseren Kühlschrankinhalt noch zurückholen müssen. Das wär lustig gewesen, so ohne Verpflegung die nächsten drei Tage. Und dann geht’s weiter. Mangels angebotener Touren haben wir also entscheiden, uns selbst auf den Weg zum Horseshoe zu machen. Dass es tiefsandig ist, wissen wir – und haben auch diverse andere Dinge gehört. Unsere Reiseführer haben aber nicht unbedingt davon abgeraten. Bei der Tour gestern im Mahango haben wir zwar auch schon an der ein oder anderen Stelle mal kurz ins 4H geschaltet, aber das ist natürlich kein Vergleich. Ich bin also ein wenig nervös, ob das alles so gut geht, letztlich wird uns aber in ein paar Tagen, in Botswana, ohnehin einiges an Tiefsand erwarten, also umso besser, wenn wir es jetzt schonmal ausprobiert haben – an einem Tag, an dem wir nicht darauf angewiesen sind, Strecke zu machen.

Also geht es erstmal eine halbe Stunde wieder zurück nach Norden, nochmal durch Kongola durch und ein kleines Stück nach Westen. Wir sind erstmal unsicher, wo eigentlich genau der Eingang zum Park ist, weil zwei Straßen von Norden aus in den Park zu führen scheinen, letztlich ist aber alles ganz gut ausgeschildert und wir finden den Weg. Am Gate begrüßt uns ein netter Officer, der sich erstmal viel Zeit nimmt, über alles Mögliche mit uns zu quatschen. Finden wir erstmal ganz witzig und spannend, die ganzen Bücher voller Namen und Kennzeichen zum Beispiel, auf die er deutet, und was er sonst noch so erzählt. Nach einer Zeit haben wir aber schon das Gefühl, dass wir irgendwann mal losmüssen. Leider ist er nicht so ganz unaufdringlich und hat sich den schönen Plan ausgedacht, dass wir doch mit allen unseren Freunden nochmal nach Namibia kommen könnten, er uns dann alles Mögliche zeigt, und wir als Dankeschön alle zusammenlegen und ihm ein Flugticket nach Europa kaufen. 😄 Okay… interessante Idee, wir sind wohl nicht die ersten, die den Vorschlag zu hören bekommen. So ganz realistisch scheint mir der Plan aber nicht zu sein. Wir kommen trotzdem nicht aus der Sache raus, ohne dass wir die Nummer von dem Kerl einspeichern, und ein vages Versprechen dalassen, uns zu melden. „Das sagt ihr jetzt, aber macht ihr dann eh nicht, wetten?“ – ist noch so ungefähr eine seiner letzten Aussagen. Ja gut, wenn er das eh schon weiß, warum ist ihm dann so viel daran gelegen… 🙄

Irgendwann befreien wir uns aus dem Gespräch, es kommt auch gerade praktischerweise ein neues Auto an. Es ist nicht viel los heute. Jetzt müssen wir aber erst nochmal Luft aus unseren Reifen lassen. Erste Zweifel kommen auf, ob sich der ganze Aufwand überhaupt lohnt – aber nun sind wir eben hier. Erstmal unser Luftdruckmessgerät suchen, das wir extra noch gekauft haben, für den Fall, dass das mitgelieferte defekt sein sollte. Es stellt sich aber heraus, dass man sich auf den Kram von Mona und Norbert verlassen kann, auf unseren selbstbesorgten weniger. Wir lassen also fröhlich die Luft ab auf 1,5 oder 1,8 Bar. Wer weiß das jetzt schon noch, wie viel das eigentlich war – damals war mir nichts vertrauter, als dieses Wissen 😊 Und kommen uns dabei echt merkwürdig vor. Man hat eigentlich gar keinen Plan, was man tut, versucht aber, möglichst souverän dabei auszusehen.

Luftdruck.jpg


Während wir also noch so am Werkeln sind und versuchen, so auszusehen, als wäre das alles selbstverständlich für uns, hält nebenan noch ein Auto. Hat sich das Souverän-Tun also gelohnt! Es steigt einer aus. Und ich denke nur so: „Den Typen kenn ich doch.“

Eine Reaktion, die hier im gefühlten Nirgendwo dann wieder eine äußerst große Verwirrtheit meines Gehirns anstößt, denn das kann ja gar nicht sein, dass mir hier jemand Bekanntes über den Weg läuft. Aber doch: Es ist der Sohn der Lodge-Besitzer von der Mobola Lodge, der auch auf unserer Bootstour dabei war. Er erkennt uns sogar noch – und wir haben erstmal nichts Besseres zu tun, als das ganze schöne Souveränitätskonstrukt in sich zusammenfallen zu lassen, indem wir smalltalkmäßig erwähnen, dass wir das hier ja gerade zum ersten Mal machen. Während er uns wissen lässt, dass sie das ja immer einfach mit dem Taschenmesser machen und nach Gefühl. Ja gut. Wir sind halt Noobs. Aber wir unterhalten uns kurz sehr nett und fühlen uns direkt etwas entspannter, als es dann wirklich losgeht, in unser erstes echtes Tiefsandabenteuer. 🤩

Der Anfang vom Weg geht auch noch so, doch relativ schnell wird es wirklich, wirklich sandig.

Tiefsand1.jpg


Kein Problem, wir haben ja einen Geländewagen. Also… rechtzeitig umschalten… und so. Wir probieren es erst einmal wieder mit 4H, weil wir der Meinung sind, Norbert hätte uns dazu geraten. Es pflügt sich so durch… aber es geht echt nicht leicht, Lukas hat so seine Probleme, und es hubbelt wie verrückt. Noch eine Weile probieren wir das so, bis wir dann doch ins Grübeln kommen. Langsame Untersetzung macht ja auch einfach so viel mehr Sinn… doch der Vermieter müsste es doch auch wissen… ich konsultiere etwas verwirrt das Benutzerhandbuch. Es ist glaube ich das erste Mal, dass ich ein Handbuch eines Autos lese. Jedenfalls finde ich hier klar die Info, dass bei tiefem Sand 4L weiterhelfen kann. Etwas verwirrend ist dann noch die Beschreibung, welche Gänge man nun wie stehend oder fahrend umschalten soll. Aber dann haben wir’s – und gleiten auf einmal mit 4L hubbeln aber irgendwie sanfter hubbelnd durch das Sandmeer. Ich fühle mich wie auf einem Schiff und kenne viele Leute, die bei diesem Fahrerlebnis schon direkt seekrank geworden wären. Für mich ist es eher lustig, und so hubbel-gleiten wir so durch den Park.

Tiefsand.jpg


An Tieren sehen wir leider erstmal überhaupt nichts. Außer: Zweimal Impala-Mutter mit Baby beglückt das Kindchenschema:

Babyimp.jpg


Und die sumpfige Landschaft ist echt schön:

KwandoCoreUfer.jpg


Sumpf.jpg


Hier gibt es einige Hochstände, da trauen wir uns auch mal, auszusteigen.

Hochstand.jpg


Und an dem zweiten sehen wir dann doch was großes Graues! Wir beobachten sie eine ganze Weile, und zählen immer und immer mehr – sie scheinen gerade dabei zu sein, das Wasser zu überqueren.

kleineHerde.jpg


ElefantamWasser.jpg


Einerundviele.jpg



Leider stellt sich heraus, dass der größere Teil der Elefantenherde genau da steht, wo eigentlich unser Weg langgeht. Und leider die Verstärkung auch eher auf unsere Seite rüberkommt. Der Aufbau des Parks ist irgendwie verwirrender ist als bisher, und die Navigation mit maps.me funktioniert, aber wir fühlen uns doch einsamer und ausgelieferter und nicht so richtig motiviert, scheinbare Nebenrouten auszuprobieren. Sicher auch aufgrund des Sands, vor dem wir Respekt haben, der uns gefühlt irgendwie verletztlicher macht, weil wir nicht einfach schnell in drei Zügen wenden können. Kann man überhaupt wenden, in diesem tiefen Sand? Viele Fragen.

