Geschenke , Mitbringsel für Kinder

18 Antworten · 11,3k Aufrufe · gestartet 08. Dez. 2017 von Malamute
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Themenstarter49 Beiträge · seit 201708. Dez. 2017 · #1
Hi, ich lese in den Reiseberichten immer wieder von Kindern deren Eltern in den Camps arbeiten und dort auch wohnen. Bring man Kleinigkeiten für die Kinder mit, und wenn Ja welche. Ich möchte Niemanden beleidigen wenn man z.B. Farbstifte oder Süßigkeiten austeilt.

Danke Herwig
16,9k Beiträge · seit 201208. Dez. 2017 · #2
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zuletzt bearbeitet 14. März 2018
1'014 Beiträge · seit 201608. Dez. 2017 · #3
Viele werden es anders sehen und Geschenke werden sicher gerne gesehen und angenommen. Aber ich persönlich habe ein Problem damit, (für uns) billige Stifte oder getragene Klamotten für Angestellte als Geschenk mitzubringen. Ich finde, es hat so einen Hauch von Herablassung Lodgeangestellten gegenüber. Da stecke ich lieber was in die Trinkgeldkasse. Unsere übrig gebliebenen Lebensmittel verteilen wir auch nicht als Almosen an die Angestellten sondern übergeben sie unseren Autovermieter, der sie einem Hilfsprojekt (ähnlich unseren Tafeln) zur Verfügung stellt. Mit Klamotten, Stiften, Heften oder Büchern oder was auch immer würde ich es genau so halten. Das hat weniger was von einem Almosen als von einer Spende (ich persönlich sehe da einen feinen aber gravierenden Unterschied).

Yanjep
7'296 Beiträge · seit 200608. Dez. 2017 · #4
Malamute schrieb:Hi, ich lese in den Reiseberichten immer wieder von Kindern deren Eltern in den Camps arbeiten und dort auch wohnen. Bring man Kleinigkeiten für die Kinder mit, und wenn Ja welche. Ich möchte Niemanden beleidigen wenn man z.B. Farbstifte oder Süßigkeiten austeilt.

... ohne eine Gegenleistung Dinge zu verschenken, entwickelt eine Erwartungshaltung bei den Beschenkten. Früher haben Touristen Bonbons und Geld an Kinder im Kaokoveld verteilt. Heute werfen die Kinder häufig Steine auf Autos, wenn diese nicht anhalten und die Insassen nicht etwas verschenken.

Außerdem sorgst Du schnell für Neid unter den Menschen. Du hast z.B. Kontakt zur Bedienung am Tisch bei Frühstück und Abendessen und gibst ihr etwas für ihre Kinder. Den Koch in der Küche (oder den Arbeiter, der die Zäune repariert) bekommst Du aber nicht zu Gesicht und seine Kinder gehen leer aus. Ein Teil der Kinder bekommt also immer etwas und ein Teil der Kinder geht immer leer aus. Die gelegentlich beschenkten Kinder werden u.U. von den anderen gemieden.

Was gute Absicht ist, hat oft schlechte Folgen.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
7'296 Beiträge · seit 200609. Dez. 2017 · #5
Logi schrieb:
die Frage nach Süßigkeiten beantworte ich immer so:
Und wer zahlt später den Zahnarzt?

... und in abgelegenen Regionen gibt es keinen Zahnarzt. Da nimmt man ein Stück dünnen Ast, hält den gegen den schmerzenden Zahn und haut mal ordentlich mit 'nem Stein dagegen.
Wer das mal gesehen hat und bei seinen eigenen Kindern nicht möchte, der verteilt auch keine Süßigkeiten an andere Kinder irgendwo in Afrika ...

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
2'462 Beiträge · seit 200609. Dez. 2017 · #6
Danke, Wolfgang, Du sprichst mir so aus dem Herzen.. Ich wünschte, mehr würden das so sehen wie Du..

