Hallo liebe Foris, nachdem ihr mich letztes Jahr so nett aufgenommen habt und man auf diesen Seiten ja wirklich zu so ziemlich jeder Frage ´ne Antwort findet, wage ich mich jetzt doch auch hier mal an das Projekt „Wie war denn der Trip nach Namibia eigentlich so?!?“ Die Antwort ist keine Überraschung und muss auch nicht mit ´nem ellenlangen Trommelwirbel angekündigt werden, denn es war atemberaubend schön und schlicht der Hammer! Surprise, surprise… Den alten Hasen unter euch dürfte unsere Route nur noch ein freundlichen Kopfnicken entlocken, denn wie ich im Nachhinein feststellen durfte, habe ich im Grunde die Forenempfehlung für absolute beginner recht gut erwischt. Da war die Buchung eh schon im Kasten - und die sah wie folgt aus: Reise vom 12. – 27. März 2018 1. Sossusvlei ( 1Ü) 2. NamibRand (2Ü) 3. Swakopmund (1Ü) 4. Damaraland (2Ü) 5. Etosha/West (2Ü) 6. Etosha/Ost (3Ü) 7. Okonjima (die Gegend kann ich mir so schlecht merken *hust) (2Ü) 8. Windhoek (1Ü) 9. Ab nach Hause
Wer zur Hölle schreibt hier überhaupt? Meine Vorstellung liegt ein Weilchen zurück, deswegen kurz ein paar Eckdaten: Ich bin 36 und komme aus der schönen Oberpfalz. Afrika mit seinen vielen Facetten übt schon viele, viele Jahre eine ganz eigene Faszination auf mich aus und eine Reise dort hin stand schon ewig auf meiner „Löffelliste“ ganz oben. Nun war es endlich soweit, in Begleitung meiner Freundin Steffi, die mir die Erfüllung meines Traums recht einfach gemacht hat mit ihrem Motto: „Es ist dein Traum, buche was und wie du willst, du brauchst mich nicht fragen und mir nix sagen. Ich komm einfach mit und will auch vorher nix wissen“. Ooookay… dann mach ich das mal. Sie hat das übrigens wirklich durchgezogen, bis zum letzten Tag nur gewusst, dass sie nach Namibia fliegt und immer erst vor Ort erfahren, wo sie jetzt ist und was dort gerade ansteht.
Ich selbst bin schon recht viel in anderen Teilen der Weltgeschichte rumgekommen, da meine Eltern 2009 nach Namibia gereist sind und heute noch davon schwärmen, habe ich dieses Land als „Afrika-Starter“ gewählt. Meine anderen Touren waren alle recht gleich von der Vorgehensweise, mehr oder minder auf eigene Faust, Roadtrips durch Montana und Wyoming z.B. Dieses Mal wollte ich das nicht, zumal Steffi ein unbeschriebenes Blatt ist, was Fernreisen angeht. Also habe ich mich für die „ich will mich mal um nix kümmern und einfach in vollen Zügen genießen“-Variante und damit gegen eine Selbstfahrerreise entschieden. Schönes Lodges zum rumwohnen und Strecken überbrücken via Kleinflugzeug und Landtransfer. Das war der Plan – und der lief wie am Schnürchen.
Da die Fotografie ein Hobby von mir ist, war ich natürlich auch entsprechend gespannt was mich motivtechnisch so erwartet. Bewaffnet mit meiner Panasonic FZ1000 und dem guten Vorsatz „Lieber mehr live gucken als zu oft die Kamera vor der Nase“ ging´s also nach einem ganzen Jahr Vorfreude endlich los!
Die Aufgaben waren klar verteilt: Steffi war zuständig für das Reisetagebuch und die Finanzen unterwegs, ich für Fotos und die komplette Orga vor Ort (logisch an der Stelle, sie hatte ja keinen blassen Schimmer *g).
Tjoar, fast ist mein Wortkontingent für heute an der Stelle auch schon fast erschöpft. Für die Daheimgebliebenen hab ich am Ende auch einen kleinen Blockbuster gebaut, damit die sich einfach ne Stunde lang berieseln lassen können und wir uns nicht bei den obligatorischen Zeig mal Bilder-Happenings den Mund fusslig reden, von Hölzchen auf Stöckchen kommen und am Ende nur das Gefühl von „Yaaay.. 6 Stunden Dia-Show… schön da – egal“ bleibt 😉
So… nu aber:
13. März 2018: 11.00 Uhr Nach einem 20-Stunden-Trip mit Zwischenlandung in Johannesburg erreichen wir endlich Windhoek. Aha, man spaziert hier einfach so auf dem Rollfeld rum. Wir folgen der Masse, kommen zügig durch die immigration und werden nach der Kofferausgabe direkt in der Ankunftshalle von den netten Menschen von „Wilderness Safaris“ in Empfang genommen. Nach einer kleinen Wartezeit geht´s direkt weiter Richtung Süden, mit der Cessna zu unserer ersten Station: die Little Kulala Lodge.
Egal wie müde wir bis dato waren, beim Flug über diese endlose schöne Weite waren die lange Anreise schon vergessen und die Vorfreude auf die kommenden Tage riesig. Zumindest bei mir war diese Freude ungetrübt. Ein Blick nach rechts auf Steffis ungläubig staunendes Gesicht, wie ich in aller Seelenruhe einen höllenleckeren Erdnussbutterriegel aus der gereichten Snacktüte mampfte, obwohl der Flug wie angekündigt ganz schön unruhig war (bumpy nennt das wohl der Fachmann) und ihre recht angespannte Sitzhaltung suggerierten mir, dass ihr diese einstündige luftige Achterbahnfahrt wohl deutlich weniger egal war als mir. Originaleintrag aus dem Tagebuch: "Kleine Cessnas gehen bei jedem Luftloch sehr schön mit. Wenn man das und eine leichte Klaustrophobie ignoriert, macht´s fast Spaß".
In der Lodge angekommen werden wir herzlich willkommen geheißen, packen unsere paar Habseligkeiten in die Hütte und hüpfen in den Jeep von Guide Ulrich, der uns auf einer kleinen Abendrunde schon mal ein wenig von der grenzenlosen Schönheit des Landes zeigen möchte. Wir sehen Schakale und eine Straussenfamilie, lernen was über die Geologie, endemische Vogelarten und Oryx-Hinterlassenschaften. Fotos vom ersten Tag gibt´s nur wenige. Zum einen schwand schon das Licht, zum anderen wollte ich lieber erst mal alles auf mich wirken lassen.
Unser erster sundowner. Wir haben´s geschafft. Wir sind in Nambia - hundemüde und glücklich 😎
Soviel zu Tag 1, bei den nächsten Beiträgen gibt´s mehr Bilder und weniger Text - versprochen 🤨 Danke für´s Lesen und hoffentlich bis zur nächsten Runde .. dann im Sossusvlei.
LG Dissy
Teil 207. Juli 2018
14. März 2018: Wir werden rechtzeitig um 5.30 Uhr von den Rufen eines Schakals geweckt. Nach 35 Stunden wach haben wir wie die Babies geratzt. Wir frühstücken zur morgendlichen „blauen Stunde“. Steffi ist schon fleißig am Tagebuch schreiben und dann brechen wir mit Ulrich und einen netten holländischen Pärchen auf in Richtung Sossusvlei. Die Lodge hat ein eigenes Gate, Ulrich erklärt uns während der Fahrt wieder anschaulich die Welt und schließlich erreichen wir die Anfänge des Deadvlei. Zwei, drei andere Fahrzeuge sind schon da, aber alle sind so verstreut, dass man das Gefühl hat, dieses Fleckchen Erde für sich alleine zu haben. Ich mag Wüsten. Für mich sind sie alles andere als trostlos. Wenn man so im gefühlten Nichts steht, kann man den Kopf mal so richtig frei kriegen. Und die Namib ist einfach wunderschön.
Wir kraxeln den Arm von Big Daddy hoch, was ca. 45 Minuten dauert und genießen schweigend bei einem kleinen Päuschen auf dem Dünenkamm die spektakuläre Aussicht. Wenn man sich ein wenig für Fotografie interessiert, ist das Deadvlei mit seinen speziellen Farbkontrasten wirklich ein besonderer Magnet. Über tolle Bilder von dieser Kulisse stolpert man früher oder später immer - und ich hatte natürlich auch ein, zwei Wunschvorstellungen im Kopf. Als es dann ans Runterklettern ging, lachte Ulrich kurz spitzbübisch und fragte nur „long oder short way?“. Wir wechselten einen Blick mit den Hollis und die Antwort war klar: Short way, was denn sonst? Short way heißt aber auch: Sand überall! Aus dem Sand in meinen Schuhen hätte ich gefühlt ´ne neue Düne bauen können, aber wen interessiert das schon, wenn man dann wirklich live und in Farbe das Deadvlei bewundern darf. Kaum Menschen, tolles Licht, Wahnsinn. Steffi kam als Nachzügler unten an, sie hatte sich kurz vor der Reise die Bänder überdehnt, musste deshalb eine spezielle Schiene tragen und schlenderte die Düne gemütlich runter.
Ich machte meine Handvoll Fotos und dann war es Zeit für die Rückfahrt. Unser Transfer nach Wolwedans stand bevor. Wir werden von Guide Tabita abgeholt und tingeln innerhalb von 2 Stunden ins NamibRand Nature Reserve. Steffi und ich haben jetzt schon festgestellt, dass diese Fahrten in den offenen Jeeps genau unser Ding sind. Wir lassen uns den Wind um die Nase wehen, reden nicht viel und freuen uns einfach, genau hier und jetzt zu sein.
Im Headquarter von Wolwedans angekommen, wird das Fahrzeug gewechselt. Wir sehen weit und breit keine Lodge… das dauert noch mal eine ganze Weile, während wir im Schneckentempo das hügelige Gelände erklimmen. Als wir dann schließlich da sind, fehlen uns wieder die Worte. Meine Güte, ist das schön hier. Wir haben gleich Hütte Nr.1 und die "neben" uns ist unbewohnt.
Wir essen sehr lecker, relaxen, erkunden ein wenig die nähere Umgebung und werden von Tabita schließlich zur sundowner-tour abgeholt. Wir haben zwei Übernachtungen dort gebucht werden die ganze Zeit ihre einzigen Gäste auf den touren sein, Nebensaison sei Dank.
Da Wolwedans ja Dark Sky Reserve ist, war ich gespannt auf den nächtlichen Sternenhimmel. Ich hab sowas vorher noch nie fotografiert, daher waren das meine ersten Gehversuche. Luft nach oben is noch, aber immerhin.. Steffi ist schon müde und glücklich ins Bett gefallen, ich stand da mit meinem Stativ und hab die Nacht noch ein wenig genossen.
