Reisebericht

The Heat is on – Namibia & Botswana November 2018

von offbeat · begonnen 20. Dez. 2018 · 19 Teile

Teil 120. Dez. 2018
Erst einmal vorab: Mir ist kalt. 🤩 Seit drei Wochen sind wir jetzt wieder aus Namibia und Botswana zurück, und bemerkbar macht sich vor allem: Wir haben uns schnell an die hohen Temperaturen gewöhnt. Und das winterliche, feucht-kalte und dunkle Hamburg will dem einfach nicht so recht nahe kommen. Deshalb soll dieser Reisebericht nicht nur, hoffentlich dem ein oder anderen ein paar interessante Infos bieten, sondern auch mir selbst über den Winter helfen. So ganz egoistisch. 😉
In diesem ersten Kapitel möchte ich erst einmal ein paar allgemeine Dinge teilen – ein Fazit zur Reise, Highlights, was wir ändern würden und was besonders hilfreich war unterwegs. Ich denke vor allem für die gerne so genannten „Ersttäter“ (die wir ab sofort nicht mehr sind) ist das hilfreich, wenn es um die Planung und Vorbereitung geht. Alle anderen können ja, falls sie meinem Geschwafel überhaupt folgen möchten, das Folgende überspringen. Achso: Mein Planungsthread ist dieser hier: https://namibia-forum.ch/forum/16-unterkuenfte/295100-lohnt-noch-die-reiseplanung-fuer-okt-nov-2018.html

Aber vorweg eine kurze Vorstellung.
Wir, das sind (jetzt zum ersten Mal namentlich) Lukas & Bea aus Hamburg, 29 Jahre alt Möchtegern-Abenteurer-Reisende, in Wahrheit wahrscheinlich auch nur die nächsten Yuppies auf der Suche nach dem letzten Fleck der Erde ohne Handyempfang. 2012 haben wir zusammen Südmarokko mit dem Auto erkundet, 2014 dann Südafrika. Ich war schon immer irgendwie begeistert von Afrika, 2014 hat sich das Afrika-Virus dann auch bei mir endgültig eingenistet und seitdem träume ich davon, endlich wieder ins südliche Afrika zu fahren. Nach ein paar Abstechern in Richtung Indonesien (kein Handyempfang im Dschungel) und Panama (kein Handyempfang auf einsamer Insel) war es dann dieses Jahr endlich wieder so weit. Und ich muss sagen: Es gab diesmal sogar noch weniger Handyempfang. Und war grandios!

Unser Fazit habe ich in ein paar Abschnitte geteilt, ich hoffe, ich gerate nicht zu sehr ins Schwafeln.

Die Reise.
Reisezeit: 30.Oktober bis 23. November 2018.
Flug: mit British Airways von HH über LHR und JNB nach WDH und zurück.
Auto: Nissan Hardbody 300 (?) Double Cabin mit Dachzelt, gemietet bei Pegasus.
Länge: 4920 km in 23 Tagen durch Namibia und Botswana.

Die Route.
  1. Windhoek / Hotel Windhoek Gardens
  2. Sesriem / Sesriem Campsite
  3. Naukluftberge / Gästefarm Hauchabfontein Campsite
  4. Swakopmund / Salty Jackal Backpackers
  5. Swakopmund / Salty Jackal Backpackers
  6. Spitzkoppe / Spitzkoppe Campsites
  7. Erongo / Gästefarm Omandumba Campsite
  8. Etosha NP / Okaukuejo Campsite
  9. Etosha NP / Halali Campsite
  10. Etosha NP / Namutoni Campsite
  11. Caprivi / Mobola Lodge Campsite
  12. Caprivi / Camp Kwando
  13. Caprivi / Livingstone’s Camp
  14. Caprivi / Livingstone’s Camp
  15. Kasane / Senyati Safari Camp
  16. Chobe / Savuti
  17. Chobe / Savuti
  18. Moremi / Xakanaxa
  19. Moremi / Xakanaxa
  20. Moremi / South Gate
  21. Buitepos / Zelda Guest Farm
  22. Windhoek / Hohewarte Gästefarm
Für uns hat die Route ziemlich gut funktioniert, so. Wir fanden es, alles in allem gesehen, sehr rund. Zwar sind wir schon viel gefahren, aber es war nicht zu viel Fahrerei – am Anfang war es vielleicht etwas vollgepackter, am Ende dann etwas entspannter, aber zu Anfang einer Reise sind wir meist noch so unternehmungslustig, dass wir damit gut zurechtkommen.

ABER: Ich kann jetzt im Nachhinein auch gut nachvollziehen, warum hier meist eher zur Langsamkeit geraten wird. Tatsächlich war Botswana echt toll, keine Frage, aber die Reise wäre auch großartig gewesen, wenn wir nur Namibia klassisch + die Zambezi-Region (Caprivi) bereist hätten. Das hätte auch „gereicht“. Auch wenn ich die Erlebnisse in Botswana nicht missen möchte, insbesondere das „Abenteuer Tiefsand“ nicht nur als Tagesausflug, sondern als Dauerzuständ, wäre uns nur in Namibia sicherlich auch nicht langweilig geworden und vieles in den von uns besuchten Gegenden im Bwabwata-Park (Mahango + Kwando Core) erinnert schon sehr an das „Feeling“ von Chobe und Moremi. Zudem hatten wir, alles in allem gerechnet, in Namibia auch die besseren Tiersichtungen. Das ist natürlich Glückssache. Aber als ein Verfechter von „viel sehen“ kann ich hier tatsächlich das erste Mal sagen, dass man sich in Namibia wirklich nicht zu viel vornehmen muss.
Rückblickend war ich auch sehr glücklich damit, dass wir die erste knappe Woche in Namibia noch so viel „Landschaft“ wie möglich reingequetscht haben, denn das hat uns beide wirklich sehr begeistert. Safari ist auch toll, keine Frage, doch gerade diese Mischung aus grandioser Landschaft und Safari macht es eben erst so richtig besonders, diese Ecke der Welt zu bereisen. Das Gefühl, sich eingestellt hat, als wir am letzten Tag wieder in Namibia waren und auf die Landschaft und Granitberge um Windhoek geblickt haben, war emotional fast so etwas wie nach Hause zu kommen.
Wofür ich aber wirklich eine Lanze brechen möchte: Auch bei einer „Ersttätertour“ kann durchaus die Zambezi-Region (Caprivi) mit dabei sein! Ich möchte in keinster Weise schmälern, wie großartig ich das „klassische Namibia“ fand, doch es war dann 10 Tagen wüstenähnlicher Landschaft doch auch eine tolle Abwechslung, die grünen Gegenden des Okavango, Kwando und Co mit Flüssen, Feuchtwiesen und anderer Atmosphäre zu sehen.

Was würden wir an der Route ändern?
Eigentlich fast nichts. Wir hatten hin und wieder, aber ganz selten, mal Momente, wo wir überlegt haben, ob wir nicht doch hätten anders planen sollen. Das war z.B. in Swakopmund, was ausgerechnet auf einen Sonntag fiel, und doch mehr geschlossen war, als ich dachte – da wäre eine andere Wochentagswahl besser gewesen. Das war in Savuti, wo es so heiß und trocken war, dass wenig Tiere zu sehen waren – und fast jedes Wasserloch ausgetrocknet war. Oder an unserem vollen Tag in Xakanaxa, wo wir morgens extra früh los sind, nur um kaum Tiere zu sehen, und kurzzeitig einen „Safari-Overkill“ hatten. Aber: Rückblickend haben auch diese beiden Doppelübernachtungen gut getan. Und wenn man dann alles zusammenzählt, hat man irgendwie doch viel gesehen. Das einzige, was ich tatsächlich an der Route ganz konkret ändern würde: Nach der Nacht in Windhoek noch eine weitere Nacht auf dem Weg nach Sesriem einbauen. Dieser erste Fahrtag war mir einfach zu viel… und die Gegend um die Naukluftberge und die Pässe einfach zu schön! Wir haben das Auto erst *nach* der 1. Nacht in Windhoek abgeholt, sind anschließend einkaufen und dann noch bis nach Sesriem gefahren, wo wir, glaube ich, um 17 Uhr ankamen. (Natürlich hätten wir das Auto auch schon vor der ersten Nacht, nach der Landung abholen können, aber auch das wäre mir zu anstrengend gewesen.) Die Straße von Solitaire nach Sesriem war zu dem Zeitpunkt einfach so schlecht, dass es nicht mehr lustig war, da nachmittags um 16 Uhr halsbrecherisch drüberzubrettern, nachdem man eigentlich noch ganz neu im Land ist. Außerdem dauert die Camping-Orga am ersten Abend natürlich eine halbe Ewigkeit… wir jedenfalls haben es nicht geschafft, am nächsten Morgen um 4 aufzustehen. War auch kein Drama, aber der Start hätte entspannter sein können. Mit einer Übernachtung auf der Hälfte nach Sesriem könnte man dort noch ein wenig wandern, am nächsten Tag entspannt nach Sesriem weiter, den Canyon anschauen und am darauffolgenden Morgen fit sein für das frühe Aufstehen für die Dünen.
Ein Punkt, den ich definitiv ändern würde: Ich würde Camp-mäßig nicht wieder für nur eine Nacht ins Senyati Camp fahren, jedenfalls nicht, wenn man die Bootstour macht. Wir kamen um 14 Uhr dort an, mussten dann für die Bootstour direkt (selber, mit eigenem Auto, sehr nervig) nach Kasane zurück, um dann um 18.30 (aufgrund von Verzögerungen wurde es eher 19 Uhr) wieder im Dunkeln ins Camp zu fahren. Alles in allem haben wir es nicht geschafft, vor 21 Uhr an der Bar zu sein. Zu dem Zeitpunkt waren dann zwar noch viele Elefanten am Wasserloch, aber die Bar wurde nicht mehr bedient. Und im Elefantenbunker waren wir dann auch nicht mehr. Das Rumgegurke (im Dunkeln echt kein Spaß) zwischen Camp und Kasane hat nur genervt. Also Senyati nur, wenn man den Nachmittag keine Bootstour macht oder wenn man 2 Nächte dort bleibt.
Das war es aber schon. Der Rest war nahezu perfekt.
Darüber hinaus war ich ja vorher etwas nervös wegen des Livingstone’s Camp. Das Ergebnis: Es war offen, es war in gutem Zustand, es wurden Aktivitäten angeboten. Der aktuelle Manager (ein Deutscher) ist allerdings ein komischer Kauz, der sich zwar halbwegs freundlich gibt, aber nicht sehr glücklich mit seinem Leben wirkt. Davon darf man sich nicht runterziehen lassen. Und die tierreichste Ecke ist es auch nicht. Unsere Walking Safari war mehr eine Baum-Erklär-Safari. ABER: Wenn man mit der richtigen Einstellung dort ankommt, hat das Camp wirklich viel für sich. Es ist sehr wild. Das Camp ist nicht umzäunt, man schaut direkt auf die Floodplain. Man sieht seine Nachbarn nicht. Nachts haben wir Hippos gehört und Augenpaare gesehen (ich schätze ein Serval o.ä.). An einem Abend zog eine große Büffelherde am anderen Ende der Floodplain vorbei. Und in dem Pavillon, den man ganz für sich hat, kann man hervorragend kochen, sitzen oder – muss auch mal sein – Wäsche waschen. Als Entspannungsstop also durchaus geeignet, um die Natur zu genießen und zu lesen.

Die Reisezeit.
Bis auf zwei Tage, die vermutlich an die 45 Grad rangekommen sind, die wir aber auch überstanden haben, fanden wir die Hitze nicht unerträglich. Man hat aber schon gemerkt, dass die Tiere weniger aktiv sind, als wir es von unserer Südafrika-Reise, damals im September, kannten. Daher verstehe ich schon, warum die Hauptsaison Hauptsaison ist. Könnte ich es mir aussuchen, wäre sicher der Oktober besser gewesen – aber wahrscheinlich bei unserem Planungsstart sowieso nicht mehr gegangen. Im Moremi wiederum war ich froh über die Trockenheit. Wenn ich mir die Zeugnisse gigantischer Matschlöcher dort so angesehen habe, würde ich wirklich ungern Begegnung mit einer Jahreszeit mit mehr Wasserstand oder mehr Regen machen wollen. A pro pos Regen: In der Nacht in South Gate hat es einmal für eine Viertelstunde getröpfelt, und etwas Regen hatten wir um Ghanzi rum auf der Fahrt. Sonst war es immer trocken, sonnig und heiß – ohne Gewitter. Zwischen Windhoek und Etosha wurde es nachts auch mal etwas frischer, wirklich kalt war uns aber nur an der Spitzkoppe, wo es 12 Grad in der Nacht gewesen sein sollen.

Das Auto.
Pegasus. Alles super. Sehr nettes Familienunternehmen, Mona und Norbert betreiben größtenteils zu zweit glaube ich nur 17 Fahrzeuge, entsprechend persönlich ist der Service. Gute Betreuung, auch schon vorher per Mail, durch Mona. Deutschsprachig. Umfangreiche Einweisung durch Norbert. Wir hatten keinerlei Probleme mit dem Auto – nicht einmal einen einzigen Reifenplatzer. Womit wir eigentlich fest gerechnet hatten. Alles hat super funktioniert. Lediglich die Gasflasche war nach einer Woche leer – was Norbert aber auch überrascht hat – eventuell haben wir sie nicht richtig zugedreht. Und er war sehr zögerlich damit, Dieselkanister rauszurücken – weil es ja den Teppich versaut. Hat er sicher auch recht, aber dass er uns dann nur einen statt zwei gegeben hat... hätte jetzt auch nicht mehr so den Unterschied gemacht. Wir haben dann später noch einen nachgekauft. War auch gut so – sonst hätten wir es nicht oder nur sehr, sehr knapp bis Maun geschafft. Also hier der Tipp, vehement auf den 2. Kanister zu bestehen. Das einzige was ansonsten noch ab und zu schwierig war: Der Kühlschrank an unserem Auto lief nur, wenn der Motor an war, oder über extern angeschlossenen Stromstecker. Keine zweite Batterie. Wir waren aber so oft an Campsites ohne Strom – und es war sehr heiß – dass wir immer mal wieder Sorge hatten, uns dank der ständig unterbrochenen Kühlkette selbst mit unserem Essen zu vergiften. Hat am Ende alles hingehauen, aber war manchmal nervig. Generell aber klare Empfehlung für die Autovermietung Pegasus! Und auch mit dem Nissan kamen wir überall gut klar.

Unsere 5 absoluten Highlights.
  1. Einfach alles in Hauchabfontein (die schöne Campsite, das Bad im Rock Pool, die Wanderung zum Köcherbaumwald, schöne Landschaft auf der Fahrt nach Solitaire)
  2. Der Rundflug über das Okavango-Delta
  3. Ganz allein sein im Hidden Vlei
  4. Unsere Campsite an der Spitzkoppe – und die Tour zum Bushman’s Paradise
  5. Elefanten-Besuch in Xakanaxa
Equipment: Worauf wir nicht hätten verzichten wollen.

  • o Verschluss-Clips von Ikea. Offene Tüten beim Schütteln im Auto gehen nämlich gar nicht.
  • o Stirnlampen. Liest man ja überall, sind tatsächlich das wichtigste Accessoire.
  • o Sonnencreme von Daylong. Das Zeug ist zwar schweineteuer, aber es klebt einfach mal gar nicht. Bei der Hitze eine Wohltat. Ich bekomme übrigens (leider 😉 ) keine Provision von denen.
  • o Lippenpflege und Hautcreme. Man trocknet einfach aus.
  • o Zwei Ferngläser. Es gibt nichts Frustrierenderes, als wenn einer eine spektakuläre Sichtung beobachten kann und der andere daneben sitzt und „leer ausgeht“. Ich habe ein Olympus DPS-I 10x50 für um die 60 € und war damit zufrieden.
  • o Ein Radio-Transmitter mit 2 USB-Ladeanschlüssen. Ohne unsere eigene Musik wären wir wahnsinnig geworden, bzw. hätten die längeren Fahrstrecken vermutlich (ernsthaft) nicht überlebt. Wenn es stundenlang geradeaus geht, hilft nur noch singen. 🤩
  • o Eine Wechselsonnenbrille. Es ist so hell – man trägt dauernd Sonnenbrille. Praktisch daher, eine zweite dabeizuhaben, falls die erste mal unbequem wird.
  • o Das (geliehene, bei Radio Electronic) Satellitentelefon. Wir haben es nicht genutzt, aber es hat das kleine Stück Sicherheit gegeben, dass wir es im Ernstfall vielleicht vermeiden können, zu sterben Auch in Kombi mit der Registrierung bei Okavango Air Rescue.
  • o Zusätzliche Küchenausrüstung. Ein scharfes Messer und ein Schäler. Ein paar Gewürze in kleinen Döschen (z.B. von Sostrene Grene), um z.B. ab und zu mal einen Teelöffel Dill an den Gurkensalat machen zu können. Eine Gewürzmühle, um frisch Pfeffer auf sein Steak zu mahlen. Eine Plastik-Salatschüssel mit Deckel (haben wir vor Ort gekauft) um auch mal Salat für den nächsten Tag aufheben zu können.
  • o Malaria-Prophylaxe. Es waren zwar gefühlt nicht extrem viele Mücken unterwegs, aber wir haben Malarone gut vertragen (abends nach der Hauptmahlzeit einnehmen und dann noch einen Joghurt löffeln!) und es war einfach deutlich entspannter, sich nicht andauernd Sorgen zu machen, auch wenn wir uns natürlich trotzdem eingesprüht haben und abends in Flussnähe lange, lockere helle, imprägnierte Kleidung getragen.
  • o Eine große Bettdecke statt Schlafsäcke. 😊 Sicher auch jahreszeitabhängig, ob das möglich ist, für uns war es das kleine bisschen Extra-Komfort, das das Leben im Zelt angenehm gemacht hat. Wir haben für 15 € eine 220x240cm große Decke bei Ikea erstanden, plus Bettzeug für 25 €. Teurer sind Schlafsäcke auch nicht, und mehr Platz nehmen sie auch nicht weg. Kann ich empfehlen. Die Kissenbezüge haben wir auch mitgenommen, um das „eigene“ Gefühl zu haben. Ein Spannbettuch, wie hier oft empfohlen, aber zum Glück nicht. Das von Pegasus bereitgestellte war völlig ausreichend und ist nicht verrutscht.
  • o Und nicht zuletzt: Die Fleisch-Bestellung bei der Klein Windhoek Schlachterei. Das war der Wahnsinn. Wir haben alles querbeet bestellt, von Oryx über Springbok, Eland, Strauß, Zebra… konnte problemlos vorab per Überweisung auf ein deutsches Konto bezahlt werden und wurde pünktlich an unser Hotel geliefert. Alles war richtig lecker. Nachdem wir (abzüglich der 2 Swakopmund-Tage) in 10 Tagen 6 Kilo Steak gegessen haben, konnten wir die Paleo-Diät dann auch nicht mehr so recht ertragen und waren ganz froh, dann nur noch Wurst oder Gaskocher-Mahlzeiten zu essen. Passables Fleisch, das wir hätten kaufen wollen, haben wir in den Supermärkten jenseits von Swakopmund dann auch nicht mehr gesehen.
  • o Edit/Ergänzung: Maps.me für die Navigation in den Parks (fast alle Loops eingezeichnet) und den Städten. Funktioniert offline, wenn man's zu Hause einmal runterlädt, als App mit dem GPS des Smartphones. Wir hatten auch ein Navi mit T4A Karten, haben es aber sehr selten genutzt, da die Straßenkarte von Pegasus gut war und wir lieber die Übersicht über die Route haben, als blind dem Navi zu folgen. 🤨
Die Kosten.
Für viele sind die Kosten ja auch nicht ganz unerheblich, daher lege ich auch diesen Punkt gerne offen. Wir haben zu zweit, mit Flug (670 €) und allen Ausgaben vor Ort, 6700 € ausgegeben. Nicht eingeschlossen sind Anschaffungen vorab, wie Fernglas, Kleidung, Malaria-Prophylaxe und sonstiges Equipment. Wir haben nicht bewusst gespart, aber natürlich auch nicht das Geld mit beiden Händen rausgeworfen. Größtes Sparpotenzial wäre gewesen, auf den Okavango-Rundflug, die 2 teureren Unterkünfte (Camp Kwando + Hohewarte), 2 etwas teurere Abendessen in Swakopmund und diverse Souvenir-Käufe zu verzichten, dann wäre man sicher eher bei etwas unter 6000 rausgekommen. Gerade diese paar "Highlights" haben die Reise aber erst richtig rund gemacht. Noch mehr Sparpotenzial bietet, Botswana wegzulassen. Mit 50-100 € pro Nacht schlagen die Campingplätze in den Parks schon ganz gut zu Buche, die Eintritte sind dort auch höher und die zusätzliche Strecke frisst natürlich auch etwas Benzin.

Welche Frage wir hinterher am häufigsten beantworten mussten.
"Wie war das, wenn ihr nachts aufs Klo musstet?" – Ganz einfach: Mussten wir nicht. Eigentlich war man immer leicht dehydriert 🤩

Der Ausblick.
Jetzt erstmal nicht so gut. Winter und so. Daher ganz klar: Wir kommen wieder, keine Frage. 😄
Teil 206. Jan. 2019
Tag 1 – Vom Büro ins Abenteuer

Es ist der 30. Oktober und ich sitze etwas nervös an meinem Schreibtisch im Büro. Gestern Abend gab es moderaten Packwahnsinn („Hast du noch irgendwo Platz für die Plastik-Weingläser?“, „Warte, die Sonnencreme kann ich an der Seite noch irgendwie reinstopfen“), denn der Haufen an Ausrüstung war groß. Heute Morgen bin ich dann mit 16 Kilo im Rucksack auf dem Rücken, Fleecejacke, Regenjacke und Laufschuhen ins Büro marschiert.

Um 18:35 geht das Flugzeug. Um möglichst viele Tage vor Ort mit 17 Urlaubstagen rauszuschlagen, hatten wir die wahnwitzige Idee, dass wir am Tag des Abflugs noch voll arbeiten können, da der Flug schließlich erst abends geht.

Jetzt darf mich allerdings kein Feueralarm mehr von meinem Reisegepäck trennen, kein Büro-Notfall die Zeit vergessen lassen, und vor allem darf die S-Bahn nicht ausgerechnet heute einen Totalausfall haben. Natürlich habe ich mir vorher auch ausgerechnet, wie lange ich mit dem Fahrrad zum Flughafen brauche, falls zu dem S-Bahn-Ausfall auch noch ein apokalyptisches Verkehrschaos dazukommen sollte...

Aber, trotz aller Horrorszenarien: Alles geht gut. Ich ziehe mich im Büro um, mein Flugoutfit wird von den Kollegen, die ich seit Monaten mit Planungsgeschichten nerve, abgenickt und dann marschiere ich los, mit einem Grinsen im Gesicht. Ab da geht alles ganz entspannt. In London steigen wir in den A380 und stellen fest, wie sehr sich deutsche Pünktlichkeit und Sorgfalt doch lohnen kann: Mithilfe der British Airways App und schon vorher eingegebenen Passdaten habe ich es am Abend vorher geschafft, auf die Sekunde genau zum Beginn des Check-In einzuchecken. So habe ich es tatsächlich zwei Plätze in einer Zweierreihe oben bekommen – ohne Aufpreis. Wie sehr sich das lohnt zeigen die folgenden elf Stunden: Es ist vergleichsweise ruhig, wir haben jede Menge Platz. Und die Investition des Tages sind definitiv die Noise-Cancelling-Kopfhörer, die wir vorher noch besorgt hatten. Wenn ein Film läuft, höre ich das Flugzeug quasi gar nicht mehr. So schaffe ich es tatsächlich, vier oder fünf Stunden am Stück zu schlafen! Das ist mehr als auf allen bisherigen Langstreckenflügen zusammen.

Beim Umstieg in Johannesburg werden wir von den Damen und Herren in den Toiletten bei der Ankunft überschwänglich und gut gelaunt mit „Welcome to my Office!“ bzw. Fistbump begrüßt. Leider sind wir dann etwas verwirrt und wissen nicht so recht, wo wir lang müssen. Das Terminal, das mir meine App angibt, ist am Flughafen mit „Domestic“ angegeben und der Weg dorthin führt uns nicht durch den Transit, sondern durch den Einreiseschalter nach Südafrika. Die sehr freundliche Immigration-Dame, die wir fragen, ob wir richtig sind, lässt uns ins Land, scheint aber davon auszugehen, dass wir noch Gepäck holen und neu aufgeben müssen. Das ist aber durchgecheckt. Etwas orientierungslos laufen wir durch den Flughafen und nachdem wir gefühlt das halbe Flughafenpersonal gefragt haben, die uns alle mehr oder weniger wieder zurückschicken, finden wir dann doch irgendwann zum richtigen Gate.

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Beim Landeanflug auf Windhoek verspüre ich nichts weniger als pure Euphorie. Die Landschaft, über die wir immer und immer tiefer sinken, sieht so atemberaubend aus – diese weite, orange-braune Steppe, in diesem Moment für mich Afrika-Feeling pur. Viel mehr Afrika-Feeling, als es irgendein Landeanflug in Südafrika jemals hatte. Liegt vielleicht auch daran, dass der Flughafen in Windhoek so provinziell wirkt, als wäre man gerade – allerhöchstens – auf Teneriffa gelandet. Dort angekommen erwartet uns die obligatorische Einreiseschlange, wobei wir es irgendwie geschafft haben, ganz hinten zu stehen. Die wenigen Leute hinter uns werden dann auch noch an den Domestic-Schalter gelassen, sodass wir als Schlusslichter etwas grummelig und trotz der sensationellen Schlafdauer langsam doch ziemlich platt von einem Fuß auf den anderen trippeln. Wir versuchen, die Zeit damit totzuschlagen, Hochrechnungen über die Dauer des weiteren Anstehens anzustellen. Nach sorgfältiger Beobachtung stellen wir fest, dass jede Immigrations-Dame im Schnitt zwei Minuten pro Person benötigt, bei vier Schaltern ergibt das eine halbe Minute Warten pro Person vor uns. Die Prognose ist erstaunlich korrekt und wir wissen nicht ganz, ob wir uns über unsere geistige Höchstleistung freuen oder doch enttäuscht sein sollen, dass wir wirklich so viel Zeit in dieser Schlange verbringen. Fast zwei Stunden!

Das war es dann auch mit unserer Idee, heute noch etwas von Windhoek zu sehen. Aber auch egal. In der Ankunftshalle vom Flughafen holen wir Geld am Automaten, werden auf dem Weg zum MTC-Shop von gefühlten 23 Shuttle-Anbietern angequatscht und fühlen uns etwas überfordert, wem man denn hier nun trauen soll. Im Vorfeld hatten wir einige Zeit darüber diskutiert, ob wir einen Transfer vorbestellen sollten. Ich war dafür, Lukas aber der Meinung, man könne doch einfach ein Taxi vor Ort nehmen. Normalerweise versuchen wir immer, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, aber das ist hier wirklich keine Option. Zum Glück haben wir erstmal die Ausrede, noch unsere SIM-Karte zu kaufen und fragen dann einfach den freundlichen MTC-Mann, der uns an einen Fahrer verkuppelt. Der Preis scheint okay, der Fahrer nett. Auf dem Weg zum Hotel zeigt er uns unsere ersten Giraffen, die im Naturschutzgebiet neben der Flughafenstraße herumstehen. Begeisterung pur.

Unsere erste Nacht verbringen wir, noch ohne Auto, im Windhoek Gardens Hotel. Nach freundlichem Empfang sind wir erstmal beeindruckt von unserem Zimmer – viel Platz und schön eingerichtet, das hätten wir für 80 Euro gar nicht so gut erwartet:

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Die Dusche ist fast so groß wie unser gesamtes Bad in Hamburg, und wir haben eines der weniger freakig dekorierten Zimmer erwischt, Motiv „Dead Vlei“. Ich werde das Gefühl aber nicht los, dass Lukas lieber das mit den knallbunten Pferden oder Trucks gehabt hätte.

Bis zu unserer Reservierung bei Joe’s Beerhouse (wir waren uns unsicher, ob wir uns die volle Dröhnung Touri-Kram geben wollen, aber etwas Schickeres hielten wir nach einer vermeintlich schlaflosen Nacht dann doch für Verschwendung) ist noch etwas Zeit, also trinken wir noch ein Windhoek Lager im Innenhof. Dabei verwickeln uns ein Namibi(an)er und ein Südafrikaner in eine Diskussion über Tourismus, Lebensstandard und globale Gerechtigkeit, die uns gleichzeitig fasziniert, schuldbewusst zurücklässt und, weil’s einfach zwei so witzige Typen sind, amüsiert. Leider müssen wir dann irgendwann los, als erst so richtig spannend wird, andererseits weiß man ja auch nie, wie sowas endet – immerhin ersparen wir uns ein paar Fettnäpfchen.

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Unser Taxi ist wahnsinnig pünktlich und wir sind erst einmal fasziniert, dass Joe’s Beerhouse über so ein ausgeklügeltes Ein- und Ausfahrtsystem verfügt. Auch müssen wir erstmal verstehen, dass es anscheinend normal ist, dass uns unserer Fahrer später wieder abholt – was uns aber in die Lage bringt, nachher bei ihm anrufen zu müssen. Wir sind aus unserer Südafrika-Reise immer noch etwas traumatisiert, was Anrufe bei Taxifahrern angeht – trotz eigentlich überdurchschnittlicher Englischkenntnisse hatten wir damals enorme Probleme, am Telefon überhaupt irgendwas zu verstehen. So überlegt dann jeder von uns schon jetzt insgeheim, wie er sich um diesen Anruf drücken kann. Lustigerweise treffen wir beim Irren durch den Biergarten auch noch unseren namibi(ani)schen Gesprächspartner aus dem Hotel wieder. Beim Essen (der Spieß mit vier Fleischsorten ist erfreulich, das Steak in Ordnung) kommen wir irgendwann mit ein paar Neuseeländern an unserem Tisch ins Gespräch. Auch sie sehen wir nicht zum letzten Mal.

Der Anruf beim Taxifahrer fällt dann leider auf mein Konto, und mit Schweißausbruch bringe ich das Telefonat hinter mich und hoffe, alles richtig verstanden zu haben. Eine Herausforderung ist auch, dass der nette Herr uns von der Rezeption abholen will, wir ihn aber eigentlich nur von hinten gesehen haben und uns nicht mehr sicher sind, ob wir ihn eigentlich wiedererkennen. So stehen wir etwas ratlos herum. Als er dann auftaucht, erkennen wir ihn dann natürlich doch sofort. Worüber man sich halt am Anfang einer Reise so alles Sorgen macht …

Im Hotel zurück erwartet uns noch eine Umpackaktion. Hochgradig ausgeklügelt war natürlich auch unser Packsystem, danke dessen aber nun alles kreuz und quer verstreut gepackt ist, das muss erstmal alles wieder auseinander sortiert werden. Wir nutzen Packbeutel aus Plastik, aus denen man durch Rollen die Luft rausdrücken kann, sodass die Kleidung komprimiert wird und keine Luft mehr reinkommt. Bewährt sich nicht nur, wenn der Rucksack bei strömendem Regen auf einem panamesischen Busdach befördert werden muss, sondern auch im staubigen Namibia!