Viele Grüße
Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
Themenstarter49 Beiträge · seit 201709. Dez. 2017 · #7
Eure Antworten bestätigen mich, ich hätte ein schlechtes Gefühl dabei Almosen zu verteilen. Leider bin ich mir bei Trinkgelder auch nicht immer sicher das die richtigen erreicht werden. Gibt man denen die am Campingplatz zusammen räumen oder den Donkey anheizen?

LG Herwig
873 Beiträge · seit 201409. Dez. 2017 · #8
Also meist gibt es ja eine Tipbox, da kannst du was rein werfen und hoffen dass jeder Chef es gleichmäßig verteilt. Da solltest du dich auf dein Bauchgefühl verlassen, da liege ich zumindest meistens richtig. Ich würde auf keinen Fall Süßigkeiten verschenken, aber du kannst an ein paar Stellen damit rechnen, dass es böse Reaktionen gibt. Das haben wir auch schon erlebt. Drüber weg sehen, denn daran sind nicht die Kinder schuld, sondern die, die meinen ihnen was gutes zu tun... Unterstütze ein Projekt (living museum etc.) oder mach es wie oben beschrieben. Da machst du nix falsch. Und für eine besondere Leistung darfst du dem Betreffenden schon ein angemessenes Trinkgeld geben. zumindest machen wir es so.
(img) https://scontent.ftxl1-1.fna.fbcdn.net/v/t1.0-9/18222493_1349849328384214_3849567912357826533_n.jpg?oh=66475f5e6b6160dd3f01b721ab03299a&oe=5A8B63AD (/img)
Themenstarter49 Beiträge · seit 201709. Dez. 2017 · #9
waterlike schrieb:................................ Da solltest du dich auf dein Bauchgefühl verlassen..........................
Bauch habe ich, Gefühl meine Frau 😄 wird schon passen

LG Herwig
210 Beiträge · seit 201716. Dez. 2017 · #10
Wir haben bei unseren bisherigen Reisen probiert sowohl den Mittelstand als auch die Schulen zu unterstützen. Also haben wir Schulhefte und Stifte vor Ort gekauft und bei Schulen abgegeben. Das war bisher immer auch interessant, oftmals haben wir eine Unterrichtsstunde beigewohnt etc. Man will ja auch das Land selbst etwas kennenlernen.
2018 Erfahrungen unserer Reise nach Namibia 2017 Stippvisite im Iran
1'042 Beiträge · seit 201618. Dez. 2017 · #11
Hallo Wolfgang,
BikeAfrica schrieb:
... ohne eine Gegenleistung Dinge zu verschenken, entwickelt eine Erwartungshaltung bei den Beschenkten. Früher haben Touristen Bonbons und Geld an Kinder im Kaokoveld verteilt. Heute werfen die Kinder häufig Steine auf Autos, wenn diese nicht anhalten und die Insassen nicht etwas verschenken.
ja leider ist das eine sehr unglückliche Entwicklung. Erst fliegen kleine Steine, dann größere und irgendwann kommt es zu einem schweren Unfall. Dann gibt es Reisewarnungen und der Tourismus ebbt in den Regionen ab. Im Endeffekt verliert dabei jeder und es gibt keine Gewinner. Furchtbar wäre auch, wenn ein Kind verletzt oder sogar getötet wird, bei dem Versuch ein Fahrzeug aufzuhalten um Geschenke zu bekommen. Kinder können die Gefahr kaum einschätzen die von einem Fahrzeug ausgeht und wissen auch nicht wie lange der Bremsweg sein kann.

Ein wenig differenzierte sehe ich das wenn z.B. Kinder die Ziegen hüten und man sowieso langsam machen muss und dann nach einer Flasche Wasser gefragt wird. "Nur" wegen Wasser werden wohl keine Fahrzeuge "überfallen".
BikeAfrica schrieb:
Außerdem sorgst Du schnell für Neid unter den Menschen. Du hast z.B. Kontakt zur Bedienung am Tisch bei Frühstück und Abendessen und gibst ihr etwas für ihre Kinder. Den Koch in der Küche (oder den Arbeiter, der die Zäune repariert) bekommst Du aber nicht zu Gesicht und seine Kinder gehen leer aus. Ein Teil der Kinder bekommt also immer etwas und ein Teil der Kinder geht immer leer aus. Die gelegentlich beschenkten Kinder werden u.U. von den anderen gemieden.
Fair ist es wenn jeder etwas bekommt. Also nutzt man die TIP Box und hofft auf eine gerechte Verteilung.