Die nächsten Tage in Wolwedans waren herrlich entspannt, lehrreich und von majestätischer Landschaft geprägt. Mit Tabita haben wir uns prächtig verstanden und ihr Wissen aufgesaugt, egal ob zu den kleinsten Bewohnern der Wüste, den Gruppen der Ovambo oder dem Wurzelwerk der Kameldornbäume. Zu den fairy circles haben wir natürlich auch zig Theorien entwickelt, aber davon wird sich wohl keine wirklich halten *g. Aber was uns am meisten beeindruckt hat, war die allumfassende Stille in der Lodge. Kein Geräusch. Nichts. Nicht mal ein brummendes Insekt. Nur der Wind und dieser zauberhafte Ausblick auf den Losberg Mountain.
Teil 307. Juli 2018
Nächster Halt: Swakopmund und Damaraland 😎
Teil 407. Juli 2018
Ich stelle fest, die Reise noch mal Revue passieren zu lassen mit ein wenig Abstand dazwischen, ist gar keine so schlechte Sache. Man erlebt die ganzen Momente vorm geistigen Auge noch mal, kann fast die afrikanische Luft schnuppern und muss nur mit ein klitzebisschen Wehmut klarkommen.
16. März 2018: Unser zweiter Flug mit der Cessna, von Steffi fortan liebevoll „Bumsschachtel“ genannt, bringt uns nach Swakopmund. Aufgrund des dichten Nebels können wir nicht direkt auf dem städtischen Flughafen landen und werden kurzerhand auf einen ca. 40km entfernen airstrip umgeroutet. Aber auf die Planung im Hintergrund ist Verlass, unser guide Martin erhält die Info halbwegs rechtzeitig und so müssen wir nur ca. 30 Minuten warten, bis wir von ihm aufgesammelt werden. Wir machen eine kleine Tour durch die Walvis Bay, essen lecker zu Mittag und werden dann im Strand Hotel abgesetzt.
Steffi fragt mich, wie lange wir hier bleiben. Auf meine Aussage hin, dass es morgen gleich wieder woanders hingeht, guckt sie zufrieden. Sie freut sich, nach vielen Jahren endlich mal wieder Meer zu sehen, aber gibt auch zu, dass sie hofft, bald wieder ein wenig mehr Wildnis zu sehen kriegen. Die leichte Sorge, ihr so gar nichts über die Reiseplanung verraten zu haben und am Ende evtl. feststellen zu müssen, dass wir in unseren Vorstellungen vielleicht nicht kompatibel sind, scheint soweit unbegründet. In meiner Planung hatte ich den Aufenthalt hier auch als eher strategisch bemessen, um Geld abzuheben und mal alle technischen Geräte gleichzeitig aufzuladen. Wir haben den restlichen Tag für uns und nehmen uns auch genau null vor. Erledigen die Finanzangelegenheiten, schlendern ein wenig durch die Stadt und schauen den Verrückten zu, die sich ins kalte Nass wagen.
Ich nutze die Zeit am Strand, um noch ein wenig mit der Kamera herumzuhantieren. Ein schönes Foto von der Gischt wäre noch was, aber die Brandung war eher träge. Steffi erkannte mein Dilemma und sprang "hilfreich" zur Seite. Sie kommentierte jede anrollende Welle im Stil eines Sportkommentators und gab mehr oder minder kompetente Prognosen zur Gischtentwicklung zum Besten. Die Ausbeute landeten in der Kategorie okay, dafür gabs dann deutlich schickere Ergebnisse mit einem anderen Motiv ^^^.
17. März 2018:
Ist ganz hübsch hier und Meer vor der Nase ist auch nett, aber wir sind doch froh, dass es jetzt wieder raus aus der Stadt geht. Pünktlich um 10.45 Uhr werden wir am Hotel abgeholt und zum Flughafen gebracht. Bumsschachtel, die Dritte. Nach einer Flugzeit von 1 Stunde (gar nicht bumpy) landen wir auf dem airstrip "Doro Nawas" im Damaraland. Von dort ist es noch knapp 1 Stunde Fahrzeit zu unserer nächsten Lodge, unser guide Willi erwartet uns schon. Endlich wieder Jeep, endlich wieder Schotterpiste.
Gegen 13.00 Uhr erreichen wir Mowani. Laut meinen Eltern, die hier schon in 2009 waren, sahen sie hier die schönsten Sonnenuntergänge auf ihrer ganzen Reise. Eine gewisse Spannung war also da.
Unser erster Gedanke: Krass! Wie sind aus Versehen auf dem Mars gelandet.
Die Felsformationen bieten eine tolle Kulisse, und die kleinen Hüttchen der Lodge sieht man auch fast erst auf den zweiten Blick. Wir genehmigten uns ein paar Sandwiches als Lunch, bezogen unsere Hütte und genossen einfach nur die malerische Landschaft. Ich zog los zu einem kleinen Fotoausflug rund um die Lodge, während Steffi die Seele baumeln ließ und den Ausblick von unserer kleinen Veranda aus ins Tagebuch skizzierte.
So viele tolle Motive, da musste ich schon aufpassen, dass der Auslöser nicht mit mir durchgeht *g. Die endlos niedlichen Hörnchen, die dort überall rumwuselten mussten aber auf jeden Fall dran glauben.
Ich bin ein totaler Vogel-Noob und musste mir bei der Bestimmung immer helfen lassen. Das müsste ein pale-winged starling sein. Da der Kerl sich recht aufdringlich benahm und anscheinend unbedingt ins Rampenlicht wollte, folgte er mir eine ganze Weile. Ich nannte ihn schließlich "Earnie", was dazu führte, dass wir alle Vögel dieser Art von da an kurzerhand "Earnies" nannten. Später stellte sich heraus, dass alle Earnies offenbar nur eins im Sinn haben: dein Essen zu klauen.
Am Nachmittag unternahmen wir mit anderen Gästen der Lodge noch eine tour nach Twyfelfontein. Dort muss man sich ja einer geführten Runde anschließen, die durchaus interessant war, aber am Ende auch ein wenig was von "Durchschleusen" hatte.
Der wahrscheinlich schon totfotografierte "Knickschwanzpfotenlöwe".
Doch dann war´s endlich soweit: sundowner in Mowani. Wir liefen den schmalen Pfad zur Aussichtsplattform rauf, machten es uns auf den Sitzgelegenheiten bequem und erwarteten mit einem leckeren Getränk in der Hand den Sonnenuntergang. Und dann begann das Schauspiel und wir waren wirklich sprachlos.
Steffi war ganz hingerissen und ich hatte auch irgendwas im Auge. So lange fiebert man dieser Reise entgegen, und dann sitzt man da an diesem atemberaubend schönen Plätzchen Erde, ist umgeben von Weite und einem Gefühl von Freiheit und darf sowas angucken. Ohne Worte...
Nach dem Abendessen in wunderbarer Atmosphäre zogen wir uns in unsere Hütte zurück, ließen den Tag ein wenig Revue passieren und machten uns langsam bettfertig. Dazu gehörte auch, den Moskitoschutz runterzurollen, was ein bißchen frickelig war an manchen Stellen. Die Lodge ist wirklich schön und auch die Hütten sind sehr hübsch abgestimmt eingerichtet. Und als ich so ins Bett krabbelte bewunderte ich noch die Lampe mit der aufwändigen Vogeldekoration... man man man, die haben sich hier echt Mühe gegeben mit den ganzen netten Details....
Licht aus...
... nach etwa 5 Minuten in der Dunkelheit ist ein leichtes Kratzen zu hören. Ich kann das nicht richtig zuordnen und dann ist das Geräusch auch wieder verstummt. Kurz darauf wieder ein Kratzen und Scharren. Jetzt fragt auch Steffi, ob ich das höre. Ja schon... sicher lungert irgendwas um die Hütte rum. Egal.. müde! Dann gesellt sich zu dem Kratzen noch ein leises Zwitschern - und das können wir jetzt eindeutig als direkt über uns befindlich orten...
Licht an...
Ach guck... von wegen aufwändige Deko auf der Lampe. Da haben sich einfach zwei Earnies niedergelassen. Und ich schwöre, die haben sich keinen Millimeter bewegt, während ich vorhin die Lampe angestarrt habe. Steffi erfasst die Situation recht schnell: "Ich mach Mücken - du Vögel!" Damit ist es also an mir, die ganzen Moskitonetze wieder mühsam aufzurollen und die Earnies unter freundlichem Bitten der Räumlichkeiten zu verweisen. Einer hat ein bißchen gemault, aber am Ende hatten wir dann noch die Hütte für uns ^^^. Damit ging Tag 1 in Mowani zu Ende und wir schliefen friedlich den Ereignissen des nächsten Tages entgegen.
Teil 508. Juli 2018
18. März 2018:
Um 6.30 Uhr startet unser morning drive mit Willi. Er möchte mit uns die Wüstenelefanten finden. Eine nicht ganz einfache Aufgabe im Hinblick auf Anzahl der Tiere und Größe des Habitats, wie er uns erklärt. Ein junges Paar aus Frankreich ist mit an Bord. Steffi hat eine Schwäche für Elefanten. Sie wünscht sich in regelmäßigen Abständen ein Elefantenbaby für den Garten, aber solange ich meine Opossums nicht bekomme, muss ich das leider kategorisch ablehnen. Als sie mitschneidet, dass es nun die Chance auf Elefanten in freier Wildbahn gibt, ist sie plötzlich hellwach. Wusst ich´s doch, dass ihr das taugen würde *g.
Die Gegend erscheint uns nach wie vor unwirklich und wir haben Spaß an jedem gefahrenen Kilometer. Schließlich erreichen wir das angepeilte Flussbett und die Spannung steigt. Haben wir viel Glück und bekommen die Elefanten zu Gesicht? Alle im Jeep drücken wohl heimlich die Daumen, Steffi wahrscheinlich auch noch alle Zehen. Willi steuert den Geländewagen souverän durchs Terrain und findet schnell die ersten Spuren. Elefantenhäufchen über Elefantenhäufchen. Ein Fußabdruck hier, ein Fußabdruck da, oh.. noch ein Fußabdruck von einem Jungtier. Dort hat sich ein Elefant erleichtert. Noch eine Spur, sehr kleiner Elef… ach ne… Löwe! Den Unterschied erkennt man dann auch als Laie doch recht gut *g. Läuft alles prima, nur die dazu passenden Elefanten gehen uns noch ab. Willi hält an und klettert einen der Hügel rauf um sich einen besseren Überblick zu verschaffen und der Rest vertritt sich ein wenig die Beine. Steffi ist förmlich am Fernglas festgewachsen und sucht fleißig einen verräterischen Rüssel in der Ferne. Wir setzen die Fahrt fort, doch irgendwann geht’s mit dem Auto einfach nicht weiter. Elefanten 1: Wir 0.