Utensil des Tages: Noise Cancelling. Weil Schlaf einfach super ist.
Teil 306. Jan. 2019
Tag 2 – Höllenritt durch’s Paradies

Heute Morgen klingelt der Wecker gefühlt viel zu früh. Um halb acht werden wir von der Autovermietung abgeholt. Wir haben zwar eine anständige Zahl an Stunden geschlafen, so ganz verdaut haben wir die Nacht im Flugzeug aber noch nicht. Leider brauche ich eher viel Schlaf. Aber wir sind halbwegs fit und das Frühstück macht auch mit. Jetzt müssen wir nur noch das bei der Klein Windhoek Schlachterei vorbestellte Fleisch finden. Dafür lassen wir Norbert und Mona von Pegasus, die uns persönlich abholen, einige Zeit warten, während eine der Hotel-Angestellten den ganzen Keller durchwühlt. Sie taucht dann mit einer riesigen Box wieder auf. 6,5 Kilo! Na, ob wir das alles schaffen…

Bei Pegasus angekommen steht unser Nissan Hardbody D/C mit Dachzelt schon auf dem Hof bereit. Davon gibt's kein Bild, daher hier ein Foto von später am Tag:

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Das Schiff wird uns von Norbert ausführlich erklärt und demonstriert. Küchenkiste, erster und zweiter Ersatzreifen, Allrad, Zeltaufbau. Eine Weile sitzen wir dann bei Mona im Büro und klären die Formalitäten. Aber zuerst müssen wir Fotos von verunfallten Touristenautos aus der AZ begutachten. Sie sind zu schnell gefahren. Dann wird unsere Route kritisch unter die Lupe genommen und wir müssen uns ein paar mütterlich-strenge Warnungen anhören à la „Spreetshoogte Pass? Naja, den KANN man fahren…. Aber langsam!“ – „Gaub Pass? Kann man auch fahren. Aber langsam“. Okay. Verstanden. Langsam.

Wir entscheiden uns spontan, gar keine „Versicherung“ bzw. Reduktion der Selbstbeteiligung abzuschließen. In Botswana nützt uns das sowieso wenig und wir hoffen einfach mal, dass wir nicht mehr als einen Reifen plattfahren. Mit Norbert haben wir noch eine längere Diskussion, ob er uns denn nun Diesel-Kanister mitgibt. „Der Tank fasst 80 Liter, damit kommt ihr locker 500 Kilometer. Oder wollt ihr durch den Chobe?“ Der Tonfall sagt aber eher „wollt ihr ETWA durch den Chobe?!“. Upps. Sorry. Ja, wollen wir. Die Kanister will er trotzdem nicht so recht rausrücken, weil sie „bei dem ganzen Gehubbel immer auslaufen und den Teppich versauen“. Nach einigem Hin und Her bekommen wir dann doch einen – aber nur weil wir versprechen, ihn wenigstens noch in Müllsäcke einzupacken. Ich hatte eigentlich vorher alles genau durchgerechnet und war mir ziemlich sicher, dass es ohne einen zweiten Kanister sehr, sehr eng werden könnte… aber die ganze Situation, all die Infos und Gedanken, die in meinem Kopf schwirren, lassen mich das dann doch weniger vehement vertreten. Vielleicht habe ich auch übervorsichtig kalkuliert? Ich ahne irgendwie, dass das ein Fehler sein könnte, aber es bleibt bei einem Kanister.

Nach eineinhalb oder zwei Stunden, rollen wir dann schließlich vom Hof. Ich hatte mir eigentlich die Maerua-Mall als Einkaufsstopp ausgeguckt, aufgrund des gut ausgestatteten Spar (die Einkaufsliste habe ich natürlich vorher schon zusammengeschrieben). Norbert empfiehlt uns dann aber irgendeinen anderen Supermarkt, zu dem er uns, voranfahrend, netterweise noch kurz rumbringt, damit wir uns nicht gleich am Anfang verfahren. Ich habe im Forum vorab ein paar zu viele Threads über Sicherheit beim Einkaufen gelesen und bin nervöser als sonst auf Reisen. Der Einkauf dauert eine ganze Weile, was allerdings weniger daran liegt, dass ich Fotos von der „Küstenbutter aus Schleswig-Holstein“ und der Lebkuchen- und Stollen-Sektion machen muss, sondern einfach an der schieren Menge der Dinge, die wir einladen. 200 Euro ärmer verlassen wir dann irgendwann endlich auch diesen Zwischenstopp.

Lebkuchen_500px.jpg.jpg


Nachdem wir unser – natürlich nicht ausgeraubtes – Auto unter Beobachtung sämtlicher Typen, die auf dem Parkplatz zu rumhängen, im Schnelltempo mit den Einkäufen vollgestopft haben, geht’s weiter zu Radio Electronic, das Satellitentelefon abholen. Und dann, endlich, richtig los. Die ersten Kilometer noch auf Asphalt, biegen wir irgendwann mit beschwingtem Gefühl auf die C-26 ab, die uns über Schotter zum Spreetshoogte Pass führen soll. Norbert hat uns geraten, den Reifendruck, auch auf Schotter, bei 2,5 zu lassen – was sich zwar etwas ruppeliger fährt, aber verhindert, dass die scharfen Steine die Reifen seitlich aufschlitzen. Klingt für uns logisch, also ist das einzige, was wir zu Beginn der Schotterstraße tun müssen, die Staubklappe zu öffnen. In der Hoffnung, dass wir das nie vergessen…

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Leider ist bei der Umpackaktion am Vorabend ein Detail auf der Strecke geblieben: Der FM-Transmitter mit Doppel USB-Anschluss liegt noch stoßfest verstaut in meinem Wanderschuh, der natürlich verpackt in einer Tüte in der Mitte meines Rucksacks feststeckt. Kurzfristig kein Drankommen. Also verläuft unsere erste Tagesfahrt über den Spreetshoogte-Pass landschaftlich schon beeindruckend aber musikalisch etwas minimalistisch.

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Natürlich machen wir auch die obligatorischen Fotos von der Passhöhe, aber irgendwie ist kein so richtig vorzeigbares dabei. Der Pass selbst fährt sich dank der Pflasterung (dass sich jemand echt diese Mühe gemacht hat!) völlig okay, aber die Serpentinen sind schon eng und wir fahren, Monas Warnung von heute morgen noch im Kopf, langsam.

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Erst traue ich mich selbst noch nicht recht an das Fahren heran – nicht wegen des Linksverkehrs, der mir immer ganz gut von der Hand geht, es liegt eher an der Tatsache, dass ich in Deutschland mangels eigenen Autos fast nie fahre, und erst recht keinen zehn Meter langen und fünf Meter breiten Pick-Up. Kurz hinter dem Spreetshoogte-Pass merke ich dann aber, dass ich mich nicht mehr lange drücken kann und erlebe meine erste Fahrt auf Schotter. Eigentlich ganz okay… die Straße ist hier recht gut und das geht daher ganz passabel. Doch so ganz hundertprozentig wohl fühle ich mich mit dem Gefühl, kaum Grip zu haben, am Anfang noch nicht. In Solitaire machen wir einen Tankstopp. In Südafrika hatte ich immer das Talent, Tanksäulen beinahe zu rammen, da der Tankdeckel auf der Beifahrerseite war. Zum Glück scheint er aber diesmal auf der Fahrerseite zu sein. Trotzdem: Wir merken beide langsam, dass wir müde werden.

Aber es hilft ja nichts. Wir wussten vorher, dass dieser Tag anstrengend wird, jetzt müssen wir da durch. Also geht es munter weiter. Wir genießen natürlich die grandiose Landschaft. Leider war uns nicht klar, dass die Straße zwischen Solitaire und Sesriem, zumindest jetzt, zu Ende der Saison, eher einem zerfurchten Flussbett als einer Schotterpiste gleicht. Auf den Längsrillen gefühlt fast mehr schlingernd als fahrend versuche ich todesmutig, mit mindestens 60 km/h noch die letzten 80 Kilometer des Tages hinter uns zu bringen. Irgendwann habe ich ein anders Auto hinter mir kleben, der mich aber einfach nicht überholt und damit zusätzlich stresst. Und die Straße wird immer schlimmer. Irgendwie fühle ich mich gedrängt. Kurzzeitig wird mir alles irgendwie zu viel und ich möchte am liebsten aufgeben. Aber wie soll dann bitte der Rest des Urlaubs werden, wenn ich nicht fahre? Lukas redet auf mich ein. Also muss ich da durch.

Irgendwann überholt das andere Auto endlich. Kurz darauf hält es links an und es gibt einen Fahrerwechsel. Sie steigt auf der Fahrerseite aus, er ein – und wir stellen amüsiert fest, dass sich wahrscheinlich in der Fahrerkabine dieselbe Szene abgespielt hat wie bei uns. Das motiviert mich jetzt ehrlich gesagt ein bisschen, anders als unsere Verfolgerin doch durchzuziehen. Irgendwann ist das schlimmste Stück Längsfurchen-Schlagloch-Stein-Rüttel-Piste geschafft und ich bin eigentlich ziemlich gut durchgekommen. Langsam bekomme ich ein Gefühl dafür, was ich tue.

Dass die Konzentration jetzt allerdings dem Ende zugeht, zeigt sich kurz danach. Immer noch etwas gedrängt durch das andere Auto, das jetzt dank des Fahrerwechsels schon wieder hinter mir ist, fahre ich etwas zu schnell auf ein Gatter zu. Dass der Bremsweg auf Schotter nicht nur länger, sondern gefühlt acht Mal so lang ist, lerne ich jetzt etwas schmerzhaft, denn das Auto gerät, wenige km/h zu schnell für diese Stelle, gefährlich ins Schlingern und ich schramme beinahe seitlich gegen die Gatterbegrenzung aus Beton. Nicht auszudenken, was hätte passieren können, auch wenn die Geschwindigkeit insgesamt nicht wirklich hoch war. Irgendwie schaffe ich es aber, die richtige Kombination aus Gegenlenken, Nichtlenken und Pedalbetrieb zu finden und schlingere mich noch gerade mal so durch… puh. Adrenalin fließt und lässt mich das letzte Stück hochkonzentriert fahren. Als ich dann gegen 17 Uhr oder 17:30 Uhr vor der Rezeption das Auto zum Stehen bringe, merke ich aber, dass ich jetzt wirklich kaputt bin. Und froh darüber, diesen wahrscheinlich härtesten Fahrtag der Reise hinter uns gebracht zu haben.

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Unsere Campsite auf dem Campingplatz von Sesriem liegt eigentlich ganz nett relativ weit hinten und eher außen, und wir empfinden sie, anders als oft gelesen, eigentlich als sehr entspannt. Neben uns campiert ein Overlander mit einigen Zelten, aber es scheint eher eine ruhige Truppe zu sein. Jetzt stellt sich dann auch wieder echte Begeisterung ein, dass wir hier sind, und all das erleben dürfen!

Allerdings gleich das Auto eher einem Chaoshaufen. Wir versuchen zwar, ein wohlverdientes Sundowner-Bier zu trinken, verbringen aber dann doch mehr aufgescheucht als entspannt den Rest der Abenddämmerung damit, unsere Einkäufe, die ohne Konzept in verschiedensten Beuteln, Kisten und Tüten herumliegen, zu sortieren, Bettwäsche zu beziehen, in Küchenkisten und Rucksäcken zu kramen und mit minimalen Werkzeugen Salat zu machen. Relativ schnell bekommen wir dann auch mithilfe von drei Anzündern – ja, Anfänger pur, aber für heute ist auch das ein Erfolg – das Feuer zum Laufen. Inzwischen ist es schon komplett dunkel. Heute gibt es Oryx, das vorzüglich schmeckt. Viel zu spät kriechen wir dann schließlich um 23 Uhr erschöpft aber erwartungsfroh in unser Zelt. Um 4 Uhr soll schon der Wecker klingeln … ob das gutgeht?

Utensil des Tages: Sonnenbrille. Und Tankdeckel, die auf der richtigen Seite sind.
Teil 402. Feb. 2019
Wie ärgerlich, jetzt habe ich den Bericht doch ein wenig schleifen lassen. Notiz an mich selbst: Weniger perfektionistisch bei der Texterstellung sein 😉 Hier kommt der nächste Teil:

Tag 3 – Sand, viel Sand

Es ist spätabends, wahrscheinlich schon nach Mitternacht. Ich wälze mich im Dachzelt hin und her. Eigentlich finde ich es ganz gemütlich, doch ich kann einfach nicht schlafen. Diesen Zustand kenne ich leider von meiner Alpenüberquerung. Ich bin einfach zu aufgeputscht mit Adrenalin, Cortisol und was weiß ich noch, und der Druck, jetzt UNBEDINGT schlafen zu müssen, hat wohl noch niemandem geholfen. Und dann geht es leider erst so richtig los. Ich höre Autos. Autos? Hier, um die Zeit? Bevor ich anfangen kann, mich zu gruseln, wird aber klar, was die Ursache ist: Offenbar kommen jetzt noch Leute an. Was zur Hölle? – denke ich mir, und frage mich ernsthaft, wie man um diese Uhrzeit überhaupt noch auf den Campingplatz kommt, hier, im Nirgendwo. Aber ich unterstelle erstmal nichts Böses, so ein Zelt ist ja auch in ein paar Minuten aufgebaut. Denke ich. Und dann liege ich da, und höre gefühlt stundenlang einer Gruppe von Menschen zu, die laut reden, sich Dinge zurufen, lachen und Bier trinken. Jetzt kommt zu Adrenalin auch noch Wut dazu. Ausgerechnet die Ohropax sind leider noch nicht im Zelt deponiert, wie ich es eigentlich geplant hatte, für eben genau solche Fälle. Aber weil es bis 23 Uhr ruhig um uns herum war, habe ich darauf verzichtet, sie noch rauszukramen. Es wäre der einzige Tag, an dem wir sie gebraucht hätten.

Irgendwann muss die Müdigkeit dann doch gesiegt haben, denn ich werde um vier Uhr unsanft vom Wecker aus dem Schlaf gerissen. Nein. Keine Chance, jetzt aufzustehen. 😐 Ich fühle mich, als hätte ich eine Flasche Wein getrunken. Wir werfen also unseren Plan über Bord, stellen den Wecker auf fünf, und schlafe noch eine Stunde. Dann halt kein Sonnenaufgang. Schlaf ist wichtiger. 🤩

Als wir dann um fünf aus dem Zelt kriechen, sind wir zwar müde – aber das Gefühl der Morgenstimmung, und die Erkenntnis, jetzt hier in Namibia aufzuwachen, ist der Wahnsinn. Und so starten wir nicht enttäuscht, sondern trotz allem sehr erwartungsfroh in den Tag. Nur die akustische Kulisse erinnert eher an eine deutsche Autobahn in der Ferne – ein gleichmäßiges Rauschen. Das muss wohl die berühmt-berüchtigte „Rallye“ sein, und wir sind eigentlich nicht ganz unglücklich, uns nicht von gehetzten Fotojägern zum Rasen drängen zu lassen.

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Als wir uns auf dem Weg machen, ist die Sonne gerade aufgegangen. Ein bisschen wehmütig bin ich schon, dass wir diese schöne Lichtstimmung jetzt nur aus dem Auto erleben. Andererseits können wir entspannt in die immer größer werdenden Dünen reinfahren, ohne viel Verkehr.

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Die Landschaft ist schon hier der Wahnsinn. Ich bin begeistert, hier sein zu dürfen. Fasziniert sehen wir die Menschenschlange auf der Düne 45.

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Auf diese Massenveranstaltung haben wir nicht so Lust. Also geht es weiter, ohne Stop direkt bis zum 2x4 Parkplatz. Nach langem Überlegen haben wir uns entschieden: Wir möchten gerne das Dünenmeer möglichst für uns allein haben – auch wenn es dann eben nicht die Top-Attraktion ist. Deshalb haben wir vor, zu allererst das Hidden Vlei zu erwandern. Am Parkplatz wechseln wir also in unsere Wanderschuhe (eine gute Entscheidung, wie sich herausstellen wird, wir haben keinerlei Sand im Schuh). Am Rand des Parkplatzes sehen wir ein Schild mit der Aufschrift „Hidden Vlei“ und einem Pfeil. Direkt dahinter beginnt das Nirgendwo. Von einem Weg keine Spur. Zum Glück habe ich vorher die App maps.me installiert, die auch diese Wege eingezeichnet hat. Wir laufen einfach quer ins Sandfeld.

Wir sind noch nicht allzu weit gekommen, als wir von einem anderen jungen Pärchen angesprochen werden, Spanier, sie haben dasselbe Ziel, finden aber den Weg nicht. Na, da können wir helfen! Gemeinsam stapfen wir also durch den Sand, aber nach einer Weile trennen sich unsere Wege, da wir uns immer wieder mit Fotostopps aufhalten.

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Wir folgen nicht dem gekennzeichneten Weg, sondern nehmen einfach einen beliebigen Weg über die Dünen in Richtung Hidden Vlei. Irgendwann erreichen wir den Kamm einer etwas höheren Düne und haben einen tollen Ausblick ins Vlei. Die beiden Spanier sind noch unten, sonst ist es komplett verlassen. Ein Traum. Wir quatschen noch kurz, dann machen sich die beiden auf den Rückweg und wir haben das Vlei für uns alleine.

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Wir machen die obgliatorischen Spaßfotos mit den wenigen toten Bäumen, die es auch hier gibt, bewundern den spektakulär aufgebrochenen Boden und genießen die Atmosphäre, völlig allein, in der Wüste. Mich interessiert die Akustik und da wir so ganz allein sind, hören wir spaßeshalber ein paar Takte von „Have You Ever Seen the Rain“. Was für ein Ort, um dieses Lied zu hören. Was für ein Moment, hier zu sein.

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Ich möchte mich eigentlich gar nicht losreißen, aber zumindest das Dead Vlei wollen wir trotzdem noch besichtigen. Langsam fängt es an, heiß zu werden. Wir machen uns also auf den Rückweg, es tut gut, zu Fuß, unterwegs zu sein. Wir erleben diese Dünen so intensiv, weil wir uns mit eigener Kraft durch sie hindurchbewegen. Und irgendwann auf halbem Weg sehen wir, dass wir nicht allein sind: Da ist tatsächlich ein Oryx-Bulle, der seelenruhig vor einer Düne "grast".

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Damit hatten wir nie gerechnet und was wir fühlen ist eine Mischung aus Euphorie und Respekt. Der Bulle scheint recht entspannt, aber wer will schon an seinem dritten Tag in Namibia von einem Oryx aufgespießt werden. Interessanterweise scheinen wir ihn immer nur dann zu stören, wenn wir zu lange stehen bleiben. So als wüsste er, dass wir, sollten wir Jäger sein, nur dann zum tödlichen Schuss ansetzen können, wenn wir stehenbleiben. Dann sieht er uns intensiv an. Sobald wir weitergehen, ignoriert er uns. Der Blick dieser Tiere, wenn man ihnen zu Fuß begegnet, hat etwas zutiefst Faszinierendes, das habe ich schon auf unserem Trail in Südafrika festgestellt. Wir versuchen ihm möglichst viel Raum zu geben und ziehen vorbei.

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Zurück am 2x4 Parkplatz kommt es uns auf einmal fast bescheuert vor, in den rummeligen Touri-Safariwagen zu steigen und noch das Massenprogramm mitzumachen. Aber einen kurzen Abstecher sollten wir wohl noch machen. Am Deadvlei ist es dann, im Kontrast zu unserer Tour vorher, voller Menschen und wir sind froh über unsere Entscheidung. Hier fühlt man sich im Vergleich wie im Museum. Wir haben das Gefühl, ein kleines Geheimnis zu haben, etwas nur für uns entdeckt zu haben. Dem Deadvlei statten wir also nur einen kurzen Besuch ab, auch wenn es sich im Vlei selbst auch langsam leert und die Restmenschen sich ganz gut verteilen.

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Natürlich sind die Bäume hier nochmal beeindruckender, der weiße Boden fotogener… aber die Stimmung ist eben touristischer. Naja gut, vielleicht tue ich dem ganzen etwas unrecht. Inzwischen ist es eben auch einfach super heiß. Witzigerweise treffen wir auch nochmal auf das neuseeländische Pärchen aus Joe’s Beerhouse – die in FlipFlops auf Big Daddy gestiegen sind. „Wie lange hat das gedauert“ – „Mehrere Stunden, glaube ich“. – Okay… nächstes Mal vielleicht 🤩

Um 11 machen wir uns also auf den Rückweg und da wir inzwischen auch recht platt sind und genug erlebt haben, lassen wir das Sossusvlei und den Canyon ganz ohne Bedauern einfach weg und machen uns direkt auf den Weg zu unserem nächsten Campingplatz Hauchabfontein.

Schon auf dem Weg gefällt uns die Landschaft, und unsere Campsite in Hauchabfontein – Hygia oder so in der Art – hat einen tollen Ausblick auf die Berge. Man fühlt sich fast wie in der Prärie. Die Site ist außerdem riesig und von Nachbarn keine Spur. Mal wieder dauert es ein paar Minuten, bis wir den perfekten Stellplatz für das Auto gefunden haben.

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Wir fühlen uns sehr wohl hier, aber da wir kurz vorm Hitzeschlag stehen, müssen wir unbedingt baden ! Und was für ein Bad das ist. Wir steigen einfach in den ersten Rock Pool, der zu Fuß von der Campsite aus zu erreichen ist (Edith hatte uns vorher erklärt, wo man überall baden kann). Und steigen einfach rein. Hochgradig erfrischend. Auch wenn das Wasser auf den ersten Blick etwas bräunlich und matschig wirkt, links ist es tiefer, und von irgendwo weit unten kommt kaltes, sehr kaltes Wasser – bei ungefähr 40 Grad das beste, was ich mir in diesem Moment vorstellen kann. Und es gibt sogar kleine Schildkröten. Der erste Rock Pool von der Campsite aus gesehen war übrigens der beste, die anderen waren dann deutlich trüber.

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Zurück an der Campsite geht es duschen. Die Ablutions sind okay, aber es gibt hier schon viele Mücken, Insekten und Spinnen. Ich mag keine Spinnen und muss mich ein bisschen zusammenreißen. Aber geht schon. Und jetzt merke ich auch das erste Mal, wie verrückt eigentlich dieser Südwester ist: Ich kämme meine Haare neben dem Auto. Nach fünf Minuten sind sie trocken.

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Abends grillen wir eine große Fleischauswahl und sind entspannt und glücklich.

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Irgendwann stehe ich am Feuer und schichte ein paar Holzscheite um, als plötzlich etwas sehr, sehr großes in meinen Lichtkegel gerannt kommt. "Skorpion" rufe ich sofort, und mache einen Satz nach hinten. Tatsächlich ist es aber ein ziemlich riesiges Exemplar einer Walzenspinne. Dank meiner ausführlichen Lektüre dieses Forums weiß ich, dass es durchaus auch eine Forumsnutzerin gibt, die dieses Vieh unter ihrem T-Shirt hatte, und ich muss sagen, das wäre eines der schlimmsten Dinge, die ich mir vorstellen kann. Wie gesagt: Ich mag keine Spinnen. Ganz und gar nicht. Besonders, wenn sie sich bewegen ... Komischerweise kann ich mich meistens ganz gut zusammenreißen, solange ich nicht mit den Spinnen in einem Raum bin. Das Problem: Statt im Licht zu erstarren, wie jede andere normale Spinne auch, läuft sie direkt in meinen Lichtkegel rein und scheint sich besonders gerne da drin aufzuhalten. Ich fliehe erstmal zurück zu meinem Stuhl, zum Glück, ohne, dass sie mich verfolgt. Aber ich muss zugeben: Solange das Riesenvieh am Feuer sitzt und nicht an mir, bin ich auch ein bisschen fasziniert. Ich schleiche mich also wieder zurück, um sie halb angewidert und halb neugierig zu beäugen. So eine große Spinne habe ich noch nie gesehen, sie ist bestimmt so groß wie meine gesamte Handfläche.

Nach den ersten Wellen von Schock und Faszination wollen wir das Monster dann doch gerne loswerden um weiter unseren Wein und die Nacht zu genießen, und Lukas versucht, sie mit einem Pfannenwender zur Flucht zu bewegen, was einen ungewollt komischen Effekt hat. Aber das Vieh sitzt einfach nur stur da. Wie erstarrt. Minutenlang. Und jetzt? Aber irgendwann haut sie dann eben doch von alleine ab, in die Dunkelheit. Und ich sitze den Rest des Abends mit meinen Füßen auf dem Stuhl, während ich den wunderschönen Sternenhimmel betrachte... 😗

Utensil des Tages: maps.me – das Hidden Vlei hätten wir ohne vielleicht nicht gefunden
Teil 511. Feb. 2019
Danke für eure positiven Rückmeldungen, freut mich, dass ich trotz der "üblichen Pfade" noch für ein wenig Unterhaltung sorgen konnte 🙂 Hier kommt der nächste Teil!



Tag 4 – Einsamkeit

Es ist morgens um sechs – fast ausschlafen. Gestern Abend habe ich mir vorgenommen, dass es wunderbar sein wird, morgens aufzuwachen, aus dem Zelt zu schauen und als allererstes die Aussicht zu genießen. Das ist es auch – und ich habe hier in der Einsamkeit (#1) ziemlich erholsam geschlafen.

Das einzige Problem: Ich werde nicht vom Wecker wach, sondern von dem Schmerz in meinem Finger.

Am ersten Camping-Abend in Sesriem hatte ich mich beim Kochen im Dunkeln und im Chaos an der scharfen Kante einer Dose geschnitten, aber nur ganz oberflächlich, sodass ich das weitestgehend ignoriert habe. Ging auch alles gut – bis gestern Abend. Ich hatte wohl unterschätzt, wie sehr die Hände beim Camping ganz einfach strapaziert werden: Dachzelte auf- und abbauen, Feuerholz umschichten, in Rock Pools klettern, Limetten auspressen und mit rohem Fleisch hantieren. Und das alles am Anfang noch längst nicht so routiniert wie am Ende. Spätestens beim ausgeprägten Limettensaftschmerz gestern Abend habe ich das dann auch mal gemerkt – und über Nacht muss sich der kaum vorhandene Schnitt dann entzündet haben. Jedenfalls pulsiert mein ganzer Finger. Lukas bezeichnet das, wie die meisten meiner üblichen Urlaubs-Wehwehchen, als „nicht so schlimm“. Ich kann mich gegen einen kurzen Moment der Sorge allerdings nicht wehren, in dem ich mich schon in Swakopmund nach Ärzten suchen. Ich versuche aber so gut es geht, meinen inneren Hypochonder zu ignorieren.

Nach einem schnellen Müslifrühstück geht es ungefähr um sieben los: Köcherbaumwald! Wir hatten Edith nach der geführten Tour gefragt, sie hat uns aber empfohlen, einfach alleine hinzuwandern. Wir können uns nichts Besseres vorstellen, denn wir wollen raus und uns bewegen! Es ist fast noch ein bisschen kühl, als wir voller Energie losstapfen, uns selbst durch das Tor auf der anderen Straßenseite lassen und den ersten Hügel erklimmen. Von oben haben wir einen tollen Rückblick auf die Landschaft, in der wir uns befinden.

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Und so wandern wir eine ganze Weile durch tolle Berglandschaft. Bergzebras, die man hier wohl manchmal finden kann, sehen wir leider keine, aber eine Horde Paviane scheint uns von oben zu beobachten und sich immer mal wieder unseren aktuellen Standpunkt zuzurufen. Wir sind hier ganz und gar alleine – Einsamkeit #2 – ein tolles Flair. Schon relativ früh sehen wir ein paar Köcherbäume in der Ferne, schön, sein Ziel vor Augen zu haben. Doch der Weg ist weiter, als es aussieht, für eine ganze Zeit wollen sie einfach nicht näherkommen.

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Irgendwann verlassen wir, mit einem abenteuerlichen Gefühl, auf Ediths Beschreibung hin den eigentlichen Weg und laufen querfeldein in Richtung des gegenüberliegenden Bergsattels, durch ein ausgetrocknetes Flussbett, und bergauf. Und dann sind wir endlich da, umringt von diesen tollen Bäumen. Wie ein wirklich dichter Wald sieht es zwar nicht aus, es sollen angeblich über tausend Bäume sein, und wir vermuten, dass der Wald sich noch ein ganzes Stück über die Hänge zieht, jenseits der Kuppeln. Da wir aber heute noch bis nach Swakopmund fahren müssen, bleibt keine Zeit, die Höhen hier weiter zu erkunden, was auch nicht schlimm ist. Wir machen also eine homöopathische Pause sowie eine ordentliche Zahl Fotos, und dann geht es auch schon wieder auf den Rückweg.

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Insgesamt brauchen wir trotz sportlichen Schritttempos ungefähr dreieinhalb Stunden für die Tour hin und zurück – ohne nennenswerte Pausen. Seit etwa 10 Uhr wird es außerdem immer heißer. Auf den letzten Metern schleppe ich mich ganz schön dahin. Immerhin hat der Finger ganz gut mitgemacht. Vielleicht muss er doch nicht amputiert werden.

Die Bilanz: Dreieinhalb Liter Wasser haben wir auf der Tour getrunken, hat knapp gereicht. Es war eine wirklich sehr schöne Wanderung, die ich sehr empfehlen kann. Gerade das Alleinsein in der angenehmen Landschaft haben wir genossen. Es sind nicht viele Höhenmeter, aber einiges an Strecke, etwa 20 Kilometer vermutlich. Man sollte, zumindest zu dieser Jahreszeit, nicht später als halb 8 losgehen, einen Hut oder Tuch mitnehmen, zwei Liter Wasser pro Person und ein paar Snacks.

Zurück auf der Campsite macht Lukas mir ein bisschen Beine, mich nicht zu lange auszuruhen, was ich kurzzeitig etwas grummelig kommentiere, da ich mich sehr hitzig, schlapp und staubig fühle. Zum Glück darf ich immerhin duschen. 🤩 Er räumt derweil schon rum – er hat sich ein bisschen zum Ordnungsminister ernannt und entwickelt nach und nach das optimale Packsystem für den Aufbau, während ich eher für die primitiven Dinge wie Feuer und Fleisch zuständig bin. Aber er hat recht mit der Eile – denn wir haben noch viel Strecke vor uns, auf der wir uns keinesfalls hetzen wollen, um nicht den verfrühten Tod des rasenden Touris sterben zu wollen. Dazu kommt: Heute fahren wir ausgerechnet den Teil, auf dem in den letzten zwei Monaten häufiger mal Touristenautos ausgeraubt wurden. Da ich deutlich zu viele Artikel über die Überfälle gelesen habe, verstaue ich Pass und Kreditkarte heute in einem Bauchgürtel, wofür ich hochgezogene Augenbrauen von Lukas ernte.

Nach einem kurzen zweiten Frühstück geht’s dann also los – ich fahre. Wir nehmen den Weg über Büllsport. Und mal wieder habe ich furchtbar zerfurchte Straßen erwischt. Heute geht’s mir damit aber deutlich besser, auch wenn ich trotz allem auf einigen Stücken nicht schneller als mit 60 vorankomme und mindestens von einem anderen Fahrer ausgelacht werde. Die Landschaft jedenfalls ist sehr panoramisch, und ich kann jedem nur empfehlen, diese Strecke zu fahren.