Wir bleiben also in gehörigem Abstand hinter der Herde und warten erstmal ab, was passiert. Vielleicht verziehen sie sich ja doch bald wieder und es gibt auch einige Paviane, die sich gerne als Portrait-Model bereitstellen:

Affe1.jpg


Warum starren die mich bloß so an?

Affe2.jpg


Lasst mich doch in Ruhe...

Affe3.jpg


Die Elefanten scheinen sich immer wieder etwas zuzurufen und wir fragen uns, ob wir wohl auch Thema der elefantischen Konversationen sind. Auf jeden Fall scheint die Herde, je mehr Tiere rüberkommen, sich eher in unsere Richtung auszuweiten. Wir haben aufgrund des dichten Gestrüpps kein Gefühl dafür, wie viele es sind, gefühlt werden sie aber aufmerksamer in unsere Richtung. Scheinen fast ein bisschen nervös. Also, eigentlich haben wir keine Ahnung, aber wir meinen auszumachen, dass sie uns hier nicht so gerne haben wollen. Das ist uns zu heikel, und wir drehen vorsichtig auf einem etwas festeren Bodenstück neben der Spur um. Soll es das etwa schon gewesen sein?

Ich schaue noch ein letztes Mal bei maps.me, und finde dann doch noch einen Weg, der deutlich weiter am Fluss entfernt zum Horseshoe zu führen scheint. Jetzt fällt mir auch ein, mal in einem Bericht gelesen zu haben, dass der Weg am Fluss gesperrt sein soll (von einer Sperrung durch Menschenhand war hier allerdings keine Spur), und es eine Umfahrung gibt. Also dürfte das ein ganz normaler Weg sein, den wir nutzen können. Problem gelöst – oder?

Wie es weitergeht, erfahrt ihr im nächsten Teil 😛
Südmarokko März 2012 | Südafrika & Swasiland September 2014 | Namibia & Botswana November 2018
zuletzt bearbeitet 15. Juli 2019
8'684 Beiträge · seit 201015. Juli 2019 · #46
offbeat schrieb: Wir lassen also fröhlich die Luft ab auf 1,5 oder 1,8 Bar. Wer weiß das jetzt schon noch, wie viel das eigentlich war – damals war mir nichts vertrauter, als dieses Wissen 😊 Und kommen uns dabei echt merkwürdig vor. Man hat eigentlich gar keinen Plan, was man tut, versucht aber, möglichst souverän dabei auszusehen.
😄 😄 😄 Danke für den Lacher am frühen Morgen - irgendwie kommt mir das bekannt vor 😗
Und schön, dass es hier weitergeht - auf die Horseshoe-Erlebnisse freue ich mich schon 🙂 .

LG Bele
Meine Reiseberichte im Namibia-Forum von 2011 bis heute
zuletzt bearbeitet 15. Juli 2019
66 Beiträge · seit 201807. Aug. 2019 · #47
Ich trau mich nochmal unhöflich voller ungeduld ein bisschen zu schubsen. jetzt wos doch grad im caprivi und danach mit Botswana so spannend wird 🤪 😗
4'382 Beiträge · seit 201507. Aug. 2019 · #48
Phil0811 schrieb:Ich trau mich nochmal unhöflich voller ungeduld ein bisschen zu schubsen. jetzt wos doch grad im caprivi und danach mit Botswana so spannend wird 🤪 😗
...ich schubse mit, unhöflich hin oder her........... 😛
Gruß
Friederike
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Themenstarter106 Beiträge · seit 201807. Aug. 2019 · #49
Ihr habt ja recht. Shame on me. Es ist mir langsam etwas unangenehm, wie langsam ich vorankomme 😄 Im Sommer ist es noch schwerer zu schaffen. Aber der nächste Teil ist eigentlich schon zu 90 % fertig... seit zwei Wochen 😊 🙄 😗
Südmarokko März 2012 | Südafrika & Swasiland September 2014 | Namibia & Botswana November 2018
548 Beiträge · seit 201607. Aug. 2019 · #50
offbeat schrieb:. Aber der nächste Teil ist eigentlich schon zu 90 % fertig... seit zwei Wochen 😊 🙄 😗
Na dann, nur zu 😎

lieben Gruß
Elke
Menschen, mit denen man lachen und weinen kann, sind die Menschen, die das Leben ausmachen.
Themenstarter106 Beiträge · seit 201808. Aug. 2019 · #51
Na gut, ihr werdet belohnt, es geht endlich weiter. 😄


Tag 13: Sichtbares und Unsichtbares – Teil 2

Tatsächlich erweist sich der Ersatzweg als sehr fahrbahr und wir schaukeln noch einen Moment dahin, bis wir auch schon da sind: Am Horseshoe! (Ja ich weiß, der Cliffhanger war etwas übertrieben und willkürlich gesetzt aber ich verspreche, das mach ich so nicht mehr... 🤪 ) Der Horseshoe hat tatsächlich die Form eines Hufeisens, was auch für sich schon schön aussieht, nur leider nicht aufs Foto passt. Dort angekommen sehen wir erstmal nichts und besteigen direkt den Hochstand. Man weiß ja nie, wozu es gut ist.

Horseshoeauto.JPG


Und trauen unseren Augen nicht: Erst von oben sehen wir, was da hinten eigentlich los ist. Sind das alles Elefanten? Was erst als große graue Masse gar nicht so ins Auge fiel, ist eine Herde von mehreren hundert Tieren, die gerade langsam – aber irgendwie auch erstaunlich schnell – am Abziehen ist.

Herdeweit.JPG


Wow. Ich bin völlig geflasht, und muss erstmal wieder runter zum Auto um die Kamera zu holen, die auf der Strecke geblieben ist, weil wir von unten noch gar keine Tiere gesehen hatten. Bis das erste Foto passiert, ist die Herde schon wieder ein ganzes Stück weiter gerückt, und viele sieht man auf den Bildern auch gar nicht, weil sie irgendwo kaum sichtbar zwischen Bäumen und Büschen verschwinden.

Herdenah.JPG


Aber es zählt ja die Erinnerung. Wir versuchen einen großen Überschlag zu machen, wie viele Tiere das sind, und kommen auf mindestens zwei- bis dreihundert, vielleicht sogar mehr. Es ist einfach unzählbar, und je länger man guckt, desto mehr entdeckt man auch noch weiter hinten zwischen den Bäumen stehend. Ich hatte ja von "großen Elefantenherden" gelesen, aber irgendwie dachte ich da eher an eine Zahl von 50, vielleicht noch gerade so 80, aber nicht mehrere hundert. Schade, dass sie doch recht weit weg sind, denke ich noch – und dann gerät auf einmal ein Teil der Herde in Panik und lässt mich diesen Gedanken sofort wieder verwerfen. Die "wild gewordenen" Elefanten rennen in einem irren Tempo davon, eine Staubwolke wie ein Tornado hinter sich herziehend. Genau auf einen Geländewagen zu, der etwas weiter südlich am Ufer steht. Ich mache mir ernsthaft Sorgen. Doch die Elefanten rennen gekonnt um das Hindernis herum, natürlich, natürlich sind sie nicht so blöd, einfach gegen das Auto zu rennen. Aber in diesem Moment erscheint mir das trotzdem erstaunlich. Sie hinterlassen eine riesige Staubwolke und wahrscheinlich ein paar sehr geschockte Europäer. Wir möchten nicht so gerne alleine, ohne erfahrenen Guide, in diese Situation kommen und fragen uns, wie lange man wohl maximal in so einer Elefantenherde feststecken kann, die es sich einfach um einen herum gemütlich macht? Da wir darauf wenig Lust haben, die große Herde ein Erlebnis für sich war und wir auch nicht wissen, was uns sonst noch begegnet, drehen wir also an dieser Stelle um und machen uns auf den Rückweg.