Die Kinder sind übrigens nicht so sozial eingestellt wie man sich das wünschen würde oder wie man sich das vorstellt. Selbst wenn man sagt, sie sollen sich das teilen, funktioniert das nicht immer... wobei ich es schon erlebt habe, dass die froh gerufen haben "Yes we share!" Das war eine Tüte Biltong und mir schmeckte deren Inhalt nicht sonderlich, die Kinder freute es trotzdem. Zugegeben das war an einem Tor das die Kinder für die Fahrzeuge auf und zu machten und so etwas wie eine "private Straßenmaut einkassierten"... Also auch "Entwicklungshilfe" wie man sich die nicht vorstellt.

Süßigkeiten verschenke ich aus schon genanntem Sachverhalt wirklich nie. Mir geht gerade die genannte Methode mit dem Stock und dem Stein nicht mehr aus dem Kopf... ich habe morgen einen Termin den könnte ich dann absagen... 😈 😗
BikeAfrica schrieb:
Was gute Absicht ist, hat oft schlechte Folgen.
Häufig ja.

Gruß Markus
zuletzt bearbeitet 18. Dez. 2017
16,9k Beiträge · seit 201213. Juli 2018 · #12
Hallo Tukson,

Deinen Beitrag habe ich mal dem Moderator gemeldet. Dreister kann man ja wohl kaum seine Werbung plazieren.

LG
Logi
2'497 Beiträge · seit 201113. Juli 2018 · #13
Hallo Logi,

da sind doch sooo tolle Sachen bei, Du hast bestimmt nicht intensiv genug geschaut. Vor allem das "Hagemann Keltisches Wackelholz linksdrehend" hat mich begeistert. Ich sehe förmlich das namibische Kind vor mir, das dieses polierte Stückchen Holz für schlanke 18,95 € in Händen hält, während sich seine Freunde Bonbons oder Kekse in den Mund schieben. Wenn die anderen gar nichts haben, gibt´s eh eine Keilerei.

Pädagogisch wertvolles Spielzeug muss nicht überall auf der Welt wertvoll sein, vor allem, wenn die Beschenkten die sicher in deutsch verfasste Erklärung dazu nicht mal lesen können.

Viele Grüße
Karin
Würde sollte niemals ein Konjunktiv sein. Namibia 2016: Infos zu Auto+Camps+die "Jahrhundertsichtung" Namibia 2015: Namibia - Mein Seelenland Namibia und Botswana 2014: Überraschungstour Namibia und Botswana mit Guide Namibia 2013: Drei Heidjer in Namibia - Guck mal, Elefanten!
zuletzt bearbeitet 13. Juli 2018
5'479 Beiträge · seit 200913. Juli 2018 · #14
chamäleon2011 schrieb:
Pädagogisch wertvolles Spielzeug muss nicht überall auf der Welt wertvoll sein, vor allem, wenn die Beschenkten die sicher in deutsch verfasste Erklärung dazu nicht mal lesen können.
...oder gar nicht lesen können, weil Sie lieber bei Touristen betteln, anstatt zur Schule zu gehen, da dies kurzfristig betrachtet lukrativer ist.
Unser Reise-Blog: KaTho_VanTour Staub & Schlamm (Kenia 21/22) 7 Wochen in der Regenzeit !? (NAM/BOT 18/19) Leoparden hautnah (Tansania 2016/2017) Elefantös - Zimbabwe 2016 Auf Großer Fahrt (Reisebericht SA-NAM-BOT-ZIM 2014/2015) Rivers & Sand (Reisebericht Namibia/Botswana 2013) Reisebericht Tansania 2013: "Das volle Programm"
2'497 Beiträge · seit 201113. Juli 2018 · #15
So ist es leider. Deshalb halte ich es so wie Marianne. Wenn wir von hier was mitnehmen, deht es vor Ort an Schulen oder Kinderheime oder auch mal in einen Farmkindergarten. Der Ansatz, Dinge vor Ort zu kaufen und dann weiterzugeben, gefällt mir auch.