Nach einer kleinen Frühstückspause fragt Willi, ob wir noch Lust haben, die andere Richtung auszuprobieren. Was für ne Frage. Ab der Fisch! Und so gurken wir noch immer gutgelaunt den ganzen Weg zurück und versuchen Flussbettoption Nummer 2 am Huab. Interessant zu sehen, wie unterschiedlich das Areal plötzlich ist. Eben noch sattes Grün, jetzt staubiges Grau. Nach 4,5 Stunden Suche haben wir zwar viel gesehen, aber keinen Elefanten. Steffi ist ein klitzebißchen traurig, aber lässt sich nix groß anmerken. Steckste halt nich drin.
Willi cruist noch ein wenig durch die Gegend - und erhebt sich dann plötzlich während der Fahrt im Sitz. Er guckt, holt sein Fernglas… und drückt ein bisschen auf die Tube. Wir checken nichts und gucken interessiert, aber ahnungslos.
Und dann sehen auch wir Blindfische sie. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir wahrscheinlich einfach keinen Elefant oooben auf einem Berghang erwartet haben. Und gut getarnt sind se ja auch noch.
Vor uns balancieren nun plötzlich vier Wüstenelefanten hochelegant übers Geröll und machen sich eifrig über Büsche her, die irgendwie nicht so aussehen, als könnte man mit den enthaltenen Nährstoffen einen Blumentopf gewinnen. Das Jungtier wird Valentine genannt, da es am 14. Februar 2016 geboren ist, erklärt Willi. Dazu noch der große Bruder, Mama und Omi. Wir halten respektvollen Abstand und genießen die Sichtung. Dieses tiefe Grollen, dass immer mal zu uns rüberweht, scheint direkt in die Magengrube zu gehen. Und die eindrucksvolle Kraft, als die Oma mal eben einen großen vertrockneten Busch ausreißt, nur um dann wieder ganz liebevoll ihre Familienmitglieder abzurüsseln ist schon toll zu beobachten.
Mama muss anschieben
Wir stellen fest, dass von den beiden Franzosen nur sie ein wenig englisch spricht, er gar nichts. Ich krame mein angestaubtes Schulfranzösisch raus und kann wenigstens bei ein paar Fragen der Beiden an Willi helfen. Nach einer guten Weile lassen wir die Tiere wieder in Frieden und machen uns in bester Stimmung auf den Heimweg. Heute steht außer Wäsche waschen und Sonnenuntergang gucken nix mehr auf dem Programm, also hab ich genug Zeit, mich den kleineren Gesellen vor Ort zu widmen und ziehe mit der Kamera los. Wir hatten beim Frühstück schon den Hinweis bekommen, dass es einen markierten Rundwanderweg runter ins Tal gibt. Steffi möchte ihre Skizzen fertig machen, also ziehe ich alleine los.
Um 18.30 Uhr machen wir uns schon mal in aller Ruhe auf Richtung sundowner Plattform. Es regnet in der Ferne, aber bei uns kommt davon kaum noch etwas an. Aber die dunklen Wolken sorgen eben auch für nicht gerade wenig Dramatik am Himmel – und dabei waren wir von gestern noch so verwöhnt.
Während des Abendessens beginnt es zu erneut regnen. Wir gehen zurück zur Hütte, packen unsere Siebensachen zusammen für die Weiterreise morgen und werden vom gleichmäßigen Rauschen des Regens eingelullert.
Teil 609. Juli 2018
19. März 2018:
06.00 Uhr Wir werden zwar erst um 11 Uhr abgeholt und könnten heute mal länger schlafen, aber wir haben die letzten Tage schon gemerkt, dass dieses frühe Aufstehen hier absolut leicht von der Hand geht. Und einen Sonnenaufgang sollte man hier ja eigentlich auch nicht verpassen, sonst selber schuld. Also stelle ich mir wieder einen Wecker, denn ich habe eine Mission: Klippschliefer finden! Wir haben diese possierlichen Tierchen bisher nur gehört und ab und an mal im Dunkeln vorbeihuschen sehen.
Während ich also so langsam zu mir komme, nimmt mein Hirn ein stetes „Plopp“-Geräusch wahr. Plopp! Plopp! Ich streck mich ein wenig – und bekomme einen Tropfen ins Auge! Öy! Und noch einen! Meine rasiermesserscharfe Analyse ergibt schließlich: Dach undicht! Rechts und links von mir ist das Kissen pitschnass. Nur da, wo mein Schädel lag - da ist alles trocken ^^^. Steffi schüttelt ungläubig den Kopf und betitelt mich (mal wieder) als „unerhörtes Glücksschwein“. Während ich mich tauglich mache, hört der Regen endgültig auf. Jetzt erst mal Sonnenaufgang gucken am „view point“.
Ich bin ganz alleine dort und habe alle Zeit der Welt. Was für ein toller Start in den Tag. Das Sahnehäubchen obendrauf ist dann noch der Doppelregenbogen.
Doch was ist das?!? Ein Klippschliefer! Live und in Farbe. Süß, wie man sich als Newbie darüber freuen kann, was? *g
Moment.. einer?!? Ich hab ja die ganze Zeit nur nach oben geschaut und dabei ganz verrafft, dass vor mir auf den Felsformationen eine ganze Truppe Klippis aufwacht und sich für das morgendliche Sonnenbad bereitmacht. Läuft! Da wir die Hütte direkt neben dem view point haben, winkt Steffi nur freundlich mit ihrem Kaffee im Anschlag rüber und freut sich für mich. Die Klippis stapeln sich vor mir (wörtlich gemeint) - und ich muss aufpassen, nicht aus Versehen irgendwo runterzusegeln, während ich da oben rummanövriere, ohne sie zu stören.
Die Zwerge waren leider so weit weg und dermaßen agil, dass ich kein besseres Bild hinbekommen habe.
Kuriose Viecherchen. Irgendwann höre ich von rechts allerdings leidend klingende „Hunger“-Rufe und sehe ein, dass wirklich Frühstückszeit ist.
Tschüss Klippis!
Wir werden dann wieder zum airstrip „Doro Nawas“ gebracht und treffen auf den Piloten, den wir schon beim ersten Flug hatten: Sascha. Waren die letzten beiden Hüpfer sehr angenehm, so hatten wir nun wieder aus dem Nichts viele Regenwolken am Himmel und ein dementsprechendes Auf und Ab in der Bumsschachtel. Muss an Sascha liegen. Nenne ihn ab jetzt "bumpy Sascha". Der Blick aus dem Fenster wird zunehmend grüner.
Um 12.45 erreichen wir den airstrip von Ongava, am westlichen Eck des Etosha-NP, und werden von Guide Stanley in Empfang genommen. Auf der Fahrt zur Lodge sehen wir ein wunderhübsches Exemplar des black-faced Impala, dann sind wir auch schon angekommen und werden wieder herzlich begrüßt.
Ongava macht den Eindruck eines überdimensionalen Baumhauses, wir lunchen auf der großen Verada und schauen aufs Wasserloch, an dem sich Waterbucks und Impalas tummeln. Im Vorfeld der Reise heiß es von vielen Seiten, dass wir wahrscheinlich nicht so viele Tiere im Norden sehen werden, da sie aufgrund der Regenzeit nicht auf die Wasserstellen angewiesen sind und sich in der Vegetation gut verstecken können. Ich verstehe das Problem, denn wir schauen auf eine grüne Hölle.
Wird sich noch zeigen müssen, wie mein „Glücksschweinmodus“ sich hier macht...
Teil 709. Juli 2018
Um 16.30 Uhr starten wir den evening drive mit Stanley im Ongava-Reservat. Ongavas Fokus liegt auf dem Schutz der Spitzmaulnashörner, natürlich hoffen wir, einen Blick auf ein solches Tier erhaschen zu können. Doch zunächst möchte Stanley uns Löwen zeigen, denn das Reservat beherbergt drei Rudel und er hat erst vorhin noch von einem Kollegen einen Tipp bekommen, wo sich eins der Rudel aktuell aufhalten soll.
Aufgrund der Regenzeit sind die Pisten nicht die besten und es kommt schließlich, wie es kommen musste: Wir haben uns festgefahren. Nix geht mehr. Alle mal bitte aussteigen… oookay… Wir waten ums Vehikel herum und sammeln Steine und Äste, um die Spur zu befestigen.
Entschuldigung, wo sind noch mal genau die Löwen, bitte?
Schließlich können wir die Fahrt fortsetzen, wir hopsen flink wie die Wiesel zurück in den Jeep.. nur um festzustellen, dass sich 80 Meter weiter was im Gebüsch regt. Vier erwachsene Löwen und zwei Junge liegen gut versteckt im Dickicht. Wir halten an, die Faulis stören sich kein bisschen an unserer Anwesenheit. Und so schauen wir das erste Mal einem Löwen in freier Wildbahn direkt in die Augen. Der Blick geht gefühlt durch Mark und Bein.
Ich mache wieder nur wenige Fotos und schaue lieber zu, wie vor allem die beiden jüngsten Muskelprotze fröhlich durch die Gegend kugeln.
Der Chef im Ring, etwa 9-10 Jahre alt. Er ist lt. Stanley durch einen Warzenschweintunnel unterm Grenzzaun aus Etosha reingekommen und hat dieses Rudel übernommen, nachdem sein Vorgänger durch ein Brüderpaar, ebenfalls aus Etosha, getötet wurde. Die Brüder sind offenbar bereits bekannt dafür, Rivalen aus dem Weg zu räumen, ohne dann jedoch das Rudel zu übernehmen. Auch ihn haben sie attackiert, aber er konnte sich erfolgreich zur Wehr setzen.
Ganz klar einer meiner lucky shots ^^
Zusätzlich kann Steffi am Abend noch folgende Sichtungen vermerken: Springbock Helmperlhuhn black-faced impala kori bustard Frankolin
Auf der Rückfahrt ist schon sehr duster, Blitze und Donnergrollen in der Ferne. Und plötzlich mittendrin vor uns drei Spitzmaulnashörner an einem Wasserloch. Ein aufgeregter Bulle scheucht eine Kuh mit Kalb umher. Alter Falter, sind DIE imposant. Stanley erklärt uns noch ein wenig zu den eher betrüblichen Fakten. Spitzmaulnashörner sind wegen ihrer beiden annähernd gleich langen Hörner besonders gefährdet durch Wilderer. Die genaue Zahl der vor Ort lebenden Tiere darf nicht genannt werden, und wir sind gleich noch mal ein Stückchen dankbarer für diese Sichtung.