Nach bestimmt zwei Stunden landen wir dann wieder in Solitaire und machen unseren zweiten Tankstop, den Apfelkuchen gönnen wir uns nur zum Mitnehmen.


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Und dann geht’s auf in Einsamkeit #3 – stundenlang durchs Nirgendwo. Auf dieser Strecke ist kein Ort, kein Dorf, kein Garnichts, und wir sind sehr froh, dass wir mittlerweile den FM-Transmitter aus dem Stiefel geborgen haben, denn ohne Musik kann das Nirgendwo auch öde werden. So faszinieren uns dann auf der Strecke auch alle Details, die es zu sehen gibt. Das Highlight sind merkwürdige Straßenschilder von einem merkwürdigen Gefährt, das wir kurz darauf leibhaftig bestaunen dürfen: Das kuriose Planier-Mobil, das die von Touris zerfahrenen Schotterstraßen wieder glattzieht.

Irgendwo in der Mitte der Strecke kommen wir dann an den Pässen vorbei, in denen es zwar nicht sehr steil, aber doch sehr kurvig ist. Auch hier habe ich wieder Monas Warnung im Kopf: „Gaub-Pass? Kann man fahren. Aber langsam.“ Okay Mama. Auf Schotter fahren sich solche Kurven aber tatsächlich ganz anders, und ich rufe nicht nur einmal laut „langsam, langsam, noch langsamer!“. Die Landschaft ist hier teilweise wirklich sehr schön – rauh, aber schön – nur muss ich leider auch zugeben, dass wir aufgrund der Berichte zu den Überfällen an diesem Tag ein wenig gehemmt sind und uns nicht so recht trauen, großartig anzuhalten. Viele Fotos entstehen dementsprechend nicht.

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Irgendwo zwischen Gaub-Pass und Kuiseb-Pass passiert es dann: Ein weißer Geländewagen steht ganz merkwürdig mittig und leicht schräg auf der Straße, in einem besonders kurvigen Stück. Wer würde bei vollständig vorhandenem Verstand an dieser Stelle anhalten? Die Straße ist hier besonders unübersichtlich, und man könnte einen Stopp an dieser Stelle durchaus als lebensmüde bezeichnen. Wir beide haben deshalb sofort denselben Gedanken, dass hier etwas nicht stimmt. Ich bin Beifahrer in diesem Moment und es ist, als hätte ich mich gedanklich schon auf so etwas vorbereitet. „Halt auf keinen Fall an und versuch, so schnell es gerade noch so geht an der Seite vorbeizufahren“. Ich sehe vor meinem inneren Auge schon die Männer mit Äxten aus dem Auto springen. Als wir langsam, aber eben doch schneller als im Schritttempo, vorbeifahren kommt es fast zum Crash, weil das andere Auto auf einmal anfängt, langsam rückwärts zu fahren. Es geht alles ziemlich schnell. Ich hätte an dieser Stelle mal einen Blick in das andere Auto werfen sollen, aber irgendwie erscheint es mir in diesem Moment wichtiger, die Straße im Blick zu halten, die kurz danach eine enge Kurve um eine steile Felswand macht. Und dann sind wir schon vorbei, zum Glück ohne Crash, aber auch ohne so richtig zu sehen, was das jetzt eigentlich war. Wir sind froh, dass wir vorbeigekommen sind, aber immer noch unsicher. Es ist so einsam hier (#4). Da kann man schon mal paranoid werden. Die Unbeschwertheit ist für den Moment auf jeden Fall dahin und während wir weiterfahren werfen wir immer mal wieder einen Blick in den Rückspiegel, ob wir verfolgt werden. Anfangs nicht, doch irgendwann am Kuiseb-Canyon taucht hinter uns dann wieder ein weißes Auto auf, das hinter uns kleben bleibt und nicht überholt, auch wenn wir extra langsamer werden, um es vorbei zu lassen. Ist das jetzt ein völlig verwirrter Touri oder jemand, der auf die nächste Gelegenheit wartet? Als wir dann aber wieder ebenes Gelände erreichen, überholt es uns dann endlich – und wir sehen, dass es definitiv Touristen sind, zwei Männer und eine Frau im etwas fortgeschritteneren Alter. Und sie fahren einfach nur wie die Verrückten. Viel zu schnell. Mittig über die Kuppe. Alles, was man nicht tun soll. Manchmal machen sie Fotostopps, stehen mitten auf der Straße, und springen auch nach mehrmaligem Hupen erst in der letzten Sekunde von der Fahrspur. Offenbar wollten sie vorhin im Canyon auch „nur“ Fotos machen. Klar, da fährt man auch mal mittig auf einer Kurvenstraße rückwärts, ohne nach hinten zu schauen – warum nicht! Wenn ich dieses Fahrverhalten sehe, wundert mich auch überhaupt nicht mehr, warum hier sich hier so viele Touris ins Jenseits schießen. Und so tauschen wir Angst gegen Wut, auf diese Menschen, die uns mit so leichtsinnigem Verhalten Angst eingejagt und diese schöne Fahrstrecke ein bisschen weniger schön gemacht haben. 😐

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Nach den Kurven kommt – das große Garnichts. Stundenlang geht es einfach geradeaus, links und rechts sieht es nicht anders aus als auf der Straße. Überall nur Schotter, keine Bäume, keine Tiere, ganz selten mal größere Felsen. Es ist wie auf dem Mond. Es ist faszinierend, aber auch sehr langweilig.

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Irgendwann tauchen auf einmal dunkle Wolken vor uns auf, und wir merken, wie selbstverständlich die ständige Sonne schon nach so wenigen Tagen für uns geworden ist. Die Stimmung ist dadurch faszinierend, aber wir sind jetzt auch müde – nach unserer Wanderung, nach vielen Stunden Fahrt, nach Angst und Wut und Eintönigkeit.

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In Swakopmund haben wir uns im Salty Jackal Backpackers ein Doppelzimmer gebucht. Eigentlich hätten wir auch gerne was Netteres gehabt, aber jenseits vom Billigsegment waren uns die Preise dann doch etwas zu hoch. Dann lieber im Zentrum ins Hostel. Im Hostel sind alle super nett und wir werden freundschaftlich empfangen. Unser Zimmer hat allerdings zwei Einzelbetten statt einem Doppelbett, riecht etwas feucht, und das „private“ Bad liegt auf dem Gang und wird neben uns auch noch vom Eigentümer des Hostels benutzt. Ich freue mich jetzt schon, bald wieder im Zelt zu schlafen. Ich bin aber froh, dass wir das nicht tun – denn als es langsam dunkel wird, wird es tatsächlich recht frisch. Außerdem ist die Stimmung hier sehr entspannt und so ist es auch mal wieder ganz nett, nachdem wir eine so erwachsene Reise machen, von jüngeren Leuten und Backpacker-Flair umgeben zu sein.

Abends gehen wir dann noch eine Runde spazieren und gehen ins Fisch-Bistro, wo wir eine recht leckere Meeresfrüchte-Platte verspeisen. Es ist auch nett, nach den paar Tagen in der Wildnis mal wieder in einer Stadt zu sein. Als ich mich dann abends ins Bett lege, dauert es zwei Sekunden, bis ich eingeschlafen bin.

Utensil des Tages: Erste-Hilfe-Set. Desinfizieren hilft.
Teil 624. Feb. 2019
So – es geht endlich weiter!

Tag 5 – Wüste trifft Meer

Heute werden wir um 8 Uhr morgens – nach einem kurzen Müslifrühstück und, verdammt nochmal, schon wieder nicht Ausschlafen! 😄 – von Batis Birding zur Little Five Tour abgeholt. Ich bin ein bisschen fasziniert von Namibia, wie pünktlich und gut organisiert alles ist. Tatsächlich lassen wir sogar unseren Guide, der uns abholt, warten, weil wir natürlich mal wieder irgendwas im Zimmer vergessen haben. Man braucht ja auch immer ein ordentliches Arsenal an Dingen. Sonnencreme, Sonnenbrille, Hut, aber dieses Mal eben auch ne Fleecejacke, die übrigens bisher tatsächlich so ziemlich jeden Abend zum Einsatz gekommen ist. Ich habe das System von zwei Fleecejacken entwickelt – eine für abends am Feuer (wobei das arbeitssicherheitsmäßig auch ein Spiel mit dem, hö hö, Feuer ist, denn Fleece + Funkenflug könnte irgendwann auch lustig werden) und mein sogenanntes „Schlaffleece“ das ich immer in einer nervig knisternden Plastiktüte am Fußende im Zelt deponiert habe. Bisher habe ich’s noch nicht gebraucht – hätte ich aber, wenn wir die letzte Nacht gecampt hätten. Also die Entscheidung für eine feste Unterkunft in Swakopmund war schonmal gut.

Heute geht es dann also wieder in die Wüste. Ich stelle fest: Immer noch Namib, doch sieht es hier nochmal anders aus. Es gibt mehr Pflanzen, mehr flachen Lehmboden und auch die Farbe ist anders. Ich freue mich, dass wir diesen Stop nicht weggelassen haben.

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Wir sind mit zwei Safarimobilen unterwegs, die aber jeweils nicht ganz voll besetzt sind, um die 12 Leute vielleicht. Alles Deutsche natürlich – war ja klar. Offenbar muss man nur irgendwo „Eco-Tour“ draufschreiben, und man hat deutsche Kunden wie Fliegen. Wobei wir beide den Altersdurchschnitt schon ziemlich senken und wir uns angesichts von so viel Funktionskleidung mit unseren Chino-Hosen, T-Shirts und Strohhüten fast schon unangenehm wie Fashion-Victims fühlen. 😗

Wir fahren aus der Stadt raus in die Wüste. Was nicht gerade weit ist, wie man sieht:

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Da die Sonne ungewöhnlich früh durchkommt – the heat ist eben on – ziehen die beiden sehr netten und kompetenten Guides die Tour etwas anders auf als sonst und suchen zuerst nach der Schlange, bevor sie sich dann endgültig verkrochen hat. Ich bin noch gar nicht richtig wach, und schon stehe ich leibhaftig einer Schlange gegenüber. Das Tier fasziniert mich schon, wie es sich bewegt, wie es sich eingräbt, wie es – als Angehörige der Puffottern-Familie – tatsächlich „Puff“ macht.

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Moralisch übe ich mich etwas im Doppelstandard: Ich versuche zwar einerseits selbst, viele gute Fotos zu machen, andererseits ärgere ich mich innerlich aber auch über den ganzen Rummel und den Kampf um die beste Fotoposition. Ich fühle mich – was ironisch ist, da ich mit Abstand die Jüngste bin – fast schon altmodisch bei dem Gedanken, dass ich es eigentlich viel besser finde, etwas einfach nur zu beobachten und dass es manchmal schon irritiert, wie sehr es Menschen, jung wie alt, darauf ankommt, das perfekte Bild zu machen. Wobei jung und alt dabei offenbar verschiedene Motive haben… Aber ob Inszenierung des Selbst vor der Kamera, oder Inszenierung des Selbst als perfekter Fotograf, so oder so: Die Schlange jedenfalls ist von ungefähr 10 Kameras umringt und einem Klick-Gewitter ausgesetzt, als wäre sie der Star der diesjährigen Berlinale. Mir tut sie ein bisschen leid.

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Leid tun mir auch die Pferde hier, die eigentlich nur Schnupfen hatten:

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In den nächsten Stunden entdecken wir dann nach und nach die verschiedenen kleinen Tiere der Namib, von Blindschleiche über Eidechse bis Gecko.

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Ich mag Tiere, auch kleine Tiere, und habe auf der Tour viel Spaß. Wir lernen eine ganze Menge über deren Überlebensstrategien und das komplexe Ökosystem der Namib. Nur nach dem Chamäleon suchen wir, mit vereinten Kräften, leider vergeblich. Gut finde ich, dass bei Batis Birding die Spinne nicht ausgegraben wird, weil sie zu lange brauchen würde, ihren Bau wieder auszubauen. Naja, Erlebnisse mit Spinnen hatten wir für meinen Geschmack auch erstmal genug… 🤩

Mindestens genauso interessant ist aber das komplexe Ökosystem Touristengruppe, also die Beobachtung unserer Mitreisenden. Da ist die eine Dame, die trotz ausführlicher Erklärung nicht zu verstehen scheint, warum man nicht einfach kreuz und quer auf dem flachen Boden herumspazieren soll. Und die sich offenbar nicht im Geringsten wundert, warum wir anderen wie die folgsamen Schäfchen in einer Schlange hintereinander tapsen. Oder der Herr, der uns eine einzige kurze Frage zu unserer Reise stellt, um dann ungefragt einen zehnminütigen Vortrag über seine komplette Reiseroute abzuhalten – ein seltsames Phänomen, das wir bisher nur bei deutschen Touristen festgestellt haben. Oder der andere Kerl, der mit aller Ernsthaftigkeit gerne den schwarzen Käfer essen möchte, weil der ja so viel Wasser enthält und man damit in der Wüste überleben kann – woraufhin er einen Sturm der Entrüstung von der weiblichen Front und sehr verlegene Blicke von den Guides erntet. 🙄

Aber mir ist natürlich bewusst, dass wir auf unsere Mitreisenden vermutlich nicht weniger kurios wirken: Das junge Pärchen, muss ja eigentlich unverschämt reich sein, weil wie kann man sich denn so jung sonst diese Reise leisten (schön wär’s!), dazu noch total falsch angezogen, viel zu schick für ein Outdoor-Erlebnis, so naiv – und wie kann man denn mit Handtasche in die Dünen laufen! 😗

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Irgendwann gibt es Getränke und Kit-Kat mit Aussicht und ich bin bis heute noch fasziniert von diesem Ausblick, aber auch von diesem Foto, vielleicht mein Lieblingsbild der ganzen Reise, weil es (auch unbearbeitet) so unwirklich aussieht:

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Wovon ich allerdings auch fasziniert bin ist Kit-Kat. Ich stelle doch fest, wie schön diese Unterbrechung unserer Paleo-Diät ist. Und was soll ich euch sagen: Ab diesem Tag wird im Supermarkt fleißig zu Schokoriegeln gegriffen! An die bestmögliche Nutzung unseres Kühlschranks müssen wir uns einfach noch gewöhnen.

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Und dann ist die Tour auch schon wieder vorbei. Hat Spaß gemacht –den Anbieter würde ich uneingeschränkt empfehlen. Und es ist auch mal sehr entspannt, das eigene Auto und vor allem das Hirn stehen zu lassen, und sich für ein paar Stunden mal auf jemand anderen als sich selbst zu verlassen.

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Auf der Rückfahrt sind wir kurz etwas neidisch, als wir vorm Meerkat Guesthouse halten und eines der anderen Paare dort ausgeladen wird. Das sieht nett aus, und ist genauso zentral wie unser Hostel. Beim nächsten Mal würden wir auch gerne hier unterkommen.

Aber auch in unserem Hostel fühlen wir uns immer wohler und wir kommen hier und da mit den Freiwilligen ins Gespräch, die hier arbeiten und die Gäste empfangen, und dafür umsonst wohnen können. Auch kein schlechter Deal. Leider können wir mit unserer Walzenspinnen-Geschichte beim Spinnenliebhaber nicht punkten, denn unser Gesprächspartner hatte neulich einen Skorpion unterm Zelt und zu Hause eine Spinne als Haustier. Na gut. Aber wir lernen, dass die großen Walzenspinnen Weibchen sind, die kleinen Männchen. Und dass wir sehr, sehr froh sein können, in unserem Zelt auf dem Dach zu schlafen.

Den Nachmittag verbringen wir damit, ziellos – auch mal schön – in Swakopmund herumzulaufen.

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Leider ließ es sich in der Planung nicht vermeiden, dass heute Sonntag ist, und so haben die verschiedenen Kuriositätengeschäfte größtenteils geschlossen. Ich hätte gerne mal so einen verrückten Safarikleidungsladen besucht. Aber wir finden ein offenes Café, die Muschel, und fühlen uns kurzzeitig wie auf einem Städtetrip in Europa.

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Und manchmal dann irgendwie auch gerade nicht:

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Erstaunlich wie erholsam wir das auf einmal finden, das hätten wir nicht erwartet. Aus Spaß bestellt Lukas das „Black Forest Ham Sandwich“. Ich könne mir weit importierten Räucherlachs. Ich hätte nicht gedacht, dass wir den kurzen Aufenthalt im deutsch geprägten Swakopmund so sehr schätzen würden, aber es ist wie eine kleine Ruhepause nach den ersten turbulenten aber auch tollen Tagen, bevor man dann auch geistig so richtig ins Afrika-Abenteuer startet.

In der angeschlossenen Buchhandlung besorgen wir uns noch ein Tierbestimmungsbuch. Nachdem wir auf der Südafrika-Reise nur mit den illustrierten Karten-Heften der Nationalparks unterwegs waren, haben wir uns dieses Mal schon in Deutschland den Stuart’s Field Guide to Mammals in Southern Africa gekauft. Aber schon die ersten paar Tage haben gezeigt, dass wir doch hier und da neben Säugetieren gerne den ein oder anderen Vogel, das ein oder andere Insekt – oder vielleicht, tatsächlich sogar, auch eine Spinne! – interessant finden, und gerne wüssten, womit wir es da zu tun haben. So kaufen wir also zu unserem in Deutschland erworbenen englischen Buch noch in Namibia ein deutsches Buch. Wie das halt so ist. Und sind hochgradig fasziniert davon, einfach hier, mitten in Afrika, in eine Buchhandlung zu laufen, und deutsch zu sprechen. Flora & Fauna im südlichen Afrika sagt uns zu und erweist sich auch im späteren Verlauf als gute Ergänzung zu dem deutlich ausführlicheren Säugetier-Buch. Es hat zwar nicht allzu viele Infos, aber für den Überblick und die Erstbestimmung reicht es. Nur die Pflanzen zu identifizieren, das klappt mit dem Buch irgendwie nicht so gut, Bäume verwirren mich. Aber über Bäume werden wir im Laufe der Reise auch noch genug lernen … 😉

Den frühen Abend verbringen wir dann noch mit einem Bier, einem Buch und den ersten Postkarten im Garten des Hostels. Für abends haben wir dann eine Reservierung im Jetty 1905 – dachten wir zumindest. Als wir da aufschlagen, kann man uns allerdings nicht im System finden. Dahinter steht offenbar menschliches Versagen. Durch mich nämlich. Ich habe die Reservierung anscheinend nicht vollständig abgeschlossen. Upps. Ist aber auch ein komplizierter Prozess… ähem. 😊

Aber die Leute im Restaurant sind nett und schauen nochmal – und können uns dann doch noch einen Zweiertisch klarmachen. So sitzen wir zwar nicht direkt am Fenster, aber mittig im vorderen Bereich, sodass wir auch noch ein bisschen was vom Sonnenuntergang mitkriegen. Am Ende haben wir dann vor lauter Quatschen irgendwie auch nicht so richtig drauf geachtet. Naja, außer, dass ich das obligatorische Foto hier gemacht habe:

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Nach einem kleinen Portwein-Malheur (wir bestellen Portwein und Tonic, meinen das zum Kombinieren als Aperitif, bekommen aber winzige Gläser mit Portwein und eben Tonic, woraufhin wir alles am Tisch selbst mit separaten Eiswürfeln zusammenmanschen und eine leicht verwirrte aber amüsierte Kellnerin zurücklassen) geht dann aber alles gut. Wir haben sehr leckere, ungewohnt gegarte, Austern – die im Ofen gebackenen mit Knoblauch kann ich sehr empfehlen.

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Dann Thunfischsteak und Seezunge, einen netten südafrikanischen Wein und ein Nachtisch-Trio. Ein schönes Essen für ungefähr 60 Euro zusammen. Und was für ein Kontrast zu den letzten Tagen! Auch das ist eine willkommene Abwechslung zur Steinzeit-Diät, auf die wir uns jetzt aber auch schon wieder sehr freuen, denn es warten noch einige Kilo bestes Fleisch im Kühlschrank.

Zufrieden wanken wir zurück ins Hostel und genießen dann noch das letzte WLAN für sehr, sehr lange Zeit, bevor wir wieder in unsere einsamen, getrennten, aber sehr bequemen Betten zurücksinken.

Utensil des Tages: Der Serienbildmodus der Kamera – den ich für Tierfotos heute für mich entdeckt habe.
Teil 716. März 2019
Tag 6 – Unter Strom

Montag – und heute dürfen wir endlich mal ausschlafen. Nicht allzu lange, aber immerhin bis um acht. Denn heute haben wir nur eine sehr kurze Fahrstrecke bis zur Spitzkoppe vor uns. Wichtig ist: Duschen. Denn an der Spitzkoppe können wir nur an der Rezeption duschen. Wobei das ehrlicherweise auch weniger umständlich ist, als es auf den ersten Blick für uns klang. Aber hinterher ist man eben schlauer.

Duschen ist heute allerdings eher eine spannende Sache.

Lukas ist zuerst im Bad, und ruft mich irgendwann rüber. „Voll verrückt, der Wasserhahn steht irgendwie unter Strom.“ – „Ich merk nichts.“ – „Was?“ Vielleicht weil ich Socken anhabe, vielleicht, weil meine Hände trocken sind, erst nach dem fünften Versuch merke ich, was er meint: Es kribbelt ganz leicht, wenn man den Wasserhahn vom Waschbecken anfasst. Ja, aber was solls. Wir sind in Afrika. Wir sind im Urlaub. So weit, so in Ordnung. Ich schlurfe also wieder zurück und lasse Lukas erstmal duschen.

Und dann bin ich dran. Beim Zähneputzen merke ich schon, dass das mit dem Kribbeln irgendwie immer stärker wird. Wasserhahn zu – autsch! Auf einmal kriege ich einen Schlag. Naja. Bin ja fertig mit Zähneputzen. Dann gehe ich duschen. Wasser an, nass werden, kein Problem, alles super. Dann: Wasser aus – brrrzzzzz. Huch, schon wieder ein Schlag als ich den Duschhahn der Badewanne zugemacht habe. Offenbar steht hier nicht nur das Waschbecken, sondern alle Armaturen leicht unter Strom. Noch ein Test – brrrzzzz. Okay, schon wieder. Und jetzt? Naja, das fließende Wasser eben gerade habe ich ja auch überlebt. Geht ja nicht anders! Im Nachhinein eigentlich ziemlich dumm. In dem Moment denke ich aber nur: Ich muss halt zu Ende duschen, alles andere wäre unpraktisch. Den Hahn fasse ich jetzt nur noch mithilfe des Duschvorhangs an.

Dann steige ich aus, lege meine Sachen ab. Und – schreie sehr laut.

Was ich angefasst habe, weiß ich nicht. Ich kann mich beim besten Willen nicht dran erinnern. Vielleicht habe ich auch nur etwas irgendwo hingelegt. Keine Erinnerung. Ich weiß nur, dass ich so einen starken Schlag bekommen habe, dass mein Finger weh tut, ja mein ganzer Arm weh tut – und ich relativ laut aufgeschrien hab. Ich bin etwas geschockt. Wohl im wahrsten Sinne.

Geschockt ist offenbar auch Lukas, der vor der Tür meinen Namen ruft. Gut auch, dass ich abschließen musste, nicht auszudenken, wenn ich jetzt ohnmächtig auf dem Boden läge ... Um rauszukommen, muss ich jetzt auch noch den Schlüssel umdrehen und die Türklinke aus Metall anfassen. Ein sehr spannender Moment. Aber die steht zum Glück nicht unter Strom.

Und da war es dann, das erste Erlebnis, bei dem etwas wirklich hätte schiefgehen können. Aber statt archaischer Elefanten-Attacke oder brutalem Raubüberfall sind es die Zeichen der Modernität, mitten im bürgerlichen Swakopmund, die mir gefährlich wurden. So wie die Liebe, die angeblich immer dann kommt, wenn man sie nicht erwartet, scheint es auch mit der Gefahr zu sein. Mein Arm tut weh und ich bin durcheinander. Ich muss mich erstmal fünf Minuten hinlegen.

Aber mir ist natürlich nicht wirklich viel passiert außer dem – naja – Schock… und ich erhole mich relativ schnell wieder von der „elektrischen Dusche“. Als wir dem Mitarbeiter im Hostel erzählen, dass das ganze Bad unter Strom steht, weicht ihm gefühlt gleich jede Farbe aus dem Gesicht. Offenbar war ein Klempner da, der irgendwas reparieren sollte – dabei ist doch vielleicht was schiefgegangen. Vorwürfe machen wir zwar niemandem, kann ja mal passieren, aber wir sind trotzdem froh, dass wir abreisen. Noch einmal wäre ich nicht in diese Duschwanne gestiegen. Wenig später taucht dann auch tatsächlich ein Handwerker auf. Man kümmert sich also. Aber mein Arm tut doch noch ein paar Stunden leicht weh.

Nach dem Frühstück haben wir noch ein paar Dinge zu erledigen – einkaufen, was wir in Windhoek vergessen oder seitdem schon wieder aufgebraucht haben. Leider entscheiden wir uns für Choppies, was offenbar eher ein billiger Supermarkt zu sein scheint. Das Angebot begeistert uns weniger. Aber wir finden das nötigste, und nebenan in der Drogerie den Rest. Was wir kläglich vermisst haben in den letzten Tagen: Handcreme. Die Haut trocknet bei dieser Hitze und Trockenheit einfach wahnsinnig schnell aus. Und kühle Getränke – die Trinkpäckchen, die es bei der Tour gestern gab, waren so erfrischend, dass wir sie in unser Standardrepertoire aufnehmen. Zu Hause trinken wir gar nicht viel Saft, aber hier – ist es ein Segen.

Dann Tanken, und das erste Mal seit Windhoek wieder auf Asphaltstraßen. Ich bin froh, dass ich vorerst nicht fahre, denn die Asphaltstraßen wirken ungewohnt schmal – da merkt man erst einmal, mit was für einem Schiff man unterwegs ist – und bis zur Mine gibt es wahnsinnig viele und breite LKW. Ich übernehme dann, als wir wieder auf Schotter kommen. Die Straße fährt sich total gut und heute macht es mir richtig Spaß. Ich merke auch, wie viel angenehmer es ist, wenn das Ziel nicht so weit entfernt liegt. Was wir vorher vermutet hatten – dass es erst ab Swakopmund richtig entspannt wird – bestätigt sich. Wir fühlen uns angekommen und wohl.
Irgendwann wird die Spitzkoppe immer größer. Das perfekte Foto, das man so oft sieht, gelingt uns leider nicht, da es wohl zu heiß ist, um von so weit weg zu fotografieren.

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Am Schluss geht es noch ein Stückchen durch’s Dorf, auf der Zufahrtsstraße stehen zum ersten Mal links und rechts Frauen und Kinder an Ständen mit selbstgebasteltem Zeug aus bemaltem Blech. Dass hier Kinder verkaufen, finden wir nicht gut und halten erstmal nicht an.

An der Rezeption....

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... gibt es diverse Hinweise auf giftige Pflanzen, die man keinesfalls anfassen soll, für mich stellt sich sofort ein „yeah, Abenteuer“-Gefühl ein.

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Und dann fahren wir ins Gelände. Den Stellplatz darf man sich hier nach wie vor aussuchen. Wow, was für eine Landschaft. Wir machen erstmal eine Tour ans Westende, hier sollen ja die tollen Sonnenuntergangsplätze liegen. Einiges ist aber schon belegt. Mir gefällt ein Platz unterwegs, eng zwischen riesigen Felskkugeln. Aber zu nah am Weg. Also wieder zurück. Das Rumgekurve ist schon ein bisschen nervig. Man hat so eine merkwürdige Angst, etwas zu verpassen, wie am Sushi-Laufband. Obwohl man hier doch vollkommene Entspannung sucht.

„Hier waren wir noch nicht, oder?“

Und biegen ab, in Richtung des Little Bushman Paradise. Und dann sehen wir ein Schild mit der Nummer… was war es gleich? 10, 11 oder irgendetwas in der Art. Diese Campsite sieht gut aus. Blick auf die Spitzkoppe, Pontokberge im Rücken, die Straße weit weg, die Nachbarn noch weiter, und mit einem privaten Aussichts-Felsen.

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Das ist er, der Sehnsuchtsort. Die ultimativ beste Campsite der Welt. Als ich auf den Felsen klettere und mich über den unerwarteten Grip des Steins freue, als ich runterblicke auf unser Auto, passiert emotional etwas ziemlich Großes in mir, eine Freude, die zu weit ist für mich selbst, die mich erfüllt und mich einhüllt und mich in Ehrfurcht vor der Natur fast in Stücke springen lässt. Ich denke an Kants Konzept von Erhabenheit.

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Ich denke aber auch, dass mir verdammt heiß ist.

Da ich mir vorgenommen habe, die Möglichkeiten unseres vollausgestatteten Safarimobils besser zu nutzen, brate ich erstmal ein Spiegelei. Das sich eigentlich schon fast von selbst brät. Dabei wird mir dann auch noch heißer. Und ich bin froh, dass es hier keinen Strom gibt. Absolut keinen, nirgendwo. Das ist doch viel sicherer. Wer braucht schon Zivilisation.

Nach dem Mittagssnack und der Inspektion des „long drop“ Plumpsklos (echt in Ordnung, man sollte nur wenn man nachts mit Stirnlampe hingeht vermeiden, reinzuleuchten…) und noch einmal den Wagen inspizieren, was wir alle vier Tage machen sollen, unternehmen wir die geführte Tour zu den Felsmalereien. Inzwischen auf eigene Faust nicht mehr machbar, es stört uns aber auch überhaupt nicht, wenn ein paar nette Leute aus der Gegend ihr Brot mit den Touren verdienen können. Wir holen unseren Guide an der Rezeption mit unserem eigenen Auto ab, er ist super freundlich, dirigiert, wo wir hinfahren sollen. Ein anderes Paar folgt uns in ihrem Wagen.

Zum Bushman Paradise müssen wir recht steil den Berg hoch klettern, zum Glück keine klippenartigen Abgründe, die ich ja immer nicht so mag, und so gefällt mir auch dieses Mikro-Abenteuer im großen Abenteuer sehr gut. Und der Fels hat erstaunlich viel Grip. Es sind ja oft diese kleinen Dinge, die einen begeistern. Grip zum Beispiel. Oben angekommen sehe ich, glaube ich, meine allerersten Felsmalereien und bin tatsächlich emotional berührt.

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(Okay, das ist ein Bild von später, aber diese Malereien sind auch verdammt schwer zu fotografieren)

Es ist auch die Magie dieses Ortes, hier oben, mitten auf dem Felsen, eine Höhlenüberhang, eine Art Garten, es ist einfach schön, man weiß schon, warum es "Paradies" heißt.

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Als wir dann in die Weite der Landschaft blicken, ist es wieder da, dieses Gefühl von Erhabenheit. Aber auch das Gefühl von König der Löwen. Ich möchte gerne einen kleinen Simba mit Saft aus einem Flaschenkürbis beträufeln und hochhalten, damit alle Tiere ihn sehen können…

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Ich denke an meine Schwester, mit der ich das Hörspiel damals rauf und runter gehört habe und damals, mit sechs oder sieben Jahren, niemals auch ansatzweise daran geglaubt habe, selbst mal nach Afrika zu kommen. Irgendwas muss doch dran sein, dass die Wiege der Menschheit hier irgendwo liegt, jedes Mal wenn ich in auf diesem Kontinent in der Wildnis bin, habe ich das Gefühl, bei meinen eigenen Wurzeln angekommen zu sein. Ist es verrückt? Ich schätze schon. Dass Lukas ähnliche ursprüngliche Selbsterkenntnisgefühl hat, lässt sich allerdings nicht erkennen, und ich reiße mich los aus meinen mystisch-kitschigen Gedanken.