Wir haben Glück und unsere "kleine" Herde von vorhin hat sich offenbar am Fluss weiterbewegt, jedenfalls treffen wir auf keine Blockade (allerdings auch auf sonst nichts anderes). Am Gate werden wir natürlich gefragt, was wir gesehen haben und berichten. Wir hören: Man könne ja einfach auf so eine Elefantenherde zufahren, und sie lassen einen dann schon durch. Okay. 🙄

Ein Tipp, der mir angesichts der etwas nervösen Herden nicht gerade naturgegeben erscheint und in jedem Fall nichts, was ich jetzt vorhätte zu versuchen. Man fragt sich ja hinterher immer: Hätten wir einfach weiterfahren sollen? Sind wir zu vorsichtig, deuten wir die Tiere total falsch? Aber es ist ja egal: Wir haben eine riesige Herde gesehen, mehr, als wir je erwartet hätten. Also alles fein.

Jetzt lerne ich, wie man mit einem Kompressor (der zum Glück auch funktioniert) Autoreifen wieder aufpumpt und wie lange so ein paar Bar dauern können. Als das fachmännisch erledigt ist, machen wir uns also auf zum Livingstone’s Camp. Hier waren wir ja vorab etwas nervös, weil sich irgendwann während der Vorbereitungszeit die Neuigkeit verbreitet hat, dass das Camp verkauft werden soll. Es war uns länger nicht so richtig klar, was das für unsere Reservierung bedeutet. Negatives gehört hatten wir nichts, aber wir hätten natürlich auch wenig Lust gehabt, vor verschlossenen Türen zu stehen oder in einem nur noch gerade so geöffneten, runtergerockten Camp zu übernachten. Wir haben dann mit der Zeit festgestellt: Es gibt immer noch Bewertungen bei Tripadvisor. Nur gingen die in sehr unterschiedliche Richtungen. Also dürfen wir jetzt durchaus gespannt, sein, was uns erwartet.

Erst fahren wir dieselbe Strecke wieder zurück wie heute morgen. Danach führt die Asphaltstraße durch den Mudumu-Teil des Parks. Hier sieht es auch nett aus – und wir begegnen einigen Elefanten, die einfach so am Wegesrand stehen oder sogar die Straße kreuzen (wenn meine Erinnerung mich nicht trügt). Was verrückt ist, wenn man bedenkt, wie schnell man hier fahren darf. Sie tauchen einfach auf, stehen da einfach so – dabei befindet man sich gefühlt auf einer Landstraße. Sehr interessantes Erlebnis. Schade, dass wir den Mudumu heute nicht auch noch kurz besuchen sollen – andererseits habe ich gelesen, dass er relativ anspruchsvoll zu fahren sein soll. Vielleicht lieber beim nächsten Mal.

Irgendwann kommen wir dann beim Livingstone’s Camp an, das über eine kleine Zufahrtsstraße mit netten kleinen Schildchen angezeigt ist. Heute ist alles irgendwie etwas wilder als sonst, und wir kommen langsam so richtig in Stimmung für den nächsten, fortgeschritteneren Teil des Urlaubs.

Es erscheint ein kleines Häuschen… und zwei Leute davor. Der deutschsprachige Campmanager taucht nach kurzer Suche auf – und ist merkwürdig. Er ist genauer gesagt sehr nett, aber auch schroff, etwas resigniert, und das Häuschen scheint nicht zwischen seinem Büro und seiner Wohnung zu differenzieren. Irgendwas stört mich an dieser Person, ich habe da ein ganz gutes Gefühl für so etwas, der Typ scheint ziemlich unglücklich zu sein. Wir fragen nach Aktivitäten, er ruft irgendjemanden im Dorf an, der mit uns den Bush Walk machen kann, er bemerkt , wie nervig es doch hier ist, das man nie Empfang hat, und dass der komische Typ dem das Camp gehört, ja keine Ahnung habe, der mache ja auch immer komische Preise, das kann ja hier alles nicht funktionieren... 🙄

Aber wir bekommen die Bestätigung, dass wir morgen den Bush Walk machen können, und fahren dann hinter dem Manager her zu unserer Campsite. Eigentlich nicht weit, aber fühlt sich an, als wäre weit und breit überhaupt nichts. Wir haben einen eigenen kleinen Pavillon mit Küchenzeile, auf der Rückseite Dusche und Toilette, mit warmem Wasser. Auf der Feuerstelle liegt schon Holz.

Pavillon.JPG


Blick auf das Schwemmland, rundherum ansonsten nur Bäume.

Ausblick.JPG


Wow, das ist echt schön hier. Und wild – wir wissen, dass hier nichts umzäunt ist, und bekommen direkt auch nochmal erklärt, dass wir nachts auf keinen Fall von der Campsite runtergehen sollen, weil hier alles mögliche vorbeiläuft. Neulich waren auch Elefanten da, aber aktuell ist wahrscheinlich keiner in der Nähe. Puh – okay. Im Internet haben sich die Leute immer eher aufgeregt, dass hier nicht super viele Tiere zu sehen sind, aber ich sehe ganz klar den Elefantenfußabdruck auf dem dunklen Staub. Und eine lange, schmale Spur, die ich absolut nicht zuornden kann. Na, wie das hier wohl wird.

Spur.jpg


Mit gemischten Gefühlen – Euphorie angesichts der wunderschönen Campsite, leichte Beklemmung angesichts der Begegnung mit dem sehr unglücklichen Campmanager, Aufregung angesichts der ersten wirklich "wilden" Nacht – fangen wir an, uns einzurichten.
Beim Öffnen des Kofferraums trifft uns erstmal die Erkenntnis: Irgendwas geht immer kaputt. Heute an der Reihe: das Olivenöl.
Ja.
Olivenöl.
Im Kofferraum.

Oel1.jpg


Und Norbert hatte sich noch über Diesel beschwert…

Immerhin haben wir Glück und die Olivenölflasche ist beim Runterfallen und Zerbrechen hauptsächlich in das umgedrehte Innere der Tischplatte gelaufen, die eine Kante hat.

Oel2.jpg


Also basteln wir erstmal fröhlich unseren olivenölgetränkten Tisch aus dem Auto und massieren mithilfe von Unmengen an Küchentüchern die Olivenölpolitur in das Metall ein.Ist ja auch sicher eine gute Pflege für so einen Tisch! Derweil müssen alle anderen, bei der wilden Hubbelei durch die Gegend geflogenen Dinge aufgesammelt und neu sortiert werden (sehr professionell von uns zu glauben, dass unsere Packtechnik etabliert sei, für Tiefsand gelten andere Regeln). Es stellt sich dabei heraus, dass neben dem Olivenöl auch noch eine Dose Bier verlustig gegangen ist, genauer gesagt irgendwie durchstochen wurde. Sämtliches Bier ist bei der Hitze natürlich verdunstet oder wurde von unseren Pappkisten aufgesaugt, die jetzt etwa die Konsistenz von Tapetenkleister haben.
Jetzt haben wir keine Kisten mehr und statt mit einem wohlverdienten Bier die Atmosphäre zu genießen, also Hausarbeit. Das hatten wir uns anders vorgestellt, ist aber leider keine Seltenheit auf unserer Reise. Nun gut. Ich beschäftige mich dann mal mit dem Zeltaufbau.

Autocamp.JPG


Aber irgendwas ist da doch im Busch? Immer mal wieder höre ich Geräusche, die ich nicht zuordnen kann, die über die Zeit aber ganz, ganz langsam lauter werden.

"Hörst du das?" - "Nee da ist nichts."

"Hast du das jetzt gehört?" - "Nein ich hör nichts."

"Aber da sind Geräusche!" - "Ach quatsch."

"Schon wieder!" - "Du spinnst."

Als die Hippos dann auf einmal recht hörbar grunzen, stellt sich heraus: Lukas verfügt über die für das Überleben im Busch total zuträgliche Beeinträchtigung, sehr tiefe Töne teilweise nicht zu hören. Ja, er hört die Hippos einfach nicht, obwohl ich sie inzwischen als durchaus hörbar bezeichnen würde. Kein Wunder, dass der immer so entspannt ist... 🙄

Irgendwann sind wir dann fertig und starten das Feuer, ich in der ständigen Hoffnung, dass es uns nicht zum Nachteil wird, dass wir zwischen dem Wasser und den Hippogeräuschen positioniert sind. Wir grillen heute das zweite Mal Boerewors, und ich muss sagen: Ganz nett, aber Steak ist sehr viel toller. Aber es ist wirklich ein wahnsinniger Ausblick und eine so schöne Atmosphäre hier!