Das Abendessen um 20 Uhr wird etwa eine viertel Stunde später durch einen besonderen Gast am Wasserloch unterbrochen. Wir gehen zur Brüstung und sehen einen Nashornbullen, vielleicht ja der von vorhin.. Macht auf jeden Fall den gleichen hibbeligen Eindruck. ALTER FALTER, dass die imposant sind hab ich schon erwähnt?
Nach dem Essen werden wir von einem mit Gewehr bewaffneten Stanley die 200 Meter zu unserer Hütte begleitet. Wir sind etwas irritiert darüber, es müsse aber sein wegen der "lions"... nun gut.. wir kommen obermegasicher in unserem Zimmer an und haben das Gefühl, dass wir ganz schön tolle Momente hatten, dafür dass wir ja eigentlich lt. Fremdprognosen kaum was zu Gesicht hätten bekommen sollen. Für morgen steht dann EtoshaNP auf dem Plan. Licht aus.
Teil 809. Juli 2018
20. März 2018: 5.45 Uhr Es hat regnet seit heute Nacht ununterbrochen. Kurz vor 7.00 Uhr haben wir das Frühstück beendet, aber mit dem drive soll noch gewartet werden. Die Gefahr, wieder irgendwo steckzubleiben, sei wohl nicht von der Hand zu weisen. Es sind eh nicht viele Gäste in der Lodge und offenbar hat es einen Teil bei dem Wetter eh im Bett gehalten. Stanley berät sich mit den anderen guides, deren Touris haben wohl aktuell keine Lust auf nasse Füsse. Steffi und ich sehen das anders, dann regnets halt. Aber dann doch lieber unterwegs zumindest die Chance auf Tiere. Fahren wir halt nicht die Seitenpisten, sondern bleiben auf den mainroads?!?. Mal schauen, wie die Entscheidung am Ende aussieht. Eine halbe Stunde später hat sich am Wetter nix getan, aber Stanley kommt zu uns und fragt, ob wir es wagen wollen. Klaro! Unserer kleinen Miniexpedition schließt sich dann noch Sam, eine Südafrikanerin, an. Ihre beiden Freundinnen wollen nicht mit und da wir ansonsten die Einzigen sind, die hier Tatendrang an den Tag legen, kommt sie diese Runde zu uns. Wir entscheiden uns gegen den EtoshaNP und bleiben im Ongava-Gebiet.
Eingepackt in dicke Regenponchos sehen wir alle unglaublich bescheuert aus. Sam und wir finden uns auf Anhieb sympathisch. Die Hüte tief ins Gesicht gezogen startet also die kleine Gurkentruppe unter herzlichem Auslachen untereinander in einen kalten, regnerischen Morgen. Unterwegs begegnen wir einem weiteren Fahrzeug mit wesentlich mehr Leuten drin, die ziehen aber alle einen Flunsch und sitzen missmutig in ihren Sitzen. Da wollte ich jetzt nicht drinhocken müssen. Lt. Tagebucheintrag sind wir um 8.10 Uhr noch trocken, um 9.00 Uhr gibt’s den ersten Kurzvermerk, dass es die Feuchtigkeit teilweise unter den Poncho geschafft hat – um 9.30 Uhr sind wir alle an irgendeiner Stelle durchnässt. Wir sehen Springböcke, Gnus, Gelbschnabeltokos und mehr. Stanley freut sich sichtlich, dass seine Ladung trotz miesem Wetter bei der Sache sind und auch immer wieder Fragen an ihn hat, für die er auch mal ausholen muss und sein Wissen unter Beweis stellen kann.
Meine Kamera blieb diese Runde geschützt in der Tasche, aber einen Einsatz gab es doch. Wir erspähen schließlich zwei Löwen und erfahren, dass es sich bei den stattlichen Kerlen um die beiden Krawall-Brüder handelt, von denen uns gestern berichtet wurde.
Danach machen wir uns auf den Rückweg, jetzt ist uns wirklich allen klamm und kalt zumute. Wir sind froh, uns in trockene Klamotten werfen zu können und werden beim Lunch von den Zuhausebleibern gefragt, ob wir überhaupt was zu Gesicht bekommen haben. Dass wir sogar mit Löwen aufwarten können, wollen sie fast nicht glauben. Is aber so gewesen, ätsch 😉
Dass wir dann zur späteren sundowner-tour für alle „Unbequemlichkeiten“ mehr als entschädigt werden sollten, konnten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnen.
Teil 910. Juli 2018
16.30 Uhr: Der Regen hat aufgehört und die Wolkendecke ist aufgerissen. Sam kommt zu uns rüber und fragt, ob wir die sundowner-tour gemeinsam bestreiten wollen, sie wären jetzt zu zweit. Das geht natürlich klar. Die beiden Mädels steigen direkt hinten ein, sie kennen Flora und Fauna schon und lassen uns daher den direkten Draht zum Erklärbär Stanley auf den Sitzen hinter ihm. Los geht´s:
Grautoko (?) Nachdem wir erfahren haben, dass es flying bananas (und flying chilis) gibt, kann ich alle Tokos fortan leider nur noch höchst unqualifiziert als Bananen in meinem Zwischenspeicher ablegen.
Steffi entdeckt einen Vogel, den wir (natürlich) nicht kennen. Doch bevor wir Stanley um Aufklärung bitten können, ist er auch schon weggeflattert. Im Tagebuch ist daher an dieser Stelle der fachmännische Sichtungsvermerk „buntes Vogerl“ zu finden… vielleicht sehen wir ja später noch welche und werden aufgeschlaut.
ehemalige Giraffe
Uiiii, ein Einhorn!
Die Piste macht plötzlich irgendwie einen unordentlichen Eindruck. Am Wegesrand häufen sich abgeknickte Sträucher und abgerissene Äste. Stanley bemerkt das natürlich auch und nuschelt irgendwas in sein Funkgerät. Namen der gegnerischen Partei muss man offenbar immer genau drei Mal wiederholen, sonst kriegt man keine Antwort
Als er sich zu uns umdreht hat er ein breites Grinsen im Gesicht: elephants in da house! Wir folgen jetzt den Spuren der Verwüstung in kleine Seitenpisten. „watch your head“ macht mehrmals die Runde im Gefährt. Während wir ordentlichst durchgeschüttelt werden, plaudert Stanley ganz entspannt über diese Tiere im Allgemeinen und Besonderen,, dass sehr alte Tiere oft eigene Wege gehen (müssen), damit sie keine Belastung für die Kollegen sind und die häufigste natürliche Todesursache die Folgen des letztmaligen Zahnwechsels sind. Plötzlich hören wir ein Rumoren und Knacken rechts von, sehen aber nüscht. Laut Stanley würden wir die Elefanten eigentlich auch gar nicht zwingend hören, weil sie sich trotz ihrer Größe unglaublich leise fortbewegen, das Knacken der Äste sie in dichter Vegetation aber verrät. Also versuchen wir das Knacken genauer zu orten und haben schließlich Erfolg:
Mehr gibt´s nicht zu sehen, zu viel Grün im Weg, wie mans auch dreht und wendet. Aber hey, wir haben immerhin ein Ohr gefunden, das ist doch schon was.
So dachten wir zumindest, hatten aber die Rechnung ohne Stanley gemacht. Er funkt hektisch mit einem Kollegen und ist irgendwie aus dem Häuschen. Als sich das Geknacke wieder in Bewegung setzt und noch tiefer zwischen den Bäumen verschwindet, gibt Stanley plötzlich Gas. Also so richtig Gas, sofern das bei den regennassen Pisten möglich war. Wir kriegen ein bisschen große Augen, aber nach einem „watch your head ALL THE TIME“ wirft er uns ein paar Brocken zu - jetzt muss er sich dann wohl auch mal konzentrieren. „very old male“… „always alone“ … „long time last contact“… „maybe I know”… jetzt sind wir auch aufgeregt. Wir sind am äußersten Rand von Ongava angekommen, an einer Grenzschneise. Und keine Sekunde zu früh und keine zu spät. Denn genau jetzt hat er seinen Auftritt.
„The retired general“, über 50 Jahre alt und riesengroß. Alle im Auto sind mucksmäuschenstill, während dieses Bollwerk in etwa 200m Entfernung auf dem Wald bricht und in unsere Richtung schwenkt.
Er biegt wieder an, och schade...
Doch nicht!
Er schlendert direkt auf uns zu und strahlt dabei eine Erhabenheit aus, die fast greifbar scheint. Stanley setzt den Wagen nach einigen Minuten wohlweislich ein ganzes Stück zurück, damit der General ungestört passieren kann. Ich mache wieder nur eine Handvoll Bilder. Und während dieses wunderschöne Geschöpf so an uns vorbeizieht, staunen wir ehrfürchtig und fühlen uns ganz, ganz klein.
Den anschließenden Sonnenuntergang im Busch verpassen wir aus Versehen fast, weil wir die Begegnung durchspielen und Stanley zuhören, der ebenso verzückt ist, den alten Knaben mal wieder gesehen zu haben. Was ein Tag!
P.S. Auch wenn s/w Bilder in Namibia fast witzlos sind, so ist diese Variante Im Nachgang doch eins meiner Lieblinge geworden.
Teil 1016. Juli 2018
21. März: Unser letzter Morgen in Ongava schenkt uns zur Abwechslung mal wieder schönstes Wetter. Da wir erst gegen 10.00 zur nächsten Etappe aufbrechen, fragt Stanley uns während des Frühstücks, ob wir noch eine kleine Mini-Runde mit ihm drehen wollen, wir wären auch sicher wieder rechtzeitig zurück. Er hätte die Info, dass sich nicht allzu weit entfernt ein „blacky“ aufhalte. Da wir, wie die Male zuvor auch, alles schon am Vorabend gepackt hatten und im Prinzip abreisefertig waren, sagen wir gerne zu. Da wir ja für diesen Tag eigentlich nicht mehr „präsent“ sind, wurden ihm schon neue Gäste zugeteilt. Ein Paar aus Frankreich ist dieses Mal mit an Bord. Wir grüßen höflich beim Einsteigen, aber bekommen kaum Reaktion zurück. Auch recht…
Wir fahren schnurstracks zu dem Gebiet, in dem das Rhino sein soll und bewundern auf dem Weg dorthin wieder das ein oder andere black-faced impala und jede Menge Zebras. Ich stelle fest, dass Zebras wirklich extrem hübsche Tiere sind und irgendwie zu Unrecht oft ein wenig unter dem Radar laufen. Die filigrane Zeichnung ist so vielfältig, dass man die Tiere wirklich gut voneinander unterscheiden kann, wenn man mal ein wenig genauer hinschaut. Unsere Mitfahrer gehen uns zu diesem Zeitpunkt ehrlich gesagt schon ein wenig auf den Senkel, sie fummeln unentwegt auf der Rückbank und gackern zu den ungünstigsten Momenten los, was alle Zwei- und Vierbeiner stört. Stanley versucht wiederholt verständlich zu machen, dass es sinnvoller wäre, ein wenig leiser zu sein, aber das hat immer nur eine sehr begrenzte Halbwertszeit. Sollte das „blacky“ irgendwo in der Nähe gewesen sein, dann hatte es auf so viel Getöse sicher auch keine Lust und sich wohlweislich gut versteckt. Wir können es ihm und den anderen Tieren nicht verübeln und denken uns unseren Teil. Wir bewundern lediglich Stanley, der die zwischendurch aufplöppenden Einwürfe von der Rückbank professionell beantwortet. Nur einmal ist auch er kurz sichtlich irritiert, fängt sich aber schnell wieder und beantwortet die Frage, wie genau denn Elefanten jagen, um an Fleisch zu kommen, kurz und knapp.