Danach besuchen wir dann noch das Little Bushman Paradise, die Höhle mit der Schlange und bekommen einige der Pflanzen erklärt, die wir am besten gar nicht anfassen sollen, weil sie gefühlt alle tödlich giftig sind.

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Ach und es gibt natürlich auch Leoparden hier, wie man unschwer erkennen kann. Aber ja klar, die kommen natürlich nicht zur Campsite. Das gehört in die Kategorie „Infos, die mich nicht beunruhigen, die ich aber lieber nicht meinen Eltern erzähle“.

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Insgesamt eine schöne Tour, die ich empfehlen kann, wenn man das erste Mal dort ist.

Zum Sonnenuntergang klettern wir dann auf unseren ganz privaten Aussichtsfelsen. Der Sonnenuntergang selbst ist verdeckt hinter der großen Spitzkoppe, aber wunderschön. Allein die Landschaft, die ganze Stimmung, dieses absolute Gefühl von Wildnis und Einsamkeit, die Dunkelheit, alles ist irgendwie bezaubernd. Ich bin an diesem Ort so entspannt und ausbalanciert wie selten irgendwo.


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Den Abend verbringen wir mit dem, atmosphärisch sehr gut passenden, Feuer, Fleisch, das wir zum Glück nicht selbst jagen mussten. Und Sternegucken auf unserem Autodach. In Swakopmund haben wir noch eine günstige Decke im Billigladen gekauft, nachdem uns wieder eingefallen ist, dass bei unserem Auto (anders als bei vielen anderen) das Zelt auf der Fahrerkabine, nicht auf dem Aufbau angebracht ist – und wir den Aufbau als private Aussichtsplattform nutzen können. Irgendwann wird es allerdings verdammt kalt, sodass wir, eingepackt in Fleecejacke und Schal, dicht ans Feuer rücken müssen, um es noch eine Weile auszuhalten. Als wir dann kurz vorm Erfrieren sind wechseln wir, etwas wehmütig aber zufrieden, ins Zelt. Das wird die einzige Nacht, in der ich eine lange Hose und mein Schlaf-Fleece brauche.
Teil 814. Apr. 2019
Klassischer Fall von "je mehr man verspricht, desto weniger hält man" - upps. Aber jetzt geht's weiter! Und ich habe auch ne Ausrede: War zwischenzeitlich in Schottland unterwegs. Ein bisschen wie Namibia in kalt. Aber die Sehnsucht nach rotbraunen Staubebenen ist immer noch da... 😄


Tag 7 – Bei den Feuersteins wird’s heiß

Irgendwann im Morgengrauen werde ich wach – weil mir so kalt ist. Ich versuche meinen Körper möglichst wärmeeffizient zusammenzurollen und Wärme von dem tief atmenden Menschen neben mir abzusaugen und noch weiterschlafen zu können. Es gestaltet sich aber schwierig. 12 Grad waren es in der Nacht, wie wir später nachgeschaut haben. Zu kalt für unsere dünne Decke – auch mit Schlaf-Fleece. Umso besser die Investition in die Picknickdecke, die uns zumindest halbwegs über die Nacht gerettet hat. Aber ich will mich nicht beschweren – das Aufwachen an der Spitzkoppe ist toll. Aus dem Zelt schauen und bäm. Und damit meine ich nicht, dass ich von der Leiter gefallen bin. Es ist einfach so schön hier.

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Beim Frühstück frieren wir ganz schön, was beim Durchsehen der Bilder zu einigen Lachern geführt hat. Zum Glück kehrt die Wärme mit der Sonne aber recht schnell zurück. Wehmütig packe ich. Hier würde ich eigentlich gerne länger bleiben. Leider gibt es an der Spitzkoppe nicht wahnsinnig viel zu tun – Wandern kann man, wie uns der Guide sagte, „bei dem Felsbogen“, doch eine richtige Wanderung gibt es da nicht, man läuft halt etwas herum. Wer nicht gerade die große Spitzkoppe besteigen will oder einmal das Gebirge laufen, das man vorher schon mit dem Auto umfahren hat, findet hier neben den angebotenen Touren und majestätischem Herumsitzen nicht so viel zu tun. Also ist es wohl okay, dass wir nur eine Nacht dableiben. Aber schade, schade.

Ich habe mich heute mal für das Wildnis-Kontrastprogramm Blümchenkleid entschieden – um das Urlaubsfeeling zu betonen. Das macht es am Felsbogen dann natürlich etwas schwieriger, herumzuklettern. Aufgrund der Kürze des Kleids komme ich nicht jugendfrei die Steigung zum Bogen hoch. Wir sind hier zwar fast allein, aber eine französische Familie soll ja nicht durch aufreizende Posen beim Hochwuchten belästigt werden. Zumindest ist das doch eine tolle Ausrede für mangelnde Armkraft.

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Die typischen Fotos mit Felskugeln machen wir natürlich noch, dann brechen wir auch schon auf. Auch heute haben wir nur eine kurze, aber sehr panoramische, Fahrt zur Omandumba-Farm vor uns. Ich fahre. Wir kurven durch sehr schöne Landschaft und freuen uns über die schönen Bergformationen, Bäume und alles, was so rumläuft. Und dann wird’s irgendwie ganz schön sandig. Die Schotterstraße ist immer wieder durchzogen von kurzen Sandfeldern. Na gut, die sind so klein, da kann man einfach durchbrettern. Bis dann eines auf einmal größer ist – und so plötzlich kommt, dass ich keine Zeit mehr habe zu schalten und ungeplant im vierten Gang durch den losen Sand schwimme. Der Motorton wird immer tiefer – los, komm, weiter, du schaffst das, Auto! – und ich rette mich gerade so auf die andere Seite . Na gut, das war zwar knapp. Aber im Sand-Ernstfall würde ich das so natürlich nicht wiederholen. Das Fahren im Sand selbst finde ich tatsächlich ganz witzig. Botswana kann also kommen.

Aber jetzt kommt erstmal die Omandumba-Farm, wo uns eine sehr freundliche englischsprechende und eine etwas ruppige deutschsprechende Dame begrüßen und in alles einweisen. Ich habe das Gefühl, ich werde mit meinem Blümchenkleid nicht so richtig ernstgenommen. Oder sie hat gesehen, wie ich gerade eingeparkt habe. 🤩 Aber was soll’s wir sind ja hier für die Einsamkeit auf der Campsite und nicht für den Schnack mit den Anwohnern. Wir fragen nach einer Wanderung und werden sehr eindrücklich vor den Nashörnern gewarnt. „Wenn ihr diese Fußstapfen seht – seht zu, dass ihr wegkommt! Lauft los in die andere Richtung! Und versucht bloß nicht irgendwie Fotos zu machen oder so – einfach nur weg!“ Ich lache mich innerlich kaputt, weil ich an Robins Reisebericht denken muss, und die eklatante Nicht-Einhaltung dieser Anweisung. 😗 Wir sind jetzt aber mehr als geschult bezüglich der Aggressivität dieses Zeitgenossen (also, nicht Robin, sondern das Nashorn) und haben auch nicht vor, mutig zu sein.
Wir fahren noch ein Stück zu unserem Camp, das nah am Living Museum liegt, sich aber so anfühlt, als wären im Umkreis von 80 Kilometer keine anderen Menschen zu finden. Willkommen bei den Feuersteins!

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Das Camp ist wirklich sehr originell gemacht, es gibt eine Feuerstelle zwischen zwei der großen Felskugeln. Das Bad ist ein Stück weiter hinten und sogar ausgeschildert.

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Und hat einen sehr interessanten Outdoor-Charme:

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Einen kleinen Waschtisch mit fließend Wasser gibt es sogar auch, allerdings – leider – keinen Strom. Das macht uns ein bisschen nervös, denn es ist heiß, sehr heiß. Fast schon kochend heiß. Beim Aufstellen des Tisches tropft etwas Wasser auf den Boden und verdampft zischend auf dem Schotter. Moment – was?

Nach kurzem Kopfschütteln stellt sich dann aber heraus, dass der Boden doch noch nicht zur Bratpfanne mutiert ist, sondern unsere Camp-Vorbenutzer offenbar ein illegales Feuer an der Seite des Felsens gemacht haben, und die Überreste noch hier begraben liegen. Allerdings sagt diese kurze Szene trotzdem viel aus: Heute ist der erste Tag, wo es wirklich so heiß ist, dass es unsere Tagesplanung aktiv beeinflusst. Wir können nämlich erst mal überhaupt nichts. Das geht doch etwas auf den Kreislauf, und alles, was wir machen können, ist, den 30cm schmalen Schattenstreifen neben dem Felsen möglichst gut zu nutzen. Da mir ungefähr nach einer halben Stunde Schattensitzen langweilig wird, beschließe ich, dass heute doch der ideale Tag für Wäsche ist. Der sorgfältige Waschprozess in der prallen Sonne ist sehr anstrengend und nicht gerade förderlich für die generelle Hitzegeplagtheit. Aber die Wäsche ist innerhalb von 10 Minuten trocken, was enorme Vorteile hat.

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Nachmittags brechen wir dann auf zu einer kleinen Wanderung. Wir müssen zu diesem Zeitpunkt noch lernen, dass die Nachmittagshitze nicht unbedingt weniger heiß ist, als die Mittagssonne. Wir fahren dafür ein Stückchen bis zur „wilderen“ Campsite, die nur eine Buschdusche hat – und fragen uns, ob 15 Minuten Kühlung das Fleisch im Kühlschrank noch retten kann.

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Von da geht’s dann ein Stückchen zwischen weiteren faszinierenden Felskugeln hindurch.

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Gefühlt laufen wir nur einen Kilometer, aber es ist so heiß, dass der Schweiß fließt als hätte er es eilig. Ohne Hut wären wir hier endgültig verloren. An unserem „Wendepunkt“ (das Wortspiel in Richtung Grillfleisch ist sehr subtil aber bewusst gewählt) sehe ich irgendwelche Spuren am Boden. Ich suche NATÜRLICH die ganze Zeit nach dem Nashorn. 😄 mKeine Ahnung, ob das Nashornspuren sind, sie sind etwas verwischt – angeblich kommen die ja nicht in die Berge, aber was ist hier Berge und was nicht? Sind es vielleicht doch Nashornspuren? Zu dem Prickeln der Hitze kommt noch ein bisschen Nervenkitzel dazu, den ich mir einrede, aber mit dem es irgendwie mehr Spaß macht. Nach erfolgreicher Wendung sehen wir dann noch diesen bunten Freund hier:

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Und dann geht’s auch schon wieder zurück. Es war ein netter Spaziergang, ich hätte mich gerne mehr bewegt, aber so viele Wege gibt es hier offenbar auch nicht und außerdem sind wir jetzt schon mindestens medium gebraten. Also wieder zurück, und hardcore entspannen! Ein einzelnes Auto mit zwei Menschen kommt an diesem Tag hier vorbei und will offenbar mal schauen, was hier so los ist, sonst sehen wir absolute keine Menschenseele. Herrliche Ruhe, eine tolle Atmosphäre und eine schöne Aussicht machen es zu einem sehr schönen Ort, um tatsächlich mal anzufangen, ein Buch zu lesen. Hier kann man sprichwörtlich die Seele baumeln lassen.

Irgendwann ist es dann endlich Zeit, das Feuer anzumachen, das Abendessen vorzubereiten und zur Feier dieses besonders einsamen und romantischen Ortes heute mal die erste Flasche Wein zu öffnen. Ein Rosé, der erstaunlicherweise doch noch recht kühl ist. Sehr angenehm nach der Hitze des Tages.

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Das Abendessen genießen wir dann bei wunderschönem Sonnenuntergang mit Ausblick und fühlen uns dank Wein und leckerem Essen wie in unserem eigenen privaten Luxuscamp.

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Wir sitzen noch eine ganze Weile mit dem Rest der Roséflasche. Als es dunkel wird, wird es allerdings SEHR dunkel. Zumal wir eben nicht am Feuer sitzen, wie sonst, da wir lieber die Aussicht genießen wollten. Und irgendwann bekomme ich dann doch ein wenig Angst: Eine Horde Paviane, die sich akustisch schon den Tag über immer mal bemerkbar gemacht hat und ein Stückchen weg auf der anderen Seite unserer Felskugeln lebt, gerät plötzlich in Aufruhr und macht eine ganze Menge Lärm. Klingt unspektakulär, kann aber in der absoluten Dunkelheit und absoluten Einsamkeit mittelmäßig gruselig sein. Müssten die nicht schon längst schlafen? Ist das ein Kampf um die Schlafplätze oder doch ein heimtückischer Leopardenangriff? Und ist der Leopard jetzt satt oder erst recht sauer? Wir fühlen uns auf einmal doch etwas exponiert vor unserem Feuerstein-Haus. Naja beziehungsweise: Ich fühle mich exponiert. Lukas macht sich darüber lustig. 🤨

Aber es ist sowieso recht spät geworden. Wir gehen also lieber ins Bad – sicherheitshalber zusammen, es ist ja ein Stück. Auf dem Weg leuchte ich den Weg gut aus – mir ist schon aufgefallen, dass es hier wieder mehr von meinen achtbeinigen Lieblingsfreunden gibt, den sehr viel kleineren Walzenspinnenmann vorhin zum Beispiel, oder so ein par andere Geräte, die mich zu Hause in Hamburg schon leicht aus der Ruhe bringen würden, aber mich jetzt und hier irgendwie relativ kalt lassen. Und dann stellt sich heraus, wie gut meine vorbildliche Ausleuchtung war: „Woah krass, das ist ne schwarze Witwe!“ – „Ach quatsch, du spinnst doch.“ – „Hier guck, kugeliger Körper, relativ klein, rotes Kreuz. Das ist eine, wirklich.“ Das Foto gelingt leider nicht, aber aus meiner Erinnerung schlage ich nachher noch einmal in unserem schlauen Buch nach. Na gut, es war keine 100%-ige Schwarze Witwe, aber ich schätze eine Karoo-Knopfspinne (weil rotes Kreuz) aus derselben Familie und damit etwas weniger – aber durchaus – giftig. Was man so alles erlebt, und wie unspektakulär es sich dann doch irgendwie anfühlt. Kein großes Gefühl der Vorahnung, keine dramatische Musik. Ich weiß genau, dass auch das zu der Kategorie Informationen zählt, die man der Familie zu Hause lieber erst hinterher erzählt, wenn man heile zurück ist. Aber diese Spinnenbegegnung hat für mich mehr Faszination als Angst. Eigentlich habe ich gar keine Angst. Denn das Tier ist sehr ruhig, und hängt da so in seiner Ecke rum – da hätte man schon sehr ungünstig stolpern müssen, um es zu stören. Jeder bleibt in seiner Ecke – damit kann ich heute gut leben.

Utensil des Tages: Wäscheklammern. Sonst wär alles weggeflogen.
Teil 914. Apr. 2019
Als Entschädigung hänge ich den nächsten Tag noch direkt mit an 😊

Tag 8 – Passierschein A38

Heute haben wir mal wieder eine längere Reise vor uns – es geht jetzt endlich Richtung Etosha. Auf dem Weg haben wir allerdings noch eine Aufgabe: Die Gasflasche auffüllen. Gestern Nachmittag war sie auf einmal leer. Aber es passt heute ganz gut rein, denn wir haben ja ohnehin noch einen Versorgungsstop geplant. Denken wir. 🙄

Erst einmal besuchen wir aber die Tikoloshe Holzschnitzerei in Omaruru, wo es jede Menge zugekauften Krams und vor allem aber kuriose, künstlerische Holzschnitzereien für auch nicht ganz so wenig Geld gibt.

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Wir decken uns mit der einigen Souvenirs ein und können auch vor einem künstlerischen Wurzelgebilde nicht halt machen, von dem wir bis heute nicht genau wissen, ob es ein Stachelschwein, ein Wildhund oder eine Hyäne darstellen soll. 🤩 Aber irgendwie ist es auch das, was wir daran mögen. Es ist eben nicht die dreimillionste Kopie desselben Elefanten.

Und dann beginnt die Suche nach Passierschein A38.

Von Stadt zu Stadt spielt sich das folgende Muster ab: Tankstelle 1 hat kein Gas. Tankstelle 1 schickt uns in den Baumarkt zu Build-It. Build-It hat heute aber auch kein Gas und schickt uns zur Tankstelle 1, bei der wir ja aber nunmal schon waren. Na gut, dann im nächsten Ort. Tankstelle 2, Build-It, Tankstelle 3. Immer dasselbe Spiel. 🤨 Endlich, bei der letzten Tankstelle die wir probieren, bevor wir es endgültig aufgeben, bei der Puma in Outja, gibt es Gas. Zumindest theoretisch. Aber es ist jetzt halt grad „Mittach“ und da geht das eben nicht. Wir sollen später nochmal wiederkommen. Herrje. 😵

Wir erledigen also noch ein paar Einkäufe und essen notgedrungen, weil wir ja den Mittach abwarten müssen, Schwarzwälder Kirschtorte (oder zumindest das, was man sich hier darunter vorstellt – aber ganz lecker) im Farmhouse Café. So viel Zivilisation – das war doch gar nicht beabsichtigt.

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Und dann – inzwischen sind wir maximal genervt und jeder versucht nur noch, den anderen dazu zu bringen, zum x-ten Mal mit der Gasflasche aus dem Auto zu steigen 😄 – bekommen wir tatsächlich Gas. Und hoffen wirklich sehr, dass es uns dieses Mal erhalten bleibt. Wenn wir gerade mitten in Botswana sind und nix als Nudeln dabeihaben, müssten wir sonst auf die Sonne-Gar-Methode zurückgreifen, die sicherlich auch erfolgreich, aber langwierig wäre. Denn unsere Töpfe wirken auch nicht so recht feuerfest. Aber eine gute Seite hatte die Aktion: Bei einem der vielen Tankstellenstopps, noch am Anfang der Route, haben wir den Tipp bekommen, nicht außenrum über Otjiwarongo nach Outjo zu fahren, sondern die M63 zu nehmen, Schotter – aber schneller. Hat sich gelohnt!

Und irgendwann werden wir dann ganz aufgeregt, weil wir uns tatsächlich dem Etosha-Park nähern.

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Nach einem unkomplizierten Registrierungsprozess fahren wir in den Park – und erstmal sieht alles überhaupt nicht spektakulär aus. Gebüsch, wie vorher. Und alles unfassbar trocken. Hat nicht den Anschein, als ob hier gerade so viel los wäre. Bis ich nach fünf Minuten selbst etwas ungläubig und trocken vermelde: „Elefant“. Lukas will mir nicht so recht glauben, aber tatsächlich tut sich gleich am ersten Wasserloch, kurz hinterm Eingang, ein Spektakel auf, das ich aus Südafrika so nicht kenne. Gefühlt haben sich alle Tiere, hier versammelt. Unglaublich.

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Wir beobachten sie eine ganze Weile. Für mein Gefühl dennoch viel zu kurz, aber irgendwann müssen wir weiter, da es einfach zu warm wird und ohne Klimaanlage nicht zu ertragen ist. Und so grell, dass die Fotos auch nur so mittelmäßig werden. Aber was für ein Einstieg!

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Bis zum Okaukuejo-Camp passiert dann nicht mehr so viel. Wir begutachten kurz unseren Platz, recht groß, direkt am Zaun, natürlich sind hier viele Leute aber wir hatten es uns viel schlechter vorgestellt. Und dann fahren wir auch schon wieder los. In nordwestliche Richtung.

Hier ist allerdings, gelinde gesagt, überhaupt nichts los. Und die Straßen sind grauenvoll. Bis jetzt hatten wir uns noch gewundert, warum so viel über Reifenplatzer im Etosha gesprochen wurde – bei der geringen Geschwindigkeit kam uns das irgendwie unwahrscheinlich vor. Aber diese Schlaglochpisten mit Haufen aus scharfen Steinen, die manchmal IN den Löchern liegen, lassen uns doch schon erahnen, wie das werden kann.

Ich finde aber trotzdem, obwohl hier wenig zu sehen ist und eigentlich alle Wasserlöcher ausgetrocknet: Der erste Safari-Tag ist immer der schönste. Man freut sich noch über jedes Hörnchen, jeden Springbock und jedes Perlhuhn. Bis es allerdings bei uns ankommt, dass es nicht „Hemperl-Huhn“ heißt, dauert es eine Weile … 🤩

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Irgendwann auf dem Rückweg zum Camp kommt es dann noch zum Fast-Crash. Hier sind inzwischen überhaupt keine Autos mehr unterwegs. Bis auf eines, das mich, da ich etwas mittig fahre angesichts von so wenig Verkehr, links überholt. Ich habe natürlich angesichts der Einsamkeit vergessen, alle 20 Sekunden in den linken (!) Spiegel zu gucken, zumal ich nicht damit rechne, dass da einer ankommt. Fast hätte ich genau im falschen Moment nach links gezogen. 🙄 😠 Aber der Negativmoment wird sofort wieder wettgemacht: Jetzt sehen wir doch noch einen Elefanten. Ein Bulle, den wir in einem kleinen Waldstück fast übersehen hätten. Er wirkt entspannt, ich setze etwas zurück, damit wir bei dem jetzt etwas besseren Licht vielleicht ein Foto hinbekommen. Aber sobald wir stehen, wirkt er doch beunruhigt und läuft auf uns zu. Schnell weg! Es reicht nur für ein Beweisbild:

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Als wir in der Dämmerung im Camp ankommen, bemerken wir unseren Fehler: Riesige Elefantenherde am Wasserloch bei Sonnenuntergang. Sehr idyllisch – und sehr ärgerlich. Wir hätten einfach im Camp bleiben können statt wie die Bekloppten im Nichts rumzukurven! 😮

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Aber auch so sehen wir noch viel. Die langsam abziehende Elefantenherde...

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Und Giraffen, die sich im absoluten Zeitlupentempo verhalten. Giraffen sind ja irgendwie der personalisierte Zweifel. So langsam kann man gar nicht sein. Quälend fast, ihnen zuzuschauen, wie sie immer wieder zögerliche Versuche in Richtung Wasser machen. Faszinierend, wenn sie es dann nach einer Stunde tatsächlich schaffen. Und dann, endlose Ewigkeiten später, reißen sie sich sogar zum Trinken hin! 😄

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Auch ein Elefantenbulle, der sehr lange in der Nähe ausgeharrt hat, kommt irgendwann noch einmal vorbei. Und zum Schluss: Ein Nashorn! Und noch ein zweites! Und noch ein drittes!

Wie wunderbar! Das hat sich wirklich mehr als gelohnt. Jetzt gibt’s noch die tägliche Riesenportion Fleisch, und dann schnell ins Bett, um morgen früh loszukommen.

Utensil des Tages: Tatsächlich mal der Reiseführer. Ohne wären wir nicht auf die Schnitzerei aufmerksam geworden, was ein netter Zwischenstopp war auf einer sonst eher ereignisarmen Fahrt.
Teil 1029. Mai 2019
Ach Phil, das war vielleicht genau der Anstoß, den ich gebraucht habe 😊 Schon seit Wochen plagt mich das schlechte Gewissen, dass ich doch mal weiterschreiben sollte. Neben all den anderen Ausreden, die ich anführen könnte, ist wohl auch nicht ganz unerheblich, dass der folgende Tag nicht gerade zu meinen Lieblingstagen gehört... 🤨 aber seht selbst.


Tag 9: Hitze und Staub

Es ist früh, aber nicht früh genug. Allein, dass ich so etwas denke – und aufschreibe – lässt mich an meinem eigenen Verstand zweifeln. Aber in Südafrika haben wir es vor vier Jahren doch eigentlich immer geschafft, als eines der ersten drei Autos vor der Gate-Öffnung in der Schlange anzustehen. Da gab es natürlich auch kein spektakuläres Wasserloch. Also wird das Müsli gerührt und los geht‘s. Im Camp herrscht eine ruhige, aber geschäftige Stimmung, irgendwie auch ganz angenehm.

Unser erster Safaritag auf dieser Reise. Wir sind erwartungsfroh. Aber erstmal scheint alles … irgendwie echt leer. Diese extreme Trockenheit und der relativ geringe landschaftliche Reiz lassen die Gegend eher unwirtlich erscheinen.

Das erste was wir sehen – ein Sekretär. Für uns erstmal ein neues Tier – das ist doch nett!

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Das erste Wasserloch, das wir ansteuern, ist allerdings mal wieder ausgetrocknet. Eine Szene, die sich immer wieder über diese Reise wiederholen wird: Die Vorfreude, wenn es mal wieder ein Wasserloch in dieser absoluten Ödnis gibt. Die Enttäuschung, wenn absolut nix los ist, nichtmal mehr das Wasserloch selbst. Ein bisschen anstrengend ist das ja, muss ich zugeben. Aber wenn man dann hinterher überlegt, was man alles an einem Tag gesehen hat – dann ist es doch oft gar nicht so wenig.

Besonders gerne mag ich das Foto von diesen morgendlichen Zebras:

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Wir sehen Oryx, mehr Zebras, mehr Springbocks, Gnus, Kudus. Unsere ersten Giraffen im Tageslicht beim Trinken.

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Irgendwie verpassen wir leider den Punkt, an dem man auf die Pfanne schauen (oder auch laufen?) kann. Weil wir zu beschäftigt sind, der Hoffnung auf Wasserlöcher nachzufahren, die hier und da auch in Erfüllung geht. Aber dass wir die Pfanne verpassen – fast unverzeihlich. Oder ein Trick unseres Unterbewusstseins, uns zum Zurückkommen zu bewegen? 🤩 Aber etwas Ausblick auf die Pfanne bekommen wir trotzdem. Denn irgendwann wird die Landschaft in Richtung Halali doch irgendwie spannender – weiter und mit weniger Gebüsch. Hier fahren wir eine Weile ganz gerne durch.

Straußen sind auch schöne Tiere, auch wenn sich hier das komische Etosha-Licht schon wieder zu unseren mäßigen Fotografierkünsten gesellt:

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Manchmal gibt es schöne Bäume in der leeren Ebene, die total nach meinem kindlichen Bild von Afrika aussehen.

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Man hat ja sonst nichts zu tun:

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An einigen Wasserlöchern ist mehr los, zumindest was Huftiere angeht, das bekommt man kaum aufs Bild:

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Und manchmal sieht man sogar andere Autos – aber selten. Das macht es deutlich schwieriger, man muss spektakuläre Sichtungen jetzt selbst entdecken und kann sich nicht einfach heimlich anschließen und sich selbst einreden, dass man dieses und jenes Tier gaaanz bestimmt auch selbst gefunden hätte! 😄

Also starren, und starren, und starren wir… Irgendwann kommen wir an einen Punkt, wo verdächtig viele Autos einen Baum beobachten. Man ist ja dann schon etwas müde. Also beobachten wir auch erstmal fleißig einen Baum. Und Springbocks. Ist ja auch schön hier. Springbocks. Und Baum. Und ein Stein. Was für ein schöner Baum! Ich checke zum fünften Mal, ob der Stein nicht doch ein Löwe sein könnte. 🙄

„Sehen die was, oder sehen die nichts?!“ – „Keine Ahnung.“

Und dann bewegt sich der Stein doch.

Löwe! Schon am ersten vollen Safaritag. Das ist doch mal ein Auftakt, wie wir uns den vorgestellt haben. Wenn wir schon hier Katzen sehen – und später sind wir ja noch in Botswana! Da wird ja noch so viel mehr kommen! Denken wir. Selten lagen wir mehr daneben… Aber das kommt später. Durch das Fernglas lässt er sich unser Löwe auch halbwegs beobachten, aber er ist doch ein ganzes Stück weg.

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Kurz setzt er sich auf und schaut sich um. Dann legt er sich aber doch wieder schlafen. Na gut, da wird wohl nichts passieren, dann fahren wir nach einer Weile weiter.

Jetzt sind wir natürlich auf die akribische Beobachtung von Steinen unter Bäumen geimpft. 😄

Man mag es unserer Beobachtungsgabe zuschreiben, ich halte es allerdings nur für Glück: wenig später sehen wir noch zwei schwarze Schatten unter einem Baum. Man, ist das schwer, die zu erkennen. Auch bei diesen zwei Damen sind wir auf der Zufahrt zum Wasserloch schon vorbeigefahren, nur dass mein Hirn in diesem Moment eben nur Steine registriert hat. Auf dem Rückweg hat sich die Überprüfung der Steine gelohnt. Aber auch die beiden bewegen sich keinen Zentimeter – es ist langsam Mittag und damit echt heiß geworden. Würde ich auch nicht machen, wenn ich die wäre.

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Unser nächster Stop ist schon Halali – auch bekannt als Hitze und Staub. Unser schlauer Plan: Wir checken hier mittags schonmal ein, lassen unseren Tisch hier und entspannen etwas, um die unterm-Baum-liege-Zeit der Tiere zu überbrücken, indem wir unterm Baum liegen. Könnte man ja meinen, dass das schlau war, oder? 😵

Auf den ersten Blick macht der Platz, trotz des berüchtigten Staubs, gar nicht mal so einen schlechten Eindruck, auch wenn alles etwas gedrängter wirkt. Wo ein Stellplatz aufhört und der andere endet, ist hier nur nach längerem Raten klar – und damit auch, wo man sich strategisch geschickt hinstellt. Da wir nicht allzu spät dran sind, bekommen wir einen Platz nicht ganz so weit entfernt vom Rand. Aber es ist heiß – sehr, sehr, sehr, sehr heiß. Und die Bäume hier spenden relativ wenig Schatten. Die Füße wühlen im dreckigen Staubsand. Wir versuchen uns erstmal einzurichten. Inspizieren die Waschhäuser, die nicht ganz so einen guten Eindruck machen wie in Okaukuejo. Die Oberfläche unseres Tisches ist nach kürzester Zeit heiß. Unser Auto ist nach kürzester Zeit heiß. Na gut – schauen wir uns erstmal das Wasserloch an. Leider ist der Weg dahin – heiß. Und gefühlte 3 Kilometer lang.

Das Wasserloch ist eigentlich recht schön, fast wie ein Amphitheater, die Zuschauerbänke auch zu einem gewissen Teil überdacht und einige Meter oberhalb angeordnet. Hier gibt es Schatten, aber neben einem älteren Ehepaar und einem Fotografen mit Riesenobjektiv herrscht gähnende Leere. Eine Weile entspannen wir hier, dann wird es zu langweilig und wir schleppen uns zum Auto zurück.

Und jetzt? Keine Ahnung. Die Hitze überfordert mich komplett. Hier gibt es kein Entrinnen… alles ist heiß. Sonne heiß, Luft heiß, Boden heiß, Auto heiß. Schwitzen im sitzen, sitzen und schwitzen, schwindelig schwitzen. Unruhe. Schlechte Laune. Genervt. Die Zeit vergeht nicht, fünf Minuten, zehn Minuten. Wie viele Stunden noch, bis wir wieder losfahren können?