AusblickmitAuto.jpg


Ich schwanke zwischen totaler Entspannung und leichter Nervosität, angesichts der stockfinsteren Dunkelheit und der Möglichkeit von Tierbesuch. Ich leuchte immer mal wieder rum und sehe auch immer mal wieder Augenpaare... erst links hinter uns... dann links vor uns... dann vor uns... sie befinden sich immer genau außerhalb der Campsite, aber manchmal starren sie uns auch direkt an. Sie sind irgendwie gruselig. Sie sind nicht seitlich sondern frontal am Kopf. Aber relativ niedrig. Hm... 😵

Irgendwann stellen wir fest, dass das Rumleuchten und Augenpaare-Sehen nervös macht (wer hätte es gedacht) und lassen das Ganze pragmatisch einfach sein. Was wir nicht sehen, kann uns auch nicht stressen 😗 Und was gibt es Schöneres als vollstes Vertrauen in das Feuer vor und den Pavillon hinter uns zu stecken. Und fallen dann irgendwann müde und zufrieden nach einem so unfassbar ereignisreichen Tag ins Zelt.

Utensil des Tages: Küchentücher. Sehr viele Küchentücher.
Südmarokko März 2012 | Südafrika & Swasiland September 2014 | Namibia & Botswana November 2018
zuletzt bearbeitet 08. Aug. 2019
4'382 Beiträge · seit 201509. Aug. 2019 · #52
Guten Morgen, da hat sich das Warten doch gelohnt!
Angesichts der De-ja-vus mußte ich sehr schmunzeln! Danke!
Grüße
Friederike
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Themenstarter106 Beiträge · seit 201809. Aug. 2019 · #53
Danke, Friederike! 🙂
Südmarokko März 2012 | Südafrika & Swasiland September 2014 | Namibia & Botswana November 2018
Themenstarter106 Beiträge · seit 201820. Aug. 2019 · #54
Tag 14: Baumsafari

Das Aufwachen in der „richtigen Wildnis“ ist ja immer mit einem gewissen Abenteuerfaktor verbunden. Ich habe hier im Forum mal gelesen, dass jemand den Reißverschluss vom Dachzelt aufgemacht hat und einem Elefanten ins Auge geblickt. Selbstverständlich rechne ich jetzt jeden Tag damit, und kann mich immer wieder aufs Neue nicht entscheiden, ob ich jetzt erleichtert bin oder doch ein bisschen enttäuscht, wenn dann doch nichts passiert. 😊

Heute findet unsere Walking Safari statt, für die wir extra das Livingstone’s Camp ausgesucht haben, weil es zu den wenigen Camps zu gehören scheint, die das anbieten. Eigentlich hätte ich gerne einen richtigen Trail mit draußen schlafen usw. bei Dan von Mashi River Safaris gemacht, aber die Preise haben mich ziemlich abgeschreckt. Nachdem wir in Südafrika vier Tage für 200 Euro pro Person unterwegs waren, bin ich doch eher unwillig, dasselbe für eine Nacht zu zahlen und da der Botswana-Teil unserer Reise die Kosten nochmal ordentlich in die Höhe getrieben hat, ist es jetzt eben dann doch nur diese kleine Tour mit dem Guide aus dem Dorf.

Wir laufen den Weg zum Treffpunkt an der "Rezeption" auf dem Sandweg zu Fuß. Dabei entdecken wir auch die Fußspuren zu den Augenpaaren gestern Abend: Definitiv etwas Katzenartiges, aber klein. Spannend – und schade, dass der Guide jetzt noch nicht dabei ist um uns zu erklären, welches Tier das wohl war. Selbigen treffen wir dann vorne bei der „Rezeption“, die beiden Leute von gestern sind auch wieder da, ein Schotte, der aber heute nicht mitläuft, und eine noch recht junge Deutsche, die mit an Bord ist, außerdem zwei Helfer. Die verladen uns dann erstmal fachgerecht in zwei Boote und fahren uns auf die andere Seite der Schwemmebene, die aussieht wie Gras, sich aber doch als recht flüssig herausstellt. Diese kurze Fahrt ist schon sehr entspannend.

Boot2.jpg


Angekommen auf der anderen Seite stellt sich unser Guide, dessen Namen ich leider vergessen habe, fachgerecht vor und erklärt uns erst einmal, warum er so ein Gewehr dabei hat und dass er jetzt für uns verantwortlich ist. Danach gibt es eine ausführliche Erklärung von ca. 450 verschiedenen Handzeichen, mit denen er alle möglichen Tiere signalisieren möchte, wenn wir sie denn sehen. Wir versuchen uns verzweifelt darauf zu konzentrieren, Leopard von Löwe von Gnu zu unterscheiden und hoffen, dass es zu keinem Zeitpunkt überlebenswichtig wird, die einzelnen Zeichen tatsächlich auseinanderzuhalten. Man muss auch zugeben: Wir sind zwar gespannt, aber erwarten auch nichts allzu Spektakuläres, da die Bewertungen ja auch eher in Richtung mangelhafte Tierdichte gingen.
So marschieren wir also los, zu dritt im Entenmarsch, rein in die Wupara Convervancy. Es tut gut, sich nach der ganzen Fahrerei wieder zu Fuß zu bewegen. Aber auch immer wieder interessant, dass sich die „afrikanische Landschaft“ häufig auf den ersten Blick gar nicht immer von einem Wald-und-Wiesen-Stück zu Hause unterscheidet. Umso verrückter ist dann immer der Moment, wenn sich doch tatsächlich ein Tier zeigt. 🙄

Landschaft.JPG


Und dann geht’s los: Bäume. Unser Guide hat offenbar eine sehr große Liebe zu Bäumen (berechtigt!) und/oder sonst nichts zu tun (wir treffen lediglich auf ein paar Impalas, eine kleine Warzenschweinfamilie und einen schon seit ein paar Tagen toten Büffel). Und so bekommen wir dann sämtliche botanische Besonderheiten der Gegen erklärt. Ich erinnere mich an: Baum, der „blutet“ wie bei Game of Thrones und gut für die roten Blutkörperchen sein soll (klar). Baum, unter dem man nicht campen sollte, wenn man nicht von Elefanten gestört werden will. Baum, dessen Holz man nicht für Feuer benutzen darf. Baum, der komische Knubbel hat, die für irgendwas gut sein sollen. Baum mit vielen kleinen grünen Kügelchen, deren Zweck ich auch schon wieder vergessen habe.

Versteht mich nicht falsch, ich bin ein großer Freund von Bäumen, wirklich, und unser Guide schafft es auch, das Thema immer wieder mit persönlichen Geschichten anzureichern. Lukas beschwert sich bis heute allerdings noch, dass die Erklärung all der Pflanzen und Bäume immer demselben Schema gefolgt sei: „this fruit is yellow in colour when not ready, and red in colour when ripe“ / „this fruit is green in colour when not ready, and orange in colour when ripe“. 🤩 Ich versuche mir jedenfalls angestrengt so viel wie möglich zu merken, wäre ich ehrlich interessiert zuhöre – und scheitere damit leider komplett. Aber das macht nichts.