Nach diesem kleinen Intermezzo sind wir nicht böse, dass wir recht zügig wieder zurück im Camp sind. Wir verabschieden uns herzlich vom Team und hüpfen kurz vor 10.00 Uhr in den Geländewagen, der uns ans östliche Ende der Etosha bringen soll. Auf diesen Tag habe ich mich im Vorfeld schon irre gefreut. Steffi erzähle ich erst bei der Einfahrt in den NP, dass wir heute den ganzen Tag hier durchfahren und wohl erst gegen Nachmittag in der nächsten Lodge ankommen werden, was spontane Begeisterungsanfälle auslöst.
Das erste Mal am großen Eingangsschild vorbeizufahren, ist schon echt saucool und macht einem irgendwie noch mal so richtig bewusst, dass man echt ganz wirklich in Afrika ist. Als erstes begegnen wir wieder einer großen Horde Helmperlhühner, die völlig unkontrolliert kreuz und quer über die Straße eiern. Ich habe bisher noch kein Helmperlhuhn gesichtet, dass irgendwie den Eindruck machte, zu wissen, wo es sich grade befindet und was es in den nächsten zwei Minuten zu tun gedenkt. Auch jetzt hat man ein wenig das Gefühl, jedes dritte Huhn habe aus Versehen suizidale Tendenzen. Der Begriff „Busch-Dummie“ fällt und ist ab da für sie gesetzt.
Die nächsten zwei Stunden genießen wir meist schweigend die grenzenlose Weite und die vielen Tiere und haben das Gefühl, ewig so weiterfahren zu können.
Gegen 13.00 Uhr erreichen wir Halali und machen ein Stündchen Pause bei Burgern und Cola. Gerade als wir uns hingesetzt hatten, fängt es an, aus Eimern zu schütten und wir müssen und schnell ein neues Plätzchen suchen, da der Regen vor allem über unserem Tisch irgendwie ungehindert durchkommt. Mit vollem Bauch und leerer Blase startet dann die zweite Etappe. Wir passieren ein Fahrzeug mit Reifenschaden, aber es haben sich schon Helfer gefunden. Auf einem Fahrzeug stehen zwei Leute auf dem Dach und halten Ausschau, diese signalisieren uns auch, dass wir weiterfahren sollen und alles unter Kontrolle sei. In den kommenden drei Stunden Fahrt klart das Wetter schnell wieder herrlich auf und sorgt für beste Sicht auf jede Menge Tiere.
Angaben bei Vögeln wie immer völligst ohne Gewähr 🙄
Singhabicht
Gabelracke
Sekretär
Kurz nach 17.00 Uhr erreichen wir schließlich Onguma und stellen schnell fest, dass dies wohl das Highlight unter den Unterkünften werden dürfte. Wir essen noch eine Kleinigkeit und ziehen uns dann in unsere Hütte zurück, um den Sonnenuntergang in Ruhe von der Terrasse aus zu betrachten. Am ca. 40m entfernten Wasserloch ziehen Springböcke vorbei, während sich in der Ferne ein Gewitter zusammenbraut, was wieder einen dramatischen Himmel verheißt. Mit einem Savanna in der Hand und dem mittlerweile obligatorisch gewordenen „Zieh´s dir rein!“ schauen wir zu.
Elefant am Horizont, wir müssen natürlich sofort an den General denken 😉
Während ich dann in Ruhe Fotos sichte und sichere, widmet sich Steffi der Aktualisierung des Tagebuchs und dann ist recht früh Nachtruhe angesagt. Steffi gefällt es hier ebenfalls super, wie gut, dass wir hier sogar drei Nächte bleiben. Das erfährt sie aber erst morgen 😗
Teil 1117. Juli 2018
Nu hab ich ein wenig getrödelt, dafür gibt´s jetzt direkt den nächsten Tag am Stück 😗
22. März 2018: 5.00 Uhr Der Wecker klingelt. Zum Wachwerden werfen wir uns auf die Terrasse. Es ist noch dunkel, Löwen brüllen in der Nähe. Guten Morgen, Namibia!
Um 6.30 Uhr starten wir den morning drive mit Abraham. Kaum losgefahren, wartet schon nach wenigen Kilometern eine süße Überraschung auf uns: in der Dämmerung erkennen wir zwei Löwen im Gras. Erst bei genauem Hinsehen sehen wir den dritten Mini-Löwen, der gierig an Mamas Milchbar hängt. Der kleine Kerl ist knapp 2 Monate alt und ein absolutes Energiebündel, wie sich schnell herausstellt.
Erst wenn er ein wenig älter und kräftiger ist, wird er ins Rudel integriert, bis dahin bekommt er Einzelbetreuung. Er ist ein richtiger Springinsfeld und seine Mama hat ihre liebe Not, ihn zu bändigen. Da er keine Geschwister hat, spielt er mit allem, was ihm vor die Nase kommt und geht damit seiner Umwelt ganz offensichtlich gewaltig auf den Zeiger. Sei es der vorbeilaufenden Koritrappe, der er auflauert oder seinem Papa, in dessen Schwanz er mehrfach beherzt reinbeißt. Als der Filius dann aber die Toleranzgrenze des männlichen Löwen überschreitet und von diesem kurz gemaßregelt wird, ist in Sekundenbruchteilen seine Mama zur Stelle, die dem Vater eine saftige Ohrfeige verpasst und ganz schnell klar macht, wer hier die Erziehungsberechtigung hat. Ganz schön giftig, die Gute. Zum Zuschauen ist es allerdings die reinste Freude.
Für Fotos war eine ganze Weile noch zu dunkel, aber dann reicht es für ein paar Schnappschüsse. Und als persönliches Sahnestückchen gelingen mir tolle Videos von einem überaus knuffigen Löwenbaby, dass popowackelnd im Gras lauert, ausgelassen durch die Gegend tobt und einer Löwin, die ihr durchdringendes Gebrüll zum Besten gibt. Sie haben wir wohl auch heute früh gehört. Die Mama ist wirklich fürsorglich und spielt geduldig mit ihrem Nachwuchs, Steffi hätte dem kleinen Kerlchen trotzdem gerne einen Tennisball geschenkt, wenn er schon keine Geschwister hat 😏 . Dem Kater wird das Ganze irgendwann zu lästig und er macht sich auf zu seiner Revierrunde - und auch wir trennen uns schweren Herzens von dem Anblick und starten in Richtung EtoshaNP.
Wir sehen wieder riesige Springbockherden, Oryx, Gnus, Zebras und Strausse. Zwei Tüpfelhyänen kreuzen unseren Weg, sie haben es aber sehr eilig und daher verplempere ich erst gar keine Zeit damit, unbedingt ein Foto machen zu wollen. Ich versuche mich dafür mal wieder an Vogelbildern, aber die Ausbeute ist bekannt mager 🤨
Gabelracke ( ist übrigens das "bunte Vogerl", das wir vor ein paar Tagen noch unbekannterweise als solches vermerkten)
Bienenfresser
junger Singhabicht (?)
Ein einzelner Giraffenbulle ist das zweite und letzte s/w-Motiv der Reise.
Es ist zwar recht frisch an diesem Morgen, aber die Zeit vergeht trotzdem wie im Flug. Gegen Ende des drives stolpern wir dann sogar noch über drei Geparden. Laut Abraham muss man dafür schon ein Quäntchen Glück mitbringen, denn nur ein geringer Prozentsatz der gesamten Population befindet sich wohl tatsächlich im NP. Eine Mutter mit ihren beiden fast erwachsenen Jungtieren streift über die Ebene und wir bewundern die schiere Eleganz in jeder Bewegung. Die beiden Halbstarken sind zum Raufen aufgelegt und belauern sich abwechselnd im Gras. Unglaublich, wie sie selbst bei einem spielerischen Spurt gewaltig Strecke machen. Ein einzelnes Gnu schaut völlig unbeeindruckt zu, während das Trio an ihm vorbeischlendert.
Als sie sich in einem dichten Gestrüpp niederlassen, machen wir uns ebenfalls vom Acker und zuckeln zurück in die Lodge.
Den Rest des Tages haben wir uns mal wieder komplett freigehalten, verbringen fast den ganzen Nachmittag auf unserer Terrasse und schauen den verschiedensten vierbeinigen Gästen zu, die auf ihrem Weg zum Wasserloch direkt an uns vorbeiziehen, während wir Reisetagebuch und Fotoarchiv auf dem aktuellsten Stand bringen.
Der abendliche sundowner ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern und so ganz anders als gestern mit den recht bedrohlich wirkenden Gewitterfronten in der Ferne. Heute bekommen wir ein Farbspektakel geboten, dass auf seine Art dem Schauspiel in Mowani Konkurrenz macht. Zieh´s dir rein! 🤩
Nach einem leckeren Kudusteak fallen wir müde ins Bett und stellen den Wecker für den morgen früh anstehenden bush-walk.
Teil 1231. Juli 2018
23. März 2018: 5.00 Uhr Wir sind inzwischen geübte Frühaufsteher. Ganz im Gegensatz zu den qualvollen Momenten zuhause, hüpfe sogar ich halbwegs elegant und nur mit minimaler Verzögerung aus den Federn. Aber booten auf der Terrasse muss ich trotzdem. Ich kann morgens einfach nix. Gar nix. Aber hier geht der Prozess trotzdem deutlich schneller vonstatten *g. Eine Stunde später sitzen wir gestriegelt und gebürstet beim Frühstück und haben den Essbereich quasi für uns alleine. Um 6.30 Uhr erwartet uns Abraham zum bush-walk. Mal wieder sind wir die einzigen, die unternehmungslustig sind - und so starten wir als gut gelauntes Trio gen Sonnenaufgang. Abraham ist mit einem Jagdgewehr bewaffnet (das er zum Glück noch nie benutzt hat und was hoffentlich auch so bleibt), wir mit Fernglas. Die Kamera habe ich zuhause gelassen, damit ich gar nicht erst von potentieller Motivsuche abgelenkt werde und alle meine Sinne beisammen habe.