Nochmal Grüße
Karin
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16,9k Beiträge · seit 201213. Juli 2018 · #16
chamäleon2011 schrieb:...Du hast bestimmt nicht intensiv genug geschaut...
Erwischt! Mea culpa! 😊

Ich werde mich umgehend damit befassen, damit mir so ein Lapsus nicht noch einmal passiert. 😕

LG
Logi
2'497 Beiträge · seit 201113. Juli 2018 · #17
...und ich habe auch gleich noch was gelernt...es gibt nicht nur linksdrehenden Joghurt sondern auch linksdrehende Wackelhölzer, warum die keltisch sind, kriegen wir bestimmt auch noch raus. 😛

Liebe Grüße
Karin
Würde sollte niemals ein Konjunktiv sein. Namibia 2016: Infos zu Auto+Camps+die "Jahrhundertsichtung" Namibia 2015: Namibia - Mein Seelenland Namibia und Botswana 2014: Überraschungstour Namibia und Botswana mit Guide Namibia 2013: Drei Heidjer in Namibia - Guck mal, Elefanten!
8'672 Beiträge · seit 201013. Juli 2018 · #18
Ich möchte in diesem Zusammenhang aus dem Newsletter N.9 von Camp Syncro zitieren (in der Hoffnung, dass das okay ist):

Some thoughts about an issue that we often get asked about - The begging kids
We realised a sad development during the last couple of years and unfortunately it is getting
worse and worse: the begging children/people along the roads. It happens on a general basis
that tourist vehicles are welcomed by demanding children on the road shouting for
“sweeties” if the car does not stop or they do not hand out anything, it happens more and
more that the kids start picking up stones and throwing it after the cars… Yes, sadly,
nowadays the locals started associating a tourist vehicle with “they will unconditionally give
you something for free”.
Well yes, this is a very difficult topic… And there is no simple answer or solution to it!
But since a lot of our guests ask us about our opinion, we will try to explain our view by
means of a simple example. (We will not tell you what to do or what not to do – you are all
old enough to make your own decisions…!)
Just imagine two kids. One is in school or helping at home, the other one is waiting next to
the road begging for sweeties. Now a tourist car arrives and stops in order to help this
“poor” child next to the road. Which of the two kids will be rewarded with some sweeties or
fruits or whatever? The one learning in school/working at home, or the one doing nothing
but waiting and begging? Which of the two behaviours do you promote with your actions?
There is not really an incentive for the kid in school to keep on learning and working when he
could just do nothing but wait and beg and being rewarded for it… Yes, obviously, the
incentive should be getting a good education, and therefore a better future… but please
keep in mind it is a child, and it thinks as a child does! What is more interesting for a child:
sweets or homework?
Now it is on you to decide what you do the next time when you see some people next to the
road…


LG Bele
Meine Reiseberichte im Namibia-Forum von 2011 bis heute
2'497 Beiträge · seit 201113. Juli 2018 · #19
Hallo Bele,

sehr gute Idee, das zu zitieren, denn es beschreibt finde ich nachvollziehbar die Problematik. Ich bin sicher, Ryan und Sarah haben nichts dagegen, denn es leigt ihnen ja offensichtlich sehr am Herzen.

Liebe Grüße
Karin
Würde sollte niemals ein Konjunktiv sein. Namibia 2016: Infos zu Auto+Camps+die "Jahrhundertsichtung" Namibia 2015: Namibia - Mein Seelenland Namibia und Botswana 2014: Überraschungstour Namibia und Botswana mit Guide Namibia 2013: Drei Heidjer in Namibia - Guck mal, Elefanten!
zuletzt bearbeitet 13. Juli 2018