Hier erklärt der Guide unserer Begleitung und Lukas gerade, dass man auf einer Elefanten-Verfolgungsjagd einfach unter einem solchen Querstamm durchrutschen oder darüber hüpfen soll, da der Verfolger nicht auf dieselbe Art und Weise am Hindernis vorbeikommt. 😄

Baum1.jpg


In der Pause haben wir ein bisschen Zeit, mit unserer Mitwandererin zu sprechen, die übrigens zu dem Typ „ich mache im Laufen ständig schiefe Schnappschüsse aus dem Handgelenk mit meiner Digicam“ gehört und mich sehr an eine gewisse Persönlichkeit erinnert, die mich im Dschungel von Sumatra stundenlang von irgendeinem Trail in Neuseeland vollgequatscht hat, der sie offenbar hochgradig überwältigt haben muss, während ich eigentlich nur wandern und Dschungelgeräusche hören wollte. 😣 Unsere heutige Begleiterin gehört auch zu der Fraktion „erste abenteuerliche Reise“, weiß aber wenigstens, beim wandern ruhig zu sein – und erzählt uns ihre kuriose Geschichte. Sie wollte eigentlich ein Praktikum bei einem Ranger machen. So richtig Walking Safaris begleiten und so weiter. Da hat wohl jemand zu viel „Frühstück mit Elefanten“ gelesen. 😄 Es stellte sich dann leider heraus, dass die Agentur, bei der sie das Praktikum klargemacht hatte, sie nur als Büroangestellte nutzen wollte. Das war ihr zu blöd, und sie hat sich dann irgendwie auf den Weg gemacht, alleine im Land rumzureisen, wobei sie auf den Schotten getroffen ist, der hier auch noch gerade rumhängt. Der wiederum kannte den Campmanager dieses Camps hier von früher, und so sind sie dann irgendwie mangels verfügbarer Mietwagen (auf welchem verrückten Wege auch immer) hier in dieses Camp gelangt, wo sie jetzt rumhängen. Sie wollen aber morgen weiter nach Katima Mulillo, um sich da um ein Auto kümmern, und dann mal schauen. Lukas und ich denken in diesem Moment beide, dass wir ja erst übermorgen nach Katima fahren ... verschweigen auch diese Information aber erst einmal mit schlechtem Gewissen. 😊

Hier noch ein Foto vom toten Büffel, guten Appetit:

Büffel.JPG


Irgendwann der Spaziergang dann rum. Wir haben zwar nicht wirklich Tiere gesehen aber uns ein paar Stunden bewegt und viel über das Leben in und mit der Natur hier gelernt. Es war nicht abenteuerlich, aber entspannt. Die zwei Mokoro-Männer von vorhin holen uns wieder ab, schippern uns über „die Wiese“ und zurück sind wir auch schon.

Den restlichen Tag nutzen wir, endlich mal wieder, zum ausgiebigen Entspannen. Es ist wirklich eine schöne Campsite um einfach mal ein bisschen Zeit zu verbringen. Der Pavillon mit gut gemachter Küchenzeile, Fliesenboden und dementsprechend viel Ablagefläche, Schatten und wenig Staub eignet sich super, um einfach mal richtig aufzuräumen, zu sortieren und ohne ständiges Rumkramen zu leben. Die große Spüle mit ziemlich warmem Wasser eignet sich super, um Wäsche zu waschen. Ich greife dabei intuitiv auf Werkzeuge zurück, die so in der Art auch einige Generationen vor mir verwendet wurden:

Wäsche.jpg


Irgendwann kommen uns ein paar Warzenschweine besuchen, die gar nicht scheu am Rande unserer Campsite grasen.

Warzenschweine-2.JPG


Und die Glanzstare faszinieren mich ja auch immer noch:

Glanzstar2.JPG


Wir lesen heute viel, genießen es einfach, heute mal gar nicht in ein Auto steigen zu müssen. Und versuchen unseren Flug übers Okavango-Delta zu buchen, da wir ab übermorgen in der empfanglosen Wildnis unterwegs sein werden und die Bestätigung schließlich auch noch empfangen wollen. Dafür muss man allerdings in regelmäßigen Abständen minutenlang mit ausgestrecktem Arm und Handy in der Hand auf der Campsite rumlaufen, in der Hoffnung, eine der wenigen anwesenden Funkwellen zu erwischen:

Empfang.jpg


Irgendwann gibt’s Abendessen. Und dann kommt sie doch noch, unsere Tiersichtung. Ich starre gedankenverloren auf die Ebene, wie schon so oft heute. Und da fällt mir auf: Irgendwie sieht diese Ecke da hinten jetzt gerade farblich ganz anders aus, als noch vorhin. Ist da was? Das müsste dann aber schon eine große Herde sein… Büffel? Und ja, der Blick durchs Fernglas bestätigt es. Wir haben eine ziemlich große Büffelherde, es dürften schon so 50-100 sein, vor unserer Haustür. Es ist idyllisch, sie langsam in der Ferne vorbeiziehen zu sehen. Aber auch gut, dass sie kontinuierlich entlang des Ufers ziehen und sich nicht spontan überlegen, rüberzukommen. Wir verbringen den Abend eines unfassbar entspannten Tages noch entspannter am Feuer, diesmal ohne allzu häufiges Leuchten nach Augenpaaren. Und dann ist es Zeit für unsere vorerst letzte Nacht in Namibia.

Utensil des Tages: Pfannenwender. Äußerst vielseitig verwendbar als Spinnenverschrecker, Feuerumschichter und Wäscherührer. Seltener tatsächlich in Pfannen.
Südmarokko März 2012 | Südafrika & Swasiland September 2014 | Namibia & Botswana November 2018
zuletzt bearbeitet 21. Aug. 2019
4'382 Beiträge · seit 201521. Aug. 2019 · #55
Hallo, Offbeat!
Der gute alte Persilstock hat ausgedient.... 🙁
Angesichts dieses Fotos:

Wäsche.jpg


kommt mir die Idee, daß man durchaus einen eigenen Thread aufmachen könnte über variablen Einsatz von Hilfsmitteln....vielleicht braucht man so eine Menge Zeugs weniger mitzuschleppen...... 😄 😄
Über die Baumsafari habe ich herzlich gelacht! Das war Deine gute Tat des Tages! Danke und Gruß von
Friederike
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zuletzt bearbeitet 21. Aug. 2019
Themenstarter106 Beiträge · seit 201821. Aug. 2019 · #56
Ich wäre ganz vorne mit dabei, bei deinem variable-Hilfsmittel-Thread! Es sind doch die kleinen Dinge im Leben... 😄
Südmarokko März 2012 | Südafrika & Swasiland September 2014 | Namibia & Botswana November 2018
3 Beiträge · seit 201902. Sept. 2019 · #57
Ich klinke mich ein- unglaublich tolle Berichte und sehr unterhaltsam!
Themenstarter106 Beiträge · seit 201812. Sept. 2019 · #58
Danke dir Franziska, das freut mich 🙂
Südmarokko März 2012 | Südafrika & Swasiland September 2014 | Namibia & Botswana November 2018
Themenstarter106 Beiträge · seit 201812. Sept. 2019 · #59
Tag 15, Teil 1: Auf nach Botswana

Nachdem wir uns auf der Campsite gut ausgebreitet haben, brauchen wir an diesem Morgen etwas länger, unser Hab und Gut wieder im Auto zu verstauen, insbesondere, da es für Botswana nun auch wirklich sandpistensicher sein sollte. Bei der Abfahrt aus dem Camp fragen wir uns noch, ob wohl die Deutsche und der Schotte gestern wirklich abgereist sind – und wundern uns fast ein bisschen, dass wir aus der Sache so einfach rausgekommen sind. 😗

Bis wir auf die Hauptstraße abbiegen. Ein Auto lädt gerade zwei Menschen mit Rucksäcken ab… und, was für eine Überraschung: Es handelt sich ganz zufällig um zwei besagte Menschen, die vom Camp-Manager hier hoch gefahren wurden, offenbar tatsächlich in der Absicht, nach Katima zu trampen. Freudestrahlend überrascht rennt die junge Deutsche uns entgegen und fragt uns wo wir hinwollen. Ich bemühe mich, möglichst ebenso überrascht und erfreut zu wirken, obwohl ich innerlich eher einen „I told you so“-Momente erlebe. Versteht mich nicht falsch: Wir sind keine Unmenschen und haben auch absolut nichts dagegen, auf Reisen neue Bekanntschaften zu schließen und mal mit anderen zu quatschen, ganz im Gegenteil. Aber: Irgendwie fühlen wir uns hier ein bisschen so, als wären wir in eine kalkulierte Falle getappt. Und nach den merkwürdigen Geschichten, wie die zwei in diesem Camp hier gelandet sind und sich als Reisepartner zusammengeschlossen haben, kombiniert mit der etwas naiven Art der Deutschen, haben wir ein wenig Sorgen, dass wir sie irgendwann nicht mehr loswerden, wenn sie sich erstmal an uns geheftet haben.