Die nächsten 2,5 Stunden sind gefüllt mit interessanten Details zu Flora und Fauna und vielen kleinen und großen Tieren, die man ganz anders wahrnimmt, wenn man selbst auch zu Fuß unterwegs ist. Wir könnten jetzt einen dreiseitigen Aufsatz über Termitenhügel und ihre Bewohner verfassen, auch über jene, die gar keine Termiten sind. Deswegen immer schon auf Extra-Abstand bleiben, wenn ein solcher Hügel Löcher hat, dann hat sich womöglich eine Schlange dort häuslich eingerichtet. Und ich weiß ganz sicher, dass ich im nächsten Leben auf gar keinen Fall Termitenkönigin werden möchte, auch wenn ich von meinen Arbeitern bei Umzug getragen werde.
Ein Schabrackenschakal guckt uns noch etwas verschlafen zu, während wir eifrig wilde Kartoffeln und Aloe-Pflanzen identifizieren und über deren Einsatz unterrichtet werden. Theoretisch könnten wir jetzt auch Fische fangen, denn wir erfahren, dass man mit den geschälten Wurzeln des fish poison tree Fische betäuben kann, so man denn einen Fluss zur Hand hat. Ein Marabu fliegt über unsere Köpfe hinweg, Springböcke ziehen in der Ferne vorbei und wir passieren in sicherem Abstand eine Herde Zebras mit Fohlen, die nur mäßig Notiz von uns nehmen.
Abraham lässt uns Fährten suchen und diverse Hinterlassenschaften analysieren im Hinblick auf zugehöriges Tier, Marschrichtung und die Information, ob eben jenes Tier viel oder wenig Wasser zu sich genommen hat. Am einfachsten sind Giraffenköttel zu erkennen, da sind wir uns einig. Dann hören wir in der Nähe das typische Husten von Gnus, umrunden vorsichtig einen kleinen Hügel und sehen eine stattliche Herde vor uns. Alle Köpfe heben sich synchron und glotzen uns an. Wir ziehen uns wieder etwas zurück… die Gnus setzen sich ebenfalls in Bewegung. Es ist noch immer viel Platz zwischen uns und alle Beteiligten machen einen entspannten Eindruck. Während wir langsam wieder das Fahrzeug erreichen, dackeln uns die Gnus noch etwas hinterher, wollen dann letztendlich aber doch nicht mit zurück in die Lodge fahren.
Bis zum Lunch verbringen wir herrlich entspannte Stunden in und um die Lodge herum, heute haben es uns die (Masken?-)Webervögel angetan, die einen Baum ganz in der Nähe des Haupthauses mit ihren kunstvollen Nestern dekorieren. Ein Weibchen ist wohl ganz und gar nicht zufrieden mit dem handwerklichen Geschick ihres Göttergatten und macht sich lautstark schimpfend daran, das ganze Gebilde wieder einzureißen. Er sitzt bedröppelt einen Ast weiter und macht sich wohl Gedanken, wie er ihr im nächsten Versuch ein Schöner-Wohnen-Erlebnis hinzaubern kann.
Nach dem Essen wollten wir eigentlich nur eine kleine Ruhepause auf der Veranda einlegen, doch dann sind wir da tatsächlich eine ganze Weile kleben geblieben, weil es so viel zu gucken gab. Eine Truppe Springböcke graste friedlich in unmittelbarer Nähe und ein einsames Gnu zog zunächst total unentschlossen von Bäumchen zu Bäumchen, um sich dann mit einem tiefen Seufzer unter einen winzigen Busch zu zwängen.
Dann hörten wir in der Ferne ein Grollen, dass nicht so recht zuzuordnen war. Doch das Geräusch kam näher und entpuppte sich als ganze Gnuherde, die auf einmal durch unseren Vorgarten galoppierte. Es gab für uns also keinen Grund woanders zu sein ^^^. An diesem Tag zogen wir übrigens ein Fazit: Springböcke sollten nicht Springböcke heißen, sondern Geh- oder Stehböcke. Von diesem wunderhübschen Tier hatten wir inzwischen rein numerisch die meisten Exemplare gesehen, hunderte… und davon sind drei oder so gesprungen. Gehüpft. Ganz kurz. 😐
Schließlich war es Zeit für die sundowner Tour mit Abraham, dieses Mal wieder innerhalb Ongumas. Fotos gibt es nicht von jedem Tier, aber laut Tagebuch war das hier die genaue Abfolge:
1. Grey Go-Away-Bird 2. Sattelstorch
3. Weißrückengeier
4. Impalas
5. Steenbok 6. Nilgansfamilie mit 8 Küken 7. Zebras 8. Giraffenbulle 9. Noch mal 10. Warzenschwein mit Nachwuchs 11. Tawny Eagle 12. Schabrackenschakal 13. Gnuherde, Springböcke, Giraffen 14. Mehr Giraffen
15. Alles voll mit Giraffen
Schließlich erreichen wir den Platz, den sich Abraham für den sundowner ausgesucht hat. Wolkenberge türmen sich recht schnell auf.
Im Norden zieht eine gewaltige Regenfront vorbei, im Osten und Süden blitzt es wie verrückt. Doch auf unserem Fleckchen bleibt alles trocken und während wir zwischen drei Wetterfronten stehen, reißt der Himmel im Westen auf. Total verrückt.
Die Heimfahrt wird dann allerdings sehr schnell sehr nass. Bis wir die Planen überall runtergefrimmelt haben, sind wir alle schon komplett geduscht. Und als wir endlich alles dicht haben, hört es so schnell wieder auf wie es angefangen hat. Nach einem leckeren Abendessen packen wir gegen 21 Uhr unsere Sachen zusammen für die morgige Weiterfahrt zu unserer nächsten und letzten Station der Reise: Okonjima. Steffi weiß nur, dass wir jetzt wieder Richtung Süden aufbrechen. Draußen gibt ein Gewitter alles, die Blitze blenden uns richtig, aber es fällt kein Tropfen Regen mehr.
Gute Nacht, Onguma!
Teil 1311. Aug. 2018
24. März 2018: 7.00 Uhr
Wir genießen zum letzten Mal den morgendlichen Zauber auf unserer Dachterrasse mit dem tollen Blick aufs Wasserloch. Nach dem Frühstück geht´s wieder in südliche Richtung, unsere letzte Lodge steht auf dem Plan. Nach einer eher ereignislosen Fahrt erscheint gegen 12.30 Uhr das große Hinweisschild und die Vorfreude steigt enorm: Okonjima, wir kommen! Ich hatte zwar hier im Forum schon mal gelesen, dass es noch ein ganzen Stückchen dauert, bis man von der Zufahrt aus dann wirklich sein Ziel erreicht hat, aber dass es soooo lange dauert… *gg. Der kleine handelsübliche Hyundai kämpft sich tapfer durch die Schlaglöcher auf der Piste, dann endlich erscheint das imposante Tor mit dem Geparden mitten im Nirgendwo. Achso, wir sind noch immer nicht da.. nun gut.. wir ignorieren tapfer das Stechen in der Nierengegend, während wir uns eher hoppelnd vorwärts bewegen und treffen um kurz nach 1 im Bush Camp ein, wo wir mal wieder überaus herzlich empfangen werden. Wir beziehen Hütte Nr. 2 und streiten uns kurz, wer während des Aufenthalts hier für den Schlüssel zuständig ist: der XXXXL-Schlüsselanhänger in Gepardenform ist nämlich nicht mal eben so in der Hosentasche verstaut. Hütte Nr. 2 besteht, wie alle anderen hier auch, eigentlich aus 2 Hütten. Ein Schlafzimmer mit Bad und dann noch ein separater „livingroom“ mit ein zwei leicht monströsen Liegen und einem prima Panorama-Blick.
Schon beim Betreten der Hütte fällt unser Blick direkt auf das Begrüßungskomitee, das es sich vor unserem Fenster bequem gemacht hatte.
Wir hatten bisher nur auf Onguma mal zwei Warzenschweine gesehen, was mir persönlich deutlich zu wenig war, denn ich stehe einfach auf diese Viecherchen. Mein Papa würde jetzt sagen, die sind hübsch hässlich, ich finde sie einfach ulkig mit ihren Antennenschwänzchen und dieser etwas verunglückten Mähnenkomposition *g. Wir nennen die beiden Schönheiten kurzerhand Madonna und Britney und teilen ihnen mit, dass sie gerne weiter hier rumwohnen dürfen. Es erstaunt uns zwar, dass sie so nah dran ein Nickerchen halten, aber als uns gesagt wird, dass in den Hütten Vogelfutter bereit steht, ist uns dann auch klar, warum sie wahrscheinlich hier so tiefenentspannt rumliegen. Wir sind uns nicht ganz sicher, wie wir das finden sollen, beschließen aber, uns erst mal anzuschauen, wie die Tiere sich in der kommenden Zeit uns gegenüber verhalten.
Sogar ein Schakal hält sich etwas abseits auf, ob er auch auf Futter der Gäste hofft, wissen wir natürlich nicht.
Unter den gefiederten Anwohnern hatte sich inzwischen wohl auch rumgesprochen, dass neue Touris eingetrudelt sind. Denn nachdem wir grade mal unsere wichtigsten Dinge ausgepackt und uns kurz fürs Lunch aufgefrischt hatten, war vor unserem Wohnzimmer bereits die Hölle los. Buschdummies rennen in einer großen Gruppe auf und ab, Tokos und Frankoline versuchen, dazwischen nicht umgerannt zu werden und trotzdem einen Platz an vorderster Front zu ergattern. Na gut, vielleicht ist der Schakal ja auch ihretwegen da. Wir schauen dem lautstarken Spektakel noch kurz zu, aber dann gewinnt der Hunger und wir dackeln los Richtung Haupthaus. Gefühlt schauen uns 50 Augenpaare ganz enttäuscht hinterher.
Nach dem Lunch begrüßt uns unser zuständiger Guide, Previous. Wir mögen ihn auf Anhieb, er hat definitiv den Schalk im Nacken und sprüht vor Tatendrang. Er erwartet uns um 16 Uhr zu einem drive, wir sind natürlich pünktlich und sehr gespannt auf die AfriCats. Ich hatte mich im Vorfeld schon ein wenig schlau gemacht über die Arbeit der Stiftung und hoffe nun sehr, dass mein gutes Gefühl nicht getrübt werden würde.