Rückblickend war das einer der zwei Tage, an denen die Hitze wirklich unerträglich wurde.So, dass der Kreislauf einfach kurz vor Kollaps ist. Aber so richtig merkt man erst hinterher, dass die schlechte Laune und innere Unruhe einer reinen körperlichen Überforderung geschuldet waren. Rückblickend hätten wir vielleicht einfach in den Pool springen sollen. Naja, das hätte wahrscheinlich zum Herzinfarkt geführt, wäre aber wenigstens nicht mehr HEISS. In diesem Moment haben wir aber an der Hygiene des Pools, der irgendwie trüb aussah, gezweifelt – und wollten die Einrichtung von Pools in wüstenähnlichen Gebieten nicht unterstützen. Ein Versuch, im Restaurant zu essen, nur um die Zeit rumzukriegen, scheitert daran, dass das Restaurant den Flair eines fliegenumschwirrten Tankstellenimbiss hat. Und ungefähr auch diese Speisekarte.

Und dann fahren wir eben doch wieder los. Und fahren. Und fahren. Der Nachmittag ist verflucht. Trockenes Wasserloch über trockenes Wasserloch. Heute Morgen war doch noch so schön! Und jetzt ist so schrecklich anstrengend. Unser Problem: WIr können uns ja nicht zu weit entfernen, denn wir müssen schließlich dieselbe Strecke wieder zurück. Also fahren wir rund um Halali in der Gegend herum und klammern uns an die vage Hoffnung, dass sich das ganze irgendwie lohnt. Und wir können nichtmal zurück, denn dann zerfallen wir in der Hitze zu Staub. Vielleicht ist der ganze Halali-Boden aus dem Staub der vertrockneten Seelen. 🙄

Wir werden teilversöhnt durch einen braunen Adler und zwei Hyänen.

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Dann ist es uns irgendwann zu blöd und wir fahren zum frühen Abend in Camp zurück. Heute sind wir gaaaarantiert die ersten am Wasserloch – rechtzeitig vorm Sonnenuntergang! Aber auch diese Rechnung geht erst einmal nicht auf, hier ist einfach nix los. Wir warten ab, bis die Sonne untergegangen ist, dann beschließen wir aber doch, erstmal Essen zu machen und später wiederzukommen. Heute ist auch der Tag, an dem wir keine Lust mehr auf Steak haben. Also gibt es: Nudeln mit Tomatensauce, Kichererbsen und Zebrasteakstücken. Das Zebra ist gekocht etwas zäh. Dennoch eine Wohltat, so ein gekochtes Mahl.

Und dann? Wird's doch noch ziemlich gut. Belohnt für einen mehr als miserablen Nachmittag werden wir doch noch am Theater – äh Wasserloch. Zu späterer Stunde ist hier so einiges los – vor allem auf den Tribünen, wo Ankommende und Abziehende Zweibeiner übereinander stolpern. Aber auch die Schauspieler lassen nicht lange auf sich warten. Nashörner! Eine Nashorn-Dame mit Baby kommt aus dem Busch. Langsam. Vorsichtig. Von links ein Nashornmann. Langsam, vorsichtig. Faszinierend, zu sehen, wie diese Tiere agieren – erstaunlich, dass das Licht sie nicht stört. Oder siegt nur der Durst?

Spektakulär wird es dann etwas später: Der Herrscher am Wasserloch marschiert ein. Und nimmt es sofort ganz für sich ein. Ein riesiger Elefantenbulle – und sein Begleiter. Die Nashörner weichen zurück. Faszinierend, zu sehen, wie diese ja auch tonnenschweren Tiere dem Elefanten ängstlich aus dem Weg gehen. Faszinierend, welche Macht er ausstrahlt. Aber auch welche Willkür. Und wir sehr sein Begleiter dann doch nur Mitläufer ist. Ich sitze in diesem Moment weit vorne. Zu weit. Und auf einmal kommt der Riese direkt auf mich zu, schnell, zielstrebig, ohrenflackernd, rüsselschwingend. Es fällt mir so schwer, zu glauben, dass ich hier oben sicher bin, nur vielleicht zwei Meter an Höhe und eine halbherzige Portion Stacheldraht liegen zwischen uns. Er könnte, bestimmt, wenn er wollte. Aber es bleibt beim Machtgehabe und einem Puls von 200 meinerseits.

Zur Beruhigung nach diesem eindrücklichen Spektakel dürfen wir noch ein paar Nashörner beobachten, die sich nach dem Abzug von Mr. Big eine ganze Weile um das Wasserloch tummeln. Und dann ist es endlich, endlich nur noch "heiß". Ohne achtmal "sehr" davor. Zeit, zu schlafen.

Utensil des Tages: Heute war uns nicht zu helfen.
Teil 1130. Mai 2019
Tag 10: Aufatmen.

Wir haben absolut nichts dagegen, das Halali-Camp hinter uns zu lassen. Durch unsere gestrige, frustrierende Nachmittags-Expedition wissen wir jetzt immerhin, welche Wasserlöcher – genau genommen vor allem eines – sich lohnen. Also nehmen wir den letzten Rest Brot, Erdnussbutter und Marmelade einfach mit ins Auto und fahren ohne Frühstück direkt zu dem Wasserloch, an dem wir gestern die Hyänen beobachten konnten. Das mit dem mobilen Safarifrühstück ist auch eine Strategie, die sich in Südafrika bewährt hat. Nur das mit dem Brot ist immer so eine Sache – es verschwimmelt eigentlich immer sofort, ist trocken und nicht wirklich ein Genuss. 😄

Und es zeigt sich: Wir sind hier nicht allein. So ist unser Frühstück dann zwar kulinarisch nicht das Highlight, aber: Wir frühstücken in bester Gesellschaft.

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So toll. Es sind sogar nicht nur zwei, sondern drei Löwen – ein Männchen links, und ein Männchen und ein Weibchen geradeaus, und nah genug, dass man sie ohne Fernglas beobachten kann (wobei es mit natürlich weitaus spannender ist). Immer mal wieder gibt es Spannungen, weil der Single-Löwenmann offenbar nicht ganz uninteressiert an der Löwin ist. Da kann es natürlich der andere nicht lassen, seine Besitzansprüche zu betonen, indem er die Löwin mehr oder weniger besteigt. 🤩 Der Paarungsakt wird aber nach der Hälfte abgebrochen. Wir bleiben lange bei den Dreien, bis sie sich langsam ins Nicht Sichtbare zurückziehen und wir uns wieder auf den Weg machen.

Wir fahren jetzt näher an der Pfanne entlang, es sind immer wieder weite Ebenen, Graslandschaft, im Hintergrund die Pfanne zu sehen. Die Landschaft ist schön und es passiert auch immer mal wieder was.

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Irgendwann checken wir auch, dass die Dinger nicht „Hemperl-Hühner“ sondern „Helm-perlhühner“ heißen. 🤩 Das heißt aber nicht, dass es leichter wäre, sie mal richtig auf’s Bild zu kriegen… 😄 Nach einer Weile treffen wir in der flachen Ebene auf diesen großen und sehr alten Elefantenbullen. Er ist majestätisch, und irgendwie friedlich. Ganz anders als der Jungspund von gestern Abend. Er löst etwas sehr Emotionales in uns aus, und wir beobachten ihn eine ganze Weile. Dabei sehen wir quasi unser Spiegelbild auf der anderen Seite:

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Langsam zieht er über die Ebene davon, die Straße macht an dieser Stelle ein Kurve und so können wir ihn auch von der anderen Seite noch einmal beobachten. Schön.

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Springbocks gibt es natürlich überall in Massen:

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Die Etosha-Pfanne verschwimmt immer wieder in den Himmel, erstaunlich, dass man das Phänomen sogar auf Fotos bekommt:

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Die Weite und Leere hat hier etwas sehr idyllisches.

Giraffen sind heute auch einige dabei, aber auch noch mehr Elefanten, Oryx, Kuhantilopen und ein sehr voll Wasserloch mit all diesen Tieren auf einem Haufen, das wir aber nicht aufs Foto bekommen.

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Besonders faszinierend finde ich den Anblick, wie die Giraffen bedächtig über die Ebene ziehen. Man sieht sie ja sonst meistens nur rumstehen oder weghoppeln.

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In Namutoni angekommen kann ich sehr gut nachvollziehen, warum hier so viel geschwärmt wird. Der Platz ist klein, fast familiär. Wir haben zwar ein Stück mit weniger grüner Wiese erwischt, aber der Boden ist fest und nicht staubig, die Bäume grün, es ist insgesamt einfach idyllisch und friedlich.

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Unfassbar aber, dass unsere holländischen Nachbarn, die wir schon seit dem ersten Tag in Etosha immer wieder sehen, es schon wieder geschafft haben, vor uns da zu sein – obwohl wir morgens zuerst losgefahren sind und wirklich nicht viel angehalten haben. Die sind schon komplett eingerichtet, lüften ihr Bettlaken aus… achso, das soll man auslüften? 🙄 Müssten wir das eigentlich auch mal tun? Ach egal. Wer braucht das schon… 😗

Wir besichtigen erstmal das Fort.

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Es gibt hier auch eine schöne Bar, die einen angenehmen Eindruck macht. Aber gerade heute brauchen wir das eben nicht, denn die Temperatur ist wieder erträglich, wir haben heute schon viel gesehen und sind insgesamt einfach tiefenentspannt. Ein Tag zum Aufatmen also.

Wir gehen noch kurz am Wasserloch vorbei, wo ein Elefant gerade von dannen zieht, den haben wir wohl verpasst, ärgern uns aber auch nicht – wir hatten unsere eigenen Momente. Nach kurzer Zeit machen wir uns auf den Weg, in nördliche Richtung um die Pfanne herum. Interessant wird es dann am Wasserloch mit dem treffenden Namen „Twee Palms“. Eine ziemlich große Giraffenversammlung versucht den zwei markanten und irgendwie fehlplatziert wirkenden Palmen Konkurrenz zu machen.

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Dabei sieht es lustigerweise immer wieder aus, als hätte es irgendwie einen Fehler in der Grafik gegeben. So wie früher bei Solitaire, wenn die Karten wegfliegen und sich der Rechner aufhängt… 🙄

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Wir beobachten die mehrhalsige Kreatur eine ganze Weile, deshalb müsst ihr euch jetzt viele Fotos davon anschauen. 😊 😗

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Zebras gibt’s natürlich auch nicht zu wenig, und zwar nah am Auto, da kann man auch ohne Teleobjektiv ein bisschen rumprobieren.

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Zum Abschluss eine Warzenschweinfamilie und eine ziemlich pittoreske, durch smartphonefilter gejagte Giraffe, sowie ein Dik-Dik, dessen Foto mir nicht gefällt.

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Dann geht’s zurück zum Campingplatz und wir grillen etwas wehmütig unser allerletztes Steak. Heute gibt es zum Feiern eines wunderbaren Safaritages dazu eine Flasche Rotwein. Das war schön.

Utensil des Tages: Heute musst uns nicht geholfen werden.
Teil 1205. Juni 2019
Tag 11: Es wird tropisch

Es erwartet uns einer der langen, wenig ereignisreichen Fahrtage – wobei das touristisch Ereignislose ja oft gerade das Spannende ist, weil man keinerlei Erwartungen an Sensationen hat und daher einen geschärften Blick für die Details. Euch erwartet daher, wie ihr wohl schon merkt, ein eher textlastiger Beitrag mit viel Gelaber, das so in meinem Kopf entsteht, das ich als „kluge Beobachtungen“ oder „interessante Details für Erstreisende“ zu verkaufen versuche. 😗

Angesichts der langen Tour heute starten wir seit langem mal wieder gemütlich. Wir schlafen nahezu aus – ich glaube bis 7.30 – und dann soll der Tag erstmal mit einem Kaffee und einem entspannten Frühstück losgehen. Wir haben dafür extra unseren Alu-Espressokocher mitgenommen und auch Kaffeepulver unserer Lieblingssorte aus Hamburg. Ja, es mag komisch erscheinen, Kaffee nach Afrika zu importieren – aber wenn man schon keinen Milchschäumer hat, muss das Zeug auch schmecken, und das weiß man im Supermarkt ja schließlich nie. Diese Ausstattung hat uns bis hierhin auch schon den ein oder anderen Morgen versüßt… der kleine Luxus, der gerade angesichts von eher eintöniger Ernährung und „back to basics“ umso größere Wirkung hat.

Problem: Der Gaskocher will schon wieder nicht so richtig. Ist das Gas etwa schon wieder leer? Ist das Ding dauerhaft hinüber? Für den Kaffee reicht’s noch, aber für alles andere ist der Lebenshauch zu schwach. Also haben wir für heute mal wieder eine Tagesaufgabe – solange es noch größere Städte auf unserer Route gibt. Wir erkunden die Build-Its des Landes! 🤩

Um den Tag dann so richtig appetitlich zu starten, darf ich erstmal den Kühlschrank saubermachen. Bei dem ganzen Geruckel hat es uns vor ein paar Tagen den Spieß der Lamm-Sosaties durch die Plastikverpackung gedrückt und der ganze Fleischsaft ist so richtig herrlich ausgelaufen. Und hatte ich eigentlich erwähnt, das an dem tollen Halali-Tag auch noch unser ganzer Essig ausgelaufen ist? Ihr kennt das, diese fiesen Balsamico-Flaschen mit diesen fiesen Metall-Schraubdeckeln, die, egal an welchem Ort der Welt, nach einmaliger Benutzung sofort ihren Zweck verfehlen? Ach und wie war das mit dem eingelegten Knoblauch, der sich auch irgendwie verselbstständigt hat? Hat eigentlich schonmal jemand eine Anleitung dazu geschrieben, wie man den ganzen Mist im Auto so verstaut, dass nicht jeden Tag was kaputtgeht und ausläuft? Wir jedenfalls haben diese Kunst bis zum Ende nicht gemeistert. Ich war übrigens kurz davor, den Reisebericht "Irgendwas ist immer kaputt" zu nennen.

Jedenfalls hatten wir das Fleisch-Knoblauch-Malheur offenbar eher oberflächlich beseitigt und jedes Mal beim Öffnen der Kühltruhe kam uns so ein richtig schöner Fleischgeruch entgegen. Immerhin wird das Ganze da drin ja halbwegs gekühlt, aber jetzt wo wir froh sind, dass wir uns tatsächlich mit unserem 10 Tage lang eher mäßig gekühlten Fleisch nicht selbst vergiftet haben, sollten wir wohl auch die Keimbelastung unseres Kühlschranks mal wieder in kontrollierte Bahnen bringen.

Ich lobpreise in diesem Moment meine perfektionistische Vorplanung, die aus irgendeinem der 793 Threads zu Pack- und Einkaufslisten den Tipp „Sagrotan-Desinfektions-Tücher“ rausgezogen hat. Also wer auch immer von euch das war, ihr habt mir in diesem Moment das Leben gerettet. Etwas eklig wird der ganze Spaß nämlich, als ich feststelle, dass der vermeintliche Boden der Kühltruhe gar keiner ist – sondern nur eine Art Gummimatte, unter der sich so richtig schön viel Fleischsuppe gesammelt hat und gemächlich hin- und herschwappt. Seit Tagen.

Aber etwa eine dreiviertel Küchenrolle und die Desinfektions-Tücher bringen das ganze schnell auf ein akzeptables Maß und ich fühle mich nach dieser Aktion irgendwie auch innerlich gereinigt.

Was mir bei meiner perfektionierten Vorplanung allerdings wieder entfallen war: Eier. Die haben wir noch – aber nicht mehr lange, denn die Fleischplanung hatte ich so optimiert, dass unser Fleisch abzüglich der Swakopmund-Tage genau bis zum letzten Etosha-Tag reicht, da wir durch’s Ost-Gate nichts mitnehmen dürfen. Als der wirklich freundliche Gate-Officer mich fragt „do you have Ed?“ braucht es etwas, bis ich seinen Akzent verstehe. Er schiebt es ein bisschen auf seine Mit-Officer-Frau, die ja leider sehr streng sei bei Eiern – und schwupps, haben die beiden eine Packung beste, frische Eier und wir keine mehr. Naja egal. So oft haben wir die Dinger dann auch nicht gegessen.

Wohlwissen, dass der Tag nicht spannend wird, geht’s los. Tsumeb, Grootfontein, eigentlich ganz sympathische Städte, gar nicht viel anders als die, die wir vor Etosha gesehen haben. Was Baumärkte angeht sind wir schon alte Profis, der Stop bei Build It bringt uns aber nur mäßig weiter, der Herr wiegt die Flasche und sagt, sie ist voll. Na gut, wenigstens ist sie nicht leer. Dann muss irgendwas mit dem Aufsatz nicht stimmen – die übergekochten Nudeln von dem verfluchten Halali-Tag könnten der Urheber sein. 😵 🙄

Weiter geht’s von Grootfontein nach Norden, auf in Richtung Sambesi-Region (a.k.a. Caprivi).

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Erstmal finden wir es sehr spannend, als links und rechts überall kleine Rundhütten auftauchen. Auf einmal sind wir gefühlt in einer anderen Welt, wo Grootfontein noch eine nette, gepflasterte und irgendwie städtische Stadt war, ist es jetzt Schilf, und Reed, und eine ganz andere Bauweise. Jedes Grundstück hat einen Zaun und mehrere kleine Rundhütten, wie verschiedene Zimmer eines Hauses. Die Leute sitzen im Schatten auf dem Hof, sieht entspannt aus. Irgendwie auch viel natürlicher, wenn ein größerer Teil des Lebens draußen stattfindet. Ich weiß natürlich, dass die Menschen hier wahrscheinlich nicht die Wahl haben und sicherlich viele Schwierigkeiten, dass diese Gedanken auf eine gewisse Art auch illusorisch sind. Aber nach zehn Tagen Camping fühle ich mich dieser Lebensweise viel verbundener. Auf jeden Fall sieht man die Rundhütten mit ganz anderen Augen, wenn man vor Ort ist, als wenn man sie auf Fotos sieht, wo sie gedanklich schnell in eine "primitive" Ecke gesteckt werden könnten. Hier vor Ort, wenn man selbst staubig ist und glücklich von so viel Draußensein, drängt sich schon die Frage auf: Braucht man denn wirklich so viel mehr?

Rundhütten1.jpg


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Ihr seht, ich habe viel Zeit zum Nachdenken. Hin und wieder kreuzen Ziegen die Straße, weshalb man etwas aufpassen muss beim Fahren. Ab und zu Menschen auf Fahrrädern, Kinder die uns freundlich zuwinken.

Und dann wird es langweilig.

Denn es ist stundenlang dasselbe.

Ihr kennt das.

Wir hören unsere Musik, dieselbe Playlist zum zehnten Mal. Wir hören einen Podcast, den ich vorher runtergeladen habe. Wieder Playlists. Wir hören kurz Radio, sind fasziniert von der Klicksprache, die so schön und melodisch und so schwer zu artikulieren klingt. Wir hören ein deutsches namibisches Radio. Das Highlight: Der Wetterbericht. „Windhoek, leichte Wolken, heiß bis sehr heiß. Region x, heiß bis sehr heiß. Region y, heiß bis sehr heiß. Region sonstnochirgendwas, heiß bis sehr heiß“. Okay! Alles klar! Echt präzise.
Und wir fahren, und fahren, und fahren. Rundhütten, Ziegen, Menschen, Rundhütten, Asphalt, Menschen, Ziegen. Kaum Kurven. Kaum andere Autos. Faszinierend – aber es zieht sich brutal. Immerhin kommt man schnell voran, auf Asphalt, in Deutschland dürfte man hier niemals 120 fahren...

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Dieses Ziegenbild sieht aus, als wäre es direkt nach dem Bild oben entstanden. Tatsächlich liegen 30 MInuten Fahrt bei hoher Geschwindigkeit dazwischen...ja.

Irgendwann erreichen wir dann Rundu – und der Kontrast zu Grootfontein wird sofort deutlich. Nichts mehr gepflastert, nichts mehr mit westlichem Einfluss, die Stadt ist auf Erde und Staub gebaut, die Architektur unzusammenhängend, viel mehr Menschen auf den Straßen. Im Vergleich eine ganz andere Welt. Im ersten Moment, wenn man müde ist nach vielen Stunden eintöniger Fahrt, nehme ich dieses „Fremde“ an Städten immer erstmal als etwas beängstigend wahr. Es ist ein Kontrollverlust, nicht das Bekannte vorzufinden, sondern sich erst einmal mit der Situation auseinandersetze zu müssen, sich zu orientieren im Gewusel. Eigentlich kein Problem, aber wie gesagt – man ist müde, man weiß nicht, was man tut. So richtig wohl fühle ich mich hier jetzt gerade nicht und beim Supermarkt hoffe ich gedanklich, dass unser Auto noch da ist, wenn wir wiederkommen. Irgendwie bescheuert und wahrscheinlich auch rassistisch.

Da in Rundu der letzte brauchbare Einkaufsstopp vor Kasane ist – Edit: Ist natürlich quatsch, der letzte vor Katima Mulillo, was aber tagemäßig für uns auf dasselbe rauskommt – machen wir noch einmal einen größeren Einkauf, füllen alle Vorräte auf, die nicht frisch sind. Besonders am Herz liegen mir ausreichende Müslivorräte. Von den frischen Dingen besorgen wir so viel, dass es bis zum letzten Namibia-Tag reicht, da wir nicht wissen, was gerade nicht nach Botswana eingeführt werden darf. Das Fleisch spricht uns gar nicht an, also kaufen wir für heute Abend Wurst. Und wir brauchen Joghurt – denn heute starten wir mit der Malaria-Prophylaxe. Bei der Beratung wurde uns empfohlen, Malarone abends einzunehmen, nach der Mahlzeit, und danach noch ein Milchprodukt. Dann noch Geld holen, tanken, und weiter.

Wir haben für heute keine Unterkunft gebucht, wollten uns offenhalten, auch schon in Rundu zu stoppen, falls wir zu müde sind für die vollen 600+ Kilometer. Aber eigentlich wollten wir es bis kurz vor Divundu, genauer gesagt zur Riverdance Lodge schaffen. Und das klappt auch. Ab Rundu – wir sind glaube ich gegen 14 Uhr wieder aus der Stadt raus – sind es noch ungefähr zwei Stunden. Zwei Stunden, auf denen auch wieder absolut nichts passiert. Aber komischerweise sind wir entspannt – vielleicht ein bisschen erleichtert, nicht aus dem Fenster starren und nach Tieren suchen zu müssen, schnell voranzukommen, ein klares Ziel vor Augen zu haben. Vielleicht ist es auch der Anblick von so viel Grün. Denn ab Rundu wird alles deutlich grüner und auch irgendwie tropischer. Aber da wir auf der B8 fahren und nicht die Straße entlang der Dörfer passiert auch wieder absolut gar nichts. Ich erinnere mich heute nur noch sehr vage an dieses Stück Fahrt. 😄

Als wir die Riverdance Lodge erreichen, fühle ich mich fast euphorisch. Geschafft!

Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass Riverdance voll ist – unsere Strategie, nicht zu buchen, ist nicht aufgegangen. Die Inhaber sind selbst ganz überrascht – gestern wäre wohl noch alles frei gewesen. Leichte Panik kommt auf. Ich habe zwar noch die Mobola Lodge als Alternative, und die ist auch überhaupt nicht weit. Aber was, wenn die auch voll sind? An der Mobola Lodge angekommen ist erstmal keiner da, was die schlechte Vorahnung nicht gerade entkräftet. Aber wir treffen eine sehr nette südafrikanische Dame, die mit ihrer Begleitung in einem Bungalow logiert, obwohl sie einen Stellplatz für’s Campen reserviert hatten. Wir könnten dann ja einfach ihren Platz nehmen.

Der Inhaber taucht dann doch irgendwann auf und stellt sich als Deutscher aus Sachsen-Anhalt heraus (schwer zu überhören). Er hat noch mehr als genug Plätze frei, nur noch zwei andere Camper außer uns sind hier. In diesem Moment fällt alle Anspannung von mir ab. Wie gut es nach solchen langen Tagen doch auch mal tut, in seiner eigenen Sprache empfangen zu werden. Wir fühlen uns sofort zu Hause. Wir werden allerdings, anders als zu Hause, auch noch einmal explizit auf den Passus hingewiesen, dass es hier Krokodile, Hippos und giftige Schlangen gibt…

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Die Mobola Lodge gefällt uns außerordentlich gut. Es gibt zwar „nur“ Gemeinschaftsbäder, die sind aber in allerbestem Zustand. Man kann hier, wenn man will, direkt am Ufer des Okavango sein Zelt aufschlagen. Wir entscheiden uns aber, heute lieber nicht von Krokodilen gefressen zu werden, und nehmen den Platz, der vielleicht 10 oder 15 Meter vom Ufer entfernt und etwas erhöht ist. Wir haben einen eigenen überdachten Küchenbereich. Hier sieht man sofort, dass alles von Deutschen gebaut ist – wohl vom Hausherrn selbst, der uns eben noch von seinem neuesten Heimwerkerprojekt berichtet hat. Jeder Winkel ist penibel gerade. Alles ist handwerklich in höchstem Maße perfektioniert, bis hin zur Waschbecken-Armatur. Eine kleine Buschdusche hinter Schilfmatten haben wir auch. Tolles Detail: Eine Treppe führt hoch zu einer Aussichtsplattform. Die braucht man aber nicht zu nutzen – denn zur Lodge gehört noch eine Sunset-Bar, die über eine Hängebrücke erreichbar auf einer kleinen Insel mitten im Okavango liegt.

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Erstmal ist mir aber warm und ich springe in den kleinen Pool, der im Stil eines tropischen Teichs mit einem kleinen Wasserfall sehr idyllisch auf einer Holzplattform am Ufer liegt. Derweil berichten andere Reisende von einer schwarzen Mamba, die sie angeblich gesehen haben. Und ich wundere mich noch, was da vorhin im Busch so geraschelt hat auf dem Weg zum Bad – zum Glück bin ich dem Impuls der Neugierde nicht bis zum Ende gefolgt … 🙄

Idyllisch ist es hier, das muss man wirklich sagen:

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Nach der kurzen Erfrischung geht’s zum Sundowner an die Bar. Wow. Auf einmal sind wir am Okavango und trinken Bier und Savanna mitten über dem Fluss, 15 Meter von Angola entfernt. Mein Gehirn kann diese Info kaum verarbeiten. Aber es ist großartig. Ein toller Sonnenuntergang. Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt unserer Reise – das spüren wir sofort.

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Utensil des Tages: Desinfektions-Tücher – ich hätte es vorher nicht gedacht, aber die können verdammt nützlich sein. Und natürlich unser Espresso-Kocher
Teil 1315. Juni 2019
Tag 12: Ein Bett!

Beim Aufwachen am Okavango müssen zunächst zwei Dinge geprüft werden. Erstens: Liegt ein Krokodil vor’m Zelt? – Nein, tut es nicht. Aussteigen also gefahrlos möglich. Zweitens: Hattest du Albträume? Nein, ich auch nicht. Nicht mehr wirres Zeug als sonst jedenfalls. Malarone scheinen wir also zu vertragen.

Unser Tag startet heute mit einer Bootsfahrt, da wir die Sundowner-Tour gestern verpasst haben. Mit dabei unser einheimischer Bootsfahrer, und der Sohn der Lodge-Besitzer, vielleicht ein paar Jahre jünger als wir. Ich sage mal so: Beneidenswertes Leben…

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Wir schippern also etwas auf dem Okavango rum, diese Bootstouren sind ja meistens mehr entspannend als spektakulär und der Okavango irgendwie auch ein relativ normaler Fluss. Doch nach zehn Tagen Trockenheit sind so große Wassermassen schon relativ faszinierend. Lukas findet vor allem Krokodile faszinierend, die er hofft, jetzt zu sehen. Überhaupt stelle ich fest, dass unsere Vorliebe für gewisse Tiere gänzlich verschiedenen Mustern folgt: Ich bin begeistert von Elefanten, Giraffen, Nashörnern, und allem, was irgendwie flauschig und süß ist. Er steht auf Krokodile und Ziegen und Marabous. Die rebellischen, sturköpfigen, die auf Konventionen scheißen, und auch ein bisschen fies sind. Was das über uns aussagt?

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Aber siehe da: Wir haben Glück und begegnen zwei Krokodilen. Darunter sogar eines, das uns die seltene Freude einbringt, ein sich-bewegendes Krokodil zu sehen. In Südafrika haben wir tagelang Krokodile angestarrt, weil Lukas unbedingt sehen wollte, wie sie sich bewegen. In der Regel tun sie das aber eher mal so gar nicht. Hier haben wir aber ein ordentliches Exemplar, das wahnsinnig schnell ins Wasser sprintet. Wie fix das unterwegs ist! Zu fix für mich und die Kamera...

Es gibt Kaffee aus der Thermoskanne und Kekse. Zwischendurch bekommen wir ein bisschen was erzählt, auch über das Wesen dieses Grenzflusses zwischen Namibia und Angola. Eine Grenzziehung, die, wie es aussieht, sehr europäischem Denken entspringt. Jedenfalls fühlt es sich sehr europäisch gedacht an, den Fluss, das Wasser, als etwas Trennendes zu begreifen und nicht als etwas Verbindendes und Lebensspendendes. Ist es nicht viel logischer, dass der Fluss, der Ressource für Wasser und Fische ist, den Mittelpunkt, die Lebensader bildet? Da viele auf der anderen Seite zur Schule gehen, Verwandte haben und so weiter, der nächste offizielle Grenzübergang aber zwei Stunden entfernt in Rundu liegt, gibt es in jedem Ort eine Stelle, wo es erlaubt oder geduldet ist, die Grenze zu überqueren. Bürokratie trifft Realität – und schnell wird aus dem Motiv „Mann im Boot“ das Motiv „Grenzgänger“:

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Irgendwann sehen wir ein Hippo, wobei „sehen“ eigentlich das falsche Wort ist, ein paar wackelnde Ohren und ein Blubbern zeigen aber das Vorhandensein eines solchen an. Das gute Nilpferd überlegt sich dann auch ganz spontan, dass es doch mal gerne unseren Bootsmotor angreifen möchte. Wir lernen: Wenn Guides gar nichts mehr sagen, und dann hinterher sowas wie „huch, achja, das Hippo hat grad unseren Motor angegriffen, haha, das war knapp! Aber das passiert manchmal, haha“ – dann war es vielleicht auch mehr als nur ein bisschen knäpplich.

Als der Sohn der Eigentümer, der hier offenbar noch ein bisschen anlernt, auf der Sundower-Bar-Insel von Bord geht, und wir das letzte Stück weiterschippern, wird unser Bootsführer auf einmal viel gesprächiger. Er erzählt eine ganze Menge aus seinem Leben, wo er früher als Kind gespielt hat, wie sie fischen, was er über Deutschland weiß, dass er immer noch einen Kochtopf hat, den seine Großmutter von den Deutschen bekommen hat, den er so liebt, weil er immer damit kocht und der trotzdem noch so gut in Schuss ist. Er erzählt auch, dass die Leute, die die Gärten direkt am Fluss bewirtschaften, (ver)hungern, obwohl sie direkt am Fluss leben, weil sie ihre Pflanzen nicht ausreichend bewässern können. Nur wer es körperlich schafft, in der fiesesten Hitze den ganzen Tag Wasser vom Fluss auf das Beet zu schleppen – oder sich eine Pumpe leisten kann – ist in der Lage, sein Gemüse ausreichend zu bewässern. Wir sind betroffen, aber schätzen diese Gelegenheit, solche Einblicke zu bekommen.