Aber nun kommen wir da eben doch auch nicht mehr raus und so schlimm wird es schon nicht werden, also steigen wir wieder aus dem Auto, um unsere gerade noch so sorgsam verstauten Gegenstände hinten im Auto für das Gepäck wieder umzuschichten…
Aber es wird tatsächlich eine ganz lustige Fahrt: Der Schotte ist Berater für den Aufbau von Krankenhäusern in verschiedenen afrikanischen Ländern und hat, inklusive Bürgerkriegsszenarien, so ziemlich alles schon gesehen. Er reist mit einem winzigen Rucksack, hat eigentlich nur ein Set Klamotten dabei, und weiß, sich im Zweifel immer irgendwie durchzuschlagen. Die Geschichten, die er erzählt, sind spannend und wir haben eine lustige Zeit, während wir eine nicht gerade ereignisreiche Asphaltstraße entlangfahren. Die weibliche Begleitung trägt mit ihren, auf eine völlig andere Art verrückten, Geschichten dazu bei. Unter anderem fragt sie irgendwann, wie das denn eigentlich genau mit der Tollwut-Impfung sei, wenn man von einer Ratte gebissen wurde. Muss man dann sofort ins Krankenhaus um sich nochmal nachzuimpfen, wenn man schon vorher geimpft war, oder reicht es, wenn man zu Hause geht?

Wie bitte? Von einer Ratte gebissen? 🙄

Ja, erzählt sie ganz fröhlich, sie habe im Camp in so einem Safari-Zelt schlafen können – das aber leider schon von einer Rattenfamilie bewohnt wurde. Und da habe sie dann eben versucht, klar, was man halt so tut, wenn man Ratten im Zelt hat, sie mit der Hand einzufangen. Dabei sei sie dann gebissen worden.

Alle, inklusive dem Afrika-und-Krankheits-erprobten Schotten, fallen bei dieser so locker-nebenbei erzählten Geschichte aus allen Wolken und sind erstmal kurz etwas sprachlos. So sorglos von einem Rattenbiss zu erzählen, ist das jetzt bewundernswert lässig oder erschreckend naiv? So richtig traue ich mich nicht, nachzufragen, ob sich Rattenbisse nicht auch unabhängig von Tollwut in tropischen Gegenden vielleicht ganz leicht negativ auswirken könnten, ob sie ihn wenigstens desinfiziert hat? Wir diskutieren eine Weile, ob denn nun eine unmittelbare Nachimpfung nötig sei oder nicht – ich meine, es reicht, wenn man es zu Hause nachholt, der Schotte scheint eher anderer Meinung, was mich verunsichert, da er sich theoretisch besser auskennen müsste. Nebenbei erzählt er, dass er bei seiner Arbeit im Gesundheitsbereich auch schon ein oder zweimal jemanden an Tollwut hat draufgehen sehen und kommentiert mit den Worten „it’s not pretty“... Das Ganze scheint die Gebissene aber nach wie vor nicht so recht aus der Ruhe zu bringen. 🤩

So erleben wir eine unterhaltsame Fahrt und starten kurz vor Katima schonmal vorsichtig die Frage, wo genau sie denn abgesetzt werden wollen. Irgendeine Werkstatt war in der Diskussion, die noch vorm Stadtzentrum sein solle, da wären sie ja neulich schonmal bei irgendwem gewesen. Scheint mir nun nicht der ideale Punkt, um zu Fuß irgendwie klarzukommen, aber die Werkstatt soll es sein. Also springen die beiden auf einer staubigen Zufahrtsstraße aus dem Auto und waren nie wieder gesehen.

Noch leicht amüsiert über diese interessante Begegnung steuern wir unsere letzten Ziele in Namibia an, ein paar Besorgungen gibt es hier noch zu erledigen. Einerseits müssen wir zu unserem Lieblings-Baumarkt Build It, diesmal aber nicht motiviert durch unseren Campingkocher, den Lukas während unserer Zeit im Livingstone’s Camp glücklicherweise reparieren konnte (irgendetwas war locker, oder so) – sondern um einen weiteren Diesel-Kanister zu kaufen. Dann folgt die Post, um die letzten Postkarten mit namibischen Briefmarken loszuwerden, und zuletzt der Abstecher zum Craft Center beim Markt, wo es jetzt endlich auch Körbe in allen Farben und Formen zu kaufen gibt sowie weitere kleine Figürchen und andere Souvenirs. Übrigens deutlich günstiger als in der Schnitzerei und wir sind froh, dass wir bisher noch nicht allzu viel gekauft haben und noch etwas Platz haben. Dafür ist die Auswahl an Produkt-Typen etwas kleiner.

Und dann geht’s weiter zu Grenze. Auf der Strecke passiert nicht wirklich etwas, außer dass unsere Spannung doch leicht steigt, die sich dann an der Grenze in die übliche Verwirrung steigert, was man denn hier nun genau tun muss. Alle Parkplätze vor dem Gebäude sind belegt und wir müssen ein bisschen suchen, bis wir unser Auto vernünftig abstellen können. Dann rein und die Logik der verschiedenen Schalter verstehen. Mal wieder eine Grenzkarte ausfüllen, achso, und dann noch irgendwas für’s Auto und irgendein Register – wie auch immer, wir schauen einfach verwirrt drein und machen alles, was man uns sagt, das hat ja bisher immer geklappt. 😄 Dann fahren wir mit unsrem Auto vor zum (namibischen) Grenzhäuschen und müssen anscheinend auch hier noch einmal aussteigen und uns mit allem irgendwo eintragen. Dafür benötigen wir auch eine komische Nummer vom Auto, die wiederum nur im Mietvertrag steht, denn wir zum Glück halbwegs griffbereit ins Handschuhfach geworf- *hust* verstaut haben. 😗 Und dann werden wir durchgelassen, kurze Fahrt durchs Niemandsland, leere Desinfektions-Wannen, die wir einfach so durchfahren. Dann Botswana, ein kleineres Häuschen, die Leute sind irgendwie netter, und es gibt weniger Bücher zum Eintragen. Hier zahlen wir einen kleinen Betrag, ich weiß nicht mehr, ob wir mit Namibia-Dollar oder mit Karte bezahlt haben, aber Pula nicht nötig. Es gibt einen Spender für kostenlose Kondome, der aber leer ist. Dann sind wir, viel schneller als gedacht, offiziell eingereist und es geht los.
Ngoma Bridge ist tatsächlich nur dieser Grenzübergang, nichts weiter, kein Ort, und hätten wir nicht die eine Nacht in Kasane eingeplant, wäre es jetzt direkt weiter Richtung Savuti gegangen, ohne Einkaufsmöglichkeiten. Da wir hier, völlig unerwartet, gar nicht auf Lebensmittel kontrolliert wurden (ich erinnere mich aber, dass ich mich damit ausführlichst beschäftigt hatte, da die Einfuhr von so einigen Lebensmitteln nach BOTS, auch von diversen Sorten Gemüse, ja offenbar teilweise illegal ist), wäre das mit dem Einkaufen in Katima rückblickend doch gegangen. Aber zeitlich hätten wir es jetzt wahrscheinlich nicht mehr so richtig entspannt nach Savuti geschafft, insbesondere um die Mittagszeit im aufgeheizten, weichen Sand.