Previous hat eine wunderbare Art zu erzählen und immer ein so breites Grinsen im Gesicht, dass es die reinste Freude ist, ihm bei seinen Ausführungen über AfriCat und die Tätigkeitsfelder zuzuhören. Heute möchte er mit uns Leoparden suchen. Die Zufahrten zum Reservat selbst sind nochmals separat gesichert und er hat eine große Antenne dabei, mit der er zwei bestimmte Tiere anpeilt, die in der Gegenwart der Geländewagen recht gelassen bleiben sollen. Trotz der Peilsender kann es eine ganze Weile dauern, bis man die Tiere findet. Und selbst wenn man ungefähr weiß, wo sie sind, heißt das noch lange nicht, dass man sie auch zu Gesicht bekommt. Wir harren also der Dinge, die da kommen mögen und haben ein wachsames Auge auf die Umgebung. Wieder schaut die Landschaft ganz anders aus und viele kleine und große Tiere lassen sich blicken.
Unser erster Kudu-Bulle. Was für ne tolle Optik, erinnert irgendwie ein wenig an einen Schamanen.
Insgesamt drei Wildpferde erspähen wir zwischendurch.
Schließlich wird das gesuchte Leopardensignal stärker und Previous´ Fahrweise immer abenteuerlicher. Wir haben ja jetzt schon einige drives hinter uns und sind durchaus ein bisschen was gewöhnt, aber was Previous dem Vehikel abverlangt ist schon ´ne Hausnummer. Büsche, Hecken und Gräben scheinen für ihn nicht existent, was uns zwar an sich einen Heidenspaß macht, aber trotzdem das ein oder andere Fragezeichen in Sachen Nachhaltigkeit zurücklässt. Die Suche dauert alles in allem knapp 1,5 Stunden, aber dann sehen wir sie tatsächlich: Isaskia und ihr Sohn
Vor uns bewegt sich reine Muskelmasse in absoluter Anmut, diese Tiere sind schon eine wahre Augenweide. Wir erfahren, dass mit Leoparden wirklich nicht zu spaßen ist, sie töten auch Geparde, um an deren Beute zu kommen. Solch ein Vorfall passierte wohl erst zwei Tage zuvor.
Die beiden Schönheiten vor uns haben leider nach ein paar Minuten die Nase voll von uns und verschwinden im Dickicht. Wir versuchen es zwar noch mal aus einem anderen Winkel, aber mehr als eine Schwanzspitze sieht man nicht mehr hervorblitzen. Die Tarnung ist auf jeden Fall effektiv. Wir brechen wieder auf und halten an einem kleinen See, um den Sonnenuntergang zu bestaunen.
Gegen 20 Uhr sind wir zurück in der Lodge. Wir haben mächtig Hunger und freuen uns aufs Abendessen. Im Speisesaal haben die meisten Gäste ihre Mahlzeit schon beendet, doch als sich die Blicke mit dem Pärchen vom Nachbartisch kreuzen, stutzen beide Seiten. Wir haben uns doch schon mal gesehen… Stimmt! Die verrückten Hollis, mit denen wir das Deadvlei besucht haben. Wir tauschen uns ein wenig über unsere jeweiligen Stationen und Erlebnisse aus und fallen um 22.00 Uhr ins Bett.
Morgen steht Geparden-Tracking auf dem Plan. Zu Fuß. Yippieh!
Teil 1414. Aug. 2018
25. März 2018: 05.00 Uhr
Schakale feiern eine Party vor unserer Hütte - wir sind dann mal wach. Passt aber eh gut, denn um 6.30 Uhr startet das Gepardentracking. Am Abend zuvor sind wir am Lagerfeuer noch mit einem netten jungen Paar aus Österreich ins Gespräch gekommen. Sie sind gerade erst in Namibia angekommen und haben ihren Trip noch vor sich. Sie sind heute bei uns mit an Bord. Es ist ihr erster Ausflug in den Busch und die beiden erinnern uns stark an uns vor zwei Wochen, sie sind ganz aus dem Häuschen und trauen ihren Augen kaum. Previous hat uns vor Fahrtbeginn kurz zur Seite genommen und gefragt, ob es für uns okay wäre, wenn er an jedem Grashalm bzw. Gnu anhält, weil die beiden anderen Gäste ja neu im Land seien. Wir bejahen das natürlich, zum Einen sind wir eh nicht der Meinung, dass irgendein „Stop“ für ein Tier oder eine Pflanze je verschwendet sein könnte, zum Anderen finden wir es einfach doof, wenn man da jetzt die „Vollprofis“ raushängen lässt, die schon ach so viel gesehen haben und dankend abwinken. Macht man nicht. Also halten wir wirklich für jeden Schakal und jedes Kudu und erfahren tatsächlich noch so manche bis dato unbekannte Info zu den Tieren. Da wir ja inzwischen dann doch schon ein bisschen Wissen zu den Tieren haben oder Arten benennen können, helfen wir zwischendurch mal aus, wenn es etwa mit dem Englisch hapert, erzählen ein wenig von unseren eigenen Erlebnissen und haben so alle gemeinsam eine tolle, entspannte Tour auf dem Weg zu den Geparden.
Für den Lacher des Tages sorgte irgendwann zwischendurch das Mädel. Dazu muss man im Vorfeld sagen, dass sie total verrückt nach Giraffen war, ihre aaabsoluten Lieblingstiere, und sie konnte es kaum erwarten, endlich eine live vor sich zu sehen. Es war unglaublich niedlich, wie sie von den Tieren schwärmte und ihr die Herzchen quasi aus den Augen quollen. Und dann gab es ja noch so viel anderes bestaunen, sie kam gar nicht klar und war damit einfach nur hochgradig putzig. Während eines Stopps erklärt Previous grade etwas über die Schildkröte, während der wir angehalten hatten. Das Mädel fotografiert diese Schildkröte und ist ganz vertieft, als sich plötzlich zwei noch recht junge, bildhübsche Giraffen ihren Weg aus dem Busch bahnen, direkt neben dem Auto stehenbleiben und an Ästen rumknabbern. Alle im Auto sagen keinen Ton und grinsen sich einen ab, das Mädel bemerkt die Tiere einfach nicht. Sie knipst hingebungsvoll weiter diese Schildkröte, die Giraffen stehen 3 Meter daneben. Ihre Reaktion, als sie endlich kapiert, was hier grade passiert, und die damit verbundene Situationskomik waren unbezahlbar.
Plötzlich meine ich, im Dickicht ein Ohr erkannt zu haben. Previous setzt den Wagen ein Stückchen zurück.. und tatsächlich. Ich habe einen Geparden gefunden. Ha! Ich! Nicht der Ranger mit den übermenschlichen Adleraugen. Ich bin natürlich stolz wie Oskar, aber die Sichtungsfreude wird ein wenig getrübt, als wir erklärt bekommen, dass der Bruder dieser Gepardin besagtes Opfer der Leoparden drei Tage zuvor geworden ist. Seitdem wandert sie rastlos umher und stößt immer wieder Ruflaute aus, die uns ans Herz gehen. Wir lassen sie recht schnell in Ruhe und folgen weiter dem Signal der Geparde, die Previous für heute vorgesehen hatte.
Dann ist es endlich soweit, wir dürfen das Vehikel verlassen und folgen Previous im Gänsemarsch eine ganze Weile durch die dichte Vegetation. Das ist wieder einfach ein Erlebnis an sich. Und dann hören wir nicht mehr nur das Klackern des Peilsignals, dann sehen wir auch die Verursacher. Zwei schon etwas ältere Brüder, die sich genau null für uns interessieren und gechillt die Morgensonne genießen: Sniper und Spitfire.
Wir dürfen uns bis auf wenige Meter nähern, das hatte ich so gar nicht erwartet. Es ist absolut wunderbar, diesen beiden bildhübschen Jungs aus so geringer Distanz betrachten zu dürfen. Sie frönen der Fellpflege und dem fröhlichen Nichtstun und sehen unglaublich desinteressiert aus, doch die Ohren sind immer in unsere Richtung gedreht. Als sich einer der beiden dann kurz mal erschreckt, sieht man aber auch, wie blitzschnell und anmutig sie sein können. Doch die Aufregung ist auch genauso schnell wieder verflogen, mit einem leisen „bonk“ fällt der Gepard wieder um und schaltet seinen Motor ein, während er von seinem Bruder abgeschlabbert wird.
Auf dem Rückweg sehen wir dann noch einen Adler, der von drei Habichten gemobbt wird. Sie fliegen immer wieder im Doppelpack aus der Baumkrone im Sturzflug auf ihn herab und wollen ihn ganz offensichtlich loswerden, was ihnen schließlich auch gelingt. Der Adler scheint eine Art Geschwulst an der Brust zu haben, macht ansonsten aber einen topfitten Eindruck. Previous hat selbst seine fette Canon mit dabei und macht ebenfalls eifrig Fotos. Für uns ist das natürlich ein Glücksfall, weil er bei jedem Fotostopp auch das Auto immer so platziert, dass das Licht optimal fällt.
Kurz vor 10.00 Uhr sind dann wieder zurück im Camp und frühstücken erst mal gemütlich. Danach wollen wir uns die AfriCat Foundation mal genauer anschauen.
Teil 1527. Okt. 2018
Hallo alle, es tut mir leid, dass dieser RB hier so in der Luft hing, aber ich war durch absolut unvorhergesehene Umstände leider sehr lange außer Betrieb gesetzt worden. Da ich keine unfertigen Sachen mag, setz ich mich jetzt natürlich wieder ran, schließlich ist unser Trip an diesem Punkt schon sehr auf der Zielgeraden. Ich hoffe, der Ein oder Andere steigt wieder mit ein. Also, weiter geht’s… *hust 😗 :
11.00 Uhr Wir besuchen die Einrichtungen rund um die AfriCat-Foundation, die sich - wie ja bereits bekannt – der Hege und Erhaltung der Raubkatzen verschrieben hat und zudem als Vermittlerin zwischen den Interessen der ansässigen Farmer und des Wildtiermanagements fungiert. Wir werden durch den medizinischen Bereich geführt, bekommen ausführliche Infos rund um die gesundheitliche Versorgung der Katzen, die so sparsam wie nötig eingesetzt wird, können die Funkhalsbänder begutachten und auch einen Blick auf diverse Exponate werfen. Im Anschluss fährt Previous mit uns in das riesige Auswilderungsgehege, in dem gerade fünf junge Geparde auf ihre Zeit im Reservat vorbereitet werden. Während er nach und nach die Jungspunde sucht und findet, biete uns Nummer 5 am Ende noch ein eindrucksvolles Beispiel in Sachen Tarnung. Während der Wagen hält und Previous erklärt und erklärt, wird sein Grinsen immer breiter. Schließlich fragt er uns, ob wir den jungen Kater immer noch nicht entdeckt hätten. Wir gucken ratlos, natürlich haben wir während seiner Ausführungen fleißig nach Nummer 5 Ausschau gehalten. Jetzt suchen wir jeden Busch und Baum nochmals ab… nix Gepard, wir sind uns total sicher. Als er dann ins Gras neben dem Fahrzeug deutet, packen wir uns echt an den Kopf. Der junge Kerl liegt mucksmäuschenstill 7-8 Meter neben uns im offenen Gelände. Wir haben ihn mehrfach übersehen, so perfekt ist seine Tarnung,. Der hat´s uns aber mal gezeigt..