Nach der Bootsfahrt – es ist immer noch früh – brechen wir auf, fast ein bisschen traurig, wir wären gerne noch eine Nacht hiergeblieben. Aber für heute haben wir ein Zimmer-Zelt im Camp Kwando gebucht – eine der wenigen, wirklich bezahlbaren Lodges (wir haben dafür glaube ich 180 Euro in Dinner, Bed & Breakfast-Variante bezahlt) und wir wollten diese Luxus-Welt einmal erleben. Heute Morgen wollen wir allerdings erstmal noch eine Runde durch die Mahango Core Area fahren. Verabschiedet werden wir noch von diesem kleinen, lustigen Kerlchen:

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Wieder on the road durchqueren wir erstmal Divundu, und sind sehr froh, dass wir in Rundu alle Einkäufe erledigt haben. Wir dachten, hier wäre ein richtiger Ort, aber es ist gefühlt nur eine Tankstelle,. Oder haben wir den Rest übersehen? Egal, wir brauchen ja nix mehr. Hinter der Tankstelle geht es rechts rein, nach einiger Zeit fahren wir da vorbei, wo die Popa Falls gewesen wären, wenig später endet die Asphaltstraße und wir denken zum Glück an die Staubklappe.

Am Mahango Gate zahlen wir gefühlt nichts für den Eintritt, sehen an der Sichtungstafel sehr viele Einträge von „Wild Dogs“ und bekommen von einer freundlichen Officerin erklärt, wo wir langfahren können und welche Teile 4x4 sind. So richtig einleuchten tun uns die Beschreibungen aber nicht und es passiert mal wieder, was häufig passiert: Jeder nickt, und hofft insgeheim, dass der andere es irgendwie besser verstanden hat.

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Die Erkenntnis, dass das nicht so ist, folgt prompt, und so bleibt uns nicht viel mehr übrig, also uns wieder auf Maps.me zu verlassen.
Also erstmal los! Da wir später noch die komplette Transitstrecke auf der B8 hinter uns bringen müssen, sind wir unsicher, ob wir die 4x4-Stellen fahren sollen und lassen erstmal keinen Reifendruck ab. So ganz eindeutig klingt es auch nicht, was uns die Dame da erzählt hat, in Bezug auf Sand – „not sandy but 4x4“ – aha. Wir haben zwar keinen Stress, doch für Steckenbleiben und Experimente dann auch wieder nicht genug Zeit. Andererseits würden wir auch gerne die Wildhunde am Wasserloch sehen… dazu müsste man irgendwann rechts. Nach kurzer Zeit geht dann rechts auch eine Stichstraße ab, die aber durch Baumstämme versperrt ist. Wäre das jetzt die Zufahrt zum Wasserloch? Ist sie absichtlich versperrt oder zufällig blockiert? So zufällig kann ein Haufen Baumstämme doch gar nicht auf den Weg fallen! Zumal wir eben noch vom Wasserloch erzählt bekommen haben. Und doch, ein Rüberkommen scheint da nicht, jedenfalls trauen wir uns das nicht.

Also fahren wir doch erstmal geradeaus weiter. Links eröffnet sich relativ bald die Flussebene. Ein toller Ausblick, so schön grün, und wir sehen viele Tiere. Diverse Antilopen, neben Kudu auch Lechwe, und natürlich viele Vögel.

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Ein Adler fasziniert uns eine ganze Weile.

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Irgendwo im Wasser hockt ein Hippo.

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Seine Freunde sind auch da.

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Es gibt hier einen ziemlich großen Baobab – die mag ich, und wollte schon immer mal einen so großen sehen.

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Besonders bemerkenswert, dass dieses Exemplar blüht. Wenn man bedenkt, dass Affenbrotbäume nur einmal im Jahr Blüten tragen, und eine einzelne Blüte nur 24 Stunden geöffnet ist, bis sie verblüht – was für ein Glück!

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Ich bin begeistert, traue mich aber nicht, auszusteigen (was man hier wohl dürfte) und so bleibt es bei dem kurzen Glück und ein paar Fotos.

Schön ist, dass man hier ein paar Loops direkt am Fluss langfahren darf. Denken wir, und genießen die Aussicht. Bis wir die Verbotsschilder sehen. Uppsi. Die hätte man strategisch wohl günstiger aufstellen können. Naja, hat ja keiner gesehen – denn hier ist einfach mal niemand. In diesem Park scheinen wir so ziemlich die einzigen zu sein, und so verlassen wie er wirkt, so wenig beschildert ist er auch. Man hat fast das Gefühl eine einsame Gegend zu erkunden. Die Landschaft ist wirklich schön und auch wenn wir erstmal nix so richtig Großes zu Gesicht bekommen, sind wir hier glücklich. Es gibt überall etwas zu entdecken.

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Nachdem wir eine Weile den Park erkundet haben – ein paar Sandstellen gibt es dann doch noch, in denen sich Lukas das erste Mal an den 4x4-Modi erprobt – drehen wir dann aber doch um. So richtig wissen wir nicht, wie wir denn nun zu diesem Wasserloch kommen sollen. Was soll’s! Wir fahren einen Weg zurück, der nicht am Fluss langführt sondern eher durch die Mitte durch. Und dann gibt es doch noch eine Großwild-Wegblockade:

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Wir halten in sicherer Entfernung und lassen die Gruppe passieren. Wenig später wartet ein weiterer ungewohnter Anblick wartet auf uns: Eine sitzende Giraffe! Ich wusste gar nicht, dass die dazu überhaupt in der Lage sind. Sie chillt da einfach so unter ihrem Baum, ganz lustig.

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Am Ende gibt es noch einen Konflikt unter Pferdeantilopen, der in dieser Form leider nicht seinen Weg auf das Bildmaterial gefunden hat.

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Zurück nach Divundu, dann geht es weiter. Und das bedeutet heute mehr denn je: Immer der Nase nach. Und meine Nase ist sehr gerade.

Wir fahren die B8 auf dem Verbindungsstück zwischen Divundu und Kongola. Das bedeutet: Hier ist NICHTS. Hatte ich beim gestrigen Tag behauptet, dass das Stück zwischen Grootfontein und Rundu langweilig ist, dann war das eine krasse Untertreibung. Da wusste ich nicht, wovon ich sprach. Hier in diesem schmalen Streifen zwischen Botswana und Angola offenbart sich uns: Die Unendlichkeit in Form einer Straße. Copy & Paste mit Asphalt.

Eine Straße, schnurstracks geradeaus. Keine Kurven, keine Kuppeln, keine Hütten, keine Ziegen (ja, selbst die vermisse ich heute schmerzlich!). Nur: Links Wald. Rechts Wald. Schilder, die vor Elefanten warnen und beschwören, dass man nur 80 fahren soll. 80! Das hier ist gerader als die Autobahn! Und so leer als wären wir die letzten zwei Menschen auf der Welt. Also ich verstehe das mit dem Langsamfahren wegen kreuzender Elefanten schon, aber es ist, als müsste man versuchen, eine besonders monotone Arbeit extra langsam zu erledigen. Das Gehirn will einfach automatisch schneller machen und es erfordert extreme Konzentration, hier auf Dauer zu fahren.

Glück wie ich habe, habe ich das Glück, dieses schöne Stück zu erwischen. Da es auf den ganzen 200 Kilometern etwa 1,5 Parkplätze gibt, und sonst das Anhalten glaube ich sogar verboten ist (es gab jedenfalls ein mysteriöses Straßenschild, das wir bis heute nicht gänzlich entschlüsselt haben) bin ich dann auch dazu verdammt, das komplette Stück zu fahren.

Erst hilft reden.
Dann Podcasts.
Irgendwann hilft einfach nur noch singen.

Selbst eine Viertelstunde auf dieser langweiligen Straße zu fahren ist schon eine Tortur. Mangels Autos, mangels neuen Objekten, mangels irgendetwas, woran sich das Auge haften kann, geht das Gehirn schnell in den Autopilot über und der Blick verschwimmt. Dabei muss man ja schon aufpassen, dass man konzentriert bleibt, denn die Elefanten, die überall auf den Schildern zu sehen sind, sind sicherlich kein Mythos. Irgendwann, als es einfach nicht mehr zu etragen ist, mache ich die Playlist mit meinen absoluten Lieblingsliedern an, die ich alle vollständig auswendig kenne – und singe einfach die ganze Zeit mit. Der einzige Weg, den totalen Gehirn-Shutdown zu verhindern. Eine plötzliche Elefantenüberquerung passiert uns zum Glück nicht, obwohl ich mich vage zu erinnern meine, dass an irgendeinem Punkt mal einer irgendwo zu sehen war. Lukas vergisst vor lauter Langeweile, sich über meinen Gesang lustig zu machen.

Irgendwann, nach zähen zweieinhalb oder drei Stunden, sind wir dann in Kongola, ein Glück, zumindest für meine Stimme. Auch hier gibt es eine Tankmöglichkeit und auch ein Geschäft, aber kein Supermarkt der bekannten Marken, sieht so aus, als wäre das eher ein improvisierter Laden, der sich aber „Kaza Kongola Shopping Center“ getauft hat. Ich bin kurz versucht, aus reinem Interesse zu besichtigen, lasse es dann aber sein.

Die Anfahrt zum Camp Kwando dauert noch einmal eine halbe Stunde und ist unkompliziert. Hier angekommen stehen wir vor einer ungewohnten Situation: Wir parken unser Auto auf einem Parkplatz, und lassen es auch da. An der Rezeption werden wir begrüßt, bekommen unseren Schlüssel und alles erklärt. Im Camp Kwando arbeiten wohl nur Einheimische aus der Gegend, man versucht, alles möglichst ökologisch und sozialverträglich zu machen. Wir fragen auch direkt nach Aktivitäten. Eine zweite Bootsfahrt hatten wir eigentlich nicht geplant, stattdessen wollten wir den Lodge-Aufenthalt nutzen, uns mal einem geführten Game Drive anzuschließen. Laut Internetseite wird das auch angeboten. Man erklärt uns aber, dass sich mindestens vier (oder sechs?) Gäste für den Game Drive anmelden müssten. Das ist natürlich nicht passiert. Na toll. Und dann? Bleibt uns nichts, als doch die Bootsfahrt, aber erst morgen früh. Derweil müssen wir noch zusehen, dass man unseren Kühlschrankinhalt irgendwo kühlen kann, denn die Unterkünfte haben keinen – aber das ist zum Glück kein Problem, wir könen den Kram einfach abgeben.

Unser Safarizelt fühlt sich auf den ersten Blick an, wie purer Luxus:

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Ein Bett! Wir legen uns aufs Bett. Was für eine simple Handlung, aber so wohltuend, nachdem dieser Zustand so lange Zeit nur kletternd, reißverschlussauffummelnd und ungelenk reinrobbend erreichbar war. Und das Gefühl von frischer, weißer, crispy Bettwäsche. Der absolute Safari-Traum was die Einrichtung angeht, zumindest, wenn man so etwas noch nie live erlebt hat.

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Etwas schockiert bin ich allerdings, als ich feststelle, dass das Badezimmer – auch die Toilette – im selben Raum ist wie das Bett. Ich meine, es ist hübsch eingerichtet, keine Frage. Und man hat zwar mehrere Wandteilstücke geschickt so versetzt verbaut, dass von nirgends ein Blick dorthin möglich ist, doch von Türen oder Wänden kann hier keine Rede sein.

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Mich haben auf unseren ersten gemeinsamen Urlauben schon Badezimmer, die direkt neben dem Bett sind – aber mit Tür – nahezu traumatisiert. Gut, das ist jetzt auch schon einige Jahre her, aber für Frischverliebte ist das hier ja nix. Zumal es sich bei den Außenwänden dieser Hütte auf Stelzen auch um Zeltstoff handelt – nicht direkt ein geräuschdämmendes Material. So muss dann jede Benutzung der Toilette auch angekündigt werden, damit der andere bloß draußen auf der Terrasse sitzenbleibt...

Aber auch diese Umstände sind natürlich nicht wirklich so schlimm, wie man es im ersten Moment empfindet, und wir fühlen uns hier insgesamt einfach sehr wohl. Es tut gut, mal wieder ein bisschen Zivilisation zu verspüren, von der Dusche im Handtuch zum Bett zu gehen, nichts zu organisieren. Heute ist es dann endlich mal Zeit, in einen Pool zu springen, und es ist wunderbar, in so einem grünen, schönen Garten einfach auf dem Rasen zu sitzen:

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Nach der Erfrischung und Garten-Entspannung lesen wir noch bis die Sonne untergegangen ist auf unserem Balkon direkt am Kwando:

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Weil wir’s uns heute gleich ganz gut gehen lassen wollen, trinken wir vor dem Abendessen unseren ersten Gin Tonic an der Bar. Denn mangels zweiter Batterie im Auto könnten wir grundsätzlich keine Eiswürfel gefroren halten und ohne Eis kann ich dann auch gleich auf Gin Tonic verzichten. Außerdem ist das Zeug doch ganz schön stark bei der Hitze… da sind wir dann vielleicht schon ein bisschen angedüdelt und lassen uns beim Abendessen, das aus drei Gängen besteht und ziemlich lecker ist, auch noch zu einer Flasche Rotwein hinreißen.

Hier gibt es wahnsinnig viel Personal, das einen umschwärmt – wir fühlen uns damit ein wenig unwohl, weil sich gefühlt koloniale Strukturen wiederspiegeln, diskutieren das Thema aber ausführlich und kommen dann doch zu dem Schluss, dass es gut ist, möglichst vielen Leuten hier einen Job bieten zu können. Man merkt dann aber doch: Die Wein-Präsentations-und-Öffnungs-Zeremonie (nicht, dass die nötig wäre) folgt zwar bekannten Mustern, doch man spürt, dass sie einstudiert ist, die Kellnerin selbst wahrscheinlich noch nie einen Wein so serviert bekommen hat. Ein bisschen schade, dass der grundsätzliche Gast so viel tam-tam offenbar auch hier im Busch verlangt. Auf der anderen Seite ist das Gefühl, das Luxuriöse zu erleben – und sich dabei nicht einmal fehl am Platz zu fühlen – auch recht wohltuend.

Ich weiß gar nicht mehr, wie genau wir dann noch den Rest des Abends verbracht haben aber ich weiß, als ich mich in die weichen Kissen sinken lasse: Heute Nacht werde ich unfassbar gut schlafen.

Utensil des Tages: Lebensrettende offline-Playlisten bei Spotify.
Teil 1415. Juli 2019
Tag 13: Sichtbares und Unsichtbares – Teil 1

Auch das Frühstück im Camp Kwando ist eine willkommene Abwechslung zu Müsli, neben einem Buffet mit Toast, Aufschnitt usw. kann man ein warmes Frühstück in verschiedenen Varianten bestellen. Ich nutze die Gelegenheit und gönne mir Eier, Bacon und Bohnen. Lecker.

Dann ist es auch schon Zeit für die Bootstour. Da wir mit unserem morgenfokussierten Bootsfahrrhytmus anscheinend die einzigen sind, ist es mal wieder eine private Tour in einem echt kleinen Boot. Auch hier wird vor Krokodilen gewarnt, eingebettet in die touristische Lodge-Atmosphäre neigt man aber dazu, das Schild nicht so ganz ernst zu nehmen - könnte auch im Zoo sein.

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Unser Guide ist nett, aber erzählt erstmal gar nicht so viel, weshalb wir vorwiegend in der Gegend rumschippern und noch leicht verschlafen die Natur auf uns wirken lassen. Immerhin sieht der Fluss heute ein bisschen anders aus. Aber so richtig steckt erstmal kein kommunikatives Konzept dahinter. Zum Glück habe ich im Reiseführer selbst was über die geologischen Gegebenheiten gelesen. So ist es eher eine Entspannungsfahrt, aber der Guide zeigt uns ab und zu ein paar Vögel, deren Namen wir uns nicht merken können. Hier ein Foto vom Ufer, auf dem aber kein Vogel zu sehen ist 🤩

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Irgendwann wird’s dann aber doch noch etwas spektakulär: Wir kommen an den Überresten einer Kuh vorbei, die offenbar einem Krokodil zum Opfer gefallen ist - gruselig. Das Krokodil soll angeblich auch noch da sein, aber wir sehen es irgendwie nicht. Allerdings: Das mit den toten Tieren, das hört ab jetzt irgendwie nicht mehr so richtig auf. 🙄

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Ein anderes Boot ist noch unterwegs, es ist deutlich größer als unseres.

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Dass so ein größeres Boot auch Vorteile haben kann, wird uns etwas später bewusst. Denn wir sind die ersten bei einer Hippo-Gruppe, die wir eine ganze Weile relativ aus der Nähe beobachten. Blubb, blubb, blubb. Hippos sind ja schon faszinierend.

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Dann kommt allerdings das andere Boot und fährt mehr oder weniger zwischen uns und den Hippos vorbei. Unser Guide entscheidet sich dann, auch ein kleines Stück vorbeizufahren um dann zu wenden und nah am Ufer nochmal eine Möglichkeit zur Beobachtung zu geben (zumindest deutete ich so seine Manöver, vielleicht war auch etwas ganz anderes der Grund). 😄

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Nur: Dann wird irgendwas komisch. Irgendwie sind es jetzt viel weniger Hippos als vorher... Hm. Und es werden immer weniger. Wo die wohl hin sind? Irgendwann entscheidet sich der Guide offenbar, dann doch langsam mal wieder weiterzufahren... und da tauchen dann auch die letzten Hippos ab. Und nu? Irgendwo müssen die ja hin sein…öhem… ihr könnt es euch wohl denken... und ihr erinnert euch vielleicht noch, was ich im letzten Kapitel über stille Guides geschrieben habe. Auf einmal wird unser Guide sehr, sehr schweigsam. 🙄 Und dann fährt er ganz schnell davon. Und auf einmal taucht direkt hinter uns wieder ein Hippo-Kopf auf.

Noch viel mehr als gestern spüren wir, dass es dieses mal echt knapp war, und unser Begleiter braucht gefühlt eine ganze Weile, bis er wieder mit uns spricht.

Zur Auflockerung nach dem täglichen Hippo-Angriff gibt's dann noch ein Krokodil, da wir auch sehen – und ein kleines Seerosen-Ritual. Dabei wird die Frage beantwortet, was diese komischen Gräser sind, die überall hier am Ufer wachsen: Papyrus!

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Und jetzt kommt doch noch ein bisschen mehr Storytelling in die Tour. Der Guide zeigt uns, wie er daraus in sekundenschnelle ein ziemlich reißfestes Seil knotet. Relativ faszinierend, muss ich sagen. Und ein wenig finde ich es auch immer wieder beschämend, dass wir uns so weit von so nützlichen und einfachen Naturmaterialien entfernt haben. 😕

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Anschließend müssen wir noch Seerosenketten basteln, sie uns umhängen, was relativ seltsam aussieht, da man sie als Mann um die Stirn binden muss. Ein Hochzeitsritual. Man setzt die Seerosen anschließend aufs Wasser und wenn sei dann noch schwimmen, und nicht untergehen, hält die Liebe ewig.

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Zum Glück können wir für uns feststellen: Sie hält ewig. 🤩

Dann sind wir irgendwann auch wieder zurück. Ich muss sagen, die Bootsfahrt war wirklich nett, aber die von gestern war einfach interessanter, weil der Guide freier aus seinem Leben geplaudert hat, vielleicht weil er auch ein wenig besser Englisch konnte. Ich muss sagen, an zwei Tagen hintereinander brauche ich dieses rumschippern jetzt nicht unbedingt. Rückblickend war das beste daran der Witz über den täglichen Hippo-Angriff. 😗 Aber wenn es sich anbietet, warum nicht.

Am Ende sehen wir noch kurz unseren Zeltbungalow vom Wasser:

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Zurück im Camp fällt uns zum Glück noch rechtzeitig ein, dass wir ja unseren Kühlschrankinhalt noch zurückholen müssen. Das wär lustig gewesen, so ohne Verpflegung die nächsten drei Tage. Und dann geht’s weiter. Mangels angebotener Touren haben wir also entscheiden, uns selbst auf den Weg zum Horseshoe zu machen. Dass es tiefsandig ist, wissen wir – und haben auch diverse andere Dinge gehört. Unsere Reiseführer haben aber nicht unbedingt davon abgeraten. Bei der Tour gestern im Mahango haben wir zwar auch schon an der ein oder anderen Stelle mal kurz ins 4H geschaltet, aber das ist natürlich kein Vergleich. Ich bin also ein wenig nervös, ob das alles so gut geht, letztlich wird uns aber in ein paar Tagen, in Botswana, ohnehin einiges an Tiefsand erwarten, also umso besser, wenn wir es jetzt schonmal ausprobiert haben – an einem Tag, an dem wir nicht darauf angewiesen sind, Strecke zu machen.

Also geht es erstmal eine halbe Stunde wieder zurück nach Norden, nochmal durch Kongola durch und ein kleines Stück nach Westen. Wir sind erstmal unsicher, wo eigentlich genau der Eingang zum Park ist, weil zwei Straßen von Norden aus in den Park zu führen scheinen, letztlich ist aber alles ganz gut ausgeschildert und wir finden den Weg. Am Gate begrüßt uns ein netter Officer, der sich erstmal viel Zeit nimmt, über alles Mögliche mit uns zu quatschen. Finden wir erstmal ganz witzig und spannend, die ganzen Bücher voller Namen und Kennzeichen zum Beispiel, auf die er deutet, und was er sonst noch so erzählt. Nach einer Zeit haben wir aber schon das Gefühl, dass wir irgendwann mal losmüssen. Leider ist er nicht so ganz unaufdringlich und hat sich den schönen Plan ausgedacht, dass wir doch mit allen unseren Freunden nochmal nach Namibia kommen könnten, er uns dann alles Mögliche zeigt, und wir als Dankeschön alle zusammenlegen und ihm ein Flugticket nach Europa kaufen. 😄 Okay… interessante Idee, wir sind wohl nicht die ersten, die den Vorschlag zu hören bekommen. So ganz realistisch scheint mir der Plan aber nicht zu sein. Wir kommen trotzdem nicht aus der Sache raus, ohne dass wir die Nummer von dem Kerl einspeichern, und ein vages Versprechen dalassen, uns zu melden. „Das sagt ihr jetzt, aber macht ihr dann eh nicht, wetten?“ – ist noch so ungefähr eine seiner letzten Aussagen. Ja gut, wenn er das eh schon weiß, warum ist ihm dann so viel daran gelegen… 🙄

Irgendwann befreien wir uns aus dem Gespräch, es kommt auch gerade praktischerweise ein neues Auto an. Es ist nicht viel los heute. Jetzt müssen wir aber erst nochmal Luft aus unseren Reifen lassen. Erste Zweifel kommen auf, ob sich der ganze Aufwand überhaupt lohnt – aber nun sind wir eben hier. Erstmal unser Luftdruckmessgerät suchen, das wir extra noch gekauft haben, für den Fall, dass das mitgelieferte defekt sein sollte. Es stellt sich aber heraus, dass man sich auf den Kram von Mona und Norbert verlassen kann, auf unseren selbstbesorgten weniger. Wir lassen also fröhlich die Luft ab auf 1,5 oder 1,8 Bar. Wer weiß das jetzt schon noch, wie viel das eigentlich war – damals war mir nichts vertrauter, als dieses Wissen 😊 Und kommen uns dabei echt merkwürdig vor. Man hat eigentlich gar keinen Plan, was man tut, versucht aber, möglichst souverän dabei auszusehen.

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Während wir also noch so am Werkeln sind und versuchen, so auszusehen, als wäre das alles selbstverständlich für uns, hält nebenan noch ein Auto. Hat sich das Souverän-Tun also gelohnt! Es steigt einer aus. Und ich denke nur so: „Den Typen kenn ich doch.“

Eine Reaktion, die hier im gefühlten Nirgendwo dann wieder eine äußerst große Verwirrtheit meines Gehirns anstößt, denn das kann ja gar nicht sein, dass mir hier jemand Bekanntes über den Weg läuft. Aber doch: Es ist der Sohn der Lodge-Besitzer von der Mobola Lodge, der auch auf unserer Bootstour dabei war. Er erkennt uns sogar noch – und wir haben erstmal nichts Besseres zu tun, als das ganze schöne Souveränitätskonstrukt in sich zusammenfallen zu lassen, indem wir smalltalkmäßig erwähnen, dass wir das hier ja gerade zum ersten Mal machen. Während er uns wissen lässt, dass sie das ja immer einfach mit dem Taschenmesser machen und nach Gefühl. Ja gut. Wir sind halt Noobs. Aber wir unterhalten uns kurz sehr nett und fühlen uns direkt etwas entspannter, als es dann wirklich losgeht, in unser erstes echtes Tiefsandabenteuer. 🤩

Der Anfang vom Weg geht auch noch so, doch relativ schnell wird es wirklich, wirklich sandig.

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Kein Problem, wir haben ja einen Geländewagen. Also… rechtzeitig umschalten… und so. Wir probieren es erst einmal wieder mit 4H, weil wir der Meinung sind, Norbert hätte uns dazu geraten. Es pflügt sich so durch… aber es geht echt nicht leicht, Lukas hat so seine Probleme, und es hubbelt wie verrückt. Noch eine Weile probieren wir das so, bis wir dann doch ins Grübeln kommen. Langsame Untersetzung macht ja auch einfach so viel mehr Sinn… doch der Vermieter müsste es doch auch wissen… ich konsultiere etwas verwirrt das Benutzerhandbuch. Es ist glaube ich das erste Mal, dass ich ein Handbuch eines Autos lese. Jedenfalls finde ich hier klar die Info, dass bei tiefem Sand 4L weiterhelfen kann. Etwas verwirrend ist dann noch die Beschreibung, welche Gänge man nun wie stehend oder fahrend umschalten soll. Aber dann haben wir’s – und gleiten auf einmal mit 4L hubbeln aber irgendwie sanfter hubbelnd durch das Sandmeer. Ich fühle mich wie auf einem Schiff und kenne viele Leute, die bei diesem Fahrerlebnis schon direkt seekrank geworden wären. Für mich ist es eher lustig, und so hubbel-gleiten wir so durch den Park.

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An Tieren sehen wir leider erstmal überhaupt nichts. Außer: Zweimal Impala-Mutter mit Baby beglückt das Kindchenschema:

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Und die sumpfige Landschaft ist echt schön:

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Hier gibt es einige Hochstände, da trauen wir uns auch mal, auszusteigen.

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Und an dem zweiten sehen wir dann doch was großes Graues! Wir beobachten sie eine ganze Weile, und zählen immer und immer mehr – sie scheinen gerade dabei zu sein, das Wasser zu überqueren.

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Leider stellt sich heraus, dass der größere Teil der Elefantenherde genau da steht, wo eigentlich unser Weg langgeht. Und leider die Verstärkung auch eher auf unsere Seite rüberkommt. Der Aufbau des Parks ist irgendwie verwirrender ist als bisher, und die Navigation mit maps.me funktioniert, aber wir fühlen uns doch einsamer und ausgelieferter und nicht so richtig motiviert, scheinbare Nebenrouten auszuprobieren. Sicher auch aufgrund des Sands, vor dem wir Respekt haben, der uns gefühlt irgendwie verletztlicher macht, weil wir nicht einfach schnell in drei Zügen wenden können. Kann man überhaupt wenden, in diesem tiefen Sand? Viele Fragen.

Wir bleiben also in gehörigem Abstand hinter der Herde und warten erstmal ab, was passiert. Vielleicht verziehen sie sich ja doch bald wieder und es gibt auch einige Paviane, die sich gerne als Portrait-Model bereitstellen:

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Warum starren die mich bloß so an?

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Lasst mich doch in Ruhe...

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Die Elefanten scheinen sich immer wieder etwas zuzurufen und wir fragen uns, ob wir wohl auch Thema der elefantischen Konversationen sind. Auf jeden Fall scheint die Herde, je mehr Tiere rüberkommen, sich eher in unsere Richtung auszuweiten. Wir haben aufgrund des dichten Gestrüpps kein Gefühl dafür, wie viele es sind, gefühlt werden sie aber aufmerksamer in unsere Richtung. Scheinen fast ein bisschen nervös. Also, eigentlich haben wir keine Ahnung, aber wir meinen auszumachen, dass sie uns hier nicht so gerne haben wollen. Das ist uns zu heikel, und wir drehen vorsichtig auf einem etwas festeren Bodenstück neben der Spur um. Soll es das etwa schon gewesen sein?

Ich schaue noch ein letztes Mal bei maps.me, und finde dann doch noch einen Weg, der deutlich weiter am Fluss entfernt zum Horseshoe zu führen scheint. Jetzt fällt mir auch ein, mal in einem Bericht gelesen zu haben, dass der Weg am Fluss gesperrt sein soll (von einer Sperrung durch Menschenhand war hier allerdings keine Spur), und es eine Umfahrung gibt. Also dürfte das ein ganz normaler Weg sein, den wir nutzen können. Problem gelöst – oder?

Wie es weitergeht, erfahrt ihr im nächsten Teil 😛
Teil 1508. Aug. 2019
Na gut, ihr werdet belohnt, es geht endlich weiter. 😄


Tag 13: Sichtbares und Unsichtbares – Teil 2

Tatsächlich erweist sich der Ersatzweg als sehr fahrbahr und wir schaukeln noch einen Moment dahin, bis wir auch schon da sind: Am Horseshoe! (Ja ich weiß, der Cliffhanger war etwas übertrieben und willkürlich gesetzt aber ich verspreche, das mach ich so nicht mehr... 🤪 ) Der Horseshoe hat tatsächlich die Form eines Hufeisens, was auch für sich schon schön aussieht, nur leider nicht aufs Foto passt. Dort angekommen sehen wir erstmal nichts und besteigen direkt den Hochstand. Man weiß ja nie, wozu es gut ist.

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Und trauen unseren Augen nicht: Erst von oben sehen wir, was da hinten eigentlich los ist. Sind das alles Elefanten? Was erst als große graue Masse gar nicht so ins Auge fiel, ist eine Herde von mehreren hundert Tieren, die gerade langsam – aber irgendwie auch erstaunlich schnell – am Abziehen ist.

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Wow. Ich bin völlig geflasht, und muss erstmal wieder runter zum Auto um die Kamera zu holen, die auf der Strecke geblieben ist, weil wir von unten noch gar keine Tiere gesehen hatten. Bis das erste Foto passiert, ist die Herde schon wieder ein ganzes Stück weiter gerückt, und viele sieht man auf den Bildern auch gar nicht, weil sie irgendwo kaum sichtbar zwischen Bäumen und Büschen verschwinden.

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Aber es zählt ja die Erinnerung. Wir versuchen einen großen Überschlag zu machen, wie viele Tiere das sind, und kommen auf mindestens zwei- bis dreihundert, vielleicht sogar mehr. Es ist einfach unzählbar, und je länger man guckt, desto mehr entdeckt man auch noch weiter hinten zwischen den Bäumen stehend. Ich hatte ja von "großen Elefantenherden" gelesen, aber irgendwie dachte ich da eher an eine Zahl von 50, vielleicht noch gerade so 80, aber nicht mehrere hundert. Schade, dass sie doch recht weit weg sind, denke ich noch – und dann gerät auf einmal ein Teil der Herde in Panik und lässt mich diesen Gedanken sofort wieder verwerfen. Die "wild gewordenen" Elefanten rennen in einem irren Tempo davon, eine Staubwolke wie ein Tornado hinter sich herziehend. Genau auf einen Geländewagen zu, der etwas weiter südlich am Ufer steht. Ich mache mir ernsthaft Sorgen. Doch die Elefanten rennen gekonnt um das Hindernis herum, natürlich, natürlich sind sie nicht so blöd, einfach gegen das Auto zu rennen. Aber in diesem Moment erscheint mir das trotzdem erstaunlich. Sie hinterlassen eine riesige Staubwolke und wahrscheinlich ein paar sehr geschockte Europäer. Wir möchten nicht so gerne alleine, ohne erfahrenen Guide, in diese Situation kommen und fragen uns, wie lange man wohl maximal in so einer Elefantenherde feststecken kann, die es sich einfach um einen herum gemütlich macht? Da wir darauf wenig Lust haben, die große Herde ein Erlebnis für sich war und wir auch nicht wissen, was uns sonst noch begegnet, drehen wir also an dieser Stelle um und machen uns auf den Rückweg.