Also biegen wir Richtung Kasane ab auf die Transitstraße durch den Chobe, wo wir allerdings keine Elefanten zu Gesicht bekommen. Bis Kasane zieht es sich noch mal ein ganzes Stück, und es ist schon später Mittag, als wir ankommen. Jetzt müssen wir noch einkaufen, puh, irgendwie stressig. Kasane ist jetzt auch nicht gerade ein Traum, irgendwie staubig, klein aber chaotisch und wenig einladend. Im Supermarkt ist die Auswahl schlechter als in Namibia, insbesondere beim Gemüse, und wir kaufen vor allem ein paar Dosen nach, Joghurt, und so dies und das. Ein größeres Problem ist, dass unser Peaceful Sleep alle ist, und wir eigentlich selbstverständlich davon ausgegangen sind, dass wir es hier bekommen, aber im Supermarkt und auch an der Sondertheke hinter den Kassen ist nichts zu haben. Immerhin können wir mit Karte zahlen und sparen unsere soeben gezogenen Pula auf. Dann geht’s noch nach nebenan in den Alkohol-Shop, etwas Bier nachkaufen, ist hier erstaunlich teuer. Danach noch zur Apotheke (oder war es eine Drogerie) um das blöde Mückenzeug zu besorgen, hätten wir das bloß mal früher nachgekauft. Botswana kommt mir kompliziert vor. Ich fahre aus Versehen falschrum auf den Parkplatz und verursache ein kleines Verkehrschaos, das hilft jetzt auch nicht. Gestresst und peinlich berührt weigere ich mich danach, weiterzufahren. 😄

Jetzt ist es 13:45 Uhr, das Senyati Camp, wo wir gebucht haben, ist aber nicht hier sondern in Kazungula, also nochmal 20 Minuten weiter. Es ist heiß. Lukas muss fahren, da ich keine Lust mehr habe. Wir sind froh endlich bald anzukommen. Unser Tagesziel: Eine entspannte Bootsfahrt auf dem Chobe! Da haben wir uns allerdings etwas verkalkuliert ...
Südmarokko März 2012 | Südafrika & Swasiland September 2014 | Namibia & Botswana November 2018
zuletzt bearbeitet 12. Sept. 2019
Themenstarter106 Beiträge · seit 201817. Sept. 2019 · #60
Tag 15, Teil 2 - Irrfahrten

Aber leider dürfen wir uns noch nicht entspannen: Die Zufahrt zum Camp ist ziemlich sandig, die 2x4-Umleitung aber deutlich weiter, und so fahren wir ohne abgelassenen Reifendruck durch den heißen, weichen Sand – etwas riskant, aber irgendwie haben wir Glück und bleiben wider Erwarten nicht stecken. 😄

Im Senyati Camp angekommen werden wir dann erstmal so mittelmäßig freundlich begrüßt. Die Bootstour? Ja, die gibt es, aber die fängt schon um 15 Uhr an, das ist in 40 Minuten, und wir müssen selbst nach Kasane fahren und danach auch selbst wieder zurück. Im Dunkeln? „Es ist dann noch nicht ganz dunkel“. Na toll. Sind Fahrten bei Dunkelheit mit dem Auto nicht verboten? Andererseits haben wir eh keinen Versicherungsschutz während wir hier sind, also perfekte Voraussetzung... 🤩

Aber es ist die einzige Bootstour, die ich wirklich unbedingt machen will, also machen wir uns umgehend und leider etwas unentspannt wieder auf den Weg zurück. Wir sollen irgendwie zum Private Jetty hinter Spar, sieht so aus, als hätte man sein Auto mit allem Hab und Gut einfach in die Wallachei gestellt, angeblich aber sicher.

Jetzt aber endlich entspannen auf dem Boot! Das Boot stellt sich allerdings als kleine Nussschale aus Alu raus und wir sitzen erstmal eine gefühlte halbe Stunde in der Gluthitze wie die Backkartoffeln. Einziges Entertainment: Nebenan legt ein ziemlich großes Boot an und ich sage mal so, es ist ein Wunder, dass alle sechs Beteiligten inklusive Boot das Anlegemanöver überleben. Irgendwann wird dann doch der kleine Außenbordmotor angeworfen, unser Bootsfahrer erzählt uns irgendwas. Allerdings etwas behindert davon, dass häufiger mal sein Telefon klingelt. Es stellt sich heraus: Er soll noch bei irgendeiner Lodge jemanden abholen.

Nach wenigen Minuten auf dem Wasser ist also erstmal wieder Ende mit Fahrtwind, wir legen bei irgendeiner Lodge an, die zweite im Bunde steigt am Steg aus und wickelt das „Seil“, das eher aussieht wie das aus Bettlakenstreifen zusammengeknotete Ausbruchsgerät eines Gefängnisinsassen, locker zehnmal um den Anlege-Metall-Bolzen. Irgendwie gefällt mir das intuitiv nicht so richtig, und warum genau, das erklärt sich zehn Minuten später. Denn die zusätzlichen Gäste tauchen wohl doch nicht auf und uns wird eindrucksvoll demonstriert, warum es so ganz allgemein Seile gibt und dass Bootsknoten durchaus eine Daseinsberechtigung haben: Das Ausbruchsersatzseil hat sich nun dank Strömung und Wellen ordentlich festgezurrt und steht unter Spannung, sodass es sich unter keinen Umständen wieder lösen lässt. Da bleibt nur noch: Amputation! Mister Boot geht eilig auf die Suche nach einem Messer, kehrt mit einem Steakmesser des hiesigen Lodge-Restaurants zurück und schneidet den missglückten Anlegeversuch einfach los. Irgendwer muss dann heute Abend wohl auf ein weiteres Stück seines Bettlakens verzichten… 😄

Aber jetzt, endlich: Auf geht’s! Aber nein: Leider doch nicht. Denn jetzt müssen wir ja noch beim Permit-Häuschen anlegen um die Erlaubnis, diesen Fluss zu „betreten“ vorzuzeigen. Unser Bootsführer springt beschwingt und voller guten Willens, die Verspätung mit Motivation wieder wettzumachen, aus dem Boot, während wir im Sand liegend weiter vor uns hinbrutzeln. Wer gerne Geld dafür zahlt, in einer Schwimmweste zu schwitzen, der fühlt sich hier wohl! 😵

Kurz darauf kommt Mister Boot zurück, er sieht nicht so richtig glücklich aus, es gibt ein Problem. Die Koreaner vor uns haben die Tour von ihrer Firma gekauft bekommen, aber die Firma hat die Permits offenbar nicht bezahlt. Also muss Mister Boot erstmal wieder jemanden anrufen. Die Koreaner rufen auch jemanden an, es herrscht allgemeine Ahnungs- und Fassungslosigkeit und die Koreaner haben momentan wohl nicht so viele Fans hier in unserer Aluschüssel. Dann telefoniert wieder Mister Boot, erste Unruhen brechen aus. Irgendwann, circa 2 Hitzeschläge später, klärt sich das ganze auf wundersame Weise doch noch. Vielleicht kann es jetzt doch noch losgehen?

Es kann, und nach so viel Lamentieren muss ich doch sagen: Im Grunde haben wir bei einem ehrlichen Blick auf die Uhr auch nur gut 30 Minuten verloren. Und die eigentliche Bootstour macht die ganzen Strapazen auch wirklich wieder wett. Und entsprechend kommen auch endlich wieder Bilder für euch. 🙂

Wir sehen erst einmal Büffel, manche davon lebendig, andere nur noch so halb:

Bueffel.JPG


Einen Elefanten, der relativ zweifelsfrei nicht mehr lebendig ist:

Elefant_tot.JPG


Und ein Krokodil, das fröhlich an selbigem Elefanten nagt:

Elefant_tot_Krokodil.JPG



Ich sage doch, das mit den toten Tieren hört seit dem Caprivi einfach nicht auf. Wie man sieht ist das durchaus ein Krokodil, dem ich, angesichts der Ausmaße, ungern zu Fuß begegnen würde:

Krokodil_frisst.JPG


Überhaupt ist dieser Fluss so voller Krokodile – zur großen Freude meiner Begleitung – dass ich mich frage, warum überhaupt Schwimmwesten ausgeteilt wurden, denn ob man nun oben schwimmt oder untergeht, während man zerfleischt wird, ist jetzt auch nicht mehr so ganz erheblich.