Wir drehen noch eine kleine Runde über Okonjima und verbringen den restlichen Tag in der Lodge, denn wir haben statt des nachmittäglichen drives heute Abend einen Besuch im night hide vor.
Mein etwas verhunztes und einziges Bild einer Schabrackenhyäne, die wir nur ganz kurz zu Gesicht bekamen und die nur deswegen nicht sofort wieder von der Bildfläche verschwunden ist, weil Previous plötzlich die Laute eines sterbenden Gnus imitiert hatte 😵
Welcher Vogel ist das? Haben wir bis heute nicht rausgefunden...
Wir nutzen die freie Zeit, um eine Handvoll Mitbringsel für die Familie zu besorgen und verbringen die Zeit bis zum Abendessen mit den beiden netten Ösis am Lagerfeuer. Unser letzter Abend abseits der Zivilisation gibt noch mal alles in Sachen Atmosphäre. Der Himmel zaubert eine violette Dämmerung, jenseits des Sees grast eine Herde Kudus friedlich vor sich hin und die Löwen brüllen. Wir genießen jede Sekunde, viel idyllischer geht kaum noch.
Previous gesellt sich dazu und erzählt uns schon mal etwas über den Ablauf später. Wir werden ein Stückchen fahren müssen und wenn wir angekommen sind, sollten wir versuchen, das etwas unwegsame Gelände möglichst ohne viele Geräusche oder verstauchte Gliedmaßen meistern. Er fragt, was wir zu sehen hoffen, die anderen drei haben keine Wünsche, aber ich bestelle mir ein Stachelschwein!
Nach dem Essen hüpfen wir gegen 21 Uhr wieder in die Geländewagen. Nachts ist die Luft noch mal von ganz anderen Geräuschen erfüllt, aber vielleicht kommt einem das auch nur so vor, weil man so konzentriert ins Nichts guckt. Für evtl. Sichtungen wird ein Rotlichtstrahler benutzt, der offenbar die Tiere nicht so stört oder blendet wie normale Schweinwerfer. Finden wir dann gut. Was uns nicht so klar war und wir dann irgendwie nicht ganz so gut finden, ist der Umstand, dass wir im night hide nicht vollkommen auf unser Glück angewiesen sind, sondern auch die Reste des Salats vom Abendessen die Reise mit uns angetreten haben, um nun als leckeren Anreiz zu dienen. Keine Ahnung, was wir uns genau gedacht hatten, aber die Vorstellung, dass sich in der Dunkelheit quasi schon eine Schlange diverser nachtaktiver Tierchen bildet, die auf ihren Auftritt warten, rockte nicht so. Am Ende waren es dann doch „nur“ drei Akteure, die wir erleben konnten. Ein Schakal kommt nach fünf Minuten vorbei und mampft in Windeseile so gut wie alles weg. Eine Eule lässt sich auf dem Baum gegenüber des Verstecks nieder und dann tut sich erst mal gar nix mehr. Nach knapp einer halben Stunde hören wir dann aber ein Schnaufen und Schaben und um die Ecke biegt - ein Stachelschwein. Tada! Wer hätte das gedacht, höhö. Das versöhnte wieder etwas, und nach insgesamt einer Stunde reglos rumsitzen sind wir dann auch nicht böse, als wir wieder aufbrechen und die Glieder strecken dürfen. Gegen Mitternacht sind wir im Bettchen und denken etwas traurig daran, dass morgen unser letzter Tag abseits der Zivilisation anbrechen wird.
Teil 1619. Nov. 2018
26. März 2018: 07.00 Uhr:
Verglichen mit unseren bisherigen Aufstehzeiten lassen wir es heute mal richtig krachen und schlafen quasi aus. Es ist unser letzter Morgen jenseits der Zivilisation und wir genießen ein letztes Mal den Zauber eines afrikanischen Morgens mit seinen Geräuschen und Düften. Wir schlürfen gemütlich Tee und Kaffee in unserem „Wohnzimmer“ und fragen uns, wie lange wir wohl brauchen werden, um uns wieder an den Alltag zuhause zu gewöhnen. Später schlendern zum Haupthaus, frühstücken in Ruhe und halten noch ein paar kleine Schwätzchen mit den Angestellten. Um 12 Uhr werden wir abgeholt zum Rückflug nach Windhoek, daher packen wir unsere Habseligkeiten zusammen und haben schließlich noch über ein Stunde Zeit. Wir machen es uns in unserem „Wohnzimmer“ gemütlich und versuchen, die aufkommende Wehmut so gut es geht zu ignorieren. Ein Schakal beehrt uns, womöglich in der Hoffnung auf Kekse, aber da müssen wir ihn leider enttäuschen. Doch auch die Buschdummies lassen nicht lange auf sich warten und so bevorzugen wir den Gedanken, dass er ihretwegen hier rumstromert anstatt auf Futtergaben der Gäste zu hoffen. Ein große Oryxherde zieht in teils knapp 20 Metern an unserer Hütte vorbei, die Kulisse ist traumhaft, der Schakal lässt sich nieder, die Buschdummies glucksen entspannt vor sich hin… Die sind bestimmt alle vorbeigekommen, um uns Tschüss zu sagen 🤪 Namibia gibt sich offenbar alle Mühe, uns den Abschied so schwer wie möglich zu machen.
Pünktlich zur vereinbarten Zeit findet unser Transfer zum nächsten airstrip statt, unser letzter Flug mit einer Bumsschachtel soll uns nach Windhoek bringen. Auf dem Weg zum strip zieht der Himmel zu und es beginnt heftig zu regnen. Wir sind frohen Mutes, dass es schnell wieder vorüber geht und unser Flug um 14 Uhr regulär stattfinden kann. Doch dieses Mal haben wir wirklich Pech. Ein sattes Unwetter braut sich zusammen, auf dem kurzen Stück Weg vom Auto zum Wartehäuschen werden wir schon klitschnass. Der Pilot erwartet uns schon. Er möchte noch ein Weilchen warten in der Hoffnung, dass der Starkregen etwas nachlässt. Doch stattdessen scheint es nur noch mehr zu schütten, die Blitze kommen im 30-Sekunden-Takt und über das Getöse versteht man unter dem Blechdach eh fast kein Wort. Und so kriegen wir auch erst in letzter Sekunde mit, dass der Pilot sich offenbar doch umentschieden hat und sofort starten möchte, bevor die Sandbahn noch mehr zu einem schlüpfrigen Morast wird. Er rennt los, wir gucken planlos, schnappen unsere Sachen und rennen einfach mal hinterher. Die Welt geht unter und wir sitzen einer wackeligen Bumsschachtel, die sich grade anschickt, ins Epizentrum des Sturms zu starten. Klar, warum nicht?!? Steffi is NOT AMUSED! Überhaupt ganz gar nicht! 🤢 Ich setze mein ganzes Vertrauen in den Piloten Marke „Indiana Jones“, der sicherlich weiß, was er da tut. Wir müssen direkt ins Gewitter starten, um dann eine Kurve zu fliegen, die uns ins südliche Richtung bringt. Die Cessna wird übelst durchgeschüttelt, die Luftlöcher sind Luftkrater und die kleinen Scheibenwischer kommen kaum gegen den Regen an, es ist laut, Blitze um uns herum – da kann einem schon mal ein wenig anders werden. Aber nach endlos scheinenden 10 Minuten fliegen wir aus der Unwetterzone raus in den schönsten Sonnenschein und landen schließlich nach einer Stunde mit etwas Verspätung gegen 15.45 Uhr in Windhoek.
Um die Heimreise nicht allzu stressig zu gestalten, haben wir den Aufenthalt in Windhoek extra ans Ende der Reise gelegt, damit wir dort noch eine Übernachtung haben und dann entspannt den Rückflug antreten können. Meine Ansprechpartnerin im Reisebüro hat es sicherlich gut gemeint, als sie uns den noblen Schuppen dort ausgesucht hat, aber leider stellten wir recht schnell fest, dass das geplante I-Tüpfelchen für uns jetzt leider ein teurer Reinfall war. Nachdem wir es durchaus genossen hatten, in tollen Lodges rumzuwohnen, stellten wir nun ernüchtert fest, dass das hier für uns unter Schickimicki lief und so gar nicht unser Fall war. Nach der endlosen Weite hat uns die Stadt und das protzige Getue im Hotel ziemlich abgetörnt. Hätten wir Windhoek am Anfang der Reise erkundet, wäre es sicherlich schlauer gewesen, so fielen uns nur die festungsartigen Wohnhäuser mit Stacheldraht und Überwachungskameras auf und sorgten dafür, dass wir uns eher unbehaglich fühlten. Der Sundowner auf der Hotelterrasse war ein müder Abklatsch von denen, die wir schon erleben durften und sorgte nur für gelangweiltes Schulterzucken. Am Ende steht zu dem Aufenthalt in der Hauptstadt nur folgender Vermerk im Reisetagebuch: Stadt doof! Überkandidelten Hotel doof! Zu viele Menschen doof! Und so können wir es dann auch kaum erwarten, dass endlich der nächste Tag da war und wir wieder in den Flieger Richtung München steigen können. Wir klammern die letzte Etappe gedanklich aus und behalten die unvergesslichen Momente zwischen Sossusvlei und Etosha umso lieber im Kopf.
Als das Flugzeit dann abhebt, kriege ich Pipi in die Augen und bin einfach nur traurig, dass wir dieses Land mit all seiner atemberaubenden Schönheit nun wieder verlassen müssen. Steffi verspricht mir, dass es nicht unser letztes Mal in Afrika war und ich werde sie beim Wort nehmen. Schon seit vielen, vielen Jahren war eine Reise in dieses Land mein großer Traum und Namibia es geschafft, dass er in einer Art und Weise in Erfüllung ging, die schöner und atemberaubender war als ich es mir je hätte vorstellen können.
Danke an alle, die bis hierhin trotz des Hängers dabeigeblieben sind und nochmals Danke an das Forum im Gesamten, dass es nicht nur schafft, einem Ersttäter ein gutes Gefühl mitzugeben, sondern auch bestens dafür sorgt, dass die Zeit bis zur nächsten Reise dorthin nicht ganz so endlos erscheint. Denn meine Mama hatte einfach Recht, als sie uns vor Reisebeginn im Brustton der Überzeugung versprach, dass uns der Afrika-Bazillus nun für den Rest des Lebens begleiten wird und sich schon alleine beim Klang des Wortes das schönste Kopfkino der Welt abspielt.
“It´s better to see something once than to hear about it a thousand times”.