Wir haben Glück und unsere "kleine" Herde von vorhin hat sich offenbar am Fluss weiterbewegt, jedenfalls treffen wir auf keine Blockade (allerdings auch auf sonst nichts anderes). Am Gate werden wir natürlich gefragt, was wir gesehen haben und berichten. Wir hören: Man könne ja einfach auf so eine Elefantenherde zufahren, und sie lassen einen dann schon durch. Okay. 🙄

Ein Tipp, der mir angesichts der etwas nervösen Herden nicht gerade naturgegeben erscheint und in jedem Fall nichts, was ich jetzt vorhätte zu versuchen. Man fragt sich ja hinterher immer: Hätten wir einfach weiterfahren sollen? Sind wir zu vorsichtig, deuten wir die Tiere total falsch? Aber es ist ja egal: Wir haben eine riesige Herde gesehen, mehr, als wir je erwartet hätten. Also alles fein.

Jetzt lerne ich, wie man mit einem Kompressor (der zum Glück auch funktioniert) Autoreifen wieder aufpumpt und wie lange so ein paar Bar dauern können. Als das fachmännisch erledigt ist, machen wir uns also auf zum Livingstone’s Camp. Hier waren wir ja vorab etwas nervös, weil sich irgendwann während der Vorbereitungszeit die Neuigkeit verbreitet hat, dass das Camp verkauft werden soll. Es war uns länger nicht so richtig klar, was das für unsere Reservierung bedeutet. Negatives gehört hatten wir nichts, aber wir hätten natürlich auch wenig Lust gehabt, vor verschlossenen Türen zu stehen oder in einem nur noch gerade so geöffneten, runtergerockten Camp zu übernachten. Wir haben dann mit der Zeit festgestellt: Es gibt immer noch Bewertungen bei Tripadvisor. Nur gingen die in sehr unterschiedliche Richtungen. Also dürfen wir jetzt durchaus gespannt, sein, was uns erwartet.

Erst fahren wir dieselbe Strecke wieder zurück wie heute morgen. Danach führt die Asphaltstraße durch den Mudumu-Teil des Parks. Hier sieht es auch nett aus – und wir begegnen einigen Elefanten, die einfach so am Wegesrand stehen oder sogar die Straße kreuzen (wenn meine Erinnerung mich nicht trügt). Was verrückt ist, wenn man bedenkt, wie schnell man hier fahren darf. Sie tauchen einfach auf, stehen da einfach so – dabei befindet man sich gefühlt auf einer Landstraße. Sehr interessantes Erlebnis. Schade, dass wir den Mudumu heute nicht auch noch kurz besuchen sollen – andererseits habe ich gelesen, dass er relativ anspruchsvoll zu fahren sein soll. Vielleicht lieber beim nächsten Mal.

Irgendwann kommen wir dann beim Livingstone’s Camp an, das über eine kleine Zufahrtsstraße mit netten kleinen Schildchen angezeigt ist. Heute ist alles irgendwie etwas wilder als sonst, und wir kommen langsam so richtig in Stimmung für den nächsten, fortgeschritteneren Teil des Urlaubs.

Es erscheint ein kleines Häuschen… und zwei Leute davor. Der deutschsprachige Campmanager taucht nach kurzer Suche auf – und ist merkwürdig. Er ist genauer gesagt sehr nett, aber auch schroff, etwas resigniert, und das Häuschen scheint nicht zwischen seinem Büro und seiner Wohnung zu differenzieren. Irgendwas stört mich an dieser Person, ich habe da ein ganz gutes Gefühl für so etwas, der Typ scheint ziemlich unglücklich zu sein. Wir fragen nach Aktivitäten, er ruft irgendjemanden im Dorf an, der mit uns den Bush Walk machen kann, er bemerkt , wie nervig es doch hier ist, das man nie Empfang hat, und dass der komische Typ dem das Camp gehört, ja keine Ahnung habe, der mache ja auch immer komische Preise, das kann ja hier alles nicht funktionieren... 🙄

Aber wir bekommen die Bestätigung, dass wir morgen den Bush Walk machen können, und fahren dann hinter dem Manager her zu unserer Campsite. Eigentlich nicht weit, aber fühlt sich an, als wäre weit und breit überhaupt nichts. Wir haben einen eigenen kleinen Pavillon mit Küchenzeile, auf der Rückseite Dusche und Toilette, mit warmem Wasser. Auf der Feuerstelle liegt schon Holz.

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Blick auf das Schwemmland, rundherum ansonsten nur Bäume.

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Wow, das ist echt schön hier. Und wild – wir wissen, dass hier nichts umzäunt ist, und bekommen direkt auch nochmal erklärt, dass wir nachts auf keinen Fall von der Campsite runtergehen sollen, weil hier alles mögliche vorbeiläuft. Neulich waren auch Elefanten da, aber aktuell ist wahrscheinlich keiner in der Nähe. Puh – okay. Im Internet haben sich die Leute immer eher aufgeregt, dass hier nicht super viele Tiere zu sehen sind, aber ich sehe ganz klar den Elefantenfußabdruck auf dem dunklen Staub. Und eine lange, schmale Spur, die ich absolut nicht zuornden kann. Na, wie das hier wohl wird.

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Mit gemischten Gefühlen – Euphorie angesichts der wunderschönen Campsite, leichte Beklemmung angesichts der Begegnung mit dem sehr unglücklichen Campmanager, Aufregung angesichts der ersten wirklich "wilden" Nacht – fangen wir an, uns einzurichten.
Beim Öffnen des Kofferraums trifft uns erstmal die Erkenntnis: Irgendwas geht immer kaputt. Heute an der Reihe: das Olivenöl.
Ja.
Olivenöl.
Im Kofferraum.

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Und Norbert hatte sich noch über Diesel beschwert…

Immerhin haben wir Glück und die Olivenölflasche ist beim Runterfallen und Zerbrechen hauptsächlich in das umgedrehte Innere der Tischplatte gelaufen, die eine Kante hat.

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Also basteln wir erstmal fröhlich unseren olivenölgetränkten Tisch aus dem Auto und massieren mithilfe von Unmengen an Küchentüchern die Olivenölpolitur in das Metall ein.Ist ja auch sicher eine gute Pflege für so einen Tisch! Derweil müssen alle anderen, bei der wilden Hubbelei durch die Gegend geflogenen Dinge aufgesammelt und neu sortiert werden (sehr professionell von uns zu glauben, dass unsere Packtechnik etabliert sei, für Tiefsand gelten andere Regeln). Es stellt sich dabei heraus, dass neben dem Olivenöl auch noch eine Dose Bier verlustig gegangen ist, genauer gesagt irgendwie durchstochen wurde. Sämtliches Bier ist bei der Hitze natürlich verdunstet oder wurde von unseren Pappkisten aufgesaugt, die jetzt etwa die Konsistenz von Tapetenkleister haben.
Jetzt haben wir keine Kisten mehr und statt mit einem wohlverdienten Bier die Atmosphäre zu genießen, also Hausarbeit. Das hatten wir uns anders vorgestellt, ist aber leider keine Seltenheit auf unserer Reise. Nun gut. Ich beschäftige mich dann mal mit dem Zeltaufbau.

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Aber irgendwas ist da doch im Busch? Immer mal wieder höre ich Geräusche, die ich nicht zuordnen kann, die über die Zeit aber ganz, ganz langsam lauter werden.

"Hörst du das?" - "Nee da ist nichts."

"Hast du das jetzt gehört?" - "Nein ich hör nichts."

"Aber da sind Geräusche!" - "Ach quatsch."

"Schon wieder!" - "Du spinnst."

Als die Hippos dann auf einmal recht hörbar grunzen, stellt sich heraus: Lukas verfügt über die für das Überleben im Busch total zuträgliche Beeinträchtigung, sehr tiefe Töne teilweise nicht zu hören. Ja, er hört die Hippos einfach nicht, obwohl ich sie inzwischen als durchaus hörbar bezeichnen würde. Kein Wunder, dass der immer so entspannt ist... 🙄

Irgendwann sind wir dann fertig und starten das Feuer, ich in der ständigen Hoffnung, dass es uns nicht zum Nachteil wird, dass wir zwischen dem Wasser und den Hippogeräuschen positioniert sind. Wir grillen heute das zweite Mal Boerewors, und ich muss sagen: Ganz nett, aber Steak ist sehr viel toller. Aber es ist wirklich ein wahnsinniger Ausblick und eine so schöne Atmosphäre hier!

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Ich schwanke zwischen totaler Entspannung und leichter Nervosität, angesichts der stockfinsteren Dunkelheit und der Möglichkeit von Tierbesuch. Ich leuchte immer mal wieder rum und sehe auch immer mal wieder Augenpaare... erst links hinter uns... dann links vor uns... dann vor uns... sie befinden sich immer genau außerhalb der Campsite, aber manchmal starren sie uns auch direkt an. Sie sind irgendwie gruselig. Sie sind nicht seitlich sondern frontal am Kopf. Aber relativ niedrig. Hm... 😵

Irgendwann stellen wir fest, dass das Rumleuchten und Augenpaare-Sehen nervös macht (wer hätte es gedacht) und lassen das Ganze pragmatisch einfach sein. Was wir nicht sehen, kann uns auch nicht stressen 😗 Und was gibt es Schöneres als vollstes Vertrauen in das Feuer vor und den Pavillon hinter uns zu stecken. Und fallen dann irgendwann müde und zufrieden nach einem so unfassbar ereignisreichen Tag ins Zelt.

Utensil des Tages: Küchentücher. Sehr viele Küchentücher.
Teil 1620. Aug. 2019
Tag 14: Baumsafari

Das Aufwachen in der „richtigen Wildnis“ ist ja immer mit einem gewissen Abenteuerfaktor verbunden. Ich habe hier im Forum mal gelesen, dass jemand den Reißverschluss vom Dachzelt aufgemacht hat und einem Elefanten ins Auge geblickt. Selbstverständlich rechne ich jetzt jeden Tag damit, und kann mich immer wieder aufs Neue nicht entscheiden, ob ich jetzt erleichtert bin oder doch ein bisschen enttäuscht, wenn dann doch nichts passiert. 😊

Heute findet unsere Walking Safari statt, für die wir extra das Livingstone’s Camp ausgesucht haben, weil es zu den wenigen Camps zu gehören scheint, die das anbieten. Eigentlich hätte ich gerne einen richtigen Trail mit draußen schlafen usw. bei Dan von Mashi River Safaris gemacht, aber die Preise haben mich ziemlich abgeschreckt. Nachdem wir in Südafrika vier Tage für 200 Euro pro Person unterwegs waren, bin ich doch eher unwillig, dasselbe für eine Nacht zu zahlen und da der Botswana-Teil unserer Reise die Kosten nochmal ordentlich in die Höhe getrieben hat, ist es jetzt eben dann doch nur diese kleine Tour mit dem Guide aus dem Dorf.

Wir laufen den Weg zum Treffpunkt an der "Rezeption" auf dem Sandweg zu Fuß. Dabei entdecken wir auch die Fußspuren zu den Augenpaaren gestern Abend: Definitiv etwas Katzenartiges, aber klein. Spannend – und schade, dass der Guide jetzt noch nicht dabei ist um uns zu erklären, welches Tier das wohl war. Selbigen treffen wir dann vorne bei der „Rezeption“, die beiden Leute von gestern sind auch wieder da, ein Schotte, der aber heute nicht mitläuft, und eine noch recht junge Deutsche, die mit an Bord ist, außerdem zwei Helfer. Die verladen uns dann erstmal fachgerecht in zwei Boote und fahren uns auf die andere Seite der Schwemmebene, die aussieht wie Gras, sich aber doch als recht flüssig herausstellt. Diese kurze Fahrt ist schon sehr entspannend.

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Angekommen auf der anderen Seite stellt sich unser Guide, dessen Namen ich leider vergessen habe, fachgerecht vor und erklärt uns erst einmal, warum er so ein Gewehr dabei hat und dass er jetzt für uns verantwortlich ist. Danach gibt es eine ausführliche Erklärung von ca. 450 verschiedenen Handzeichen, mit denen er alle möglichen Tiere signalisieren möchte, wenn wir sie denn sehen. Wir versuchen uns verzweifelt darauf zu konzentrieren, Leopard von Löwe von Gnu zu unterscheiden und hoffen, dass es zu keinem Zeitpunkt überlebenswichtig wird, die einzelnen Zeichen tatsächlich auseinanderzuhalten. Man muss auch zugeben: Wir sind zwar gespannt, aber erwarten auch nichts allzu Spektakuläres, da die Bewertungen ja auch eher in Richtung mangelhafte Tierdichte gingen.
So marschieren wir also los, zu dritt im Entenmarsch, rein in die Wupara Convervancy. Es tut gut, sich nach der ganzen Fahrerei wieder zu Fuß zu bewegen. Aber auch immer wieder interessant, dass sich die „afrikanische Landschaft“ häufig auf den ersten Blick gar nicht immer von einem Wald-und-Wiesen-Stück zu Hause unterscheidet. Umso verrückter ist dann immer der Moment, wenn sich doch tatsächlich ein Tier zeigt. 🙄

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Und dann geht’s los: Bäume. Unser Guide hat offenbar eine sehr große Liebe zu Bäumen (berechtigt!) und/oder sonst nichts zu tun (wir treffen lediglich auf ein paar Impalas, eine kleine Warzenschweinfamilie und einen schon seit ein paar Tagen toten Büffel). Und so bekommen wir dann sämtliche botanische Besonderheiten der Gegen erklärt. Ich erinnere mich an: Baum, der „blutet“ wie bei Game of Thrones und gut für die roten Blutkörperchen sein soll (klar). Baum, unter dem man nicht campen sollte, wenn man nicht von Elefanten gestört werden will. Baum, dessen Holz man nicht für Feuer benutzen darf. Baum, der komische Knubbel hat, die für irgendwas gut sein sollen. Baum mit vielen kleinen grünen Kügelchen, deren Zweck ich auch schon wieder vergessen habe.

Versteht mich nicht falsch, ich bin ein großer Freund von Bäumen, wirklich, und unser Guide schafft es auch, das Thema immer wieder mit persönlichen Geschichten anzureichern. Lukas beschwert sich bis heute allerdings noch, dass die Erklärung all der Pflanzen und Bäume immer demselben Schema gefolgt sei: „this fruit is yellow in colour when not ready, and red in colour when ripe“ / „this fruit is green in colour when not ready, and orange in colour when ripe“. 🤩 Ich versuche mir jedenfalls angestrengt so viel wie möglich zu merken, wäre ich ehrlich interessiert zuhöre – und scheitere damit leider komplett. Aber das macht nichts.

Hier erklärt der Guide unserer Begleitung und Lukas gerade, dass man auf einer Elefanten-Verfolgungsjagd einfach unter einem solchen Querstamm durchrutschen oder darüber hüpfen soll, da der Verfolger nicht auf dieselbe Art und Weise am Hindernis vorbeikommt. 😄

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In der Pause haben wir ein bisschen Zeit, mit unserer Mitwandererin zu sprechen, die übrigens zu dem Typ „ich mache im Laufen ständig schiefe Schnappschüsse aus dem Handgelenk mit meiner Digicam“ gehört und mich sehr an eine gewisse Persönlichkeit erinnert, die mich im Dschungel von Sumatra stundenlang von irgendeinem Trail in Neuseeland vollgequatscht hat, der sie offenbar hochgradig überwältigt haben muss, während ich eigentlich nur wandern und Dschungelgeräusche hören wollte. 😣 Unsere heutige Begleiterin gehört auch zu der Fraktion „erste abenteuerliche Reise“, weiß aber wenigstens, beim wandern ruhig zu sein – und erzählt uns ihre kuriose Geschichte. Sie wollte eigentlich ein Praktikum bei einem Ranger machen. So richtig Walking Safaris begleiten und so weiter. Da hat wohl jemand zu viel „Frühstück mit Elefanten“ gelesen. 😄 Es stellte sich dann leider heraus, dass die Agentur, bei der sie das Praktikum klargemacht hatte, sie nur als Büroangestellte nutzen wollte. Das war ihr zu blöd, und sie hat sich dann irgendwie auf den Weg gemacht, alleine im Land rumzureisen, wobei sie auf den Schotten getroffen ist, der hier auch noch gerade rumhängt. Der wiederum kannte den Campmanager dieses Camps hier von früher, und so sind sie dann irgendwie mangels verfügbarer Mietwagen (auf welchem verrückten Wege auch immer) hier in dieses Camp gelangt, wo sie jetzt rumhängen. Sie wollen aber morgen weiter nach Katima Mulillo, um sich da um ein Auto kümmern, und dann mal schauen. Lukas und ich denken in diesem Moment beide, dass wir ja erst übermorgen nach Katima fahren ... verschweigen auch diese Information aber erst einmal mit schlechtem Gewissen. 😊

Hier noch ein Foto vom toten Büffel, guten Appetit:

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Irgendwann der Spaziergang dann rum. Wir haben zwar nicht wirklich Tiere gesehen aber uns ein paar Stunden bewegt und viel über das Leben in und mit der Natur hier gelernt. Es war nicht abenteuerlich, aber entspannt. Die zwei Mokoro-Männer von vorhin holen uns wieder ab, schippern uns über „die Wiese“ und zurück sind wir auch schon.

Den restlichen Tag nutzen wir, endlich mal wieder, zum ausgiebigen Entspannen. Es ist wirklich eine schöne Campsite um einfach mal ein bisschen Zeit zu verbringen. Der Pavillon mit gut gemachter Küchenzeile, Fliesenboden und dementsprechend viel Ablagefläche, Schatten und wenig Staub eignet sich super, um einfach mal richtig aufzuräumen, zu sortieren und ohne ständiges Rumkramen zu leben. Die große Spüle mit ziemlich warmem Wasser eignet sich super, um Wäsche zu waschen. Ich greife dabei intuitiv auf Werkzeuge zurück, die so in der Art auch einige Generationen vor mir verwendet wurden:

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Irgendwann kommen uns ein paar Warzenschweine besuchen, die gar nicht scheu am Rande unserer Campsite grasen.

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Und die Glanzstare faszinieren mich ja auch immer noch:

Glanzstar2.JPG


Wir lesen heute viel, genießen es einfach, heute mal gar nicht in ein Auto steigen zu müssen. Und versuchen unseren Flug übers Okavango-Delta zu buchen, da wir ab übermorgen in der empfanglosen Wildnis unterwegs sein werden und die Bestätigung schließlich auch noch empfangen wollen. Dafür muss man allerdings in regelmäßigen Abständen minutenlang mit ausgestrecktem Arm und Handy in der Hand auf der Campsite rumlaufen, in der Hoffnung, eine der wenigen anwesenden Funkwellen zu erwischen:

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Irgendwann gibt’s Abendessen. Und dann kommt sie doch noch, unsere Tiersichtung. Ich starre gedankenverloren auf die Ebene, wie schon so oft heute. Und da fällt mir auf: Irgendwie sieht diese Ecke da hinten jetzt gerade farblich ganz anders aus, als noch vorhin. Ist da was? Das müsste dann aber schon eine große Herde sein… Büffel? Und ja, der Blick durchs Fernglas bestätigt es. Wir haben eine ziemlich große Büffelherde, es dürften schon so 50-100 sein, vor unserer Haustür. Es ist idyllisch, sie langsam in der Ferne vorbeiziehen zu sehen. Aber auch gut, dass sie kontinuierlich entlang des Ufers ziehen und sich nicht spontan überlegen, rüberzukommen. Wir verbringen den Abend eines unfassbar entspannten Tages noch entspannter am Feuer, diesmal ohne allzu häufiges Leuchten nach Augenpaaren. Und dann ist es Zeit für unsere vorerst letzte Nacht in Namibia.

Utensil des Tages: Pfannenwender. Äußerst vielseitig verwendbar als Spinnenverschrecker, Feuerumschichter und Wäscherührer. Seltener tatsächlich in Pfannen.
Teil 1712. Sept. 2019
Tag 15, Teil 1: Auf nach Botswana

Nachdem wir uns auf der Campsite gut ausgebreitet haben, brauchen wir an diesem Morgen etwas länger, unser Hab und Gut wieder im Auto zu verstauen, insbesondere, da es für Botswana nun auch wirklich sandpistensicher sein sollte. Bei der Abfahrt aus dem Camp fragen wir uns noch, ob wohl die Deutsche und der Schotte gestern wirklich abgereist sind – und wundern uns fast ein bisschen, dass wir aus der Sache so einfach rausgekommen sind. 😗

Bis wir auf die Hauptstraße abbiegen. Ein Auto lädt gerade zwei Menschen mit Rucksäcken ab… und, was für eine Überraschung: Es handelt sich ganz zufällig um zwei besagte Menschen, die vom Camp-Manager hier hoch gefahren wurden, offenbar tatsächlich in der Absicht, nach Katima zu trampen. Freudestrahlend überrascht rennt die junge Deutsche uns entgegen und fragt uns wo wir hinwollen. Ich bemühe mich, möglichst ebenso überrascht und erfreut zu wirken, obwohl ich innerlich eher einen „I told you so“-Momente erlebe. Versteht mich nicht falsch: Wir sind keine Unmenschen und haben auch absolut nichts dagegen, auf Reisen neue Bekanntschaften zu schließen und mal mit anderen zu quatschen, ganz im Gegenteil. Aber: Irgendwie fühlen wir uns hier ein bisschen so, als wären wir in eine kalkulierte Falle getappt. Und nach den merkwürdigen Geschichten, wie die zwei in diesem Camp hier gelandet sind und sich als Reisepartner zusammengeschlossen haben, kombiniert mit der etwas naiven Art der Deutschen, haben wir ein wenig Sorgen, dass wir sie irgendwann nicht mehr loswerden, wenn sie sich erstmal an uns geheftet haben.

Aber nun kommen wir da eben doch auch nicht mehr raus und so schlimm wird es schon nicht werden, also steigen wir wieder aus dem Auto, um unsere gerade noch so sorgsam verstauten Gegenstände hinten im Auto für das Gepäck wieder umzuschichten…
Aber es wird tatsächlich eine ganz lustige Fahrt: Der Schotte ist Berater für den Aufbau von Krankenhäusern in verschiedenen afrikanischen Ländern und hat, inklusive Bürgerkriegsszenarien, so ziemlich alles schon gesehen. Er reist mit einem winzigen Rucksack, hat eigentlich nur ein Set Klamotten dabei, und weiß, sich im Zweifel immer irgendwie durchzuschlagen. Die Geschichten, die er erzählt, sind spannend und wir haben eine lustige Zeit, während wir eine nicht gerade ereignisreiche Asphaltstraße entlangfahren. Die weibliche Begleitung trägt mit ihren, auf eine völlig andere Art verrückten, Geschichten dazu bei. Unter anderem fragt sie irgendwann, wie das denn eigentlich genau mit der Tollwut-Impfung sei, wenn man von einer Ratte gebissen wurde. Muss man dann sofort ins Krankenhaus um sich nochmal nachzuimpfen, wenn man schon vorher geimpft war, oder reicht es, wenn man zu Hause geht?

Wie bitte? Von einer Ratte gebissen? 🙄

Ja, erzählt sie ganz fröhlich, sie habe im Camp in so einem Safari-Zelt schlafen können – das aber leider schon von einer Rattenfamilie bewohnt wurde. Und da habe sie dann eben versucht, klar, was man halt so tut, wenn man Ratten im Zelt hat, sie mit der Hand einzufangen. Dabei sei sie dann gebissen worden.

Alle, inklusive dem Afrika-und-Krankheits-erprobten Schotten, fallen bei dieser so locker-nebenbei erzählten Geschichte aus allen Wolken und sind erstmal kurz etwas sprachlos. So sorglos von einem Rattenbiss zu erzählen, ist das jetzt bewundernswert lässig oder erschreckend naiv? So richtig traue ich mich nicht, nachzufragen, ob sich Rattenbisse nicht auch unabhängig von Tollwut in tropischen Gegenden vielleicht ganz leicht negativ auswirken könnten, ob sie ihn wenigstens desinfiziert hat? Wir diskutieren eine Weile, ob denn nun eine unmittelbare Nachimpfung nötig sei oder nicht – ich meine, es reicht, wenn man es zu Hause nachholt, der Schotte scheint eher anderer Meinung, was mich verunsichert, da er sich theoretisch besser auskennen müsste. Nebenbei erzählt er, dass er bei seiner Arbeit im Gesundheitsbereich auch schon ein oder zweimal jemanden an Tollwut hat draufgehen sehen und kommentiert mit den Worten „it’s not pretty“... Das Ganze scheint die Gebissene aber nach wie vor nicht so recht aus der Ruhe zu bringen. 🤩

So erleben wir eine unterhaltsame Fahrt und starten kurz vor Katima schonmal vorsichtig die Frage, wo genau sie denn abgesetzt werden wollen. Irgendeine Werkstatt war in der Diskussion, die noch vorm Stadtzentrum sein solle, da wären sie ja neulich schonmal bei irgendwem gewesen. Scheint mir nun nicht der ideale Punkt, um zu Fuß irgendwie klarzukommen, aber die Werkstatt soll es sein. Also springen die beiden auf einer staubigen Zufahrtsstraße aus dem Auto und waren nie wieder gesehen.

Noch leicht amüsiert über diese interessante Begegnung steuern wir unsere letzten Ziele in Namibia an, ein paar Besorgungen gibt es hier noch zu erledigen. Einerseits müssen wir zu unserem Lieblings-Baumarkt Build It, diesmal aber nicht motiviert durch unseren Campingkocher, den Lukas während unserer Zeit im Livingstone’s Camp glücklicherweise reparieren konnte (irgendetwas war locker, oder so) – sondern um einen weiteren Diesel-Kanister zu kaufen. Dann folgt die Post, um die letzten Postkarten mit namibischen Briefmarken loszuwerden, und zuletzt der Abstecher zum Craft Center beim Markt, wo es jetzt endlich auch Körbe in allen Farben und Formen zu kaufen gibt sowie weitere kleine Figürchen und andere Souvenirs. Übrigens deutlich günstiger als in der Schnitzerei und wir sind froh, dass wir bisher noch nicht allzu viel gekauft haben und noch etwas Platz haben. Dafür ist die Auswahl an Produkt-Typen etwas kleiner.

Und dann geht’s weiter zu Grenze. Auf der Strecke passiert nicht wirklich etwas, außer dass unsere Spannung doch leicht steigt, die sich dann an der Grenze in die übliche Verwirrung steigert, was man denn hier nun genau tun muss. Alle Parkplätze vor dem Gebäude sind belegt und wir müssen ein bisschen suchen, bis wir unser Auto vernünftig abstellen können. Dann rein und die Logik der verschiedenen Schalter verstehen. Mal wieder eine Grenzkarte ausfüllen, achso, und dann noch irgendwas für’s Auto und irgendein Register – wie auch immer, wir schauen einfach verwirrt drein und machen alles, was man uns sagt, das hat ja bisher immer geklappt. 😄 Dann fahren wir mit unsrem Auto vor zum (namibischen) Grenzhäuschen und müssen anscheinend auch hier noch einmal aussteigen und uns mit allem irgendwo eintragen. Dafür benötigen wir auch eine komische Nummer vom Auto, die wiederum nur im Mietvertrag steht, denn wir zum Glück halbwegs griffbereit ins Handschuhfach geworf- *hust* verstaut haben. 😗 Und dann werden wir durchgelassen, kurze Fahrt durchs Niemandsland, leere Desinfektions-Wannen, die wir einfach so durchfahren. Dann Botswana, ein kleineres Häuschen, die Leute sind irgendwie netter, und es gibt weniger Bücher zum Eintragen. Hier zahlen wir einen kleinen Betrag, ich weiß nicht mehr, ob wir mit Namibia-Dollar oder mit Karte bezahlt haben, aber Pula nicht nötig. Es gibt einen Spender für kostenlose Kondome, der aber leer ist. Dann sind wir, viel schneller als gedacht, offiziell eingereist und es geht los.
Ngoma Bridge ist tatsächlich nur dieser Grenzübergang, nichts weiter, kein Ort, und hätten wir nicht die eine Nacht in Kasane eingeplant, wäre es jetzt direkt weiter Richtung Savuti gegangen, ohne Einkaufsmöglichkeiten. Da wir hier, völlig unerwartet, gar nicht auf Lebensmittel kontrolliert wurden (ich erinnere mich aber, dass ich mich damit ausführlichst beschäftigt hatte, da die Einfuhr von so einigen Lebensmitteln nach BOTS, auch von diversen Sorten Gemüse, ja offenbar teilweise illegal ist), wäre das mit dem Einkaufen in Katima rückblickend doch gegangen. Aber zeitlich hätten wir es jetzt wahrscheinlich nicht mehr so richtig entspannt nach Savuti geschafft, insbesondere um die Mittagszeit im aufgeheizten, weichen Sand.

Also biegen wir Richtung Kasane ab auf die Transitstraße durch den Chobe, wo wir allerdings keine Elefanten zu Gesicht bekommen. Bis Kasane zieht es sich noch mal ein ganzes Stück, und es ist schon später Mittag, als wir ankommen. Jetzt müssen wir noch einkaufen, puh, irgendwie stressig. Kasane ist jetzt auch nicht gerade ein Traum, irgendwie staubig, klein aber chaotisch und wenig einladend. Im Supermarkt ist die Auswahl schlechter als in Namibia, insbesondere beim Gemüse, und wir kaufen vor allem ein paar Dosen nach, Joghurt, und so dies und das. Ein größeres Problem ist, dass unser Peaceful Sleep alle ist, und wir eigentlich selbstverständlich davon ausgegangen sind, dass wir es hier bekommen, aber im Supermarkt und auch an der Sondertheke hinter den Kassen ist nichts zu haben. Immerhin können wir mit Karte zahlen und sparen unsere soeben gezogenen Pula auf. Dann geht’s noch nach nebenan in den Alkohol-Shop, etwas Bier nachkaufen, ist hier erstaunlich teuer. Danach noch zur Apotheke (oder war es eine Drogerie) um das blöde Mückenzeug zu besorgen, hätten wir das bloß mal früher nachgekauft. Botswana kommt mir kompliziert vor. Ich fahre aus Versehen falschrum auf den Parkplatz und verursache ein kleines Verkehrschaos, das hilft jetzt auch nicht. Gestresst und peinlich berührt weigere ich mich danach, weiterzufahren. 😄

Jetzt ist es 13:45 Uhr, das Senyati Camp, wo wir gebucht haben, ist aber nicht hier sondern in Kazungula, also nochmal 20 Minuten weiter. Es ist heiß. Lukas muss fahren, da ich keine Lust mehr habe. Wir sind froh endlich bald anzukommen. Unser Tagesziel: Eine entspannte Bootsfahrt auf dem Chobe! Da haben wir uns allerdings etwas verkalkuliert ...
Teil 1817. Sept. 2019
Tag 15, Teil 2 - Irrfahrten

Aber leider dürfen wir uns noch nicht entspannen: Die Zufahrt zum Camp ist ziemlich sandig, die 2x4-Umleitung aber deutlich weiter, und so fahren wir ohne abgelassenen Reifendruck durch den heißen, weichen Sand – etwas riskant, aber irgendwie haben wir Glück und bleiben wider Erwarten nicht stecken. 😄

Im Senyati Camp angekommen werden wir dann erstmal so mittelmäßig freundlich begrüßt. Die Bootstour? Ja, die gibt es, aber die fängt schon um 15 Uhr an, das ist in 40 Minuten, und wir müssen selbst nach Kasane fahren und danach auch selbst wieder zurück. Im Dunkeln? „Es ist dann noch nicht ganz dunkel“. Na toll. Sind Fahrten bei Dunkelheit mit dem Auto nicht verboten? Andererseits haben wir eh keinen Versicherungsschutz während wir hier sind, also perfekte Voraussetzung... 🤩

Aber es ist die einzige Bootstour, die ich wirklich unbedingt machen will, also machen wir uns umgehend und leider etwas unentspannt wieder auf den Weg zurück. Wir sollen irgendwie zum Private Jetty hinter Spar, sieht so aus, als hätte man sein Auto mit allem Hab und Gut einfach in die Wallachei gestellt, angeblich aber sicher.