Boot_Krokodil.JPG


Krokodil_schwimmt-2.JPG


Krokodil_Detail.JPG


Wir sehen noch diverse andere Tiere:

Wasserbock-2.JPG


Adler_front.JPG


Die Hippos sind auch schon unterwegs:

Hippos.JPG


Und dann bekommt Mister Boot einen Anruf und gibt auf einmal richtig Speed. Aha! Da wurden wohl Elefanten gesichtet, und ich habe den Eindruck, er will die Verspätung wettmachen und uns auf jeden Fall noch Elefanten vom Wasser aus bieten. Gut so! Und die bekommen wir auch:

Elefanten_drei.JPG


Erst muss ich ja ganz ehrlich an verhaltensgestörte Elefanten im Zoo denken, weil die Tiere mit ihren Füßen immer so in den Sand kicken, als hätten sie einen Tick. Aber es stellt sich doch relativ schnell heraus, dass sie so an die Wurzeln der Gräser herankommen, die offenbar besonders gut schmecken. Mister Boot erklärt hier mal gar nichts, aber immerhin hat er uns hier hingefahren, und elefantenbeseelt bin ich jetzt auch wieder versöhnt.

Elefanten_weit.JPG


Elefant_Detail.JPG


Gegenüber spielt noch einer Fußball:

Elefantenfußball.jpg


Und dann drehen wir auch wieder um, nicht ohne auf dem Weg noch diverse weitere Hippos und Krokodile zu erblicken. Mister Boot lässt sich jetzt allerdings relativ viel Zeit, und ich bin ein wenig nervös, denn wir müssen schließlich gleich im Hellen hier loskommen. Aber er ist sehr willens, die Verspätung wieder gut zu machen und uns noch einen Sonnenuntergang mit Aussicht zu bieten. Derselbige packt mich jetzt nicht so, wird aber von den Koreanern von Anfang bis Ende gefilmt – und dann fahren wir endlich mit Fullspeed zurück zum Anleger.

Unser Auto ist auch noch da, aber es ist schon sehr, sehr dämmerig jetzt, und wir hoffen, dass sich die absolute Dunkelheit noch etwas zurückhält. Also geht’s los wieder zurück Richtung Kazungula. 😕

Ich bin erst noch optimistisch, aber während wir uns durch den Ort, die Verbindungsstraße und vorbei an den auf den Grenzübertritt wartenden LKWs schlängeln, wird es immer und immer dunkler. Als wir auf die richtige „Landstraße“, die dann nur noch durch Wald geht, kommen, ist es finster. Sehr, sehr, sehr finster. Und auch wenn wir nicht wüssten, dass jetzt die Tiere anfangen, hier die Nachtschicht zu übernehmen, wird es uns eindrücklich klargemacht: Auf einmal fahren alle 50. 🤩

Und zwar gerade die EInheimischen. Während Lukas unser Schiff todesmutig und im Schneckentempo durch das Nichts steuert, starre ich hochkonzentriert in die Dunkelheit und Versuche, das Dunkelgrau im Schwarz auszumachen. Gefühlt springen mir die Augen aus dem Kopf während ich starre, aber vom Starren hängt jetzt unser Leben ab, also starre ich...

Folgendes Problem ergibt sich: In dieser absoluten Finsternis wollen wir nicht mehr die zerpflügte Sandpiste fahren – nicht auszudenken, wenn wir steckenbleiben. Also müssen wir die Umfahrung wählen, die wohl ein paar Kilometer weiter abzweigt.

Und eine halbe Weltreise ist. 🙄

Und so fahren, wir, und fahren, und ich starre, und starre. Irgendwann rennt was über die Straße, wir sind nervös, fluchen ein wenig, die Stimmung ist echt verdammt angespannt in diesem Auto. Das ist das Dümmste, was wir je gemacht haben, hier in dieser Todesdunkelheit über diese Todeslandstraße. Und dann erfahre ich Schock und Belohnungsreflex gleichzeitig – dunkler, großer Schatten links. Es ist doch absurd: So eine Gefahrensituation und insgeheim fühle mich aber auch bestätigt, dass sich das Starren gelohnt hat und als Meister-Starrer auch wirklich talentiert bin 😊

Es ist eine kuriose Situation: Alles fühlt sich an wie nachts auf einer Landstraße in Deutschland, die Art, wie das Licht auf das Tier fällt, die leicht reflektierenden Augen, die Plötzlichkeit und doch auch Banalität der Situation, nur statt Wildschwein ist da einfach so ein Riesenvieh von Elefant. Ich bin auch ein stückweit fasziniert. Immerhin: Der Elefant steht nicht auf, sondern „nur“ direkt neben der Straße, aber das senkt Stresslevel jetzt auch nur moderat.

Irgendwann, nach gefühlten Ewigkeiten verkrampften Dahinschleichens und -starrens haben wir endlich den Abzweig erreicht. Und jetzt? Auf holprigen Erdstraßen geht es gefühlt durch die hinterletzten Gassen von irgendeinem Dorf, im Dunkeln ist das ganz schön unheimlich und auch die Navigation hier hat ihre Tücken, gelinde gesagt. Wahrscheinlich stehen wir einfach gleich auf einem Hof von Privatleuten und lösen einen Eklat aus. 😐 Lukas ist jetzt doch etwas sauer, was für einen beschissenen Weg ich ihn hier langführe. Gefühlt geht es jetzt nochmal ein Stück über Land, wir sind bald schon 45 Minuten unterwegs statt eigentlich 25, es ist immer noch stockfinster. Zum Schluss nochmal ein Stück Sandpiste, nicht so tief wie der direkte Weg, aber Polo-tauglich auch nicht gerade. Und dann, endlich, endlich, im Camp.

Wir sind jetzt ehrlich gesagt echt am Ende. Und sich in der totalen Dunkelheit jetzt auch noch einzurichten, das Zelt aufzubauen und Salat zu machen, kann ich auch nicht so direkt empfehlen. Trotz schnellen Essens (die Wurst aus dem Supermarkt übrigens auch kein Highlight) ist es dann doch schon 9 Uhr. Auch wenn die Bar nun nicht mehr aufhat und der Belohnungs-Gin-Tonic somit gestrichen wurde, gehen wir noch, etwas grummelig, zum Wasserloch.

Aber ihr kennt das schon: Stresslevel 100, und dann kommen die Tiere, und alles ist gut. 😄

Auf dem Weg zum Wasserloch gehen wir durchs Camp, und auf einmal steht man den Elefanten gefühlt schon fast gegenüber. Das ist hier nicht Okaukuejo oder Halali, kein meterhoher Zaun, keine Mauer, kein Zoo. Da sind einfach so ein paar Elefanten und die könnten genauso gut hier sein, und das ist dann eben so.

Wir erklimmen also die Plattform und beobachten eine Weile Elefanten mit Socken 😄

Elefanten_nachts.jpg


Es scheint ein bisschen zu kriseln zwischen zwei verschiedenen Elefantengruppen und das zu beobachten ist relativ spannend. Unten laufen etwas nervös ein paar Typen rum, die zum Camp gehören, und scheinen irgendeine Interaktion mit den Elefanten vorzunehmen, sie haben auch irgendwelche elektrischen Geräte in der Hand, gefühlt Hundepfeifen? Ein bisschen angespannt scheint die Stimmung hier schon, leider. Als ob alle Angst hätten, dass jeden Moment doch die Elefanten das Camp stürmen und hier die Herrschaft übernehmen. Wie wenn man als Deutscher in anderen Ländern unterwegs ist: Die Anwesenheit von Sicherheitspersonal verdeutlicht eher das Gefahrenpotenzial. Aber vielleicht liegt es auch an mir und den Nachwirkungen des Tages, dass ich es so wahrnehme. Nach einer Stunde, ich könnte eigentlich ewig weitergucken, aber die Müdigkeit wird dann doch zu groß, schleichen wir uns mit Taschenlampe zurück zu unserer Campsite. Der Tag war echt brutal, ein absolutes Auf und Ab. Heute wäre vielleicht ein Bett doch schöner gewesen. Aber eine Nacht Schlaf wird’s wohl richten!

Utensil des Tages: Geduld 🤩
Südmarokko März 2012 | Südafrika & Swasiland September 2014 | Namibia & Botswana November 2018
zuletzt bearbeitet 18. Sept. 2019