Jetzt aber endlich entspannen auf dem Boot! Das Boot stellt sich allerdings als kleine Nussschale aus Alu raus und wir sitzen erstmal eine gefühlte halbe Stunde in der Gluthitze wie die Backkartoffeln. Einziges Entertainment: Nebenan legt ein ziemlich großes Boot an und ich sage mal so, es ist ein Wunder, dass alle sechs Beteiligten inklusive Boot das Anlegemanöver überleben. Irgendwann wird dann doch der kleine Außenbordmotor angeworfen, unser Bootsfahrer erzählt uns irgendwas. Allerdings etwas behindert davon, dass häufiger mal sein Telefon klingelt. Es stellt sich heraus: Er soll noch bei irgendeiner Lodge jemanden abholen.

Nach wenigen Minuten auf dem Wasser ist also erstmal wieder Ende mit Fahrtwind, wir legen bei irgendeiner Lodge an, die zweite im Bunde steigt am Steg aus und wickelt das „Seil“, das eher aussieht wie das aus Bettlakenstreifen zusammengeknotete Ausbruchsgerät eines Gefängnisinsassen, locker zehnmal um den Anlege-Metall-Bolzen. Irgendwie gefällt mir das intuitiv nicht so richtig, und warum genau, das erklärt sich zehn Minuten später. Denn die zusätzlichen Gäste tauchen wohl doch nicht auf und uns wird eindrucksvoll demonstriert, warum es so ganz allgemein Seile gibt und dass Bootsknoten durchaus eine Daseinsberechtigung haben: Das Ausbruchsersatzseil hat sich nun dank Strömung und Wellen ordentlich festgezurrt und steht unter Spannung, sodass es sich unter keinen Umständen wieder lösen lässt. Da bleibt nur noch: Amputation! Mister Boot geht eilig auf die Suche nach einem Messer, kehrt mit einem Steakmesser des hiesigen Lodge-Restaurants zurück und schneidet den missglückten Anlegeversuch einfach los. Irgendwer muss dann heute Abend wohl auf ein weiteres Stück seines Bettlakens verzichten… 😄

Aber jetzt, endlich: Auf geht’s! Aber nein: Leider doch nicht. Denn jetzt müssen wir ja noch beim Permit-Häuschen anlegen um die Erlaubnis, diesen Fluss zu „betreten“ vorzuzeigen. Unser Bootsführer springt beschwingt und voller guten Willens, die Verspätung mit Motivation wieder wettzumachen, aus dem Boot, während wir im Sand liegend weiter vor uns hinbrutzeln. Wer gerne Geld dafür zahlt, in einer Schwimmweste zu schwitzen, der fühlt sich hier wohl! 😵

Kurz darauf kommt Mister Boot zurück, er sieht nicht so richtig glücklich aus, es gibt ein Problem. Die Koreaner vor uns haben die Tour von ihrer Firma gekauft bekommen, aber die Firma hat die Permits offenbar nicht bezahlt. Also muss Mister Boot erstmal wieder jemanden anrufen. Die Koreaner rufen auch jemanden an, es herrscht allgemeine Ahnungs- und Fassungslosigkeit und die Koreaner haben momentan wohl nicht so viele Fans hier in unserer Aluschüssel. Dann telefoniert wieder Mister Boot, erste Unruhen brechen aus. Irgendwann, circa 2 Hitzeschläge später, klärt sich das ganze auf wundersame Weise doch noch. Vielleicht kann es jetzt doch noch losgehen?

Es kann, und nach so viel Lamentieren muss ich doch sagen: Im Grunde haben wir bei einem ehrlichen Blick auf die Uhr auch nur gut 30 Minuten verloren. Und die eigentliche Bootstour macht die ganzen Strapazen auch wirklich wieder wett. Und entsprechend kommen auch endlich wieder Bilder für euch. 🙂

Wir sehen erst einmal Büffel, manche davon lebendig, andere nur noch so halb:

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Einen Elefanten, der relativ zweifelsfrei nicht mehr lebendig ist:

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Und ein Krokodil, das fröhlich an selbigem Elefanten nagt:

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Ich sage doch, das mit den toten Tieren hört seit dem Caprivi einfach nicht auf. Wie man sieht ist das durchaus ein Krokodil, dem ich, angesichts der Ausmaße, ungern zu Fuß begegnen würde:

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Überhaupt ist dieser Fluss so voller Krokodile – zur großen Freude meiner Begleitung – dass ich mich frage, warum überhaupt Schwimmwesten ausgeteilt wurden, denn ob man nun oben schwimmt oder untergeht, während man zerfleischt wird, ist jetzt auch nicht mehr so ganz erheblich.

Boot_Krokodil.JPG


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Wir sehen noch diverse andere Tiere:

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Die Hippos sind auch schon unterwegs:

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Und dann bekommt Mister Boot einen Anruf und gibt auf einmal richtig Speed. Aha! Da wurden wohl Elefanten gesichtet, und ich habe den Eindruck, er will die Verspätung wettmachen und uns auf jeden Fall noch Elefanten vom Wasser aus bieten. Gut so! Und die bekommen wir auch:

Elefanten_drei.JPG


Erst muss ich ja ganz ehrlich an verhaltensgestörte Elefanten im Zoo denken, weil die Tiere mit ihren Füßen immer so in den Sand kicken, als hätten sie einen Tick. Aber es stellt sich doch relativ schnell heraus, dass sie so an die Wurzeln der Gräser herankommen, die offenbar besonders gut schmecken. Mister Boot erklärt hier mal gar nichts, aber immerhin hat er uns hier hingefahren, und elefantenbeseelt bin ich jetzt auch wieder versöhnt.

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Gegenüber spielt noch einer Fußball:

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Und dann drehen wir auch wieder um, nicht ohne auf dem Weg noch diverse weitere Hippos und Krokodile zu erblicken. Mister Boot lässt sich jetzt allerdings relativ viel Zeit, und ich bin ein wenig nervös, denn wir müssen schließlich gleich im Hellen hier loskommen. Aber er ist sehr willens, die Verspätung wieder gut zu machen und uns noch einen Sonnenuntergang mit Aussicht zu bieten. Derselbige packt mich jetzt nicht so, wird aber von den Koreanern von Anfang bis Ende gefilmt – und dann fahren wir endlich mit Fullspeed zurück zum Anleger.

Unser Auto ist auch noch da, aber es ist schon sehr, sehr dämmerig jetzt, und wir hoffen, dass sich die absolute Dunkelheit noch etwas zurückhält. Also geht’s los wieder zurück Richtung Kazungula. 😕

Ich bin erst noch optimistisch, aber während wir uns durch den Ort, die Verbindungsstraße und vorbei an den auf den Grenzübertritt wartenden LKWs schlängeln, wird es immer und immer dunkler. Als wir auf die richtige „Landstraße“, die dann nur noch durch Wald geht, kommen, ist es finster. Sehr, sehr, sehr finster. Und auch wenn wir nicht wüssten, dass jetzt die Tiere anfangen, hier die Nachtschicht zu übernehmen, wird es uns eindrücklich klargemacht: Auf einmal fahren alle 50. 🤩

Und zwar gerade die EInheimischen. Während Lukas unser Schiff todesmutig und im Schneckentempo durch das Nichts steuert, starre ich hochkonzentriert in die Dunkelheit und Versuche, das Dunkelgrau im Schwarz auszumachen. Gefühlt springen mir die Augen aus dem Kopf während ich starre, aber vom Starren hängt jetzt unser Leben ab, also starre ich...

Folgendes Problem ergibt sich: In dieser absoluten Finsternis wollen wir nicht mehr die zerpflügte Sandpiste fahren – nicht auszudenken, wenn wir steckenbleiben. Also müssen wir die Umfahrung wählen, die wohl ein paar Kilometer weiter abzweigt.

Und eine halbe Weltreise ist. 🙄

Und so fahren, wir, und fahren, und ich starre, und starre. Irgendwann rennt was über die Straße, wir sind nervös, fluchen ein wenig, die Stimmung ist echt verdammt angespannt in diesem Auto. Das ist das Dümmste, was wir je gemacht haben, hier in dieser Todesdunkelheit über diese Todeslandstraße. Und dann erfahre ich Schock und Belohnungsreflex gleichzeitig – dunkler, großer Schatten links. Es ist doch absurd: So eine Gefahrensituation und insgeheim fühle mich aber auch bestätigt, dass sich das Starren gelohnt hat und als Meister-Starrer auch wirklich talentiert bin 😊

Es ist eine kuriose Situation: Alles fühlt sich an wie nachts auf einer Landstraße in Deutschland, die Art, wie das Licht auf das Tier fällt, die leicht reflektierenden Augen, die Plötzlichkeit und doch auch Banalität der Situation, nur statt Wildschwein ist da einfach so ein Riesenvieh von Elefant. Ich bin auch ein stückweit fasziniert. Immerhin: Der Elefant steht nicht auf, sondern „nur“ direkt neben der Straße, aber das senkt Stresslevel jetzt auch nur moderat.

Irgendwann, nach gefühlten Ewigkeiten verkrampften Dahinschleichens und -starrens haben wir endlich den Abzweig erreicht. Und jetzt? Auf holprigen Erdstraßen geht es gefühlt durch die hinterletzten Gassen von irgendeinem Dorf, im Dunkeln ist das ganz schön unheimlich und auch die Navigation hier hat ihre Tücken, gelinde gesagt. Wahrscheinlich stehen wir einfach gleich auf einem Hof von Privatleuten und lösen einen Eklat aus. 😐 Lukas ist jetzt doch etwas sauer, was für einen beschissenen Weg ich ihn hier langführe. Gefühlt geht es jetzt nochmal ein Stück über Land, wir sind bald schon 45 Minuten unterwegs statt eigentlich 25, es ist immer noch stockfinster. Zum Schluss nochmal ein Stück Sandpiste, nicht so tief wie der direkte Weg, aber Polo-tauglich auch nicht gerade. Und dann, endlich, endlich, im Camp.

Wir sind jetzt ehrlich gesagt echt am Ende. Und sich in der totalen Dunkelheit jetzt auch noch einzurichten, das Zelt aufzubauen und Salat zu machen, kann ich auch nicht so direkt empfehlen. Trotz schnellen Essens (die Wurst aus dem Supermarkt übrigens auch kein Highlight) ist es dann doch schon 9 Uhr. Auch wenn die Bar nun nicht mehr aufhat und der Belohnungs-Gin-Tonic somit gestrichen wurde, gehen wir noch, etwas grummelig, zum Wasserloch.

Aber ihr kennt das schon: Stresslevel 100, und dann kommen die Tiere, und alles ist gut. 😄

Auf dem Weg zum Wasserloch gehen wir durchs Camp, und auf einmal steht man den Elefanten gefühlt schon fast gegenüber. Das ist hier nicht Okaukuejo oder Halali, kein meterhoher Zaun, keine Mauer, kein Zoo. Da sind einfach so ein paar Elefanten und die könnten genauso gut hier sein, und das ist dann eben so.

Wir erklimmen also die Plattform und beobachten eine Weile Elefanten mit Socken 😄

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Es scheint ein bisschen zu kriseln zwischen zwei verschiedenen Elefantengruppen und das zu beobachten ist relativ spannend. Unten laufen etwas nervös ein paar Typen rum, die zum Camp gehören, und scheinen irgendeine Interaktion mit den Elefanten vorzunehmen, sie haben auch irgendwelche elektrischen Geräte in der Hand, gefühlt Hundepfeifen? Ein bisschen angespannt scheint die Stimmung hier schon, leider. Als ob alle Angst hätten, dass jeden Moment doch die Elefanten das Camp stürmen und hier die Herrschaft übernehmen. Wie wenn man als Deutscher in anderen Ländern unterwegs ist: Die Anwesenheit von Sicherheitspersonal verdeutlicht eher das Gefahrenpotenzial. Aber vielleicht liegt es auch an mir und den Nachwirkungen des Tages, dass ich es so wahrnehme. Nach einer Stunde, ich könnte eigentlich ewig weitergucken, aber die Müdigkeit wird dann doch zu groß, schleichen wir uns mit Taschenlampe zurück zu unserer Campsite. Der Tag war echt brutal, ein absolutes Auf und Ab. Heute wäre vielleicht ein Bett doch schöner gewesen. Aber eine Nacht Schlaf wird’s wohl richten!

Utensil des Tages: Geduld 🤩
Teil 1913. Nov. 2019
Tag 16: Tag der toten Elefanten

Es geht weiter 🤩

Unsere Abreise aus dem Senyati Camp ist kurz und schmerzlos. Ein bisschen aufgeregt sind wir ja schon, folgt doch jetzt die berüchtigte Strecke nach Savuti. Nach über zwei Wochen unterwegs fühlen wir uns der Sache aber zumindest halbwegs gewachsen. Der letzte Stop, den wir in der Zivilisation noch machen, ist die Tankstelle: Einmal richtig auftanken und unsere beiden Dieselkanister befüllen. Und dann raus, aus diesem komischen Ort Kasane.

Als erstes geht auf Asphalt die Transit-Strecke durch den Chobe – zurück bis Ngoma Bridge. Irgendwo hatte ich gelesen, man sollte sich die Permits vorab beim DWNP holen, um sie mit Karte zahlen zu können. Wir haben nun auch gar nicht so viel Bargeld in Pula dabei, dass wir übermorgen am Moremi-Gate irgendwas in Bar bezahlen könnten. Fühlt sich riskant an, aber was sollen wir sonst mit dem ganzen Bargeld? Beim DWNP-Büro, das wir also kurzentschlossen anfahren, ist man allerdings ziemlich verwirrt, was wir zwei Verrückten denn hier wollen. 😊 Wir sollen ganz einfach am Gate bezahlen (ich erahne ein unausgesprochenes „wie jeder andere auch, ihr Idioten“). Da war ich wohl doch etwas überinformiert. Also fahren wir am Gate zum Chobe (durch das man nicht automatisch fährt, für den Transit muss man sich neben der Straße anmelden, das Gate ist aber an einem kleinen Abzweig) und suchen dort den Schalter auf.

Wir fragen nach beiden Permits. Die Frau am Schalter ist sehr nett, scheint uns aber auch irgendwie seltsam zu finden. Es ist zwar möglich, auch die Permits für den Moremi jetzt schon zu bekommen und zu zahlen. Doch sie scheint nicht so richtig zu verstehen, warum wir das wollen. Sie weist uns mehrfach darauf hin, dass wir keine Rückerstattung bekommen, falls wir am Ende doch nicht in den Park fahren. Dass wir diese Reise seit 8 Monaten planen und schon ein Vermögen für die Unterkünfte im Moremi gezahlt haben – und uns deshalb bestimmt nicht spontan umentscheiden – führe ich der Einfachheit halber nicht weiter aus. Vermutlich bestätige ich damit aber leider das Klischee der reichen Europäer, denen Geld total egal ist. 😕

Aber was soll’s – nach dem achthundertsten Mal eintragen ins Logbuch haben wir unsere Permits sicher in der Tasche und damit auch die Gewissheit, dass wir für die nächsten fünf Tage in der absoluten Wildnis gut versorgt sind. Jetzt muss nur noch das Benzin reichen und der Sand uns tragen.

Auf der Transitstrecke sehen wir zur Einstimmung schonmal ein paar straßenquerende Elefanten, wie schön! Und auch die weitere Strecke bis Kachikau ist asphaltiert (und unspektakulär). Die Tankstelle in Muchenje, wo wir überlegt hatten, zur Sicherheit noch 5 Liter nachzutanken, ist geschlossen – und wir sind umso froher, dass wir uns noch den zweiten Kanister besorgt haben. Am Ende der Asphaltstrecke halten wir an um den Reifendruck auf Tiefsandniveau abzulassen. Es fühlt sich gut an, das nicht zum ersten Mal zu machen und ich hoffe bei jedem der hier (erstaunlicherweise) vorbeikommt, dass man uns unsere Expertise ansieht. Es ist schön, nicht auszusehen wie panische Deppen. 😄 Geht doch nichts darüber, fremde Menschen zu beeindrucken!

Ich checke außerdem auch nochmal die Benzinkanister… und begegne im Geiste schon einem schimpfenden Norbert, denn ein bisschen was ist tatsächlich ausgelaufen. Ihr erinnert euch: Irgendwas geht immer kaputt, und zwar auf täglicher Basis. Der böse, zugekaufte Plastikkanister ist zwar diesel-safe, der Verschluss scheint sich aber beim Fahren recht schnell zu lösen. Zum Glück sind nur ganz wenige Tropfen auf den Teppich gekommen, das meiste ist im Müllsack gelandet, der sich bisher noch nicht aufgelöst hat. Ich wische das Zeug also mit Küchentüchern (vielleicht das unterschätzteste Reiseutensil überhaupt) auf, klebe die Deckel mit Panzertape fest und statte jeden Kanister nochmal mit zwei neuen Müllsäcken aus, die ich unten sicherheitshalber mit Küchentüchern auslege. Dabei bin ich übrigens auch höchst fasziniert, dass Diesel durchsichtig ist.

Leider merke ich aber recht schnell, warum Norbert das Zeug ungern in seinen Teppich integriert haben wollte. Denn unsere Hände stinken nun. Ein bisschen mag ich den Geruch ja, aber so richtig gesund kann das nicht sein. Die Desinfektions-Tücher erweisen sich hier mal wieder als ein absolut großartiger Kauf. Also Leute, scheiß auf Safari-Kleidung, Foto-Equipment und Camping-Zubehör – was man wirklich für eine Safari braucht, ist Putzzeug!

Und dann sind wir bereit: Auf in den Tiefsand!

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Erstmal halte ich mich aus dem Fahren noch raus, ärgere mich aber über meine Unemanzipiertheit und nehme mir fest vor, dass sich das spätestens morgen ändern muss. Die Strecke ist hier am Anfang sehr breit, es gibt mehrere Fahrspuren nebeneinander, ein bisschen zerfurcht und sogar ein bisschen Gegenverkehr. Dann geht es relativ schnell auch schon bergauf, ein kritisches Stück, wie ich einigen Reiseberichten entnehmen konnte. Interessant, das fühlt sich wirklich verrückt an, aber wie auch immer, es klappt, und wir pflügen uns im 4-Lo überall problemlos durch.

Es ist auch der erste Tag seit langem, dass wir wieder das richtige Navi anschmeißen (dessen Mitnahme sich irgendwie nicht wirklich gelohnt hat). Hier tut es mal ganz gut, denn irgendwie fühlt es sich doch wilder an als die Schotterstrecken in Namibia, eben doch mehr Offroad, ohne viel Beschilderung etc. Wobei wir irgendwann feststellen, dass manchmal Sachen auf Steine geschrieben sind. Trotzdem ist es hier schwieriger, die Orientierung zu behalten und dank des Navis wissen wir immerhin, dass wir nicht völlig falsch abzweigen und am Ende in Linyanti oder sonstwo zu landen.

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Die Landschaft hier ist nicht allzu spektakulär, vielleicht auch angesichts der unfassbaren Trocknheit die herrscht – überall trockene Büsche, alles sieht irgendwie ziemlich gleich aus und so richtig Leben scheint hier ja eher nicht vorhanden zu sein. Nach einer Zeit – sieht aus als wäre hier noch eine Lodge, die motivierende Schildchen aufgestellt hat, dass man den Berg bald geschafft hat – wird die Fahrspur deutlich enger. Und dann ändert sich auch die Vegetation etwas. es wird baumiger und auch ein bisschen grüner, so gefällt mir das schon viel besser.

Aber – irgendwas ist da vorne auf dem Weg.

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Oh 🙄

Ein umgefallener Baumstamm wäre jetzt wirklich worst case, gefühlt gibt es doch nur diesen einen Weg mit dieser einen Fahrspur. Aber was zur Hölle ist das? Es ist groß. Und schwarz. Oder grau.

Wir nähern uns langsam, während sich das Puzzle im Kopf zusammensetzt. Für einen Baumstamm ist es zu groß. Ein Tier? Aber es bewegt sich nicht. Also doch kein Tier? Doch, aber ein totes.

Es ist ein toter Elefant.

Aber keiner, der so wie gestern, eigentlich nur noch aus Haut und Knochen besteht. Er ist relativ frisch tot. Der ganze Anblick ist jetzt nicht gerade appetitlich, also wer gerade an irgendetwas kaut, sollte jetzt vielleicht kurz blind scrollen. Für alle anderen: Viel Spaß. Denn aus dem Vieh quellen auch noch die Organe raus, als wäre er vielleicht heute morgen erst tot umgefallen. Nur dass halt jemand seinen halben Kopf abgefressen hat. 🤢

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Die große Frage nur: Wie kommen wir hier vorbei? Schließlich liegt das Vieh komplett auf dem Weg.

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Ich gehe in meinem Kopf schon diverse Horrorszenarien durch, in denen wir wenden und komplett zurückfahren oder alternativ aussteigen und Bäume verräumen müssen, während wir uns neben dem Mittagessen irgendeines Raubtieres als knackig-frische Vorspeise präsentieren. 🤩

Doch wir haben Glück, der Bereich links neben dem Weg ist frei von Bäumen und es lässt sich der zaghafte Ansatz einer Spur erahnen, die zumindest ein Auto hier schon gelegt hat. Wir nutzen also die Geländefähigkeit unseres Autos jetzt mal richtig, und fragen uns ganz nebenbei, wie es der arme Elefant geschafft, hat mitten auf dem Weg zu sterben…

An den restlichen Weg erinnere ich mich kaum, weil alles irgendwie gleich aussieht – jedenfalls kommen wir irgendwann zu einem Gate, wo ich meinem Lieblings-Hobby nachgehe und mich in Bücher eintrage. Wir sind tatsächlich die ersten (oder zweiten?) Leute, die hier heute reinfahren. Das hat jetzt wirklich was von Wildnis. Wir erwähnen auch den toten Elefanten, mit dem Gedanken, es könnte ja, angesichts der auffälligen Querlage auf dem Weg, auch ein nicht-natürlicher Tod gewesen sein. Man weiß aber wohl schon Bescheid, trotzdem werden wir gefragt, ob der Elefant noch Stoßzähne hatte. Wir erinnern uns an keine, und so werden wir wohl nie erfahren, was dem Tier widerfahren ist. Übrigens: Es gibt hier auch eine Toilette, die in recht gutem Zustand ist und über die wir nicht ganz undankbar sind.

Und irgendwann, nach ziemlich viel Nichts, erreichen wir dann die Savuti-Gegend. Kurz bevor wir das Camp erreicht haben, passiert dann aber doch noch was. Wir sehen einen Baum, der sehr voll mit „irgendwelchen Vögeln“ ist.

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Vielleicht habt ihr den Braten jetzt schon gerochen. Wir haben zu dem Zeitpunkt noch nicht so viel gerochen. Aber der Geruch meldet sich schlagartig und ich darf euch stolz präsentieren: Toter Elefant Nummer 2 für heute. Und ja, der stinkt. 😄

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Die Marabou- und Geier-Versammlung genießt ihr Festmahl knietief im Elefanten, während wir uns die Nase zuhalten.

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Wir machen ein paar morbide-faszinierte Fotos von dem Massaker, beobachten es allerdings nicht allzu lange – es ist nämlich sehr heiß und etwas stinkig – sondern begeben uns erstmal zum Einchecken ins Camp. Besonders viel zu tun gibt es da nicht, nur einmal kurz in’s Buch eintragen, kein Wort von „hier sind manchmal Elefanten im Camp“ oder „passt auf, wenn ihr zum Bad rübergeht“ oder „vielleicht werdet ihr heute noch gefressen“.

Es fühlt sich auch alles überhaupt nicht so an, als ob hier bisweilen Tiere sind. Naja, bis auf die Architektur 🙄

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Wir beziehen unseren Platz, die Nummer vier, direkt am Channel, der, angesichts der Mörderhitze, wenig verwunderlich, ausgetrocknet ist. Tiefsandig ist der Platz, das sieht man schon von weitem, mal schauen, ob wir hier auch mal buddeln müssen. Es ist wirklich schön – aber eben auch zu heiß, trotz Schattenbaum.

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So steigt dann nach kurzer Zeit die Sehnsucht nach dem Geruch toter Elefanten wieder rapide an. Also wieder ins Auto gesprungen und rüber zum Wasserloch!

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Ein Paar (lebende) Elefantenbullen tummeln sich hier gerade und nutzen die Wasserressourcen, während ihr Artgenosse nebenan vergammelt. Damit es noch ein bisschen skurriler wird, entdecken wir auch noch ein einsames Hippo, das mitten in dem Tümpel hockt und angesichts des Wasserstands nicht einmal mehr ganz untertauchen kann. Wenn ich ein Bild von Depressionen zeichnen müsste, dann wäre es dieses hier.

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Das anfängliche Amüsement über die Hippo-Insel, die wir natürlich erst für einen Stein hielten, weicht aber schnell ernsthaftem Mitleid. Das arme Hippo – hat sich wohl hierhin verirrt und findet jetzt kein Wasserloch mehr, das in einer Nacht erreichbar ist. Wir fühlen uns wirklich traurig und hoffen, dass es bald regnet.

Wir fahren noch ein paar Pans in der Nähe an, hier ist aber, wie überall, alles komplett vertrocknet und außer einem einsamen Strauß, den wir verjagt haben, bevor wir ihn fotografieren konnten, sehen wir hier nicht groß etwas. Dann fahren wir noch ein Stückchen Richtung Süden und kurven in der Gegend herum. Hier ist aber alles irgendwie aussichtslos… im wahrsten Sinne des Wortes, denn wir fahren durch engstes Gestrüpp. Unmöglich hier etwas zu sehen und die Langeweile, die sich einstellt, wenn man bei über 40 Grad durch Tiefsand, Gestrüpp und Staub fährt und die Gedanken sich nur darum kreisen, wie sehr man wohl gerade das Auto zerkratzt, ist wirklich so unbeschreiblich, dass ich sie zu euer aller Seelenheil nicht zu lebendig ausführen möchte. 😗

Gegen späten Nachmittag kehren wir etwas ermattet vor Konzentration, Hitze und Helligkeit ins Camp zurück. Wir sind zwar nicht staubig, fühlen uns aber so, und werden es jetzt hier garantiert. Inzwischen hat ein kleiner Shop in einer Art Wohnwagen eröffnet. Wir haben Lust auf Sprudelwasser und haben kein Holz gekauft, da ich überall las, dass man das quasi als grundlegendes Menschenrecht in jedem Camp kaufen kann. Also springe ich aus dem Auto und frage nach.

Sprudelwasser? – „No we don’t have“. Ja gut, das habe ich auch nicht erwartet. Holz? – „No, we don’t have. Maybe next week.“

Ähm – was? 🙄

Jetzt sind wir hier, im berüchtigten, gefährlichen, elefanten- und löwengeplagten Savuti-Camp und haben kein Holz? Was sind denn hier für Langzeitcamper unterwegs, dass es einmal wöchentlich Holz gibt? Was sollen wir tun ohne Holz!

Aber gut, da kann man nichts machen, außer zur Campsite zurückkehren und in Panik auszubrechen.

Kurzes Krisengespräch. Zumindest bringt der Holzmangel unseren veganen Essensplan aus Nudeln, Kartoffeln und Dosenbohnen nicht durcheinander. Wir können Fleisch ohnehin nicht mehr sehen und wollten um keinen Preis von blutshungrigen Löwen umzingelt werden, die von unserem Steak Wind bekommen haben. Gut, in Ermangelung von Wind und angesichts des moderat stinkenden Elefanten um die Ecke wäre auch das vielleicht unproblematisch gewesen. Problematischer ist das mit den Tieren angesichts von fehlendem Feuer. „Ich sitze hier nicht im Dunkeln draußen, ohne Feuer! Auf keinen Fall“ – „Dann gehen wir halt früh ins Bett“ – „Das ist doch auch schrecklich!" 😵

Aber gut, das ist erstmal der Plan. Also fangen wir direkt an mit dem Notkochen, sicher ist sicher.

Beim Essen bekommen wir dann ein paar Mal Besuch. Die einen wollen ein bisschen betteln:

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Die anderen hüpfen nur mal eben vorbei:

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Und zum Schluss kommt dann noch zweibeiniger und -armiger Besuch daher, ein Pick Up mit ein paar Typen. Ranger? Oder nicht? Wat wollen die denn? Es stellt sich heraus, dass da wohl jemand das Prinzip von Angebot(sverknappung) und Nachfrage entdeckt hat, und so kaufen wir ihnen höchst dankbar zwei Bündel Holz zum doppelten Preis ab. Das, liebe Leute, ist Geschäftssinn! 😄

Jetzt kann ich endlich meine chronische Rauchvergiftung wieder nähren und bin glücklich. Der Geruch von brennendem Holz ist bei mir inzwischen so sehr mit Freude und Freiheit und Sonne und Abenteuer und Glücklichsein verknüpft, dass mein evolutionärer Alarmsinn sich völlig fehlentwickelt hat. Wenn mir unvermittelt der Geruch von Feuer in die Nase steigt, ist meine Reaktion nicht mehr „huch, es brennt“ und Flucht – sondern ich schmelze unwillkürlich dahin, entspanne mich und versinke in sehnsüchtige Träume von einem Paradies am Ende der Welt …

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Aber zurück nach Botswana: Mit Feuer sind wir also halbwegs gefeit vor Angriffen, verziehen uns aber vorsichtshalber doch mit unserem Sundowner-Savannah aufs Autodach, sicher ist sicher.

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Hier verbringen wir einen entspannten frühen Abend, bevor wir die abenteuerliche Nachtwanderung zum Badezimmer-Bunker auf uns nehmen und dann ziemlich früh in unser Zelt verschwinden.


Untensil des Tages: Putzzeug. Und mein Lieblings-Trinkpäckchen "Ceres Whispers of Summer"

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